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Mittwoch, Dezember 15, 2021

Tag Heuer Monaco für Arme (Update 2)

 Billige aber hübsche Alternative zur "Steve McQueen" Racing-Uhr

Das Original von Tag Heuer, die schöne und meist blaue Monaco, ist wohl aus einschlägigen Filmen am Handgelenk von Steve McQueen berühmt geworden und ansonsten bei Uhrenfreunden heiß umstritten. Erst mal mögen die meist Tag Heuer sowieso nicht, während sie auf Rolex schwören und die ausladende quadratische Form mit auffälligem Blau, mit oder ohne Sportstreifen durchs Zifferblatt, scheidet auch die Geister.

Gerne hätte ich ein Original, aber da meine Gattin Spezialistin darin ist, unser Geld am Assturban der Weltkarte in höchst zweifelhaften Dingen anzulegen, spare ich eher am Handgelenk, als dass ich da viel Geld reinstecke. In Deutschland habe ich zwar gleich mehrere schöne Automatik-Chronographen, aber seit Corona komme ich da gar nicht mehr hin. Meinen Uhrenentzug bekämpfe ich hier in Taiwan, wo auch schnell mal die Feuchtigkeit in teure Uhrengehäuse kriecht, mit eher preiswertem.

Tag Heuer Monaco grau im Hintergrund und Guess Steel G16545G im Vordergrund

Es gibt einige 1:1-Nachbildungen von chinesischen Herstellern. Gar grauenhaftes und billiges von "Jargarar", wenn ich mich recht erinnere. Die so ähnlich wie "Jaguar" heißen wollen und von anderen Marken. Und eine nette Quarz 1:1-Hommage von einem Hersteller wie Quo... Qua..in oder wie auch immer. Ich kann mir das nicht merken. Mit 130 Euro bei Aliexpress nicht billig. Aber eine 1:1 - Hommage nur mit anderem Namen wollte ich nicht. Da kam mir die wohl nicht mehr zu habende Guess als Gebrauchtuhr gerade recht. Mit leichtem Kratzer auf dem Mineralglaus und auch nur eine Quarz und kein Automatik-Chronograph. Das Stahlband sah an der Uhr nicht aus, fand ich und war mir auch zu kurz. Mit 69 Euro war sie in Anbetracht des Neupreises und des kurzen Armbands im Vergleich zum Neupreis von wohl 120 Euro in Webshops (vergriffen) nicht gerade billig. Aber bald stellte ich sie mir mit einem braunen Ralley-Lederband vor und so war es bis zum Kaufklick nicht weit. Gut finde ich, dass sie ein eigenständiges Design hat, denn offensichtlich ahmt sie die Vorlage nicht direkt nach. Funktional hat sie neben dem Datum auf 4 Uhr eine weitere Zeiger-Datumsanzeige auf 6 Uhr, die natürlich kein Mensch braucht. Wer will schon das Datum (und nicht etwa den Wochentag zusätzlich) zweimal ablesen? Die obigen Chrono-Anzeigen sind für gestoppte Minuten links und die normalen Sekunden rechts. Die Stoppsekunden werden über den großen Sekundenzeiger angezeigt. 

Eine nette "Monaco für Arme", wie ich finde. Wo sollte man sie auch sonst dranmachen. Fährt sich der Nissan March gleich viel rasanter mit.

P.S.: Ohne Krone bescheidene 40mm Durchmesser, aber durch die quadratische Form deutlich größer wirkend. Lug-to-Lug (also Hornoberteil zu Hornoberteil, die Hörner sind die Zapfen, die das Armband halten) 47mm oder 48mm. Braucht daher eher dicke oder wenigstens flache Handgelenke.


Update nach ein paar Wochen: Ich hatte für die Uhr doch nur 20 Euro bezahlt, auch wenn das mit Import nach D zum Weiterleiter und dann Import nach Taiwan natürlich für mich teurer wird. Die Uhr ist alt und hat vermutlich deswegen kleine Wehwehchen. Die Stoppuhr stellt öfter nicht auf Null, was sich aber wie bei fast allen Quarzern sofort nachstellen lässt (die beiden Drücker zeitgleich drücken, mit dem oberen und unteren Drücker einstellen und dann beide wieder gleichzeitig drücken bei diesem Modell). Außerdem scheint das Benutzen der Stoppuhr eine Fehlfunktion des Kalenders zu bewirken, der dann mal um 16 Uhr und mal um 12 Uhr Mittags umspringt. Oft zusätzlich zum 24 Uhr-Datumssprung. Aber gut, für einen 20er geht das alles. Chinesische Werke sind halt auch nicht für die Ewigkeit gebaut. 

Außerdem ist die Uhr lieblos zusammengebaut. Das ganze Zifferblatt ist (wenigstens gerade) leicht nach links verschoben, so dass die unbedruckten/unbeklebten Ränder links und rechts verschieden breit sind und daher der Stoppuhr-Sekundenzeiger, selbst wenn er perfekt in der Mitte nullstellt, eben nicht ganz in der Mitte des Zifferblatts sitzt. Das ist kein Alterungsproblem sondern eben billige China-Montage. Man sagt Uhren von Designermarken nach, dass unter tollem Bling-Bling billigste Chinaware sitzt, die oft ihr Geld nicht wert ist. Wer so etwas neu kaufen will zahlt hier bei Guess allerdings mit 119 Euro oder so, wenn er sie noch neu sieht, einen gerade so akzeptablen, aber doch irgendwie zu hohen Preis.

Langfristig ist die Uhr wohl bei mir Schubladenware, denke ich. 

Update 2: Scheinbar läuft sich die Uhr ein. Datum und Stoppuhr machen keine Zicken mehr bzw. laufen besser. Vermutlich hat der Vorbesitzer die Sonderfunktionen kaum benutzt und sie hat daher gegen hartes Altöl im Innern zu kämpfen.

 

Mittwoch, August 31, 2016

Endzeit-Uhr

WERBUNG
Da nach EU-Richtlinie so ziemlich alles Werbung ist, ist dieser Artikel entsprechend markiert.

Während sich meine Zeit in Taiwan wohl unaufhaltsam dem Ende zuneigt... ein Blick auf eine mechanische Reiseuhr mit 2. und sogar 3. Zeitzone, die HAMILTON Khaki Navy GMT 3.

Reiseuhren hatten wir schon öfter: der etwas freche Rolex-GMT-Nachbau nahmens Alpha GMT und eine Citizen Promaster Skyhawk. Die erstere eine Automatik mit chinesischem Werk, die zweite eine Solaruhr aus Japan. Die Citizen, einst gebraucht gekauft, hat schon bald das zeitliche gesegnet, offenbar hatte der alte Akku/Kondensator bei der nur wenige Jahre alten Uhr (eine 2009er) schon nicht mehr die Kraft um einen wegen Fehlfunktionen ausgelösten Reset zu überleben. Die Uhr zeigte seither trotz Marathon-Bestrahlung mit Licht nur noch bernsteinfarbenen Unsinn an und ist kürzlich in den Müll gewandert. Die Alpha schlägt sich nach vorgenommener Nachbearbeitung u.a. mit Pattex immer noch wacker und ist meine zweitliebste Reiseuhr. Zweitliebste, denn in der Zuneigung geschlagen wurde sie durch eine Hamilton...

 Die Uhr hört auf den Namen "Hamilton Khaki Navy GMT 3" und die Ziffer Drei steht für drei anzeigbare Zeitzonen, während ihre 3-lose Schwester statt des drehbaren 3.-Zeitzonenrings eine konventionelle drehbare 0-55-Skala hat. Ebenfalls unter Glas und über eine der drei Kronen drehbar oder in einer "Scuba"-Variante ganz einfach wie bei jedem Submariner-Klon von Hand direkt drehbar.


Die Uhr gibt es aktuell nur nach am Lederband mit durchgehend weißen Ziffern auf dem Zifferblatt (oder schwarzen auf hellem Grund). Die hier gezeigte rote Variante mit Kautschukband ist eine ältere. Hamilton ist ein US-Hersteller (gewesen), der in der großen Zeit der Eisenbahnpioniere Ende des 19. Jahrhunderts entstanden ist. Damals bedeutete das expandiere Zugnetz in den USA nicht nur einen hohen Bedarf an mobilen Saloons und Halsabschneidern (wie Fernsehserien wie Hell-On-Wheels verdeutlichen), sondern auch an Uhren, damals natürlich noch Taschenuhren. Unzählige Eisenbahner brauchten unzählige Taschenuhren und so feierte Hamilton schnell Erfolge.


Im Zweiten Weltkrieg noch hatte Hamilton dann Marineschiffe-Instrumente gebaut, daher ist bei dieser Uhr eine schöne Fusion aus Taucher- und "Militäruhr" in einem instrumentenartigen Desgin zu sehen. Ähnlich einer sog. Fliegeruhr. Hamilton hatte in den 70er-Jahren sogar einmal einen Skandal ausgelöst als Präsident Ford eine der damals schwer modernen LED-Uhren am Handgelenk hatte, die für damals 1500 Dollar oder dergleichen auf Knopfdruck in roten Lettern die Zeit anzeigten. Eine PULSAR war das damals, ein Markenname von Hamilton, den das Unternehmen später an Seiko verkauft hat. Seiko wirft unter diesem Label heute meist billige Quarzer auf den Markt. Damals jedoch regte sich die Öffentlichkeit über den teuren Nicht-Ticker am präsidialen Handgelenk auf und Ford trug die Uhr nicht mehr. Der "Skandal" war damals der Wegbereiter für das ungeschriebene Gesetz, dass US-Präsidenten seither nur noch billige Uhren tragen "dürfen". Obama etwa trägt einen billigen chinesischen Quarzer aus dem Shop des Secret-Service mit entsprechendem Logo, ursprünglich etwa 250 Dollar teuer bei einem Herstellungspreis von eher 4 Dollar.

Die große Quarzkrise überstand Hamilton nicht so recht. Zwar hatte es sich gerade noch eine schweizer Uhrenfabrik unter den Nagel gerissen, da gerieten sie selbst in Schwierigkeiten. Das Vordringen von Seiko auf dem Weltuhrenmarkt sollte eine Digitaluhrenreihe aus einer Fusion mit dem japanischen Hersteller Ricoh stoppen. Der Feldzug misslang und Hamilton wurde selbst ein Übernahmekandidat. Durch ihre zum Schluss in die Schweiz ausgelagerte Produktion wurden sie im Rahmen der Restrukturierung der CH-Uhrenindustrie Teil der Tissot-Omega-Gruppe, die sich heute Swatch-Group nennt und zusammen die Quarzkrise überstanden hat.

Doch zurück zu meiner schweizer US-Uhr. In ihr tickt ein ETA-GMT-Werk, das über normalerweise einen kleinen Zusatzzeiger - hier aber die "T2"-Zusatzskala linksseitig auf dem Zifferblatt - eine zweite Zeitzone anzeigen kann. Dabei läuft die T2-Zeitzone nur hinsichtlich der Minutenstellung abhängig von der Hauptzeit. Zeigt die Hauptzeit etwa Viertel-vor-4 Uhr an kann man die T2-Zeit frei auf einen Wert "Viertel vor" irgendeiner Stunde auf der kleinen Skala einstellen. Ob die T2-Zeit dann also 4 Uhr, 16 Uhr, 10 Uhr oder sonst etwas anzeigt bleibt dem Benutzer überlassen. Mit der Krone auf 2 Uhr (verschraubt wie alle drei Kronen) stellt man die T2-Zeitzone im Prinzip genau wie das Datum ein - nur muss man die Krone anders herum drehen. Irgendwelche Fehler wie ein Nachgehen der T2-Zeit im Vergleich zur Hauptzeit, wie ich es bei meiner Alpha kenne, gibt es bei meiner Hamilton nicht. Die Alpha hat in diesem Sinne (und auch wirklich) eine schlechte Kopie des original schweizer Werkes drin.

Die Hamilton wird übrigens meist neu für um die 650 Euro angeboten. Mein Gebrauchtexemplar ist immer noch sehr gut nachtablesbar durch Leuchtziffern. Vorsicht muss man hier walten lassen, denn die Chinesen haben viele Fälschungen der Hamilton auf dem Markt. Mein Original stammt von einem günstigen italienischen Ebay-Händler. Ein Blick aufs Uhrwerk durch den Glasboden durch die Verkäuferfotos und ein Vergleich mit Fotos vom gefälschten Werk (Seagull mit Hamilton-beschrifteter Schwungscheibe) versus echtem ETA-(2893) Werk bestätigte jedoch die Echtheit meines Kaufes, meinem eigenen Adlerblick vertrauend.

Etwas gewöhnungsbedürftig sind vielleicht die vielen Anzeigen. Die T2-Skala hatten wir ja schon erläutert, sie zeigt bei der Uhr hier im Foto ganz oben also 5 Uhr (deutsche Zeit), während es in Taiwan 11 Uhr vormittags war. Die T2-Skala läuft natürlich im 24h-Modus, also bis 24 Uhr.

Über eine der beiden anderen Kronen kann man unter dem Glas den äußeren 01-12 Stundenring drehen. Hier fehlt nur die 12 selbst, weil hier das Zeitzonenfenster ist und die 11 und 01 sind rot hervorgehoben aus stilistischen Gründen. Der frei drehbare Ring erlaubt eine schnelle Uminterpretierung der normalen Stundenanzeige. Ob man damit eine dritte Zeitzone anzeigt - etwa während einer Zwischenlandung auf einem Flughafen mit eigener Zeitzone - oder die zweite Zeitzone noch einmal verdeutlicht (wie im Foto ganz oben) bleibt dem Benutzer überlassen. Die roten Ziffern (man achte auf die 05 über der 11 ganz oben) sind etwas schlechter abzulesen als die weißen. Beim aktuellen Hamiltonmodell sind aber alle weiß, da entfällt das Problem.


Relativ sinnfrei ist bei der GMT 3 die textuelle Zeitzonenanzeige. Die hat nämlich recht eigenartige Repräsentanten für die Zeitzonen. Puerto Cervo etwa steht für die üblicherweise mit AMS, PARIS oder auch ROM (seltener BERLIN) bezeichnete Zeitzone GMT+1. Man kann sich so etwas schlecht merken, denn auch andere Hafenstädte (es handelt sich immer um solche) sind wenig eingängig. Außer vielleicht "Phuket" für Thailand. Problem ist auch, dass manche Zeitzonen komplett fehlen, die Hongkong - Zone etwa fehlt völlig. Ist aber auch egal, denn diese textuelle Anzeige ist rein zum Spaß und ist weder mit der T2- noch der T3-Anzeige verbunden. Außer, dass man die T3-Anzeige (frei) neu einstellen muss, wenn man die Hafenstadt verstellt und umgekehrt, weil sich die Anzeigen gegenseitig anecken.

Bei den günstigen GMT-Uhren wird oft kritisiert, dass das Umstellen der normalen Zeit auch die T2-Zeitzone verstellt. Das ist in der Tat der Fall und kann im Urlaub bei der schnellen Umstellung der Anzeigezeitzone nerven. Wer das nicht will muss aber offenbar um die 10.000 Euro für eine GMT von Rolex oder Omega oder dergleichen bezahlen. Diese Hersteller haben das original ETA-Werk dahingehend verfeinert, dass die zweite Zeitzone nicht beeinflusst wird beim Stellen der Hauptzeit.

Vorsicht also beim Gebrauchtkauf. Die chinesischen Fälschungen sind erstaunlich oft zu finden. Sie zeichnen sich wohl meist durch ein generisches Kautschukband aus, das nicht wie das Originalband hier schön den Zwischenraum zwischen den Hörnern der Uhr perfekt abdeckt (das Band sitzt beim Original wie hier in den Fotos also abstandsfrei an der Uhr), sondern den üblichen Anstoßspalt lässt. Auch hat das Fälschungsband keine farbige Naht. Beim Original gab es das Band mindestens mit roter und gelber Naht und passenden Ziffern auf dem Zifferblatt.

Sollte ich demnächst wirklich in Manila leben, dann brauche ich die Hamilton für die Reise nicht. Das liegt auch in der HK-Zeitzone.

Weitere Uhrenpostings:


Alpha GMT im Reise- und Wettertest: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

Italo-Albanerin (Breil Milano): http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/faltige-italo-albanerin.html 

Alpha P.O.: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/uhrenarmband-mord-alpha-planet-ocean.html

Orient Blue Mako: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/03/blaues-krokodil-aus-augsburg.html

Nautec GMT: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/01/nautec-gmt-durchwachsenes-update.html

J.Springs "Diver": http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html

Breil Milano Unikat: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/breil-milano-unikat.html

Tissot Seastar Auto-Chrono: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/die-menschen-mussen-gewarnt-werden.html

Gigandet Seaground 2: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/08/uhrenwahnsinn-teil-x-gigandet-sea.html

Zwei "Planet Ocean"-Verschnitte: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html

Montag, März 07, 2016

Schock, mein Breil-Unikat als Massenuhr

Da denkt man, man hat ein Unikat am Arm. Und dann legt es jemand als Massenuhr auf. Schluck.

Gestern Abend surfe ich wie öfter mal vergnügt durch Ebay und suche Herrenarmbanduhren, da schlucke ich und blicke verstört auf den Bildschirm. Irgendjemand scheint das Breil Milano-Unikat zu verkaufen, das ich gerade am Arm habe!

 Breil Milano BW0474 mit Armband des Ralley-Quarzers BW0423/0424, allerdings mit automatischem ETA Valjoux 7750-Chronographenwerk.

Wieso Unikat? Nun, weil ich einst eine gebrauchte Breil Milano BW0474 aus Albanien günstig gekauft hatte, die ein schon recht unbrauchbares Krokoband fest angebaut hatte...


... und das ich dann durch das sehr auffällige Kautschukarband der Ralley-Quarzschwester BW0423/0424 ersetzt hatte, wodurch sich ein sehr auffällig rotgoldig-metallener Auftritt der Uhr ergibt, wie ich finde. Die drei Zacken am Sportarmband fallen doch sehr ins Auge, wie ich finde. Und weil das u.a. angeklebte Band hier praktisch Bestandteil der Uhr ist, ist es schon ein bisschen so, als ob man etwas neues geschaffen hat ;-)

... Breil Milano BW0474 links.

Der Kostenpunkt der BW0474 liegt derzeit als Auslaufmodell noch bei etwa 850 Euro neu, die rotschwarze Ralley-Quarzschwester BW0423 kostet etwa 280 Euro oder dergleichen.

Doch wie kam "meine" Uhr nun zum Verkauf ins Internet? Nun, es gibt jetzt eine sehr ähnliche Uhr, die "Alento" vom -wenn ich mich nicht irre- deutschen Hersteller Detomaso (https://www.detomaso-watches.com/de/unsere-uhren/alento-xxl-chronograph). Und in der Rotgoldvariante (links klicken auf dem Linkfenster) sieht die Detomaso meinem Unikat sehr sehr ähnlich. Ähnlicher als den Original-Breil Milanos. Na ja, Bilder meiner Breil findet man ja auch schnell über die Google-Bildersuche. Kann natürlich Zufall sein, denn die rot abgesetzte Variante der Detomaso Alento (hier Ebay) sieht der originalen BW0423 oder der fast identischen 0424 schon sehr sehr ähnlich.

Die Uhr ging neu übrigens für nur 40 Euro in der Auktion weg, auch wenn der Standardpreis wohl bei etwa 200 Euro liegen soll. Wenn man genau hinguckt, erkennt man viele Designdetails der entsprechenden Breil Milano-Modelle und das Armband scheint - bis auf die Rotgoldfärbung bei der einen Farbvariante - genau identisch zu sein, bis hin zur kleinsten Linienführung. Nur einen zusätzlichen Haltestift hat Detomaso in die Uhrhörner eingebaut. Was damit zusammenhängen könnte, dass Breil das Armband nicht nur mit einem leider gebogenen Federsteg, sondern auch offenbar mit Klebstoff befestigt hatte. Mein ohne Kleber befestigtes Band hat in der Tat etwas Spiel.

Mein Ersatzband hat allein 70 Euro gekostet. Da wäre so eine Detomaso Alento glatt interessant. Aber soll man dem Automatik-Original die Quarz-Hommage hinzufügen? Das Armband wird wohl ewig halten, denke ich.

Tja, von wegen Unikat. Massenuhr für 40 Ecken ;-() Was aber sicher nur ein Ausrutscher nach unten war, wie er bei Auktionen immer wieder vorkommt. Räusper.

Edit: "De Tomaso" ist Autofreunden vielleicht noch als edle italienische Sportwagenmarke im Gedächtnis, jedoch nicht mehr am Markt existent. Die "Detomaso"-Uhren stehen damit auch in keinem Zusammenhang, auch wenn die Kollektion offenbar auf das Thema Rennsport spezialisiert ist im Sinne des Stils der Uhren jedenfalls. Dahinter steckt offenbar die "Temporex GmbH", die offenbar auch die Marke "Yves Camani" hat. Letztere eine "der eher-nicht"-Uhrenmarken aus meiner Warte (ich hasse Uhren mit Unruheloch a la China).

Freitag, Februar 26, 2016

Urknall zum Chinaböller reduziert

WERBUNG
Da nach EU-Richtlinie so ziemlich alles Werbung ist, ist dieser Artikel entsprechend markiert.

Da hat man einen Traum. Für den Fall dass die unzähligen erfolglosen Investitionen der werten Gattin und der Familien-Businesski-Unternehmungen mit ihren "schwarzen Nullen" doch mal was bringen. Und dann kommt eine englische Firma und ruiniert alles...

Träume, gerade wenn fast unerreichbar, haben etwas erhabenes. Man hat ein Ideal und schmachtet diesem hinterher. Bei mir ist es eine Uhr. Eine Hublot "Big Bang", die je nach Ausführung wohl zwischen 15.000 Euro und 25.000 Euro oder beliebig viel mehr für Sondermodelle kostet. "Eines Tages vielleicht", denke ich. Obwohl mich jeder Kratzer an so einer teuren Uhr wahnsinnig machen würde. Verschlungen habe ich im "Uhrforum" eine Story, wo sich ein Forianer endlich seine Traum-Big Bang leistet und dann oh Schreck darauf gestoßen wird, dass er eine Fälschung am Arm hat. Man hätte es vielleicht ahnen können, auf der Schwungscheibe hinten am Uhrwerk unter dem Glasboden steht "NEVA" statt "GENEVA", was zu "NEVER" uminterpretiert schon ein fast ehrlicher Hinweis aus einer chinesischen Fälscherwerkstatt ist. Der Bericht ist der reinste Krimi, zwischenzeitlich versteigt sich der Verkäufer, ein Juweliergeschäft, das online verkauft, zu der These, Hublot würde einfach Klebebuchstaben auf dem Uhrwerk anbringen und der Rest sei halt mal abgefallen. Kann man ja wieder dran pappen, sagt der Fachmann-Verkäufer. Kicher. Natürlich totaler Blödsinn, Hublot graviert oder fräst, aber pappt nicht und Rolls Royce klebt ja auch keine Styropur-Emmy vorne auf den Kühler. Hier die spannende Story mit schönen Uhrenfotos: http://uhrforum.de/hublot-big-bang-t32682. So gute Fakes wie in der Story können schon mal bis zu 450 US-Dollar kosten und die abfallenden Klebebuchstaben illustrieren freilich, wieso das immer noch schlecht angelegtes Geld wäre.

Nun gibt es legale Hommagen, "TW STEEL" bietet sehr ähnlich aussehende Quarz-Chronos an, die allerdings immer noch 400-600 Euro kosten, was ich zu viel für eine Quarz mit Standardwerk finde. Der hohe Preis erklärt sich, weil die TW STEEL-Uhren bei jüngeren Käufern "in" sind - und so richtig das Originalflair haben sie nicht. Ebenso wenig wie die "Apocalypse" genannte Uhr der fürchterlichen US-Marke "Stührling", die immer auf schweizerisch tut und dabei mit ihren Chinauhren so eklatant amerikanisch-großmäulig auftritt, dass sie zur Uhr gleich eine Kotztüte mitliefern müssten. Etwa behauptet "Stührling" auf seiner Webseite schon mal, ihr Chef würde nach Bali an den Strand fahren um da mit einem Goldschmied das neuste Modell der Marke zu besprechen. Wo doch all das Zeug einfach aus China kommt. Andererseits haben wir ja auch ein Bali in Taiwan, ist sogar ganz hübsch da. Sicher gibt es auch eines irgendwo in China in der Fagyu-Province.

Doch oh weh, nun ist es passiert, es gibt eine sich auf Hauptsitz in London berufende Marke namens "Megir" - was rückwärts Latein ist und entweder sowas wie nässen/feuchten oder führen heißt, glaube ich dank Wikipedia. Und diese londoner Feuchtführer bieten eine Uhr an, die so sehr der Hublot Big Bang gleicht, dass es einem fast den Atem verschlägt. Siehe hier den direkten Vergleich:

https://www.pinterest.com/pin/353040058266228922/

Laut Uhrenfreunden soll die "Megir" gar nicht schlecht sein, ein offenbar normal bis gut verarbeiteter Quarzchrono, auch wenn das Armband Kritik bekommt. Alle bislang erwähnten Hommagen an die Hublot haben Quarzwerke und nicht ein auf einem ETA - Chrono - Werk basierendes wie das Original. Soll ich sie mir nun bestellen, die Megir für 25 US-Dollar in Falsch-Rosegold plus 10 Dollar Versand nach Taiwan? In Deutschland kostet sie etwa 40-50 Euro. Nachgeschmissen also. Leute, die sich einen Mona-Lisa-Kunstdruck für 50 Euro ins Zimmer hängen, habe ich immer ein bisschen schief angesehen. Irgendwie das Selbe. Oder mal aus Jux.

In unserem Hotel in Macao neulich gab es auch ein reines Hublot-Geschäft. Ich stand dort mit Junior am Schaufenster und drückte mir vor der angebeteten Big Bang fast die Nase platt, da kam zu meinem Schrecken eine Verkäuferin gleich zu mir angerannt - obwohl die Türe zu war und ich draußen. Möglicherweise ist meine rosegoldene Breil Milano schuld, die zwar ein völlig eigenständiges italienisches Design hat, aber mit dem selbst angebauten metallbeschlagenen Band einen ähnlich ... schwülstigen ... Auftritt wie die Big Bang hat. Und innen nebenbei bemerkt das ETA Valjoux 7750-Werk, das Grundlage des BigBang-Werkes ist.

Von Junior beim Einsalben fotografiert


Die Breil hatte ich auf den Macao-Trip mitgenommen, damit ich vor jedem der 20 Uhrengeschäfte in unserem Hotel (hatte ich mir schon gedacht) bei Marken wie IWC-Schaffhausen, Tag-Heuer, Omega, Rolex, Breitling und eben Hublot schnell auf mein eigenes Schmuckstück am Handgelenk gucken kann, wann immer ich anfange zu hyperventilieren vorm Schaufenster.

Erfreulicherweise fing Junior (4) an zu schreien und wollte zur sich entfernenden Mama, so konnte ich flüchten, bevor die Verkäuferin mich erreicht hätte. So ein kleiner Zuschlag von 15.000 Euro auf die Hotelrechnung wäre meiner Frau wohl doch aufgefallen. Obwohl so ein Handgelenk-Invest mir immer noch solider vorkommt als die Investition in das Business der Familie meiner Frau, das wir unlängst getätigt haben. Aber so muss die Big Bang noch warten. Ein paar Jahre oder Jahrzehnte oder bis ins nächste Leben? Ob ich sie zwischenzeitlich mit einer RIGOR MORTIS ... äh .. MEGIR ... entzaubere, weiß ich noch nicht.

P.S.: Interessante Seite: Originale und Hommagen: https://www.pinterest.com/emorales0227/original-vs-legal-homage-watches/

Donnerstag, Februar 18, 2016

Citizen Ludigel zur Hälfte wieder hergestellt

Meine gebrachte Citizen Eco Drive und ich gingen etwa zur gleichen Zeit kaputt. Mir geht es langsam wieder besser...

Mein Gesundheitszusammenbruch, hier kürzlich im Blog noch mit Rückenbeschwerden in Zusammenhang gebracht, war doch etwas gänzlich anderes, auch wenn manches Detail noch im Dunkeln liegt. Nach endloser Quälerei bei nichtswissenden Ärzten im Tri-Service Hospital in NeiHu, dessen Ärzte buchstäblich herumkicherten, wenn ich meine Symptome schilderte und oft die Symptome verschlimmernde Medikamente mit verheerenden Nebenwirkungen verschrieben hatten, zog ich mich fast schon panisch in eine teure Privatklinik in Taipei zurück. Da zahlt dann die hiesige gesetzliche KV etwas zu, aber das Gros macht das riesige Honorar der Privatklinik (RUENTEX) bzw. des mit ihnen zusammenarbeitenden Chung-Shan-Hospital aus. Während ich ob der keckernden Taiwanärzte, die meine Symptome nicht glauben wollten, schon der Meinung war ein medizinisches Wunder sein zu müssen, war dann in der Privatklinik alles Routine und statt in einem Zeitrahmen von bis zu drei Monaten in nur 6 Tagen erledigt, inklusive OP. Mit meinen 49 Jahren hatten ich einen frühen aber sehr starken Fall des -eigentlichen- Altherrenleidens "gutartige Prostatavergrößerung", so viel sei hier gesagt. "Kann nicht sein", kicherte da der Militärurologe, ich sei zu jung. Und verschrieb Beruhigungstabletten. Deren Nebenwirkungen mich in die Notaufnahme trieben. Trotzdem blieb der Termin für die Ultraschalluntersuchung noch 6 Wochen in der Zukunft, obwohl ich nachts kein Auge mehr zu bekam. Ein Alptraum ausgelöst von offen gesagt idiotischen Ärzten. Welch ein Segen dagegen die Professionalität des Urologen in der RUENTEX-Klinik. Alles Routine. Prostata zu groß, also wird sie verkleinert. Bamm, fertig. Kein Kichern, kein Verschreiben sinnloser und gar gefährlicher Medikamente. Mein Zutrauen in das taiwanische Kassensystem ist nachhaltig erschüttert. Privat zahlen "rules"!

Noch Kopf an Kopf: Alpha GMT und Citizen Promaster Skyhawk mit C652 Kaliber


Doch von der Urologie zur Uhrologie. Meine schöne Citizen Eco Drive Sky Hawk, die es mir gebraucht erworben (2009 hatte sie der Vorbesitzer NEU gekauft, ich erst 2015 von ihm) als Reiseuhr sehr angetan hatte, hat in der selben Zeit einen Totalschaden erlitten, wie es aussieht. Offenbar hatte sie von Anfang an einen schlecht geladenen Akku, der nur noch einen Bruchteil der Kapazität hatte. Denn das Sonnenlicht muss beim Ecodrive ja den Akku oder Kondensator laden. Schließlich hörte sporadisch und dann ganz der untere Drücker auf zu funktionieren und seit dem Totalreset zeigt sie nur noch eigenartige bernsteinfarbende Zeichen im Display an und reagiert auf gar nichts mehr. Die Legende, dass Citizen-Solaruhren bis zu 20 Jahren halten und nicht wie andere Solaruhren schon nach ein paar Jahren mit kaputten Kondensatoren/Akkus ausfallen, ist damit für mich auch erledigt. Mein Zutrauen in den Citizen Eco-Drive ist ebenfalls nachhaltig erschüttert.

 Heißer Tipp für eine wirklich preiswerte Automatik um 100 Euro: Orient Mako hier in Pepsi-Ausführung am Mesh/Milano-Taucherband aus dem Hause Seiko.

Reiseuhr ist damit wieder meine Alpha GMT aus Hong-Kong, die ein Nachbau einer Rolex GMT ist und trotz einiger konstruktiver Nachteile ganz gut läuft. Eine Automatik für etwa 90 US-Dollar, die mit zwei oder gar drei Zeitzonen jonglieren kann hat eben auch ein paar Nachteile.

Dank privat gezahlter OP ist Citizen Ludigel wieder hergestellt und die Reiseuhr aus Hong Kong hat den endgültigen Triumph über die japanische Citizen errungen.

Mehr zum Thema Uhrologie:

Alpha GMT im Reise- und Wettertest: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

Italo-Albanerin (Breil Milano): http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/faltige-italo-albanerin.html 

Alpha P.O.: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/uhrenarmband-mord-alpha-planet-ocean.html

Orient Blue Mako: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/03/blaues-krokodil-aus-augsburg.html

Nautec GMT: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/01/nautec-gmt-durchwachsenes-update.html

J.Springs "Diver": http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html

Breil Milano Unikat: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/breil-milano-unikat.html

Tissot Seastar Auto-Chrono: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/die-menschen-mussen-gewarnt-werden.html

Gigandet Seaground 2: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/08/uhrenwahnsinn-teil-x-gigandet-sea.html

Zwei "Planet Ocean"-Verschnitte: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html




Donnerstag, Februar 04, 2016

Gibt es taiwanische Armbanduhren?

Es gibt tatsächlich taiwanische Armbanduhren. Eine Marke nennt sich "Rosdenton"

Sicher hat weder eine Dame namens Ros Denton, die möglicherweise auf Facebook zu finden ist, noch irgendjemand aus der englischen Stadt Denton etwas mit der taiwanischen Uhrenmarke Rosdenton zu tun.

Von der Webseite www.rosdenton.com.tw

Die Uhren sind an gängigen Edeluhren von Rolex orientiert. Das ist keine Schande, mache andere ja auch. Gülden, diamantig, von industrievergoldet bis hin zu goldenen Uhren mit Karatangaben. Vom Quarzwerk bis hin zum Schweizer ETA-Automatikwerk. Lustig finde ich oben an der taiwanischen "Datejust" die Bezeichnung "Diamond Quartz". 

Für meinen Geschmack zu goldig, zu gewollt edel-konservativ und zu "rolexie". Schlecht sind die Uhren sicher nicht, hinter denen vmtl- irgendein Konzern steht, der sich die Uhren vermutlich in China zusammenbauen lässt (auch keine Schande, machen viele). Preislich sind sie keine Verführer. Mit 9999 NT, also etwa 250 Euro scheint es los zu gehen für eine industrievergoldete Quarz, die dann wie eine Rolex Datejust oder irgendwie ähnlich aussieht.

Bei älteren Taiwanern scheint so etwas aber gut anzukommen. Man sieht "Datejustiges" immer wieder an den Handgelenken hier. 

Hier was glimmerndes für etwa 2.500 Euro, mit ETA-Werk: http://mall.pchome.com.tw/prod/BHAH6Q-A78208966?q=/S/QDAT4E

Ich würde da für den Preis lieber eine 100%ig schweizer Uhr kaufen. Mit weniger bis keinen Brillis dran. Aber wer's mag...

Freitag, Mai 15, 2015

Shoppingsenderuhr, 26 Euro

WERBUNG*

Mal wieder Zeit für eine Uhrenvorstellung. Neuzugang "Nautec GMT" vom deutschen Ebay gebraucht und fast neuwertig erstanden. Alle hier vorgestellten Uhren sind Automatiken, laufen also durch die Bewegung am Arm per Schwungscheibe ohne Batterie

* Neuesten EU-Richtlinen entsprechend kennzeichne ich jedwede Produktbesprechung als Werbung, auch wenn ich das Produkt kritisch bespreche, um Abmahnungen von einschl. Vereinen zu vermeiden.

Die Marke Nautec, die sich mit dem Beinamen "No Limit"*** schmückt, soll von deutschen Shoppingsendern vertrieben werden. Während anfangs die Qualität laut diverser von mir im Netz aufgefundenen Kundenmeinungen sehr durchwachsen zu sein schien, wird den Uhren in der letzten Zeit durchaus vernünftige Qualität zugesprochen, wohl ausgelöst durch höhere Stückzahlen und eben die Partnerschaft von Nautec mit einschlägigen deutschen Shoppingsendern. Nautec ist offenbar eine der zahlreichen "deutschnesischen" Uhrenmarken. Will sagen ein Deutscher oder ein kleines deutsches Unternehmen bestellt massenhaft Uhren in China und lässt diese mit eigenem Markennamen versehen. Oder eben nach eigenen Wünschen anfertigen. Es gibt da viele Standardmodelle, die in horrend schlechter Qualität von chinesischen Fabriken ausgestoßen und dann in Deutschland meist bei Ebay und Amazon unter wechselnden Markennamen angeboten werden. Die besseren Marken, wie offenbar Nautec, können jedoch entweder über die Stückzahl eine bessere Qualität durchsetzen oder arbeiten die Uhren nach. So kann man durchaus gutes "deutschnesisches" erstehen, auch wenn meiner Meinung nach die besten dieser Uhren mit japanischen Uhrwerken wie dem Miyota 8215 versehen sind. Weil made-in-Japan - Uhrwerke eben um Klassen besser sind als einfache chinesische Uhrwerke.


Meine eigene Uhr erstand ich für nur 26 Euro leicht gebraucht vom deutschen Ebay. Auch wenn noch einmal das selbe an Versandkosten nach Taiwan dazu kam (u.a. weil der Verkäufer Uhrenbox und Uhr getrennt geschickt hatte), ist das sicher nicht viel Geld für eine Uhr. Herstellungskosten chinesischer Uhren belaufen sich oft nur auf 4 US-Dollar pro Uhr oder weniger, daher sollte man nicht zu viel anlegen für einen im Grund genommen volksrepublikanischen Ticker.
Zu richtigen Uhrenfotos bin ich nicht gekommen, ein paar schnelle Schüsse vom Handgelenk müssen reichen. Die Fraktion der Freunde haarloser Arme muss sich daher heute wieder ein neues Blog suchen, ich bitte um Nachsicht. Immerhin habe ich keine Tatoos auf dem Arm, könnte also auch schlimmer kommen.


Die Nautec GMT wie im Bild gibt es u.a. mit schwarzem und blauem Zifferblatt und gleichfarbigem Tauchring, außerdem mit rot-blau geteiltem Tauchring (die sog. Pepsi-Variante in Uhrenfreaksprache), wohl auch noch mit schwarz-rotem Tauchring (die sog. Coke-Variante). Und eben in Orangemetallik, eine Farbgebung, die der Omega Planet Ocean entlehnt ist. Das Gehäuse der Nautec GMT ist jedoch ähnlich dem großen Vorbild Rolex GMT (die quasi zu einem Industrie-Designstandard geworden ist), auch wenn das Gehäuse dank massiger Formgebung etwas Eigenständigkeit hat. Insbesondere in der ungewöhnlichen orangen Farbe wirkt sie eigenständig und weit vom Rolexdesign entfernt. Geliefert wird sie mit einem wertig wirkenden Metallband, das allerdings sog. Madenschrauben zur Gliederbefestigung verwendet (nicht an der Uhr selbst, sondern für die Bandglieder untereinander). Bei 27 Grad im Schatten wollten die Maden partout nicht aus ihren Löchern kommen und da ich sowieso hinreichend viele Uhren am Metallband habe (u.a. den Omega Planet Ocean-Klon von Alpha) entschied ich mich kurzerhand das Metallarmband tief in der Uhrenkiste verschwinden zu lassen und ein aus England geschicktes Lederband zu montieren, das im Bild zu sehen ist. Das wertige Band ist ähnlich teuer wie der von mir bezahlte Uhrenpreis und lässt den Glimmer des Tauchrings sehr viel poppiger hervortreten als das beim original Stahlband der Fall gewesen wäre.

Hier ist es 15.47 in Taiwan und 9.47 in Deutschland. Bei gerader Draufsicht auf das Zifferblatt statt schrägem Seitenblick sähe man, dass der 2.Zeitzonenzeiger kurz vor der 10 steht, wie es auch richtig ist. Die versetzte Einstellung des Tauchrings mit der 24h/GMT-Sala kompensiert ein leichtes Versetztsein des 24-Zeigers bei meiner Ablesung. Aber das kann sich jeder hindrehen wie er will.
Das Datum ist unter der Lupe gut ablesbar (hier nicht zu erkennen im Foto).


Technisch gesehen verspricht die Nautec GMT Saphirglas und 300 Meter Wasserdichte, will sagen sie soll zum Tauchen geeignet sein. Uhrenfreunde im Uhrforum sprachen zwar von zu dünnem Saphirglas um damit wirklich tauchen zu können (eine Preisfrage, denn das kratzfreie Saphir ist teuer), aber ich kann die Stärke des Glases nicht verifizieren und tauche ja auch nicht mit der Uhr. Ein spanischer Onlinehändler bei Ebay verkauft die Pepsivariante der Uhr oft für etwas über 50 Euro neu, sicher nicht zu viel für eine Saphirglas-GMT mit Edelstahlgehäuse. Übrigens ist die Uhr eine "unechte GMT" (GMT steht bei Uhren für eine zweite Zeitzone). Das heißt der 2.Zeitzonen-Zeiger ist eigentlich nur ein 24h-Zeiger, der der 24h-Beschriftung auf dem Tauchring folgt. Im Normalfall hat man den bei "24" angesiedelten Pfeil auf der 12 der Uhr und so kann man dann überflüssigerweise mittels des roten Zusatzzeigers (mit weißer Spitze) ablesen, ob es gerade 16 Uhr oder 4 Uhr morgens ist, wenn der normale Stundenzeiger auf der 4 steht. Will man nun eine zweite Zeitzone anzeigen, dann muss man den Tauchring verstellen, bis der 24h-Zeiger auf der gewünschten Uhrzeit der zweiten Zone steht. Hier im obigen Bild ist der Drehring so verstellt, dass der zweite Zeitzonenzeiger die deutsche Zeit GMT+1 anzeigt, während die Uhr sonst die taiwanischer Zeitzone GMT+8 anzeigt. Durch Sommerzeit in Deutschland ergibt sich derzeit aber nur eine Differenz von 6 Stunden, daher steht der Tauchring eben so wie er steht.
Der 24h-Zeiger folgt also bei Zeigerverstellen immer dem normalen Stundenzeiger und lässt sich nicht unabhängig einstellen. Im Gegensatz zu meiner Alpha GMT (siehe hier) läuft der "GMT-Zeiger" bei der Nautec übrigens konstant, will sagen weder zu schnell noch zu langsam im Vergleich zur Normalzeit. Das ist angenehm, weil ich dann nicht alle paar Tage die zweite Zeitzone nachregeln muss, wie das etwa bei der Alpha GMT der Fall ist. Vielleicht läuft der 2.-Zeitzonenzeiger der Nautec etwas versetzt zur Normalzeit (wie auch bei der Alpha GMT), aber das kann man durch ein leichtes Verstellen des Tauchrings kompensieren. Wichtig ist, dass die Anzeige konstant läuft, was ja auch der Fall ist bei der Nautec, während bei der Alpha die Zeitdifferenz zur Normalzeit zunimmt.

Alpha "P.O." zum Designvergleich. So etwa sieht eine echte Omega Planet Ocean auch aus.

Interessant ist es einmal, die drei Chinesinnen Alpha P.O. (oben, etwa 90 US-Dollar), Alpha GMT (unten, etwa 90 US-Dollar) und die Nautec GMT "unter der Haube" gegenüber zu stellen und im Praxistest zu vergleichen. Da ich kein Uhrenaufmacher bin muss sich der Vergleich freilich auf Worte beschränken.

Und noch eine Hongkong-Hommage, die Alpha GMT, extrem nah am Design der Rolex GMT, so nah wie es irgend geht

Die Alpha GMT mit ihrem echten GMT-Werk, bei dem der Nachteil ist, dass ein Verstellen des Stundenzeigers den eigentlich unabhängigen GMT-Zeiger mitverstellt, hat ein Werk des chin. Uhrenherstellers Shanghai unter der Haube, allerdings in B-Qualität. Das heißt, dass hier u.U. gebrauchte und schon mal reparierte Werke zum Einsatz kommen, die einem aufmachenden Uhrmacher schon mal leichte Verschmutzung inklusive Haare zeigten, wie ich im Netz gefunden habe. Und das bei einer fabrikneuen Uhr. Aber der Vorteil ist, dass solche Werke vielleicht schon mal durch die Finger eines Uhrmachers irgendwo in China gegangen sind und vielleicht gar nicht mal schlecht laufen. Meines läuft mit 15 Sekunden Vorlauf am Tag - normal für eine Unter-500-Euro - Automatikuhr. Gehäuse und Armband (sehr scharfkantig!) haben aber durch schelchte Verarbeitung genervt und Nacharbeitung u.a. mit Pattex erfordert - zur Wiederbefestigung der Pepsiskala.

Die Alpha P.O. in Orange hingegen hat wie die gleichfarbige Nautec ein Seagullwerk, möglicherweise das ST-6, wie man immer wieder liest. Das hat keine GMT-Funktion und läuft bei mir mit bis zu 55 Sekunden Vorlauf am Tag - hier müsste ein Uhrmacher mal eine Feineinstellung vornehmen. Bei der Alpha P.O. war das Armband eine Strafe, es ließ sich nur mit armbandbeschädigender Brachialgewalt verkürzen (Stifte saßen teilweise fest, auch der Armbandverkürzer hier in Taipei verzweifelte), sonst ist die "P.O." aber sehr gut verarbeitet. Beide Alphas haben aber nur Mineralglas und sind nur mit 30m bzw. 50m Wasserresistenz angegeben. 
Übrigens basieren sowohl das unechte GMT-Werk der Nautec (Seagull, Bezeichnung ist mir unbekannt) wie auch das echte GMT-Werk der Alpha auf einem älteren schweizer ETA Original-GMT-Werk, das natürlich um Klassen besser ist.

Nachteil der Nautec: Der Tauchring verstellt sich leicht, so dass die 2. Zeitzone dann evtl. verstellt wird.

Was die Nachtablesbarkeit angeht, so hat die Nautec die beste (grüne) Floureszierung, die beiden Alpha sind da eher leidlich, aber auch noch ablesbar. Wie genau die Nautec laufen wird ist noch nicht abzusehen, da sich Uhren immer erst einlaufen. Derzeit läuft sie auch mit etwa +15 Sek. pro Tag, man wird sehen. Verschraubte Kronen, wie sich das für echte oder Möchtegern-Taucheruhren gehört, haben übrigens alle der drei Uhren hier.

In Sachen Verarbeitung ist die Nautec gleichauf mit der Alpha P.O, kombiniert mit Ganggenauigkeit ist sie die beste der drei Chinesinnen. Als Referenz für die Preisklasse möchte ich die Gigandet Seaground 2 ins Feld führen. Da ist auch ein deutsches Unternehmen dahinter, das die Uhren in China mit dem erwähnten Miyotawerk bestücken lässt und im Netz zwischen 130 und bis zu über 500 Euro dafür verlangt - ich selbst habe 70 bei einer Auktion von einem anderen Anbieter bezahlt. Die Gigandet ist von der Verarbeitung her die hochwertigste (Band und Uhr problemlos) und hat eben ein japanisches Innenleben, wenn auch ohne GMT. 

 Gigandet Seaground 2 (hier im ungewöhnlichen Grün), eine der zahlreichen Rolex-Submariner Hommagen mit einer gewissen Eigenständigkeit im Auftritt

Die wohl beste Alternative unter den günstigen Uhren ist meiner Meinung nach die Orient Deep-Reihe aus dem Seiko-Konzern, unten in der Pepsivariante zu sehen. Für etwa 110-130 Euro hat sie ein gutes einfaches Automatikwerk (nicht schlechter als das Miyota) und eine solide Verarbeitung und ein eigenständiges, leicht retro-wirkendes Äußeres, Mineralglas und 200 Meter Wasserdichte nebst verschraubter Krone - Bild unten neben der Gigandet. Und alles Made in Japan bei Orient.

Rechts: Orient Deep "Pepsi" mit fremdem australischen Mesh/Milanaise-Armband

*** "No limits" hingegen (mit zusätzlichem S dran) ist ein Beiname des renommierten italienischen Uhrenherstellers Sector.

Update 2019: Die Nautec von oben hat bereits seit langer Zeit Feuchtigkeitsbeschlag im Inneren, obwohl sie immer zugeschraubt war über die Schraubkrone und wird wohl demnächst entsorgt. Oder kommt doch mal zum hiesigen Batteriewechsel zum Trockenlegen. Mal schauen. Die Gigandet ist einfach aus Gründen der Sammlungsverkleinerung verkauft. Die schicke Orient sollte das selbe Schicksal erleiden, allerdings hat ein entfernter Verwandter erboten, sie zu übernehmen. Und sie dann nie bezahlt, der nichtsnutzige $§§&%$§#. Never mind. Den beiden Alphas geht es immer noch gut, auch wenn ich das katastrophale Metallband der GMT gegen ein Lederband getauscht habe.

Montag, März 23, 2015

Blaues Krokodil aus Augsburg

WERBUNG*

* Neuesten EU-Richtlinen entsprechend kennzeichne ich jedwede Produktbesprechung als Werbung, auch wenn ich das Produkt kritisch bespreche, um Abmahnungen von einschl. Vereinen zu vermeiden.


Wieder nix über Taiwan. Aber im 11. Jahr hat das Taiwanthema auch für mich irgendwie den Reiz des Neuen verloren...

 Für 11 Euro erstand ich ein blaues Lederarmband bei Ebay Deutschland, gedacht war es für die Orient "Blue Mako", eine solide von Uhrenfreunden oft empfohlene Uhr*** aus dem Seiko-Konzern mit einfachem, aber robustem Automatikwerk, die einst für 90 US-Dollar ihren Weg zu mir gefunden hat. Zu Zeiten, als das noch 75 Euro oder irgendetwas in der Art waren. Dann kam das Erstaunen, das Band behauptet vom Louisianna Crokodil zu sein sein und auch noch von einem ganz jungen (Calf aka Jungtier). Eigentlich hätte ich "Guandong Rindviech" vom Hintern erwartet.




Der mit 200m-Wasserresistenz angegebene Diver ist übrigens ein echter Tipp für eine robuste Low-Cost - Uhr, bei der der Gebrauchswert wesentlich höher ist als der Verkaufspreis. Rundum solide und auch optisch auf der Höhe wesentlich teurerer Uhren. Nur am fehlenden Sekundenstopp (Sekundenzeiger bleibt bei Stellen nicht stehen) und mangelnder Aufzugsmöglichkeit (braucht man aber auch nicht) darf man sich nicht stören. Nur das serienmäßige Kautschukarmband mit blauem Delphinlogo sieht etwas scheußlich aus meiner Meinung nach und das alternative Metallarmband ist ein Haar-Zieper der Sonderklasse, jedenfalls wenn man untaiwanesisch behaarte Arme hat. Womit wir meine Gastinsel wenigstens einmal erwähnt haben in diesem Artikel.

Die wertige Oberfläche mit der kräftigen Aufpolsterung signalisierte sofort ein hochwertiges Armband vom (Augsburger) Hersteller "RIOS 1931". Einen kleinen Schock bekam ich als ich den Preis im Internet fand: 128 Euro will ein Händler dafür haben. Das ist schon etwas anderes als die von mir bezahlten 11 Euro, an jemanden der allergisch war gegen das Armband und es gleich wieder verkauft hat. Wofür das Armband nichts kann, es macht jedenfalls bei mir keinerlei Probleme, obwohl ich ein überzeugter "taiwanischer Flüssigkunststoff, Elastan, Sellerie, Pollen - und was-war-nur-heute-wieder-schreckliches-im-Essen-drin" - Allergiker bin.

 Bei einem so hohen Preis traue ich mich jetzt gar nicht das Armband zu tragen, das viel teurer als die Uhr ist. Gibt es da Schonbezüge für ;-)

Lohnt sich optisch und haptisch aber schon die Ausgabe, wenn man denn trotz ethischer Bedenken einen niedlichen kleinen Schnapper zum Lederarmband umwursten lassen will. Rios 1931, die sicher heute marketingtechnisch froh sind, dass das Unternehmen nicht zwei Jahre später gegründet wurde, hat auch noch diverse Eidechsenleder-Armbänder im Angebot. Mit den charakteristischen kleinen hellen Sprenkeln. Die ließen mich erschaudern, hatte ich doch als Kleinkind einst eine Salamanderfigur (vom gleichnamigen Schuhhersteller) mit eben diesen Sprenkeln auf dem Rücken, die ich damals sehr gern mochte. Brrrr.

"Blue Louisiana Crocodile". Na ja, wer würde nicht den Blues kriegen, wenn er in Streifen geschnitten werden soll...

Letztes Uhrenposting:  http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/03/fallen-die-preise-mechanischer-uhren.html


*** Ich wollte damals schon nicht auf den i-Pott, war nicht i-Pädophil und brauch auch keine Apple-Watch am Rhein.

Mittwoch, März 18, 2015

Fallen die Preise mechanischer Uhren?

Kaum ist die Apple-Watch auf dem Markt, scheinen zumindest bei Ebay die Preise zu purzeln. Ich versuche krampfhaft meinen Kauffinger in Zaum zu halten.

Bei Uhrenfreunden wie mir heftig umstritten ist die Apple-Watch, weil eben zu befürchten ist, dass der mechanischen Uhr zumindest in der Unter-1000-Euro-Klasse den mechanischen Uhren den Todesstoß versetzt. Und den Quarzern wohl sowieso, aber wer trauert denen schon nach. Als daher die Apple-Watch angekündigt wurde hatte ich mit dem Gedanken gespielt, meine vor zwei Jahren oder so erworbene Tissot Seastar Chronograph, die immerhin eine Preisempfehlung von um die 1000 Euro hatte (habe freilich viel weniger bezahlt in einer Ebay-Auktion") mit nach Deutschland zu nehmen und wieder in die "e-Bucht" zu werfen. Bevor die Preise fallen. Ich konnte mich dann aber doch nicht dazu durchringen.

Ludigels liebste, eine Breil Milano BW0474 mit "gepimptem" Armband, auch mit schweizer Innenleben und italienischem Design***


Nun scheint es soweit zu sein, eine Tissot T-Race mit dem schönen Eta-Valjoux 7750 Automatikwerk, vor kurzem neuwertig noch regelmäßig 600 oder gar 750 Euro in Auktionen bringend, ging für 451 Euro weg. Eine etwas angekratzte (das kann man rauspolieren aus dem Edelstahl) für 224 Euro. Letztere hätte noch vor einer Woche bestimmt 400 Euro gebracht. Möglicherweise haben viele wie ich an einen Schnellverkauf vor dem Apple-Verkaufsstart gedacht und damit wird der Preis deutlich geringer. Sollte der Preis weiter fallen, werde ich mich sicher irgendwann mit dem ein oder anderen Neukauf über den Wertverfall meiner Tissot hinweg trösten. Einst habe ich das bei analogen Spiegelreflexkameras erlebt, die schrittweise bis auf heutige Tiefstpreise von 1 bis 10 Euro für Consumer-Class-Modelle gefallen sind von einst stolzen dreistelligen Preisen. Wenn das so kommen würde, hätte ich sicher daheim nicht nur eine Uhrenschublade sondern einen Uhrenschrank und bald Uhren an beiden Hand- und den Fußgelenken ;-)

Für mich persönlich bleibt es bei der mechanischen Uhr. Mich fasziniert einfach der Gedanke, in dieser elektronisch durchwachsenen und ständig piependen und zirpenden Zeit ein rein mechanisches Gerät am Handgelenk zu haben, das äußert komplexe Dinge tut (etwa eine Stoppuhr bietend) und das völlig ohne Strom! Auch sehe ich nicht, dass ich einen Mini-Tablettcomputer auch noch am Handgelenk brauche zusätzlich zu dem in der Jackentasche. Mich würde es sehr nerven, wenn es ständig am Handgelenk piept und ziept weil irgendeine Email kommt oder jemand etwas bei Facebook gepostet hat. Auf meinem Smartphone sind die Ebay- und Facebook-App bereits deinstalliert, um genau das (zu nächtlicher Stunde) zu unterbinden.

Eine Killer-App "die man haben muss" könnte ich mir aber vorstellen: Sollte sich Apples iPay fürs Bezahlen mit dem iPhone oder eben dem Apple-Watch-Satteliten (sie ist ja einfach ein Anschlussterminal für das iPhone) durchsetzen, dann wird wohl bald jeder bequem über einen "Wisch" auf dem Bildschirm der Armbanduhr seine Brötchen oder die fettige Bratwurst bezahlen wollen, anstatt umständlich Bargeld oder das Smartphone aus der Brieftasche zu holen. Das geht mit der mechanischen Uhr natürlich nicht.

Positiv fände ich es, wenn sich die Apple-Watch nur als eine Uhr unter vielen etablieren würde, neben Auto-Divern und Uhren mit Grand Complication, aber mir schwant übles. Steht am Ende eine Neuauflage der "Quarzkrise" bevor, wo viele schweizer Hersteller durch den urplötzlichen Hang der Kunden zu einer hässlichen LCD-Uhr und dem anschließenden Wechsel zur Batterieuhr vom Markt gefegt worden sind? Die derzeitigen Antworten der schweizer Uhrenindustrie wirken verzagt und ausweichend und dem Trend hinterher hechelnd (etwa hier). Da wird schon mal eine digitale Uhr mit Touchscreen und Basketballfunktionen als Smartwatch vorgestellt - ich würde es eben als digitalen Sportchrono bezeichnen, mehr ist es nicht (das war Tissot, kann den Link nicht mehr finden). Eine Lösung könnte vielleicht eine Mini-Smartwatch für das Uhrenarmband einer mechanischen Uhr sein. Die Idee kam mir vor einiger Zeit und jetzt hat Montblanc etwas in der Art: hier. Möglicherweise ist das der Weg für teure Luxusuhren respektive ihre Hersteller. Zur Rolex das Smartterminal am Armband. Muss man auch immer mal zum Uhrmacher, wenn das Magnetfeld des Terminals die Uhr magnetisiert hat ;-)
Ach Elektronik, lass mir doch die Uhren in Ruhe.

*** Untergrund: Der tolle Kalender von Klaus und der Playboy, den ein taiwanischer Kollege zwar gewünscht, aber nie abgeholt hat ;-)

P.S.: Einstweilen habe ich die 13. Uhr für die Uhrenschublade erworben, eine fast neuwertige deutsch-chinesische Nautica GMT mit orangefarbender Lünette, Marke Rolex GMT heiratet Omega Planet Ocean und das (sozial abgestiegene) Kind zieht nach Guangdong Province. Für 26 Euro. 

***

Links zu ähnlichen Artikeln:

Alpha GMT Urlaubseinsatz
Alpha GMT vs. Citizen Promaster Skyhawk
Tissot Seastar 1000 Automatik Chronograph, klein und zierlich
Alpha P.O und die J.Springs BEB078
Zwei zierliche Ührchen: Breil Milano BW0474 und die Tissot Seastar 1000 Auto Chrono
Gigandet Seaground 2 in Formosagrün

Mittwoch, Februar 11, 2015

Neulich im Treppenhaus - Jesus Power (Update)

Ohne Worte, aus dem Treppenhaus unseres Mietshauses in NeiHu, Taipei


Fototechnisch: Die Vollformat DSLR Sony A850 mit einem 1999er Minolta AF 1,7/50mm aus freier Hand. Auch nach Wochen steht die Werbekarte noch genauso da.


UPDATE:  Wenn wir einmal dabei sind und alles nicht hilft: Einfach einen Blaue-Himmels-Generator ums Handgelenk:

(Tissot Seastar 1000 Auto.-Chronograph)

Freitag, Januar 09, 2015

Zeitzonenjongleure (Update)

Ein reines Luxusproblem: Welche Uhr legt man an, wenn man sich zwischen Zeitzonen bewegt: Eine analoge mechanische oder einen analog-digital Zwitter?

Sicher gibt es wichtigere Fragen im Leben, aber trotzdem finde ich hat das Jonglieren mit bis zu drei verschiedenen Zeitzonen auf Flugreisen mit Zwischenlandung etwas Untriviales. Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten: Man hat entweder eine Uhr, die nur konventionell eine Zeitzone anzeigt und stellt diese immer wieder um - oder man verwendet eine Uhr, die mehrere Zeitzonen beherrscht. Die erste Methode ist narrensicher, aber für den Uhrenfreund natürlich viel zu langweilig. Die zweite Methode birgt die Gefahr, "lost in time zones" zu sein, je nach dem wie gut oder schlecht die Ablesbarkeit der Multi-Zeitzonenuhr ist.

Hier sind zwei gebräuchliche Konzepte parralel am Arm zu sehen, auch wenn ich so nicht wirklich auf Reisen gehe. Obwohl Fidel Castro ja einst eine bis zu drei Zeitzonen anzeigende Rolex GMT (von der die linke Uhr oben im Foto eine Hommage ist) und noch eine zweite Rolex am selben Arm hatte. Kunststück, wenn man die Rolexfiliale in  Havanna unter dem Deckmantel der Revolution plündern konnte.
Links eine Alpha GMT der Uhrenmarke aus Hongkong, die eine sehr stark am Original angelehnte Hommage der Rolex GMT ist, wie sie wohl 1961 oder dergleichen (wenn auch etwas kleiner als hier mit 4 cm Durchmesser ohne Krone) für die PanAm-Fluggesellschaft entwickelt wurde. Lustigerweise im Stil einer Taucheruhr mit dem klassischen Drehring, aber eben für Airlinepiloten konzipiert. Während das Original in der aktuellen fast unveränderten Version wohl 14.500 Euro kostet, wie mal jemand im Uhrenforum geschrieben hat, kostet die chinesische Hommage oben etwa 90 US-Dollar, bewegt sich aber in Sachen Verarbeitung und auch Bedienung schon in einem anderen Universum (und nicht nur in einer anderen Klasse), das ist klar.
Rechts eine Citizen Promaster Skyhawk mit irgendeiner langen Modellbezeichnung (und dem Uhrwerk C652 von Citizen), hier eine eher in Großbritannien verkaufte Version. Der britische Verkäufer auf Ebay schrieb, er würde die Skyhawk verkaufen, weil er eine alte Rolex geschenkt bekommen hätte. Die Citizen kann um die 20 Zeitzonen anzeigen und nicht nur drei wie die mechanische Alpha rechts.

Nur nicht schief gucken oder falsch drücken beim Ablesen, sonst ist der Flieger weg.

Von der Technik her ist links in der Alpha ein Shanghai "B"-Uhrwerk verbaut, also eine B-Qualität oder in Praxi oft schon mal reparierte Version eines GMT-Uhrwerks des eigentlich renommierten chinesischen Herstellers der Uhrenmarke Shanghai, das also vielleicht schon mal viele Jahre am Handgelenk eines chinesischen Bürgers verbracht hat, dann repariert wurde und heute in einer neuen Alpha tickt. Das Uhrwerk ist letztlich ein Nachbau eines schweizer GMT-Werks mit Automatik (zieht sich also ohne Batterie selbst am Handgelenk durch Bewegung auf) vom (fast-) Monopolhersteller ETA (Swatch Group). Wie auch beim Original hat die Uhr einen zusätzlichen roten Zeiger, der die zweite Zeitzone anzeigt. Weil dieser frei einstellbar ist (wie die Datumsverstellung, nur dreht man die Krone einmal herausgezogen andersherum) spricht man hier von einer "echten" GMT-Uhr. Will sagen einer echten zwei oder mehr Zeitzonen anzeigenden Uhr. Verwirrend hier sicherlich das Kürzel GMT, denndas GMT steht eigentlich für die Greenwich Median Time, die Greenwich oder englische Zeit (mittlerweile auch als UTC-Zeit bezeichnet), wird aber in der Uhrenwelt generell als Kürzel für "mehrere Zeitzonen" verwendet. Hier im Bild ist es also 21:06 in der zweiten Zeitzone (taiwanische Zeit, der rote Zeiger läuft in 24h einmal um, also nach der 24h-Skala auf dem Tauchring) und 02:06 in der Normalzeitzone (deutsche Zeit, hier läuft die Uhr normal im 12h-Umlauf). Dass dann 02:06 eben 14:06 bedeutet, muss man sich freilich herleiten.

Bei einer "unechten" GMT wie es sie z.B. vom Hersteller Orient gibt, folgt der 2. Zeitzonenzeiger hingegen immer Stur der Hauptzeit, kann also bei 02:00 Uhr nur entweder auf die "2" oder die "14" auf der 24h-Skala zeigen und nur durch die Drehbarkeit des 24h-Ringes kann man eine zweite Zeitzone einstellen. Es gibt auch Uhren, bei denen der 24h-Ring fest ist, das sind dann natürlich keine GMT-Uhren (sondern nur Uhren mit zusätzlicher 24h-Anzeige), denn sie können ja gar keine zweite Zeitzone anzeigen, auch wenn sie gerne als solche angeboten werden in den Weiten des Internets.

Nicht nur eine gute Uhr, auch gutes Schuhwerk braucht der Weltreisende, denn Terminalgänge sind endlos lang. Schuld an diesem Foto ist aber nur der Dezember-Playboy, den ein Kollege unbedingt aus Deutschland mitgebracht haben wollte. Mal was anderes als Weingummi oder Vitaminpillen. Ob er es bis in den Koffer geschafft hat sei hier verschwiegen.


Hat man mit einer echten GMT wie der Alpha, die auch noch einen drehbaren 24h-Ring hat, dann eine Zwischenlandung etwa in Bangkok, wo es dann z.B. 20:06 Uhr ist, kann man durch Drehung des Tauchrings die dritte Zeitzone für die Zwischenlandung einstellen. Man dreht den Ring so, dass der unveränderte 2.-Zeitzonenzeiger auf (ganz kurz nach) 20 statt auf 21 zeigt. Hat man die Zwischenlandung hinter sich, dreht man einfach den Tauchring wieder in die Ursprungsposition (Keil auf der Skala nach oben). So kann die Alpha tatsächlich recht gut mit drei Zeitzonen umgehen.

Hingegen setzt die Citizen rechts auf Elektronik und High-Tech, um den Flugreisenden beim Zeitzonenjonglieren zu unterstützen. Die Uhr wird von einem Citizen-typischen Eco-Drive-Uhrwerk angetrieben. Im Prinzip einfach eine multifunktionelle Quarzuhr mit sowohl analoger wie digitaler Anzeige, läuft sie nicht mit Batterie sondern mit einem Kondensator (und einer Notfallbatterie für dunkle Zeiten), der über ein kleines Solarpanel geladen wird. Das kann nach meinen Recherchen bis zu 19 Jahre lang gutgehen, schlimmstenfalls aber nach etwa 7 Jahren aufhören zu funktionieren. Ein Austausch von Kondensator und Batterie würde dann um die 60 Euro in Deutschland kosten. Viele Citizen Eco-Drive - Nutzer müssen das aber offenbar das ganze Uhrenleben lang nie machen lassen. Die Citizen erreichte mich gebraucht für 109 Euro aus England, im fast neuwertigen Zustand, von ein paar Armbandkratzern abgesehen. Neben Schmankerln wie Stoppuhr, Timer, Datum (immer für Digitalanzeige) und zwei Alarmen hat die Citizen eben die zahllosen Zeitzonen, die man über Druck auf den oberen Knopf auf der Digitalanzeige einstellen kann und die durch Städtekürzel wie PAR oder ROM (wahlweise für die GMT+1 - Zeitzone in der Deutschland liegt), LON (GMT+0), BKK (Bangkok, GMT+6) und z.B. PKG oder HKG für die GMT+7 - Zone Taiwans angezeigt werden. Oben im Bild hat die Citizen die taiwanische (HKG) Zeit auf der Analoganzeige (wofür es keine Städtekennung gibt) und die "Pariser"/deutsche Zeit auf der Digitalanzeige (Kürzel PAR und 14:05 wird angezeigt). Durch Drücken von oberem und unterem Knopf lassen sich beide Zeitanzeigen austauschen. Auf diese Art kann man immer die Analoganzeige so programmieren, wie man sie haben will. Wenn man jetzt also die beiden Drücker gleichzeitig betätigen würde, würde sich die Analoganzeige auf die deutsche Zeit stellen (fünf-nach-zwei anzeigen) und die Digitalanzeige würde auf HKG/21:05 wechseln. Natürlich kann man auch die selbe Zeitzone in Analog- und Digitalanzeige einstellen. Frei programmierbar ist eine weitere Zeitzone, hier kann man etwa KKD für Kleinkleckersdorf einstellen und sonst auch die Zeitverschiebung gegenüber GMT/London-Zeit (in vollen Stunden) frei wählen. Hinweis für Indienreisende: Die wenigen "krummen" Zeitzonen mancher indischer Regionen, die etwa GMT+5h.30min sind, unterstützt die Citizen nicht.

Um die Beschreibung zu vollenden: Beide Uhren haben Edelstahlgehäuse, die Citizen hat einen recht sinnlosen Flugbenzin oder Flugzeitrechner über winzig kleine Gravuren auf dem ebenfalls drehbaren Außenring und sonst schönes wirklich kratzfestes Saphirglas und ist 10 ATM / 100 Meter wasserdicht, was zumindest für zufällige Wasserbegegnungen reicht. Die Alpha hat nur Mineralglas, zwar eine taucheruhrentypisch verschraubte Krone, aber nur eine 5 ATM / 50 Meter - Wasserdichtigkeit. Die sollte aber auch für zufällige Wasserbegegnungen reichen - leichten Regen hält sie jedenfalls aus. Der Tauchring der Alpha ist wie bei solchen Uhren üblich nur einseitig (nach links) drehbar und rastet dabei ein, ist aber gut drehbar.

Wie gut funktioniert nun das Ablesen bzw. Einstellen der zweiten und dritten Zeitzone mit der Alpha bzw. der Citizen?

Die Alpha hat eigentlich eine klare Ablesbarkeit und alles ist sofort intuitiv klar, wenn man einmal bedenkt, dass der zweite Zeitzonenzeiger eben auf einer 24h-Skala läuft und nicht wie sonst auf einer 12h-Skala. Wäre die Alpha eine Rolex oder auch eine ebenfalls an die Rolex recht angelehnte deutsch-schweizerische "Steinhart" mit original ETA-Werk, dann wäre sie sicher die einfacher zu handhabende Alternative der beiden. Nachteilig höchstens, dass sie keine Wochentagsanzeige hat und natürlich mechanotypisch das Datum stur 1-31 läuft und sich nicht an die Monatslänge anpasst. Aber das kennen Freunde mechanischer Uhren natürlich.
Allerdings hat die chinesische Alpha einige Nachteile: Die zweite Zeitzonenanzeige läuft manchmal etwas nach, steht also etwa bei 14:06 mit dem GMT-Zeiger noch kurz vor der 14 und nicht kurz nach der 14, was etwas verwirren kann. Außerdem verstellt das Einstellen der Hauptzeit den Zeiger für die zweite Zeitzone mit, was beim hektischen Vertauschen von Haupt und Zweitzone auf Flugreisen ganz schön nerven kann. Mein Exemplar hatte außerdem ein scharfkantiges "Jubilee"-Metallarmband, das überhaupt nicht zu gebrauchen war und daher oben von mir durch ein Lederband ersetzt worden ist (man kann die Alpha auch mit einem Textilband ordern). Auch die Gehäuseunterseiten waren so scharfkantig, dass Schnittgefahr beim Anfassen bestand und ich der Chinesin erst mal mit Schleifpapier zu Leibe rücken musste. Auch ist die Krone zu groß und gräbt sich manchmal schmerzhaft in den Handrücken, insbesondere beim Koffertragen. Auch hatte sich im letzten Jahr bei winterkalter Außenluft und warmer Heizungsluft die blaurote Farbskala (ein Stahlblechring) von der Uhr gelöst, ließ sich aber mit Pattex sicher wieder befestigen und blieb dieses Jahr brav am Platz. Ein im Orginalzustand mangelhaftes Ergebnis für die Alpha also, was chinesischer Leichtigkeit bei Konstruktion und Fertigung geschuldet ist. Aber ganz brauchbar, wenn man nachbessert und nachbastelt.

Die Citizen hingegen erfordert beim Einstellen etwas Lesen und herumprobieren und bringt mich immer wieder dazu, die falschen Zeitzonen anzuzeigen. Etwa kommt man machmal auf den oberen Druckknopf und hat dann etwa BKK statt HKG auf der zweiten Zeitzone, was man spätestens dann nicht mehr merkt, wenn man die Digital- und die Analoganzeige wie beschrieben umtauscht. Auch verlangt die Citizen manuelles Nachführen der Winter- und Sommerzeit. Das muss man bei der Alpha natürlich auch selbst einstellen, aber bei den ca. 20 Zeitzonen der Citizen ist das eine elende Arbeit. Sie bietet zwar eine SMT genannte Funktion dafür (Dailight Saving on oder off), aber diese zieht offenbar nur pauschal eine Stunde von der eingestellten Zeitzone ab, wenn SMT/Daylight Saving aktiviert wird, egal welches Datum gerade ist. Man kann allerdings nicht benötigte Zeitzonen totschalten und hat dann weniger Komplexität. Als gelegentlicher Lesebrillenträger kann ich die zweite Zeitzone auf der Citizen bzgl. der Uhrzeit ganz gut ohne Brille ablesen, das Städtekürzel hingegen kann ich bei Schummerlicht schon nicht mehr lesen ohne Brille. Auch die Einstellerei erfordert das Nasenfahrrad, um nicht mit tränenden Augen dazusitzen.

Die Citizen zeigt noch die englische/GMT - Zeit auf der kleinen Uhr rechts oben an (mit UTC beschriftet), aber im 24h-Modus und hat eine weitere 24h-Anzeige auf der kleinen Uhr links oben im Zifferblatt, die immer zur Analogzeit passt.

Beide Uhren haben also ihre Vor- und Nachteile in der Handhabung, auch wenn die Citizen durch erstklassige Verarbeitung natürlich den souveräneren Eindruck macht: sie hätte ja auch im Neupreis 200 britische Pfund und nicht 90 US-Dollar gekostet wie die Alpha.

Wo die Citizen manchmal etwas "fieselig" wirkt durch die diversen Funktionen und man manchmal vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr findet, ist die Alpha hingegen zu nachlässig konstruiert bzw. zusammengebaut.

Was von beiden ist also besser? Hmmm.....   vielleicht doch einfach das Neueinstellen der jeweiligen Zeitzone auf einer konventionellen Dreizeigeruhr?  ;-)

Oder eben eine bessere Rolex-GMT-artige Uhr wie eben die des deutschen Herstellers Steinhart, die dann aber auch 450 Euro kosten würde. Die waren leider gerade nicht lieferbar als ich kaufen wollte, weil ETA den Hersteller nicht rechtzeitig mit Uhrwerken beliefert hatte. Trotzdem ist die Citizen mit Eingewöhnung sicher eine fast optimale Sache auf Reisen.
 



Dienstag, Oktober 21, 2014

Breil Milano Unikat

Eine Uhr zu "customizen" ist die nächste Stufe des Uhrenticks, mit der neuen Breil Milano bin ich dem nun nah gekommen

Bereits vorgestellt, die alte italienische Breil, hergestellt in der Schweiz mit einem schönen ETA Valjoux 7750 Automatik-Chronographenwerk:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/ich-breil-mich-und-liefere-ein-neues.html
Die Breil Milano BW0474 erreichte mich aus dem fernen Albanien binnen weniger Tage hier in Taiwan und war an einem nach Tabak und fremdem Aftershave riechenden ziemlich ramponiertem Krokoarmband ausgestattet.

Wie nun ein neues finden? Die BW0474 war zumindest Uhrenarmbandhändlern in England und Holland nicht bekannt. Lange brütete ich also über Internetfotos von anderen Breil Milano - Modellen und mir fiel das Ralleymodell BW0423 ins Auge, eine Quarz, die ganz in Schwarz und Rot gehalten war und ein reifenartiges Kautschukarmband mit langen Stahl-Sportstreifen hatte. Wie würde das wohl an meiner Breil BM0474 aussehen, die ja in Rotgold und Stahl mit bronzebraunem Zifferblatt schon so nicht gerade unauffällig war?



Die Antwort ist hier. Eine sehr auffällige Uhr, die ich aber gerne zu unauffälliger Bürokleidung als Kontrastprogramm trage. Hier ist die 46.5mm-Breil (Durchmesser ohne Krone) zusammen mit meiner 48mm-Tissot Seastar 1000 Chronograph abgelichtet. Beides sind sicher dicke Böller, das gebe ich gerne zu.

"Meine Breil" ist also damit ein Unikat geworden.


Alt, aber unbescheiden im Auftritt.

...

Am Arm ergibt sich so ein Steampunk-artiger Effekt, irgendwie retro aber ganz eigenartig, als ob Stahldornen aus dem Uhrenkörper schießen und sich um das Handgelenk legen...

Mehr Uhrenwahnsinn: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/scharfe-chinesin-aus-der-rehab-entlassen.html

Mittwoch, September 24, 2014

Scharfe Chinesin aus der Rehab entlassen (Update)

Neue Chance für meine scharfe Kantonesin, jetzt in Rot-Schwarz

Update für Interessierte: Wo die meisten Chinauhren herkommen: http://www.millionsmart.com/e/default_home.asp
Für eine Handvoll Dollar (4 oder so) bekommt man da einen Submariner-Klon mit chinesischem Standarduhrwerk. Farbe und Markenname wird alles gecustomized und auch ein chin. GMT-Werk darf natürlich rein. Bestellen Sie doch mal 1000 Stück Ihrer eigenen GMT, vielleicht in Rot*Grün, das hat noch keiner.

Wieder ein Blogartikel zum Thema Uhrenwansinn. Mit meiner "Alpha" aus dem schönen Hongkong verband mich ja eine tiefe Abbeigung, nachdem ich das für 90 US-Dollar erstandene Modell "GMT" auf dem letzten Deutschlandurlaub am Arm hatte, der schönen mechanischen zweiten Zeitzone halber, hier hinreichend dokumentiert: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

Ich war nach dem Urlaub so schlecht zu sprechen auf das Ding, dass ich sie monatelang einfach ungetragen in der Uhrenschublade liegen ließ und sogar durch eine andere GMT, sprich durch eine andere Uhr mit zweiter Zeitzone ersetzen wollte. Die Kritikpunkte im einzelnen waren a) scharfkantige Unterseiten mit Schnittgefahr, b) scharfkantiges Metall-Armband mit Raspeleffekt, c) bei Hitze/Kälte-Unterschied abgefallener Drehringeinsatz (24h-Skala), d) Mitverstellen des 24h-Zeigers beim Einstellen der normalen Uhrzeit, e) eine zu große scharfkantige Krone, die sich in den Handrücken gräbt und f) ca. 20 Minuen hinterher laufender 24h-Zeiger, der dazu führt, dass ich bei der 2. Zeitzone dann doch er im Kopf rechnen statt ablesen musste. "Chinamüll eben", wird manch einer da sagen wollen.

Rehabilitiert/nachgebessert: Alpha GMT, mit Austauschband.

Doch einen Lichtblick gab es von Anfang an. Den Tauchring, den ich einmal durch leichtes Falschherumdrehen abgedreht und in der Hand hatte, ließ sich sofort wieder einfach einrasten und das Ding, übrigens mit einem Seagull-B-Uhrwerk (eher schlechter Nachbau des original schweizer ETA-Werks) lief verblüffend genau, automatiktypisch mit etwa 15 Sekunden Vorlauf pro Tag.

Freunde der Happy-Haarlos-Fraktion (HHF) gucken jetzt bitte weg. Hier sieht man, dass es 11.04 Uhr in Taiwan und gerade 5.04 Uhr in Deutschland ist, denn der rote 24h-Anzeiger (den man beliebig einstellen kann) steht so etwa auf 5 Uhr. Eigentlich etwas linksbündig versetzt, was typisch für das Shanghai-Werk ist und durch Drehen des Drehrings um 2 Raster nach links kompensiert werden kann.


Jetzt verblüfft es mich selbst, aber ich trage die Alpha GMT immer öfter, sie ist praktisch meine derzeitige Lieblingsuhr geworden. Wie das? Nun, ich habe die scharfen Unterkanten abgeschliffen mit feinkörnigem Schleifpapier, so dass die Uhr zwar weiterhin scharf ist, aber nicht mehr messerscharf. Die Krone ist auch ein bisschen auf die Art gebändigt, das Band sowieso längst ersetzt durch ein hübsch passendes Lederband mit roter Naht. Und dreht man die Skala etwas links kann man das Nachgehen des 24h-Zeigers kompensieren. Und man kann sich eben dran gewöhnen, erst die normale Zeit und dann die zweite Zeitzone (davon unabhängig) einzustellen. Mit 40mm Durchmesser ohne Krone ist die Uhr nicht zu groß und trägt sich eher leicht und angenehm, wenn nicht mal wieder die Krone in die Hand beißt. Aber dann schiebt man die Uhr eben hoch.

Alternativen wären die etwas ähnlich aussehende (gacker) Rolex GMT für 14.500 Euro oder so, die sicher besser ist (hust), die deutsch-schweizer Steinhart für 420 Euro, die auch als Rolex-Hommage bezeichnet wird. Oder eine italienische Politi für um die 100 Euro, wo wohl auch ein chinesisches Werk, allerdings das wohl bessere Seagull-GMT-Werk drin ist. Oder die deutsche Nautec aus chinesischer Produktion mit ebenfalls dem Seagull-Werk, die bisweilen bei nur 56 Euro bei Ebay zu finden ist von einem spanischen Händler. Oder die Parnis/Getat - Hommagen der Panerai GMT, auch Chinauhren. Hier würde ich vielleicht eine Parnis von einem deutschen Uhrmacher (der auch die Marke Liv Morris vertreibt) erwerben, der noch mal über die Qualität drüber guckt und sie für wohl 165 Euro oder dergleichen vertreibt. Allerdings achtet meine Frau darauf, dass ich nicht immer Ebay auf das Smartphone lade. Na ja, wenn der Spanier die Nautec noch mal mit der orange-metallenen Lünette hat...

Wenn man ggf. nacharbeitet, kann man also mit einer Alpha doch viel Uhr für kleines Geld haben. Mehr oder minder problemlos benutzbar, jedenfalls wenn man Pattex zum Nachkleben dabei hat.