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Mittwoch, Oktober 23, 2013

Uhrenfotografie

Seit meiner Mitgliedschaft in einem Uhrenforum überlege ich immer, wie ich in dem dortigen Thread "Welche Uhr tragt ihr heute" meine jeweilige etwas mit Lokalkolorit ablichten kann. So hätte ich denn eben augenzwinkernd dieses Bild dort gezeigt...


Die Uhr ist eine recht günstige ORIENT Deep Blue, die es für oft unter 100 Euro in Deutschland zu kaufen gibt. In Taiwan oder gar in Japan (woran dieses Bild irgendwie erinnert) gibt es dieses Modell aber gar nicht zu kaufen, denn für Asien hat ORIENT meist teurere und filigranere Modelle als solche dicken Diver.

Bei dem streng guckenden Herrn, der an einen Samurai erinnert, handelt es sich um einen Schraubenzieherhalter, den ein Kollege nach dem Weggang aus der Firma hier im Büro hinterlassen hat, offenbar ist es ein chinesischer Krieger. Man kann ihm zwei Schraubenzieher in die Hand geben - nett. Der Hintergrund ist eine Straße ganz in der Nähe meiner Behausung, die ich hier etwas hübsch fotografiert habe. Nachts sehen die Schlichthäuser mit Käfigfenstern sowieso netter aus und der blühende Baum dazu, dann noch den Himmel stärker gerötet (in Wirklichkeit war er schwarz, zeigte aber bei der Belichtung eine Tendenz zum Dunkelrot) - fertig ist der schicke Hinergrund. Das Ergebnis erinnert vielleicht an ein Uhrenwerbefoto, wenn der Fotograf unter Drogen steht.

Nun kann ich nach all der mittagspäuslichen Mühe das Bild im Uhrenforum aber nicht veröffentlichen. Die haben nämlich ein technisches Problem, dass man keinen einzigen Thread aufmachen kann. Es gibt allerdings über dieses technische Problem einen eigenen Thread. Nur den kann man eben auch nicht aufmachen ;-) Etwa so, als ob im Safe ein Zettel mit der Kombination liegt.

Sonst kriege ich im Uhrenforum dieser Tage immer den Rappel, wenn ich die Rolexi, Omegani und Breitlinge dort sehe (oder wie immer der Plural dort lautet), weil in meiner Barschaft eine Summe fehlt, die zur Anschaffung von zwei Omegas UND einer Tudor oder so gereicht hätte. Dazu nur die Stichworte: Gattin - sauer - sie auf der Bankwebseite unter dem Börsenreiter etwas sinnfrei herumgeklickt - und schwupps ist der Vermögensschaden da. Habe 100-Euro Uhren am Handgelenk und den Gegenwert für zwei bis drei Nobelklunker der Bank geschenkt. Auch nett. Taiwahnsinn eben. Daher gucke ich die Tage oft wie der Kerl auf dem Foto aus der Wäsche.

Letzter uhrologischer Beitrag: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html

Dienstag, Oktober 15, 2013

Willkommen in Baozen

Bauzen ist hier nicht gemeint, die Imbissbude unten im Bild verkauft Baozi (schreibt man glaube ich so), gesprochen "Bauze" oder eher "Bauzhe", einen taiwanischen Fastfood, der aber natürlich kein Fastfood ist. Denn Fastfood ist immer westlich. Trotzdem ist Bauzi die Rennpappe des ach so gesunden taiwanischen Essens, in einer Art Hefeteigkugel ist fettiges fein durchgedrehtes Mett, das oft sehr pappig schmeckt. Manchmal schmeckt es mir leidlich gut, auch wenn ich diese Fettfleischdosis üblicherweise vermeide, weil treibender Teig und fettiges tierisches Protein sicher keine sehr gesunde Ernährung sind. Wie gut oder schlecht die Baozi an der Bude unten sind kann ich nicht beurteilen, da ich sie nie gegessen habe. Die Überfahrversuche an Gattin seitens eines Freundes der Betreiberfamilie und eines Kunden bzgl. mir bei Streits um den "Familienparkplatz" gegenüber spielen da sicher nur eine untergeordnete Rolle (Augenzwinker).


Immer mal wieder kommt ein Kameramann vorbei, so drei- viermal im Jahr, dann machen sie einen Fernsehbeitrag und am Sendungstag oder Folgetag ist dann eine große Schlange bei uns in der Straße, so wie hier im Bild. Dann blockieren x PKW die Parkbuchten rechts und vor Leuten und Autos kann man den "Familienparkplatz" kaum noch benutzen. Bislang hatte der Ruhm, jetzt ein fernsehberühmter Imbiss zu sein, immer mehrere Wochen angehalten, sehr zu meinem Parkverdruss. Diesmal jedoch war ich verblüfft. Schon am nächsten Tag standen nur noch 2 Leute "Schlange". Im Gegensatz zu vorher hatte sich der Fernsehruhm sogleich wieder erledigt. Was dem Verkehr in der Straße sehr zu passe kommt. Sicher sind die Baozi so gut, dass die Leute von dem leckeren Biss in Gedanken noch länger zehren wollen und deshalb nicht gleich wieder kommen. Man kann bestimmte orgiastische Genüsse eben nicht täglich ertragen. Wer wolle schon täglich ein Festmal essen, denke ich mir.

Sagen Sie nicht, es lag am Regen ;-)

Dienstag, Oktober 08, 2013

Taiwans Politskandal

Relativ unbeachtet von der Expatgemeinde: Präsident Mas instinktloser Feldzug gegen den Parlamentssprecher seiner eigenen Partei

Taiwan, eigentlich "Republik China" heißend, ist eine parlamentarische Demokratie und ihr momentaner Präsident ist Ma Ying-Jeou, dabei ist Ma der Familienname und heißt übersetzt "Pferd". Gesprochen wird er etwa "Ma-ah", auch Ma3 geschrieben. Pedanten merken jetzt unten an, dass man das eher "Ma-ah-ah" oder wie auch immer spricht, dem Jodeln in den Kommentaren sind hier keine Grenzen gesetzt. Ma ist von der KMT (Kuamintag), eine Partei, die einst diktatorisch über Taiwan herrschte, seit 1992/96 jedoch demokratisch legitimiert herrscht (mit einer Unterbrechung 2000-2008).

Mas Regierung hat nun einen beispiellosen Feldzug gegen den Parlamentssprecher (das Parlament heißt "Legislativer Yuan") der eigenen Regierungspartei losgetreten mit dem Ziel diesen von seinem Posten zu entheben. Allerdings ist Ma bislang mit allen diesbezüglichen Anträgen durchgefallen. Der Parlamentssprecher namens Wang soll einen Staatsanwalt ersucht haben, kein Berufungsverfahren gegen einen Politiker der oppositionellen DPP (Democratic Progress Party, eine antichinesische Partei, die von 2000-2008 den Präsidenten stellte) einzuleiten, sondern den Freispruch zu akzeptieren - wobei mir immer noch unklar ist, wobei es in diesem Verfahren ging. Hatte Wang da ein harmonisches Klima zwischen DPP und KMT im Sinn?

Präsident Ma jedenfalls ist eher als sehr pro-VR-China eingestellter Hardliner bekannt und geht daher instinktlos auf den eigenen Parlamentssprecher los, als gelte es einen Kampf um Leben und Tod zu führen. Wieder mal fällt Ma da durch fast schon autistisch wirkende Instinktlosigkeit im Umgang mit Volkes Meinung auf - seine gegenwärtige Zustimmungsrate soll nur noch 9% betragen. Schon beim Taifun Marakot vor ein paar Jahren fiel Ma dadurch auf, dass er sich auf Cocktailparties herumtrieb, während das Unwetter ein ganzes Städtchen von der Landkarte tilgte - und sich das Militär den Einsatzbefehl schließlich selbst gab. Auch während der bisherigen Verhandlungen mit der VR-China um 2010 herum bewahrte er merkwürdiges Stillschweigen, so dass viele schon einen Staatsstreich zum Zwangsanschluss Taiwans an die VR-China befürchteten. Ma macht alles hinter verschlossenen Türen und ignoriert das Volk weitestgehend. Ein bisschen wirkt er da wie ein Politiker aus Peking. Und er wäre ja wohl auch gerne einer, hat man den Eindruck. Seine Töchter sollen in HongKong und Peking leben.

Notiz: Bei dem Feldzug gegen Wang wurde sogar der Telefonanschluss des Parlaments offenbar illegal abgehört: http://asienspiegel.ch/2013/10/taiwans-lauschangriff/

Mehr in der Sache: http://michaelturton.blogspot.com/2013/09/mawangmess-wiretapping-scandal-expands.html

UPDATE: Ma versucht Wang die KMT-Mitgliedschaft zu entziehen, was allerdings gescheitert ist.

Donnerstag, Oktober 03, 2013

Taipei-NeiHu verändert sich...rasend schnell.

Erst neulich fiel mir auf, dass sie bei uns in einer mäßig engen Straße das Parken mit einer roten Bordsteinlinie verboten haben, die Fahrbahn verschmälert haben und dafür den Bürgersteig verbreitert haben! Von eingen 80cm oder so auf 2 Meter oder dergleichen. Wahnsinn, das ist fast schon deutsches Denken. Allerdings nur an einer Stelle, an der man sowieso bequem durch den Park gehen konnte, aber sei's drum. Auch sonst verändert sich Taipei mehr und mehr, viele Schlichtwohnblöcke (wie der in dem ich noch wohne) sind in der Gegend schon weggerissen und neue Betonwohnscheiden (mit Bürgersteig davor und schmiedeeisernem Tor und Security nebst Grünanlage) verpassen der Gegend einen Hauch mehr Klasse. Grün und Bürgersteig wirkt auf mich jedenfalls positiv.


So ist ganz in der Nähe von meinem immer noch etwas slummig wirkenden Wohnviertel ein ganz neues Viertel mit vielen Büros und ein paar angrenzenden Wohnscheiden geworden. Hier parke ich beim samstäglichen Frühstückholen bei einem Singapur-Frühstücksrestaurant. Da gibt es braunen Toast mit Kunsthonig, was nach Meinung meiner Taiwanfamilie eine besondere Delikatesse ist. Dazu noch ein hartgekochtes Ei ohne Salz und einen fast geschmacklosen kleinen Wackelpudding, einen kalten süßen Milchkaffee dazu für 110 NT, also knapp 3 Euro. Na ja gut.

Richtig schön ist es hier auch nicht, aber besser als enge bürgersteiglose Gassen und graue Schmuddelgemäuer mit Übelriechendem aus der Gosse.

Dieses Betonnesien dient auch immer wieder als Filmkulisse. In NeiHu sind mehrere Fernsehstudios die lokale Taiwan-Seifenopern drehen. Und da fahren sie gerne in diesen modernen Betonlandschaften rum. Neulich hatte ich ein blitzblankes blaues Kompaktauto (Mazda 3 oder so) vor mir, der hatte ein weißes Fantasienummernschild mit CDN (Kanada?) und einer fliegenden Möve dran gemalt, kein offizielles taiwanisches Schild. Und mal nervte er mich durch langsames vor-mir-her tuckern und dann wieder durch Affenzahn-Beschleunigung und dann starkes Abbremesen, meinem Hupen zum Trotz. Erst dann fiel mir der Kamerawagen auf, der vor dem Ding her fuhr. Ob der meist am Heck klebende Nissan von Ludigel das Shooting versaut hat?

Das hier ist übrigens kein Leichenwagen, sondern eine taiwanische Automarke namens LUXGEN, nicht zu verwechseln mit Lexus. Basiert auf dem Renault Espace. Hier die CEO-Ausführung, die an den den gegenläufig schließenden Türen erkennbar ist. Da ist hinten auf der "Lieferfläche" ein einziger Luxussitz mit Leder und Holz für den "CEO" mit Bildschirmen und Computerzeug um ihn herum. Ein Mr.-Wichtig-Mobil also.

Und hier steht ein Filmmann am Straßenrand in der Mitte, der manchmal den Filmautos Zeichen gibt. Neben ihm mit gelber Weste ein vor sich hin träumender Polizist, der einfach nichts tut. Ist ja auch was. Sollen die Filmautos doch ruhig im normalen Verkehr plötzlich abbremsen, kommt nicht so genau drauf an, hauptsache der Sherrif steht da irgendwo rum. Oder es ist wieder nur eine private "Security".


Fährt man noch ein Stückchen weiter, kommt dann wieder das dicht bebaute alte Viertel, wo ich logiere. Man sieht es links. Es fällt auch auf, wie kreuz und quer die Bauten da stehen, ohne richtige Stadplanung früher einfach irgendwo hin gesetzt.

Da sieht es dann etwas grau und verschmuddelt aus, wie es aber viele hier gemütlich finden. Hier immerhin eine Hauptstraße in der Nähe mit Bürgersteigen.


Was ist schöner, alt oder neu? Hier liegt es direkt nebeneinander...


Sagen wir mal so, in 20 Jahren steht nur noch das neue rum und die Fassaden sehen dann wohl wieder so aus wie der graue angelaufene Beton im Vordergrund, dem Reizklima sei dank ;-)


EDIT: Ich bitte die 2-4 in Taiwan lebenden türkischen Bürger um Verzeihung. Das Auto im Artikel hat "gegenläufig schließende Türen", keine "...Türken". Ein reiner Schreibfehler.

Kompass, 2. Zeitzone: Uhrenfimmologisches

Meine alte SEIKO Quarz ist praktisch, die hat noch eine kleine zweite Uhr drin, die dann bei Flugreisen etwa die deutsche Zeit anzeigen kann. Wobei man sich nur merken muss, dass Deutschland im Vergleich zu Taiwan immer zurück ist (es also früher ist) und nicht später. Weil ich nun überlegt habe, was ich bei meinen anderen Uhren, die einen drehbaren Tauchring habe, damit anfangen soll, bin ich aber auf folgendes gekommen:

Man muss einfach die Abweichung zwischen Deutschland und Taiwan in Stunden auf dem Tauchring einstellen! Gegenwärtig Anfang Oktober herrscht gerade noch Sommerzeit (wohl bis 27.10., LINK), die Abweichung zwischen Deutschland und Taiwan beträgt dann 6 Stunden (normalerweise 7h, weil Taiwan GMT+8 hat und Deutschland GMT+1, aber im Sommer halt nur 6 Stunden). Also habe ich die Lünette, wie man den Tauchring auch nennt, auf 6 gestellt (siehe Pfeilspitze). Jetzt kann man nach der folgenden Formel die Stunden umrechnen: "Worauf der Stundenzeiger zeigt" x 2 und dann geteilt durch 10.
Die obige Uhr zeigt also 10 Uhr an, auf der Lünette steht die 20 an der Stelle und ergo ist es 4 Uhr in Deutschland.
Gut, bei 6 Stunden Abweichung ist das trivial, man müsste ja nur den Stundenzeiger gedanklich spiegeln auf dem Zifferblatt, dann käme man auch bei der 4 raus. Trotzdem geht mir diese Spiegelübung in der Hektik immer wieder mal schief, während das Rechnen immer klappt.

Auch in der Winterzeit ist es hilfreich, wenn die Abweichung 7 Stunden beträgt. Dann wäre es also erst 3 Uhr in Deutschland. Diesen Effekt erhält man tatsächlich, wenn man den Pfeil des Tauchrings auf die 7 stellt. Dann stünde die 15 des Tauchrings (also der Strich zwischen 10 und 20) am Stundenzeiger bei 10 Uhr Taiwanzeit, was also 15*2 / 10 = 3 macht. Hossa!

Klingt kindisch (räusper), ist aber ganz praktisch finde ich, insbesondere bei Winterzeit.

Naseweise Leute wenden jetzt ein, man könne ja auch einfach (10-6=4) ausrechnen. Aber erstens musste ich unbedingt einen Sinn für den Tauchring finden, hier auf dem Trockenen in Taipei und zweitens vergisst man leicht, ob die Abweichung nun 6 oder 7 Stunden ist. Und wenn es auf der Uhr eingestellt ist, sieht man es halt.

Supernaseweise Leute wenden jetzt ein, man könne ja auf den Tauchringpfeil gucken, würde dann wissen, ob die Abweichung 6 oder 7 Stunden beträgt und rechnet dann eben wieder 10-6 oder 10-7 aus. Aber irgendwie ist das viel zu einfach, wo ich nunmal diesen dämlichen, nutzlosen Tauchring habe. Hust. Lassen wir das Thema. 

Als McGuyver im Großstadtdschungel brauchen wir natürlich auch einen Kompass. Das geht so: Man hofft, dass einen Smog und Häuser die Sonne finden lassen. Dann hält man den Stundenzeiger auf die Sonne. Jetzt muss man noch wissen, ob oben im Bild gerade 10 Uhr oder 22 Uhr ist. Gut, weil man die Sonne sieht, ist es offensichtlich 10 Uhr morgens.  Dann stellen wir uns vor, wo der sog. GMT-Zeiger einer 24-Stunden-Uhr stehen würde. Bei der läuft das Zifferblatt ja von 0..24 und nicht von 0..12. Will sagen die Stundenstriche zählen jeweils für 2 Stunden. Dann stünde also der GMT-Zeiger (der 24-Stunden-Zeiger) auf der 5 im obigen Bild:

normale Anzeige (12h):
1  2  3  4  5   6   7   8   9  10  11  12          : Stundenstriche
24-h Anzeige:
2  4  6  8 10 12 14 16 18 20  22  24

... was man ja auf dem Zifferblatt abzählen kann. Und dann zeigt der GMT-Zeiger nach Norden, wenn man auf der Nordhalbkugel ist (sonst auf Süden). In Taiwan wäre also in Richtung 5 Uhr Norden (wenn man die Uhr die ganze Zeit still gehalten hat und Stundenzeiger auf die Sonne zeigt).

So findet man es jedenfalls auf dieser Seite speziell für die ROLEX Oyster Uhren: http://www.oysterinfo.de/ge/specials/kompass/
Geht aber auch ohne Rolex ;-)

So genug vom Uhrenfimmel.... man wird ja ganz tickerig.


Letzter Uhrenfimmel-Beitrag:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html



Mittwoch, Oktober 02, 2013

Taiwan-Expat schafft es auf SPIEGEL-Online

Eine (wohl ausländische*-) Mitarbeiterin einer taiwanischen Videoargentur, die Videoanimationen für Zeitungswebseiten und dergleichen herstellt (Next Media, vermutlich diese Seite: http://tw.nextmedia.com/) und sicher dem "Next Magazin" nahe steht, das ist Taiwan eine Mischung aus "Praline" (oder Neue Revue) und dem STERN ist (und dem wir hier im Blog u.a. den Blick in eine echte taiwanische Gefängniszelle verdanken: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html), hat ihre Kündigung vom Arbeitgeber, der sie mit langen Arbeitszeiten und wenig Raum für Kreativität traktierte, in einem mittlerweile sehr oft angeklickten Tanzvideo zelebriert: http://www.spiegel.de/karriere/ausland/youtube-kuendigungsvideo-von-marina-shifrin-a-925548.html

Lange Arbeitszeiten und wenig Raum für Kreativität klingen wie die Essenz des taiwanischen Arbeitslebens (mein eigener Arbeitgeber natürlich ausgenommen), in den Cubicals verbringt man eher 12 als 8 Stunden täglich und die Chefs tendieren manchmal zum Mircomanagement, bei dem sie die Angestellten zu stupiden "kleine Handgriffe"-Roboter degradieren. Tolles Video - und man sieht hübsch die Cubicals.

Wie fast immer ist Taiwan damit in deutschen Medien mal wieder als irgendwie verrücktes asiatisches Land präsent, was es vom deutschen Standpunkt in mancher Hinsicht sicher auch ist, aber eben nicht als die parlamentarische Demokratie mit entwickelter Zivilgesellschaft, die Taiwan eben vor allen Dingen ist. Wenn auch eine mit langen Arbeitszeiten.


*Vom Aussehen her, den angegeben Vornamen der Eltern (auf der pers. Webseite) und der aus-sich-heraus-gehenden Art der ganzen Präsentation tippe ich auf Expathintergrund. 


Weiterführendes

Taiwans Videoanimationen sind ein bisschen berühmt, hier werden sie diskutiert: http://newsfeed.time.com/2012/04/09/financial-woes-for-next-media-our-four-favorite-taiwanese-animations/

Auch solche Standbildanimationen sind wohl aus diesem Hause. Oft stellen da westlich aussehende Cartoon-Figuren Verbrechen in Taiwan nach, auch hier im Blog schon gezeigt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/08/heino-zwingt-taiwanesin-zu.html

Dienstag, Oktober 01, 2013

Heiter bis uhrig

Versuch einer Aufheiterung. Mit einer neuen "J.Springs" aus dem Seiko-Konzern. Für 78 Euro bei Ebay neu von einem polnischen Versender namens "Telkomshop" erstanden. Tolle Sache, auch wenn ich vorsichtshalber noch die 14.50 Euro für den Versand mit Tracking dazugenommen habe.

Die Uhr, das ist das Ding unter der Kaffeetasse, hat noch die Schutzfolie drauf. In Deutschland liegt der Normalpreis bei 120 Euro. Die Uhr wirkt recht solide und macht mit dicker Lünette einen auf sommerliche Taucheruhr. Freilich ist es keine, denn sie ist nur "100 Meter" wasserdicht und es fehlt z.B. eine verschraubte Krone, wie sie echte Diver haben. Die dicke Lünette ist hübsch (Ansichtssache), hat jedoch etwas Spiel (ist drehbar). Die nicht ganz dicht am Gehäuse abschließende Krone lässt mich denn auch zweifeln, ob die Uhr das Baden vertragen würde, trotz des maritimen Äußeren. Aber mitten in Taipei am Schreibtisch stört das weiter nicht. Sonst hat die Uhr Kristallglas und auch einen Boden daraus, was nicht so die solide Konstruktion ist, weil ein Kristallglasboden im Gegensatz zu einem Saphirglasboden natürlich Kratzer vom Metallband bekommen kann. Die Uhr hat klassenüblich keinen Sekundenstopp, d.h. der Sekundenzeiger läuft beim Stellen weiter und die Uhr ist auch nicht von Hand aufziehbar - sondern auf die Bewegungen des Handgelenks angewiesen. Sie läuft aber mit nur wenigen Sekunden Abweichung pro Tag, ein guter Wert für eine Automatik*. Insgesamt also ein faires Angebot für maritimen Look und Spaß am Handgelenk.

Seufz.

Okay, irgendwie wird meine Taiwan-Rückkehrdepression schon weggehen, habe ja noch mehr Uhren gekauft ;-)
Solider ist da die in Deutschland  angebotene Orient Deep Blue, auch eine Automatik, hier rechts im Bild mit der Pepsi-Lünette. Neu kostet sie um die 100 Euro in Deutschland. Die Uhr ist auch aus dem Seiko-Konzern, ähnlich gebaut, hat aber eine sicher drehende (wenn auch etwas schwergängige) Lünette, eine verschraubte Krone und ist bis 200m wasserdicht, also auch schwimmgeeignet. Habe mir für 56 Euro da noch mal ein Exemplar gebraucht gekauft, nachdem es meine schwarze Variante (Black Mako genannt) auf den Fliesen zerdeppert hatte. An Lederband mit blauer Lünette habe ich sie auch noch mal (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/01/uhrentickticktick.html).

Was meinen Sie? Einen Uhrentick hätte ich? Ach was, ih wo...

Hmmm... vielleicht wären stimmungsaufhellende Medikamente doch besser oder billiger. Aber von denen liest sich die Uhrzeit so schlecht ab ;-)



Ähnliche Artikel:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/die-menschen-mussen-gewarnt-werden.html (vor dicken Uhren)
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/chinauhr-315-euro.html (mittlerweile entsorgte Chinauhren)


*Man hört immer wieder von Quarzuhrfreunden, die nicht wissen, was eine Automatik ist und sich dann wundern, wenn die neu gekaufte Uhr einfach stehen bleibt auf der Kommode oder die schimpfen, wenn sie am 30. auf den 31. springt, obwohl der Monat nur 30 Tage hat. Eine Automatik ist also rein mechanisch und zieht sich durch Handbewegungen auf. Gangreserve beträgt 40 Stunden bei den meisten Markenuhren, wenn voll aufgezogen.