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Donnerstag, November 12, 2020

Nicht vergessen...

 ... auf den Verkehr zu achten. Taiwan ist sehr sicher in Sachen Kriminalität und wohl der einzige Staat der Erde (von winzigen Inselreichen vielleicht abgesehen), der kein grassierendes Covid/SARS2/Corona hat. Aber dass der Straßenverkehr immer noch mörderisch ist, sollte man nicht vergessen.

Früherer Kindestar wird auf dem Scooter sitzend (als Mitfahrer hinten) von einem der Blue-Trucks getötet, der einfach durch das Paar auf dem Scooter durchrast mit Afffenzahn: Link zum Artikel mit Video.

Und eine spanische Touristin fährt auf einem Scooter und wird von einem Blue Truck im Gegenverkehr aus unbekannen Gründen getötet. Der blaue Leicht-LKW zog einfach quer über die Straße rüber zu ihrem Motorrad, obwohl es dafür keinerlei logischen Grund gab. Link zum Artikel.

Auch ich hatte neulich einen "Close Call", wenn auch mit meinem roten Kleinwagen und der Blue Truck war einer der großen. Wollte einach nicht anhalten, als er vom Grundstück in den Verkehr einfädelte.

Taiwahnsinn bleibt, auch wenn die Corona-Politik gut ist. Was hier am Steuer von Lieferwagen und LKWs sitzt, hat nur wenig mit einem rational handelnden, ausgebildeten und zurechnungsfähigen Fahrzeugführer gemein.

Mal wieder ein (fundierter) Taiwan-"Rant". Over and out bis die Raketen aus China einschlagen, möchte ich gequält scherzhaft sagen in Anbetracht der Drohungen aus der VR-China.

 



Mittwoch, Oktober 30, 2019

Saga um geflüchteten Unfallfahrer Zain D. kommt zum Ende

Das Ende einer langen Saga

Die Geschichte um die Auslieferung des Unfallfahrers Zain D., einem Briten pakistanischer oder indischer Herkunft, hat nun offensichtlich ein Ende erreicht, wie diesem Artikel (Link Focustaiwan) zu entnehmen ist.

Um es kurz zu rekapitulieren, D. hatte im Jahre 2010 in Taipei offenbar einen Motorrollerfahrer getötet, als er stark betrunken den Roller von hinten mit seinem alten Mercedes angefahren hat. Der Fahrer des Rollers, der offenbar der einzige Brotverdiener einer hiesigen Familie war, wurde dadurch getötet. Zain wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt nach einem Prozess, der viele Fragezeichen über die faire Behandlung von Ausländern hier und über die Verbindungen der Polizei hin zum organisierten Verbrechen aufgeworfen hat. Mein letzter Artikel dazu ist hier: https://osttellerrand.blogspot.com/2018/03/ist-er-immer-noch-im-knast.html

Zain D. entzog sich der Haft durch Flucht und war längere Zeit in der Schweiz und in Schottland untergetaucht, ohne dass irgendjemand sein Fehlen bemerkt hatte in Taiwan. Kurze Zeit, nachdem dieses Blog hier damals die Frage gestellt hatte, was aus Zain D. geworden sei (damals wurde das Blog ja noch gelesen), ging dann eine große Suche nach ihm los und am Ende wurde versucht, ihn von Schottland nach Taiwan ausliefern zu lassen, was nun endgültig gescheitert ist. Nichtsdestotrotz hat Zain D. 2 Jahre und 10 Monate in Haft gesessen, wenn auch in Auslieferungshaft in Schottland.

Ich denke, der Fall Zain ist interessant für Ausländer in Taiwan, denn er offenbart meiner Meinung nach folgendes:

1. Ausländer stehen bei Vergehen oder gar Verbrechen sehr viel stärker im Fokus der Inselaufmerksamkeit, bis hin zum nationalen Spektakel.

2. Hat man wie Zain D. in diesem Fall Interdependenzen zum organisierten Verbrechen, kann das über die Verbindungen des selbigen zur Polizei Nachteile bedeuten. So wurde das ermittelnde Polizeirevier von den Banden geschmiert, die auch den zweiten Verdächtigen in diesem Fall als Parkwächter o.ä. angestellt hatten.

3.Ausländer werden in der Regel über Entschädigungszahlungen weit mehr zur Kasse gebeten als Einheimische.

4. Die Öffentlichkeit in Taiwan reagiert sehr stark auf Berichterstattung von Vergehen von "Weißen" in Taiwan. Sonst wäre der Fall damals nicht monatelang fast in der Endlosschleife in den Nachrichten gekommen. Und die anfängliche Herzlichkeit der Taiwaner uns "Bignoses" gegenüber ist spätestens nach diesem Fall einer gewissen Skepsis gewichen.

5. Einzelne Ausländer können etwas verändern in Taiwan! Zain D. verdanken wir immerhin die biometrische Erfassung von uns Bignoses bei der Einreise und Ausreise, damit niemand wieder mit einem geborgten Pass die Insel verlässt - wie damals Zain D.


++++++++Eigenwerbung+++++++++++++++
Ludigel blogt wieder, als Gegenpol zum
Romaneschreiben, das ihm oft Alpträume
beschert. Die Leute wollen's halt verrückt und
brutal. Co-Produktion mit anderem Autor.
Weird stuff. Holy shreck.

https://www.amazon.de/irre-Chirurg-Wahnsinnigen-Geschichten-Versklavung-ebook/dp/B07YMPG9VH/ref=sr_1_1?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&keywords=der+irre+chirurg&qid=1572409796&sr=8-1

Dienstag, April 17, 2018

Vrooom vroooom


Fast scheint es so, als würde unser kleiner roter Nissan Micra (hier March genannt) in einer Reihe mit einem ebenfalls roten Tesla SUV (mit dem Stromverbrauch von 6 Dörfern in den Karparten) und einem coolen blauen Ford Mustang an der Ampel stehen, um bei Grün auszutesten, wer die meisten PS unter der Haube hat. Na, der Nissan mit seinen 99 PS wird es nicht sein.
Tatsächlich steht der Nissan aber nur brav auf einem Bezahlparkplatz geparkt, während Oberklasseautos wie der Mustang fast immer frech an den roten Linien im absoluten Halteverbot geparkt sind. Gerade in so Nobelvierteln wie hier eben. Nobelviertel sind alle die, wo keine vergammelten Plattenbauten sind. Offenbar sind Taiwan-Cops wesentlich vorsichtiger ein teures Auto abschleppen zu lassen als ein billiges. Könnte ja  sein dass der Besitzer Verbindungen hat, etwa in die Politik, von anderen Dingen ganz zu schweigen. Habe hier schon zweimal davon gelesen, dass Polizisten Probleme gekriegt haben, weil sie Politiker wegen Trunkenheit am Steuer bzw. Geschwindigkeitsübertretung belangt haben. Die Meldungen sind aber schon lange her. Sicher ist das nicht mehr so und Leute mit teuren Autos sind einfach nur mutiger, trotz der ständig umher fahrenden roten Abschleppwagen, die mit Polizisten auf dem Beifahrersitz an Nebenstraßen erster Ordnung wie hier und Hauptstraßen sofort zugreifen und abschleppen. Bei einem falsch geparkten Nissan March etwa...

Donnerstag, April 12, 2018

Now wait a minute...

Ein Parkplatz in Taipei...

Gut, hier ist eine alte Durchgangsstraße zum Parkplatz umgebaut worden und möglicherweise haben sich alte und neue Markierungen überlagert. Dass man das einfach so stehen lässt zeigt sicher die viel laxere und oft unüberlegte Art, wie hier Fahrspuren angelegt sind. Und Kreuzungen designt und Ampeln aufgestellt und und...

Donnerstag, März 29, 2018

Taiwans Ausländersuperstar Z.D.: ...... Ist er immer noch im Knast?

Das Verfahren um den britisch-pakistanischen mutmaßlichen Todesfahrer Z.D. hat im Prinzip das Verhältnis zwischen Ausländern und Taiwanern definiert - jedenfalls hier auf der Insel Formosa. Der Unfall war schon 2010. Was also wurde aus Z.D.?

Rückblende:

2010 betreibt Z.D. in Taipei eine kleine Computerfirma, die sich wie in Taiwan ziemlich üblich als taiwanische Zweigstelle eines US-Konzerns ausgibt. Jedenfalls landete Google immer nur bei der Taiwanfirma, nie in Übersee. Hier verwendete er wie jede andere kleine Computerbude in Taiwan auch offenbar falsche oder gar keine Microsoft-Lizenzen für die Computer. Aber darum geht es nur am Rande. Außerdem fuhr er mit einem damals schon alten Mercedes der E-Klasse zu einem Besäufnis in einer "Puff"-Karaoke-Bar, wo er sich komplett von seinen taiwanischen Trinkkumpanen abfüllen ließ, bis er nicht mehr laufen konnte. Offenbar hatte er auch schon ein PKW+Alkohol-Vorproblem gehabt. Wie dem auch sei, ein Abgestellter der Puffbar hat Z.D. dann zumindest in Richtung seines Zuhauses gefahren. Ein Foto einer Kreuzungskamera zeigt Z.D. auf dem Beifahrersitz und den Angestellten am Steuer.

Während der Fahrt kam es dann zur für einen Motorollerfahrer tödlichen Kollision mit dem zeitungsaustragenden Mann. Der Mercedes fuhr weiter und Z.D. gab zu ihn - angeblich ohne Wissen von dem Unfall nach Übernahme des Steuers volltrunken vor der Wohnung - im Parkdeck seines Wohnblocks geparkt zu haben.

Recht schnell fand ein pensionierter Polizist den bei einem Schrotthändler stehenden beschädigten Benz und in der Folge ging nun eine beispiellose taiwanische Massenhysterie los, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Der Medienhype in Taiwan war ähnlich als man es bei der Landung von Aliens (in bunten leuchtenden Kostümen, mit drei Köpfen und sechs Geschlechtsteilen) erwarten könnte. Eine TV-Endlosschleife von immer dem selben Film im Fernsehen und eine beispiellose Vorverurteilung. Und das, obwohl er noch ziemlich unschuldig aussah anfangs.

Später sah es dann weniger gut aus für ihn, auch wenn die Verquickung von Mafia mit der Puffbar UND dem ermittelnden Polizeirevier (über Bestechungsgelder) und eben die Vorverurteilung einen fairen Prozess unmöglich machten meiner Ansicht nach.

Mein letzter Blogartikel dazu (den ich noch finden kann):
https://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Hier ist auch alles noch mal im Detail zu lesen.

Unfallfahrzeuge etc.: https://redbrickdaily.com/zain-dean-might-not-be-coming-back-to-face-the-music/

Ich merkte damals, dass die vorher uns "weiße" Ausländer an-hallo-enden Taiwaner ("where you from", "welcome to Taiwan", "can you teach my kids English") mir plötzlich öfter mal böse Blicke zuwarfen und mich im Vorbeigehen gar angrummelten. Später normalisierte sich das ganze zu eben normaler Nichtbeachtung, wie in anderen Ländern auch. Und wir bekamen Bio-Scanner an der Grenze, die nur für Ausländer sind. Weil Z.D. nämlich mit einem geliehenes Pass und weißer Schminke die Fliege gemacht hatte und über die Schweiz nach Schottland geflohen war zwischenzeitlich. In Taiwan hatte er erst 18 Monate Haft und dann in Berufung sogar 4 Jahre bekommen. Scheinbar hatte er keine Lust auf eine 4x4-Zelle mit 20 Leuten drin, wie sie in Taiwan üblich ist. Hier kann man eine Taiwanzelle sehen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html

In der Endlosgeschichte stellte Taiwan nun einen Auslieferungsantrag an Großbritannien, wo dieser den schottischen High Court, das schottische Supreme Court und das Auslieferungsgericht in Edinburgh beschäftigt. Bis heute. Wie ist also der Stand?

Zum Schluss ging es nur noch darum, ob Z.D. eine menschenwürdige Unterbringung im Taiwan-Bau ermöglicht würde. Taiwan sicherte in der Folge ein Extrazimmer mit Dusche, Duschvorhang, frischen Handtüchern und eigenem Baseballplatz (aber ohne Baseball) zu. Außerdem sicherte man ausgesuchte Ausländer mit guten Manieren als Umgang zu, die ihn anständig behandeln würden.

Allerdings fand das Verfahren mit dem immer noch im Knast sitzenden Z.D. Ende September 2017 sein scheinbares Ende, als die Auslieferung wohl endgültig abgelehnt worden ist. In dieser Sache!
Flugs stellte nämlich Taiwan den Auslieferungsanstrag erneut, diesmal wegen Behinderung der unfehlbaren (s.o.) taiwanischen Justiz. Ergo bekam der mittlerweile 3 Jahre im schottischen Gefängnis sitzende Z.D. zwar Bewährung wegen des ersten Delikts (Todesfahrt), wird aber immer noch in Haft gehalten wegen des neuen Auslieferungsanstrags. Und Taiwan droht an, immer wieder neue Anträge zu stellen, bis.... ja bis er wohl an Altersschwäche gestorben ist.

Irgendwie hat man den Eindruck, dass die schottische Justiz auch irgendein Hühnchen mit Herrn Z.D. zu rupfen hat. Nächstes Update in 10 Jahren.

Zur relativ aktuellen Lage:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201609230033.aspx

Montag, November 06, 2017

Verkehrschaos...(umfallende Fußgängerin, Fast-Unfall...)

Kurznotizen


Ludigel holt mit dem Auto Frühstück, fädelt sich locker vom Kurvenparkplatz a la Taipei wieder in den Verkehr ein, muss scharf bremsen weil vor ihm ein Minivan plötzlich dreht. Mitten auf der vielbefahrenen lokalen Hauptstraße. Auch noch auf dem Zebra-Streifen, fällt mir auf, während ich warte und nervös in den Rückspiegel gucke, ob mir gleich jemand hinten rein fährt. Das fast neue Auto ist da von hinten schon ein bisschen "taiwanifiziert" durch meine Mitverkehrsteilnehmer.

"Gut, ein Zebrastreifen ist hier eh bedeutungslos", denke ich noch so. Da sehe ich, dass ein Mann mit Kleinkind auf dem Arm vom wendenden schwarzen Minivan verdeckt ist und verzweifelt versucht, diesem auszuweichen. Flott dreht der Minivan, der Fußgänger mit Kleinkind bringt sich durch einen Hechtsprung nach Vorn in Sicherheit. Sicherheit? Denkste! Damit springt er vor einen PKW, der gerade auf der anderen Straßenseite versucht um den wendenden Minivan herum zu fahren. Mir stockt der Atem, das Herz setzt kurz aus, als der Mann vor der Motorhaube eines silbernen Mitsubishi-Schlicht-SUV landet. Der kann bremsen, aber der Vater mit Kind muss einen Satz rückwärts machen, um der Stoßstange zu entgehen. Sicher erreicht er schließlich den Bürgersteig und wir alle fahren weiter als sei nichts gewesen. Zuhause freut sich Frau über den Sweet-Bun mit Schinken a la Hong-Kong-Style. Der ältere Herr im neuen Frühstückslokal redet immer beruhigend auf mich ein und klopft mir beruhigend auf die Schulter, wenn ich gestresst vom parkplatzlosen Verkehr hinein haste um Samstags und Sonntags das Frühstück zu holen.

 Altes Foto aus Taipei, hat nichts mit dem hier beschriebenen zu tun. Taiwaner denken nicht so viel im Verkehr, auch nicht bei der Deko am Auto.

Am Abend zuvor waren wir in der Stadt beim chin. trad. Arzt. Dort fertig standen Frau, Junior und ich auf dem fast von Mopeds zugeparkten Bürgersteig und warteten auf das bestellte Taxi. Zwischen uns und dem Handygeschäft mit den vielen jungen Frauen und den iPhones an der Wand ist wegen der Mopeds kaum noch Platz für die zahlreichen Fußgänger, die über das nasse glatte Fliesenflaster hechten. Ich ziehe Junior zur Seite damit eine Frau in den 60ern oder End-50ern die volle Durchgangsbreite zwischen Haus und Mopeds hat und wir stehen eingekastelt zwischen den Mopeds mit meiner Frau. Da bleibt die ältere Dame genau neben uns stehen und zieht ein Smartphone aus der Tasche. "Ah, will auch ein Taxi", denke ich noch. Da sackt sie in einer fließenden Bewegung zusammen. Flüssig wie Wasser, als würde sie das täglich machen. Sie liegt auf dem Rücken, die Augen leicht auf. Gesunde rosige Gesichtsfarbe. Gleichmäßige Atmung, wie ich mich vergewissere. Die Hände gefaltet mit dem Handy auf dem Bauch. Frau eilt hin. Ich halte mich lieber im Hintergrund. Warum fragen nur Newbies. Sie ist nicht ansprechbar. Wir holen einen Krankenwagen. Der ist schon fünf Minuten später da. Frau hat noch Angehörige der Dame mit dem Handy angerufen. Ein Polizist kommt im Schlepptau der Ambulanz, die die Dame einlädt mit der Trage. Der Polizist befragt Frau und einen älteren Herrn und eine Dame aus dem Handyladen. Wir werden entlassen und düsen mit dem Taxi davon.

Jetzt folgt das interessante Warten: Kriegen wir eine Schadensersatzklage fürs Helfen die nächsten Tage? Eigentlich empfiehlt man in Taiwan bei Unglücken nicht zu helfen, wenn man nicht selbst involviert ist, da Taiwaner die Tendenz haben, Unfallhelfer z.B. wegen unsachgemäßer Hilfe zu verklagen oder ihnen gar zu unterstellen, den Unfall verursacht zu haben.

Aber wenn, dann gibt das auch wieder einen interessanten Blogartikel. Man darf gespannt sein.

Montag, Juni 12, 2017

Ludigel hinterrücks angegriffen in Taipei (Auflösung)

Angriff auf meinen Hinterkopf. Was steckt dahinter?

Gestern Nähe NeiHu, Taipei. Ich hatte gerade auf einem Schulhof ein bisschen Sport getrieben - sehr ungewöhnlich für mich - und meine Frau war prompt beleidigt mit Junior abgedampft (versuchend ein Taxi zu nehmen, aber später feststellend, dass sie kein Geld dabei hatte und vergebens eine Stunde mein versehentlich auf Nicht-Stören gestelltes Handy anrufend), da ging ich noch schnaufend eine ruhige Seitentraße Richtung Parkhaus lang. Ein Hof hatte dort viele schöne Bäume und die Baumkronen spendeten auch auf der bürgersteiglosen Fahrbahn angenehmen Schatten - da passierte es! Irgendetwas traf mich mit Schmackes am Hinterkopf! Hatte mich ein erzürnter Taiwaner (Frau? Jemand anders) von hinten mit irgendetwas über den Kopf gehauen? Fühlte sich etwa so an, als ob jemand einen Stapel gebürgelter Oberhemden vom 2. Stock auf einen wirft. Verblüffend, aber nicht wirklich unangenehm. Ich drehte mich um und sah den Angreifer. Wer war es?

A) Hatte meine Frau mich doch noch gefunden und ihre Handtasche geschleudert?

B) Hatte ein tätowierter LKW-Fahrer sein Anrecht auf seinen Stamm-Parkplatz gegenüber einem unverschämten Fussgänger mit dem Wurf der Aufputschmittel-Flasche (eingewickelt in die Morgenzeitung) verteidigt?

C) Etwas ganz anderes?

Update später, Mutmaßungen bitte in den Kommentaren.

Seid Vorsichtig. It's a Jungle out there.

Und die Auflösung: Als ich mich umdrehte sah ich ... gar nichts. Kein Wurfgeschoss am Boden, kein Mensch in der Nähe. Ich hatte anfangs tatsächlich gedacht, die im Straßenverkehr sehr leicht erregbaren Taiwaner hätten mich als Ziel einer Attacke ausgesucht, immerhin bewegt man sich in Taiwan als Fußgänger gegenüber PKW-Fahrern auf dünnem Eis. Einmal hatte mich eine Frau mit ihrem New Beetle regelrecht weggeschupst, als ich wie auch hier auf bürgersteigloser Straße unterwegs war. Ich musste zur Seite springen, als das am Fressstand anhaltende Auto einfach dort hin fuhr, wo eben noch meine Füße waren. Und einmal wollte mich ein mich ursprünglich zuparkender PKW-Fahrer einfach mit seinem Auto überfahren, als ich ihn wegscheuchte und selbst einparkte - kaum dass ich aus dem Auto ausgestiegen war. "Bist Du jetzt wieder einem Autofahrer im Weg?" fragte ich mich und dachte schon, er habe die Morgenzeitung geworfen oder etwas. Aber keine Zeitung war da und auch kein Auto weit und breit abgesehen von schon parkenden.
Meine Frau war es auch nicht, niemand war da ;-)

Dann dachte ich mich müsste jemand aus den Fenstern der Mietshäuser beworfen haben, aber ich war durch Baumkronen zu gut geschützt. Baumkronen! Da ging mein Blick nach oben. Da saß ein großer  Vogel mit grauem Federkleid mit weißen Sprenkeln, einem langen roten Schnabel und sah mich ziemlich wütend von hoch oben an! Das Tier war etwa katzengroß! Mir war sofort klar, dass Brutzeit sein musste und er wohl sein Nest verteidigte und mich als Bedrohung wahr genommen hatte. Ich war ihm gleich dankbar, dass er weder seine langen roten Krallen noch seinen langen roten Schnabel benutzt hatte, sondern mich nur fast sanft mit seiner weichen Unterseite weggedrückt hatte. Amüsiert zeigte ich ihm das "das war Spitze"-Symbol mit dem Daumen und gratulierte ihm zum gelungenen Überraschungsangriff. Dann ging ich meiner Wege - auch wenn ich mich vorsichtshalber noch mal umdrehte.

Vermutlich war es dieser Vogel (dessen blaues Ferkleid je nach Licht auch durchaus grau wirken kann): https://en.wikipedia.org/wiki/Taiwan_blue_magpie

Da kam mir der Gedanke, dass der vernunftbegabte Mensch in den Gassen Taipeis ein viel unangenehmerer Umgang ist als so ein Federvieh ;-)

Montag, Mai 22, 2017

Irgendwo gibt es einen Spielplatz für Dich (Verkehrstod eines Kindes)

Der Nachbarschaftstratsch meldet den Verkehrstod eines kleinen Kindes, etwa 50 Meter max von meiner Haustür in NeiHu, Taipei, Taiwan.

Wir wohnen seit meiner Rückkehr nach Taipei im März in einer Mietwohnungsanlage, die zu den besseren der oft slumartigen Wohnblöcke bei uns in der Gegend gehört. Ein sehr breiter Bürgersteig ist bei uns vorm Haus, richtig eine Oase an der lokalen Hauptstraße. Und Grün gibt es bei uns im Innenhof.
Gehe ich aber 30 Meter nach links, fängt eine Budenzeile aus zeltartigen Verkaufsstellen an. Die schlimmsten sind schon weg. Seit sich die Verkehrspolizei bei uns seit zwei Jahren oder so für Falschparker interessiert und man immer wieder Polizisten auf Mopeds sieht, verschwand auch die Horrorbude unter den Verkaufsstellen. Das war ein düsteres stinkendes Zelt, in dem braungrün-verklebte Hühner in Käfigen vor sich hin schimmelten und einen entsetzlichen Gestank verbreiteten und ihre blau angelaufenen Leichenteile ungekühlt in der Sonne auf einem Tisch schmorten. Alte Frauen sahen sich interessiert die abgehackten Beine samt Krallen an und nickten dazu einfrig, während sie die Münzen aus ihren Geldbörsen holten. Lange Jahre war der Bürgersteig eklig schmal und so hielt ich meist die Luft an, wenn ich dort vorbei ging.



anderer Fall, selbe Ladenzeile: reglose Frau, Unfallfahrer beim Fotografieren

Heute ist der Bürgersteig verbreitert und der Horrorstand weg. Aber es gibt immer noch die Fischverwesung gleich neben an, wo in der prallen Sonne und Abgasluft direkt auf Auspuffhöhe Fische mit etwas Eis vor sich hin stinken. Dort an dem Fischstand war immer eine ganze Familie versammelt, die den etwa 2 Meter breiten Bürgersteig (gleichzeitig illegal Parkstreifen für Autos, Mopeds und quer gestellte Fahrräder) zu ihrem Spielhof erklärt hat. Wohl drei Kinder im Alter von 2-5 oder dergleichen spielten dort mit Wasserbecken aus Styropor, sowie die Fische raus waren, fuhren Dreirad uns spielten Ball. Direkt an der Fahrbahn, wo an der viel befahrenen Straße Autos mit eher 50 und 60 als den auf die Fahrbahn gemalten 30 durchfahren. Oft ging ich dort lang und dachte: "Wie gefährlich!" Wenn so ein Kleinkind mit dem Dreirad nah an den Fahrbahnrand fährt und die ganze Familie vor sich hin grinst und die Fische wäscht. Oder Radio hört. Handies hatten sie in der Familie wohl mal nicht, an denen man sonst in Taiwan die dreiviertel Lebenszeit seit 2010 verbringt. Aber irgendwie geht es immer gut. Denkt man. Die Kinder drehen brav am Bordstein um, die kleinen Kinderfüße hören auf Richtung Fahrbahn zu watscheln. Entweder von selbst oder die Großmutter kommt doch mal angerannt, um den falschen Richtungsvektor von Tod hin zu Überleben zu verstellen. Sprich das Kleinkind neu auszurichten, dass es auf die Bude zuläuft statt auf die Fahrbahn. Dann wieder Radio. Fische waschen. Vor sich hin lächeln. Ein einziges Mal habe ich vorbei gehend ein Kind blockiert, das Richtung Fahrbahn unterwegs war. Aber ich gehe nur im Sekundentakt da vorbei. Achte mehr wo ich hin trete als auf anderer Leute Kinder. Schließlich legen sie an der vorderen Fressbude ihre glatten Kochbleche aus den Öfen in die Gosse, stellen den Bürgersteig zu und bei Regen habe ich das spiegelglatte Blech einmal nicht gesehen und hätte mir fast den Hinterkopf aufgeschlagen, so sehr bin ich hingesegelt.

Man darf parken. Überall.

Taiwan wie es leibt und lebt. Und den Ausländer Ludigel auskichert, wenn er dort essen kaufen muss. Etwa, in dem man ihm einen falschen Preis nennt - absichtlich - und dann noch einen und noch einen und sich freut, dass alle Gäste mitlachen. Dann bin ich ein Jahr nicht mehr hin. Heute hat die Garküchenentertainerin selber kleine Kinder, die jetzt auch begroßmuttert auf dem kleinen Bürgersteig herum rennen.

An der Ecke ist vor ein paar Jahren eine alte Frau überfahren worden an der Fußgängerampel. Ich fotografierte den Fahrer, der die reglos daliegende Frau fotografierte und er sah mich böse an.

Nun ist eines der Kinder tot, vom Auto überfahren. Ich weiß nicht von welcher Bude. Aber dies Wochenende spielten dort mal keine Kinder. Doch als ich in unsere Straße einbog, brachte ich meinen Wagen komplett zum Stehen. Denn zwei kleine Kinder spielten direkt an der Fahrbahn in der Kurve, gerade noch auf dem abgesenkten Bürgersteig. Während die Eltern auf Einlass ins italienische Restaurant warteten und angestrengt aufs Handy guckten.

Donnerstag, Mai 04, 2017

Autofahren...

Der Artikel "Autofahren in Taipei", der auch das Umland mit einschließt ist vielleicht nicht ganz perfekt bebildert. Unten ein Bild allerdings aus Changhua, das die öfter vorkommenden nervigen Situationen in Taiwan ganz treffend beschreibt.

In engen Gassen oft Millimeterarbeit im Dauerstau leisten und dabei auf mit hoher Geschwindigkeit regelfrei heranpreschende Motorroller achten ist eben oft der Alltag in Taiwan. In Changhua, das mir noch viel voller und enger als Taipei vorkam, ist das wohl Dauerzustand. Hier bin ich allerdings nur Passagier gewesen.

Mit unserem neuen kleinen Nissan March aka Micra fahre ich in Taipei allerdings die Tage recht unbeschwert durch die Gegend. Das etwas über 1,60m breite Autochen passt halt viel besser durch enge Gassen als unser alter Volvo XC60, der es immerhin auf etwa 1,90m brachte. Sparsam ist der Nissan-Kleinwagen mit etwa 10 Litern Verbrauch auf 100km Stadtverkehr allerdings nicht gerade. Mit seinem 1,5-Liter 99 PS-Motor ist er aber auch kein Sparauto. Das Automatikgetriebe ist Drehzahlhungrig und schaltet beim kleinsten Pedaldruck sofort runter und der Motor ermuntert mit aggressivem Jaulen zum Beschleunigen, was er auch recht eindrucksvoll tut, wenn man dem nachgibt. Immerhin ist der Nissan deutlich sparsamer als der Volvo, der bei gleichem Verkehr 15 Liter geschluckt hat. Auch die Käufer des Volvo (Schwester Nr. 4 von Frau) klagen jetzt über hohen Verbrauch. So ein 245 PS-SUV ist eben doch kein Sparmobil.

Wieviel Spaß das Autofahren in Taipei macht muss jeder selber wissen. Am meisten vielleicht beim Kauf eines Lederüberzugs für das etwas harte Lenkrad. Junior wollte mich noch am Foto hindern und erwähnte die gerade den Volantüberzug aussuchende Mutter. Ich muss ihm noch mal erklären, dass das Recht der Blogleser auf wirklichkeitsgetreue Abbildung von Taiwan natürlich vorgeht.

Hier sollten hilfsbereite Bignoses sofort als mobiles Rollkommando zur Tat und Hilfe schreiten!


Ich vermisse im 14. Jahr Taiwan den Mitsubishi SUV meines Vaters, der jetzt einsam in einer niedersächsischen Kleinstadt in der Garage steht und auf den dortigen Straßen weniger als 9 Liter verbraucht hat. Auf den fast ausgestorbenen Straßen Niedersachsens.
Wie lange ich das hier alles noch angucken muss oder will? Wir werden sehen.

Dienstag, April 18, 2017

Autofahren in Taipei (Update 3)

Eine fiktive Autofahrt. Das was dabei passieren kann, ist hier reichlich erzählt. Auf einer realen Fahrt werden je nach Länge oder Dauer natürlich nur 1 bis 5 solcher besonderen Vorfälle normal sein. Und ein Taiwaner würde das meiste davon wahrscheinlich nicht einmal für erwähnenswert halten.

Taiwaner stehen nicht gerade Schlange, um die Meinung von Ausländern zu ihrem Herumeiern aka "Straßenverkehr" zu hören

Es fängt an mit dem Ausparken. Schon das kann in den engen oft zugeparkten Gassen Taipeis zum Abenteuer werden. Gerade wenn man ein taiwantypisch eher dickes Auto fährt, weil so ein SUV im aggressiven Gedränge und Geschiebe vielleicht Sicherheit versprechen soll. Unseren letzten gemieteten Parkplatz haben wir aufgegeben, weil er oft zugeparkt war oder die Gasse so schmal war, dass der dicke Volvo kaum raus kam, wenn gegenüber noch jemand am Straßenrand stand. Einmal wurde ich auf Englisch beim Hupen-bis-der-Zuparker-kommt gefragt, wieso ich da überhaupt parke. Auf meinem gemieteten Parkplatz. Als Nichtasiate bin ich natürlich gleich ein parktechnischer Fremdkörper, kann kein Eigentum am Parkplatz auf dem Boden der Republik China aka Taiwan haben. Ich erklärte damals dem Frager genervt zu nächtlicher Stunde, dass das ganze Land Taiwan mir gehören würde: "This is my country!" Woraufhin er schnell verschwand. Man will eben nachts keine Soziokulturellen Diskussionen führen beim Ausparken. Einmal, beim Einparken auf den Familienparkplatz bei Schwiegermutter etwa 100 m entfernt. wollte mich ein von mir weggehupter Autofahrer mit seinem Auto hinterher überfahren, als ich aus dem Auto gestiegen war. Ich hatte vielleicht etwas zu viel gehupt und war auch nicht gerade freundlich. Der junge Mann eierte solange mit seinem Auto vor und zurück und versuchte mich zu erwischen, bis ich das Handy zückte. Auch meine Frau stand einmal vor einem uns dort zuparkenden alten BMW, dessen Fahrer mit aufjaulendem Motor so tat, als wolle er sie überfahren. Taiwaner regen sich im Verkehr immer leicht auf. Heute bin ich immer besonders freundlich zu den Leutchen und bedanke mich drei- und viermal. Wir sind ja nicht beim Straßenkampf in Aleppo.




Heute fahre ich mit dem Kleinwagen der Marke Nissan aus der Tiefgarage schräg gegenüber aus dem Autolift. Dann geht es bis zur Hauptstraße etwa hundert Meter durch schmale Wohnstraßen, die natürlich keinen Bürgersteig haben. Hier könnten mir alte Leute plötzlich vor den Wagen laufen, die irgendwo zwischen zwei geparkten Wagen hervor kommen und ohne zu gucken die Fahrbahn betreten und dann oft im Slalom dort herum laufen. Kinder tun das eher selten, Senioren bei uns im Viertel recht oft. Oder ein Moped prischt plötzlich aus einer der kleinen Seitengassen, die natürlich immer zugeparkte Kurven haben und schert ohne zu gucken vor meinen Kühler ein. Immer bremsbereit sein. Taiwaner fahren sehr viel rasanter durch diese engen Gassen als ich es tue. Aber die würden auch nicht zum landesweiten TV-Spektakel, wenn sie einen Unfall haben. Wie es Ausländern schnell passieren kann in Taiwan. Und die sich im Todesfall plötzlich Forderungen in Hunderttausenden US-Dollar gegenüber sehen würden. Unter sich verhandeln die Familien in Taiwan in der Landeswährung Taiwandollar (1:30 etwa), aber bei Ausländern schalten sie auf höhere Summen und damit US-Dollar, weil sonst die Nullen einfach zu viele werden. Der Fall "Zain Dean" kann hier als Beispiel dienen. Dean sah anfangs noch recht unschuldig aus nach einem tödlichen Unfall, wurde aber sofort landesweit gravierend vor-verurteilt, so dass kein faires Verfahren mehr möglich war.



Bin ich nun glorreich auf der Hauptstraße, dann muss ich damit rechnen, dass stets Motorrollerfahrer schnell und aggressiv um mich herum fahren, mir dabei fast den Kühler abrasieren. Insbesondere vorne an der Ampelkreuzung, wenn diese Grün zeigt. Dann kommen die Motorroller von rechts aus einer ampellosen (!) Einmündung geschossen, mir direkt vor den Kühler um nach links oder geradeaus über die grüne Ampel zu schmirgeln. Und Vorfahrtsregeln gibt es ja auch nicht in Taiwan. Außer einem irgendwie "große Straße vor kleiner", das in Praxi zu "mutig vor feige" geworden ist.



Brav fahre ich immer über die Fahrspur mit dem Geradeauspfeil, wenn ich greadeaus fahre. Neben mir wird aber die Linksabbiegespur auch als Geradeausspur benutzt. Richtungspfeile haben nur Vorschlagscharakter in Taiwan. Gerade Piloten dicker SUVs schneiden einem gnadenlos vor den Wagen, um trotzdem geradeaus über die Kreuzung zu fahren. Einmal auf einem Expressway angekommen - also einer Schnellstraße - fließt der Verkehr deutlich ruhiger. Weil die Motorroller jetzt fehlen, die hier nicht mehr fahren dürfen. Es gibt allerdings ein paar Leichtmotorräder mit gelbem und ein paar schwere Maschinen mit rotem Kennzeichen von denen manche einen Motorroller-artigen Fahrstil mit auf-der-weißen-Linie-in-der-Mitte-fahren und auf-dem-Standstreifen-überholen in den Verkehr bringen. Aber das sind nur wenige. Grundsätzlich hängt man dem Vordermann dicht auf der Stoßstange. Denn hält man ganzen oder nur halben Sicherheitsabstand, drängt sich sofort jemand -oft ohne Blinker und sehr plötzlich - in den Abstand hinein, weil er eine Lücke erspäht hat und denkt, auf der anderen Spur etwas schneller vorwärts zu kommen. Nach der Regel "passt es bis zu den Spiegeln, passt das ganze Auto" versuchen die Autofahrer hier, erst einmal ihre Motorhaube rüber in eine Lücke zu schieben und so den nachfolgenden Wagen dort zum Abbremsen zu zwingen. Das führt auch manchmal zu Unfällen so dass man schnell lernt, dass Abstand halten oft zu brenzligeren Situationen führt, als wenn man einfach dicht drauf hängt auf dem Vordermann. Trotzdem versuchen sich manche reinzudrängen und fangen dann etwa an, sich immer weiter parallel zu einem auf die eigene Spur zu schieben, bis man fast Blech-an-Blech fährt und sich manchmal sogar die Außenspiegel berühren. Alle haben immer Kamerasysteme in den Autos - ich auch - die ständig aufzeichnen und so gibt es bei Youtube und anderswo herrliche Aufnahmen von schiefgegangenen Drängelmanövern, bei denen sich die Leute zum Schluss die Autos verbiegen.



Auf dem Land - nicht in Taipei muss man nach schrottreifen Autos Ausschau halten. So fahren etwa manchmal Fahrzeuge mit verzogenem Chassis, die dann wild von rechts nach links zucken oder es gibt - auch in Taipei - manchmal durchaus gepflegt aussehende ältere Autos, die so ausgeschlagene Stoßdämpfer haben, dass sie bei minimalen Bodenwellen wie Wüstenschiffe schaukeln und manchmal auch die Spur verlassen. Aber meist fahren in Taipei moderne Mittelklassewagen und SUVs, alle frisch gewaschen. Bei älteren Autos ist man vorsichtig. Autos in Taiwan werden oft im Alter nicht mehr oder nicht mehr richtig gewartet und Werkstätten tauschen nur selten die Glühbirnen aus. Deswegen haben ältere Autos - und LKWs und Lieferwagen sowieso - oft keine Bremsleuchten. In der Dämmerung fahren die meisten Autos ohne Licht. Der Volksmund weiß in Taiwan zu berichten, dass Licht am Auto furchtbar viel Benzin verbraucht. Auch Nachts fahren manche ohne Licht und Taxifahrer schalten manchmal an der roten Ampel komplett das Licht aus und stehen dann wie getarnt im Dunkeln an der Ampel. Spart angeblich Benzin!



Vorsicht sowieso bei blauen kleinen Lieferwagen. Lieferwagen ohne Firmenbeschriftung werden fast immer in Blau ausgeliefert und besonders wild gefahren. "Blue truck of death" ist die Bezeichnung in der Ausländergemeinde und kein bisschen übertrieben. Die Fahrer dieser Fahrzeuge verlangen immer und überall Vorrang und man lässt sie besser gewähren, sonst kracht es leicht. Auch Spurwechsel werden - nicht nur von ihnen - in Taiwan oft ohne-zu-gucken erledigt. Und um tote Winkel kümmern sich eh viele nicht. Aber wohl nicht nur in Taiwan. Große LKWs sieht man selten. Weil sie einem so dicht auf der Stoßstange hängen, dass man nur etwas Schwarzes vom Kühlergrill sieht. Klar, dass auch diese wie "Gesenkte Sau" gefahren werden, wie man bei mir zu Hause sagt.



Wenn der Verkehr aus japanischen SUVs und Limusinen so ruhig vor sich hin schiebt auf mehreren Spuren und noch ein paar Lücken dazwischen hat, muss man auf Sportfahrer aufpassen. Die fahren meist deutsche Automarken, eventuell aber auch aufgemotzte Mitsubishis oder Mazdas und fahren dann Slalom-Rennen im dichten Verkehr. Wenn alle 80 - 100 fahren bei Tempolimit 70 oder 80 sieht man manchmal kaum die plötzlich heran schießenden Autos, die mit bis zu 160 größere Lücken ausnützen wollen. So ein dicker BMW SUV wird dann schnell zum Amboss des Todes, wenn man nicht aufpasst.

Taxifahrer. Taxis sind ein Thema für sich. Immer Gelborange weil-wir-Taiwaner-alles-den-USA-nachmachen zählen sie auch zu den aggressiv gefahrenen Fahrzeugen. Hat man eine große Lücke rechts im Außenspiegel erspäht und blinkt um langsam rüber zu fahren, dann sollte man das nicht tun, wenn eine Taxe das hintere Fahrzeug auf der Zielspur ist. Die preschen dann oft mit viel Gas heran um entweder ihre Spur zu verteidigen oder einen Unfall zu provozieren. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer tun das manchmal. Bei Taxen sollte man auch auf Abstand achten und lieber jemand anders dazwischen fahren lassen. Denn Taxifahrer bremsen gern hart und plötzlich, um einen Auffahrunfall zu provozieren. Sie müssen dann ein paar Tage nicht arbeiten, weil sie dann den Verdienstausfall über eine großzügige Pauschale vom Unfallgegner bezahlt kriegen.



Vorsicht generell beim Einfädeln. Fast immer wenn man dabei kurz dicht an einen anderen Wagen heran fährt, tritt der Fahrer auf die Bremse. Man ärgert in Taiwan gerne andere Verkehrsteilnehmer und Fahrer alter Autos können so auch Geld verdienen. Manche Autofahrer bremsen immerfort unmotiviert. Was auch immer dahinter steckt.

Meist fahre ich nur auf bekannten Strecken. Denn die Verkehrsführung in Taiwan ist manchmal einfach abenteuerlich. Hier ein paar Beispiele aus Taipei (nur wenn "Land" erwähnt ist, ist es woanders):

- Zwei- oder Vierspurige Schnellstraße. Manchmal kommt eine Spur dazu und manchmal geht sie plötzlich wieder weg. Sowohl rechts als auch links. Ausfahrten sind also auf beiden Seiten! Das ergibt immer ein schreckliches Geschiebe und plötzliche Ein- und Ausscheermanöver.

- Oder viel lustiger: Eine Kreuzung wie ein Y, bei dem beide Fahrbahnen oben gleichzeitig Grün haben. Da habe ich schon viele Zusammenstöße selbst gesehen.

- Sieht aus wie eine offene Garage in einer schmalen Altstadtgasse, ist aber die Ausfahrt einer Schnellstraße! Man glaubt sich allein auf einsamer dunkler Straße und plötzlich schießt einem eine Schlange von Fahrzeugen aus der "Garage" vor den Wagen. Ich weiß bis heute nicht, wer da Vorfahrt hatte.



- Kreuzungen einbetoniert mit die Sicht nehmenden Wänden unter Brücken, wo sich Mini-Einfädelspuren plötzlich im Gegenverkehr verlieren und Autos aus sechs Richtungen kommen.

- Versteckte Mini-Einmündungen auf großen Kreuzungen, oft ohne Ampel, während nur die großen Einmündungen Ampeln haben.

- Eine klar aussehende einfache Kreuzung mit Ampel, bei der aber die große Fahrbahn zu meiner linken keine Ampel hat sondern eine (kaputte, hochgeklappte) Schranke und die Autos dort einfach mit Karacho in die Kreuzung einfahren.

- Gleich dahinter fehlt "mir" eine Ampel, wenn ich durch eine Unterführung fahre. Man soll sich offenbar an der Ampel an der nächsten Kreuzung orientieren und hat kaum Sicht auf die ampelgeregelte Fahrspur von links.

- Kreuzungen mit richtungsvertauschten Fahrspuren, bei denen man das Fahren in England üben kann.

- Kreuzungen mit versteckten Ampeln, etwa zwischen roter und grüner greller Leuchtreklame untergehend (Stadt) oder auf der anderen Straßenseite bei einer Allee mit Bäumen auf dem Fahrbahnteiler(!) ganz oben links (Land). Würde man nie denken, dass die Ampel da den Geisterfahrer macht. Also auf der falschen Fahrbahnseite links vom die Sicht nehmenden Grünstreifen befestigt ist.

Was das mit Straßenverkehr zu tun hat? Na bestimmt...

- Ampeln, die von Technikhäuschen verdeckt sind wenn man den Berg hochfährt (in der Kurve natürlich).

Und und und. Und natürlich überall die völlig regelfrei fahrenden Motorrollerfahrer, die von überall und nirgends kommen ohne auf den Verkehr zu achten. Sie fahren meist ohne Führerschein wie ein Fußgänger sich in der Menschenmenge durchschiebt. Und nicht wie man ein richtiges Fahrzeug steuert.

Ampeln sind auch schon mal wochenlang kaputt. Nachts auf Schnellstraßen wird die linke Fahrspur ohne Lichtwarnung einfach mit mausgrauen Betonstellwänden zu gemacht, die man erst im letzten Moment sieht (Land).

Ach ich habe keinen Bock mehr weiter zu schreiben. Fahren Sie doch selber in Taiwan. Oder auch nicht. 

... fahren die nach der Computermesse...

Erwähnenswert noch: Man sieht schon mal Verletzte blutend auf der Fahrbahn neben ihren ungesicherten Unfall-Motorrollern liegen, sich vielleicht noch mit den Händen mühsam über den Asphalt zerren, während Leute kichernd am Rand stehen und Fotos und Filme mit den Handys drehen. Besser auch weiterfahren und nicht helfen, sonst wird man leicht von einer Unfallpartei als Unfallverursacher bezeichnet und verklagt. Hier ist die Regel: Wer sich einmischt hat ein eigenes Interesse und daher müssen die anderen Parteien sich (durch juristischen Angriff) schützen.

Komisch, richtige Autovermietungen gibt es kaum in Taiwan (gacker)...

...ganz wild mit dem Moped nach Hause. Hier üben sie...


UPDATE: Das blödsinnigste Vorkommnis, das ich 2006 mal im Straßenverkehr hatte, soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ich hatte den Artikel einst wieder gelöscht im Blog, um Taiwan nicht zu negativ dastehen zu lassen. Damals hatte meine Frau den Nissan X-Trail fahrend, einen Spurwechsel gemacht und parallel mit ihr wollte ein weißer Honda Civic. Eine drei- oder vierspurige Schnellstraße, auf der sich der Verkehr fast schon staute. Meine Frau setzte ich durch, der Honda musste kurz warten. Er überholte uns dann und bremste uns aus, zwang unseren Wagen zum Anhalten. Wir stiegen alle aus und der Fahrer des Honda, ein Mann in den 30ern mit deutlich erkennbarer langer Narbe quer über die Stirn, kam auf uns zu wie ein aus dem Käfig entsprungenes wildes Tier. Schrie und ließ seine Hände in die Luft fliegen, wie ich es aus Mädchenkeilereien in der Grundschule in Erinnerung hatte. Er bewegte sich ständig auf meine Frau zu und kurz bevor er sie mit seinen fliegenden Händen erreicht hätte, ging ich dazwischen und schrie den Kerl an, er solle seinen Arsch wieder in den verdammten Wagen bewegen. Die ganze Zeit über raste der Verkehr linksseitig knapp an uns vorbei - auch LKWs darunter. Nun hatte er seinen Honda etwa zu einem Drittel auf der rechten Fahrbahn der Schnellstraße geparkt. Weil er uns eben das Wegfahren unmöglich machen wollte. Als er dann recht schnell nach meinem Eingreifen in den Honda verschwinden wollte, hatte er nur Augen für uns und nicht für den Verkehr. Der rechte Spiegel eines schnell vorbei fahrenden LKWs hätte ihn fast an der Stirn erwischt, als er in seinen Honda steigen wollte. Genau da, wo die alte Narbe war. Er blieb schockgefrohren für einen Augenblick stehen. Hatte wohl gemerkt, wie knapp das war. Ich fürchtete schon er wollte zur zweiten Runde starten, da schrie ich ihn wieder an: "Get into your fucking car before you get hit by another truck.... or by me!" Er verschwand hastig und brauste davon und ward nie wieder gesehen.
Taiwan kann manchmal Mel-Brooks-artig blödsinnig sein. Hatte der kleine wilde Mann seine Narbe auf die selbe Art bekommen? Heute 11 Jahre später sind die neuen Dreißigjährigen im Schnitt 15 cm Größer und erreichen oder übertrumpfen meine Bauhöhe. Sind aber im Verkehr immer noch genauso wild.

...erst das Sitzen auf den Moped und dann die Fahrtrichtungsanzeige.

UPDATE2: Und der Motorrollerstau, bei dem ein behelmter Mann dabei war einen anderen behelmten reglosen Motorollerfahrer immer wieder mit dem Kopf auf den Bordstein zu schlagen, während ich direkt vorbei ging um mir einen Burger statt dem glitischigen Seafood beim Firmenfestessen zu kaufen.


Am Ende bleibt man ratlos zurück.


UPDATE3: Vergessen habe ich die Ampeln. An großen Kreuzungen hat man Ampeln mit Pfeilen für die Richtungen. Das gibt es auch in Deutschland, aber in Taiwan gibt es eine Besonderheit. Wenn man eine Pfeilampel hat (also z.B. gerade Grün für Geradeaus und Rechts) dann sind nicht davon abgedeckte Fahrtrichtungen (also i.d.F. Links) als Rot anzusehen! In Deutschland etwa hätte man explizit einen Rotpfeil, aber in Taiwan muss man sich den roten Pfeil selber denken.

Nochmal: Sie fahren an eine Kreuzung heran und es ist grundsätzlich erlaubt, nach Links, Geradeaus und Rechts zu fahren (z.B. über Fahrspuren markiert). Eine Ampel ist an der Kreuzung zu sehen mit einem grünen Doppelpfeil, der sowohl geradeaus und nach Rechts zeigt. Die Preisfrage lautet: Dürfen Sie jetzt nach Links abbiegen? Schließlich ist kein roter Pfeil zu sehen.

Die Antwort lautet: Nein, dürfen Sie nicht. An Richtungsampeln ist nur das Fahren in angezeigten grünen Richtungen erlaubt, die fehlenden Richtungen sind implizit Rot ohne dass dies gezeigt wird. Sie müssen tatsächlich solange warten, bis ein grüner Pfeil in die fehlende Richtung (hier Links) zu sehen ist.
Natürlich wird die Regel sehr oft gebrochen und man hat schon mal einen hupenden Hintermann oder Autos fahren einfach rechts oder links an einem vorbei und biegen trotzdem ab. Das kann aber gefährlich sein in Taipei wegen vieler dicht bepflanzter Mittelstreifen oder gar Brückenpfeilern, die die Sicht nehmen.

Donnerstag, August 18, 2016

Schwiegermutter schwer verunglückt

Große Aufregung gestern Abend. Schwiegermutter, die in der Zeit auf unseren Junior (5) aufgepasst hat, war schwer mit dem Lastenfahrrad verunglückt. Doch wo war Junior? Niemand wusste es.

Edit: Des schwebenden Verfahrens halber einige Bewertungen und eigene Kommentare entfernt.

Schwiegermutter ist gestern Mittag mit dem Dreirad verunglückt. Wie viele ältere Damen in Taiwan fährt sie mit so einem Lastenfahrrad herum, um Pappkartons von Geschäften einzusammeln und gegen ein paar Dollar zur Wiederverwertungsstelle zu fahren. Das hat sie nicht nötig. Sie hat sich diese Angewohnheit aber zugelegt, seit sie vor ein paar Jahren - das Taiwanblog berichtete - von Telefonbetrügern um eine Million Taiwandollar erleichtert worden ist - etwa 25.000 Euro. Damals hatten die Betrüger sowohl auf Festnetz als auch Handy ständig angerufen und die alte Frau mit völlig aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen "lange in der Vergangenheit" in Panik versetzt und ihr gesagt sie müsse ins Gefängnis, wenn sie nicht sofort zahlen würde. Ein Teenager nahm dann Schwiegermutter im Empfang, die ihr Konto in seinem Beisein geplündert hatte. Hausbesuche falscher (?) Polizisten stellten lange ihr Schweigen sicher. Auch echte Behörden waren damals in den Fall verwickelt: Ein Gericht in Taipei-Neihu hatte damals eine veritable Aufforderung zum Haftantritt (!) an Schwiegermutter verschickt, die die völlig schuldlose Frau nun endgültig in Panik versetzte. Es handelte sich allerdings um einen Irrläufer, der an einen jugendlichen völlig fremden Mann adressiert war und nicht etwa an sie. Ein weiterer Einschüchterungsversuch? Auch das lokale Polizeirevier verhielt sich faktisch komplizenhaft, als es die von Schwiegermutter letztlich nach einer Woche erstattete Anzeige hatte verschwinden lassen. Taiwan als dreckige kleine Schmuddelrepublik.

Die Spätfolgen dieser Behörden/Gangster-Kooperative (?) haben wir nun jetzt auszubaden. Ein weißer Toyota Wish Minivan übersah beim Linksabbiegen Schwiegermutter und ihr pappkartonbeladenes Dreirad. Der Unfall ist von einem Taiwantabloid sehr gut mit Video und Fotos von einer Auto-Dashcam dokumentiert. Schwiegermutter als Nachrichtenobjekt. Hat da ein Autofahrer gleich die Aufnahme an einen Zeitungs-/Online-Verlag verkauft? Jedenfalls ist folgendes zu sehen: Flott biegt der Toyota links ab ohne sich um die grüne Fußgängerampel zu kümmern, wie das in Taiwan leider üblich ist. Schwiegermutter fährt allerdings Rad auf dem Überweg[...]

Die nächsten zwei Nächte geben nun darüber Auskunft, ob sie es ohne Schäden überstehen wird. U.a. hat sie eine Hirnblutung erlitten, ist aber bei Bewusstsein.

Die spannende Frage war für uns zunächst: Wo ist Junior? Oft hat sie ihn auf der Ladefläche des Dreirads hinten und ich habe mich auch immer schon gefragt, was da alles passieren kann, wenn mal jemand hinten rein fährt. Ich meine, da kauft man einen sündhaftteuren Volvo-SUV, damit Junior im Verkehr geschützt ist. Aber dann fährt seine Oma ihn auf der Pritsche eines Dreirades herum im wilden Taiwanverkehr.

Wie ein Wirbelrand raste ich aus der Firma zu Schiegermutters Wohnung und ich habe da wohl das erste Mal das Einschalten des Turboladers unseres Volvos gehört, der heulend und vibrierend seine Arbeit im Motorraum aufnahm. Sonst steuere ich das Ding ziemlich ruhig und sinnig durch den Verkehr.

Junior schlief auf dem Sofa und hat von allem nichts mitbekommen. Dass er allein daheim war anstatt mitten im Verkehr, hat sicher positive wie negative Seiten. Taiwaner sind rücksichtslos draufgängerisch hinter dem Steuer und fahren ihre Familienkutschen mit dem Elan von Serienmördern. Gut, dass Junior nicht in der Nähe des Toyota "Wish" war.

Die Videos vom Unfall sehen grauenhaft aus, sie sind hier absichtlich nicht verlinkt.

 In drei Wochen ist es vorbei hier für uns wenn alles so weiter läuft. Hoffentlich ohne weitere Vorfälle. Sicherer ist die von Frau ausgesuchte "neue asiatische Heimat" freilich auch nicht.

Zusammenfassung des alten Betrugsfalles: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/04/zusammenfassung-falsche-undoder.html 

Edit: Gerade mal festgestellt. In all den Jahren meiner aktiven Straßenverkehrsteilnahme in Deutschland 1985-2004 erinnere ich mich nur an einen einzigen Fall, bei dem einer meiner Verwandten, Bekannten, Freunde oder Kollegen bei einem Unfall zu Schaden kam.

Deutschland 1985-2004:
Verwandter: 1

In Taiwan 2004-2016 sieht die Statistik so aus:
Bekannte:2
Kollegen: 2
Online-Bekannter: 1 (tot*)
Verwandte: 1 (Ausgang noch unklar)

Außerdem die Erzählung eines mir bekannten Engländers, wie er einem schuldlos verunglücktem kanadischen Mopedfahrer nur noch Trost spenden konnte, als dieser gestorben ist. Der Engländer war zufällig vorbei gekommen.

* damals auch bekannt aus dem TV, Entertainer "MaKe" aka Mark.

Dienstag, Mai 24, 2016

Nutzloser Bürgermeister

Ko Wen-je, einstiger hoffnungsvoller Newcomer, hat sich eine schöne Beschäftigungstherapie gefunden

Als der von der Taiwan-Unabhängigkeitspartei DPP unterstützte unabhängige Kandidat Ko 2014 Bürgermeister von Taipei wurde, hat er wegen seiner unkonventionellen Art - er selbst sagt, er habe das Asperger-Syndrom - viele Hoffnungen auf sich gezogen. Mit der Korruption der KMT wollte er aufräumen und Verkehrsprobleme lösen.

Der Verkehr ist natürlich immer noch so wie vorher, die KMT genauso sehr oder wenig korrupt wie sie schon immer war. Im Gedächtnis sind mir ein paar Dinge geblieben:

 Angefahrene Fußgängerin bei mir um die Ecke. Vor, während und nach Bürgermeister Ko das selbe wie immer


- Der unwichtige, aber sinnfreie Eklat mit einem britischen Regierungsmitglied, das ihm eine Tischuhr schenken wollte und Ko in ihrem Beisein erklärte, er könne sie an einen Schrotthändler geben. Schon klar, man soll "Chinesen" keine Uhren schenken, weil sie sonst rot anlaufen und sich beleidigt fühlen. Es sei denn man ist in Peking und es ist eine schweizer Nobel-Armbanduhr. Ko war sehr rot angelaufen.

- Die Leihfahrräder Taipeis sind etwas teurer geworden. Mir egal, ihre Benutzung ist eh lebensgefährlich.

- Jetzt wird das Benutzen der MRT (Metro/U-Bahn/Schwebebahn) teurer, weil die Ermäßigung auf die sog. "Jojo"-Karte (eine mit Geld betankbare Karte) wegfällt oder wegfallen soll.

- Ko ist in einem Endlosdisput um den Bau des "Taipei-Dome" mit der Baugesellschaft verstrickt, an der er ein Exempel wegen Korruptionsbekämpfung statuieren will und wo es nie vor oder zurück geht. Die aktuelle Pressemeldung (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2016/05/24/2003646980) liest sich wie eine im Jahre 2014.

Hier ist eine Liste, was man in Taipei tun sollte. Aber das wird Ko alles NICHT machen.

* Tempo 30 vor Schulen einführen und kontrollieren.

* Enge Wohnstraßen mit spielstraßenähnlichen Konstrukten versehen oder wenigstens überall in engen Wohnstraßen Tempo 20 oder 30 einführen und kontrollieren

* Wenigstens bei Neubauten Autos in Tiefgaragen o.ä. verbannen und für mehr Bürgersteige sorgen, die es oft ja gar nicht gibt.

* Park- and Ride vor den Toren der Stadt anbieten, auch als PKW-Verwahrplatz für die Städter und die zusgeparkten bürgersteiglosen Gassen mit breiten gesicherten Fußwegen versehen.

* Für einen Katalysator plädieren oder für (aus Sicherheitsgründen nicht geräuschfreie) E-Motorroller statt der ewig stinkenden Zweitakter

* Dafür sorgen dass Manna und Bratwurst vom Himmel fallen

All das wird er sicher nicht machen sondern nur ein verkniffenes Gesicht weiter in die Kamera halten und vom Taipei-Dome schwadronieren.


Dienstag, April 19, 2016

Automobiles... und ein Denkverbot über Statik

An manche Dinge darf man in Taiwan nicht mal denken. Oder nicht mal hinsehen.

Physiker wissen, dass man ein Experiment beeinflusst, indem man es beobachtet. Was irgendwie mit Katzen in Kisten zu tun hat und einer Zyankalikapsel, die mit dem Deckel verbunden ist. Nein, ich habe keine "psychischen Probleme" - wie Leser mir manchmal attestieren, wenn sie Artikel nicht ganz durchschauen. Googeln Sie mal nach "Schroedingers Katze". Genau dieses Beobachten irgendwie instabiler Zustände macht Taiwan so gefährlich. Unvergessen, als ich 2004 hier sah, wie ein Wasserfall bei Starkregen aus einer eingeschalteten Deckenlampe kam und nichts weiter passierte. Besser, man sieht nicht hin, sonst löst sich alles in Funkenregen und Stromschlag auf.


Oder als ich neulich sah, wie bei uns in NeiHu (Stadtteil von Taipei) jemand eine Kerze in den offenen Motorraum gestellt hatte, um ihn spätabends bei der Reparatur zu beleuchten. "Intelligenter Mann", dachte ich noch. "Spart Strom". Doch dann musste mein teutonischer Verstand sofort an die Brandgefahr denken und in der selben Sekunde fing der Motorraum Feuer. Schien den Mann aber nicht aufzuregen, er griff routiniert zum Feuerlöscher und löschte sein brennendes Auto. Waren ja nur ein paar Flammen auf dem Motorblock, nicht so wild. Mein Fehler: Ich hatte nicht nur hingesehen, sondern auch noch drüber nachgedacht.
Und hier oben die E-Klasse* (in der seltenen Taxiversion, sind sonst alles Toyotas) auf dem Wächterhäuschen eines Schrottplatzes? Nun, oft macht man da wegen der Hitze ein zweites Blechdach drüber oder desgleichen. Und eine E-Klasse ist nun mal aus Blech. "Nicht drüber nachdenken", kommt immer immer in den Sinn, wenn ich wieder mal wegen der roten Ampel an der Kreuzung zu unserem Volvo-Händler anhalten muss neben dem fliegenden Benz. Auch nicht darüber nachdenken, was ein Erdbeben hier an Masseschwingung auslösen könnte. Erdbeben hat man ja laufend in Taiwan.

Augen lieber auf die neuen Volvos, gleich vor dem Netz eines asiatischen Golfplatzes, wo die Leute auf drei Etagen in kleinen Boxen stehen und Golfbälle sinnlos auf einen von selbigen übersäten Platz dreschen. "Was machen die da bloß?",  fragte meine Frau, als wir an der Ampel dort halten mussten (wegen dem Mercedes fragt sie nie). "Bist Du wirklich Asiatin?", hätte ich fast gefragt.

Nicht ablenken lassen darf man sich auch von kleinen orange oder rosa-weiß farbenen Dingen, wenn man in Taipeis Einkaufsmeilen eine Querstraße passiert. Aus dem Sichtschutz der Unterwäschesäule kann plötzlich ein mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve rasendes Auto kommen, dass einen schlichtweg überfahren würde, wenn man nicht als Fußgänger auf Draht ist, so wie es mir und Frau und Junior fast neulich passiert wäre. Der Fahrer des schicken 5er-BMWs hatte die teutonisch-perfekte Fahrwerksauslegung fast zum Nachteil von zwei anderen Teutonen und der taiwanischen Frau und Mutter bis in den Grenzbereich ausgenutzt. Taiwanischer Wahnsinn und teutonische Ingenieurskunst in unheilvoller Kombination.

Apropos Wahnsinn. Auch Ludigels Schlichtwohnung im von Frau bevorzugtem Schlichtwohnviertel hat manchmal merkwürdige Ansichten zu bieten. Juniors Elektro-New Beetle hat dazu geführt, dass er in der engen Wohnung schon rangieren kann mit 4 wie ein Profi-Autofahrer - auch wenn wir ihm zur räumlichen Entlastung noch ein Elektro-Dreirad gekauft haben. Man muss aufpassen, wenn er damit ohne zu gucken um die Ecken der Wohnung düst. Früh übt sich, wer am taiwanischen Straßenirrsinn teilnehmen will.

Man sieht es nicht gleich, aber oben im Bild steht ein weißer Bentley vor einer hinter der Mauer versteckten Autowäsche oder Autowerkstatt, die sich laut Schild "Big Man" nennt. Gleich hinter der Kurve mit dem alten Mercedes vom ersten Bild. Dort stehen immer Porsches und Bentleys und so ein Zeug herum und die Kunden schlürfen Saft an Schirmtischen, während die Karre poliert. Der Trend zur Bonzenkarre hält an. Als ich früher in der Parkgarage des Restaurants "Cha for Tea" meinen Nissan parkte, waren da noch nicht so viele Nobelkarossen. Letztlich aber parkte ich meinen Volvo (der den Nissan nach Wunsch von Frau ersetzt hat) neben einem Maserati und wunderte mich über die Dichte an Porsche (Cayenne), Mercedes und Lexus. Haben die die Preise erhöht in dem Schuppen? Oder reduziert, so dass die Leute mehr Geld fürs Auto über haben.

Wie dem auch sei, seinen Sie vorsichtig da draußen im Verkehr - bei feuchtem Wetter fliegen die E-Klassen wieder tief etc. pp.


* Aka W124, anfangs hieß die Reihe ja auch noch gar nicht E-Klasse

Montag, April 18, 2016

Missionar auf Fahrrad überfahren: tot

Tragischer Unfall eines Mormonen-Missionars

Die Mormonen-Missionare sind in Taiwan in der Ausländergemeinde fast schon ein Runnig Gag. Ich selbst hatte mal ein Duo der jungen Männer in einer dunklen Seitengasse erlebt und einer der pickeligen jungen Männer sprach mich an und sagte "Ich habe eine gute Nachricht von Jesus für dich". Da sah man so richtig die Marketingabteilung der Kirchenfirma bei der Arbeit. In einer dunklen Gasse war das grenzwertig unheimlich, fand ich.

Nervig sind die manchmal aufdringlichen jungen Männer möglicherweise, aber man gönnt ihnen natürlich ihre Mormonen-in-fremden-Ländern - Abenteuerjahre. Die nur für junge Männer gelten übrigens, die Moromonen-Jungmitgliederinnen dürfen nicht teilnehmen. Auch auf dem Fahrrad fielen sie mir schon in Taipei auf. Radfahren wird ja massiv angeworben, seit es überall die Youbikes gibt, wo man gegen Geldkarte einfach ein Mietfahrrad aus einem Ständer ziehen und an irgendeinem anderen Ständer wieder anstellen kann. Obwohl es hier fast keine Radwege gibt und Radfahren brandgefährlich ist ob der rücksichtslosen Autofahrer. Von den aggressiv-gleichgültigen und unter Substanzeinfluss stehenden LKW-Fahrern mal abgesehen.

Leider ist ein junger Missionar nun beim Radfahren in Taichung zu Tode gekommen, wohl durch einen simplen Sturz, so dass andere wohl keine Schuld trifft. Ich würde mir trotzdem wünschen, dass die Mormonenkirche ihren naiv wirkenden Jungmissionaren Taxi und MRT (U-Bahn, Hochbahn) statt Fahrrad ans Herz legen würde. Die Verkehrsdichte ist einfach viel zu hoch fürs Teilnahmen am Straßenverkehr mittels Fahrrädern, insbesondere wenn Westler draufsitzen, die anderes gewohnt sind.

http://www.deseretnews.com/article/865652049/LDS-missionary-in-Taiwan-dies-after-vehicle-strikes-his-bike.html

Mittwoch, April 06, 2016

Mehrere Angriffe auf Kinder durch "Trittbrettfahrer"?

Im Nachhall der grauenhaften Ermordung einer Vierjährigen auf offener Straße berichtete das TV am verlängerten Wochenende von mehreren Messerangriffen auf Kinder

Die vibrierende, überbevölkerte und dauergestresste Insel Taiwan zeigt sich die Tage nicht von ihrer besten Seite. Das TV meldete am verlängerten Wochenende (Montag und Dienstag waren Feiertage), dass in Tainan und anderswo mehrere Kinder mit Messern angegriffen worden sind. Die Medien legten Trittbrettfahrer-Taten nahe, vgl. den ursprünglichen Fall hier: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603280008.aspx 

Da der Mord das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Insel ist, beschäftigt er natürlich auch die geistigen Problemfälle, die in Taiwan noch weniger medizinisch versorgt werden als das vielleicht in Mitteleuropa der Fall ist.
Der Tainan-Fall ist hier genannt: Der Exfreund einer Mutter drang gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Freundin ein, in der sich nur noch eine der Töchter der Frau befand. Er hielt die 12jährige mit einem Messer am Hals als Geisel und verletzte sie am Ende schwer im Halsbereich. Das Mädchen konnte gerettet werden. http://www.straitstimes.com/asia/east-asia/girl-12-slashed-in-latest-knife-attack-in-taiwan
Edit: Der selbe Artikel erwähnt, ein Mann, der mit zwei Messern vor einer Grundschule im Taichung "herumlungerte", sei festgenommen worden.

Kinder von Ausländern stechen hier in der Masse etwas heraus. Jeder muss selbst wissen, ob er das Risiko als groß genug ansieht, um ein bisschen kritischer zu gucken, ob ein gestresst oder aggressiv wirkender Mitsteuerzahler Kurs auf das eigene Kind nimmt. Bei Familie Ludigel gehört das gerade zum Standardprogramm. Nicht vergessen sollte man aber, dass die Hauptgefahr von den rücksichtslos fahrenden Autofahrern ausgeht. Familie Ludigel hatte eine der kleinen Einmündungen von den Fußgängerzonen in Taipei-Zentrum schon zu einem Drittel überwunden, da raste von hinten ein 5er-BMW heran, schnitt Frau, Junior und mir fast die Fußspitzen ab und raste davon. Hätte ich die Kopfhörer-tragende Frau und Junior nicht physisch blockiert, wäre vielleicht sonstwas passiert.

Aber wie würden unsere pfiffigen Gastgeber dazu sagen: Kind erstechen oder erschlagen ist nicht gut, überfahren aber sicher in Ordnung. Wenn man schnell von irgendwo her sein Stinky-Tofu kaufen will.

Einen Mittwochsgruß in das graue Taipei. Passen wir alle auf unsere Kinder auf, damit es grau bleibt und nicht noch "grauenhaft" wird.

Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/03/bei-mir-in-der-nahe-kleinkind-enthauptet.html

Dienstag, August 18, 2015

"This is my country!" (Update)

Ludigel will eigentlich nur das Auto umparken

Im März hatte ich geschlagene drei Parkplätze in der Nachbarschaft zur Verfügung, brauchte aber doch oft fünf Minuten um den dicken Volvo in den schmalen Gassen einzuparken. Parkplatz 1 ist der Familienparkplatz, noch von anderen genutzt. Parkplatz Nummer 2 wurde deshalb gemietet, in einer Tiefgarage. Die ist allerdings nur über einen Autolift zu erreichen der so schmal ist, dass es mir einmal die Verkleidung des linken Außenspiegels weggehauen hat in dem Ding. Daher haben wir dann Parkplatz Nummer 3 gemietet (2 ist heute wieder aufgegeben). In einer schmalen Gasse ganz in der Nähe. Nur dass die Leute sich dort angewöhnt haben, immer in zweiter Reihe die geparkten Autos zuzuparken. Ohne Telefonnummer am Auto.

 Die Nachbarn guckten von den Balkonen...


Spät abends zwischen 10 und 11 gehe ich also immer los und parke das Auto vom etwas weiter weg liegenden Parkplatz 3 auf Parkplatz 1 um, weil der dann frei ist und näher an der Wohnung liegt. Damit Frau morgens nicht so weit laufen muss. Oft ist der Wagen dann zugeparkt. Dann rufe ich Frau an, die ruft die Parkplatzvermieterin an und die telefoniert in der Gegend rum, bis nach etwa zwanzig Minuten irgendein Depp aus den Wohnungen rennt, "paisei paisei" ruft, wie immer man das auch schreibt und seine verdammte Karre wegfährt. Oder rummault dabei, wenn es der Kerl mit dem dicken weißen Infiniti-SUV ist, der das Format eines veritablen LKWs hat. Das Auto, nicht der Kerl. Sogar mein Volvo sieht klein aus dagegen.

Nun hatte ich gerade Terminator::Genisys gesehen, den neuen Streifen mit Arnold, der zwischenzeitlich Gouverneur von Californien war und war gerade kurz vor Schluss gewesen, als Frau sagte, ich solle den Müll rausbringen (ohne richtig funktionierende Müllabfuhr in Taiwan ist das auch so ein Abenteuer) und dann natürlich auch den Wagen umtopfen. Nun parkte eine alte rote Mercedes S-Klasse mich und zwei andere Autos zu. Anständige Taiwaner liegen natürlich zu dieser späten Stunde längst in den Betten und träumen von Laotse und Konfuzius, das ist klar. Nur wir merkwürdigen Ausländer sind da nachts noch auf den Beinen unserer finsteren Umparkgeschäfte wegen. Und ich hatte auf die 20 Minuten Ringelpietz mit Anfassen und Telefonieren einfach keine Lust. Und warum eigentlich kaufen Taiwaner immer das maximal größte erreichbare Auto, vergessen aber einen Parkplatz dafür zu mieten? Gut, meine Frau wollte ja auch unbedingt den dicken, teuren Volvo.

 Was ist denn das für ein Radau?


Also drückte ich auf die Hupe. Dauerhaft. Immer wieder. Wirklich lange. Weil irgendwann wird dann ja wohl jemand kommen. Tatsächlich trudelte als bald die gesamte Nachbarschaft im Schlichtwohnviertel ein. Hinter den Gittern (Gardinen haben sie hier nicht, ist Konfuzius dagegen oder dergleichen) oder unten aufgeregt vor meinem Volvo und dem Benz auf der Fahrbahn rumrennend. Ich zeigte mehrfach fragend auf den dicken Mercedes und ging dann weiter meinem Hupgeschäft nach. Es schien so, desto schneller ich die Hupfrequenz wählte, desto schneller liefen auch die Leute herum. Lustig irgendwie. Vielleicht sollte ich mal eine Melodie hupen. Kennt jemand ein chinesisches Volkslied? "Sah Chiang Kai Shek ein Röschen stehen" oder irgendwie sowas. "Muss ih denn, muss ih denn zum Tempele hinaus..:", das kennt man doch, oder?
Und wo hatte ich nur die Hauptdarstellerin in Terminator::Genisys schon gesehen?

So grübelte ich hupend vor mich hin, da sprach mich ein Anwohner auf Englisch an.

"Why so angry?" fragte er. "Warum so ärgerlich".
Seine Frage machte mich jetzt wirklich ärgerlich. Hupt man weil man ärgerlich ist oder weil man einfach mit dem Auto aus der Parklücke fahren will, wenn sie zugeparkt ist?

"I am not angry. I just press the horn so someone is coming", antwortete ich jetzt nicht mehr wahrheitsgemäß. "Ich bin nicht ärgerlich, ich drücke nur die Hupe damit jemand kommt."

Ich unterbrach kurz mein Daherhupen (die Nachbarn standen alle abrupt bewegungslos da, als die Melodie aufhöre) und hörte ihm zu, als er mutmaßte, zu welcher Wohnung der Mercedes gehören würde. Da setze er zu einem Fragenkatalog an.

"Is this your parking lot? Do you live here?" ... "Ist das Ihr Parkplatz. Wohnen Sie hier?"

Klar, dachte ich, ich muss dir um 22.10 meine Credentials/Referenzen geben, wenn ich nur mein Auto aus der Parklücke fahren will. Ich kenne das ja. Gehe ich an meinem Auto vorbei bei Regen und nehme einen Regenschirm raus, stratzt jemand aufgeregt zu meinem Auto und macht ein Foto davon. Langnase brechen Auto auf. Oder parke ich auf meinem Parkplatz, erklärt mir jemand, ich könne da nicht parken. Weil Anwohnerparkplätze. Und so wie ich sehen Anwohner eben nicht aus. Oder wollen mich nicht ins Mietshaus reinlassen, wie der Tattergreis bei uns im Haus. Gut, oder sie sagen "Welcome in Taiwan" (haben sie aber um 2011 damit aufgehört), wenn ich noch mal was aus dem Auto hole. Immer fühlen sie sich mir gegenüber vor meiner eigenen Haustür als territoriale Sachwalter offenbar.

"Yes I live here. Yes this is my parking lot. And this is my country!".

"Ja ich wohne hier. Ja, dies ist mein Parkplatz. Und dies ist mein Land!"

Den letzten Satz sagte ich mit geschauspielter Inbrunst und großer Geste, mit meinen zum Himmel gereckten Armen gewissermaßen das  ganze Land Taiwan aka Republik-China einschließend.

"The last one was a joke", "Das letzte war ein Witz", wollte ich noch hinzufügen. Da fiel mir auf, dass der Nachbar schon wieder schnellen Schrittes auf seine Haustür zurannte. Bei emotionalen Gesten geraten sie immer in Panik, die Taiwaner. Dabei hatte ich noch mehr in Petto, hätte mich als Präsident Ma Ying-Jeou vorgestellt, wenn er weiter gefragt hätte. Aber so war er weg und ich ging wieder zum Dauherhupen über. Die Nachbarn nahmen wieder ihren Squaredance auf.

Irgendwann kam dann eine junge Frau aus dem Hause, sagte "Paisei Paisei" und ich bedankte mich. Als ich den Wagen aus der Parklücke gefahren hatte, musste ich wieder diese Parksperre zuklappen. Die ist aus Metall und macht so einen Wahnsinns Krach jedesmal. KAWUMM ging es. Wieder hielt das ganze Duzent Versammelter an und alle guckten mich an. Bestimmt dachten sie jetzt alle, ich sei unheimlich wütend. Dabei ist es nur die Mechanik. Ich ging aufs Auto zu. Immer noch guckten mich alle an als sei sonstwas passiert.

"Prima", dachte ich. Da will man nur seinen Wagen umparken und stattdessen ist man in einer Situation, sich im soziokulturellen Kontext der gesamten Nachbarschaft einordnen zu müssen. Unglaublich.

Alle starrten mich an. Ich verharrte in der Fahrertür. Die großen Augen der Mercedesfahrerin leuchteten wie Suppenteller aus dem roten Benz. Ich machte den V-Zeichen. Das machen die Taiwaner ja immer auf Fotos. Und außerdem steht es ja auch für "Zwei" und der rote Mercedes hatte mich bereits zum zweiten Mal zugeparkt.

Game of Thrones. Da hatte ich die Hauptdarstellerin schon gesehen. Kaum wiederzuerkennen.

Update: Gestern abend wieder das selbe Theater. Ein alter Toyota mit verfärbtem schwarzen Lack, der sich weißlich abschälte, parkte meine Kiste zu. So doof geparkt, dass ich fast noch hätte raus können. War ja nicht genau so lang wie die S-Klasse am Vorabend. Aber eben nur fast. Auch Dauerhupen weckte um 23 Uhr niemanden mehr. Bis auf die Tochter der Vermieterin, eine nette Lehrerin in den 50ern, die dann mit mir durch die nächtliche Straße schwebte und an mehren Türen klingelte, um den Fahrer des Wracks zu ermitteln. In der Hand hatte sie offensichtlich eine KFZ-Liste! Deswegen parken sich die Schlumpis hier also immer gegenseitig zu, weil sie dann ggf. das Wegfahren koordinieren. In einer 20-minütigen Aktion, die mir bei 12-16 Stunden-Arbeitstagen doch immer auf den Magen schlägt, geht sie doch von der knappen Freizeit ab. Gestern Abend ließ sich aber der Halter nicht ermitteln, er war nicht auf der Liste, sagte mir die Dame mit Händen und Füßen ob meines stadtbekannten Pidgin-Chinesisch.
Doch es gibt offenbar einen Parkservice der Polizei! Meine Frau rief die Polente an, die dann ihrerseits den Fahrer des Autos anrief. Perfekter Valet-Parkservice. Na Kunststück, Parkwächteruniformen haben sie ja schon an die Sheriffs. Wie dem auch sei, keine fünf Minuten später kamen zwei junge Männer buchstäblich angerannt. Beide mit zotteligen Haaren und Totenkopf-T-Shirts. Ich atmete unwillkürlich tief ein - sicher ein evolutionärer Mechanismus um das Muskelgewebe mit Sauerstoff und ATP zu versorgen, doch die beiden an Juniorverbrecher gemahnenden jungen Männer entschuldigten sich bei mir und der permanent schimpfenden Lehrerin viele Male, winkten mir zu und verschwanden dann paisei paisei paisei sagend mit ihrem alten Toyota. Habe da hoffentlich keinen Bruch gestört oder sowas. Ich winkte ihnen auch zu und rief freundlich: "Just don't do it again!". Andererseits war ich ganz froh um die Unterbrechung diesmal, haben wir doch auf meinem zentralen Schreibtisch-Client ein Tool installiert, mit dem wir auch vom Notebook zu Hause mein ganzes Schreibtischnetzwerk aus derzeit 10 realen und 15 virtuellen Rechnern fernsteuern können. Das Schreibtisch-Lab, das ja offenbar als einziges "Laboratorium" VMware - Zertifizierungen in Taiwan durchführt und damit ganze Batterien von weißkitteligen Taiwanern im ein-Ludigel-Modus ersetzt. Und so um 23 Uhr konnte ich eine 20-minütige Pause mal ganz gut vertragen und amüsierte mich, unter der Straßenlaterne von Merkels Griechenland-Pyramidensystem (Spiegel) zu lesen. Nach dem Motto: 100 Milliarden Euro hinterher geworfen sind gut, wenn sie erst bei der nächsten Regierung/Währungsreform in den Büchern aufschlagen und nicht schon in der Herrschaftszeit der Heiligen Merkel. Da schmunzelt man unter der Straßenlaterne am östlichen Tellerrand der Welt über die westlichen Katastrophen von Morgen.


Montag, Juni 01, 2015

Achtjährige auf Schultoilette von Geisteskrankem ermordet / Dreijähriger überfahren (Update)

Ein sinnloser Mord an einem Schulkind erschüttert Taiwan dies Wochenende

Zur Berichterstattung aus einem Land gehört meiner Ansicht nach auch zu schreiben, was denn die Leute in diesem Land gerade bewegt. Dieses Wochenende ist es sicherlich der schreckliche Mord an einem 8jährigen Schulmädchen gewesen. Ein offenbar geistesgestörter Mann, 29 Jahre (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/05/31/2003619557)  ist in der Unterrichtszeit in die Wenhua Elementary School in Taipei-Beitou eingedrungen und sich offensichtlich nach einem einsamen Kind umgesehen. Er traf auf der Toilette auf eine Achtjährige, die gerade das WC aufgesuchte und ermordete diese durch einen Schnitt in ihrem Halsbereich. Das sterbende Kind wurde später gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden, der Täter ist im Gewahrsam und hat gestanden.
Es sei daran erinnert, dass es Kindermorde in jedem Land gibt und daher sind auch Reflexreaktionen, die man als Ausländer hat, in diesem Zusammenhang ziemlich sinnlos. Schnell will man die nervöse Enge Taipeis, die langen Arbeitstage und merkwürdige Verhaltensweisen der Leute um einen herum zitieren. Auch im Team auf der Arbeit hatten wir wieder einen wirr auftretenden Menschen, der bei seiner Kündigung durch meine Frau anfing herum zu schimpfen, zu weinen und dann dramatisch vor ihr auf die Knie fiel, als sei er in einem dieser TV-Dramen, die den ganzen Tag im Taiwan-TV laufen. Andererseits haben solche Dinge eigentlich keine Aussagekraft und es bleibt dabei, dass solche Dinge, die einem als Vater das Blut gefrieren lassen, eben in jedem Land vorkommen.

Mich schockierte ein weiterer Fall, in dem am 30. Mai ein 3-jähriger Junge zu Tode kam. Nach der grafischen Rekonstruktion, die im TV zu sehen war, war ein Auto am Linksabbiegen und wartete korrekt darauf, dass der Geradeausverkehr vorbei fahren kann. Leider nahm der Linksabbieger dabei dem geradeaus fahrenden Fahrzeug die Sicht und hinter dem Linksabbieger wartete eine Familie (offenbar Mutter mit Kinderwagen, einem weiteren etwas älteren Sohn und dem Dreijährigen) darauf, an einem der in Taipei gänzlich bedeutungslosen Fußgängerüberwege die Straße überqueren zu können. Leider tastete sich der Dreijährige dabei offenbar langsam vor, so dass er am Ende vor dem Linksabbieger auf der Fahrbahn stand und vom schnell vorbei fahrenden Geradeausfahrzeug tödlich erfasst wurde. Schon mit nur meinem Sohn (3) an der Hand steht mir in Taipeis aggressivem Straßenverkehr (ich weiß nicht wo der Unfall war), in dem Fußgänger die totalen Underdogs sind, oft der Schweiß auf der Stirn. Mit einem Dreijährigen, einem etwa Achtjährigen und einem Kinderwagen unterwegs zu sein, erscheint mit auf den schmalen bürgersteiglosen Straßen mit "Gaspedal-König Toyota", den "Blue-Truck"-Henkern und Taxi-Wahnsinningen erhrlich gesagt als unauflösbarer Horror.

UPDATE: Als Reaktion auf den Mord an dem Schulmädchen wird die Europäische Schule Taipei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken.

Donnerstag, April 30, 2015

Spendenaktionen im Ausländerforum

Keine Sorge, ich fordere Sie nicht auf Geld zu geben. Ich gebe auch nix.

In Taiwan gibt es - immer noch - eine gut funktionierende gesetzliche Krankenversicherung die bei mir dem dem -wohl- Maximalsatz von 1000 NT im Monat (nach 1:40-Standardkurs vor der Euroabwertung waren das 25 Euro) mehr zahlt als die deutsche KV. Jedenfalls bekommt man hier auch Erkältungsmedikamente bezahlt. Alles schwerwiegende wird sowieso übernommen, auch wenn es ebenfalls Krankenhaustagegeld und eine Praxisgebür (200 NT, 150 NT für Kinder) gibt.

Trotzdem passiert es immer wieder, dass das alteingesessene Ausländerforum Taiwans bei verunfallten Ausländern zu Spendenaktionen aufruft. Die allgemeine KV wird dabei erst gar nicht diskutiert und ich wundere mich jedes Mal.

Jetzt war wieder eine tolle Geschichte. Da ist ein "Englischlehrer", der stets und ständig mit einem schweren Motorrad mit hoher Geschwindkeit durch den taiwanischen Verkehr rast, wohl teilweise mit einer Hand und sich dabei filmt. Auch die Taiwanpresse hatte ihn schon auf dem Kieker. Geld verdient er mit Motorradtourismus und wohl seinen Videos. Mir sind seine Hochgeschwindigkeitsfahrten im öffentlichen Verkehr immer unsympathisch gewesen, das gebe ich gerne zu.

Als er schließlich verunfallt ist - bei langsamer Fahrt wie er sagt - gab es wieder eine Spendenaktion, bei der diesmal wohl eine Million NT gesammelt wurden. Der Motorradkünstler offenbart dann Details über die Trennung von seiner Frau, lädt sich zwei Freunde nach Taiwan ein und bezahlt deren Flugtickets, um seine mittlerweile in seine neue Wohnstatt eingezogene Frau physisch ruhig zu stellen. Dann fliegt er nach Australien und lässt es sich gut gehen und die Leute schreiben im Forum "Oh Gott, wo ist nur mein Geld geblieben?"

Letztlich ist das mit der gesetzlichen Krankenversicherung eben keine schlechte Sache, da weiß man wer was wofür zahlt denke ich. Und ich gebe zu, ich bin wieder mal unsolidarisch. Und verblüfft, wofür die Leute spenden. Gibt es nicht wirklich Bedürftige? Levitenleser aus dem Forum nur zu, der olle Ebenezer Scrooge hat wieder mal keinen Kreuzer raus gerückt.... Das Taiwanblog freut sich, dass nichts schlimmeres passiert ist und gratuliert zur Genesung.

Andererseits, Leute dafür zu bezahlen, nicht mit dem Motorrad mit einer Hand durch den Verkehr zu rasen hat auch schon wieder eine gewisse Logik...