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Donnerstag, November 03, 2016

Wegen Weggang: Rentenversicherung in Taiwan abklären

Wenn man ein Land verlässt in dem man lokal-sozialversicherungspflichtig gearbeitet hat, ist auch interessant, ob und wie man später mal einen Rentenanspruch realisieren kann. Sonst sind die Jahre in der Fremde eben eine große Rentenlücke eines fernen Tages. Das betrifft natürlich nur Ausländer, die bei einem taiwanischen Unternehmen als normale Angestellte beschäftigt waren. Es betrifft nicht Ausländer, die ihren taiwanischen "Arbeitgebern" Rechnungen als Berater mit Briefkopf aus Deutschland gestellt haben (nicht unüblich, weil taiwanisches Steuerrecht keine freien Mitarbeiter kennt) oder die eben bei einem deutschen Heimatunternehmen arbeiten*.

 Kicher, jetzt wollen die Laowai auch noch Rente!


Für uns wenige sozialversichungspflichtige normale Angestellte kommt dereinst das böse Erwachen, wenn wir den Rentenanspruch mit dem in der Heimat vergleichen. Wenn man nämlich in Taiwan weniger als 16 Jahre eingezahlt hat, erhält man nur eine Mini-Einmalzahlung.

Hier das aktuelle Update zur Rentenlage in Taiwan:  http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html

* Hier habe ich gelesen, dass deutsche Expats in den Arbeitsländern eigentlich auch in aller Regel sozialversicherungspflichtig sind, wenn KEIN Sozialversicherungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Arbeitsland besteht. In Taiwan gibt es keinen solchen Vertrag. Eigentlich müsste also Manager Thomas Großfuß, der Daimler Taiwan marketingmäßig leitet, auch hier in Taiwan Sozialversicherungsbeiträge zahlen. Das wird aber meist vom Endsendeunternehmen ignoriert, das lieber eine private Absicherung anbietet oder den Arbeitnehmer offiziell mit Dienstort Deutschland führt. Hat der deutsche Arbeitgeber in Taiwan keine Rentenbeiträge abgeführt, kann man sicher auch keine Rente hier beziehen. 

Donnerstag, Mai 19, 2016

Ende Taiwan-Zeit(?): Rentenanspruch minimal (Update)

Gerade mal nachgerechnet.

Dies ist sicher auch ein Artikel, der zensiert werden wird, wenn ich in Deutschland noch mal auf Jobsuche gehen werde. Wie dem auch sei, wenn man wie ich 12 Jahre seines Arbeitslebens in Taiwan zugebracht hat, kann einem der Schreck in die Glieder fahren, wie lächerlich der Rentenanspruch ist.

Weiterführender Link:
Details zur Rente in Taiwan gibt es hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html

Für die 12 Jahre würde ich wohl gerade mal 15.000 Euro bekommen als Einmalzahlung. Das auch nur wenn die Info auf den englischen Rentenseiten Taiwans wirklich korrekt ist und es nicht Rentenkürzungen eigenmächtig durch die Verwaltungsbeamten gibt, die in Taiwan im Wesentlichen tun können was sie wollen. Es sei denn man verklagt sie, aber wer will bei den erratischen Gerichten in Taiwan schon den Staat verklagen als "Bignose".

Nun muss man mal rechnen: Pro Jahr sind das gerade mal knapp 1154 Euro, wenn man davon ausgeht, dass ich nach Rentenerhalt mit 67 nur bis zum 80. Lebensjahr leben würde. Das wären dann pro Monat also gerade mal etwas über 96 Euro. Nicht gerade ein Vermögen.

Wie wenig das ist sieht man, wenn man sich vorstellt, man hätte statt 12 z.B. 36 Jahre zu diesen Bedingungen in Taiwan gearbeitet. Dann hätte man also das dreifache meines Wertes (sie zahlen ja hier pro Renteneinzahlungsjahr ein errechnetes Durchschnittsgehalt). Da komme ich auf gerade mal 288 Euro Rente im Monat.

Das würde ich also aus Taiwan erhalten, wenn ich hier 36 Jahre arbeiten und einzahlen würde (ohne dass mein Durchschnittsgehalt höher geworden wäre).

Sicher, theoretisch erhält man ab 15 Beitragsjahren eine monatliche Rente, die besser ausfallen würde (da käme ich auf 279*** Euro monatl. statt 96, wenn ich die 15 Jahre voll kriegen würde, was gerade bei erhoffter längerer Lebensdauer letztlich deutlich mehr ergäbe). Aber offenbar besteht die große Wahrscheinlichkeit, dass einem als Ausländer trotzdem (widerrechtlich) nur eine Einmalzahlung nach der niedrigen Durchschnittsgehalt-Formel gewährt wird - siehe Link ganz oben.

Hat sich also eigentlich nicht so ganz gelohnt, die Arbeit hier in Taiwan...


*** hier stand anfangs ein viel zu hoher Wert von 400 Euro oder mehr, der sich auf Weiterarbeiten bis nahe ans Anspruchsalter bezog 

Interessantes Update dazu, das optimistischer stimmt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/06/rentenformel-bestatigt.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/06/rentenformel-bestatigt.html 

Donnerstag, März 31, 2016

Lieber Herrgott, Danke


dass ich nicht der da bin. Der kleine Mann, der da links neben mir auf dem Bürgersteig steht, 1.50m groß zu seinem Vorteil gerechnet. Mit kurzen Hosen und einen orangenen Kasten mit Papierschildern schiebt. Mich unfreundlich anstarrt, wo ich an der Fußgängerampel stehe. Und zu dem anderen Herrn mit Halbglatze und Gnubbelnase irgendwas von "Adogah" (Bignose/Langnase) sagt, der dann zu mir rübergrinst und dem kleinen Mann einen verschwörerischen Blick zu wirft.  Und danke, dass ich der auch nicht bin. Hätte ja alles passieren können.
So gesehen fängt der Tag im Industrieviertel in Taipei wunderbar an. Und Guten Morgen, liebes Taipei. Ja Du, da unter dem Hundekot, dem Betelnusspriem und der undefinierbaren Smogwolke. Guten Morgen Du weltgewandte Metropolis, Du moderne Großstadt im 21. Jahrhundert.
Kicher.

Dienstag, Februar 23, 2016

Ludigels großes Krankenkassen-Abenteuer in Taiwan

Oder: Wie das Krankenkassensystem in Taiwan nun wirklich funktioniert

Die gute Nachricht ist, dass es in Taiwan eine gesetzliche Krankenversicherung gibt. Taiwaner erzählen gern, sie sei dem deutschen System der GKV nachempfunden, tatsächlich ähnelt sie jedoch sehr dem britischen National Health - System, weil es eben nur eine gesetzliche Krankenkasse gibt und nicht wie in Deutschland noch andere GKV neben der AOK wie etwa die Techniker Krankenkasse und diverse (offene) Betriebskrankenkassen. Die einzige GKV Taiwans nennt sich entsprechend NHI, also National Health Insurance und gibt eine wunderschöne grüne Smartcard mit Bild heraus und überall kann man sich ohne Zuzahlung in kleinen Arztpraxen behandeln lassen, die allerdings fast alle (abgesehen von Zahn- und Augenärzten) HNO-Ärzte sind und auf die Triefnasen der im Winter heizungslosen Taiwaner spezialisiert sind. Praxisgebühr zahlt man allerdings nach deutschem Vorbild, derzeit 150 NT pro Besuch für Erwachsene (Kinder 100 NT). Vierzig NT sind etwa ein Euro.

Fachärzte hat man oft nur im ambulanten System in Krankenhäusern, wovon im Folgenden die Rede ist.


Hier habe ich im Taiwanblog exklusiv für Sie, liebe Leser, das gesetzliche KV - System Taiwans getestet und gleich noch mit einer Art Privatzahlungs-System verglichen. Und mir extra trotz meiner jugendlichen knapp 50 Jahre ein schweres gutartiges Gewächs zugelegt. Ein Service, wie es ihn nur im einzig wahren deutschsprachigen Taiwanblog gibt und nicht bei den zahllosen Nachahmern in den letzten Jahren ;-)

Nach Manila-Reise zurück in Taipei trat nun das Phänomen auf, dass ich Minibeschwerden hatte, die allerdings an Heftigkeit stetig zunahmen. Die Details sollen hier der Google-Ewigkeit in dieser editierten Version verschwiegen werden. Die durch fehlende Heizungen in Taiwanwohnungen ausgelöste Dauererkältung schien das Problem extrem zu verschlimmern. In der Nachbarschaft fand sich eine Universalarztpraxis mit laufend wechselnden Ärzten. Dort wurde mir in der Folge richtiges diagnostiziert.
Mit nur sehr wenig Zuzahlung (20 NT, 50 Cent umgerechnet) wurden mir großzügig korrekte Medikamente verschrieben, die man bei schwachsen Symptomen gibt. Vielleicht nur im Anfangsstadium bei so starken, wie ich sie hatte.

Die Wirkung war gleich Null, eher verschlimmerten sich meine Probleme und so bekam ich bald großzügig Allergietabletten und eine stärkere Version der anderen Medikamente verschrieben. Wie ich viel später erfuhr,  verschlimmern Allergietabletten die Symptome, so dass mir langsam der Nachtschlaf abhanden kam. Es war mittlerweile Ende Oktober.

Alles Jammern nutzte nix, von den Ärzten in der kleinen Praxis gab es nur immer wieder die selben Medikamente. Man war dort am Ende der ärztlichen Kunst angelangt und schaltete daher auf Auto-Modus. Patient ignorieren und immer wieder das selbe Zeug verschreiben anstatt klar zu sagen, dass jetzt ein Spezialist mit Chirurgieoption gebraucht wird.

Also wieder ins TriService zum Senior-Facharzt. Fachärzte hat man fast nur im ambulanten Betrieb in Krankenhäusern und im überlaufenen TriService-Hospital muss man sich da in große Schlangen einreihen. Der ältere Herr wies fast schon wütend die (allerdings korrekte) Gutartiges-Wachstum-Diagnose zurück indem er sagte, dafür sei ich viel zu jung. Damit hat er zumindest bei westlichen Patienten allerdings völlig Unrecht. Bei den gesund lebenden Taiwanern mag das allerdings anders sein, denn wenig Gewicht und wenig rotes Fleisch führen wohl zu geringerem unguten Wachstum. Ich bekam wieder lecker Medikamente wie vorher und noch was antibakterielles und manchmal half das sogar. Trotzdem hatte ich bald wieder schlimmere Symptome und merkte, wie mir der nun fast permanente Schlafentzug (mit kurzen Schlafunterbrechungen) auf die Psyche schlug. Stichwort Zombiemodus. Denn ohne Tiefschlaf fehlt einem irgendwas. Und es war langsam November. Also den Arzt gewechselt, allerdings immer noch im selben Hospital und jetzt gab es eine neue Version des selben Medikaments  Bei Folgeuntersuchugen wurden meine theoretischen Werte besser und der Doc war zufrieden, allerdings wurde mein Wohlbefinden ob einsetzender Krämpfe nun endgültig katastrophal. Langsam begann ich zu verzweifeln, insbesondere weil der Arzt durch eine Abtastkontrolle fälschlich feststellte, ich hätte nur ein sehr geringes Problem und mir nahelegte, ich würde mir fast alles nur einbilden. Meiner Frau sagte er am Telefon, ich hätte eigentlich gar nichts und würde alles dramatisieren. Tja, da schadet einem ein "jugendliches" Aussehen, dass man einfach nicht hinreichend krank wirkt.

Schon im Ultrazombiemodus durch Schlafentzug suchte ich nach alternativen Ursachen des Leidens, schließlich hatte der Doc ja gesagt, ich hätte so gut wie nichts dort wo das Leiden zu sein schien. Einen Termin zur Klärung via Utraschall hatte er zwar angesetzt. Aber erst in etwa 8 Wochen! Ich frage mich, wie ich die Zeit bis dahin überstehen sollte. Es wurde Dezember und ich hatte morgens beim Autofahren mehrmals den gefährlichen Sekundenschlaf und laut meiner Frau glich mein Gemüt einer Mimose unter Starkstrom. Da ich meinen kleinen Sohn viel durch die Gegend getragen hatte, kam ich durch Dr.med.Google auf den Irrweg, ein Rückenleiden mit etwaigem Druck von Rückenwirbeln auf einen Nervenknoten könne die Probleme auslösen. Ein im TriService konsultierter auf Nerven spezialisierter Orthopäde verschrieb zwei Tests über den Zeitraum von 3 Wochen und in der Zwischenzeit Muskelentspanner.

Wie man ergoogeln kann, soll man genau die nicht nehmen, wenn man das hat, was ich hatte. Um es kurz zu machen, ich wurde nachts wach und landete in der Notaufnahme des TriService Hospital NeiHu und kam mit einem ... Ding ... am Körper wieder nach Hause, das ich hier nicht beschreiben will. So entwürdigt habe ich mich selten gefühlt. Entnervt ließ ich mir das ... Ding ... auch ob der ausgelösten Schmerzen wieder abbauen und trat von nun an in einen totalen Medikamentenstreik. Denn alles was die diversen Ärzte mir zu diesem Zeitpunkt verschreiben hatten, wirkte nicht. So verbrachte ich die reinsten Horrorweihnachten damit, dass ich mir nun nachts alle 30 Minuten den Wecker stellte, um eine Wiederholung des Notfalls zu vermeiden. Im Wachzustand funktionieren dysfunktionale Organe offenbar besser. Schlimmere Nächte habe ich noch nie verbracht. Mir ging es in der Folge - langsam wurde es Januar - nun wirklich etwas besser. Offensichtlich hatten die diversen Pillen mehr geschadet als genutzt. Bestätigt wurde ich durch die finale Diagnose des Orthopäden, dass ich keinerlei Befund am Rücken hatte, abgesehen von kleineren Abberationen.

Trotzdem landete ich noch ein zweites Mal in der Notaufnahme. Der am nächsten Tag konsultiere neue Facharzt (von der Notaufnahme gebucht) war extrem unfreundlich, hörte mir nicht mal zu und warf mich mehr oder minder aus dem Sprechzimmer mit der Aufforderung gefälligst meine Pillen zu nehmen. Mir ging der Blutdruck langsam auf das "Rote blutige Wand"-Level und ich forderte den Herrn auf, mir das neuerlich angelegte Gerät entgegen seines mit übermäßiger Betonung vorgetragenen Rates und demonstrativem Eintippen in sein gottverdammtes sinnloses Computerteil wieder zu entfernen und zog befreit und wütend meines Weges. Und ziemlich ratlos. Wie sollte es nun weiter gehen? Ärzte konnte mir offenkundig nicht helfen. Jedenfalls nicht die Taiwan-Kassenarzt-Variante.

Mir schwante, dass ich einen wirklich kompetenten und arbeitswilligen Arzt bräuchte, etwa einen deutschen Facharzt. Nur leider war ich nicht flugfähig mit dem Leiden. Häuslich hing auch der Haussegen schief, denn meine Frau hatte auch vom zweiten Facharzt telefonisch gehört, ich würde mir alles nur einbilden. Eine totale Fehleinschätzung rotz zweier Notaufnahme-Besuche, die mir bis heute unverständlich ist.

Der Gattin trug ich nun vor, dass ich eine Privatklinik brauchen würde und bereit wäre Unsummen zu zahlen, wenn ich nur einen Arzt hätte, der richtig diagnostizieren würde, die verdammte Ultraschalluntersuchung in vernünftiger Zeit ansetzen würde statt in Monaten und arbeitswillig wäre. Frau erklärte mir, Privatkliniken gebe es nicht in Taiwan oder wenn seien sie schlecht (das ist falsch) und als Kassenpatient käme ich sowieso nicht für diese Behandlungen in Frage. Sondern diese stünden nur Ausländern ohne taiwanische KV zu Verfügung.

Tatsächlich war das halbrichtig. In der Tat bot das TriService einen Premiumservice für sehr solvente Ausländer im Rahmen einer Art Medizinurlaub an, aber ausdrücklich nicht für Leute, die die taiwanische KV hatten. So wurde es Februar und ich verbrachte ein höllisches Chinesisches Neujahrsfest und experimentierte mit Teilmengen der zahlreichen Tabletten, die ich im TriService bekommen hatte. Am Ende beherzigte ich den Rat des noch einmal besuchten alten Facharztes, einfach mal zwei statt eine der Tabletten zu nehmen und zwei Wochen abzuwarten. So wurden die Symptome halbwegs erträglich, der Wecker stand nachts auf 45 Minuten statt auf 30 und manchmal auf einer Stunde und ich fühlte mich wieder wie ein Mensch. Aber ganz ging das Problem nie weg.

Frau recherchierte noch mal und fand dann die RUENTEX - Klinik im Zentrum von Taipei, die sich auf "mein" Problemfeld, Augenärztliches und Zahnmedizin spezialisiert hatte und sehr teuer war. Und sie akzeptierte auch Kassenpatienten! Wir lernten jetzt, dass es in Taiwan Privatkliniken gibt, die einfach sehr horrende Sätze nehmen im Vergleich zu billigen Klinken wie dem TriService. Die taiwanische KV besteht in der Tat darauf, weiterhin zu zahlen. Zahlt dann aber nur den üblichen Satz und den Rest begleicht man mit der funkelnden Kreditkarte.

So saß ich in Der RUENTEX-Klinik neben einem eleganten älteren Herrn, der eine goldene Uhr mit Diamanten auf der Lünette und sogar am Armband hatte und schob schnell den Jackettärmel über meine chinesische Rolex-Hommage. Hätte ja wenigstens die Tissot anlegen können, dachte ich noch und versank dann schlaftrunken in einem Dämmerzustand, bis meine Nummer dran war. Junior (4) zog mir in der Zeit die Minikamera aus dem Jackett und fertigte unbemerkt von mir eine Serie von Portraits an, die ich eher einem Berufsfotografen zugetraut hätte. Optimaler Bildauschnitt (nah ran, Kopf oben ruhig etwas wegnehmen auf dem Bild damit das Gesicht besser wirkt) und dramatischer Lichteinfall vom Fenster. Notiz: Ich muss Junior eine bessere Kamera besorgen. Die Bilder zeigen einen zerknittert wirkenden Mann am Ende seiner Kräfte. Zeigen werde ich hier sie natürlich nicht, jetzt wo ich wieder jugendlich fit bin ;-)

Um es kurz zu machen, der Privatarzt, der auch noch Chefarzt (der Abteilung oder insgesamt?) des nahegelegenen (und auch sehr teuren) Chung-Shan-Hospitals war, machte auch die Tastdiagnose und stellte eine stark vergrößerte Prostata fest, die höchstwahrscheinlich einer OP bedurfte und setzte sofort für den nächsten Tag die im TriService so lange vermisste Ultraschalluntersuchung an. Am nächsten Tag fuhren Frau, Junior und ich hoch in den 10. Stock und meine Frau schaltete dort das Licht an. Kurze Zeit später kam das Ultraschallteam, das sich mir exklusiv widmete. Das Gefühl, endlich im Zentrum ärztlicher Bemühungen zu stehen und nicht mit unqualifizierten Vodoo-Diagnosen von "Einbildung" und "Nix da" abgespeist zu werden, war überwältigend!
Das Gespräch mit dem Doc fand nicht wie im TriService üblich eine Woche später statt, sondern ... drei Minuten später. Das entsprechende gutartige Wachstum war stark, drückte auf anliegende Organe (daher die Notfälle und der fehlende Nachtschlaf) und ich brauchte daher -drigend- eine OP. Der Doc beantwortete alle meine Fragen geduldig und kompetent, legte gewissermaßen geometrisch dar, wieso Medikamente nur ein bisschen lindern könnten aber nie wirklich lösen könnten bei mir. Und so hatte ich den OP-Termin schon am Montag! Die OP fand in seinem Heimkrankenhaus statt. Das ist das erwähnte Chung-Shan Hospital, das laut Frau nicht nach einem "Mittelberg" (chung/zhong shan) sondern nach (dem Ehrentitel von) Dr. Sun Yat Sen benannt ist, dem Gründervater von "Taiwans" Kuomintang-Partei. Auch im ChungShan ist man einfach Kassenpatient, aber das Krankenhaus berechnet eben sehr viel höhere Sätze als das was die Kasse zuzahlt. Ich bekam dort eine Laservariante der OP, die die Kasse überhaupt nicht zahlt. Weil das weniger invasiv ist und ich am Mittwoch schon wieder raus konnte.

Derzeit habe ich noch mit den üblichen Nach-OP-Symptomen zu tun, meine Kreditkarte hat in Erwartung der Endrechnung schon ein paar Tausend Euro umgerechnet abgebucht, aber ich schlafe wieder die Nächte zumindest ein bis zwei Stunden am Stück durch und in ein paar Wochen soll es laut Doc wieder wie früher sein.

Fazit: In billige Krankenhäuser wie das Tri-Service kann man im ambulanten Facharztsystem nur, wenn man den Slogan "(ich) kann warten" unterschreiben kann, mit oder ohne dem Prefix "ich bin jung und..." frei nach der alten AOL-Werbung. Dort muss man einfach viel zu lange auf notwendige Untersuchungen warten und sitzt in Endloswarteschleifen zwischen fröhlich Stinky-Tofu-essenden Leuten mit Lapalien, selbst wenn man einen Notfall hat.

Ungetestet von mir soll es mittelgute Krankenhäuser immer mit ambulantem Facharztbetrieb wie das "Tai-Da" in Taipei geben, die schneller sind.

Oder man nimmt die güldene Kreditkarte (Platin hat in Taiwan eh jeder Student) und geht ins ChungShan respektive in die Ruentex-Klinik, denn manche der ChungShan-Ärzte stehen wohl auch ob räumlicher Enge des älteren Krankenhauses nur über die Ruentex-Klinik zur Sprechstunde bereit.

Taiwan National Health Insurance? Fuck it.

Montag, Februar 22, 2016

Kanadier versucht Seven-Eleven-Raub in Taiwan

Unklar in welcher Stadt. Laut TVBS-Bericht hat ein Kanadier offenbar versucht einen Seven-Eleven auf merkwürdige Art auszurauben

Ein junger Kanadier, der möglicherweise nur mit einem Touristenvisum in Taiwan ist, hat offenbar einen Seven-Eleven 24h-Minisupermarkt besucht und dann festgestellt, dass es eine günstige Gelegenheit sei den Laden auszurauben, als der einzige anwesende Angestellte des Geschäfts gerade mal im Hinterzimmer verschwand. Wie es ausschaut, hat der Kanadier ein Seil oder dergleichen verwendet, um die Türklinke der Hinterzimmertür irgendwo festzubinden, um den Angestellten so auszusperren. Der Kanadier, der offenbar trotz seines Aufenthaltsstatus als Englischlehrer in Taiwan gearbeitet hat, soll dann versucht haben, an die Kasse zu gelangen. Der Angestellte konnte sich allerdings aus der kanadischen Falle befreien und soll mit dem Kanadier gerungen haben. Die alarmierte Polizei traf schnell ein und nahm den Englischlehrer auf Abwegen fest.
Dieser soll als Begründung für seine Tat angegeben haben, seine Freundin, die möglicherweise Dänin ist, habe ihn verlassen und er würde daher Geld für einen Besuch bei ihr brauchen. Oder auch für seine Rückkehr in das große schöne Kanada. Wo es ja auch Seven-Elevens gibt übrigens.

Was Däninnen mit jungen Kanadiern anstellen und ob die alte Weisheit "Dänen lügen nicht", die in den Siebzigern immer in der ZDF-Hitparade gesungen wurde, auch auf Däninnen übertragbar ist, all das werden wir wohl nie erfahren. Auch gut.

Und wo war der Ludigel nun?

Eine Reise in die Nachbarschaft in Asien. Ja, wohin den eigentlich?

Wer weiß spontan etwas mit diesem Schild anzufangen? Dann bitte in den Kommentaren posten, worum es sich handelt.





Wo in Asien sieht man solche Schilder? Sogar in einer praktisch offenen Imbissbude übrigens, damit der neben dem einzigen halbhohen Ausgang stehende Angestellte auch weiß, wo es raus geht - wenn er nicht gerade über den Tresen springen will bei Friteusenfeuer.

Na? Demnächst mehr von der Reise hier im Blog.

Donnerstag, Dezember 24, 2015

Italienerin lebt illegal in Taiwan/lebt von Ladendiebstahl

Wieder mal keine so tolle "Laowai"-Geschichte, die dem mittlerweile eher durchwachsenen Image der "Westler" in Taiwan nicht allzu gut tut:

Eine junge Frau, 24, mit Staatsbürgerschaften Italiens und Venezuelas lebt seit 2011 illegal in Taiwan (gekommen mit Touristenvisa) und lebt offenbar von Ladendiebstählen. Wurde entsprechend mit gestohlener Ware festgenommen und befindet sich in Gewahrsam. Hat in Hotels gelebt und ist sich "selbst versorgend" durchs Land gereist.


http://focustaiwan.tw/news/afav/201512210018.aspx




Montag, Dezember 21, 2015

Migranten, bekennt euch!

Hier soll man als Migrant seine Migrantenerfahrungen in die Webseite migrieren. 

Allerdings - die Länderauswahl kennt kein "Taiwan" und auch kein "China, Taiwan", sondern nur China. Tolle Webseite!


http://iamamigrant.org/

Die dahinter steckende "Internationale Organisation für Migration" riecht also nach UNO. 

Freitag, Oktober 16, 2015

Republikflucht! (Geht auch ohne Merkel)

Langsam wird es ernst mit der Republikflucht aus Taiwan, der "Republik China", wie sie ja eigentlich heißt.

Ich will noch mal kurz rekapitulieren, wie es zu der stürmischen Entwicklung kam, die Frau und mich seit 2 Jahren oder dergleichen umtreibt - verschärft in den letzten Monaten.. Alles fing an mit dem dicken Volvo SUV names XC60 T5 in Glitterschwarz, mit dem meine Frau des guten Crashtests halber unseren alten Nissan Xtrail ersetzen wollte. Alles Reden half nichts, am Ende stand die schöne und in Taiwan im Vgl. zu Deutschland noch teurere Karosse vor der Tür. Oder genau gesagt auf dem Familienparkplatz bei Schwiegermutter. Parkplätze sind ja durchaus Kostbarkeiten in Taipei. Der "Familienparkplatz" war ursprünglich von meiner Frau gemietet und bezahlt worden und war während unseres kurzen Lebens in Deutschland dann vom "reichen" Schwager meiner Frau übernommen worden, der da manchmal seinen Porsche Panamera oder vorher Audi S8 und den parallelen BMW X5 35i drauf parkte. Großzügig und nett wie er ist durften wir da immer unseren Wagen gratis drauf abstellen, weil der Parkplatz so gut wie nie genutzt wurde. Ich wollte ja immer schon einen eigenen, aber meine Frau hatte sich da eine Art Zweikampf mit ihrer Schwester geleistet, die ja die erste Tochter der Familie ist und mangels Söhnen daher nach chinesischer Sitte eine ganz besondere Stellung hat. Als statt dem alten Nissan nun der glimmerschwarze Volvo auf dem Parkplatz stand, flog der ersten Tochter offenbar der Korken aus dem Kropf und sie erklärte Ludigels Kleinfamilie den Krieg. Nebenher hatte ihr Sohn auch einen Führerschein bekommen und nun ein eigenes Auto (erst Audi und BMW, wohlhabende Taiwaner lieben deutsche Autos) und hätte eigentlich den "Familienparkplatz" seines Vaters selbst gebraucht. Nett wie er ist, hat er aber kein Wort gesagt. Also erklärte uns die erste Tochter - die mich als zu "unchinesisch" vom ersten Tag an immer schon buchstäblich wie Luft behandelt und auf chinesische Art mit leerem Blick durch mich durch starrt - den totalen Taiwan-Weiberl-Krieg.
Als Resultat fing auch Schwiegermutter an, durch mich durch zu gucken als sei ich Luft. Ich fand ja, sie hat ein bisschen geschielt dabei. Aber gut, auch egal. Da damals wegen unserer viel zu kleinen Wohnung Frau 50m neben unserer nur von mir bewohnten Wohnung bei Schwiegermutter mit Junior lebte (ein merkwürdiges Arrangement, ich weiß) flogen Frau und Junior auch noch achtkantig aus der Wohnung und zogen bei mir in die seither überfüllte Miniwohnung. Was ja auch asiatisch nett ist, so eng beieinander. Ich gebe es zu und achte drauf, nicht Frau oder Junior beim morgendlichen Recken ausversehen aus dem Fenster zu boxen. Wie dem auch sei, Schwiegermutter weigerte sich auch noch, auf ihren Großsohn tagsüber wochentags aufzupassen und sagte uns, wir sollten uns gefälligst eine Kinderschwester suchen für den damals noch im Babyalter befindlichen Junior.
Zuuuuuuufällig weilte damals die zweite Schwester der Familie in Taipei, die eigentlich mit einem Sino-Filipino verheiratet in Manila lebt. Da Taiwaner Gruppenmenschen sind, litt meine Frau sowieso unter sozialen Entzugserscheinungen und auch dass uns die werte erste Tochter an der Familientafel manchmal buchstäblich das Essen (für Junior) aus der Hand nahm und demonstrativ an die Kinderchen der dritten Tochter weitergab, trug nicht gerade zur Genesung meiner Gattin bei.
In der Folge bekam meine Frau dann auch noch ein Augenleiden, das evtl. zur Erblindung führen könnte und verlor nun ganz und gar die Contenance.

Dann ging es so schnell, dass ich kaum noch mitkam. Will sagen, dass ich wirklich nicht mehr mitbekam was in Windeseile vor sich ging. Die "Manila-Schwester" und meine Frau schmiedeten ohne große Diskussion den Plan zur Umsiedlung der Familie Ludigel nach Manila. Frau hätte da Familienanschluss, bräuchte nicht mehr im Büro auf den kleinen Bildschirm zu starren und könnte ins schwägerliche Business einsteigen. Im Handumdrehen war alles gemeinsame Geld in Manila angelegt und ich kam und komme mir ein bisschen vor wie jemand, der nach durchzechter Nacht in Frauenkleidern auf der Glaskuppel des Reichtags in Berlin mit einem zeltgroßen Schlüpfer von Peter Altmaier auf dem Kopf wach wird. Wie bin ich da bloß hingekommen? Und ich wusste gar nicht, dass ich sowas auch mache. Nur statt Alkohol hatte ich Famileindramen, Krankheiten und Nervenzusammenbrüche seitens der Gattin.

Da meine Frau in Sachen Manilaumzug unbeirrbar ist, war ich die Tage in Sachen polizeiliches Führungszeugnis, Legalisierungen (Beglaubigungen) und anderem Kram unterwegs. Unter anderem habe ich auch die horrende Summe für ein philippinisches Familienvisum (genauer: eine permanente Residency) übewiesen. Und heute hat der erste Verkaufskiosk des Joint-Ventures zwischen meiner Frau und ihrer "Manilaschwester" aufgemacht, drei neue Arbeitsplätze in Manila sind geschaffen. Und Frau und Junior werden Mitte nächsten Jahres in Manila erwartet, u.a. zwecks Kontrollieren der Verkaufsstelle. Meine Wenigkeit wohl auch - wenn Frau nicht zu viel Angst hat in der Manilafamilie könnten wieder ähnliche Verwerfungen auftreten wie mit der Taipeifamilie, das Business läuft und die Götter gewogen sind. Und ich mein Gesichtverziehen beim Thema Manila und Familie einstelle, sagt Frau. Da bin ich mir noch im Unklaren ob das klappt.
Lustig: Auch das Paar Will/ShaoWu will mit nach Manila ziehen, das treuen Lesern aus dieser Geschichte hier noch  bekannt sein könnte.

Schuld am ganzen Chaos war also nur der dicke Volvo, der ganz am Anfang der Geschichte stand. Oder auch der Bossanova, wer weiß das schon. In Manila soll es wieder ein alter Nissan werden, sagt Frau. Vielleicht fragen wir mal die Schwester dort, ob sie damit einverstanden ist*.


* Das ist genau die Manila-Nörgelei, die meine Frau beanstandet.

Nachtrag: Manchmal habe ich ja schon das Gefühl, ich sei im Jahre 2004 beim nächtelangen Programmieren in Deutschland bei meinem letzten Arbeitgeber mit dem Kopf auf die Tischplatte geknallt und läge seither im Krankenhaus im Koma. Und alles sei nur ein wilder Traum, während neben mir die Herz-Lungenmaschine rattert. Ist der Taiwahnsinn real?  

Nachtrag 2: Seit dem heutigen wiederholten Besuch im Manila Trade Office (der diplomatischen Vertretung der Philippinen in Taiwan) sehe ich die Ausreise nach Manila viel positiver. Die nette Schalter-Dame dort hat mich beim zweiten Mal mit einem netten Lächeln begrüßt und die vielen netten Damen in der Vertretung und die spanischen Worte, die sie in das Tagalog im Gespräch untereinander einfließen ließen, ließen die ganze Sache viel positiver wirken. "Tu es marido, no sé?" sagte gleich eine längst verloren geglaubte innere Stimme als ich wieder im Fahrstuhl war. Die hatte ich zuletzt bei meinen Lateinamerikareisen vor meine Taiwanzeit gehört ;-) Seien sie mit meinem alten Touristenspanisch nicht allzu streng.

Donnerstag, Oktober 08, 2015

Juniors Sprachentwicklung

Ein Update für Interessierte, von wegen Dreisprachigkeit

Junior (4) ist tagsüber im deutschen Kindergarten in Taipei und nachmittags bei der Schwiegermutter, die Mandarin mit ihm redet und ausdrücklich angewiesen ist, kein Hoklo alias Taiwanisch mit ihm zu reden, damit er nicht durch Viersprachigkeit verwirrt wird. Sonst abends und am Wochenende redet er Mandarin mit meiner Frau und Deutsch mit mir neben Englisch mit uns beiden, was also summa summarum drei Sprachen macht. Eine kurze japanische Phase wo er viel "annnooo" von sich gegeben hat hatte Junior auch mal. Da waren wir in Tokio gewesen und er hatte das aufgeschnappt. Vielleicht auch wegen des gelegentlichen Minijapanisch, mit dem seine Oma manchmal kontert, wenn Junior sie auf Deutsch anredet. Oma, also meine Schwiegermutter, hat nämlich in der japanischen Kolonialzeit noch Japanisch gelernt auf der Schule, aber den Großteil davon wieder vergessen. Wenn Junior sich einen Spaß macht und Deutsch mit seiner Oma redet und sich freut, wenn sie ihn nicht versteht, dann kontert sie eben schon mal auf Japanisch.

Neulich fragte ich Junior, wie viele Sprachen er denn spricht und er zählte auf:

Chinesisch
Deutsch
Minion

Letzteres hat damit zu tun, dass er viel die Filme des Despicable-Me - Franchises gesehen hat. Wir haben ihn durch englischsprachige Filme Englisch lernen lassen und das hat wirklich gut funktioniert, sogar richtige Native-Speaker-Formulierungen wie "gosh" als Erstaunenslaut hat er da drauf. Nur die englischsprachigen Despicable-Me-Filme haben ihn jetzt durcheinander gebracht, denn die kleinen gelben "Minions", die in dem Film die Stars sind, reden ein polyglottes Gewirr, das unter anderem wohl aus Japanisch, Spanisch, falsch gesprochenem Chinesisch (oder einem anderen Dialekt als ich ihn kenne), Englisch, Deutsch und allerlei mehr besteht. Das Vermischen von Englisch und dem Minion-Polyglott führte dann zu ein paar Sprachunfällen, etwa beschwerte sich Junior bei uns auf Englisch, seine Minion-Puppe hätte keinen "Wonderful". Also ein "Wunderbar" würde sie nicht haben. Frustriert fing er an zu weinen als wir ihn nicht verstanden. Erst später fiel mir ein, dass er "wonderful" als Hauptwort schon mal anstatt "Arm" benutzt hat. In der Tat fehlen der Puppe Arme. Auch stand er vor seinem Spielhaus mit offenem Eingang und sagte zu mir in Pseudodeutsch "Torweg zu?". Verblüfft guckte ich ihn an und ein paar Minuten später plapperten die Minions beim gehen durch eine Tür "Torweg zu?" oder irgendwas, das so ähnlich klang. Einstweilen sind die Minionfilme verboten, denn er fing an unverständliches wie "Bapu" und "Neipu" von sich zu geben und korrigierte mich schon mal energisch, wenn ich "Napu?" nachgefragt habe, was immer das auch sei. Abgesehen davon hat die Vielsprachigkeit aber gut geklappt, er spricht fließend Mandarin seiner Altersstufe entsprechend und wird daher von taiwanischen Kindern als einer der ihren akzeptiert, nur ihre Eltern bezeichnen ihn manchmal als "kleinen Ausländer", seiner braunen Haare wegen. Englisch kann er gut als Zweitsprache und fällt auch mir gegenüber darauf zurück, wenn ihm die Vokabeln fehlen.
Deutsch ist die Drittsprache und lässt sicher viel zu wünschen übrig, hat sich durch den Besuch des Kindergartens allerdings deutlich verbessert. Er ist stolz, wenn er ein neues Wort gelernt hat wie neulich "Aufräumzeit" oder vorher "Stuhlkreis", probiert dieses dann sogleich bei mir aus und ist glücklich, wenn ich es verstehe. Oft will er komplexe Sachen auf Deutsch sagen und dann fehlen die Worte dazwischen und er hat sich angewöhnt, diese dann mit deutsch klingenden Fantasielauten zu füllen und mit Gesten zu untermalen. Im Kindergarten ist man nicht glücklich über seinen Rückstand gegenüber den Kindern aus rein deutschen Familien, er ist da eben zwischen den Kindern aus rein taiwanischen Familien die sicher weniger Deutsch können als er und den Deutsch-Deutschen Kindern. Deutsche Filme und Hörspiele einzuführen hat nur bedingt geklappt. Wenn ich seine Lieblingsfilme deutsch synchronisiert zeige, fängt er an zu schimpfen und Hörspiele mag er eh nicht so, weil er den Bildschirm vermisst. Nur "Lucas der Locomotivführer" kam bislang gegen die Hollywoodstreifen an, Pumuckl hingegen hat er die kalte Schulter gezeigt.

Sollte Mitte nächsten Jahres wirklich der Umzug nach Manila auf den Philippinen stattfinden, dann würde er auch dort die deutsche Schule besuchen und dort auch Tagalok lernen (wie immer man das auch genau schreibt). Viersprachig dann also. Das ist eine nette Sprache. Der Satz "May reklamo ka" / "Wenn Sie eine Beschwerde haben" am Taxi verführt richtig dazu sie lernen zu wollen.

Stinksauer wird Junior, wenn seine Mutter plötzlich Deutsch statt Mandarin oder Englisch redet und ich ein paar Brocken Chinesisch benutze. Dann klärt er uns schon mal genervt auf, dass Papa kein Chinesisch spricht sondern Deutsch reden muss und Mama kein Deutsch spricht. Das haben wir nur mal spaßeshalber gemacht, als er uns mit Minion genervt hatte und wir lassen es jetzt wieder. Dieser kleine Plastik-Baseballschläger, den er dann hervor holt, tut nämlich wirklich weh.

Dienstag, August 18, 2015

"This is my country!" (Update)

Ludigel will eigentlich nur das Auto umparken

Im März hatte ich geschlagene drei Parkplätze in der Nachbarschaft zur Verfügung, brauchte aber doch oft fünf Minuten um den dicken Volvo in den schmalen Gassen einzuparken. Parkplatz 1 ist der Familienparkplatz, noch von anderen genutzt. Parkplatz Nummer 2 wurde deshalb gemietet, in einer Tiefgarage. Die ist allerdings nur über einen Autolift zu erreichen der so schmal ist, dass es mir einmal die Verkleidung des linken Außenspiegels weggehauen hat in dem Ding. Daher haben wir dann Parkplatz Nummer 3 gemietet (2 ist heute wieder aufgegeben). In einer schmalen Gasse ganz in der Nähe. Nur dass die Leute sich dort angewöhnt haben, immer in zweiter Reihe die geparkten Autos zuzuparken. Ohne Telefonnummer am Auto.

 Die Nachbarn guckten von den Balkonen...


Spät abends zwischen 10 und 11 gehe ich also immer los und parke das Auto vom etwas weiter weg liegenden Parkplatz 3 auf Parkplatz 1 um, weil der dann frei ist und näher an der Wohnung liegt. Damit Frau morgens nicht so weit laufen muss. Oft ist der Wagen dann zugeparkt. Dann rufe ich Frau an, die ruft die Parkplatzvermieterin an und die telefoniert in der Gegend rum, bis nach etwa zwanzig Minuten irgendein Depp aus den Wohnungen rennt, "paisei paisei" ruft, wie immer man das auch schreibt und seine verdammte Karre wegfährt. Oder rummault dabei, wenn es der Kerl mit dem dicken weißen Infiniti-SUV ist, der das Format eines veritablen LKWs hat. Das Auto, nicht der Kerl. Sogar mein Volvo sieht klein aus dagegen.

Nun hatte ich gerade Terminator::Genisys gesehen, den neuen Streifen mit Arnold, der zwischenzeitlich Gouverneur von Californien war und war gerade kurz vor Schluss gewesen, als Frau sagte, ich solle den Müll rausbringen (ohne richtig funktionierende Müllabfuhr in Taiwan ist das auch so ein Abenteuer) und dann natürlich auch den Wagen umtopfen. Nun parkte eine alte rote Mercedes S-Klasse mich und zwei andere Autos zu. Anständige Taiwaner liegen natürlich zu dieser späten Stunde längst in den Betten und träumen von Laotse und Konfuzius, das ist klar. Nur wir merkwürdigen Ausländer sind da nachts noch auf den Beinen unserer finsteren Umparkgeschäfte wegen. Und ich hatte auf die 20 Minuten Ringelpietz mit Anfassen und Telefonieren einfach keine Lust. Und warum eigentlich kaufen Taiwaner immer das maximal größte erreichbare Auto, vergessen aber einen Parkplatz dafür zu mieten? Gut, meine Frau wollte ja auch unbedingt den dicken, teuren Volvo.

 Was ist denn das für ein Radau?


Also drückte ich auf die Hupe. Dauerhaft. Immer wieder. Wirklich lange. Weil irgendwann wird dann ja wohl jemand kommen. Tatsächlich trudelte als bald die gesamte Nachbarschaft im Schlichtwohnviertel ein. Hinter den Gittern (Gardinen haben sie hier nicht, ist Konfuzius dagegen oder dergleichen) oder unten aufgeregt vor meinem Volvo und dem Benz auf der Fahrbahn rumrennend. Ich zeigte mehrfach fragend auf den dicken Mercedes und ging dann weiter meinem Hupgeschäft nach. Es schien so, desto schneller ich die Hupfrequenz wählte, desto schneller liefen auch die Leute herum. Lustig irgendwie. Vielleicht sollte ich mal eine Melodie hupen. Kennt jemand ein chinesisches Volkslied? "Sah Chiang Kai Shek ein Röschen stehen" oder irgendwie sowas. "Muss ih denn, muss ih denn zum Tempele hinaus..:", das kennt man doch, oder?
Und wo hatte ich nur die Hauptdarstellerin in Terminator::Genisys schon gesehen?

So grübelte ich hupend vor mich hin, da sprach mich ein Anwohner auf Englisch an.

"Why so angry?" fragte er. "Warum so ärgerlich".
Seine Frage machte mich jetzt wirklich ärgerlich. Hupt man weil man ärgerlich ist oder weil man einfach mit dem Auto aus der Parklücke fahren will, wenn sie zugeparkt ist?

"I am not angry. I just press the horn so someone is coming", antwortete ich jetzt nicht mehr wahrheitsgemäß. "Ich bin nicht ärgerlich, ich drücke nur die Hupe damit jemand kommt."

Ich unterbrach kurz mein Daherhupen (die Nachbarn standen alle abrupt bewegungslos da, als die Melodie aufhöre) und hörte ihm zu, als er mutmaßte, zu welcher Wohnung der Mercedes gehören würde. Da setze er zu einem Fragenkatalog an.

"Is this your parking lot? Do you live here?" ... "Ist das Ihr Parkplatz. Wohnen Sie hier?"

Klar, dachte ich, ich muss dir um 22.10 meine Credentials/Referenzen geben, wenn ich nur mein Auto aus der Parklücke fahren will. Ich kenne das ja. Gehe ich an meinem Auto vorbei bei Regen und nehme einen Regenschirm raus, stratzt jemand aufgeregt zu meinem Auto und macht ein Foto davon. Langnase brechen Auto auf. Oder parke ich auf meinem Parkplatz, erklärt mir jemand, ich könne da nicht parken. Weil Anwohnerparkplätze. Und so wie ich sehen Anwohner eben nicht aus. Oder wollen mich nicht ins Mietshaus reinlassen, wie der Tattergreis bei uns im Haus. Gut, oder sie sagen "Welcome in Taiwan" (haben sie aber um 2011 damit aufgehört), wenn ich noch mal was aus dem Auto hole. Immer fühlen sie sich mir gegenüber vor meiner eigenen Haustür als territoriale Sachwalter offenbar.

"Yes I live here. Yes this is my parking lot. And this is my country!".

"Ja ich wohne hier. Ja, dies ist mein Parkplatz. Und dies ist mein Land!"

Den letzten Satz sagte ich mit geschauspielter Inbrunst und großer Geste, mit meinen zum Himmel gereckten Armen gewissermaßen das  ganze Land Taiwan aka Republik-China einschließend.

"The last one was a joke", "Das letzte war ein Witz", wollte ich noch hinzufügen. Da fiel mir auf, dass der Nachbar schon wieder schnellen Schrittes auf seine Haustür zurannte. Bei emotionalen Gesten geraten sie immer in Panik, die Taiwaner. Dabei hatte ich noch mehr in Petto, hätte mich als Präsident Ma Ying-Jeou vorgestellt, wenn er weiter gefragt hätte. Aber so war er weg und ich ging wieder zum Dauherhupen über. Die Nachbarn nahmen wieder ihren Squaredance auf.

Irgendwann kam dann eine junge Frau aus dem Hause, sagte "Paisei Paisei" und ich bedankte mich. Als ich den Wagen aus der Parklücke gefahren hatte, musste ich wieder diese Parksperre zuklappen. Die ist aus Metall und macht so einen Wahnsinns Krach jedesmal. KAWUMM ging es. Wieder hielt das ganze Duzent Versammelter an und alle guckten mich an. Bestimmt dachten sie jetzt alle, ich sei unheimlich wütend. Dabei ist es nur die Mechanik. Ich ging aufs Auto zu. Immer noch guckten mich alle an als sei sonstwas passiert.

"Prima", dachte ich. Da will man nur seinen Wagen umparken und stattdessen ist man in einer Situation, sich im soziokulturellen Kontext der gesamten Nachbarschaft einordnen zu müssen. Unglaublich.

Alle starrten mich an. Ich verharrte in der Fahrertür. Die großen Augen der Mercedesfahrerin leuchteten wie Suppenteller aus dem roten Benz. Ich machte den V-Zeichen. Das machen die Taiwaner ja immer auf Fotos. Und außerdem steht es ja auch für "Zwei" und der rote Mercedes hatte mich bereits zum zweiten Mal zugeparkt.

Game of Thrones. Da hatte ich die Hauptdarstellerin schon gesehen. Kaum wiederzuerkennen.

Update: Gestern abend wieder das selbe Theater. Ein alter Toyota mit verfärbtem schwarzen Lack, der sich weißlich abschälte, parkte meine Kiste zu. So doof geparkt, dass ich fast noch hätte raus können. War ja nicht genau so lang wie die S-Klasse am Vorabend. Aber eben nur fast. Auch Dauerhupen weckte um 23 Uhr niemanden mehr. Bis auf die Tochter der Vermieterin, eine nette Lehrerin in den 50ern, die dann mit mir durch die nächtliche Straße schwebte und an mehren Türen klingelte, um den Fahrer des Wracks zu ermitteln. In der Hand hatte sie offensichtlich eine KFZ-Liste! Deswegen parken sich die Schlumpis hier also immer gegenseitig zu, weil sie dann ggf. das Wegfahren koordinieren. In einer 20-minütigen Aktion, die mir bei 12-16 Stunden-Arbeitstagen doch immer auf den Magen schlägt, geht sie doch von der knappen Freizeit ab. Gestern Abend ließ sich aber der Halter nicht ermitteln, er war nicht auf der Liste, sagte mir die Dame mit Händen und Füßen ob meines stadtbekannten Pidgin-Chinesisch.
Doch es gibt offenbar einen Parkservice der Polizei! Meine Frau rief die Polente an, die dann ihrerseits den Fahrer des Autos anrief. Perfekter Valet-Parkservice. Na Kunststück, Parkwächteruniformen haben sie ja schon an die Sheriffs. Wie dem auch sei, keine fünf Minuten später kamen zwei junge Männer buchstäblich angerannt. Beide mit zotteligen Haaren und Totenkopf-T-Shirts. Ich atmete unwillkürlich tief ein - sicher ein evolutionärer Mechanismus um das Muskelgewebe mit Sauerstoff und ATP zu versorgen, doch die beiden an Juniorverbrecher gemahnenden jungen Männer entschuldigten sich bei mir und der permanent schimpfenden Lehrerin viele Male, winkten mir zu und verschwanden dann paisei paisei paisei sagend mit ihrem alten Toyota. Habe da hoffentlich keinen Bruch gestört oder sowas. Ich winkte ihnen auch zu und rief freundlich: "Just don't do it again!". Andererseits war ich ganz froh um die Unterbrechung diesmal, haben wir doch auf meinem zentralen Schreibtisch-Client ein Tool installiert, mit dem wir auch vom Notebook zu Hause mein ganzes Schreibtischnetzwerk aus derzeit 10 realen und 15 virtuellen Rechnern fernsteuern können. Das Schreibtisch-Lab, das ja offenbar als einziges "Laboratorium" VMware - Zertifizierungen in Taiwan durchführt und damit ganze Batterien von weißkitteligen Taiwanern im ein-Ludigel-Modus ersetzt. Und so um 23 Uhr konnte ich eine 20-minütige Pause mal ganz gut vertragen und amüsierte mich, unter der Straßenlaterne von Merkels Griechenland-Pyramidensystem (Spiegel) zu lesen. Nach dem Motto: 100 Milliarden Euro hinterher geworfen sind gut, wenn sie erst bei der nächsten Regierung/Währungsreform in den Büchern aufschlagen und nicht schon in der Herrschaftszeit der Heiligen Merkel. Da schmunzelt man unter der Straßenlaterne am östlichen Tellerrand der Welt über die westlichen Katastrophen von Morgen.


Dienstag, Juli 07, 2015

Froh zu gehen, weil:

Kommt nun der Lexit aus Taiwan? Noch nicht klar, möglicherweise schon die nächsten 3 Wochen. Frau und Schwester konferieren und lauern auf big Business beim kleinen Printkiosk irgendwo in Manila. 
Wenn die Republikflucht nun endlich stattfindet, weswegen bin ich dann nicht unfroh zu gehen und ggf. eine längere Zeit wieder in Deutschland oder anderswo in Europa zu sein?
Eine Liste.

a) Bürgersteige überall

b) Autos und LKWs müssen auf mich als Fußgänger Rücksicht nehmen

c) Abgasluft ist in Deutschland fast schon eine alte Kindheitserinnerung

d) Kein Horror mehr, was denn nun wieder aktuell an Chemie im Essen ist (auch wenn es in verminderter Form auch in Deutschland/Europa ein Problem ist)

e) Kein Waiguoren (Ausländer) hier, Waiguoren da mehr als Gebrabelle überall wo man lang geht.

f) Motorroller und Mopeds sind etwas exotisches und werden i.d.R. nur von geistigen Pflegefällen gefahren. Gut, in Taiwan sind die Leute, sowie sie auf den Dingern drauf sitzen, eigentlich auch... (never mind).

g) Ich muss nicht mehr die "erste Tochter" der Familie meiner Frau sehen, die seit meiner Ankunft Februar 2004 kein einziges Sterbenswörtchen mit mir geredet hat und immer nur durch mich durch geguckt hat als sei ich Luft. Sieht aus wie ein Huhn auf dem Hühnerhof mit ihrem schräggestellten Eierkopp, wenn sie so durch einen durch guckt, die Frau 5000-Years-China-Culture.

h) Ich höre jetzt mit der Liste auf, damit es kein Rückblick im Zorn wird, wie bei den anderen Langzeitern, die sich hier irgendwann abseilen.

Traurig zu gehen, weil:

a) Wir so einen Wertverlust beim Verkauf des fast neuen Volvo XC60 T5 in Glitterschwarz haben werden, den meine Frau unbedingt haben musste.

b) FreundlicheMenschenSchönetempeltollesessenallesleckerdieleutesindsounheimlichoffen,TaiwanisteinfachdasbesteLanddasmansichvorstellenkann.

c) Ich mir nicht sicher bin, ob mich der viele DEHP-Flüssigkunststoff im Essen irgendwie konserviert hat all die Jahre. Hat man ohne mehr Falten, wenn man richtige menschliche Nahrung zu sich nimmt in anderen Ländern?

d) Ich über die Jahre doch eine gewisse Anmut in Riesenkäfern erkannt habe.
 

Donnerstag, Juni 18, 2015

Ludigel + 1 = zu viel

Taiwanische [Apple-Daily-Leser]* Mathematik

Gerade eben im Seven-Eleven - 24-Supermarkt, wo ich mir eingeschweißte Nudeln gekauft habe, weil ich mittlerweile sämtliche Magenprobleme auf unsere Kantine zurückgeführt habe, die teils verdorbenes und teils wohl anderweitig belastetes Essen anbietet meiner leidvollen Magenerfahrung nach. Ein lokaler Herr in den 30ern steht schwadronierend an der Bezahltheke. Mein Chinesisch und meine Lust sind nicht gut genug um ihm zu folgen. Mit weit ausholenden Erklärungen erklärt er die Welt, die beiden Damen hinter der Kasse (von der eine von beiden meine Rabattmarken unterschlägt) lachen dazu. Ein anderer "westlicher Ausländer" kommt rein, während ich auf die Erhitzung meiner Nudeln warte. Ich bemühe mich den ausladend schwadronierenden Herrn zu ignorieren.

Der andere Ausländer bezahlt, der Schwandronierer sucht seine räumliche Nähe und sagt irgendeinen Satz zu einer der Bedienungen, den mein Chinesisch mit "zu viele Ausländer" übersetzt. "Habe ich nicht verstanden" beschließt jedoch das Masterkontrollprogramm meines Großhirns. "Ist mein Chinesisch nicht gut genug zu". Ich begucke mir interessiert den Whisky, den gerade jemand einräumt. Die Bedienungen sagen irgendwas zu dem schwadronierenden Herrn. Der andere Ausländer guckt genervt den Schwadronierer an und zieht die Augenbraue hoch.
"Versteht der doch nicht", sagt der Schwadronierer auf Chinesisch und ich ermahne mich, nicht mehr zuzuhören.
"Verstehe ich doch", sagt der andere Ausländer auf Chinesisch. Irgendwas stimmt möglicherweise mit seinem Masterkontrollprogramm nicht. Dann verlässt er ein bisschen zu schnell das Geschäft. Ich warte immer noch auf die Nudeln, der Schwadronierer schwadroniert, stolziert in meiner Nähe herum. Ich sehe ihn mit hochgezogener Augenbraue an. Er hält etwas Abstand. Endlich sind die Nudeln fertig, ich gehe auch.

Mit Hunden verstehe ich mich einfach viel besser, siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/schoner-morgen-in-taipei.html

* Der Fairness halber hinzugefügt. Der Apple Daily ist Taiwans "Bild".

Montag, Juni 15, 2015

Taiwanerinnen, schlaft nicht mit Ausländern...

... sondern lieber mit Taiwanern

So krass und kalt würden es die Taiwaner nie sagen, aber seit einiger Zeit gibt es eine Diskussion um ein Musikvideo, das offensichtlich Ausländer - repräsentiert durch die in der öffentlichen Meinung dominierenden recht jungen Weißen - im negativen Licht darstellt und Taiwanerinnen dazu auffordert "lieber das einheimische Produkt schätzen zu lernen" statt den (weißen) Ausländermann. Die ganze Diskussion, die ich nicht im Detail führen will hier beispielsweise im hervorragenden Blog vom Taiwanexplorer: http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/racist-music-video-against-foreigners-in-taiwan.html
Warum es da "Blackface is bad" im Video heißt, ich will es nicht wirklich wissen. Ich bin schlichtweg zu lange hier um mich so sehr um die Meinung irgendwelcher Einheimischer über mein Ausländeraussehen zu kümmern. Kurz gesagt habe ich in Taiwan folgende Phasen erlebt in der Öffentlichkeit:

2004-2011 etwa:
Oft Glorifizierung auf der Straße, Fragen ob man den Kindern Englisch beibringt. Kichernde junge Frauen und Kinder. Auch gestandene Männer die aufgeregt auf einen zeigen und dabei "Waiguroen! (Ausländer)" rufen. Oft habe ich mich über das "Adogah" geärgert, was wohl "Großnase" heißt, aber von Taiwanern als normales Wort für Ausländer gebraucht wird. Das "Laowai" (etwa: Ausländerhäuptling/Ausländerchef) habe ich in ironischen und positiven Konnotationen kennengelernt. Ich hatte Kinder, die auf der Straße hinter mir her tanzten und "Laowai! Laowai!" und einen Reim aus der Fernsehwerbung riefen, weil ein TV-Spot für gesunden Multivitaminsaft veritable schwarze Höhlenmenschen als Laowai bezeichnete und die Kinder dazu aufforderte nicht bei Laowai zu essen und in dem Spot so getanzt wurde. Irgendwann fing ich an die Leute zu ignorieren und habe es bis heute so belassen.

2011-heute:
Wohl die endlose Medienberichterstattung um den vmtl. englisch/pakistanischen Todesfahrer Zain D. (einer der Berichte hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hat nicht nur meiner Meinung nach ein Umschwenken in der öffentlichen Wahrnehmung von westlichen Ausländern gebracht. Mir ist bewusst, dass man Zain D. nicht unbedingt als westlichen Ausländer sehen muss, aber im smarten Businessanzug und unter Erwähnung seiner britischen Staatsbürgerschaft kam er in den Medien so rüber. Seither war die oft alberne Freundlichkeit weg und ich habe seither stattdessen eher einen gelegentlichen bösen Blick irgendeines Passanten und manchmal etwas Anpöbeln festgestellt. Aber das gab es vorher eigentlich auch schon. So dass im Ergebnis die Zain D. - Berichterstattung vielleicht einfach nur die alberne Überfreundlichkeit der Taiwan "weggehoben" hat. Im Ergebnis werde ich heute mehr in Ruhe gelassen als früher, in so fern ist es eigentlich angenehmer.

Meine These vor 2011 war immer, dass die oft überbordene Berichterstattung über Fehltritte oder Schlimmeres (oder Nichtigeres) von Ausländern in der oft übertriebenen Beliebtheit des ausländischen "Gastes" fußten und die Taiwanpresse eben Einschaltquote und Auflage damit machte, die eigentlich beliebten Ausländer "vom Sockel zu stoßen", auf den die Taiwaner sie gestellt hatten. Ähnlich wie wir alle ja auch Spaß daran haben Nachrichten von Filmstars oder bekannten Sängern zu lesen, die auf öffentlichen Toiletten oder mit Prostituierten oder mit Alkohol und Drogen in Schwierigkeiten geraten. Was man auf den Sockel hebt, lässt man auch mal gern wieder herunter krachen. Da die negativen Ausländerstories zumindest zeitweise das positive Bild des Ausländers ins negative kehrten war immer meine Theorie, dass sie die Zustände in Taiwan damit normalisieren. Sprich ist der Ausländer hinreichend und permanent vom positiven Sockel geholt, wird er damit mehr zum Normalo und die Pressehetzstories gegen einzelne Ausländer (als unverschämte Vertreter ihrer Gattung) würden sich auch nicht mehr so sehr verkaufen.

Ist das nun eingetreten oder geht es weiter Richtung Südkorea? Wie Expats von dort berichten, ist es üblich, das in der Öffentlichkeit Kampagnen gegen Weiße pauschal gefahren wurden, etwa Busse mit den englischen Hinweisen, privat Englischunterricht zu geben sei illegal oder eine TV-Show, die die Leute dazu aufforderte weißen Männern auf der Straße zu sagen sie sollten die Hände von einheimischen Frauen lassen - was dann auch geschah.

Das obige Musikvideo geht sicher in die Richtung. Taiwan, willst du nun südkoreanisch werden? Und lieber Mitsteuerzahler in Taiwan, wenn ihr mich an der Hand von meiner Frau anquasseln wollt in dieser Hinsicht mit eurem Buxibanenglisch, dann erwischt nicht gerade einen Tag, an dem ich wegen Smog, Verkehr und 14-Stunden - Arbeitstag schlechte Laune habe. Und überlegt euch vorher, was euch das eigentlich anginge. Aber solche Geschichten werdet ihr mit eurer fernöstlichen Weisheit doch nicht machen wollen, oder? Würde ja auch schwierig meiner Frau etwa beim Tragen der Tasche zu helfen, wenn ich sie nicht anfassen dürfte, gell?

P.S: In dem Musikvideo selbst hat sich einer der Sänger die Haare blond gefärbt und tritt im Porsche als missionierender Englischlehrer auf, der offenbar von den einheimischen Damen nur das eine will. Alles recht niedlich und naiv - eben wie Taiwaner oft mit Ausländern umgehen. Es wird sich viel über die schlechte Aussprache und Grammatikfehler von chinesischsprechenden Ausländern lustig gemacht. Ich erinnere mich noch gut, dass mir mein Anfangselan zum Chinesischsprechen durch das ständige offene Auslachen genommen wurde. Aber so ist es nun mal hier. Mir fehlt die Lust mich wirklich damit zu beschäftigen. Dieser Artikel soll keine Beschwerde sein, drückt nur ein bisschen Sorge aus ob der Anti-Ausländerwirbel von Presse und bisweilen Facebook nun noch weiter geht...


Dienstag, Mai 19, 2015

Unvorhersehbare Vorhersehbarkeiten, Manila (Update)

Fortsetzung der aktuellen Businessplanung für das "Auswandern nach Manila", so es denn jemals stattfinden wird (s. letzter Teil)

Eine Sache die Taiwaner in meinem Umfeld immer wieder trifft, sind die sogenannten "unvorhersehbaren Vorhersehbarkeiten", wie ich sie betitelt habe. Das geht zum Beispiel so: Bei meinem ersten Arbeitgeber macht meine Chefin eine Preiskalkulation für eine USB-Festplatte (anno 2004), kommt auf exakt den selben Preis wie das japanische Vorbild (reden wir nicht von Sony sondern nennen das Ding Zony - vgl. taiwanische Geheimiskrämerei) und Ludigel, mit der Marktstudie beauftragt wurde teilt ihr folgendes mit: Ups, wir haben den selben Preis wie Zony, das ist ein Problem. Natürlich darf man das nicht einer taiwanischen Chefin (die per Definition x-fach intelligenter ist weil aus der chinesischen Biomasse entstammend und außerdem auch noch als Chef gleich unter dem Drachenkaiser im Götterhimmel kommt) direkt sagen. Schwerer Anfängerfehler des Taiwanneulings Ludigel und prompt wies meine Chefin das Anliegen zurück (gut, sie hat sowieso nie Untergebenen zugehört) und unser Produkt mit dem eingängigen Markennamen Oppopippipoppitec oder so hat nie auch nur einen Hauch eines nennenswertes Umsatzes erreicht. Es war eben eine "unvorhersehbare Vorhersehbarkeit" die meine damalige Chefin da getroffen und völlig überrascht hat.

Ich lasse das Beispiel mit dem fehlgeschlagenen UMPC / SlatePC / TabletPC vor der iPad-Zeit mal weg, wo meine Absatzprognose ("verkauft sich nur in minimalen Stückzahlen, Technik ist noch nicht so weit) eingetroffen ist - wieder war es für den Chef des zweiten Taiwanunternehmens eine unvorhersehbare Vorhersehbarkeit, die ihn wirklich überrascht hat.

 Manila, Philippinen (nicht im EKZ allerdings)

Mein aktuelles großes Unternehmen ist da viel professioneller und ich habe da keine derartigen Beispiele und bin sicher auch asiatisch diplomatisch geworden über die Jahre (ab 2006 und dem SlatePC ;-). Nur bei den geschäftlichen Unternehmungen meiner Frau passieren auch immer wieder die unvorhersehbaren Vorhersehbarkeiten. Etwa als wir ein kleines italienisches Restaurant aufgemacht haben (siehe hier). Nun habe ich halt schon alle möglichen Leute an einigen Ecken der Weltgeschichte getroffen und bin eigentlich recht gut im Verhalten-Vorhersagen. Was auch damit zu tun hat, das 99,9% der Menschen etwa so geistig flexibel wie ein Doppel-T-Träger sind. Also eröffnete ich meiner Frau, dass unsere Geschäftsführerin nach einigen Monaten versuchen würde das Restaurant alleine feindlich zu übernehmen. "Unsinn" sagte sie da und als genau das Prognostizierte dann nach ein paar Monaten eintrat, traf es meine Frau wirklich überraschend. Vorhersehbar war das nicht! Ich konnte es nicht lassen auf meine wieder mal vorher viel zu direkt (weil ja im privaten Rahmen) abgelassene Prognose zurück zu kommen. Doch das hatte ich alles falsch verstanden und .... (meine Frau machte eine kurze Kunstpause) ... die feindliche Übernahme war eigentlich ihr Geheimplan gewesen. Aha! Also doch nicht überrascht worden von der unvorhersehbaren Vorhersehbarkeit die von Anfang an als eine Art Doppelbluff mit doppeltem Hohlboden eingeplant war.

Die vor kurzem geplante Eröffnung einer Restaurantkette in Manila hatte das Business Model, einfach die selben Schnelllokale in Einkaufszentren (EKZ) neben den schon existierenden aufzumachen. Ein in Taiwan durchaus beliebtes Geschäftsmotto: Wenn irgendwo 10 Fressbuden stehen mach die 11. auf nach dem Gesetz der Serie! Klappt ja in Taipei auch irgendwie. Ich wollte schon einen Einwand erheben, dass wir uns von der Konkurrenz irgendwie absetzen müssten aber diesmal schwieg ich still. Gut, das EKZ-Management hat die Restaurants abgelehnt, wegen mangelnder Absetzung von der Konkurrenz. Aber diesmal habe ich es nicht laut gesagt, also zählt es nicht.

Derzeit planten meine Frau und ihre Schwester eine Printshopkette und haben begeistert vom neuen Projekt den Reingewinn der Druckerei und des bislang einzigen Outlets (Verkaufskiosk) im Supermarkt einfach mal 3 genommen als Gewinnerwartung für die drei geplanten neuen Filialen. Neunmalklug erklärte ich gestern Abend meiner Frau das ginge so nicht, weil man die Arbeit der Druckerei mit ihren Großkunden (Fabriken, Supermarktketten, Bankfilialen) nicht einfach in den Kioskgewinn (Kiosk verkauft Jesusaufkleber und Baby-on-Bord-Zeug) hineinrechnen könne. Wieder bin ich direkt damit raus geplatzt und meine Frau musste so, um ihr sehr hübsches Gesicht und den kulturell-geschäftlichen Vorsprung vor dem tumben weißen Manne zu retten einige rethorische Kurven hinlegen, um den doppelschwesterlichen Businessplan vor mir zu rechtfertigen. Es bleibt also bei der übertriebenen Gewinnerwartung, womit die bald einsetzende Enttäuschung und baldige Geschäftsaufgabe wegen "unvorhersehbarer Vorhersehbarkeit" schon vorprogrammiert ist.

Ich denke, es wird sich nichts mehr ändern. Der Teutonengatte platzt jedenfalls privatgeschäftlich immer noch mit seinen analytischen Einsichten direkt heraus, die Taiwaner müssen flugs ihr Gesicht retten und rennen dann in die ..... (sie können es jetzt bestimmt schon singen)... direkt hinein.

Aber lustig ist es irgendwie das zu beobachten. Wenn ich dann bei Eintritt der "unvorher.... Vorher....keit" echtes Erstaunen vortäusche belustigt mich das mittlerweile so, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Ist eben ein lustiges Land mit lustigen Leuten hier.

Mentale Notiz: In Zukunft der Gattin genau wie seit 2006 im Geschäftsleben nur noch diskrete Denkanstöße geben, die beim Empfänger den Eindruck erzeugen, er sei mit seiner 5000jährigen kulturellen Überlegenheit und überlegenen taiwanisch/chinesischen Intelligenz selber drauf gekommen ;-)

P.S.: Wie immer zu Beginn eines Projektes bin ich derzeit etwas nervös. Ich denke immer: Wenn diesmal die Taiwaner um mich herum recht haben, dann gerät mein ganzes Verständnis von Logik, Naturgesetzen und dem ganzen Universum grundlegend aus den Fugen. 

UPDATE: Im wesentlichen kann man sagen, dass die Umsatzprognosen vom Schwestergespann einerseits und mir andererseits um Faktor 10 für den erzielbaren Reingewinn auseinander sind. Ich hoffe natürlich, dass das Schwesterduo Recht hat und nicht ich wieder mal. Hübscher sind die beiden als ich, per Definition geschäftstüchtiger und intelligenter und in der Überzahl außerdem ;-) 

Dienstag, Mai 05, 2015

Ludigels Rentenüberblick Taiwan (Update Oktober 2019)

Zur Rentenversicherung in Taiwan
(Kleines Update Februar 2019 und 2x Oktober 2019)


Hinweis: Kommentare unten können sich auf ältere Versionen dieses Artikels beziehen!

Bitte beachten Sie das letzte Update vom Oktober 2019 ganz unten!

Natürlich sind IT-Leute wie ich immer jung und werden nie Alteisen. Und das Rentenalter ist ja noch weit weg. Aber schon beim Erhalt des Abizeugnisses hat uns die Schulleitung damals gleich einen Rentenbescheid über die Zeit mitgegeben. Wenn ich jetzt also mal gucke, wie das denn nun mit den Rentenjahren in Taiwan ist, ist das sicher nicht zu früh. Update: Wichtig: Es existiert KEIN Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Taiwan, daher kann man sich nicht an den deutschen Rentenversicherungsträger wenden was Beiträge und Leistungen angeht, sondern Taiwan aka die Republik China ist zuständig.

Immer wieder hört man von der "Labor Law"-Rente als auch der "National Pension"-Rente. Die Labor-Law-Rente ist dabei die Normalrente und Gegenstand dieses Artikels.  Die "National Pension" hingegen greift möglicherweise nur für Leute, die keine andere Rente in Taiwan haben - also auch keine Labor Law-Rente, wie sie unten gleich erklärt wird. Eigenartigerweise geht meine Frau trotzdem davon aus beide zu bekommen. Aber da bin ich mir nicht sicher. So wie es auf den englischsprachigen Infoseiten taiwanischer Regierungsinstitutionen steht kann man nur entweder Labor Law-Rente oder National Pension bekommen, nie beides. Die National Pension steht nur für Staatsbürger der R.O.C./Taiwan zur Verfügung und neuerdings (2013) für Ehegatten der selbigen. Stellt aber offenbar in der Praxis nur eine kleine Zusatzabgabe vom Gehalt dar von der man letztendlich nichts hat, wenn man ohnehin die normale "Labor Law"-Rente kriegt.

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Zur Labor Law-Rente:
Zu beachten ist, dass es ein altes und ein neues Labor-Law-Rentensystem gibt. Das alte galt bis 31.12.2004 (theoretisch seit 1953) und war firmengebunden. Das heißt das Modell ging davon aus, dass man sein ganzes Leben beim selben Arbeitgeber arbeitet. Der hatte dann ein Fondskonto bei der Nationalbank für einen aufgemacht und bei Eintritt des Rentenalters hätte man beim Arbeitgeber die Rente beantragt. Eigentümer des Rentenkontos ist der Arbeitgeber gewesen! Auch wenn das System seit 1953 theoretisch existierte (ganz theoretisch aber nicht anwendbar seit 1950) wurde es aber nicht "enforced" wie die Taiwaner auf den englischen Webseiten schreiben. Das heißt es hatte für den Arbeitgeber keine Konsequenzen wenn er die Rentenversicherung ignoriert hat. Und fast jeder Arbeitgeber hat sie ignoriert.
In der Praxis gab es Nutznießer erst ab den 90ern, oft sogar erst 2000er-Jahren. Vorteil des alten Systems der Labor-Law-Rente: Man kann zwischen Einmal- und monatlicher Zahlung wählen.

Phase II der Rentenversicherung kommt dann ab dem 01.01.2005. Wer jetzt neu ins Arbeitsleben eintritt oder den Arbeitgeber wechselt kommt automatisch in das neue System. Das neue System hat jetzt das Arbeitsministerium der R.O.C./Taiwan als Rentenversicherungsträger und wieder gibt es einen Fond für den Arbeitnehmer. Diesmal ist jedoch der Arbeitnehmer der Eigentümer des Fonds, auch wenn er ihn erst mit eingetretenem Rentenalter (oder mit etwas Abschlag 5 Jahre vorher) in Zugriff nehmen kann. Allerdings wurde das Rentensystem immer noch nicht "enforced", so dass wohl wieder nicht alle Arbeitnehmer eine Rentenversicherung in dieser Zeit hatten. Man kennt es ja von älteren Taiwanern, die haben nur dann eine Rente, wenn sie bei Vater Staat gearbeitet haben.

Ansprüche aus Phase I können in das neue System übernommen werden, aber das ist kein Automatismus. Wer die Ansprüche nicht beizeiten überführt hat eine unklare Situation, wie er später mal verfährt, wenn das Unternehmen nicht mehr existiert. Auflösung hier unklar.

Phase III kam dann ab 2009. Jetzt wurde die Rentenversicherung "forciert".  Also die Nichtteilnahme durch Unternehmen bestraft. Erst jetzt wurde die Labor-Law-Rente zur Rente für die breite Masse. Jedenfalls für alle, die ordentlich angestellt sind und nicht nur schwarz bei Oma am Nudelstand arbeiten.

Anspruch hat man derzeit noch mit Rentenalter 60 für Herren und 55 für Damen, jedoch steigt das Rentenalter laut den englischsprachigen Infoseiten ab 2019 (dem 10. Jahrestag der "Forcierung" der Rente, manchmal aber auch mit 2018 angegeben) alle zwei Jahre um 1 Jahr an. Leser dieses Blogs, sollten Sie in Taiwan an der Rentenversicherung teilnehmen, werden also wohl erst ab 60/65 (Damen/Herren) auf den Rentenfond Zugriff haben, denn das ist derzeit offenbar das Endalter der erwähnten Steigerung.
UPDATE: Nach dem Besuch bei einer "...Insurance Labor Union", also einer Art Sozialversicherungsnehmer-Gewerkschaft in Taipei (tatsächlich eine private Agentur, keine Gewerkschaft im deutschen Sinn) sieht es so aus, als ob ich (Jahrgang 66, seit 2004 Arbeitnehmer in Taiwan) jedenfalls die Rente schon mit 65 ohne Abzug beantragen könne. Für jedes Jahr der späteren Beantragung sollen 3% Zinsen gezahlt werden. Andere Quellen reden von einer weiteren Steigerung bis 67; ich hoffe derzeit aber auf die 65.

Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, auf den Rentenfond des neuen Systems zuzugreifen. Natürlich immer durch Antragsstellung beim Rententräger. Und es ist fast sicher davon auszugehen, dass nur auf ein taiwanisches Konto gezahlt wird, obwohl dazu Informationen fehlen.

Fall 1: Man hat weniger als 15 (in der Praxis ist die Grenze offenbar sogar 16) Beitragsjahre. Dann erhält man eine Einmalzahlung wie folgt:

a) Man nehme die 60 gehaltsstärksten Monate und bilde ihren Durchschnitt Dg.
b) Man multipliziere Dg mit den vollen Beitragsjahren, das müsste die Auszahlungssumme sein.
Als obere Berechnungsgrenze findet man zwar auf englischsprachigen Webseiten 150.000 NT für das monatliche Gehalt (darüber wird gekappt für die Rentenformel), aber die Beamten nehmen möglicheweise (lt. Info die meine Frau bekommen hat) den niedrigeren Kappungswert von 43.900 NT für die Formel.



Fall 2: Man hat 15 (lt. chinsischspr. Seiten: 16) Beitragsjahre voll

Dann erhält man eine monatliche Rente. Monatlich Auszahlungssumme ist der größere Wert von den beiden alternativen Formeln:

Dg x Ej x 0.00775 + 3000 NT
Dg x Ej x 0.0155 NT

Kürzel:
Dg: durchschnittlich versichertes Gehalt 
Ej: Einzahlungsjahre
NT: New Taiwandollar
Gehälter zählen möglicherweise nur bis zur oben angegeben Obergrenze von offenbar 43.900 NT, darüber Kappung.



Immer wieder hört man, man könne auch bei neuen System zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rente auswählen. Das ist laut der englischen Wiedergabe der Gesetzestexte falsch. Jedenfalls nach diesen englischen Seiten gibt es die monatl. Rente nur, wenn man 15 Jahre eingezahlt hat und die Einmalzahlung nur bei weniger als 15 Jahren. Aber: Die oben erwähnte Insurance Labor Union erklärte, ich würde bei Komplettierung von 15 (offenbar 16) Jahren Beiträgen zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rentenzahlung wählen können. Wieder scheint die Praxis nicht den auf Englisch wiedergegebenen Gesetzestexten zu folgen.

Unklar ist mir noch, wie nicht vollständige Rentenjahre zählen. Ich vermute, dass diese anteilig zählen, bin mir aber nicht sicher. Es wäre ja unfair jemanden, der nur 11 Monate in Taiwan rentenversichert war, wegen des fehlenden Monats seine Rente vorzuenthalten.

Unterschiedliche Rechtslage für in Taiwan verbeamtete Ausländer und normale Angestellte: Wie im Facebookforum "Germans in Taiwan" berichtet wird und wie mir der Betroffene selbst geschrieben hat, ist im Falle einer Public Service Pension (das ist die Rente für beamtete Staatsdiener, über die man wenig auf Englisch findet) einem Antragssteller mit der erforderlichen Anzahl von Jahren für die monatliche Rentenzahlung eben diese verweigert worden mit der Begründung, er habe keine Staatsbürgerschaft der Republik China/Taiwan. Update: Mittlerweile ist durch Auskunftseinholung beim taiwanischen Rentenversicherungsträger klar  dass es bei der Public Service Pension eine Sonderregelung für Ausländer gibt.  Diese erhalten offenbar nur dann eine monatliche Rente, wenn sie auch Staatsbürger der Republik China sind, ansonsten nur die Einmalzahlung.


UPDATE: Mir hat der Betroffene, ein in Taiwan beamteter Professor an einer taiwanischen Universität selbst seinen Fall erzählt. Achtzehn Jahre Dienst und während es anfangs hieß, die ausländischen Beamten würden wie Taiwaner behandelt heißt es nun, sie bekämen mangels hiesiger Staatsbürgerschaft nur die (recht geringe) Einmalzahlung!

Wichtig für Taiwan vor Erreichen der 16 Jahre Rentenbeiträge verlassende Ausländer:
Man kann -jedenfalls durch Mitgliedschaft bei der o.g. Organisation- weiter in der Krankenversicherung und der Rentenversicherung in Taiwan bleiben und die notwendigen Beiträge aus dem Ausland heraus zahlen!

a) Grundvorraussetzung dafür ist, die ARC zu behalten, wofür man jedes Jahr für ein paar Tage nach Taiwan kommen muss (Achtung: Das geht nicht für APRC-Inhaber, da diese 183 Tage im Jahr in TWN leben müssen!).

b) Parallel kann man auch in der gesetzlichen Krankenversicherung Taiwans, der NHI bleiben und die zugehörige Chipkarte behalten, wenn man weiter die Beiträge zahlt und sich einmal im Jahr in Taiwan bei irgendeinem Arzt für irgendetwas behandeln lässt (!).

c) Auch ohne Job in Taiwan und bei Wohnsitz im Ausland zahlt man dann freiwillig weiter die Rentenversicherungsbeiträge, um die 16 Beitragsjahre (oder mehr) zu komplettieren. Der Rentenanspruch kann dann in meinem Fall sogar noch deutlich gesteigert werden (von etwa 12.000 NT bei 16 Jahren -oder auch nur 10.500- auf 19.000 NT bei Weiterzahlung bis zum Rentenalter).

Meine Mitgliedschaft in der "Sozialversicherungsgewerkschaft" ist bereits akzeptiert worden. Offenbar musste die Org dazu eine Regierungsgenehmigung einholen. Ich werte das als Hinweis, dass ich dereinst wirklich eine monatliche Rentenzahlung bekommen werde.

Soweit mein Scrapbook zur Rentenlage. Wer mehr versteht davon möge in den Kommentaren Berichtigungen schreiben. Link zur Labor Law Rente von Regierungsseite: http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=JpyLhdHXQNs%3D


Werden die Taiwaner nun garantiert zahlen, selbst wenn man bei Renteneintrittsalter schon längere Zeit nicht mehr in Taiwan wohnt? Das weiß ich natürlich auch nicht. Erfahrungsgemäß haben taiwanische Beamte sehr eigene Vorstellungen von der geltenden Rechtslage, die mit dieser längst nicht immer deckungsgleich sind. Es scheint eine Art eingefleischtes Prozedere in jeder Behörde zu geben, nach dem relativ unabhängig von der Rechtslage verfahren wird. Da kennen die Beamten dann kein Verhandeln und bleiben i.d.R. stur dabei. Ein Ausländer, der wie ich dann irgendwann Rente beantragt wird in dieser Hinsicht also Neuland betreten.

Ich denke, wenn man einen Schrieb mit seinem chinesischen Namen hat (etwa die letzte ARC) und idealerweise die Unternehmen mit ihren chinesischen Namen findet - etwa Gehaltszettel aufgehoben hat - wird es wohl kein Problem geben. Desto mehr man dem "Laowai" gleicht, der nach Jahrzehnten ankommt und sagt, ich heiße Hermann Meier und habe mal bei Gobbeltec in Wanli gearbeitet und lebe heute in Oberammergau in Deutschland, desto geringer sind wahrscheinlich die Chancen den Prozess ordentlich abzuschließen. Mit dem chinesischen Namen "He Ping Lee" oder was auch immer in chinesischen Schriftzeichen und dem wahren Namen von Gobbletec (in chinesischen Schriftzeichen: Millionen-Treue-Kunden-Hochtechnologie-Exzellenz-auf -goldener-Wiese-im-Mondschein Ltd.) wird es wohl gehen.

Persönlich bin ich nach dem Besuch der oben erwähnten Rentenagentur etwas optimistischer geworden, dass alles glatt über die Bühne gehen wird dereinst.


Ich selbst als Beispiel: Konkret ist meine Situation die folgende (freilich ohne Gehaltssummen):


2004 habe ich bei einem Unternehmen hier angefangen und bin wohl bis Anfang 2005 geblieben. Für diese Zeit ist in das alte Rentensystem eingezahlt worden. Der Inhalt des resultierenden Rentenfondskonto (bei der Nationalbank) bzw. die gezahlten Beiträge sind mittlerweile bereits in das neue System per Antrag überführt worden.

Als ich dann um 2005 den Arbeitgeber gewechselt habe, bin ich direkt in das neue Rentensystem gewechselt, weil meine Arbeitgeber netterweise von der Rentenversicherung Gebrauch gemacht haben, ob wohl diese vor 2009 nicht zwingend war. Das Unternehmen gibt es heute nicht mehr wirklich, aber das unerheblich, weil meine Beiträge ins neue Rentensystem "gerettet" worden sind.

Mein aktueller sehr großer Arbeitgeber hat dann (Wechsel 2007 denke ich) auch korrekt abgeführt.

Also habe ich im Jahre 2016 die Rentenformel Dg * 12 als Einmalzahlung in NT. Das müsste ich bei Eintritt des (65. oder) 67. Lebensjahres erhalten, wenn ich im Jahre 2016 aufgehört hätte zu arbeiten.

Die kohärenteste Info zur Rentenlage ist wohl der Link der Immigratiosbehörde: http://iff.immigration.gov.tw/ct.asp?xItem=1217233&ctNode=34333&mp=iff_en


Edit: Wissenschaftliches Papier zur Rente in Taiwan der Universität Kent: http://www.kent.ac.uk/scarr/events/beijingpapers/Funew2ppr.pdf 


Modellrechnung 1:

Thomas Meier hat vom 01.01.2010 bis zum 01.01.2020 in Taiwan als normaler Angestellter bei einem taiwanischen Unternehmen gearbeitet. Sein Gehalt ist in den Jahren von 80.000 NT auf 120.000 NT monatlich gestiegen. Angerechnet für das Durchschnittgsgehalt werden aber offenbar nur 43.900 NT monatlich, so dass er (wenn er dereinst 65 - oder 67 Jahre?) alt ist, in Taiwan folgende Rente beantragen kann:

10 x 43.900 NT = 439.000 NT als Einmalzahlung.

Entscheidet sich Thomas Meier nun für die Mitgliedschaft in der privaten Sozialversicherungsgewerkschaft dann kann er seine Beiträge freiwillig noch 6 Jahre weiter zahlen (das sind dann offenbar knapp 4400 NT monatlich) und erhält dann mit 65 oder 67eine monatliche Rente von 10.887 NT auf ein taiwanisches Konto.
Lebt er noch 10 Jahre nach Rentenerhalt, sind das immerhin 1.306.440 NT Rente.

Modellrechnung 2:

L. Udigel (Name von der Redaktion geändert) hat von Februar 2004 bis -sagen wir- Juni 2020 in Taiwan gearbeitet. Das macht dann 16 Jahre Beitragszahlung. Schon mit kompensiert sind vielleicht ein paar Monate zwischen den Jobs. Er hätte also auf jeden Fall 15 Jahre Rentenbeiträge voll, um die monatliche Rente zu bekommen.
Sein Gehalt war immer über dem (in Praxi) Kappungsbetrag von mtl. 43.900, damit ergibt sich die folgende Rechnung nach den beiden Formeln oben:

43900 x 16 x 0.00775 + 3000 = 8443.6 NT
43900 x 16 x 0.0155 = 10887.2 NT

(selber Betrag wie oben ;-)

Also würde der gute L. Udigel, wenn er dann im Juni 2020 in seine Heimat Teutschland entschwände, mit 65 (oder 67?) eine monatliche Rente von 10887 NT auf ein taiwanisches Konto erhalten. Nach dem gegenwärtigen Kurs wären das etwa 311 Euro. Da man gegenwärtig nicht per (ohnehin komplett auf Chinesisch vorhandenem) Computerbanking von Taiwan ins Ausland Geld transferieren kann, müsste der Gute dann einen Vertrauensmenschen in Taiwan haben oder alle paar Jahre rüberfahren, um sich nach viel Zungenbrecherei oder mit Dolmetscher das Geld nach Deutschland überweisen zu lassen, was wohl jeweils 100 Euro Gebühren verschlingt. Obige Rechnung geht davon aus, dass er nicht die Rentenbeiträge weiterzahlt.

UPDATE 10/2019: Bin die Tage informiert worden (über einen chinesischsprachigen Brief, den die werte Gattin gelesen hat), dass ich ab sofort meine 15 Beitragsjahre für die monatliche Rente voll habe. Hurra!

UPDATE 10/2019 das Zweite: Nach Kontaktierung des Rentenversicherungsträgers in Taiwan hat meine Frau nochmals bekräftigt, dass ich dereinst, wenn die Rentenzahlung (offenbar mit 65 Lebensjahren) ansteht, zwischen einer Einmalzahlung und einer monatlichen Rentenzahlung wählen kann. Das widerspricht den Informationen auf den englischsprachigen Webseiten, wie sie oben wiedergegeben sind. Denn dort gibt es eine Einmalzahlung (auf niedrigem Niveau) nur, wenn man weniger als 15 Beitragsjahre beisammen hat.
Achtung: Meine Frau sagte, es gäbe 2 Rentenlevel und meine derzeitige Firma hätte die ganzen Jahre auf dem HÖHEREN RENTENLEVEL für mich einbezahlt. Daher würde sich auch eine Einmalzahlung lohnen.
Auf den englischsprachigen taiwanischen Rentenwebseiten fand sich bislang KEINE INFORMATION über ein höheres Rentenlevel und nach den obigen Formeln wäre eine Einmalzahlung (die Pflicht ist bei unter 15 Beitragsjahren) viel zu gering, als dass man sie in Erwägung ziehen sollte. Allenfalls die beiden Kappungsgrenzen, die oben erwähnt sind, von einem anrechenbaren Gehalt von max. 43.900 NT monatlich und dann doch manchmal 150.000 NT, könnten einen zwei verschiedene Level der Rente vermuten lassen. Ich werde da noch mal nachforschen. Aber wenn die englischsprachigen Webseiten der taiwansichen Rente eben unklare oder falsche Informationen geben, wird das natürlich fruchtlos bleiben.
Einstweilen kann man obige Formeln und Erklärungen also zumindest als das MINDESTNIVEAU der Rente in Taiwan nehmen. Ob es wirklich ein höheres gibt, steht noch in den Sternen.

EDIT: Eine neue Webseite (https://www.bli.gov.tw/en/0010366.html)  hat viele neue Informationen. Manches davon ist widersprüchlich oder unklar. So ist hier die Rede davon, dass das neue Rentensystem nur Staatsbürger, deren Ehegatten oder PERMANENTE Residente erfassen würde. Das wären schlechte Nachrichten für alle, die einfach nur ein paar Jahre hier gearbeitet hätten ohne Ehe und ohne PARC (Permanente Aufenthaltskarte). Oder was sind die Kriterien für "permantente Residente"? I
Alle, die 15 Beitragsjahre voll haben, können demnach auch zwischen monatlicher und Einmalzahlung der Rente wählen.. Die Formeln für die nichtpermanenten Residenten sind jedenfalls die selben wie oben erwähnt. Allerdings habe ich auf die Schnelle nichts von der Kappungsgrenze gefunden. Na ja, so richtig werde ich es erst wissen, wenn ich es dereinst mit 65 ausprobiere...

Freitag, April 24, 2015

Taiwan interessant für ausländische Experten?

Immer wieder wird erwähnt, Taiwan wolle vielleicht in Zukunft ausländische Experten anwerben wie Singapur oder dergleichen und sein Immagrationsrecht ändern. Diese Geisterdiskussionen versickern immer schnell wieder und langjährige Expats äußern sich fast immer kritisch. Was hat es also damit auf sich?

ACHTUNG: Linksammlung zur Arbeitswelt in Taiwan am Ende!

Wenn man ins Ausländerforum guckt wie Forumosa.com, dann werden solche Pläne Taiwans, ggf. in Zukunft gezielt ausländische Experten anwerben zu wollen, meist sehr kritisch kommentiert. Auch bei Facebook in entsprechenden Expatgruppen. Argumente sind meist
(a) Politiker reden immer nur drüber und machen eh nix,
(b) Gehaltsniveau zu niedrig,
(c) toxisches Arbeitsumfeld i.S.v. "unangenehm/mit großem Konfliktpotential für den Ausländer" und
(d) "Karrieregrab"

Das klingt alles nicht sehr ermutigend. Ich möchte das einmal mit meinen persönlichen Erfahrungen in drei taiwanischen Unternehmen vergleichen und dann eine Einschätzung gemäß (b) bis (d) für diese Unternehmen vornehmen. Die Namen der Unternehmen werden nicht genannt und einzelne Geschäftsvorfälle nur unscharf wiedergegeben, wenn sie längst im Nebel der Geschichte versunken sind.

Die Namen der Unternehmen sind geändert.

I. Unternehmen OKAYO. 
Meine Tätigkeit etwa: 2004-2006
Noch heute existent (stark geschrumpft)
Etwa 50 Mitarbeiter. Geführt von Ehepaar, wo sie das "Business" machte und er die Entwicklung.
Produkte: USB-Kabel und dergleichen (auslaufend), USB-Festplattengehäuse, teilweise mit Hardwareverschlüsselung. Produkte heute ähnlich im SATA und RAID-Bereich, also immer noch Festplattensysteme

Im Jahre 2004 musste ein Job schnell her. Meine Frau brach die Zelte in Deutschland ab, als mein "Dot-Com-Bubble" - Arbeitgeber dort, der schöne kryptographische Sofware gemacht hatte, in die Insolvenz ging. Da musste es Taiwan sein und weil mein Arbeitgeber die letzten Monate das Gehalt nicht mehr gezahlt hatte, war mein Konto leer und ich nahm die erste Zusage an, auch wenn ich nur die Hälfte meines letzten Softwareentwickler- plus Produktmanager - Gehalts bekam - als Produktmanager.

Arbeitsstil im Unternehmen: Sehr herrischer Führungsstil durch die Chefin, die viel im Unternehmen herum schrie. Mitarbeiter rannten mit devot gesenkten Köpfen hinter ihr her. Totales Mikromanagement durch eine freilich sehr fähige Chefin, die aber eben jedem Mitarbeiter oft einzelne Arbeitsschritte abnahm. Eigener geistiger Input wurde in der Regel aus Zeitgründen nicht beachtet oder grundsätzlich verworfen. Chefin war immer und überall und behandelte ihre Businesssektor-Mitarbeiter eher wie Drohnen. Dieser Micromanagement genannte Führungsstil soll in kleineren taiwanischen Unternehmen üblich sein, wie man hört.

Business-Model des Unternehmens: Sich knapp hinter einem großen Technologieführer positionieren (i.d.R. US-Unternehmen oder auch japanisches mit Ingenieurbüro anderswo in Taiwan und Produktion in China) und dessen NEUE Produkte nachmachen und eine verbesserte Version dieser Produkte zusätzlich anbieten. Die Grundversion i.d.R. zum günstigeren Preis. Solange von den ANFANGS noch recht hohen Deckungsbeiträgen profitieren, wie das Produkt neu ist. Später kommen tausend Me-Too-Unternehmen dazu und die Preise fallen dramatisch. Dann musste OKAYO schon wieder auf das nächste neue Produkt umgesattelt haben.

Meine Erfahrungen: Schnell zeichneten sich durch generelle Marktflaute finanzielle Probleme des Unternehmens und Personalreduzierung ab. Das letzte Produkt der Chefin, das während meines Daseins entstand, war eine Kopie einer kleinen USB-Festplatte mit 1GB oder 2GB Speicher, damals sehr viel! Der Straßenpreis des japanisches "Orginalprodukts" lag bei 100 Euro (damals okay). Wir hatten ein ähnliches Produkt auch für 100 Euro und die hardwareverschlüsselte Upgradeversion für einen höheren Preis. Das ging so nicht, weil man immer günstiger sein musste als das Vorbild mit großem Markennamen. Ich wies die Chefin darauf hin, die den Einwand wegwischte und auf dem zu hohen Straßenpreis bestand. Alsbald zeichnete sich eine de-facto-Pleite ab. Allerdings gehen taiwanische Unternehmen meist nicht pleite sondern können ohne große Kosten Personal freistellen und dann mit 5 Leuten weiter machen. In der Schrumpfphase wurde ich als Vertriebshoffnung gesehen - das passiert Ausländern fast immer in Taiwanunternehmen - und ich sollte eine deutsche Zweigstelle eröffnen. Freilich war mein Budget dazu etwa 0 Euro. Oder genau 0 Taiwandollar.
Mit Risikofreude und praller privater Kriegskasse hätte ich mich hier als deutsche Zweigstelle aufstellen können. Ob das ein empfehlenswertes Investment war wage ich jedoch zu bezweifeln. Meine eisernen Reserven wollte ich nicht in das Unternehmen investieren.
In dieser Phase waren die montäglichen Businessmeetings längst zu einseitigen Schreiorgien geworden und ich kündigte, in dem ich sehr taiwanuntypisch der Chefin eine ruhig und genüsslich vorgetragene Retourkutsche gab, als sie wieder mal loslegte und ich an der Reihe war. Gleich nach dem Meeting bat sie mich höflich zum Personalgespräch und ich präsentierte ihr das vorbereitete Kündigungsschreiben, das ich schon dabei hatte seit Tagen und sagte ihr taiwantypisch, ich müsse mich "um meine Familie kümmern", was man immer in Taiwan sagt wenn man kündigt. Wir trennten und freundschaftlich.

Unternehmen heute: Vor einem Jahr sollten es noch 2 Frauen und 3 Männer gewesen sein oder dergleichen. Deutsche Zweigstelle wieder verschwunden. Ich wünsche dem Unternehmen alles Gute, denn sie haben sich ein hartes Geschäftsmodell ausgesucht und da ist sicher nicht viel Raum für Freundlichkeit.

 Kriterien:
(b), zu wenig Geld: ja
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld: ja: Schreiorgien und lustigerweise einmal sogar war es buchstäblich toxisch, als auf dem Flur mit Außenholzlack im Innenbereich renoviert wurde und die meisten Angestellten ohnmächtig auf den Schreibtischen schliefen. Auch eine Hochschwangere.
(d), Karrieregrab: jein: Kleine Unternehmen haben nun mal wenig Aufstiegschancen. Mit praller privater Kriegskasse und unternehmerischer Vision hätte man es zum "Mr.Germany" des Unternehmens in Deutschland (natürlich Düsseldorf) bringen können.

Anekdote: Steve, der jesusmäßig aussehende coole US-Editor, schreibt meine Texte um, indem er zwei völlig inkompatible Satzhälften locker aneinander klebt.


II. Unternehmen PROTEC
Tochterunternehmen eines anderen asiat. Unternehmens
Meine Tätigkeit etwa: 2006-2007
Heute offenbar nicht mehr existent oder in-name-only unter dem Mutterunternehmen
Etwa 50 Mitarbeiter. Geführt von "President".
Produkte: Früher Notebookgehäuse, zu meiner Zeit Tablett-PCs - wohlgemerkt zu Zeiten VOR dem iPad von Apple.

Ich wechselte von OKAYO nach PROTEC wieder ins PM. Hier war ich Produktmanager für ein tolles Produkt. Einen wasserdichten Tablett-PC fürs Gesundheitswesen, der ein veritables drahtloses Stethoskop eingebaut hatte. Tolles Ding.

Arbeitsstil im Unternehmen: Große Wichtigkeit von Beziehungsnetzen, nicht ganz untypisch für taiwanische Unternehmen. Entscheidungen konnten um so besser durchgesetzt werden, wenn man als Hardwareentwickler einen guten Draht zum Entwicklungschef hatte oder als Businessmensch zum "President". Ansonsten war der Input eigentlich sehr gering, selbst wenn er fachlich korrekt war. Mein direkter Chef, der PM-Leiter, schien abgestumpft und sagte oft "entscheidet der President, kann man nix machen wenn man nicht sein Freund ist", egal worum es auch ging. Ich musste mich an Rülpskonzerte im Großraumbüro gewöhnen (bin nur einmal im Cubical aufgestanden und habe sie dirigiert) und an das Umherfliegen der Fußnägel meines Chefs (auch so ein Taiwanding die im Cubical zu schneiden). Großzügiger Freizeitausgleich für Überstunden, sehr taiwanuntypisch. Der oft dazu führte, dass die Entwickler (die offenbar in Zeitlupe arbeiteten) nicht da waren, wenn Ingenieure des US-Kunden im Büro standen und die Technik besprechen wollten. Qualifizierte Leute, aber Ingenieure nach Gutsherrenart arbeitend und diffuse Entscheidungswege würde ich als Zusammenfassung geben. Sonst ein sehr netter Umgangston.

Business-Model des Unternehmens: Tablett-PCs für Industriekunden (Lager, Gesundheitswesen) und nach meinem Kommen der Versuch, im Rahmen der "Slate-PC"-Initiative von Bill Gates/Microsoft diese auch Privatkunden aufs Auge zu drücken. Der Slate-PC oder unser kleinerer UMPC war damals ein kompakter, dicker Windows-XP Tablettcomputer mit recht kurzer Batterielebensdauer, aber sonst nett gemacht. "Brick" nannten wir ihn auch umgangssprachlich, weil er so dick war. Leider wurde er auch noch etwas heiß, aber das war damals pre-iPad Stand der Technik. Als ich das Gerät auf der Cebit präsentierte merkte ich, wie wenig Traktion so ein Gerät bei Privatkunden fand. Da musste erst das billigere iPad ohne Hitze, mit mehr Batteriepower und besserer Oberfläche her, aber das war nach meiner PROTEC-Zeit.
Bill-Gates ließ selbst ins Unternehmen vorfühlen und seinen Slate-PC / UMPC dort propagandieren, so dass die Firma sehr optimistisch war, den UMPC bald in riesigen Stückzahlen auch in Deutschland absetzen zu können.

Meine Erfahrungen: Ich führte Erfolgreich mein Healthcare-Tablett-Projekt für einen riesigen US-Kunden durch. Danach sollte ich zum DACH-Vertriebler werden, also Vertriebler für D, Austria und CH. Dabei wurde mir kommuniziert, man würde sehr hohe Absatzzahlen von mir erwarten, weil schließlich Bill Gates persönlich den UMPC pushen würde. Allerdings hatte mein Vorgänger, der Busenfreund des President, genau 0 Stück der UMPC in der Startphase abgesetzt. Meine u.a. Gardner-Marktforschung-gestützte Analyse zeigte den UMPC als Early-Adopter oder eher sogar als vorgelagertes Tech-Enthusiastenprodukt und ich wusste, dass nur wenig Stückzahl damit zu machen sei. Der Tablett-PC wird kommen, sagten Gardner und ich. Aber erst wenn Batterielebensdauer rauf und Preis und Hitze runter gehen würden. Trotzdem fand ich mich eines Morgens als DACH-Vertiebler wieder und mein erfolgloser Vorgänger hatte meinen Job bekommen, weil er Freund vom Chef war und mein Produkt so schön auf die Zielgrade zu lief. Nie werde ich meinen letzten Con-Call mit dem konservativen US-Kunden vergessen, den der neue Projektleiter mit einem zotigen Witz einleitete. "Können wir dir was mitbringen aus Taiwan wenn wir euch mal besuchen?", fragte mein Nachfolger. "Frauen vielleicht oder Kekse?". Man konnte das entsetzte Einatmen des Kunden deutlich hören. Es war Zeit zu gehen im Unternehmen, denn ich bin kein Vertriebler und meine eigene Analyse zeigte ja, dass die überzogenen Erwartungen an das neue Nr.1 - Produkt nicht erfüllt werden konnten. Und die Auslegung der Produktion auf das Gerät sogar das Unternehmen gefährdete.

Zusammenfassung: Bill Gates ist Schuld ;-)

Unternehmen heute: Nicht mehr wirklich vorhanden. iPad-ähnlich aussehende Nachfolgemodelle mit WinXP und Win7 waren nicht durchsetzbar am Markt. Bis Android ist das Unternehmen wohl nicht gekommen, wohl auch weil taiwanische Denkweise sehr Windows-lastig ist.

Kriterien:
(b), zu wenig Geld: mehr als bei OKAYO aber für "ausländische Experten" ein bisserl wenig
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld: nicht wirklich, aber Frustationspotential durch Entscheidungswege und Arbeitsstil nach Gutsherrenart / Freundschaftszirkeln
(d), Karrieregrab:Aufstiegschancen nur durch Freundschaft mit den richtigen Leuten. Wie fast immer die Gefahr, als Ausländer eher projektbezogen (vgl. Ende meiner PM-Tätigkeit als das Projekt erfolgreich auslief) gesehen zu werden oder als Vertriebler und nicht als normaler Dauermitarbeiter.

Anekdote: Oscar, der langhaarige Firmen-Tausendsassa, der immer den Frauen auf die Damentoilette nachstieg, fragte meine Frau wie der Sex mit einem Ausländer sei.


III. Unternehmen BIGONE*
Einer der größten taiwanischen Computerhardware-Hersteller
Meine Tätigkeit: 2007 bis heute
Um die 2000 Mitarbeiter
Produkte: Server, PCs, Notebooks, Tablett-PCs für Spezialanwendungen, Unterhaltungselektronik, PC-Zubehör wie Grafikkarten

Durch persönlichen Kontakt wechselte ich diesmal mit Frau zu BIGONE, wo wir beide ins Team der Bekannten meiner Frau als "Feuerwehr" geholt worden. Das war das Server-Supportteam. Ein junger Kollege hatte unzählige Supportfälle des großen US-Kunden einfach unterschlagen und hier musste man schnell aufräumen, das undokumentierte Chaos organisieren und dem Kunden zeigen, dass jetzt kompetent und ernsthaft an seinen (industriellen) Supportfällen gearbeitet wurde. Hier ging es nicht um Endkunden- sondern Großkundensupport. Das gelang uns auch.
Später übernahm ich die Linux-Entwicklung im Server-Supportbereich und leite seither ein entsprechendes Team, das Test-Software (auch Hardware-Testsuites) schreibt oder eine Art eigener Distro mache, die z.B. auf embeddes-Linux - Geräten zum Einsatz kommt.

Arbeitsstil im Unternehmen: Supportteam und auch das angeschlossene Testteam hatten sicher Optimierungspotential, das zu schaffen wir ja auch eingestellt worden waren.  Frau und ich reoganisierten das Team und Frau übernahm den Vorsitz. Ich selbst sorgte für eine Verbreitung des Linux-Wissens, das für den Serverbereich unabdingbar war und leider vorher nur rudimentär und fast messiashaft von einigen wenigen Mitarbeitern verwaltet wurde, die nur nach viel Bitten in Zeitlupe ihr Wissen anwandten. Ich entdeckte große Ähnlichkeiten zur Arbeitsweise bei PROTEC. Heute hingegen ist das Team effizient, schnell und leistungsfähig und Wissen ist weit verteilt.
Früher war es üblich, dass einzelne Mitarbeiterleistungen kaum beachtet wurden und nur der Teamleiter gelobt wurde. Das lassen wir in unserem Team nicht zu und honorieren stattdessen (vielleicht taiwanuntypisch) auch Einzelleistungen.
Chefs jedenfalls sind absolute Respektspersonen, den man nie widersprechen darf, auch nicht in technischen Diskussionen in Detailfragen. Mir natürlich schon, aber das traut sich wohl auch keiner. Ist ja auch nie nötig ;-)

Business-Model des Unternehmens (Computerbereich): Intel oder AMD bauen ein made-in-USA - Referenzboard eines Computers (also das Mainboard), das Unternehmen wie BIGONE dann adaptieren und zu unzähligen Produkten abwandeln. Zahl der CPUs, RAM-Banken, Schnittstellen, Hitzefähigkeit und anderes können dramatisch je nach Anwendungsgebiet variieren. In einem konkreten Projekt übernehmen dann Ingenieure des Kunden in Zusammenarbeit mit den hiesigen Ingenieuren die konkrete Ausarbeitung. Das entstehende neue Endprodukt (mal mit, mal ohne Gehäuse drumherum) wird dann in China gefertigt, wie üblich.

Meine Erfahrungen: Eine kreative fruchtbare Arbeit und mein Aufstieg vom Großkunden-Supporter zum Linux-Teamleiter waren sehr positive Erfahrungen. Wichtig ist jedoch, dem chinesischsprachigen Flurfunk nicht zu vernachlässigen, bei dem immer wieder nichtzutreffende Gerüchte verbreitet werden. Offenbar dient die qualitativ hochwertige Arbeit meines Linuxteams anderen Mitarbeitern als Herausforderung und Messlatte und sie weichen dem für sie entstehenden Druck aus, in dem sie behaupten, meine Arbeit erledigt zu haben an meiner statt. Da muss man ebenso auf Chinesisch dagegen halten und ein einzelner Expat ohne perfekte Chinesischkenntnisse (wofür ich meine Frau habe) fände sich sicher bald auf dem Abstellgleis - oder eben im Vertrieb - wieder. Weil Kollegen seine Lorbeeren für sich selbst reklamiert hätten. Mit Ohr auf dem chinesischen Flurfunk geht das allerdings recht gut.

Kriterien:
(b), zu wenig Geld:Ich konnte nie ausländische Entwickler einstellen, weil die 100.000 NT verlangen (2.500 Euro etwa) und das können wir nicht zahlen. Taiwanisches Gehaltsniveau ist niedriger.
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld:nur die Gefahr des "Lorbeeren-Stehlens" bei Expats durch Kollegen, die für einzelne Expats ohne perfekte Chinesischkenntnisse wohl "tödlich" wäre.
(d), Karrieregrab: Bei mir nein. Für den einzelnen Expat aber wohl oft doch, siehe (c)

Anekdote:  Der neue Kollege "Elvis" (so sein englischer Kampfname) steht bei mir im Cubical und lacht mich aus, weil ich als Ausländer so komisch aussehe. Kichernde Kolleginnen im Minirock bewirten mich mit Keksen. Heute habe ich einen Management-Cubical und "Elvis und die Miniröcke" sind weg (seufz).

Wenn ich mal gehe, wird mir dieses sehr gute Unternehmen fehlen. Es kommt in der Hitliste meiner Lieblingsarbeitsstellen gleich nach dem deutschen Kryptounternehmen, in dem ich in der auslaufenden Dot-Com-Zeit ein wunderbar kreatives Arbeitsumfeld erleben konnte. Es war einfach Fun, wenn auch nicht ganz marktorientiert; Dot-Com-typisch damals. BIGONE ist oft ähnlich viel Fun und natürlich viel viel marktorientierter. 


Wie lautet also die Bilanz? Können die ausländischen Experten in Scharen kommen?

Nun, ich denke, wenn sie mit unter 100.000 NT (eher 70.000) auskommen und eine einheimische Frau heiraten, dann können sie kommen. Sonst geht das ja Visa-mäßig eher schlecht***. Ernsthaft gesagt eignet sich für den einzelnen Expat Taiwan eher als interessante Auslandserfahrung, nicht auf die Dauer. Wäre meine Schlussfolgerung, wenn ich die obige Liste angucke. Nur für mich läuft es viel besser, seit ich mit Frau im Duo arbeite und daher auch den chinesischen Flurfunk kontrollieren kann. Ein bisschen Chinesisch oder auch mittelgutes Chinesisch würde da nicht reichen beim Einzelkämpfer-Expat.

* leicht editiert
*** Ohne Heirat gibt es ein an den Arbeitsplatz im Sinne von Adresse gebundenes Work-Visa. Kündigung führt daher zu Existenzgefährung, Arbeitgeberwechsel ist schwierig.


Ähnliche Artikel:

Jetzt mit Update April 2015: Arbeitsweltinfo Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html

Noch Stand 2009: Lebenshaltungskosten:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html

Lebensmittelsicherheit in Taiwan (Stand Ende 2014):
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Siehe insb. Punkt 10 der FAQ für eine Auflistung der Skandale.

Eine der aktuellen Meldungen zu chemischer Belastung von Lebensmitteln in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/lebensmittelskandal-in-taiwan-geht.html

Ach coole Expats werden irgendwann mal alt, auch wenn das noch gaaaanz lange hin ist: Korrigierter Artikel zur Rentenversicherung in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/links-zur-rentenversicherung-in-taiwan.html 
Und ein komprimierter Rentenüberlick, den man am besten vor dem obigen Link liest (Zusammenfassung, weitere Erklärungen): http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html