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Donnerstag, Oktober 09, 2008

The kidnapped mother in law


(REPOST, originally published in German in my perished "Passado" Blog on April 6th, 2006)
This post is presently only in German, please refer to other posts which are in English! See HERE for the latest ONE in English!)
Will be translated in a matter of days...

Die entführte Schwiegermutter
Ein Drama um Lippenstift und massierte Ohrläppchen aus dem Land, wo die Sojabohnen wachsen

Na ja, eigentlich wurde sie nicht entführt, sondern unterschlagen. Ob Schwiegermutterunterschlagung ein strafwürdiger Tatbestand ist? Klingt ehr wie "unerlaubtes Waschen meines Autos" oder "Schuhe im Schlaf geputzt worden". Liegt schon ein paar Monte zurück.
Jedenfalls hatte die gute Dame (Taiwanesin, hier in Taipei, Taiwan lebend) einen Gratiscoupon eines neuen Schönheitssalons im Briefkasten. Machte sich mit diesem Coupon auf die Reise in die benachbarte 737-Lane und wurde fluchs rundumerneuert. Meine Frau sagt übrings immer, ich solle meine Nase hier in Schönheitssalons behandeln lassen, weil sie Angst hat, das Ding würde noch größer werden.
Aber ich schweife ab. Jedenfalls steht Schwiegermutter dann nach erfolgter Behandlung innen im Salon vor der Türe und will den selbigen verlassen, doch die rosagekleidete Nasenmasseuse erklärt meiner Schwiegermutter wimperntuscheverspritzend, dass sie nun 4000 Taiwandollar oder soetwas, also etwa 125 Euro zu zahlen hätte. Weil gratis sei nicht wirklich gratis, jedenfalls nicht heute und ansonsten wohl nur, wenn die Strassenhunde in Mol-Dur heulen und gleichzeitig Sonnenfinsterniss ist.
Fluchs erschienen auch schon mehrere Herren und bauten sich zwischen ihr und der Ladentür auf und verschlossen diese. 20 Minuten wurde hin und her diskutiert, bis das arme Mütterchen einen Schuldschein unterschrieb, der die Zahlung eines noch wesentlich höheren Betrages vorsah, das ging damals an 1000 Euro ran, 40 000 Taiwandollar.
Wieder aus der Geiselhaft entlassen, rief Schwiegermutter ihre Tochter für besondere Fälle an, verdonnerte sie zu ultimatem Stillschweigen gegenüber der Restfamilie (um nicht das neu aufgehübschte Gesicht zu verlieren) und beauftragte sie und ihren Ausländermann dazu, den Fall zu lösen.
Nun, nach einer halbstündigen Triade über Chaostaiwan entschloss ich mich, es mit den gleichnamigen Gesellen (also Triaden oder was auch immer sich hinter dem Gaunersalon verbarg) aufzunehmen und sammelte meine wenigen Superkräfte, über die wir Ausländer ja bekanntlich alle verfügen.
Meine Frau meint sich erinnern zu können, dass ich plötzlich in französischem Dialekt redete und irgendwo der Rosarote Panther im CD-Player lief......
Mais oui, jedenfalls vereinbarte meine Frau einen Treffpunkt mit einer Abordnung der Lippenstiftgangster, am örtilichen MacDonalds; Showdown unter dem dreifachen Fischbigmac. Die Falschewimpernmafia ließ sich unter der Androhung, ich sein Rechtsanwalt und als solcher Meister ungekannter Kniffe und exotischer Wendungen, zu dem Treffen überreden. Nun bin ich zwar kein Anwalt, aber Kneifen und Wenden kann ich schon.
Es erschien also eine rosarot gekleidete Dame und übergab uns ein rotes Kuvert mit dem Gelde und zerriss den falschen Schuldschein auf der Stelle. Freundlichkeiten ausgetauscht, sie entschuldigte sich, und das war es. Keine Karatekampf, keine Verfolgungsjageden unter exotischem Himmel, seufz.
Auf dem Nachhauseweg fiel dann Kato, meinem karatekämpfenden Butler... ähem meiner Frau ... ein, dass wir möglicherwiese verfolgt werden. Und richtig, da trippelte die rosarote Wangendurchwalkering auf unseren Fersen hinterdrein. Sie hatte unsere Witterung aufgenommen und verfolgte uns unerschrocken durch alle Mopedstaus hindurch ... Böses Starren unsererseits wirkte jedoch prompt und sie stöckelte in die steuerfreie Duftwasserhöhle zurück, aus der sie gekrochen ward. Vermutlich wollte sie unseren Wohnort ihren betelnusskauenden Schergen mitteilen, die dann unsere Türschwelle mit roten Flecken übersäht hätten oder Schlimmeres.

So hat die Moritat ein gutes Ende gefunden, alle Leben herrlich und in Freuden und Schwiegermutter schwört, nie wieder in Schönheitssalons zu gehen. Womit eigentlich auch keinem geholfen ist.


Im fernen Asien: Frauen sind gefährlich, besonders die rosarot gekleideten

Foto: Ludigel

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