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Dienstag, Januar 14, 2020

Fuck you with your fish smell

Ist ein Song von Pat Benatar. "Fuck you with your fish smell", "hit me with your best shot". 

Ich esse schon seit Jahren nicht mehr in der Firmenkantine. Nach zwei Nächten über der Schüssel nicht mehr. Niemand kann das essen, was die Wesen da in der Etage über mir an "Essen" produzieren unter Zuhilfenahme dieses Altölkanisters mit dickbraunem Öl, der mich stark an eine Hinterlassenschaft in einer verlassenen KFZ-Werkstatt erinnert.
Selbst wenn das Essen genießbar wäre, könnte ich dort nicht essen. Denn die Wesen da oben unter dem Dach haben mich selten in Ruhe essen lassen. Hihi hier und hoho da, wie eine unfreundliche, bulliehafte Version vom ewig kichernden Hop Singh in Bonanza. Und ewig wurde am Laowai, an der Bignose Ludigel herumgemeckert. Weil er halt nicht so aussieht wie die anderen kleinen Leute, die da oben in 60 Sekunden unter Turbolöffeln ihren Reis und ihre Nudeln schlabbern. Essen kann man das bei dem Tempo nicht nennen.
Und ich will auch nicht wissen, wie es riecht, wenn die Ober-Küchen-Dämonin da oben das erste Mal im Leben ihre Gummistiefel auszieht.
Doch stets und ständig habe ich den Fischmief riechen müssen, den die menschenähnlichen Wesen da oben produzieren. Aus dem Klimaanlagen-Auslass kommend. Direkt über meinem Kopf.
Jetzt ist das Ding zugeklebt mit alten Amazon-Kartons und beschmierten DINA4-Blättern. Keine neuen, sonst würde der schwedische Teenanger heulen, weil man Ressourcen verschwendet.
Hoffentlich müffelt es jetzt weniger.
Den Titel oben kann sich eigentlich die ganze verdammte Miefinsel ins Poesiealbum eintragen. Nur dass sich Mopedgestank hinzugesellt.
Ach ja... happy new year everybody.

Mittwoch, Juni 07, 2017

Salz mir einen, Baby

Ludigels mysteriöses Taiwanleiden verschwand gestern nach Einnahme von Salz


Manchmal sind es einfache Mittel, die schnelle Heilung bringen. Nach einem Besuch in den herrlichen Philippinen klebte mir etwas an der Haut, das garstig juckte und nie richtig weg ging. Monatelang nahm ich Allergietabletten ein, die etwas linderten. Die Lösung war jedoch einfacher Tafelessig, mehrfach täglich drauf und binnen drei Tagen war der Zauber weg.

Oder mein typisches Taiwanleiden. Es ist so ein Syndrom, dem Ärzte ratlos gegenüber stehen und sich teilweise auf Allergie geeinigt haben. Insbesondere wenn ich fettige und ölige Speisen zu mir nehme, bekomme ich merkwürdige Symptome. Die Nasennebenhölen sind oft gereizt bis leicht entzündet, mir laufen Unmengen von Sekret in den Magen, der dann bisweilen mit Magengrippe-Symptomen ragiert. Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu weiteren Problemen kommen dazu. Grauslig. Verspannung des Nackens, Rückenschmerzen, alles was man will. Im Jahre 2015 hatte ich das besonders schlimm, so dass ich manchmal kurz vor der Ohnmacht stand. Mir half dann ein Notfallpack aus taiwantypisch schwach gesalzenen Kartoffelchips und Cola, das kurzzeitig Energie wieder herstellte.

Aber bitte mit Salz!

Gestern war es wieder recht schlimm und ich kroch auf dem Zahnfleisch zum Arzt. Die dort verschriebenen Tabletten lindern etwas, helfen aber auch nicht richtig. Unterwegs bekam ich Hunger und einen Japp auf Kartoffelchips. Diesmal nahm ich eine andere Marke, "Lay's basic" oder wie das hieß. Mir viel auf, dass die Packung deutlich mehr Salz enthielt als sonstige taiwanische Kartoffelchips. Ich aß dann die Packung wie im Wahn, als ob es das Köstlichste war was ich je gegessen hatte.

Binnen Sekunden ging es meinem Magen besser und binnen einer Viertelstunde verschwanden alle Symptome weitestgehend. Rückenschmerzen weg, Schwindel weg, Zug im Nacken weg, ein Wunder!

Ich habe mir jetzt gleich einen kleinen Plastiksack mit Salz fürs Büro gekauft und werde das Essen nachsalzen. Denn die Taiwaner essen kaum Salz. Das geht bis hin zu einer richtigen Salzfeindlichkeit. Europäisches Essen wird von Taiwanern regelmäßig als "versalzen" kritisiert. Mir kommen taiwanische Gerichte - sofern sie nicht ultrascharf oder einfach verpfeffert sind - immer wieder lasch vor. Auch "italienische" Nudeln hier schmecken fast nach nichts, egal mit welcher Soße. Weil der Taiwaner weiß, dass Salz vom Teufel selbst kommt.

Ihren Salzbedarf decken die Taiwaner offenbar durch Sojasoße und wohl noch durch Seetang, den sie recht viel futtern. Bei mir stand beides wenig auf dem Speiseplan die letzte Zeit. Ob ich einfach immer Salzmangel in Taiwan habe? In Zukunft salze ich mein Essen nach. Und höre mir dann die Warnungen der weisen Taiwaner an, die das mitbekommen. "Salz? Du nimmst so viel Salz? Da wirst du krank!"

P.S.: In Deutschland angekommen verschwinden die Symptome meist schon am ersten Tag ;-)

Dienstag, April 12, 2016

Essen Taiwaner Hunde?

Na, besser als umgekehrt, oder?

Und im 12. Jahr dieses Blogs haben wir den Hundeverzehr der Taiwaner (auf dem Lande im Wesentlichen) endlich in einem akademischen Harvard-Papier verewigt gefunden:

https://dash.harvard.edu/handle/1/8889451

Dieser Link wird den Newbies eine Lehre sein, die immer sagen, die Taiwaner würden keinen Hund essen. Augenzwinker.





Montag, Juli 20, 2015

Nahrungsmittel-Konzernboss kritisiert Kontrollen

Taiwan ist von einer Reihe von Dauer-Lebensmittelskandalen betroffen. Dem Boss des taiwanischen I-Mei - Konzerns wird es zu viel und er wünscht sich ruhigere Zeiten mit weniger Berichten der taiwanischen Lebensmittelkontrollbehörde FDA zurück (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/20/2003623470).

Die Sicherheit taiwanischer Lebensmittel beschreibe ich gerne so: Die gute Nachricht ist, dass es eine Lebensmittelkontrollbehörde in Taiwan gibt, die Nahrungsmittel testet. Die schlechte Nachricht ist, dass sie auch permanent etwas finden.

Konkret nahm der I-Mei - Chef namens Kao (guter Name für einen Lebensmittelkonzernboss ;-) das Auffinden von sage und schreibe sieben Jahre alten Chinesisch-Neujahr-Lebensmitteln in seiner Fabrik seitens der FDA zum Anlass, die störenden Kontrollen der FDA zu bemängeln. Genau gesagt hat er kritisiert, dass offenbar diesbezügliche Informationen an die VR-China geflossen sein sollen, die dann I-Mei-Lieferungen nicht so einfach durch den Zoll gelassen hat. Außerdem dürfte Herrn Kao gewurmt haben, dass jüngst von einer Kundin Würmer in Schoko-Rosinen gefunden worden sind und die FDA nun auch in dieser Sache ermittelt. Ob er meint, die Dame hätte auch schweigend genießen können? Wir wissen es nicht.

Herr Kao kritisiert auch, dass durch die Kontrollen der FDA kleine Geschäfte nicht über Lebensmittelhygiene belehrt würden. Das ist sicher ein Punkt, aber so ähnlich als würde man kritisieren, dass durch Kontrollen von LKW-Motoren die Motoren von Mopeds nicht verbessert würden. Wie dem auch sei, Herr Kao ruft den taiwanischen Premier dazu auf, durch entsprechende Infos Taiwan als "Food Kingdom", also "Königreich des Essens" oder "Essensparadies" wiederherzustellen.

Das Problem ist nur, dass Taiwan wohl nie ein Essensparadies war, jedenfalls nicht mehr seit Beginn der Industrialisierung. Eher gab es früher wohl eine Friedhofsruhe, bei der (wie ein Blogkommentator darauf hinwies, in der Ära vor dem jetzigen Präsidenten Ma) einfach nicht hinreichend getestet wurde und man daher schweigend genossen und Schadstoffe aufgenommen hat. Mir ist noch gut im Gedächtnis, wie ich seit meinem Ankommen in Taiwan 2004 bis zum Jahre 2011 immer merkwürdige allergische Symptome hatte, die es zu einem Running Gag bei mir machten zu überlegen, was die Taiwaner nun bloß überall ins Essen kippen, dass ich ständig Allergie habe, egal was ich auch esse. Mysteriös aber erhellend war insbesondere, dass die Symptome am nächsten Tag verschwanden, sowie ich Taiwan verlassen hatte.
Die Antwort auf meine stumme Frage hieß übrigens "DEHP". Der Lebensmittelskandal des Jahres 2011 entlarvte eine landesweite und praktisch komplette Verseuchung der Lebensmittel Taiwans mit diesem Flüssigkunststoff, der u.a. Diabetes fördert und leibesfruchtschädigend ist (https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal). Und aus dem Wikipedialink wird schon offenbar, dass das Zeug wohl schon ewig im Essen war. Schließlich kann man dort nachlesen, dass Präsident Ma (KMT) der vorherigen DPP-Regierung vorwirft, sich ihrerseits nicht um die Lebensmittelsicherheit gekümmert zu haben. Und die DPP hat 2000-2008 regiert. Statt "Food Kindom Taiwan" sollte man also lieber vom "ungestörten Pansch-Paradies" in alten Zeiten reden.

Weitere Skandale:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal

Bei dem 2014er Kochöl- und Lebensmittelfett- Skandal, bei dem ein Großkonzern Öl und Fett aus vergammelten Tierkadavern mit DEHP und ursprünglich für die Tierzucht vorgesehenen Medikamenten versetzt hatte und diese Öle und Fette wieder praktisch landesweit überall in den Lebensmitteln zu finden waren, war also auch wieder der Dauerbrenner DEHP dabei. Mein Magen hing mir da monatelang in den Kniekehlen mit Magenschmerzen. Mag letzteres psychosomatisch gewesen sein, so hatte ich mich freilich schon seit Jahren über eine eigenartige Dauererkältung gewundert, bei der mir ständig die Nase (nach Innen) lief, ohne dass ich sonstige Erkältungssymptome gehabt hatte. Letzteres schlug mir dann auch immer wieder auf den Magen und wurde vom Doc als Magengrippe diagnostiziert.
Losgeworden bin ich diese Symptome schlagartig durch Verzicht auf das (Gratis-) Essen in der Firmenkantine.

Heute geht es mir so: Esse ich der Frau zu liebe mal in mir unbekannten Garküchen oder auch in guten Restaurants, dann habe ich schnell wieder die sehr extrem laufende Nase und eine beginnende "Magengrippe". Dagegen hilft dann das sofortige Wechseln auf Ernährung von mir bekannten Garküchen oder auf das abgepackte Essen von Seven-Eleven (24h-Miniläden-Kette). Und übrigens die Einnahme von Obst und Saurem.

Taiwaner sind sehr geschäftstüchtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Horroröl aus dem 2014er-Lebesmittelskandal immer auf den Entsorgungsstationen gelandet ist, wo es hin sollte. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich nie irgendwo gelesen, wie das viele Öl und Fett denn hätte entsorgt werden sollen. Eher denke ich, so ein LKW voller fabrikneuem verseuchten Kochöl wird eine Wellblechfabrikhalle in irgendeinem Hinterhof angesteuert haben und das Öl und Fett wird unter anderem Namen noch heute im Umlauf sein. Oder mein auf Chemie im Essen recht empfindlicher ausländischer Luxuskörper hat schon wieder den Lebensmittelskandal 2015 oder 2016 oder ... vorweg genommen, den es noch gar nicht gibt. Denn sicher wird die FDA auch in Zukunft viel finden, denn taiwanische Lebensmittelbosse wie Herr Kao machen sich eher Gedanken um die erwünsche mediale Ruhe, anstatt sich für die von ihnen produzierten Lebensmittel verantwortlich zu fühlen und durch Strukturveränderungen in ihren Unternehmen bessere Qualität sicherzustellen. Und die Kunden in Taiwan interessiert das Thema ja nicht wirklich. Die haben neulich in einer Facebookcampagne taiwanisches Essen zum besten der Welt gewählt (http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/embarrassing-taiwanese-vote-for-themselves-to-top-CNNs-poll.html). Na dann bleibt mir nur fröhliches Weiter-Kao-en zu wünschen.

Dienstag, Juni 02, 2015

Pestizide wieder in Teashop-Getränken, auch im Schulessen

Eine von zahlreichen Meldungen über chemisch verseuchte Lebensmittel in Taiwan

Erst kürzlich gab es gefälschten "deutschen" Tee in der Stowaway - Teehauskette in Taiwan, der so hohe Pestizidkonzentrationen enthielt, dass eine Kundin Lähmungserscheinungen hatte (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/stornaway-teekette-hat-gefalschten.html).

Neulich dann wieder eine chinesischsprachige Meldung über taiwanische Ananas, die hohe Pestizidkonzentrationen hätte. Jetzt wieder Pestizide im Teashop-Tee und sogar im Salat im Schulessen:
 
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/06/02/2003619745

FAQ zur Lebensmittel"sicherheit" in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html

Montag, Mai 25, 2015

Die 51-Millionen-Dollar-Frau

Ein Restaurant in der Nachbarschaft hat plötzlich zu. Vermisst wird die Inhaberin. Jedenfalls wenn man dem Nachbarschaftstratsch glauben will

Negativ fiel mir auf, dass das kleine vietnamesische Restaurant etwa 150 Meter von Ludigels Wohnung entfernt plötzlich dauerhaft geschlossen hat. Sonst hatte ich da immer ein von der französischen Besatzungsmacht (deren in Vietnam, nicht unsere hier) inspiriertes Baguette mit etwas Mett und viel Grünem genossen, dazu im Sommer einen kalten süßen desertartigen Milchkaffee, wie er wohl eine vietnamesische Spezialität darstellt***. Frau hatte rotes Kotelett mit Reis und Gemüse und im Lokal selbst hatten wir öfter mal eine große Schüssel heiße Nudelsuppe mit etwas Fleisch dran gekocht. Alles sehr lecker für nun 250 NT für zwei, also 6 Euro und ein paar zerquetschte. Betrieben wurde das Lokal von einem netten Taiwaner in den 30ern oder frühen 40ern und seiner sehr attraktiven Frau, die offensichtlich Vietnamesin war. Im Vergleich zu den Taiwanerinnen finde ich die Gesichtszüge immer recht europäisch anmutend bei den Vietnamesinnen, was nur eine wertfreie Beobachtung ist. Jedenfalls hätte es die Betreiberin des Lokals hier einmal fast zu einem Blogeintrag gebracht, hatte sie doch bei mir das ausgelöst, was ich in Taiwans Garküchen den Schürzenschock nenne.



Frau, Junior und mir brachte sie die Schüssel dampfende Nudelsuppe, das Haar unter einem grauen Kopftuch verborgen (weil aus der Küche kommend), auch sonst schlicht angezogen inklusive grauer langer Schürze. Dreht sich am Tisch um und man guckt unwillkürlich auf die Rückseite, die überhaupt nicht von der Schürze bedeckt ist und den Blick frei gibt auf einen schwarzen völlig durchsichtigen Ultramini. Dessen Stickereien konnten den Blick auf die schwarze Unterwäsche (die man nur mit viel Wohlwollen Hotpans hätte nennen können) nur unvollkommen behindern. Ein plötzlich auftretender optischer Angriff, der nicht ganz unriskant ist, so mit heißer Suppe in der Hand. Schnell sah ich zum laufenden Fernseher auf der Suche nach optischer Ablenkung. Hier waren gerade bärtige junge Männer in Arbeitshosen dabei mit Vorschlaghämmern auf historische Statuen des arabischen Raumes einzuschlagen. Die schlichte maskuline Ruhe dieses einfachen Arbeitsvorganges hatte tatsächlich etwas beruhigendes in dieser Situation. Erinnerte irgendwie an ein altes Depeche Mode - Video.

Doch der gute Geschmack verhinderte bis heute die Nacherzählung dieser kurzen Unterwäsche (-Geschichte). Doch nun hat das Lokal offenbar dauerhaft zu. Der Flurfunk im Schlichtwohnviertel hier in NeiHu, Taipei, Taiwan erzählt, die mit ihrem taiwanischen Gatten veritabel verheiratete junge Frau habe plötzlich Taiwan verlassen. Wie vom Boden verschluckt sei sie und mit ihr sei ein dickes taiwanisches Bankkonto verschwunden, während ihr einheimischer Ehegatte mit samt der gemeinsamen Kinder verdattert zurück geblieben sei. Keine Spur gebe es von der Gattin und die verschwundenen Finanzen würden sich auf sage und schreibe 51 Millionen NT beziffern, also mehr als 1.25 Millionen Euro nach dem 1:40-Standardkurs (noch mehr nach aktuell niedrigem Eurokurs).
 "Wow!", entfuhr es mir da. "Soviel Geld verdient man mit vietnamesischen Nudeln?", fragte ich entgeistert. Nein, sagte meine Frau. Das Geld würde auch benachbarten Garküchen gehören, auch wenn sie nicht erläutern konnte wie das Geld der Nachbarrestaurants denn nun den Weg auf das Konto der transparenten Vietnamesin gefunden habe. So viele Details wusste der Gassenfunk doch nicht zu berichten. Ich ahne freilich wie es gehen kann. Taiwaner können selten widerstehen, wenn irgendjemand eine unseriöse Anlagemöglichkeit bietet. Marke: "Mein Schwippschwager Porn Krumshak aus Bangkok / Frank Ho aus Manila / Jason Hoh aus Ho-Chi-Minh-Stadt hat da einen XYZ-Schuppen, willst Du da nicht Dein ganzes Geld investieren?" Leidgeprüft weiß ich wie verlockend so etwas wirkt, vergleiche das Manila-Investment meiner werten Gattin(s.a. vorherigen Blogartikel).

Ich wünsche dem netten Betrieber des vietnameischen Restaurants, dass nun doch nicht alles so schlimm ist wie es der Nachbarschaftsfunk weiter tratscht und hoffe auf baldige Wiedereröffnung des Restaurants, vielleicht mit einer rotköpfigen Inhaberin, der ihr Schwager daheim beim Vietcong alles Geld wieder abgejagt hat. Ansonsten kenne ich eher die Konstellation aus dem Ausländerforum Taiwans, dass Johnny Weißbrot, wenn er seine taiwanische Gattin verlässt, alles Geld bei der selbigen lässt und nur in der (undurchsichtigen) Unterhose die Heimreise antritt. Könnte mir nie passieren. Ach i-wo (hysterisch kicher ;-)

***Ich wurde informiert, der vietnamesische Kaffeegenuss sei auf die Kooperation mit der importierenden Honecker-DDR zurückzuführen gewesen. Interessant!

Donnerstag, April 16, 2015

STORNAWAY - Teekette hat gefälschten "deutschen Tee" mit DDT

STORNAWAY ist eine dieser "Teeketten", die in Taiwan an offenen budenartigen Cafes in Plastik eingeschweißte Getränke verkaufen. Darunter auch ein "German" Rosentee, der tatsächlich aus dem Iran stammt und bei Einnahme zu sofortiger Gliedertaubheit führen kann. Guten Durst!

Immer wieder hat man in Taiwan angeblich deutsche Produkte, denen man sofort ansieht, dass sie nichts mit Deutschland zu tun haben. "Deutschland" steht hier für Gesundheit und gute Kontrollen, daher wollen pfiffige Taiwaner ihre Produkte gerne als deutsch verkaufen.

STORNAWAY-Rosentee hat viele Pestizide enthalten, kommt nicht aus "Germany" wie angegeben sondern der verwendete Blütenaufguss kommt aus dem Iran (na ja, fast das selbe, von wegen indogermanisch-indoiranische Völkerfamilie) und hat bei einer Konsumentin Gliedertaubheit und Benommenheit ausgelöst nach einmaliger (!) Einnahme. Daraufhin ist Taiwans Lebensmittelprüfbehörde FDA aktiv geworden.

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/04/16/2003616059

Also kein D im deutschen Rosentee bei STORNAWAY, sondern noch ein ...DT hinten dran ;-)

P.S.: Der Rest der importierten DDT-Blüten ist in "Chinese Medicine" gelandet wie es scheint. Mir ist unklar, ob in der VR-China oder in Taiwan, so freimütig wie man in Taiwan die Vokabel "Chinese" mal für sich selbst und mal für die VR verwendet.

2.PS: Waren da lange selbst Stammkunde. Hatte mich immer gefragt, ob die geschnittenen Früchte im Fruchttee gespritzt waren. Eigentlich in Taiwan eine sehr naive Frage ;-)

DEHP wieder im Essen?

Ich nutze mich selbst mal als chemischer Indikator und gebe eine Prognose ab

Als ich 2004 hierher zog, hatte ich ein recht charakteristisches Bild dreier zusammen auftretender allergischer Symptome. Das Symptombild war recht bezeichnend und anders als bei meiner Sellerieallergie oder Elastan-(Kunststoff-)Textilallergie, die nur jeweils eine Symptomatik hatte. Mir fiel auf, dass die allergischen Probleme am zweiten Tag eines Nicht-Taiwanaufenthalts sehr schnell verschwunden waren, dann aber bei der Rückkehr nach Taiwan am zweiten Tag sehr schnell wieder da waren. Den Flugtag mitgezählt. Meine Theorie war, dass in Taiwan irgendetwas breitbanding im Essen war, worauf ich allergisch reagierte. Denn eine Suchdiät blieb erfolglos. Egal was ich auch aß, ob Seven-Eleven-Sandwich oder das Zeug der lokalen Garküche oder Kantinenessen, immer blieb die Symptomatik gleich. Ich vermutete schon eine allgemeine Gewürzallergie und erzählte den Leuten, ich sei gegen scharfes Essen allergisch. Obwohl ich die Symptome auch mit laschen Sandwiches hatte.

Dann kam der 2011er Lebensmittelskandal in Taiwan, bei dem offenkundig wurde, dass der Flüssigkunststoff DEHP seit 2000 oder schon früher in Taiwan statt Palmöl landesweit als Sämigmacher verwendet wurde. Zwei Ölhersteller lieferten das gefälschte Palmöl an praktisch alle taiwanischen Küchenöl- und sonstige Nahrungsmittelhersteller. Ein taiwanischer Orangensaft hatte also DEHP, damit er schön sämig die Kehle runterlief, das Joghurt genauso wie das Sandwich und der Kuchen. Die Garküche und das Nobelrestaurant kochten mit DEHP-versetztem Öl. Ein Taiwan-Schokoriegel hatte zwar i.d.R. keine Schokolade, aber viel Flüssigkunststoff. Die bekannten Ananaskuchen mit ihrem gelatineartigen Innenleben bestanden fast nur aus DEHP, ebenso die bekannten leichtsüßen Gelantinekugeln im taiwanischen Bubbletea. Taiwan war die Republic of DEHP, da biss die Maus keinen Faden ab. Auch Fertiggetränke hatten natürlich DEHP. Unter anderem ist DEHP leibesfruchtschädigend, stört die Entwicklung von Kindern und fördert Krebs. Nach den Pressemeldungen über den Skandal klangen meine Symptome nach 2 Wochen oder so langsam ab und verschwanden dann völlig, auch wenn sie in den Folgejahren immer mal wieder kurz auftraten. Im Gegensatz zu den meisten Menschen war ich offensichtlich gegen DEHP "allergisch". Oder anders gesagt, mein Körper versuchte das Zeug durch Ausschlag und small-Business-Toilettenbesuche schnell wieder los zu werden, während die meisten Leute das Zeug symptomlos im Körper behielten.

Derzeit ist es wieder so weit, ich habe die Symptome seit Wochen wieder genauso und sehr ausgeprägt, verbunden mit Magenbeschwerden, die ich erst neuerdings als viertes Symptom dazu bekomme. Daher vermute ich, dass wir bald von einem neuen DEHP-Skandal lesen werden. Oder die taiwanischen Nahrungsmitteltester (Behörde FDA nach US-Vorbild) lassen sich mit dem Finden wieder ein paar Jahre Zeit. Auch meine Frau merkt es. Immer wenn bei mir der Höhepunkt der allergischen Symptome stattfindet, hat sie Magenbeschwerden mit Übergeben. Aber wehe, ich erwähne belastete Lebensmittel, dann wird sie natürlich sauer und verteidigt ihr Taiwan. Ohne Singen der Nationalhymne Gott sei Dank. Wie ginge die eigentlich?

"Wir sind vor den Japanern aus China gerannt wie mit DEHP geschmiert und fanden auf der Insel Taiwan Zuflucht und dachten: Toll, was wir hier alles mit der Natur anstellen können. Hihi"

Wäre mein Vorschlag für die erste Strophe.

Zusammenfassung aller taiwanischen Lebensmittelskandale bis 2014: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Aktueller Gewürze/Schwermetall-Skandal (der in Taiwan keine Sau interessiert): http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/lebensmittelskandal-in-taiwan-geht.html

Magenprobleme gehen mir immer auf die Laune. Newbies und Taiwaner mögen daher die Verunglimpfung der Republik China entschuldigen. Natürlich sind die Tempel lecker, das Essen schön und der Verkehr freundlich. Nur zu hektische Leute. Oder irgendwie so wie die Litanei ging ;-)

Dienstag, April 07, 2015

Lebensmittelskandal in Taiwan geht weiter....Blei und Arsen im Taiwanpfeffer

Lebensmittel in Taiwan enthalten in einem Dauer-Lebensmittelskandal mit wechselnden, aber oft wiederholenden Akteuren und Zutaten alles mögliche Zeug, was da nicht rein gehört. Dauerklassiker ist der Flüssigkunststoff statt Palmöl, immer wieder sind Milchprodukte verunreinigt und diesmal ist es Pfefferpulver.

Taiwans Pfeffer-, Chili- und Gewürzpulver diverser Hersteller enthalten offenbar industrielles Magnesiumcarbonat, das wohl ein Trockenmittel darstellt. Das Magnesiumcarbonat ist aber für industrielle Zwecke und nicht für Lebensmittel, weswegen es billiger ist und Verunreinigungen enthält. Verunreinigungen sind in diesem Fall Schwermetalle wie Blei oder das leckere Arsen.

Eine Zusammenfassung des bisherigen Dauer-Lebensmittelskandals findet sich hier:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html

Skandal aktuell:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/04/01/2003614902

Dadurch, dass diesmal wieder auch Zutaten betroffen sind, die auch teure Restaurants oder Selbstkocher verwenden (früher schon Tomatensaucen und alles mögliche mit Palmölersatz Flüssigkunststoff als Sämigmacher, diesmal auch Würzpulver der "Gourmetklasse") sieht man, dass man in Taiwan den zahlreichen nicht fürs Essen gedachten Giftstoffen noch viel weniger entkommen kann als etwa in Mitteleuropa. In den Wellblechfabriken wird feixend alles mögliche ins Essen und seine Zutaten gerührt was billiger ist als die richtigen Zutaten, so habe ich es mir früher vorgestellt, als ich 2004 hier her kam. Und die Realität sieht wohl leider ganz genauso aus. Taiwan ist wenig reguliert, die Steuern sind niedrig und die Leute sehr, sehr geschäftstüchtig. "Pfiffig" eben. Und auch beim Anmixen des Pfeffers.

Dienstag, März 17, 2015

Taiwanische Kampfkekse

Taiwanese Combat Cookies (TCC)

Wirklich sehr lecker und hauchdünn.

Montag, Dezember 08, 2014

Kack- und Spucktaiwan (mit Chemieabfällen)*

Die Gegensätze vom Erleben von Taipei mit Familienanschluss und als alleinstehender Expat, beim morgentlichen Frühstücksholen

Heute morgen eröffnet mir meine Gattin, dass sie wieder für zwei wie seit Jahren an der einen Frühstücksbude in der Nähe der Firma bestellt hat. Mir bleibt fast das Herz stehen, bin ich doch gerade meine wochenlangen Magenschmerzen los, die etwa mit dem gerade vergangenen Speiseöl- und Talg-Skandal (siehe meine FAQ hier) eines im taiwanischen Besitz befindlichen Unternehmens mit Hauptsitz in China namens "Ting Hsin" (vertrauenserweckender Name, eh?) zeitlich in Deckung zu bringen sind. Abstinenz von den öligen Frühstücksbuden in dem graugrünen Wellblech-Industrieviertel wo ich arbeite trug da erheblich mit zur Gesundung bei. Da bereiten teilzahnlose ältere Frauen ölige und fettige labbrige Toastbrote immer wieder mit viel im Öl schwimmenden Ei zu und die schwarzölige alte Kochplatte, auf der sie werkeln erweckt gerade nicht viel Vertrauen. Früher habe ich das alles vertragen, mittlerweile nicht mehr, aber mir kann auch niemand erzählen, dass diese ein Frühstück für umgerechnet 1.25 Euro oder dergleichen verkaufenden Buden das Budget haben, ihr Altöl immer durch neues (und skandalfreies) zu ersetzen. Missmustig tapse ich durch die bürgersteiglosen Barackenviertel, im Nieselregen heranrasenden Blue-Trucks ausweichend, lasse mich beim normalen Überqueren der Straße vom einem Taxi anhupen, dem ich den Stinkefinger zeige (eine kluge Handlungsweise, wenn man sich mit einem oft bewaffneten Taxifahrer prügeln will oder seinen 20 herbei gerufenen Kumpels oder per Dashcam ins nationale Fernsehen von Toxiwan/Taiwan kommen will), ärgere mich über den quer über einem der wenigen Bürgersteigen stehenden LKW, der mich zum Ausweichen auf die vielbefahrene Fahrbahn zwingt und atme den Duft der Weltstadt Taipei ein. Irgendeine Mischung aus Kunststoff (bereiten sie in den Fabrikhallen Nahrungsmittel zu?), Mopedabgasen, Dieselschwaden, fauligem Kanalisationsgeruch und das ganze dekoriert mit Hundekot und ausgespucktem Betelnusspriem. Und denke mal wieder, wie viel angenehmer alles als alleinstehender Expat wäre, wenn man sich zu Hause einfach ein Brot (idealerweise ein deutsches Brötchen morgens geliefert vom deutschen Bäcker Wendel) selbst zubereiten würde und dieses ganze hässliche und müffelnde Industrietaipei nur durch die Scheiben des klimatisierten Autos sehen würde. Allein würde ich auch höchstens mein Frühstück da kaufen, wo sie die Barackenviertel schon weggerissen haben und im Zuge des Wandels von Taipei in eine moderne Großstadt durch Beton- und Stahltürme ersetzt haben, mit schicken Cafés und Restaurants drin. Und Parks und breiten Bürgersteigen. Gut, das schicke Restaurant der Kette "Tasty" gehört auch zum Unternehmen Ting Hsin und hat auch das Horroröl verwendet. Frau und ich haben da früher oft gegessen. Das Öl ist übrigens aus Tierkadavern (von kranken Tieren natürlich) und aus Restaurantabfällen gerpresst worden, versetzt (jedenfalls das Talgfett) noch mit Östrogen, Antibiotika und dem taiwanischen Dauerbrenner DEHP, ein Flüssigkunststoff, der karzinogen ist und schon seit den frühen 2000ern im Essen ist in Taiwan.

Kaum bin ich an der Bude da winkt die Bedienung ab. "Meiyou" sagt sie, "haben nix". Meine Frau hatte tatsächlich irgendeine falsche Nummer gewählt, wie sich später rausstellte und ihre Horrorfrüchstückchen-Bestellung irgendeinem schlaftrunkenen Taiwaner um die Ohren gehauen. Frohlockend schwebe ich zurück durch die Straßen, kunstvoll Hundekot und ausgespuckten Priem vermeidend und eile zu Seven-Eleven um mir zwei eingeschweißte Sandwich zu kaufen. Wenn die im nächsten Lebensmittelskandal dran sind (der kommt bestimmt, weil den Taiwanern das Thema im wesentlichen egal ist), dann falle ich tot um, da bin ich von überzeugt, so viel wie ich davon esse in letzter Zeit.

Genießen Sie also in Deutschland ihr frisches Brötchen mit Käse oder Marmelade.


* Immer noch stocksauer wegen der wochenlangen Magenschmerzen habe ich lange an der Überschrift gefeilt. Ich bitte sie hinreichend zu würdigen.

P.S.: Ting Hsin ist sicher so ein Vorzeigeprojekt für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Annäherung an die VR-China, die Taiwans regierende KMT-Partei betreibt, im Rahmen ihres panchinesischen Wohlstandskonzepts. Ting Hsin war sowohl beim 2013er- als auch bei 2014er Lebensmittelskandal dabei. Sollen wir für den 2015er schon vorreservieren?

Freitag, Dezember 05, 2014

Schokoladenzeug: sei vorsichtig, was du schlucken willst...

Mein Gaumen wird trotz langsam abebbender Magenbeschwerden in Taiwan immer skeptischer

 Der zurückliegende Lebensmittelskandal in Taiwan (vgl. meine FAQ zur Lebensmittelsicherheit in Taiwan) hat mir allergische Beschwerden beschert, die zu meinen langsam zurückgehenden Dauermagenschmerzen zumindest beigetragen haben. Kein Kunststück, ist doch unter anderem wieder der Flüssigkunststoff DEHP im Essen gewesen und auf zumindest einen (allerdings Textil-) Kunststoff reagiere ich nachgewiesen allergisch. Lösung zur Verminderung der Magenschmerzen war die Tabletten vom Arzt abzusetzen und sehr auf die Ernährung zu achten. Also Sandwichs von Seven-Eleven dem Garküchenessen zu bevorzugen, insbesondere Taiwans superfettige Ei-Bacon-Toasts vom Frühstück zu verbannen und auch sonst alles ölige und talgige zu vermeiden - Taiwans Lebensmittelskandal ging ja in erster Linie ums Speiseöl und um Talg.
Trotzdem gab und gibt es merkwürdige Phänomene. Schon vor Jahren hatte ich eine 6er- oder 8er-Packung von eigentlich recht leckeren Seven-Seven - Pralinen verspeist, die man bei Seven-Eleven (keine Ahnung ob die Unternehmen etwas mit einander zu tun haben) kaufen konnte. Der Geschmack war angenehm schokoladig, wenn auch die Schokolade ein bisschen zu glasiert wirkte, um hochwertig zu sein. Der Genuss von einer oder zweien der Pralinen blieb ohne Folgen, aber als ich einmal die ganze 8er-Packung verdrückt hatte, stieg aus dem Magen so eine absolut chemisch wirkende Wolke auf, was eine sehr unangenehme Erfahrung war. Auch Übelkeit stellte sich sofort ein. Ich hatte eine ganz klare Überdosis, von was auch immer da drin war. Alles eine rein individuelle Erfahrung aus der man ohne Laboruntersuchung der Pralinen keine allgemeingültigen Aussagen ableiten kann, aber es war das letzte Mal, dass ich taiwanische Schokolade verzehrt habe. Auch alle andere glich eher glasierter Fettcreme mit Schokofarbe denn Schokolade. Oder wie es der Taiwan-Godfather of Englisch Blogging einst formulierte: Da kann man auch Kerzenstummel kauen.

Jetzt hat meine Frau so ein Kakaopulver mit Nüssen drin. Nur fiel mir auch schon vor den Magenbeschwerden auf, dass mir nach Genuss einer Tasse Kakao davon sofort schlecht wird. Und jetzt vielleicht durch den aktuellen Lebensmittelskandal übersensibel geworden nimmt meine Nase einen deutlichen säuerlich-chemischen Geruch aus dem Schokopulver auf, auf den mein Magen sofort mit Würgereflexen reagiert. Lustigerweise führte eine Kakaopulverspur an meiner Hand sogar zu Hautjucken. Ob das psychosomatisch oder allergisch ist, ist schwer zu sagen, denn wenn man Dinge kritisch beäugt, reagiert man auch übersensibel.

Magengestresst halte ich mich jedenfalls strickt an das Prinzip, nur das an taiwanischen Lebensmitteln zu mir zu nehmen, was unbedingt sein muss. Jeder Löffel zu viel ist einer zu viel und ich lasse ihn lieber weg, was den angenehmen Effekt der Gewichtsreduzierung hat. Und "Zufüttern" in Form von Puddings, Keksen oder Schnökereien gibt es nur noch mit Importware. Gelegentlich leiste ich mir etwas Milo-Kakaopulver von Nestle, das wohl auch in Taiwan hergestellt ist, welches ich aber vertrage.

Ich denke durch die fortgesetzten Lebensmittelskandale, die nie zur einer strukturellen Änderung der Lebensmittelindustrie führen und daher auch in Zukunft weiter gehen werden, sollte man taiwanische Lebensmittel mit großer Skepsis zu sich nehmen. Oder besser gar nicht, aber das ist in Taiwan natürlich kaum zu machen. Am Besten wäre selber kochen. Mit Importöl oder Wasser - und dann kann einem immer noch das Taiwangemüse mit der 280fachen Pestizidkonzentration erwischen, wie in der FAQ referenziert.

Donnerstag, November 27, 2014

Garküchenessen auf Wiedersehen

Zehn Jahre lang habe ich in Taiwan an Frühstücksbuden und in Garküchen gegessen. Das geht jetzt offenbar nicht mehr.

Aus einer Magenverstimmung ist nun bei mir ein veritabler Lebensabschnitt geworden.Ohne den geneigten, wenn auch unter Umständen schadenfrohen Leser mit Details langweilen zu wollen: Zur Zeit scheint sich heraus zu kristallisieren, dass ich nicht mehr an Frühstücksbuden oder Garküchen essen kann. Tue ich das, stellt sich eine Art Schwindelgefühl im Magen ein, die Magenwände scheinen irgendwie gereizt und wollen durch ständiges essen beruhigt werden. Nach Wochen der Fehlfunktion war ich dann so kraftlos, dass ich fast zusammengeklappt wäre und nur ein Energiemix aus süßer (nicht etwa diätischer) Cola nebst salziger US-Kartoffelchips gab mir schlagartig Energie und Kraft zurück. Ersatzweise auch ein Snickersriegel und eben die Pringles-Chips. Bloß nichts in Taiwan hergestelltes.

Derzeit lebe ich nur von Seven-Eleven Sandwiches, die bekommen mir, ebenso wie allerdings der nackte Reis aus der Kantine. Alles andere in der Kantine, die ja auch nur von einer billigen Garküche beliefert wird und aus den Frühstücksbuden bekommt mir ganz und gar nicht. Nun esse ich dieses Taiwan- Garküchen-Einfachessen, billig und eigentlich wohlschmeckend, ja schon seit 10 Jahren, aber irgendetwas hat sich verändert. Nur ein Schelm wird einen Zusammenhang zu dem jüngsten Lebensmittelskandal mit u.a. aus Tierkadavern und Küchenabfällen kompostiertem Kochöl konstruieren, das natürlich überall in den Garküchen noch verwendet wird. Kontrolliert ja kein Mensch und die Gewinnspanne der kleinen Buden ist viel zu gering, als dass sie ihre Rohstoffe wegwerfen könnten.

Ich schließe daher mit den gängigen Klischees, Taiwans Essen ist billig und superlecker nur eben jetzt nichts mehr für mich. Ebenso wie bei meiner zurückliegenden Reise aufs chinesische Festland muss ich ab jetzt genau gucken, was ich esse - das passt ja zum Annäherungskurs Chinas und Taiwans, den wir seit einiger Zeit erleben. Daher meine Wahlempfehlung an mitlesende Taiwaner: Bitte unbedingt KMT wählen, denn die Taiwan-Independence der DPP etc. passt einfach nicht mehr zum längst dem Festland angeglichenen toxischen Essen in Taiwan.

Naruwan ade, an Ni3 hao3 sind wir ja auch viel gewöhnter.


Dienstag, November 18, 2014

Toxisches Essen / Magenkrank, Toxiwan (Update 2)

Version für Taiwan-Newbies: Taiwan-Essen superlecker, besonders die Festessen. Leckere Nudelsuppen, alles superlecker (hatten wir das schon gesagt?) und gesund. Seafood mit Seafood und Sea grass und Sea Gurkin und haste nicht gesehen. 

Seit Wochen sind meine Magenwände im Stress, was zu Dauermagenschmerzen führt. Medikamente lindern, aber helfen nicht richtig, dazu merkwürdige allergische Beschwerden wie Jucken im Gesicht und dann plötzlich eine glasierte rote Fläche unter dem rechten Wangenknochen. Sowas hatte ich noch nie. Was hat sich da abgelagert? Nun, Möglichkeiten gibt es reichlich. Seit ich 2004 hierher kam hat Taiwan im Wesentlichen einen einzigen dauerhaften Lebensmittelskandal mit wechselnden Zutaten. Nur dass man davon bis vor 2012 (war es glaube ich) nichts gemerkt hat, aber das Gift war schon im Essen. Statt Palmöl, das fast überall als Verdicker enthalten ist (in taiwanischer "Milch", in "Säften", in Gebäck, in Fertigsaucen und Ölen, die sowohl von Nahrungsmittelfabriken wie auch Garküchen, Restaurants und Bäckereien verwendet werden) hatten sie einfach industriellen Flüssigkunststoff verkauft, der eigentlich nur als industrieller Schmierstoff verwendet werden darf und nicht genießbar und leicht toxisch ist. Mir hatte das viele Jahre leicht aber beständig juckenden Ausschlags und sonstige Probleme bereitet, die schlagartig verschwanden, als Taiwans "Food and Drug Administration (FDA)" per Zufall den Skandal aufdeckte. Die Täter bekamen eine kleine Bewährungsstrafe und ein paar Millionen Taiwandollar Strafe. Da eine Million Taiwandollaros nur 25.000 Euro hat, war das nicht wirklich viel.

Zwischendurch hatten wir dann den Melaninskandal, auch ein leicht toxisches Zeug in Milch und Milchpulver und allen Backwaren. Nach Monaten Milchabstinenz hatte ich dann endlich nach dem Melaninskandal eine Tüte Milch getrunken. Nur um sofort stark juckenden und entzündlichen Ausschlag inklusive dicker Ohren zu bekommen: es war zwischenzeitlich mal wieder ein anderer Giftstoff in der Milch, ich habe vergessen welcher.

Diesmal ist mein Magen dauergestresst, wir haben diesmal wieder den Flüssigkunststoff in Öl und Talg und ergo im gesamten Taiwanessen. Das kann man nicht alles aus den Läden räumen. Erstens sind die Taiwaner da viel zu pfiffig zu, kann man ja irgendwie alles weiterverkaufen. Und zweitens würde die Insel ja verhungern, wenn man alles Essen wegwirft. Manche Flüssigkunststoff-Artisten sollen diesmal angeblich in den Bau einfahren, weil sie schon zum zweiten Mal dabei sind. Parallel dazu haben wir Östrogen, Verhütungsmittel und Antibiotika im Essen, weil für Öl und Talg eine Fett genommen worden ist, das eigentlich für die Viehzucht gedacht war.

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Neu:  Haider wurde einst in Wix umbenannt oder was immer das war.
Und Taiwan heißt jetzt Toxiwan 
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Mit seinen langen Arbeitszeiten und grauen Wohnvierteln ist der Arbeitnehmer in Taiwan oft genug ja wirklich zur Arbeitsdrohne degradiert. Aber dass man ihn auch noch wie Zuchtvieh füttert, mit eben dem für Zuchtvieh vorgesehenen toxischen Mampf, ist superdreist. Auch ein gutes Argument gegen Fleischkonsum ist hiermit übrigens gemacht, um die Giftaufnahme zu reduzieren. Aber... am Gemüse sind bestimmt Schwermetalle. Die FDA jedenfalls hat die Tage gemeldet, alle taiwanischen Fertigtees seien krebserregend, weil die Vietnamesen (!) Schwermetalle auf den Plantagen dranpfeffern an den Tee. Der ja auch so gesund ist, wie ich hier auch schon im Blog geschrieben habe.

Wann sich mein Magen erholt weiß ich nicht. Einstweilen werde ich hier im Blog nicht mehr von Taiwan reden, sondern nur noch von Toxiwan, die Umbenennung ist im Gange.
Ach ja, zur Zeit ist gerade Lokalwahl. Überall glotzen die feisten Gesichter der selbstverliebten und sich selbt dienenden Politikerkaste von den Wänden, die nicht mal die elementarsten Funktionen von Politikern erfüllen: Zum Beispiel wenigstens die Schulwege sichern (30 km/h-Schilder auf Schulwegen oder sonstiges gibt es hier nicht) oder für ungiftiges Essen per funktionierender Kontrollstrukturen und höherer Strafen zu Sorgen. Stattdessen sind die Politiker innerhalb ihrer Korruptionsnetze mit den Mächtigen, eben auch den Nahrungsmittelherstellern verbandelt und verfiltzt.

Guten Appetit aus Toxiwan. Und wenn dies kein klassisches Taiwan... äh .... Toxiwankoller-Posting ist, dann weiß ich es nicht mehr. Schuld war nicht der Bossanova, sondern der Magen.

Und für Newbies nochmal: Das Seafood-Grünzeug - Essen mag noch so lecker und gesund sein, ist es dann aber doch nicht, wenn mit toxischen Fetten und Ölen gekocht.

Und die Taiwaner... äh ... Toxiwaner? Die grinsen derweil wie immer freundlich geduldig vor sich hin und futtern ihr toxisches Essen und wählen ihre korrupten Politiker. Guten Abend.


Ein paar Links dazu auf die Schnelle:

http://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal
http://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
Update 2, noch ein Link: http://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal
http://www.bloomberg.com/news/2014-10-28/taiwan-food-scandal-forces-taipei-101-executive-out-of-post.html
http://sinosphere.blogs.nytimes.com/2014/10/30/taiwanese-tycoon-faces-charges-in-cooking-oil-scandal/?_r=0
http://www.asianews.it/news-en/Food-scandal-widens:-not-just-flour,-but-ice-cream-and-rice-28124.html
http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2014/09/11/after-tainted-oil-scandal-taiwan-pledges-to-clean-up-food-safety/
.... und Ostern und Weihnachten fallen auf einen Tag


UPDATE: Während für "glasierte Ausschläge" vermutlich eigenartige chemische Zutaten im Essen wie z.B. Flüssigkunststoff verantwortlich sind, geht mein wochenlanges Magenleiden aber wohl auf das Konto von Salmonellen. Womit jetzt endlich Klarheit herrscht und der Genesungszustand eingeleitet werden kann. Vor Wochen hatte das Taiwan-TV gemeldet, man bekäme aus der Kombi von gebratenem Ei und Schinkenspeck Krebs. Ergo hatte meine Frau die lokale Braterin von fettigen Sandwichs (in einem kleinen Blue Truck vor dem Firmentore) gebeten, das Ei nicht mehr richtig zu braten. Somit lief mir heute Morgen beim Beißen in das Sandwich wieder mal rohes Eigelb direkt auf das blaue Hemd, was eigentlich ganz dekorativ aussah, mir aber doch zu denken gab. Die haben nämlich keinen Kühlschrank in dem Wagen für die Eier. Und die Magenbeschwerden, die nach Einnahme neuer Pillen weitgehend weg waren am Sonntag Abend, kehrten sogleich um ein vielfaches verstärkt zurück. Bestimmt hat Konfuzius irgendwann mal gesagt, dass man Eier schön warm lagern muss.

Mittwoch, November 05, 2014

Der Familienbetrieb: Die schonungslose Wahrheit

Schluss mit den Nebelkerzen. Hier ist die ganze Wahrheit. Ein Ausflug in die kulinarische Unternehmerszene Taipeis. Natürlich mit eigenem Restaurant als Testfall. Nur in Ludigels Taiwanblog ;-)

Wird evtl. noch bebildert

Der "Familienbetrieb" von meiner Frau und mir wurde schon mehrfach im Blog angesprochen, wenn auch ohne zu sagen, worum es eigentlich ging. Einfach um meine Bloggerperson von der Privat- und der damals möglicherweise öffentlich wahrnehmbaren Geschäftsperson zu trennen. Der Familienbetrieb war einfach ein kleines italienisches Restaurant. Motivation für die "Nebelkerzen" bei dem Thema waren sicherlich die zahlreichen Shitstorms die Taiwans Presse immer wieder gegen einzelne Ausländer loslässt - unter anderem auch gegen Restaurantbetreiber. Und der Gedanke, die ein oder andere negative Berichterstattung über mein geliebtes verschmuddeltes Taipei könnte da irgendetwas auslösen. Aber heute ist klar, ein neues Restaurant werden wir in Taiwan nicht eröffnen. Daher kann jetzt Klartext geredet werden. Hier noch mal eine Sammlung alter Artikel zum Thema:

Die Anfänge:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/familienbetrieb.html

Mittelteil:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/08/ex-familienbetrieb-tratsch-und-klatsch.html

Kurz vorm Ende:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/08/ruckzug-aus-familienbetrieb.html

Das Ende:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/ex-familienbetrieb-vor-der-schlieung.html


 Am Anfang der Geschichte stand, dass meine Frau unbedingt ein Restaurant oder einen kleinen "Diner" eröffnen wollte. Auch gerade weil in Taiwan Leute Mitte Vierzig oft aus den Unternehmen gedrängt werden um unerfahrenen am Arbeitsplatz einschlafenden Spätteenagern Platz zu machen. Denn Taiwan hat in der Computerbranche noch einen extremen Jugendkult. Wer es bis Mitte Vierzig nicht ins Management geschafft hat, steht oft ohne Jobperspektive plötzlich auf der Straße. Und was macht man dann? Richtig, oft macht die Frau eine der zahllosen Garküchen oder kleinen Restaurants auf und Menne fährt dazu Taxi. Das ist Teil des Wirtschaftswunders in Taipei, bei dem man sich wundert, dass so viele Fressbuden ihre Kunden finden und alle irgendwie ihr Auskommen haben.

 So leckere Nudeln hätte niemand bezahlen wollen. Die Kunden hatten lieber Fertigsoße aus dem Eimer und die Nudeln bitte taiwanisch weichgekocht


Schnell wollte meine Frau loslegen, ein kleines italienisches Restaurant in unserer Nähe namens Apollo stand zum Verkauf und meine Gattin wollte sofort das Lokal neu durchstarten lassen. Da kamen natürlich meine langweiligen Einwände. Nämlich, dass sie nicht kochen kann und wir beide nichts von der Gastronomie verstehen und außerdem ja nun "Management" sind in der Firma, im kleinen oder mittleren, was auch immer. Doch weil meine Frau nicht zu bremsen war, ließ sie sich dann auf mein Konzept mehrschichtiger teutonischer Absicherungen ein und (a) besuchte sie einen italienischen Kochkurs der, ganz taiwanisch-pfiffig die Leute gleich auf das Eröffnen eines der zahllosen kleinen italienischen Schlichtrestaurants in Taipei vorbereitete und (b) suchten wir nach einem kleinen Restaurant, damit das Kapitalrisiko gering war.

Zu den "Italienern" Taipeis muss man wissen, dass es sich um oft recht simple und schmucklose kleine Diner handelt, in denen oft nur Spagetti und andere italienische Nudeln in aus großen Kübeln entnommene Soßen getunkt werden und fertig ist die Mahlzeit. Risotto gibt es noch und fast alles mit Seafood. Der große Renner in solchen Lokalen ist eine chinesische Seafood-Suppe, bei der statt chinesischer Nudeln (die etwas weicher wären) ziemlich weich gekochte Spagetti drin herum schwimmen. Die Suppe besteht fast nur aus Tobasko, so mögen es die Taiwaner.


+++++++++++ Lesetipp
 Wie es südostasiatischen Fremdarbeitern in Taiwan ergehen kann: Giftige Schwaden am Arbeitsplatz, kein Arbeitsschutz und kein Recht auf Kündigung, keine ordentliche medizinische Behandlung. Lesetipp aus Andreas' Blog: https://andreasintaiwan.wordpress.com/2014/07/14/die-woche-dienstag/  +++++++++++


Rotwein? Nein, es gibt keinen Alkohol in Taipeis Schlichtrestaurants. Minnistrone?  Davon haben die Wirte, die alle Taiwaner sind, nie gehört. Diese leckeren krossen Weißbrothappen mit Tomate drüber (Bruscetta oder wie das heißt)? Saltimbocca a la Romana? Irgendwelche anderen Hauptgerichte mit Fleisch? Lachs auf irgendwas? Forelle unter irgendwas? Aufläufe? Pizza?

Nun, gibt es alles nicht, außer manchmal einer Pizza-Karrikatur, oft in Untertassenformat. Die Pläne meiner Frau waren jedoch weitgehender, hatte sie doch komplett und sehr gut italienisch und europäisch kochen gelernt. Fielen aber in der Folge der Realisierbarbeit zum Opfer. Schnell fand sich jedenfalls ein kleines und ideales Restaurant, "Jill's Happy Kitchen" bei uns ganz in der Nähe:

http://tokokou.pixnet.net/blog/post/33037847-%E9%96%8B%E6%9C%97%E5%B0%91%E5%A5%B3-jill%27s-happy-kitchen

Mittlerweile hat das Lokal mehrfach den Besitzer gewechselt, die nette Jill auf dem letzten Foto, wir oder unsere Nachfolger haben also mit dem heutigen Lokal nichts mehr zu tun. Das Lokal ist übrigens extrem beengt, hatte nur vier Tische und noch einen Klapptisch neben Tresenplätzen, war aber nett aufgemacht und die italienischen Gerichte waren etwas originaler als bei anderen. Es gab Spagetti mit ungewöhnlich viel Käse überbacken und sogar eine Spagettivariante mit einem wohl nicht ganz original italenischem Schnitzel oben drüber geworfen. Die reichliche Käseverwendung machte das Lokal etwas originaler, das Essen war reichlich und deftig und von mittlerer Geschmacksqualität nach meinem verwöhnten Gaumen, der gute italienische Restaurant in Deutschland gewohnt war. Alle Gerichte kosteten 110 NT oder weniger (durch 40 in Euro), also 2.50 Euro pro große Portion maximal. Schlichtrestaurants in Taipei sind billig und dieses hier auch, auch wenn es von der Ausstattung her und der Reichhaltigkeit der Karte etwas besser war.

Da die Betreiberin ein Kind bekam, zog sie sich aus dem Restaurantgeschäft zurück und arbeitete uns noch ein. "Uns" das waren die Frau eines netten Kollegen, meine Frau und mein "Quasineffe" mit seinen jugendlichen 16 Jahren. Übernommen haben wir ferner das feste Personal des Lokals, also einen von zwei Hauptkräften (einer hat sofort gekündigt) und eine Halbtagskraft.

Der Plan meiner Frau war, das Ganze bald zu einer ganzen Restaurantkette auszubauen, wobei das kleine Lokal zunächst als Keimzelle und Lernobjekt dienen sollte - hier merkt man wieder meine etwas risikoscheue Handschrift. Dazu war eine Gruppe von Investoren gefunden, die neben Frau und mir aus der Gattin "Shaowu" (Name geändert) des Kollegen (und ihm natürlich) und zwei weiteren Familien bestand. Diese sollten alle aus dem Gewinn des Lokals bzw. der späteren Kette ihren Gewinnanteil bekommen und ggf. gegen Gehalt auch Geschäftsführer der Lokale werden. Das erste kleine Lokal, "Jill's Happy Kitchen" sollte von Shaowu geführt werden, gegen 20.000 NT kleines Geschäftsführergehalt. Plus natürlich dem Anteil von ihr und ihrem Manne an der Gewinnausschüttung.

Mein Einwand kam sofort: Da die besagte "Shaowu" nicht nur ein missmutiges Naturell hatte, sondern auch noch eine berufliche Karriere als Backwarenverkäuferin vorzuweisen hatte (seit Jahren Hausfrau) schwante mir, dass sie der Versuchung, so ein kleines Lokal allein zu übernehmen, nicht würde widerstehen können. Nach dem Motto: Hier stehe ich im Laden, also ist es meiner. Zwar war der Mietvertrag des Lokals nicht auf ihren Namen geschlossen als Vorkehrung, aber trotzdem erschien mir diese Wendung der Dinge wahrscheinlich. "Unsinn", sagte meine Frau. "Du kennst uns Taiwaner nicht, so gehen wir nicht mit einander um, wir vertrauen einander." Dabei kenne ich sie ganz genau die Taiwaner und weiß, wie sehr sie immer einer vermuteten Geldquelle hinterher jagen wie der Teufel der 1000-Seelen-zum-Preis-von-einer - Packung im Sonderangebot.

Alles lief nach Plan und Jill wies primär Shaowu und ein bisschen meine Frau und den Lieblingsneffen in die Zubereitung der Nudelgerichte etc. ein. Staunend stellten wir fest, dass in dem Lokal das Gemüse nicht gewaschen wurde. Einfach raus aus dem Marktkorb und rein ins Essen! Diesen Teil der Prozedur haben wir dann nach Übernahme sofort geändert.

Wie ging es dann, als Jill sich verabschiedete und unsere Crew aus Shaowu, Vollzeitkraft, Halbtagskraft und Quasineffen nebst dem aushelfenden Gatten "Will" von Shaowu bei der Zubereitung der Gerichte allein waren? Die Situation in Stichworten:

- Großer Materialschwund, der ein schwarzes Loch in der Küche vermuten ließ. Ich hatte das auch gleich zu Anfang prognostiziert. Shaowu erklärte, eben nach Hausfrauenart ordentlich was ans Essen zu schnippeln und eine gut gefüllte Kühltruhe für Notzeiten zu haben.

- Stammkunden, die ihr ererbtes Recht auf ein zweites Hauptgericht für nur 25 NT statt 80-110 NT energisch einforderten.

- Schlechte Stimmung bei Shaowu, die sich beschwerte, als Geschäftsführerin deutlich weniger Lohn als die hauptberufliche Kraft zu erhalten (derjenige hatte allerdings immerhin eine abgebrochene Kochlehre vorzuweisen).

- Schlechte Stimmung bei Shaowu, weil sie in der Startphase des Lokals 7 Tage die Woche im Laden stand. Zu hatten wir nie. Und dann führten wir auch noch die Öffnung zu Mittags ein. Vorher hatte das Lokal nur abends geöffnet.

"Schlechte Stimmung bei Shaowu" war in der Folge das Motto des Lokals, das man also "Shaowu´s Angry Kitchen" hätte nennen sollen. Und wie sahen die Kosten aus? Nun, es zeichnete sich in den ersten 2 Wochen ein gewaltiges Minus von 20.000 NT ab, freilich nach Entlohnung aller Kräfte inklusive Shaowu.
 Tendenz steigend. Und ich fasste für mich den Leitsatz "never order the Schnitzel", denn für 110 NT konnte man wirklich kein richtiges Schnitzel auf die reichliche Portion Spagetti Bolognese mit Käse werfen, dazu war Fleisch zu teuer. Jill und auch wir mussten also notgedrungen eine Art "Paniertes Nichts mit Fleischandeutung" servieren.

Jetzt kam die zweite Runde, das Managementtalent meiner Frau entfaltete sich. Die notwendigen Zutaten wurden abgewogen pro Portion und daraus der Materialverbrauch für die Woche festgesetzt. 10 Essen am Tag verkaufen und Zutaten für 20 oder 30 der Investorengesellschaft in Rechnung stellen ging nicht mehr. Shaowu war außer sich! Ich hoffe im Nachhinein, dass in ihrer Familie in dieser neuen Phase der Zutatenkontrolle niemand Hunger leiden musste. Okay, okay vielleicht war es ja nur die Kühltruhe.
Auch der Personaleinsatz wurde gestrafft. In den Totzeiten, wenn etwa mittags nur zwei einsame Kunden aufkreuzten, stand sich die Komplettbesatzung des Lokals die Beine in den Bauch und munter wurden Überstunden aufgeschrieben und vergütet. In der Folge wurde die Personalanwesenheit an den Umsatz angepasst.
Zusehens verschlechterte sich die Stimmung zwischen Shaowu und meiner Frau. Letztere war übrigens als Obermanagerin der geplanten Kette von Anfang an vorgesehen und gab daher Shaowu ihre Anweisungen, die mehr für den operationalen Betrieb der ersten Filiale zuständig war. Shaowu wollte weiter nach Hausfrauenart ohne Mengenkontrolle kochen und immer alle Leute im Lokal haben, damit weniger Stress war. Meine Frau hat allerdings Diplomatie nicht gerade als ihre Stärke und so waren unter der Lokaldecke permanent dunkle Dampfwolken und Blitze zu erkennen.

Wie sah es nun finanziell aus? Der zweite Monat wurde schließlich mit einem Plus abgeschlossen und der dritte brachte 19.000 NT Überschuss, die an die 4 Investorenfamilien inklusive Shaowu und Gatten ausgezahlt wurden. Das Lokal war auf dem richtigen Kurs.

Nun kam Phase 3, hier sollte nach Planung meiner Frau die Qualität des mittelprächtigen Essens angehoben werden bei minimaler Steigerung des Preises. Ferner sollten Premiumgerichte zu deutlich erhöhtem Preis eingeführt werden, ich selbst sollte als "ausländischer Werbeträger" auftreten und ein Bringdienst nebst Belieferung der Computex Computermesse, die gerade stattfand, sollte her.

Um es kurz zu machen, Phase 3 war ein ziemliches Desaster. Wir verbesserten die größtenteils aus Fabrikfertigsaucen bestehenden Nudelsaucen mit frischen Zutaten, peppelten das schwindsüchtige Schnitzel etwas auf und führen leckeres "Cordon Bleu" als Premiumgericht ein. Die Preise mancher verbesserter Gerichte erhöhten wir ganz minimal von 110 NT auf 115NT und das Premiumgericht sollte 160 NT (also etwa 4 Euro) kosten. Ich benutze den Konjunktiv, weil es nicht ein einziges Mal bestellt worden ist. Die Kunden flüchteten in Scharen! Wir lernten, dass solche einfachen Diner einen ganz klaren Festpreis hatten. Konkurrent PingLu nimmt 110 NT für die teuren Gerichte und popelt beim Zubereiten, aber wenn wir auch sauber und netter waren und echtes Tomatenmark dran hatten: den Leuten war ausschließlich der Preis wichtig. Qualität ist in dieser Restaurantklasse völlig nebensächlich. Schlichtrestaurants sind also als reine Costcenter zu betreiben, bei denen der Marktpreis fix ist und man muss die Kosten so kontrollieren, das man Gewinn macht!
Bringdienst: Kaum Bestellungen, bei solchen Schlichtrestaurants holen sich die Kunden, die ausschließlich in der Nachbarschaft leben, ihr Essen selbst ab oder essen im Lokal.
Firmen, die wir mit Werbeflyern versahen oder gar die Computex, die angeblich von Will mit Werbeflyern und Speisekarte überflutet worden war, führten zu exakt Null Bestellungen. Das grenzte schon an ein Wunder und ließ mich vermuten, dass Shaowu und Will hier Sabotage betrieben, denn jetzt kam die Phase 4, in der Shaowu zusehens destruktiver wurde.

Sie klagte über zu hohe Arbeitsbelastung, mittlerweile hatte sie eine 5Tage-Woche aber sollte noch wochenendlich zu kurzen Checks im Lokal erscheinen und ihr wurde in Aussicht gestellt, die 5 Tage gegen 4 Tage zu tauschen, quasi als Freizeitausgleich für die Wochenendkontrollen. Alles zu viel, Shaowu  fiel durch laufende hysterische Weinkrampfanrufe bei meiner Frau auf, die schon Telefonterror glichen. Die Angestellten des Lokals bemerkten, dass Shaowu den Kunden patzige Antworten gab und auch die letzten wackeren Esser langsam das Lokal mieden. 

Vorgesehen für das Lokal war nun im 3:1 - Beinahekonsens der Investoren, das Lokal zu schließen und die hübsche Einrichtung (insbesondere Herd, Tresen etc.) in ein größeres leerstehendes Lokal zu verfrachten, das dann, wieder im Niedrigpreissegment, dank mehr Tischen einen größeren Gewinn einfahren könne. Eine zweite und dritte Filiale sollten dann später folgen. Allerdings trat Shaowu zu diesen Plänen in starke Opposition und bestand auf den Erhalt ihres Schimpf- bzw. Arbeitsplatzes, so dass anfangs noch die folgenden Szenarien diskutiert worden waren:

a) Shaowu bleibt Chefin der Filiale 1 wie gehabt und Filliale 2 wird mit neuer Geschäftsführerin eröffnet.
Shaowu erklärte hierzu, an künftigen Filialen nicht beteiligt werden zu wollen.

b) Shaowu betreibt Filiale 1 als reine "Soßenfabrik" und liefert die verbesserte Nudelsoße an die künftigen Filialen.
"Shaowu seien dagegen sähr."

Shaowu trat nun in eine Art renitente Totalopposition, verweigerte im Wesentlichen jedwede Arbeit, weigerte sich, eine Nachfolgerin einzuarbeiten und erschien höchstens noch zum Stunk machen im Lokal. Trotz nicht mehr geleisteter Arbeit beschwerte sie sich ständig über Überarbeitung, was in der telefonischen Drohung an meine Frau gipfelte....

"Wenn ich durch einen Herzinfarkt wegen dem Stress sterbe,  schwebe ich als Geist nachts bei deinem Mann und dir unter der Schlafzimmerdecke und raube euch den Schlaf!"

Das war die lustigste Drohung, die ich je gehört habe in meinem Leben, allerdings war Shaowu nicht hübsch genug, um sie mir jeden Abend unter der Schlafzimmerdecke ansehen zu wollen. Ergo entschied meine Frau nun, dass es an der Zeit war, dass ShaoRumschimpf nun das Lokal allein übernahm. Schlagartig verbesserte sich ihre Stimmung, nach langen zähen Verhandlungen zahlte sie die anderen Parteien aus und die anderen drei Parteien inklusive meiner eigenen gingen sogar mit leichtem Plus aus der ganzen Geschichte raus. 100.000 NT hatte wohl jeder im Lokal, was aber teilweise noch auf der Bank auf einem Geschäftskonto war.

Shaowus Stimmung blieb aber nicht lange gut. Bar jeder Kostenrechnung und Zutatenabwiegung ging der Gewinn langsam aber stetig gegen Null, so dass am Ende nur noch 4000 NT an "Geschäftsführergehalt" nach Begleichung aller sonstigen Kosten drin waren. Die erforderlichen Marketingmaßnahmen, um durch ein verbilligtes Tagesgericht etc. die durch die Preiserhöhung verlorenen Kunden wieder zurück zu gewinnen wurden natürlich nicht mehr umgesetzt - weil Frau und ich mit dem Lokal nichts mehr zu tun hatten. Shaowu bat dann sogar meine Frau wieder, das Obermanagement zu übernehmen. Das lehnten wir aber ab und am Ende verkaufte das Betreiberpaar das Lokal mit etwa 60.000 NT Verlust. Es existiert wohl noch heute mit neuen Betreibern, die sicher lecker Essen haben (ich war freilich nie wieder dort).

Schlecht war das Essen nie, ab dem Gemüseputzen, also gehen Sie doch mal Essen in Ludigels ehemaligem Ristaurante ;-)

Für Interessierte: Wir hatten damals 200.000 NT Abstand inklusive 2 Monate Anlernkurs für das gemietete Lokal gezahlt, die Miete lag wohl bei 20.000 NT monatlich, wenn ich mich recht erinnere. Also auf, jetzt wissen Sie wie es (nicht) geht, mit dem eigenen Ristaurante in Taipei.

Die Schwester meiner Frau hatte nun in der Zwischenzeit eine erfolgreiche Gastronomiekette in Manila auf den Philippinen betrieben und so soll der "Familienbetrieb" dort  (freilich nicht als Italiener) demnächst in eine neue Phase gehen. Warten wir es ab.


Mittwoch, Oktober 15, 2014

Ach ja, Taiwans Essen ist mal wieder toxisch

Positiv: Das Essen in Taiwan wird durch eine Food-And-Drug-Administration (FDA) überwacht.
Negativ: Sie finden andauernd etwas dramatisches in Speis und Trank 

 Als ich im Jahre 2004 hierher kam ging das Phänomen los, dass ich ständig auf das WC musste, sowie ich taiwanischen Boden betrat - nur im Deutschlandurlaub ging das Problem schlagartig weg. Kam zurück, sowie ich in Taiwan landete. Nur die kleinere Verrichtung, räusper. Und stark juckenden Ausschlag unter dem Kopfhaar und auf dem Rücken hatte ich. Das hörte es vor kurzem auf, als diese FDA Flüssigkunststoff in falschem Palmöl gefunden hat, das in so ziemlich jedem Nahrungsmittel hier zu finden war. Zwischendurch hatte ich dann mal wieder stark allergischen Ausschlag am Kopf, die Ohren diesmal, da war mal wieder toxisches in der Milch.

Jetzt ist aktuell ein Öl, das für Industrie und Tierproduktion vorgesehen ist, überall im Essen. Wieder mal hat ein monopolistischer Öllieferant billigeres Öl, das nicht für den Humanverzehr vorgesehen ist, als für menschlichen Konsum gedachtes an drei viertel der Industrie in Taiwan weiterverkauft. Fast alle Nahrungsmittel enthalten einen ganzen Medikamentencocktail, den man wohl sonst Zuchttieren gibt. Darunter sind Antibiotika, Östrogen, Verhütungsmittel und Antidrepressiva und natürlich der Klassiker Flüssigkunststoff. Weswegen ich auch schon wieder... never mind.


http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/10/15/2003602097

Guten Appetit in Taiwan. Trotzdem ging es mir magenmäßig auf meiner kürzlichen Philippinenreise (Artikel jetzt bebildert!) noch schlechter. Entzugserscheinungen?


Montag, August 11, 2014

Mayonaise-Eis vom Family Mart

Der Gaumen wundert sich, der Magen noch mehr

Am Wochenende haben wir in einem der "Family (Mart)" 24-Stunden-Supermärkte in NeiHu ein Softeis erworben, die Variante mit Frucht für 49 NT. Frau und Junior aßen die obere Hälfte und überstanden es unbeschadet, mir blieb die untere Hälfte und ich hatte mich noch gewundert, dass die Pfirsichsauce einen Mayonaise-ähnlichen Abgang auf der Zunge hatte. In der folgenden Nacht konnte ich noch lange darüber nachdenken, was das wohl zu bedeuten hatte, denn wenn man hinreichend lange durch die Wohnung schleicht wie ein Geist die ganze Nacht mit Magendrücken findet man Riesenkäfer zum Jagen, weckt Junior auf und hat dann in den frühen Morgenstunden katerähnliche Kopfschmerzen, bis einen endlich der Wecker von der Nachtruhe -die keine ist- erlöst.  

Offensichtlich ist der untere Softeisteil im Becher derjenige, der oben zu erst die Zapfpistole verlässt. Und der ist natürlich der Raumtemperatur ausgesetzt die nur dann weniger als 30 Grad beträgt derzeit in Taiwan, wenn der Laden nicht an der Klimaanlage spart. Eigentlich schien es eher kühl zu sein im Geschäft, aber auch Raumtemperatur ist natürlich für Speiseeis höchst ungenügend. Ich werde daher in Zukunft von allem Family-Eis Abstand nehmen, denn das war schon das zweite Mal, dass mich verdorbenes Eis bei den Family-Märkten erwischt. Das letzte Mal war es ein Snickers-Eis, dem man ansah, dass es schon mal angetaut war. Was der Magen danach auch zu kommentieren wusste.

Und Softeis ist vielleicht generell keine gute Sache, mit dieser unhygienischen Zapfart, es sei denn, man würde den Eisverkäufer mit einer Schusswaffe zwingen, den ersten Zipfel selbst zu essen.

Pfui Deibel, Ekelzeug.

Montag, Juli 28, 2014

Nihilistische Eisspezialität (Update)

Die Vergeblichkeit des Seins, im "Charmonix" in NeiHu, Taipei

Ein Nihilist ist jemand, der der Vergeblichkeit des Seins große Bedeutung beimisst. An der genauen Definition möchte ich mich nicht versuchen, aber ich stelle es mir so vor wie den chinesischen Denker Laozhi, der offenbar von der Vergeblichkeit der Anstrengung geredet hat und das man sich eher wie ein Blatt im Wind fügen soll. Als ob Laozhi einen Kater hätte, so etwa.


Als im Charmonix nach einem europäisch inspirierten Mehrgängemenü eine Schale Eis serviert wurde, die von weißer Schokolade mit schwarzen Äderchen durchdrungen war und dann heiße Erdbeersauce das Ganze Weiße-Schoko-Dach zum Einstürzen brachte, da musste ich an die Vergeblichkeit des Seins denken, als der Desert so zerstört und offenbar blutend vor mir lag. Besser ist es vermutlich, dass ich in meinem Leben nie einen Rohrschachtest machen musste - Sie wissen schon, den mit den Tintenkleksen.

Depression gehört natürlich zum Exaptleben fern der Heimat auch dazu und soll hier nicht verheimlicht werden. Am Besten genießt man sie mit einem langen Löffel.

Charmonix-Webseite:  http://www.chamonix.com.tw/en/store.aspx

EDIT: Nachtrag zum Lokal: Nach japanischer Tapernyaki-Art wird am Tisch zubereitet auf heißer Platte, man sitzt in einer langen Reihe mit anderen Leuten vor dem Koch. Wir bestellen meist fleischiges hier, so dass sich eine europaverwandte Küche ergibt aus diversen Gängen, Vorbestellung zu empfehlen oder gar erforderlich. Meist hat man 4er-Gruppen oder größere, mir ist unklar, ob man hier auch zu Zweit kommen kann.

Mittwoch, Mai 14, 2014

Ölhuhn

Die mysteriöse Krankheit eines Kollegen

Taiwaner verbringen viel Zeit im Büro, so viel Zeit, dass mancher Deutscher in gewerkschaftlich kontrolliertem Hause in der Zwischenzeit schon nach Hause gegangen und wiedergekommen ist. Im Extremfall jedenfalls. Aber wir taiwanischen Arbeitnehmer lieben unsere Firma und es macht uns nur eines glücklich hier am östlichen Tellerrand der Weltscheibe, nämlich wenn der Taiwandollar mit dem "formosen" Exdiktator Chiang Kai Shek auf dem 10 Dollarstück rollt und rollt.

So dachten dann auch alle, ein plötzlich über Brustschmerzen klagender sehr netter Kollege habe sich durch freiwillige Zusatzarbeit zu sehr die Gesundheit ruiniert, da sein Arzt in der Tat ein drohendes Herzproblem diagnostizierte. Allerdings erwähnte meine Frau sofort, der Kollege sei bekannt dafür, täglich frittiertes Huhn zu bestellen. Es gibt nämlich hier in der Firma täglich oder fast täglich Sammelbestellungen und da bestellen sich die Kollegen gerne so ein großes frittiertes Hühnerteil, schmeckt gut mit lockerer Fritteusenkruste drauf, dazu vielleicht noch frittierte Süßkartoffeln oder eine andere frittierte Leckerei. Ich selbst bin da vielleicht alle zwei Wochen mal dabei, aber der Kollege eben fast täglich.

Nicht von "Kentucky schreit F...." oder wie die US-Kette heißt, die es auch hier in Taiwan gibt, aber von einer lokalen Massenhühnerfrittieranstalt. Tatsächlich kam jetzt die endgültige Diagnose des Arztes: Das Blut des Kollegen ist so voller Öl, dass die Pumpe Probleme bekommen hat, ihren Dienst zu verrichten. Auf Öliges und Fettes verzichten, insbesondere Fleisch, dann ist eine völlige Genesung sicher.

Der nette Kollege wird jetzt erst mal ein paar Wochen Sabbatical nehmen und sicher unter den strengen Augen von Frau und Mutter vom gebackenen Huhn Abstand nehmen, denn wir alle sind nicht bereit ihn an die große Legebatterie im Himmel zu verlieren.

EDIT: Der Kollege ist übrigens schlank! Auch auch wenig zu essen hilft wohl nicht, wenn täglich schwer verdauliches Frittieröl dabei ist.


Montag, Mai 12, 2014

Persönliche Perzeption Politischer Petitiessen, rohe Molussken

Verwurstetes Familiendinner

Wenn ich so an vieles linksliberale deutsche Feedback im Blog denke, dann geht es mir manchmal so, dass ich meine tagtäglichen Handlungen dann und wann daraufhin prüfe, was jetzt wohl wieder die geneigte Leserschaft von diesem oder jenem halten würde. Etwa heute Morgen, als mir zum dritten Mal hintereinander von Spiegel.de eine mir gänzlich unbekannte Frau mit Bart in Großaufnahme präsentiert wurde. So als ob "Conquita Wurst" das Wichtigste am Morgen in Deutschland sei und das drei Tage hintereinander. Ich meine, es ist ja auch eine Frage der Perzeption. Dieses Wort habe ich glaube ich das letzte mal im Biologie-Prüfungskurs auf dem Gymnasium benutzt, nebenbei bemerkt. Von Wegen Aufbau des Auges und Zapfen. Wobei es nur ein kurzer Weg vom Zapfen zur Wurst ist und ich habe wirklich nichts gegen Transvestiten, andere geschlechtlich schwer zuordenbare Leute, singende Tranvestiten (gut, da habe ich das selbe wie gegen singende andere Leute: notfalls Ohrstöpsel) und gegen Paradiesvögel, Lebenskünstler oder Gesamtkunstwerke, aber der Anblick einer Frau mit Bart ist eben nichts, was ich drei Tage hintereinander sehen möchte beim Frühstück und - wie gesagt eben die Perzeption. Da erzeugt mir Spiegel.de immer so ein völlig linksliberal-politisch-überkorrekt verzerrtes Deutschlandbild. Weil ich ja Deutschland meistens nur noch aus dem Internet und da eben durch Spiegel.de kenne. Da stehen dann Themen im Vordergrund und vor allen Dingen Meinungen, die so gewichtig gar nicht sind, wie sie der Spiegel darstellt. Beispielsweise war ich neulich wirklich erstaunt, dass mein jüngst gekaufter Volvo SUV sich auch in Deutschland ausgesprochener Beliebtheit erfreut. Mein Modell ist der meistgekaufte Volvo im Lande und sogar der Nachbar an der Ecke bei meinen Eltern hat so ein Ding, wie ich beim letzten Heimaturlaub sah. Dabei erzeugt Spiegel.de bei mir immer den Eindruck, die Deutschen würden nur noch Einliter-Dreizylinder (besser als andersrum!) fahren mit extra hinten dran geschnalltem Feinstaubfilter. Und jetzt ist das Bartbild der sonst hübschen Dame oder wie auch immer eben von Adblock geblockt, zwei Tage angucken reicht mir einfach.

Jetzt höre ich schon wieder die politisch korrekten deutschen Leser aufjaulen. Über Conquita Wurst meckern und dann noch einen Volvo SUV fahren, pfui deibel. Eigentlich sollte diese Eingangs-Polit-Unkorrektheit aber nur von der wesentlich größeren ablenken, die ich schon wieder begangen habe. Gestern Muttertagsfestessen zu Ehren von Schwiegermutter bezahlt vom unternehmerischen Schwager, in einem Lokal mit "Sehzuan-Hakka-Cuisine", gleich neben Wendels deutschem Lokal in NeiHu. Da gab es massenhaft rohe Molluskeln, Fisch und Tintenfisch (beides auch oft roh) und mir fiel wohl das Fehlen des sonst immer dazu bestellten "ausländerkompatiblen" Essens auf. Eine Fortführung eben des Essenwegdrehens mit dem Drehtisch beim letzten Familienessen (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/zuneigungsbarometer.html). So saß ich da nichtsdestotrotz quietschvergnügt und fütterte Junior mit gekochtem oder gedünsteten Seafood und gab mir Mühe Fröhlichkeit zu verbreiten. Denn wenn man gesund und fröhlich ist, ärgern sich die Leute erfahrungsgemäß immer am meisten. Außerdem saß ich da mit einem leckeren Oliven-Fladenbrot von Herrn Wendel nebenan und ein paar Quarkküchlein. Ist ja nicht so, dass der Herr Wendel und seine Brottheke aus der Welt liegt. Sehr politisch unkorrekt, ich weiß. Aber hier am östlichen Rande der Weltscheibe ist man als "Expat" eben auch seine eigene sozioökonomische Entität, wenn Sie wissen was ich meine. Und die schlägt eben auch manchmal fast schon asiatisch subitl zurück. Etwa als ich das ausländerkompatible leckere Rindfleisch in Scheiben durch hastige Drehung des Drehtisches erhaschte, mir ausgesprochen viel davon aufgabelte und dann... demonstrativ den ganzen Batzen bei meinem dicken Neffen nebenan auf dem Teller ablud und sagte "chi1, chi1", will sagen "iss, iss". Eine von meiner Frau angeregte Heimzahlung des Vorkommnisses beim letzten Familiendinner, wo mir das für Junior bestimmte Brötchen wieder durch die Frau des Gastgebers entzogen wurde um es demonstrativ eben diesem Neffen zu geben. Na, den Kleinen hat die "Heimzahlung" gefreut.

P.S: Aber da hat sich Schwiegermutter etwas neues einfallen lassen. Sie bedankt sich neuerdings bei mir, wenn ich bei ihr Besorgungen abliefere und lächelt dabei sogar. Anstatt wie früher stumm durch mich hindurch zu gucken. "Der Asiate" ist einem bei solch einem sozialkulinarischem Krieg doch überlegen und lässt sich immer wieder was neues einfallen... ;-)