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Mittwoch, Juni 15, 2016

Ende eines Geschäftsmodells

Droht das Ende des "Ingenieurbüros Taiwan" in der Computerindustrie? Jedenfalls im bisherigen Sinne ist das bei uns der Fall

"Mein Unternehmen" [Edit: i.S.v. Arbeitgeber] gehört zu den großen taiwanischen Computer-Hardware-Herstellern. Zwei unserer Konkurrenten sind mit eigenem Markennamen und einer davon mit Smartphones aufgestellt, während wir uns auf das sogenannte ODM/OEM-Geschäft konzentriert haben. Die Bedeutung der Kürzel ist eh verwirrend, daher sei kurz erklärt wie das ablief bisher:

 Das Ende ist auch irgendwie schön*

a) Ein Chiphersteller wie Intel oder AMD kreiert in den USA eine neue CPU. Diese wird auf ein Demo-Motherboard gesetzt, das in der Tat made in USA ist. Man muss jetzt nur noch Speicherriegel einstecken und Stromversorgung anstöpseln, dann ist der Computer (ohne Box natürlich) fertig.

Gewissermaßen treiben die CPU-Hersteller den Prozess an.

b) Das Demoboard wird an führende Computerhersteller in Taiwan (neuerdings auch in China) in oft nur einem Exemplar per Unternehmen geliefert und Marketingleute von AMD oder Intel halten Vorträge über die zukünftige Geschäftsplanung, denen wir hier andächtig lauschen. Die Techniker vergessen hinterher das ganze Marketinggerede eh wieder und die Produktmanager kennen sowieso kaum das Alphabet (deswegen sind sie Produktmanager und keine Techniker). Aber es ist immer ein netter sozialer Event mit netten Leuten aus den USA und nettem Essen hinterher.

 Ob auch die taiwanische Computermesse Computex eines Tages abwandert...

c) Die taiwanischen Computerhersteller machen ihre eigenen Motherboards bestehend auf dem Basisdesign. Etwa variieren dann CPU-Zahl und Schnittstellen wie SATA, PCIe, USB2, USB3 etc. Danach wird die Grundsoftware - das BIOS - geschrieben (das ist die Software, mit der der Computer das Betriebssystem wie Windows überhaupt erst suchen und finden kann). "Schreiben" heißt für taiwanische Softwareentwickler, dass sie es aus einem vorgegeben Standard-BIOS der gängigen zwei Hersteller (einer hat glaube ich den anderen längst aufgekauft mittlerweile) zusammensetzen.


... oder wird sie standfest am Standort Taipei bleiben?

d) Parallel dazu kommen die Kunden zu uns mit eigenen Projekten. In meiner Abteilung machen wir Server. Also will dann ein US-Kunde (oder japanischer oder manchmal europ. Kunde) etwa einen netten flachen Hochleistungscomputer haben, der dann beispielsweise an die US-Navy verkauft werden soll, wo die Fregatten ja längst schwimmende Linux-Rechenzentren sind. Dazu ist Feintuning erfoderlich, damit die Kisten nicht überhitzen. Dieses Feintuning erledigen die eigenen US-Ingenieure daheim in den USA in Zusammenarbeit mit den taiwanischen Ingenieuren hier, in dem sie diesen Vorgaben machen und die diese umsetzen. Taiwaner denken bei Computern an das nackte (und thermisch daher unproblematische) Motherboard, während der Überseekunde an den Computer im Gehäuse und die damit einher gehenden thermischen Probleme denkt.

e) Wenn die Prototypen (auch schon in China) vom Motherboard gefertigt sind, findet die Massenproduktion in China statt. Das taiwanische Unternehmen hat dazu i.d.R. eigene Fabriken in China. Taiwanische Ingenieure sind dazu dauerhaft in China stationiert, um die Produktion zu überwachen (sog. Prozessingenieure). Während der kritischen Phasen reisen Leute aus der taiwanischen Zentrale nach China, um zusätzlich zu kontrollieren. Festland-Chinesen ohne taiwanische Anleitung würden nur bunte Bretter aka Ausschuss produzieren. Jedenfalls in einer Fabrik, die Taiwanern gehört.

f) Der fertige Server wird dann von großen US-Unternehmen z.B. im Rahmen der "Lösungen statt Produkte"-Philosophie mit teurem Consulting und dem Badge der US-Firma an Kunden weltweit verkauft. Oder schippert eben mit der US-Navy herum.

Mein Part dabei war, die Produkte kundennäher testen zu lassen. Vor meiner Arbeit hier etwa wurde ein Linux-Server nur mit DOS und Windows getestet und lief dann nach beginnender Massenproduktion beim Kunden nicht mit Linux oder UNIX, so dass die Produktion teuer umgestellt werden musste. Da reicht schon ein aus der Spec laufender Transistor oder Widerstand, damit so etwas passiert. Ich habe in den vergangenen Jahren oft Linux-Testsoftware gemacht, so dass klar war, dass das Gerät auch wirklich funktionieren wird. Bei Embedded Geräten mit manchmal nur winzigen Flashdisks drin und ohne Tastatur und Bildschirmanschluss war das manchmal alles andere als trivial, auch gerade wenn es keine Standardarchitektur ist. Auch ein ganzes Linux-Cluster aus mehreren zusammengeschalteten Rechnern habe ich schon mal aufgebaut, weil die Endkunden das auch machen wollten.

Nun wird alles anders. Offenbar kommen immer mehr Kunden mit fertigen Server-Boards an und wollen diese nur noch von uns in China produziert haben. Dazu werden also nur noch wenige Hardwareleute und die Prozessingenieure für/in die Fabrik in China gebraucht. Im Zuge dieser Umstellung habe ich die Linuxsoftware aufgegeben und einige Zeit teaminterne ERP-Software von Grundauf programmiert. So ein Hardwaretest-Scheduling - Tool mit Urlaubsplanung, die Tester-Fähigkeiten berücksichtigende Test-Scheduling-Planung und einem Viewer für verschlüsselte Lehr-Videos auf einem Server, mit Team-Urlaubsplanung und mehr, das an 40 Plätzen lief.

Doch im Zuge der Neuentwicklung wird mein Unternehmen wohl die Softwareseite ganz und gar einstellen und ich bin - sicher auch wegen unserer anderweitigen (Wieder-)Auswanderungsplanung wohl nur noch temporär im Unternehmen. Ach ja: da die Linux-Testsoftware nicht mehr so oft gebraucht wurde hat sich, als ich das Aufgabenfeld gewechselt habe, schnell ein Kollege meinen alten Arbeitstitel "Linux-Software-Leiter" gegriffen. Der kann zwar kein bis wenig Linux und macht auch keine Linuxsoftware, aber freut sich jetzt über den neuen Jobtitel. Das ist der BIOS-Leiter von oben im Text ;-)

Am Ende wird mein Unternehmen sich transformieren müssen, denn der PC- und Notebook-Bereich steckt sowieso schon lange in den roten Zahlen. Man müsste auf Managementebene ganz oben nacheifern und Lösungen statt Produkte verkaufen. Und damit den eigenen Markennamen ausbauen, den Endkunden kaum kennen. Aber auch dann gäbe es wohl nur neue Büros in den Kundenländern in Übersee und am Ende vielleicht nur noch ein kleines Office in Taiwan. Dafür aber viele Prozessingenieure in China. Hier in Taiwan kommt das alte Geschäftsmodell wohl unwiderruflich zum Ende.

Mein Versuch, zur Wertsteigerung ("added value") Software zusätzlich zu den Servern zu verkaufen konnte sich auch nicht durchsetzen. Man findet in Taiwan keine arbeitsfähigen und arbeitswilligen Software-Entwickler. Die geben hier viel vor, inklusive US-Studium, können aber in Praxi nichts bis wenig. Taiwan also in Zukunft nur noch als .... als Kontaktbüro für Massenproduktion fertig vom Kunden entwickelter Motherboards in China. Ist das die Zukunft? Offenbar ja. Das Topmanagement müsste dringend das Unternehmen umstrukturieren, wenn es überleben soll.

* Ein Denkmal in Vancouver, als ich noch als reisender Linuxmensch bei Chinesen in Kanada war, die dort für den Weltmarkt Netzwerkgeräte entwickeln, die dann in Taiwan (mit-)entwickelt und wieder in China gebaut wurden

Dienstag, Mai 24, 2016

Nutzloser Bürgermeister

Ko Wen-je, einstiger hoffnungsvoller Newcomer, hat sich eine schöne Beschäftigungstherapie gefunden

Als der von der Taiwan-Unabhängigkeitspartei DPP unterstützte unabhängige Kandidat Ko 2014 Bürgermeister von Taipei wurde, hat er wegen seiner unkonventionellen Art - er selbst sagt, er habe das Asperger-Syndrom - viele Hoffnungen auf sich gezogen. Mit der Korruption der KMT wollte er aufräumen und Verkehrsprobleme lösen.

Der Verkehr ist natürlich immer noch so wie vorher, die KMT genauso sehr oder wenig korrupt wie sie schon immer war. Im Gedächtnis sind mir ein paar Dinge geblieben:

 Angefahrene Fußgängerin bei mir um die Ecke. Vor, während und nach Bürgermeister Ko das selbe wie immer


- Der unwichtige, aber sinnfreie Eklat mit einem britischen Regierungsmitglied, das ihm eine Tischuhr schenken wollte und Ko in ihrem Beisein erklärte, er könne sie an einen Schrotthändler geben. Schon klar, man soll "Chinesen" keine Uhren schenken, weil sie sonst rot anlaufen und sich beleidigt fühlen. Es sei denn man ist in Peking und es ist eine schweizer Nobel-Armbanduhr. Ko war sehr rot angelaufen.

- Die Leihfahrräder Taipeis sind etwas teurer geworden. Mir egal, ihre Benutzung ist eh lebensgefährlich.

- Jetzt wird das Benutzen der MRT (Metro/U-Bahn/Schwebebahn) teurer, weil die Ermäßigung auf die sog. "Jojo"-Karte (eine mit Geld betankbare Karte) wegfällt oder wegfallen soll.

- Ko ist in einem Endlosdisput um den Bau des "Taipei-Dome" mit der Baugesellschaft verstrickt, an der er ein Exempel wegen Korruptionsbekämpfung statuieren will und wo es nie vor oder zurück geht. Die aktuelle Pressemeldung (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2016/05/24/2003646980) liest sich wie eine im Jahre 2014.

Hier ist eine Liste, was man in Taipei tun sollte. Aber das wird Ko alles NICHT machen.

* Tempo 30 vor Schulen einführen und kontrollieren.

* Enge Wohnstraßen mit spielstraßenähnlichen Konstrukten versehen oder wenigstens überall in engen Wohnstraßen Tempo 20 oder 30 einführen und kontrollieren

* Wenigstens bei Neubauten Autos in Tiefgaragen o.ä. verbannen und für mehr Bürgersteige sorgen, die es oft ja gar nicht gibt.

* Park- and Ride vor den Toren der Stadt anbieten, auch als PKW-Verwahrplatz für die Städter und die zusgeparkten bürgersteiglosen Gassen mit breiten gesicherten Fußwegen versehen.

* Für einen Katalysator plädieren oder für (aus Sicherheitsgründen nicht geräuschfreie) E-Motorroller statt der ewig stinkenden Zweitakter

* Dafür sorgen dass Manna und Bratwurst vom Himmel fallen

All das wird er sicher nicht machen sondern nur ein verkniffenes Gesicht weiter in die Kamera halten und vom Taipei-Dome schwadronieren.


Montag, Mai 23, 2016

Uhrenfreak im Land der arbeitsunwilligen Uhrmacher (Update)

Ein Dantesches Höllenszenario ist sicherlich, wenn einem gehörnte Leute bis in alle Ewigkeit glühende Metallspieße in den Allerwertesten stecken, während man langsam über einem kleinen Feuer röstet. Oder man lebt als Uhrenfreak in einem Land arbeitsunwilliger Uhrmacher. 

Ich hatte dem Tag, an dem ich in Taiwan einen Uhrmacher brauchen würde, schon länger mit Grauen entgegen gesehen, denn Taiwaner sind eher so die quick-and-dirty - Leute, wie man in der Softwareentwicklung (mein Fachbereich) sagt. Hauptsache schnell und eher einfach ehrlich gesagt - und schnell den heißgeliebten Dollar bringend, der als wahrer Gott Taiwans längst jeden hochverehrten Holzgott im Tempel ersetzt hat. Oder anders gesagt: Taiwaner denken in einstudierten Prozessen und mögen es nicht von diesen abzuweichen. Auch weil das mehr Aufwand und nicht so viel Ertrag im Verhältnis zum Aufwand entspricht.

 Ah jetzt verstehe ich: Der Uhrmacher hat den Slogan zu wörtlich genommen (Breil vergebe mir den Werbeklau)

Seit einiger Zeit fing meine Breil Milano, ein schweizer Automatik-Chronograph, mit Ärger an. Ich hatte ja einst das original Lederarmband, das praktisch eins mit der Uhr war, entfernt und gegen ein Kautschukarmband eines Parallelmodells ersetzt. In der Tat schien das Armband zu passen und gab der Uhr einen unverwechselbaren Look. Doch im Laufe der Zeit saß das Fremdarmband lockerer und lockerer und erst ein genauer Blick auf die Armbanddetails zeigte wieso: Das Originalband hat eine Metallnase (winzig klein), die unter das Gehäuse in eine Fuge passen will, doch das sonst passende Fremdband hat leider zwei. Die reiben sich im Laufe der Zeit ab und lassen das eigentlich wie verwachsen sitzende Band dann lose sitzen.

Nach ergebnislosem Herumfeilen am Armband versuchte ich nochmals ein Originalarmband zu bekommen, doch da war nichts zu machen. Breil hat da mit der Ersatzteilversorgung wohl nicht so viel am Hut. Sogar das nicht ganz passende Band war beim holländischen Bandverkäufer im Internet mittlerweile von 70 auf 140 Euro im Preis gestiegen, knappe Güter sind eben auch teuer. Folglich entschied ich mich für ein lächerliche 3.95 Euro kostendes Fremd-Lederband und erfreute mich wieder an meiner Breil. Bis sie die Tage einfach stehen blieb. Manchmal kommt man gegen die Entropie einfach nicht an, insbesondere wenn sie mit den taiwanischen Uhrmachern im Bunde ist.

Denn meine heißgeliebte Breil Milano ließ sich nicht mehr in Gang setzen. Trotz längerem Tragens, der ja das Schwungrad bewegen sollte. Auch Aufziehversuche brachten nichts. Erst brachte ich sie zu einem lokalen Brillenladen, der auch Uhren hat. Obwohl der schon beim Kürzen eines chinesischen Metallarbands bei einer Alpha aus Hongkong mal ein ähnlich gestresstes Gesicht gemacht hatte wie ich selbst: Die Armbandstifte mancher Glieder saßen da einfach trotz richtigem Werkzeug verteufelt fest. Trotzdem ist es ein schlechtes Omen, wenn die Fähigkeiten des Fachmanns nicht wesentlich über den eigenen liegen.

Derjenige öffnete mutig die Uhr, spielte ein bisschen an den mechanischen Teilen im schönen Uhrwerk herum und eröffnete mir dann, die Uhr sei "Swiss" und daher könne er da nichts machen. Exotische Bergvölker und ihre exotischen Produkte sind in Taipei-NeiHu eben doch nicht so ganz akzeptiert, das wurde schnell klar.

In der Nähe fand sich dann eine Filiale der Kette "Formosatimes", die offizielle Vertretung der Swatch-Group-Marke Hamilton ist. Ein gutes Omen, denn auch der Uhrwerkshersteller ETA, der das Herz meiner Breil (ein Valjoux 7750) baut, ist aus der Swatch Group. Dort war man jeodch wenig geneigt, sich meine Breil überhaupt anzusehen. Erst ein Hinweis auf "ETA 7750", also das Uhrwerk, ließ einen der beiden Uhrmacher sich erbarmen, mit der sowieso immer angesetzten Augenlupe durch den halb verglasten Rücken zu gucken und eine Weile an der Krone zu drehen. Kurz darauf reichte er mir die Uhr zurück und sagte fast schon empört etwas auf Chinesisch. Dank einer Kollegin hatte ich jetzt eine englische Übersetzung, denn so weit reichte mein Notfallchinesisch nicht. Was hatte den Uhrmacher so empört?

Ganz einfach, er hatte diagnostiziert, dass die Krone kaputt war. Nun ist die nicht wirklich kaputt, sondern nur etwas ausgeleiert und braucht etwas Druck beim Drehen, was höchstwahrscheinlich nichts mit dem Defekt zu tun hat. Aber ich ertappt mich dabei, mich richtig schuldig zu fühlen. Denn beide Uhrmacher und die Übersetzerin sahen mich nun vorwurfsvoll an. Wie konnte ich es wagen, solche Spezialisten hier mit einer kaputten Krone zu konfrontieren. Wie sollten die armen Menschen hier die Uhr reparieren, wenn sie auch noch kaputt war?

Erst da wurde mir der Irrsinn der irgendwie taiwahnsinnigen Situation klar. Ein schüchternes "Can you repair the crown?" entfleuchte meinen Lippen. Ginge nicht, sagte die Übersetzerin sofort, schließlich könne man die Krone nicht ordern. Ich wusste ja schon, dass Breil in Taiwan nicht vertreten ist. Allerdings kann man eigentlich an eine Uhr mit Standarduhrwerk wie meine auch eine andere passende Krone stecken. Aber irgendwie sollte ein solcher Vorschlag ja vom Uhrmacher kommen und ablehnend wie alle waren, fand ich es an der Zeit zu gehen. Man hatte offenbar keine Lust einfach irgendeine Uhr zu reparieren bei "Formosatimes".

Derzeit suche ich einen deutschen Uhrmacher und werde mir dann das Ding per deutschem Paketforwarder selbst zurück schicken. Eigentlich sind schweizer Uhren für die Ewigkeit gebaut, jedenfalls die automatischen. Und ich denke, womöglich braucht die Breil - aus den mittleren 2000er Jahren stammend - nur mal neues Öl und eine Reinigung. Und einen richtigen Uhrmacher eben. Der Neupreis - den ich nicht bezahlt habe - lag mal bei über 1000 Euro, EVP sogar 1600. Nur braucht auch so ein schon etwas teureres Ding eben mal fachgerechte Wartung. Worauf sie jetzt noch ein bisschen warten muss.

Nachtrag: Mir wurde ein Reparaturservice empfholen, der für Hublot und Tag-Heuer arbeitet. Abgesehen von den üblichen Bürozeiten stört mich da freilich der Gedanke, vielleicht doch wieder nur meine Zeit zu verschwenden. Ein deutscher Uhrmacher wird es dann wohl werden.

UPDATE: Die Uhr ist mittlerweile bei Watchart.com, einem Händler der Rolex und Konsorten hat und keine "billigen" Uhren. Dort hat sich ein Uhrmacher sofort der Uhr angenommen, sie 10 Minuten aufgeschraubt beäugt und diagnostiziert, dass sie nur einen "Full Service", im Wesentlichen also Ölen und Reinigen des Uhrwerks braucht. Kostenpunt 8000 NT aka 200 Euro, wie in Deutschland auch. Man sollte hier gleich zu den teuren Geschäften gehen und die arbeitsunwilligen oder arbeitsunfähigen simpleren Geschäfte vermeiden. Die Uhrmacher verhalten sich da ähnlich wie das Gesundheitswesen hier ;-)

Donnerstag, Mai 19, 2016

Ende Taiwan-Zeit(?): Rentenanspruch minimal (Update)

Gerade mal nachgerechnet.

Dies ist sicher auch ein Artikel, der zensiert werden wird, wenn ich in Deutschland noch mal auf Jobsuche gehen werde. Wie dem auch sei, wenn man wie ich 12 Jahre seines Arbeitslebens in Taiwan zugebracht hat, kann einem der Schreck in die Glieder fahren, wie lächerlich der Rentenanspruch ist.

Weiterführender Link:
Details zur Rente in Taiwan gibt es hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html

Für die 12 Jahre würde ich wohl gerade mal 15.000 Euro bekommen als Einmalzahlung. Das auch nur wenn die Info auf den englischen Rentenseiten Taiwans wirklich korrekt ist und es nicht Rentenkürzungen eigenmächtig durch die Verwaltungsbeamten gibt, die in Taiwan im Wesentlichen tun können was sie wollen. Es sei denn man verklagt sie, aber wer will bei den erratischen Gerichten in Taiwan schon den Staat verklagen als "Bignose".

Nun muss man mal rechnen: Pro Jahr sind das gerade mal knapp 1154 Euro, wenn man davon ausgeht, dass ich nach Rentenerhalt mit 67 nur bis zum 80. Lebensjahr leben würde. Das wären dann pro Monat also gerade mal etwas über 96 Euro. Nicht gerade ein Vermögen.

Wie wenig das ist sieht man, wenn man sich vorstellt, man hätte statt 12 z.B. 36 Jahre zu diesen Bedingungen in Taiwan gearbeitet. Dann hätte man also das dreifache meines Wertes (sie zahlen ja hier pro Renteneinzahlungsjahr ein errechnetes Durchschnittsgehalt). Da komme ich auf gerade mal 288 Euro Rente im Monat.

Das würde ich also aus Taiwan erhalten, wenn ich hier 36 Jahre arbeiten und einzahlen würde (ohne dass mein Durchschnittsgehalt höher geworden wäre).

Sicher, theoretisch erhält man ab 15 Beitragsjahren eine monatliche Rente, die besser ausfallen würde (da käme ich auf 279*** Euro monatl. statt 96, wenn ich die 15 Jahre voll kriegen würde, was gerade bei erhoffter längerer Lebensdauer letztlich deutlich mehr ergäbe). Aber offenbar besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass einem als Ausländer trotzdem (widerrechtlich) nur eine Einmalzahlung nach der niedrigen Durchschnittsgehalt-Formel gewährt wird - siehe Link ganz oben.

Hat sich also eigentlich nicht so ganz gelohnt, die Arbeit hier in Taiwan...


*** hier stand anfangs ein viel zu hoher Wert von 400 Euro oder mehr, der sich auf Weiterarbeiten bis nahe ans Anspruchsalter bezog 

Interessantes Update dazu, das optimistischer stimmt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/06/rentenformel-bestatigt.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/06/rentenformel-bestatigt.html 

Freitag, April 22, 2016

Festgenommen wegen Drogenschmuggels in Taiwan: Angehörigen-Info (Update)

Hier das 2016er - Update zum Thema. Im Wesentlichen nur eine aufgeräumte Version des letzten Artikels zum Thema.

Motivation: Immer mal wieder finden Angehörige oder Bekannte von in Taiwan wegen Drogenschmuggels einsitzenden Deutschen oder Deutschen nahestehenden Häftlingen dieses Blog über Google und benötigen Infos. Ich verweise dann immer wieder auf den letzten Blogartikel zum Thema, da mein letzter Besuch bei einem Häftling schon länger zurückliegt und mich mein Gedächtnis zum Thema im Stich lässt. Und beim Durchsehen des Artikels denke ich dann immer "den könntet du mal wieder aufräumen". So auch dieses Mal. Unten die im April 2016 aktualisierte Fassung der Angehörigen-Info.

Vorbemerkung: Ich bin ein in Taiwan lebender deutscher Informatiker und habe mit Drogen oder der Drogenszene rein gar nichts zu tun. Zweimal habe ich auf Anregung einer Blogleserin einen Häftling in Taiwan im Gefängnis besucht. Daraus entstand der erste Artikel zum Thema. Weder heiße ich Drogenschmuggel gut noch stehe ich dem Thema oder den Leuten nahe. Aber Angehörige, die sich Sorgen wegen der Todesstrafe machen benötigen natürlich Info.


Taiwan: besser draußen als drinnen**


Zur Zeit sind mehrere Deutsche in Taiwan in Haft wegen Drogenschmuggels. Die Zahl von Sieben findet sich u.a. hier; seither gab es zwei Rückführungen nach Deutschland und wohl weitere Festnahmen in der Sache.

*

Zunächst schwebt für Angehörige immer die drohende Todesstrafe im Raum, die in Taiwan auf Drogenschmuggel steht. Die Presse spricht immer von drohender Hinrichtung, wenn sie sich mit dem Fall befasst und in einem Auswandererforum gibt es sogar eine Falschmeldung über die Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan in den letzten Jahren - ich widerspreche dort energisch.

Grundsätzlich sind in Taiwan jedenfalls in einem irgendwie absehbaren Zeitraum in den letzten Jahrzehnten noch KEINE "Westler" wegen Drogenbesitzes in Taiwan zum Tode verurteilt oder gar hingerichtet worden. So merkwürdig das klingt, nur Taiwaner oder Angehörige diverser asiatischer Nationen sind davon betroffen, Taiwan nimmt Europäer und Nordamerikaner davon offensichtlich aus, sicher um sich in Abgrenzung zur VR-China zivilisiert zu geben - was ja auch zutreffend ist. Die Todesstrafe wird vielleicht vom Staatsanwalt gefordert, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (und ich denke hier eher an 100%) nicht ausgesprochen werden. Mitlesende evtl. involvierte taiwanische Juristen mögen mir diese kecke Einschätzung verzeihen, natürlich sind die Gerichte unabhängig. Trotzdem denke ich, muss sich niemand über die Todesstrafe Sorgen machen.

 Nicht der Gefängnishof, sondern Parkanlage in Taipei-NeiHu

Die Standardverurteilung in Taiwan wegen Schmuggels von großen Mengen Heroin beträgt Lebenslänglich und auch bei weichen Drogen sähe es wohl nicht anders aus, der strengen Gesetzgebung in Taiwan halber. So weit mir die Fälle bekannt sind, ist der Standardfall eines in Zusammenhang mit dem Drogenimport festgenommenen Deutschen ein Thailand-Residenter (Achtung: Thailand ist NICHT mit Taiwan identisch!), der dort in finanzielle Probleme geraten ist und sich dann vom organisierten Verbrechen überreden ließ, mindestens ein Kilo Heroin nach Taiwan zu schmuggeln. in Taiwan ist der Insellage und hervorragender Kontrollen halber kaum Heroin auf dem Markt zu finden, deshalb ist der Marktpreis hoch und es wird immer wieder versucht etwas hinein zu schmuggeln.

Fast immer werden Drogenkuriere gefasst, angeblich soll es täglich einschlägige Festnahmen geben, allerdings sind nur recht selten Deutsche oder Nordamerikaner darunter.

Es erwarten den Festgenommenen 1-2 Jahre Untersuchungshaft, die in Taiwan allerdings nicht auf die spätere Haftzeit angerechnet werden, am Ende steht also eine Verurteilung zu Lebenslänglich oder eine langjährige Haftstrafe, letzteres nur, wenn hart nachweisbare Fakten zur Milde vorliegen, etwa die erfolgreiche und vor Gericht belegbare Zusammenarbeit mit Interpol (Beweis schwierig, weil Taiwan keine offizielle Zusammenarbeit mit Interpol hat soweit ich weiß, weil Taiwan von den meisten Staaten der Welt nicht diplomatisch anerkannt wird) oder ein ärztliches Attest über einen verwirrten Geisteszustand, wie in einem Fall offenbar geschehen. Man kann Atteste o.ä. in Taiwan ausdrücklich NICHT kaufen gegen Bares; die taiwanische Justiz schaut hier sowieso genau hin beim sensiblen Thema Drogenimport.

Die Haftbedingungen sind zunächst recht gut, da während der Untersuchungshaft und der Prozessdauer eine 2-Mann-Zelle o.ä. zur Verfügung steht statt einer überbelegten Massenzelle. Das Deutsche Institut (DI), die inoffizielle Vertretung Deutschlands in Taipei  (http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/taipei/de/Startseite.html), das  wegen diplomatischer Nichtanerkennung Taiwans seitens Deutschlands  die Rolle einer Botschaft (teilweise) übernimmt, sorgt für die Übergabe einer Adressenliste mit Anwälten und besucht den Verurteilten regelmäßig. Hier im Blog erweckte ich einst den Eindruck, diese Betreuung sei unvollkommen. Da möchte ich mich beim DI für entschuldigen, ich wollte damals nur dem Eindruck vorbeugen, das DI könne in Taiwan wesentlichen Einfluss auf den Prozess nehmen der dergleichen, wie das manchmal von Laien vermutet wird.

Die anschließende Haftstrafe wird dann jedenfalls im "Taipei Prison" angetreten, das im Landkreis Taoyuan liegt. Link zum Taipei Prison, englische Webseite: http://www.tpp.moj.gov.tw/mp138.html. Nach 2/3 der Haftstrafe kann der Häftling entlassen werden, bei Lebenslänglich heißt das in Taiwan mindestens 20 Jahre. Seit neuestem gibt es ein Auslieferungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik China (so lautet der formelle Staatsname von Taiwan), nach dem der Häftling zum Absitzen der Reststrafe nach Deutschland überstellt werden kann: http://www.china-observer.de/index.php/2013/11/07/auslieferungsabkommen-zwischen-taiwan-und-deutschland-unterzeichnet/
Offenbar gibt es jetzt ein festgeschriebenes Verfahren zur Überstellung von deutschen Häftlingen. Die ersten zwei der Verurteilten, ein wg. mildernder Umstände nur zu 14 Jahren Haft verurteilter Deutscher und ein anderer mit 16 Jahren Haft-Urteil, sind schon wieder in Deutschland angekommen. Erster schon abgeschlossener Fall http://www.taiwanembassy.org/de/ct.asp?xItem=591566&ctNode=12779&mp=112.
Zweiter Fall: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2016/03/26/2003642482 (Hinweis vom "Taiwanreporter" über Facebook: https://www.facebook.com/taiwanreporter/posts/10153604479733295?fref=nf).

Ich selbst habe einen deutschen Häftling zweimal im Taipei Prison besucht, mein Bericht dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/12/besuch-bei-deutschem-gefangenen-in.html. Ein Foto aus dem taiwanischen NEXT-Magazin mit Blick in eine der überbelegten normalen Vollzugszellen kann man hier sehen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html

Zu den Haftbedingungen ist zu sagen, dass die Häftlinge die meiste Zeit und auch die Wochenenden in den engen Zellen verbringen, wochentags in der "Fabrik" arbeiten können, was als angenehme Abwechselung empfunden wird und sonst keinen Freigang im Hof oder dergleichen haben. Das Essen kann man salopp als schlank machende asiatische Kost bezeichnen, unterernährt sind die Häftlinge nicht, aber eben schlank. Belastend ist, dass das in großen Kesseln lange gegarte Essen recht geschmacklos ist, Festtagsessen oder die Teigtaschen ausgenommen, wie mir berichtet worden ist.

Ansonsten sei noch dieses Blog (https://andreasintaiwan.wordpress.com/) eines konfessionellen Gefängnisbesuchers in Taiwan empfohlen, dessen Blog auch Enblicke in die Situation der Gefangenen bietet. Klaus Bardenhagen, deutscher Journalist in Taipei, hat auch gute Infos über die Deutschen und die Todesstrafe in Taiwan: http://www.intaiwan.de/2009/02/11/todesstrafe-in-taiwan/

Zurück zur Haft in Taiwan: Psychisch belastend ist für die ausländischen Insassen, dass sie fern der Heimat sind, es keine sprachliche Anpassung des Gefängnisbetriebes für sie gibt (sie sollen Chinesisch lernen), sie im Gegensatz zu den Einheimischen keinen Verwandtenbesuch bekommen (jedenfalls keinen regelmäßigen) und auch die Essensmitbringsel der Verwandten (die manchmal Essen mitbringen und manchmal im Gefängnisladen für die Gefangenen einkaufen) vermissen, die die einheimischen Gefangenen zur Streckung der Gefängniskost gerne nehmen. Durch das oft feuchtheiße Klima und die Überbelegung kommen noch diverse Hautkrankheiten dazu, in Taiwan ist die Bakterien- und Pilzflora sowieso aktiver als in Europa. Offenbar findet nach einiger Zeit eine Anpassung des Häftlings an die Umgebung statt.

Im Gegensatz zu Asienklischees finden offenbar keine Übergriffe von Wärtern oder anderen Gefangenen auf die ausländischen Häftlinge statt, die Wärter verlangen aber Disziplin von den Gefangenen und bestrafen etwa "Ausflippen" aufgrund des psychischen Stresses mit Isolation. Auch beim Empfangen von Besuch wird vom Häftling eine ordentliche gerade Sitzhaltung verlangt, wie ich selbst sehen konnte.

Was kann man nun tun? Als Nichtverwandter kann man erst mal gar nichts tun, außer sich an die Familie zu wenden und diese wiederum kann vom Deutschen Institut Hilfe und Infos bekommen, Link siehe oben. Um beispielsweise Bücher oder Briefe ins Gefängnis zu schicken, braucht man die Haftnummer des Häftlings, sein Gefangenenkürzel, sein Geburtsdatum etc., Infos die man so nicht hat. Einfach ein Paket schnüren und losschicken geht also nicht, auch weil der Häftling eine Sendung erst beantragen muss.

Wer einen Gefangenen besuchen will, muss wieder die Kontaktinfo haben. Ich musste damals als Nichtverwandter auch erst (über meine Frau) Kontakt mit dem Gefängnis aufnehmen. Wer einen Besuch machen will und die Erlaubnis hat (Verwandte bekommen die immer denke ich, jedenfalls nach der Untersuchungshaft) den kann ich dazu durchaus ermutigen, Taiwan ist ein ordentlich verwaltetes Land mit niedriger Kriminalität, man muss sich da also keine Sorgen machen und das Gefängnispersonal ist hilfreich. Allerdings kann man wohl einen Gefangenen nicht allzu oft besuchen, evtl. nur einmal die Woche, siehe auch meinen Artikel vom damaligen Besuch.
Zu weiteren Besuchen im Gefängnis habe ich leider keine Möglichkeit, da ich aus der Gegend weggezogen bin und durch kleinen Sohn und mehr Verantwortung im Beruf mittlerweile einfach keine Zeit mehr ist.


ANWÄLTE:
Link zu einer mit den Häftlingen befassten Anwaltsseite: http://www.stcoll.de/Rechtsgebiete/Strafrecht/Internationales-Strafrecht/Reisebericht-Taiwan/index.html

GEFÄNGNIS:
Diese Slideshow erlaubt einen Einblick in das Taipei Prison, u.a. auch in eine der überfüllten Zellen: http://www.examiner.com/slideshow/inside-a-chinese-taipei-prison#slide=1

KONSULARISCHE* HILFE:
Bei deutschen Staatsbürgern ist das Deutsche Institut Taipei zuständig:
http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/taipei/de/Startseite.html

KEINE HINRICHTUNGEN VON DEUTSCHEN:
Hier nur noch mal der Beleg, dass in den letzten 20 Jahren jedenfalls keine Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan stattgefunden hat - andere Westeuropäer werden ebenso behandelt, genauso wie Nordamerikaner. Ich reiche das nach, weil Google immer wieder in einem Forum die Falschmeldung einer Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan "vor 4 Jahren" (Stand 2013) auflistet, die von einem anderen Taiwanexpakt in die Welt gesetzt wurde, wohl um ein Abschreckungsszenario zu erzeugen. Die Hinrichtung fand nicht statt, ich zitiere mich selbst auf dem Forum:
Die "Initiative gegen Todesstrafe" nennt (Stand August 2010) in den letzten 20 Jahren nur*** 2 Hinrichtungen an Deutschen, beide in den USA: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/nc/aktuelles/nachrichten/details/article/zum-tode-verurteilte-deutsche-staatsangehoerige.html?cHash=4ef67d1b60&print=1
Es handelt sich um das folgende Dokument, Zitat: (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Tom Koenigs, Marieluise Beck (Bremen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/2761 –, 26.08.2010)


WAS KÖNNEN NICHTVERWANDTE TUN:
Info von einer Betroffenen: Wenn kein Verwandtschaftsverhältnis vorliegt, müssen offenbar zunächst 1-2 Jahre Untersuchungshaft abgewartet werden, dann kann über die deutsche diplomatische Vertretung in Taipei ein Kontakt zum Häftling hergestellt werden, den dieser initiieren muss (zuerst schreiben).

ÜBERSTELLUNG NACH DEUTSCHLAND:
Taiwan besteht auf im Wesentlichen den selben Bedingungen wie in Taiwan, wenn die Haft in Deutschland abgesessen wird. Eine beliebige Verkürzung ist also nicht möglich. Im Falle des zu 16 Jahren verurteilten hat Taiwan zugestimmt, dass die Haftstrafe auf die in Deutschland für diese Straftat max. möglichen 15 Jahre reduziert wird. Ich vermute, dass Entlassung nach 2/3 weiterhin möglich ist, weil sowohl in Taiwan wie auch in Deutschland möglich. Mir ist unklar, was im Falle der Standardverurteilung von Lebenslänglich (in Taiwan üblich bei Drogenschmuggel ohne mildernde Umstände) möglich ist. Kann da auch überstellt werden? Das wird die Zukunft zeigen.

*auch wenn das Deutsche Institut wegen Nichtexistenter dipl. Anerkennung von Taiwan/Republik China seitens Deutschlands keine offizielle Botschaft ist

** Eine ähnlich Weisheit wie der an der Eingangstür (zum Anmelderaum für Besucher) des Taipei Prison angebrachte Slogan: "You choose: Love or Punishment" / "Sie haben die Wahl: Liebe oder Strafe".

Update: Kürzliche Festnahmen:

Neuseeländer, 02.03.2016, 2.7 kg Heroin: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603020012.aspx

Zwei Taiwaner, Januar 2016, 800g und 200g Heroin: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2016/01/14/456044/Ring-members.htm

Däne, März(?) 2015, 1.5 kg Heroin: http://cphpost.dk/news/dane-faces-death-penalty-for-heroin-smuggling-in-taiwan.html

Zwei Franzosen, eine Schwedin, Januar 2015, zusammen 5kg Heroin: http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=2676224

Insbesondere der Artikel über den Dänen versucht den Eindruck zu erwecken, als stünde eine Hinrichtung bevor. Als Blogger kann man auf solchen Qualitätsjournalismus nur neidvoll blicken. Aber andererseits: Wer $$$ mit Nachrichten machen muss, will halt Leser anlocken.



Dienstag, April 19, 2016

Automobiles... und ein Denkverbot über Statik

An manche Dinge darf man in Taiwan nicht mal denken. Oder nicht mal hinsehen.

Physiker wissen, dass man ein Experiment beeinflusst, indem man es beobachtet. Was irgendwie mit Katzen in Kisten zu tun hat und einer Zyankalikapsel, die mit dem Deckel verbunden ist. Nein, ich habe keine "psychischen Probleme" - wie Leser mir manchmal attestieren, wenn sie Artikel nicht ganz durchschauen. Googeln Sie mal nach "Schroedingers Katze". Genau dieses Beobachten irgendwie instabiler Zustände macht Taiwan so gefährlich. Unvergessen, als ich 2004 hier sah, wie ein Wasserfall bei Starkregen aus einer eingeschalteten Deckenlampe kam und nichts weiter passierte. Besser, man sieht nicht hin, sonst löst sich alles in Funkenregen und Stromschlag auf.


Oder als ich neulich sah, wie bei uns in NeiHu (Stadtteil von Taipei) jemand eine Kerze in den offenen Motorraum gestellt hatte, um ihn spätabends bei der Reparatur zu beleuchten. "Intelligenter Mann", dachte ich noch. "Spart Strom". Doch dann musste mein teutonischer Verstand sofort an die Brandgefahr denken und in der selben Sekunde fing der Motorraum Feuer. Schien den Mann aber nicht aufzuregen, er griff routiniert zum Feuerlöscher und löschte sein brennendes Auto. Waren ja nur ein paar Flammen auf dem Motorblock, nicht so wild. Mein Fehler: Ich hatte nicht nur hingesehen, sondern auch noch drüber nachgedacht.
Und hier oben die E-Klasse* (in der seltenen Taxiversion, sind sonst alles Toyotas) auf dem Wächterhäuschen eines Schrottplatzes? Nun, oft macht man da wegen der Hitze ein zweites Blechdach drüber oder desgleichen. Und eine E-Klasse ist nun mal aus Blech. "Nicht drüber nachdenken", kommt immer immer in den Sinn, wenn ich wieder mal wegen der roten Ampel an der Kreuzung zu unserem Volvo-Händler anhalten muss neben dem fliegenden Benz. Auch nicht darüber nachdenken, was ein Erdbeben hier an Masseschwingung auslösen könnte. Erdbeben hat man ja laufend in Taiwan.

Augen lieber auf die neuen Volvos, gleich vor dem Netz eines asiatischen Golfplatzes, wo die Leute auf drei Etagen in kleinen Boxen stehen und Golfbälle sinnlos auf einen von selbigen übersäten Platz dreschen. "Was machen die da bloß?",  fragte meine Frau, als wir an der Ampel dort halten mussten (wegen dem Mercedes fragt sie nie). "Bist Du wirklich Asiatin?", hätte ich fast gefragt.

Nicht ablenken lassen darf man sich auch von kleinen orange oder rosa-weiß farbenen Dingen, wenn man in Taipeis Einkaufsmeilen eine Querstraße passiert. Aus dem Sichtschutz der Unterwäschesäule kann plötzlich ein mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve rasendes Auto kommen, dass einen schlichtweg überfahren würde, wenn man nicht als Fußgänger auf Draht ist, so wie es mir und Frau und Junior fast neulich passiert wäre. Der Fahrer des schicken 5er-BMWs hatte die teutonisch-perfekte Fahrwerksauslegung fast zum Nachteil von zwei anderen Teutonen und der taiwanischen Frau und Mutter bis in den Grenzbereich ausgenutzt. Taiwanischer Wahnsinn und teutonische Ingenieurskunst in unheilvoller Kombination.

Apropos Wahnsinn. Auch Ludigels Schlichtwohnung im von Frau bevorzugtem Schlichtwohnviertel hat manchmal merkwürdige Ansichten zu bieten. Juniors Elektro-New Beetle hat dazu geführt, dass er in der engen Wohnung schon rangieren kann mit 4 wie ein Profi-Autofahrer - auch wenn wir ihm zur räumlichen Entlastung noch ein Elektro-Dreirad gekauft haben. Man muss aufpassen, wenn er damit ohne zu gucken um die Ecken der Wohnung düst. Früh übt sich, wer am taiwanischen Straßenirrsinn teilnehmen will.

Man sieht es nicht gleich, aber oben im Bild steht ein weißer Bentley vor einer hinter der Mauer versteckten Autowäsche oder Autowerkstatt, die sich laut Schild "Big Man" nennt. Gleich hinter der Kurve mit dem alten Mercedes vom ersten Bild. Dort stehen immer Porsches und Bentleys und so ein Zeug herum und die Kunden schlürfen Saft an Schirmtischen, während die Karre poliert. Der Trend zur Bonzenkarre hält an. Als ich früher in der Parkgarage des Restaurants "Cha for Tea" meinen Nissan parkte, waren da noch nicht so viele Nobelkarossen. Letztlich aber parkte ich meinen Volvo (der den Nissan nach Wunsch von Frau ersetzt hat) neben einem Maserati und wunderte mich über die Dichte an Porsche (Cayenne), Mercedes und Lexus. Haben die die Preise erhöht in dem Schuppen? Oder reduziert, so dass die Leute mehr Geld fürs Auto über haben.

Wie dem auch sei, seinen Sie vorsichtig da draußen im Verkehr - bei feuchtem Wetter fliegen die E-Klassen wieder tief etc. pp.


* Aka W124, anfangs hieß die Reihe ja auch noch gar nicht E-Klasse

Montag, April 18, 2016

Missionar auf Fahrrad überfahren: tot

Tragischer Unfall eines Mormonen-Missionars

Die Mormonen-Missionare sind in Taiwan in der Ausländergemeinde fast schon ein Runnig Gag. Ich selbst hatte mal ein Duo der jungen Männer in einer dunklen Seitengasse erlebt und einer der pickeligen jungen Männer sprach mich an und sagte "Ich habe eine gute Nachricht von Jesus für dich". Da sah man so richtig die Marketingabteilung der Kirchenfirma bei der Arbeit. In einer dunklen Gasse war das grenzwertig unheimlich, fand ich.

Nervig sind die manchmal aufdringlichen jungen Männer möglicherweise, aber man gönnt ihnen natürlich ihre Mormonen-in-fremden-Ländern - Abenteuerjahre. Die nur für junge Männer gelten übrigens, die Moromonen-Jungmitgliederinnen dürfen nicht teilnehmen. Auch auf dem Fahrrad fielen sie mir schon in Taipei auf. Radfahren wird ja massiv angeworben, seit es überall die Youbikes gibt, wo man gegen Geldkarte einfach ein Mietfahrrad aus einem Ständer ziehen und an irgendeinem anderen Ständer wieder anstellen kann. Obwohl es hier fast keine Radwege gibt und Radfahren brandgefährlich ist ob der rücksichtslosen Autofahrer. Von den aggressiv-gleichgültigen und unter Substanzeinfluss stehenden LKW-Fahrern mal abgesehen.

Leider ist ein junger Missionar nun beim Radfahren in Taichung zu Tode gekommen, wohl durch einen simplen Sturz, so dass andere wohl keine Schuld trifft. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass die Mormonenkirche ihren naiv wirkenden Jungmissionaren Taxi und MRT (U-Bahn, Hochbahn) statt Fahrrad ans Herz legen würde. Die Verkehrsdichte ist einfach viel zu hoch fürs Teilnahmen am Straßenverkehr mittels Fahrrädern, insbesondere wenn Westler draufsitzen, die anderes gewohnt sind.

http://www.deseretnews.com/article/865652049/LDS-missionary-in-Taiwan-dies-after-vehicle-strikes-his-bike.html

Donnerstag, April 14, 2016

Jesus gefunden

Buchstäblich. Wenn ein Kruzifix zählt.

Letztes Wochenende plagten mich ... interne Beschwerden, die wohl auf eine Wanderung einer Erkältung in tiefere Regionen zurückzuführen waren und mir daher die Post-OP-Beschwerden nach meiner vergangenen Operation wieder stärker zum Vorschein brachten. U.a. war ich intern "aufgeblasen" und dagegen hilft... Kümmel. Der ist in Taiwan wohl eher ein exotisches Gewürz und ich suchte ihn erfolglos in Geschäften bei uns in NeiHu, bis ich ihn letztlich in der eigenen Küche fand: übriggebliebene Gewürze von dem einst von uns betriebenen italienischen Restaurant. Ich mag ein kurzes Stoßgebet an den Herrgott geschickt haben, denn jetzt konnte ich mir einen Kümmeltee aufsetzen, der mich alsbald vom Gros der Beschwerden befreite.

Beim Weg zur nächstgelegenen Garküche kam mir dann so in den Sinn im Blog von meiner Anrufung des Herrgotts in satirischer Form zu schreiben, Marke "dank verdorbenem Magentrakt zu Jesus gefunden", doch ich verwarf den Gedanken sofort wieder als zu banal und wenig lustig. Wie man eben so manches kurz andenkt und dann wieder verwirft.



Doch statt meinen gewöhnlichen Heimweg zu nehmen ging ich diesmal aus einer Laune heraus durch ein paar Hintergassen. Verblüfft war ich, dort ein winziges Kruzifix in der Gosse zu finden. Ein billiger Blechartikel sicher nur, mit kaputter Öse mit Haltekettenresten dran. Offenbar ein verlorener Schlüsselanhänger. Erst wollte ich ihn auf einen Mauervorsprung legen, damit ihn der Eigentümer wieder finden könnte. Andererseits war das Ding scharfkantig und bei solcher Präsentation bestand die Gefahr vom Verschlucken durch Kleinkinder. Auch hätte die in der Nähe arbeitende Müllfrau (alte Frauen, die in Taipeis Straßen nach Müll suchen) sicher das Ding als Metallschrott mitgenommen. Außerdem ist es ja ein extrem geringwertiger Artikel und mir rang noch das "Jesus gefunden" aus meinen Gedanken im übertragenen Sinne in den Ohren. So ziert das Kruzifix heute meine schwarze Handyhülle. Sieht sicher etwas streng aus, ist aber sicher auch praktisch. Wo man ein Handy fast immer zur Hand hat kann man so schnell den nächsten Vampir oder eine Ausgeburt des Bösen in die Schranken weisen. "Vade retro satanas!" und nebenbei kann man weiter die Nachrichten lesen.

Aber schon irgendwie unheimlich, wer alles mithört, wenn man so in Gedanken ist.


 

Dienstag, April 12, 2016

Essen Taiwaner Hunde?

Na, besser als umgekehrt, oder?

Und im 12. Jahr dieses Blogs haben wir den Hundeverzehr der Taiwaner (auf dem Lande im Wesentlichen) endlich in einem akademischen Harvard-Papier verewigt gefunden:

https://dash.harvard.edu/handle/1/8889451

Dieser Link wird den Newbies eine Lehre sein, die immer sagen, die Taiwaner würden keinen Hund essen. Augenzwinker.





Mittwoch, April 06, 2016

Mehrere Angriffe auf Kinder durch "Trittbrettfahrer"?

Im Nachhall der grauenhaften Ermordung einer Vierjährigen auf offener Straße berichtete das TV am verlängerten Wochenende von mehreren Messerangriffen auf Kinder

Die vibrierende, überbevölkerte und dauergestresste Insel Taiwan zeigt sich die Tage nicht von ihrer besten Seite. Das TV meldete am verlängerten Wochenende (Montag und Dienstag waren Feiertage), dass in Tainan und anderswo mehrere Kinder mit Messern angegriffen worden sind. Die Medien legten Trittbrettfahrer-Taten nahe, vgl. den ursprünglichen Fall hier: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603280008.aspx 

Da der Mord das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Insel ist, beschäftigt er natürlich auch die geistigen Problemfälle, die in Taiwan noch weniger medizinisch versorgt werden als das vielleicht in Mitteleuropa der Fall ist.
Der Tainan-Fall ist hier genannt: Der Exfreund einer Mutter drang gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Freundin ein, in der sich nur noch eine der Töchter der Frau befand. Er hielt die 12jährige mit einem Messer am Hals als Geisel und verletzte sie am Ende schwer im Halsbereich. Das Mädchen konnte gerettet werden. http://www.straitstimes.com/asia/east-asia/girl-12-slashed-in-latest-knife-attack-in-taiwan
Edit: Der selbe Artikel erwähnt, ein Mann, der mit zwei Messern vor einer Grundschule im Taichung "herumlungerte", sei festgenommen worden.

Kinder von Ausländern stechen hier in der Masse etwas heraus. Jeder muss selbst wissen, ob er das Risiko als groß genug ansieht, um ein bisschen kritischer zu gucken, ob ein gestresst oder aggressiv wirkender Mitsteuerzahler Kurs auf das eigene Kind nimmt. Bei Familie Ludigel gehört das gerade zum Standardprogramm. Nicht vergessen sollte man aber, dass die Hauptgefahr von den rücksichtslos fahrenden Autofahrern ausgeht. Familie Ludigel hatte eine der kleinen Einmündungen von den Fußgängerzonen in Taipei-Zentrum schon zu einem Drittel überwunden, da raste von hinten ein 5er-BMW heran, schnitt Frau, Junior und mir fast die Fußspitzen ab und raste davon. Hätte ich die Kopfhörer-tragende Frau und Junior nicht physisch blockiert, wäre vielleicht sonstwas passiert.

Aber wie würden unsere pfiffigen Gastgeber dazu sagen: Kind erstechen oder erschlagen ist nicht gut, überfahren aber sicher in Ordnung. Wenn man schnell von irgendwo her sein Stinky-Tofu kaufen will.

Einen Mittwochsgruß in das graue Taipei. Passen wir alle auf unsere Kinder auf, damit es grau bleibt und nicht noch "grauenhaft" wird.

Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/03/bei-mir-in-der-nahe-kleinkind-enthauptet.html

Donnerstag, März 31, 2016

Ganz schlimm: Mischehen (sagt da einer...)

Das Leben in der Fremde kann manchmal nerven. Siehe hier. Aber wie schlimm ist das eigentlich, was ich da gerade tue?

Ein Blog, in dem schon mal Hitlerbilder und auch die vom Göbbels auftauchen, versteigt sich heute zu einer kruden These: Mischehen seien etwas schlechtes, weil sie zur "Nivellierung auf niedrigstem Niveau" führen würden. Der Autor will auch darauf abheben, dass Kulturen bei der Vermischung hinten herunterfallen. Ich will nicht auf den Artikel verlinken, da der Autor selbst schreibt, dass er schon mal als "verfassungsfeindlich" eingestuft wurde per Briefpost. Nur kurz nachvollzogen, welches Modell der Autor - offenbar ein in Deutschland lebender Koreaner, wenn ich das richtig verstehe - aufstellt:

Ein Deutscher heiratet eine Chinesin, die nach Deutschland zieht. Das Kind spricht beide Sprachen in Wort und Schrift. Hier zieht der Autor schon in Zweifel, dass das geht.
Dann zieht das Kind nach Finnland und heiratet einen Finnen oder eine Finnin. Jetzt kommen drei Kulturen zusammen: China, Deutschland und Finnland. Auch wenn wir annehmen, dass das Kind der neuen Ehe China/Deutschland-Finnland jetzt alle drei Sprachen in Wort und Schrift erlernt, wird es spätestens schwierig, wenn das Kind dieser Ehe nach Indien zieht und eine Inderin oder einen Inder heiratet. Denn wer kann schon Deutsch, Chinesisch, Finnisch und Indisch in Wort und Schrift. Auf Feinheiten wie verschiedene "Chinesisch" und vielleicht auch "Indisch" wollen wir hier gar nicht eingehen.

Erstmal hat er natürlich Recht. Es würden bei diesem Modell Sprachen und Kulturaspekte verloren gegen. Was zu beweisen war. Also ist Multikulti schlecht und Mischehen also auch, folgert der Autor, der in einem anderen Artikel erklärt, Adolf Hitler sei ein netter Kerl gewesen, weil er Jesse Owens bei der Olympiade zugewunken habe.

Auch bei Familie Ludigel ist ja schon was hinten herunter gefallen. Junior (4) lernt nicht mehr Hoklo aka Taiwanisch, was seine Mutter noch kann. Er lernt Englisch, Deutsch und Mandarin (Chinesisch). Sind Leute wie Herr und Frau Ludigel nun böse Kulturvernichter und Junior der Beginn einer Degeneration?  Werden seine Urgroßkinder am Ende nur noch ein Mini-Esperanto sprechen? Und einen IQ von 33,33 haben? Oder gar von 18? Nun, wir wollen es nicht hoffen.

Über den Sinn und Unsinn des Happy-Peppi-Linksbegriffes "Multikulti" will ich nun wirklich nicht sprechen. Aber dieser Angriff auf "Mischehen" scheint mir doch reichlich primitiv. Anstatt davon auszugehen, dass die Kinder von Mischehen ihr Leben grundsätzlich mit dem Weiterziehen in andere Länder verbringen, sollte man sich lieber ein Land herauspicken und gucken, wie dort die Integration klappt. Theorie aka rechtsradikales Zerrbild von Mischehen und Wirklichkeit liegen doch reichlich auseinander.

Der Normalfall wäre sicherlich, dass eine nach Deutschland lebende einheiratende Chinesin beschließt, in Deutschland zu bleiben und dann würden die mit Deutsch und Chinesisch aufwachsenden Kinder (evtl. wachsen sie auch nur mit Deutsch auf) wieder Kinder und Kindeskinder haben, die irgendwann vermutlich nur noch Deutsch sprechen würden. Jedenfalls als Muttersprache. Am Ende hätten wir dann irgendeine deutsche Familie mit einer ausländischen Herkunft vor ein paar Generationen.

So wie der Autor dieses Artikels hier Deutscher ist und einen Vorfahren hat, der eine französische Köchin geheiratet hat. Und polnische Vorfahren hat neben diversen Deutschen. Und weil ich aus einer sich als Deutsch definierenden Familie (ohne tiefere politische Bedeutung) stamme, bin ich eben nur mit der Muttersprache Deutsch aufgewachsen, wie meine Vorfahren auch. Das Zielland hat also die Kultur definiert.

Und unser englischer Familienzweig? Der bewahrt das Deutsch nur bedingt, das mit in die Familie gebracht wurde und ist im Wesentlichen schon in der 2. Generation zu einer normalen englischen Familie geworden.

Sicher würde der Autor und Fan von Heini Hitler jetzt mit rassisch rein oder so etwas argumentieren. Da kann man als normaler Mensch nicht mehr folgen.

Noch komplizierter wird es bei der Familie Ludigel wenn wir tatsächlich nach Manila ziehen, wie meiner Frau das manchmal vorschwebt. Aber wirklich kompliziert ist es auch nicht. Als Angehörige einer mehrheitlich sino-philippinischen Familie würden die Kindeskinder und deren Kinder dann vermutlich nur Englisch, Tagalog und Mandarin sprechen. Deutsch wäre hinten runtergefallen nach einer oder zwei Generationen vermutlich. Weil die Familie dort nicht lebt. Entlockt mir keine Begeisterungstürme aber so ist das Leben.

Eigentlich ist es ganz einfach: Eine Familie die in Land X "hängen bleibt" wird vermutlich irgendwann aus Leuten bestehen, die die im Land X üblichen Muttersprachen hat. Punkt und Ende. Ganz einfach, kann eigentlich jeder verstehen. Die ursprüngliche Herkunft ist dann egal.
Manchmal bilden sich Subkulturen wie die Sino-Philippinische. Die bewahren dann das Erbe beider Länder. Auch ganz einfach. Oder es geht schief wie in Belgien. Aber "Mischehen" haben damit recht wenig zu tun. Hätten die islamistischen Araber in Belgien alle belgische Frauen, es sähe wohl anders aus als "Allah Akbar und kawumm" so wie es derzeit leider läuft.

Hmmm... mit wem lebt eigentlich der Koreaner zusammen? Einer Koreanerin? Einer Deutschen? Einer Stehlampe? Seine Sache, denke ich.

Nachtrag: Ich fürchte, dass die derzeitige Einwanderungsdebatte auch dazu führt, dass das erstarkende rechte Lager auch irgendwann auf Leute gemischter Herkunft oder eben "Mischehen" losgehen will. Auch gemäßigt-rechte Kräfte haben da sicher Vorurteile. Persönlich denke ich, dass ein großer qualitativer Unterschied zwischen einer Debatte um die millionenfache Zuwanderung von Kultur X -vermutet- in die Sozialkassen Deutschlands und der internationalen Wahl von Ehepartnern von Deutschen besteht. Aber der wird oft nicht gesehen. Und gegen Zuwanderung ohne Eheschließung bin ich auch nicht grundsätzlich. Aber die Politik Deutschlands will ich hier nicht mehr diskutieren - hier geht es mir auch mehr um binationale Ehen bzw. die Kritik an ihnen. Sonst halte ich es neuerdings mit einem Zitat das mir von einer in Deutschland lebenden Kasachin im Gedächtnis geblieben ist: "Natürlich lieben wir alle unseren Präsidenten (bei ihr in Kasachstan)". Und wir Deutschen die Kanzlerin. Klarer Fall.

Hardlinerin Hung wird KMT-Vorsitzende

Schon am 28.03. wurde die im Oktober davongejagte Ex-Präsidentschaftskandidatin der KMT (Kuamintang-Partei) nun zur Parteivorsitzenden gewählt.

Es war letztes Jahr schon eine merkwürdige Geschichte, als sich die KMT entgegen dem demographischen Trend - sich in Taiwan als "Taiwanerin/Taiwaner" zu fühlen und nicht (mehr) als dem chinesischen Festland zugehörig - eine Hardlinerin als Präsidentschaftskandidatin nominierte. Eben Frau Hung Hsiu-Chu. Also eine Frau, die eine Vereinigung Taiwans mit der VR-China propagandiert hat. Im Oktober dann jagte die KMT ihre Kandidatin wieder davon und ersetzte sie durch den Bürgermeister von Taipei, Eric Chu. Der verlor dann die Wahl im Januar krachend und so hat Frau Hung derzeit ein Comeback. Wahlsiegerin Tsai Ingwen (DPP) wird demnächst als Präsidentin vereidigt, noch hat Ma Ying-Jeou von der KMT dieses Amt inne.

Stemmt sich die KMT gegen den "ich bin Taiwaner(in)"-Trend auf der Insel und bleibt stramm prochinesisch? Ich beobachte die hiesige Politszene zu wenig um das zu wissen.


http://thediplomat.com/2016/03/kmts-ousted-presidential-candidate-returns-as-party-chair/
Vorgeschichte: http://www.bbc.com/news/world-asia-34559238 (Hung verliert Präsidentschaftskandidatenstatus)

Lieber Herrgott, Danke


dass ich nicht der da bin. Der kleine Mann, der da links neben mir auf dem Bürgersteig steht, 1.50m groß zu seinem Vorteil gerechnet. Mit kurzen Hosen und einen orangenen Kasten mit Papierschildern schiebt. Mich unfreundlich anstarrt, wo ich an der Fußgängerampel stehe. Und zu dem anderen Herrn mit Halbglatze und Gnubbelnase irgendwas von "Adogah" (Bignose/Langnase) sagt, der dann zu mir rübergrinst und dem kleinen Mann einen verschwörerischen Blick zu wirft.  Und danke, dass ich der auch nicht bin. Hätte ja alles passieren können.
So gesehen fängt der Tag im Industrieviertel in Taipei wunderbar an. Und Guten Morgen, liebes Taipei. Ja Du, da unter dem Hundekot, dem Betelnusspriem und der undefinierbaren Smogwolke. Guten Morgen Du weltgewandte Metropolis, Du moderne Großstadt im 21. Jahrhundert.
Kicher.

Dienstag, März 29, 2016

Bei mir in der Nähe: Kleinkind enthauptet (Update 4)

Taipei als Hort der Wahnsinnigen***. Einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt: Kleinem Mädchen (3 oder 4) wurde der Kopf abgeschnitten.

Ein offenbar Drogensüchtiger mit psychischen Problemen (Edit: 33 Jahre) hat in Taipei-NeiHu, ganz in der Nähe der Porsche-Vertretung und der Bentley-Vertretung, in einer belebten Wohn- und Geschäftsstraße gestern um 11.00 Vormittags, einem kleinen Mädchen den Kopf abgeschnitten. Die Mutter war nur einen Meter dahinter, das Kind fuhr auf einem Dreirad. Unprovoziert trat der Mann blitzschnell an das Mädchen heran und schnitt ihm derart heftig die Kehle durch, dass der Kopf abgetrennt wurde - laut Presseberichten.

http://www.mirror.co.uk/news/world-news/taipei-child-beheading-three-year-7641972
Auch: http://metro.co.uk/2016/03/28/girl-3-beheaded-in-random-attack-outside-train-station-5780315/

An der entfernteren Kreuzung im obigen Link, Bild über der Karte, mit einem rundlichen Gebäude, habe ich erst neulich gestanden und auf einer frischen Laugenbrezel vom neu eröffneten deutschen Bäcker dort gekaut. Jetzt ist dort hundert Meter weiter eine Blutlache von einem Kleinkind.

Passanten haben den Attentäter überwältigt und festgehalten, bis die Polizei eingetroffen ist. Die Großmutter des Kindes sagte: "Die Gesellschaft ist krank". Mir fehlt die Energie zu anderen Kommentaren.

 Abb.: "737-lane" bei uns in der Nähe. Frau und ich sind und uneinig, ob der Mord in dieser Straße oder einer Parallelstraße in der Nähe stattfand, aber die Straßen ähneln sich dort alle. Friedliche Straßen wo die größte Gefahr eigentlich vollgestellte Bürgersteige und heranrasende Autos und Mopeds sind und keine "Messerstecher".

Ähnlicher Fall 2015: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/05/30/437248/8-year-old-girl.htm
(Mann dringt in Schule ein und schneidet 8jähriger die Kehle durch)

Grob ähnlich 2014: Jugendlicher tötet Schlafende in der U-Bahn Taipeis mit Fleischermesser: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/05/22/2003590929

Ähnlicher Fall vor ein paar Jahren (unter der Grafik): http://www.intaiwan.de/2012/12/22/todesstrafe-in-taiwan-neue-hinrichtungen/ im Blog von Klaus Bardenhagen erwähnt (Mann tötet 10jährigen durch Kehle-durchschneiden um sich Gefängniszelle zu sichern).

Offensichtlich haben die psychischen Kranken und Abseitigen in Taipei gelernt, dass man durch Kehle-durchschneiden schnell und effektiv töten kann. Leider.

UPDATE2: Offenbar zeitgleich wurden ein Polizist in einer Metrostation und ein Insektengift versprühender Arbeiter irgendwo im Freien in Taipei mit Messern verletzt.

UPDATE3: Hier ein Link zu einem Artikel mit einem Foto der Eltern mit Kind, das mit Erlaubnis der Eltern publiziert worden ist. Die Eltern bitten offenbar um Mäßigung bei der Todesstrafendebatte. Ich habe mir nicht alles durchgelesen, weil das emotional nicht einfach zu verarbeiten ist, als Anwohner und Vater eines eigenen Kleinen.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603290025.aspx

UPDATE4: Tatwort war die Xihu-Elementery-School, die Straße davor. Damit ist es noch mal ein paar Querstraßen weiter weg als ich dachte und oben angegeben habe. Aber ein paar hundert Meter ändern auch nichts. 


*** Will sagen die offenbare Tabuisierung von psychischen Krankheiten und das graue enge Taipei mit seinen oft kaninchenstall- oder hühnerkäfigartigen Wohnungen führen vielleicht etwas überproportional zu geistigen Problemfällen. Ohne Statistik ist das aber vielleicht auch nur ein Vorurteil.

Mittwoch, März 23, 2016

DHL Weltpaket Premium, Dauert Halt Länger

Wenn buddhistische Mönche aus Tibet mal Ruhe brauchen, machen sie Urlaub bei der Deutschen Post/DHL.

Am 29.02. aufgegeben. Weltpaket Premium. Soll 6-8 Werktage nach Taiwan brauchen. Jetzt ist es 23 Kalendertage unterwegs, 17 Werktage. Über zwei Wochen in Saulheim beim Deutsche-Post/DHL-Ausgangslager auf die Weiterverarbeitung gewartet. Bewegt, sowie ich mich bei DHL über Facebook beschwert habe. Jetzt sitzt es laut Tracking seit über 1 Woche in Frankfurt fest und wartet offenbar auf den Flug. Ist schon im Taiwan-Tracking, aber noch als "foreign information" und "office Frankfurt". Unglaublich wie langsam das ist.

Edit: Angekommen nach 25 Tagen und zweimaliger Nachfrage bei DHL.
Und ein "Päckchen" (also nicht Weltpaket) mit einer anderen, billigeren Uhr hat nur 1 Tag gebraucht, bis es an "International Logistics Frankfurt" übergeben wurde und im Taiwan-Tracking auftaucht und nicht 15 Tage wie das Weltpaket. Merkwürdig.

Mittwoch, März 16, 2016

Manila, Fischbälle, Deutschland (UPDATE)

Und wieder die Frage: wohin geht es mit der Familie Ludigel

Frau ist mal wieder im Republikflucht-Modus. Nicht schnell genug geht es aus der Republik China, die wir umgangssprachlich auch Taiwan nennen. Die Verschlechterung ihres Augenlichts, die Belastung ihrer Augen durch Bildschirmarbeit und das Aufmachen eines zweiten Geschäfts in Manila auf den Philippinen sind der Grund für den neuen Auswanderungsschub. Möglicherweise wird es diesmal ernst, unser wohl letzter Arbeitstag soll am Freitag nächste Woche sein. Dann soll ich eine letzte Version meines Management-Tools zur Hardwaretestplanung (und Urlaubsplanung) im Team verteilen, von dem mittlerweile die ganze Abteilung abhängig ist. Auf fast jedem Bildschirm im 40-Kopf-Team sehe ich mein Programm "SITplanning" mittlerweile flimmern. Sicher wird mir jemand zuhören, wie der Datenbankserver für das Programm zu sichern ist und regelmäßig Backups machen, Taiwaner sind ja wahre Sicherheitsfanatiker.

 Fischbälle.... Jesus klingt auf altgriechisch so ähnlich wie Fisch... kann also nix schief gehen (Edit: streng genommen ergeben sich aus dem altgriech. Wort für Fisch (Ichtys) die Anfangsbuchstaben für das christliche Glaubensbekenntnis auf Altgriechisch. Aber das wussten wir natürlich alle schon).


Während das erste Geschäft in Manila, ein Outlet für die Druckerei des Familienzweiges dort, eine veritable schwarze Null schreibt, ist nun ein zweites Geschäft im Aufbau und wird von meiner Frau und ihrer Schwester vor Ort durchgeplant. Es handelt sich dabei entweder um ein Fischball-Restaurant oder ein Fischsuppenrestaurant, auf Englisch entweder "fish ball" oder "fish bowl", leider konnte ich das phonetisch trotz mehrfachem Nachfragen nicht in Erfahrung bringen. Damit sollen unsere Pläne für Wohlstand im Reich der Dauerstaus im herrlichen Smog neben schönen Slumvierteln endlich gesichert sein.

Die Detailplanung sieht so aus, dass Frau und Junior einstweilen  bei der dortigen Familie unterkommen und sich meine Frau dem Management von Druckerzeugnissen und Fischbällen oder Fischsuppen widmet, während ich selbst einstweilen in Deutschland eine Backup-Existenz für den unwahrscheinlichen Fall eines Nichtflorierens von Jesusaufklebern (liebe neudeutsche Leser: wir haben auch einen mit arabischen Schriftzeichen*) und Fischprodukten aufbauen soll.

Was werde ich vorfinden in Deutschland, was hat Merkel aus dem Land gemacht, seit ich das letzte Mal da war? Lassen mich die Grenzer noch rein ohne Arabisch? Muss ich bei der Wohnungssuche Wickeltuch tragen und bekommt die Schlachtereiverkäuferin einen Herzinfarkt, wenn ich ein Schweinekotelett verlange? Und sagen die Angler immer noch "Petry heil"**?

Mehr demnächst auf dieser Welle...

* Ohne Jesus
** Oder alle anderen auch schon und die Worte anders herum?

Ähnliches:

Die Saga unseres letzten Restaurants, ein kleiner Italiener in Taipei-Donghu:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/der-familienbetrieb-die-schonungslose.html 

UPDATE: Frau hat gemeckert, als ich die Kaffeemaschine aus dem Auto auslud und in die Wohnung gebracht habe. Also wird es wohl wieder nix mit der Kündigung.
UPDATE2: Das christliche Symbol für Jesus ist das Logo der Fischkette NORDSEE. Ob wir das klauen können?

Vielleicht kann der "World Happyness Report (PDF)" helfen:  Demnach ist Deutschland die Platznummer 16 in der Glücks-Chart der Länder, Taiwan die 35 und die Philippinen Nr. 82.


Donnerstag, März 10, 2016

Mein Freund die Klotür


Mein Freund die Klotür ist tot
Sie fiel im späten Abendrot
Du fielst heut' Abend ich kam zu spaet
Du wirst dich nie im Durchzug mehr wiegen
Du musst entangelt vor der Hauswand liegen
und mancher der vorübergeht
der achtet nicht den Rest von Leben
und kratzt an deinen tiefen Narben
von der Frau mit dem Rückenkratzer geschlagen
Wer wird mir nun die Privatsphäre geben
die ich hinter dir im nassen Bade fand
Ein guter Freund ist mir verloren
der wegen Juckreiz nun verschwand

(Adolf E. Pankraz, frei nach Alexandra)


















Beruhend auf wahren Vorkommnissen...

Montag, März 07, 2016

Schock, mein Breil-Unikat als Massenuhr

Da denkt man, man hat ein Unikat am Arm. Und dann legt es jemand als Massenuhr auf. Schluck.

Gestern Abend surfe ich wie öfter mal vergnügt durch Ebay und suche Herrenarmbanduhren, da schlucke ich und blicke verstört auf den Bildschirm. Irgendjemand scheint das Breil Milano-Unikat zu verkaufen, das ich gerade am Arm habe!

 Breil Milano BW0474 mit Armband des Ralley-Quarzers BW0423/0424, allerdings mit automatischem ETA Valjoux 7750-Chronographenwerk.

Wieso Unikat? Nun, weil ich einst eine gebrauchte Breil Milano BW0474 aus Albanien günstig gekauft hatte, die ein schon recht unbrauchbares Krokoband fest angebaut hatte...


... und das ich dann durch das sehr auffällige Kautschukarband der Ralley-Quarzschwester BW0423/0424 ersetzt hatte, wodurch sich ein sehr auffällig rotgoldig-metallener Auftritt der Uhr ergibt, wie ich finde. Die drei Zacken am Sportarmband fallen doch sehr ins Auge, wie ich finde. Und weil das u.a. angeklebte Band hier praktisch Bestandteil der Uhr ist, ist es schon ein bisschen so, als ob man etwas neues geschaffen hat ;-)

... Breil Milano BW0474 links.

Der Kostenpunkt der BW0474 liegt derzeit als Auslaufmodell noch bei etwa 850 Euro neu, die rotschwarze Ralley-Quarzschwester BW0423 kostet etwa 280 Euro oder dergleichen.

Doch wie kam "meine" Uhr nun zum Verkauf ins Internet? Nun, es gibt jetzt eine sehr ähnliche Uhr, die "Alento" vom -wenn ich mich nicht irre- deutschen Hersteller Detomaso (https://www.detomaso-watches.com/de/unsere-uhren/alento-xxl-chronograph). Und in der Rotgoldvariante (links klicken auf dem Linkfenster) sieht die Detomaso meinem Unikat sehr sehr ähnlich. Ähnlicher als den Original-Breil Milanos. Na ja, Bilder meiner Breil findet man ja auch schnell über die Google-Bildersuche. Kann natürlich Zufall sein, denn die rot abgesetzte Variante der Detomaso Alento (hier Ebay) sieht der originalen BW0423 oder der fast identischen 0424 schon sehr sehr ähnlich.

Die Uhr ging neu übrigens für nur 40 Euro in der Auktion weg, auch wenn der Standardpreis wohl bei etwa 200 Euro liegen soll. Wenn man genau hinguckt, erkennt man viele Designdetails der entsprechenden Breil Milano-Modelle und das Armband scheint - bis auf die Rotgoldfärbung bei der einen Farbvariante - genau identisch zu sein, bis hin zur kleinsten Linienführung. Nur einen zusätzlichen Haltestift hat Detomaso in die Uhrhörner eingebaut. Was damit zusammenhängen könnte, dass Breil das Armband nicht nur mit einem leider gebogenen Federsteg, sondern auch offenbar mit Klebstoff befestigt hatte. Mein ohne Kleber befestigtes Band hat in der Tat etwas Spiel.

Mein Ersatzband hat allein 70 Euro gekostet. Da wäre so eine Detomaso Alento glatt interessant. Aber soll man dem Automatik-Original die Quarz-Hommage hinzufügen? Das Armband wird wohl ewig halten, denke ich.

Tja, von wegen Unikat. Massenuhr für 40 Ecken ;-() Was aber sicher nur ein Ausrutscher nach unten war, wie er bei Auktionen immer wieder vorkommt. Räusper.

Edit: "De Tomaso" ist Autofreunden vielleicht noch als edle italienische Sportwagenmarke im Gedächtnis, jedoch nicht mehr am Markt existent. Die "Detomaso"-Uhren stehen damit auch in keinem Zusammenhang, auch wenn die Kollektion offenbar auf das Thema Rennsport spezialisiert ist im Sinne des Stils der Uhren jedenfalls. Dahinter steckt offenbar die "Temporex GmbH", die offenbar auch die Marke "Yves Camani" hat. Letztere eine "der eher-nicht"-Uhrenmarken aus meiner Warte (ich hasse Uhren mit Unruheloch a la China).

Donnerstag, März 03, 2016

"Sorna" - Chinauhren (Update 02.2019)

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Sorna oder eher "So nicht".

Immer wieder ärgert mich auf Ebay, dass Chinauhren, hinter denen das deutsche Unternehmen Trias steht (das fast ausschließlich Chinawerke in seine meist in China produzierten Uhren einbaut) auf Ebay von Dritten (!) als "Vintage" oder "NOS" (New Old Stock, unbenutzte alte Lagerware) verkauft werden und der Eindruck erweckt wird, es handle sich um ein altes Original der (ursprünglich schweizer) Marke "Sorna".

Die Uhrenmarke Sorna stand offenbar bis in die 90er Jahre für innovative Uhren, die oft das besondere Etwas hatten. So gab es Kugelschreiber mit einer Uhr oben im Drücker und einfach schick 70er-Jahres-bunte tolle dicke Uhren. Ein Paradebeispiel für eine Sorna (der Markenname kommt von der Nähe der Fabrik zum Flüsschen Sorne) ist ein schön dicker Weltticker alter Bauart, der eine (einfache) Stoppuhrkonstruktion besitzt und eine drehbare Städteskala, mit der man verschiedene Zweitzonen verwalten kann. Ein Prinzip, das sich allerdings in Zeiten von Sommer- und Winterzeit wegen der stundenweisen Verschiebung der Zeitzonen überholt hat.

Bilder von echten schweizer Sornas sind schlecht zu finden. Hier ist gerade eine bei Ebay, sogar für einen recht moderaten Preis von um die 150 Euro: http://www.ebay.de/itm/Vintage-70s-SORNA-CHRONO-17-Jewels-Mens-Watch-Working-SWISS-MADE-/391396087996?hash=item5b210658bc:g:ngMAAOSwWTRW1JgZ

Wenn ein stolzer Besitzer seine "Vintage" - Sorna dieses Modells präsentiert, ist es fast immer die Neuauflage von Trias made in China. Selbst habe ich das einmal einem stolzen Sammler in sein Blog geschrieben - den Artikel mit dem präsentierten Schnäppchen finde ich heute nicht mehr. Update (doch, hier: http://waktuku-waktuku.blogspot.tw/2011/02/sorna-world-timercalender-automatic.html)

Hier (http://www.ebay.de/itm/Rare-Sorna-Sport-Watch-21-Jewels-NOS-condition-Vintage-Chrono-Leather-strap-/182023074859?hash=item2a616bb42b:g:jh0AAOSwUuFWv422) hingegen wird gerade eine chinesische Sorna als NOS/Vintage für einen viel höheren Preis (etwa 300 Euro) angeboten. Es sei bemerkt, dass Trias die Sorna-Uhren (auch teils mit Trias als Markennamen versehen) für etwa 160 Euro im Webshop angeboten hat, wenn mich das Gedächtnis nicht täuscht. Edit: Der Webshop ist wohl nicht von Trias direkt. Habe gerade noch mal nachgesehen, der Preis ist jetzt auf 399 Euro erhöht. Da will ich nicht drauf verlinken;-)

Hier (http://www.ebay.de/itm/Superb-Rare-Pilots-Trias-Sorna-full-Calendar-GMT-Called-Blue-Worldtimer-/141912253861?hash=item210aa125a5:g:FksAAOSwDNdVsMER) werden fast 500 Euro für eine China-Sorna verlangt.

Was ist nun der Unterschied? Tabellarisch:

- Die echte Sorna Weltzeituhr dieses Modells hat "Manufactured in Switzerland" bei 6 Uhr stehen. Die deutsch-chinesische Sorna hat "Sorna Germany" dort stehen. Trias ist heute Markeninhaber von Sorna.

- Die echt-schweizer Original-Sorna (dieses Modells) hat das Datumsfenster auf 3 Uhr. Die Chinaversion auf etwa 4 Uhr.

- Die echt-schweizer Sorna hat Stoppuhrfunktion, ist also ein (einfacher) Chronograph. Entsprechend zeigen die kleinen Chronozeiger Minuten und Sekunden oder gar Stunden an. Die Chinaversion hingegen hat ein Datums-Chrono-Werk, bei dem die kleinen Anzeigen Wochentag bzw. Monat anzeigen. Erkennt man unschwer am "MON, TUE, WED...." oben links beim kleinen Chrono an der Neuauflage.

- Der äußere (Tachimeter?)-Zahlenring der Neuauflage ist fast immer schon abgescheuert und oft ganz blank, während das Original trotz des recht hohen Alters meist noch eine intakte Bedruckung hat.

Edit:
Das Orignal made in Switzerland: http://www.philippinewatchclub.org/forum/viewtopic.php?f=25&t=21361&start=20
Die Neuauflage made in China:
http://www.lelong.com.my/sorna-autmatic-watch-101614149-2012-02-Std-P.htm
Original (oben) und Neuauflage (unten, kleiner) zusammen: https://makeinc.wordpress.com/2012/04/20/sorna-chronograph/

Hier ist es ausführlich erklärt und die Neuauflage vorgestellt:
http://forums.watchuseek.com/f71/sorna-worldtimer-705911.html

Dies ist kein Vorwurf an Trias, sondern eine Mahnung, nicht zu viel für die Uhr zu bezahlen und sie nicht für ein altes Original zu halten.

Fast hätte ich sie mal gekauft, aber die hohe Quote an defekten Neuauflagen damals bei Ebay und der meist überdrehte Preis (teilweise Vielfaches des Neupreises) hat mich doch abgeschreckt. Chinawerke sind halt immer so eine Sache.

Link: Diese zwei Chinauhren habe ich mal mit Genuss mit dem Hammer zertrümmert:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/chinauhr-315-euro.html


Update: Mittlerweile gibt es ein riesiges Angebot von meist neuen Trias-Versionen zu vernünftigen Preisen knapp unter oder über 100 Euro (bis 200 Euro). Trias hat offenbar das "Sorna Germany" entfernt, so dass die Uhren keine Herkunftsangabe mehr haben. Als Regel gilt: Alles, was fabrikneu ist, ist eben die China-Version und nicht die schweizer Originalversion.
Es gibt auch ein neues Modell in der Form zwischen rund und eckig, da muss ich gerade meinen eigenen Klickfinger bekämpfen, weil der Kurs okay ist. Allerdings kriegt i.d.R. niemand so ein Ding mit Chinauhrwerk repariert, deswegen sind 100 Euro bei mir die Obergrenze.

Myteriös ein Ding, das fabrikneu ist, aber ein schief sitzendes Zifferblatt mit "Swiss made" besitzt. Ich vermute eine fehlgeschlagene Marriage (Kombo) aus einem alten Originalzifferblatt und einer neuen Sorna aus China/Deutschland.

Dienstag, März 01, 2016

Colorplay Asia-Explosion: Staatsanwalt ... tot

Noch immer leiden viele junge Menschen an den schweren Verbrennungen des idiotisch organisierten "Colorplay Asia"-Events, bei dem die tanzende Menge in einem trockenen Schwimmbecken mit brennbarem Pulver eingenebelt wurde und es dann zu einer wohl durch Bühnenscheinwerfer ausgelösten Explosion kam.

Alter Bericht siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bilder-von-der-entstehung-der-explosion.html 

Juristisch zieht sich der Fall auch in die Länge. Einstweilen ist erst mal der leitende Staatsanwalt an Asthma/Herzinfarkt verstorben. War erst vierzig Jahre. Offenbar hat der Beruf auch so seine eigenen Risiken. Interessant für Staatsanwälte ist sicherlich, welcher Beschuldigte welche Bekannten hat. Was auch immer das für eine Aussage sein mag.

Quelle: http://www.storm.mg/article/83552

Macao Tail* 2: Fake-Venedig, aber nett

Zweiter Teil: Wie nett ist Fake-Venedig, warum reist man ständig von Hotel zu Hotel und wo ist jetzt eigentlich das richtige Macao. Oder ist es das schon?

Teil 1 hier

Bei der Reise durch Macao, der portugiesischen Ex-Kolonie, die längst heim im chinesischen Reich ist, tingelten Frau, Junior und ich meist einfach von einem Hotel ins andere. Hinten dran hatte unser Hotel einen großen Busbahnhof mit Gratisbussen, die draußen dran schon die Reklame ihrer Hotels hatten. Man steigt ein und ist im nächsten Hotel. Das ist dann wie auch das eigene Hotel ein Themenhotel mit Casio, man bestaunt eine andere Kunstwelt, etwa ein güldenes Reh - und isst anderes Essen. Auch nett.

Man ist doch von seiner Weltreligion geprägt und muss dann irgendwie an die Bibel denken. Auch wenn es kein Kalb ist.

Thema dieses Hotels hier ist wohl Metro-Goldwin-Mair, wie immer die sich auch genau schreiben.

König der Themenhotels ist für mich aber das "Vencian". Während ich über die Deko staunte, rannten meine taiwanischen Mitreisenden im Eiltempo an der Venedig-Kulisse vorbei, weil es in dem Hotel irgendwo einen leckeren Teigtaschen-Stand geben sollte, von dem schon die ganze Greater-China-Welt sprach. Sie würdigten die Kulisse keines Blickes, kannten ja auch die Originalbauwerke nicht, wie ich mich durch Nachfragen vergewisserte. Also nur ein Brücke mit Dach und ein Turm halt. Eben keine Sweet Buns. Edit: Tolle Verzerrung bei 28mm-Fullframe. Habe auf Korrektur mal verzichtet, Pisa liegt ja irgendwie in der Nähe.

Hinten sieht man meine der lecken Teigtasche entgegen strebende Reisegruppe, die sich wunderte, wieso der Ausländer im Team unbedingt das Hotel fotografieren wollte.

Auch prächtige Innendeko konnte ich kaum fotografieren. "Ludigel, the sweet buns are famous!". Wer kennt diesen Schlachtruf nicht aus der Ehe aus Taipei. Man muss unbedingt zur Garküche 1457423 in Taipei, wo es genau das selbe Essen wie anderswo gibt, nur eben teurer und mit 2 Stunden anstehen. Weil famous. Weil ein Schwippschwager des Garküchenaushilfskochs beim Fernsehen arbeitet. Also mehr schlecht als Recht das Innere abgelichtet und auf zum Sweet Bun.

Die Deckenmalerei zeigte Michelangelos "Sweet Bun mit brauner Soße und nackter Frau".

Hier hatte man dann Abendstimmung am Mittag, denn große Teile des Hotels sind eine nachgemachte Venedig-Landschaft mit Kunsthimmel.

Auch wenn die Deko der Geschäfte nicht immer zum Ambiente der Papparchitektur passte.

Ob es wohl Gondeln gab?

Gab es, waren aber zu gefährlich, urteilte meine Frau. Man achte drauf, wie diese andere Reisegruppe hier um das Überleben kämpft.

Drinnen war es schattig und kühl der Klimaanlage halber, draußen eher heiß.

...

...

Nett allerdings der versprochene Food-Court, auch wenn ich vergessen habe, welche der zahlreichen Spezialitäten nun "famous" gewesen war. Unsere Reisegruppe orderte dann immer ein Teil des Essens, teilte das durch alle 8 oder dergleichen Anwesenden und so bekam ich kaum einen Eindruck von dem Essen. Vom Sweet Bun mit Kotelett hatte ich nur eine Fleischfaser und einen Krümel abbekommen nebst dem Knochen. Taiwaner genießen anders. Denn Ziel war, möglichst viele Speisen mal partiell zu kosten, nicht etwa etwas richtig zu Essen.

 ...

.... Verdammt, jetzt hat einer die Nudelsuppe schon wieder ausgelöffelt, kaum mache ich ein Foto.

Geht man in Macao einfach planlos in eine Richtung, landet man zwangsläufig an einem Kasio.

Mehr beim nächsten Mal...


*Offenbar ein Freudscher Schreibfehler, weil dem Viech im ersten Bild das Schwanzerl fehlt.