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Dienstag, Februar 08, 2022

Land der rothaarigen, fleckigen Trunkenbolde (Update)

Alle mögen Iren. Aber wenn man als Asiate da einwandern will, sollte man "Ire" doch besser mit Doppel-R schreiben. 

Ja gut, Frau und ich suchen ja immer nach einer Alternative zu Taiwan, gerade auch in Anbetracht der latenten Kriegsgefahr durch das VR-China genannte Irrsinnsreich gleich in der Nähe, das Taiwan ständig bedroht. Deutschland wäre zu einfach. Dass meine Frau immer wieder die Reisleine zieht, kurz bevor ich den Visaantrag für sie stellen will, liegt allerdings auch am Verhalten meiner deutschen Verwandtschaft. Das Mysterium, wieso sich meine Frau beim Aufenthalt in meinem Elternhaus immer oben in meinem alten Jugendzimmer eingeschlossen hat, ist auch gelöst. Grund ist eine Aktionsfront aus meiner Mutter und dem ostzonalen Flügel unserer Familie, die zusammen mit einer gelegentlich auftauchenden weiteren ... Dame einen regelrechten Zirkus veranstaltet haben. Mein Vater hatte mich schon immer gewarnt, dass meine Mutter so gut wie alle Freunde und Bekannte vertrieben hat und ich habe es immer eher schmunzelnd zur Kenntnis genommen, dass sie da einen merkwürdigen Charakterzug haben mag, der sich gegen nicht zur Familie gehörende richten kann, wenn sie aus irgendwelchen Gründen auf der No-Like-Liste meiner Mutter landen sozusagen. Aber nun sind Schwiegertochter und neuerdings auch ihr Enkel da auch drauf. 

Englischsprachige Einwanderungsländer sind schwierig zu finden, Kanada, Neuseeland und Australien schotten sich ab, neuerdings GB auch. Bleibt also Irland. Es erschient mir lange als ideales Einwanderungsland für uns, gerade weil die netten Iren weltoffen und gastfreundlich zu sein schienen, wie unzählige deutsche Einwanderungsblogs kund tun. Jedoch machte mich nun meine Frau auf Übergriffe gegen Asiaten aufmerksam und wenn man einmal googelt (https://www.google.com/search?client=firefox-b-d&q=ireland+attacks+on+asian)  entsteht schnell der Eindruck, dass es sich bei der Jagd auf Asiaten vor und insbesondere seit Covid um einen Volkssport der netten rothaarigen Trunkenbolde handelt. Also nichts für uns. Ständig besoffen zu sein ist vielleicht doch nicht so lustig, wie die irische PR immer glauben machen mag.

Gut, wir könnten nach Deutschland ziehen und Abstand zu meiner Familie halten, dem rassistischen ostzonalen Familienflügel und meiner Mutter. Besuchen würde ich sie dann nur ohne Frau und Sohn. Nichtsdestotrotz hat sich bei meiner Frau ein gewisser Deutschlandhorror breitgemacht.

Vermutlich bleiben wir in Taiwan, bis die Raketen aus der VR rüberkommen. In die Auslandsdeutschen-Notfallliste beim Auswärtigen Amt habe ich uns schon eingetragen ;-)                       

P.S.:Wie einfach Rassismus geht, haben wir jetzt oben in der Überschrift geübt.   

Update: Nun planen wir zweigleisig. Einmal ziehen wir weiter Irland in Betracht, aber wenn dann nur eine Privatschule, damit Junior mit seinem Kampfsport nicht am Ende eine ganze Klasse rothaariger Kobolde auf die Matte schicken muss, wenn sie etwas gegen Asiaten haben sollten. Zweitens ziehen wir tatsächlich wieder die Philippinen in Betracht, denn sollte es am Ende einen nuklearen Krieg in Europa geben und einen Überfall Chinas auf Taiwan, wären die Philippinen ein geeigneter Rückzugsort. Wo wir ja auch schon 2 Wohnung haben. Die stehen leer und der Steuerberater dort hat sich a) als seiner Lizenz verlustig entpuppt und b) die Papiere für unsere Wohnung sonst wo vergraben, wie man das eben in solchen Ländern so macht - aber drin wohnen könnten wir sicherlich. Auch wenn der Steuerberater (dem man dann wohl ein paar lokale Gauchos auf den Leib schicken müsste) derzeit die Abwicklung der steuerl. Handhabe nach dem Tode der Verwandten meiner Frau dort (auf dessen Namen die Wohnungen sind) hintertreibt. Wegen all solchen Chaos wollte ich ja die Wohnungen dort nie haben. Nun, Frau hat sie doch gekauft und mit der Krise in Europa erscheint das Immobilieneigentum dort in einem viel angenehmeren Licht.

Was ist gerade los: Putin schießt auf Atomkraftwerke in der Ukraine? Na, wenn sonst nix los ist...                                                                   

Dienstag, April 25, 2017

Stolzer Besitzer des 2. Ex-Restaurants

Hurra! Nach "Jill's Happy Kitchen" (ein Schlicht-Italiener in Taipei) habe ich jetzt mit "Mix & Match" auch ein Ex-Restaurant in Manila auf den Philippinen. Auch eine Art Schlicht-Italiener.

Mit Gastronomie wollte ich ja nie viel zu tun haben. Weil Taiwaner aber geschäftstüchtig sind oder sein wollen, war die Eröffnung eines kleinen Geschäfts - nach dem Default eben ein Restaurant - wohl kaum zu vermeiden. Meine Frau wollte es unbedingt vor ein paar Jahren und ich war dann beim Management mit behilflich. Das Ergebnis war ein kontrolliertes Scheitern mit schwarzer Null, genau auf die von mir vorhergesagte Art und Weise im genau von mir vorher gesagten Zeitrahmen. Und das, obwohl ich als tumber Ausländer im Land der intelligenten und geschäftstüchtigen Taiwaner doch gar nichts vom Geldverdienen verstehe. Die ganze Geschichte ist hier zu lesen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/der-familienbetrieb-die-schonungslose.html. Ich fand es damals lustig, es war bizarr-komisch und debil-widersinnig, wie Taiwan eben oft auf unsereinen wirkt. Und es war ja eine schwarze Null.

Braucht Rotwein zu den Nudeln unbedingt Hupfdohlen?

Das zweite Lokal - diesmal in Manila auf den Philippinen - wurde leider ohne meine Mitwirkung eröffnet. Diesmal waren es meine Frau und ihre Schwester Nummer 2, die ganz allein das Management in den zarten Händen hatten. Das Ergebnis war, kurz gesagt, ein Lokal mit dem Aussehen eines Waschsalons oder eines Versicherungsbüros, mit dem Namen einer Modeboutique ("Mix and Match", in Manila für Modeläden gebräuchlich) und der Karte eines Schlichtitalieners aus Taipei/Taiwan. Ein komplettes und gründliches Scheitern war die Folge, wie von der Familienkassandra (c'est moi) vorhergesagt.

Nicht ohne Belustigungseffekt das Ganze, nur etwas teuer diesmal. Interessant war, dass meine Frau und ihr Schwesterherz noch den Tipp von Konkurrenten in der Nähe erhielten, sie müssten zu den Nudeln auch Alkohol (Wein!) anbieten. Dieses Ansinnen stieß sowohl bei dem einheimischen - aber aus der chinesischen Subkultur entstammenden - Schwager als auch bei den beiden Taiwanerinnen (Schwester meiner Frau und meine Frau) auf große Befangenheit. Wein anzubieten zu den Nudeln wurde von allen Beteiligten mit Komasaufen, zerschlagener Bestuhlung und leichtgeschürzten Bedienungen und Prostitution assoziiert und deswegen abgelehnt. Ein typisch taiwanischer Standpunkt. Hier in Taiwan haben viele Lokale keinen Alkohol, weil man befürchtet, die männlichen Gästen könnten mit dem Zeug schnell die Kontrolle verlieren, das sie ja auf Ex gerne in die Kehle schütten.

So wurde das Lokal also zu gemacht. Ein einfacherer Nachfolger ist schon in der Diskussion, hier taucht eine lokale manilische Größe namens "Sung"*** auf (seineszeichens Taiwaner), der angibt, dort in Manila reich geworden zu sein. Ich habe den netten Herrn - der u.a. meine 90-Dollar-Uhr als zu teuer für Manila kritisierte - schon kennengelernt und finde ihn ja auch nett. Aber was das neue Geschäft angeht, ziehe ich meine Kummer gewohnte Stirn wieder in Sorgenfalten, während die lokale Verwandtschaft fröhlich kichernd kommende Gewinne schon verteilt, bevor sie überhaupt in Sichtweite sind.

Das Scheitern von Taiwanern am Rotwein wurde die Tage auch in den taiwanischen Medien kolportiert. Wie mir meine Frau erzählte, hatte ein original italienischer Gastwirt in Taiwan seine Gäste dabei erwischt, wie sie sich guten Rotwein auf Ex in die Kehle schütteten, wie man das in Taiwan nun mal immer macht. Desto besser der Wein, desto schneller kippt man ihn runter in der chinesischen Kultur taiwanischer Prägung. Es entstand ein Streit zwischen Gästen und Wirt, ob man denn als zahlender Gast das Recht habe, den guten Wein zum Runtergurgeln zu verwenden oder nicht. "Wir Taiwaner haben das Recht drauf, wenn wir ihn bezahlen!" bemerkte meine Frau und ich schließe mich als taiwanischer Steuerzahler hier voll und ganz an. Auch auf den oben offenen Kackpapiereimer haben sie ein Recht und bitte stehen Sie jetzt mit mir auf und singen die Nationalhymne. Wie geht die eigentlich? Gibt es überhaupt eine? Und welche wäre es, die von "Taiwan" oder die von China? Fragen über Fragen. Darauf einen Dujardin.

*** Name von der Redaktion geändert. Sind aber eh alles nur die englischen Kampfnamen der Leute

Donnerstag, April 13, 2017

Zurück nach Manila - nur besuchsweise

Abschluss einer unangenehmen Episode - unser Techtelmechtel mit den Philippinen

Alles nahm seinen Durchlauf, als sich die Schwester Nr. 2 meiner Frau (sie selbst ist Nr. 3 in der Familie) in einen Barkeeper in Taipei verliebte. Irgendein Termin mit einem Kunden im Nobelhotel Mariott muss es gewesen sein. Philippinos arbeiten viel im Ausland in der Tourismusindustrie, weil sie recht gut oder gar fast muttersprachlich Englisch sprechen. Gegen Prostest des Vaters der Schwestern wurde die Ehe mit dem Philippino geschlossen und bald lebte das Paar mit samt ihrem Sohn in Taipei.
Später kam noch ein anderer wunderlicher Ausländer zu der Familie dazu - meine Wenigkeit. Aber da lag der Vater der Familie in Taipei schon lange im fast komatösen Zustand im Bett und was er zu mir gesagt hätte, wird man nur spekulieren können. Vermutlich nichts freundliches, wenn ich an das Durch-den-Ausländer-Starren der Schwester Nr.1 und gelegentlich meiner Schwiegermutter denke.

Business in Manila. Ein Traum.

Eine Fehde der Ersten Tochter/Schwester Nr. 1 gegen meine Frau - es ging um Parkplatzrechte und unseren dicken Volvo, der damals wohl den Status der BMW-, Porsche- und Audi-Karossen von ihrem (sehr netten) Gatten zu erreichen drohte - führte zum Schulterschluss zwischen meiner Frau und der besagten Schwester Nr.2. Der mit dem Philippino-Gatten. Leider gipfelte das alles in dem Wunsch meiner Frau, mit der mittlerweile wieder in den Philippinen/Manila lebenden Familie so viele geschäftliche und private Kooperationen zu betreiben, dass ich es als "totale soziale und finanzielle Fusion" bezeichnet habe. Der unrühmliche Gipfel war das Anmieten eines Reihenhauses und der Umzug von meiner Frau und unserem Sohn nach Manila. Schräg gegenüber wohnte natürlich ihre Schwester mit ihrem Mann (deren Sohn studiert mittlerweile in Kanada). Und eben mit meiner Wohnsitzverlagerung zurück nach Deutschland.

Ausschau halten nach dem Sponsor. Auch wenn er hier nicht "Gringo stupido" heißt.


Status ist heute, dass wir wieder in Taipei leben, nachdem meine Frau nach 3 Monate ihr Manilaengagement abgebrochen hat. Wir haben nun in Manila zusammen mit der Manilafamilie meiner Frau einen Druckwaren-Kiosk, der u.a. Schilder und Aufkleber herstellt. Der ist dem Geschäft des dortigen Schwester-Nr.-2-Gatten angeschlossen und erwirtschaftet leider genau wie von mir vorab geschätzt etwa so viel wie ein gewöhnlicher (Bier-/Eis-) Kiosk in Deutschland. Und leider nicht das Vermögen, das von den taiwanischen/philippinischen Familienmitgliedern erwartet worden war. Wie sehr unsere Schätzungen auseinander gingen verblüfft mich bis heute. Nur 500 Euro monatlichen Reingewinn hielt ich für möglich, während "die anderen" von bis zu 20.000 Euro pro Monat sprachen. Ich hasse es immer Recht zu haben.

Friedhof in Manila. Reich frequentiert dank Politik und sonstiger Gewalt


Ein zwischenzeitlich eröffnetes Restaurant in Manila - wieder als Coop der Schwestern - hatte wieder unter unseren unterschiedlichen Einschätzungen zu leiden. Die Taiwaner und Philippinos in der Familie prognostizierten bis zu 5.000 oder 10.000 Euro monatlich oder etwas in der Art. Meine Prognose war "bis zu 200 Euro". Später korrigierte ich mich nach unten, nachdem meine Vorschläge zur Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals des Unternehmens keine Chance auf Realisierung hatten, da die neue Taiwan-Philippino-Coop allein wusste, wie man die Geschäfte führt. Auch die Lücken in der Prozentrechnung der Geschäftspartner gaben Anlass zur Sorge. Es lies sich nicht vermitteln, dass beispielsweise ein Gemeinkostenzuschlag von 1,6 auf die Portionskosten keinesfalls ausreichend ist.  Faktor 2,6 käme eher hin. Ich sehe ein das Mathe schwer ist aber so hatte ich leider wieder mal recht und das Restaurant krebst irgendwo an der baldigen Pleite herum.

So ein Gesicht mache ich da auch immer.


Finanziell sehe ich das alles immer noch als Desaster an, obwohl meine Frau auf spätere hohe Renditen hofft. Und leider erfordert das dortige Engagement immer noch erhebliches monatliches Zubuttern. Ich kann nicht ausschließen, dass die ganze "Manilaconnection" doch wieder zu  meiner Rückkehr in deutsche Lande führt, wofür es auch noch andere Gründe gäbe. Gerne würde ich jedenfalls jedwedes Invest in den Philippinen auflösen. Aber nun in 2 Wochen kehren wir noch einmal zurück um dort den Haushalt von Frau und Junior aufzulösen. Auch wenn das Reihenhaus dot noch bis Jahresende gemietet ist. Ich hoffe auf den Anfang vom Ende der Manila-Connection, er wäre dringend geboten. Froh war ich schon, dass Frau und Junior dort nicht mehr leben, schließlich ist die Kriminalität gerade an Ausländern dort so exorbitant, dass man wohl als Faustregel sagen könnte: Jeder freundlich lächelnde Einheimische würde einem am liebsten mit einem rostigen Messer in einer Seitengasse den Wanst aufschlitzen. Das macht eben Armut kombiniert mit einem chaotischen mafiaartigen Staatswesen aus den Menschen. Auch die jüngste Episode von im Lande umher ziehenden Todesschwadronen gegen Drogensüchtige oder solche, die dafür gehalten werden, hat nicht gerade meinen Wunsch gestärkt, dort zu leben.

Unter 8888 herrscht Konjunktur die ganze Nacht


"Manila" und "Philippinen" und die Namen "unserer" Verwandtschaft dort sind gefährliche Reizworte für mich, das gebe ich gerne zu. Die Tage trainiere ich das freundliche Lächeln, wenn ich dort wieder auf die ja zweifellos netten Verwandten treffe.

Grundsätzlich ist es wohl immer das selbe, wenn man als Europäer oder desgleichen in exotische Länder einheiratet. Man gehört nie wirklich dazu und merkt eben, dass die Brieftasche anfängt, sich in Richtung der "Familia" aufzulösen. Taiwan schien da anders zu sein, aber leider kam durch den Schwager meiner Frau das lateinamerikanische Element des dummen Gringo und der der fröhlichen sonnengebräunten Einheimischen in mein Leben. Ein Ende hat das alles noch nicht, aber die Auflösung des Hausstandes dort geht sicher in die richtige Richtung.

Business Highstreet am Friedhof


Zu viel Info für ein Blog, aber es soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden. Und vielleicht setze ich es bald auf "Draft", damit es nicht mehr öffentlich einsehbar ist. Lesen Sie, solange es noch frisch ist.

Was wir dann mit unserer "Permanent Residency" in Zukunft anfangen? Teuer genug war die ja auch.

Mir ist klar, der einzig vernünftige Rat wäre ein Abbruch jedweder Beziehungen. Aber mit dem da drin hängenden Junior (5) ist das alles nicht so einfach wie es klingt.

In diesem Sinne. Bis bald zum Bericht aus den .... Philippinen; der Geißel meiner Lebensmitte.

Freitag, März 03, 2017

Zurück im November

Einstweilen zurück in Taipei. Wie wird es weiter gehen?

Ich habe es mir vor der Ehe immer so vorgestellt, dass Paare nach sachlicher Diskussion auf Basis von Fakten eine sinnvolle Entscheidung treffen. Und dass Paare aus verschiedenen Ländern ähnlich bei der Wahl ihres Wohnsitzes vorgehen. Etwa so: Maurer Paul K. aus S. und seine Verlobte Pawoko Sawakant diskutieren, ob man in Bangkok oder Stuttgart lebt. Pawoko: "Bei uns kannst Du ohne arbeiten leben. Ich gebe dein Geld aus, du finanzierst meinen echten Ehemann Porn Crumshak und meine Familie kriegt dein ganzes Geld. Wenn es alle ist, schmeiße ich dich rechtzeitig vom Balkon oder werfe dir das Radio in die Badewanne. Okay?"
Und Paul antwortet dann gelassen: "Nein danke, wir wohnen in Stuttgart. Ich haue dir manchmal eins auf die Fresse, aber sonst werden wir glücklich sein und genug Geld haben." Dann lebt das Paar glücklich in Deutschland und Ende der Geschichte.
Da ich selbst mit einer "Kollegin" aus dem Computerbusiness verheiratet bin und auch noch aus dem herrlichen Thaiwan statt Tailand ... Entschuldigung, Taiwan statt Thailand, hätte ich mir das alles noch unverkrampfter, wenn auch ergebnisoffener vorstellt.

Tatsächlich läuft es bei uns aber so, dass meine Frau mit ihrer Schwester aus Manila telefoniert und ich dann weiß, wo ich die nächsten Jahre zubringen soll. Mich aber in der letzten Zeit dann mit meinen Dingen über drei Länder verteilt vorfinde. Wenn ich jetzt etwa meine Foto-HDDs benutzen wollte, wären die in Manila, das Kabel dazu in Deutschland und der Rechner in Taipei. Oder irgendwie so. Wir hatten ja gerade unseren Wohnsitz in Taipei aufgegeben, den Hausstand weggeschmissen oder verschenkt, um der goldenen Zukunft in Manila entgegen zu sehen. Die Schwestern hatten sich einen genialen Businessplan ausgedacht: Wir machen ein Restaurant auf, dann eine ganze Kette und werden steinreich. Kochen kann ja sonst keiner. Auch die diversen köstlichen Restaurants mit niedrigen Preisen und allen Angeboten von einheimisch-Pinoy über Thai und China bis hin zu Italienisch und Burgern in Manila auf den Philippinen waren den Schwestern da keine Warnung. Nur der komische Ausländer in der Familie grummelte irgendwas von Alleinstellungsmerkmalen und der Frage, warum die Gäste gerade "bei uns" essen sollten. Und hatte auch etwas am Konzept einzuwenden, dass das Lokal den Namen einer Modekette (Qué?), das Aussehen eines Waschsalons und keine Parkplätze hatte. Aber bei doppeltem taiwanischen Geschäftssinn musste es einfach funktionieren. Wer will schon in diese schwerfällige teutonische Fragerei verfallen, wenn er asiatisch-leicht einfach mal loslegt mit dem Business und dem Kaufen der teuren Restauranteinrichtung. Ich gebe gerne zu, durch die Herrschaft über das Krähenfuss-Computer-Banking-Portal in Taiwan kann ich da meine Frau nicht stoppen und so nahm das Lokal seinen Durchlauf. Ich war kurz in Manila und bin dann wieder nach Deutschland gezogen. Bis nun meine Frau das Restaurant in die Hände ihrer erwartungsfreudig kichernden Familie legte und kurzerhand mit Junior nach Taiwan zurückkehrte.

Nun sitze sich wieder im alten Büro, wohne wieder temporär in der Stadtrandvilla in Taipei, die vom Vermieter in unzählige winzige Wohneinheiten unterteilt ist und komme mir vor, als hätte ich eine Zeitreise gemacht. Ich schlappe wieder abends aus dem Haus, wundere mich dass mein noch fast nagelneuer dicker Volvo nicht davor steht (ach so richtig, fährt jetzt eine der anderen Schwestern und wir haben beim Verkauf mehr Verlust gemacht, als der Mitsubishi meines Vaters neu kostet) und suche dann das Grün-Tee-Eis für Frau bei HiLife. Richtig, dass mochte sie "beim letzten Mal" nicht. Mir kommt es so vor, als sei das letzte Mal erst ein paar Wochen her. Aber andererseits liegt dazwischen der Zeitraum, in dem in Deutschland mein Vater verstorben ist, ich meinen Wohnsitz in seinem Haus angemeldet habe, mit einer Krankenkasse gekämpft habe, bis die mich aufnimmt. Ich Jobs in Deutschland gesucht, Vaters Auto auf mich angemeldet habe und ... und. Jahre scheinen dazwischen zu liegen zwischen dem Fehlkauf des zu süßen Shakaree - Eis oder wie immer es heißt und meinem neuerlichen Griff in die Eiskiste. Sind aber wirklich erst ein paar Wochen, wenn man es im Kalender nachschlägt. Wie es nun aber weiter geht weiß ich nicht. Meine Mutter mit 86 ist allein im Reihenhaus in Deutschland und es nicht gewohnt, Dinge selbst zu regeln. Ich selbst gehe ungern rückwärts und das Fehlen von wirklicher Arbeit im um Kunden buhlenden taiwanischen Unternehmen lässt mich auch an einer Langzeitperspektive zweifeln. Und wir lange kann mein Mitsubishi daheim ungefahren in der Garage stehen. Und warum lebe ich mit Frau und Junior in unbequemen Einraumwohnungen, wenn ich daheim ein ganzes Haus habe?

Genug Notizen für ein Tagebuch, zu viel für ein Blog. Aber irgendwann soll ja mal ein Buch aus dem Blog werden und dass passt der Informationsgehalt wieder. Und so viele lesen hier eh nicht mehr. Hoffe ich.

Andererseits soll man sich nicht beschweren. Der gestrige Besuch bei einer netten Kollegin (hat zwar taiwantypisch nie mit mir geredet, aber mich immer angelächelt und mich zu Essen mit japanischen Kunden eingeladen, was lecker japanische Steaks und Sake versprach) hat mich gelehrt, dass man sich bei ein paar Problemen nicht beschweren soll. Die Kollegin, deutlich jünger als ich, hat nämlich Krebs und laut Arzt nur noch ein paar Tage zu leben und Frau, Kollegen und ich haben uns gestern tränenreich verabschiedet. Was sind schon die leeren Worte die man sich hätte sagen können gegen den letzten (?) Händedruck unter Tränen.

Ich hoffe auf ein Wunder. Für die Kollegin. Nicht für mich, das wird sich schon irgendwie lösen. So ein Besuch ermahnt einen doch, was die wirklichen Probleme im Leben sind. Auch wenn ich ohne die Hilfe einer sehr guten Freundin in Deutschland mit meiner derzeitigen Lebensplanung voll gestrandet wäre.

So, gleich Mittagszeit. Wieder die abgepackten Plastiknudeln oder lieber einen Plastikburger? Mir läuft schon wieder die Nase dauerhauft inwändig, wie immer in Taiwan. Das ging schon im Flieger los. Was die wohl immer noch ins Essen kippen hier?

Sonntag, Februar 12, 2017

Rückkehr in den November?

Zurück nach Taiwan?

Große Konfusion im Hause Ludigel. Meine Frau hat ihren Traum, Restaurantchefin in Manila auf den Philippinen zu sein einstweilen aufgegeben und ist mit Junior (5) zurück nach Taipei gegangen und wird dem Ruf unseres letzten Arbeitgebers dort folgen, wieder im alten Cubical die Linux-Programmierung zu übernehmen. Das Restaurant ist an die Manilafamilie deligiert. Entweder die Firma oder auch meine Frau oder beide setzen mir immer wieder neue Fristen, bis wann ich meinen Ex-Expat-Hintern wieder in meinen Cubical schieben soll. Angeblich funkt noch die Personalabteilung dazwischen, die immer wieder neue Regeln aufstellt, wie mit vom System unfassbaren Leuten wie mir zu verfahren ist. Also halb oder dreiviertel rückgewanderten Expats mit Elternteil daheim im exotischen Europa, das Hilfe benötigt.
So hängt der Haussegen derzeit wiedermal sehr schief. Gerne würde ich dem Ruf von Frau und Firma folgen und wieder nach Taipei reisen, jedoch stellt sich das Problem, dass meine 86jährige Mutter schwerlich mit dem Haus zurecht kommt, in dem sie (wir) seit dem Tod meines Vaters im Dezember leben. Ein Umsiedeln meiner alten Mutter in das schwül-versmogte Taipei möchte ich nicht mal annähernd in Erwägung ziehen, auch nicht, weil sie nicht den "Treppentest" besteht. Der "Treppentest" für Flugreisen sieht so aus, dass man nur dann eine Flugreise machen soll, wenn man ohne Atemnot eine Treppe hoch gehen kann. Und das kann meine Mutter nicht besonders gut. Lieber mit dem Treppenlift. Man wird halt nich jünger.

Was würden Sie tun, lieber Leser? Zurück zu Taiwanjob, Junior und Frau und Mutter allein zurecht komme lassen? Oder lieber versuchen eine neue Existenz in Deutschland aufzubauen - auch wegen meiner letzten gesundheitlichen Probleme in Taiwan interessant?

Gerne würde ich hin und her beamen. Aber Physiker arbeiten ja alle als Softwareentwickler und erfinden nie etwas vernünftiges.

Freitag, Februar 10, 2017

Don Ludigel (ohne Esel und Lanze) und die Krankenkasse (Update)

Superschlau sind die Beratungsseiten-Autoren im Internet. Man ist aus vorher gesetzlich versicherter Auslandsrückkehrer sofort wieder in der gesetzlichen Krankenkasse. Wie es in der Praxis geht, sieht man unten (ich war im Feb. 2004 zu letzt gesetzl. krankenversicherter Angestellter in Deutschland).

1. Versuch: 08.02.: Da die Tage meine offizielle Beschäftigung in Taiwan abläuft, habe ich schon mal bei der AOK vorbei geschaut um mich anzumelden. Da bin ich allerdings in meiner Zeit in Deutschland zu Gunsten einer nicht mehr existierenden offenen BKK ausgetreten. Die freundliche Dame am Schalter der AOK Hannover am Bahnhofsplatz erklärt mir aber, ich könne so nicht mehr in die gesetzliche Krankenversicherung. "Es sieht schlecht aus mit der gesetzlichen Krankenkasse für Sie." Ich müsse mich privat versichern. Sie wies auch auf die Krankeversicherungspflicht hin. Nun, ich denke, das würde 1000 Euro im Monat kosten mit meinen 50 jugendhaften Lenzen, die ich auf die Zeitwaage bringe. Und ich will natürlich auch in der gesetzlichen Krankenversicherung bleiben. Die Dame sagte noch, wenn ich mich arbeitslos melde, käme ich aber rein in die gesetzliche Krankenversicherung.


2. Versuch: 10.02 bei der Arbeitsagentur in meinem Heimatort. Die sehr nette Dame sagte mir, ich würde als Auslandsrückkehrer keine Leistungen der Arbeitsagentur bekommen. Das wusste ich soweit, denn wenn man 2 Jahre nicht in die deutsche Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, bekommt man kein Arbeitslosengeld I. Sie schlug mir Arbeitslosengeld II vor, aber wir waren uns beide einig, dass das wegen Privatvermögen aussichtslos ist. Was ich nicht wusste: Im Gegensatz zu den Infos auf den einschlägigen Auslandsrückkehrer-Beratungsseiten im Internet zahlt die Arbeitsagentur auch KEINE KRANKENKASSEN-BEITRÄGE für mich. Wieder der Hinweis auf private Versicherung (brrrrrr). Die Dame erklärte, sie sei natürlich keine Krankenkassenexpertin aber sie würde denken, ich könne mich freiwillig krankenversichern. Das stünde allerdings im Widerspruch zu meiner Kenntnis der Rechtslage, dass ich als vorher in der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) befindlich eine Krankenversicherungspflicht habe. Kann man gleichzeitg eine Pflicht zur Versicherung haben und sich dann FREIWILLIG versichern? Ist eigentlich ein Widerspruch. So weit ich weiß kommt die freiwillige Versicherung nur für Freiberufler etc. in Frage. Oder gibt es so etwas: sich unfreiwillig (weil pflichtgemäß) freiwllig versichern zu müssen? Das wäre ein herrlicher Schildbürgerstreich, den sich der deutsche Gesetzgeber da erlaubt hat. Schmunzelnd vor Vergnügen mache ich mich jetzt gleich zur AOK Hannover auf und habe schon im Kopf, dass eine nette ehemalige Mitspielerin meiner alten Fantasy-Rollenspielgruppe mittlerweile ihr Jurastudium fertig hat und über eine eigene Anwaltspraxis auch für Sozialrecht verfügt.
Kampfwürfel wieder raus, diesmal heißt das Monster GKV und schlägt vielleicht sogar einen geflügelten Basiliken an Fürchterlichkeit.

Eigentlich gibt es die Regel, dass einen die letzte gesetzliche Krankenversicherung wieder nehmen muss bzw. deren Rechtsnachfolger. Aber das gilt nur bis zu 5 Jahre, sagte die Dame bei der Arbeitsagentur. Da bin ich auch drüber über die Frist. Noch schwieriger würde es -allerdings laut Internet- mit 55 Jahren Alter - da gibt es wieder irgendeine Grenze, dass einen die GKV da nicht  mehr nehmen muss. Fallstricke hat der Gesetzgeber da viele für usn Auslandsrückkehrer. Ein weiterer wenig bekannter Fallstrick ist, dass man, wenn man mit Vorerkrankung zurück in die GKV wollte, die Krankenkasse die Behandlung der Vorerkrankung verweigern kann. Weil das als "Missbrauch der GKV" gilt, weil man quasi nur zum Behandlungszweck in die deutsche GKV zurück wollte. Eine Krankheit liegt bei mir aber erfreulicherweise nicht vor.

Oder ich melde gleich, dass ich erfolgreich freiwillig pflichtversichert bin. Bis zum Update.

Ach, wie einfach war es da in Taiwan mit der National Health Insurance.

 3. Versuch 10.02. bei AOK Zentrale in Hannover. Wieder bin ich sehr freundlich über die Krankenversicherungspflicht belehrt worden, aber gleichzeitig wieder abgelehnt worden. Freundlich, aber bestimmt. Es ist wohl so wie bei Homer Simpson, wenn der ein riesiges Wohnmobil kaufen will. Auf dem Bildschirm geht die rote Warnlampe und Sirene an, so wie man "Auslandsrückkehrer" sagt. Die denken bestimmt, man hat Krätze, Lepra, Krebs und 100 Viren in sich. Dabei hat mich der Leprakranke in dem düsteren Fussgängerüberweg in Hyderabad nur einmal am Arm angefasst, ich schwöre es. Trotzdem war das Gespräch mit dem grünen Krankenversicherungswesen (gemeint ist die AOK mit Farbe Grün, nicht die nette Dame dort) sehr informativ, denn die Dame meinte, es gebe KEINE 5-Jahresregel, nach der ich als Auslandsrückkehrer abgelehnt werden könnte selbst von meiner letzten Krankenkasse. Und die letzte Krankenkasse bei mir war offenbar doch nicht die AOK wie ich dachte sondern die Sancura BKK aus Darmstadt und ergo muss ich mich an deren Rechtsnachfolgerin wenden. Das ist die DAK; die die Sancura über mehrere Zwischenschritte verschluckt hat. Und die darf sich wohl auf meine Mitgliedschaft freuen, sofern ich nicht doch zwischenzeitlich genervt wieder nach Taiwan abhaue. Aber Vorsicht, wenn ich einmal 55 bin, geht es wohl gar nicht mehr zurück in GKV Deutschlands, weil mich dann angeblich - laut Internetseiten - selbst meine letzte gesetzliche Kasse ablehnen kann.

Meine Mutter meinte scherzhaft, ich könne ja Asyl beantragen, um in die GKV zu kommen. Auch keine schlechte Idee. Alternativ muss ich mich vielleicht attraktiver machen. Etwa mit Schweißband joggend in die Geschäftsstelle der KV laufen, während des Gesprächs auf den Herzschrittzähler (nicht -macher) am Handgelenk gucken und laut ausrufen: "schon wieder Bestwerte: Wow!) und dann die Dame bitten etwas schneller zu machen, "weil mein Tennispartner schon wartet". Dann noch unschuldig fragen, ob sie die Webseitenadresse kennt um sich zum olympischen Zehnkampf anzumelden. Dann klappt es auch mit der AOK. Die ja angeblich jeden nimmt.

Komischer Effekt: Immer wieder über die deutsche Krankenverischerungspflicht belehrt zu werden, gleichzeitig aber die Ablehnung zu bekommen. "Es herrscht Trinkpflicht", sagte der Beduine zum Verdurstenden in der Wüste. Und stieg aufs Kamel und ritt fort.

Und langsam brauche ich die Ablehnungen mal schriftlich, diese mündlichen sind bequem für die AOK, aber wenig hilfreich für mich.

Also auf zur DAK. Hat die nicht Schwerter und Schild als Kassensymbol, jedenfalls früher mal? Da kommt man bestimmt nicht so einfach rein....

4. Versuch DAK: Die DAK scheint mich zu nehmen, sie müssen wohl, weil eben Rechtsnachfolger meiner letzten gesetzlichen KV in Deutschland.
Interessant: Es gibt wirklich eine Altersgrenze von 55 Jahren. Wer davor nicht in der gesetzlichen KV in Deutschland ist und dann zurück will, kommt nicht mehr zurück! Jedenfalls nicht wenn die Lücke hinreichend groß ist wie bei mir. Auslandsrückkehrer sollten sich also bis spätestens zum 54. Lebensjahr deutlich vor dem 55. Geburtstag wieder in Deutschland bei einer gesetzlichen KV anmelden (bei ihrer letzten bzw, dem Rechtsnachfolger), damit sie im GKV-System bleiben. Der nette Herr von der DAK hat sogar das Vorgehen abgenickt, sich in Deutschland wieder anzumelden und dann zu versichern, selbst wenn man dann weiter im Ausland arbeitet.
Wer mit 55 ohne entsprechende Vorversicherungszeit zurück kommt, dem bleibt nur die private KV.


Zusammenfassung
 
Folgende Firsten haben Auswanderer oder Rückkehrer zu beachten:

2 Jahre: Wer zwei Jahre keine Beiträge in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat, erhält bei Rückkehr keine finanziellen Leistungen vom Arbeitsamt. Weder Arbeitslosengeld noch Krankenversicherungsbeitrag. Und irgendwie "automatisch gesetzlich krankenversichert" ist man sowieso nicht (liest man immer wieder auf Ratgeberseiten).

55 Lebensjahre: Wer 55 ist und vorher gesetzlich krankenversichert war (evtl. darf kurze Ausfallzeit sein?) kommt trotzdem nicht wieder in die gesetzliche Krankenversicherung in Deutschland zurück. Also unbedingt mit 54 bereits bei der GKV wieder anmelden!

Und goldene Regel: Die einzige GKV die einen arbeitslosen Auslandsrückkehrer aufnimmt ist die letzte GKV oder der Rechtsnachfolger.


Samstag, Februar 04, 2017

Und was geschah dann?

Fragt sich vielleicht der ein oder andere Leser. Kurz gesagt, das Chaos, das mit nicht funktionierender Autobatterie und kurz vor Abflug erkranktem Junior angefangen hatte, setzte sich weiter fort. Am Abflugtag nach Manila, wo meine Frau ein Geschäft aufmachen wollte, ging plötzlich die Tür zum Zimmer meiner Frau nicht mehr auf. Sie stand mit Koffern drin und kam nicht raus aus ihrem altem Jugendzimmer bei ihrer Mutter. Fast hätten wir den Flieger verpasst, der Schlosser musste kommen.

In Manila angekommen fand ich heraus, dass wir alle - also der Manila-Familienzweig und Junior, Frau und ich - in einem einzigen Zimmer schlafen mussten. Und dass ihre Familie dort als fleißige Geschäftsleute einen 3h-Schlafrythmus hatten, bei dem dann die Schwester meine Frau plötzlich mitten in den Nacht neben meinem Bett mit dem Bürostuhl herum ruckelte über die lauten Fliesen. So richtig kamen wir nicht miteinander klar und als ich schon Ausreden überlegte, weswegen ich fluchs ins Hotel oder nach Deutschland reisen müsste, da klingelte das Telefon. Mein Vater war - wie es schien nicht allzu schlimm - erkrankt. Prompt buchte ich den Rückflug nach Deutschland.

In Deutschland angekommen hatte mein Vater erfolgreich eine Operation hinter sich gebracht und sollte bald wieder entlassen werden. Äußerst widerwillig trat ich nach 11 Tagen den Rückflug an. Doch kaum wollte ich nach Manila zurück, da wurde ich von der Gattin nach Taipei umgeleitet. Grund war ein Arztbesuch in Taipei - siehe da, die Ärzte in Manila sollen entweder schlecht und kostenlos oder teuer und gut sein. Aber Taipei liegt ja gesetzlich krankenversichert in der Nähe. Also schlief ich wieder ein paar Tage auf dem harten Boden bei Schwiegermutter, als erneut das Telefon klingelte. Um 7 Uhr morgens Taiwanzeit, also Mitternacht deutscher Zeit. Das klang gar nicht gut und da ich schon eine Nacht voller Alpträume hinter mir hatte, schwante mir übles. Es kam wie ich es mir gedacht hatte, mein Vater war nach einem heftigen Rückfall verstorben. Diesmal reisten wir alle drei nach Deutschland. Frau und Junior wollten drei Wochen bleiben, ich jedoch länger. Auch weil ich mich um meine Mutter und das Haus und die Nachlassangelegenheiten kümmern musste.

Frau und Junior reisten wieder nach Manila, wo sie das neue Geschäft mit ihrer dortigen Familie betreibt. Ich bin immer noch in Deutschland und frage mich, wie wir drei nun wieder eine Familie werden können. Ein bisschen kleben wir alle fest wo wir sind. Ich in Deutschland und Frau in Manila auf den Philippinen. Die Rückkehr nach Taipei stand auch kurz auf dem Programm, weil die Firma wieder nach uns rief. Es fiel mir sehr schwer das abzulehnen, lockten doch gutes Gehalt und die Wiedervereinigung der Familie Ludigel. Aber eben auch die Neuanschaffung aller gerade weggeworfenen, verkauften und verschenkten Dinge und die Rückkehr in eine finanziell problematisch konstituierte Firma. Und hier in Deutschland hätte ich dann alles auflösen müssen, weil meine nicht gerade mehr in den Jugendjahren befindliche Mutter allein mit dem Haus nicht zurecht kommt.

Wie geht es also weiter? Na, da würde ich auch gerne im Blog vor-scrollen ;-)
 

Donnerstag, November 10, 2016

Ciao Bella

Die Insel Formosa, "die Schöne" wie es auf Portugiesisch hieß, verlasse ich nun. Symbolisch wirkt eine aus Versehen entstandene Szene im Büro:


 Keine bewusste Herabwürdigung der Republik China, sondern ich hatte nur den Taiwan-Aufkleber vom Zweit-Smartphone genommen, mit dem bislang immer mal Junior seine Games gespielt hat. Und die deutsche Simkarte eingesetzt. Und da hätte der "Taiwan"-Aufkleber (der die Flagge der Republik China zeigt) doch nur verwirrt. Denn im anderen Telefon ist ja die taiwanische Simkarte drin. Und das alte Motorola-Klapptelefon kriegt wahrscheinlich demnächst eine PrePaid - Karte aus dem nächsten Gastland.

Trotzdem irgendwie traurig symbolisch das Bild.


P.S.: Für Deutsche im Ausland kann ich den Blau.de - Provider empfehlen. Die Prepaid-Karte kann Datenpakete zubuchen und man muss nur ale 12 Monate (statt sonst 6 wie marktüblich) mind. 10 Euro drauf buchen, damit die Karte weiter aktiv bleibt. Es gibt KEIN Mindestvolumen bei den Gesprächen, von daher bleibt die Karte erhalten, auch wenn man mal länger nicht in Deutschland ist.
 

Dienstag, November 01, 2016

Auswabbeln statt Auswandern (Update)

Für unser Auswanderverhalten braucht es ein neues Wort. "Auswabbeln" bietet sich da an.

Wir haben nämlich wieder verschoben. Weil Junior wieder eine Erkältung hat. Sicher übertreiben wir etwas, aber da Junior (5) kurz vor dem letzten Abflug eine veritable Hirnhautentzündung aus einem grippalen Infekt heraus bekommen hatte, bleiben wir noch 14 Tage in Taipei, um ihn erst auskurieren zu lassen. Derweil wohnen wir in einem netten Hotel in NeiHu. Ich freue mich, dass sich die Übergabe unseres Autos, einem Dez-2013er Volvo XC60 noch um ein paar Tage verschiebt. Ich gebe gerne zu, dass mir der Abschied von dem 245 PS-Ding schwer fällt, gerade wo wir in Manila erst einmal unmotorisiert sein werden. Außerdem gehe ich eh davon aus, dass der Aufbau einer Restaurantkette, den meine Frau mit ihrer Schwester in Manila mit mir als Qualitätskontrolleur und Marketingmensch betreiben will, doch eher länger zum Anlaufen braucht und ich zwischenzeitlich eben wieder in Deutschland als Softwareentwickler arbeiten werde. Dann sicher mit kleinerem als einem dicken schwarzen Volvo vor der Türe.

 Im engen Taipei lassen sich Mopeds natürlich besser parken als dicke Volvos

Merkwürdig die letzten Tage eine Persönlichkeitsveränderung der Schwiegermutter. Seit ihrem schwerem Unfall - sie wurde wie berichtet auf dem Lastenfahrrad von einem nicht Obacht gebenden Linksabbieger auf dem Fußgängerüberweg angefahren - ist Schwiegermutter verändert. Sie hat offensichtlich Gleichgewichtsprobleme resultierend aus der Hirnverletzung und wirkt um Jahrzehnte gealtert. Auch ihre Psyche ist anders. Plötzlich isst sie mit uns zusammen vergnügt Eisriegel, gerade solche mit Füllung und verzehrt alles, was wir aus Garküchen und Restaurants mitbringen. Früher war sie ganz Sachwalterin von 5000 Jahren (aus China geborgter) taiwanischer Kultur und hat Süßes nie angerührt, ja förmlich mit Verachtung gestraft. Und sie aß nur ihr selbst gekochtes, ein kaum gewürztes Gemüse- und Fisch-Potpourri. Ruhiger und freundlicher ist sie auch geworden - ich kenne sie ja noch als demonstrativ durch den Ausländer in der Familie "hindurch guckende" Schwiegermutter from Hell.

 Leerer Keller in der Ex-Wohnung. Wo ist bloß der verdammte Wasserzähler in diesem unbeleuchteten Loch (Antwort: auf der Dachterrasse)

So positiv die meisten der Veränderungen für mich als gewissermaßen Schwiegermutter-Endverbraucher auch wirken, so sehr gaben sie jedoch Anlass zur Sorge. Jetzt kam die Diagnose, sie hat Jacob-Creutzfeld, wenn auch noch ganz im Anfangsstatdium. Der Schlag auf den Kopf durch den Unfall hat da offensichtlich einen Ruck in der Krankheitsentwicklung ausgelöst. Frau plant schon Schweigermutters Zukunft mit uns in Manila, während ich mich frage, ob wir da selbst überhaupt irgendwann landen, bei den ganzen Verschiebungen.

Sorge bereitete der neu gewählte Präsident der Philippinen, der ja u.a. Todesschwadronen im Land gegen die Drogenszene arbeiten lässt und mit emotionalen Kommentaren Richtung USA und auch EU auffiel. Manch ein Bleichgesicht frage sich daher, ob alles was "Weiß" wirkt künftig im Lande noch wohl gelitten sein. Jetzt hat Präsident Duterte jedoch Besserung und diplomatischeren Umgang mit dem Ausland gelobt. In einer um die Welt gehenden Pressemeldung gab er an, während eines Fluges eine Stimme vom Himmel her gehört zu haben. Vielreisende denken ja bei Stimmen vom Kabinendach im Flieger eher an den Steward oder den Kapitän. Im Falle des Präsidenten soll es jedoch der Herrgott persönlich gewesen sein, der - wohl weil Duterte gewissermaßen in der Nähe war - die bessere Diplomatie ("sonst Flugzeugabsturz!") eingefordert hätte.

Der "Betonbau" ist schon da in Manila, der Ludigel fehlt noch

Als vielleicht künftiger Residenter in Manila bedanke ich mich beim weisen Präsidenten und dem (sicher christlichen) Herrgott oder (wohl auch christlichen) Kabinensteward für so viel Weitsicht. Vielleicht kann der Herrgott ja auch noch Plüschüberzüge für die herumfliegenden Gewehrkugeln verlangen, dann ist es auch wieder ein bisschen humaner im Lande.

 Nahverkehr in Manila: Abgasvergiftung ist im Fahrpreis enthalten

Mit neuen Fotos ist es bald vorbei; das Ladegerät der immer-dabei-Kamera ist schon in Manila.

 Nach 22 Uhr darf Junior dann nicht mehr auf die Straße in Manila. Neu angekündigte Maßnahme vom neuen Präsidenten, die hier aber schon 2 Jahre vorher an der Wand stand.


Hier ein Pro-Duterte - Artikel: https://off-guardian.org/2016/10/29/will-they-try-to-kill-duterte/ 

UPDATE: So schnell kann man als Unschuldiger eine Kugel einfangen:  Der lokale Dorfchef wird im Auto von der Todesschwadron (Schütze auf Moped) erschossen, eine ältere Dame auf dem Bürgersteig fängt sich auch eine Kugel ein. "Vorläufige Erschießung" wohl durch Feierabendpolizisten: http://philippinenmagazin.de/2016/10/07/unbeteiligte-frau-in-urdaneta-city-erschossen/

UPDATE2: Ein Australier wurde unlängst von der Polizei auf den Philippinen fälschlich des Drogenverkaufs bezichtigt und saß 3 Monate im Gefängnis, bis er nach Beweis seiner Unschuld entlassen wurde. Gut, dass man ihn nicht einfach erschossen hat, wie das ja neuerdings Brauch ist bei Drogenverdächtigen: http://philippinenmagazin.de/2016/10/11/australier-damian-berg-wieder-zu-hause/

Montag, Oktober 24, 2016

Das finale Taiwan-Fotonotizbuch

Eine alte Casio-Kompaktkamera names Z1000 ist meine immer-dabei-Kamera und produziert mit ihren 10 MPixel oft die besten Erinnerungen. Wohl das letzte Mal im Taiwanblog, denn -wenn diesmal nichts dazwischen kommt- geht unser Flug an diesem Samstag und danach werden wir Taiwan wohl nur noch urlaubshalber besuchen.

 "Berliner trinkt kein Bier!" fordert das Plakat zusammengefasst auf diesem alten Foto, das im Krankenhaus in NeiHu hängt. Genau gesagt in einem Cafe dort, in dem wir die Tage viel frühstücken, wo wir mit unserem Sohn (5) nur noch Nachuntersuchungen im Krankenhaus machen (seine Krankheit hatte unsere Abreise letzten Monat um 4 Wochen verzögert). Lustigerweise ist das Foto im "Barrista Cafe" beschriftet mit "Oyster Bay Bar 1905".

Abschied auch von der 737-Lane bei uns in der Nähe, wo wir an den mopedverpesteten Buden oft unser Abendbrot gekauft haben.

Hier gab es für mich ein Fast-Wiedersehen mit dem lange vermissten Döner-Kebab, das ich zuletzt 2004 in Deutschland gegessen hatten und mir an der "weißen Sosssssse" den Magen schlimm verdorben hatte. Klinisch sauber ist es hier in der an die arabische Urform "Shawarma" angelehnten taiwanischen Form. Ohne weiße Soße, aber auch langweiliger schmeckend. Habe es mir nun mittlerweile übergegessen.

Abschied die Tage auch vom dicken Volvo XC60 T5, den damals meine Frau unbedingt haben wollte. Er wird an einen Schwager gehen, der seinen weißen Toyota dann verkaufen will. Solange ich in Manila auf den Philippinen bin, werde ich mich nur vom -dortigen anderen- Schwager bzw. seinem "Chauffeur" dort herum fahren lassen. Chauffeure hat fast jeder dort, der zur Mittelklasse gehört.

Auch wenn ich erwartungsgemäß bald wieder in Deutschland lande, um uns dort eine Alternativexistenz aufzubauen, während meine Frau versucht mit ihrer Schwester in Manila eine Restaurantkette zu eröffnen - mit bescheidenem Neustartkapital werde ich sicher nicht so eine dicke Karosse fahren. Der Wagen hat einen 2-Liter-Motor, den Volvo einen Sparmotor nennt, weil er seine 245 PS eben nur aus zwei Litern Hubraum holt. Größere Motoren baut Volvo nicht mehr ein. Aber mein Verbrauch von früher 13 Litern und derzeit stauinduziert 14,6 Litern auf 100 km Stadtverkehr schreckt mich in Anbetracht hoher deutscher Spritpreise doch ab. Obwohl ich ihn vermissen werden. Sein burgähnliches Gefühl, das er vermittelt. Die vielen elektronischen Assistenten, die ein bisschen Star Trek-Feeling aufkommen lassen ("taktisches Diagramm zeigt eindringende Klingonen auf Mopeds auf 5 Uhr!") und natürlich die souveräne Motorleistung. 7,2 Sekunden auf 100 (nie ausgenutzt) und 350 Newtonmeter Drehmoment. Holz und Leder im Innenraum und eine Stereoanlage mit Sourroundsound, die besser klang als die von Yamaha daheim. Seufz.

Ein letzter Blick auf teure Doppel-Reihenhäuser in Taipei-NeiHu, die Frau für 10 Millionen NT (damals ein paar Hunderttausend Euro) im Jahre 2006 oder dergleichen kaufen wollte, während ich aber auf einem Haus auf dem Lande bestand. Damals hatte ich einen Gesundheitszusammenbruch, der wohl smogbedingt war und auch die Häuser im Bild liegen an einer stinkigen Smog-Hauptstraße. Damals war der Abgasgeruch in Taipei noch schlimmer, weil es weniger Stadtbahnen gab. Heute kosten die Häuser um die 80 Millionen NT. Nach dem Standardkurs 1:40 also um die 2 Millionen Euro, auch wenn der schwache Euro es etwas günstiger macht in der Umrechnung.

Immer mehr Schlicht-Wohnblöcke bei uns in der Gegend werden weggerissen und durch Bürohäuser oder eben auch teure Autovertretungen von Ferrari, Bentley und Lamborghini , Porsche und Konsorten ersetzt. Ach so, eine Aston Martin-Vertretung haben wir auch in der Nähe in Taipei...


Während der Schwager schon mal unseren Volvo ausprobierte fuhr ich das klassische Salary-Man - Auto Taiwans, einen Toyota Corolla Altis. Der Name klingt für mich immer wie "Carola Iltis", aber sonst ist nichts gegen das Ding zu sagen. Kompakt und leicht zu fahren, allerdings eben ziemlich langweilig innen wie außen.

Toyota spart immer irgendwo dran. Hier fehlt der Schiebregler, um die Lüftung am Auslass runter zu regeln.


Das macht der Volvo besser und ist noch holzgetäfelt. Kein Wunder, dass der Schwager dem schwedischen Charme erlegen ist. Bei der Lüftung!  ;-)

Taiwan verabschiedet sich im Regen und trägt zur sentimentalen Stimmung bei.


Wir wollen gar nicht wissen, welchen billigen Bling-Bling Clara Lee verkaufen will. Mit der Klasse der Dame kann die Uhr sicher nicht mithalten. In Taiwan gibt es viele schweizer Fake-Marken made in China mit viel Goldfarbe. Und bei so viel Loch im Zifferblatt sieht man die chinesische Uhrenfabrik förmlich vor sich.

Während ich meine günstigen Uhren im Paket nach Manila schicke, begleiten mich meine drei Schweizerinnen (und noch eine Billiguhr im Bild) am Mann. Darunter auch die durch Watchart.com wiederher gestellte Breil, von deren Defekt ich mal berichtet habe. Dick ist die Tissot. Ein bisschen Bling-Bling mag eben auch der Ludigel.

Letzter Blick auf das wegen permanenter Abreisepläne nie richtig eingerichtete Wohnzimmer, das im Wesentlichen von einem Spielhaus für Junior eingenommen worden ist. Eigentlich hätte das in den Garten gehört, aber einen solchen gibt es hier weit und breit nicht.

Meine Frau hat bis zu Letzt an den schlichten Plattenbauten fest gehalten, die es noch reichlich gibt in Taipei, auch wenn sie tendenziell immer weniger werden. Letzter Blick aus meinem Zimmer.

Morgens hörte man immer die Nachbarn röcheln und spucken. Hatte mich einst darüber muckiert, bis auch bei mir die Dauererkältung los ging. Im Winter heizungslos zu kalt, im Sommer durch eiskalte Klimaanlagen und Ventilatoren verdorben ist man in Taiwan leicht dauererkältet.

Blick aus dem Hotelzimmer des netten "Hotel June" in dem wir wohnten, als wir die Wohnung schon zurück gegeben hatte und Junior kurz vor Abflug an einer Hirnhautentzündung erkrankte, die seine Einlieferung notwendig machte. Wenn Kinder still werden, muss man sofort an die Hirnhautentzündung denken und darf sich nicht von "Spezialisten" mit teuren holzgetäfelten Behandlungszimmern und teuren schweizer Uhren einlullen lassen, die sagen, Junior müsse nur ein paar Tabletten nehmen. Wie es mir passiert war. Daher war Juniors Zustand kurzzeitig kritisch und wir hatten ein paar bange Tage, ob etwas zurück bleibt. Gott sei Dank ist das nicht der Fall.

Draußen wütete der Taifun, während Junior auf der Intensiv lag und Frau und ich abwechselnd mit auf der Intensivstation schliefen. Dort trägt man zwar Schutzweste, hat aber keinen Schutz über den Schuhen und keine Gesichtsmaske. Trotzdem waren alle Behandlungen von Junior auf den Kinderstationen im Trei-Service-Krankenhaus in NeiHu gefühlt sehr gut und immer erfolgreich. Ganz im Gegensatz zu den Erfahrungen, die wir dort sonst gemacht haben.

Im Hotelzimmer verfolge ich gebannt die US-Präsidentschaftsdiskussion auf dem Smartphone über Youtube.

Für wen werden sich die Amerikaner entscheiden? Für den narzisstischen Dämagogen oder die gewissenlose Kriegstreiberin? Ich bin mal gespannt. Mein alter Kommilitone mit US-Staatsbürgerschaft verweigert mir diesmal erstmalig die Auskunft bei unserer Email-Diskussion, wen er wählen wird. Vermutlich steht er auch ratlos vor den beiden Figuren. Passend zur Diskussion natürlich eine schweizer Uhr, die für den US-Markt produziert ist (Hamilton) ;-)

 Kein schöner Anblick. Ludigel in der Burka. Einem Taiwanregenmäntelchen, mit der ich im Taifun schnell ins Krankenhaus rüber mache.

Also, bei den Beiden würde ich doch die Hamilton wählen wollen. Äh... never mind...

Abschied auch von der Rindfleischnudelsuppe Taiwans. Bevor Junior geboren wurde, habe ich immer gesagt, die Rindfleischnudelsuppe und die Damenwelt ist das einzige, das mir an Taiwan gefällt ;-) Hier eine Suppe für 250 NT, etwa das Doppelte vom Garküchenpreis.

Nach ein paar Nächten im Hotel Umzug in ein krankenhausnahes Villenviertel in Taipei, in dem man (nicht im Bild) viele Bentleys und Mercedes etc. sieht. Eine Einzimmerwohnung bewohnen wir hier noch die Tage. Hier hatte Frau einen Laden mit Rindfleischnudelsuppe gefunden und mich zum Besuch aufgefordert.

Schnell kam dann die Rücknahme der Aufforderung. In dem Geschäft...

kosten die Suppen zwischen 500 NT und veritablen 10.000 NT. Das sind je nach Kurs also 200 bis 250 Euro für die teuerste Suppe!

Die Speisekarte haben sie draußen dann hängen, achten sie auf die großen Zahlen! Begründung für den hohen Preis ist übrigens, dass ein Kunde mal gesagt hätte "ihre Nudelsuppe ist so gut, sie könnte 10.000 NT kosten", so dass sie seither 10.000 NT verlangen würden. So schreibt das Restaurant auf seiner Webseite. Gut, dass niemand gesagt hat: "Ihre Nudelsuppe ist so gut, alle Reichtümer der Welt können sie nicht aufwiegen." Denn "Alle Reichtümer der Welt + 1 NT" macht sich als Rechnungsbetrag nicht so gut.

Blick aus Juniors Einzelzimmer im Krankenhaus. So schick haben wir nie gewohnt!

Das Cafe im Krankenhaus verwechselt nicht nur eine berliner Kneipe mit der Blue Oyster-Bar, es assoziiert auch Italien mit Mafia als Werbung für diesen Eiskaffee.

 So sauber war die Intensivstation im Krankenhaus nicht. Hier handelt es sich um die Küche eines Dumplingrestaurants von der brühmten Pong Fong Ding-Kette. Äh Dong Fung-Dung. Oder Kung Dong-Fu. Äh... Dong Ling Ping. Oder was auch immer. Sie sehen vielleicht meine Schwierigkeiten mit der chinesischen Sprache, die ich nie richtig gelernten habe. "Kung Dim Dum.... äh ... never mind."

Frau bittet im Tempel in Taipei um geschäftlichen Erfolg für das erste geplante Restaurant. Ich schimpfe fürchterlich über die 3000 NT Ablass, die wir dafür dem Kerl in Badelatschen in die Hand rücken müssen und wir streiten uns fürchterlich darum. Frau erklärt mir noch, sie habe einen Package-Deal verhandelt, wo der Segen gleich für ein halbes Jahr gelten würde. Ich antworte teutonisch-streng: "Teurer sinnloser Unsinn für einen langen Zeitraum ist immer noch teurer sinnloser Unsinn". Na, das hat gekracht...

Hinterher musste ich mich bei den Göttern entschuldigen, sonst war Frau nicht gewillt, dieses Sakrileg zu verzeihen. Götter sei Dank hat das nicht auch wieder Geld gekostet.


...

Durch die Verlängerung des Aufenthaltes gaben schließlich meine Schuhsohlen auf. Da unser Schuhmacher eine geschlagene Woche für solche Reparaturen braucht statt 5 Minuten wie in Deutschland, blieb mir nur der Kauf eines neuen Paares Schuhe. Früher (vor 12-10 Jahren) war die taiwanische Schuhwelt immer bei Größe 44 zu Ende, so dass ich mit meiner Größe 46 nie etwas gefunden habe und in Nobel-Schuhgeschäften Sonderanfertigungen (die immer schrecklich GÜNSTIG waren - verkehrte Welt!) bestellen musste. Da jedoch die junge Generation der Taiwaner, die jetzt um die 20 ist, deutlich größer und breiter geworden ist (doch wirklich!), hatte ich Hoffnungen, nach Jahren (mein Schuhvorrat vor Jahren gekauft ist im Paket in Manila) endlich einfach im Schuhgeschäft ein Paar erstehen zu können. Und wirklich, nach langer Suche hatte das Outlet von einer Adidas-Marke im Carrefour-Markt in NeiHu ein paar blaue Wildlederschuhe der Größe 46.5, die so schmal geschnitten waren, dass sie passen. Schmeichelhafter Name des Modells ist "Boat". Fußbett haben die Schuhe keins, sind aber dafür mit 5600 NT ziemlich teuer. Und Frau und Junior treten mir seither wie besessen auf die Blue Suede Shoes. Man möchte fast ein Lied drüber machen.

Romantisch wird er Taipei-Plattenbau immer des Abends. Und Taipei...

verabschiedet sich mit einem echten Regenbogen, der aus der rechten Seite eines hässlichen koreanischen Autos entspringt.

Donnerstag, Oktober 20, 2016

(Weiter) Auswandern, neuer Versuch

Perspektiven in Manila

Am 29.10. soll es nun endgültig soweit sein, wenn nichts dazwischen kommt. Wir wollen Taiwan verlassen. Interessant ist, dass es offenbar die Möglichkeit gibt, dass ich meine Rentenbeiträge (und auch die zur gesetzl. KV Taiwans) weiter zahle, um den sonst zu geringen Rentenanspruch über die Mindestbeitragsgrenze von 15 (in Praxi offenbar 16) Jahre zu heben. Erst ab 16 Beitragsjahren bekommt man eine monatliche Rentenzahlung statt einer geringen Einmal-Abschlagssumme. Allerdings steht das Ganze auf der Kippe, da zumindest beamteten Ausländern in Taiwan die monatliche Rentenzahlung zu Gunsten der geringen Einmalzahlung verweigert wird, wie mir ein Betroffener berichtet hat.




Wie stehen die Dinge nun in Manila? Das schon existierende Druckerei-Outlet, der Aufkleber und Firmenschilder produziert und der Druckerei der Familie der Schwester meiner Frau dort angeschlossen ist, scheint langsam in Fahrt zu kommen. Das geplante Restaurant wartet auf Lizenz und Steuernummer. Sorge bereitet mir hingegen die politische Entwicklung. Ich will der oft vorgefundenen Empfehlung folgen, mich als Ausländer aus der Landespolitik auf den Philippinen heraus zu halten und werde daher nicht die Entscheidungen des neu gewählten Präsidenten Duterte positiv oder negativ beurteilen. Aber rein aus Endverbrauchersicht stellt sich eben die Frage, ob man dort hin ziehen will oder nicht trotz vorbereitetem Geschäft und fertigem Visum.



Gegenwärtig operieren mindestens mit Duldung des Präsidenten offenbar Todesschwandronen im Land, die Leute in einer Art landesweiter Drogenkartei mit ehemaligen oder gegenwärtigen Süchtigen und Drogenhändlern - offenbar vorzugsweise kleinem Kalibers - schlichtweg töten. Im Supermarkt, daheim oder auf der Straße. Dabei gab es auch schon den ein oder anderen unschuldigen Toten, darunter eine 5jährige Tochter eines solchen Exekutiveopfers. Dennoch ist die Wahrscheinlichkeit gering als Normalo damit zu tun zu haben. Man müsste wohl schon eine Reifenpanne in einem schlechten Viertel haben und sich gerade eine fehlgeleitete Kugel einfangen, um hier Opfer zu werden.



Weiße Ausländer befürchten oft, als nächste auf der Liste der Todesschwadronen zu stehen. Sicher nicht ganz abwegig der Gedanke, wo man grundsätzlich aufpassen muss, wenn man in einem autoritär regierten Land lebt und sich gravierend von der Mehrheit im Lande unterscheidet. Noch gibt es aber keine Hinweise in dieser Richtung. Extremszenarien kann man sicher entwickeln, etwa einen neuerlichen "Spruch" des rhetorisch oft frei-nach-Schnauze redenden Präsidenten, der zu neuerlichen diplomatischen Verwicklungen mit Washington führt und einer Überreaktion der Todesschwadronen, die vielleicht ohne Absprache mit "denen da oben" einfach mal als Rache den ein oder anderen Weißen abschießen wollen. So weit das rein hypothetische Szenario. Oder eben der Gedanke, als Konkurrent eines einheimisches Geschäftsmannes unschuldig auf die Todesliste gesetzt zu werden.



Soll man weg bleiben? Wir wollen derzeit unser Investment dort nicht im Stich lassen auch wenn ich selbst mit einem Auge auf die Nachrichten mein Gepäck immer griffbereit haben werde mit Blick auf den Flughafen. Man muss eben aus rein praktischen Gründen respektieren, wenn sich die weisen Einheimischen dazu entscheiden sollten, dass wir Weißbrote nicht mehr gewollt sind im Lande. Wenn das irgendwann mal der Fall sein sollte. Wir gottverdammten auswärtigen Investoren können schließlich nicht immer darauf bauen, auch wirklich mit unserem gemeinen Ausländergeld willkommen zu sein.



Bis dahin gilt: Ick liebe den Präsidenten - muss ja - und als Chief Marketing Officer des Restaurants schlage ich vielleicht einen 10%-Discount für Todesschwadronen vor. Aber nur mit vorgehaltener Waffe ;-)

UPDATE: Die Presse meldet aktuell, dass die US-Botschaft in Manila Ziel von anti-US-Protesten war, die "ausländische Intervention" u.a. kritisierte und "US-Truppen raus" forderte. Die Filipinos sind  schnell, das muss man sagen. Simbabwewi Simbabwewo* wäre die nächste Eskalationsstufe ein Steinigen und mit Molotov-Cocktails-Bewerfen der Botschaft, begleitet von Übergriffen auf weiß aussehende Leute. Anlass für die Demos sind offenbar neuerliche Äußerungen des Präsidenten. Mal gucken, wie die Lage am Abflugtag ist ;-)

https://www.theguardian.com/world/2016/oct/19/philippines-police-van-rams-protesters-outside-us-embassy-in-manila

* inspiriert von einem Kommentar eines Vorartikels