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Montag, Mai 15, 2017

Gelungener Abend

Wieder einmal ein Familiendinner. Ludigel amüsiert sich köstlich. Andere nicht so sehr.

Um Beckenbauer zu zitieren: "Ja gut äääääh.....". Es war halt nicht für alle ein guter Abend. Die heilige Familie meiner Frau, in ihrem 5000jährigen Chinesentum sowieso die Krone der Schöpfung, hatte sich mal wieder zum Festessen versammelt und ich musste wie immer mit. Mache ich ja gerne. Nur quälten mich wieder mal meine Nasennebenhölen. Offenbar führt in meinem halb unfreiwilligen 14. Jahr in Taiwan die Abgasluft Taipeis zu einer Dauerreizung verbunden mit Kopfschmerzen, wie ich sie zu letzt in den 70er Jahren hatte, als ich als Kind in Deutschland an einer Hauptstraße wohnte und es katalysatorfrei stark nach Abgasen roch. Ich war nicht unbedingt bester Laune und auch das leicht gegarte Huhn mit toter nackter Stoppelhaut drum herum trug nicht zur Anhebung meiner Stimmung bei. Ich verabschiedete mich auf einen "kleinen Spaziergang" und verbrachte die nächsten 90 Minuten mit dem Einnehmen einer Kopfschmerztablette, einem dicken Chickenburger bei Burger King nebst einer großen Kola und Pommes. Anschließend fand ich in dem schicken  neuen Einkaufszentrum in moderner Schiefarchitektur (Bilder folgen vielleicht noch) einen Seven-Eleven und gönnte mir wie die alten Taiwaner einfach auf der Brüstung sitzend ein Vanilleeis und zwei von diesen "Tizulu"-Schokoriegeln. "Tizulu" steht für Tirol, ist doch wohl klar. Ein anderer Laowai mit seiner einheimischen Frau ging vorbei und seine Tochter (5 oder so) umrundete mich ständig mit dem Dreidrad, einen gierigen Blick auf meine gefälschten Tiroler Riegel werfend. Man muss den Kindern das wirklich beibringen, mit den Süßigkeiten und fremden Männern. Deshalb konnte ich ihr natürlich auch nichts gegeben sondern musste es selber essen.
Nach 90 Minuten kam ich zu dem Schluss, dass gibbriger Seafood und Ekel-Riesenwürmer Schwarz jetzt alle verschlugen worden sind, sicher zu zahlreichen "hao chi"-Rufen und der reiche Schwager sicher den Dank aller Anwesenden zum Spendieren des leckeren Muttertagsessens angenommen hatte. Ich kehrte also pünktlich zum Obstnachtisch in den gemieteten Speisesaal zurück und erklärte laut, die Waschräume seinen so voll gewesen, dass ich bis eben hätte warten müssen. Ein ganz raffinierter Trick, den ich mir da ausgedacht hatte. Nur Junior (5) brauchte alles durcheinander, roch mir am Mund sagte seiner Mutter, ich hätte Schokolade gegessen. "Wieviel hast du ausgegeben?" fragte sie mich und ich fragte laut zurück "mit oder ohne Burger King?".

Da geschah das große Wunder. Die ihr Leben in teuren Boutiquen verbringende "Erste Tochter" der Familie, die mit dem reichen Schwager verheiratet ist, würdigte mich das erste Mal in den 14 Jahren meiner Anwesenheit in Taiwan eines Blickes! Hatte sie es doch bisher immer fertig gebracht, durch mich hindurch die Wand hinter mir zu fixieren - jedes Mal. Ein Schicksal, das angeblich der andere "Ausländermann" (der Filippino) in der Familie auch mit mir teilt. Erster Blickkontakt nach 14 Jahren! Das ist schon eine Leistung finde ich. Gut, es war die Art von Blick wo man oben anfängt und dann nach unten guckt. "Verachtung" soll das wohl sein. Aber lieber politisch korrekte Leser, sagen Sie es mir. Ist das nicht wenigstens ein Anfang einer intrakulturellen Kontaktaufnahme, aus der noch Großes werden kann?

Beim Rausgehen verabschiedete mich ihr Gatte etwas hilflos mit "Wir sehen uns dann zum .... äh ... zum ... äh...." und ich vervollständigte freundlich lächelnd "das nächste Mal McDonalds, nicht wieder Burgerking" und ging fröhlich meines Weges.

Also, mir hat der Abend Spaß gemacht. Wenn sich jetzt im Laufe der Woche auch der Haussegen wieder einrenkt, ist alles wunderbar.

Keine Sorge, dass mit McDonalds habe ich natürlich nicht ernst gemeint. Das Essen dort hat ja mit menschlicher Nahrung nicht wirklich viel zu tun. Kentucky Fried Chicken vielleicht. Oder Subway. Es sei denn ich werde aus der weiteren Anwesenheitspflicht beim sich selbst feiern dieser von sich selbst so überzeugten Menschen entbunden. Was eigentlich die Absicht des ganzen Manövers war.


Mittwoch, Mai 10, 2017

Die TV-Hackerbox

Ein Freund benutzt sie. Der Schlumpi. "Betrügt" er doch vielleicht mehrere Fernsehkonzerne um ihre Tantiemen.

"Ubox" von Unblock Technologies

Ein Freund hat dann also diese kleine weiße Kunstoffbox mit HDMI- und USB-Anschluss. Drauf läuft Android (das Linuxderivat). Ein HDMI-Kabel verbindet die Box mit unserem Fernseher für einen kleinen Probelauf. Die Fernbedienung der Box kann schnell auch den Fernseher steuern und sonst kann man sich mühsam entweder mit diversen kleinen Tasten oder mit einer veritabel angeschlossenen USB-Maus durch die diversen Android-Interfaces tasten. Die Hackerbox, wie ich sie nenne, geht über Ethernet oder Wireless ins Internet und findet dort alle möglichen TV-Kanäle von fast überall auf der Welt, darunter auch offensichtliche Pay-TV-Kanäle. Alles ohne zu bezahlen. Herkunftsort der kleinen Box ist China.

Läuft das Ding schon?

Schnell ist mein altes 3G-Smartphone auf Connection-Sharing geschaltet, es funktioniert also als Wireless Access Point wie ein Heim-DSL-Wireless-Router. Die Qualität ist mäßig, die Hackerbox scheint die Bildqualität stark zu reduzieren und wir haben häufige unfreiwillige Standbilder.

Ein neueres 4G-Telefon liefert jedoch bessere Qualität und mit schnellen DSL-Zugängen Marke Taipei geht es sowieso. Wir haben natürlich nur einen kurzen Test gemacht, um uns nicht strafbar zu machen mit dem Leihobjekt.

Es gibt fast alle großen TV-Kanäle von fast überall, nicht jedoch Deutschland. BBC und ITV aus GB und US-Filmkanäle in zumindest Überseeversionen, auch Disneychannel und Cartoon-Network, alles Englischsprachig, teils aus den Philippinen, aber da spricht man ja außer in den Werbespots auch Englisch. "Buy healthy orange juice for your kids na panga sasa dada" oder so hört man in den Werbepausen. Gegen die geheime PIN 1818 gibt es jede Menge Hardcore-Kanäle. Unverpixelt machen sich Japaner über Japanerinnen und kräftige Russen über zierliche Russinnen her. Alles Mainstream-Porn.

Manchmal spinnt die Box oder eher die App, die sich updaten will aber manchmal nicht kann. Bei Hitze und Dauerbetrieb bleibt die Kiste auch schon mal schwarz und geht dann manchmal einfach wieder und redet davon, das HDMI-Kabel sei angeblich wieder eingesteckt worden. Praktisch: Das Android-OS ist um zahlreiche Videoplayer erweitert und ein eingesteckter USB-Stift lässt (über Dateimanager, den man etwas umständlich über die Fernbedienung aufruft) die Wiedergabe von so ziemlich allen Videoformaten inklusive .mkv - Dateien zu. Es gibt auch eine deutsche Exportversion der vermutlich irgendwie illegalen Hackerbox.

Gesamturteil: Weltfernsehen in der taiwanischen Version ohne deutsche Kanäle, nervt aber öfter mal durch Hardware- und Softwareprobleme. Nichtsdestotrotz praktisch für die Videodateiwiedergabe auf dem Fernseher und den neugierigen Peek in das aktuelle englische oder norwegische Fernsehprogramm.

Vergessen: Auch Youtube ist als App vorinstalliert. Die chinesischen Shopping-Apps und irgendwelche weiteren Pay-Angebote ("pay and get screwed from Shenzen") ignoriert man wohl besser. Aber Youtube funktioniert gut.

Wenn wir die pöse, pöse Hackerbox benutzen würden, würde sie uns tagsüber die normalen Taiwan-TV-Sender für Frau oder Cartoon-Network und Disney-Channel für Junior liefern, zuzüglich Youtube, wo Junior bislang auf "seinem" IPad immer nach Transformer-Videos sucht. Und gelegentlich würde das Ding einen Film vom USB-Stick spielen. Mit Russen/Russinnen und Japanerinnen/Japanern und den Dingen, die die miteinander für Geld tun hätten wir dabei nichts am Hut ;-)  Und da Junior und Frau ohnehin das TV fest in ihren Händen haben, hätte norwegisches Fernsehen und selbst ITV aus England eher wenig Chancen.

Donnerstag, Mai 04, 2017

Autofahren...

Der Artikel "Autofahren in Taipei", der auch das Umland mit einschließt ist vielleicht nicht ganz perfekt bebildert. Unten ein Bild allerdings aus Changhua, das die öfter vorkommenden nervigen Situationen in Taiwan ganz treffend beschreibt.

In engen Gassen oft Millimeterarbeit im Dauerstau leisten und dabei auf mit hoher Geschwindigkeit regelfrei heranpreschende Motorroller achten ist eben oft der Alltag in Taiwan. In Changhua, das mir noch viel voller und enger als Taipei vorkam, ist das wohl Dauerzustand. Hier bin ich allerdings nur Passagier gewesen.

Mit unserem neuen kleinen Nissan March aka Micra fahre ich in Taipei allerdings die Tage recht unbeschwert durch die Gegend. Das etwas über 1,60m breite Autochen passt halt viel besser durch enge Gassen als unser alter Volvo XC60, der es immerhin auf etwa 1,90m brachte. Sparsam ist der Nissan-Kleinwagen mit etwa 10 Litern Verbrauch auf 100km Stadtverkehr allerdings nicht gerade. Mit seinem 1,5-Liter 99 PS-Motor ist er aber auch kein Sparauto. Das Automatikgetriebe ist Drehzahlhungrig und schaltet beim kleinsten Pedaldruck sofort runter und der Motor ermuntert mit aggressivem Jaulen zum Beschleunigen, was er auch recht eindrucksvoll tut, wenn man dem nachgibt. Immerhin ist der Nissan deutlich sparsamer als der Volvo, der bei gleichem Verkehr 15 Liter geschluckt hat. Auch die Käufer des Volvo (Schwester Nr. 4 von Frau) klagen jetzt über hohen Verbrauch. So ein 245 PS-SUV ist eben doch kein Sparmobil.

Wieviel Spaß das Autofahren in Taipei macht muss jeder selber wissen. Am meisten vielleicht beim Kauf eines Lederüberzugs für das etwas harte Lenkrad. Junior wollte mich noch am Foto hindern und erwähnte die gerade den Volantüberzug aussuchende Mutter. Ich muss ihm noch mal erklären, dass das Recht der Blogleser auf wirklichkeitsgetreue Abbildung von Taiwan natürlich vorgeht.

Hier sollten hilfsbereite Bignoses sofort als mobiles Rollkommando zur Tat und Hilfe schreiten!


Ich vermisse im 14. Jahr Taiwan den Mitsubishi SUV meines Vaters, der jetzt einsam in einer niedersächsischen Kleinstadt in der Garage steht und auf den dortigen Straßen weniger als 9 Liter verbraucht hat. Auf den fast ausgestorbenen Straßen Niedersachsens.
Wie lange ich das hier alles noch angucken muss oder will? Wir werden sehen.