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Donnerstag, September 30, 2021

Freya. Altar.

 Ich habe endgültig genug von dieser Religions-Radianz, die die Taiwaner mit ihren ewigen Familienaltaren mit ihren Holzfiguren von falschen Göttern neben roten Leuchten ausstrahlen. Und denen regelmäßig geopfert wird. Nicht Lämmer oder der Ausländer in der Familie sondern Obst und gekochtes Huhn mit Haut. 

 


Es ist Zeit zurückzuschlagen. Hier also ist Ludigels eigener Altar in der Aufbauphase zu sehen, der gleich neben meinen Festplatten aufbewahrt wird. Freya, aka Gaia, die Große Urmutter, in Plaste made in China nebst einer massivsilbernen Replika der Venus von Willendorf an Silberkette.

Take that, bitches! Und wartet, bis noch das Füllhorn kommt. Und die (Freya untergeordnete) Cerununnos-Figur!

 


 Als Ultrakonservativer waren mir die neumodischen Religionen wie Christentum, Judentum, Buddhismus und *Islam* schon immer zuwider. Go for the Original!


Mittwoch, April 11, 2018

Weisheit


Eigentlich ist es so einfach. Wählen Sie einfach eine Tür.


Links die runde Tür mit dem Halbmond des Islam. Ein Zeichen, das wohl ursprünglich von einem vor-islamischen Mondgott her datiert. Weil fast alle Türme zur Zeit Mohammeds mit eben diesem Halbmondsymbol versehen waren, darunter eben auch die Kabba, die ursprüngliche Moschee in Medina.
In der Mitte der eckige Dacheingang mit Anlehnung an das Dachdesign eines traditionell chinesischen Tempels. Dekoriert mit dem Hakenkreuz in der hier gebräuchlichen Form (invertiert im Vergleich zum Nazi-Kreuz). Wie alle Symbole dieser Art übrigens für die Bewegungen der Sonne über das Jahr am Himmelszelt stehend (oder ein Symbol direkt für die Sonne) und daher in vielen Kulturen zu finden. Gerne hier in Taiwan für den China-Buddhismus oder seine diversen Derivate (gemixt mit Konfuzianismus oder wie auch immer) verwendet.

Rechts dann das Kreuz. Ganz so als seien Menschen Bauklötze, die man nur richtig in die Türchen einsortieren muss. Nur wo ist mein Durchgang für die große Urmutter?


...

Ach da is' ja det gesuchte Türchen.

Dienstag, September 19, 2017

Religions-Rythmus, wo man mit muss

Sehen Sie sich die Bilder an und fühlen sie, wie die göttliche Inspiration in Sie fließt. Am Ende sind auch sie überzeugt vom Buddhismus in Taiwan. Oder wie immer man diesen Buddha-China-Konfuzius-Mix hier nennt.

 Auf geht's...

 Ich bin überzeugt ich kann Sie aus dem Dunkel der Ignoranz führen...
 ... hinein ins Licht der wahren Religion mit ihren unzähligen durchnummerierten Göttern.

 Da rechts geht's lang auf dem Weg zur Erleuchtung. Nehmen Sie sich noch einen Pflaumensaft und Trockenfleisch mit auf den Weg, beides in Plastik...

 "Wenn's rumst noch ein Meter" ist die alte Autofahrerregel und das gilt auch hier inmitten von Knalllörpern und Pulverdampf wie auf einem syrischen Marktplatz...

 Desto rumms und stink, desto heiliger, scheint hier das Prinzip zu sein.

 ...
 ...
 Hier schon mal der Lampenwechsel zur baldigen Erleuchtung der Suchenden.

 ... Vorbei am House of the Rising Lampion...
Haben Sie noch ein wenig Geduld...
...Der freundliche Alien weist den Weg...

 ...


Vor der Erleuchtung erst noch schnell bezahlen... muss sich ja lohnen der Tempel...


 Hier wenn wir uns umdrehen...



 ... und den Blick richtig fokussieren... Dann sehen wir...

 ..Lalf Lee-Gel, den großen Produzenten und Showman Taiwans! Hier voll im Groove und am Swingen was die Betelnuss aushält.


Wenn Sie jetzt noch nicht im religiösen Groove sind, so direkt neben dem Tempel, dann kann Ihnen keiner mehr helfen.
"Buddha akbar", da besteht keine Frage.

Donnerstag, April 14, 2016

Jesus gefunden

Buchstäblich. Wenn ein Kruzifix zählt.

Letztes Wochenende plagten mich ... interne Beschwerden, die wohl auf eine Wanderung einer Erkältung in tiefere Regionen zurückzuführen waren und mir daher die Post-OP-Beschwerden nach meiner vergangenen Operation wieder stärker zum Vorschein brachten. U.a. war ich intern "aufgeblasen" und dagegen hilft... Kümmel. Der ist in Taiwan wohl eher ein exotisches Gewürz und ich suchte ihn erfolglos in Geschäften bei uns in NeiHu, bis ich ihn letztlich in der eigenen Küche fand: übriggebliebene Gewürze von dem einst von uns betriebenen italienischen Restaurant. Ich mag ein kurzes Stoßgebet an den Herrgott geschickt haben, denn jetzt konnte ich mir einen Kümmeltee aufsetzen, der mich alsbald vom Gros der Beschwerden befreite.

Beim Weg zur nächstgelegenen Garküche kam mir dann so in den Sinn im Blog von meiner Anrufung des Herrgotts in satirischer Form zu schreiben, Marke "dank verdorbenem Magentrakt zu Jesus gefunden", doch ich verwarf den Gedanken sofort wieder als zu banal und wenig lustig. Wie man eben so manches kurz andenkt und dann wieder verwirft.



Doch statt meinen gewöhnlichen Heimweg zu nehmen ging ich diesmal aus einer Laune heraus durch ein paar Hintergassen. Verblüfft war ich, dort ein winziges Kruzifix in der Gosse zu finden. Ein billiger Blechartikel sicher nur, mit kaputter Öse mit Haltekettenresten dran. Offenbar ein verlorener Schlüsselanhänger. Erst wollte ich ihn auf einen Mauervorsprung legen, damit ihn der Eigentümer wieder finden könnte. Andererseits war das Ding scharfkantig und bei solcher Präsentation bestand die Gefahr vom Verschlucken durch Kleinkinder. Auch hätte die in der Nähe arbeitende Müllfrau (alte Frauen, die in Taipeis Straßen nach Müll suchen) sicher das Ding als Metallschrott mitgenommen. Außerdem ist es ja ein extrem geringwertiger Artikel und mir rang noch das "Jesus gefunden" aus meinen Gedanken im übertragenen Sinne in den Ohren. So ziert das Kruzifix heute meine schwarze Handyhülle. Sieht sicher etwas streng aus, ist aber sicher auch praktisch. Wo man ein Handy fast immer zur Hand hat kann man so schnell den nächsten Vampir oder eine Ausgeburt des Bösen in die Schranken weisen. "Vade retro satanas!" und nebenbei kann man weiter die Nachrichten lesen.

Aber schon irgendwie unheimlich, wer alles mithört, wenn man so in Gedanken ist.


 

Mittwoch, August 26, 2015

Dein innerer Buddhist

Wie auch andere Expats wurde Ludigel von der fernöstlichen Weisheit seiner Gastgeber angezogen

Viele Expats werden, wenn sie lange genug in Asien sind zu Buddhisten. So ich natürlich auch, klar. Wer könnte sich der Weisheit des Gastgebervolks entziehen, das seine meditativ ruhige fernöstlich weise Art ja tagtäglich beispielsweise im Straßenverkehr demonstriert. Nun gibt es andere Expats die einwenden, hier in Taiwan gäbe es gar keinen Buddhismus sondern die i.d.R. den chinesischen Götterhimmel Anbetenden seinen in Wirklichkeit.... äh ... irgendwas anderes. Doch ehrlich gesagt, solche Klugscheißerei kann einen richtig überzeugten Buddhisten wie mich natürlich nicht vom täglichen Anbetungsgeschäft abhalten. Schließlich kannte man auch bei der letzten Religion nicht den Unterschied zwischen Arianern und Trinitarianern und hat das mit der Heiligen Dreifaltigkeit eh nie so ganz verstanden. Weil damals die Grundschullehrerin folgendes sagte:

"Also das mit der Heiligen Dreifaltigkeit erkläre ich euch mal. Das ist so....."
[sie legt die Stirn in Falten]
"Ach neh, da seit ihr noch zu klein zu."

 Heilige Dreifaltigkeit (zweite Reihe nicht mitgezählt)

Man wird dann größer im Laufe der Jahrzehnte, aber kriegt es immer noch nicht erklärt. Aber heute ist man ja Buddhist. Mir geht es da so wie einem Deutschen, der vor ein paar Jahren im deutschen Fernsehfunk Berühmtheit erlangte, als er mit seiner Familie nach Kambodscha auswanderte. "Nur durch den Buddhismus kann ich meine wilde innere Natur zügeln" schrieb er sinngemäß. Ich weiß nicht, wie es ihm ging, aber ich sitze natürlich mit meinem muskelbepackten eingeölten Oberkörper andachtsvoll im Tempel, das orange Stirnband um und das Schnellfeuergewehr draußen an den Bambustempel gelehnt. Nur die Ruhe des Buddhismus, wenn er denn gerade einer ist, kann da die innere Bestie zur Ruhe bringen. Und der gratis Ingwertee.

Wie dem auch sei, auch die tieferschürfende Theologie will ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten. Bei den vielen Göttern verliert man schon mal den Überblick. Doch ich will es Ihnen schnell erklären: Desto Rauschebart und desto Augenleuchten, desto heiliger. So einfach ist das mit den vielen Göttern. Manche dampfen sogar, die sind dann noch heiliger. Das ist ergo anders als im Christentum, da dampft nur der Leviathan und das ist der Teufel. Kann man sich leicht merken.

Und natürlich gibt es die hiesigen Götter wirklich, hier ist der oberste, Xian Sheng Drachengott himself, von mir im Bilde festgehalten: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/ein-drache-im-foto.html



Mittwoch, Februar 11, 2015

Neulich im Treppenhaus - Jesus Power (Update)

Ohne Worte, aus dem Treppenhaus unseres Mietshauses in NeiHu, Taipei


Fototechnisch: Die Vollformat DSLR Sony A850 mit einem 1999er Minolta AF 1,7/50mm aus freier Hand. Auch nach Wochen steht die Werbekarte noch genauso da.


UPDATE:  Wenn wir einmal dabei sind und alles nicht hilft: Einfach einen Blaue-Himmels-Generator ums Handgelenk:

(Tissot Seastar 1000 Auto.-Chronograph)

Dienstag, April 08, 2014

Götter am Straßenrand

Angebote eines Tempelbedarfshändlers am Straßenrand in Longtan

Wenn ich von Taipei in mein Leib- und Magenrestaurant "Roadies" fahre, das auf dem Lande im Landkreis Taoyuan liegt, fahre ich auf dem Expressway 66 an mehreren Ausfahrten vorbei, die alle "Longtan" heißen. Nicht Longtan-Süd und Longtan-Mitte etc., sondern einfach immer Longtan. Man kann nur die diabolische Findigkeit der taiwanischen Verkehrsplaner bewundern und froh sein, dass in Taiwan nicht an jeder Schnellstraßenabfahrt "Taiwan" steht. Wäre ja auch richtig. Ohnehin weiß ich in Taiwan nie so genau, wo ich denn nun gerade bin oder manchmal sogar nicht wo ich gerade wohne, gibt es doch keine Ortsschilder. Aber ich schweife ab, nämlich vom Expressway 66 und fahre dann auf das Roadies zu.

 Da fiel mir schon oft dieses Ensemble bunter kleiner Gebäude am Straßenrand auf, wie man es öfter mal in Taiwan sieht, Kennen Sie diesen 60er-Jahres Schlagersänger namens Liberace, der mit Pelzmänteln und zwei Zentner Gold und Perlen behangen Klavier gespielt hat in den USA? Wenn Liberace bei den Verkehrbetrieben gearbeitet hätte, hätten so die Bushaltestellen ausgesehen. Auf den naheliegenden Witz bei Facebook, dass dies unsere lokale Bushaltestelle ist, will ich lieber verzichtet, handelt es sich hier natürlich um religiösen Bedarf, den hier ein Unternehmen zu Werbezwecken an der Straße ausstellt. Das kleine "Wartehäuschen" kann man in einen kleinen Tempel verwandeln und die großen Turmspitzen rechts daneben sind Öfen, in denen Zettelchen oder Geistergeld verbrannt werden, denn durch die Entstofflichung findet es bekanntlich Eingang ins Jenseits. Hier verbrennt natürlich niemand etwas, verbrannt wird nur, wenn ein Betreiber eines kleines Tempels die Hardware kauft für sein kleines kommerzielles Tempelunternehmen. Solche findet man überall in Taiwan, manche gleichen Garagen mit ihrer offenen Simpelbauweise und einem Rolltor davor. Vergleiche etwa den Lieblingstempel meiner Schwiegermutter HIER, der wirklich eine Verschönerung gebrauchen könnte.


Hier ist man schnell fertig mit einem Minitempel, der Altar ist schon drin.

Wer nun den religiösen Respekt hier vermisst im Artikel, der muss sich klar machen, dass es hier um Handelsware geht die letztlich als Produktionsmittel zu bezeichnen wäre, denn die kleinen Privattempel sind ja eben kommerziell. Aber Religion und Wirtschaft sind immer verzahnt, die kleinen Privattempel in Taiwan sind da ein ganz anderes Kaliber als etwa die katholische Kirche mit ihrem weltumspannenden Imperium.

Jedenfalls ein farbenfrohes Ensemble am Fahrbahnrand.

Ich höre von meiner Taiwanfamilie immer wieder die Formulierung, dass da ein Gott im lokalen Tempel "wohnt". Es gibt nun so viele Götter und Tempel, dass ich von ihnen längst eher wie von Nachbarn denke. Haben Frau und ich etwa irgend etwas wichtiges vor, dann kommt Schiegermutter unweigerlich mit der Story, "der Gott hat gesagt", wir sollten das nicht tun oder nur dann tun ... wenn. Das ist ein bisschen so, als ob sie die Meinung einer Nachbarin weiter gibt. Der Unterschied ist nur, man muss es immer befolgen, ist es schließlich mit nachbarschaftlich-göttlichem Ratschluss versehen. Trotzdem sieht man hier am Bild, Götter sind auch nur Menschen. Die holde Dame lässt sich hier auch von Geschenken nicht erweichen, wer kennt das nicht aus seinem eigenen Privatleben. Nein? Okay.... never mind.

Während ich krampfhaft versuche, von irgendwelchen Drachen-Allegorien Abstand zu nehmen...

 ... komme ich lieber zum Schluss. Vermutlich hatte ich doch irgendwie die Götter durch meine respektlose Fotografiererei erzürnt, denn beim Einsteigen ins Auto...

.... wäre ich ihnen fast näher gekommen, als mir lieb ist. Ich stand den Verkehr abwartend hinter dem Nummernschild meines schwarzen Autos hier im Bilde, wollte noch den Motorroller abwarten, der auf dem Seitenstreifen fahrend mit 80 noch eine Toyota-Limusine überholen wollte, da muss wohl der Toyota beschleunigt haben. Jedenfalls am Ende raste der Motorroller genau auf mich zu und scherte dann haarscharf meinen Jackenstoff schon fast touchierend dem Toyota vor den Kühler. Göttlich ist die Fahrweise der Taiwaner nicht, findet hier aber offensichtlich das Wohlgefallen des älteren Herrgotts rechts im Bild.

Dienstag, Februar 11, 2014

Taiwanischer Gott besucht Japan

Ein Einwohner Taipeis geht auf Reisen: Der "Mondalte"

Ich finde es immer wieder verwirrend, wenn meine Frau von in Taiwan verehrten Göttern so redet, als ob diese physisch in der Nachbarschaft leben. Etwa: "Der Gott im Tempel bei den beiden alten Frauen da hat meiner Mutter gesagt, dass...". Oder gar "Da hinten im Tempel wohnt ein Gott, der .... (folgendes tut)...". Auch die Taipeitimes schreibt im selben Stil und schildert, ein Gott Taipeis würde eine Reise nach Japan antreten und habe zu der Reise auch sein Einverständnis gegeben. Weil letztlich natürlich seine Statue bewegt wird, obwohl das aus dem Artikel kaum herauszulesen ist - man sieht ihn eher den Reisepass schnappen und übergroße Stiefel anziehen in dem Artikel: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/02/11/2003583256

Hier der Longshan-Tempel, ohne Zusammenhang zum Artikel
 
Will sagen, ein westlicher Autor hätte wohl gleich geschrieben, dass die Statue eines Gottes hier auf Reisen geht und nicht einfach ein Gott. Aber der vermeintliche Stilfehler im Artikel offenbart vielmehr die unterschiedliche Denkweise hier. Was ich wiederum höchst interessant finde - und auch ein bisschen amüsant. Lustig machen würde ich mich darüber nie, habe ich doch neulich im Longshan-Tempel höchstselbst einen Rauchdrachen fotografiert: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/ein-drache-im-foto.html.


Sonntag, August 18, 2013

Frühstücksversuch

Wie immer trage ich das vom Cafe geholte Frühstück in die Wohnung von Schwiegermutter. Doch es herrst Religionsnotstand. Alle Tische sind in Opferaltare für die verstorbenen Verwandten verwandelt worden und unantastbar. Räucherstäbchen machen die Luft noch schwerer, als sie mit 100% Luftfeuchte und 30 Wärme ohnehin schon ist. Kein Lüftchen weht. "Fass bloss nichts an", flüstert meine Frau. Ich versuche in der stehenden Luft, die man besser schneidet als atmet, mein Frühstück runter zu kriegen, bin aber nur durchgeschwitzt und völlig appetitlos. Da stehe ich auf, erkläre in meinen eigenen Gemächern mein Essen wegen der Hitze fortsetzen zu wollen (Wohnung nebanan), will mir wieder meine Geldtasche umschnallen (a la Dom. Republik), da lege ich ausversehen den Karton mit dem Käsewürstchentoast auf den großen Tisch. Da wo gerade die Geister sich am Essen laben. Frau bringt das Kunststück fertig, füsternd zu schreien, alamiert kommt Schwiegermutter aus der Küche gerannt. Ich mache unter ihrem strengen Blick, dass ich das Weite suche. Immerhin, Blickkontakt zwischen Schwiegermutter und mir, das ist schon fast ein kommunikativer Erfolg.
Muss doch mal sehen, dass ich ein gebrauchtes Kruzifix bei Ebay finde...

Mittwoch, Juli 31, 2013

... ein Drache im Foto!

Ein Facebookfreund, dessen gegen den Strom gerichtete Postings ich schon seit alten Zeiten aus der Passado-Community mit Vergnügen verfolge, lud mich dieser Tage ein, seine neue Facebookseite "Gott ist tot" zu besuchen. Dort war ich offenbar der erste Poster und hinterließ gleich eine Frage: "Welcher Gott denn? Hier gibt es so viele." In der Tat zog mir das sofort durch den Kopf, solange bin ich nun schon in Taiwan, dass ich eher an mehrere Götter denke denn an einen. Das Foto unten ist jedenfalls bei meinem Besuch dieses Wochenende im Longshan-Tempel entstanden. Zuletzt hatte ich diesen offenbar 2006 besucht, damals noch mit der alten Minolta Analog-SLR. Ein paar Fotos von damals zeitgenössisch hier im Blog (damals noch ein englischer Artikel): http://osttellerrand.blogspot.tw/2006/06/temple-taiwan-taipei.html.

Den Tempel besucht meine Frau, um ihrem bevorzugten Gott, dem "Drachengott" zu huldigen. Dieser ist, so meine Recherche, auch unter dem Namen "Jadekaiser" bekannt und fußt angeblich auf einem historischen chinesischen Kaiser. Einst dachte ich, gemeint sei der, der die Drei Reiche in China einigte Dann jedoch würde der Jadekaiser quasi das Jahr 280 als seine Geburt haben, was in Anbetracht der langen chinesischen Geschichte etwas spät wäre (http://de.wikipedia.org/wiki/Zeit_der_Drei_Reiche). Gemeint ist vielleicht der Einiger der "warring states", der "kriegführenden Reiche" 221 vor Christus (http://en.wikipedia.org/wiki/Qin_Shi_Huang), den man auch den Drachenkaiser nennt. Taoistisch gesehen ist der Jadekaiser allerdings eine Art Urvater der real existierenden Kaiser und geht auf das 17. Jahrhundert vor (!) Christus zurück, was wohl schon eher hinkommt: http://de.wikipedia.org/wiki/Yu_Di. Auch "Yu der Große" um das Jahr 2200 vor Christum herum wäre sonst noch ein Kandidat für einen historischen Jadekaiser* (http://en.wikipedia.org/wiki/Yu_the_Great). Desto mehr man recherchiert, desto verworrener wird es.
Der Jadekaiser steht im chinesischen Himmel jedenfalls einer Art Himmelsregierung aus Göttern vor, die wohl im Wesentlichen auf ehemals real lebenden Personen bestehen. Neulich etwa hatten wir bereits Mazu 
als auf einer Fischertochter des 17. Jahrhunderts basierend erkannt (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/tolles-update.html).

Mehr Fotos vom Tempel bald, doch erst mal zu diesem einen Foto unten. Ich gebe zu, während ich auf den Auslöser drückte, habe ich gar nichts bemerkt. Erst zu Hause habe ich dann gesehen, was dort rechts unter der Saaldecke zu schweben scheint...

Mittelklick oder Rechtsklick vergrößert die Aufnahme. Ich habe hier mit Kontrasten und Helligkeit im RAW Editor gespielt und mit Photoshop ein Spotlight als Verstärkung einer natürlichen punktförmigen Lichtquelle aus dem Tor links hinzugefügt, um die Rauchschwaden in der Mitte und auf der rechten Seite des Raumes zu illuminieren. Und dann ergibt sich eine Art Riesenschlange, oder vielleicht ein Drache aus Rauch, der von draußen (von links kommend) zur Säule rechts im Bild schwebt und sich um diese wickelt! Er wickelt sich dabei genauso, wie der dort in Stein gemeißelte Drache auf der Säule und hat sogar einen Kopf, den er oben nach rechts aus dem Bild steckt! Faszinierend! Die Rauchschwaden habe ich nicht hinzugefügt, sie waren schon so in der RAW bzw. Jpeg - Originalaufnahme, die ich unten noch einmal dargestellt habe.

Original Jpeg-Aufnahme, parallel zum RAW-Foto aufgenommen

Wenn so viele Menschen einen Drachentempel besuchen und fest daran glauben, vielleicht nehmen dann ja die Rauchmoleküle in der Luft die Form eines Drachen an, wer weiß das schon. 

Eine der Drachensäulen ist auch auf dem Foto von 2006 (Link oben) prominent zu sehen oder auch hier noch einmal im Bild...



 * Die Serie Stargate setzt ihn mit diesem gleich. Was aber nicht wirklich eine akademische Quelle ist. Räusper.

Freitag, Juli 19, 2013

Stinkparade

Fast wie die Loveparade. Nur mit Göttern und Suzukis.

Nach einem Besuch in Sams Roadies, einem US-Restaurant auf dem Lande, steige ich gerade aus dem Auto. Da höre ich technoartige Beats und sehe Xiaojies tanzen....



 Doch die jungen Männer begucken nicht die kurzbehosten jungen Damen, von denen gerade die letzten entschwinden, sondern...

... an diesem trüben Tage vor ein paar Wochen gilt ihre Aufmerksamkeit einer eigenartigen Prozession.

Nach ein paar religiös inspirierten Handwagen kommt ein Korso aus aufgedeichselten Autos angefahren. Ungewönlicherweise mal im Schritttempo anstatt wie sonst mit Irrsinnspeed in den schmalen meist bürgersteiglosen Gassen utnerwegs (det hier ist die Neben-Hauptstraße, die hat Minibürgersteige und ist etwas breiter).

Wer keinen aufgedeichselten Toyota hat nimmt eben den Handwagen oder so. Auch gut. Nein, ich lasse meinen zynischen Kommentare, denn hier lagen nicht nur wabbernde Abgase von katalysatorlosen PKWs in der Luft (und das riecht man), nein, hier ging es ja auch um Taiwans Götterhimmel.

Viele kleine Suzuki "Schuharton hochkant GTX" fuhren da herum. Die Taiwaner halten sie eigenartigerweise für sportliche Autos. Hmmm... Klein, hoch und mit Minirädern. Na gut.

Jau, det kommt schon eher hin....

In der nebligen Frühabendluft lag sogleich der Duft nach Abgasen. Man weiß in Deutschland übrigens gar nicht mehr, wie viel Gestank so ein Kat weg nimmt von den Autos. Hier in Taiwan riecht man jedes einzelne neue gut gewartete Auto sehr deutlich, wenn es neben einem lang eiert. Und erst recht einen ganzen Korso.

Hier hätte man gleich Gelegenheit für mulitkulturelle Anfeindungen, etwa in dem man den stolzen Eignern empfiehlt, statt Plastikanbauten und blauer Lämpchen einen Kat zu kaufen. Was sind das bloß für Räder hier unter dem Ding?

Anstatt eine Parade von Kastenautos zu organisieren würde ich es als "junger Vater" für besser halten, in den engen Gassen im Viertel Spielstraßen- und Tempo-30-Schilder aufzustellen und dafür eine Demo zu machen. Oder für Verkehrsberuhigung vor Schulen. Aber gut, das ist deutsche Denkweise, dem Taiwaner hingegen geht Mobilität über alles, auch wenn da manchmal kleine Kinder unter die Räder kommen, wie hier auf der Autolackierung.

 Ich gebe zu, im zugestauten, zugesmogten Taipei sind mir Autokorsos per se unsympatisch, insbesondere wenn sie nicht aus schicken Oldies, sondern trotz Bemalung eher langweiligen Gegenwartskarossen bestehen und während der Vorführung vor sich hin stinken.

Aber als Autofahrer(in) wird man in Taiwan eben noch nicht so an die Kette gelegt, wie die Lackierung hier vermuten lässt, was unter anderem für billiges Benzin zu 75 Eurocent den Liter oder so sorgt. Hat es mal gekostet, den aktuellen Preis weiß ich nicht mal. Ich sage ja immer "95 vollmachen".

Jau..... irgendwie ja schon hübsch bunt.

Eigentlich bin ich ja nur sauer, weil ich die Gogo-Girls verpasst habe und nur der Korso dieser Thunfischdosen übrig war für mich. Oder erinnern eher an diese Blechbüchsen für das Spam-Dosenfleisch.

Flaming Minivan für die ganze Familie. Bekam schon einen Schreck, wie sehr es aus dem Ding rausqualmte.

Nebelwerfer statt Kat, auch nicht schlecht. Dabei müsste der Fahrer nur nach taiwanischer Art ein paar Jahre die Wartung des Autos vernachlässigen, dann ginge es auch ohne Anbau.

Schon besser!

Hust. Man achte auf die Qualmwolken.

Entweder es ist was religiöses oder das ist der Verband der Verkehrsraudis, der für weniger Fußgänger demonstriert.

Die Parade hatte schon manchmal den Scharm eines Wohnungsumzugs, das will ich nicht verschweigen. Allerdings sind hier Götter, trotz ihrer göttlichen Allmacht, regendicht verpackt.

Ein Riesenhuhn war auch dabei...  (draufklicken auf die Bilder vergrößert)

Tonight I'll be sailing on Chicken Wings...

 In religiösen Dingen muss man immer tolerant sein. Jedenfalls wenn man gerade kein Kruzifix dabei hat.

War ja schon nett, der Umzug, jetzt wo die Autos weg waren.

Weibliche Götter waren glaube ich recht wenige dabei oder gaben sich jedenfalls nicht offen zu erkennen.

Ein vermummter Gott. In Deutschland würde sofort eingekesselt, oder?

...

Unter solchen VW-Bus-Attrappen steckt übrigens immer ein Suzuki oder Ford. Eine Firma in Kenting baut die Dinger um und klebt oft sogar VW-Schilder dran.

...


Hmmm... dieser Gott erinnert mich irgendwie an einen alten Kommilitonen. Arndt, was ist eigentlich aus dir geworden?

 Ich bewundere die Taiwaner natürlich schon für buddhistisch/taoistisch/konfzianische Religion in der Chinavariante mit Götterhimmel samt Jadekaiser an der Spitze. Übrigens soll der Buddhismus durch 2m große Europäer mit roten Haaren nach China gebracht worden sein, habe ich gerade im Spiegel gelesen. Sie kamen mit Ziegen, Schafen und Streitwagen, vermischten sich mit den lokalen Damen und sind ergo an allem Schuld. Heute liegen sie mumifiziert in roten Gewändern herum und man fragt sich was das alles sollte. Sehr viel Schriftgut mit indogemanischen Wurzeln haben sie hinterlassen. Einen Text hat man jetzt übersetzt: Ein Gedicht über eine getrennte Liebe, voller Herzschmerz und Sturm und Drang. Ja, mit den Xiaojies hat es auch schon vor tausend Jahren die selben Probleme gegeben.

Ernstaunlich was man so alles vor sich hin grübelt mit schwerem Burger im Magen. Oder eher beim späteren drüber schreiben. So, Zeit nach Hause zu gehen. Mach's gut Arndt, altes Haus.

P.S.: Die These, das wesentliche Grundzüge der chin. Kultur womöglich von buchstäblichen Langnasen eingeführt wurden, trifft bei Chinesen und sicher auch Taiwanern natürlich auf erheblichen Widerstand. Hier Wikipediainfo über diese alten indogermanischen Chinesen: http://de.wikipedia.org/wiki/Tocharer, der Artikel im SPIEGEL 29/2013 (S.100 f.) geht aber noch wesentlich weiter, räumt aber Unstimmigkeiten in der Forschung ein. Die Mumien sind demnach 2000-4000 Jahre alt. Führend in der Forschung: Die Uni Wien: http://www.univie.ac.at/tocharian/?home_de