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Donnerstag, Dezember 24, 2015

Italienerin lebt illegal in Taiwan/lebt von Ladendiebstahl

Wieder mal keine so tolle "Laowai"-Geschichte, die dem mittlerweile eher durchwachsenen Image der "Westler" in Taiwan nicht allzu gut tut:

Eine junge Frau, 24, mit Staatsbürgerschaften Italiens und Venezuelas lebt seit 2011 illegal in Taiwan (gekommen mit Touristenvisa) und lebt offenbar von Ladendiebstählen. Wurde entsprechend mit gestohlener Ware festgenommen und befindet sich in Gewahrsam. Hat in Hotels gelebt und ist sich "selbst versorgend" durchs Land gereist.


http://focustaiwan.tw/news/afav/201512210018.aspx




Montag, Dezember 21, 2015

Skandalunternahmen weiter auf dem taiwanischen Markt

Der zurückliegende 2014er-Lebensmittelskandal, bei dem der Konzern Ting Hsin vermoderte Tierkadaver, Östrogen und Medikamente zu leckerem Speiseöl und -Fett verarbeitet hat (siehe hier, man achte auch auf die vorherigen Skandale 2013 und 2011 die unten verlinkt sind auf der Wikipedia-Seite: https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal) hat angeblich drakonische Strafen gegen das Unternehmen, einen Rückzug der Firma vom Taiwanmarkt und sauberes Öl ergeben.

Tatsächlich ist Ting Hsin immer noch auf dem taiwanischen Markt zu finden: http://www.pangeatoday.com/costcos-refund-policy-used-as-boycotting-tactic/ 

Konsumenten bei "Costco" schlagen hier gerade zurück, indem sie leckere Ting-Hsin-Milch kaufen und dann geöffnet zurück bringen, was bei Costco offenbar möglich ist. Auch die Milch war natürlich "verölt" in der Vergangenheit.

Mittwoch, Dezember 16, 2015

Junger betrunkener Kanadier keilt sich mit Taxifahrer (Update)

Im Video sieht man, wie ein junger westlicher Mann, der später als Kanadier identifiziert wurde, in einen handfesten Streit mit einem älteren Taxifahrer gerät. 

Offenbar fängt der Ausländer den Streit an, schubst sich mit dem Taxifahrer herum, der körperlich deutlich unterlegen ist. Die Geschichte endet mit dem eingreifen von drei jungen Taiwanern, die zwar auch alle kleiner sind, aber eben drei an de Zahl. Einer ist sogar noch mit einem handlichen Schlagstock bewaffnet, so dass der Ausländer den kürzeren zieht. Wie zu lesen ist, endete die Geschichte mit einer durch die (taiwanische) Ehefrau des Ausländers vermittelten Entschädigung von bescheidenen 1000 NT an den Taxifahrer. Das hätte auch alles sehr viel übler ausgehen können für den Ausländer, der in dem Video wie der Aggressor wirkt. Eintausend NT aka etwa 25 Euro ist da sehr billig. Natürlich kennt man nicht die Vorgeschichte, was im Taxi abgelaufen ist, aber als großgewachsener junger westlicher Ausländer einen älteren deutlich unterlegenen Taxifahrer in der Öffentlichkeit anzugreifen - der in einer konfuzianischen Gesellschaft auch noch den Altersverehrungs-Bonus geniest, ist sicherlich eine sehr dumme Handlung.

http://www.choudoufudaily.com/waiguoren-canadian-harasses-taxi-driver-gets-beaten/

Kanadier sind in Taiwan ein bisschen verschrien dafür, immer wieder in peinliche Vorfälle verstrickt zu sein. Immer noch besser als im Film "Lucy" (2014), da schießt eine blonde Nordamerikanerin einen Taipei-Taxifahrer einfach nieder, da er nicht Englisch sprechen kann. Da habe ich mich schon gefragt: Wie würde das Ansehen von uns westlichen Ausländern in Taiwan nun wieder darunter leiden, wäre das wirklich passiert. ;-)  Im selben Film erschießt sie auch noch einen Patienten auf dem OP-Tisch im Krankenhaus. Det is schon eine Sorte Film für sich.

UPDATE: Wie immer in der Taiwanpresse wird der Ausländer mit vollem Namen genannt und sein Arbeitsplatz (eine der privaten kleinen Englischschulen) gleich mit: http://www.appledaily.com.tw/realtimenews/article/new/20151214/752523/

Donnerstag, Dezember 10, 2015

Taiwan erleichtert Einstellung von ausländischen Angestellten (Edit)

Bislang durften nur bestimmte Branchen ausländische Angestellte einstellen - und es gab auch Vorgaben bzgl. der notwendigen Berufserfahrung, etwa 12 Jahre Praxis für Angestellte mit "Senior(engl.)"-Status.

Nun wurde die Einstellung von Expats erleichtert: http://focustaiwan.tw/news/aeco/201512030025.aspx
Damit will Taiwan offenbar auf die sinkende Geburtenrate und die daraus folgende zukünftige Ebbe für Büro-Arbeitsdrohnen mit ihrem allseits beliebten 12-16h-Arbeitstag inklusive öfter mal Wochenendarbeit reagieren. Apropos Arbeitszeit: Neuerdings kontrolliert das Arbeitsministerium offenbar, dass nicht zu viel Überstunden bei großen Firmen anfallen und zumindest meine Firma steuert etwas gegen bei den alten Marathon-Bürotagen.

Also auf als Expats nach Taipei, eine der "schönsten Städte der Erde" mit seinen höflichen, immer - und gerade im Straßenverkehr - ausgeglichenen und liebenswürdigen Menschen? Werden Sie, liebe Leserin und lieber Leser, schon morgen auf den kaum befahrenen breiten Alleen der Hauptstadt Taipei entspannt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und abends ihre wunderschön renovierte Altbauwohnung im einem alten Arbeiterviertel in Taipei-Wushiwu ansteuern?

Vielleicht. Hier noch ein paar Links zur Arbeitswelt in Taiwan:



Jetzt mit Update 2015: Arbeitsweltinfo Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html

Noch Stand 2009: Lebenshaltungskosten:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html
 

Artikel zur Rentenversicherung in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html 
Insbesondere beachten, dass Taiwan offenbar Ausländer um die ihnen eigentlich (ab 15 Beitragsjahren) zustehende monatliche Rente betrügt - um das Kind beim Namen zu nennen.

Essen muss man auch als Expat:

Lebensmittelsicherheit in Taiwan (Stand Ende 2014):
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Siehe insb. Punkt 10 der FAQ für eine Auflistung der Skandale.

Besser gleich hier gucken, wie "lecker und gesund" das Taiwanessen ist:
https://taiwanease.com/en/forums/a-history-of-taiwan-s-food-supply-decades-of-poisoning-adulteration-and-fraud-t13203.html
(Wie wäre es mit Reisnudeln vom Farmer-Kollektiv mit 0% Reis und viel Chemie?)

Freitag, November 27, 2015

Please Pray the Rosary!

Gesicherte Tafel irgendwo in Manila, durchs Autofenster fotografiert während wir im Stau stehen. Beispiel für den strengen Katholizismus im Land: Überall sind Jesus und Mutter Maria im Stadtbild zu finden als Standbilder oder ikonenartige Bilder.

"Bitte bete den Rosenkranz. Eine Familie die zusammen betet, bleibt auch zusammen"

Freitag, November 20, 2015

Queen's Head, Yehliu-Kap. 2005

Im Jahre 2005 war es noch nicht so überlaufen. Hat es damals schon Eintritt gekostet? Ich weiß es nicht. Aber es gab damals noch keine Flut von VR-China-Touristen, die den Platz heute sehr überlaufen machen. Eher spärlich die Besucher damals am "Königinnen-Kopf", dem Wahrzeichen Taiwans. 

Bilder ohne Worte mit einer Minolta Dynax 600si classic, einer analogen SLR-Kamera. Objektive: Ein Tamron 4-5.6/28-105 und ein Tokina 3.5-4.5/19-35mm. Beide könnten ich auch heute noch an der Sony DSLR verwenden, sie leben aber nicht mehr.



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... und ein Minolta 4.5-5.6/70-300mm, auch schon verstorben dank Pilzbefall.

Donnerstag, November 12, 2015

Wirre Geschichte: Security-Guard attackiert Ausländer in Metro (Update)

Da trägt ein Taiwaner die Uniform eines Security-Guards eines offenbar dänischen Unternehmens in Taipei und attackiert einen westlichen Ausländer in Taipeis Metro MRT mit offenbar rassistischen Sprüchen.

http://michaelturton.blogspot.com/2015/11/something-to-watch-out-for-racist-suit.html


Das Video will nicht richtig laden bei mir. Nach dem was ich sehen kann spielt vielleicht eine weibliche Begleitung des Ausländers eine Rolle und offenbar fällt irgendwo eine Formulierung, die in Richtung "Hure" geht. Von so einem Vorfall habe ich in Taiwan noch nie gehört, es handelt sich um einen Einzelfall würde ich sagen. Der Attackierer legt es offenbar darauf an geschlagen zu werden und fordert den Ausländer sogar dazu auf. Möglicherweise schielt er auf eine teure Klage, die er dann dem Ausländer anhängen könnte und hofft wohl nicht zu Unrecht - nach allen Erfahrungen - für diesen Fall auf Solidarität von Polizei und Gericht. Der Ausländer lässt sich von dem Herrn aber nicht provozieren.

Schon bizarr, für ein "Laowai"-Unternehmen in Taiwan zu arbeiten und dann einen Laowai in der Metro anzumachen. Hoffentlich verfährt der Securitymensch da großzügiger mit Geschäftsbesuchern des Unternehmens ;-)

Auf der Facebookseite des Unternehmens wird der Fall diskutiert. https://www.facebook.com/issworld/
Wer weiß was dahinter steckt. Es wäre das erste Mal, dass Aktionen wie irgendwelche Popmusik-Videos, die einheimische Damen dazu auffordern, sich nicht mit Ausländern einzulassen (das Taiwanblog hatte berichtet) Früchte tragen würden. Sehen wir es lieber als Einzelfall eines sehr gestressten Menschen.

Grundsätzlich würde ich sagen hat sich die "Willkommenskultur" der Taiwaner für uns Weißbrote von "extrem freundlich" im Jahre 2004 (als ich hier angekommen bin) über die Jahre hin zu "neutral" verschoben. Wobei wohl auch die häufigen Anti-Ausländerstories in der Taiwanpresse eine Rolle spielen.

EDIT: Wie man auf Forumosa.com sieht, bearbeitet die Polizei den Fall offenbar nicht. Hingegen wäre ein Ausländer, der einem Taiwaner gegenüber beispielsweise "Fuck you" sagt, sehr schnell zu einer Geldstrafe verurteilt. Das ist schon recht häufig vorgekommen. Man sollte sich nicht provozieren lassen, bereit stehende Smartphones vom Angreifer oder von Passanten warten nur drauf, ein "Fuck you" oder gar eine Handgreiflichkeit seitens eines westlichen Ausländers aufzuzeichnen***. Auch wenn dieser Fall hier vermutlich anders ausgehen wird.

UPDATE: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=153510&start=30
Wieder mal ist das Video der Metro-Videoüberwachung schon gelöscht worden (nach 7 Tagen) bevor die überarbeitete Polizei dazu gekommen ist, es sicherzustellen. Das passiert in Taiwan grundsätzlich, wenn etwas für einen Ausländer entlastend sein könnte und ist schon fast ein Sprichwort in der Ausländergemeinde geworden. Und beim Transfer des Smartphonevideos von einer Police Unit zur nächsten ging das Video auch verloren. Nun gut, es ist ja im Internet zu finden.

UPDATE 2: Das dänische Unternehmen ISS stellt offenbar weltweit Dienstleistungen von Gebäudereinigung bis hin zu Security zur Verfügung. Allerdings war der Wachmann wohl nicht für die MRT tätig sondern reiste privat in der MRT.


*** Ein Beispiel für eine gelungene Shitstorm-Attacke auf eine US-Amerikanerin, die in der MRT wie viele Taiwaner auch einen Sitzplatz mit Einkaufstüten blockierte. Ein Seniorin verlangte von ihr die Freigabe des Sitzplatzes, obwohl ein benachbarter Seniorensitzplatz offenbar frei war. Die kecke Antwort, von einem Mitreisenden gefilmt, kostete der Amerikanerin ihre berufliche Existenz in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html
Fast immer sind Taiwan neutral oder freundlich, aber wenn "die Kacke am Dampfen" ist, man also irgendwie in eine Situation mit einem aggressiven Taiwanerer geraten ist oder selbst merkt, dass man unbeherrscht wird, dann gilt: Das nächste Smartphone im Videomodus ist vermutlich nur ein paar Meter entfernt. Und im finalen Schnitt steht man dann in den Taiwan-Medien sehr ungünstig dar. Etwa hatte die Taiwanpresse damals den freien Sitzplatz herausgeschnitten...

Freitag, September 18, 2015

Rentenlage in Taiwan: Ausländer kriegen offenbar weniger...

Ein für Renteneinzahler wie mich beunruhigendes Update zur Rentenlage in Taiwan:

Um es kurz zu machen, eigentlich erhält man in Taiwan mit 15 vollen Beitragsjahren nach der Labor Law-Regelung eine monatliche Rente, die nicht zu knapp ausfällt. Hat man weniger als 15 Beitragsjahre voll, kriegt man nur eine recht schmale Einmalzahlung. Offenbar drücken sich taiwanische Rentenbehörden aber jedenfalls bei der Gewährung der Rente für Staatsdiener um die monatl. Rentenzahlung und bieten (vmtl. gesetzwidrig) Ausländern nur die recht geringe Einmalzahlung an.

http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html

Die Frage ist, welchen Sinn solche Renteninfos wie meine obige haben, wenn Beamte in Taiwan doch einfach machen, was ihnen so in den Kopf kommt.

Mittwoch, September 16, 2015

Halluzinierender Amerikaner sicher wieder daheim (Update)

Ein junger US-Amerikaner hatte am helligten Nachmittag vor ein paar Wochen einen taiwanischen Polizeibeamten mit einer Flasche angegriffen. Psychische Probleme in Kombination mit Alkohol spielten wohl eine Rolle

Mal ausnahmsweise ein Lob an die sonst sehr auf Regenbogenpresse-Niveau befindlichen taiwanischen Medien. Diese Story (http://www.waow.com/story/30020833/2015/09/13/family-of-stevens-point-man-stuck-in-taiwan-speaks-out) hätte sich sehr für eine dieser "unverschämter Ausländer"-Stories geeignet, die die taiwanischen Medien sonst sehr gern bringen. Ein junger US-Amerikaner in den 20ern, der in Taiwan Mandarinchinesisch studiert hat, greift ohne erkennbaren Grund einen taiwanischen Polizisten mit einer Flasche an. Der junge Mann ist offensichtlich stark alkoholisiert. Er wird überwältigt und im Ausländerfotos gibt es Foto, wie er gefesselt am Boden liegt. Überraschenderweise hat sich die taiwanische Presse hier zurück gehalten. Und natürlich ist ein Lob an die taiwanische Polizei angebracht, die längst nicht so schießwütig wie die US-Polizei ist. Dort in den USA wäre die Wahrscheinlichkeit wohl hoch, so einen Angriff nicht zu überleben.
Die Familie des jungen Mannes gibt an, er habe psychische Probleme gehabt und er selbst gibt an, von Halluzinationen heimgesucht worden zu sein, bei denen er schließlich den Polizisten für einen Dämonen gehalten hätte und entsprechend kraftvoll angegriffen hätte. Die Familie hat dann eine Crowdfunding-Campagne gestartet und mittlerweile ist er wieder daheim und in medizinischer Behandlung. Das Taiwanblog wünscht gute Genesung. Alles noch nicht so peinlich wie der Bericht eines Deutschen der angab, auf seiner eigenen Hochzeit in Taiwan die Hochzeitsgäste unter unfreiwilligem Drogeneinfluss geschlagen und gebissen zu haben. Den Link hatten wir auch irgendwo mal. Vergessen wir ihn lieber.

UPDATE: Im Ausländerforum Forumosa.com heißt es nun, der junge Mann sei schon psychisch krank gewesen, bevor er nach Taiwan gekommen sei. Immer wieder ist dort zu lesen, dass US-Familien ihre Problemsprösslinge mit ein paar Dollar Handgeld und einer Klinikpackung Tabletten nach Taiwan schicken, weil sie dort einigermaßen gut zurecht kommen und leicht ein paar Dollar als Englischlehrer verdienen können. Dieser junge Mann hatte allerdings Mandarin studiert. Wie dem auch sei, unsereiner hier ist froh, wenn solche Problemfälle Taiwan schnell wieder verlassen. Denn hätte er einen sogar Polizisten getötet (offenbar hat er ihn mit der Bierflasche gravierend verletzt), dann würde das Klima gegen "weiße" Ausländer sicherlich ein paar Nuancen frostiger werden.

Donnerstag, September 10, 2015

Geist-Geschichte (Ghostmonth die Zweite)

Passend zum Ghostmonth/Geistermonat in Taiwan eine weitere Geschichte aus der Welt des Unerklärlichen. 

Gott sei Dank dass es den Geistermonat in Taiwan gibt, hat man endlich mal ein Alibi um die ganzen merkwürdigen Geschichten im Leben aufzuschreiben, deren Reproduktion halber man sonst als Wirrkopf gilt.

Eine Redensart sagt, dass wenn man nur genug auf Reisen ist, man sich irgendwann selber trifft. Irgendwo da draußen in der Weite. Ein Werbespot der Deutschen Bahn hat das vor Jahren mit Ex-Außenminister Genscher recht hübsch inszeniert, der sich selbst in einem Zug auf dem anderen Gleis sitzen sieht, als er aus dem Fenster guckt. Ein grob ähnliches Erlebnis hatte ich auch mal, obwohl ich sicher nicht so viel reise wie der Herr in der gelben Weste damals.

Alles fing an in den frühen 80ern. Das ist in der Retrospektive ein etwas peinlicher Lebensabschnitt. Auf dem Gymnasium ging es fast jeden Abend feiern und meine Clique war eine, die der alkoholischen Gärung allzusehr zugesprochen hat. Unser Leader of the Pack war ein Mitschüler, der schon etliche Jahrgänge wiederholt hatte und einen dem Wort "Machete" sehr ähnlichen Spitznamen hatte. Oder richtigen Namen, ich wusste wohl damals auch nicht wie er hieß. Er grinste immer nur zufrieden, lallte anfangs noch "Alkohol", dann später "Allelhol", noch später "Lohl" und ganz am Ende nur noch "Llllll". Diese berühmte Lautabfolge fand allgemeine Bewunderung und unter anderem bei den legendären Feten eines gewissen Junge Unions-Mitgliedes, das auch meine Wenigkeit und einen anderen Juso damals zu seinen Feten einlud, kopierten wir alle munter unseren Vortrinker "Machete". Gewalttätig war der ganz und gar nicht trotz des Namens - oder höchstens einer Bar gegenüber. Wie dem auch sei, bei dieser Geschichte geht es weniger um echte Geister, noch um den Weingeist per se. Eher darum, wie vielleicht das Raumzeitkontinuum durch Massentrinkerei aus den Fugen geraten kann und sich ganz und gar erstaunliche Phänomene einstellen - im Wachzustand und unter Zeugen.

Aber zurück zum Mittelteil. Es war eines jener spektakulären Besäufnisse im JU-Keller, bei dem mir heute die Schamesröte ins Gesicht steigen. Junge Männer die viel zu viel trinken sind ein peinliches Klischee und wir alle kennen ja die Stories von Türkeiurlauben und Methanoltoten. Methanol gab es freilich im JU-Keller nicht, dafür aber schon mal Fast-Trinkopfer. Ich habe selbst mal eines ins Krankenhaus gefahren nachdem ich ... die Atmung wieder hergestellt hatte. Was man damals alles gemacht hat in jungen Jahren, unglaublich finde ich das heute selbst. Wie dem auch sei - an einem anderen Fetentag war ich selbst so ein Alkoholopfer gewesen - und hier fängt die Geschichte eigentlich erst an. Ich erinnere mich noch dunkel daran, das irgendjemand "Sternenfeuer 72%" auf den Tisch stellte. Viel mehr weiß ich nicht mehr. Jugendsünden sind peinlich und ich endete buchstäblich an einer Straßenbahnhaltestelle, war verschollen und brachte den Rest der Truppe damals zu einer fehlgeschlagenen Suchaktion. Wach wurde ich auf der Intensivstation des örtlichen Kleinstadtkrankenhauses. Ich erinnere mich noch, dass mich die Krankenschwestern nach dem Namen fragten und ich geantwortet habe. Irgendwann fragten sie mich dann, wieso ich Englisch reden würde und ob ich Engländer sei. Das hat mich im Nachhinein immer gewundert, konnte ich doch damals gar nicht so gut Englisch und stand sogar mit meinem Englischlehrer im Leistungskurs auf Kriegsfuß. Det war so ein ekeliger USA-Fan, der jeden schlechten Kommentar über seine ehemalige Heimat -obwohl Deutscher- mit Anfeindungen und schlechten Noten bestrafte. Wochen später erst kam die komplette Erinnerung an den denkwürdigen Abend zurück. Und nun wurde es recht merkwürdig. Ich erinnerte mich an folgenden Ablauf, obwohl der Abend ja im niederdeutschen Niedersachsen stattgefunden hatte:

a) Ich gehe mit einer Frau Hand-in-Hand an einem schönen Stand entlang (liegt linkerhand), rechts liegt ein Hotel vor dschungelähnlicher Kulisse. Toller Blick aufs Meer im Sonnenuntergang. Sehr merkwürdige Bilder für das strandlose Hannover, wo der Abend ja stattgefunden hatte. Ich sah alles recht deutlich vor mir. Die Frau an meiner Hand konnte ich nicht erkennen, wie auf diesen Fotos, wo man selbst schwarz unterbelichtet ist vor dem hübschen Sonnenuntergang. Ich unterhalte mich auf Englisch mit der Frau, die mir offenbar sehr vertraut ist.

b) Ich werde in dem wach in etwas, was offensichtlich eine Krankenstation ist. Mein erster Gedanke ist: "Ich muss am Strand ohnmächtig geworden sein und bin jetzt auf der Hotel-Krankenstation!". Ich fragte mich, wieso zur Hölle ich ohnmächtig geworden bin (da habe ich kein Vorleiden o.ä.) und frage das anwesende "Hotelpersonal" - natürlich auf Englisch - was denn passiert ist. Sicher wird gleich meine weibliche Begleitung aufgeregt durch die Tür der Krankenstation kommen!

Beunruhigende Erinnerungen im Nachhinein des Jahres 1984 oder welches Jahr auch immer wahr,  hatte ich doch einen solchen Urlaub nie gemacht und auch keine feste Beziehung gehabt in der Zeit. Und meine niedersächsische Kleinstadt sah wirklich nicht so aus wie diese offenbar exotische Umgebung.

Man ahnt es vielleicht schon. Das - als ich auf Englisch frage was los ist - ist der Augenblick, in dem mich die Krankenschwestern auf Deutsch fragen, wieso ich Englisch spreche. Dann wird mir kurz schwindlig und ich weiß wieder wo ich bin. Deutschland, JU-Fete etc. Und die Krankenschwestern klären mich auch auf wo ich mich aufhalte.

Jetzt vergehen viele Jahre, es dauert bis 2004, bis ich nach Taiwan auswandere (meine Frau kenne ich seit 2003). Und etwa bis 2006 oder 2007 oder dergleichen, bis ich mit meiner Frau eine Reise ... nach Malaysia mache. Ich erinnere mich noch gut. Wir hatten gut gegessen, ich gehe Hand in Hand mit ihr am Strand lang. Links liegt das Meer im wunderschönen Sonnenuntergang, rechts das Hotel vor Dschungelkulisse. "Das darf doch nicht wahr sein", dachte ich. Das sieht ja genau aus wie in meinen merkwürdigen Trunkenheitsbildern vor.... langer Zeit. Skeptisch sah ich mich um, erwartete halb wie in einem schlechten SciFi-Streifen nun ohnmächtig zu werden und mich im Jahre 1984 wieder zu finden. Na das wäre was gewesen! Kein Handy in der Tasche, kein Internet zu Hause und morgen früh Englisch, Französisch, Mathe und Sport. Um Gottes Willen! Das ist mir erfreulicherweise erspart geblieben. Gut, privat hätte ich eine wesentliche Sache anders gemacht, aber das sprengt jetzt hier den Rahmen (seufz). Natürlich gab es keine Zeitschleife oder ähnliches. Frau und ich gingen einfach weiter und ich tat die ganze merkwürdige Vision als Narretei ab.

Jedoch ist mir die Episode nie so ganz aus dem Kopf gegangen. In der Retrospektive erscheint es mir wie eine wirre, Sternenfeuer-72%-induzierte Zeitreise zu sein, in einem Augenblick, als der Geist vielleicht frei war von den Beschränkungen, die unsere chronologisch sonst streng sortierte und kausalitätshörige Existenz sonst hat. Schließlich gibt es auch physikalische moderne Theorien von gleich mehreren Raumzeiten und Parallelität. Wie auch immer: "Don't try this at home" ist sicher ein guter Ratschlag. Jedenfalls "mit ohne Sternenfeuer"(sic) ist immer besser.

Freitag, September 04, 2015

Blogpartei hat gewählt: DPP gewinnt (und gibt Hung/KMT auf?) (Update)

Die kleine Wahl oben rechts in der Ecke im Blog ist zu Ende gegangen. "Amtliches" Endergebnis:

Wahlbeteidigung: 16 Stimmen
(durch Tricks ist Mehrfachabstimmung natürlich möglich gewesen)

Gewinnerin: Tsai, DPP mit 56% bzw. 9 Stimmen

Dahinter Frau Hung, KMT mit 18% bzw, 3 Stimmen gleichauf mit Herrn Shih (parteilos).
Herr Soong, PFP, mit 1 Stimme immer noch für 6% gut.

Gemessen am Klima in der realen Republik China alias Taiwan ist sicher Frau Hung von der KMT etwas unterrepräsentiert*** und der parteilose Herr Shih wohl stark überrepräsentiert. Grund für die Überrepresentation des eigentlich chancenlosen Shih ist sicher meine Beschreibung im letzten Artikel zur "Blogwahl", in der sich Shih sehr positiv geschildert habe. In meiner Kandidatenvorstellung wirkt er ein bisschen zu edel und schwebt elegant über den Niederungen des Politikbetriebes mit seinen erwähnten 25 Jahren Dissidentenhaft. Was in meiner Schilderung freilich fehlt ist, dass er auch gut austeilen kann und dadurch mehrere Male für Irritationen beim Wahlvolk gesorgt hat. Eben als er den Expräsidenten Chen (von Shihs Expartei DPP) als ehemaligen Regierungsspitzel (angeblich tätig als solcher zu Diktaturzeiten) bezeichnet hat. Auch den Kandidaten Frank Hsieh (DPP) der vorletzten Wahl hat er beschuldigt, ein Spitzel gewesen zu sein. Beweise ist er freilich schuldig geblieben. Und als er von der aktuellen DPP-Präsidentschaftskandidatin Tsai verlangt hat, sie möge vor der Wahl ihre sexuelle Orientierung offenlegen, da ist das beim Wahlvolk auch nicht immer gut angekommen. Man redet ja, Frau Tsai sei lesbisch, aber das interessiert im aufgeschlossenen Taiwan eigentlich niemanden.
In der Realität ist zwar Tsai Ingwen von der DPP auch klare Favoritin, aber nicht so deutlich wie hier im Blog. Sicher weil Leser hier i.A. wenig emotionale Bindungen zum chinesischen Festland haben und daher im Schnitt mit der "prochinesischen" KMT weniger anfangen können . Was bei Taiwanern öfter mal anders ist.

Halb sensationell ist, dass die KMT-Kandidatin möglicherweise mit dem Gedanken spielt aufzugeben. In einem Facebookposting hat sie angekündigt, die nächsten Tage eine Wahlkampfpause einzulegen und über alles zu reflektieren. Hat sie ob ihrer schlechten Umfrageergebnisse die Sinnkrise bekommen? Oder hängt es damit zusammen, dass der frühere Präsidentschaftskandidat Lien Chan (KMT) derzeit gerade die VR-China besucht und an Militärparaden teilnimmt? Dieser Akt, der eher im Taiwan-Independence-Lage beheimateten Taiwanern Magenschmerzen machen wird, lässt die "Wiederverinigung-mit-China"-Aussagen von Frau Hung noch radikaler erscheinen als sie so schon sind. Und macht sie daher noch unpassender für den taiwanischen Zeitgeist, der eher in Richtung taiwanische Identität geht als in Richtung China-Nostalgie. "Weißt du noch Frau Fong, als wir alle vor den Kommunisten davon gelaufen sind? Mei, war das eine schöne Zeit..." ist eine Art von Nostalgie, mit der jüngere Taiwaner immer weniger anfangen können.

Aber lassen wir doch einfach die Taiwaner im Januar selbst entscheiden. Mit welcher KMT-Kandidatin oder welchem KMT-Kandidaten auch immer.

Quelle über die Gerüchte zur Aufgabe von Hung (KMT): http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/04/2003626892 

EDIT: Vermutlich ist das die erste Phase der medialen Vorbereitung einer Ersetzung von Frau Hung. Kommt jetzt ein hellblauer Kandidat statt der bisherigen Hardlinerin, die sogar noch die Chinafreundlichkeit des amtierenden Präsidenten Ma (KMT) zu übertreffen drohte?


*** Nachtrag: Sie liegt zwar in den tatsächlichen Umfragen ähnlich wie hier, allerdings gehe ich von einem Stimmengewinn zu Lasten von Soong aus, der meiner Ansicht nach zu hoch bewertet ist in der letzten Umfrage. Die sind nicht so zuverlässig wie "daheim".

UPDATE: Hung hat nur einen Publicity-Stunt geliefert und macht weiter wie bisher: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/07/2003627120
Sie posiert mit Ananas auf dem Kopf und hofft, die (selbst ausgelösten) Gerüchte mögen ein Ende nehmen.

Geistergeschichte

Da lebt man in einem geister- und magiegläubigen Umfeld und wenn einem dann eine Geistergeschichte passiert, dann hat sie rein gar nichts mit Taiwan zu tun. Merkwürdig, oder?

Nun bin ich natürlich ein naturwissenschaftlich geprägter Mensch. Schon von Berufswegen. Ergo würde ich an die Weiterexistenz verstorbener Verwandter höchstens glauben, wenn sie mir höchstselbst optisch wahrnehmbar erscheinen würden und am besten noch einen physischen Beweis ihrer Existenz hinterlassen. "Packung Manna steht im Kühlschrank, mach´s gut, muss jetzt weiter." Oder irgendwie so. Nun, etwas ähnliches ist mir passiert. Nicht in optisch sichtbarer Form freilich und so kann ich das ganze als Zufall verbuchen und mir mein naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild erhalten. Frei nach dem Motto: Was nicht sein darf, wird als statistische Abweichung erklärt.

Was hat sich also zugetragen? Nun, es fing alles an mit irgendeinem kurzen TV-Ausschnitt aus Meran, einer italienischen Stadt. In der hatte ich mit meinen Großeltern in den sehr frühen 70er Jahren öfter als Kind viele Urlaube verbracht. Und kann mich leider an so gut wie nichts mehr aus der Zeit erinnern. Was mich schon mehrfach geärgert hat. Nur eine Wischi-Waschi-Erinnerung von einer als Pferdeskulptur zurecht gestutzten Buschanlage im Park habe ich und das ich als ganz kleiner Pöks da drum herum renne im Kreis. Das alles zog mir so durch den Kopf, als auf der taiwanischen Mattscheibe hier irgendein Reisebericht kam. Wahrscheinlich wieder diese Reisesendungen wo kichernde Taiwaner "exotisches" Essen in die Kamera halten, daran herum essen, "Mmmmmmhhhh" und "Aaaaaaah" und "Ohhhhhh" rufen, von links nach rechts springen und meine Frau am Ende des Beitrages immer in das jeweilige Land auswandern will.

Wie dem auch sei, ich legte mich mit Gedanken an das in meiner Erinnerung verschollene Meran schlafen. Und träumte dann offensichtlich von den alten Urlauben in Meran, mit samt Großeltern. Denn als meine Frau mich wegen ratternder Gasleitungen oder sonst etwas weckte und ich senkrecht im Bett stand, da fiel mir auf, dass ich den Traum komplett parat hatte. So real, als sei ich eben noch wirklich in Meran gewesen. Mit einer solchen Intensität hatte ich noch nie eine Traumerinnerung gehabt, es wirkte völlig real. Wahrscheinlich wegen des plötzlichen Herausgerissen-werdens. Kennen Sie die Situation? Eben noch glaubt man die Traumerinnerung komplett zu haben und im nächsten Moment ist sie schon wieder verschwunden. Das soll daher kommen, dass Träume vom Unterbewusstsein produziert werden. Übrigens eine Art Aufräummechanismus der etwa der "Garbage Collection" in Computerbetriebssystemen oder der Laufzeitumgebung eines Programms gleicht, etwa wenn nicht mehr benötigte Speicherbereiche frei gegeben werden. Weil aber nun unser Verstand davon logisch getrennt ist, versackt die Erinnerung wieder blitzschnell. Da hilft die manuelle Technik des "Stück-für-Stück Durchgehens" des Traumes, so als würde man ihn nacherzählen wollen. Habe ich mal - sicher in einer Frauenzeitschrift beim Frisör - gelesen und es funktioniert wirklich. Also "speicherte" ich den Traum schnell ab und war verblüfft. Eben noch waren wir in der Traumwelt beim "Italiener" Essen gewesen. Wo auch sonst im Meran der frühen 70er? "Wir" waren also meine Großeltern und ich. Ich - der im Traum gar nicht so klein wirkte - hatte Gulasch mit Spagetti. Lecker! Dann sind wir wieder aufs Hotelzimmer - sogar die Straße und das Treppenhaus vom Hotel sah ich recht klar vor mir und Großmutter und ich warteten im Zimmer auf meinen Großvater, der Einkaufen war. Er kam auch kurze Zeit später zur Tür rein und stellte eine Flasche Rotwein auf den Tisch. Mit so einem typisch gedrehten Hals, wie sie manche Touristenflaschen haben. Er zeigte auf die Flasche und sagte "Meraner Bier!". Alle lachten und im Traume war der Witz wesentlich komischer als jetzt beim Nacherzählen. Gut, der Humor meines Großvaters soll nicht so der beste gewesen sein. Sagt jedenfalls sein Schwiegersohn ergo mein Vater. Aber lassen wir das. Mich wunderte wie real das Erlebnis war, so als sei ich eben im Nebenzimmer noch mit den Großeltern - die seit den 70ern bzw. 80ern verstorben sind) zusammen gewesen. Schon ein ungewöhnliches Erlebnis. Dieses Abspielen eines alten "Urlaubsfilms" fand ich jedenfalls sehr beeindruckend. Schon erstaunlich, was man möglicherweise aus der frühen Kindheit noch im Gedächtnis abgespeichert hat, was aber dem Verstand normalerweise nicht zugänglich ist. Wie dem auch sei, ich musste daran denken, dass auch die Urlaube mit einer Tante (mit Namen Grete), mit der ich damals viel Zeit verbracht hatte - auch in Meran - ebenfalls aus dem Gedächtnis verschwunden waren. Und so murmelte ich ein nicht ernst gemeintes "Tante Grete.... melde dich doch mal als nächstes" noch halb schlaftrunken, während ich noch den grausamen Kontrast der Realität einer Taipei-Schlichthauswohnung mit der des malerischen Merans der 70er Jahre verkraftete.

Nun kommt das dicke Ende. Zwei Tage später rief meine Mutter an und erwähnte beiläufig, mein Vater habe im Keller (wo er allerdings immer viel rumsucht) das Tagebuch von "Tante Grete" gefunden. "Sie hat alles detailliert aufgeschrieben, auch deine Urlaube mit ihr in Meran", sagte meine Mutter. Mir wäre fast der Telefonhörer aus der Hand gefallen. Gesehen habe ich die Tagebücher noch nicht - werde sie mir bei der nächsten Deutschlandreise zu Gemüte führen. Aber prompter kann man eine Bestellung kaum erfüllen, oder? Kein Mensch wusste übrigens, dass Tante Grete Tagebuch geführt hat und wir haben -eigentlich- auch so gut wie kein Zeug von ihr im Keller.

Seither bin ich trotz des gerade von unserem Mobiltelefonprovider in Taipei erfolgten Umstiegs von "3G" auf "4G" viel mehr beeindruckt von der "1G"-Leitung, die ich da scheinbar ins Jenseits hatte für eine kurze Zeit. Weitere Versuche mit 1G sind allerdings bislang gescheitert. Sehr zuverlässig ist die Leitung wohl nicht ;-)

Ja ja, schon klar, war alles nur ein Zufall.

Die erste von zwei kleinen Geistergeschichten, passend zum Ghostmonth, der jetzt hier ausbricht. Aber 100% wahr - und schon vor ein paar Monaten passiert.

Montag, August 31, 2015

2004-2015, was hat sich verändert?

Heute Morgen fand ich eine Email im Postfach, in der ein Ex-Kommilitone fragte, was sich in Taiwan über die Jahre so verändert hat. Hier die schnelle Antwort, die trotz Pauschalitäten im Wesentlichen korrekt ist aus meiner Sicht.

Edit: Guter Hinweis in den Kommentaren: Ich beziehe mich hier eigentlich nur auf Taipei, wo ich mich eben fast immer aufhalte.


2004: Leute himmeln einen an wie ein Popstar oder starren mit offenem Mund. Kinder rennen kreischend hinter einem her.
2015: weitestgehend normal, moderat unfreundlich (hier fehlt: freundlich oder moderat freundlich gibt es auch ;-)

2004: Stinkende Müllberge in den Straßen. Leute kaufen ihr Essen direkt daneben und verzehren es sogar direkt neben riesigem Gammelhaufen (hier fehlt: nicht immer, aber manchmal). Treppenhäuser voller toter Ratten, Käfer und (Hunde-)Uringestank.
2015: Weitgehend saubere Treppenhäuse, innerstädtischen Müllhaufen größtenteils verschwunden

2004: fast ganz Taipei bis auf wenige Straßenzüge besteht aus grauen Plattenbauten mit rostigen Fenstergittern
2015: Obiges teilrennoviert und auf dem Rückschritt. Nobelviertel oder westlich aussehende Bauten verdrängen Schritt für Schritt den alten Schamott.

2004: Autofahrer fahren angetrunken abends Schlangenlinien (hier hat mich vielleicht auch das zeitweilige Landleben beeinflusst in der Erinnerung)
2015: Sehr viel seltener geworden

2004: penetranter Smoggeruch
2015: deutlich weniger

Fehlt noch:
2004: Nur Busse mit chinesischen Schriftzeichen im Viertel, ich habe keine Ahnung wohin die fahren und komme so gut wie nie raus.
2015: Großzügige Metro (MRT) - Anbindung im Viertel, alles prima erklärt mit lateinischen Buchstaben







 

Freitag, August 28, 2015

Taiwanwahlkampf! Hung, Tsai, Shih oder Soong?

Welchen Präsidentschaftskandidaten würden Sie in der nächsten taiwanischen Präsidentschaftswahl 2016 favorisieren? Frau Hung, Frau Tsai oder Herrn Soong?  Oder den Außenseiter Shih?

Anmerkung: Mühevoll habe ich eine Überschrift wie "Lieber Hung-over, zart be-Tsai-tet oder too-Soon(g) in China?" hier aus dem Titel verbannt.

Wenn im Januar 2016 gewählt wird, haben die Wählerinnen und Wähler des taiwanischen Wahlvolkes (streng genommen müsste man sagen: des Wahlvolkes der Republik China - die wir umgangssprachlich Taiwan nennen) die Wahl zwischen vier Kandidaten, von denen aber nur drei praktische Bedeutung haben. Außenseiter ist Shih Ming-Teh. Herr Shih war einst Mitglied und sogar Vorsitzender der derzeitigen Oppositionspartei DPP, der Democratic Progress Party, die in der Zeit der Diktatur in Taiwan schon für Demokratie und auch den Bruch der verfassungsrechtlichen Bezüge zu China eingetreten ist. Herr Shih hat aber den letzten Präsidenten aus der DPP -Chen- im Jahre 2006 massiv kritisiert und dabei die Rothemden-Bewegung ins Leben gerufen. Kritikpunkt war die recht extreme und offene Korruption der Chen-Regierung, wegen der Chen bis vor kurzem im Gefängnis saß. Herr Shih selbst saß lange vorher unter der Kuamintang(KMT)-Diktatur 25 Jahre im Gefängnis -als Dissident und Kämpfer für die Demokratie - und ist sicher ein ehrenhafter Mann. Chancen bei der Wahl hat er als Parteiloser aber wohl keine laut Wahlprognosen.

Shih, parteilos, Foto von Wikipedia

Seine Expartei, die DPP, tritt nämlich mit Tsai Ingwen an, die jedenfalls nicht unpopulär ist. Die Vorsitzende der DPP wirkt extrem ruhig und ist nicht gerade ein Massenmagnet. Im bisweilen aufgeregten taiwanischen Politklima wirkt sie mit ihrer ruhigen Persönlichkeit und der Erklärung, den Status Quo Taiwans zu China wahren zu wollen allerdings durchaus positiv. Natürlich will sie ihrer Parteilinie gemäß keine "Wiedervereinigung" mit China, aber eben auch keine "formale Unabhängigkeit" Taiwans. Ich merke hier gerne an, dass die Republik China aka Taiwan sowieso schon ein de-facto unabhängiger Staat mit eigener Währung, eigener Staatsbürgerschaft, eigenem Militär und eigener Regierung ist, aber im DPP-Lager würde man gerne die Bezüge zur chinesischen Vergangenheit aus der Verfassung und dem Staatsnamen streichen. Nur dass die VR-China für diesen Fall eben mit einem militärischen Angriff auf Taiwan droht, was diese Idee etwas problematisch macht. Aber Frau Tsai will ja auch dahingehend nichts verändern, sagt sie.
Frau Tsai ist die aussichtsreichste Kandidatin und wird bei 36% in den Umfragen gesehen (es wird eine Direktwahl des Präsidenten/der Präsidentin in einem einzigen Wahlgang geben und die Wahl des Legislativen Yuan aka Parlaments gleich dazu). Gefahrenpunkt hier vielleicht: Was wenn Tsai nach erfolgter Wahl mehr in Richtung formeller taiwanischer Unabhängigkeit geht als sie jetzt sagt?

 Tsai, DPP, Foto von DPP-Webseite

Einen Titelverteidiger gibt es nicht, denn die derzeit wieder regierende Partei KMT/Kuamintang, die höchstselbst die KMT-Diktatur in eine parlamentarische Demokratie überführt hat zwischen 1992 und 1996, muss mit einem neuen Kandidaten respektive einer neuen Kandidatin antreten. Eben weil der amtierende Präsident Ma Ying-Jeou (KMT), der dritte freigewählte Präsident der Republik China/Taiwan überhaupt, schon zwei Wahlperioden amtiert hat und daher nicht wieder antreten darf. Präsident Ma hatte eine i.A. als prochinesisch wahrgenommene Politik gemacht, mit wirtschaftlicher Annäherung an die VR-China, die 2014 nach massiven Studentenprotesten bis hin zur Parlamentsbesetzung zumindest teilweise gestoppt worden ist. Die für 2011 angekündigte "politische Union" zwischen der Republik China/Taiwan und der VR-China fand jedoch nicht statt. Ma gilt heute als unpopulär, doch positiv formuliert hat er eine Taiwan-China - Entspannungspolitik auf die angespannten Jahre der vorhergehenden Chen (DPP)-Präsidentschaft folgen lassen, unter der die VR-China dem kleinen Taiwan oft mit Krieg gedroht hat wegen der angestrebten "Unabhängigkeits"-Schritte.

 Hung, KMT, Foto von KMT-Webseite

Die KMT tritt heute mit Frau Hung Hsiu-Chu an, die als Hardlinerin und Anhängerin einer "nationalen Vereinigung" zwischen der Republik China/Taiwan und der VR-China gilt. Sie redet im Wahlkampf u.a. davon, "den nächsten Schritt in der Beziehung zu China" folgen zu lassen. Was damit gemeint ist, ist Beobachtern nicht völlig klar. Frau Hung redet sowohl davon, die Republik China aka Taiwan von der VR-China offiziell anerkannt bekommen zu wollen (eine solche offizielle Zweistaatlichkeit a la BRD/DDR ist völliger Science Fiction in Taiwan/China) als eben auch von der nationalen Vereinigung. Frau Hung gilt auch nicht gerade als Massenmagnet und ihre Aufstellung als Kandidatin wurde von vielen Beobachtern mit Erstaunen zur Kenntnis genommmen. Denn demographisch bedingt scheint die Popularität einer "Wiedervereinigungspolitik" in Taiwan eher auf dem Rückschritt zu sein (1949 aus China geflohene Wähler sterben weg) und ihre offenbar prochinesische Haltung steht zumindest im Gegensatz zum öffentlich wahrnehmbaren Klima unter jungen Leuten - vergleiche die erwähnten Studenten- und die aktuellen Schülerproteste. Frau Hung liegt nur bei 17% in der oben referenzierten Umfrage. Allerdings muss man beachten, dass Umfragen in Taiwan oft sehr stark das Meinungsbild des Auftraggebers widerspiegeln sollen.
Korruption findet bei der KMT immer sehr verdeckt statt, sagt man im Allgemeinen. Schließlich ist die KMT die alte Staatspartei Taiwans. Beleg dafür ist beispielsweise die derzeitige grenzwertige Kooperation mit dem "Weißen Wolf" aus der Bambusgang-Triade, der zur Zeit der Studentenproteste plötzlich aus dem chinesischen Exil auftauchte und von der Justiz mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Soong, PFP, Foto von PFP-Webseite

Anfang August erst hat James Soong seine Kandidatur bekannt gegeben. James Soong ist altes KMT-Urgestein und seine jetzige Partei, die PFP (People First Party) unterstützt normalerweise auch die KMT im sogenannten Pan-Blauen - Lager (Blau ist die Parteifarbe der KMT, der Gegenpol zu Pan-Blau ist Pan-Grün, das sich um die DPP schart). Soong war im Jahre 2000 mit eigener Partei gegen den Präsidentschaftskandidaten Lien Chan (KMT) seiner alten Partei angetreten. Das war eine turbolente Zeit, als der Noch-KMT-Vorsitzende und amtierende Präsident Lee damals nicht mehr als Präsident wg. 2 Legislaturperioden Amtszeit antreten durfte. Lee hatte eine sehr DPP-ähnliche Politik gemacht und damit viele in der KMT von sich entfremdet. Aber eben auch die parlamentarische Demokratie eingeführt. In der 2000er - Wahl verlor Soong nur sehr knapp hinter Chen (DPP), der damals Präsident wurde. Erst 2012 trat Soong wieder zur Präsidentschaftswahl an, gegen den amtierenden Ma von seiner Expartei KMT und gegen Frau Tsai von der DPP. Soong erhielt nur um die 2% bei dieser Wahl.
Soong gilt offenbar als recht charismatisch, ist von der ideologischen Linie her auch eher ein Wiedervereinigungsfreund und trägt sicherlich den Ballast der Dikataturzeit mit sich herum (wie allerdings durchaus auch der amtierende Präsident Ma), gibt sich aber offenbar moderat im Wahlkampf. Vielleicht um Hung (KMT) Stimmen eher chinaneutraler KMT-Wähler abzujagen? Soong wird in der zitierten Umfrage bei hohen 24% noch vor Hung (KMT) gesehen, was mich angesichts seines letzten 2%-Resultats doch sehr verblüfft hat. Kann das stimmen? Was meinen Sie? Und wie würden Sie wählen - vergleiche die (gerade in Arbeit befindliche) Abstimmung hier im Blog.


Nachtrag: Der erwähnte Expräsident Lee, ehemals KMT-Diktator, dann Einführer der parlamentarischen Demokratie, ist heute in der von ihm ins Leben gerufenen Partei TSU (Taiwan Solidarity Union), die allerdings keinen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat und stattdessen Frau Tsai von der DPP unterstützt. Die TSU gehört zum Pan-Grünen Lager wie auch andere Kleinparteien.

Bisherige frei gewählte Präsidenten "Taiwans" (der Republik China):

1. Lee Teng Hui, ehemals KMT, heute TSU, 1992-1996 (indirekt gewählt), 1996-2000 (direkt gewählt)
2. Chen Shui-Bian, ehemals DPP, heute parteilos, 2000-2008
3. Ma Ying-jeou, KMT, 2008 bis heute

EDIT: Die Poll/Wahl ist oben rechts im Blog zu sehen. Mobilgeräte zeigen das leider nicht an.Einen Link konnte ich leider nicht finden/produzieren dazu, jedenfalls keinen funktionierenden.
Auf einem PC/Notebook guckt man einfach oben rechts ins Blog, wo das Wahl-Gadget ist.

Donnerstag, August 27, 2015

Kennen Sie Thaiwan?

Taiwan und Thailand werden gerne verwechselt, hier zwei Links aus dem Forum Forumosa.com:

In "Thaiwan" bei McDonalds gibt es eine niedliche Bedienung, der dieser US-Artikel gewidmet ist: http://www.bostonnewstime.com/regional/116089-mcdonald-s-goddess-hsu-wei-han-in-thaiwan-is-their-most-attractive-worker.html

Und die familiäre Herkunft aus "Thaiwan" spielt hier bei einem US-Politiker irgendeine Rolle: http://www.theblaze.com/stories/2013/02/26/progressive-group-mounts-racist-attack-against-mitch-mcconnells-wife/
Habe mir nicht die Mühe gemacht, das alles zu lesen. Die Fotos der Bedienung habe ich natürlich eingehend studiert, um Hinweise auf ihre Herkunft zu bekommen. Gemeint ist offensichtlich immer Taiwan, nicht Thailand.

 Taiwan (bei Yilan), nicht Thailand, kapische?


Selbst bin ich einst vor der Eheschließung mit meiner taiwanischen Frau gewarnt worden, weil die "Thailänderinnen" eben angeblich ihren deutschen Ehegatten immer das Geld abnehmen und es, wie die Erfahrung lehrt, an ihre Familie überweisen. Nun, nachdem ich jahrelang immer allen erklärt habe, dass die Dinge in Taiwan ganz anders als in Thailand sind, ist mein Geld komplett bei der Familie meiner Frau angekommen, allerdings investiert und nicht einfach weg. Lustigerweise in Manila, Philippinen, wovor man auch gern warnt. Ein bisschen komme ich mir vor wie ein Arzt, der jahrelang vor der Krebsgefahr des Rauchens warnt und die Inhalation von frischer Bergluft in Dosen empfiehlt. Und dann Krebs von den Konservierungsstoffen der Bergluftdosen bekommt. Wenn sie den Vergleich verstehen.

Äh.... Viele Grüße aus Thaiwan wünscht...

Ludigel

Mittwoch, August 26, 2015

Dein innerer Buddhist

Wie auch andere Expats wurde Ludigel von der fernöstlichen Weisheit seiner Gastgeber angezogen

Viele Expats werden, wenn sie lange genug in Asien sind zu Buddhisten. So ich natürlich auch, klar. Wer könnte sich der Weisheit des Gastgebervolks entziehen, das seine meditativ ruhige fernöstlich weise Art ja tagtäglich beispielsweise im Straßenverkehr demonstriert. Nun gibt es andere Expats die einwenden, hier in Taiwan gäbe es gar keinen Buddhismus sondern die i.d.R. den chinesischen Götterhimmel Anbetenden seinen in Wirklichkeit.... äh ... irgendwas anderes. Doch ehrlich gesagt, solche Klugscheißerei kann einen richtig überzeugten Buddhisten wie mich natürlich nicht vom täglichen Anbetungsgeschäft abhalten. Schließlich kannte man auch bei der letzten Religion nicht den Unterschied zwischen Arianern und Trinitarianern und hat das mit der Heiligen Dreifaltigkeit eh nie so ganz verstanden. Weil damals die Grundschullehrerin folgendes sagte:

"Also das mit der Heiligen Dreifaltigkeit erkläre ich euch mal. Das ist so....."
[sie legt die Stirn in Falten]
"Ach neh, da seit ihr noch zu klein zu."

 Heilige Dreifaltigkeit (zweite Reihe nicht mitgezählt)

Man wird dann größer im Laufe der Jahrzehnte, aber kriegt es immer noch nicht erklärt. Aber heute ist man ja Buddhist. Mir geht es da so wie einem Deutschen, der vor ein paar Jahren im deutschen Fernsehfunk Berühmtheit erlangte, als er mit seiner Familie nach Kambodscha auswanderte. "Nur durch den Buddhismus kann ich meine wilde innere Natur zügeln" schrieb er sinngemäß. Ich weiß nicht, wie es ihm ging, aber ich sitze natürlich mit meinem muskelbepackten eingeölten Oberkörper andachtsvoll im Tempel, das orange Stirnband um und das Schnellfeuergewehr draußen an den Bambustempel gelehnt. Nur die Ruhe des Buddhismus, wenn er denn gerade einer ist, kann da die innere Bestie zur Ruhe bringen. Und der gratis Ingwertee.

Wie dem auch sei, auch die tieferschürfende Theologie will ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten. Bei den vielen Göttern verliert man schon mal den Überblick. Doch ich will es Ihnen schnell erklären: Desto Rauschebart und desto Augenleuchten, desto heiliger. So einfach ist das mit den vielen Göttern. Manche dampfen sogar, die sind dann noch heiliger. Das ist ergo anders als im Christentum, da dampft nur der Leviathan und das ist der Teufel. Kann man sich leicht merken.

Und natürlich gibt es die hiesigen Götter wirklich, hier ist der oberste, Xian Sheng Drachengott himself, von mir im Bilde festgehalten: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/ein-drache-im-foto.html



Typisch Taiwan, oder? (Update)

Taiwan hat es mit einer bizarren Story mal wieder in die deutschen Nachrichten geschafft

Taiwan aka Republik China (mit vollem Staatsnamen) ist bei Spiegel.de präsent derzeit. Nicht etwa, weil Taiwan eine der wenigen parlamentarischen Demokratien in Asien ist und bald 2016 wieder Präsidentschaftswahlen sind - der Wahlkampf läuft - oder weil beide maßgeblichen 'Präsidentschaftskandidaten" eben Frauen sind. Nein, der Anlass ist ein tollpatschiges Kind, das mit einem Getränkebecher in der Hand in einem Museum stolpert, sich mit dem Getränk in der Hand an einem 1.5-Millionen teuren Bild abstützt und es dabei ruiniert. Das Video dazu kann man hier sehen:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/museum-in-taiwan-junge-stolpert-und-zerstoert-1-3-millionen-gemaelde-a-1049651.html 

Trotzdem gebe ich zu bei dem Video sofort gedacht zu haben: Typisch Taiwan! Es handelt sich zwar bei dem zuckrigen Bildersturm nur um eine kleine Katastrophe im Vergleich zu anderen. Aber erst kürzlich hat z.B. die britische BBC den Taiwanern "den Kopf gewaschen" in einem harschen Artikel. Nämlich wegen der zahlreichen taiwanischen Katastrophen in der letzten Zeit, die offenbar alle durch sträflich missachtete Sicherheitsvorkehrungen entstanden sind: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bbc-wascht-katastrophen-taiwan-den-kopf.html

Und in diesem Fall muss man schon fragen: Warum darf ein Kind mit einem teilweise offenen Getränk herumlaufen in einem Museum, in dem so kostbare Gemälde gezeigt werden? Wenn ich an meine Museumsbesuche aus der Schulzeit denke, da wurden wir von strengen Museumswächtern schon zur Ordnung gerufen, wenn wir nur in der falschen Tonlage andächtig "uiiii" geraunt hatten. Eine Oktave zu hoch und man wurde fast am Ohr gezogen. Und in Taiwan? Da darf ein Kind mit Getränk in der Hand fröhlich durch die Gegend ziehen. Anders habe ich freilich das Nationale Palastmuseum in Taipei in Erinnerung, wo der alte chinesische Kaiserschatz zu sehen ist. Da stehen auch überall Wächter herum, meine ich mich zu erinnern. Aber da geht es ja auch um die heiligen Grale der chinesischen Kultur, die man in Taipei gern hoch hält. Und nicht nur um "English-Teacher"-Kunst. Denn "Weiße" kennt man in Taiwan eben meist als Englischlehrer und über die rümpft man schon mal die Nase.
Ich gebe zu, ich hätte Hemmungen, große Kostbarkeiten an Taiwan zu verleihen, so lax wie man hier eben Sicherheitsvorkehrungen sieht. Gut, dass die Bilder nicht im Freien gezeigt wurden. So oft wie es hier Dusche-ähnliche Regenfälle gibt ;-)

Update: Hier näheres zum beschädigten Bild, auch Fotos: http://www.theguardian.com/world/2015/aug/25/boy-trips-in-museum-and-punches-hole-through-million-dollar-painting
Und leider kann es für die Familie des Jungen, der den Schaden verursacht hat, ein finanzieller Alptraum werden, auch wenn das Museum keine Ansprüche stellen will (es entscheidet der Versicherer, nicht der Geschädigte darüber): https://taiwanlawblog.wordpress.com/2015/08/25/boy-who-punched-hole-in-painting-may-still-be-liable-for-monetary-damages/
Denn Haftpflichtversicherungen hat man in Taiwan oft nicht.

Dienstag, August 18, 2015

"This is my country!" (Update)

Ludigel will eigentlich nur das Auto umparken

Im März hatte ich geschlagene drei Parkplätze in der Nachbarschaft zur Verfügung, brauchte aber doch oft fünf Minuten um den dicken Volvo in den schmalen Gassen einzuparken. Parkplatz 1 ist der Familienparkplatz, noch von anderen genutzt. Parkplatz Nummer 2 wurde deshalb gemietet, in einer Tiefgarage. Die ist allerdings nur über einen Autolift zu erreichen der so schmal ist, dass es mir einmal die Verkleidung des linken Außenspiegels weggehauen hat in dem Ding. Daher haben wir dann Parkplatz Nummer 3 gemietet (2 ist heute wieder aufgegeben). In einer schmalen Gasse ganz in der Nähe. Nur dass die Leute sich dort angewöhnt haben, immer in zweiter Reihe die geparkten Autos zuzuparken. Ohne Telefonnummer am Auto.

 Die Nachbarn guckten von den Balkonen...


Spät abends zwischen 10 und 11 gehe ich also immer los und parke das Auto vom etwas weiter weg liegenden Parkplatz 3 auf Parkplatz 1 um, weil der dann frei ist und näher an der Wohnung liegt. Damit Frau morgens nicht so weit laufen muss. Oft ist der Wagen dann zugeparkt. Dann rufe ich Frau an, die ruft die Parkplatzvermieterin an und die telefoniert in der Gegend rum, bis nach etwa zwanzig Minuten irgendein Depp aus den Wohnungen rennt, "paisei paisei" ruft, wie immer man das auch schreibt und seine verdammte Karre wegfährt. Oder rummault dabei, wenn es der Kerl mit dem dicken weißen Infiniti-SUV ist, der das Format eines veritablen LKWs hat. Das Auto, nicht der Kerl. Sogar mein Volvo sieht klein aus dagegen.

Nun hatte ich gerade Terminator::Genisys gesehen, den neuen Streifen mit Arnold, der zwischenzeitlich Gouverneur von Californien war und war gerade kurz vor Schluss gewesen, als Frau sagte, ich solle den Müll rausbringen (ohne richtig funktionierende Müllabfuhr in Taiwan ist das auch so ein Abenteuer) und dann natürlich auch den Wagen umtopfen. Nun parkte eine alte rote Mercedes S-Klasse mich und zwei andere Autos zu. Anständige Taiwaner liegen natürlich zu dieser späten Stunde längst in den Betten und träumen von Laotse und Konfuzius, das ist klar. Nur wir merkwürdigen Ausländer sind da nachts noch auf den Beinen unserer finsteren Umparkgeschäfte wegen. Und ich hatte auf die 20 Minuten Ringelpietz mit Anfassen und Telefonieren einfach keine Lust. Und warum eigentlich kaufen Taiwaner immer das maximal größte erreichbare Auto, vergessen aber einen Parkplatz dafür zu mieten? Gut, meine Frau wollte ja auch unbedingt den dicken, teuren Volvo.

 Was ist denn das für ein Radau?


Also drückte ich auf die Hupe. Dauerhaft. Immer wieder. Wirklich lange. Weil irgendwann wird dann ja wohl jemand kommen. Tatsächlich trudelte als bald die gesamte Nachbarschaft im Schlichtwohnviertel ein. Hinter den Gittern (Gardinen haben sie hier nicht, ist Konfuzius dagegen oder dergleichen) oder unten aufgeregt vor meinem Volvo und dem Benz auf der Fahrbahn rumrennend. Ich zeigte mehrfach fragend auf den dicken Mercedes und ging dann weiter meinem Hupgeschäft nach. Es schien so, desto schneller ich die Hupfrequenz wählte, desto schneller liefen auch die Leute herum. Lustig irgendwie. Vielleicht sollte ich mal eine Melodie hupen. Kennt jemand ein chinesisches Volkslied? "Sah Chiang Kai Shek ein Röschen stehen" oder irgendwie sowas. "Muss ih denn, muss ih denn zum Tempele hinaus..:", das kennt man doch, oder?
Und wo hatte ich nur die Hauptdarstellerin in Terminator::Genisys schon gesehen?

So grübelte ich hupend vor mich hin, da sprach mich ein Anwohner auf Englisch an.

"Why so angry?" fragte er. "Warum so ärgerlich".
Seine Frage machte mich jetzt wirklich ärgerlich. Hupt man weil man ärgerlich ist oder weil man einfach mit dem Auto aus der Parklücke fahren will, wenn sie zugeparkt ist?

"I am not angry. I just press the horn so someone is coming", antwortete ich jetzt nicht mehr wahrheitsgemäß. "Ich bin nicht ärgerlich, ich drücke nur die Hupe damit jemand kommt."

Ich unterbrach kurz mein Daherhupen (die Nachbarn standen alle abrupt bewegungslos da, als die Melodie aufhöre) und hörte ihm zu, als er mutmaßte, zu welcher Wohnung der Mercedes gehören würde. Da setze er zu einem Fragenkatalog an.

"Is this your parking lot? Do you live here?" ... "Ist das Ihr Parkplatz. Wohnen Sie hier?"

Klar, dachte ich, ich muss dir um 22.10 meine Credentials/Referenzen geben, wenn ich nur mein Auto aus der Parklücke fahren will. Ich kenne das ja. Gehe ich an meinem Auto vorbei bei Regen und nehme einen Regenschirm raus, stratzt jemand aufgeregt zu meinem Auto und macht ein Foto davon. Langnase brechen Auto auf. Oder parke ich auf meinem Parkplatz, erklärt mir jemand, ich könne da nicht parken. Weil Anwohnerparkplätze. Und so wie ich sehen Anwohner eben nicht aus. Oder wollen mich nicht ins Mietshaus reinlassen, wie der Tattergreis bei uns im Haus. Gut, oder sie sagen "Welcome in Taiwan" (haben sie aber um 2011 damit aufgehört), wenn ich noch mal was aus dem Auto hole. Immer fühlen sie sich mir gegenüber vor meiner eigenen Haustür als territoriale Sachwalter offenbar.

"Yes I live here. Yes this is my parking lot. And this is my country!".

"Ja ich wohne hier. Ja, dies ist mein Parkplatz. Und dies ist mein Land!"

Den letzten Satz sagte ich mit geschauspielter Inbrunst und großer Geste, mit meinen zum Himmel gereckten Armen gewissermaßen das  ganze Land Taiwan aka Republik-China einschließend.

"The last one was a joke", "Das letzte war ein Witz", wollte ich noch hinzufügen. Da fiel mir auf, dass der Nachbar schon wieder schnellen Schrittes auf seine Haustür zurannte. Bei emotionalen Gesten geraten sie immer in Panik, die Taiwaner. Dabei hatte ich noch mehr in Petto, hätte mich als Präsident Ma Ying-Jeou vorgestellt, wenn er weiter gefragt hätte. Aber so war er weg und ich ging wieder zum Dauherhupen über. Die Nachbarn nahmen wieder ihren Squaredance auf.

Irgendwann kam dann eine junge Frau aus dem Hause, sagte "Paisei Paisei" und ich bedankte mich. Als ich den Wagen aus der Parklücke gefahren hatte, musste ich wieder diese Parksperre zuklappen. Die ist aus Metall und macht so einen Wahnsinns Krach jedesmal. KAWUMM ging es. Wieder hielt das ganze Duzent Versammelter an und alle guckten mich an. Bestimmt dachten sie jetzt alle, ich sei unheimlich wütend. Dabei ist es nur die Mechanik. Ich ging aufs Auto zu. Immer noch guckten mich alle an als sei sonstwas passiert.

"Prima", dachte ich. Da will man nur seinen Wagen umparken und stattdessen ist man in einer Situation, sich im soziokulturellen Kontext der gesamten Nachbarschaft einordnen zu müssen. Unglaublich.

Alle starrten mich an. Ich verharrte in der Fahrertür. Die großen Augen der Mercedesfahrerin leuchteten wie Suppenteller aus dem roten Benz. Ich machte den V-Zeichen. Das machen die Taiwaner ja immer auf Fotos. Und außerdem steht es ja auch für "Zwei" und der rote Mercedes hatte mich bereits zum zweiten Mal zugeparkt.

Game of Thrones. Da hatte ich die Hauptdarstellerin schon gesehen. Kaum wiederzuerkennen.

Update: Gestern abend wieder das selbe Theater. Ein alter Toyota mit verfärbtem schwarzen Lack, der sich weißlich abschälte, parkte meine Kiste zu. So doof geparkt, dass ich fast noch hätte raus können. War ja nicht genau so lang wie die S-Klasse am Vorabend. Aber eben nur fast. Auch Dauerhupen weckte um 23 Uhr niemanden mehr. Bis auf die Tochter der Vermieterin, eine nette Lehrerin in den 50ern, die dann mit mir durch die nächtliche Straße schwebte und an mehren Türen klingelte, um den Fahrer des Wracks zu ermitteln. In der Hand hatte sie offensichtlich eine KFZ-Liste! Deswegen parken sich die Schlumpis hier also immer gegenseitig zu, weil sie dann ggf. das Wegfahren koordinieren. In einer 20-minütigen Aktion, die mir bei 12-16 Stunden-Arbeitstagen doch immer auf den Magen schlägt, geht sie doch von der knappen Freizeit ab. Gestern Abend ließ sich aber der Halter nicht ermitteln, er war nicht auf der Liste, sagte mir die Dame mit Händen und Füßen ob meines stadtbekannten Pidgin-Chinesisch.
Doch es gibt offenbar einen Parkservice der Polizei! Meine Frau rief die Polente an, die dann ihrerseits den Fahrer des Autos anrief. Perfekter Valet-Parkservice. Na Kunststück, Parkwächteruniformen haben sie ja schon an die Sheriffs. Wie dem auch sei, keine fünf Minuten später kamen zwei junge Männer buchstäblich angerannt. Beide mit zotteligen Haaren und Totenkopf-T-Shirts. Ich atmete unwillkürlich tief ein - sicher ein evolutionärer Mechanismus um das Muskelgewebe mit Sauerstoff und ATP zu versorgen, doch die beiden an Juniorverbrecher gemahnenden jungen Männer entschuldigten sich bei mir und der permanent schimpfenden Lehrerin viele Male, winkten mir zu und verschwanden dann paisei paisei paisei sagend mit ihrem alten Toyota. Habe da hoffentlich keinen Bruch gestört oder sowas. Ich winkte ihnen auch zu und rief freundlich: "Just don't do it again!". Andererseits war ich ganz froh um die Unterbrechung diesmal, haben wir doch auf meinem zentralen Schreibtisch-Client ein Tool installiert, mit dem wir auch vom Notebook zu Hause mein ganzes Schreibtischnetzwerk aus derzeit 10 realen und 15 virtuellen Rechnern fernsteuern können. Das Schreibtisch-Lab, das ja offenbar als einziges "Laboratorium" VMware - Zertifizierungen in Taiwan durchführt und damit ganze Batterien von weißkitteligen Taiwanern im ein-Ludigel-Modus ersetzt. Und so um 23 Uhr konnte ich eine 20-minütige Pause mal ganz gut vertragen und amüsierte mich, unter der Straßenlaterne von Merkels Griechenland-Pyramidensystem (Spiegel) zu lesen. Nach dem Motto: 100 Milliarden Euro hinterher geworfen sind gut, wenn sie erst bei der nächsten Regierung/Währungsreform in den Büchern aufschlagen und nicht schon in der Herrschaftszeit der Heiligen Merkel. Da schmunzelt man unter der Straßenlaterne am östlichen Tellerrand der Welt über die westlichen Katastrophen von Morgen.


Donnerstag, August 06, 2015

Yehliu Kap, nahe "Queen's Head"



Nur ein schneller Schuss vorab. Küste ganz an der Nordspitze Taiwans, am Yehliu Kap, wo man guter Hoffnung sein kann, gegen Zahlung von 400 NT (etwa 10 Euro) die berühmte Steinformation "Queens Head" im Yehliu Geopark sehen zu können. Überlaufen wie es war haben wir uns nicht in die 30 Reisegruppen  - viele sicher aus der VR China herüber gekarrt - eingereiht, sondern haben lieber die Küste direkt daneben besucht, wo auch dieses Foto entstanden ist. Ich will mal daheim in der Fotokiste suchen, ob ich noch die vom Fotogeschäft um 2003 oder 2004 eingescannten Analogfotos von meinem damaligen Besuch von Queen's Head finde - die Negative lagern jedenfalls im fernen Deutschland.

Oben ein schnelles nächtliches Foto mit der Immer-dabei-Kompaktkamera (Casio Exilim Z1000), die ich statt der Handykamera verwende. Der Vorteil so einer richtigen Kamera ist eben, dass man sie auch einfach mal mit Selbstauslöser auf die Ufermauer stellen kann für eine Aufnahme mit sehr wenig Licht wie hier im Bild. Man sieht deutlich, dass die kleinformatigen Kompaktkameras (wie auch Handykameras) heftiger als DSLRs auf die allgegenwärtigen elektromagnetischen Störungen reagieren, die sich in Form von Bildrauschen niederschlagen.
Entstanden ist das Bild am Parkplatz vom Yeliu Geopark als ich nächstens das Auto umparkte.

Erweiterte!

Der neue Drogerieschlachtruf: Erweiterte!

Deutsches ist als Werbeträger in Taiwan beliebt. Hatten wir im letzten Beitrag die scheußliche Verwendung von Nazisymbolik - so ist es diesmal viel harmloser. Hmmm... hätten Sie als deren Marketingmensch in Taiwan die Box auch so gestaltet?


Manche deutschen Worte sagt man viel zu wenig. "Erweiterte" und das aktuelle Medienthema-Wort "Landesverrat" gehören sicher dazu. Oder wie wäre es mit einer Kombination aus beidem? Noch mit kleinem "r" dazwischen natürlich.

P.S.: Und erweiterte Eitelkeit heute im Blog. Im Blog-Header ist ab sofort der Hinweis auf das Gründungsjahr 2004 dieses Blogs enthalten. Auch wenn das erste Jahr nur aus einem einzigen Posting bestand. Damals wusste ich mit dem "neuen Medium" Blog noch nichts rechtes anzufangen. Und heute haben sich Blogs fast schon wieder erledigt, dank Facebook, Twitter und Instagram. Bislang war 2007 als Gründungsjahr angegeben, weil ab dann die Postings (fast) ausschließlich auf Deutsch sind ;-)

Dienstag, August 04, 2015

Schülerproteste Taipei

Privat und beruflich eingespannt ist es völlig an mir vorbei gegangen.

Taiwans Schüler der Klassen 10 bis 12 führen derzeit massive Proteste bis hin zur Umzingelung des Regierungssitzes in Taipei durch (siehe etwa im Blog von Klaus Bardenhagen: http://www.intaiwan.de/2015/08/03/schueler-proteste-taiwan-geschichtsbuecher/). Anlass für die Proteste ist das Umschreiben der Schulbücher zum Thema Geschichte durch die derzeitige chinafreundliche KMT-Regierung des Präsidenten Ma Ying-Jeou. Ein wegen Eindringens in das Erziehungsministerium verhafteter Schüler hat Selbstmord begangen, offenbar nachdem er von seinen Eltern unter Druck gesetzt wurde.
Konkret sollen die Geschichtsbücher wohl eine eher chinazentrische Sichtweise bekommen. Passend dazu, dass sich die regierende KMT eben als "chinesische" Partei ansieht - freilich nicht im Sinne der VR-China sondern sich aus dem Umstand erklärend, dass die KMT einst über China geherrscht hat, bis ihre Regierung 1949 vor den chin, Kommunisten auf die Insel Taiwan geflohen ist, die damals eine japanische Kolonie war.

Von den Protesten habe ich nichts mitbekommen. Frau (nicht im Bild), Junior und meine Wenigkeit tingeln derzeit viel an Ausflugsorten herum und wollen Taiwan noch mal genießen. Droht doch evtl. bald unser Wegzug aus der Roc-Republik.

Damit schließen sich Schüler-Proteste gegen Taiwans (freilich 2x frei gewählte) KMT-Regierung an die 2014er Studentenproteste an. Damals wurde das Parlament besetzt und gegen eine weitere wirtschaftliche Annäherung Taiwans an China protestiert. http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html.

Und ob es nun ein oder zwei Chinas gibt verliert doch irgendwie seine Spannung, wenn man die Diskussion 11 Jahre lang gehört hat. Wie wäre es mal mit zwei Taiwans stattdessen. Spalten wir uns doch in Norden und Süden, das verwirrt dann auch die Chinesen. Oder noch besser in Osten und Westen mit Taipei mitten durch geteilt.

Für die 2016er Präsidentschaftswahl schlägt der KMT sicher ein strenger Wind ins Gesicht. Da sich jüngere Taiwaner immer weniger als Chinesen und eher als Taiwaner ansehen, können sie mit der China-Nostalgie der das chinesische Erbe pflegenden KMT wenig anfangen. Demografisch gesehen werden die jüngeren Taiwaner natürlich einen immer größeren Anteil der Wählergemeinde stellen. In der 2016er-Wahl kann Präsident Ma Ying-Jeou (KMT) nicht wieder antreten. In seine Fußstapfen will die KMT-Hardlinerin Hung treten, die einerseits von "nationaler Vereinigung" mit der VR-China redet, andererseits aber auch die existierende Republik China alias Taiwan als eigenen Staat durch Peking anerkannt bekommen will.
Ihr Gegenüber ist die Oppositionskandidatin Tsai (DPP) aus dem die Eigenständigkeit Taiwans betonenden "Taiwan-Independence"-Langer, die sich moderat gibt.

Von einem Wahlsieg der DPP wird ausgegangen. Jedoch denke ich nicht dass es angemessen ist, die KMT schon endgültig als gescheitert oder gar in ihrer Existenz gefährdet anzusehen, wie das viele Kommentatoren der Expatszene tun. Sollte die DPP etwa wieder einen großen Korruptionsskandal haben wie unter der letzten DPP-Präsidentschaft 2000-2008 unter Präsident Chen (DPP), dann kann das politische Klima sicher in künftigen Legislaturperioden wieder in Richtung KMT umschlagen, selbst wenn Studenten und Schüler dann wieder oder immer noch gegen die Regierung auf die Barrikaden gehen. Das Phänomen ist ja auch in westlichen Gesellschaften bestens bekannt und nur für das früher familiär strenge und ehemals autoritär regierte Taiwan ein neues Phänomen.

EDIT: Ein Beispiel für "chinesische Geschichtsauslegung" sei im Folgenden genannt:

Im Zweiten Weltkrieg war die Insel Taiwan japanische Kolonie und Taiwaner kämpften in Uniformen der japanischen Armee gegen die Amerikaner. Trotzdem fand in Taipeis Straßen kürzliche eine Siegesparade zur Zelebrierung des Anteils der Republik China (die wir ja umgangssprachlich Taiwan nennen) am Sieg über Japan statt. Klingt widersinnig, erklärt sich aber aus der Identifikation der regierenden KMT und dem sino-taiwanischen Mainstream in Taipei mit dem alten China, das Gegner Japans war. Hier gibt es freilich auch keine militärischen Erfolge gegen Japan zu verzeichnen sondern nur Niederlagen, Schmerzen und Qualen. Aber Feiern sind ja immer ein Wert an sich.

Donnerstag, Juli 30, 2015

FAQ

1. Ich liebe Taiwan und finde es unerhört, was hier im Blog steht!
Ja, okay.

2. Meine eigenen Erfahrungen bei meiner letzten Taiwanreise waren völlig andere! 
Ja, okay.

3. Ich finde hier wird alles nur aus deutscher Sicht gesehen und Taiwan völlig herunter gemacht!
Wirklich? ...... was auch immer ... Ja, okay.

4. Du solltest viel positiver schreiben!
Ja, okay.   

5. Ich finde es unerhört, dass du das leckere taiwanische Essen nicht magst und ständig kritisiert.
Ich mag es doch, nur die vielen Lebensmittelskandale eben..... 
was auch immer ... Ja, okay.

6. Ich meine aus dem Beitrag X vom TT.MM.JJJJ entnehmen zu können, dass du folgende psychischen Probleme hast:  (Liste)
Oooooooooookay......

7. Könntest du in deinem Blog für mein "Abnehmen durch Bandwurm-Schlucken"-Buch werben?
Ooooookay. ... Ich meine: Jetzt hakt es wohl völlig aus. Okay?

8. Ich finde ihr nutzlosen ewig meckernden Expats gehört nicht nach Taiwan!
Wer denn alles? Andererseits auch wieder egal. Okay?

9. Warum endet jede Antwort hier mit Okay? Ist die FAQ überhaupt ernst gemeint?
Klar!
   

Connecting-Cultures.org

Kurzmeldung: Dieses Blog ist jetzt teil des Connecting-Cultures - Blogrings. Wenn man auf den Link geht, erhält man eine Übersicht der teilnehmenden Blogs und ihrer Posts. Alles natürlich zum Thema Kulturen-Verbinden. In der Praxis sind es also Expatblogs und dergleichen. Viel Vergnügen beim Lesen.

http://connecting-cultures.org/

Mittwoch, Juli 22, 2015

BBC wäscht Katastrophen-Taiwan den Kopf (Update)

Ich muss mich gar nicht aufregen und überlasse das Ihrer Majestät BBC...

http://www.bbc.com/news/world-asia-33605220

Zusammenfassung: Es stürzt ständig irgendwas ab, explodiert oder fackelt ab, weil sich keiner für sicherheitsrelevante Regeln interessiert. Der englischsprachige Artikel ähnelt stark dem vom deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen in seinem Blog:

http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/

Ich sage es so: 5% Steuern und eine völlig andere Auffassung von Vorschriften beißen sich halt mit dem dicht bevölkerten Massenbetrieb und der hohen Technisierung Taiwans. Aber die Leute machen eben hier ihre eigenen Regeln und interessieren sich nicht die Bohne, was Johnny Weißbrot dazu meint.

Update: Und das Weißbrot und anderes Essen ist auch i.d.R. nicht in Ordnung: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/nahrungsmittel-konzernboss-kritisiert.html

UPDATE: Todesopferzahl der "Waterpark"-Katastrophe ist mittlerweile bei 8, zuzüglich eines Vaters eines Verletzten, der Selbstmord begangen hat - obwohl sich sein Sohn allem Anschein nach erholen wird. Der Link nennt ein Todesopfer weniger als aktuell ist: http://shanghaiist.com/2015/07/20/father-taipei-water-park-burn-victim-commits-suicide.php
Noch etwa 120 Verletzte sind auf Intensivstationen, es ist also noch mit mehr Todesopfern zu rechnen. Es gibt da meines Wissens nach leider einen Prozentwert für die verbrannte Haut, ab dem keine Genesung mehr möglich ist, obwohl man diesen aus Pietät natürlich nicht nennt in der Berichterstattung.Betroffene Ärzte wissen bei Verbrennungen schon die Heilungschance (leider) sehr präzise vorab.

Die Straßen von Hualien

... sind bestimmt noch viel eindrucksvoller. Hier nur eine kleine Straßenszene.


Auf der Firmenfeier mit öligem Brathuhn interessierte mich die hübsche Lampe.


Ansonsten gilt, an der Pazifikküste...


 ... sind die Fische im Wasser... und selten an Land


...


Aus dem Aquarium in Hualien

Ohne viele Worte...


Come fly with me

The Ecstasy of Flight

Towards the Light

You friggin' confuse me...

Just Nessie...

Fotografisch war ich nicht gerade gut ausgerüstet, nur mit der kleinen leichten Sony Alpha A230 um den Hals, weil ich mich auch noch um Junior kümmern musste. An der kompakten DSLR war ein Sony 2,8/28mm das nicht so toll lichtstark für die Situation war, aber gerade so ging (und von der Kamera auf effektive 40mm umgerechnet wurde). Freihandaufnahme ohne künstliche (eigene) Lichtquellen. Die kleinen Sonne bei Ecstasy of Flight und der Lichtpunkt bei "You friggin' confuse me" und "Towards the Light" sind nachträgliche eingefügt.

Genau gesagt ist es der Far Glory Ocean Park oder wie immer das Ding hieß.

Zwei neuerliche Messerangriffe in Taipei (Update)

Der Archetyp des unzufriedenen oder geistesgestörten Messerstechers scheint zum Regelfall in Taipei zu werden

Natürlich sind ein paar Messerangriffe in einer dicht besiedelten Stadt wie Taipei nicht viel. Aber es an diesem Montag zwei Täter, die unabhängig voneinander in einer U-Bahn-Station bzw. auf offener Straße ohne Anlass Menschen mit dem Messer angegriffen haben, wobei es insgesamt fünf Verletzte gab:

http://m.focustaiwan.tw/news/asoc/201507210001.aspx

Zumindest in einem Fall nannte der Täter das zurückliegende Massaker in der U-Bahn im vorherigen Jahr mit vier Toten und zahlreichen Verletzten als Motivation. Sicher sind es nur wenige Fälle und die Wahrscheinlichkeit im Straßenverkehr verletzt zu werden wird sehr viel höher liegen. Aber für mich geht dieser Tage die Legende vom "absolut sicheren" Taipei nun endgültig in das Reich der Mythen ein. Frau hat bereits ein sicher kontraproduktives U-Bahn-/Hochbahn-Verbot für uns ausgesprochen.

Trotzdem gilt: Der Mensch bewertet Risiken nach ihrer Bizarrheit, nicht nach dem statistischen Risiko. Niemand will etwa die rücksichtslosen Autofahrer Taiwans mit ihren unzähligen unnötigen Todesopfern an die Kette legen, während man schon eher darüber nachdenkt, wie man sich vor den immer noch sehr seltenen messerschwingenden Verrückten schützen kann.

EDIT: Und zugegeben, ein paar messerschwingende Irre jede Woche plus den Straßenverkehr ist gefährlicher als nur der Straßenverkehr.

UPDATE: Einer der Angreifer hat offenbar auf einer Rolltreppe die Leute auf der Gegenrichtung in den Rücken gestochen.

Dienstag, Juli 21, 2015

Englischsprachiger Bericht zum Flugzeugabsturz

Zum Absturz der taiwanischen Trans Asia -Maschine in den Keelung (Jilong-) Fluss am Innenstadtflughafen Taipei (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/02/taiwan-flugzeug-stot-mit-taxi-zusammen.html) gibt es den offiziellen Abschlussbericht. 

Am 04. Februar hatte sich der Absturz der Trans Asia - Maschine ereignet und die Bilder gingen um die Welt. Auch weil die Maschine auf einer Hochstraße (Highway 1) mit einem Taxi kollidierte. Die Bilder der Kollision sind auch in dem Unfallbericht enthalten: http://www.asc.gov.tw/upload/acd_att/01_Flight%20operations.pdf#page=30

 Eine ähnliche Trans Asia - Maschine hebt ab


Der Unfallbericht enthält auch den frei übersetzten "ups, ich habe den falschen Hebel betätigt" - Satz des Piloten, als er nicht den kaputten Motor abgeschaltet hat, sondern den noch laufenden der beiden Motoren. Ein Abschalten des defekten Motors wäre im übrigen nicht notwendig gewesen, weil die "Firmware" der Maschine das selber kontrollieren kann. Auch kann man nachlesen, dass der Pilot einen Flugsimulatortest nicht bestanden hatte, auch da ist offenbar die Rede von Problemen beim Ausfall eines Motors. Presseberichten konnte man entnehmen, dass der ausgefallene Motor der Maschine schon beim Vorflug technische Probleme hatte, die aber kein Anlass zu Wartungsarbeiten waren. Möglicherweise steht das auch irgendwo im Bericht.

Ein Flieger hebt vom Innenstadtflughafen ab


Im Jahre 2014 war eine Trans-Asia - Maschine in die Ausläufer eines Taifuns geflogen, als sie am taiwanischen "Taifunfrei"-Tag im Taifungebiet auf einer Urlaubsinsel landen wollte. Schon klar, durch den Taifun haben die Leute einen Tag Urlaub und dann wollen sie eben auf die Urlaubsinsel, an der gerade der Taifun herum eiert. Kaum zu vermeiden also der Unfall, oder?


Blick auf den Innenstadtflughafen mit der Kamera: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/02/taipei-songshan-airport-wie-dicht-dran.html