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Freitag, Mai 31, 2013

Wieder Gift im Essen

Industriegift in Milchprodukten, wieder mal

Taiwangeprüfte (ein neues Wort für Langzeitexpats ;-) erinnern sich sicher noch an den Flüssigkunststoffskandal, bei dem eine große Zahl an Lebensmitteln in Taiwan (alles was eigentlich mit Palmöl sämiger gemacht werden soll, also Eistees, Industriegetränke generell, Backwaren, Eis, Milchprodukte etc.) mit einem industriellen und leicht toxischen Ersatz für das Palmöl versehen war. Ich hatte in all den Jahren, die ich in Taiwan war, eine im Vergleich zu meinen Deutschlandaufenthalten stark erhöte WC-Frequenz und immer, wenn ich Eistees oder Säfte etc. hier trank, einen stark juckenden Ausschlag. Letzteres hatte mich damals zur weitestgehenden Industriegetränk-Abstinenz gebracht und siehe da, der Juckreiz verminderte sich deutlich. Als dann der Flüssigkuststoffskandal aufgedeckt wurde durch die taiwanische Nahrungsmittelkontrollbehörde ging es mir schlagartig besser, aber ganz verschwanden die Beschwerden nie.

Vor ein paar Tagen dann überfiel mich so eine Milchproduktsucht, wahrscheinlich weil man hier in Taiwan wenig Milchprodukte kredenzt bekommt. Ich trank literweise Milch und Trinkjoghurts über einen Zeitraum von zwei Tagen. Die Strafe stellte sich sofort ein, ein juckender allergischer Ausschlag am Kopf und besonders an den Ohren, letztere entzündet, was sich mit Allergietabletten kurieren lies. Und Milchproduktabstinenz.

Eben kam es im TV: Eis, Joghurt und andere Milchprodukte sind mit einem industriellen Mittel versetzt das toxisch ist, die Kontrollbehörde hat es wieder gefunden. Da wird mir nachträglich Angst und Bange, was ich da alles zu mir genommen habe die Tage. In einer Woche habe ich wieder einen Gesundheitscheck, da darf ich gespannt sein. Wenn ich wieder schlechte Blutwerte habe, kriege ich diesmal Salat und Zehnkampf von der Krankenschwester ein Stockwerk höher verschrieben, ich ahne es schon.

Was zu der Frage führt: Was knallen die Taiwaner in den Salat? Oder auf die Felder?

"Immel lein damit" scheint hier doch die Maxime zu sein. Aber immerhin gibt es die taiwanische FDA, die Nahrungskontrollbehörde, die immer mal wieder was findet. Vielleicht sollten die mich als Tester einstellen. Wenn ich anfange mich zu kratzen, können sie den Alarmknopf drücken...

*** Disclaimer: Sollten Sie der Meinung sein dass Taiwan in diesem Beitrag zu schlecht weg kommt: Dies ist eine persönliche Notiz auf eine mich direkt betreffende Pressemeldung und keine allgemeine Aussage über Taiwan. Alle sind herzlich eingeladen in den Kommentaren abzuwägen und zu korrigieren ;-) *** #

Virtuelle FAQ: "Ich trinke taiwanischen Bubbletea in Deutschland, betrifft mich das / muss ich jetzt sterben?"
Antwort: Nein ;-) Bubbletea in Deutschland verwendet Instantpulver, das teilweise in Internetbörsen angeboten wird und teilweise aus Vietnam und ähnlichen Ländern kommt. Das hat mit taiwanischer Milch etc. nichts zu tun, denn niemand wir die in Taiwan rare und teure Milch aus Taiwan verschiffen, um sie in Deutschland in den Tee zu geben. Auch die Bubbles im Bubbletee in Deutschland sind völlig anders als die (wenig süßen) in Taiwan.

Donnerstag, Mai 30, 2013

Angriffe auf Philippinos Falschmeldungen? (UPDATE)

+++ Weiterer Update in der Taiwan/Philippinenkrise: Laut einer philippinischen Zeitung zeigt das vom auf das taiwanische Fischerboot feuernden philippinischen Boot aufgenommene Video, wie die philippinischen Schützen vor Vergnügen lachen und feixen, während sie auf das unbewaffnete Boot feuern: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/06/03/2003563856 +++

Taiwan-Philippininen-Krise flaut ab

Eine ganze Weile beschäftigt Taiwan schon der Konflikt mit den Philippinen, deren Patrouillenboot in umstrittenen Gewässern ein taiwanisches Fischerboot beschossen hat, was zum Tode eines Taiwaners durch eine Schussverletzung führte, letzter Bericht hier: http://osttellerrand.blogspot.de/2013/05/philippinentaiwan-krise-zwei.html
Die Krise führte zu regelrechter Kriegsstimmung hier in meinem Umfeld jedenfalls, die auch noch durch recht hetzerische TV-Berichte angeheizt wurde, in denen Seeschlachten grafisch durchgespielt wurden. Außerdem interviewte das TV philippinische Dienstmädchen und Arbeiter in Taiwan und brachte diese damit sicherlich in eine unangenehme Situation. Immer wieder hörte man von vereinzelten Angriffen auf philippinische Arbeiter in Taiwan (etwa hier: http://www.mb.com.ph/article.php?aid=12728&sid=1&subid=2) oder auch von Boykotts taiwanischer Restaurants/Imbissstände, Philippinos zu bedienen. Möglicherweise waren diese Berichte gefälscht: einige jedenfalls entpuppten sich als falsche Facebook-Hypes, die nach dem Hörensagenprinzip in Umlauf gebracht worden waren: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/23/2003562941.

Unterdessen bauen sich die Spannungen etwas ab, Taiwan und die Philippinen untersuchen den Fall gemeinsam und begutachten dabei auch das Video, das das angreifende philippinische Boot von dem Vorfall aufgenommen hat (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/05/28/2003563377) und es gab sogar eine gemeinsame Musikveranstaltung mit Philippinos in Taiwan: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/05/27/2003563292.

Leider schwelt ein neuer Territorialkonflikt irgendwo um ein Riff in umstrittenen Gewässern, auf das die Philippinen ein Schiffswrack "geparkt" haben (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/30/2003563520), aber solche Seegebietskonflikte hat es hier schon immer gegeben. Problematisch wird es eben nur, wenn jemand scharf schießt. Und das waren bei dem derzeit untersuchten Fall die Philippinos mit ihrer "Küstenwache".

Mittwoch, Mai 29, 2013

Abendspaziergang

Abends in NeiHu, 22 Uhr oder so. Ein paar Paare gehen am See spazieren. Und ein Adogah mit der Kamera.

Den Weg zum See finde ich freilich immer relativ abschreckend, er geht durch zugebaute Betonlandschaft, teils bürgersteiglos und man hat viele knatternde Mopeds an sich vorbei fahren, was auch entsprechend riecht. Auch wenn dieses Haus so freundlich "Bonjour" sagt, ein eher seltener Gruß in Taipei. Unten links im Bild, ich habe mal der Versuchung widerstanden die Schatten aufzuhellen, alle Bilder sind unbearbeitet* aus der Kamera genommen.


Ein Schulgemlände im Vorbeigehen. Gruß ins Nachbarblog dunkelangst.org wegen unserer Schwarz/Weiß-Bild-Diskussion. Hier kam mir der Gedanke, dass dieses Bild farblos schöner aussehen würde, als mit dem grünen Schulzaun. Wobei ich der Versuchung widerstanden habe, die Farbtöne zu ändern oder die Farbsättigung zu reduzieren.

Deutsche Leser sollen sich an dieser Stelle nicht wundern: Hier fehlt der junge Mann mit der Baseballkappe, der dem Paar im dunklen Park folgt. Gibt es so in Taiwan nicht.

Kurz ging ich noch im Park bei meinen beiden Bekannten vorbei. "Wirklich? Palmenromantik heute?" Schnell suchte ich das Weite, das war mir zu schwülstig. Die beiden sind immer nur mit einem beschäftigt, da kann man noch was von lernen von der Herzerei.

 
Ruhe im Park. Ganz angenehme Stille nach dem hektischen asiatischen (will sagen: dichtbevölkerten etc.) Alltag hier am Rande der Weltscheibe. Auch wenn es nach meinem Blogspot-URL-Wechsel wohl kaum noch einer liest. Aber das macht es um so stiller. Auch hier das Foto unbearbeitet, die Buntheit ergibt sich aus der Schwierigkeit bei Straßenlaternen verschiedener Farbtemperatur einen vernünftigen Weißabgleich zu erzeugen.


Kamera etwas nach links geschwenkt und das Seeufer erscheint auf dem Foto noch bunter. In Wirklichkeit sah es nicht so bunt aus, weil das menschliche Auge und vor allen Dingen das die optischen Signale verarbeitende Hirn ein wahrer Meister im Weißabgleich ist. Fiel mir immer wieder auf, als wir noch das Reiehenhaus auf dem Lande hatten. Unter dem grünen Plexiglasvordach waren meine Digicamfotos völlig grünstichig, während mit bloßem Auge betrachtet alles okay zu sein schien. Nur mein rotes Hemd, das ich manchmal anhabe, schien mir merkwürdig lilafarbend zu sein.

Als ich dieses Foto machte, war es aber gleich vorbei mit der Ruhe. Wer genau hinsieht, erkennt unten an der Wasserlinie zwei Männer, die dort mit leuchtenden Ködern am Angeln waren. So wie ich die Kamera hielt, sah es wohl so aus, als würde ich die beiden eingehend beobachten und ihr Treiben dokumentieren. Die Lektion die man lernen muss auch als Hobby-Fotograf ist, dass man eben immer mit der Umwelt interagiert und nicht nur still und leise dokumentiert. Die beiden Leuchtangler ignorierten mich, aber eine Passantengruppe mit einem resoluten älteren Herrn blieb neben mir stehen, der Mann sah dort hin wo ich die Kamera halte und rief dann den beiden Nachtfischern etwas unfreundlich klingendes zu, irgendwas mit "was macht ihr da". Da fand ich es war Zeit, schnell weiter zugehen, um  nicht in einen Streit verwickelt zu werden, mit dem ich nun wirklich nichts zu tun hatte. Darf man dort angeln oder nicht? Tagsüber tun es viele dort. Aber vielleicht ist Nachtleuchtködern etwas verbotenes? Da ich durch Blogspot-URL-Wechsel meine Leser vergrault habe ;-) wird wohl kein Angler im Blog sein, der hier aufklären kann.

Nach so viel Aufregung noch schnell rüber zum kleinen Tempel mit den hübschen roten Lampenions. Hier war das Hundchen ganz aufgeregt, dass es endlich nach Hause ging und ich tat es dem Wauwi dann gleich. Jetzt fehlt noch eine lustige Bemerkung am Schluss des Artikels. Irgendeine Analogie zum Fischereistreit zwischen den Philippinen und Taiwan vielleicht. Aber wie passt da der Hund rein? Ich kriege es heute einfach nicht zusammen...


*Freilich hat die Kamera schon eine automatische Schattenaufhellung eingestellt gehabt und bei der Aufnahme mit den grünen Bäumen habe ich nachträglich die Farbtemperatur korrigiert, damit das Bild wieder so wirkte wie mit bloßem Auge

Montag, Mai 27, 2013

Neues Hobby

Dieser Tage gucke ich mal, wie es nun mit meiner Identitätsaufräumerei geklappt hat. Mit dem angekündigten Tod dieses Blogs um den nächsten Ersten herum ist es natürlich ein bisschen so wie mit der alten Erbtante, die immer über mangelnden Appetit klagt und alle haben schon den schwarzen Anzug respektive das schwarze Kleid raus gelegt und dann klagt sie doch immer weiter und weiter...
Meine eigene eben solche Erbtante mochte ich wahnsinnig gern allerdings und war wirklich schockiert, als es dann soweit war. Sie war so herrlich großbürgerlich mit altmodischem Sarkasmus, der im Alter immer stärker hervor trat - und ich sie immer mehr mochte.
Ups... wo waren wir.... ach ja, eigentlich wollte ich über mein neues Hobby schreiben, abends mit dem nassen Wischmob Riesenkäfter (mausgroß) in meiner Wohnung zu jagen. Praktisches Ding, wenn die noch beinzuckenden Kadaver da drin hängen bleiben und man sie bequem im Klo entsorgen kann. Meiner Frau habe ich dieser Tage erklärt, dass das doch ein Vorteil von dem von ihr verhassten Europa ist. Wir haben Mäuse. Mäuse sind niedlich (wenn nicht gerade Mittelalter ist). Deswegen hat Disney ja auch mit Mickey Mouse Erfolg gehabt und nicht mit "Biggey Bug" oder so.
Aber dann dachte ich, dann regst Du Dich wieder so auf beim Schreiben, erwähnst dann den Essensmüll, den ein Nachbar einfach aus dem Fenster kippt, so dass er auf dem Wellblechvordach gegenüber hängen bleibt, stellst dann noch eine rhetorische Brücke zwischen den unangenehmen Begegnungen mit den Käfern und den mit Leuten in der letzten Zeit her, wie es meine sarkastische Erbtante nicht besser gekonnt hätte und dann sind wieder Taiwaner, die in Deutschland in der postmodernen klinisch reinen Loft im zehnten Stock wohnen beleidigt. Also lasse ich es lieber.
Um es, sollte es wirklich eines der letzten Postings werden, noch einmal klarzustellen, ich mag Taiwan wirklich, bin aber manchmal halt von irgendwas genervt. Meine Erbtante hatte auch immer irgendwas zu meckern. Restaurantbesuche mit ihr waren herrlich. Göttlich. Da hätte Loriot was lernen können.
So wo waren wir... die Käfer.... igitt... never mind, lassen wir das doch einfach.

Allen Lesern, insbesondere den tapferen Taiwanern, die es hier im Blog aushalten, wünsche ich eine gute Woche, egal ob sie im miniberockten Taiwan oder im feinstaubhysterischen Deutschland logieren. Egal wo man lebt und was einem passiert, man muss halt immer das Beste draus machen*.

Euer
Ludigel


* So wie mein Onkel, der "an der Ostfront" im WK-2 viele irgendwie sarkastisch wirkende Fotos gemacht hat, die Kriegsgefangenschaft im Matrosendress (er war nicht bei der Marine) bei einer Familie Renault in Frankreich zu brachte statt im Osten und sich aus dem selbigen keine Erfrierungen, sondern eben die erwähnte Tante Olga mitbrachte.Was ist nicht als Relativierung des WK-2 verstanden haben will. Die Leute verstehen ja immer alles falsch.

Freitag, Mai 24, 2013

Ruhe über allen Betonwipfeln...

Ruhe in NeiHu, Taipei. Das alte Haus ist mir wegen der anheimelnden rötlichen Beleuchtung aufgefallen..


Angenehm, dass man mit einer DSLR mit lichtstarkem Objektiv und Anti-Shake aus freier Hand schnell fotografieren kann und dann weiter geht. Wenn man ein Stativ aufbauen müsste, wäre das so ein Aufwand und am Ende würden sich noch Leute gestört fühlen. Das rote Licht kommt wahrscheinlich von einem Wohnzimmeraltar mit zwei roten Lampen, wie Schmiegermutter auch einen hat. Nur ganz so starke Glühlampen hat sie nicht drin, diese hier scheinen hübsch auf die Straße. Wer genau hinsieht (etwa durch Mittelklick in der Vergrößerung) kann vielleicht einen bläulich schimmernden Computermonitor erkennen mittig. So altmodisch, wie das Bild für westliche Augen wirkt, ist Taiwan eben nicht.


Philippinen/Taiwan-Krise: Zwei Darstellungen (UPDATE)

Darstellung des Beschusses des taiwanischen Bootes von beiden Seiten

So sehr ich die Wertungen in der Mutter aller Taiwanblogs, dem englischsprachigen "The View from Taiwan" meist auch ablehne, so sehr bewundere ich immer wieder die Recherche dort. Diesmal hat der Autor einen Link herausgesucht, der die Darstellung des Beschusses des taiwanischen Fischerbootes durch die philippinische Küstenwache von taiwanischer Seite (nach Aussage der Fischer) schildert (http://www.businessweek.com/news/2013-05-20/taiwan-fishing-crew-hid-to-escape-hail-of-philippine-bullets) und einen, der den Vorfall aus philippinischer Sicht schildert: http://www.mb.com.ph/article.php?aid=12367#.UZ6pSCS8FEg.

Schnell wie ich die Artikel überflogen habe, habe ich die taiwanische Schilderung so verstanden, dass die Fischer angeben, die philippinische Küstenwache sei schon feuernd auf das sich in umstrittenen Gewässern (die sowohl von China, Taiwan als auch den Philippinen beansprucht werden) befindliche taiwanische Fischerboot zugefahren (auf dem es keine Waffen gab), die Crew habe daraufhin das Boot auf Ruder-geradeaus und Vollgas/Autopilot gestellt und sich im winzigen Maschinenraum verborgen, während um sie herum die Kugeln einschlugen. Während der Flucht wurde dann der Motor des Taiwanbootes von Kugeln der unablässig feuernden Philippinos getroffen, so dass Treibstoff auslief und die Fischer daher manuell Treibstoff nachpumpen mussten. Unterdessen schlugen Kugeln um sie herum ein und ein 65-jähriger Fischer wurde tödlich von einer Kugel getroffen. Nach etwa einer Stunde ließ der Philippino vom Fischerboot ab. Ich erinnere mich, dass die philippinische Seite auf einer im Taiwan-TV übertragenen Pressekonferenz vom Nähern eines unbekannten "großen weißen" Schiffes gesprochen hat, dass die philippinischen Freibeuter ... äh ... Verzeihung, die Küstenwache... durch schiere Präsenz am Horizont in die Flucht schlug.

Grüner Park mit taiwanischem Senior, vermutlich philippinischer Haushaltshilfe vor unumstrittenen Gewässern


Das Taiwan-TV und auch der eigentlich pro-philippinische Blogger vom "View from Taiwan" sprechen hier davon, dass die philippinische Küstenwache sich in diesen Gewässern in Freibeutermanier benwegt, in dem sie alles beschlagnahmen, was nicht niet und nagelfest ist auf den taiwanischen Booten und man durch Zahlung einer halben Million Taiwandollar (etwa 12.500 Euro) einer Beschlagnahme des Bootes entgehen kann. Wobei, wie das Taiwan-TV ausführt, das Geld nicht verbucht wird von den Herren der Phili-Küstenwache. Und sie würden nach Feierabend die Uniformen ausziehen und dann als richtige Piraten in der Gegend agieren.

Die philippinische Seite schildert den Fall so, als habe es ein zweites taiwanisches Fischerboot gegeben und als haben die Taiwaner mit ihrem wesentlichen kleineren Boot einen Rammversuch unternommen und dann nach Warnschüssen angehalten. Dann jedoch plötzlich die Maschinen gestartet und seien davon gefahren, woraufhin das Phili-Boot auf die Maschinen des flüchtenden Fischerbootes gefeuert habe und leider offensichtlich den Fischer getroffen habe.

Meiner Meinung nach liegt hier eine deutlich übertriebene Gewaltanwendung der philippinischen Seite vor. Erstmal ist es sowieso bedenklich, ein Boot der anderen Seite in umstrittenen Gewässern aufzubringen, zweitens ist es noch bedenklicher auf das Boot zu feuern, denn wir reden ja von Fischern und nicht von Drogenkurieren. Und drittens ist das förmliche Zersieben des unbewaffneten Zivilbootes völlig außerhalb jedes Rahmens vernünftigen Handelns. Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Motivation des versuchten Aufbringens des Taiwaners eben privater Gelderwerb war, dann werden die Philippinos, ob nun in Uniform gerade oder nicht, einfach zu Piraten. Piraten, die auf eine flüchtende Beute in todbringender Absicht feuern, wie Piraten das eben tun.

Taiwan alias die Republik China hat sich bis vor dem jüngsten Vorfall in dem Gebiet zurückgehalten und keine offizielle Flagge dort gezeigt. Und das, obwohl vor 7 Jahren laut Taiwan-TV schon einmal dort ein taiwanisches Fischerboot so beschossen wurde, dass es (wegen dem Tank) explodiert ist. Wieder von der Phili-Freibeuterwache.
Jetzt ist das anders, jetzt kreuzt die Marine Taiwans in der Gegend und hat laut TV der philippinischen Seite die Aufforderung zugestellt sich dort, in Hoheitsgewässern der Republik China (Taiwan), nicht mehr sehen zu lassen.
Schauen wir, wie es weiter geht.

Meiner Meinung nach haben die beiden großen TV-Stories der letzten Zeit zu einer gewissen Grundaggressivität der Leute hier geführt. Die ich wohl in unserem engen Wohnviertel verstärkt mitbekomme habe. Erst der Fall des aus Taiwan geflüchteten (umstrittenen) Todesfahrers Z.D., ein Brite pakistanischer Herkunft, dessen Fall meiner Empfindung nach zu einem eher Anti-Westler-Klima geführt hatte. Und jetzt eben der Fall mit den Philippinen, der viele Taiwaner sogar von Krieg reden lässt und teilweise zu Angriffen auf philippinische Arbeitskräfte geführt hat. Hoffentlich beruhigt sich alles bald ein bisschen. Das sehr oft hetzerische TV sollte vielleicht eine Weile Bilder von grünen Parks zeigen. Ohne philippinische Dienstmädchen wie oben.
 


Weiterlesen im Blog bei Klaus: U.a. geplanter Film über philippinische Hausmägde.
http://www.intaiwan.de/2013/05/21/taiwan-philippines-crisis/


UPDATE:

Der viel gelesene Taiwanblogger Turton hat jetzt einen Artikel in der Onlinepresse, in dem er taiwanischen Rassismus (genau schreibt er Han-Chinesischen Rassismus, damit zielt er auf die Hauptstadt Taipei und den eher prochineischen Norden) gegenüber den "brauneren" Philippinos als eigentliche Triebfeder für die scharfe Reaktion Taipeis auf den Vorfall angibt: http://asiancorrespondent.com/108101/taiwan-philippines-fisherman/  Da kriege ich schon Magenschmerzen bei der einseitigen Sichtweise. Aber jedem seine eigene Meinung. Er schreibt einen Zwillingsartikel zu diesem (http://asiancorrespondent.com/108038/philippines-taiwan-fisherman-dispute/) eines Philippinos (?) der Taiwan als den eigentlichen "Bullie" (Schulhofschläger) in der Sache darstellt und sagt, der "Bullie" Taiwan würde die Philippinen hier drangsalieren und alles würde natürlich in philippinischen Hoheitsgewässern stattfinden (die Gewässer sind freilich umstritten, räumt der Autor rhetorisch geschickt in einem Nebensatz abschwächend ein).
Mich wundert die einseitige Sichtweise eines Philippinokorrespondenten nicht, die eines Taiwanbloggers schon.
Trotzdem möchte auch ich die hart arbeitenden Philippinos in Taiwan in Schutz nehmen und auf den Link oben zum Blog von Klaus verweisen.


Donnerstag, Mai 23, 2013

Deutsche im Gefängnis in Taiwan, 2013 Update 2

Die deutschen Gefangenen in Taiwan, wohl alles Heroin-Drogenkuriere, bislang vier an der Zahl, waren ja auch schon öfter Thema hier im Blog, etwa in diesem Artikel (http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html), in dem man auch in eine taiwanische Zelle blicken kann und der auch meinen in der Vergangenheit liegenden Besuch bei einem deutschen Gefangenen verlinkt hat. Wie unlängst berichtet (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/01/deutsch-franzose-mit-heroin-in-taiwan.html), wurde evtl. ein weiterer Deutscher verhaftet, der Drogen nach Taiwan gebracht hat, hier waren sich die Pressequellen uneinig, ob er ein Deutsch-Franzose oder ein Italiener ist. Ich kann dazu auch weiter nichts beitragen, denn ich habe seit unserem Umzug nach Taipei (das Gefängnis, in dem die Ausländer sitzen ist das sog. "Taipei Prison" in Taoyuan, recht weit entfernt) keinen weiteren Kontakt mehr.

 Vorm dem Landen besser noch mal nachdenken. Hier landet der Flieger allerdings auf dem Inlandsflughafen Taipei, nicht auf dem Internationalen in Taoyuan*

Interessant fand ich diesen Artikel einer Anwaltskanzlei (http://www.stcoll.de/Rechtsgebiete/Strafrecht/Internationales-Strafrecht/Reisebericht-Taiwan/index.html), der ihren Besuch und die Lage der Strafgefangenen Anno 2013 subsummiert, auch wenn Leser des Taiwanblogs wohl nichts neues entdecken werden dort. Trotzdem ist so ein komprimierter Artikel von Fachseite immer eine gute Sache, etwa als (auch akademisch verwendbare ;-) Referenz. Im Unterschied zu einem Blog wie diesem hier. Das von mir einst beim Frisör auf dem Dorfe aus einem Magazin abfotografierte Bild einer Zelle in Taiwan, wohl eines der wenigen Fotodokumente, die man so finden kann im Netz aus einer Zelle in Taiwan, hat es bis hin zu der Rechtsanwaltsseite geschafft. Gute Fotos aus den Zellen sind sicher schwer aufzutreiben. Mein unscharfes Motorola K1 hat hier gerade so eben ein ansehbares Bild produziert.

Als "junger Vater" muss ich natürlich feststellen, dass sich meine Meinung über den Drogenschmuggel nach Taiwan verschärft hat: elterliche Instinkte halt. Taiwan ist weitgehend frei von harten Drogen, der Insellage und strenger Kontrollen halber (es droht die Todesstrafe bei Drogenschmuggel, auch wenn diese bislang nicht vollstreckt wird an westlichen Ausländern, mit Lebenslang muss jedoch gerechnet werden!) und ich muss noch deutlicher als früher sagen: Wer hier mit einem Köfferchen voll Heroin landet, der hat natürlich eine kapitale Straftat begangen, die in Taiwan noch deutlich strenger gesehen wird als etwa in Deutschland. In Deutschland ist ein Zusatzkoffer Heroin nur ein bisschen mehr Gift (Drogenfahnder mögen mir die laxe Ausdrucksweise vergeben), in Taiwan könnte man halt direkt dem Drogenkurier ein paar Tote zuordnen, denke ich - weil diese ohne den Import sonst womöglich nichts bekommen hätten.

Um es klar zu stellen, die Deutschen mit Drogenkoffer sind keine Taiwan-Residenten, sondern sind über Thailand/Bangkok gekommen und dort wohl heimisch gewesen, haben also mit der Expatszene in Taiwan nichts zu tun.


* Früher konnte man solche Fotos noch machen, weil analoge Kameras erlaubt waren im Flieger. Zückt man heute eine analoge, kommt trotzdem die Stewardess angelaufen, weil sie an eine digitale denkt.

Update: Siehe auch die Kommentare unten, insbesondere den vom "Gefägnisbesucher"!

Warum hassen Ausländer Taiwan? (editiert anno 2015)

Genervte Langnasen, gekränkte Taiwaner

Aus gebendem Anlass noch mal eine Wiederholung eines Themas, das wir schon mal hatten. Wieso meckern Ausländer, die in Taiwan leben, so gerne über das Land? Warum leben sie trotzdem dort? Hassen sie es?

Nun, sicher fällt vielen mein tournusmäßiges Gemeckere auf. Auch meinem Neffen fiel vor ein paar Jahren auf, wie der amerikanische Betreiber eines Restaurants in Taiwan missmutig drein blickte, so als würde er die Umgebung hassen. Und die Leute, die sich erst dem Lokal näherten, dann aber abdrehten. Ältere Taiwaner. Und damit Leute, denen das Essen nie schmeckt, die ergo daran herum meckern oder eh nichts bestellen außer Eistee. Problemkunden für ihn, will sagen sie verbrauchen Zeit und Ressourcen ohne ihm dafür etwas zurück zu geben. "Warum hassen Ausländer Taiwan?", fragte mich da mein Neffe.

 Hübsch ist es auf dem Lande... (altes Foto Nähe Taroko-Schlucht)

Jau, "Hass" ist ein starkes Wort. Viel eher würde ich fragen: "Warum sind Ausländer immer wieder genervt, wenn sie in Taiwan leben?". Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Sie leben in einer völlig anderen Kultur, in der alle Werte "verstellt" sind im Vergleich zu ihrer Heimat. Ich rede da immer von einer "Kulturmatrix" und jeder Mensch hat wohl seine eigene Version, die irgendwie auf der seiner Heimat basiert. Die deutsche sähe wohl u.a. so aus:

(die Prozentzahlen geben an, wie wichtig das Thema genommen wird)

D=
[
Sicherer Verkehr...............75%
Mobilität...........................60%
...
Sicherheit vor Überfällen...35%
Solidarität mit Landsleuten..5%
...
Gesunde Umwelt..............80%
Schöne Umwelt................65%
...
Business/Erfolg.................40%
Familie.............................40%
...
]


Die taiwanische, oder vielleicht auch nur die von Taipei, würde ich etwa so konstruieren:

TWN_TPE=
[
Sicherer Verkehr.................25%
Mobilität.............................90%
...
Sicherheit vor Überfällen......85%
Solidarität mit Landsleuten...30%
...
Gesunde Umwelt.................30%   (Tendenz steigend)
Schöne Umwelt...................20%   (Tendenz steigend)
...
Business/Erfolg....................90%
Familie...............................100%
...
]


So kann man in dem fremden Land in dem man lebt (der Taiwaner in Deutschland oder der Deutsche in Taiwan) immer Dinge finden, die besser sind als daheim. Oder die in der konkreten Lebenssituation in der man ist, Vorteile bringen. Mir gefallen etwa in Taipei die in Hinsicht Kriminalität sicheren Straßen, die dynamische Wirtschaft und der Familiensinn der Leute.
Am meisten bemerkt man aber die Verletzung der persönlich wichtig genommenen Werte. Mir ist etwa eine ansprechende Umgebung sehr wichtig, aber die Unwichtigkeit, die die Bewohner Taipeis ihr beimessen, sieht völlig anders aus. Daher lebe ich eben  in grauen simplen Bauten, auch aus der Familiensituation heraus, die bei mir durch ihre Hässlichkeit durchaus leichte Depression verursachen. Und meckere dann darüber. Leute, die mich mit ihrem Auto einfach zur Seite schieben wollen, wenn ich Fußgänger bin, denn diese verletzen meine Wertvorstellungen sogar noch mehr. Deshalb meckert der westliche Ausländer in Taiwan gern und oft und das kann sich, etwa in einem gewissen Ausländerforum, bis hin zu Hasstriaden steigern.

Warum haut er dann nicht ab, der Ausländer? Nun, da hat jeder seine eigenen Gründe. Wir suchen im leben Vorteile, müssen dafür Nachteile in Kauf nehmen und da muss jeder seine persönliche Abwägung treffen, auch was familiäre Restriktionen angeht.

Verwirkt man das Recht, sich über empfundene Nachteile zu beschweren, wenn man die Vorteile akzeptiert hat?  Nein warum? Ich kann mir ja auch einen BMW für 100.000 Euro kaufen, wenn ich das Geld habe - und trotzdem hinterher über den Preis jammern. Auch wenn die Zuhörer dann meist nur mit den Achseln zucken ;-)
Und das empfehle ich auch Taiwanern, die hier mitlesen und von der Kritik genervt sind, wie in dem Feedback heute morgen. Oder einfach nicht mehr lesen, es ist nicht bös gemeint, sondern ein Ratschlag für das Wohlbefinden.

Persönlich werde ich, wenn alles glatt läuft, bald im kleinen Rahmen ein Produkt in Taiwan repräsentieren. Da passt dies Blog ergo schlecht rein, weil es eben Taiwaner immer mal wieder verärgert, die ihre taiwanische Matrix im Kopf haben und nicht verstehen können, was mir nicht passt. Ich versuche gerade, meine Onlineperson von der realen und der Geschäftsperson zu trennen. Das wird wohl nicht so völlig gehen und daher ist die Abschaltung dieses Blogs eine realistische Option irgendwann um den nächsten Ersten herum. Ups... der ist ja bald. (Edit 2015: Das Projekt, ein kleines Restaurant, ist wieder eingestellt, mit kleinem Gewinn veräußert in der Zwischenzeit ;-)

Mache ich den Taiwaner etwas vor, wenn ich ihnen etwas verkaufen will und trotzdem manchmal über Taiwan meckere?
Nein, wieso. Ein gutes Produkt, aus meinem bis auf mich taiwanischen Familienkreis produziert, von mir mit gestaltet und von hoher Qualitätsnorm den Leuten zu verkaufen, die ich (wenn man überhaupt 23 Millionen Leute pauschal und nicht individuell bewerten kann) schließlich mag und deren Land ich mag, ist meiner Ansicht nach kein Widerspruch zum gelegentlichen privaten Schimpfen über hässliche Bauten und idiotischen Verkehr. Ich mag halt Taiwan, nur in Taipei zu leben geht mir dann und wann auf die Nerven.

Gucken wir was passiert, wenn dieses Blog nicht in den neuen Lebensabschnitt passt, dann kommt es halt weg. Und genervte Taiwaner atmen auf...... (Edit 2015: Und es ist immer noch da...)


Nicht aufregen liebe Taiwaner, es ist ja vielleicht bald vorbei ;-)
Und wenn jeder mein Blog gemocht hätte, dann wäre es so ein langweiliges Happy-Peppy-guck-mal-der-Tempel-ist-so-toll - Ding geworden. Und da gibt es doch schon genug von, oder?

*** Der betreffende Kommentator möge über die lange Antwort nicht erschrecken, ich nehme halt Kritik durchaus ernst ;-) Habe mit Sozialversicherung in Deutschland nichts zu tun und habe die Aussage darüber nicht so recht verstanden, da bin ich nicht die geeignete Anlaufstelle ;-) ***

Mittwoch, Mai 22, 2013

Briefe an die Taiwaner, Teil 1



Liebe Taiwaner,

[...]


 Trockener Humor mit den ersten Sonnenstrahlen vor Ludigels Fenster


[...]

Einer der meistgelesensten Artikel im Blog in der letzten Zeit. Da musste die Selbstzensur her :-) War ein Geschimpfe, nach dem mich ein Unsichtbare anschimpfender Mann um 5.15 Uhr Morgens geweckt hatte. Muss der Nachwelt nicht erhalten bleiben...

 

Ein Psychologe hat das Frubbeln entdeckt!

Getreue und vermutlich leicht genervte Leser erinnern sich vielleicht noch an meine Abhandlungen über das "Frubbeln", will sagen das eigentümliche Verhalten von Taiwanern Ausländern gegenüber, das als Neugierde und Freundlichkeit anfängt, aber oft in Belästigung und sogar Stalking umschlagen kann. Ein Verhaltensmix, der mich oft verwirrt zurück ließ, weil ich oft nicht wusste, ob der Taiwaner mich nun nerven will oder einfach nur nett sein will. Oder ein Rassist ist. Oder einfach nur ein ungebildeter nerviger ....

Ein Paradebeispiel ist dabei die Geschichte, wo eine Ausländerin morgendliche nette Gespräche mit einem Busfahrer hat, bis dieser ihr letztlich droht, sie nur noch gegen Mitbringens eines Kaffees für ihn in den Bus zu lassen (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/05/frubbeln-in-praxis.html). Da schwante mir folgenes:

"Frubbeln" hat mit Machtausübung zu tun.
Und mit mangelndem Respekt vor dem Ausländer.


Fernsehen zu Hause in der Fremde

Letzteres führt zu hemmungslosem Verhalten wie in dem geschilderten Fall. Oder wie auch bei meinem Bürostalker neulich, auch von mir beschrieben. Ich dachte, ich stünde mit dieser Sichtweise allein da, reden doch alle Reiseführer nur von den freundlichen Taiwanern. Und Freundlichkeit ist ja auch dabei, beim Frubbeln.
Doch jetzt ist es tatsächlich wissenschaftlich untersucht und der Fachterminus dafür lautet:

Mikroaggression

Gut, hätte mich auch gewundert, wenn sie es auch "Frubbeln" genannt hätten. Mikroaggression ist, wenn man diesem allerdings auf analoge Situationen in Japan bezogenen Text aus der JAPAN TIMES (http://www.japantimes.co.jp/community/2012/05/01/community/yes-i-can-use-chopsticks-the-everyday-microaggressions-that-grind-us-down/#.UZwVQCS8FEg) folgt, in der Tat mit Machtausübung verbunden. Der Taiwaner oder Japaner, der dem seit fünf Jahren in der Straße wohnenden Ausländer in Taiwan/Japan willkommen heißt und ihn ausfragt, wo er her kommt, ob er das Land mag und ob er verheiratet ist etc. begibt sich trotz guter Wünsche und Freundlichkeit in eine Machtposition als Vertreter des jeweiligen Landes und Gastgeber und grenzt seinen anders aussehenden Nachbarn auf Grund seiner Andersartigkeit aus. Und nervt ihn gehörig. Auch der Autor des JAPAN TIMES - Artikels gibt an, solche Dialoge schon schlafwandelnd führen zu können, so oft hatte er sie. Und führt aus, dass man nichts dagegen tun kann. Gesprächspartner, auch andere Expats im Land, wollen das Phänomen nicht erkennen oder fehlinterpretieren das Verhalten als reine Freundlichkeit. Ändern kann man es ja sowieso nicht. Soll man antworten? Dann macht man das Macht- und Nervspiel mit. Habe ich früher gemacht und manchmal tue ich es möglichst kurz noch heute. Soll man weggehen? Dann ist man der komische, verschrobene Fremde. Tue ich aber immer häufiger, das gebe ich gerne zu.

Leser die nie in einem völlig fremden Land für lange Zeit gelebt haben, werden hier kaum folgen können. Sie mögen sich aber einfach mal vorstellen, der etwas zerzauste Nachbar von Gegenüber käme morgen früh mit seinem Seidenbluson an und fettigen Haaren und würde den betreffenden Leser herzlich in Deutschland (oder wo immer der Leser auch lebt) willkommen heißen und ihn fragen, wie es ihn so gefällt und wie es mit der deutschen Frau so geht. Da erhebt sich dann der Nachbar mit der Zeitung unter dem Arm ÜBER den Befragten. Nicht weiter schlimm, aber wenn man das immer und immer wieder erlebt und in der dritten Woche der Nachbar dann mit einem anderen tuschelt, auf den Betreffenden zeigt und dabei lacht "guck mal der!", dann wird die Sache vielleicht klarer.

Oder auch nicht. Letztlich ist es auch egal und ändern wird sich eh nix. Und weiter schlimm ist es auch nicht. Aber es kann einen manchmal ganz frubbelig machen...

LINKS

Entdeckt im Ausländerforum, hier der ursprüngliche Fachartikel, der aber offenbar nicht mehr vorhanden ist:
http://www.psychologytoday.com/blog/microaggressions-in-everyday-life/201010/racial-microaggressions-in-everyday-life

Dienstag, Mai 21, 2013

Gemeinsame Untersuchung des "kaltblütigen Mordes" (Update)

Neue Entwicklungen in der Krise Manila/Taipei, die mit dem Beschuss eines taiwanischen Fischerbootes in umstrittenen Gewässern begonnen hat, bei dem ein Taiwaner zu Tode gekommen ist.

Siehe auch meinen Überblick über die Manila/Taipei-Krise: http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/taiwanphilippinen-was-ist-nun.html

Der Standpunkt der Regierung der Philippinen war bislang, nicht mit der Republik China, wie Taiwan offiziell heißt, zusammenzuarbeiten - auch nicht auf Arbeitsebene. Schließlich befolge man in Manila die "Ein-China"-Politik und daher könne man nur mit Peking reden. So jedenfalls gab das Taiwanfernsehen den Standpunkt Manilas wieder. Doch die Taiwaner schufen Fakten. Schlagkräftige Kriegsschiffe patrouillierten in der umstrittenen Region und den Philippinen wurde die Aufforderung zugestellt (wieder berufe ich mich auf das TV), sich nicht in der umstrittenen Region sehen zu lassen. Nun ist es eine Sache zu behaupten, ein Staat würde nicht existieren - eine andere Sache ist es sicherlich, wenn man von diesem angeblich nicht existenten Staat ein modernes Kriegsschiff oder zwei herumfahren hat, in Gewässern, die man selbst auch beansprucht und die Flagge der angeblich nicht existenten Republik China (das wir alle Taiwan nennen) dort vom Mast weht. Die Augen vor einem heranrasenden D-Zug zu verschließen und zu rufen "den gibt es nicht, den Zug!" würde uns als Fußgänger ja auch nicht helfen. Und so ging es ein bisschen wohl den auf der Marineseite sehr schwachbrüstigen Philippinos und jetzt wollen sie also auf Arbeitsebene zusammenarbeiten und den Vorfall gemeinsam untersuchen (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/20/2003562700). Weil Taiwan oder eigentlich "die Republik China" ein demokratisches pluralistisches Land mit Mehrparteiensystem ist und eigentlich ein Musterknabe hier in Asien in Sachen Freiheit und Menschenrechte muss ich zugeben, dass ich dieser Tage trotz aller Abneigung von Kanonenbootpolitik und den kriegstreiberischen Reden im Taiwanfernsehen doch ein bisschen mit Wohlgefallen sehe, wie Taiwan hier Flagge zeigt. Im wahrsten Sinne des Wortes. Es kann einen schon auf die Palme bringen, wie alle nur von der VR-China reden und die Existenz des reichen und zivilisatorisch sehr viel weiter entwickelten Taiwans immer wieder verleugnen. Nun, Manila konnte nicht mehr leugnen und nach dem Schießen auf Unbewaffnete muss es jetzt die Existenz der Opfer zumindest faktisch anerkennen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit.

 Nicht, dass das mit dem Patriotismus hier im Blog zur Gewohnheit wird ;-)

Taiwan gewinne so mehr internationalen Einfluss, schreibt der britische GUARDIAN (http://www.guardian.co.uk/commentisfree/2013/may/19/south-china-sea-dispute-taiwan), allerdings ist diese Vorgehensweise nicht unumstritten, manche Ausländer in Taiwan, etwa die "Urmutter aller Taiwanblogs", wettern ganz und gar andersherum. Das besagte Blog will jetzt sogar das Feuern auf ein unbewaffnetes Seefahrzeug entschuldigen: http://michaelturton.blogspot.com/2013/05/daily-links-monday-may-19-2013.html. Wenn Herr Turton mal in "umstrittenem Verkehrsraum" von einem Toyota mit betrunkem Fahrer angefahren wird, hier in Taiwan, dann kann er dem Fahrer nicht die Schuld geben. Denn Schuld ist ja der, der getroffen wird.

 Zaun nahe "Schrein der Märtyrer" in Taipei mit Marinelogo

Unterdessen führt die erhöhte militärische Aktivität des Militärs der Republik China durchaus zu Problemen, freilich technischer Natur: Eine Mirage ist abgestürzt, kurz nach einer F16, der Artikel in der TAIPEITIMES zitiert eine Frage nach der Einsatzbereitschaft der Luftwaffe (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/21/2003562780). Hoffen wir, dass sie nicht gebraucht wird, ich denke eine diplomatische Lösung der Krise wird sich früher oder später finden. 

Zumindest die Vertretung der Republik China (Taiwan) in Bratislava bezeichnet den Beschuss des Taiwanisches Bootes als "kaltblütigen Mord": http://www.taiwanembassy.org/ct.asp?xItem=380867&ctNode=7992&mp=512 (Link von Turton gefunden, er findet doch immer wieder gute Sachen ;-)


Was sagt die deutsche Presse?

SPIEGEL und STERN sagen Online nichts dazu, der SPIEGEL hat stattdessen heute morgen Homer Simpson auf der Titelseite. Immerhin ist dem SPIEGEL die Entführung chinesischer Fischer durch Nordkorea eine Meldung wert in der Auslandsrubrik, ein toter taiwanischer Fischer reicht da noch nicht. Warum wird von großen deutschen Medien eine Krise ignoriert, in der immerhin die USA und China zumindest mittelbar involviert sind?  Der deutsche Journalist Klaus Bardenhagen weist auch in seinem Buch darauf hin, dass Taiwan immer mit Kuriosem oder als Krisenherd in Verbindung mit einem chinesischen Angriff in den deutschen Medien erwähnt wird. Auch mir fiel das schon seit längerem auf. Persönlich denke ich, dass Nachrichten eben einfach ein Produkt sind. Und Produkte verkauft man am besten, wenn man bestehende Erwartungen erfüllt. Eine Story über wunderliche buddhistische Priester, farbenfrohe Tempel, Manga-Restaurants oder Hello-Kitty-Zeug in Taiwan verkauft sich daher gut, weil sie die Erwartung "Asiaten sind bizarr" des deutschen Lesers erfüllt. Eine Story über einen drohenden Angriff Chinas (böse) auf Taiwan (gut) erfüllt gängige politisch induzierte Erwartungen bzgl. des Freund/Feind-Schemas. Aber eine komplexere Story, bei der die Philippinen nicht für Mailorder-Brides stehen, Taiwan nicht nur Opfer oder spinnertes Land ist und die Chinesen weder gut noch böse sind, kriegt man nicht so leicht unter in den deutschen Erwartungen. Am Ende würde sich der deutsche Leser nur wundern, wieso Taiwan plötzlich eine schlagkräftige Marine hat. Wo er es doch mit Thailand verwechselt und denkt, die haben nur Bambushütten, Fischkutter und Prostituierte.

UPDATE: Man sieht beim Abendessen in der Kantine die philippinischen Mitarbeiterinnen nicht mehr. Ich nehme an, dass sie gebeten wurden, auf ihren Zimmern zu essen. Zu ihrer eigenen Sicherheit vermutlich. Oder sie haben selbst diesen Schritt unternommen, um nicht angefeindet zu werden.

Montag, Mai 20, 2013

Genug ist genug!

"Genug ist genug!" schimpfen die Taiwaner derzeit auf die Philippinen und drohen ihnen als Vergeltung für den Beschuss eines taiwanischen Fischerbootes (mit Todesfolge) mit Krieg und Sanktionen. Mich hingegen treibt ein ganz anderes Thema um. Wie viel Nachbearbeitung verträgt ein Digitalfoto?

Nun muss man sich nur angucken, was in Wettbewerben so prämiert wird. Da fliegen Riseneulen über Wüsten und perfekte blaue Schäfchen-Wolkenhimmel sind über schwarz-weißen Altbaufassaden in Berlin-Kreuzberg platziert. Photoshop macht das Bild erst schön, das ist keine Frage. Warum nur die Depression von Altbauhinterhöfen fotografieren, wenn man mit einem knallbuten Zusatz den Kontrast zu Schönheit noch so platt dazu knallen kann, dass es jeder merkt, in den 3 Sekunden, die er in unserer Bilderflutwelt zum Betrachten eines prämierten Fotos zubringt?

Daher überlege ich jetzt, wie weit ich noch mit der Nachbearbeitung gehe in Zukunft.

Mein letztes Bild, "The magic of love revealed" verdeutlicht was ich meine. Bei dem Schuss stammen die dramatischen Lichteffekte NICHT von Photoshop, sondern von einem drahtlosen Blitz, der in das Bild seitlich hineinblitzt und daduch auch diffuses und unscharfes erzeugt, aber eben auch eine dramatische Linie zwischen den beiden Statuen. Diese leichten Belichtungsdefizite kann man bequem im RAW-Editor der mit der Kamera mitgelieferten Software verbessern, so dass sich eigentlich ein zwar weiches, aber recht stimmiges Bild ergibt:


Ursprünglich (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/the-magic-of-love-revealed.html) konnte ich nicht widerstehen, dem Bild mit Photoshop noch eine förmliche Lichtkugel hinzu zu fügen und das Bild solange zu bearbeiten, bis sich merkwürdige geometrische Muster in den Lichtreflexen bildeten. Was dann irgendwie in Richtung gemaltes Bild geht (oder eher Comic), aber mir letztendlich doch recht schwülstig ist, siehe unten:

 
Beides hat irgendwie seinen Reiz und man kann kaum noch glauben, dass beides das selbe Foto ist. Wenn man das untere, stark manipulierte Bild sieht, scheint es das obere natürlichere zu überstrahlen. Deshalb gewinnen halt auch die Rieseneulen (vielleicht noch mit Laseraugen?) heutzutage die Aufmerksamkeit. Welche Version ist nun besser? Wo ziehe ich die Grenze demnächst?

Kleines fotografisches Zwiegespräch mit mir selbst, das hoffentlich niemanden gelangweilt hat. Zurück zu der Mangokrise, demnächst wieder auf dieser Welle.



Taiwan/Philippinen: Was ist nun eigentlich los?

Seit Tagen beschäftigt die Krise zwischen der Republik China (Taiwan) und den Philippinen die Medien hier, das Taiwanblog hat mehrfach berichtet. Während in Deutschland die Presse den Konflikt nicht mal zur Kenntnis nimmt, vergeht hier kein Tag, in dem nicht Moderatoren in Fernsehen herum springen und wütend gestikulieren, taiwanische Kriegsschiffe zeigen und immer wieder erregt "Mango" und "Philipin" rufen.
Was ist nun eigentlich los, was hat die Herren so erregt?

Der Anlass:
In umstrittenen Gewässern, die sowohl von der Republik China (Taiwan) als auch von den Philippinen beansprucht werden, hat ein philippinisches Boot mit Schnellfeuerwaffen ein unbewaffnetes taiwanisches Fischerboot beschossen und dabei einen Taiwaner an Bord getötet. Dieser Videolink zeigt gut, wieso die Taiwaner so wütend sind: https://www.youtube.com/watch?v=j5JzRUQZdwo; danke an MKL für den Link!

Was macht Taiwan nun?
Die Republik China, gemeinhin "Taiwan" genannt, verlangt eine Entschuldigung der Philippinen (gab es, wurde von Taiwan als unehrlich abgelehnt), Bestrafung der Schützen und eine Entschädigung für die Familie des Opfers, hat die Visaregelungen für philippinische Staatsbürger verschärft, lässt keine philippinischen Arbeitskräfte mehr ins Land und importiert wohl auch keine philippinisches Waren mehr.

Wie reagieren die Leute?
Taiwaner schimpfen viel auf die Philippinen dieser Tage, werden von den Medien noch aufgestachelt, Geschäfte räumen teilweise philippinische Waren aus den Regalen. Die Moderatoren im Fernsehen spielen immer wieder einen Seekrieg zwischen Taiwan und den Philippinen durch.

Meine Frau fragte gestern Abend das philippinische Dienstmädchen von einer Familie im Hause von Schwiegermutter, ob sie noch gut behandelt werde und sagte, sie könne im Zweifelsfall uns um Hilfe bitten. Sie sagte jedoch, dass sie keine Probleme habe.

Ein philippinischer Arbeiter ist in Südtaiwan offenbar von mehreren Taiwanern zusammengeschlagen worden, der genaue Zusammenhang ist freilich unklar: http://asienspiegel.ch/2013/05/zwischen-den-fronten/

Wie reagieren die Philippinen?  
Eine sehr professionelle Regierungssprecherin (wenn sie das denn war) wurde im taiwanischen Fernsehen gezeigt und erklärte in fließendem Englisch, man sei noch bei der Aufklärung und könne derzeit keine Details geben. Bezüglich des Boykotts von Arbeitskräften erklärte sie, sich nach anderen Ländern um zuschauen, etwa Südkorea, Malaysia und dem Mittleren Osten. Die Dame war rhetorisch geschult und diplomatisch.
Ein sehr unprofessioneller Sprecher des Präsidenten der Philippinen erklärte in einer den US-White House-Konferenzen nachempfunden Kulisse (Stehpult, stilisierter Präsidentenpalast an der Wand) u.a., die taiwanischen Fischer seien sowieso berüchtigt in der Welt, das taiwanische Boot habe das philippinische rammen wollen (die Taiwan haben allerdings den Rammspuren-freien Rumpf des taiwanischen Bootes vorzeigt!) und "sein Präsident" habe bessere Zustimmungsraten als der taiwanische Präsident. Körpersprache und Auftritt waren provozierend nach dem Motto "ihr Taiwaner könnt uns Mal". Die Philippinen sind allerdings auch gerade im Wahlkampf.
Ein paar ergraute Ermittler des philippinischen "NBI", offenbar eine Art FBI, erklärten in einer in etwas holprigem Englisch gehaltenen Pressekonferenz, sie wollten unvoreingenommen ermitteln und forderten dringend das von dem philippinischen Boot gedrehte Video ein, das existieren soll.
Interessant hier, dass die philippinische Seite offenbar keine Koordination hat, wenn Regierungssprecherin und Präsidentensprecher verschiedene Dinge sagen und die NBI-Ermittler offenbar gefrustet sind, weil sie von einer anderen philippinischen Behörde die Beweise nicht bekommen.

Wie reagieren die USA?
Die USA stehen den Philippinen nahe, die ihr strategisch nicht unwichtiger Verbündeter sind. Sie sind auch immer noch die Schutzmacht Taiwans, auch wenn sich Taiwan unter der gegenwärtigen Regierung deutlich der VR-China angenähert hat. Die USA haben offenbar ein Aufklärungsschiff zur Beobachtung in der Region und vermeiden es ansonsten, Stellung zu beziehen.

Wie geht es weiter?
Mittelfristig wird es vermutlich weniger Mangos in den Geschäften in Taiwan geben und manche philippinische Arbeitskraft wird vermutlich bald die Heimreise antreten müssen, wenn die Papiere nicht verlängert werden.
   

LINK: "The View From Taiwan", die Mutter aller Taiwanblogs, schildert den Fall völlig aus philippinischer Sichtweise: http://michaelturton.blogspot.com/2013/05/philstaiwan-mess-take-5-troublemaker.html
Sicher hat Michael Turton Recht, dass die prochinesische Administration Taiwans unter Präsident Ma nur zu gerne Streits mit pro-US-orientierten asiatischen Ländern eskalieren lässt, um Punkte in Peking zu sammeln. Und er hat Recht, dass die Stimmung in Taiwan bisweilen rassistische Züge trägt. Aber ich finde, man muss auch sehen, das letztlich in umstrittenen Gewässern auf ein unbewaffnetes Boot gefeuert wurde. Und Turton schreibt selbst, wie sehr die philippnischen Partoullienboote immer wieder taiwanische Fischer im Seeräuberstil ausplündern...

LINK: Die NEUE ZÜRICHER ZEITUNG online über den Konflikt: http://www.nzz.ch/aktuell/international/taiwan-droht-den-philippinen-1.18080620
Das zweite Schiff im Foto der NZZ müsste eine Fregatte der franz. La Fayette - Klasse sein. Schickes Ding! Die zeigen auch die Taiwanmedien immer wieder.

KEIN LINK: Finde bemerkenswert, wie sowohl SPIEGEL.DE als auch STERN.DE das Thema völlig ignorieren, obwohl mit China und den USA her zwei Weltmächte mit im Boot sitzen bei diesem Konflikt.

Freitag, Mai 17, 2013

Krisenticker: Kanonenbootdiplomatie?

Philippinisch/taiwanische Krise um ein beschossenes taiwanisches Fischerboot in umstrittenen Gewässern

Die Krise zwischen den Philippinen und der Republik China (Taiwan) setzt sich fort. Taipei sieht die Entschuldigung der philippinischen Regierung für den Beschuss (bei dem ein Taiwaner starb) als ungenügend an und Präsident Ma rechtfertigt seine Pläne für Sanktionen gegen die Philippinen (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/17/2003562463). Während die Regierung Taiwans (eigentlich: Die Regierung der Republik China aka Taiwan) unter dem pro-chinesischen Präsidenten Ma Ying-Jeou (KMT) die Affaire mit Augenmaß zu handhaben scheint, ist dieser noch diplomatische Kurs nicht ohne Kritik. Politiker der oppositionellen DPP aber auch aus Reihen der KMT haben neulich vor der philippinischen Vertretung (eine offizielle Botschaft haben die Philippinen nicht in Taiwan, genauso wenig wie etwa Deutschland eine hat) die philippinische Flagge verbrannt und insbesondere das Fernsehen betätigt sich hier als großer Hetzer und will immer wieder die philippinischen Dienstmädchen und Arbeiter in die Sache hineinziehen. Neben den Bildern von Philippinos in Taiwan werden auch immer wieder die taiwanischen Kriegsschiffe gezeigt, teilweise in Fotomontagen als Größenvergleich über die philippinischen Schiffe gelegt. Da sieht man dann die modernen Tarnfregatten der aus Frankreich gekauften La Fayette - Klasse auf kleine Schiffe mit den philippinischen Nationalfarben montiert, die wie (umgerüstete?) Zivilschiffe wirken.

Taiwan erweckt den Eindruck, sich hier mit Peking angesprochen zu haben. Sicher war Taiwan in der Vergangenheit bei solchen Konflikten besonders zurückhaltend, da es ja nie in einen Krieg ziehen konnte - musste es doch befürchten die VR-China würde die Situation zu einer Besetzung Taiwans nutzen, etwa als "Hilfe" für den von Peking beanspruchten Inselstaat Taiwan maskiert. Doch unter der pro-chinesichen Regierung Mas, der in der Vergangenheit die Verflechtung von China und Taiwan etwa durch seine Wirtschaftsunion stark erhöht hat, scheint Taiwans Marine nun förmlich eine Art verlängerter Arm Pekings zu werden. Schließlich hatten die VR-China und die Philippinen schon länger einen Streit um Gewässer, Inselgruppen und Fischereirechte (oft ein Deckmantel für Streit um Bodenschätze). Peking hat keine eigene schlagkräftige Marine. Für die USA, die sowohl die Schutzmacht von Taiwan sind oder waren als auch mit den Philippinen verbunden sind, ist das offenbare Hindriften von Taiwan mit samt seiner recht schlagkräftigen Marine hin zur VR-China sicher eine potentiell bedrohliche Entwicklung.

Wird es trotz aller (TV-)"Kanonenbootdiplomatie" a la Kaiser Wilhelm hier Krieg geben? Sicher nicht, es wird bei Drohgebärden bleiben die langfristig nur einen stärken: Die VR-China und ihre strategische Position in der Region.


Link: USA versuchen in der Sache deeskalierend aufzutreten: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/17/2003562462

Donnerstag, Mai 16, 2013

Rechtliches, Kontakt

Hausmitteilung, 
Betr. Wegfall des Impressums 

Alles wieder anders: Danke noch mal für den Hinweis mit dem "Telemediengesetz", schließlich will ich auch hier am Rand der Weltscheibe das deutsche Recht erfüllen, an dem die Welt sicher irgendwann genesen wird, grins. Die Herausgeberin unserer Straßenrettungsorg-Webseite ist auch Herausgeberin dieses Blogs, damit dürfte das Problem gelöst sein.


Mein Dank noch mal an alle Kommentatoren, die mir durch wertvolle Tipps derzeit beim Aufräumen meiner "Onlineperson" behilflich sind.



 "Kontakt", ein Foto aus dem Stadtpark in NeiHu by Ludigel


Mittwoch, Mai 15, 2013

The magic of Love revealed

Gestern Abend saß ich etwas trüber Stimmung in meiner Wohnung, meine Frau und Junior waren drüben bei Schwiegermutter zu Gange. Mein eBook war zu Ende. Die Fernsehsendung über depressive Selbstmörder war .... depressiv. Der Horrorfilm "Mama" konnte mich auch nicht aufheitern, fing toll an, driftete dann aber in die üblichen Klischees ab. Also die Kamera geschnappt und ab in den Stadtpark, wo mich die Statue von Männlein und Weiblein schon seit längerem fasziniert hatte...


Eine junge Frau machte erschreckt einen Satz, als die Statue plötzlich im dunklen Park von grellem Licht erleuchtet wurde. Ich hatte einen drahtlosen Blitz am Fuße des Standbildes stehen, der per Fernzündung betätigt wurde und saß selbst ein paar Meter entfernt auf einer Bank.

 Blitz rechts im Bild, um die Lichtquelle zu offenbaren für technisch interessierte. Das Bild oben, das ich als auf Deutsch "Die Natur der Liebe offenbart" nenne, ist natürlich nur die Hälfte der Wahrheit...

"Love is a worm close to your throat that makes you do funny things"

Die Liebe ist ein parasitärer Wurm, der einem am Halse sitzt und zu unlogischem Benehmen führt. Das wurde mir gestern Abend offenbar.

Dienstag, Mai 14, 2013

Ludigels Krisenticker: Hitler-Rethorik im Fernsehen

Weitere Zuspitzung in der Sache des von einem philippinischen Boot beschossenen taiwanischen Fischerbootes

Gestern waren sich die zwei Fernsehsender einig, die meine Frau und Schwiegermutter anguckten. Bilder von dem unlängst von einem philippinischen Boot beschossenen taiwanischen Fischerboot (1 Toter bei dem Vorfall) wurden gezeigt, dazu Schaubilder von der Region und immer wieder taiwanische Kriegsschiffe. Die Moderatoren fungierten als Hetzer, die kleinen Herren hatten sich breite Krawatten umgebunden und gestikulierten mit rudernden Armen in der Luft herum, im Mandarin-Redefluss hörte man immer wieder "Philippin" und "Mango" heraus. Getrocknete Mangos aus den Philippinen hat man ja hier viel in den Läden. Die Fähigkeiten der taiwanischen Kriegsschiffe wurden aufgezählt und dann durchgezählt wie viel große Pötte die Philippinos hätten (2) und wie viel die Taiwaner (28 glaube ich). Immer wieder wurde die "La Fayette"-Klasse gezeigt, eine besonders moderne französische Fregattenklasse, fensterlos und futuristisch anmutend, die Taiwan vor einiger Zeit gekauft hat. Die Moderatoren schimpften und schimpften, fast war es so etwas wie der "Gangnam-Style" vom koreanischen Popsänger Psy, wie sie da mit rudernden Armen schimpfend moderierten und immer wieder "Philipin" und "Mango" riefen zwischendurch. Gut, dass ich mir Trockenmango-Notvorräte angelegt habe. Man weiß ja nie.
Auf einem Schaubild wurde ein philippinisches Schiff gezeigt, dass jetzt sogar eine Kanone vorne installiert hatte und dann zeigten Pfeile an wo bewaffnete Seeleute und die Schiffskanone auf das taiwanische Firscherboot gefeuert hätten.

Jetzt gibt es irgendwie ein Ultimatum an die Philippinen, die Schützen auszuliefern. Sonst. Sonst. Ja was eigentlich? Jedenfalls übersetzte meine Frau, die VR-China hätte Taiwan Unterstützung angeboten, was Taiwan aber abgelehnt hätte. Taiwan und VR-China gehen wieder mal Seite an Seite vor, diesmal gegen die Philippinen, ein eher westlich orientiertes asiatisches Land, letztens waren es die Japaner in einem Inselstreit. Wenn China und Taiwan so Seite an Seite stehen, macht mir das immer Magenbeschwerden, treibt es doch die kleine demokratische Insel hier tiefer in die verschwitzten Arme des großen Bruders China.

Im englischsprachigen "The View from Taiwan"-Blog, so etwas wie die Urmutter aller Taiwanblogs, wird ausgeführt, die VR-China hätte den Philippinos unlängst einen gewaltigen Gesichtsverlust beigebracht, in dem sie in deren Gewässern (wobei der Rechtsstatus von Seeterritorium natürlich immer umstritten ist) operiert hätte und die Philippinos wären deshalb wohl auf Rache aus gewesen. Und hätten jetzt eben auf ein Boot des kleinen Chinas (Taiwan, das formell "Republik China" heißt) geschossen, weil sie das große China nicht erwischen konnten oder wollten. Und taiwanische Fischerboote seien sowieso überall unbeliebt, ihrer Fangmethoden halber.

Egal, hier herrscht jetzt nationaler Taumel. China toll, Taiwan vor, Philippinos pfui, Mangos sowieso. Hoffentlich kriegt mein Neffe, der gerade aus den Philippinen zu besuch ist keine Angst, der ist halb Taiwaner und halb Philippino.

Links:

Taipei wartet auf Antwort aus Manila und droht mit Sanktionen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/14/2003562207

Taiwanische Fischer demonstrieren vor philippinischer Vertretung: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/14/2003562208

Philippinos wählen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/14/2003562210

Montag, Mai 13, 2013

Frontbericht#2: Präsident Ma zählt Schweigesekunden mit

KRISENTICKER vom Taiwanblog.

Nach dem Angriff eines philippinischen bewaffneten Bootes auf ein taiwanisches Fischerboot (1 Toter) haben philippinische Hacker einen Angriff auf taiwanische Webseiten gefahren (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/13/2003562122) und Taiwans Marine schippert zur Patrouille in der Kriesenregion herum. Ludigel legt Trockenmango-Notvorräte an (das ist glaube ich das einzige Exportprodukt der Philippinen und hilft übrigens gut gegen Halsschmerzen) und Taiwans Präsident hat öffentliche Schweige-Zehn-Sekunden zu Ehren des getöteten Fischers durchführen lassen: http://www.youtube.com/embed/zT-zCNw0HXw
Merkwürdig, dass Präsident Ma Ying Jeou dabei die Sekunden mitzählt (während alle stehen), als handele es sich um ein Zählübung im Kindergarten. Nun verbietet mir ja das taiwanische Ausländerrecht, politische Aussagen zur Situation in Taiwan abzugeben. Ich will daher nur soviel sagen: Noch ein bisschen üben, dann reicht es für einen Job bei der NASA.

Over and out (fast hätte sich meine Frau vor Lachen an den Trockenmangos verschluckt trotz des traurigen Anlasses),

Ludigel
 (der seinem Gastland patriotisch beisteht, jedenfalls soweit das durch das Ausländerrecht gedeckt ist)

P.S.: Als Mandarin-Zählkursus gar nicht schlecht. Alle mitzählen: 

yi1
er4
san1
si4
wu3
liu3
qi1
ba1
jiu1
si2

Sind die Töne richtig? Helfen sie Taiwan in dieser schweren Stunde und zählen Sie mit!

Freitag, Mai 10, 2013

Phillipinische Marine beschießt taiwanisches Fischerboot, 1 Toter (UPDATE)

http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/10/2003561896

Nach diesem Artikel (kam eben auch im Fernsehen) hat ein Boot der philippinischen Marines in den Gewässern um ein umstrittenes Inselchen oder dergleichen ein taiwanisches Fischerboot beschossen, wobei ein Fischer zu Tode gekommen ist. Solche Gewässer werden meist gleichzeitig von China, Taiwan und manchmal noch Thailand, Vietnam und den Philippinen beansprucht.
Und morgen Abend kommt die Schwester meiner Frau aus den Philippinen zu Besuch, wo sie verheiratet ist und eine Trinkbudenkette betreibt, die echten taiwanischen Bubbletea anbietet. Nicht dies grüngiftige Zuckerzeug, wie es in Deutschland als taiwanischer Bubbletee verkauft wird.

Philippinische Marine? Wie viel Boote haben die denn? Vier? Meine Frau ist schon kurz vor der Kriegserklärung.


UPDATE: Nach TV-Berichten handelte es sich wohl bei dem philippinischen Schiff um ein ziviles Boot der Meeres- und Fischereiverwaltung, das allerdings mit Bewaffneten versehen war, die das taiwanische Fischerboot mit Maschinenpistolen unter Feuer nahmen. Dabei sollen während einer einstündigen Verfolgung etwa 40 Schuss das taiwanische Boot getroffen haben, das vor dem angreifenden Philippino geflüchtet war. Das taiwanische Fersehen nimmt unter dessen die zahlreichen philippinischen Arbeitskräfte hier aufs Korn, interviewte oft unangenehm berührt wirkende Frauen und Männer und deutete an, man könne ja die Hausmädchen und Arbeiter nach Hause schicken als Rache. Nun, die unterprivilegierten südostasiatischen Arbeitskräfte hier können sicher am wenigsten zu dem Vorfall.

Tellerrand und Weisheit

"Die Website bobhonest.blogspot.com beschäftigt sich mit den Themen Blog, Tellerrand, Formosa und Weisheit." 
So steht es in der Webwiki. http://www.webwiki.de/bobhonest.blogspot.com

Auch erreichbar unter globalforeigner.com natürlich. Da wollte meine Frau mal eine globale Online-Community gründen, hat es aber nie gemacht. Und ergo ist die URL irgendwie übrig geblieben.

Schon lustig die Zusammenfassung. Blog, Tellerrand, Formosa und Weisheit. Jau, das sind meine Themen.




Mittwoch, Mai 08, 2013

Gasse

Eine Gasse bei uns in der Nähe. Hier knattern Mopeds oft in schneller Fahrt durch, so dass man als Fußgänger ausweichbereit sein muss. Wie immer in Taiwan. Die kleinen Häuser an den Seiten haben bis vor kurzem noch alle ihre Wohnzimmerfenster einsehbar ohne Gardinen gehabt, so dass trotz recht hohem Verkehrsaufkommen das Familienlleben im Wohnzimmer einsehbar war. Im Winter bei 10 Grad plus oder so sieht man abends automatisch, wie die Leute im dicken Parka auf dem Sofa sitzen und im schlichtweißen Wohnzimmer mit einem Götterbild oder dergleichen an der Wand die aktuelle Samstagabendshow im Fernsehen gucken. Die mit dem älteren Showmenschen mit der Beatlesfrisur. Gag in jeder Show, eine kurzberockte hübsche Frau schmiegt sich an ihn, seine Bühnenfrau guckt eifersüchtig und kopfschüttelnd rüber und am Schluss der Szene hängt er im Krankenhaus an einer Infusion und alle lachen. Ganz wie im richtigen Leben...



Ups... ich muss weitergehen, die Leute gucken schon.


Und an der Hauptstraße bei uns in der Nähe hat eine Frau ihre gesamte Wäsche aufgehängt. Ich finde das bemerkenswert und der Passant findet wiederum bemerkenswert dass ich das bemerkenswert finde.

Dienstag, Mai 07, 2013

Ein Ent in Taipei


Doch wirklich, gucken Sie mal genau hin...


Aufgenommen in Taipei, ganz in der Nähe des Chiang-Kai-Shek - Memorials, in dem also dem Exdiktator und Defacto-Staatsgründer Taiwans gedacht wird.

Ganz eindeutig ein Entgesicht, finde ich. Fantyspielern auch als "Baumherr" bekannt. Das linke Auge ist von der wuchtigen Nase verdeckt...

Die Bilder sind nicht manipuliert. Mit Mittelklick im Firefox vergrößert man. Sagen Sie das Wort "Firefox" besser nicht so laut, nicht dass der Ent sich aufregt...

Watt war den nu los?

Meinen eigenen gestrigen Blogartikel lesend habe ich jetzt doch das Bedürfnis die einzelnen Vorfälle aus dem gestrigen Artikel (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/05/interaktionen-mit-den-leutchen-hier.html) noch mal zu katalogisieren. Denn mich wundert selbst diese "Straße" von Negativerlebnissen mit den einheimischen Leutchen hier. Als Informatiker will man wohl immer alles katalogisieren. Aber warum auch nicht.
Bei den geschilderten Vorfällen haben wir:

2 mal Straßenverkehr:
Der Straßenverkehr ist traditionell die Ausrastzone der Taiwaner. Sie verwandeln sich bei kleinstem Anlass in tobende Irre, wenn es ums Auto geht. Sicherlich auch die Folge davon, dass Autos insbesondere Herren psychologisch Macht und Freiheit suggerieren (man hat ja mordsmäßig viel PS unter dem Hintern), aber gleichzeitig die Straßen Taipeis zugestopft sind bis zum Verkehrsinfarkt. Und die vielen in den Leuten brodelnden aufgestauten Gefühle, die das Ergebnis einer konfuzianischen Kultur eben ohne Streitkultur sind (weil Streit die Maxime des Gesichtswahrens verletzt), suchen sich dann in Sachen vermeintlicher automobiler Freiheit ein Ventil. Ausländer wie Inländer werden immer wieder im Straßenverkehr in Taiwan in gewaltsame Eskalationen verwickelt. Meine beiden Beispiele zeigen wie schnell das geht - und es sind nicht die ersten Erlebnisse dieser Art

1 mal rassistischer Tattergreis
In meinem alten Wohnblock habe ich gemerkt, dass alte Leute, wenn sie etwas verhärmt wirken, mir gegenüber aggressiv und unfreundlich sind. Sicher eine Kombination aus Underdog-Verhalten und einer rassistischen Erziehung aus den Jahren der nationalchinesischen Diktatur. Denn der geistige Unterbau der damals herrschenden Kuamintangpartei erklärt in der Tat den sinoiden Menschen zum rassisch reineren Herrenmenschen. Auch wenn sie das hier nie so extrem praktiziert haben wie etwa in Deutschland die Nazis. Taiwan ist in vielem wie Umgang mit Ausländern und auch z.B. Ökologie 20 Jahre zurück - schließlich fand hier das Wirtschaftswunder erst ab etwa 1975 statt; damals wurde Taiwan zum Hersteller von Transistorradios, nach denen die Welt verlangte wie heute nach dem iPad und iPhone. Auch mein Großvater, so nett er auch war, hatte in Deutschland etwas gegen Schwarze und Inder und hätte diese möglicherweise auch nicht in sein Mietshaus reinlassen wollen. Ebenso wie der Tattergreis in "meinem" Mietshaus mir manchmal den Zutritt verweigern will.

1 mal psychischer Problemfall
Der mich praktisch stalkende Kollege ist wohl ein Sonderfall, er hat sich daher noch deutlich aufdringlicher verhalten als ich das hier bislang festgestellt habe. Aber das kann man so nicht verallgmeinern.

Summa summarum kann man sagen, Taiwan ist eine so fremde Kultur, dass man sich wundern kann, wo sich in dem sonst so friendlichen Land plötzlich und unversehens soziale Mienenfelder auftun. Das verwundert mich auch immer noch im 10. Jahr hier in der vibrierenden nervösen Inselhauptstadt, das will ich nicht leugnen.


Kommunikation mit den Einheimischen: Mancher Fremde hat da so seine Probleme*



* vom Betreiber des Roadies Café angefertigte WKII-Miniatur (http://www.roadiescafe.com.tw/). Ludigels Leib- und Magenlokal.
 


Montag, Mai 06, 2013

Interaktionen mit den Leutchen hier

Wenn ich dieser Tage so meine letzten Begegnungen mit fremden Taiwanern Revue passieren lasse, muss ich doch die Stirn runzeln, denn so eine Strecke aus "Negativbekanntschaften" hatte ich in all den Jahren noch nicht. Obwohl ich in einem Fall eine Mitschuld habe, bin ich da doch aus einer schlechten Laune heraus auf provozierendes Verhalten eingegangen, anstatt mich an meinen eigenen Grundsatz zu halten, die Leute einfach zu ignorieren.

Vor einigen Wochen war zunächst der junge neue Kollege, der im benachbarten Hardwareteam arbeitete, der mir aufgeregt mit rotem Kopf viele Fragen stellte, wann immer er mich irgendwo abpassen konnte und mir damit schon mild auf den Wecker fiel, das will ich nicht leugnen. Ein nervöser aufgeregter Umgang mit Ausländern, der zwar freundlich wirkt, aber meiner Erfahrung nach schnell in regelrechtes Stalking, versuchtes bulliehaftes Verhalten oder eben "über den Ausländer lustig machen" umschlagen kann, wie ich das schon oft erlebt habe. Ich blieb höflich auf Distanz, doch ein Ende seiner Kontaktversuche war nicht abzusehen. Schließlich erhielt ich eine Email in die Büromailbox, wo er schrieb, mein Freundchen seien zu wollen und beteuerte "kein Homo" zu sein. Da wurde es mir nun endgültig zu viel, ich bin hier als Softwareteamleiter und nicht dazu da mit Jungingenieuren, die vielleicht den Teamnamen "Hardwareteam" falsch verstanden haben, sonstwas zu diskutieren. Ich versuchte dann, durch informieren meiner Gattin, die ja auch meine Chefin ist, ihm einen kleinen Dämpfer zu verpassen. Direkt ansprechen geht hier schwerlich, schnell glauben sie das Gesicht verloren zu haben und irgendwas an seiner Verhaltensweise war auch so überkanditelt, sogar im hiesigen Rahmen, dass ich es lieber über den Dienstweg machen wollte. Meine Frau hatte jedenfalls schon Witze gemacht, dass der junge aufdringliche Mann ständig in meiner Umgebung zu finden wäre.

 So läuft Taiwans Straßenverkehr reibungslos ;-)
Hupen sind da auch nicht drin.

Im Mittelteil der ganzen Angelegenheit sah ich dann erfreulicherweise wenig von dem jungen Mann, mit dem ich ja dienstlich gar nichts zu tun hatte und brauchte nicht mehr mit Radarblick durch die Cubicallandschaft gehen, um Kontakt mit ihm zu vermeiden. Er entschuldigte sich einmal bei mir im Fahrstuhl und damit war die Sache für mich erledigt. Er erklärte mir merkwürdigerweise, kündigen zu wollen, worauf ich nur mit einem gequälten "tut mir leid" antwortete und froh war, als der Fahrstuhl endlich am Ziel war. Er kommunizierte seine Kündigung dann groß in der Firma, nur um sie gleich wieder zurück zu ziehen und bald alle möglichen Kollegen (nicht jedoch mich) mit "mein Onkel ist bei der Mafia" zu bedrohen. Ein so bizarres Verhalten, dass mir hier schwante, dass wir es schlichtweg mit einer psychischen Störung zu tun hatten. Bald waren alle möglichen Ingenieure und Vorgesetzte viel mit Diskussionen beschäftigt, wie man mit "ihm" denn nun verfahren könne. Es endete natürlich mit dem vorzeitigen Ende der Probezeit und fand dann noch einen etwas furiosen Abschluss, bei dem sogar eine Selbstmorddrohung eine Rolle spielte. Sollte ihn Google hierher verschlagen, meine herzliche Bitte die schon vorher angeratene Therapie anzutreten und dann frisch gestärkt einen neuen Anlauf in der Arbeitswelt unternehmen, mit meinen besten Wünschen für die Zukunft. Ob verstauchtes Bein oder ein kleines psychisches Wehwehchen, es lässt sich alles therapieren, nur machen muss man es.

Wochen später dann ein Kunde der meinem Parkplatz gegenüber liegenden Fressbude, der gerade meine Parkbucht mit seinem schwarzen Mitsubishi zuparken will. Ich hupe, es liegt wohl an der wackelkontaktigen Hupentaste, dass ich oft gleich mehrmals drauf drücke, ergo hupte ich ihn dreimal an. Er machte Platz, zögerlich zwar, aber immerhin und ich parkte ein. Ich stieg aus und mir fiel auf, dass er immer wieder mit seiner Beifahrerin redete und dabei immer wieder in meine Richtung stierte und gestikulierte, als sei das Ganze eine Staatsaffaire. Ich ignorierte das zunächst, als es jedoch weiter und weiter ging mit einem Herumgeschimpfe, brach ich mit meiner eigenen Regel, die Leutchen hier einfach zu ignorieren und fragte ihn was los sei. Er saß dabei noch am Steuer, seine Scheibe war heruntergekurbelt und wirkte dabei völlig nervös und aggressiv, frage mich was ich wolle. Ich wechselte dann ins Englische, wünschte ihm noch einen guten Tag und empfahl ihm weiterzufahren und ging. Man muss sich aber vergegenwärtigen, wie schnell sich Taiwaner im Straßenverkehr in tobende Irre verwandeln, so als habe sich die ganze Insel darauf geeinigt, den Verkehr als zentrales Ablassventil zu verwenden. In der Folge fuhr er nun mit seinem Auto unter wildem Hupen auf mich zu und deutete an, mich seitlich Rammen zu wollen, in dem er immer näher an mich heran fuhr und mich so auf die geparkten Autos zu drängte. Einen Bürgersteig gibt es ja nicht. Ich bin ja ein ausgeprochener Freund davon, mit nicht in das "Jäger-Gejagter"-Beuteschema einzufügen und zog daher meinen Schlüssel und hielt ihn deutlich sichtbar zwischen uns, so dass er sich den Lack zerkratzt hätte, wenn er mich hätte anfahren wollen. Prompt lies er es bleiben und änderte seine Taktik durch vor-mir-Schlangenlinien-fahren, immer noch unter wildem Gehupe. Da er nun fast mit den geparkten Autos kollidierte, so eierte er herum, zog ich nun mein Handy um meine Frau zu bitten, die Polizei zu verständigen. Wollte ich doch nicht, dass die Situation nun noch in einen Unfall mündet. Und ruft man als Ausländer die Polizei hier selbst an, hat man wenig positives zu erwarten. Er britzte dann allerdings mit viel Gas davon. Er weiß sicher auch, Captain Kirk hatte einen Phaser in seinem Klapphandy. Mein Motorola ist aber glaube ich ohne dieses Feature.

Gleich darauf wollte ich dann "mein" Mietshaus betreten, als mir ein im Hause wohnender Greis, der mich vor ein paar Wochen schon einmal im Hausflur grundlos angebrüllt hatte wie ein Irrer ("welches Stockwerk? welches Stockwerk? welches Stockwerk?") den Zutritt durch blockieren der Haustür verwehrte und mir schließlich, als ich ihm per Geste klar machte, dass ich rein wollte, die Tür vor der Nase zuschlug. Mir lag eine humoristische Entgegnung auf der Zunge, die er aber eh nicht verstanden hätte, ich erinnerte mich aber wieder an meinen Grundsatz, die Leute einfach zu ignorieren. Schloss daher die Tür auf und ging einfach weiter. Er selbst stratzte nun auch von dannen, als sei nichts gewesen. Bin gespannt, was er beim nächsten Mal in Petto hat.

Tage später dann komme ich dann aus einem Frühstückslokal, die Essenstüte in der Hand und will mein Auto per Fernbedienung aufschließen, einen brauen schmutzigen Nissan Xtrail. Da merke ich, dass der Wagen nicht aufgeht. Stutze und sehe, dass jemand einen identisch braunen und identisch schmutzigen Wagen des gleichen Modells neben meinem geparkt hat und das meiner der Nachbarwagen ist. Alles in einer Sekunde oder so. Steige also in mein Auto ein, da kommt der Besitzer der Nachbarkutsche heraus, wirkt auch schon wieder ärgerlich und aufgedreht bis dort hinaus und fragt mich, was ich wolle. Nun denke ich, hätte ich ihm geantwortet, hätte das bei der leichten Erregbarkeit der Autofahrer hier wahrscheinlich in eine Verfolgungsjagd quer durch die Stadt gemündet. Ich lächelte nur, stieg ein und fuhr weg. Wenn er das aus der Situation heraus nicht versteht, kann ich ihm da auch nicht weiterhelfen. Und irgendwie suchen Taiwaner im Verkehr auch ständig nur einen Aufhänger, um eine Eskalation herbei zu führen, da muss man ihnen nicht bei helfen.

Jau, wieso ich so viele merkwürdige und latent oder explizit aggressive Begegnungen habe in der letzten Zeit ist wirklich die Frage. Viele Ausländer schreiben im Forum davon, das Klima für uns "Westler" hier würde deutlich rauher. Ob das so stimmt oder nicht, will ich noch nicht sagen, auch wenn es plausibel ist, dass etwa die Presseberichte über den aus Taiwan geflüchteten britischen (vermeintlichen) Todesfahrer (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hier in Taipei vielleicht zu einem Johnny-Weißbrot-feindlichen Klima führen. Obwohl der pakistanstämmige Brite doch gar nicht wie Johnny Weißbrot aussieht.

Ich jedenfalls bin trotz aller Frubbeleien mit den Eingeborenen guter Stimmung und lerne sogar mit wachsendem Erfolg und neuen Lehrbuch wieder Chinesisch. Habe allerdings weniger denn je das Bedürfnis, das am lebenden Objekt auszuprobieren ;-)

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Weil wir gerade bei Negativbegegnungen sind: Ein Ausländer ist in Taichung offenbar von einem Taiwaner angegriffen worden, allerdings hat sich der Ausländer auch eingemischt, als der Mann seinen Sohn verprügeln wollte: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120178
Die herbeigerufene Polizei nimmt wie immer die Ausländer aufs Korn*.
Taiwaner tendieren auch bei Familiendramas zum völligem Ausflippen. Als Ausländer sollte man sich da schön zurückhalten, man kann nur verlieren dabei. Erst kürzlich wurde ein Ausländer von hinten mit einem Stein auf den Kopf geschlagen, als er Einheimische ersuchte, ihre Kinder auf dem Moped zu sichern. Nicht einmischen, sollte die erste Regel in Taiwan sein. Das Soziale ist hier unterentwickelt, man mischt sich nie ein in fremde Angelegenheiten, hilft nicht mal bei Verkehrsunfällen. Ein Kanadier, der einst einer sexuell bedrängten Dienstmagd beistehen wollte, wurde 2004 von der Polizei verprügelt, an einen Stuhl gefesselt und dort von einer Stadtverordneten vor laufender Kamera geschlagen. Ein Ausländer, der vor einiger Zeit eine verunfallte bewusstlose Frau aus dem Auto zog, wurde von dieser wegen sexueller Belästigung belangt (weil er sie eben angefasst hat dabei), der Helfer musste vor dem Friedensrichter eine größere Summe zahlen, um einem Prozess zu entgehen. Besser raushalten im Taiwahn.

* Das die Beteiligten von Anfang an Englisch sprachen und die Sache in Taiwans Gangsterstadt Taichung stattfand, spricht für eine Art von Falle (zum Gelderwerb?). Interessante neue Entwicklung.

Freitag, Mai 03, 2013

Schrein der Märtyrer

Der "Schrein der Nationalen Märtyrer" in Taipei, ganz bei mir in der Nähe, verdeutlicht sicher, dass die Taiwaner ein ganz anderes Verhältnis zum Vaterland haben. Anders als die Deutschen können sie sich offenbar in Glanz und Gloria des Vaterlandes sonnen und ihre Helden mal so richtig feiern, wenn sie nicht mehr unter den Lebenden sind. Wozu der Schrein eben dient.

Tor zum nationalen Taiwanischen Taumel? Ganz so aber doch nicht. Denn der Märtyrerschrein verehrt alle mögliche Helden, die für die Sache der "Republik China" gestorben sind - und die 1911 gegründet wurde. Auf dem chinesischen Festland eben und nicht in Taiwan. Vom zumindest in Taiwans Hauptstadt Taipei hochverehrten Dr. Sun Yat Sen, laut taiwanischer Geschichtsschreibung (wenn der Fokus auf der Republik China liegt jedenfalls) eine Art selbstloser Halbgott, der Demokratiefreund war und das danieder liegende chinesische Vaterland vor japanischer Invasion und korrupten Warlords retten wollte. Laut diesem Buch (http://www.amazon.com/China-Will-Never-Rule-World/dp/0986803502) war er allerdings selbst ein versoffener und herumhurender Halunke, der nur mehr oder minder zufällig gerade da war, als die Soldaten aus Versehen das in den letzten Zuckungen liegende Kaiserreich gestürzt haben. Und der sich kaum in China sehen lassen konnte, weil er sonst wegen Mafiageschäften verhaftet worden wäre. Meine Frau würde mich ohrfeigen, wenn ich das so behaupten würde.

Der gute Doktor gründete also auf der Flucht vor der Polente im Laufschritt die Republik China oder wie auch immer das genau war, die aber nur bis 1949 währte, weil dann die Kommunisten die Macht übernommen haben. Ergo zog sich die Republik China mit Regierung und einigen Soldaten auf die Insel Taiwan zurück, die seit 1895 eine japanische Kolonie war. Dort gibt es sie noch heute. Sage ich, weil ich meine Steuern an diese Republik zahle und die Flagge der selben stolz auf der Insel Taiwan weht. Die offizielle Stellungnahme der deutschen Bundesregierung hingegen würde lauten, dass es die Republik China seit 1949 nicht mehr gibt. Aber gut, irgendjemand nimmt offensichtlich mein Geld entgegen, wedelt mit der Flagge der Republik China rum, hat ein eigenes Militär und eine eigene Staatsbürgerschaft, also nennen wir es doch einfach "Republik China", auch wenn es sie gar nicht mehr geben soll. Oder umgangssprachlich eben "Taiwan", der großen Insel als Zentrum ihres Herrschaftsgebietes wegen.

Hier im Schrein werden also im Wesentlichen chinesische Helden gefeiert, die für China in China kämpfend gefallen sind, unter dem Banner der Republik China, dessen obige Flagge vom Wappen der Kuamintang-Partei Dr. Sun Yat Sens abgeleitet worden ist (man sieht es hier auch auf der Tragfläche des Fliugzeugs im Bild im Bild).

Unumstritten ist diese chinazentrische Sichtweise der taiwanischen Geschichte nicht in Taiwan. Besonders im Süden der Insel sieht man sich eher als Taiwaner und nicht als Chinesen. Aber hier sind wir eben fast in der Nachbarschaft von Ludigel in der Hauptstadt Taipei im Norden. Hier hat sich damals Diktator Chiang Kai Chek nierdergelassen, der Dr. Sun beerbt hatte in China (so etwa) und dann eben vor den Kommunisten nach Taiwan geflüchtet ist, wo er insularischen Widerstand niedergeschossen hat und die Republik China hier bis heute weitergeführt hätte. Wenn er nicht gestorben wäre. Dran ist die Kuamintang-Partei immer noch, seit 1992/1996 allerdings demokratisch legitimiert und mit einer Unterbrechung von 2000-2008, als der chnafeindliche und Pro-Unabhängigkeitspräsident Chen (aus dem Süden kommend) die Inselrepublik regiert hat.

 Hier geht es hinein ins innere Heiligtum, das vorletzte Foto zeigt es schon oben.

Draußen hat man diese zwei Pavillons die einer mir unbekannten Person gedenken. Nein, der Exdiktator war es nicht, trotz Glatze. Oder er in jungen Jahren? Wer weiß das schon, sah jedenfalls anders aus der Herr.

Habe mal gelesen, man käme hier nicht ins Innere, wenn man kurze Hosen oder Sandalen an hätte. Ob sonst den Wachen das Bajonett in der Tasche aufklappt? Wir wissen es nicht.

 Ich war jedenfalls kein Stein des Anstoßes, war mit langer Hosn und Halbschuhen perfekt gekleidet trotz des heißen Tages. Nutzt einem aber manchmal auch nicht. Am 01. Mai wollte mich ja trotz Nadelstreifenjackett, Einstecktuch und langer Hose nebst schwarzer Schuhe ein älterer Herr nicht mal in "mein" Mietshaus hineinlassen und knallte mir, als ich insistierte, verärgert die Haustür vor der Nase zu. Halb so schlimm, habe ja auch einen Schlüssel.

Als der alte Mann so steif, stumm und bleich in "meinem" Hauseingang stand, aus dem Dunkeln kommend, dachte ich für einen Augenblick, die Zombieapokalypse habe schon angefangen. War dann aber doch noch nicht so. Das Wandbild steht damit aber nicht in Zusammenhang, sondern bezieht sich sicher auf die Fehlgeschlagene Verteidigung der Mietshäus... äh ... des chinesischen Festlandes. Wo waren wir? Äh...

Hier gibt es jedenfalls den Tempelteil mit Götterstatuen geradeaus und links (und rechts?) ein Gebäude mit Urnen. Selbstverständlich verhält man sich hier ruhig und respektvoll und meckert nicht ständig über irgendwas herum (räusper). 


Der Gedanke kam mir, wenn wir in Deutschland eine Halle der Märtyrer hätten, wen hätten wir da schon alles hinein- und vor allen Dingen wieder hinaus-gestellt. Karl Peters rein, wieder raus. Hindenburg rein, wieder raus (oder nicht?) etc.

 Hier ist aber Respekt angebracht, nicht nur alte Chinakrieger sind hier hinter dem goldenen Ring, sondern u.a. auch die Asche einer Krankenschwester, die einst bei Ausbruch der SARS-Seuche vor ein paar Jahen gestorben ist. Ansatzweise apokalyptische Stimmung herrschte auf der Insel damals, ich erinnere mich noch an Fernsehbilder, bei denen sich Krankenhauspersonal aus den Fenstern eines unter Quarantäne stehenden Krankenhauses abseilte. Damals hatte ich gerade geheiratet und war aller Reisewarnungen zum Trotz angereist.

Hier sieht man die Urnen. Wäre meine Frau dabei gewesen, wäre das Fotografieren streng verboten gewesen, keine Frage.

Wenn Sie den "Herrn der Ringe" noch mal sehen: Die runden Hobbit-Türen sind den traditionell chinesischen entlehnt.

Hier geht es jedoch ungleich ernster zu. Einzelnen Soldaten und Offizieren sind Standbilder gewirdmet. Dieser Soldat etwa hat sich laut Schild in gegnerisches Maschinengewehrfeuer geworfen, um seine Kameraden zu retten, auf dem chinesischen Festland.

Verheilt sind die Wunden der alten Schlachten in Taiwan noch nicht. Die Beziehung zu China ist immer noch ungeklärt, denn die VR-China beansprucht das Territorium der Republik China und in letzterer gibt es ganz unterschiedliche Positionen zur Chinafrage. Über die sich auch gerne Expats in Taiwan die Köpfe heiß reden.