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Montag, März 30, 2015

Benutzung unmöglich

Unmöglich ist mir die Benutzung des Kalenders 2015, den mein Arbeitgeber (Computerhardware-Hersteller) mir zugeteilt hat dieses Jahr auf der Firmenfeier zugeteilt hat.

Warum, da will ich einfach Bilder sprechen lassen.

Fangen wir an mit dem Monat März, da ist es am schlimmsten.

Das als Kalenderblatt ständig an der Cubicalwand hinter mir. Dazu noch als einzier Ausländer weit und breit? Da hängst dann doch lieber der 2015er Kalender herausgegeben von Klaus Bardenhagen mit Landschaften und Stadtfotos ;-)


Es geht einfach nicht, höchstens durch partielle Abdeckung...

... aber wer hat den Blick schon immer so unter Kontrolle. Jetzt habe ich zwei Damen durcheinander gemischt, ich hoffe man verzeiht es mir.

Dieser Kalender funktioniert für mich als solcher einfach nicht.

.. was jetzt hoffentlich hinreichend dokumentiert ist...

Auch schnelles Weiterblättern hilft irgendwie...

... ganz ...

... und gar nicht.

Ich sage es ohne eine Erdb... äh ... ohne ein Blatt vor den Mund zu nehmen (grübel, merkwürdige Ähnlichkeit mit einer Ex-Kollegin vom Produktmanagement)...

... dieser Kalender ist einfach nichts für mich und wird von mir völlig ignoriert.

"Au Backe"

Besonders schön das letzte Bild im Kalender. Es zeigt eine Grafik von einem roten Drachen. Gewissermaßen die Zusammenfassung der Vorbilder ;-)

Mittwoch, März 25, 2015

Architekturschock: Nobelbau am See abgerissen

Mehrstöckiges Gebäude mit luftig-lockerer Architektur am See (Bihu-Park) NeiHu wieder abgerissen. Zu hübsch gewesen?

Ein anderer Expat beschrieb im Ausländerforum den Städtebau in Taiwan einmal als "die Abwesenheit von Architektur". Das waren damals um das Jahr 2007 herum oder so weise Worte, denn damals bestanden Taiwans Städte fast nur aus schlichten grau-bräunlichen Zweckbauten, die nach dem Plattenbauschema in den 60ern und 70ern schnell hochgezogen worden waren und oft auch ziemlich verkommen waren. Die Balkone waren öfter mal mit Unrat zugestellt, manchmal mit vor sich hin gärendem Hausmüll und die Fenster hatten dreckige und oft irgendwie mit Pappe verklebte Fenster hinter rostigen Fenstergittern. Fotografiert habe ich die mich damals ständig umgebende Hässlichkeit nicht oder kaum, dachte ich doch sie würde mich ewig umgeben. Seit den 2000er und insbesondere Seit den 2010er - Jahren jedoch wurden viele der Schlichtbauten weggerissen und durch neuere schickere riesige Apartmenthäuser oder Bürohäuser ersetzt und die restlichen Schlichtbauten sind meist aufgehübscht. Fenster haben neue Anbauten in Schneeweiß mit teilweise blütenweißen sauberen Gittern (gegen Taifun und Einbrecher) und manchmal sogar Blumenkästen Parterre.

 Kürzlich gebaut...

Eine ganz gruselige Ecke war direkt am schicken See bei uns ganz in der Nähe, der noch in den 90ern eine reine wässrige Müllkippe war, wie meine Frau erzählt.  Noch in den 2000ern habe ich den See wegen einer vor sich hin stinkenden wilden Müllkippe, die zwischen meiner Wohnung und dem See lag selten bis nie aufgesucht. Erleichtert war ich entsprechend, als das wässrige Abbruchgrundstück geräumt wurde und stattdessen dort ein weißer luftig-lockerer vierstöckiger Nobelbau erstanden war. Alt (auf einem der seltenen Fotos von damals) und neu sind in diesem Artikel von neulich freudig gegenübergestellt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/stinkender-mull-nobelapartments.html

Entsprechend groß war der Schock, als ich dieser Tage wieder dort vorbei kam. Der ganze Nobelneubau war komplett wieder weggerissen, es wird schon wieder dort gebaut. Das abgerissene Haus kann kein Jahr dort gestanden haben!

... und schon wieder weg. Taiwanische Wegwerfarchitektur? Deutlich erkennt man in beiden Fotos trotz unterschiedliche Perspektive das schmuddelige Eckhaus hier rechts mittig im Bild (im oberen Bild leicht links mittig).

Des Rätsels Lösung sind wohl die zahlreichen Werbespots für Hochhäuser mit Nobelapartments am See, die derzeit im Taiwan-TV laufen. Ich vermute, dass es sich bei dem wohl vierstöckigen Haus nur um einen Verkaufspavillon gehandelt hat. Das ist wegen der Zahl der Stockwerke ungewöhnlich, denn sonst handelt es sich bei solchen Verkaufsstellen immer nur um einstöckige Häuser.


Die Umgebung des Sees ist eine ziemlich verbaute Quaste aus alten Schlichtbauten, schmalen Gassen und neueren Häusern dazwischen. Alles steht wie planungslos oft kreuz und quer in schief zueinander. 

Dieses Bild lässt erahnen wohin die Reise geht. Weg von den alten Schlichtbauten, hin zu viel teureren Wohnungen in Hochhäusern, die dann leer stehen, weil sie von Spekulanten gekauft werden, die auf noch höhere Preise in Taiwans Immobilienblase hoffen. Eine 70qm-Schlichtwohnung wie im Häuserblock im Bild (der echte, nicht der auf dem Werbeschild) hat noch 2004 etwa 6 Millionen NT gekostet (ungefähr durch 40 in Euro nach dem alten Standardkurs, auch wenn der derzeitige Kurs niedriger ist). Heute kosten solche Wohnungen um die 21-23 Millionen NT, oft im unrennovierten Zustand. Miete ist in der Zeit mit 20.000 - 25.000 NT konstant geblieben; bislang waren das etwa 500 Euro mtl.). Nobelwohnungen auch ohne Seelage sind im Zeitraum von 3 bzw. 2 Jahren von 40 Millionen auf 50-60 Millionen NT gestiegen, also bei 1.5 Millionen Euro nach dem alten Standardkurs vor der eurokursdrückenen El-Greco-Taspiras-Zeit. Freistehende (und i.d.R. leer stehende) Häuser auf dem Lande sind in den letzten Jahren von 8-9 Mill. NT auf 20-23 Mill. NT gestiegen. Zuletzt 2012 oder so nachgefragt, bestimmt schon wieder teurer. Nobelreihenhäuser sind in dem Zeitraum komplett leerstehender Weise von 32 auf 60 Mill. NT geklettert.


Hübsch und ruhig liegt der See dar, vor dessen innewohnenden Geistern ich schon des öfteren gewarnt worden bin von meiner Taiwanfamilie. Doch mehr und mehr wird er wohl durch immer höhere und dann leer stehende Apartmentblocks zubetoniert. Ganz lustig übrigens links im Bild die Häuser. Das sind eigentlich auch simple Plattenbauten, die der Architekt aber durch aufgesetzte rote Hütchen von den schmuddeligeren Bauten dahinter abgesetzt hat. Macht die Preise sicher gleich viel höher.

Ein von mir kürzlich bewunderter auf dem Wasser treibender Dreikuppelbau aus Riet war auch schon wieder weg. Hier wäre er früher in der Bildmitte gewesen. Wegwerfarchitektur eben. Aufreißen, reingehen und wegschmeißen.

Hier wird also demnächst hohes unter dem beliebten Kürzel AIT zu sehen sein, wieder direkt vor den alten Schlichtbauten. AIT steht eigentlich für "American Institute in Taiwan" und ist die Quasi-Botschaft der USA in Taiwan, eine mächtige Instanz, die sich oft in Regierungspolitik mischt oder mischen will, wo doch die USA ein bisschen noch die Schutzmacht Taiwans sind. Offenbar hat eine taiwanische Immobilienfirma das Namenskürzel für sich entdeckt. Mit dem chinesischen Schriftzeichen links von AIT lese ich immer "LAIT", also "Milch" auf Französisch. Liegt aber vielleicht auch nur daran, dass ich Vater eines Kleinkindes bin ;-)

Mein Tipp an das falsche AIT: Einfach den See trocken legen, ein mehrgeschossiges blau gestrichenes Parkhaus reingebaut und schon sind alle Probleme - auch die mit den Geistern - gelöst. Denn wo die vielen Mieter in der extrem parkplatzarmen Gegend parken sollen, das weiß wohl kein Mensch - ob lebendig oder nicht.

Dienstag, März 24, 2015

Franzose verbrennt 15 Polizei-Motorroller (Update 2)

Racheakt eines "Laowai" in Taipei?

UPDATE 3: Nach neueren Berichten gibt es wohl keinen Beweis für Brandstiftung bei den brennenden Polizeimotorrädern! 

Update 2: Der Franzose scheint sich ein bisschen zu einem Medienstar zu entwickeln, aber er scheint durch deine engagierten Darstellungen die Kontrolle über das Medienecho zu bekommen und die Taiwaner scheinen es humorig zu nehmen. Wir können alle von gallischer Lockerheit lernen, mais oui?
MP4 Videodatei:
http://twimg.edgesuite.net/images/ReNews/20150323/579416_2_360.mp4
Interview und Bilder: http://news.tvbs.com.tw/entry/572306

Offenbar in Taipei (?, Originalmeldung auf Chinesisch siehe hier: http://m.appledaily.com.tw/appledaily/article/hotnews/20150321/36449165) hat ein Franzose, der offenbar mit einer Taiwanerin verheiratet ist und drei kleine Kinder haben soll, sage und schreibe 15 der Motorroller der Polizei in Brand gesetzt. Offenbar war die irre Tat ein Racheakt für einen verloren gegangenes Berufungsverfahren, in dem er wegen Diebstahls von Motorrollern zu einer Gefängnisstrafe von mehreren Monaten verurteilt worden ist. Offenbar hat der Franzose im Vorfeld versucht, sich auf Facebook als Opfer von falschen Anschuldigungen der Polizei und gar Rassismus darzustellen. Er soll sogar Videos gefälscht und auf Facebook veröffentlicht haben, in denen er angebliche Polizisten (tatsächlich wohl er selbst) zeigte, die seine eigenen Motorroller beschädigt hätten. Die Verurteilung des Franzosen soll jedoch wegen Videobeweises über jeden Zweifel erhaben sein - irgendwie merkt man ja auch eine merkwürdige Fixierung seinerseits auf die knatternden Motorroller, wenn denn alle Infos so stimmen (!).

Da Taiwaner im alltäglichen Leben eine sehr starke Grenze zwischen Einheimischen und den sogennanten Laowai (also nichtasiatischen Ausländern) ziehen, die mehr oder minder alle in einen Topf geworfen werden, trägt ein solcher Vorfall sicher dazu bei das pauschalisierte Ansehen von westlichen Ausländern hier zu beschädigen. Vor etlichen Jahren fiel es mir das erste Mal in Taiwan auf: Als die Presse eine lange Kampagne über einen drogendealenden Quebec-Kanadier (Englischlehrer und in der High Society Taiwans verkehrend) hatte, da wurde ich auf der Straße plötzlich mit bösen Blicken bedacht und Passanten murmelten sich im Vorbeigehen etwas unfreundlich klingendes in den Bart. Was hatte ich als deutscher Informatikern in den 40ern mit einem Kanadier in den 20ern und seinen Verfehlungen zu tun? Aber in den Augen der Taiwaner kommen er und ich eben aus der selben Suppe.
Noch viel stärker war dieser Effekt, als der britisch-pakistanische (vermutliche) Todesfahrer Z.D. (Bericht siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html)  wegen seiner vermuteten Tat und Flucht einen wahren Berichts-Marathon im Taiwan-TV auslöste. Nicht nur ich meine es festgestellt zu haben, auch andere berichteten so im Ausländerforum: Der fast schon enthusiastische Empfang, den viele Taiwaner früher uns "Wessies" in Taiwan beschert haben, scheint sich seit Z.D.s Tat und späterer Flucht deutlich abgekühlt zu haben. Eher neutral bis manchmal muffelig ist das Klima für uns Laowais in Taiwan seither geworden. Und daher wirkt natürlich die starke Abgrenzung zwischen "ihnen" und "uns" auch auf mich in Taiwan. Jedes Mal wenn ein Laowai grundlegend in Taiwan über die Stränge schlägt denke ich: "das müssen alle anderen jetzt mit ausbaden" und werden eben wieder ein bisschen schiefer angesehen.

Noch kann man sich nicht beklagen, aber mit jedem weiteren Fall werden wir wohl ein bisschen unpopulärer werden. Ob Pakistani mit britischem Pass, Frankokanadier oder Franzose mit Locken oder eben deutscher Computermensch, wir sind in den Augen der Taiwaner alle die selbe Sorte merkwürdiger oder bestenfalls drolliger Fremder aus der Ferne.

Ich frage mich an dieser Stelle als Vater eines kleinen Deutschtaiwaners, wie Familie und Kinder so etwas wegstecken.

----- Update: In Taiwan wird die Tage der Martin Scorsese Film "Silence" gedreht. Ein japanisch-koreanischer Schauspieler namens Daisuke Ryo hat offenbar bei der Einreise einen taiwanischen Grenzer angefallen und leicht verletzt. Wohl aus Ärger, er solle ein Einreiseformular wie jeder andere auch ausfüllen. Das zählt aber als Heimspiel für die Taiwaner, weil es kein Westler war. ----

Und ganz und gar außer der Reihe zum Thema Counterfeit-Produkte: Ein erheblicher Teil der teuren französischen Weinein Taiwan waren in Wirklichkeit billige spanische und chilenische Weine: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201503230036.aspx
Auch hier hat das glorifizierte Etikett nicht dem Inhalt entsprochen.
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Laowai-Trouble-Statistik des laufenden Jahres:

Frankreich: 3  (2xHeroinschmuggel, 1xVandalismus)
Schweden: 1 (Heroinschmuggel)
Niederlande: 1 (illegaler Grenzübertritt*) 

* muss man erst mal schaffen auf einer Insel

Montag, März 23, 2015

Blaues Krokodil aus Augsburg

WERBUNG*

* Neuesten EU-Richtlinen entsprechend kennzeichne ich jedwede Produktbesprechung als Werbung, auch wenn ich das Produkt kritisch bespreche, um Abmahnungen von einschl. Vereinen zu vermeiden.


Wieder nix über Taiwan. Aber im 11. Jahr hat das Taiwanthema auch für mich irgendwie den Reiz des Neuen verloren...

 Für 11 Euro erstand ich ein blaues Lederarmband bei Ebay Deutschland, gedacht war es für die Orient "Blue Mako", eine solide von Uhrenfreunden oft empfohlene Uhr*** aus dem Seiko-Konzern mit einfachem, aber robustem Automatikwerk, die einst für 90 US-Dollar ihren Weg zu mir gefunden hat. Zu Zeiten, als das noch 75 Euro oder irgendetwas in der Art waren. Dann kam das Erstaunen, das Band behauptet vom Louisianna Crokodil zu sein sein und auch noch von einem ganz jungen (Calf aka Jungtier). Eigentlich hätte ich "Guandong Rindviech" vom Hintern erwartet.




Der mit 200m-Wasserresistenz angegebene Diver ist übrigens ein echter Tipp für eine robuste Low-Cost - Uhr, bei der der Gebrauchswert wesentlich höher ist als der Verkaufspreis. Rundum solide und auch optisch auf der Höhe wesentlich teurerer Uhren. Nur am fehlenden Sekundenstopp (Sekundenzeiger bleibt bei Stellen nicht stehen) und mangelnder Aufzugsmöglichkeit (braucht man aber auch nicht) darf man sich nicht stören. Nur das serienmäßige Kautschukarmband mit blauem Delphinlogo sieht etwas scheußlich aus meiner Meinung nach und das alternative Metallarmband ist ein Haar-Zieper der Sonderklasse, jedenfalls wenn man untaiwanesisch behaarte Arme hat. Womit wir meine Gastinsel wenigstens einmal erwähnt haben in diesem Artikel.

Die wertige Oberfläche mit der kräftigen Aufpolsterung signalisierte sofort ein hochwertiges Armband vom (Augsburger) Hersteller "RIOS 1931". Einen kleinen Schock bekam ich als ich den Preis im Internet fand: 128 Euro will ein Händler dafür haben. Das ist schon etwas anderes als die von mir bezahlten 11 Euro, an jemanden der allergisch war gegen das Armband und es gleich wieder verkauft hat. Wofür das Armband nichts kann, es macht jedenfalls bei mir keinerlei Probleme, obwohl ich ein überzeugter "taiwanischer Flüssigkunststoff, Elastan, Sellerie, Pollen - und was-war-nur-heute-wieder-schreckliches-im-Essen-drin" - Allergiker bin.

 Bei einem so hohen Preis traue ich mich jetzt gar nicht das Armband zu tragen, das viel teurer als die Uhr ist. Gibt es da Schonbezüge für ;-)

Lohnt sich optisch und haptisch aber schon die Ausgabe, wenn man denn trotz ethischer Bedenken einen niedlichen kleinen Schnapper zum Lederarmband umwursten lassen will. Rios 1931, die sicher heute marketingtechnisch froh sind, dass das Unternehmen nicht zwei Jahre später gegründet wurde, hat auch noch diverse Eidechsenleder-Armbänder im Angebot. Mit den charakteristischen kleinen hellen Sprenkeln. Die ließen mich erschaudern, hatte ich doch als Kleinkind einst eine Salamanderfigur (vom gleichnamigen Schuhhersteller) mit eben diesen Sprenkeln auf dem Rücken, die ich damals sehr gern mochte. Brrrr.

"Blue Louisiana Crocodile". Na ja, wer würde nicht den Blues kriegen, wenn er in Streifen geschnitten werden soll...

Letztes Uhrenposting:  http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/03/fallen-die-preise-mechanischer-uhren.html


*** Ich wollte damals schon nicht auf den i-Pott, war nicht i-Pädophil und brauch auch keine Apple-Watch am Rhein.