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Donnerstag, November 12, 2020

Nicht vergessen...

 ... auf den Verkehr zu achten. Taiwan ist sehr sicher in Sachen Kriminalität und wohl der einzige Staat der Erde (von winzigen Inselreichen vielleicht abgesehen), der kein grassierendes Covid/SARS2/Corona hat. Aber dass der Straßenverkehr immer noch mörderisch ist, sollte man nicht vergessen.

Früherer Kindestar wird auf dem Scooter sitzend (als Mitfahrer hinten) von einem der Blue-Trucks getötet, der einfach durch das Paar auf dem Scooter durchrast mit Afffenzahn: Link zum Artikel mit Video.

Und eine spanische Touristin fährt auf einem Scooter und wird von einem Blue Truck im Gegenverkehr aus unbekannen Gründen getötet. Der blaue Leicht-LKW zog einfach quer über die Straße rüber zu ihrem Motorrad, obwohl es dafür keinerlei logischen Grund gab. Link zum Artikel.

Auch ich hatte neulich einen "Close Call", wenn auch mit meinem roten Kleinwagen und der Blue Truck war einer der großen. Wollte einach nicht anhalten, als er vom Grundstück in den Verkehr einfädelte.

Taiwahnsinn bleibt, auch wenn die Corona-Politik gut ist. Was hier am Steuer von Lieferwagen und LKWs sitzt, hat nur wenig mit einem rational handelnden, ausgebildeten und zurechnungsfähigen Fahrzeugführer gemein.

Mal wieder ein (fundierter) Taiwan-"Rant". Over and out bis die Raketen aus China einschlagen, möchte ich gequält scherzhaft sagen in Anbetracht der Drohungen aus der VR-China.

 



Dienstag, April 17, 2018

Vrooom vroooom


Fast scheint es so, als würde unser kleiner roter Nissan Micra (hier March genannt) in einer Reihe mit einem ebenfalls roten Tesla SUV (mit dem Stromverbrauch von 6 Dörfern in den Karparten) und einem coolen blauen Ford Mustang an der Ampel stehen, um bei Grün auszutesten, wer die meisten PS unter der Haube hat. Na, der Nissan mit seinen 99 PS wird es nicht sein.
Tatsächlich steht der Nissan aber nur brav auf einem Bezahlparkplatz geparkt, während Oberklasseautos wie der Mustang fast immer frech an den roten Linien im absoluten Halteverbot geparkt sind. Gerade in so Nobelvierteln wie hier eben. Nobelviertel sind alle die, wo keine vergammelten Plattenbauten sind. Offenbar sind Taiwan-Cops wesentlich vorsichtiger ein teures Auto abschleppen zu lassen als ein billiges. Könnte ja  sein dass der Besitzer Verbindungen hat, etwa in die Politik, von anderen Dingen ganz zu schweigen. Habe hier schon zweimal davon gelesen, dass Polizisten Probleme gekriegt haben, weil sie Politiker wegen Trunkenheit am Steuer bzw. Geschwindigkeitsübertretung belangt haben. Die Meldungen sind aber schon lange her. Sicher ist das nicht mehr so und Leute mit teuren Autos sind einfach nur mutiger, trotz der ständig umher fahrenden roten Abschleppwagen, die mit Polizisten auf dem Beifahrersitz an Nebenstraßen erster Ordnung wie hier und Hauptstraßen sofort zugreifen und abschleppen. Bei einem falsch geparkten Nissan March etwa...

Donnerstag, Februar 08, 2018

Taiwa(h)n wackelt, alle hypernervös wegen Chinese Fucking New Year

Okay, ich bin erst einen Monat wieder in Taiwan, aber es nervt.

Erstens, ich habe mich verhoben, als ich in Deutschland für meine Mutter 150 kg Vogelfutter transportiert habe. Die alte Dame ist ein dermaßener Vogelfütter-Fanatiker geworden, dass ich sehr viel von ihr verlangtes Futter per Post kommen ließ, nur um beim Paketeverarbeiten prompt einen Hexenschuss zu bekommen. Okay, ein rein deutsches Problem.

Aber kaum wieder zurück im zentralheizungslosen Taiwan transportierte ich 32 kg Kerosinkanister für unseren Kerosinofen in der Wohnung. Und der Hexenschuss verlagerte sich gewissermaßen nach vorne, wo er auf die Disassimilationsorgane geschlagen ist. Stichwort "00, WC, Pottologie". Nach Einnahme einer ganzen Apotheke geht es wieder recht gut.

Kaum wird das besser fängt die verdammte Insel an zu wackeln, dass man kaum irgendeine Sache erledigen kann ohne sich zu fragen, was nun diesmal passiert. Die Schäden in Taipei sind allerdings sehr gering, während es im Osten bei Hualien richtig gerumst hat; siehe Bild.

Das Foto stammt aus taiwanischen Onlinemedien und irgendein Witzbold hat die beiden braunen Streben im Bild eingezeichnet vermute ich. In anderen Bildern sieht man das selbe Haus genau so, nur ohne die gezeichnet wirkenden Stützen, etwa hier: https://weather.com/de-DE/wetter/ausland/news/2018-02-07-tote-und-verletzte-nach-heftigem-erdbeben-in-taiwa/

Auch sonst sind die Taiwaner hypernvervös, wie immer üblich im Chinese New Year, das jetzt vor der Tür steht. Wieso? Nun, viele sind alkoholisiert unterwegs, auch mit dem Auto natürlich und der Verkehr und alles Gedränge ist deutlich dichter als sonst. Und das in einem Land, in dem man sich sowieso schon immer gegenseitig auf den Füßen rumsteht.

Prompt hatten wir auch mal wieder eine Begegnung mit einem aggressiven Fahrer. Beim Rausfahren aus dem Parkhaus blockierte er die einzige Ausfahrt. Warum, wissen also Götter allein. Als wir hinter ihm hupten, machte er auch nichts, außer wie ein Irrer aus dem Fenster meine Frau anzuschreien. Als ich um ihn herum fahren wollte - was gerade noch möglich gewesen wäre - fuhr er mit dem Wagen vor, um uns am Passieren zu hindern. In den folgenden Diskussion ist mir sicher einmal ein "fucking drive your car!" entfleucht. Weswegen er mit der Polizei drohte, die wir (!) dann prompt gerufen haben. Wir wollten ja auch das Parkdeck irgendwann mal wieder verlassen. Sonst hätte uns der wilde Herr schon zu irgendwas einladen müssen, wenn er uns dort festhalten wollte. Vielleicht eine Sarsaprilla-Taiwancola. Stattdessen fuchtelte er mit Pfefferspray herum, der gute Mann. Ausländer werden allerdings immer wieder von wilden Taiwanern verklagt, wenn sie irgendwann genervt das Wörtchen Fuck benutzen. Das haben sich die Taiwanis toll überlegt. Sie können auf Chinesisch herumschreien und provozieren und nötigen, aber wehe es entfleucht dem Ausländern ein kleiner Fluch. Nun, wir haben seine Nötigung wie immer auf der Dashcam und sollte ich wegen eines Fluches bei der Beanstandung einer Nötigung wirklich verurteilt werden, dann sitzt das Taiwanblog in der ersten Reihe und in sozialen Netzwerken und natürlich hier wird alles in epischer Breite nachzulesen sein. Typisch auch, dass der Polizist weder Fahrerlaubnisse noch Alkoholisierung kontrolliert hat.

Während ich diese Zeilen schrieb, hat es wieder dreimal gewackelt, das nervöse Inselchen. Nervös auch meine Gattin, die nun an den Finanzmärkten tätig ist, mitten im "Flash-Crash" der Börse. Für Aufregung ist da immer gesorgt.

Ich wünsche also allen Leserinnen und Lesern und sogar den sicher nicht zum Lesen dieses Artikels in einer unbekannten Sprache die Ruhe habenden Taiwanis ein Fucking Happy Chinese Fucking New Year und verbleibe mit korpolierenden Grüßen,

Ludigel

Donnerstag, Mai 04, 2017

Autofahren...

Der Artikel "Autofahren in Taipei", der auch das Umland mit einschließt ist vielleicht nicht ganz perfekt bebildert. Unten ein Bild allerdings aus Changhua, das die öfter vorkommenden nervigen Situationen in Taiwan ganz treffend beschreibt.

In engen Gassen oft Millimeterarbeit im Dauerstau leisten und dabei auf mit hoher Geschwindigkeit regelfrei heranpreschende Motorroller achten ist eben oft der Alltag in Taiwan. In Changhua, das mir noch viel voller und enger als Taipei vorkam, ist das wohl Dauerzustand. Hier bin ich allerdings nur Passagier gewesen.

Mit unserem neuen kleinen Nissan March aka Micra fahre ich in Taipei allerdings die Tage recht unbeschwert durch die Gegend. Das etwas über 1,60m breite Autochen passt halt viel besser durch enge Gassen als unser alter Volvo XC60, der es immerhin auf etwa 1,90m brachte. Sparsam ist der Nissan-Kleinwagen mit etwa 10 Litern Verbrauch auf 100km Stadtverkehr allerdings nicht gerade. Mit seinem 1,5-Liter 99 PS-Motor ist er aber auch kein Sparauto. Das Automatikgetriebe ist Drehzahlhungrig und schaltet beim kleinsten Pedaldruck sofort runter und der Motor ermuntert mit aggressivem Jaulen zum Beschleunigen, was er auch recht eindrucksvoll tut, wenn man dem nachgibt. Immerhin ist der Nissan deutlich sparsamer als der Volvo, der bei gleichem Verkehr 15 Liter geschluckt hat. Auch die Käufer des Volvo (Schwester Nr. 4 von Frau) klagen jetzt über hohen Verbrauch. So ein 245 PS-SUV ist eben doch kein Sparmobil.

Wieviel Spaß das Autofahren in Taipei macht muss jeder selber wissen. Am meisten vielleicht beim Kauf eines Lederüberzugs für das etwas harte Lenkrad. Junior wollte mich noch am Foto hindern und erwähnte die gerade den Volantüberzug aussuchende Mutter. Ich muss ihm noch mal erklären, dass das Recht der Blogleser auf wirklichkeitsgetreue Abbildung von Taiwan natürlich vorgeht.

Hier sollten hilfsbereite Bignoses sofort als mobiles Rollkommando zur Tat und Hilfe schreiten!


Ich vermisse im 14. Jahr Taiwan den Mitsubishi SUV meines Vaters, der jetzt einsam in einer niedersächsischen Kleinstadt in der Garage steht und auf den dortigen Straßen weniger als 9 Liter verbraucht hat. Auf den fast ausgestorbenen Straßen Niedersachsens.
Wie lange ich das hier alles noch angucken muss oder will? Wir werden sehen.

Dienstag, April 18, 2017

Autofahren in Taipei (Update 3)

Eine fiktive Autofahrt. Das was dabei passieren kann, ist hier reichlich erzählt. Auf einer realen Fahrt werden je nach Länge oder Dauer natürlich nur 1 bis 5 solcher besonderen Vorfälle normal sein. Und ein Taiwaner würde das meiste davon wahrscheinlich nicht einmal für erwähnenswert halten.

Taiwaner stehen nicht gerade Schlange, um die Meinung von Ausländern zu ihrem Herumeiern aka "Straßenverkehr" zu hören

Es fängt an mit dem Ausparken. Schon das kann in den engen oft zugeparkten Gassen Taipeis zum Abenteuer werden. Gerade wenn man ein taiwantypisch eher dickes Auto fährt, weil so ein SUV im aggressiven Gedränge und Geschiebe vielleicht Sicherheit versprechen soll. Unseren letzten gemieteten Parkplatz haben wir aufgegeben, weil er oft zugeparkt war oder die Gasse so schmal war, dass der dicke Volvo kaum raus kam, wenn gegenüber noch jemand am Straßenrand stand. Einmal wurde ich auf Englisch beim Hupen-bis-der-Zuparker-kommt gefragt, wieso ich da überhaupt parke. Auf meinem gemieteten Parkplatz. Als Nichtasiate bin ich natürlich gleich ein parktechnischer Fremdkörper, kann kein Eigentum am Parkplatz auf dem Boden der Republik China aka Taiwan haben. Ich erklärte damals dem Frager genervt zu nächtlicher Stunde, dass das ganze Land Taiwan mir gehören würde: "This is my country!" Woraufhin er schnell verschwand. Man will eben nachts keine Soziokulturellen Diskussionen führen beim Ausparken. Einmal, beim Einparken auf den Familienparkplatz bei Schwiegermutter etwa 100 m entfernt. wollte mich ein von mir weggehupter Autofahrer mit seinem Auto hinterher überfahren, als ich aus dem Auto gestiegen war. Ich hatte vielleicht etwas zu viel gehupt und war auch nicht gerade freundlich. Der junge Mann eierte solange mit seinem Auto vor und zurück und versuchte mich zu erwischen, bis ich das Handy zückte. Auch meine Frau stand einmal vor einem uns dort zuparkenden alten BMW, dessen Fahrer mit aufjaulendem Motor so tat, als wolle er sie überfahren. Taiwaner regen sich im Verkehr immer leicht auf. Heute bin ich immer besonders freundlich zu den Leutchen und bedanke mich drei- und viermal. Wir sind ja nicht beim Straßenkampf in Aleppo.




Heute fahre ich mit dem Kleinwagen der Marke Nissan aus der Tiefgarage schräg gegenüber aus dem Autolift. Dann geht es bis zur Hauptstraße etwa hundert Meter durch schmale Wohnstraßen, die natürlich keinen Bürgersteig haben. Hier könnten mir alte Leute plötzlich vor den Wagen laufen, die irgendwo zwischen zwei geparkten Wagen hervor kommen und ohne zu gucken die Fahrbahn betreten und dann oft im Slalom dort herum laufen. Kinder tun das eher selten, Senioren bei uns im Viertel recht oft. Oder ein Moped prischt plötzlich aus einer der kleinen Seitengassen, die natürlich immer zugeparkte Kurven haben und schert ohne zu gucken vor meinen Kühler ein. Immer bremsbereit sein. Taiwaner fahren sehr viel rasanter durch diese engen Gassen als ich es tue. Aber die würden auch nicht zum landesweiten TV-Spektakel, wenn sie einen Unfall haben. Wie es Ausländern schnell passieren kann in Taiwan. Und die sich im Todesfall plötzlich Forderungen in Hunderttausenden US-Dollar gegenüber sehen würden. Unter sich verhandeln die Familien in Taiwan in der Landeswährung Taiwandollar (1:30 etwa), aber bei Ausländern schalten sie auf höhere Summen und damit US-Dollar, weil sonst die Nullen einfach zu viele werden. Der Fall "Zain Dean" kann hier als Beispiel dienen. Dean sah anfangs noch recht unschuldig aus nach einem tödlichen Unfall, wurde aber sofort landesweit gravierend vor-verurteilt, so dass kein faires Verfahren mehr möglich war.



Bin ich nun glorreich auf der Hauptstraße, dann muss ich damit rechnen, dass stets Motorrollerfahrer schnell und aggressiv um mich herum fahren, mir dabei fast den Kühler abrasieren. Insbesondere vorne an der Ampelkreuzung, wenn diese Grün zeigt. Dann kommen die Motorroller von rechts aus einer ampellosen (!) Einmündung geschossen, mir direkt vor den Kühler um nach links oder geradeaus über die grüne Ampel zu schmirgeln. Und Vorfahrtsregeln gibt es ja auch nicht in Taiwan. Außer einem irgendwie "große Straße vor kleiner", das in Praxi zu "mutig vor feige" geworden ist.



Brav fahre ich immer über die Fahrspur mit dem Geradeauspfeil, wenn ich greadeaus fahre. Neben mir wird aber die Linksabbiegespur auch als Geradeausspur benutzt. Richtungspfeile haben nur Vorschlagscharakter in Taiwan. Gerade Piloten dicker SUVs schneiden einem gnadenlos vor den Wagen, um trotzdem geradeaus über die Kreuzung zu fahren. Einmal auf einem Expressway angekommen - also einer Schnellstraße - fließt der Verkehr deutlich ruhiger. Weil die Motorroller jetzt fehlen, die hier nicht mehr fahren dürfen. Es gibt allerdings ein paar Leichtmotorräder mit gelbem und ein paar schwere Maschinen mit rotem Kennzeichen von denen manche einen Motorroller-artigen Fahrstil mit auf-der-weißen-Linie-in-der-Mitte-fahren und auf-dem-Standstreifen-überholen in den Verkehr bringen. Aber das sind nur wenige. Grundsätzlich hängt man dem Vordermann dicht auf der Stoßstange. Denn hält man ganzen oder nur halben Sicherheitsabstand, drängt sich sofort jemand -oft ohne Blinker und sehr plötzlich - in den Abstand hinein, weil er eine Lücke erspäht hat und denkt, auf der anderen Spur etwas schneller vorwärts zu kommen. Nach der Regel "passt es bis zu den Spiegeln, passt das ganze Auto" versuchen die Autofahrer hier, erst einmal ihre Motorhaube rüber in eine Lücke zu schieben und so den nachfolgenden Wagen dort zum Abbremsen zu zwingen. Das führt auch manchmal zu Unfällen so dass man schnell lernt, dass Abstand halten oft zu brenzligeren Situationen führt, als wenn man einfach dicht drauf hängt auf dem Vordermann. Trotzdem versuchen sich manche reinzudrängen und fangen dann etwa an, sich immer weiter parallel zu einem auf die eigene Spur zu schieben, bis man fast Blech-an-Blech fährt und sich manchmal sogar die Außenspiegel berühren. Alle haben immer Kamerasysteme in den Autos - ich auch - die ständig aufzeichnen und so gibt es bei Youtube und anderswo herrliche Aufnahmen von schiefgegangenen Drängelmanövern, bei denen sich die Leute zum Schluss die Autos verbiegen.



Auf dem Land - nicht in Taipei muss man nach schrottreifen Autos Ausschau halten. So fahren etwa manchmal Fahrzeuge mit verzogenem Chassis, die dann wild von rechts nach links zucken oder es gibt - auch in Taipei - manchmal durchaus gepflegt aussehende ältere Autos, die so ausgeschlagene Stoßdämpfer haben, dass sie bei minimalen Bodenwellen wie Wüstenschiffe schaukeln und manchmal auch die Spur verlassen. Aber meist fahren in Taipei moderne Mittelklassewagen und SUVs, alle frisch gewaschen. Bei älteren Autos ist man vorsichtig. Autos in Taiwan werden oft im Alter nicht mehr oder nicht mehr richtig gewartet und Werkstätten tauschen nur selten die Glühbirnen aus. Deswegen haben ältere Autos - und LKWs und Lieferwagen sowieso - oft keine Bremsleuchten. In der Dämmerung fahren die meisten Autos ohne Licht. Der Volksmund weiß in Taiwan zu berichten, dass Licht am Auto furchtbar viel Benzin verbraucht. Auch Nachts fahren manche ohne Licht und Taxifahrer schalten manchmal an der roten Ampel komplett das Licht aus und stehen dann wie getarnt im Dunkeln an der Ampel. Spart angeblich Benzin!



Vorsicht sowieso bei blauen kleinen Lieferwagen. Lieferwagen ohne Firmenbeschriftung werden fast immer in Blau ausgeliefert und besonders wild gefahren. "Blue truck of death" ist die Bezeichnung in der Ausländergemeinde und kein bisschen übertrieben. Die Fahrer dieser Fahrzeuge verlangen immer und überall Vorrang und man lässt sie besser gewähren, sonst kracht es leicht. Auch Spurwechsel werden - nicht nur von ihnen - in Taiwan oft ohne-zu-gucken erledigt. Und um tote Winkel kümmern sich eh viele nicht. Aber wohl nicht nur in Taiwan. Große LKWs sieht man selten. Weil sie einem so dicht auf der Stoßstange hängen, dass man nur etwas Schwarzes vom Kühlergrill sieht. Klar, dass auch diese wie "Gesenkte Sau" gefahren werden, wie man bei mir zu Hause sagt.



Wenn der Verkehr aus japanischen SUVs und Limusinen so ruhig vor sich hin schiebt auf mehreren Spuren und noch ein paar Lücken dazwischen hat, muss man auf Sportfahrer aufpassen. Die fahren meist deutsche Automarken, eventuell aber auch aufgemotzte Mitsubishis oder Mazdas und fahren dann Slalom-Rennen im dichten Verkehr. Wenn alle 80 - 100 fahren bei Tempolimit 70 oder 80 sieht man manchmal kaum die plötzlich heran schießenden Autos, die mit bis zu 160 größere Lücken ausnützen wollen. So ein dicker BMW SUV wird dann schnell zum Amboss des Todes, wenn man nicht aufpasst.

Taxifahrer. Taxis sind ein Thema für sich. Immer Gelborange weil-wir-Taiwaner-alles-den-USA-nachmachen zählen sie auch zu den aggressiv gefahrenen Fahrzeugen. Hat man eine große Lücke rechts im Außenspiegel erspäht und blinkt um langsam rüber zu fahren, dann sollte man das nicht tun, wenn eine Taxe das hintere Fahrzeug auf der Zielspur ist. Die preschen dann oft mit viel Gas heran um entweder ihre Spur zu verteidigen oder einen Unfall zu provozieren. Aber auch andere Verkehrsteilnehmer tun das manchmal. Bei Taxen sollte man auch auf Abstand achten und lieber jemand anders dazwischen fahren lassen. Denn Taxifahrer bremsen gern hart und plötzlich, um einen Auffahrunfall zu provozieren. Sie müssen dann ein paar Tage nicht arbeiten, weil sie dann den Verdienstausfall über eine großzügige Pauschale vom Unfallgegner bezahlt kriegen.



Vorsicht generell beim Einfädeln. Fast immer wenn man dabei kurz dicht an einen anderen Wagen heran fährt, tritt der Fahrer auf die Bremse. Man ärgert in Taiwan gerne andere Verkehrsteilnehmer und Fahrer alter Autos können so auch Geld verdienen. Manche Autofahrer bremsen immerfort unmotiviert. Was auch immer dahinter steckt.

Meist fahre ich nur auf bekannten Strecken. Denn die Verkehrsführung in Taiwan ist manchmal einfach abenteuerlich. Hier ein paar Beispiele aus Taipei (nur wenn "Land" erwähnt ist, ist es woanders):

- Zwei- oder Vierspurige Schnellstraße. Manchmal kommt eine Spur dazu und manchmal geht sie plötzlich wieder weg. Sowohl rechts als auch links. Ausfahrten sind also auf beiden Seiten! Das ergibt immer ein schreckliches Geschiebe und plötzliche Ein- und Ausscheermanöver.

- Oder viel lustiger: Eine Kreuzung wie ein Y, bei dem beide Fahrbahnen oben gleichzeitig Grün haben. Da habe ich schon viele Zusammenstöße selbst gesehen.

- Sieht aus wie eine offene Garage in einer schmalen Altstadtgasse, ist aber die Ausfahrt einer Schnellstraße! Man glaubt sich allein auf einsamer dunkler Straße und plötzlich schießt einem eine Schlange von Fahrzeugen aus der "Garage" vor den Wagen. Ich weiß bis heute nicht, wer da Vorfahrt hatte.



- Kreuzungen einbetoniert mit die Sicht nehmenden Wänden unter Brücken, wo sich Mini-Einfädelspuren plötzlich im Gegenverkehr verlieren und Autos aus sechs Richtungen kommen.

- Versteckte Mini-Einmündungen auf großen Kreuzungen, oft ohne Ampel, während nur die großen Einmündungen Ampeln haben.

- Eine klar aussehende einfache Kreuzung mit Ampel, bei der aber die große Fahrbahn zu meiner linken keine Ampel hat sondern eine (kaputte, hochgeklappte) Schranke und die Autos dort einfach mit Karacho in die Kreuzung einfahren.

- Gleich dahinter fehlt "mir" eine Ampel, wenn ich durch eine Unterführung fahre. Man soll sich offenbar an der Ampel an der nächsten Kreuzung orientieren und hat kaum Sicht auf die ampelgeregelte Fahrspur von links.

- Kreuzungen mit richtungsvertauschten Fahrspuren, bei denen man das Fahren in England üben kann.

- Kreuzungen mit versteckten Ampeln, etwa zwischen roter und grüner greller Leuchtreklame untergehend (Stadt) oder auf der anderen Straßenseite bei einer Allee mit Bäumen auf dem Fahrbahnteiler(!) ganz oben links (Land). Würde man nie denken, dass die Ampel da den Geisterfahrer macht. Also auf der falschen Fahrbahnseite links vom die Sicht nehmenden Grünstreifen befestigt ist.

Was das mit Straßenverkehr zu tun hat? Na bestimmt...

- Ampeln, die von Technikhäuschen verdeckt sind wenn man den Berg hochfährt (in der Kurve natürlich).

Und und und. Und natürlich überall die völlig regelfrei fahrenden Motorrollerfahrer, die von überall und nirgends kommen ohne auf den Verkehr zu achten. Sie fahren meist ohne Führerschein wie ein Fußgänger sich in der Menschenmenge durchschiebt. Und nicht wie man ein richtiges Fahrzeug steuert.

Ampeln sind auch schon mal wochenlang kaputt. Nachts auf Schnellstraßen wird die linke Fahrspur ohne Lichtwarnung einfach mit mausgrauen Betonstellwänden zu gemacht, die man erst im letzten Moment sieht (Land).

Ach ich habe keinen Bock mehr weiter zu schreiben. Fahren Sie doch selber in Taiwan. Oder auch nicht. 

... fahren die nach der Computermesse...

Erwähnenswert noch: Man sieht schon mal Verletzte blutend auf der Fahrbahn neben ihren ungesicherten Unfall-Motorrollern liegen, sich vielleicht noch mit den Händen mühsam über den Asphalt zerren, während Leute kichernd am Rand stehen und Fotos und Filme mit den Handys drehen. Besser auch weiterfahren und nicht helfen, sonst wird man leicht von einer Unfallpartei als Unfallverursacher bezeichnet und verklagt. Hier ist die Regel: Wer sich einmischt hat ein eigenes Interesse und daher müssen die anderen Parteien sich (durch juristischen Angriff) schützen.

Komisch, richtige Autovermietungen gibt es kaum in Taiwan (gacker)...

...ganz wild mit dem Moped nach Hause. Hier üben sie...


UPDATE: Das blödsinnigste Vorkommnis, das ich 2006 mal im Straßenverkehr hatte, soll hier auch nicht unerwähnt bleiben. Ich hatte den Artikel einst wieder gelöscht im Blog, um Taiwan nicht zu negativ dastehen zu lassen. Damals hatte meine Frau den Nissan X-Trail fahrend, einen Spurwechsel gemacht und parallel mit ihr wollte ein weißer Honda Civic. Eine drei- oder vierspurige Schnellstraße, auf der sich der Verkehr fast schon staute. Meine Frau setzte ich durch, der Honda musste kurz warten. Er überholte uns dann und bremste uns aus, zwang unseren Wagen zum Anhalten. Wir stiegen alle aus und der Fahrer des Honda, ein Mann in den 30ern mit deutlich erkennbarer langer Narbe quer über die Stirn, kam auf uns zu wie ein aus dem Käfig entsprungenes wildes Tier. Schrie und ließ seine Hände in die Luft fliegen, wie ich es aus Mädchenkeilereien in der Grundschule in Erinnerung hatte. Er bewegte sich ständig auf meine Frau zu und kurz bevor er sie mit seinen fliegenden Händen erreicht hätte, ging ich dazwischen und schrie den Kerl an, er solle seinen Arsch wieder in den verdammten Wagen bewegen. Die ganze Zeit über raste der Verkehr linksseitig knapp an uns vorbei - auch LKWs darunter. Nun hatte er seinen Honda etwa zu einem Drittel auf der rechten Fahrbahn der Schnellstraße geparkt. Weil er uns eben das Wegfahren unmöglich machen wollte. Als er dann recht schnell nach meinem Eingreifen in den Honda verschwinden wollte, hatte er nur Augen für uns und nicht für den Verkehr. Der rechte Spiegel eines schnell vorbei fahrenden LKWs hätte ihn fast an der Stirn erwischt, als er in seinen Honda steigen wollte. Genau da, wo die alte Narbe war. Er blieb schockgefrohren für einen Augenblick stehen. Hatte wohl gemerkt, wie knapp das war. Ich fürchtete schon er wollte zur zweiten Runde starten, da schrie ich ihn wieder an: "Get into your fucking car before you get hit by another truck.... or by me!" Er verschwand hastig und brauste davon und ward nie wieder gesehen.
Taiwan kann manchmal Mel-Brooks-artig blödsinnig sein. Hatte der kleine wilde Mann seine Narbe auf die selbe Art bekommen? Heute 11 Jahre später sind die neuen Dreißigjährigen im Schnitt 15 cm Größer und erreichen oder übertrumpfen meine Bauhöhe. Sind aber im Verkehr immer noch genauso wild.

...erst das Sitzen auf den Moped und dann die Fahrtrichtungsanzeige.

UPDATE2: Und der Motorrollerstau, bei dem ein behelmter Mann dabei war einen anderen behelmten reglosen Motorollerfahrer immer wieder mit dem Kopf auf den Bordstein zu schlagen, während ich direkt vorbei ging um mir einen Burger statt dem glitischigen Seafood beim Firmenfestessen zu kaufen.


Am Ende bleibt man ratlos zurück.


UPDATE3: Vergessen habe ich die Ampeln. An großen Kreuzungen hat man Ampeln mit Pfeilen für die Richtungen. Das gibt es auch in Deutschland, aber in Taiwan gibt es eine Besonderheit. Wenn man eine Pfeilampel hat (also z.B. gerade Grün für Geradeaus und Rechts) dann sind nicht davon abgedeckte Fahrtrichtungen (also i.d.F. Links) als Rot anzusehen! In Deutschland etwa hätte man explizit einen Rotpfeil, aber in Taiwan muss man sich den roten Pfeil selber denken.

Nochmal: Sie fahren an eine Kreuzung heran und es ist grundsätzlich erlaubt, nach Links, Geradeaus und Rechts zu fahren (z.B. über Fahrspuren markiert). Eine Ampel ist an der Kreuzung zu sehen mit einem grünen Doppelpfeil, der sowohl geradeaus und nach Rechts zeigt. Die Preisfrage lautet: Dürfen Sie jetzt nach Links abbiegen? Schließlich ist kein roter Pfeil zu sehen.

Die Antwort lautet: Nein, dürfen Sie nicht. An Richtungsampeln ist nur das Fahren in angezeigten grünen Richtungen erlaubt, die fehlenden Richtungen sind implizit Rot ohne dass dies gezeigt wird. Sie müssen tatsächlich solange warten, bis ein grüner Pfeil in die fehlende Richtung (hier Links) zu sehen ist.
Natürlich wird die Regel sehr oft gebrochen und man hat schon mal einen hupenden Hintermann oder Autos fahren einfach rechts oder links an einem vorbei und biegen trotzdem ab. Das kann aber gefährlich sein in Taipei wegen vieler dicht bepflanzter Mittelstreifen oder gar Brückenpfeilern, die die Sicht nehmen.

Dienstag, April 19, 2016

Automobiles... und ein Denkverbot über Statik

An manche Dinge darf man in Taiwan nicht mal denken. Oder nicht mal hinsehen.

Physiker wissen, dass man ein Experiment beeinflusst, indem man es beobachtet. Was irgendwie mit Katzen in Kisten zu tun hat und einer Zyankalikapsel, die mit dem Deckel verbunden ist. Nein, ich habe keine "psychischen Probleme" - wie Leser mir manchmal attestieren, wenn sie Artikel nicht ganz durchschauen. Googeln Sie mal nach "Schroedingers Katze". Genau dieses Beobachten irgendwie instabiler Zustände macht Taiwan so gefährlich. Unvergessen, als ich 2004 hier sah, wie ein Wasserfall bei Starkregen aus einer eingeschalteten Deckenlampe kam und nichts weiter passierte. Besser, man sieht nicht hin, sonst löst sich alles in Funkenregen und Stromschlag auf.


Oder als ich neulich sah, wie bei uns in NeiHu (Stadtteil von Taipei) jemand eine Kerze in den offenen Motorraum gestellt hatte, um ihn spätabends bei der Reparatur zu beleuchten. "Intelligenter Mann", dachte ich noch. "Spart Strom". Doch dann musste mein teutonischer Verstand sofort an die Brandgefahr denken und in der selben Sekunde fing der Motorraum Feuer. Schien den Mann aber nicht aufzuregen, er griff routiniert zum Feuerlöscher und löschte sein brennendes Auto. Waren ja nur ein paar Flammen auf dem Motorblock, nicht so wild. Mein Fehler: Ich hatte nicht nur hingesehen, sondern auch noch drüber nachgedacht.
Und hier oben die E-Klasse* (in der seltenen Taxiversion, sind sonst alles Toyotas) auf dem Wächterhäuschen eines Schrottplatzes? Nun, oft macht man da wegen der Hitze ein zweites Blechdach drüber oder desgleichen. Und eine E-Klasse ist nun mal aus Blech. "Nicht drüber nachdenken", kommt immer immer in den Sinn, wenn ich wieder mal wegen der roten Ampel an der Kreuzung zu unserem Volvo-Händler anhalten muss neben dem fliegenden Benz. Auch nicht darüber nachdenken, was ein Erdbeben hier an Masseschwingung auslösen könnte. Erdbeben hat man ja laufend in Taiwan.

Augen lieber auf die neuen Volvos, gleich vor dem Netz eines asiatischen Golfplatzes, wo die Leute auf drei Etagen in kleinen Boxen stehen und Golfbälle sinnlos auf einen von selbigen übersäten Platz dreschen. "Was machen die da bloß?",  fragte meine Frau, als wir an der Ampel dort halten mussten (wegen dem Mercedes fragt sie nie). "Bist Du wirklich Asiatin?", hätte ich fast gefragt.

Nicht ablenken lassen darf man sich auch von kleinen orange oder rosa-weiß farbenen Dingen, wenn man in Taipeis Einkaufsmeilen eine Querstraße passiert. Aus dem Sichtschutz der Unterwäschesäule kann plötzlich ein mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve rasendes Auto kommen, dass einen schlichtweg überfahren würde, wenn man nicht als Fußgänger auf Draht ist, so wie es mir und Frau und Junior fast neulich passiert wäre. Der Fahrer des schicken 5er-BMWs hatte die teutonisch-perfekte Fahrwerksauslegung fast zum Nachteil von zwei anderen Teutonen und der taiwanischen Frau und Mutter bis in den Grenzbereich ausgenutzt. Taiwanischer Wahnsinn und teutonische Ingenieurskunst in unheilvoller Kombination.

Apropos Wahnsinn. Auch Ludigels Schlichtwohnung im von Frau bevorzugtem Schlichtwohnviertel hat manchmal merkwürdige Ansichten zu bieten. Juniors Elektro-New Beetle hat dazu geführt, dass er in der engen Wohnung schon rangieren kann mit 4 wie ein Profi-Autofahrer - auch wenn wir ihm zur räumlichen Entlastung noch ein Elektro-Dreirad gekauft haben. Man muss aufpassen, wenn er damit ohne zu gucken um die Ecken der Wohnung düst. Früh übt sich, wer am taiwanischen Straßenirrsinn teilnehmen will.

Man sieht es nicht gleich, aber oben im Bild steht ein weißer Bentley vor einer hinter der Mauer versteckten Autowäsche oder Autowerkstatt, die sich laut Schild "Big Man" nennt. Gleich hinter der Kurve mit dem alten Mercedes vom ersten Bild. Dort stehen immer Porsches und Bentleys und so ein Zeug herum und die Kunden schlürfen Saft an Schirmtischen, während die Karre poliert. Der Trend zur Bonzenkarre hält an. Als ich früher in der Parkgarage des Restaurants "Cha for Tea" meinen Nissan parkte, waren da noch nicht so viele Nobelkarossen. Letztlich aber parkte ich meinen Volvo (der den Nissan nach Wunsch von Frau ersetzt hat) neben einem Maserati und wunderte mich über die Dichte an Porsche (Cayenne), Mercedes und Lexus. Haben die die Preise erhöht in dem Schuppen? Oder reduziert, so dass die Leute mehr Geld fürs Auto über haben.

Wie dem auch sei, seinen Sie vorsichtig da draußen im Verkehr - bei feuchtem Wetter fliegen die E-Klassen wieder tief etc. pp.


* Aka W124, anfangs hieß die Reihe ja auch noch gar nicht E-Klasse

Mittwoch, April 06, 2016

Mehrere Angriffe auf Kinder durch "Trittbrettfahrer"?

Im Nachhall der grauenhaften Ermordung einer Vierjährigen auf offener Straße berichtete das TV am verlängerten Wochenende von mehreren Messerangriffen auf Kinder

Die vibrierende, überbevölkerte und dauergestresste Insel Taiwan zeigt sich die Tage nicht von ihrer besten Seite. Das TV meldete am verlängerten Wochenende (Montag und Dienstag waren Feiertage), dass in Tainan und anderswo mehrere Kinder mit Messern angegriffen worden sind. Die Medien legten Trittbrettfahrer-Taten nahe, vgl. den ursprünglichen Fall hier: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603280008.aspx 

Da der Mord das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Insel ist, beschäftigt er natürlich auch die geistigen Problemfälle, die in Taiwan noch weniger medizinisch versorgt werden als das vielleicht in Mitteleuropa der Fall ist.
Der Tainan-Fall ist hier genannt: Der Exfreund einer Mutter drang gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Freundin ein, in der sich nur noch eine der Töchter der Frau befand. Er hielt die 12jährige mit einem Messer am Hals als Geisel und verletzte sie am Ende schwer im Halsbereich. Das Mädchen konnte gerettet werden. http://www.straitstimes.com/asia/east-asia/girl-12-slashed-in-latest-knife-attack-in-taiwan
Edit: Der selbe Artikel erwähnt, ein Mann, der mit zwei Messern vor einer Grundschule im Taichung "herumlungerte", sei festgenommen worden.

Kinder von Ausländern stechen hier in der Masse etwas heraus. Jeder muss selbst wissen, ob er das Risiko als groß genug ansieht, um ein bisschen kritischer zu gucken, ob ein gestresst oder aggressiv wirkender Mitsteuerzahler Kurs auf das eigene Kind nimmt. Bei Familie Ludigel gehört das gerade zum Standardprogramm. Nicht vergessen sollte man aber, dass die Hauptgefahr von den rücksichtslos fahrenden Autofahrern ausgeht. Familie Ludigel hatte eine der kleinen Einmündungen von den Fußgängerzonen in Taipei-Zentrum schon zu einem Drittel überwunden, da raste von hinten ein 5er-BMW heran, schnitt Frau, Junior und mir fast die Fußspitzen ab und raste davon. Hätte ich die Kopfhörer-tragende Frau und Junior nicht physisch blockiert, wäre vielleicht sonstwas passiert.

Aber wie würden unsere pfiffigen Gastgeber dazu sagen: Kind erstechen oder erschlagen ist nicht gut, überfahren aber sicher in Ordnung. Wenn man schnell von irgendwo her sein Stinky-Tofu kaufen will.

Einen Mittwochsgruß in das graue Taipei. Passen wir alle auf unsere Kinder auf, damit es grau bleibt und nicht noch "grauenhaft" wird.

Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/03/bei-mir-in-der-nahe-kleinkind-enthauptet.html

Dienstag, April 07, 2015

Ganz entspannter Unfall

In Taiwans "Gräberputzfest", das ich immer "taiwanische Ostern" nenne habe ich einen ganz fernöstlich-entspannten Unfall erleben dürfen

Meine Dashcam müsste es sogar aufgezeichnet haben, obwohl ich das Video noch nicht hervorgeholt habe. Auf einer wenig befahrenen Strecke war mein VOLVO die Tage unterwegs, mit der vorgeschriebenen Geschwindigkeit auf einer zweispurigen Schnellstraße (80 oder so) schwebte ich langsam ganz entspannt über die linke Spur, rechts vor mir 50m entfernt etwa und nicht viel langsamer erst eine Familienkutsche (so ein Kompakt-Minivan, wozu eben die Kombis heute mutiert sind) und davor ein großer LKW. Alle nicht viel langsamer als ich. Hätte der "Kombi" links einscheren wollen wäre das ganz einfach gegangen. War reichlich Platz vor mir und er hätte einfach rüber ziehen können. Oder er hätte gar abgewartet bis ich überholt habe. Was aber eher taiwanuntypisch gewesen wäre: Vor einen überholenden oder in diesem Fall langsam vorbei rollenden Wagen zu ziehen ist immer besser als dahinter, so lernt man hier wohl auf der Fahrschule. Hat der Kombi aber auch nicht gemacht sondern blieb einfach, während ich eben die erwähnten 50m oder so hinter ihm war, auf der rechten Spur und schien dann bei dem LKW extrem dicht aufzufahren - wobei er sich diesem mit kaum Differenzgeschwindigkeit von hinten genähert hat. Da wunderte ich mich noch, dass der LKW scheinbar "Ladung verlor", fuhr elegant um diese schwarzen Kunststoffstücke herum und zog langsam meines Weges. Auch weil der LKW und der Kombi einfach weiter gefahren waren, mehrere Sekunden lang. So herrlich entspannt waren wir alle und der Kombi hatte jetzt sogar wieder Abstand gewonnen. Sah mir gar nicht wie ein Unfall aus. LKWs verlieren ja immer Ladung hier in Taiwan, das lernen die Fahrer sicher so während der Ausbildung. Ruff uf de Pritsche un gut is. Und Autos fahren hier auch immer dicht auf. Alles normal so weit.

Bis dann Frau von einem Unfall redete und ich mir die Szene im Rückspiegel noch mal genauer ansah. Die schwarzen Kunststoffteile auf der linken Spur hatten in der Tat etwas Ähnlichkeit mit einer Stoßstange oder Frontschürze und der immer noch weiter fahrende Kombi sah vorne etwas verändert aus. Eingedrückt eben. Aber nicht im Fahrgastzellenbereich, dazu war der Crash auch zu gering gewesen. Beide in den Unfall verwickelte Fahrzeuge hielten jetzt auch an. Ich fuhr jedoch weiter, was politisch korrekte Leser vermutlich scharf einatmen lässt. Aber erstens haben sowohl Frau und ich zusammen als auch ich allein schon mehrere straßenverkehrsbezogene angedeutete  Angriffe durch taiwanische Verkehrsteilnehmer erlebt (Motoraufheulen, auf einen zufahren als Fußfänger* bzw. Attacken mit Herumschreien und rudernden Armen nach Wegabschneiden mittels des PKWs auf der Autobahn**), dass wir uns nicht ohne Not in eine sicher alsbald emotional aufgeladene Situation begeben wollten. Taiwaner benehmen sich im Straßenverkehr nun mal wie tobende Irre und sogar das Verklagen oder falsche Beschuldigen von Unfallhelfern ist in Taiwan Normprogramm. Sah ja auch alles wie ein Blechschaden aus, der verunfallte Kombi wurde langsam und ordentlich zum Stehen gebracht und so sollten sie eben ihre Angelegenheiten selber regeln, ganz wie es der weise Lehrer Konfuzius auch verlangt.

Auf einer taiwanischen Schnellstraße anzuhalten wäre auch eine eher suizidale Tat, so wie hier immer wieder "ohne zu gucken" auch über die Standstreifen gebrettert wird.

Weil auf der Hochstraße, auf der wir uns befanden, gerade ein besonders schönes Panorama von Taipei 101 und dem Stadtrand Taipeis zu sehen war, wird der Fahrer vermutlich aus dem Fenster geguckt haben und ist daher langsam auf den vor ihm fahrenden LKW aufgefahren.

* 2x durch Zuparker des Familienparkplatzes
** weil der andere Verkehrsteilnehmer auch hätte die Spur wechseln wollen als wir gewechselt haben



Mittwoch, Februar 25, 2015

Also doch: Polizei lässt Videoaufnahmen verschwinden

Immer wieder wurde im Ausländerforum spekuliert ob Taiwans Polizei Aufnahmen der zahlreichen Videokameras (an Straßenkreuzungen überall zu finden in Taiwan) verschwinden lässt, wenn es ihr gerade in den Kram passt. Nun ist ein Fall nachgewiesen.

Mir klang es oft wie eine Verschwörungstheorie, die ich allerdings auch selbst rezitiert habe. Was ist wenn etwa ein Ausländer wie damals der TV-Entertainer Mark Selighoff (Kanadier deutsch-ukrainischer Herkunft, wenn ich mich recht erinnere) oder eben unlängst der pakistanischstämmige Brite Zain D. Unfälle haben? Oft, wie eben in den beiden genannten Fällen, steht dann kein den Ausländer entlastendes oder wenig bis kein erhellendes Videomaterial zur Verfügung. Das wirkt merkwürdig, wenn doch überall Kameras angebracht sind. Lassen Taiwans Polizisten Videoaufnahmen verschwinden, wenn ihr Vorhandensein Inländer belasten würde? Man weiß es nicht. Mark Selighoff hatte damals einen Motorradunfall und ist offenbar in Taipei mit Baumästen kollidiert, was zu einer bleibenden schweren Behinderung und letztlich seinem Tod führte. Die überall an der Straße vorhandenen Kameras hatten angeblich nichts gefilmt.
Zain D., ein Geschäftsmann aus Taipei, war mit seinem Fahrzeug nächtens verunfallt, wobei ein angefahrener Motorradfahrer zu Tode kam. Es ist nie so ganz geklärt worden, ob Zain D. oder ein Parkwächter des Lokals, in dem er getrunken hatte, zum Unfallzeitpunkt gefahren war. Auch weil das Polizeirevier von der Gangstertruppe, der das Lokal gehört geschmiert worden war - zumindest in anderer Sache vor dem Unfall. Und erhellendes Videomaterial gab es wieder nicht. Auch hier im Blog ist der Fall hinreichend durchgekaut worden - Zain D. wartet heute in Schottland auf seine Auslieferung nach Taiwan.

Nun ist allerdings die Frage geklärt worden, OB Taiwans Polizisten solches Videobeweismaterial verschwinden lassen. Die Antwort ist ein klares Ja. Denn in diesem chinesischsprachigen Artikel (http://news.ltn.com.tw/news/society/breakingnews/1230186) wird ein Fall beschrieben, in dem offenbar ein Polizist namens Li, der der Sohn eines Personenschützers des taiwanischen Vizepräsidenten ist (eigentlich: Vizepräsident der Republik China), als Geisterfahrer eine Highschool-Schülerin totgefahren hat, dann Unfallflucht begangen hat und dabei von anderen Polizeibeamten versteckt wurde (möglicherweise um einen Alkoholpegel abzubauen). Polizisten fuhren mit ihren Streifenwagen auch herum, um die Videoaufnahmen vom Unfall alle zu beschlagnahmen - angeblich für die Untersuchung. In Wirklichkeit löschten sie alle Aufzeichnungen und auch die Aufzeichnungen ihrer Streifenwagen, die sie mit der illegalen Handlung in Bezug setzen.

Die Frage, ob Taiwans Polizisten Videobeweise verschwinden lassen ist damit geklärt. Bleibt nur zu überlegen, wann es ihnen gerade in den Kram passt das zu tun. Das lässt auch die auch in meinem PKW vorhandenen und in Taiwan beliebten "Dash-Cams" mit einem Zweifel behaftet zurück. Was wenn ich einen Unfall habe und der Polizist vor Ort gleich die Speicherkarte beschlagnahmen will. Braucht er vielleicht eine neue SD-Karte mit 32 GB für seine Digicam von Canon oder will er gerade mal gegenüber einem ausländischen Fahrer den einheimischen Unfallgegner schützen? Aber wir wollen uns nicht in noch unbewiesenen Verschwörungstheorien ergehen.

Mittwoch, Februar 04, 2015

Taiwan: Flugzeug stößt mit Taxi zusammen (und fällt in den Fluss) UPDATE3

Eilmeldung aus der Tailightzone: Ein offenbar kleineres oder mittelgroßes Passagierflugzeug ist gemäß gerade im TV gezeigten Fernsehbilder beim Abstürzen auf einer Hochstraße mit einem Taxi kollidiert und hinterher in einen Fluss gefallen. Die Bergungsarbeiten laufen, die Maschine liegt auf der Seite und ist halb versunken.

Wesentlich besser ist es um das Taxi der Marke Volkswagen (Caddy? Golf Plus?) bestellt. Es hat nur eine eingedrückte Frontpartie.

Updates später.

UPDATE: Doch eine größere Maschine, Bilder können täuschen. Mit 50 Leuten besetzt, einige leider noch vermisst:
http://www.focus.de/panorama/welt/mindestens-zehn-verletzte-passagierflugzeug-stuerzt-ueber-taiwian-in-fluss_id_4451496.html
  Songshan Airport Taipei, TransAsia Airlines. 

UPDATE2:Ich bitte die anfangs zu lockere Berichterstattung hier im Blog zu entschuldigen. Beim Mittagessen in der Firma flimmerten auf dem weit entfernten TV die Bilder eines mit dem Taxi kollidierenden und dann in den Fluss fallenden Flugzeugs über die Mattscheibe und im Kollegenkreis kam es als "Flugzeug kollidiert mit Taxi" an. Leider kann das menschliche Auge schlecht zwischen groß und klein in der Luft unterscheiden und so sah es für mich anfangs wie eine kleine Maschine aus, die noch halbwegs wassern konnte.

 Altes Foto vom Anflug auf den Songshan Airport Taipei in der Innenstadt

Leider hat der Eindruck getäuscht, die Maschine war mittelgroß und hat wohl soviel Wasser gezogen, dass mindestens 25 Menschen umgekommen sind, wie jetzt berichtet wird. Der Flieger, der von Songshan Airport Taipei auf die Insel Kinmen unterwegs war, hatte 31 Chinesen aus der Volksrepublik und 27 Taiwaner an Bord. Offenbar werden die touristischen Lokationen Taiwans tatsächlich vorrangig von chinesischen Touristen besucht seit der politischen Öffnung Taiwans zur Volksrepublik hin.

Hier ist eine Maschine schon recht hoch in der Luft. Wenn sie gefühlt "knapp über die Hausdächer" fliegen habe ich die Kamera nie schnell genug parat

Die Identitäten der Taiwaner sind noch nicht bekannt, da sie beim Ticketkauf nicht mal ihre Namen hinterlassen mussten. Für TransAsia Airlines ist es der zweite Absturz innerhalb eines Jahres. Beim letzten Absturz war eine TransAsia - Maschine trotz Taifuns auf eine andere Ferieninsel geflogen und in den Ausläufern des Taifuns beim Landeanflug abgestürzt. Dass Taifune gefährlich für den Flugbetrieb sind hat TransAsia Airlines mittlerweile gelernt. Gut, dass diesmal der breite Stauraum von Taipeis Fluss neben dem Flughafen da war, um der Maschine Platz zu bieten. Dahinter stehen gleich Hochhäuser an Hochhäuser. In der Presse wird jetzt diskutiert, ob der Innenstadt-Flughafen verlegt werden soll. Auch mir sind immer wieder sehr dicht über die Hausdächer fliegende große Maschinen aufgefallen - ich wohne ganz in der Nähe. Andererseits ist der Flughafen gerade erst modernisiert worden.

http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/02/05/2003610844

Ich hoffe, dass kein Blogleser oder seine Familie von diesem Unfall betroffen war. Mein Beileid an alle Hinterbliebenen. 

P.S.: Es ist immer wieder ein beeindruckendes Bild (bei dem ich nie fotografieren kann weil ich am Steuer sitze), wenn man auf dem Highway 1 abschüssig nach Taipei rein kommt, rechts das Hochhaus 101 sieht, links das Riesenrad und dann ein großes Flugzeug gefühlt parallel mit einem fliegt, um auf dem gleich unten gelegenen Innenstadtflughafen zu landen. Allerdings sieht man dann auch, wie dicht gedrängt alles ist und wie wenig Platz die Flugzeuge haben. Erst kürzlich wurde der alte Innenstadtflughafen Taipeis neu ausgebaut und hat jetzt mehr internationale Destinationen übernommen.

Update 3: Offenbar hatte der Pilot VOR dem Start seiner Fluglinie Manschinenprobleme gemeldet, die Fluglinie hat jedoch beschlossen diese zu ignorieren und nach dem Flug zu überprüfen. Danach folgte der fatale Crash. So berichtet die Taipei Times.  Während des Starts fiel ein Motor aus, was die 2-motorige Propellermaschine des Typs ATR 72-600 zwar noch flugfähig, aber schwer beherrschbar machte. Die Maschine verfehlte dann knapp eines der zahlreichen Gebäude in der Nähe des Innenstadtflughafens und streifte beim Versuch Höhe zu gewinnen und die Maschine in unbebautes Gelände (das breite Flussstaubecken) zu bringen die Autobahnbrücke und das Taxi (dessen Insassen nur leicht verletzt sind). Viele Insassen kamen durch das eindringende Wasser um, als sie auf den Sitzen festgeschnallt waren. Für die Überlebenden war wichtig, sehr schnell den Gurt zu lösen offenbar, um nicht zu ertrinken. Der Pilot ist noch vermisst.
 

Mittwoch, Januar 14, 2015

Tödlicher Streit in Parkgarage in Taipei (Update 3)

Im friedlichen Taipei gibt es so etwas selten. Oder kommen derartige Dinge in Zukunft öfter vor?

Taipei erscheint vielen Ausländern wie auch mir als Großstadt fast ohne Straßenkriminalität. Trotz höherer Mord- und Totschlagszahlen in Taiwan geht man i.A. davon aus, dass die höhere Todesrate sich durch interne Auseinandersetzungen im Gangstermilieu und  durch Streit in taiwanischen Familien erklärt, wovon man als Ausländer, vom gelegentlich fliegenden Wasserkocher abgesehen, wenig bis nichts mitbekommt. Auch wenn wie neulich berichtet eine große Menschenmenge einen Polizisten erschlägt in einer Disco oder dergleichen, scheint es unter die Regel zu fallen, denn der Polizist arbeitete offenbar nebenher als Clubsecurity, was wohl ein anderes Wort für "Gang" ist.

Nur der Irre, der wie damals berichtet ein Messer in der U-bahn zog und vier Leute im Schlaf erstochen hat, der passte nicht ins Schema platt gesagt. Und jetzt sind zwei tote junge Männer auf der Rückbank eines Autos in einem Parkhaus in Taipei gefunden worden. Sie kamen aus dem Großraum Taichung und hatten sich den PKW von der Mutter des einen für einen Trip nach Taipei geliehen. Während einer im Parkhaus im Auto wartete, ging der andere schnell Getränke kaufen, wie man das auf einem Ausflug so macht. Das ganze am Nachmittag in Ximending, dem hübschen Stadtteil, in dem ich hier einst eine ganze Fotoserie geschossen habe (ein Posting hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/01/geschichten-aus-dem-ximen.html). Ich hätte die beiden jungen Leute auf dem Trip so sicher wie in Abrahams Schoß gewähnt und als einziges Risiko einen Verkehrsunfall genannt.

Doch was ist offenbar passiert? Der zurück gebliebene junge Mann, wie der andere ohne jedwedes Strafregister, geriet offenbar mit jemanden in Streit. Dieser hat ihn dann aus nächster Nähe dreimal in den Kopf geschossen wie bei einer Exekution und die Leiche dann einfach auf die Rückbank des Wagens gesetzt. Als der zweite junge Mann mit den Getränken zurück kam, wurde auch er auf gleiche Weise erschossen und ebenfalls so im Auto platziert. Gespenstisch. Die Polizei hat wohl durch die in Taiwan überall präsenten Kameras einen Verdächtigen und sucht nach ihm.

Es ist anzumerken, dass es in Taiwan sehr wenig Schusswaffen gibt. Normalerweise sagt man, diese seien nur in harten Gangsterkreisen verbreitet, abgesehen von den Waffen in Händen von Staatsdienern. Stimmt das Bild vom friedlichen  Taipei noch? Ich bin mir nicht mehr sicher. Straßenverkehr ist neben Nachtleben die zweite Problemzone, bei der Taiwaner oft schnell die Kontrolle über sich verlieren. Alkohol und Autos enthemmen wohl gleichermaßen die sonst ruhigen Taiwaner, die ihre Gefühle fast immer wie sozial (und konfuzianisch) vorgeschrieben unter Kontrolle haben. Ein extremes Beispiel für einen Straßenverkehrsstreit?

http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/01/14/426467/2-shot.htm

UPDATE: In der jüngsten Meldung treibt die Chinapost ein Verwirrspiel, sie nennt zunächst den angeblichen Schützen namentlich, nur um weiter unten im Artikel zu schreiben, der genannte sei doch nicht der Schütze offenbar. Die genannte Person ist der Onkel der Freundin eines der beiden Opfer. Die Opfer haben den gleichen Familiennamen, aber keine verwandtschaftliche Beziehung. Der Onkel spielt eine etwas undurchsichtige Rolle, weil er die Tour mit den beiden zusammen gemacht hat und sich dann offenbar abgesetzt hat (weil er die beiden nicht mehr finden konnte), ist aber offenbar gemäß den Tatvideo nicht der Schütze. Letztlich weiß man also wenig neues und es ist zu hoffen, dass die Verwirrung im Chinapost-Artikel nicht auf die Fahnder übergreift.
http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/01/15/426553/Chen-Fu-hsiang.htm
Taiwanstyle ist es, gleich mit vollen Namen um sich zu werfen, auch wenn man nicht mal weiß was man eigentlich sagen will.

UPDATE 2:
Wesentlich kohärenter als die KMT-freundliche Chinapost schreibt die DPP-freundliche Taipei Times über den Fall: Demnach waren die beiden Opfer doch nicht unbescholten, sondern hatten Drogenbesitz im Strafregister. Nach Informationen aus der Unterwelt, die die Taipei Times wiedergibt, soll es bei dem Vorfall um das Einfordern von Geld seitens der Opfer aus einem Drogengeschäft oder einer illegalen Wette gegangen sein und ein Gangsterboss soll einen professionellen Killer angeworben haben, der die beiden jungen Männer erschossen hat. Die Chinapost schreibt, der Killer habe nach der Tat in aller Ruhe seine Waffe in einem Fahrstuhl gesäubert, obwohl sich in diesem zwei Frauen befunden haben. Eine Szene wie aus einem Gangsterfilm. Desto mehr die Gangsterbanden in der Öffentlichkeit herum knallen und ihre Waffen zeigen, desto weniger macht sicher die alte Prämisse sind, Taiwans höhere Mord- und Totschlagsrate im Vergleich etwa zu Deutschland sei nicht sicherheitsrelevant, weil die Morde ja "nur" im Gangstermilieu (und in Familien bei Streitigkeiten) stattfänden.

Bizarr der Eindruck, dass die KMT-freundliche Chinapost hier die Taipei-Gangsterbanden aus der Meldung heraus halten will. Man beachte die Prämisse, dass die taiwanische Regierungspartei KMT traditionell auch mit der Taipei beherrschenden Mafia ("Bambusgang") verzahnt ist.

***
UPDATE3 (nicht zur Sache, sondern Straßenverkehr): Autofahrer mit Dashcam überfährt Passanten, begeht Fahrerflucht, touchiert Kleinlaster (dessen Fahrer es egal ist), überfährt einen Motorrollerfahrer, begeht wieder Fahrerflucht und kracht dann in einen PKW, was wohl das Ende der Fahrt ist (auch wenn der Schaden am Täter-PKW gering war). Kam hier in den TV-Nachrichten: http://www.liveleak.com/view?i=7be_1421205519
Mir ist nicht klar, in wieweit im die Dashcam helfen wird.

Mittwoch, Oktober 01, 2014

Expat-Todesfall

Leider ist wieder ein westlicher Expat dem Straßenverkehr im Großraum Taipei zum Opfer gefallen.

Man liest es so gefühlt 1-3 mal im Jahr, dass Expats in Taiwan zu Tode kommen, meist ist es der Straßenverkehr, der ihren Tod herbei führt. Oder ist es eher 1-3 mal in 2 Jahren? Ich bin mir da nicht sicher, da ich nicht Buch darüber führe. Letzteres wäre leider geschmacklos, aber statistisch nicht uninteressant. Denn man stuft ja Taiwan immer als "sicher" ein, während Thailand etwa (und da ist ein Unterschied zu TaiWAN) als ein bisschen unsicher für Ausländer gilt. Will sagen, man findet in Thailand immer mal wieder einen Expat ausgeraubt tot am Strand. Aber was würde man erhalten, wenn man einmal nur tote Ausländer in beiden Ländern vergleichen würde?

Ich erinnere mich in der letzten Zeit an einen tödlichen Motorrollerunfall eines Englischlehrers auf einer der kleinen Inseln, die zur Republik China aka Taiwan gehören, an einen ertrunkenen Franzosen, der also das Schema durchbrochen hat, wenn man mir die makabere Einstufung verzeiht. Davor an -glaube ich- den ein- oder anderen weiteren mit dem Motorroller verunglückten Englischlehrer, an einen älteren amerikanischen Dozenten, den ein Taxi auf dem Zebrastreifen vom Leben zum Tode befördert hat. Und natürlich an "MaKe", den kanadischen Entertainer, der in Jackie Wus TV-Shows zu finden war, den ich sogar einst -wenn auch nur virtuell- persönlich kannte aus dem Forum und der mit seinem Motorrad verunglückt war und nach Jahren an den Folgen des Unfalls gestorben ist. Unvergessen auch, wie der bekannte englische "Hunderetter" Sean M. (Gründer von Animals Taiwan) einst im Forum erzählte, wie er neben taiwanischen Opfern auch einen im Sterben liegenden Englischlehrer noch etwas Trost spenden konnte auf der Kreuzung, der mit seinem Motorroller in die Zwillingsreifen eines -ohne-zu-gucken spurwechselnden LKWs geraten war.

Man verzeihe die blumige Ausdrucksweise, aber ich möchte insbesondere Newbies im "Oh ist Taiwan toll"-Modus dazu ermuntern, genau auf den aggressiven Verkehr zu achten, der leider als maßgebliche Komponente das Recht des Stärkeren enthält.

Unvergessen ist mir der Tod eines Sohnes eines Expatmanagers, kurz nachdem ich hier 2004 angekommen war, der abends mit dem Motorroller unterwegs gewesen war und von einem betrunkenen LKW-Fahrer, der ohne Licht auf der falschen Straßenseite unterwegs war (in eine Straße einbiegend), getötet worden war. Der LKW-Fahrer wurde praktisch nicht bestraft, wenn ich mich recht erinnere. Dinge wie ein nachts unbeleuchteter LKW als Geisterfahrer mit betrunkenem Fahrer sind etwa in Deutschland sehr selten, in Taiwan aber (immer noch) Standard. Das muss man sich immer vergegenwärtigen.

Aktuell ist Herr John Chandler, einer der Gründer der Europäischen Schule in Taipei, vor seinem Haus im Landkreis Taipei zu Tode gekommen. Mein herzliches Beileid an alle Angehörigen. Einen Link dazu kann ich derzeit nicht beibringen, wurde per Email informiert. An der Meldung besteht kein Zweifel.

Montag, September 29, 2014

Typisch deutsch...

Typisch deutsch habe ich mich wieder aufgeregt, wie hier das Moped auf dem neuem breiten Bürgersteig geparkt ist, so dass der ältere Herr mit Gehhilfe auf die Fahrbahn ausweichen muss. Diese Art der Raumnutzung ist typisch taiwanisch, man ist immer bestrebt, möglichst viel Raum einzunehmen, egal ob andere da noch durchkommen.

Mehr gedankenlos als rücksichtslos, typisch etwa auch: Auf dem Flughafen müssen sich alle durch eine einzige schmale Tür quetschen beim Aussteigen aus der Maschine und ein Taiwaner bleibt mitten in der Tür stehen und telefoniert und verursacht einen Megastau.
Wichtig hier: Man darf die Leute ohne Ellbogenstoßen und schubsen "sanft aber bestimmt" wegschieben. Schimpfen und Meckern kann schnell zu Gesichtsverlust führen und gerade wenn Fahrzeuge im Spiel sind kann man gewaltsame Reaktionen des Taiwaners nicht ausschließen. Taiwaner bitten immer höflich, wenn denn der Fahrer in der Nähe ist, Platz zu machen, bei Fahrzeugen gehen sie aber lieber drum herum. Denn, wie schon oft bemerkt, der Straßenverkehr ist eine der "Ventilzonen" der taiwanischen Herren, neben dem Alkoholkomsum, wo die sonst immer höflichen und ruhigen Menschen ihre Gefühle mal aus der Flasche lassen. Auch mein Foto mit gebührendem Abstand und Telesetting gemacht, damit nicht der Besitzer angerast kommt und wild wird. Denn in Taiwan hat er Recht, natürlich kann er den Bürgersteig zuparken, Fussgänger und gerade lästige mit Kinderwagen z.B. sind niederranging und müssen Platz machen und drum herum gehen.

Montag, Juli 21, 2014

Gehen Sie nicht über Grün, nehmen Sie nicht ihr Geld mit, gehen Sie direkt ins...

... Gefängnis! In Taiwan ist man als ausländischer Autofahrer immer nur eine Schrecksekunde lang von Ruin und Inhaftierung entfernt. 

Eigentlich eine Nichtbegebenheit. Ich will an einer großen breiten Straße rechts abbiegen. Stehe bei Rot an der Ampel, hier in NeiHu, Taipei, Taiwan. Dann kriege ich den grünen Rechtsabbiegerpfeil. Ich fahre vorsichtig los. Denn vor mir linker Hand ist diese Moped-Wartefläche, wo die Mopeds eben einen Startvorteil bekommen sollen im hektischen Taiwanverkehr. Und da rangieren manche wild vor sich hin - durchaus notgedrungen manchmal, aber das zu erklären würde jetzt zu weit führen. Niemand da, alle Mopeds stehen still. Fahre nach rechts in die Kreuzung ein und AAAARRRRGG mit gefühlten 60 Sachen rast ein Moped an der weißen Haltelinie von links kommen entlang, die ich soeben überfahren habe, direkt vor mein Auto. Ich trete scharf auf die Bremse, Frau kreischt im Auto, ich hupe, das Moped nagelt quer über alle Fahrbahnen, weil er irgendwo weiter hinten links abbiegen will und winkt mit dem Arm zur Entschuldigung. "Reg Dich nicht auf", mahnt gleich meine Frau. Er hat sich doch entschuldigt.

Im Kopf läuft dann bei mir allerdings ein kleiner Film am, ein Paralleluniversum, was passieren würde, wenn ich nicht so aufmerksam gewesen wäre und den bei Rot und abseits der üblichen Fahrbahn (schon in der Einmündung der konkurrierenden Fahrbahn) dahin rasenden Motorrollerfahrer nicht gesehen hätte. Moped oder Motorroller, Scooter sagt man hier. Bis zu 85 km/h fahren sie schnell.

Nach einschlägigen Erfahrungen, siehe etwa die massive Vorverurteilungskampagne bzgl. des "britischen Todesfahrers", die einen fairen Prozess wohl unmöglich gemacht hat (letzte Meldung hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html) würde in diesem Fall alles davon abhängen, ob die ungezügelte Taiwanpresse einen theoretischen Todes- oder Invaliditätsfall für spannend genug hält, um ihn groß in den nationalen Medien an die große Glocke zu hängen. Shitstorms gegen einzelne Ausländer betreibt die Taiwanpresse eben immer wieder gerne. Dann würde man nicht, wie dieser taiwanische SUV-Pilot das Gesicht des Unfallopfers fotografieren um besser Regressansprüche zu stellen (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/no-country-for-pedestrians.html), sondern sich eher Gedanken machen, wie man es vermeidet, ins Gefängnis einzufahren. Und wie man es vermeidet, das gesamte Vermögen und mehr an die Familie des Unfallgegners zu überweisen. Denn ist ein Unfallfahrer ein Ausländer, wird immer in US-Dollar um Entschädigung verhandelt. Ist er ein Taiwaner, wird in Taiwandollar verhandelt, was immerhin einen Unterschied von 1:30 ausmacht.

Wieder mal etwas negatives aus dem Leben in Taiwan, aber ich denke, der Gefahren im Straßenverkehr gerade als Ausländer sollte man sich bewusst sein. Denn eine Gleichbehandlung von Einheimischen und Ausländern findet hier eigentlich nicht statt.

Viele positive Erlebnisse in Taiwan und die passenden Fotos zu netten Reisen sind hier in der letzten Zeit nicht erschienen - bei mir ist wohl etwas Blogmüdigkeit ausgebrochen. Vielleicht holen wir das ja demnächst nach.

Edit: Ich habe ein Kamerasystem im Auto. Aber das zeichnet ja nur den unmittelbaren Unfallbereich auf und nicht unbedingt die lange Gerade und den Ursprungspunkt des Unfallgegners, was hier wichtig gewesen wäre. Und wer sagt, dass die SD-Karte zum Prozess noch zur Verfügung steht, wenn das Verfahren so emotional-partriotisch untermauert wird wie im Falle des Schotten? Verlieren kann man sowas leicht.

Dienstag, Juli 08, 2014

Bizarres aus dem Taiwanverkehr

Bizarres Video:  Eine Frau blockiert an einem Fussgängerüberweg ein Auto, um sich dann mit Elan auf die Motorhaube zu werden. Sie will sicher vortäuschen, angefahren worden zu sein. Es handelt sich dabei wohl um die kommerzielle Variante eines Studentenulks, der vor einiger Zeit in Taipei grassierte. Da haben Studenten genau das selbe getan, offenbar ohne finanzielle Absicht. http://www.liveleak.com/view?i=d1b_1403976313

Eine schon länger bekanntere Variante des Unfalloper-sein Vortäuschens sind Motorrollerfahrer, die taiwantypisch sehr dicht rechts am Vorderrad eines PKWs an der Kreuzung zum Stehen kommen und dann, wenn der PKW zuerst losfährt, vorzutäuschen man sei ihnen über den Fuß gefahren. Auch hier finanzielles Interesse. Grundsätzlich ist es immer besser, Motorrollerfahrer zuerst anfahren zu lassen,  weil sein einem oft direkt vor die Motorhaube ziehen, wenn sie losfahren.

Und in Taipei-Banqiao soll ein Motorrollerfahrer Passanten mit dem Messer angreifen, meldet das Ausländerforum.

Alles natürlich nur Auswüchse. Taiwan ist ein friedliches Land, sofern man jedenfalls auf den Straßenverkehr achtet, bei dem man auf bürgersteiglosen Straßen oft genug zur Seite springen muss.

Donnerstag, Juni 12, 2014

Schottland liefert "Todesfahrer" vermutlich an Taiwan aus

Der pakistanisch- oder indischstämmige Brite Z.D. wird vermutlich an Taiwan ausgeliefert

Zur Erinnerung: Z.D. war in Taiwan wegen einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge zu 4 Jahren Gefängnis in 2. Instanz verurteilt worden; wer nun den Tatwagen gefahren hatte, war während des Prozesses über längere Zeit strittig, da auch noch ein Taiwaner am Steuer saß während der verhängnisvollen Fahrt.

Der Fall des meist als pakistanischstämmig bezeichneten Briten Z.D., der in Taiwan eine kleine Computerfirma hatte oder eine Dependance davon und dem die ein oder andere unsaubere Geschäftspraxis nachgewiesen worden ist und der offenbar auch in Sachen betrunken Autofahren schon vorbestraft war, hat lange die Ausländergemeinde in Taiwan beschäftigt. Und die taiwanischen Medien generell. Auch das generelle Klima gegen westliche Ausländer wurde durch die teilweise hexenjagdartige taiwanische Berichterstattung meiner (und nicht nur meiner) Ansicht nach verschlechtert. Als die Berichterstattung ihren (lange andauernden) Höhepunkt erreicht hatte, sah ich mich jedenfalls plötzlich Pöbeleien auf den heimischen Straßen in Taipei ausgesetzt, die manchmal kurz vorm Angriff zu sein schienen, aber alle noch harmlos waren. Die sonst so populären "Weißen" sind plötzlich gar nicht mehr so beliebt in Taiwan, wenn die Medien eine große Kampagne gegen einen einzelnen westlichen Ausländer fahren.

Z.D. hatte die Haft nie angetreten, sich erst in die Schweiz und dann an seinen vor-Taiwan-Wohnsitz Schottland begeben. Dort hat ein Gericht nun entschieden, dass er ausgeliefert werden soll, es sei denn dass das schottische Justizministerium noch anders entscheidet oder ein Einspruch Z.D.s greifen kann.

Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/05/londoner-gericht-britischer-todesfahrer.html
Aktuelles Urteil:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201406110029.aspx

Sicher werden sich taiwanische Behörden jetzt selbst feiern, selbst der Präsident der Republik China aka Taiwan hatte die Auslieferung zur Chefsache erklärt und Taiwans Medien werden sicher viel Häme in Richtung Z.D. ausschütten, was den Medienzirkus um Z.D. von neuem anfachen wird mit den bekannten Folgen für die westlichen Ausländer hier. Ein Ruhmesblatt ist die Geschichte trotzdem nicht, mit einem Ermittlungsverfahren, bei dem das Polizeirevier ungefähr in der Zeit der Ermittlungen durch das Verbrechersyndikat geschmiert wurde, das auch den zweiten Fahrer des Unfallautos beschäftigt hatte (er war Parkwächter in einem Nachtlokal, das dem fraglichen Syndikat zuzurechnen ist). Und mit hexenjagdartigen Taiwan-Style Prozederen, bei denen Passanten Gelegenheit haben auf den Verdächtigen einzuschlagen. Und (vom Gericht sanktionierten) Entschädigungszahlungen an die Familie in Höhe von Hunderrtausenden US-Dollar, die sehr am Maximum von Schadensersatzforderungen in Taiwan in solchen Fällen liegen.

Obwohl die Faktenlage eher gegen Z.D. spricht finde ich persönlich es wenig gut, dass der taiwanische Staat hier mit seinem Korruptions- und Vorverurteilungszirkus, der Zweifel an einem fairen Verfahren aufkommen lässt, durchgekommen ist. Jetzt noch mehr als vorher gilt: Für westliche Ausländer gilt in Taiwan oft eine Sonderrechtsprechung - jedenfalls wenn sich die Presse einschaltet.

Trotzdem, am Ende der Geschichte, ist mir auch Z.D. wenig sympathisch, und gibt mit seinen krummen Geschäftspraktiken und Trunkenheitsvorstrafen sicher kein Paradebild von einem westlichen Ausländer in Taiwan ab Schade nur, dass medienhörige Leute auf der Straße einen öfter mal mit ihm in einen Topf werfen.

Dienstag, Mai 27, 2014

Kleiner Diktator (+ Kurzmeldungen)

Sie alle kennen die Baby-an-Bord - Sticker. Bei dieser Version hier, gesehen in meinem Wohnviertel in Taipei, bin ich fast rückwärts hingeschlagen.

Ein peppiger Suzuki SX4-Kompaktwagen, aber diesmal mit einem sehr ungewöhnlichen Baby-Warnsticker. Es ist Taiwans Exdiktator Chiang Kai Shek höchstselbst, der hier den Finger an die Lippen legt, damit das Baby in Ruhe schlafen kann.

Der "Generalissimus" war ja noch im alten chinesischen Kaiserreich Anführer der nach europäischem Vorbild aufgebauten Neuen Armee gewesen, die sich dann gegen den letzten Kinderkaiser gewandt hat und die Republik China mit Hauptstadt Nanking gegründet hatte, als eine Art rechte bürgerliche Diktatur, die freie Wahlen für den Fall aufschob, dass man mal über ganz China herrschen würde. Im Jahre 1949 floh dann der Generalissimus auf die Insel Taiwan, die seit 1895 eine japanische Kolonie war und setzte dort seine Republik China fort. Sie gibt es noch heute, deswegen auch der Aufkleber. Aber seit 1992/1996 ist sie eine parlamentarische Demokratie. Und der Exdiktator wird heute von Menschen, die südlich der Hauptstadt Taipei (seiner alten Zentrale) leben eher nicht mehr gemocht und als ehemaliger Fremdherrscher empfunden, während er im ethnisch chinesischen Taipei immer noch viel verehrt wird. Auch in meinem Viertel. Der 1975  verstorbene Diktator ist halt irgendwie doch der Gründer des modernen Taiwan - auch wenn er das nie gewollt hat.

+++

Kurzmeldungen: 

Unter den Opfern des Amoklaufs in Kalifornien war mindestens ein Taiwaner; ein Mitbewohner des Täters, der am Anfang des Amoklaufs von dem Täter zusammen mit zwei anderen Asiaten erstochen wurde: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/05/27/2003591349

Und in der MRT (Standbahn, U-Bahn) von Taipei ist ein junger Mann festgenommen worden, weil er in der Aufmachung eines US-Soldaten inklusive automatisches Gewehr und Kampfanzug mit Helm saß. Er hatte es tatsächlich bis auf einen Sitzplatz geschafft, jedoch sind alle ruhig geblieben. Der eigenartige Fahrgast wurde festgenommen. Der junge Mann war allerdings nur auf dem Weg zu einem Paintball-Wettkampf, die Waffe war also nur in der Lage explodierende Farbkügelchen abzuschießen. Dummes Verhalten, wo zur Zeit bewaffnete Polizisten und Spezialkräfte mit echten Schnellfeuerwaffen in der MRT präsent sind nach dem MRT-Amoklauf vor ein paar Tagen.

Zu viel "Amok" im Blog die Tage für meinen Geschmack.

Montag, Mai 26, 2014

Londoner Gericht: "Britischer Todesfahrer" zur Zahlung verpflichtet

Londoner Gericht (High Court) bestätigt das Urteil eines Zivilgerichts der Republik China aka* Taiwan, dass der aus Taiwan flüchtige Z.D. den Hinterbliebenen des Unfalls Entschädigung zahlen muss

http://www.taiwannews.com.tw/etn/news_content.php?id=2489565

Der Brite Z.D., der pakistanisch- oder indischstämmig ist, hat wohl implizit das Taiwanerlebnis sehr vieler westlicher Ausländer hier bestimmt. Nicht nur der Autor dieses Blogs war der Meinung, im Zuge des Medienrummels um Z.D. eine deutliche Verschlechterung des Straßenklimas westlichen Ausländern gegenüber wahrgenommen zu haben, die aber offenbar nur von vorübergehender Natur war. Obwohl das viele freundliche Hinterherwinken der Taiwaner beim Anblick eines Westlers, das jedenfalls bis vor ein paar Jahren noch Standard in Taiwan war, in der letzten Zeit wohl nicht mehr oder nur noch sehr wenig vorkommt.

Kurzzusammenfassung: Z.D: hatte in Taiwan gelebt und hier eine Computerfirma betrieben oder die hiesige Zweigstelle einer solchen. Im Jahre 2010 war er dann nächstens zu einem Karaoke-Lokal aufgebrochen, wo ihn ein Geschäftspartner und mehrere andere Einheimische zu einem rauschenden Besäufnis erwartet hatten. Erwiesen ist, dass Z.D. letztlich von einem Parkwächter des Lokals in Z.D.s eigenem alten Mercedes nach Hause gefahren wurde. Unstrittig ist auch, dass Z.D. den Wagen schließlich selbst in seine Tiefgarage gesteuert hatte und dass das Fahrzeug zu diesem Zeitpunkt stark unfallbeschädigt war, von der Kollision mit einem Zeitungsausträger, der den resultierenden Aufprall auf den Asphalt nicht überlebt hatte.

Strittig war, wann genau der Fahrerwechsel stattgefunden hatte und hier spielten sowohl eine Korruptionsaffaire, in die das ermittelnde Polizeirevier und eben das auch solche Karaokelokale kontrollierende organisierte Verbrechen verwickelt war als auch eine massive Vorverurteilungscampagne der Presse (zu einem Zeitpunkt, als Z.D. wegen Überwachungskamerabildern mit dem Parkwächter am Steuer recht unschuldig wirkte) eine Rolle.

Immer noch läuft das Auslieferungsverfahren gegen Z.D., der in Schottland im Gefängnis einsitzt, während über die Auslieferung entschieden wird. Das Verfahren zieht sich schon seit Monaten hin.

Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.de/2014/03/britischer-todesfahrer-expat-update.html

* Hier war ich mitten im Satz weggerufen worden, so dass hier wirklich kurzzeitig die Worte "China aka" fehlten ;-)

Donnerstag, Mai 22, 2014

Amoklauf mit Messer in der U-Bahn (Update 2)

Schon gestern Bilder im Fernsehen gesehen ohne zu wissen worum es geht. Es gab einen Amoklauf in Taipeis U-Bahn "MRT", auf einer der bekannten Hauptstrecken am Sun Yat-Sen - Denkmal (Bannan-Linie)

Ausländer wie eben auch ich empfinden Taiwan und auch die Hauptstadt Taipei immer wieder als ein friedliches Paradies, wo man nächtens durch Schlichthausviertel laufen kann um Fotos zu machen oder was auch immer auf den Straßen tut und wo auch immer herum wandert. Überfälle gibt es so gut wie nie. Die einzige Ausnahme sind offenbar Übergriffe auf einheimische Frauen, da hat meine Frau einiges zu berichten. Ausländische Frauen des "westlichen" Typus sind davon offenbar ausgenommen - wofür man oft Bilder von körperlich kräftigen und auch selbstbewusst auftretenden westlichen Frauen als Erklärungsmodell heranzieht.

Trotzdem liegt Taiwan in der Mordstatistik deutlich über beispielsweise Deutschland, einschlägige Statistiken hatten wir hier im Blog auch schon mal (Edit: Siehe Update2 unten). Man erklärt sich die Diskrepanz durch häufigere Familiengewalt (von der der typische Ausländer in Taiwan maximal aus Richtung der Gattin fliegende Gegenstände mitbekommt) und durch Schießereien im Gangstermillieu, von denen man aber maximal Zeitungsmeldungen sieht.

Um so schockierender wenn die heile Welt jäh unterbrochen wird. Es gab einen Amoklauf in Taipeis U-Bahn, der Täter ist ein 21-jähriger mit dem in Taiwan häufigen Familiennamen* Cheng (korrigiert), der die Bahn bekleidet mit einem roten T-Shirt und kurzer Hose betreten hat und dann mehrere Menschen völlig unprovoziert mit einem 20cm-langen Messer angegriffen hat. Dabei gab es bislang 4 Todesopfer, einige Verletzte schweben noch in Lebensgefahr. Die Opfer sind zwei junge Männer in ihren 20ern und zwei Frauen über 50 bzw. 60. Offenbar galt der Täter in seinem Umfeld als auffällig. Der Täter ist festgenommen worden.


Wer sich jetzt Taipeis MRT als düster und gefährlich vorstellt liegt falsch. Ein heller aufgeräumter Ort, völlig Kameraüberwacht und schon fast steril sauber, mit netten Grünpflanzen auf den WCs und ohne jedweden Vandalismus. Allerdings hatte es wohl schon vor ein paar Wochen einen anderen Messerangriff auf Passagiere gegeben.

UPDATE: 22 Verletzte offenbar, Google lässt einen viele Fotos mit blutverschmierten Opfern finden. Grauenhaft. Hier aber nicht verlinkt.

http://www.taiwannews.com.tw/etn/news_content.php?id=2487259&fb_action_ids=10152409661493374&fb_action_types=og.likes 

http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2014/05/22/408340/4-killed.htm

* eigentlich sind alle Familiennamen hier häufig, so viele gibt es nicht, weil alle einsilbig.


***

UPDATE 2:
Hier mal ein statistischer Auszug aus http://en.wikipedia.org/wiki/List_of_countries_by_intentional_homicide_rate_by_decade#2010s
Die Zahl gibt die "absichtlichen Tötungsdelikte" pro Jahr pro 100.000 Einwohner wieder, wobei die statistischen Angaben von den betr. Ländern sind. Auch mag verschieden sein, was etwa als Tötungsdelikt (Homicide) gilt. In den USA etwa wäre eine Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge schnell Homicide/Totschlag, in Deutschland eher (grob) fahrlässige Tötung, so weit ich weiß.

EUROPA:

Deutschland:
2008: 0,88
2009: 0,86
2010: 0,84
2011: 0,81
2012: 0,7

Großbrittanien:
2008: 1,26
2009: 1,17


ASIEN:

Taiwan:
2008: 3,5
2009: 3,6
2010: 3,2
2011: 3,0
2012: 2,7
2013: 2,0

Thailand:
2010: 5,3
2011: 4,8

Vietnam:
2009: 1,85

Japan:
2010: 0,36
2011: 0,35


AMERIKAS:

USA:
2008: 5,4
2009: 5,0

Canada:
2010: 1,62
2011: 1,73
2012: 1,56

Honduras:
2010: 78,0
2011: 87,0
2012: 86,0

Mexiko:
2008: 13,0
2009: 18,0

Brasilien:
2008: 30,0
2009: 23,0

Also eine etwa dreimal so hohe Rate wie Deutschland, aber etwa nur 3/4 der Rate der USA.

Freitag, Mai 09, 2014

Wie schaffen sie das nur...

In Ludigels Wohngegend ist der Verkehrsraum knapp. Doch wie schaffen die es hier überhaupt, ihre Autos reinzukriegen?

In meinem Viertel ist der Verkehrsraum knapp und die schmalen Gassen sind mit oft beidseitig geparkten Autos noch weiter verschmältert. Auf den bürgersteiglosen Gassen muss man sich vor oft unverhältnismäßig schnell fahrenden PKWs, LKWs und auch Motorrollern hüten, wie das eben so ist. Kinder lässt man als verantwortungsbewusste Eltern deswegen nicht allein herum laufen. Manche Eltern machen das trotzdem und ich kriege beim Zusehen immer wieder Zustände, wenn Kinder mit ihrem Dreirad aus Einfahrten oder Fußwegen zwischen geparkten Autos auf die Fahrbahn rollen und mit 50 - 60 Sachen dann Autos anrollen.

Doch in dieser Gasse hier herrscht kaum Verkehr, schließlich ist sie so schmal, dass man mit Autos kaum durchfahren kann. Ich frage mich immer wieder, wie kriegen die Anwohner da ihre Autos bloß rein?

Mit meinem Volvo hätte ich jedenfalls Angst, da stecken zu bleiben, vor allen wegen den Mopeds. Oder einen aus einem Hauseingang kommenden Fußgänger zu überfahren. Auch eine Seitengasse rechts hinter dem silbernen Toyota ist sogar noch schmaler, so dass man da wirklich kein Auto rein kriegt. Linker Hand von mir, nicht im Bild, hat jemand sogar einen dicken BMW X5, einen SUV also, den er wohl immer in Millimeterarbeit in seinen allerdings ausnahmsweise mal zwei PKW-Breiten weiten Hof hinein steuert und auch irgendwie wieder raus kriegt. Aber die Liebe zum Auto und wenig Parkraum lassen die Leute ware Kunststücke vollbringen. Oben sieht man eine alte schwarze S-Klasse, die unserem Apotheker gehört, der da seinen Parkplatz hat am Kopf der Straße, in den er bequem von der lokalen Hauptstraße einfahren kann. Nur wenn er da gerade nicht parkt und auch der kleine blaue Lieferwagen der Garküche oben an der Ecke da nicht parkt, kann man da wohl bequem ein- und ausfahren. Vielleicht sprechen sich die Leute auch ab, etwa damit der Taxifahrer da seinen Toyota Wish raus kriegt (orangegelb).

Biegt man oben links in die Hauptstraße ein, ist man übrigens sofort an der Ecke, wo neulich ein früher immer mal durch unser Viertel rasender Skoda Yeti eine ältere Dame überfahren hatte, Unfallbild siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/04/no-country-for-pedestrians.html.

Ginge ich vom Foto aus gesehen etwas rückwärts, stünde ich da, wo ich nach links und rechts gewendet diese beiden Aufnahmen gemacht habe: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/05/my-little-peace-of-heaven.html und http://osttellerrand.blogspot.de/2014/05/wendepunkt.html.
Auch auf den Fotos fällt ins Auge, welch außerordentlichen Verkehrsraum die Autos der Leute in Anpruch nehmen parkenderweise (das Fisheye hat bei den Nachtaufnahmen unter den Links die schmale Gasse deutlich verbreitert in den Bildern).Auch ich bin natürlich nicht viel anders, denn auch mein Volvo quält sich da durch die engen Gassen, allerdings in vergleichsweise langsamer Fahrt und er parkt auf einem ordentlichen Mietparkplatz. Bei irgendwie vernünftiger Stadtplanung müsste da eigentlich ein Bürgersteig sein statt eines Parkstreifens für die Autos der Nachbarschaft. Aber hier muss ich wirklichs sagen, dass ich für die Stadtplanung - oder was die Taiwaner dafür halten, nicht zuständig bin.



 Von Kindesbeinen an faszinieren Autos. Gruseligerweise kommt gleich nach  der Serie mit dem Rummelauto auf meiner Speicherkarte das Unfallfoto mit der alten Dame und dem Skoda. Als solle die Abfolge vor den Verlockungen der Automobile warnen

Ein Auto stellt, wenn man wie ich vor dem Stau in die Firma und nach dem Stau aus der Firma rollt, doch ein Stück Bequemlichkeit da, da nehme ich mich nicht aus - die Stadtbahn zur Firma ist ja erst in Bau, was noch Jahre dauern wird. Aber sich für sein Auto zu rechtfertigen, wie ich es gerade tue, ist auch wieder typisch deutsch, einem Taiwaner käme das nie in den Sinn.