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Donnerstag, September 30, 2021

Wie wichtig sind tragende Wände? (Update 2)

 Unserem Miet-Bunker ist eine tragende Wand verlustig gegangen im Ergeschoss, weil da ein Seven-Eleven mehr Platz braucht. Ludigel ist in Sorge, ich kann es nicht leugnen.


Nun kann man im vorherigen Blogartikel sehen, dass ich mir göttlichen Beistand ins Haus geholt habe. Aber abgesehen davon bin ich schon ein Fan von der Erhaltung tragender Wände. Gerade in Mietshäusern mit 8 Stockwerken im Erdgeschoss. Aber die Taiwaner, die unten die sehr gute KFZ-Werkstatt rausgeekelt haben und parallel die daneben gelegene schon länger geschlossene Apotheke übernehmen wollen, bewerten tragende Wände wohl weniger gewichtig.


Oben sieht man ein simples italenisches Restaurant links in der Ecke und rechts daneben den Eingang zu unserem Mietbunker. Rechts die weißen Torpappen zeigen, wo vorher die Apotheke (Bildmitte) und die KFZ-Werkstatt waren. Letztere hat es endlich geschafft, unseren 2017er Nissan March/Micra von seinen Motorvibrationen und Rattern zu heilen und den Benzinverbrauch von 10-15 auf 8-9 Liter auf 100 km zu senken. Doch dann hat jemand Interesse bekundet, beide Ladengeschäfte durch einen der zahllosen Seven-Eleven Convenience-Stores zu ersetzen. Schließich ist der nächste hundert Meter entfernt. Eine weite Strecke für Taiwaner. Sorgenvoll musterten wir die Tage die Bauarbeiten und fragten die Bauarbeiter, ob sie denn vorhätten, die Wand zwischen beiden Geschäften herauszunehmen. Nein, sagte der ältere Herr auf der Leiter. Die sei eine tragende und müsse daher drin bleiben. Dann waren sie damit beschäftigt, sich zentimetertief in den Boden zu graben, obwohl direkt darunter das B1-Parkdeck ist und unser roter Nissan March genau dort parkt, wo früher die KFZ-Werkstatt drüber war. Dat hat die Gas- und Wasserrohre auf dem Parkdeck so in Vibration versetzt, dass sie mittlerweile lecken. 

Aber der Clou kam gestern, als wir sahen, dass die tragende Wand praktisch vollständig herausgenommen wurde. Die tief ins Gebäude führende Wand ist bis auf einen kleinen Rest oben und an den Seiten komplett entfernt, damit beide Geschäfte künftig eins sind. Wir haben einstweilen einen Aushang gemacht, der den Mieter-Vorsitzenden (so einen gibt es immer in Taiwan) freundlich auffordert, die Baustabilität zu prüfen. Gerade in Hinblick auf die zahlreichen Erdbeben. Der Aushang wurde sofort entfernt, aber wir haben auch noch sämliche anderen Mieter angeschrieben. Wir wissen leider nicht, wer der neue Chairman der Mieter ist, denn der letzte war der Apotheker, der jetzt nicht mehr als solcher tätig ist. 

Nun warten wir gespannt, was schneller ist. Die Reaktion oder das nächste Erdbeben. Gott sei Dank wohnen wir im anderen Flügel links, aber spannend wird es trotzdem. Mag natürlich sein, dass alles baupolizeilich abgesegnet ist. Oder eben nicht. Die Spannung bleibt...

UPDATE: Mittlerweile hat die Baufirma per Aushang nachgewiesen, dass sie eine behördliche Genehmigung haben und offenbar eine Verstärkung der Restwand durchgeführt haben. Es wirkt subjektiv nicht stabil, mit diesem riesigen Leerraum, wo vorher Wand war und auch im Parkdeck darunter entweder Wand oder Säule ist. Aber dann muss man das so akzeptieren.

Jetzt tropfen die beschädigten Wasserrohre gemütlich ins Fundament. Aber seufz. Don't think too much. Eistee und Teeeier zu verkaufen ist wichtiger.

UPDATE 2: Als man neulich wieder in die Baustelle hineinsehen konnte, fiel mir auf, dass da zwei neu aussehende, noch unverputzte Betonsäulen mitten im Geschäft standen. Die sind etwa da, wo unten drunter im Parkdeck Wand bzw. ebenfalls eine Säule ist. Haben wir das mit unserer Nachforschung ausgelöst? Mir scheint, die sind nachträglich eingebaut worden. Wenn ja, kann es nicht geschadet haben. Denn wie heißt es in dem alten Wikingerlied: "Und der Rollo dreht und dreht um den Stützbalken. Ja wo dreht er denn hin der Rollo? Der Stützbaaaaaaaaalken....". So jedenfalls hat es ein Kumpel in früheren Jugendzeiten in der Kneipe öfter mal gesungen. Ein Niveau, das in etwa dem taiwanischen Sicherheitsdenken entspricht, könnte ich naseweis und ausländerzynisch anfügen. Lassen wir das Thema Stützbalken damit hier abgearbeitet sein.

Ah, das mit Rollo scheint ein Torfrock-Song zu sein.

Mittwoch, Mai 02, 2018

Umweltverschmutzung in Taipei - mit Karte

Wie stinkt es in Taipei? Noch Toyota Aygo, fabrikneu ohne Kat oder eher Nissan March Bj. 1981 mit grau-blauer-Fahne? 

Subjektiv riecht die Luft in Taiwans Hauptstadt Taipei zwischen Ascheneimer und -Kfz-Werkstatt bei aufgedrehtem Motor zwecks richtiger Einstellung. Man sitzt im Park, löffelt ein Eis und es schmeckt nach Toyota.

Nach dieser Karte (Link: hier) bin ich heute morgen von einer gelben 70er - bis 80er-Zone in eine orange 100er-Zone gefahren. Von Taipei-NeiHu nach Taipei-Banciao/Jonghe. Letzteres wird auch gerne als "Achselhöhle Taiwans" bezeichnet von den ausländischen Residenten da. Letzte noch in Taiwan vorkommende Fabriken und unendliche Moped- und PKW-Staus in Plattenbau-Schlichthausgassen sind ein Markenzeichen dieser "Truely Asia"-Stadtteile. Oder eher "Truely China", wenn auch ohne V vor dem R der Republic of.

Klickt man auf Europa, wird man von grünen Markern in den 10ern nd 20ern förmlich erschlagen.

Persönlich habe ich in Taiwan immer Nebenhöhlenprobleme. Kannte ich sonst nur aus meiner Kindheit in den 70ern, als wir in Deutschland an der Hauptstraße wohnten und es damals in Zeiten vor dem Kat ähnlich gerochen hat wie heute in Taipei.

Hier stehen sogar die Häuser im Stau....

Auch wenn es ein weitgehend klarer Tag ist im Foto. Ich fotografiere eher nicht, wenn alles graue Suppe ist. Aber so schlimm wie in Peking ist es natürlich auch nicht.

Mittwoch, April 18, 2018

Asian Paradiso

Hat sogar einen Swimmingpool und viele leerstehende Geschäfte.


Dienstag, April 10, 2018

Würden Sie Ihre Kinder hier fallen lassen?

Ein EKZ mit vielen Kinder-Abenteuer-Anlagen in Taipei. Natürlich alles kostenpflichtig.

 Als ich die Kinder rechts im Klettergerüst rumklettern sah und mir vorstellte, dass eine ganze Schar davon plötzlich auf die anfangs senkrecht in die Tiefe gehende Rutsche drängt, da wurde mir schon mulmig. Junior wurde instruiert, sie einstweilen nicht zu benutzen.
Ich dachte: Bei uns in meiner niedersächsischen Kleinstadt wäre dass so ein Ding für Eltern, die unbedingt ein Zimmer für die Hannovermesse-Saison vermieten wollen, aber kein Zimmer frei haben. Wenn Sie verstehen was ich meine.

Später bekam Junior doch die Erlaubnis. Die Rutsche wurde von einem Mitarbeiter betrieben, der die Kinder in einen Sack steckte und sie mit bloßen Händen ein Stück weit herunter ließ, so dass sie mit den Füßen schon die senkrechte Phase der Rutsche überwunden hatten und dann gerade in die Schräge kamen. Meine Sorge war gewesen, dass die Kinder allein rutschend sonst schief fallen würden und am Ende mit dem Kopf gegen die Seitenwände kämen, was auch bei Polsterung ziemlich viel Kraft auf empfindliche Kinderhälse ausüben würde.

So ging es gut. Trotzdem ist es irgendwo so eine Sache die solange okay ist, wie dem Operateur nicht mal ein Kind entgleitet und es schräg heruntertrudelt und am Ende doch mit dem Kopf gegen die Seite schlägt. Immer trockene Hände wünscht man dem Operateur.

 Dann doch lieber mit der Enterprise (nicht Challenger) ins All in einem anderen EKZ.

Dienstag, Mai 24, 2016

Nutzloser Bürgermeister

Ko Wen-je, einstiger hoffnungsvoller Newcomer, hat sich eine schöne Beschäftigungstherapie gefunden

Als der von der Taiwan-Unabhängigkeitspartei DPP unterstützte unabhängige Kandidat Ko 2014 Bürgermeister von Taipei wurde, hat er wegen seiner unkonventionellen Art - er selbst sagt, er habe das Asperger-Syndrom - viele Hoffnungen auf sich gezogen. Mit der Korruption der KMT wollte er aufräumen und Verkehrsprobleme lösen.

Der Verkehr ist natürlich immer noch so wie vorher, die KMT genauso sehr oder wenig korrupt wie sie schon immer war. Im Gedächtnis sind mir ein paar Dinge geblieben:

 Angefahrene Fußgängerin bei mir um die Ecke. Vor, während und nach Bürgermeister Ko das selbe wie immer


- Der unwichtige, aber sinnfreie Eklat mit einem britischen Regierungsmitglied, das ihm eine Tischuhr schenken wollte und Ko in ihrem Beisein erklärte, er könne sie an einen Schrotthändler geben. Schon klar, man soll "Chinesen" keine Uhren schenken, weil sie sonst rot anlaufen und sich beleidigt fühlen. Es sei denn man ist in Peking und es ist eine schweizer Nobel-Armbanduhr. Ko war sehr rot angelaufen.

- Die Leihfahrräder Taipeis sind etwas teurer geworden. Mir egal, ihre Benutzung ist eh lebensgefährlich.

- Jetzt wird das Benutzen der MRT (Metro/U-Bahn/Schwebebahn) teurer, weil die Ermäßigung auf die sog. "Jojo"-Karte (eine mit Geld betankbare Karte) wegfällt oder wegfallen soll.

- Ko ist in einem Endlosdisput um den Bau des "Taipei-Dome" mit der Baugesellschaft verstrickt, an der er ein Exempel wegen Korruptionsbekämpfung statuieren will und wo es nie vor oder zurück geht. Die aktuelle Pressemeldung (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2016/05/24/2003646980) liest sich wie eine im Jahre 2014.

Hier ist eine Liste, was man in Taipei tun sollte. Aber das wird Ko alles NICHT machen.

* Tempo 30 vor Schulen einführen und kontrollieren.

* Enge Wohnstraßen mit spielstraßenähnlichen Konstrukten versehen oder wenigstens überall in engen Wohnstraßen Tempo 20 oder 30 einführen und kontrollieren

* Wenigstens bei Neubauten Autos in Tiefgaragen o.ä. verbannen und für mehr Bürgersteige sorgen, die es oft ja gar nicht gibt.

* Park- and Ride vor den Toren der Stadt anbieten, auch als PKW-Verwahrplatz für die Städter und die zusgeparkten bürgersteiglosen Gassen mit breiten gesicherten Fußwegen versehen.

* Für einen Katalysator plädieren oder für (aus Sicherheitsgründen nicht geräuschfreie) E-Motorroller statt der ewig stinkenden Zweitakter

* Dafür sorgen dass Manna und Bratwurst vom Himmel fallen

All das wird er sicher nicht machen sondern nur ein verkniffenes Gesicht weiter in die Kamera halten und vom Taipei-Dome schwadronieren.


Dienstag, April 19, 2016

Automobiles... und ein Denkverbot über Statik

An manche Dinge darf man in Taiwan nicht mal denken. Oder nicht mal hinsehen.

Physiker wissen, dass man ein Experiment beeinflusst, indem man es beobachtet. Was irgendwie mit Katzen in Kisten zu tun hat und einer Zyankalikapsel, die mit dem Deckel verbunden ist. Nein, ich habe keine "psychischen Probleme" - wie Leser mir manchmal attestieren, wenn sie Artikel nicht ganz durchschauen. Googeln Sie mal nach "Schroedingers Katze". Genau dieses Beobachten irgendwie instabiler Zustände macht Taiwan so gefährlich. Unvergessen, als ich 2004 hier sah, wie ein Wasserfall bei Starkregen aus einer eingeschalteten Deckenlampe kam und nichts weiter passierte. Besser, man sieht nicht hin, sonst löst sich alles in Funkenregen und Stromschlag auf.


Oder als ich neulich sah, wie bei uns in NeiHu (Stadtteil von Taipei) jemand eine Kerze in den offenen Motorraum gestellt hatte, um ihn spätabends bei der Reparatur zu beleuchten. "Intelligenter Mann", dachte ich noch. "Spart Strom". Doch dann musste mein teutonischer Verstand sofort an die Brandgefahr denken und in der selben Sekunde fing der Motorraum Feuer. Schien den Mann aber nicht aufzuregen, er griff routiniert zum Feuerlöscher und löschte sein brennendes Auto. Waren ja nur ein paar Flammen auf dem Motorblock, nicht so wild. Mein Fehler: Ich hatte nicht nur hingesehen, sondern auch noch drüber nachgedacht.
Und hier oben die E-Klasse* (in der seltenen Taxiversion, sind sonst alles Toyotas) auf dem Wächterhäuschen eines Schrottplatzes? Nun, oft macht man da wegen der Hitze ein zweites Blechdach drüber oder desgleichen. Und eine E-Klasse ist nun mal aus Blech. "Nicht drüber nachdenken", kommt immer immer in den Sinn, wenn ich wieder mal wegen der roten Ampel an der Kreuzung zu unserem Volvo-Händler anhalten muss neben dem fliegenden Benz. Auch nicht darüber nachdenken, was ein Erdbeben hier an Masseschwingung auslösen könnte. Erdbeben hat man ja laufend in Taiwan.

Augen lieber auf die neuen Volvos, gleich vor dem Netz eines asiatischen Golfplatzes, wo die Leute auf drei Etagen in kleinen Boxen stehen und Golfbälle sinnlos auf einen von selbigen übersäten Platz dreschen. "Was machen die da bloß?",  fragte meine Frau, als wir an der Ampel dort halten mussten (wegen dem Mercedes fragt sie nie). "Bist Du wirklich Asiatin?", hätte ich fast gefragt.

Nicht ablenken lassen darf man sich auch von kleinen orange oder rosa-weiß farbenen Dingen, wenn man in Taipeis Einkaufsmeilen eine Querstraße passiert. Aus dem Sichtschutz der Unterwäschesäule kann plötzlich ein mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve rasendes Auto kommen, dass einen schlichtweg überfahren würde, wenn man nicht als Fußgänger auf Draht ist, so wie es mir und Frau und Junior fast neulich passiert wäre. Der Fahrer des schicken 5er-BMWs hatte die teutonisch-perfekte Fahrwerksauslegung fast zum Nachteil von zwei anderen Teutonen und der taiwanischen Frau und Mutter bis in den Grenzbereich ausgenutzt. Taiwanischer Wahnsinn und teutonische Ingenieurskunst in unheilvoller Kombination.

Apropos Wahnsinn. Auch Ludigels Schlichtwohnung im von Frau bevorzugtem Schlichtwohnviertel hat manchmal merkwürdige Ansichten zu bieten. Juniors Elektro-New Beetle hat dazu geführt, dass er in der engen Wohnung schon rangieren kann mit 4 wie ein Profi-Autofahrer - auch wenn wir ihm zur räumlichen Entlastung noch ein Elektro-Dreirad gekauft haben. Man muss aufpassen, wenn er damit ohne zu gucken um die Ecken der Wohnung düst. Früh übt sich, wer am taiwanischen Straßenirrsinn teilnehmen will.

Man sieht es nicht gleich, aber oben im Bild steht ein weißer Bentley vor einer hinter der Mauer versteckten Autowäsche oder Autowerkstatt, die sich laut Schild "Big Man" nennt. Gleich hinter der Kurve mit dem alten Mercedes vom ersten Bild. Dort stehen immer Porsches und Bentleys und so ein Zeug herum und die Kunden schlürfen Saft an Schirmtischen, während die Karre poliert. Der Trend zur Bonzenkarre hält an. Als ich früher in der Parkgarage des Restaurants "Cha for Tea" meinen Nissan parkte, waren da noch nicht so viele Nobelkarossen. Letztlich aber parkte ich meinen Volvo (der den Nissan nach Wunsch von Frau ersetzt hat) neben einem Maserati und wunderte mich über die Dichte an Porsche (Cayenne), Mercedes und Lexus. Haben die die Preise erhöht in dem Schuppen? Oder reduziert, so dass die Leute mehr Geld fürs Auto über haben.

Wie dem auch sei, seinen Sie vorsichtig da draußen im Verkehr - bei feuchtem Wetter fliegen die E-Klassen wieder tief etc. pp.


* Aka W124, anfangs hieß die Reihe ja auch noch gar nicht E-Klasse

Donnerstag, März 31, 2016

Lieber Herrgott, Danke


dass ich nicht der da bin. Der kleine Mann, der da links neben mir auf dem Bürgersteig steht, 1.50m groß zu seinem Vorteil gerechnet. Mit kurzen Hosen und einen orangenen Kasten mit Papierschildern schiebt. Mich unfreundlich anstarrt, wo ich an der Fußgängerampel stehe. Und zu dem anderen Herrn mit Halbglatze und Gnubbelnase irgendwas von "Adogah" (Bignose/Langnase) sagt, der dann zu mir rübergrinst und dem kleinen Mann einen verschwörerischen Blick zu wirft.  Und danke, dass ich der auch nicht bin. Hätte ja alles passieren können.
So gesehen fängt der Tag im Industrieviertel in Taipei wunderbar an. Und Guten Morgen, liebes Taipei. Ja Du, da unter dem Hundekot, dem Betelnusspriem und der undefinierbaren Smogwolke. Guten Morgen Du weltgewandte Metropolis, Du moderne Großstadt im 21. Jahrhundert.
Kicher.

Montag, Juni 01, 2015

Achtjährige auf Schultoilette von Geisteskrankem ermordet / Dreijähriger überfahren (Update)

Ein sinnloser Mord an einem Schulkind erschüttert Taiwan dies Wochenende

Zur Berichterstattung aus einem Land gehört meiner Ansicht nach auch zu schreiben, was denn die Leute in diesem Land gerade bewegt. Dieses Wochenende ist es sicherlich der schreckliche Mord an einem 8jährigen Schulmädchen gewesen. Ein offenbar geistesgestörter Mann, 29 Jahre (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/05/31/2003619557 ist in der Unterrichtszeit in die Wenhua Elementary School in Taipei-Beitou eingedrungen und sich offensichtlich nach einem einsamen Kind umgesehen. Er traf auf der Toilette auf eine Achtjährige, die gerade das WC aufgesuchte und ermordete diese durch einen Schnitt in ihrem Halsbereich. Das sterbende Kind wurde später gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden, der Täter ist im Gewahrsam und hat gestanden.
Es sei daran erinnert, dass es Kindermorde in jedem Land gibt und daher sind auch Reflexreaktionen, die man als Ausländer hat, in diesem Zusammenhang ziemlich sinnlos. Schnell will man die nervöse Enge Taipeis, die langen Arbeitstage und merkwürdige Verhaltensweisen der Leute um einen herum zitieren. Auch im Team auf der Arbeit hatten wir wieder einen wirr auftretenden Menschen, der bei seiner Kündigung durch meine Frau anfing herum zu schimpfen, zu weinen und dann dramatisch vor ihr auf die Knie fiel, als sei er in einem dieser TV-Dramen, die den ganzen Tag im Taiwan-TV laufen. Andererseits haben solche Dinge eigentlich keine Aussagekraft und es bleibt dabei, dass solche Dinge, die einem als Vater das Blut gefrieren lassen, eben in jedem Land vorkommen.

Mich schockierte ein weiterer Fall, in dem am 30. Mai ein 3-jähriger Junge zu Tode kam. Nach der grafischen Rekonstruktion, die im TV zu sehen war, war ein Auto am Linksabbiegen und wartete korrekt darauf, dass der Geradeausverkehr vorbei fahren kann. Leider nahm der Linksabbieger dabei dem geradeaus fahrenden Fahrzeug die Sicht und hinter dem Linksabbieger wartete eine Familie (offenbar Mutter mit Kinderwagen, einem weiteren etwas älteren Sohn und dem Dreijährigen) darauf, an einem der in Taipei gänzlich bedeutungslosen Fußgängerüberwege die Straße überqueren zu können. Leider tastete sich der Dreijährige dabei offenbar langsam vor, so dass er am Ende vor dem Linksabbieger auf der Fahrbahn stand und vom schnell vorbei fahrenden Geradeausfahrzeug tödlich erfasst wurde. Schon mit nur meinem Sohn (3) an der Hand steht mir in Taipeis aggressivem Straßenverkehr (ich weiß nicht wo der Unfall war), in dem Fußgänger die totalen Underdogs sind, oft der Schweiß auf der Stirn. Mit einem Dreijährigen, einem etwa Achtjährigen und einem Kinderwagen unterwegs zu sein, erscheint mit auf den schmalen bürgersteiglosen Straßen mit "Gaspedal-König Toyota", den "Blue-Truck"-Henkern und Taxi-Wahnsinningen erhrlich gesagt als unauflösbarer Horror.

UPDATE: Als Reaktion auf den Mord an dem Schulmädchen wird die Europäische Schule Taipei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken.

Mittwoch, April 29, 2015

Taipei-NeiHu, Schatten

Ein paar Eindrücke aus der Nachbarschaft. 

In der letzten Zeit hatte das Blog viel negatives. Unfälle aus der Presse und kleiner und mittlerer Alltagsärger geben dem mit Taiwan nicht vertrauten Leser schnell ein negatives Bild vom Land. Positive Beiträge sind auch deswegen unterblieben, weil wieder mal mein Magen grummelte. Letzteres waren allergische Symptome auf irgendetwas reagierend was die Firmenkantine verkocht. Insbesondere Öliges führt bei mir schnell zu Magenbeschwerden und mittlerweile sogar Brechreiz. Ob das daran liegt, dass immer noch das Tierkadaver-Östrogen-Verhütungsmittel-Psychopharmaka - Speiseöl aus dem letzten Kochskandal verwendet wird? Ich weiß es nicht. Brot und Obst trugen zu meiner Genesung bei und daher will ich schnell ein paar nette Bilder posten, bevor das nächste Gift im taiwanischen Essen mich wieder erwischt hat. Und ja, für mich allein wäre die Lebensmittelsituation in Taiwan Grund zum sofortigen Wegzug, aber so einfach ist das halt nicht mit Junior und taiwankoheränter Frau, die alle Lebensmittelskandale trotz eigener Magenbeschwerden für Ausländerenbildung hält.

Sonntägliches Entspannen im Keelung-Riverpark in Taipei-NeiHu. Hier kann man unter dem Baum plastiniertes Essen zu sich nehmen und Eistee aus der Plastikflasche, der taiwantypisch auch Kunststoff (eben DEHP, Flüssigkunststoff) enthält. Halt stopp, es sollte ein positiver Beitrag werden.

Auch das wenig hübsche Taipei-Zhonghe (Jonghe, Jhonghe, Chungho,....) wird zwar nicht hübscher, aber dafür weniger hässlich. Statt dem Parkplatz gab es hier früher eine verfallende rostige Wellblechfabrik, so sieht das viel hübscher aus. Park und Bäume stehen auch auf dem alten Fabrikgelände, sind aber nicht im Bild.

Rechts daneben verschönern "Pierre" und whats-his-name auch nicht gerade die Landschaft finde ich. Na ja, Ansichtssache.

So recht klappt es mit dem positiven Spin des Artikels auch wieder nicht. Wahrscheinlich, weil ich die nächsten Magenprobleme schon wieder antizipiere. Selbst Brote belegen ist in Taiwan in der Tat die Lösung, da weiß man was man hat. Apropo H, hier ist eine andere Methode zur Verschönerung der immer noch dominierenden Schlichtwohnungen in Taipei, einfach ein weißes Auto davor parken.

In wenigen Jahren wird das auch nicht mehr stehen, man sieht überall wie hier ganz in der Nähe, wie große Wohnhäuser (oder auch Bürohäuser) die alte Schlichtarchitektur verdrängen. Dabei hat dies Haus in der Mitte ja sogar ein paar architektonische Akzente. Solche Wohntürme wie die noch blau verpackten hier haben meist eine neoklassizistische Fassade, die immer ein bisschen an Stalins Zuckerbäckerstil erinnert und eine schlossähnliche Empfangshalle. Teurer wird der Wohnraum dann wohl werden. Die Bauprojekte nennen sich teilweise "Frence Hotel", was "French Hotel" werden sollte - auch wenn es gar kein Hotel wird - und wohl vornehm klingen soll. Oder auch Paris Palace oder Glory Garden oder Luxus Villa oder wie auch immer.

Jetzt hat mir der bittere, sämige Brei, den die Taiwaner für frischen Kaffee halten, wieder die Laune und halb den Magen verdorben. Also weg mit dem Zeug und schnell ein Foto von schattigen Bäumen ganz in der Nähe von meiner Wohnung gezeigt. Ohne abschließende sarkastische Bemerkung.

***

Und ein interessanter Link zum Thema Nahrungsmittelsicherheit, der hervorhebt, dass die jüngst gefundenen Verunreinigungen oft schon seit Jahrzehnten im Essen in Taiwan sind. Interessant auch der erwähnte Umstand, dass 2/3 aller Nahrungsmittel-"Provider" in Taiwan (das schließt Garküchen und Speiseölhersteller etc. ein) illegal und nicht überwacht arbeiten.

Montag, April 13, 2015

Horrorunfall auf Schwebebahn-Baustelle (Update)

Am Wochenende war ganz Taiwan geschockt. Ein riesiger Längsträger der in Taichung neu (aus)gebauten Schwebebahn ist auf einen PKW gestürzt

Öfter schon habe ich im Blog den Ausbau von Taipeis S-Bahn dokumentiert. Sie existiert entweder als U-Bahn oder als Schwebebahn, je nach Linie und heißt hier in Taipei immer MRT. In Taichung gibt es offensichtlich ein Äquivalent. Der Ausbau solcher Linien ist sehr wertvoll für Taipei und sicher auch Taichung, denn große Städte in Taiwan stecken in einem entsetzlichen Verkehrsinfarkt zur Rushhour fest. Und ja, es gibt auch Städte in Taiwan, die nicht mit Tai anfangen.


Hier im Bild ist die im Bau befindliche Schwebebahn in Taipei-Zhonghe (Jonghe) zu sehen. Die Konstruktion in Taichung sieht etwa genauso aus. Vor dem Bau der MRT (in den 90ern) hat die Luft in Taipei noch "in den Augen gebissen", schrieb einmal ein Expatveteran im Ausländerforum. Weil noch mehr Individualverkehr war. Also ich vor 10 Jahren kam, also 2004, war die Luft noch stark versmogt, ist heute aber schon deutlich besser. Wertvoll ist der Schwebebahnausbau also (hier durch eine blau gefärbte Fensterscheibe gesehen).

Diesen Freitag gab es um 17 Uhr im mitteltaiwanischen Taichung (Taizhong) jedoch einen schrecklichen Unfall. Der obere Längsträger, rechts mittig im Bild hier ein Gegenstück, ist während des Einsetzens herunter gekracht. Deutlich sieht man in einem im TV gezeigten (PKW-) Dashcam-Video den befestigten Kran schwanken. Das schreckliche Ding, das wohl über 200 oder gar über 2000 Tonnen schwer ist (widersprüchliche Info) kracht mitten in eine zugestaute Baustelle, denn Verkehr inklusive unzählige PKWs und sogar Omnibusse geht wie übrigens auch hier in Taipei ständig durch die Baustelle. Ein SUV mit einer Fahrerin in den 40ern wird völlig zerstört, die Fahrerin war wohl sofort tot und hinterlässt zwei kleine Kinder.

  Auch hier im Bild ist links die MRT-Konstruktion in Taipei zu sehen. Eigentlich habe ich dies Foto hier in Taipei-Zhonghe gemacht um einmal eine Horrorkreuzung zu zeigen, an der ich schon zwei Unfälle gesehen habe, während sie stattfanden. Sowohl die PKWs der Straße in der Bildmitte hinten (unter dem roten Werbeschild) und PKWs die aus der Straße von links kommen (siehe Fahrbahnpfeil links über Motorroller) haben hier nämlich gleichzeitig Grün! Die gelben Verkehrsinseln zur Warnung sind erst kürzlich angelegt worden, um die Situation etwas zu entschärfen. Eine sehr gefährliche Ecke war das immer.

Im Falle des Unfalls in Taichung sind Regeln nicht eingehalten worden. Arbeiten wie diese hätten nur zwischen 23.30 und 5.00 Uhr stattfinden dürfen. In dem herabstürzenden Träger befanden sich 7 Arbeiter, von denen 4 bereits ihren Verletzungen erlegen sind.


Update: Als ich noch in Taoyuan gewohnt habe, stand ich einmal zu nächtlicher Stunde im Stau und einer nervigen weiträumigen Umleitung, weil da gerade ein Schwebebahnbalken der Taipei-MRT (die bis Taoyuan ausgebaut wird) eingefügt wurde. Eigentlich muss so ein Einbau 3 Tage vorher angemeldet werden und dann sperrt die Polizei weiträumig ab. So war es jedenfalls in Taoyuan. Es war eindrucksvoll damals den Einbau des riesigen Querbalkens zu beobachten. Irgendwie gibt es aber auch den Trend zu größerer Laxheit in Taiwan. Schwerlastfahrzeuge mit Überbreite und Kranausleger hatten noch vor wenigen Jahren Begleitfahrzeuge mit Warnlicht um sich. Heute eiern sie einfach so durch den Verkehr...
 

Montag, März 09, 2015

Voll...

Taipei hat sich in den letzten Jahren begrünt und verschönt, aber es wirkt doch immer noch ziemlich vollgestopft.

Mit Lichblicken natürlich. Wie der Tür ins Grüne.

(Gerätehäuschen). Oder dem lokalen Forst.

Wieder Sony Alpha 230, Sony SAL 2,8/28mm

Freitag, März 06, 2015

Vorsicht, hinter Dir!

Aber es ist nur der Eingang zu einer Metro-Station

Ich war schon einmal an dieser Metro-Station vorbei gekommen, irgendwo in Taipei und hatte mich geärgert, dass ich keine Kamera dabei hatte. Diesmal hatte ich die kleine leichte Sony A230 mitgekommen. Die alte DSLR mit nur 10 Megapixel hatte ich ja eigentlich nur als Backup für meine Vollformat-DSLR A850 gekauft, für den Fall dass sie noch einmal ein technisches K.O. haben sollte wie unlängst in Manila. Doch die kompakte und leichte Kamera bietet sich einmal an, sie mal eben überall mit hin zu nehmen und verschwand auf dieser Tour einfach in einer Gürteltasche a la "Dom Rep"-Tourist. Mit nur 350g oder dergleichen stört sie gar nicht.

Drauf habe ich mein Vollformat-Weitwinkel Sony SAL 2.8/28mm, das an der APS-C - formatigen Kamera zum effektiven 42mm-Objektiv mutiert (im Kleinbild/Vollformat-Maßstab). Das ist eine ziemlich ideale Brennweite zwischen Weitwinkel und Normalobjektiv und hat sich für Schnappschüsse und Hausfotografien in der Stadt sehr bewährt, von denen ich eine ganze Anzahl habe. Die kleine leichte neue Sony wird wohl immer öfter mitkommen, während die schwere Vollformatkamera daheim im Schrank bleibt. Denn sie um den Hals zu haben mit 1 kg Gewicht und mit Junior (3 Jahre) zu hantieren ist einfach zu nervig. Auch verstaut man das große Ding eben nicht mal so eben irgendwo im Gegensatz zur kleinen Schwester.

Zurück zum Bild: Wieso hier so ein martialisches Mosaik an einer zivilen Metrostation angebracht ist verblüfft zunächst. Aber die Lösung ist wohl ein dahinter liegendes Kasernengelände. Offenbar wollte sich das Militär der Republik China alias Taiwan hier an dem belebten Metroeingang in Szene setzen. Es ist gelungen! Zufall: Die zufällig im Bild stehende junge Dame trägt tatsächlich ein Uhrenarmband in den Nationalfarben der Republik China (Rot-weiß-blau) und Minnie Maus auf dem Oberteil hält sich die Augen zu, als wolle sie den Hintergrund kommentieren. Aber gestellt ist das Bild nicht. Die Details erkennt man auch nur in der Ausschnittvergrößerung.

Passend dazu: Das Militär "Taiwans" will sich selbst und seinen Beitrag zum Ende des Zweiten Weltkriegs feiern und sich offenbar als siegreich über die Japaner darstellen: http://focustaiwan.tw/news/aipl/201503030016.aspx
Das ist ein höchst verwirrender Standpunkt, immer hin war Taiwan von 1895 bis 1945 japanische Kolonie und taiwanische Soldaten haben mir japanischen Familiennamen versehen in japanischen Uniformen als reguläre japanische Truppen aktiv auf der japanischen Seite am Zweiten Weltkrieg teilgenommen, jeder kann das schnell ergoogeln. Im Jahre 1945 bekamen dann die schon vor den USA kapituliert habenden japanischen Truppen auf Taiwan von den USA den Befehl, sich Chiang Kai Shek und seinen vom Festland flüchtenden Truppen zu ergeben, auf dass Chiang künftig Taiwan kontrollieren solle. Was er auch getan hat. Meine Frau hat allerdings diese japanische Übergabe an Chiang und die aus China geflüchtete KMT-Regierung als militärischen Sieg der Truppen Chiangs über die Japaner auf der Schule gelernt, damals in den 60ern und 70ern. Diese Sichtweise steckt wohl hinter der Feier.

Dienstag, Februar 10, 2015

Taipei Songshan Airport: Wie dicht dran ist die Stadt wirklich?

Eindrücke vom Innenstadtflughafen Taipeis, passend zur Diskussion, ob er nach dem letzten Flugzeugabsturz nun auf Land verlegt werden soll oder nicht

Nach dem Flugzeugabsturz einer Trans Asia Airlines - Maschine, der zum Tod von mind. 25 Menschen geführt hat (siehe Link oben, sehr spektakuläre von einer PKW-Dashcam aufgezeichnete Bilder hier) wird diskutiert, ob der Innenstadtflughafens Taipeis geschlossen oder verlegt werden soll. Bis Anfang der 90er war er ja der einzige internationale Flughafen Taiwans, dann wurde er zu Gunsten des damals neuen "CKS"-Airports Taoyuan (der mittlerweile sein vom Exdiktator Chiang Kai Shek abgeleitetes Namenskürzel verloren hat) zum reinen Binnenlandairport. Aus dieser Zeit kenne ich ihn gut, mit dem Charme eines Provinzbahnhofs stieg man hier direkt auf dem Flugfeld in kleine Maschinen und konnte nach Südtaiwan oder auf ein Inselchen fliegen. Doch unter dem prochinesischen Präsidenten Ma (dem man sowieso immer gerne die Schuld an allem gibt) wurde der Airport zum zweiten internationalen Airport ausgebaut - ich selbst bin da neulich nach Japan geflogen mit einer ziemlich "dicken" Maschine.

Abendlicher Blick auf den Airport, dessen Hallen links liegen. Hinter der roten Mauer geht die Startbahn zu Ende. Mir im Rücken ist gleich die Stadt und dann alsbald auch meine Wohnung, was so ähnlich aussieht wie rechts im Bild. Im Hintergrund sieht man das Taipei Grand Hotel im Stil eines chinesischen Tempels. Rechts vor den Häusern ist wieder der Fluss (der macht hier eine Kurve) und der Highway 1. Gegen eine solche Hochbrücke ist auch der Flieger geflogen (muss der Highway 1 gewesen sein oder eine Zufahrt davon). Den Unfallort müsste man in wenigen Kilometern (1 - 3 oder so) erreichen, wenn man dem Flussverlauf nach rechts folgen würde.
Hinweis: Wenn nicht ausdrücklich von einem Tele gesprochen wird, entsprechen die Aufnahmen etwa der "echten" Perspektive des menschlichen Auges, was Entfernungsrelationen angeht (mit 30mm / 42mm in KB-Äquivalent fotografiert).

Das Tele rückt allerdings hier in dieser Aufnahme alles noch näher zusammen. Aber wir reden ja auch von Flugzeugen und nicht von Fahrrädern, die Distanzen schnell überbrücken. Mahn ahnt beim betrachten des Bildes, dass für Fehler bei Start und Landung hier nicht viel Platz ist.

Gucke ich hier kurz hinter dem Ende des Rollfeldes nach rechts, sehe ich gleich große Bürohäuser von NeiHu und dem angrenzenden Distrikt. Gucke ich nach links...


... sehe ich gleich das Wahrzeichen der Stadt, Taipei 101 mit seinen 101 Stockwerken. Auch wenn es noch ein Stück weg ist.


Soll der Flughafen nun verlegt werden oder sollte man vielleicht überprüfen, ob "große Pötte" und ihre zugehörigen Flüge etwa nach Japan oder Korea wirklich auf den Songshan-Flughafen gehören?

Die verunglückte Maschine des Trans Asia - Flughes, hier wohl der gleiche Typ im Bild, war freilich ein Lokalflug auf die Insel Kinmen.

Mit dem Teleobjektiv (Foto unten) und seiner Eigenschaft nahes und fernes zusammenrücken zu lassen, lassen sich jedenfalls zumindest Landungen mit einer gewissen Dramatik versehen auf dem Innenstadtflughafen...

Braucht Taipei wirklich zwei internationale Flughäfen, das ist hier die Frage. Problematisch ist eben auch, was alles in der Nähe des Flughafens und auch des Unglücksortes liegt.
 Zu sehen waren bei meinem Parkspaziergang Boote mit heimkehrenden Rettungspersonal.

Ich habe mich jedoch absichtlich nicht zum Unglücksort begeben, wollte ich doch nur einen Parkspaziergang machen und Katastrophentourismus ist nicht so mein Ding. Der Flieger ist jedenfalls in dem breiten Staubecken des Keelung-Flusses abgestürzt. Durch dieses breite als Park ausgebaute Staubecken konnte der Pilot überhaupt den Crash in diverse Häuser oder Einkaufszentren vermeiden.


Der Flusspark lädt zum Verweilen, Ballspiel und sonstigen Aktivitäten ein. Ich wollte mir die ruhige Abendstimmung nicht durch einen Besuch der Unfallstelle verderben offengestanden, denn zu denken, dass so nah an dem oft von mir besuchten Park so viele Menschen gestorben sind ist doch ein depressiver Gedanke. Würde man sich hier weiter ins Bild bewegen, müsste man bald an der Unfallstelle sein.

 Beim Rückweg aus dem Park bemerkte ich noch, wie nah die gut ausgebaute Infrastruktur Taipeis hier an dem Unfallort liegt. Neue Bebauung, schicke neue Häuser und Einkaufszentren und die Hochbahnlinie, alles nur 20 min zu Fuß von meinem Standort entfernt.

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Hie wieder eine dieser asiatischen Golfanlagen, wo man einfach Bälle auf den Rasen kloppt aus einer Box heraus.

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... Gut, dass so ein großzügiges Staubecken für den Fluss geschaffen wurde, sonst würde all die Bebauung noch näher am Flughafen liegen.


Fototechnische Notiz:  Meine nur für einen Hunderter beim deutschen Ebay erstandene "Backup"- DSLR, eine alte 10 Megapixel Sony A230 verblüffte mich bei dem Spaziergang, wie leicht sie auch in Verbindung mit einem eigentlich schon ausrangierten Tamron LD Di 4-5.6/70-300 Telezoom (nur bei den typischen Teleaufnahmen benutzt) war. Von dem Duo aus APS-C-formatiger DSLR und auch leicht gebautem Telezoom konnte man an der Schulter kaum etwas merken. Das war ein wohltuender Kontrast zu meiner 1kg-schweren Vollformat - DSLR A850, die ich wegen des Gewichts jetzt immer mal zu Hause lasse. Das Telezoom liefert auch an der Fullframe eine zu unscharfe Qualität, während es an der A230 zu wesentlich besseren Ergebnissen führt (weil der bei dem Objektiv besonders unscharfe Bildrand wegfällt) und sogar zu einem Super-Telezoom mutiert durch den "Crop-Faktor" oder eben Telekonvertereffekt, den das kleinere Bildformat hat (die 70-300mm werden dann zu effektiven 105-450mm im Kleinbildäquivalent). Ungewohnt: Mein Sony SAL 2.8/28mm-Weitwinkel mutierte an der kleinen Sony effektiv zum effektiven 42mm - "Normalobjektiv". 



P.S.: Gerade gesehen, die gebraucht gekaufte Kamera (um mal kostengünstig zu testen ob ich noch eine APS-C neben der Fullframe haben will) hat doch Staub auf dem Sensorfeld, hatte ich bislang übersehen ;-) 
 

Dienstag, Februar 03, 2015

Interkulturelles Lehrbuch: Schenke "Chinesen" keine Uhren! (Update)

Es wirkt fast wie ein Witz...

Das ist eine der ersten Sachen, auf die einen "Kulturschock China" oder eben auch "Kulturschock Taiwan"-Literatur hinweist: Schenke niemals jemanden aus der chinesischen Kultur eine Uhr. Weil Uhren eben die Zeit "ablaufen lassen" und ein so beschenkter "Chinese" das Geschenk dann für einen Todeswunsch oder dergleichen hält. Taipeis neuer Bürgermeister Ko hat von der britischen Transportministerin eine Taschenuhr geschenkt bekommen .
Was sicherlich schon eine diplomatische Ungeschicklichkeit auf Seiten der Britin darstellt, wurde dann vom neuen Bürgermeister Taipeis mit einer nicht gerade weltgewandten Reaktion beantwortet. Ko gab gegenüber der Presse an, er könne die Uhr ja "weiterschenken oder zu einem Schrotthändler bringen und ihm gegen Bargeld verkaufen" (Link oben).

Auf den Faux-Pas der britischen Ministerin folgte eine tölpelhafte Reaktion des neuen Bürgermeisters der "Weltstadt" Taipei.

Der neue Bürgermeister Ko lächelt unterdessen immer in der Presse. Man merkt ihm an, dass er sehr glücklich ist Bürgermeister zu sein. Unterdessen hat er die Polizei angewiesen, Halte- und Parkversuche versuche an Roten Linien (die in Taiwan absolute Halteverbot signalisieren) zu ahnden. Ergo hatte ich Probleme am Wochenende Frau und Junior beim Kinderarzt bei Regen und Wind abzusetzen. Ein herumwedelnder Polizist kam schließlich angerast, während ich ihn einfach ignorierte, den armen Mann. Schließlich ist ganz Taipei voll von roten Linien und man kann sonst einfach nie irgendwo anhalten. Mag Ko hier auch gute verkehrspolitische Intentionen haben, so sendete er verkehrspolitisch gemischte Signale, als er die erste Gratis-Halbe(?)-Stunde für die überall in Taipei ausleihbaren städtischen Fahrräder abschafft hat. Herr Ko verspricht jedenfalls ganz unterhaltsam zu werden.

Was wird Bürgermeister Ko alles NICHT machen? Das Taiwanblog wagt eine Prognose:

1. Verkehrsberuhigung in bürgersteiglosen Wohnstraßen einführen
2. Tempo 30 vor Schulen vorschreiben lassen
3. Elektromopeds statt der ewig die Straßen vollstinkenden Zweitakter propagandieren

Was wird er vielleicht tun:

1. Einem deutschen Kulturattaché sagen, wo er sich seine Bratwurst hinstecken kann
2. Dem französischen Gesandten sagen, dass er keinen Bock auf die Einladung zum Festessen hat, weil er nicht ständig Cola saufen und Burger essen kann (machen ja alle Westler, wie der Taiwaner weiß)
3. Einen philippinischen Gesandten fragen, ob er ihm vielleicht seine Schwester als Dienstmädchen vermieten kann (hat man ja in Taiwan öfter, eine Philippina als Hausmädchen)

Das Taiwanblog ist gespannt und schwenkt derweil die K.O. - (ich meine "Ko")-Flagge...

UPDATE: Hier ist das Foto vom rot angelaufenen Ko mit der Uhr zu sehen: http://www.theguardian.com/world/2015/jan/27/british-minister-cultural-gaffe-taipei-mayor-taboo-watch. Und die Uhr im Detail: http://focustaiwan.tw/search/201501260032.aspx?q=Kramer
Der Artikel weist auch darauf hin, dass Ko kürzlich eine attraktive junge Politikerin der KMT-Partei mit "jung und hübsch und geeignet hinter einem Verkaufstresen im Kaufhaus zu stehen" beschrieben hat. Aha, der Frauenemanzipation will sich der Ko also auch noch annehmen ;-)

Das die vietnamesische Kultur der chinesischen überlegen ist und dass die Chinesen gefälligst Taiwan als eigenständige Demokratie anerkennen sollen hat er auch schon gesagt. Der Mann ist besser als jede Satire! Ein Spezialdiplomat, da besteht kein Zweifel.
Und Ko preist die Vorzüge der KOLONIALISIERUNG CHINAS: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/02/01/427907/Ko-blasted.htm Peking wird toben! Toben! Mann, der Mann ist wirklich gut. Nur wenn er eines Tages "Taiwans" Präsident wird, dann hört es auf lustig zu sein, wenn Peking die Sprengköpfe gen Taiwan schickt ;-)

Freitag, Januar 23, 2015

Ab in die Schule nach Bali (Update)

Was wird gelehrt auf Bali in Indonesien? Bestimmt viel spannende Sachen, schöne Hotels gibt es da auch, hier etwas merkwürdig in Szene gesetzt in alter Blogzeit (http://osttellerrand.blogspot.tw/2006/05/nightmare-under-foreign-sky.html). Doch von NeiHu, Taipei in Taiwan aus gesehen, liegt "Bali" auch viel näher. Man programmiert einfach das Navi vom Familienauto mit den hübschen chinesischen Schriftzeichen (was die Aufgabe von meiner Frau ist) und schon ist man in Bali, Taipei County (neuerdings New Taipei City genannt)...

 Fahrräder und ähnliche Gefährte kann man mieten und am Ufer lang fahren. Ankommen kann man auch mit dem Boot, über den Fluss aus dem Zentrum von Taipei denke ich mal. Aber die Regierung warnt vorm Benutzen des nichtlizensierten Bootes, sagte meine Frau. "Warum halten sie es denn dann nicht auf?", dachte ich mir. Aber gut, so viel teutonische Logik ist an einem schönen Wochenende am Osttellerrand der Weltscheibe einfach zu viel.

Besucht haben wir nicht ein Ausflugslokal, sondern eine Grundschule! Die hat sogar eine japanische Stele, die wir aber glatt irgendwo herumstehend übersehen haben.

Die Grundschule steht Besuchern offen, allerdings hatten alle irgendwie mindestens ein Kind als Alibi mit, sich die hübsche Umgebung anzusehen. Vielleicht könnten kinderlose ja einfach immer mal nach "ihrem" Kind rufen und so tun als suchen sie es, damit es nicht so auffiele. Wir hatten aber unseren Junior mit und zusammen mit Vater und Mutter ging es tapfer auf die Baumhäuser, die sich laut Schildern (auch Englisch) für Mutproben aboten.


In der Tat hatte man einen hübschen Ausblick von oben, auch wenn sich das Baumhaus bei Windböen etwas bewegte. Und die Bretter unter dem Schritt des Laowai Ludigel.


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Auch gefilmt wurde und wird hier immer wieder, verrät das Schild. Der taiwanische Schinken mit den beiden verliebten Cowboys ist hier aber nicht gefilmt oder? Wäre auch kaum Platz für die ganze Kuhherde.

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Kinder haben Spaß beim Klettern...

... und Papa Laowai unter ächzendem Gebälk ebenfalls.

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"Asiaten" die ihr Essen fotografieren, dass ist so ein Klischee.

Klare Luft ist, müffeliger Taipeismog ist weit weg.

Sollte jemand stürzen, wird der Fall sofort fachkundig untersucht!

Reichlich idyllisch sind Parkplatz und Schulhof, doch wie sieht nun die eigentliche Schule aus?

Auch nett....

Wenn auch die strenge Büste zu ordentlichem Herumrasen anhält.

Zwischen allerlei großen Tieren...

... ist auch Dr. Sun Yat-Sen zu finden, der im Prinzip der geistige Urvater der Republik China auf Taiwan ist. Oder ein halbseidener Gangster war, der nur zufällig gerade zur Hand war, als die Revolution in China anfing und der Kinderkaiser verjagt wurde, sagen andere. Mir ist es egal. In Taiwan wird er jedenfalls hoch verehrt. Jedenfalls im ethnisch eher chinesischen Taipei. Aber komplizierter wollen wir es jetzt nicht machen.

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Nun wissen Sie gewissermaßen auch wie eine taiwanische Grundschule aussieht. Obwohl längst nicht alle so toll sind wie die hier.

Der recherchierende Laowai stöbert natürlich überall herum...

... und landet schließlich...

... in der Bastelecke des Hausmeisters. Nichts bleibt dem Taiwanblog verborgen!

Idyllisch! Jedenfalls wenn man die bunte Plastikplane wegretouchiert ;-)

Update: Es handelt sich um eine normale öffentliche Schule, eine "Elementary School", also eine Grundschule mit Klassen 1-6. Schulgeld gibt es also nicht. Mehr Info über die Schule hier: http://www.taiwantoday.tw/ct.asp?xitem=118799&ctnode=428&mp=9

Taiwans Schulsystem generell liefert erstklassige Noten, fördert aber episches Auswendiglernen anstatt Kreativität. Auch in meiner Taiwanfamilie werden von den Kleinen immer wieder episch Gedichte rezitiert, bis zu 30 Minuten lang. Teils unter Tränen. http://en.wikipedia.org/wiki/Education_in_Taiwan

Fototechnisch: Neben einer Sony A850 Fullframe DSLR kamen ein gebrauchtes 50-Euro Minolta AF 3.5-4.5/28-105mm zum Einsatz, für die Weitwinkelschüsse ein Cosina (Soligor) 3.5-4.5/19-35mm für 28 Euro erstanden und neuester Ersatz für mehrere verstorbene baugleiche Voränger - und für die Fisheye-Perspektiven ein Sigma EX DG 2.8/15mm, das ich allerdings neu erworben habe.