Dieses Blog durchsuchen

Montag, Mai 10, 2010

INFO: Taiwan, Tod bei Ankunft (Gesundheitsrisiken)




Stadtbild in Taiwan auf dem Land (Jhongli, Landkreis Taoyuan)

Zwei oder dreimal habe ich von Leuten gehört, die relativ kurz nach ihrer Ankunft in Taiwan (gemeint ist wohl immer das versmogte Taipei) an Krankheiten gestorben sind. Dabei ist immer die Rede von Gesamtzusammenbrüchen der betroffenen Leute, die vom Grundtyp "Weißer nordeuropäischen Typs" sein sollen oder jedenfalls in Nordeuropa aufgewachsen sind. Nun kann man das leicht für Legenden halten. Jedoch hatte ich selbst auch einen Kreislaufkollaps kurz nach meiner Ankunft, der laut den Ärzten maximal in einem Herzinfarkt hätte enden können - was er aber nicht hat. Und eine Kollegin in einer früheren Firma, immerhin erst um die 20 und selbst Taiwanesin, aber in Deutschland geboren und großgezogen, erlitt ebenfalls einen Totalkollaps. Von daher ist vielleicht doch etwas dran.


Taipei-Landkreis (Jhonghe City)

Die Kollegin erzählte mir, sie sei das erste Mal länger in Taipei gewesen, weil ihre Eltern wollten, dass sie die Arbeit in Taipeis Computerindustrie von der Pike auf lernt, da sei sie kurz nach ihrer Ankunft zusammengebrochen. Sie kam ins Krankenhaus, wo sie schließlich ins Koma gefallen sei und die Ärzte hätten sie schon aufgegeben gehabt, wie sie sagte. Dann geschah das Wunder, nach ein paar Wochen wachte sie wieder auf und alles war in Ordnung. Klingt wie eine Märchengeschichte, denkt jetzt der kritische Leser, aber wenn ich es mit den anderen Geschichten zusammennehme klingt es ehr wie ein Kreislaufkollaps, bei dem der Körper mit feuchter Smogluft, diversen Pilzsporen und sogar knapper Atemluft in Taipei einfach nicht mehr zurecht kommt und abschaltet.


ebenda

Bei mir lief das so, ich fand mich aus niedersächsischer Kleinstadtidylle kommend in Taipei wieder, in einer illegalen Wellblechblue auf dem 5. Stock an einer Hauptstraße in Taipei Neihu, die bei jedem LKW gewackelt hatte. Die Luft war insbesondere im Sommer ein schmutzig schmeckendes zähes und feuchtes warmes Zeug, das ich aber scheinbar atmen konnte. Tagsüber -was man ja nur am Wochenende mitkriegt- lärmten Presslufthammer neben unter und über einem, Mopeds mit modifizierten Auspuffen knatterten vorbei und alte Weiber schrien ab morgens um 4.30 aus Leibeskräften, was durch die undichten Fenster bestens zu hören war, während sie ihre Fressbudenwagen klar Schiff machten. Dazwischen Laufsprecherwagen mit lautem Getöse. 12h-Arbeitstage und stundenlange Verkehrschaos führten dazu, dass ich wenig nach Draußen kam. Schreibtisch zu Hause und in der Firma waren zu klein und drückten auf die Oberschenkel. Nachts konnte ich in der Regel nicht schlafen, weil ab 22 Uhr die U-Bahn gebaut wurde und ich senkrecht im Bett stand, wenn so eine Riesenkeule auf den Boden zum Plätten geschlagen wurde. Die ganze Nacht.


Dachidylle

Heute lebe ich im Grünen, habe ein festes Bewegungsprogramm und reiße notfalls die Fächer, die hier unter den Schreibtischen befestigt werden, weil die Leute nur 1.65 groß sind, mit Gewalt ab (oder nehme den Schraubenzieher wenn ich gut gelaunt bin), aber damals habe ich mich angepasst. Ach ja, zu kleine Schuhe hatte ich auch noch, weil die Nesenmänner ja alle nur so groß wie Pumuckel auf Stelzen sind.

Wenn ich draußen an den Hauptstraßen lang ging war ich mir zu fein, mir wie viele Taiwanesen einen Mundschutz vor zu machen und habe stattdessen die Luft draußen tief eingeatment, auch wenn sie schmeckte, als käme sie direkt aus dem Auspuff. Oder habe kaum geatmet, was auch nicht viel besser war. Mir wurde dann an den Hauptstraßen machmal schwindlig (feuchte Abgasluft hindert die Lungenbläschen am Sauerstoff aufnehmen, auch wenn die Einheimischen dagegen immun sind) und kurze Zeit später folgten dicke Füße und dann eine Thrombose, will sagen, die Beine wurden kalkweiß und wurden nicht mehr richtig durchblutet. Da half eine Fahrrad als Schnellkur. Genau gesagt habe ich einen Nesen, der gerade für seine Firma bei einem Wettbewerb (der Firma meiner Frau) antrat, einfach von seinem Rad befördert, mir seine Startnummer umgehängt und dann dann den Wettbewerb gewonnen. Ein Trimmdichfahrrad war das, wo die Geschwindigkeit gemessen wurde. Ich war schneller als alle und dann funktionierte die Durchblutung wieder einigermaßen.

Wer also in die schöne Stadt Taipei auf der herrlichen Insel Taiwan mitten in den Slum zieht wie ich damals, der sollte überlegen, ob der Körper das auch mitmacht. Auf folgendes sollte man, anders als ich damals, achten:

- wenig Zucker, macht nämlich das Blut dick. Taiwanesen essen wenig Zucker.
- wenig Alkohol (hatte ich nicht getrunken damals, wird aber in Zucker umgewandelt)
- ausreichend Bewegung an ATEMBARER Luft, also in Stadtparks o.ä.
- Insb. im Sommer ein Taschentuch oder was auch immer vor die Nase, hilft bei mir sofort gegen Schwindelgefühl, das auftritt, wenn 40 Mopeds neben mir den Motor aufheulen lassen.

Alarmzeichen sind dicke Füße und Schwindelgefühl...

Nicht, dass man hier als Neuling noch in einem Schrankfach in der Urne mit einem Hakenkreuzdeckchen auf dem Knochen endet. Denn das verstehen die hier unter einem Grab.

Ach so, dann gibt es noch die Geschichte mit den Hautinfektionen. Saurer Regen und viele, viele Mikroorganismen. Mehrmals am Tag kalt duschen, wenig Zucker, wenig Scharfes (greift beides die Haut an) und sich auch unterwegs bei Schwitzen schnell mal "trockenlegen" sind die Regeln. Und auch Unterwegs auf dem Lokus mit Wasser und Seife, man entschuldige die offenen Worte. Sonst nisten sich Mikroorganismen ein und man hat die nächsten Monate was zu tun (sich jucken).

Kommentare:

Miriam hat gesagt…

Meine eine Freundin (Physikerin) erzählt immer wieder von ihrem IT-Kollegen (durchtrainierter gesundheitsbewusster Mitvierziger), der kaum ein paar Wochen in Taiwan arbeitete als er urplötzlich sehr mysteriös verstarb. Kein Arzt wusste warum.

"Ludigel" hat gesagt…

Genau, den Fall hatte ich auch im Kopf. Ich bin vor lauter Frust vor den stinkenden, versmogten Straßen viel drin geblieben, habe aus Frust vor Überstunden und hässlicher Umgebung viel Süsses gefuttert und hatte dann Thrombose mit Herzinfarktrisiko, wie oben erwähnt. Auch weil die heisse feuchte Luft im Sommer die Lunge am Arbeiten hindert in Kombi mit den Abgasen (um das noch mal zusammenzufassen) Vielleicht ging es dem armen Mann auch so, nur noch ein bisschen schlimmer.

Dezhong hat gesagt…

Hm... so wird das aber nichts mit dem Job bei der Tourismusbehörde ;)

Aber mal ernsthaft, was machen die Leute dann, wenn sie in irgendeine andere Stadt Taiwans gehen, wo die Luftverschmutzung teilweise noch doppelt so hoch ist?

Nach Angaben des Council for Economic Planning and Development (CEPD) hatte Taipei City 2007 von allen Städten und Landkreisen noch immer die drittbesten Ergebnisse bei Messungen von Schwebestaub-Konzentration (nach den Ostküstenstädten Yilan und Taitung).

Vielleicht aber trotzdem gut, dass ich mich vor meinen Taipeh-Aufenthalten immer schon in Kaohsiung akklimatisiert habe.

"Ludigel" hat gesagt…

Ich meine auch es wird jedes Jahr ein bisschen besser. Longtimer hier sagen, vor 2000 hat es in den Augen gebissen, das ist heute nicht mehr der Fall.
Auch seit 2004 meine ich, ist die Luft in NeiHu ein bisschen besser geworden.
Sie tun ja durchaus was, in kleinen kleinen Schrittchen.