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Dienstag, April 10, 2018

Würden Sie Ihre Kinder hier fallen lassen?

Ein EKZ mit vielen Kinder-Abenteuer-Anlagen in Taipei. Natürlich alles kostenpflichtig.

 Als ich die Kinder rechts im Klettergerüst rumklettern sah und mir vorstellte, dass eine ganze Schar davon plötzlich auf die anfangs senkrecht in die Tiefe gehende Rutsche drängt, da wurde mir schon mulmig. Junior wurde instruiert, sie einstweilen nicht zu benutzen.
Ich dachte: Bei uns in meiner niedersächsischen Kleinstadt wäre dass so ein Ding für Eltern, die unbedingt ein Zimmer für die Hannovermesse-Saison vermieten wollen, aber kein Zimmer frei haben. Wenn Sie verstehen was ich meine.

Später bekam Junior doch die Erlaubnis. Die Rutsche wurde von einem Mitarbeiter betrieben, der die Kinder in einen Sack steckte und sie mit bloßen Händen ein Stück weit herunter ließ, so dass sie mit den Füßen schon die senkrechte Phase der Rutsche überwunden hatten und dann gerade in die Schräge kamen. Meine Sorge war gewesen, dass die Kinder allein rutschend sonst schief fallen würden und am Ende mit dem Kopf gegen die Seitenwände kämen, was auch bei Polsterung ziemlich viel Kraft auf empfindliche Kinderhälse ausüben würde.

So ging es gut. Trotzdem ist es irgendwo so eine Sache die solange okay ist, wie dem Operateur nicht mal ein Kind entgleitet und es schräg heruntertrudelt und am Ende doch mit dem Kopf gegen die Seite schlägt. Immer trockene Hände wünscht man dem Operateur.

 Dann doch lieber mit der Enterprise (nicht Challenger) ins All in einem anderen EKZ.

Montag, Mai 22, 2017

Irgendwo gibt es einen Spielplatz für Dich (Verkehrstod eines Kindes)

Der Nachbarschaftstratsch meldet den Verkehrstod eines kleinen Kindes, etwa 50 Meter max von meiner Haustür in NeiHu, Taipei, Taiwan.

Wir wohnen seit meiner Rückkehr nach Taipei im März in einer Mietwohnungsanlage, die zu den besseren der oft slumartigen Wohnblöcke bei uns in der Gegend gehört. Ein sehr breiter Bürgersteig ist bei uns vorm Haus, richtig eine Oase an der lokalen Hauptstraße. Und Grün gibt es bei uns im Innenhof.
Gehe ich aber 30 Meter nach links, fängt eine Budenzeile aus zeltartigen Verkaufsstellen an. Die schlimmsten sind schon weg. Seit sich die Verkehrspolizei bei uns seit zwei Jahren oder so für Falschparker interessiert und man immer wieder Polizisten auf Mopeds sieht, verschwand auch die Horrorbude unter den Verkaufsstellen. Das war ein düsteres stinkendes Zelt, in dem braungrün-verklebte Hühner in Käfigen vor sich hin schimmelten und einen entsetzlichen Gestank verbreiteten und ihre blau angelaufenen Leichenteile ungekühlt in der Sonne auf einem Tisch schmorten. Alte Frauen sahen sich interessiert die abgehackten Beine samt Krallen an und nickten dazu einfrig, während sie die Münzen aus ihren Geldbörsen holten. Lange Jahre war der Bürgersteig eklig schmal und so hielt ich meist die Luft an, wenn ich dort vorbei ging.



anderer Fall, selbe Ladenzeile: reglose Frau, Unfallfahrer beim Fotografieren

Heute ist der Bürgersteig verbreitert und der Horrorstand weg. Aber es gibt immer noch die Fischverwesung gleich neben an, wo in der prallen Sonne und Abgasluft direkt auf Auspuffhöhe Fische mit etwas Eis vor sich hin stinken. Dort an dem Fischstand war immer eine ganze Familie versammelt, die den etwa 2 Meter breiten Bürgersteig (gleichzeitig illegal Parkstreifen für Autos, Mopeds und quer gestellte Fahrräder) zu ihrem Spielhof erklärt hat. Wohl drei Kinder im Alter von 2-5 oder dergleichen spielten dort mit Wasserbecken aus Styropor, sowie die Fische raus waren, fuhren Dreirad uns spielten Ball. Direkt an der Fahrbahn, wo an der viel befahrenen Straße Autos mit eher 50 und 60 als den auf die Fahrbahn gemalten 30 durchfahren. Oft ging ich dort lang und dachte: "Wie gefährlich!" Wenn so ein Kleinkind mit dem Dreirad nah an den Fahrbahnrand fährt und die ganze Familie vor sich hin grinst und die Fische wäscht. Oder Radio hört. Handies hatten sie in der Familie wohl mal nicht, an denen man sonst in Taiwan die dreiviertel Lebenszeit seit 2010 verbringt. Aber irgendwie geht es immer gut. Denkt man. Die Kinder drehen brav am Bordstein um, die kleinen Kinderfüße hören auf Richtung Fahrbahn zu watscheln. Entweder von selbst oder die Großmutter kommt doch mal angerannt, um den falschen Richtungsvektor von Tod hin zu Überleben zu verstellen. Sprich das Kleinkind neu auszurichten, dass es auf die Bude zuläuft statt auf die Fahrbahn. Dann wieder Radio. Fische waschen. Vor sich hin lächeln. Ein einziges Mal habe ich vorbei gehend ein Kind blockiert, das Richtung Fahrbahn unterwegs war. Aber ich gehe nur im Sekundentakt da vorbei. Achte mehr wo ich hin trete als auf anderer Leute Kinder. Schließlich legen sie an der vorderen Fressbude ihre glatten Kochbleche aus den Öfen in die Gosse, stellen den Bürgersteig zu und bei Regen habe ich das spiegelglatte Blech einmal nicht gesehen und hätte mir fast den Hinterkopf aufgeschlagen, so sehr bin ich hingesegelt.

Man darf parken. Überall.

Taiwan wie es leibt und lebt. Und den Ausländer Ludigel auskichert, wenn er dort essen kaufen muss. Etwa, in dem man ihm einen falschen Preis nennt - absichtlich - und dann noch einen und noch einen und sich freut, dass alle Gäste mitlachen. Dann bin ich ein Jahr nicht mehr hin. Heute hat die Garküchenentertainerin selber kleine Kinder, die jetzt auch begroßmuttert auf dem kleinen Bürgersteig herum rennen.

An der Ecke ist vor ein paar Jahren eine alte Frau überfahren worden an der Fußgängerampel. Ich fotografierte den Fahrer, der die reglos daliegende Frau fotografierte und er sah mich böse an.

Nun ist eines der Kinder tot, vom Auto überfahren. Ich weiß nicht von welcher Bude. Aber dies Wochenende spielten dort mal keine Kinder. Doch als ich in unsere Straße einbog, brachte ich meinen Wagen komplett zum Stehen. Denn zwei kleine Kinder spielten direkt an der Fahrbahn in der Kurve, gerade noch auf dem abgesenkten Bürgersteig. Während die Eltern auf Einlass ins italienische Restaurant warteten und angestrengt aufs Handy guckten.

Dienstag, März 29, 2016

Bei mir in der Nähe: Kleinkind enthauptet (Update 4)

Taipei als Hort der Wahnsinnigen***. Einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt: Kleinem Mädchen (3 oder 4) wurde der Kopf abgeschnitten.

Ein offenbar Drogensüchtiger mit psychischen Problemen (Edit: 33 Jahre) hat in Taipei-NeiHu, ganz in der Nähe der Porsche-Vertretung und der Bentley-Vertretung, in einer belebten Wohn- und Geschäftsstraße gestern um 11.00 Vormittags, einem kleinen Mädchen den Kopf abgeschnitten. Die Mutter war nur einen Meter dahinter, das Kind fuhr auf einem Dreirad. Unprovoziert trat der Mann blitzschnell an das Mädchen heran und schnitt ihm derart heftig die Kehle durch, dass der Kopf abgetrennt wurde - laut Presseberichten.

http://www.mirror.co.uk/news/world-news/taipei-child-beheading-three-year-7641972
Auch: http://metro.co.uk/2016/03/28/girl-3-beheaded-in-random-attack-outside-train-station-5780315/

An der entfernteren Kreuzung im obigen Link, Bild über der Karte, mit einem rundlichen Gebäude, habe ich erst neulich gestanden und auf einer frischen Laugenbrezel vom neu eröffneten deutschen Bäcker dort gekaut. Jetzt ist dort hundert Meter weiter eine Blutlache von einem Kleinkind.

Passanten haben den Attentäter überwältigt und festgehalten, bis die Polizei eingetroffen ist. Die Großmutter des Kindes sagte: "Die Gesellschaft ist krank". Mir fehlt die Energie zu anderen Kommentaren.

 Abb.: "737-lane" bei uns in der Nähe. Frau und ich sind und uneinig, ob der Mord in dieser Straße oder einer Parallelstraße in der Nähe stattfand, aber die Straßen ähneln sich dort alle. Friedliche Straßen wo die größte Gefahr eigentlich vollgestellte Bürgersteige und heranrasende Autos und Mopeds sind und keine "Messerstecher".

Ähnlicher Fall 2015: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/05/30/437248/8-year-old-girl.htm
(Mann dringt in Schule ein und schneidet 8jähriger die Kehle durch)

Grob ähnlich 2014: Jugendlicher tötet Schlafende in der U-Bahn Taipeis mit Fleischermesser: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/05/22/2003590929

Ähnlicher Fall vor ein paar Jahren (unter der Grafik): http://www.intaiwan.de/2012/12/22/todesstrafe-in-taiwan-neue-hinrichtungen/ im Blog von Klaus Bardenhagen erwähnt (Mann tötet 10jährigen durch Kehle-durchschneiden um sich Gefängniszelle zu sichern).

Offensichtlich haben die psychischen Kranken und Abseitigen in Taipei gelernt, dass man durch Kehle-durchschneiden schnell und effektiv töten kann. Leider.

UPDATE2: Offenbar zeitgleich wurden ein Polizist in einer Metrostation und ein Insektengift versprühender Arbeiter irgendwo im Freien in Taipei mit Messern verletzt.

UPDATE3: Hier ein Link zu einem Artikel mit einem Foto der Eltern mit Kind, das mit Erlaubnis der Eltern publiziert worden ist. Die Eltern bitten offenbar um Mäßigung bei der Todesstrafendebatte. Ich habe mir nicht alles durchgelesen, weil das emotional nicht einfach zu verarbeiten ist, als Anwohner und Vater eines eigenen Kleinen.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603290025.aspx

UPDATE4: Tatwort war die Xihu-Elementery-School, die Straße davor. Damit ist es noch mal ein paar Querstraßen weiter weg als ich dachte und oben angegeben habe. Aber ein paar hundert Meter ändern auch nichts. 


*** Will sagen die offenbare Tabuisierung von psychischen Krankheiten und das graue enge Taipei mit seinen oft kaninchenstall- oder hühnerkäfigartigen Wohnungen führen vielleicht etwas überproportional zu geistigen Problemfällen. Ohne Statistik ist das aber vielleicht auch nur ein Vorurteil.

Donnerstag, Oktober 08, 2015

Juniors Sprachentwicklung

Ein Update für Interessierte, von wegen Dreisprachigkeit

Junior (4) ist tagsüber im deutschen Kindergarten in Taipei und nachmittags bei der Schwiegermutter, die Mandarin mit ihm redet und ausdrücklich angewiesen ist, kein Hoklo alias Taiwanisch mit ihm zu reden, damit er nicht durch Viersprachigkeit verwirrt wird. Sonst abends und am Wochenende redet er Mandarin mit meiner Frau und Deutsch mit mir neben Englisch mit uns beiden, was also summa summarum drei Sprachen macht. Eine kurze japanische Phase wo er viel "annnooo" von sich gegeben hat hatte Junior auch mal. Da waren wir in Tokio gewesen und er hatte das aufgeschnappt. Vielleicht auch wegen des gelegentlichen Minijapanisch, mit dem seine Oma manchmal kontert, wenn Junior sie auf Deutsch anredet. Oma, also meine Schwiegermutter, hat nämlich in der japanischen Kolonialzeit noch Japanisch gelernt auf der Schule, aber den Großteil davon wieder vergessen. Wenn Junior sich einen Spaß macht und Deutsch mit seiner Oma redet und sich freut, wenn sie ihn nicht versteht, dann kontert sie eben schon mal auf Japanisch.

Neulich fragte ich Junior, wie viele Sprachen er denn spricht und er zählte auf:

Chinesisch
Deutsch
Minion

Letzteres hat damit zu tun, dass er viel die Filme des Despicable-Me - Franchises gesehen hat. Wir haben ihn durch englischsprachige Filme Englisch lernen lassen und das hat wirklich gut funktioniert, sogar richtige Native-Speaker-Formulierungen wie "gosh" als Erstaunenslaut hat er da drauf. Nur die englischsprachigen Despicable-Me-Filme haben ihn jetzt durcheinander gebracht, denn die kleinen gelben "Minions", die in dem Film die Stars sind, reden ein polyglottes Gewirr, das unter anderem wohl aus Japanisch, Spanisch, falsch gesprochenem Chinesisch (oder einem anderen Dialekt als ich ihn kenne), Englisch, Deutsch und allerlei mehr besteht. Das Vermischen von Englisch und dem Minion-Polyglott führte dann zu ein paar Sprachunfällen, etwa beschwerte sich Junior bei uns auf Englisch, seine Minion-Puppe hätte keinen "Wonderful". Also ein "Wunderbar" würde sie nicht haben. Frustriert fing er an zu weinen als wir ihn nicht verstanden. Erst später fiel mir ein, dass er "wonderful" als Hauptwort schon mal anstatt "Arm" benutzt hat. In der Tat fehlen der Puppe Arme. Auch stand er vor seinem Spielhaus mit offenem Eingang und sagte zu mir in Pseudodeutsch "Torweg zu?". Verblüfft guckte ich ihn an und ein paar Minuten später plapperten die Minions beim gehen durch eine Tür "Torweg zu?" oder irgendwas, das so ähnlich klang. Einstweilen sind die Minionfilme verboten, denn er fing an unverständliches wie "Bapu" und "Neipu" von sich zu geben und korrigierte mich schon mal energisch, wenn ich "Napu?" nachgefragt habe, was immer das auch sei. Abgesehen davon hat die Vielsprachigkeit aber gut geklappt, er spricht fließend Mandarin seiner Altersstufe entsprechend und wird daher von taiwanischen Kindern als einer der ihren akzeptiert, nur ihre Eltern bezeichnen ihn manchmal als "kleinen Ausländer", seiner braunen Haare wegen. Englisch kann er gut als Zweitsprache und fällt auch mir gegenüber darauf zurück, wenn ihm die Vokabeln fehlen.
Deutsch ist die Drittsprache und lässt sicher viel zu wünschen übrig, hat sich durch den Besuch des Kindergartens allerdings deutlich verbessert. Er ist stolz, wenn er ein neues Wort gelernt hat wie neulich "Aufräumzeit" oder vorher "Stuhlkreis", probiert dieses dann sogleich bei mir aus und ist glücklich, wenn ich es verstehe. Oft will er komplexe Sachen auf Deutsch sagen und dann fehlen die Worte dazwischen und er hat sich angewöhnt, diese dann mit deutsch klingenden Fantasielauten zu füllen und mit Gesten zu untermalen. Im Kindergarten ist man nicht glücklich über seinen Rückstand gegenüber den Kindern aus rein deutschen Familien, er ist da eben zwischen den Kindern aus rein taiwanischen Familien die sicher weniger Deutsch können als er und den Deutsch-Deutschen Kindern. Deutsche Filme und Hörspiele einzuführen hat nur bedingt geklappt. Wenn ich seine Lieblingsfilme deutsch synchronisiert zeige, fängt er an zu schimpfen und Hörspiele mag er eh nicht so, weil er den Bildschirm vermisst. Nur "Lucas der Locomotivführer" kam bislang gegen die Hollywoodstreifen an, Pumuckl hingegen hat er die kalte Schulter gezeigt.

Sollte Mitte nächsten Jahres wirklich der Umzug nach Manila auf den Philippinen stattfinden, dann würde er auch dort die deutsche Schule besuchen und dort auch Tagalok lernen (wie immer man das auch genau schreibt). Viersprachig dann also. Das ist eine nette Sprache. Der Satz "May reklamo ka" / "Wenn Sie eine Beschwerde haben" am Taxi verführt richtig dazu sie lernen zu wollen.

Stinksauer wird Junior, wenn seine Mutter plötzlich Deutsch statt Mandarin oder Englisch redet und ich ein paar Brocken Chinesisch benutze. Dann klärt er uns schon mal genervt auf, dass Papa kein Chinesisch spricht sondern Deutsch reden muss und Mama kein Deutsch spricht. Das haben wir nur mal spaßeshalber gemacht, als er uns mit Minion genervt hatte und wir lassen es jetzt wieder. Dieser kleine Plastik-Baseballschläger, den er dann hervor holt, tut nämlich wirklich weh.

Montag, Juni 01, 2015

Achtjährige auf Schultoilette von Geisteskrankem ermordet / Dreijähriger überfahren (Update)

Ein sinnloser Mord an einem Schulkind erschüttert Taiwan dies Wochenende

Zur Berichterstattung aus einem Land gehört meiner Ansicht nach auch zu schreiben, was denn die Leute in diesem Land gerade bewegt. Dieses Wochenende ist es sicherlich der schreckliche Mord an einem 8jährigen Schulmädchen gewesen. Ein offenbar geistesgestörter Mann, 29 Jahre (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/05/31/2003619557 ist in der Unterrichtszeit in die Wenhua Elementary School in Taipei-Beitou eingedrungen und sich offensichtlich nach einem einsamen Kind umgesehen. Er traf auf der Toilette auf eine Achtjährige, die gerade das WC aufgesuchte und ermordete diese durch einen Schnitt in ihrem Halsbereich. Das sterbende Kind wurde später gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden, der Täter ist im Gewahrsam und hat gestanden.
Es sei daran erinnert, dass es Kindermorde in jedem Land gibt und daher sind auch Reflexreaktionen, die man als Ausländer hat, in diesem Zusammenhang ziemlich sinnlos. Schnell will man die nervöse Enge Taipeis, die langen Arbeitstage und merkwürdige Verhaltensweisen der Leute um einen herum zitieren. Auch im Team auf der Arbeit hatten wir wieder einen wirr auftretenden Menschen, der bei seiner Kündigung durch meine Frau anfing herum zu schimpfen, zu weinen und dann dramatisch vor ihr auf die Knie fiel, als sei er in einem dieser TV-Dramen, die den ganzen Tag im Taiwan-TV laufen. Andererseits haben solche Dinge eigentlich keine Aussagekraft und es bleibt dabei, dass solche Dinge, die einem als Vater das Blut gefrieren lassen, eben in jedem Land vorkommen.

Mich schockierte ein weiterer Fall, in dem am 30. Mai ein 3-jähriger Junge zu Tode kam. Nach der grafischen Rekonstruktion, die im TV zu sehen war, war ein Auto am Linksabbiegen und wartete korrekt darauf, dass der Geradeausverkehr vorbei fahren kann. Leider nahm der Linksabbieger dabei dem geradeaus fahrenden Fahrzeug die Sicht und hinter dem Linksabbieger wartete eine Familie (offenbar Mutter mit Kinderwagen, einem weiteren etwas älteren Sohn und dem Dreijährigen) darauf, an einem der in Taipei gänzlich bedeutungslosen Fußgängerüberwege die Straße überqueren zu können. Leider tastete sich der Dreijährige dabei offenbar langsam vor, so dass er am Ende vor dem Linksabbieger auf der Fahrbahn stand und vom schnell vorbei fahrenden Geradeausfahrzeug tödlich erfasst wurde. Schon mit nur meinem Sohn (3) an der Hand steht mir in Taipeis aggressivem Straßenverkehr (ich weiß nicht wo der Unfall war), in dem Fußgänger die totalen Underdogs sind, oft der Schweiß auf der Stirn. Mit einem Dreijährigen, einem etwa Achtjährigen und einem Kinderwagen unterwegs zu sein, erscheint mit auf den schmalen bürgersteiglosen Straßen mit "Gaspedal-König Toyota", den "Blue-Truck"-Henkern und Taxi-Wahnsinningen erhrlich gesagt als unauflösbarer Horror.

UPDATE: Als Reaktion auf den Mord an dem Schulmädchen wird die Europäische Schule Taipei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken.

Donnerstag, März 05, 2015

Taipei, Stadt im Kapitalismus

... könnte man meine Wahlheimat (i.S.v. "von Frau gewählt" ;-) nennen, um den Bogen elegant zum letzten Beitrag zu spannen.

Eine Stadt, wo die Menschen oft zu Arbeitsdrohnen zu degradiert sein scheinen, wenn sie in grauen vergitterten Wohnungen eingepfercht sind ohne Freiraum und fast ohne Grün. Doch sicher gibt es hier auch Platz für Kinder, siehe Bild:


Schnell geknipst mit der kleinen Kompaktkamera Casio Exilim Z1000 bei der Besichtigung der lokalen Grundschule in Taipei-Neihu. Der eigentliche Schulhof ist hinter meinem Rücken. Ganz so schön wie die Schule in "Bali bei Taipei" war sie freilich nicht, das kann man hier schon erahnen.

Die "Kinder" im Bild wirken wie plattgedrückt zwischen Autos und Beton und das entspricht etwa auch ihrer realen Lage auf den fast immer bürgersteiglosen Straßen Taipeis, durch die die blanken Karossen fast immer viel zu schnell von überall nach nirgends vorbei rasen.

Mittwoch, August 13, 2014

Junior, Scharmbolzen

Vater und Sohn denken offenbar manchmal in ähnlichen Bahnen

Ein neues Zitat bleibt mir dieser Tage von Junior im Kopf. Es lautet "I want Xiaojie, water, nass" in einem kreativen Mandarin-Englisch-Deutsch - Mix. Xiaojie ist dabei das taiwanische Wort für "junge Frau". "Das wollen wir alle", entgegnete ich ihm. Junior sprach aber nicht über T-Shirt-nass - Wettbewerbe an Strandmeilen, sondern wollte noch einmal ein Video von Kylie Minogue sehen, bei dem sie ihn einen Pool springt, was ihn ungeheuer fasziniert hat. Wir müssen mal mit ihm baden gehen - bislang war er nur in den Wellen an der Pazifikküste Taiwans und nur ein einziges Mal, was er nicht so toll fand. Jedenfalls fand er es interessanter Frau Minogue beim Gleiten in das Wasser zuzusehen.

Junior konzentriert hinterm Steuer

Verblüffung löste Junior neulich im Miramar Einkaufzentrum aus, hier in NeiHu. Das Ding wird abends zur Vergnügungsmeile mit seinem "Food Court" mit zig Essens-, Tee-, Eis- und Dessertständen und einem (nicht glücksspielhaften) Spielautomatensalon auf dem Dach nebst Riesenrad, Karussell und Livemusik. Als Junior (3) nun bei Mama auf dem Arm am Teestand an der Theke stand und wir zusammen mit zig anderen Leuten auf einen Becher in Klarsichtplastik eingeschweisten Kalttee warteten, da betrachtete sich Junior die junge "Xiaojie" links neben ihm, mit der er auf Kopfhöhe war, so auf Mamas Arm. Um die 20, Minirock, falsche Wimpern, geschminkt, wie ortsüblich eben im sommerlichen Vergnügungszentrum. "Ni3 shi4 piao4liang jie3jie" sagte er zu ihr auf Mandarin, zu Deutsch heißt das etwa: "Du bist sehr hübsch". Wörtlich übersetzt "Du bist (eine) hübsche ältere-Schwester", wobei der schwesterliche Term auch von jüngeren Kindern für Mädchen, die älter sind als sie, angewendet wird. Das ging der jungen Dame runter wie Öl und sie musterte danach Junior, Frau und mich verblüfft. Auch Juniors Eltern standen eine Weile verblüfft da.


Ich selbst nahm mir eine Weile später ein Beispiel an Junior und machte seiner Mutter auch ein Kompliment, sie war ja immerhin den Tag beim Friseur gewesen ;-)
Die Damenwelt unterteilte sich übrigens strikt in die HotPans oder Minirock - Fraktion, mit den Abspaltungen der Ultraminis und der Pobackenunterseite-vorzeigendenden Hotpansfraktion. Gott sei Dank nur bei den Damen. Auch meine Gattin hatte kurze Hosen an und als ich mich empirisch einmal umsah, ob ich nur eine einzige junge Frau in langen Hosen finden würde, gelang mir das nicht. Einmal dachte ich es schon, machte sogar ein Beweisfoto, aber die vermeintliche Hosenträgern entpuppte sich als junger Mann in Spandexhose. Wenn Junior in diesem Umfeld in folgenden Jahren weiter so Komplimente verteilt, man kann nur furchtsam der Dinge harren, die da kommen.

Fotos einfach mit einer CASIO-Kompaktkamera (digital, Z11) aus freier Hand gemacht.

Donnerstag, Juli 31, 2014

Junior

Als Expat lebt man oft viel zu verkrampft. Vorbild sollte der eigene Junior sein

Grillfeier mit totem Ferkel am Spieß (oder eher einer Sau, das arme Ding war recht kapital) im Kollegenkreis. Im Bergumland von Taipei auf einer der kommerziellen Grillanlagen (alter Bericht mit Karte hier). Ich wollte Junior zum füttern und streicheln der freilaufenden Ziegen überreden, doch nichts zu machen. Junior (3) verzieht das Gesicht und will mit den wilden Tieren nichts zu tun haben.


Die Anlage nennt sich neuerdings "Queenstown", was natürlich ein frei erfundener Name vermutlich ohne Bezug zur Anlage ist.


Jedenfalls drehte ich mich um und sah, als ich wieder hinsah, Junior Hand in Hand mit der 5jährigen Nichte eines Kollegen, die ihn zum Ziegenfüttern brachte.


Und dann? Junior lächelt die ganze Zeit und füttert und streichelt die Ziegen, als habe er sein ganzes Leben nichts anderes gemacht.

Neulich hatte er eine richtig filmreife Szene in einem Restaurant. Er hatte mit einem Mädchen dort auf den Sofas getobt, danach waren seine und ihre Familie beim Essen gewesen. Als sich ihre Familie dann zum Gehen anschickte, legten Junior und das Mädchen eine Szene wie im Hollywoodfilm hin, rannten queer durch das Lokal mit ausgestreckten Armen wie in Zeitlupe aufeinander zu (man hörte förmlich die Musik vom Band) und umarmten sich dann hollywoodreif.

Junior lebt sein "Expatleben" viel entspannter als sein Vater, fällt mir auf. Wahrscheinlich, weil es gar kein Expatleben für ihn ist ;-)


In der schönen Landschaft bei taiwanischem Sommerbier mit Fruchtaroma und schöner Landschaft...

...

... verzeiht man auch die oft vorherrschende Wellblech- und Schlichthausarchitektur.


Zitat von Junior:

"Kein Mädchen, Ziege!"

Gemeint war aber eine veritable Ziege.

Montag, Juli 28, 2014

Juniors Sprachentwicklung

Kurze Bestandsaufnahme der trilingualen Erziehung.

Mutter und Großmutter reden mit unserem Junior (3) Mandarin, Großmutter wohl nur selten auch mal ein paar Broken Taiwanisch aka Hoklo. Meine Frau und ich reden miteinander Englisch, auch wenn Junior dabei ist und dann oft in die Diskussion einbezogen wird. Ich selbst rede mit ihm Deutsch, meistens. Obwohl ich manchmal auf Englisch oder sogar etwas Chinesisch zurückfalle, wenn ich schnell einen wichtigen Punkt rüber kriegen will. Oder unwillkürlich auf Englisch antworte, wenn Junior mich auf Englisch anspricht.

Das Ergebnis ist jetzt, dass Junior wohl Mandarin-Chinesisch als Erstsprache hat und, wenn alles so weiter geht, da sicherlich Muttersprachler werden wird. Englisch ist seine Zweitsprache und er tendiert mir gegenüber dazu sie vergleichbar wie ein Muttersprachler zu benutzen, überrascht mich immer wieder mit neuen Forumlierungen. Deutsch ist nur wortweise vorhanden und wird oft zu einem Englisch-Deutschen Mix.

Zitate von Junior:

"No Mädchen, no ball":    "Ball" englisch gesprochen. Junior meinte hier tatsächlich einen Ball, aber mit dem englischen "to have a ball" (eine Fete haben/sich vergnügen) passt es natürlich auch gut.

"Fucke you":  Wegen dem e am "Fuck" muss er das im Kindergarten gelernt haben.

"Fuck!":  Er zeigte dabei allerdings auf "Kermit the frog" und der Muppetshow. Frog und Fuck ist noch das selbe bei Junior.

"Calm down!":   Ich war wohl sichtlich nervös, als ich das verdammte T-Shirt nicht über seinen Kopf gezogen kriegte. Schon witzig, wenn einen der kleine Sohn zum Ruhigbleiben auffordert.

"Mädchen! Tanzen!":  Gleich nach dem Aufwachen, als er sich auf die sonntägliche Spiel-, Musik- und Klettergruppe freute. Außer ihm waren da nur drei Mädchen in der Gruppe.  

"Beißen yes!":  Er hat manchmal Widerworte...

Nur ein kurzes Update zu der Mehrsprachlichkeit, sicher nur für andere Eltern in ähnlicher Situation interessant.


 

Montag, Juni 16, 2014

Kindergarten, Englisch-Teacher, Junior (Update)

Einführungstag in einem "Kindergarten" in unserer Nähe.

Taiwan ist voller Vorschulen, die sich auf Chinesisch "Buxiban" (gesprochen: Bushiban) nennen und an die Stelle unserer Kindergärten treten. Englischsprechende Taiwaner und zumindest die Expats aus angelsäschischen Ländern hier verwerden dafür auch tatsächlich das deutsche Wort "kindergarten". Abgekürzt auch "kindy" genannt. Diese Kindergärten beschäftigen oft westliche Ausländer, desto weslich aussehender desto besser und das kurioserweise meist illegal, so dass die "Englischlehrer" dort die gelegentlich stattfindenden und in der Bevölkerung populären Weißen-Razzien zu fürchten haben Ein Bericht über eine ist hier in diesem Artikel im Blog: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/04/englishlehrer-razzien.html

Wie dem verlinkten Artikel auch zu entnehmen ist, können Ausländer auch legal als Englischlehrer in einer der kleinen Privatschulen arbeiten, dann müsste es sich aber um eine "Cram-School", also eine Nachhilfsschule handeln, die aber erst Schüler ab dem Schulalter annehmen darf. Und die Lehrer müssen aus einem Land mit Englisch als Muttersprache kommen und über einen "English-Major" verfügen. Damit ist kein Offizier der britischen Streitkräfte gemeint, sondern ein Uni-Abschluss im Fach Englisch.

Auf der Einführungsveranstaltung eines dieser Kindergärten, die wir einmal aus Interesse mitgemacht hatten, weil der Kindergarten nun mal in unserer Nähe lag, konnte ich dann auch das erste Mal einen Englischlehrer live erleben. Trotz allen Klamauks, der auch hier schon oft im Blog über Englischlehrer in Taiwan zu lesen war, muss man natürlich sagen, dass es auch die charismatischen "echten" Kindergärtner gibt, die einfach einen tollen Unterricht herbei zaubern. Der Mann in den 30ern sprach ein klares, akzentfreies Englisch und machte zusammen mit zwei jungen Taiwanerinnen als Co-Teacher eine tolle Show mit Singen, Basteln und Dialogen. Die Kinder waren begeistert - seine reguläre Klasse war anwesend - und er war ein richtiges Showtalent dabei, so locker vor der Menge diesen kinderbegeisternden Unterricht abzuziehen. Respekt!

Als ich später Gelegenheit zu einer Unterhaltung hatte erfuhr ich von dem sehr sympathischen "Teacher", dass er aus einem westeuropäischen Land stammt, das nicht englisch-sprechend ist und in Taiwan auch mit Kind verheiratet ist. Von daher kann er also völlig legal in dem Kindergarten arbeiten, denn mit taiwanischen Staatsbürgern verheiratete benötigen ja keine Arbeitserlaubnis. Ich will hier trotzdem weder sagen welcher Kindergarten noch aus welchem Land er stammt noch Fotos zeigen - taiwanische Beamte stellen einfach zu viel Blödsinn mit den Kindergärten an, als dass ich hier bei solchem Unsinn behilflich sein möchte. 

Junior war begeistert vom Spielen mit vielen Kindern an vielen Klettergeräten an diesem Schnuppertag. Der Kindergarten hatte den Keller regelrecht zum Abenteuerspielplatz umgebaut - überirdisch gab es nur einen kleinen Hof. Weil dort die Stadtluft ja auch nicht die beste ist.

Es ist mal wieder Teil des Taiwahnsinns mit H, hier augenzwinkernd angemerkt, dass ein Bericht über einen Kindergarten eine konspirative Natur haben muss.


 Update:
Als Junior von "Lehrerin" angesprochen wurde auf Chinesisch antwortete er auf Englisch. Als sie dann auf Englisch mit ihm redete, hat er auf Deutsch geantwortet - mit "Genau!". Als die Lehrerin fragte, was "genau" heißt, entgegnete Junior entnervt:  "Mensch!"
 

Freitag, Mai 30, 2014

Entscheidungen Taiwan-Style: Von einer Sekunde zur anderen alles anders (UPDATE2: und jetzt wieder ganz anders)

Die Taiwanfamilie im emotionalen Veitstanz. Und Ludigel fragt sich, ob alle von ihren guten (zahlreich vorhandenen und regelmäßig gefütterten) Geistern verlassen sind

Okay, dritte Version dieses Eintrags
Kommentare beziehen sich auf ältere Version dieses Artikels


Dieser Tage herrschte viel Aufregung bei Familie Ludigel. Plötzlich erklärte sich Schwiegermutter nicht mehr bereit Junior zu versorgen, was für Frau und mich extrem unpraktisch war, da wir tagsüber (oder eigentlich bis spät abends) im Büro sitzen. Wegen meiner kleinen Wohnung wohnte meine Frau auch noch wochentags bei Schwiegermutter und letztere wurde und wird für ihre Dienste gut entlohnt. Nun plötzlich ratz fatz mussten Frau und Junior raus und auch tagsüber wollte ihn Schwiegermutter nicht mehr haben. Was war bloß los, fragten wir uns da. Und tagsdrauf wurde uns noch mitgeteilt, wir dürften auch den unbenutzten Familienparkplatz nicht mehr nutzen. Zusammen mit dem uns und auch unserem dreijährigen Sohn gegenüber aggressiven Verhalten, das wir in der letzten Zeit bei der "ersten Tochter" der Familie beobachtet hatten (die hat eine besondere Stellung in einer chinesischen oder eben auch taiwanischen Familie, insbesondere wenn es keine Söhne gibt!) erschien und das ganze wie eine Kampfansage der Familie meiner Frau an unsere Adresse. Insbesondere weil mein philippinischer Schwager vermeldete, ihm sei einst genauso ergangen in der Familie, erschien uns das alles wie eine bösartige Kampagne der Taiwanfamilie und insbesondere meine Frau war völlig verdaddert. Und mir gingen mal wieder die taiwantypischen schnellen Entscheidungen ohne Vorwarnzeit auf die Nerven, die das Leben recht unstet machen.

Alles nicht so einfach im Zusammenleben...

Nun hat sich alles wohl aufgekärt. Denn die "zweite Tochter", die eigentlich mit ihrem eben erwähnten Mann auf den Philippinen lebt, macht gerade längeren Heimaturlaub in Schwiegermutters Wohnung und hatte nach mehrtägiger Beobachtung dann eine Erklärung für alles.

a) Alles ist in der Tat eine Kampagne, aber nur von der ersten Tochter ausgehend und diesmal schießt sie in unsere Richtung und nicht "in die Philippinen". 

Der Gatte der ersten Tochter ist auch der Eigner des Familienparkplatzes und dem ist der ganze Zinnober nebenbei bemerkt furchtbar peinlich und die Parkplatzgeschichte soll schon zu schief hängendem Haussegen bei ihm geführt haben, weil weder er noch sein früher von Schwiegermutter und meiner Frau groß gezogener Sohn das Parkverbot für das Ludigelmobil sonderlich gut finden.

b) Und Schwiegermutter zeigt hat offenbar leicht senile Phasen, in denen sie zwar Haushalt und Versorgung von Junior wie immer weiter macht (was sie eben schon ewig so gemacht hat), aber eben auch extrem leicht beeinflussbar ist. Und so konnte das erste Töchterlein ihre Mutter in ihre gegen meine Frau (altschwesterliche Rivalität), mich und Junior gerichtete Aktion einspannen. Warum das erste Töchterlein den philippinischen Mann der zweiten Tochter und den deutschen Mann der dritten Tochter und ihren Sprößling nicht mag, weiß ich auch nicht. Bei dem philippinischen Schwestergatten hat sie jedenfalls auszusetzen, er sei braun, so ist von ihr überliefert. Nun, bei mir käme dann vielleicht "rosa" oder "lange Nase" als Stein des Anstoßes in Frage. Und weil Junior ziemlich westlich aussieht mit seinen braunen Haaren, hat es ihn da wohl mit erwischt.

...so ist es jedenfalls bei uns


Ende der Aufregung: Donnerstag mieten wir einen Tiefgaragenplatz 50m entfernt, jedenfalls wenn der dicke Volvo in den Autolift (pfui deibel) passt und Frau, Junior und ich leben ganz vergnügt in meiner kleinen Wohnung. Dort machte es sich meine Frau gestern im Wohnzimmer zu Seifenoper a la Taiwan bequem, während Junior und ich in meiner Besenkammer aka Office auf einer Ministereoanlage Nina Simone gehört haben und anschließend US-Fernsehserien bzw. Little-Einsteins-Disney-TV auf dem Note- bzw. Netbook geguckt haben. Für Junior wird eine kommerzielle Kinderbetreuung tagsüber gesucht (Schwiegermutter war ja eigentlich auch kommerziell, bei der reichlichen Entlohnung ;-) und im Oktober geht es mit dem phillippinischen Familienzweig nach Disneyland Hong-Kong.

Zu Schwiegermutter, der jetzt alles irgendwie Leid tut, wie man von ihrer ungewohnten Höflichkeit mir gegenüber ableiten kann, wird die Beziehung repariert - zu der "ersten Tochter" werden jedoch alle Kontakte inklusive Familienessen abgebrochen. Kommt sie, kommen wir nicht. Hauptgrund ist hier ihre Feindseeligkeit Junior gegenüber, die doch irgendwie schwer verdaulich ist.

Eigentlich fast ein reinigender Sturm, den sie da entfacht hat, die hermana primera.

Montag, März 10, 2014

Taipei Children's Recreational Center, Teil 2

Fortsetzung vom ersten Teil: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/03/taipei-childrens-recreational-center.html
Ein altmodischer Freizeitpark in Taipei

ERROR: Technische Problem verhindern immer mal wieder das Anzeigen einiger der Fotos. Die Ursache ist noch unbekannt. Google-Glicht?

Der ästhetisch schönste Teil war sicher die alte "Folk Arts Section", die laut Ehefrau schon seit 60 Jahren existierte und im vorigen Teil beschrieben worden ist. Derzeit rast wohl die Abrissbirne durch die chinesisch-traditionellen Häuser und den schönen Park. Auf also in den Mittelteil. Der höher gelegene Mittelteil des Parks und der Rummelplatzteil sollen übrigens auf dem Gelände des alten Taipei Zoos liegen. Später ist dieser dann weiter an den Stadtrand ausgewandert, mein Besuch siehe HIER.  

Ein letzter wehmütiger Blick auf die "Folk Arts Section", die jetzt im Abriss befindlich ist....

... und dann die Treppe hoch, was noch mal einen hübschen Blick auf den alten, jetzt wohl schon nicht mehr vorhandenen Teil gibt...

...

Der Mittelteil hat eine moderne 3D-Kino-Halle und anderes moderne Zeug (Bild) und erlaubt einen netten Blick auf das Taipei Grand Hotel (Hintergrund), das ja das einzige oder jedenfalls größte Hotel der Welt sein soll, das komplett im altchinesischen Tempelstil erbaut ist.

Diese Kunst in der 80er-Jahres-Flair atmenden Anlage aus Betonwegen und ein bisschen Grün erinnert an Nazikunst. Auch am "Maschsee" in Hannover bei mir daheim haben wir noch solche sehr ähnlichen Statuen aus der Nazizeit herum stehen. Da steht eine nackertes Paar sogar noch steifer in der Gegend herum, während hier dieses KMT-Dikatatur atmende Ensemble schon richtig locker ist.

Das 3D-Kino ignorierend sind wir dann hinab in den Rummelplatzteil gestiegen...

... wo es charmant altmodische Attraktionen gibt. Wenig schnelles und hohes, viel langsames und altmodisches, aber genau richtig für einen 2-jährigen wie unseren Junior.

Jede der Attraktionen ist pro Nase inkl. Kleinkinder mit einem 20-NT-Ticket zu zahlen, die man an einem zentralen Schalter kaufen kann. Zu Stoßzeiten hat man schon mal 30 Minuten Wartezeit oder länger.

Blick aufs 101-Hochhaus, das man ja fast immer in Taipei irgendwo erkennt. Hier sind Pappfelsen aus der Eisenbahnanlage im Vordergrund.

.... Drachenbootfahrt.... laaaaangsam und sinnig, immer im Kreis....

... nicht nur für zugereiste Belgier ein Vergnügen.

Hier eine Attraktion ohne Wartezeit. Die auf Reifen gelagerten schaukelnden Häuser sollen vermutlich die jungen Taiwan auf das Verhalten bei Erdbeben vorbereiten, die es ja hier sehr häufig gibt. Getarnt als "3-Little-Pigs"-Installation.

Der große Renner bei Junior war das herrlich altmodische zweistöckige Pferdchenkarussel.

... neben der Eisenbahn...

... die nur eine einzige Station auf dem Gelände hat und leider nur ein paar Meter durch ein kleines Grundstück fährt anstatt vielleicht das ganze Gelände zu umrunden, hier in "Chinese Taipei".

...

Wenn irgendjemand das Taipei Children's Recreational Center noch mal besucht seither, würde ich mich über Feedback freuen, wie es dort jetzt aussieht. Denn meine Frau ist der Meinung die ganze Anlage sie jetzt zu, was aber nach der englischen Webseite nicht der Fall zu sein scheint. Weil die englischen Seiten meist schlecht gepflegt werden in Taiwan muss die Info dort aber nicht stimmen. Also weiß ich auch nicht, ob man da derzeit vor verschlossenen Türen steht...


Mittwoch, März 05, 2014

Taipei Children's Recreational Center Taipei - Teil 1

Ein Feizeitpark aus alter Zeit, mit dem Charme einer untergegangenen Ära

 Meine Frau war traurig, ein Freizeitpark mitten in Taipei, den sie einst im Alter von 6 Jahren besucht hatte (Eintritt damals 4 NT, sagte sie), würde am vergangenem Montag die Tore schließen, endgültig. Schnell sind wir "noch mal hin", haben pro Nase (2 Erwachsene und auch unser 2jähriger Sohn) 20 NT (50 Euro-Cent) bezahlt - und hatten in dem altmodischen Freizeitpark einen verblüffend schönen Tag. Geschlagene 60 Jahre soll es ihn schon geben - was für ein Jammer, wollte man ihn abreißen. Allerdings beruht das wohl auf einem Missverständnis, nur der traditionell-chinesische und teilweise museale Teil, genannt die "Folk Arts Section", soll geschlossen werden, der rummelähnliche Rest und das moderne 3D-Kino (von uns nicht besucht) bleiben wohl erhalten, so kann man es jedenfalls der Webseite entnehmen (http://english.tcrc.taipei.gov.tw/). Die Webseite gibt sich auch altmodisch-steiff, man merkt sofort, dass der Park eine Behörde darstellt in Taipei. Zur Zeit ist wegen des Umbaus wohl sogar der Eintritt frei.

Gelegen ist das "Taipei Erholungszentrum für Kinder" (Bild vom Eingang über den jetzt im Abriss befindlichen chinesisch-traditionellen Teil) in einer tollen Lage. Er hat einen großen Park neben sich und liegt gegenüber dem Kunstmuseum (wie immer das auch genau heißt), wo auch eine japanische Kolonialvilla auf Touristen wartet.

 Radiosender...

Kunstmuseum...

... und japanische Kolonialvilla (Fachwerkhaus in der Bildmitte)  sind in unmittelbarer Nachbarschaft. Eine teure Lage! Auch das Taipei Grand Hotel ist in der Nähe, sicher eine der Schokoladenseiten von Taipei.

Man kann auch oft Flugzeuge relativ dicht über den Platz düsen sehen, die auf dem Inlandsflughafen von Taipei landen.

... was ganz nett aussieht...

.... denn die Dinger bleiben ja in der Regel oben.

Charmant altmodisch gibt sich der Eingang...

... und mir fielen sofort die hübschen alten Bauten im Folk Arts - Teil des Parks ins Auge, denen es jetzt aber wohl an den Kragen geht, denn die Taiwaner haben es nicht so mit dem Erhalt alter Bausubstanz. Watt soll's, weg mit dem Zeug.

Diesen Baustil findet man auf dem Lande noch in Form von alten Bauernhöfen, die meist allerdings verfallen sind und zu Schuppen degradiert sind. Hier noch gut erhalten.

In einer musealen Halle wird man sofort schulmeisterlich belehrt: "Sie müssen gewusst haben, dass das Taipei-Tal einst ein großer See war....". Schluck. Äh.... natürlich Herr Lehrer. Belehrungen in letzter Minute vor der Abrissbirne.

Hoffentlich denken sie dran, die uralten Ausstellungsstücke aus der Töpferzeit auch mitzunehmen vorm Abriss.

So, genug gemeckert, die Taiwaner sind halt fortschrittsgläubiger als Unsereiner und vielleicht wird ja auch was erhalten. Und die Stücke hier kommen sicher irgendwo anders ins Museum.

Hier eine steinzeitliche Dreckecke, die eigentlich ganz und gar sauberer aussieht als die modernen Dreckecken, wie ich sie aus unserer Zeit vom Lande her kenne. Heute wäre da mehr Papier und mehr Plastikflaschen. Never mind.

Schöne alte Architektur, hoffentlich bleibt etwas davon erhalten!


Der Löwe neben dem traditionellen Tor hat sich richtig herausgeputzt...

.... und scheint zaghaft zu fragen... "Habe ich es übertrieben mit der Garderobe heute?"

Ich hingegen war wieder mal mit dem "Mamabag" mit Versorgungsgütern für Junior behangen, genau dort, wo früher die Fototasche mit Wechselobjektiven war. Heute stattdessen habe ich das möglichst leichte alte Tokina 2.8-4.5/28-70mm an der Digitalkamera, für 25 Euro von Ebay erstanden. Es hat gnadenlos schwerere und bessere Objektive ersetzt, weil es eben so klein und leicht ist. Wenn auch die Umhängetasche so schwer ist. So, gehen wir noch ein Eis essen und dann rüber in den Mittelteil des Parks.... im nächsten Teil.