Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label Reisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Reisen werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, Juli 02, 2020

Surrealistisch (Corona-Krise)

Das letzte intakte Land der Welt erlaubt einen merkwürdigen Blick auf die Welt

2019: Immer die selbe Routine. Morgens aufstehen, ein paar Vorkerungen für Junior treffen. Müll einsammeln in der Küche und eintüten, gucken, dass Frau ihren Wecker hört. Frühstück kaufen. Junior beim Schulbus oder in den Ferien wie jetzt bei Oma abliefern. In die Firma fahren. Beim Frühstück im Netz surfen. Spiegel.de und Guardian.com. Vieleicht mal die Trivia der TV-Serien lesen. Aha, bei The Walking Dead kommt Person X, seit 2 Staffeln tot, noch mal als Gast wieder. Schulterzuck. Aha, neue Serie über eine Pandemie, bei der nur unsere 5 Helden überleben. Arbeiten...

2020: Alles wie oben, nur ist irgendwie die Serienwelt in die Wirklichkeit geschwappt. Taiwan ist Corona-frei, aber die Welt ist im Fieber. Die US-"Regierung" hat das Regieren endgültig aufgegeben. Na ja gut, Trump. Der passt auch eher in die Serienwelt. Nur dass ich keine TV-Serien von Mel Brooks ("Spaceballs") gucken würde. Einreise nach Deutschland mit Frau wäre schwieriger als früher in die DDR. Notiz: Keine Druckerzeugnisse und Schusswaffen mitnehmen. Haben die Grenzer immer gesagt.

Taiwan gilt im Covid-verseuchten Deutschland immer noch als unsicheres Reiseland. Aus politischen Gründen. Weil wir China sind. Schulterzuck. Klar. Oder Brasilien oder vielleicht sind wir auf dem Mars. Weit genug weg von der Welt in Deutschland komme ich mir vor.

Montag, Mai 11, 2020

Wann wieder nach Deutschland

3 Szenarien

Kürzlich stand ja noch das Rückwandern nach Deutschland zur Diskussion, weil es Junior auf seiner Deutschen Schule doch recht schwerfällt mit dem Deutsch. Ihm fehlt ja ein deutsches Umfeld. Aber durch Corona ist das in weite Ferne gerückt. Doch wie sieht es überhaupt mit dem Reisen aus?

Szenario 1

Es gibt nie einen Impstoff oder eine Behandlung, aber Covid-19 verschwindet wie vor 100 Jahren die Spanische Grippe. Die hat 2 Jahre 11 Monate gedauert. Dann könnte ich wohl frühestens 2023 wieder auf Heimaturlaub und meine Mutter besuchen. Und die Uhrensammlung. Und das Auto in der Garage. Nicht ganz unrealistisch. Vorher würde ich es ungern tun, denn Covid-19 ist nun mal Russisches Roulett. Von Reisebeschränkungen Taiwans ganz abgesehen, das sich mit 0 Neufällen (seit 1 Woche, Stand 11.05.2020) abgeschottet hat.

Szenario 2

Wie 1, nur mit Behandlung, die die Todesrate geringer macht. Vermutlich bleibe es trotzdem bei Szenario 1. Oder würde ich das Restrisiko für Heimaturlaub in Kauf nehmen? Oder wäre ich dann eine Gefahr für meine Mutter, die um die 90 ist?

Szenario 3

Impfstoff 2021, für alle verfügbar 2022. Dann also erster Heimaturlaub in 2 Jahren.

Seufz. Ja danke China. Und guten Appetit beim rohe Krake futtern oder was als nächstes kommt.

Reiseschuhe und -Uhr werden u.U. nicht mehr benötigt...

Freitag, Juni 17, 2016

Ludigel: (erneute) Auswanderungsvorbereitungen

Für den Fall, dass wir nun tatsächlich in die Strümpfe kommen und nach Manila auswandern, schnell noch Foto-Altlasten abarbeiten. Hier einige Schüsse aus dem "Studio City Hotel" In Macao (nicht Manila), die die Auswanderungsstimmung Marke Weltraumbahnhof ganz gut wiederspiegeln.

 Ab in die Raumkapsel, Louise, wir wandern wieder aus.

Und Vorsicht beim Eintritt in den Hyperraum, bis dahin muss das Stinky Tofu gegessen sein.

Der Weltraumbahnhof von unten gesehen.

Tickets und Visa für den Planeten Zhul sind im Hotelpreis mit Inbegriffen.

Alternativversion. Mit dem Piloten kann nix schief gehen.

...

Womit wir den dritten Teil der Macao-Urlaubsdia-Reihe auch hätten. Hier der zweite Teil: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/03/macao-tail-2-fake-venedig-aber-nett.html

Die Altstadt freilich ist weit weniger dramatisch.

Beim Fotografieren muss man freilich das Smartphone-studierenden jungen Menschen ausweichen. Die können das ja mit Laufen und Gehen ;-)

Nur die Tablettfotografen mit dem sprichwörtlichen Brett vorm Kopf leben da noch gefährlicher als wir Kameraleute und Smartphonegeher. Werden aber immer weniger. Wahrscheinlich werde sie alle irgendwann an Steilküsten in die Tiefe geweht.

Der geneigte Leser sei vor heavy Fotoblogging gewarnt, das hier wohl in der nächsten Zeit kurz vor der Weiterauswanderung noch stattfindet.

Dienstag, März 01, 2016

Macao Tail* 2: Fake-Venedig, aber nett

Zweiter Teil: Wie nett ist Fake-Venedig, warum reist man ständig von Hotel zu Hotel und wo ist jetzt eigentlich das richtige Macao. Oder ist es das schon?

Teil 1 hier

Bei der Reise durch Macao, der portugiesischen Ex-Kolonie, die längst heim im chinesischen Reich ist, tingelten Frau, Junior und ich meist einfach von einem Hotel ins andere. Hinten dran hatte unser Hotel einen großen Busbahnhof mit Gratisbussen, die draußen dran schon die Reklame ihrer Hotels hatten. Man steigt ein und ist im nächsten Hotel. Das ist dann wie auch das eigene Hotel ein Themenhotel mit Casio, man bestaunt eine andere Kunstwelt, etwa ein güldenes Reh - und isst anderes Essen. Auch nett.

Man ist doch von seiner Weltreligion geprägt und muss dann irgendwie an die Bibel denken. Auch wenn es kein Kalb ist.

Thema dieses Hotels hier ist wohl Metro-Goldwin-Mair, wie immer die sich auch genau schreiben.

König der Themenhotels ist für mich aber das "Vencian". Während ich über die Deko staunte, rannten meine taiwanischen Mitreisenden im Eiltempo an der Venedig-Kulisse vorbei, weil es in dem Hotel irgendwo einen leckeren Teigtaschen-Stand geben sollte, von dem schon die ganze Greater-China-Welt sprach. Sie würdigten die Kulisse keines Blickes, kannten ja auch die Originalbauwerke nicht, wie ich mich durch Nachfragen vergewisserte. Also nur ein Brücke mit Dach und ein Turm halt. Eben keine Sweet Buns. Edit: Tolle Verzerrung bei 28mm-Fullframe. Habe auf Korrektur mal verzichtet, Pisa liegt ja irgendwie in der Nähe.

Hinten sieht man meine der lecken Teigtasche entgegen strebende Reisegruppe, die sich wunderte, wieso der Ausländer im Team unbedingt das Hotel fotografieren wollte.

Auch prächtige Innendeko konnte ich kaum fotografieren. "Ludigel, the sweet buns are famous!". Wer kennt diesen Schlachtruf nicht aus der Ehe aus Taipei. Man muss unbedingt zur Garküche 1457423 in Taipei, wo es genau das selbe Essen wie anderswo gibt, nur eben teurer und mit 2 Stunden anstehen. Weil famous. Weil ein Schwippschwager des Garküchenaushilfskochs beim Fernsehen arbeitet. Also mehr schlecht als Recht das Innere abgelichtet und auf zum Sweet Bun.

Die Deckenmalerei zeigte Michelangelos "Sweet Bun mit brauner Soße und nackter Frau".

Hier hatte man dann Abendstimmung am Mittag, denn große Teile des Hotels sind eine nachgemachte Venedig-Landschaft mit Kunsthimmel.

Auch wenn die Deko der Geschäfte nicht immer zum Ambiente der Papparchitektur passte.

Ob es wohl Gondeln gab?

Gab es, waren aber zu gefährlich, urteilte meine Frau. Man achte drauf, wie diese andere Reisegruppe hier um das Überleben kämpft.

Drinnen war es schattig und kühl der Klimaanlage halber, draußen eher heiß.

...

...

Nett allerdings der versprochene Food-Court, auch wenn ich vergessen habe, welche der zahlreichen Spezialitäten nun "famous" gewesen war. Unsere Reisegruppe orderte dann immer ein Teil des Essens, teilte das durch alle 8 oder dergleichen Anwesenden und so bekam ich kaum einen Eindruck von dem Essen. Vom Sweet Bun mit Kotelett hatte ich nur eine Fleischfaser und einen Krümel abbekommen nebst dem Knochen. Taiwaner genießen anders. Denn Ziel war, möglichst viele Speisen mal partiell zu kosten, nicht etwa etwas richtig zu Essen.

 ...

.... Verdammt, jetzt hat einer die Nudelsuppe schon wieder ausgelöffelt, kaum mache ich ein Foto.

Geht man in Macao einfach planlos in eine Richtung, landet man zwangsläufig an einem Kasio.

Mehr beim nächsten Mal...


*Offenbar ein Freudscher Schreibfehler, weil dem Viech im ersten Bild das Schwanzerl fehlt.

Donnerstag, Februar 25, 2016

Trip nach Macao, Teil1

Gerne vergessen. Bei ehemaligen europäischen Kolonien in China denkt man immer nur an Hongkong, aber in der Nähe liegt noch ... das Spielerparadies Macao, das auch Nichtspielern wie mir einiges zu bieten hat.

Beim Thema Reise nach Macao wäre ich fast negativ eingenommen gewesen, war mir doch ein negativer Reisebericht aus dem merkwürdigen Buch "Why China will never rule the world" von einer Art zornigem Englischlehrer aus Taiwan noch gut im Gedächtnis. In dieser von mir sogar mal elektronisch erworbenen grenzenlosen Hasstriade gegen China insgesamt schneidet auch Macao nicht gut ab. Ich hatte noch im Kopf, dass es irgendwie schmuddelig sei und das Sprechen von Portugiesisch, das sich aus der Zeit als portugiesische Kolonie bis um das Jahr 2000 erklären würde, nur vorgetäuscht sei. Um Touristen abzuzocken legt der Autor nahe.

Von Macao sah ich erstmal nur einen sauberen Flughafen. Und sofort denkt man, da müssten überall Portugiesen herumlaufen. Denn überall steht Portugiesisch zusammen mit Englisch und Chinesisch in traditionellen Schriftzeichen. Meist steht das Portugiesisch sogar zu oberst, wo man sich anstellen muss (für Deutsche nur ein Landing Visa, das man NICHT am Visakiosk abholt sondern einfach bei der Passkontrolle bekommt) und etc. pp.

Wenn man einmal den Reisebus verlassen hat, merkt man allerdings schnell, dass hier eigentlich niemand Portugiesisch spricht, ganz so wie es auch der oben referenzierte Autor bekritelt hatte. Portugiesisch ist Folklore und wird in Macao auf Straßenschildern und in Behördenvorgängen gepflegt. Schließlich sprechen klassisch humanistisch gebildete Leute in Deutschland ja auch manchmal ein paar Brocken Latein im Alltag. Keine Touristenabzocke wie der Chinahasser vermutet, sondern halt Tradition. Warum auch nicht. Man spricht Kantonesisch auf den Straßen, wie auch in Hongkong, was meine Madarin sprechende Frau nicht verstand. Aber viele Macarener sprechen auch Mandarin. Und ja, das Durchschnittsgesicht in Macaos Straßen ist natürlich ein Chinesisches, was auch klar sein sollte. Nur einmal habe ich veritabel Portugiesisch gehört, von zwei auch portugiesisch aussehenden Herren in ihren Spätfünfzigern in der Altstadt, die im Gegensatz der meisten anderen wahrnehmbaren westlichen Herren nicht das typische Tourioutfit (etwa Streifenhemd mit kurzen Ärmeln, kurze Hose und Sandalen nebst Backpack) und auch nicht den in den guten Hotels dominierenden grauen Anzug trugen.

Neben der charakterreichen Altstadt, die wie ein Mix zwischen Taipeis Schlichtwohnvierteln und portugiesischen Altstädten wirkt, besteht Macao aus vielen Baustellen und schon fertigen Themenhotels. Unseres ist im Bild und hatte sich das Thema Kino als allgegenwärtiges Aushängeschild gesetzt. Es gab also Metropolis-ähnliche Stahlfiguren überall und der hintere Teil des Hotels erinnerte von außen an Hollywood-Filmstudio-Hallen (nicht im Bild, linkerhand fängt es langsam an).

Ganz leise war das Hotelzimmer so ab 8 Uhr morgens nicht mehr, der benachbarten Baustelle halber, wo auch gerade wieder ein neues Riesenhotel entstand (hier mit Mitreisendem im Bild). Nebenan entstand auch gerade der Eifelturm.


Die schicke große Kunstwelt des Hotels mit Batman-Themenshop und einen doch eindrucksvollen 3D-Batman-Kino-Vorführung (sinnfreier, aber effektvoller Kurzfilm) kann einem nach einem Tag doch schon auf den Geist gehen und man sehnt sich nach dem wahren Macao, das es ja auch irgendwo geben muss. Auch wenn man sich später an der guten Fressmeile des Hotels erfreuen kann und eine Fetisch-Multileinwand-Show mit einer Straps-Tänzerin auf dem nachgemachten Time Square im Innern des Hotels, irgendwo zwischen dem Hublot- und dem Tag-Heuer-Uhrenshop, schon zum zehnten Mal gesehen hat.

Nein nein, eine richtige Fetisschshow ist es nicht. Auch wenn die Darstellerin in dieser Hinsicht anderweitig bekannt sein soll. Hat mir einer erzählt. Junior tanzte zu den lauten Jazzklängen, während auf mehreren Bildschirmen die Hupfdohle das Tanzbein schwang.

Den Namen des Hotels habe ich wieder vergessen. "Movie Studio Hotel" oder irgendwie so.

...
...

Ah, "Studio City" heißt das Hotel. Lecker oben rechts in der Fressmeile ein Brötchen oder Sweet Bun mit einem Kotelett drauf. Simpel und ungeheuer typisch macarenisch, habe ich gehört.

 Ob die Fetischtänzerin oder der allgegenwärtige Roboterverschnitt inspiriert vom alten deutschen Film "Metropolis" nun hübscher war, das überlasse ich in diesem ersten Teil dem Auge des geneigten Lesers. Ach so, die Hotels haben alle ein Kasio und Junior (4) und sein Reisekumpel haben regelmäßig erfolglos versucht, die strenge Einlasskontrolle >18 zu überwinden. Was recht lustig war. "Ablehnung im Leben muss er auch kennenlernen", bemerkte meine Frau weise dazu.

Montag, Februar 22, 2016

Und wo war der Ludigel nun?

Eine Reise in die Nachbarschaft in Asien. Ja, wohin den eigentlich?

Wer weiß spontan etwas mit diesem Schild anzufangen? Dann bitte in den Kommentaren posten, worum es sich handelt.





Wo in Asien sieht man solche Schilder? Sogar in einer praktisch offenen Imbissbude übrigens, damit der neben dem einzigen halbhohen Ausgang stehende Angestellte auch weiß, wo es raus geht - wenn er nicht gerade über den Tresen springen will bei Friteusenfeuer.

Na? Demnächst mehr von der Reise hier im Blog.

Mittwoch, Dezember 25, 2013

Einfach ein paar Fotos aus den Bergen

Mehr Fotos nachgereicht zum Ausflug nach Nantou, in der Gegend dort jedenfalls.

Kurz angehalten für ein schnelles Foto. Leise! Junior schläft im Kindersitz. Ländliches Mitteltaiwan, nett. So ganz anders als Taipei.

Blick in die Ferne vom Hotelbalkon

Schafe im Foyer eines anderen Hotels, die sind in der Gegend die große Attraktion sind. Im Jahre 2006 hatten wir den örtlichen Schafs-Abenteuerpark besucht (http://osttellerrand.blogspot.tw/2006/05/jesus-lives-he-preaches-in-taiwan.html), diesmal war der Besuch wegen der gerade neu nach Taiwan gekommenen Tollwut (Taiwan war bis vor kurzem tollwutfrei, ist es jetzt nicht mehr) gestrichen. Tollwütige Schafe sind sicherlich ein grauenhafter Gedanke, ebenso wie solche mit Jacken und Hosen wie im Bild.

Für die Weitenangst meiner Frau, die sie offenbar hat, war der Blick nicht ganz das ideale, aber sonst nett.

Nervig das Hotelfrühstück, es gab Toast mit klebriger Erdnussbutter (die wenig leckere Buffetvariante) und chinesisch-traditionellen "Jo" (wie immer man das schreiben mag), also Reisbrei mit gekochtem Salat, Nüssen und allerlei teils scharfen Kleinbeigaben. Nicht so das Wahre für mich, abel auch nicht weiter schlimm. Wenn sie wenigstens Kaffee gehabt hätten, aber never mind, dünner Tee war auch ausreichend.

Nebel gab es auch manchmal...

Taiwanische Pensionen haben manchmal europäischen Stil; hier netter Blick ins neblige Tal.

Der Buddha im Hotelfoyer inspiriert zu ruhiger Fahrweise, trotz hektischer taiwanischer Serpentinenraserei.

Ha! Da haben wir ein schönes Beispiel für den unterschiedlichen Blickwinkel von Langzeitexpat wie mir und Kurzzeitbesucher Taiwans, wie er in der letzten Zeit hier im Blog in den Kommentaren offenbar wurde. Der Kurzzeitbesucher sitzt gemütlich im Reisebus und wird gefahren, während der Langzeitexpat am Steuer seines Autos sitzt und den Reisebus hupend auf der Stoßstange kleben hat vorm Abgrund am Bergtale. Dann ist der Langzeiter vom Verkehr genervt, während der Kurzzeittourist die Aussicht genießt.

Der Kurzzeiter denkt auch: "Oh Reisbrei, wie interessant!", während der 10-Jahres-Taiwaninsasse denkt: $%&§@# !!!

Newbies lesen vor Kommentieren bitte erst mal die Einführung zum Blog vorm Kommentieren, danke.

Donnerstag, November 07, 2013

Das vergessene Wochenende

Ludigel hatte kürzlich ein entspanntes Wochenende in Taiwans östlichen Bergen.
OK, formulieren wir das noch mal neu. Ludigel war neulich in Taiwans östlichen Bergen.
Dritter Versuch: Ludigel ist neulich mit dem Auto durch Taiwans Serpentinen gerast.
So kommt es eher hin.

Mir fiel es heute wie Schuppen aus dem gealterten roten Drachen: Ich war ja neulich in idyllischer Umgebung in Osttaiwan, Region Nantou. So müsste das heißen. Nur ein Wochenende lang, einquartiert in idyllischer Umgebung. Gleich nach dem Deutschlandurlaub von Gattin und mir war das. Und ich habe den Trip völlig aus dem Gedächtnis gelöscht. Na fast völlig. Und die mit der großen Kamera gemachten Fotos nicht mal angesehen. Hier nun also schnell die Fotos von der Kompaktkamera.

Schon die Fahrt in den Osten, auch ein bisserl nach Süden, legt nahe, dass Taiwan auch anderes zu bieten hat als die Schlichthausviertel und Wellblechgewerbegebiete, in denen ich meist zu tun habe.

Da denkt man das angetraute Eheweib schlummert friedlich auf der Rückbank und man kann mit einer Hand mal ein Foto auf dem leeren Highway schießen, da wird sie auch prompt wach und belehrt einen den Rest der Fahrt über Fahrsicherheit. Na, geschieht mir als sicherheitsversessenem Deutschen Recht.
Don´t try that at home. Na ich meine: unterwegs. Ich hatte allerdings nur 90 km/h drauf statt der erlaubten 100, weil ein Taiwanforum die Erkenntnis geliefert hatte, es würden einem bei schnellerer Fahrt die Trommelfelle zu sehr strapaziert, des enormen Druckausgleichs wegen. Wer will da dieser Weisheit widersprechen.

Einmal angekommen fand ich unsere Pension schon surrealistisch schön. Oder besser die Umgebung. Da schlägt man als Schlichthausviertelbewohner lang hin. Die Fahrerei auf den dicht befahrenen Serpentinen ist freilich nicht ganz ohne.


 Automatisch wollte ich in den Vacationmodus schalten, allerdings hatten wir sofort einen Termin zum Geschäftsessen bei supertollem Taiwan-Seefood mit dem ganzen Team. Am nächsten Tage, dem Sonntag, sollte allerdings Zeit für Sightseeing sein.


 Man habe Verständnis für die Fotowiederholung oben, ich habe nicht so viele machen können. Hier sieht man den engen Parkplatz, auf dem das Rangieren auch schon eine nervige Angelegenheit war mit so einem SUV-Ding wie wir haben.

Der Sonntag fand dann aber nach dem Motto "man kriegt den Ludigel aus Taipei, aber nicht Taipei aus dem Ludigel" statt. Denn zu meiner Verblüffung bekam die Mutter meines Sohnes nun ähnliches Unwohlsein wie beim kürzlich zurück liegenden Deutschlandurlaub. Einen Trip, den ich ob des Dauerdeutschlandkollers der Ehegattin irgendwo im Erfolg zwischen der Atlantiküberquerung der Titanic und den Hitler-Chamberlain-Verhandlungen einsortiert habe. Da keimte mir der Verdacht, dass der Deutschlandkoller meiner Gattin eigentlich eher eine Art Weitenangst sein könnte. Wie auch immer, man ist ja selber schuld, wenn man sich ohne anwendbares Studium aus dem Haus getraut hat und so viel mir auch keine Lösung zur Symptombekämfung ein. Meine Gattin hatte sofort eine zur Hand. Sie machte einen Massagetermin, sofort in 2 Stunden oder so in Tainan, was irgendwie auf dem Wege nach Taipei liegt. So düste mein Nissan X-Trail alsbald mit pfeiffenden Reifen von der hier abgebildeten Startrampe und eierte mutig um die Serpentinen. Nur ein Maserati hat mich in einer Kurve bei Gegenverkehr überholt. Na, der darf das.

Wir rasten also Tainan entgegen, wo uns ein uralter Taiwaner eine Massage verpasste, die mir zwar jedwede Verspannungen nahm, dafür aber Zwangsneurosen bescherte.


Hier öffnet sich das Tor hinaus in die Freiheit. Da sich der über 80jährige Mann mit eindrucksvollem Kinnbart die Freiheit nahm, Aushölungen des Körpers in seine Massage mit einzubeziehen (des Steßbeins wegen sagte er auf meine schmerzverzerrte Nachfrage), flüchtete ich alsbald ins Auto vom Gelände der Massagepraxis Dr. Fu Man Chu in Tainan.

Ganz hinten rechts das Garagentor ist es. In Taiwan ist ja irgendwie immer alles in Garagen. Wie auch immer, meiner Gattin ging es hier auf dem Hofe (nicht während der Massage: Aua!) richtig gut und alsbald jagte mein Auto wieder dem heimatlichen Taipei entgegen. Und ich weiß jetzt wieder, warum ich mich an den Trip nicht erinnern wollte. Vielleicht machen sie einfach das selbe.Taiwan, eben doch mit "h".

P.S.: Während der Fahrt von den Bergen nach Tainan hatte ich im Augenwinkel etwas gesehen, dass wie der Königssee in Bayern aussah. Nett. Aber nur ein Sekündchen lang. Der Maserati und ich hatten es eilig.