Das Ende einer langen Saga
Die Geschichte um die Auslieferung des Unfallfahrers Zain D., einem Briten pakistanischer oder indischer Herkunft, hat nun offensichtlich ein Ende erreicht, wie diesem Artikel (Link Focustaiwan) zu entnehmen ist.
Um es kurz zu rekapitulieren, D. hatte im Jahre 2010 in Taipei offenbar einen Motorrollerfahrer getötet, als er stark betrunken den Roller von hinten mit seinem alten Mercedes angefahren hat. Der Fahrer des Rollers, der offenbar der einzige Brotverdiener einer hiesigen Familie war, wurde dadurch getötet. Zain wurde zu einer Gefängnisstrafe verurteilt nach einem Prozess, der viele Fragezeichen über die faire Behandlung von Ausländern hier und über die Verbindungen der Polizei hin zum organisierten Verbrechen aufgeworfen hat. Mein letzter Artikel dazu ist hier: https://osttellerrand.blogspot.com/2018/03/ist-er-immer-noch-im-knast.html
Zain D. entzog sich der Haft durch Flucht und war längere Zeit in der Schweiz und in Schottland untergetaucht, ohne dass irgendjemand sein Fehlen bemerkt hatte in Taiwan. Kurze Zeit, nachdem dieses Blog hier damals die Frage gestellt hatte, was aus Zain D. geworden sei (damals wurde das Blog ja noch gelesen), ging dann eine große Suche nach ihm los und am Ende wurde versucht, ihn von Schottland nach Taiwan ausliefern zu lassen, was nun endgültig gescheitert ist. Nichtsdestotrotz hat Zain D. 2 Jahre und 10 Monate in Haft gesessen, wenn auch in Auslieferungshaft in Schottland.
Ich denke, der Fall Zain ist interessant für Ausländer in Taiwan, denn er offenbart meiner Meinung nach folgendes:
1. Ausländer stehen bei Vergehen oder gar Verbrechen sehr viel stärker im Fokus der Inselaufmerksamkeit, bis hin zum nationalen Spektakel.
2. Hat man wie Zain D. in diesem Fall Interdependenzen zum organisierten Verbrechen, kann das über die Verbindungen des selbigen zur Polizei Nachteile bedeuten. So wurde das ermittelnde Polizeirevier von den Banden geschmiert, die auch den zweiten Verdächtigen in diesem Fall als Parkwächter o.ä. angestellt hatten.
3.Ausländer werden in der Regel über Entschädigungszahlungen weit mehr zur Kasse gebeten als Einheimische.
4. Die Öffentlichkeit in Taiwan reagiert sehr stark auf Berichterstattung von Vergehen von "Weißen" in Taiwan. Sonst wäre der Fall damals nicht monatelang fast in der Endlosschleife in den Nachrichten gekommen. Und die anfängliche Herzlichkeit der Taiwaner uns "Bignoses" gegenüber ist spätestens nach diesem Fall einer gewissen Skepsis gewichen.
5. Einzelne Ausländer können etwas verändern in Taiwan! Zain D. verdanken wir immerhin die biometrische Erfassung von uns Bignoses bei der Einreise und Ausreise, damit niemand wieder mit einem geborgten Pass die Insel verlässt - wie damals Zain D.
++++++++Eigenwerbung+++++++++++++++
Ludigel blogt wieder, als Gegenpol zum
Romaneschreiben, das ihm oft Alpträume
beschert. Die Leute wollen's halt verrückt und
brutal. Co-Produktion mit anderem Autor.
Weird stuff. Holy shreck.
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Mittwoch, Oktober 30, 2019
Montag, Dezember 10, 2018
Verbrechen, 1x neu, 1x alt
Ein altes und ein neues Verbrechen touchiert uns die Tage
Blogleser, die ich durch die jüngste Blogabschaltung noch nicht vergrault habe erinnern sich vielleicht: Meine Schwiegermutter hier war einst Telefon-Trickbetrügern aufgesessen, die sich möglicherweise sogar echter Polizisten bedient hatten. Jedenfalls waren damals sich als Polizisten ausgebende Personen bei der Schwiegermutter aufgetaucht, die "Kontrollgänge" machten und sicherstellen wollten, dass Schwiegermutter nichts über die vorangegangene Erpressung verlauten ließ, bei der sie aus Angst - ohne irgendetwas angestellt zu haben - 800.000 Taiwandollar, also damals etwa 20.000 Euro (heute wäre das mehr) einem jungen Mann überließ, unter dessen Aufsicht sie diese am Geldautomaten abhob. Als Schwiegermutter schließlich doch zur Polizei ging, hatte der bearbeitende Beamte die Anzeige in die Rundablage geworfen. Erst durch Nachfassen meiner Frau wurde der Fall bearbeitet. Ein dann auftauchender Bescheid, Schwiegermutter habe sich in einem Gefängnis zum Haftantritt (ohne vorhergehendes Verfahren und ohne irgendeinen Tatbestand oder Tatvorwurf!) zu melden, versetzte sie endgültig in Schrecken und lässt mich bis heute vermuten, Gangster, Polizei und sogar das die "Einladung" verschickende Gericht hätten da zusammengearbeitet. Ein Anruf erledigte die Hafteinladung, sie war ein Irrläufer und an eine andere Person adressiert. Nur warum tauchte sie ausgerechnet in dieser Zeit auf? Die Kriminalpolizei hatte jedenfalls die Betrügerbande ermittelt, wenn auch ohne Verstrickungen in Polizei und Gericht.
Beim Gerichtsverfahren war ich selbst anwesend und nur als nicht aufgerufener Zeuge dabei. Mir ist noch in Erinnerung, wie die Richterin den in einen weißen Seiden-Trainingsanzug gekleideten jungen Haupttäter zusammengefaltet hat und wie dieser am Ende des Prozesses (ich ein paar Meter dahinter) die Reihe geparkter Autos ausspähte, wohl um ein unverschlossenes für die Heimfahrt zu finden.
Weitere Entwicklung: Unser Anwalt verbrachte die nächsten Jahre damit, u.a. von den Eltern der meist um die 20 Jahre alten Täter das ergaunerte Geld zurückzufordern. Ein Väterchen kündigte sofort seinen Bürojob, um kein Pfändbares Gehalt zu haben und drohte mit Selbstmord, wenn wir weiter insistieren würden.
Nun hat Schwiegermutter nach vielen Jahren und Dank unseres Anwalts und eines gut kooperierenden Richters etwa 3/4 des Geldes zurück. Der Rest kommt nicht mehr, denn in einer Täterfamilie gab es wirklich einen Selbstmord und der Richter bat uns, diese Familie nicht mehr zu verfolgen. Frau und Schwiegermutter stimmten zu und so hat die Taiwansippe X ihren Beuteanteil behalten können, durch Reduzierung ihrer Mannstärke. Nicht unsere Schuld, wenn sie das "Geld oder Leben" so wörtlich nehmen.
Und in unserem Wohnblock ist ein Zettel in roter Schrift angebracht, der laut meiner Frau aussagt, dass in der Anlage eine Frau vergewaltigt worden ist und in Lebensgefahr schwebt. Wir halten seither unsere Haustür immer gut verschlossen. Sie hat außen nur eine Türklinke und man muss sie entweder bewusst von außen abschließen oder von innen per Drehknauf verriegeln, sonst kann sie jeder öffnen.
Der unbekannten Mitbewohnerin sei alles Gute gewünscht. Dem Täter die Selbstentleibung anempfohlen.
Edit: Zu viel Tod und Verbrechen im Taiwanblog durch dieses Posting. Aber die Realität ist manchmal auch grausam, auch wenn Taiwan ein eher sicheres Land ist. Mir bleibt das merkwürdige Gefühl, als hätte mein rein fiktiver Roman nun plötzlich in die Realität abgefärbt. Was natürlich Unsinn ist.
Blogleser, die ich durch die jüngste Blogabschaltung noch nicht vergrault habe erinnern sich vielleicht: Meine Schwiegermutter hier war einst Telefon-Trickbetrügern aufgesessen, die sich möglicherweise sogar echter Polizisten bedient hatten. Jedenfalls waren damals sich als Polizisten ausgebende Personen bei der Schwiegermutter aufgetaucht, die "Kontrollgänge" machten und sicherstellen wollten, dass Schwiegermutter nichts über die vorangegangene Erpressung verlauten ließ, bei der sie aus Angst - ohne irgendetwas angestellt zu haben - 800.000 Taiwandollar, also damals etwa 20.000 Euro (heute wäre das mehr) einem jungen Mann überließ, unter dessen Aufsicht sie diese am Geldautomaten abhob. Als Schwiegermutter schließlich doch zur Polizei ging, hatte der bearbeitende Beamte die Anzeige in die Rundablage geworfen. Erst durch Nachfassen meiner Frau wurde der Fall bearbeitet. Ein dann auftauchender Bescheid, Schwiegermutter habe sich in einem Gefängnis zum Haftantritt (ohne vorhergehendes Verfahren und ohne irgendeinen Tatbestand oder Tatvorwurf!) zu melden, versetzte sie endgültig in Schrecken und lässt mich bis heute vermuten, Gangster, Polizei und sogar das die "Einladung" verschickende Gericht hätten da zusammengearbeitet. Ein Anruf erledigte die Hafteinladung, sie war ein Irrläufer und an eine andere Person adressiert. Nur warum tauchte sie ausgerechnet in dieser Zeit auf? Die Kriminalpolizei hatte jedenfalls die Betrügerbande ermittelt, wenn auch ohne Verstrickungen in Polizei und Gericht.
Beim Gerichtsverfahren war ich selbst anwesend und nur als nicht aufgerufener Zeuge dabei. Mir ist noch in Erinnerung, wie die Richterin den in einen weißen Seiden-Trainingsanzug gekleideten jungen Haupttäter zusammengefaltet hat und wie dieser am Ende des Prozesses (ich ein paar Meter dahinter) die Reihe geparkter Autos ausspähte, wohl um ein unverschlossenes für die Heimfahrt zu finden.
Weitere Entwicklung: Unser Anwalt verbrachte die nächsten Jahre damit, u.a. von den Eltern der meist um die 20 Jahre alten Täter das ergaunerte Geld zurückzufordern. Ein Väterchen kündigte sofort seinen Bürojob, um kein Pfändbares Gehalt zu haben und drohte mit Selbstmord, wenn wir weiter insistieren würden.
Nun hat Schwiegermutter nach vielen Jahren und Dank unseres Anwalts und eines gut kooperierenden Richters etwa 3/4 des Geldes zurück. Der Rest kommt nicht mehr, denn in einer Täterfamilie gab es wirklich einen Selbstmord und der Richter bat uns, diese Familie nicht mehr zu verfolgen. Frau und Schwiegermutter stimmten zu und so hat die Taiwansippe X ihren Beuteanteil behalten können, durch Reduzierung ihrer Mannstärke. Nicht unsere Schuld, wenn sie das "Geld oder Leben" so wörtlich nehmen.
Und in unserem Wohnblock ist ein Zettel in roter Schrift angebracht, der laut meiner Frau aussagt, dass in der Anlage eine Frau vergewaltigt worden ist und in Lebensgefahr schwebt. Wir halten seither unsere Haustür immer gut verschlossen. Sie hat außen nur eine Türklinke und man muss sie entweder bewusst von außen abschließen oder von innen per Drehknauf verriegeln, sonst kann sie jeder öffnen.
Der unbekannten Mitbewohnerin sei alles Gute gewünscht. Dem Täter die Selbstentleibung anempfohlen.
Edit: Zu viel Tod und Verbrechen im Taiwanblog durch dieses Posting. Aber die Realität ist manchmal auch grausam, auch wenn Taiwan ein eher sicheres Land ist. Mir bleibt das merkwürdige Gefühl, als hätte mein rein fiktiver Roman nun plötzlich in die Realität abgefärbt. Was natürlich Unsinn ist.
Donnerstag, März 29, 2018
Taiwans Ausländersuperstar Z.D.: ...... Ist er immer noch im Knast?
Das Verfahren um den britisch-pakistanischen mutmaßlichen Todesfahrer Z.D. hat im Prinzip das Verhältnis zwischen Ausländern und Taiwanern definiert - jedenfalls hier auf der Insel Formosa. Der Unfall war schon 2010. Was also wurde aus Z.D.?
Rückblende:
2010 betreibt Z.D. in Taipei eine kleine Computerfirma, die sich wie in Taiwan ziemlich üblich als taiwanische Zweigstelle eines US-Konzerns ausgibt. Jedenfalls landete Google immer nur bei der Taiwanfirma, nie in Übersee. Hier verwendete er wie jede andere kleine Computerbude in Taiwan auch offenbar falsche oder gar keine Microsoft-Lizenzen für die Computer. Aber darum geht es nur am Rande. Außerdem fuhr er mit einem damals schon alten Mercedes der E-Klasse zu einem Besäufnis in einer "Puff"-Karaoke-Bar, wo er sich komplett von seinen taiwanischen Trinkkumpanen abfüllen ließ, bis er nicht mehr laufen konnte. Offenbar hatte er auch schon ein PKW+Alkohol-Vorproblem gehabt. Wie dem auch sei, ein Abgestellter der Puffbar hat Z.D. dann zumindest in Richtung seines Zuhauses gefahren. Ein Foto einer Kreuzungskamera zeigt Z.D. auf dem Beifahrersitz und den Angestellten am Steuer.
Während der Fahrt kam es dann zur für einen Motorollerfahrer tödlichen Kollision mit dem zeitungsaustragenden Mann. Der Mercedes fuhr weiter und Z.D. gab zu ihn - angeblich ohne Wissen von dem Unfall nach Übernahme des Steuers volltrunken vor der Wohnung - im Parkdeck seines Wohnblocks geparkt zu haben.
Recht schnell fand ein pensionierter Polizist den bei einem Schrotthändler stehenden beschädigten Benz und in der Folge ging nun eine beispiellose taiwanische Massenhysterie los, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Der Medienhype in Taiwan war ähnlich als man es bei der Landung von Aliens (in bunten leuchtenden Kostümen, mit drei Köpfen und sechs Geschlechtsteilen) erwarten könnte. Eine TV-Endlosschleife von immer dem selben Film im Fernsehen und eine beispiellose Vorverurteilung. Und das, obwohl er noch ziemlich unschuldig aussah anfangs.
Später sah es dann weniger gut aus für ihn, auch wenn die Verquickung von Mafia mit der Puffbar UND dem ermittelnden Polizeirevier (über Bestechungsgelder) und eben die Vorverurteilung einen fairen Prozess unmöglich machten meiner Ansicht nach.
Mein letzter Blogartikel dazu (den ich noch finden kann):
https://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Hier ist auch alles noch mal im Detail zu lesen.
Unfallfahrzeuge etc.: https://redbrickdaily.com/zain-dean-might-not-be-coming-back-to-face-the-music/
Ich merkte damals, dass die vorher uns "weiße" Ausländer an-hallo-enden Taiwaner ("where you from", "welcome to Taiwan", "can you teach my kids English") mir plötzlich öfter mal böse Blicke zuwarfen und mich im Vorbeigehen gar angrummelten. Später normalisierte sich das ganze zu eben normaler Nichtbeachtung, wie in anderen Ländern auch. Und wir bekamen Bio-Scanner an der Grenze, die nur für Ausländer sind. Weil Z.D. nämlich mit einem geliehenes Pass und weißer Schminke die Fliege gemacht hatte und über die Schweiz nach Schottland geflohen war zwischenzeitlich. In Taiwan hatte er erst 18 Monate Haft und dann in Berufung sogar 4 Jahre bekommen. Scheinbar hatte er keine Lust auf eine 4x4-Zelle mit 20 Leuten drin, wie sie in Taiwan üblich ist. Hier kann man eine Taiwanzelle sehen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
In der Endlosgeschichte stellte Taiwan nun einen Auslieferungsantrag an Großbritannien, wo dieser den schottischen High Court, das schottische Supreme Court und das Auslieferungsgericht in Edinburgh beschäftigt. Bis heute. Wie ist also der Stand?
Zum Schluss ging es nur noch darum, ob Z.D. eine menschenwürdige Unterbringung im Taiwan-Bau ermöglicht würde. Taiwan sicherte in der Folge ein Extrazimmer mit Dusche, Duschvorhang, frischen Handtüchern und eigenem Baseballplatz (aber ohne Baseball) zu. Außerdem sicherte man ausgesuchte Ausländer mit guten Manieren als Umgang zu, die ihn anständig behandeln würden.
Allerdings fand das Verfahren mit dem immer noch im Knast sitzenden Z.D. Ende September 2017 sein scheinbares Ende, als die Auslieferung wohl endgültig abgelehnt worden ist. In dieser Sache!
Flugs stellte nämlich Taiwan den Auslieferungsanstrag erneut, diesmal wegen Behinderung der unfehlbaren (s.o.) taiwanischen Justiz. Ergo bekam der mittlerweile 3 Jahre im schottischen Gefängnis sitzende Z.D. zwar Bewährung wegen des ersten Delikts (Todesfahrt), wird aber immer noch in Haft gehalten wegen des neuen Auslieferungsanstrags. Und Taiwan droht an, immer wieder neue Anträge zu stellen, bis.... ja bis er wohl an Altersschwäche gestorben ist.
Irgendwie hat man den Eindruck, dass die schottische Justiz auch irgendein Hühnchen mit Herrn Z.D. zu rupfen hat. Nächstes Update in 10 Jahren.
Zur relativ aktuellen Lage:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201609230033.aspx
Rückblende:
2010 betreibt Z.D. in Taipei eine kleine Computerfirma, die sich wie in Taiwan ziemlich üblich als taiwanische Zweigstelle eines US-Konzerns ausgibt. Jedenfalls landete Google immer nur bei der Taiwanfirma, nie in Übersee. Hier verwendete er wie jede andere kleine Computerbude in Taiwan auch offenbar falsche oder gar keine Microsoft-Lizenzen für die Computer. Aber darum geht es nur am Rande. Außerdem fuhr er mit einem damals schon alten Mercedes der E-Klasse zu einem Besäufnis in einer "Puff"-Karaoke-Bar, wo er sich komplett von seinen taiwanischen Trinkkumpanen abfüllen ließ, bis er nicht mehr laufen konnte. Offenbar hatte er auch schon ein PKW+Alkohol-Vorproblem gehabt. Wie dem auch sei, ein Abgestellter der Puffbar hat Z.D. dann zumindest in Richtung seines Zuhauses gefahren. Ein Foto einer Kreuzungskamera zeigt Z.D. auf dem Beifahrersitz und den Angestellten am Steuer.
Während der Fahrt kam es dann zur für einen Motorollerfahrer tödlichen Kollision mit dem zeitungsaustragenden Mann. Der Mercedes fuhr weiter und Z.D. gab zu ihn - angeblich ohne Wissen von dem Unfall nach Übernahme des Steuers volltrunken vor der Wohnung - im Parkdeck seines Wohnblocks geparkt zu haben.
Recht schnell fand ein pensionierter Polizist den bei einem Schrotthändler stehenden beschädigten Benz und in der Folge ging nun eine beispiellose taiwanische Massenhysterie los, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Der Medienhype in Taiwan war ähnlich als man es bei der Landung von Aliens (in bunten leuchtenden Kostümen, mit drei Köpfen und sechs Geschlechtsteilen) erwarten könnte. Eine TV-Endlosschleife von immer dem selben Film im Fernsehen und eine beispiellose Vorverurteilung. Und das, obwohl er noch ziemlich unschuldig aussah anfangs.
Später sah es dann weniger gut aus für ihn, auch wenn die Verquickung von Mafia mit der Puffbar UND dem ermittelnden Polizeirevier (über Bestechungsgelder) und eben die Vorverurteilung einen fairen Prozess unmöglich machten meiner Ansicht nach.
Mein letzter Blogartikel dazu (den ich noch finden kann):
https://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Hier ist auch alles noch mal im Detail zu lesen.
Unfallfahrzeuge etc.: https://redbrickdaily.com/zain-dean-might-not-be-coming-back-to-face-the-music/
Ich merkte damals, dass die vorher uns "weiße" Ausländer an-hallo-enden Taiwaner ("where you from", "welcome to Taiwan", "can you teach my kids English") mir plötzlich öfter mal böse Blicke zuwarfen und mich im Vorbeigehen gar angrummelten. Später normalisierte sich das ganze zu eben normaler Nichtbeachtung, wie in anderen Ländern auch. Und wir bekamen Bio-Scanner an der Grenze, die nur für Ausländer sind. Weil Z.D. nämlich mit einem geliehenes Pass und weißer Schminke die Fliege gemacht hatte und über die Schweiz nach Schottland geflohen war zwischenzeitlich. In Taiwan hatte er erst 18 Monate Haft und dann in Berufung sogar 4 Jahre bekommen. Scheinbar hatte er keine Lust auf eine 4x4-Zelle mit 20 Leuten drin, wie sie in Taiwan üblich ist. Hier kann man eine Taiwanzelle sehen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
In der Endlosgeschichte stellte Taiwan nun einen Auslieferungsantrag an Großbritannien, wo dieser den schottischen High Court, das schottische Supreme Court und das Auslieferungsgericht in Edinburgh beschäftigt. Bis heute. Wie ist also der Stand?
Zum Schluss ging es nur noch darum, ob Z.D. eine menschenwürdige Unterbringung im Taiwan-Bau ermöglicht würde. Taiwan sicherte in der Folge ein Extrazimmer mit Dusche, Duschvorhang, frischen Handtüchern und eigenem Baseballplatz (aber ohne Baseball) zu. Außerdem sicherte man ausgesuchte Ausländer mit guten Manieren als Umgang zu, die ihn anständig behandeln würden.
Allerdings fand das Verfahren mit dem immer noch im Knast sitzenden Z.D. Ende September 2017 sein scheinbares Ende, als die Auslieferung wohl endgültig abgelehnt worden ist. In dieser Sache!
Flugs stellte nämlich Taiwan den Auslieferungsanstrag erneut, diesmal wegen Behinderung der unfehlbaren (s.o.) taiwanischen Justiz. Ergo bekam der mittlerweile 3 Jahre im schottischen Gefängnis sitzende Z.D. zwar Bewährung wegen des ersten Delikts (Todesfahrt), wird aber immer noch in Haft gehalten wegen des neuen Auslieferungsanstrags. Und Taiwan droht an, immer wieder neue Anträge zu stellen, bis.... ja bis er wohl an Altersschwäche gestorben ist.
Irgendwie hat man den Eindruck, dass die schottische Justiz auch irgendein Hühnchen mit Herrn Z.D. zu rupfen hat. Nächstes Update in 10 Jahren.
Zur relativ aktuellen Lage:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201609230033.aspx
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Z.D.
Freitag, Januar 12, 2018
Taiwan Lebensmittelstatus 2017: krebserregender Stoff legalisiert!
Seit ein paar Tagen bin ich wieder in Taiwan. Und habe merkwürdige und sehr störende Symptome, die ich als allergisch einstufe
Abgesehen von einem Hexenschuss beim 150 kg-Pakete-Stemmen war ich während der 5 Wochen meines vergangenen Deutschlandaufenthalts die reine Gesundheit. Doch kaum seit ein paar Tagen in Taiwan (seit dem 03.01.) bin ich ein gesundheitliches Wrack. Eine Vorgeschichte habe ich ja: Seit meinem Kommen 2004 hatte ich in Taiwan ständig allergische Symptome (eine Miniversion von dem was ich jetzt habe), die bei Aufenthalten außerhalb Taiwans am dritten Tage völlig verschwanden. Ich dachte immer, was kippen die Taiwaner bloß ins Essen? Die Antwort war u.a. DEHP, ein industrieller Schmierstoff, der wohl seit den 90er-Jahren Palmöl in Taiwan ersetzt hat und in fast allen Lebensmitteln war.
Siehe hier:
https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal
und auch hier bzgl. anderer problematischer Stoffe:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
und hier:
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal
2011 verschwanden dann die Symptome. Im Jahre 2015 hatte ich dann allerdings ein gutartiges Wachstum, das zu einer Art Organversagen führte und operativ behandelt werden musste, laut Tierversuchen lässt es sich auf DEHP zurückführen (auch wenn das gutartige Wachstum auch andere Gründen haben kann, wie immer bei solchen Dingen).
2016 hatte ich dann keine Symptome mehr, aber nun nach der Rückkehr nach Taiwan bin ich wieder voll dabei. Lassen wir meine persönlichen Symptome und fragen wir uns stattdessen, wie es im Jahre 2017 mit der Lebensmittelsicherheit in Taiwan ausgesehen hat. Aufgefallen ist mir, dass man von Lebensmittelskandalen rein gar nichts mehr hört. Ganz im Gegensatz zu früher. Soll das nun heißen, dass die Taiwaner ihre Lebensmittelindustrie komplett umgekrempelt haben? Oder - so dachte ich sogleich - hat die neue Präsidentin Tsai Ingwen (DPP, seit 2016 im Amt) eventuell die Regularien aufgeweicht?
Ich weiß es natürlich auch nicht, aber folgender Link stimmt wenig optimistisch:
http://courageworld.ch/TaiwanFood.htm
Dort heißt es, berufend auf einen Universitätsprofessor, dass Taiwan 2017 mehr "relaxed" bei der Lebensmittelsicherheit sei, im Gegensatz zu anderen Ländern. Und dass - eine 2017er Meldung) der erlaubte Pestizidgehalt der Nahrung 1000 mal so hoch sei wie in Europa. Außerdem sei das Dioxin-Kontrollsystem zusammengekracht. Näheres wird nicht angegeben sondern auf einen TV-Bericht verwiesen.
Außerdem haben die pfiffigen Taiwaner einen Kustgriff gemacht. Der toxische Flüssigkunstoff DEHP ist laut dem Link 2017 nicht mehr als "toxic chemical material" sondern nur noch als "concerned chemical material" eingestuft.
Weil also das krebserregende, leibesfruchtschädigende und Diabetes auslösende DEHP in Taiwan als illegaler Palmölersatz so beliebt ist, hat die Regierung die Konsequenzen gezogen und den Stoff offenbar legal gemacht! Das würde meine derzeitigen Symptome erklären, die wie eine Maximalversion dessen sind, was ich bis 2011 hatte (offenbar: China-Times, April-21-2017).
Ich gebe meinen Symptomen (die ich meiner einer gewaltigen Apotheke bekämpfe) noch 2 Wochen. Wenn sich dann nichts ändert, muss ich die Zelte im Chemiewunderland Taiwan abbrechen, dem Gejammere von Frau und Junior zum Trotze.
Abgesehen von einem Hexenschuss beim 150 kg-Pakete-Stemmen war ich während der 5 Wochen meines vergangenen Deutschlandaufenthalts die reine Gesundheit. Doch kaum seit ein paar Tagen in Taiwan (seit dem 03.01.) bin ich ein gesundheitliches Wrack. Eine Vorgeschichte habe ich ja: Seit meinem Kommen 2004 hatte ich in Taiwan ständig allergische Symptome (eine Miniversion von dem was ich jetzt habe), die bei Aufenthalten außerhalb Taiwans am dritten Tage völlig verschwanden. Ich dachte immer, was kippen die Taiwaner bloß ins Essen? Die Antwort war u.a. DEHP, ein industrieller Schmierstoff, der wohl seit den 90er-Jahren Palmöl in Taiwan ersetzt hat und in fast allen Lebensmitteln war.
Siehe hier:
https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal
und auch hier bzgl. anderer problematischer Stoffe:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
und hier:
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal
2011 verschwanden dann die Symptome. Im Jahre 2015 hatte ich dann allerdings ein gutartiges Wachstum, das zu einer Art Organversagen führte und operativ behandelt werden musste, laut Tierversuchen lässt es sich auf DEHP zurückführen (auch wenn das gutartige Wachstum auch andere Gründen haben kann, wie immer bei solchen Dingen).
Wo ist mehr Plastik drin? Im Essen oder im Löffel?
2016 hatte ich dann keine Symptome mehr, aber nun nach der Rückkehr nach Taiwan bin ich wieder voll dabei. Lassen wir meine persönlichen Symptome und fragen wir uns stattdessen, wie es im Jahre 2017 mit der Lebensmittelsicherheit in Taiwan ausgesehen hat. Aufgefallen ist mir, dass man von Lebensmittelskandalen rein gar nichts mehr hört. Ganz im Gegensatz zu früher. Soll das nun heißen, dass die Taiwaner ihre Lebensmittelindustrie komplett umgekrempelt haben? Oder - so dachte ich sogleich - hat die neue Präsidentin Tsai Ingwen (DPP, seit 2016 im Amt) eventuell die Regularien aufgeweicht?
Ich weiß es natürlich auch nicht, aber folgender Link stimmt wenig optimistisch:
http://courageworld.ch/TaiwanFood.htm
Dort heißt es, berufend auf einen Universitätsprofessor, dass Taiwan 2017 mehr "relaxed" bei der Lebensmittelsicherheit sei, im Gegensatz zu anderen Ländern. Und dass - eine 2017er Meldung) der erlaubte Pestizidgehalt der Nahrung 1000 mal so hoch sei wie in Europa. Außerdem sei das Dioxin-Kontrollsystem zusammengekracht. Näheres wird nicht angegeben sondern auf einen TV-Bericht verwiesen.
Außerdem haben die pfiffigen Taiwaner einen Kustgriff gemacht. Der toxische Flüssigkunstoff DEHP ist laut dem Link 2017 nicht mehr als "toxic chemical material" sondern nur noch als "concerned chemical material" eingestuft.
Weil also das krebserregende, leibesfruchtschädigende und Diabetes auslösende DEHP in Taiwan als illegaler Palmölersatz so beliebt ist, hat die Regierung die Konsequenzen gezogen und den Stoff offenbar legal gemacht! Das würde meine derzeitigen Symptome erklären, die wie eine Maximalversion dessen sind, was ich bis 2011 hatte (offenbar: China-Times, April-21-2017).
Ich gebe meinen Symptomen (die ich meiner einer gewaltigen Apotheke bekämpfe) noch 2 Wochen. Wenn sich dann nichts ändert, muss ich die Zelte im Chemiewunderland Taiwan abbrechen, dem Gejammere von Frau und Junior zum Trotze.
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Taiwan
Dienstag, Juli 12, 2016
Russe erbeutet 70 Millionen NT an Geldautomaten (Update 3)
Für manche lohnt sich der Taiwanaufenthalt doch
Niedrige Rentenansprüche machen den Taiwanaufenthalt für Langzeiter eher teuer. Günstiger hatte es da ein Russe, der offenbar die in Deutschland hergestellten WINCOR-NIXDORF-Geldautomaten dazu gebracht hat ohne den üblichen Aufwand mit Konto, Karte und PIN große Geldmengen auszuspucken. Geschlagene 70 Millionen NT hat er mit einem Komplizen erbeutet (durch 40 in Euro). Da hatte er viel zu schleppen, ist doch der größte Schein hier ein Tausender, der umgerechnet 25 Euro wert ist. Der Russe hat bereits das Land verlassen.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201607120004.aspx
Vorsicht beim Umtausch. Deutsche Banken zahlten beispielsweise nur etwa 12 Euro für einen 1000 NT-Schein, weil Taiwandollar als "komische Drittweltwährung" oder etwas in derart gelten laut Bankangestellten. NT-Vermögen transferiert man daher immer besser per Bank nach Hause zwecks besserem Kurs, aber das wäre im Falle des Russen etwas frech gewesen.
UPDATE: Auch SPON berichtete jetzt. Offenbar werden WINCOR-NIXDORF - Geldautomaten im großen Stil stillgelegt in Taiwan. Völlig unklar ist noch wie die Manipulation möglich war. Komplizen in der Bank oder wurde Schadsoftware von außen aufgespielt? Haben Geldautomaten am Ende irgendwo ein mit mechanischem Trick von außen erreichbares USB-Interface oder dergleichen? Kann eine manipulierte Geldkarte am Ende Software hochladen? Das sind spannende Fragen derzeit für das o.g. deutsche Unternehmen.
UPDATE 2: Recht wahrscheinlich ist, dass die russische Hackersoftware CARBANAK installiert wurde (lt. China Post). Carbanak erreicht Bankangestellte offenbar per Email als Malware-Anhang. Scheinbar befällt es die Steuerrechner von Geldautomaten und Hacker können dann die Geldautomaten fernsteuern um z.B. per Smartphone-Chat-Absprache zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Ausschüttung von Geld zu beginnen. Geldautomaten haben üblicherweise das Betriebssystem Windows XP Embedded, was mir schon länger aufstößt. Leider macht die Chinapost ein "Ausländerding" aus dem Fall und weil Taiwaner alle Nichtasiaten über einen Kamm scheren muss man sich bei größeren Abhebungen in Zukunft nicht wundern, wenn irgendjemand die Polente ruft.
UPDATE 3: Offenbar sind die meist russischen Täter mit Hilfe der überall in Taiwan aufgestellten Überwachungskameras gefasst worden; sie gehören wohl der "Russenmafia" an. Von den erbeuteten Millionen NT wurden große Teile gefunden, jedoch sollen 20 Millionen noch fehlen.
http://fortune.com/2016/07/17/taiwan-atm-cyber-robbery-arrest/
Das Malware verwendet wurde ist relativ klar; auch Smartphones waren im Einsatz - ich vermute zur Chat-Koordination mit den Fernsteuerern der Malware. Ob es sich um eine reine WINCORE-NIXDORF - Schwachstelle oder um eine generelle Lücke im Betriebssystem der Geldautomaten handelt, ist jetzt eine interessante Frage.
Merkwürdig: Die Russen/Moldauer/Rumänen etc. die involviert waren, haben offenbar auffällig in Taiwan gelebt, etwa in 5-Sterne-Hotels und schienen gar nicht weg zu wollen. Gut, jetzt bleiben sie noch etwas länger. Die fehlenden 20 Millionen sollen angeblich in meinem Heimatstadtviertel NeiHu versteckt sein. Nein, ich werde heute Abend nicht mit dem Spaten im Park herum rennen...
Niedrige Rentenansprüche machen den Taiwanaufenthalt für Langzeiter eher teuer. Günstiger hatte es da ein Russe, der offenbar die in Deutschland hergestellten WINCOR-NIXDORF-Geldautomaten dazu gebracht hat ohne den üblichen Aufwand mit Konto, Karte und PIN große Geldmengen auszuspucken. Geschlagene 70 Millionen NT hat er mit einem Komplizen erbeutet (durch 40 in Euro). Da hatte er viel zu schleppen, ist doch der größte Schein hier ein Tausender, der umgerechnet 25 Euro wert ist. Der Russe hat bereits das Land verlassen.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201607120004.aspx
Vorsicht beim Umtausch. Deutsche Banken zahlten beispielsweise nur etwa 12 Euro für einen 1000 NT-Schein, weil Taiwandollar als "komische Drittweltwährung" oder etwas in derart gelten laut Bankangestellten. NT-Vermögen transferiert man daher immer besser per Bank nach Hause zwecks besserem Kurs, aber das wäre im Falle des Russen etwas frech gewesen.
UPDATE: Auch SPON berichtete jetzt. Offenbar werden WINCOR-NIXDORF - Geldautomaten im großen Stil stillgelegt in Taiwan. Völlig unklar ist noch wie die Manipulation möglich war. Komplizen in der Bank oder wurde Schadsoftware von außen aufgespielt? Haben Geldautomaten am Ende irgendwo ein mit mechanischem Trick von außen erreichbares USB-Interface oder dergleichen? Kann eine manipulierte Geldkarte am Ende Software hochladen? Das sind spannende Fragen derzeit für das o.g. deutsche Unternehmen.
UPDATE 2: Recht wahrscheinlich ist, dass die russische Hackersoftware CARBANAK installiert wurde (lt. China Post). Carbanak erreicht Bankangestellte offenbar per Email als Malware-Anhang. Scheinbar befällt es die Steuerrechner von Geldautomaten und Hacker können dann die Geldautomaten fernsteuern um z.B. per Smartphone-Chat-Absprache zu einem bestimmten Zeitpunkt mit der Ausschüttung von Geld zu beginnen. Geldautomaten haben üblicherweise das Betriebssystem Windows XP Embedded, was mir schon länger aufstößt. Leider macht die Chinapost ein "Ausländerding" aus dem Fall und weil Taiwaner alle Nichtasiaten über einen Kamm scheren muss man sich bei größeren Abhebungen in Zukunft nicht wundern, wenn irgendjemand die Polente ruft.
UPDATE 3: Offenbar sind die meist russischen Täter mit Hilfe der überall in Taiwan aufgestellten Überwachungskameras gefasst worden; sie gehören wohl der "Russenmafia" an. Von den erbeuteten Millionen NT wurden große Teile gefunden, jedoch sollen 20 Millionen noch fehlen.
http://fortune.com/2016/07/17/taiwan-atm-cyber-robbery-arrest/
Das Malware verwendet wurde ist relativ klar; auch Smartphones waren im Einsatz - ich vermute zur Chat-Koordination mit den Fernsteuerern der Malware. Ob es sich um eine reine WINCORE-NIXDORF - Schwachstelle oder um eine generelle Lücke im Betriebssystem der Geldautomaten handelt, ist jetzt eine interessante Frage.
Merkwürdig: Die Russen/Moldauer/Rumänen etc. die involviert waren, haben offenbar auffällig in Taiwan gelebt, etwa in 5-Sterne-Hotels und schienen gar nicht weg zu wollen. Gut, jetzt bleiben sie noch etwas länger. Die fehlenden 20 Millionen sollen angeblich in meinem Heimatstadtviertel NeiHu versteckt sein. Nein, ich werde heute Abend nicht mit dem Spaten im Park herum rennen...
Montag, Juni 20, 2016
Taiwan: Amerikaner begeht Selbstmord vor Gerichtstür
Offenbar direkt vor der Tür zum Gerichtssaal hat ein US-Amerikaner mit einer Schere Selbstmord begangen, nachdem er wegen dem (lt. eigener Angabe privaten) Anbau von Kannabis zu einer vierjährigen Haftstrafe verurteilt worden war.
Der Mann (41) hinterlässt zwei Kinder und seine Frau (Taiwanerin). Er war vormals Englischlehrer, jedoch arbeitslos seit der Festnahme wegen Drogenanbaus.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201606160014.aspx
Edit: Offenbar hat er sich direkt nach Urteilsverkündung noch im Gerichtssaal mit einer Schere die Kehle geöffnet als er über das Urteil (die Haftdauer) schockiert war.
https://www.washingtonpost.com/news/worldviews/wp/2016/06/16/american-kills-himself-in-taiwan-courtroom-after-pot-conviction/
Der Mann (41) hinterlässt zwei Kinder und seine Frau (Taiwanerin). Er war vormals Englischlehrer, jedoch arbeitslos seit der Festnahme wegen Drogenanbaus.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201606160014.aspx
Edit: Offenbar hat er sich direkt nach Urteilsverkündung noch im Gerichtssaal mit einer Schere die Kehle geöffnet als er über das Urteil (die Haftdauer) schockiert war.
https://www.washingtonpost.com/news/worldviews/wp/2016/06/16/american-kills-himself-in-taiwan-courtroom-after-pot-conviction/
Freitag, April 22, 2016
Festgenommen wegen Drogenschmuggels in Taiwan: Angehörigen-Info (Update)
Hier das 2016er - Update zum Thema. Im Wesentlichen nur eine aufgeräumte Version des letzten Artikels zum Thema.
Motivation: Immer mal wieder finden Angehörige oder Bekannte von in Taiwan wegen Drogenschmuggels einsitzenden Deutschen oder Deutschen nahestehenden Häftlingen dieses Blog über Google und benötigen Infos. Ich verweise dann immer wieder auf den letzten Blogartikel zum Thema, da mein letzter Besuch bei einem Häftling schon länger zurückliegt und mich mein Gedächtnis zum Thema im Stich lässt. Und beim Durchsehen des Artikels denke ich dann immer "den könntet du mal wieder aufräumen". So auch dieses Mal. Unten die im April 2016 aktualisierte Fassung der Angehörigen-Info.
Vorbemerkung: Ich bin ein in Taiwan lebender deutscher Informatiker und habe mit Drogen oder der Drogenszene rein gar nichts zu tun. Zweimal habe ich auf Anregung einer Blogleserin einen Häftling in Taiwan im Gefängnis besucht. Daraus entstand der erste Artikel zum Thema. Weder heiße ich Drogenschmuggel gut noch stehe ich dem Thema oder den Leuten nahe. Aber Angehörige, die sich Sorgen wegen der Todesstrafe machen benötigen natürlich Info.
Zur Zeit sind mehrere Deutsche in Taiwan in Haft wegen Drogenschmuggels. Die Zahl von Sieben findet sich u.a. hier; seither gab es zwei Rückführungen nach Deutschland und wohl weitere Festnahmen in der Sache.
Zunächst schwebt für Angehörige immer die drohende Todesstrafe im Raum, die in Taiwan auf Drogenschmuggel steht. Die Presse spricht immer von drohender Hinrichtung, wenn sie sich mit dem Fall befasst und in einem Auswandererforum gibt es sogar eine Falschmeldung über die Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan in den letzten Jahren - ich widerspreche dort energisch.
Grundsätzlich sind in Taiwan jedenfalls in einem irgendwie absehbaren Zeitraum in den letzten Jahrzehnten noch KEINE "Westler" wegen Drogenbesitzes in Taiwan zum Tode verurteilt oder gar hingerichtet worden. So merkwürdig das klingt, nur Taiwaner oder Angehörige diverser asiatischer Nationen sind davon betroffen, Taiwan nimmt Europäer und Nordamerikaner davon offensichtlich aus, sicher um sich in Abgrenzung zur VR-China zivilisiert zu geben - was ja auch zutreffend ist. Die Todesstrafe wird vielleicht vom Staatsanwalt gefordert, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (und ich denke hier eher an 100%) nicht ausgesprochen werden. Mitlesende evtl. involvierte taiwanische Juristen mögen mir diese kecke Einschätzung verzeihen, natürlich sind die Gerichte unabhängig. Trotzdem denke ich, muss sich niemand über die Todesstrafe Sorgen machen.
Die Standardverurteilung in Taiwan wegen Schmuggels von großen Mengen Heroin beträgt Lebenslänglich und auch bei weichen Drogen sähe es wohl nicht anders aus, der strengen Gesetzgebung in Taiwan halber. So weit mir die Fälle bekannt sind, ist der Standardfall eines in Zusammenhang mit dem Drogenimport festgenommenen Deutschen ein Thailand-Residenter (Achtung: Thailand ist NICHT mit Taiwan identisch!), der dort in finanzielle Probleme geraten ist und sich dann vom organisierten Verbrechen überreden ließ, mindestens ein Kilo Heroin nach Taiwan zu schmuggeln. in Taiwan ist der Insellage und hervorragender Kontrollen halber kaum Heroin auf dem Markt zu finden, deshalb ist der Marktpreis hoch und es wird immer wieder versucht etwas hinein zu schmuggeln.
Fast immer werden Drogenkuriere gefasst, angeblich soll es täglich einschlägige Festnahmen geben, allerdings sind nur recht selten Deutsche oder Nordamerikaner darunter.
Es erwarten den Festgenommenen 1-2 Jahre Untersuchungshaft, die in Taiwan allerdings nicht auf die spätere Haftzeit angerechnet werden, am Ende steht also eine Verurteilung zu Lebenslänglich oder eine langjährige Haftstrafe, letzteres nur, wenn hart nachweisbare Fakten zur Milde vorliegen, etwa die erfolgreiche und vor Gericht belegbare Zusammenarbeit mit Interpol (Beweis schwierig, weil Taiwan keine offizielle Zusammenarbeit mit Interpol hat soweit ich weiß, weil Taiwan von den meisten Staaten der Welt nicht diplomatisch anerkannt wird) oder ein ärztliches Attest über einen verwirrten Geisteszustand, wie in einem Fall offenbar geschehen. Man kann Atteste o.ä. in Taiwan ausdrücklich NICHT kaufen gegen Bares; die taiwanische Justiz schaut hier sowieso genau hin beim sensiblen Thema Drogenimport.
Die Haftbedingungen sind zunächst recht gut, da während der Untersuchungshaft und der Prozessdauer eine 2-Mann-Zelle o.ä. zur Verfügung steht statt einer überbelegten Massenzelle. Das Deutsche Institut (DI), die inoffizielle Vertretung Deutschlands in Taipei (http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/taipei/de/Startseite.html), das wegen diplomatischer Nichtanerkennung Taiwans seitens Deutschlands die Rolle einer Botschaft (teilweise) übernimmt, sorgt für die Übergabe einer Adressenliste mit Anwälten und besucht den Verurteilten regelmäßig. Hier im Blog erweckte ich einst den Eindruck, diese Betreuung sei unvollkommen. Da möchte ich mich beim DI für entschuldigen, ich wollte damals nur dem Eindruck vorbeugen, das DI könne in Taiwan wesentlichen Einfluss auf den Prozess nehmen der dergleichen, wie das manchmal von Laien vermutet wird.
Die anschließende Haftstrafe wird dann jedenfalls im "Taipei Prison" angetreten, das im Landkreis Taoyuan liegt. Link zum Taipei Prison, englische Webseite: http://www.tpp.moj.gov.tw/mp138.html. Nach 2/3 der Haftstrafe kann der Häftling entlassen werden, bei Lebenslänglich heißt das in Taiwan mindestens 20 Jahre. Seit neuestem gibt es ein Auslieferungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik China (so lautet der formelle Staatsname von Taiwan), nach dem der Häftling zum Absitzen der Reststrafe nach Deutschland überstellt werden kann: http://www.china-observer.de/index.php/2013/11/07/auslieferungsabkommen-zwischen-taiwan-und-deutschland-unterzeichnet/
Offenbar gibt es jetzt ein festgeschriebenes Verfahren zur Überstellung von deutschen Häftlingen. Die ersten zwei der Verurteilten, ein wg. mildernder Umstände nur zu 14 Jahren Haft verurteilter Deutscher und ein anderer mit 16 Jahren Haft-Urteil, sind schon wieder in Deutschland angekommen. Erster schon abgeschlossener Fall http://www.taiwanembassy.org/de/ct.asp?xItem=591566&ctNode=12779&mp=112.
Zweiter Fall: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2016/03/26/2003642482 (Hinweis vom "Taiwanreporter" über Facebook: https://www.facebook.com/taiwanreporter/posts/10153604479733295?fref=nf).
Ich selbst habe einen deutschen Häftling zweimal im Taipei Prison besucht, mein Bericht dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/12/besuch-bei-deutschem-gefangenen-in.html. Ein Foto aus dem taiwanischen NEXT-Magazin mit Blick in eine der überbelegten normalen Vollzugszellen kann man hier sehen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Zu den Haftbedingungen ist zu sagen, dass die Häftlinge die meiste Zeit und auch die Wochenenden in den engen Zellen verbringen, wochentags in der "Fabrik" arbeiten können, was als angenehme Abwechselung empfunden wird und sonst keinen Freigang im Hof oder dergleichen haben. Das Essen kann man salopp als schlank machende asiatische Kost bezeichnen, unterernährt sind die Häftlinge nicht, aber eben schlank. Belastend ist, dass das in großen Kesseln lange gegarte Essen recht geschmacklos ist, Festtagsessen oder die Teigtaschen ausgenommen, wie mir berichtet worden ist.
Ansonsten sei noch dieses Blog (https://andreasintaiwan.wordpress.com/) eines konfessionellen Gefängnisbesuchers in Taiwan empfohlen, dessen Blog auch Enblicke in die Situation der Gefangenen bietet. Klaus Bardenhagen, deutscher Journalist in Taipei, hat auch gute Infos über die Deutschen und die Todesstrafe in Taiwan: http://www.intaiwan.de/2009/02/11/todesstrafe-in-taiwan/
Zurück zur Haft in Taiwan: Psychisch belastend ist für die ausländischen Insassen, dass sie fern der Heimat sind, es keine sprachliche Anpassung des Gefängnisbetriebes für sie gibt (sie sollen Chinesisch lernen), sie im Gegensatz zu den Einheimischen keinen Verwandtenbesuch bekommen (jedenfalls keinen regelmäßigen) und auch die Essensmitbringsel der Verwandten (die manchmal Essen mitbringen und manchmal im Gefängnisladen für die Gefangenen einkaufen) vermissen, die die einheimischen Gefangenen zur Streckung der Gefängniskost gerne nehmen. Durch das oft feuchtheiße Klima und die Überbelegung kommen noch diverse Hautkrankheiten dazu, in Taiwan ist die Bakterien- und Pilzflora sowieso aktiver als in Europa. Offenbar findet nach einiger Zeit eine Anpassung des Häftlings an die Umgebung statt.
Im Gegensatz zu Asienklischees finden offenbar keine Übergriffe von Wärtern oder anderen Gefangenen auf die ausländischen Häftlinge statt, die Wärter verlangen aber Disziplin von den Gefangenen und bestrafen etwa "Ausflippen" aufgrund des psychischen Stresses mit Isolation. Auch beim Empfangen von Besuch wird vom Häftling eine ordentliche gerade Sitzhaltung verlangt, wie ich selbst sehen konnte.
Was kann man nun tun? Als Nichtverwandter kann man erst mal gar nichts tun, außer sich an die Familie zu wenden und diese wiederum kann vom Deutschen Institut Hilfe und Infos bekommen, Link siehe oben. Um beispielsweise Bücher oder Briefe ins Gefängnis zu schicken, braucht man die Haftnummer des Häftlings, sein Gefangenenkürzel, sein Geburtsdatum etc., Infos die man so nicht hat. Einfach ein Paket schnüren und losschicken geht also nicht, auch weil der Häftling eine Sendung erst beantragen muss.
Wer einen Gefangenen besuchen will, muss wieder die Kontaktinfo haben. Ich musste damals als Nichtverwandter auch erst (über meine Frau) Kontakt mit dem Gefängnis aufnehmen. Wer einen Besuch machen will und die Erlaubnis hat (Verwandte bekommen die immer denke ich, jedenfalls nach der Untersuchungshaft) den kann ich dazu durchaus ermutigen, Taiwan ist ein ordentlich verwaltetes Land mit niedriger Kriminalität, man muss sich da also keine Sorgen machen und das Gefängnispersonal ist hilfreich. Allerdings kann man wohl einen Gefangenen nicht allzu oft besuchen, evtl. nur einmal die Woche, siehe auch meinen Artikel vom damaligen Besuch.
Zu weiteren Besuchen im Gefängnis habe ich leider keine Möglichkeit, da ich aus der Gegend weggezogen bin und durch kleinen Sohn und mehr Verantwortung im Beruf mittlerweile einfach keine Zeit mehr ist.
ANWÄLTE:
Link zu einer mit den Häftlingen befassten Anwaltsseite: http://www.stcoll.de/Rechtsgebiete/Strafrecht/Internationales-Strafrecht/Reisebericht-Taiwan/index.html
GEFÄNGNIS:
Diese Slideshow erlaubt einen Einblick in das Taipei Prison, u.a. auch in eine der überfüllten Zellen: http://www.examiner.com/slideshow/inside-a-chinese-taipei-prison#slide=1
KONSULARISCHE* HILFE:
Bei deutschen Staatsbürgern ist das Deutsche Institut Taipei zuständig:
http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/taipei/de/Startseite.html
KEINE HINRICHTUNGEN VON DEUTSCHEN:
Hier nur noch mal der Beleg, dass in den letzten 20 Jahren jedenfalls keine Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan stattgefunden hat - andere Westeuropäer werden ebenso behandelt, genauso wie Nordamerikaner. Ich reiche das nach, weil Google immer wieder in einem Forum die Falschmeldung einer Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan "vor 4 Jahren" (Stand 2013) auflistet, die von einem anderen Taiwanexpakt in die Welt gesetzt wurde, wohl um ein Abschreckungsszenario zu erzeugen. Die Hinrichtung fand nicht statt, ich zitiere mich selbst auf dem Forum:
Die "Initiative gegen Todesstrafe" nennt (Stand August 2010) in den letzten 20 Jahren nur*** 2 Hinrichtungen an Deutschen, beide in den USA: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/nc/aktuelles/nachrichten/details/article/zum-tode-verurteilte-deutsche-staatsangehoerige.html?cHash=4ef67d1b60&print=1
Es handelt sich um das folgende Dokument, Zitat: (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Tom Koenigs, Marieluise Beck (Bremen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/2761 –, 26.08.2010)
WAS KÖNNEN NICHTVERWANDTE TUN:
Info von einer Betroffenen: Wenn kein Verwandtschaftsverhältnis vorliegt, müssen offenbar zunächst 1-2 Jahre Untersuchungshaft abgewartet werden, dann kann über die deutsche diplomatische Vertretung in Taipei ein Kontakt zum Häftling hergestellt werden, den dieser initiieren muss (zuerst schreiben).
ÜBERSTELLUNG NACH DEUTSCHLAND:
Taiwan besteht auf im Wesentlichen den selben Bedingungen wie in Taiwan, wenn die Haft in Deutschland abgesessen wird. Eine beliebige Verkürzung ist also nicht möglich. Im Falle des zu 16 Jahren verurteilten hat Taiwan zugestimmt, dass die Haftstrafe auf die in Deutschland für diese Straftat max. möglichen 15 Jahre reduziert wird. Ich vermute, dass Entlassung nach 2/3 weiterhin möglich ist, weil sowohl in Taiwan wie auch in Deutschland möglich. Mir ist unklar, was im Falle der Standardverurteilung von Lebenslänglich (in Taiwan üblich bei Drogenschmuggel ohne mildernde Umstände) möglich ist. Kann da auch überstellt werden? Das wird die Zukunft zeigen.
*auch wenn das Deutsche Institut wegen Nichtexistenter dipl. Anerkennung von Taiwan/Republik China seitens Deutschlands keine offizielle Botschaft ist
** Eine ähnlich Weisheit wie der an der Eingangstür (zum Anmelderaum für Besucher) des Taipei Prison angebrachte Slogan: "You choose: Love or Punishment" / "Sie haben die Wahl: Liebe oder Strafe".
Update: Kürzliche Festnahmen:
Neuseeländer, 02.03.2016, 2.7 kg Heroin: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603020012.aspx
Zwei Taiwaner, Januar 2016, 800g und 200g Heroin: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2016/01/14/456044/Ring-members.htm
Däne, März(?) 2015, 1.5 kg Heroin: http://cphpost.dk/news/dane-faces-death-penalty-for-heroin-smuggling-in-taiwan.html
Zwei Franzosen, eine Schwedin, Januar 2015, zusammen 5kg Heroin: http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=2676224
Insbesondere der Artikel über den Dänen versucht den Eindruck zu erwecken, als stünde eine Hinrichtung bevor. Als Blogger kann man auf solchen Qualitätsjournalismus nur neidvoll blicken. Aber andererseits: Wer $$$ mit Nachrichten machen muss, will halt Leser anlocken.
Motivation: Immer mal wieder finden Angehörige oder Bekannte von in Taiwan wegen Drogenschmuggels einsitzenden Deutschen oder Deutschen nahestehenden Häftlingen dieses Blog über Google und benötigen Infos. Ich verweise dann immer wieder auf den letzten Blogartikel zum Thema, da mein letzter Besuch bei einem Häftling schon länger zurückliegt und mich mein Gedächtnis zum Thema im Stich lässt. Und beim Durchsehen des Artikels denke ich dann immer "den könntet du mal wieder aufräumen". So auch dieses Mal. Unten die im April 2016 aktualisierte Fassung der Angehörigen-Info.
Vorbemerkung: Ich bin ein in Taiwan lebender deutscher Informatiker und habe mit Drogen oder der Drogenszene rein gar nichts zu tun. Zweimal habe ich auf Anregung einer Blogleserin einen Häftling in Taiwan im Gefängnis besucht. Daraus entstand der erste Artikel zum Thema. Weder heiße ich Drogenschmuggel gut noch stehe ich dem Thema oder den Leuten nahe. Aber Angehörige, die sich Sorgen wegen der Todesstrafe machen benötigen natürlich Info.
Taiwan: besser draußen als drinnen**
Zur Zeit sind mehrere Deutsche in Taiwan in Haft wegen Drogenschmuggels. Die Zahl von Sieben findet sich u.a. hier; seither gab es zwei Rückführungen nach Deutschland und wohl weitere Festnahmen in der Sache.
*
Zunächst schwebt für Angehörige immer die drohende Todesstrafe im Raum, die in Taiwan auf Drogenschmuggel steht. Die Presse spricht immer von drohender Hinrichtung, wenn sie sich mit dem Fall befasst und in einem Auswandererforum gibt es sogar eine Falschmeldung über die Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan in den letzten Jahren - ich widerspreche dort energisch.
Grundsätzlich sind in Taiwan jedenfalls in einem irgendwie absehbaren Zeitraum in den letzten Jahrzehnten noch KEINE "Westler" wegen Drogenbesitzes in Taiwan zum Tode verurteilt oder gar hingerichtet worden. So merkwürdig das klingt, nur Taiwaner oder Angehörige diverser asiatischer Nationen sind davon betroffen, Taiwan nimmt Europäer und Nordamerikaner davon offensichtlich aus, sicher um sich in Abgrenzung zur VR-China zivilisiert zu geben - was ja auch zutreffend ist. Die Todesstrafe wird vielleicht vom Staatsanwalt gefordert, aber mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit (und ich denke hier eher an 100%) nicht ausgesprochen werden. Mitlesende evtl. involvierte taiwanische Juristen mögen mir diese kecke Einschätzung verzeihen, natürlich sind die Gerichte unabhängig. Trotzdem denke ich, muss sich niemand über die Todesstrafe Sorgen machen.
Nicht der Gefängnishof, sondern Parkanlage in Taipei-NeiHu
Die Standardverurteilung in Taiwan wegen Schmuggels von großen Mengen Heroin beträgt Lebenslänglich und auch bei weichen Drogen sähe es wohl nicht anders aus, der strengen Gesetzgebung in Taiwan halber. So weit mir die Fälle bekannt sind, ist der Standardfall eines in Zusammenhang mit dem Drogenimport festgenommenen Deutschen ein Thailand-Residenter (Achtung: Thailand ist NICHT mit Taiwan identisch!), der dort in finanzielle Probleme geraten ist und sich dann vom organisierten Verbrechen überreden ließ, mindestens ein Kilo Heroin nach Taiwan zu schmuggeln. in Taiwan ist der Insellage und hervorragender Kontrollen halber kaum Heroin auf dem Markt zu finden, deshalb ist der Marktpreis hoch und es wird immer wieder versucht etwas hinein zu schmuggeln.
Fast immer werden Drogenkuriere gefasst, angeblich soll es täglich einschlägige Festnahmen geben, allerdings sind nur recht selten Deutsche oder Nordamerikaner darunter.
Es erwarten den Festgenommenen 1-2 Jahre Untersuchungshaft, die in Taiwan allerdings nicht auf die spätere Haftzeit angerechnet werden, am Ende steht also eine Verurteilung zu Lebenslänglich oder eine langjährige Haftstrafe, letzteres nur, wenn hart nachweisbare Fakten zur Milde vorliegen, etwa die erfolgreiche und vor Gericht belegbare Zusammenarbeit mit Interpol (Beweis schwierig, weil Taiwan keine offizielle Zusammenarbeit mit Interpol hat soweit ich weiß, weil Taiwan von den meisten Staaten der Welt nicht diplomatisch anerkannt wird) oder ein ärztliches Attest über einen verwirrten Geisteszustand, wie in einem Fall offenbar geschehen. Man kann Atteste o.ä. in Taiwan ausdrücklich NICHT kaufen gegen Bares; die taiwanische Justiz schaut hier sowieso genau hin beim sensiblen Thema Drogenimport.
Die Haftbedingungen sind zunächst recht gut, da während der Untersuchungshaft und der Prozessdauer eine 2-Mann-Zelle o.ä. zur Verfügung steht statt einer überbelegten Massenzelle. Das Deutsche Institut (DI), die inoffizielle Vertretung Deutschlands in Taipei (http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/taipei/de/Startseite.html), das wegen diplomatischer Nichtanerkennung Taiwans seitens Deutschlands die Rolle einer Botschaft (teilweise) übernimmt, sorgt für die Übergabe einer Adressenliste mit Anwälten und besucht den Verurteilten regelmäßig. Hier im Blog erweckte ich einst den Eindruck, diese Betreuung sei unvollkommen. Da möchte ich mich beim DI für entschuldigen, ich wollte damals nur dem Eindruck vorbeugen, das DI könne in Taiwan wesentlichen Einfluss auf den Prozess nehmen der dergleichen, wie das manchmal von Laien vermutet wird.
Die anschließende Haftstrafe wird dann jedenfalls im "Taipei Prison" angetreten, das im Landkreis Taoyuan liegt. Link zum Taipei Prison, englische Webseite: http://www.tpp.moj.gov.tw/mp138.html. Nach 2/3 der Haftstrafe kann der Häftling entlassen werden, bei Lebenslänglich heißt das in Taiwan mindestens 20 Jahre. Seit neuestem gibt es ein Auslieferungsabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik China (so lautet der formelle Staatsname von Taiwan), nach dem der Häftling zum Absitzen der Reststrafe nach Deutschland überstellt werden kann: http://www.china-observer.de/index.php/2013/11/07/auslieferungsabkommen-zwischen-taiwan-und-deutschland-unterzeichnet/
Offenbar gibt es jetzt ein festgeschriebenes Verfahren zur Überstellung von deutschen Häftlingen. Die ersten zwei der Verurteilten, ein wg. mildernder Umstände nur zu 14 Jahren Haft verurteilter Deutscher und ein anderer mit 16 Jahren Haft-Urteil, sind schon wieder in Deutschland angekommen. Erster schon abgeschlossener Fall http://www.taiwanembassy.org/de/ct.asp?xItem=591566&ctNode=12779&mp=112.
Zweiter Fall: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2016/03/26/2003642482 (Hinweis vom "Taiwanreporter" über Facebook: https://www.facebook.com/taiwanreporter/posts/10153604479733295?fref=nf).
Ich selbst habe einen deutschen Häftling zweimal im Taipei Prison besucht, mein Bericht dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/12/besuch-bei-deutschem-gefangenen-in.html. Ein Foto aus dem taiwanischen NEXT-Magazin mit Blick in eine der überbelegten normalen Vollzugszellen kann man hier sehen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Zu den Haftbedingungen ist zu sagen, dass die Häftlinge die meiste Zeit und auch die Wochenenden in den engen Zellen verbringen, wochentags in der "Fabrik" arbeiten können, was als angenehme Abwechselung empfunden wird und sonst keinen Freigang im Hof oder dergleichen haben. Das Essen kann man salopp als schlank machende asiatische Kost bezeichnen, unterernährt sind die Häftlinge nicht, aber eben schlank. Belastend ist, dass das in großen Kesseln lange gegarte Essen recht geschmacklos ist, Festtagsessen oder die Teigtaschen ausgenommen, wie mir berichtet worden ist.
Ansonsten sei noch dieses Blog (https://andreasintaiwan.wordpress.com/) eines konfessionellen Gefängnisbesuchers in Taiwan empfohlen, dessen Blog auch Enblicke in die Situation der Gefangenen bietet. Klaus Bardenhagen, deutscher Journalist in Taipei, hat auch gute Infos über die Deutschen und die Todesstrafe in Taiwan: http://www.intaiwan.de/2009/02/11/todesstrafe-in-taiwan/
Zurück zur Haft in Taiwan: Psychisch belastend ist für die ausländischen Insassen, dass sie fern der Heimat sind, es keine sprachliche Anpassung des Gefängnisbetriebes für sie gibt (sie sollen Chinesisch lernen), sie im Gegensatz zu den Einheimischen keinen Verwandtenbesuch bekommen (jedenfalls keinen regelmäßigen) und auch die Essensmitbringsel der Verwandten (die manchmal Essen mitbringen und manchmal im Gefängnisladen für die Gefangenen einkaufen) vermissen, die die einheimischen Gefangenen zur Streckung der Gefängniskost gerne nehmen. Durch das oft feuchtheiße Klima und die Überbelegung kommen noch diverse Hautkrankheiten dazu, in Taiwan ist die Bakterien- und Pilzflora sowieso aktiver als in Europa. Offenbar findet nach einiger Zeit eine Anpassung des Häftlings an die Umgebung statt.
Im Gegensatz zu Asienklischees finden offenbar keine Übergriffe von Wärtern oder anderen Gefangenen auf die ausländischen Häftlinge statt, die Wärter verlangen aber Disziplin von den Gefangenen und bestrafen etwa "Ausflippen" aufgrund des psychischen Stresses mit Isolation. Auch beim Empfangen von Besuch wird vom Häftling eine ordentliche gerade Sitzhaltung verlangt, wie ich selbst sehen konnte.
Was kann man nun tun? Als Nichtverwandter kann man erst mal gar nichts tun, außer sich an die Familie zu wenden und diese wiederum kann vom Deutschen Institut Hilfe und Infos bekommen, Link siehe oben. Um beispielsweise Bücher oder Briefe ins Gefängnis zu schicken, braucht man die Haftnummer des Häftlings, sein Gefangenenkürzel, sein Geburtsdatum etc., Infos die man so nicht hat. Einfach ein Paket schnüren und losschicken geht also nicht, auch weil der Häftling eine Sendung erst beantragen muss.
Wer einen Gefangenen besuchen will, muss wieder die Kontaktinfo haben. Ich musste damals als Nichtverwandter auch erst (über meine Frau) Kontakt mit dem Gefängnis aufnehmen. Wer einen Besuch machen will und die Erlaubnis hat (Verwandte bekommen die immer denke ich, jedenfalls nach der Untersuchungshaft) den kann ich dazu durchaus ermutigen, Taiwan ist ein ordentlich verwaltetes Land mit niedriger Kriminalität, man muss sich da also keine Sorgen machen und das Gefängnispersonal ist hilfreich. Allerdings kann man wohl einen Gefangenen nicht allzu oft besuchen, evtl. nur einmal die Woche, siehe auch meinen Artikel vom damaligen Besuch.
Zu weiteren Besuchen im Gefängnis habe ich leider keine Möglichkeit, da ich aus der Gegend weggezogen bin und durch kleinen Sohn und mehr Verantwortung im Beruf mittlerweile einfach keine Zeit mehr ist.
ANWÄLTE:
Link zu einer mit den Häftlingen befassten Anwaltsseite: http://www.stcoll.de/Rechtsgebiete/Strafrecht/Internationales-Strafrecht/Reisebericht-Taiwan/index.html
GEFÄNGNIS:
Diese Slideshow erlaubt einen Einblick in das Taipei Prison, u.a. auch in eine der überfüllten Zellen: http://www.examiner.com/slideshow/inside-a-chinese-taipei-prison#slide=1
KONSULARISCHE* HILFE:
Bei deutschen Staatsbürgern ist das Deutsche Institut Taipei zuständig:
http://www.taipei.diplo.de/Vertretung/taipei/de/Startseite.html
KEINE HINRICHTUNGEN VON DEUTSCHEN:
Hier nur noch mal der Beleg, dass in den letzten 20 Jahren jedenfalls keine Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan stattgefunden hat - andere Westeuropäer werden ebenso behandelt, genauso wie Nordamerikaner. Ich reiche das nach, weil Google immer wieder in einem Forum die Falschmeldung einer Hinrichtung eines Deutschen in Taiwan "vor 4 Jahren" (Stand 2013) auflistet, die von einem anderen Taiwanexpakt in die Welt gesetzt wurde, wohl um ein Abschreckungsszenario zu erzeugen. Die Hinrichtung fand nicht statt, ich zitiere mich selbst auf dem Forum:
Die "Initiative gegen Todesstrafe" nennt (Stand August 2010) in den letzten 20 Jahren nur*** 2 Hinrichtungen an Deutschen, beide in den USA: http://www.initiative-gegen-die-todesstrafe.de/nc/aktuelles/nachrichten/details/article/zum-tode-verurteilte-deutsche-staatsangehoerige.html?cHash=4ef67d1b60&print=1
Es handelt sich um das folgende Dokument, Zitat: (Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Volker Beck (Köln), Tom Koenigs, Marieluise Beck (Bremen), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Drucksache 17/2761 –, 26.08.2010)
WAS KÖNNEN NICHTVERWANDTE TUN:
Info von einer Betroffenen: Wenn kein Verwandtschaftsverhältnis vorliegt, müssen offenbar zunächst 1-2 Jahre Untersuchungshaft abgewartet werden, dann kann über die deutsche diplomatische Vertretung in Taipei ein Kontakt zum Häftling hergestellt werden, den dieser initiieren muss (zuerst schreiben).
ÜBERSTELLUNG NACH DEUTSCHLAND:
Taiwan besteht auf im Wesentlichen den selben Bedingungen wie in Taiwan, wenn die Haft in Deutschland abgesessen wird. Eine beliebige Verkürzung ist also nicht möglich. Im Falle des zu 16 Jahren verurteilten hat Taiwan zugestimmt, dass die Haftstrafe auf die in Deutschland für diese Straftat max. möglichen 15 Jahre reduziert wird. Ich vermute, dass Entlassung nach 2/3 weiterhin möglich ist, weil sowohl in Taiwan wie auch in Deutschland möglich. Mir ist unklar, was im Falle der Standardverurteilung von Lebenslänglich (in Taiwan üblich bei Drogenschmuggel ohne mildernde Umstände) möglich ist. Kann da auch überstellt werden? Das wird die Zukunft zeigen.
*auch wenn das Deutsche Institut wegen Nichtexistenter dipl. Anerkennung von Taiwan/Republik China seitens Deutschlands keine offizielle Botschaft ist
** Eine ähnlich Weisheit wie der an der Eingangstür (zum Anmelderaum für Besucher) des Taipei Prison angebrachte Slogan: "You choose: Love or Punishment" / "Sie haben die Wahl: Liebe oder Strafe".
Update: Kürzliche Festnahmen:
Neuseeländer, 02.03.2016, 2.7 kg Heroin: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603020012.aspx
Zwei Taiwaner, Januar 2016, 800g und 200g Heroin: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2016/01/14/456044/Ring-members.htm
Däne, März(?) 2015, 1.5 kg Heroin: http://cphpost.dk/news/dane-faces-death-penalty-for-heroin-smuggling-in-taiwan.html
Zwei Franzosen, eine Schwedin, Januar 2015, zusammen 5kg Heroin: http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=2676224
Insbesondere der Artikel über den Dänen versucht den Eindruck zu erwecken, als stünde eine Hinrichtung bevor. Als Blogger kann man auf solchen Qualitätsjournalismus nur neidvoll blicken. Aber andererseits: Wer $$$ mit Nachrichten machen muss, will halt Leser anlocken.
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Mittwoch, April 06, 2016
Mehrere Angriffe auf Kinder durch "Trittbrettfahrer"?
Im Nachhall der grauenhaften Ermordung einer Vierjährigen auf offener Straße berichtete das TV am verlängerten Wochenende von mehreren Messerangriffen auf Kinder
Die vibrierende, überbevölkerte und dauergestresste Insel Taiwan zeigt sich die Tage nicht von ihrer besten Seite. Das TV meldete am verlängerten Wochenende (Montag und Dienstag waren Feiertage), dass in Tainan und anderswo mehrere Kinder mit Messern angegriffen worden sind. Die Medien legten Trittbrettfahrer-Taten nahe, vgl. den ursprünglichen Fall hier: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603280008.aspx
Da der Mord das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Insel ist, beschäftigt er natürlich auch die geistigen Problemfälle, die in Taiwan noch weniger medizinisch versorgt werden als das vielleicht in Mitteleuropa der Fall ist.
Der Tainan-Fall ist hier genannt: Der Exfreund einer Mutter drang gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Freundin ein, in der sich nur noch eine der Töchter der Frau befand. Er hielt die 12jährige mit einem Messer am Hals als Geisel und verletzte sie am Ende schwer im Halsbereich. Das Mädchen konnte gerettet werden. http://www.straitstimes.com/asia/east-asia/girl-12-slashed-in-latest-knife-attack-in-taiwan
Edit: Der selbe Artikel erwähnt, ein Mann, der mit zwei Messern vor einer Grundschule im Taichung "herumlungerte", sei festgenommen worden.
Kinder von Ausländern stechen hier in der Masse etwas heraus. Jeder muss selbst wissen, ob er das Risiko als groß genug ansieht, um ein bisschen kritischer zu gucken, ob ein gestresst oder aggressiv wirkender Mitsteuerzahler Kurs auf das eigene Kind nimmt. Bei Familie Ludigel gehört das gerade zum Standardprogramm. Nicht vergessen sollte man aber, dass die Hauptgefahr von den rücksichtslos fahrenden Autofahrern ausgeht. Familie Ludigel hatte eine der kleinen Einmündungen von den Fußgängerzonen in Taipei-Zentrum schon zu einem Drittel überwunden, da raste von hinten ein 5er-BMW heran, schnitt Frau, Junior und mir fast die Fußspitzen ab und raste davon. Hätte ich die Kopfhörer-tragende Frau und Junior nicht physisch blockiert, wäre vielleicht sonstwas passiert.
Aber wie würden unsere pfiffigen Gastgeber dazu sagen: Kind erstechen oder erschlagen ist nicht gut, überfahren aber sicher in Ordnung. Wenn man schnell von irgendwo her sein Stinky-Tofu kaufen will.
Einen Mittwochsgruß in das graue Taipei. Passen wir alle auf unsere Kinder auf, damit es grau bleibt und nicht noch "grauenhaft" wird.
Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/03/bei-mir-in-der-nahe-kleinkind-enthauptet.html
Die vibrierende, überbevölkerte und dauergestresste Insel Taiwan zeigt sich die Tage nicht von ihrer besten Seite. Das TV meldete am verlängerten Wochenende (Montag und Dienstag waren Feiertage), dass in Tainan und anderswo mehrere Kinder mit Messern angegriffen worden sind. Die Medien legten Trittbrettfahrer-Taten nahe, vgl. den ursprünglichen Fall hier: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603280008.aspx
Da der Mord das Gesprächsthema Nr. 1 auf der Insel ist, beschäftigt er natürlich auch die geistigen Problemfälle, die in Taiwan noch weniger medizinisch versorgt werden als das vielleicht in Mitteleuropa der Fall ist.
Der Tainan-Fall ist hier genannt: Der Exfreund einer Mutter drang gewaltsam in die Wohnung seiner Ex-Freundin ein, in der sich nur noch eine der Töchter der Frau befand. Er hielt die 12jährige mit einem Messer am Hals als Geisel und verletzte sie am Ende schwer im Halsbereich. Das Mädchen konnte gerettet werden. http://www.straitstimes.com/asia/east-asia/girl-12-slashed-in-latest-knife-attack-in-taiwan
Edit: Der selbe Artikel erwähnt, ein Mann, der mit zwei Messern vor einer Grundschule im Taichung "herumlungerte", sei festgenommen worden.
Kinder von Ausländern stechen hier in der Masse etwas heraus. Jeder muss selbst wissen, ob er das Risiko als groß genug ansieht, um ein bisschen kritischer zu gucken, ob ein gestresst oder aggressiv wirkender Mitsteuerzahler Kurs auf das eigene Kind nimmt. Bei Familie Ludigel gehört das gerade zum Standardprogramm. Nicht vergessen sollte man aber, dass die Hauptgefahr von den rücksichtslos fahrenden Autofahrern ausgeht. Familie Ludigel hatte eine der kleinen Einmündungen von den Fußgängerzonen in Taipei-Zentrum schon zu einem Drittel überwunden, da raste von hinten ein 5er-BMW heran, schnitt Frau, Junior und mir fast die Fußspitzen ab und raste davon. Hätte ich die Kopfhörer-tragende Frau und Junior nicht physisch blockiert, wäre vielleicht sonstwas passiert.
Aber wie würden unsere pfiffigen Gastgeber dazu sagen: Kind erstechen oder erschlagen ist nicht gut, überfahren aber sicher in Ordnung. Wenn man schnell von irgendwo her sein Stinky-Tofu kaufen will.
Einen Mittwochsgruß in das graue Taipei. Passen wir alle auf unsere Kinder auf, damit es grau bleibt und nicht noch "grauenhaft" wird.
Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/03/bei-mir-in-der-nahe-kleinkind-enthauptet.html
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Dienstag, März 29, 2016
Bei mir in der Nähe: Kleinkind enthauptet (Update 4)
Taipei als Hort der Wahnsinnigen***. Einen Kilometer von meiner Wohnung entfernt: Kleinem Mädchen (3 oder 4) wurde der Kopf abgeschnitten.
Ein offenbar Drogensüchtiger mit psychischen Problemen (Edit: 33 Jahre) hat in Taipei-NeiHu, ganz in der Nähe der Porsche-Vertretung und der Bentley-Vertretung, in einer belebten Wohn- und Geschäftsstraße gestern um 11.00 Vormittags, einem kleinen Mädchen den Kopf abgeschnitten. Die Mutter war nur einen Meter dahinter, das Kind fuhr auf einem Dreirad. Unprovoziert trat der Mann blitzschnell an das Mädchen heran und schnitt ihm derart heftig die Kehle durch, dass der Kopf abgetrennt wurde - laut Presseberichten.
http://www.mirror.co.uk/news/world-news/taipei-child-beheading-three-year-7641972
Auch: http://metro.co.uk/2016/03/28/girl-3-beheaded-in-random-attack-outside-train-station-5780315/
An der entfernteren Kreuzung im obigen Link, Bild über der Karte, mit einem rundlichen Gebäude, habe ich erst neulich gestanden und auf einer frischen Laugenbrezel vom neu eröffneten deutschen Bäcker dort gekaut. Jetzt ist dort hundert Meter weiter eine Blutlache von einem Kleinkind.
Passanten haben den Attentäter überwältigt und festgehalten, bis die Polizei eingetroffen ist. Die Großmutter des Kindes sagte: "Die Gesellschaft ist krank". Mir fehlt die Energie zu anderen Kommentaren.
Ähnlicher Fall 2015: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/05/30/437248/8-year-old-girl.htm
(Mann dringt in Schule ein und schneidet 8jähriger die Kehle durch)
Grob ähnlich 2014: Jugendlicher tötet Schlafende in der U-Bahn Taipeis mit Fleischermesser: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/05/22/2003590929
Ähnlicher Fall vor ein paar Jahren (unter der Grafik): http://www.intaiwan.de/2012/12/22/todesstrafe-in-taiwan-neue-hinrichtungen/ im Blog von Klaus Bardenhagen erwähnt (Mann tötet 10jährigen durch Kehle-durchschneiden um sich Gefängniszelle zu sichern).
Offensichtlich haben die psychischen Kranken und Abseitigen in Taipei gelernt, dass man durch Kehle-durchschneiden schnell und effektiv töten kann. Leider.
UPDATE2: Offenbar zeitgleich wurden ein Polizist in einer Metrostation und ein Insektengift versprühender Arbeiter irgendwo im Freien in Taipei mit Messern verletzt.
UPDATE3: Hier ein Link zu einem Artikel mit einem Foto der Eltern mit Kind, das mit Erlaubnis der Eltern publiziert worden ist. Die Eltern bitten offenbar um Mäßigung bei der Todesstrafendebatte. Ich habe mir nicht alles durchgelesen, weil das emotional nicht einfach zu verarbeiten ist, als Anwohner und Vater eines eigenen Kleinen.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603290025.aspx
UPDATE4: Tatwort war die Xihu-Elementery-School, die Straße davor. Damit ist es noch mal ein paar Querstraßen weiter weg als ich dachte und oben angegeben habe. Aber ein paar hundert Meter ändern auch nichts.
*** Will sagen die offenbare Tabuisierung von psychischen Krankheiten und das graue enge Taipei mit seinen oft kaninchenstall- oder hühnerkäfigartigen Wohnungen führen vielleicht etwas überproportional zu geistigen Problemfällen. Ohne Statistik ist das aber vielleicht auch nur ein Vorurteil.
Ein offenbar Drogensüchtiger mit psychischen Problemen (Edit: 33 Jahre) hat in Taipei-NeiHu, ganz in der Nähe der Porsche-Vertretung und der Bentley-Vertretung, in einer belebten Wohn- und Geschäftsstraße gestern um 11.00 Vormittags, einem kleinen Mädchen den Kopf abgeschnitten. Die Mutter war nur einen Meter dahinter, das Kind fuhr auf einem Dreirad. Unprovoziert trat der Mann blitzschnell an das Mädchen heran und schnitt ihm derart heftig die Kehle durch, dass der Kopf abgetrennt wurde - laut Presseberichten.
http://www.mirror.co.uk/news/world-news/taipei-child-beheading-three-year-7641972
Auch: http://metro.co.uk/2016/03/28/girl-3-beheaded-in-random-attack-outside-train-station-5780315/
An der entfernteren Kreuzung im obigen Link, Bild über der Karte, mit einem rundlichen Gebäude, habe ich erst neulich gestanden und auf einer frischen Laugenbrezel vom neu eröffneten deutschen Bäcker dort gekaut. Jetzt ist dort hundert Meter weiter eine Blutlache von einem Kleinkind.
Passanten haben den Attentäter überwältigt und festgehalten, bis die Polizei eingetroffen ist. Die Großmutter des Kindes sagte: "Die Gesellschaft ist krank". Mir fehlt die Energie zu anderen Kommentaren.
Abb.: "737-lane" bei uns in der Nähe. Frau und ich sind und uneinig, ob der Mord in dieser Straße oder einer Parallelstraße in der Nähe stattfand, aber die Straßen ähneln sich dort alle. Friedliche Straßen wo die größte Gefahr eigentlich vollgestellte Bürgersteige und heranrasende Autos und Mopeds sind und keine "Messerstecher".
Ähnlicher Fall 2015: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/05/30/437248/8-year-old-girl.htm
(Mann dringt in Schule ein und schneidet 8jähriger die Kehle durch)
Grob ähnlich 2014: Jugendlicher tötet Schlafende in der U-Bahn Taipeis mit Fleischermesser: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/05/22/2003590929
Ähnlicher Fall vor ein paar Jahren (unter der Grafik): http://www.intaiwan.de/2012/12/22/todesstrafe-in-taiwan-neue-hinrichtungen/ im Blog von Klaus Bardenhagen erwähnt (Mann tötet 10jährigen durch Kehle-durchschneiden um sich Gefängniszelle zu sichern).
Offensichtlich haben die psychischen Kranken und Abseitigen in Taipei gelernt, dass man durch Kehle-durchschneiden schnell und effektiv töten kann. Leider.
UPDATE2: Offenbar zeitgleich wurden ein Polizist in einer Metrostation und ein Insektengift versprühender Arbeiter irgendwo im Freien in Taipei mit Messern verletzt.
UPDATE3: Hier ein Link zu einem Artikel mit einem Foto der Eltern mit Kind, das mit Erlaubnis der Eltern publiziert worden ist. Die Eltern bitten offenbar um Mäßigung bei der Todesstrafendebatte. Ich habe mir nicht alles durchgelesen, weil das emotional nicht einfach zu verarbeiten ist, als Anwohner und Vater eines eigenen Kleinen.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201603290025.aspx
UPDATE4: Tatwort war die Xihu-Elementery-School, die Straße davor. Damit ist es noch mal ein paar Querstraßen weiter weg als ich dachte und oben angegeben habe. Aber ein paar hundert Meter ändern auch nichts.
*** Will sagen die offenbare Tabuisierung von psychischen Krankheiten und das graue enge Taipei mit seinen oft kaninchenstall- oder hühnerkäfigartigen Wohnungen führen vielleicht etwas überproportional zu geistigen Problemfällen. Ohne Statistik ist das aber vielleicht auch nur ein Vorurteil.
Dienstag, März 01, 2016
Colorplay Asia-Explosion: Staatsanwalt ... tot
Noch immer leiden viele junge Menschen an den schweren Verbrennungen des idiotisch organisierten "Colorplay Asia"-Events, bei dem die tanzende Menge in einem trockenen Schwimmbecken mit brennbarem Pulver eingenebelt wurde und es dann zu einer wohl durch Bühnenscheinwerfer ausgelösten Explosion kam.
Alter Bericht siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bilder-von-der-entstehung-der-explosion.html
Juristisch zieht sich der Fall auch in die Länge. Einstweilen ist erst mal der leitende Staatsanwalt an Asthma/Herzinfarkt verstorben. War erst vierzig Jahre. Offenbar hat der Beruf auch so seine eigenen Risiken. Interessant für Staatsanwälte ist sicherlich, welcher Beschuldigte welche Bekannten hat. Was auch immer das für eine Aussage sein mag.
Quelle: http://www.storm.mg/article/83552
Alter Bericht siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bilder-von-der-entstehung-der-explosion.html
Juristisch zieht sich der Fall auch in die Länge. Einstweilen ist erst mal der leitende Staatsanwalt an Asthma/Herzinfarkt verstorben. War erst vierzig Jahre. Offenbar hat der Beruf auch so seine eigenen Risiken. Interessant für Staatsanwälte ist sicherlich, welcher Beschuldigte welche Bekannten hat. Was auch immer das für eine Aussage sein mag.
Quelle: http://www.storm.mg/article/83552
Mittwoch, Februar 24, 2016
Italienischer Betrüger spricht Westler in Taipei an
Meldung von Forumosa.com. Ein Italiener oder jemand der einer sein will und gut einer sein könnte, spricht westliche aussehende Ausländer in Taipei mit einer alten Betrugsmasche an.
Ich kenne das selbst. Irgendwann in den frühen 90ern lud ich gerade meine Einkäufe in meinen Mitsubishi-Kombi (eigentlich Vadderns), da hielt hinter mir ein Alpha Romeo sportlich an. Das war am hannoverschen Messegelände. Im Auto saß ein italienisch aussehender Herr, der mich glaube ich nach dem Weg zur Autobahn fragte, den ich ihm schnell beschrieb. Dann erzählte er von seinen teuren Lederjacken aus Italia, die er hinten im Kofferraum (ich glaube es war ein schicker Alfa Kombi) hatte und nicht wieder in das Land von Mama Mia und ihren Nudeln mitnehmen wolle und die ich ja vielleicht supergünstig...
Nun interessierte ich mich überhaupt nicht dafür, klang das doch so sehr nach einer Falle wie ein über einem baumelndes blutbeschmiertes Fallbeil mit einem Hebel daneben "bitte Ziehen!". Gekriegt hätte ich sicher chinesisches Kunstleder für 200 Mark die Jacke oder so. Ich erklärte ihm teutonisch-direkt, dass ich keine Kleidung von ihm kaufen werde und lud weiter meine Bierkisten ins Auto. Hatte den Abend irgendeinen meiner Kindergeburtstage nachgefeiert. Er schnaufe ärgerlich und brauste dann mit Ververetti davon.
Eine Variation dieses alten Scams gibt es jetzt in Taipei. Ein italienisch wirkender Herr in einem schicken schwarzen SUV der Marke Mercedes oder Lexus sagt, er habe von irgendeinem Businesski noch ein paar 2000 Euro - Anzüge über und sie nach Italien mitzunehmen, sei zu viel Trouble. Er schlägt einem dann vor, diese gratis zu nehmen. Lehnt man nicht gleich ab, erwähnt er einen Kollegen, dessen Bambina Geburtstag habe und sich ein iPhone 6s wünscht und schlägt vor, man solle doch dem Kinde diese kleine Freunde im Austausch für die 3 teuren Anzüge machen. Auch bei Ablehnung soll das soweit gehen, dass der Herr sich nach dem Inhalt der Brieftasche erkundigt und ggf. erst bei einer sehr deutlichen Absage von seinem Tun ablässt, die im vorliegenden Fall die Andeutung kinetischer Energie Richtung des "Verkäufers" beinhaltete.
Mensch, nicht dass wir zwei vom hannoverschen Parkplatz uns in Taipei wiedertreffen. Ich sage: Mensch Eduardo, bist Du es wieder? Und wir werden so richtig sentimental und ich gratuliere ihm zur verfeinerten Masche...
Ich kenne das selbst. Irgendwann in den frühen 90ern lud ich gerade meine Einkäufe in meinen Mitsubishi-Kombi (eigentlich Vadderns), da hielt hinter mir ein Alpha Romeo sportlich an. Das war am hannoverschen Messegelände. Im Auto saß ein italienisch aussehender Herr, der mich glaube ich nach dem Weg zur Autobahn fragte, den ich ihm schnell beschrieb. Dann erzählte er von seinen teuren Lederjacken aus Italia, die er hinten im Kofferraum (ich glaube es war ein schicker Alfa Kombi) hatte und nicht wieder in das Land von Mama Mia und ihren Nudeln mitnehmen wolle und die ich ja vielleicht supergünstig...
Nun interessierte ich mich überhaupt nicht dafür, klang das doch so sehr nach einer Falle wie ein über einem baumelndes blutbeschmiertes Fallbeil mit einem Hebel daneben "bitte Ziehen!". Gekriegt hätte ich sicher chinesisches Kunstleder für 200 Mark die Jacke oder so. Ich erklärte ihm teutonisch-direkt, dass ich keine Kleidung von ihm kaufen werde und lud weiter meine Bierkisten ins Auto. Hatte den Abend irgendeinen meiner Kindergeburtstage nachgefeiert. Er schnaufe ärgerlich und brauste dann mit Ververetti davon.
Eine Variation dieses alten Scams gibt es jetzt in Taipei. Ein italienisch wirkender Herr in einem schicken schwarzen SUV der Marke Mercedes oder Lexus sagt, er habe von irgendeinem Businesski noch ein paar 2000 Euro - Anzüge über und sie nach Italien mitzunehmen, sei zu viel Trouble. Er schlägt einem dann vor, diese gratis zu nehmen. Lehnt man nicht gleich ab, erwähnt er einen Kollegen, dessen Bambina Geburtstag habe und sich ein iPhone 6s wünscht und schlägt vor, man solle doch dem Kinde diese kleine Freunde im Austausch für die 3 teuren Anzüge machen. Auch bei Ablehnung soll das soweit gehen, dass der Herr sich nach dem Inhalt der Brieftasche erkundigt und ggf. erst bei einer sehr deutlichen Absage von seinem Tun ablässt, die im vorliegenden Fall die Andeutung kinetischer Energie Richtung des "Verkäufers" beinhaltete.
Mensch, nicht dass wir zwei vom hannoverschen Parkplatz uns in Taipei wiedertreffen. Ich sage: Mensch Eduardo, bist Du es wieder? Und wir werden so richtig sentimental und ich gratuliere ihm zur verfeinerten Masche...
Montag, Februar 22, 2016
Kanadier versucht Seven-Eleven-Raub in Taiwan
Unklar in welcher Stadt. Laut TVBS-Bericht hat ein Kanadier offenbar versucht einen Seven-Eleven auf merkwürdige Art auszurauben
Ein junger Kanadier, der möglicherweise nur mit einem Touristenvisum in Taiwan ist, hat offenbar einen Seven-Eleven 24h-Minisupermarkt besucht und dann festgestellt, dass es eine günstige Gelegenheit sei den Laden auszurauben, als der einzige anwesende Angestellte des Geschäfts gerade mal im Hinterzimmer verschwand. Wie es ausschaut, hat der Kanadier ein Seil oder dergleichen verwendet, um die Türklinke der Hinterzimmertür irgendwo festzubinden, um den Angestellten so auszusperren. Der Kanadier, der offenbar trotz seines Aufenthaltsstatus als Englischlehrer in Taiwan gearbeitet hat, soll dann versucht haben, an die Kasse zu gelangen. Der Angestellte konnte sich allerdings aus der kanadischen Falle befreien und soll mit dem Kanadier gerungen haben. Die alarmierte Polizei traf schnell ein und nahm den Englischlehrer auf Abwegen fest.
Dieser soll als Begründung für seine Tat angegeben haben, seine Freundin, die möglicherweise Dänin ist, habe ihn verlassen und er würde daher Geld für einen Besuch bei ihr brauchen. Oder auch für seine Rückkehr in das große schöne Kanada. Wo es ja auch Seven-Elevens gibt übrigens.
Was Däninnen mit jungen Kanadiern anstellen und ob die alte Weisheit "Dänen lügen nicht", die in den Siebzigern immer in der ZDF-Hitparade gesungen wurde, auch auf Däninnen übertragbar ist, all das werden wir wohl nie erfahren. Auch gut.
Ein junger Kanadier, der möglicherweise nur mit einem Touristenvisum in Taiwan ist, hat offenbar einen Seven-Eleven 24h-Minisupermarkt besucht und dann festgestellt, dass es eine günstige Gelegenheit sei den Laden auszurauben, als der einzige anwesende Angestellte des Geschäfts gerade mal im Hinterzimmer verschwand. Wie es ausschaut, hat der Kanadier ein Seil oder dergleichen verwendet, um die Türklinke der Hinterzimmertür irgendwo festzubinden, um den Angestellten so auszusperren. Der Kanadier, der offenbar trotz seines Aufenthaltsstatus als Englischlehrer in Taiwan gearbeitet hat, soll dann versucht haben, an die Kasse zu gelangen. Der Angestellte konnte sich allerdings aus der kanadischen Falle befreien und soll mit dem Kanadier gerungen haben. Die alarmierte Polizei traf schnell ein und nahm den Englischlehrer auf Abwegen fest.
Dieser soll als Begründung für seine Tat angegeben haben, seine Freundin, die möglicherweise Dänin ist, habe ihn verlassen und er würde daher Geld für einen Besuch bei ihr brauchen. Oder auch für seine Rückkehr in das große schöne Kanada. Wo es ja auch Seven-Elevens gibt übrigens.
Was Däninnen mit jungen Kanadiern anstellen und ob die alte Weisheit "Dänen lügen nicht", die in den Siebzigern immer in der ZDF-Hitparade gesungen wurde, auch auf Däninnen übertragbar ist, all das werden wir wohl nie erfahren. Auch gut.
Donnerstag, Dezember 24, 2015
Italienerin lebt illegal in Taiwan/lebt von Ladendiebstahl
Wieder mal keine so tolle "Laowai"-Geschichte, die dem mittlerweile eher durchwachsenen Image der "Westler" in Taiwan nicht allzu gut tut:
Eine junge Frau, 24, mit Staatsbürgerschaften Italiens und Venezuelas lebt seit 2011 illegal in Taiwan (gekommen mit Touristenvisa) und lebt offenbar von Ladendiebstählen. Wurde entsprechend mit gestohlener Ware festgenommen und befindet sich in Gewahrsam. Hat in Hotels gelebt und ist sich "selbst versorgend" durchs Land gereist.
http://focustaiwan.tw/news/afav/201512210018.aspx
Eine junge Frau, 24, mit Staatsbürgerschaften Italiens und Venezuelas lebt seit 2011 illegal in Taiwan (gekommen mit Touristenvisa) und lebt offenbar von Ladendiebstählen. Wurde entsprechend mit gestohlener Ware festgenommen und befindet sich in Gewahrsam. Hat in Hotels gelebt und ist sich "selbst versorgend" durchs Land gereist.
http://focustaiwan.tw/news/afav/201512210018.aspx
Mittwoch, Dezember 16, 2015
Junger betrunkener Kanadier keilt sich mit Taxifahrer (Update)
Im Video sieht man, wie ein junger westlicher Mann, der später als Kanadier identifiziert wurde, in einen handfesten Streit mit einem älteren Taxifahrer gerät.
Offenbar fängt der Ausländer den Streit an, schubst sich mit dem Taxifahrer herum, der körperlich deutlich unterlegen ist. Die Geschichte endet mit dem eingreifen von drei jungen Taiwanern, die zwar auch alle kleiner sind, aber eben drei an de Zahl. Einer ist sogar noch mit einem handlichen Schlagstock bewaffnet, so dass der Ausländer den kürzeren zieht. Wie zu lesen ist, endete die Geschichte mit einer durch die (taiwanische) Ehefrau des Ausländers vermittelten Entschädigung von bescheidenen 1000 NT an den Taxifahrer. Das hätte auch alles sehr viel übler ausgehen können für den Ausländer, der in dem Video wie der Aggressor wirkt. Eintausend NT aka etwa 25 Euro ist da sehr billig. Natürlich kennt man nicht die Vorgeschichte, was im Taxi abgelaufen ist, aber als großgewachsener junger westlicher Ausländer einen älteren deutlich unterlegenen Taxifahrer in der Öffentlichkeit anzugreifen - der in einer konfuzianischen Gesellschaft auch noch den Altersverehrungs-Bonus geniest, ist sicherlich eine sehr dumme Handlung.
http://www.choudoufudaily.com/waiguoren-canadian-harasses-taxi-driver-gets-beaten/
Kanadier sind in Taiwan ein bisschen verschrien dafür, immer wieder in peinliche Vorfälle verstrickt zu sein. Immer noch besser als im Film "Lucy" (2014), da schießt eine blonde Nordamerikanerin einen Taipei-Taxifahrer einfach nieder, da er nicht Englisch sprechen kann. Da habe ich mich schon gefragt: Wie würde das Ansehen von uns westlichen Ausländern in Taiwan nun wieder darunter leiden, wäre das wirklich passiert. ;-) Im selben Film erschießt sie auch noch einen Patienten auf dem OP-Tisch im Krankenhaus. Det is schon eine Sorte Film für sich.
UPDATE: Wie immer in der Taiwanpresse wird der Ausländer mit vollem Namen genannt und sein Arbeitsplatz (eine der privaten kleinen Englischschulen) gleich mit: http://www.appledaily.com.tw/realtimenews/article/new/20151214/752523/
Offenbar fängt der Ausländer den Streit an, schubst sich mit dem Taxifahrer herum, der körperlich deutlich unterlegen ist. Die Geschichte endet mit dem eingreifen von drei jungen Taiwanern, die zwar auch alle kleiner sind, aber eben drei an de Zahl. Einer ist sogar noch mit einem handlichen Schlagstock bewaffnet, so dass der Ausländer den kürzeren zieht. Wie zu lesen ist, endete die Geschichte mit einer durch die (taiwanische) Ehefrau des Ausländers vermittelten Entschädigung von bescheidenen 1000 NT an den Taxifahrer. Das hätte auch alles sehr viel übler ausgehen können für den Ausländer, der in dem Video wie der Aggressor wirkt. Eintausend NT aka etwa 25 Euro ist da sehr billig. Natürlich kennt man nicht die Vorgeschichte, was im Taxi abgelaufen ist, aber als großgewachsener junger westlicher Ausländer einen älteren deutlich unterlegenen Taxifahrer in der Öffentlichkeit anzugreifen - der in einer konfuzianischen Gesellschaft auch noch den Altersverehrungs-Bonus geniest, ist sicherlich eine sehr dumme Handlung.
http://www.choudoufudaily.com/waiguoren-canadian-harasses-taxi-driver-gets-beaten/
Kanadier sind in Taiwan ein bisschen verschrien dafür, immer wieder in peinliche Vorfälle verstrickt zu sein. Immer noch besser als im Film "Lucy" (2014), da schießt eine blonde Nordamerikanerin einen Taipei-Taxifahrer einfach nieder, da er nicht Englisch sprechen kann. Da habe ich mich schon gefragt: Wie würde das Ansehen von uns westlichen Ausländern in Taiwan nun wieder darunter leiden, wäre das wirklich passiert. ;-) Im selben Film erschießt sie auch noch einen Patienten auf dem OP-Tisch im Krankenhaus. Det is schon eine Sorte Film für sich.
UPDATE: Wie immer in der Taiwanpresse wird der Ausländer mit vollem Namen genannt und sein Arbeitsplatz (eine der privaten kleinen Englischschulen) gleich mit: http://www.appledaily.com.tw/realtimenews/article/new/20151214/752523/
Mittwoch, Juli 22, 2015
Zwei neuerliche Messerangriffe in Taipei (Update)
Der Archetyp des unzufriedenen oder geistesgestörten Messerstechers scheint zum Regelfall in Taipei zu werden
Natürlich sind ein paar Messerangriffe in einer dicht besiedelten Stadt wie Taipei nicht viel. Aber es an diesem Montag zwei Täter, die unabhängig voneinander in einer U-Bahn-Station bzw. auf offener Straße ohne Anlass Menschen mit dem Messer angegriffen haben, wobei es insgesamt fünf Verletzte gab:
http://m.focustaiwan.tw/news/asoc/201507210001.aspx
Zumindest in einem Fall nannte der Täter das zurückliegende Massaker in der U-Bahn im vorherigen Jahr mit vier Toten und zahlreichen Verletzten als Motivation. Sicher sind es nur wenige Fälle und die Wahrscheinlichkeit im Straßenverkehr verletzt zu werden wird sehr viel höher liegen. Aber für mich geht dieser Tage die Legende vom "absolut sicheren" Taipei nun endgültig in das Reich der Mythen ein. Frau hat bereits ein sicher kontraproduktives U-Bahn-/Hochbahn-Verbot für uns ausgesprochen.
Trotzdem gilt: Der Mensch bewertet Risiken nach ihrer Bizarrheit, nicht nach dem statistischen Risiko. Niemand will etwa die rücksichtslosen Autofahrer Taiwans mit ihren unzähligen unnötigen Todesopfern an die Kette legen, während man schon eher darüber nachdenkt, wie man sich vor den immer noch sehr seltenen messerschwingenden Verrückten schützen kann.
EDIT: Und zugegeben, ein paar messerschwingende Irre jede Woche plus den Straßenverkehr ist gefährlicher als nur der Straßenverkehr.
UPDATE: Einer der Angreifer hat offenbar auf einer Rolltreppe die Leute auf der Gegenrichtung in den Rücken gestochen.
Natürlich sind ein paar Messerangriffe in einer dicht besiedelten Stadt wie Taipei nicht viel. Aber es an diesem Montag zwei Täter, die unabhängig voneinander in einer U-Bahn-Station bzw. auf offener Straße ohne Anlass Menschen mit dem Messer angegriffen haben, wobei es insgesamt fünf Verletzte gab:
http://m.focustaiwan.tw/news/asoc/201507210001.aspx
Zumindest in einem Fall nannte der Täter das zurückliegende Massaker in der U-Bahn im vorherigen Jahr mit vier Toten und zahlreichen Verletzten als Motivation. Sicher sind es nur wenige Fälle und die Wahrscheinlichkeit im Straßenverkehr verletzt zu werden wird sehr viel höher liegen. Aber für mich geht dieser Tage die Legende vom "absolut sicheren" Taipei nun endgültig in das Reich der Mythen ein. Frau hat bereits ein sicher kontraproduktives U-Bahn-/Hochbahn-Verbot für uns ausgesprochen.
Trotzdem gilt: Der Mensch bewertet Risiken nach ihrer Bizarrheit, nicht nach dem statistischen Risiko. Niemand will etwa die rücksichtslosen Autofahrer Taiwans mit ihren unzähligen unnötigen Todesopfern an die Kette legen, während man schon eher darüber nachdenkt, wie man sich vor den immer noch sehr seltenen messerschwingenden Verrückten schützen kann.
EDIT: Und zugegeben, ein paar messerschwingende Irre jede Woche plus den Straßenverkehr ist gefährlicher als nur der Straßenverkehr.
UPDATE: Einer der Angreifer hat offenbar auf einer Rolltreppe die Leute auf der Gegenrichtung in den Rücken gestochen.
Montag, Juli 20, 2015
Nahrungsmittel-Konzernboss kritisiert Kontrollen
Taiwan ist von einer Reihe von Dauer-Lebensmittelskandalen betroffen. Dem Boss des taiwanischen I-Mei - Konzerns wird es zu viel und er wünscht sich ruhigere Zeiten mit weniger Berichten der taiwanischen Lebensmittelkontrollbehörde FDA zurück (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/20/2003623470).
Die Sicherheit taiwanischer Lebensmittel beschreibe ich gerne so: Die gute Nachricht ist, dass es eine Lebensmittelkontrollbehörde in Taiwan gibt, die Nahrungsmittel testet. Die schlechte Nachricht ist, dass sie auch permanent etwas finden.
Konkret nahm der I-Mei - Chef namens Kao (guter Name für einen Lebensmittelkonzernboss ;-) das Auffinden von sage und schreibe sieben Jahre alten Chinesisch-Neujahr-Lebensmitteln in seiner Fabrik seitens der FDA zum Anlass, die störenden Kontrollen der FDA zu bemängeln. Genau gesagt hat er kritisiert, dass offenbar diesbezügliche Informationen an die VR-China geflossen sein sollen, die dann I-Mei-Lieferungen nicht so einfach durch den Zoll gelassen hat. Außerdem dürfte Herrn Kao gewurmt haben, dass jüngst von einer Kundin Würmer in Schoko-Rosinen gefunden worden sind und die FDA nun auch in dieser Sache ermittelt. Ob er meint, die Dame hätte auch schweigend genießen können? Wir wissen es nicht.
Herr Kao kritisiert auch, dass durch die Kontrollen der FDA kleine Geschäfte nicht über Lebensmittelhygiene belehrt würden. Das ist sicher ein Punkt, aber so ähnlich als würde man kritisieren, dass durch Kontrollen von LKW-Motoren die Motoren von Mopeds nicht verbessert würden. Wie dem auch sei, Herr Kao ruft den taiwanischen Premier dazu auf, durch entsprechende Infos Taiwan als "Food Kingdom", also "Königreich des Essens" oder "Essensparadies" wiederherzustellen.
Das Problem ist nur, dass Taiwan wohl nie ein Essensparadies war, jedenfalls nicht mehr seit Beginn der Industrialisierung. Eher gab es früher wohl eine Friedhofsruhe, bei der (wie ein Blogkommentator darauf hinwies, in der Ära vor dem jetzigen Präsidenten Ma) einfach nicht hinreichend getestet wurde und man daher schweigend genossen und Schadstoffe aufgenommen hat. Mir ist noch gut im Gedächtnis, wie ich seit meinem Ankommen in Taiwan 2004 bis zum Jahre 2011 immer merkwürdige allergische Symptome hatte, die es zu einem Running Gag bei mir machten zu überlegen, was die Taiwaner nun bloß überall ins Essen kippen, dass ich ständig Allergie habe, egal was ich auch esse. Mysteriös aber erhellend war insbesondere, dass die Symptome am nächsten Tag verschwanden, sowie ich Taiwan verlassen hatte.
Die Antwort auf meine stumme Frage hieß übrigens "DEHP". Der Lebensmittelskandal des Jahres 2011 entlarvte eine landesweite und praktisch komplette Verseuchung der Lebensmittel Taiwans mit diesem Flüssigkunststoff, der u.a. Diabetes fördert und leibesfruchtschädigend ist (https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal). Und aus dem Wikipedialink wird schon offenbar, dass das Zeug wohl schon ewig im Essen war. Schließlich kann man dort nachlesen, dass Präsident Ma (KMT) der vorherigen DPP-Regierung vorwirft, sich ihrerseits nicht um die Lebensmittelsicherheit gekümmert zu haben. Und die DPP hat 2000-2008 regiert. Statt "Food Kindom Taiwan" sollte man also lieber vom "ungestörten Pansch-Paradies" in alten Zeiten reden.
Weitere Skandale:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal
Bei dem 2014er Kochöl- und Lebensmittelfett- Skandal, bei dem ein Großkonzern Öl und Fett aus vergammelten Tierkadavern mit DEHP und ursprünglich für die Tierzucht vorgesehenen Medikamenten versetzt hatte und diese Öle und Fette wieder praktisch landesweit überall in den Lebensmitteln zu finden waren, war also auch wieder der Dauerbrenner DEHP dabei. Mein Magen hing mir da monatelang in den Kniekehlen mit Magenschmerzen. Mag letzteres psychosomatisch gewesen sein, so hatte ich mich freilich schon seit Jahren über eine eigenartige Dauererkältung gewundert, bei der mir ständig die Nase (nach Innen) lief, ohne dass ich sonstige Erkältungssymptome gehabt hatte. Letzteres schlug mir dann auch immer wieder auf den Magen und wurde vom Doc als Magengrippe diagnostiziert.
Losgeworden bin ich diese Symptome schlagartig durch Verzicht auf das (Gratis-) Essen in der Firmenkantine.
Heute geht es mir so: Esse ich der Frau zu liebe mal in mir unbekannten Garküchen oder auch in guten Restaurants, dann habe ich schnell wieder die sehr extrem laufende Nase und eine beginnende "Magengrippe". Dagegen hilft dann das sofortige Wechseln auf Ernährung von mir bekannten Garküchen oder auf das abgepackte Essen von Seven-Eleven (24h-Miniläden-Kette). Und übrigens die Einnahme von Obst und Saurem.
Taiwaner sind sehr geschäftstüchtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Horroröl aus dem 2014er-Lebesmittelskandal immer auf den Entsorgungsstationen gelandet ist, wo es hin sollte. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich nie irgendwo gelesen, wie das viele Öl und Fett denn hätte entsorgt werden sollen. Eher denke ich, so ein LKW voller fabrikneuem verseuchten Kochöl wird eine Wellblechfabrikhalle in irgendeinem Hinterhof angesteuert haben und das Öl und Fett wird unter anderem Namen noch heute im Umlauf sein. Oder mein auf Chemie im Essen recht empfindlicher ausländischer Luxuskörper hat schon wieder den Lebensmittelskandal 2015 oder 2016 oder ... vorweg genommen, den es noch gar nicht gibt. Denn sicher wird die FDA auch in Zukunft viel finden, denn taiwanische Lebensmittelbosse wie Herr Kao machen sich eher Gedanken um die erwünsche mediale Ruhe, anstatt sich für die von ihnen produzierten Lebensmittel verantwortlich zu fühlen und durch Strukturveränderungen in ihren Unternehmen bessere Qualität sicherzustellen. Und die Kunden in Taiwan interessiert das Thema ja nicht wirklich. Die haben neulich in einer Facebookcampagne taiwanisches Essen zum besten der Welt gewählt (http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/embarrassing-taiwanese-vote-for-themselves-to-top-CNNs-poll.html). Na dann bleibt mir nur fröhliches Weiter-Kao-en zu wünschen.
Die Sicherheit taiwanischer Lebensmittel beschreibe ich gerne so: Die gute Nachricht ist, dass es eine Lebensmittelkontrollbehörde in Taiwan gibt, die Nahrungsmittel testet. Die schlechte Nachricht ist, dass sie auch permanent etwas finden.
Konkret nahm der I-Mei - Chef namens Kao (guter Name für einen Lebensmittelkonzernboss ;-) das Auffinden von sage und schreibe sieben Jahre alten Chinesisch-Neujahr-Lebensmitteln in seiner Fabrik seitens der FDA zum Anlass, die störenden Kontrollen der FDA zu bemängeln. Genau gesagt hat er kritisiert, dass offenbar diesbezügliche Informationen an die VR-China geflossen sein sollen, die dann I-Mei-Lieferungen nicht so einfach durch den Zoll gelassen hat. Außerdem dürfte Herrn Kao gewurmt haben, dass jüngst von einer Kundin Würmer in Schoko-Rosinen gefunden worden sind und die FDA nun auch in dieser Sache ermittelt. Ob er meint, die Dame hätte auch schweigend genießen können? Wir wissen es nicht.
Herr Kao kritisiert auch, dass durch die Kontrollen der FDA kleine Geschäfte nicht über Lebensmittelhygiene belehrt würden. Das ist sicher ein Punkt, aber so ähnlich als würde man kritisieren, dass durch Kontrollen von LKW-Motoren die Motoren von Mopeds nicht verbessert würden. Wie dem auch sei, Herr Kao ruft den taiwanischen Premier dazu auf, durch entsprechende Infos Taiwan als "Food Kingdom", also "Königreich des Essens" oder "Essensparadies" wiederherzustellen.
Das Problem ist nur, dass Taiwan wohl nie ein Essensparadies war, jedenfalls nicht mehr seit Beginn der Industrialisierung. Eher gab es früher wohl eine Friedhofsruhe, bei der (wie ein Blogkommentator darauf hinwies, in der Ära vor dem jetzigen Präsidenten Ma) einfach nicht hinreichend getestet wurde und man daher schweigend genossen und Schadstoffe aufgenommen hat. Mir ist noch gut im Gedächtnis, wie ich seit meinem Ankommen in Taiwan 2004 bis zum Jahre 2011 immer merkwürdige allergische Symptome hatte, die es zu einem Running Gag bei mir machten zu überlegen, was die Taiwaner nun bloß überall ins Essen kippen, dass ich ständig Allergie habe, egal was ich auch esse. Mysteriös aber erhellend war insbesondere, dass die Symptome am nächsten Tag verschwanden, sowie ich Taiwan verlassen hatte.
Die Antwort auf meine stumme Frage hieß übrigens "DEHP". Der Lebensmittelskandal des Jahres 2011 entlarvte eine landesweite und praktisch komplette Verseuchung der Lebensmittel Taiwans mit diesem Flüssigkunststoff, der u.a. Diabetes fördert und leibesfruchtschädigend ist (https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal). Und aus dem Wikipedialink wird schon offenbar, dass das Zeug wohl schon ewig im Essen war. Schließlich kann man dort nachlesen, dass Präsident Ma (KMT) der vorherigen DPP-Regierung vorwirft, sich ihrerseits nicht um die Lebensmittelsicherheit gekümmert zu haben. Und die DPP hat 2000-2008 regiert. Statt "Food Kindom Taiwan" sollte man also lieber vom "ungestörten Pansch-Paradies" in alten Zeiten reden.
Weitere Skandale:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal
Bei dem 2014er Kochöl- und Lebensmittelfett- Skandal, bei dem ein Großkonzern Öl und Fett aus vergammelten Tierkadavern mit DEHP und ursprünglich für die Tierzucht vorgesehenen Medikamenten versetzt hatte und diese Öle und Fette wieder praktisch landesweit überall in den Lebensmitteln zu finden waren, war also auch wieder der Dauerbrenner DEHP dabei. Mein Magen hing mir da monatelang in den Kniekehlen mit Magenschmerzen. Mag letzteres psychosomatisch gewesen sein, so hatte ich mich freilich schon seit Jahren über eine eigenartige Dauererkältung gewundert, bei der mir ständig die Nase (nach Innen) lief, ohne dass ich sonstige Erkältungssymptome gehabt hatte. Letzteres schlug mir dann auch immer wieder auf den Magen und wurde vom Doc als Magengrippe diagnostiziert.
Losgeworden bin ich diese Symptome schlagartig durch Verzicht auf das (Gratis-) Essen in der Firmenkantine.
Heute geht es mir so: Esse ich der Frau zu liebe mal in mir unbekannten Garküchen oder auch in guten Restaurants, dann habe ich schnell wieder die sehr extrem laufende Nase und eine beginnende "Magengrippe". Dagegen hilft dann das sofortige Wechseln auf Ernährung von mir bekannten Garküchen oder auf das abgepackte Essen von Seven-Eleven (24h-Miniläden-Kette). Und übrigens die Einnahme von Obst und Saurem.
Taiwaner sind sehr geschäftstüchtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Horroröl aus dem 2014er-Lebesmittelskandal immer auf den Entsorgungsstationen gelandet ist, wo es hin sollte. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich nie irgendwo gelesen, wie das viele Öl und Fett denn hätte entsorgt werden sollen. Eher denke ich, so ein LKW voller fabrikneuem verseuchten Kochöl wird eine Wellblechfabrikhalle in irgendeinem Hinterhof angesteuert haben und das Öl und Fett wird unter anderem Namen noch heute im Umlauf sein. Oder mein auf Chemie im Essen recht empfindlicher ausländischer Luxuskörper hat schon wieder den Lebensmittelskandal 2015 oder 2016 oder ... vorweg genommen, den es noch gar nicht gibt. Denn sicher wird die FDA auch in Zukunft viel finden, denn taiwanische Lebensmittelbosse wie Herr Kao machen sich eher Gedanken um die erwünsche mediale Ruhe, anstatt sich für die von ihnen produzierten Lebensmittel verantwortlich zu fühlen und durch Strukturveränderungen in ihren Unternehmen bessere Qualität sicherzustellen. Und die Kunden in Taiwan interessiert das Thema ja nicht wirklich. Die haben neulich in einer Facebookcampagne taiwanisches Essen zum besten der Welt gewählt (http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/embarrassing-taiwanese-vote-for-themselves-to-top-CNNs-poll.html). Na dann bleibt mir nur fröhliches Weiter-Kao-en zu wünschen.
Montag, Juli 06, 2015
Also doch: Jugendliche Scootergangs!
Lange hielt ich es für eine Legende, aber es gibt sie tatsächlich
Im friedlichen Taiwan tut man sich schwer manche Dinge zu glauben. So schrieben manche im Ausländerforum forumosa.com schon immer von jugendlichen Motorrollergangs, die sich gegenseitig bekämpfen und in dunklen Gassen des Nachts auch für harmlose Passanten ein Problem darstellen können. Wann immer jemand von solchen Vorkommnissen schrieb fanden sich andere, die die Schilderungen als blanke Fantasie abtaten, sind doch die Straßen in Taiwan friedlich.
Selbst habe ich die Stories auch nie so richtig geglaubt, obwohl ich einmal um 22 Uhr in Zhongli/Chungli im Landkreis Taoyuan ein in die Richtung gehendes Erlebnis hatte. Als ich aus dem Seven-Elven Kioskmarkt mit einem Eistee und Knabberzeug wieder raus kam, lungerte vor dem Eingang eine ganze Truppe aus etwa 16-18-jährigen Jugendlichen herum. Nun werden die jungen Taiwaner von Jahrgang zu Jahrgang größer und kräftiger, wie ich festgestellt zu haben glaube. Aber das war vor etlichen Jahren und die Truppe bestand aus sehr zierlichen jungen Männern mit bunt gefärbten Haaren und ihren frisch gewaschenen Motorrollern. Ich ging nun gezwungermaßen mitten durch und mir fiel sofort eine eigenartige Grundstimmung auf. Alle sahen mich an und hatten etwas leicht lauerndes im Blick. Das war so eine Situation wie man sie auch mit frei laufenden Hunderudeln hat. Gruppendynamik und insbesondere das Gefühl in der Masse stark zu sein lassen da bei Y-Chromosomenträgern schnell eine aggressive Grundstimmung aufkommen. Ich ging ein bisschen in die Offensive, indem ich mir die Bedeutungshoheit der Situation sicherte. Sprich ich winkte fröhlich in die Runde, sagte "Hello How You"re doing...", die Bengelchen grüßten zurück und das war es. Nur ein Idiot hätte da in eine brenzlige Situation kommen können, etwa wenn man sich über mangelnden Platz oder dergleichen beschwert hätte. Oder gefragt hätte "Which of you girls knows what time it is?", gacker.
So ganz sicher war ich mir nicht mit den Jungs damals. Aber offenbar gibt es rivalisierende Motorrollergangs im Landkreis Taipei jedenfalls und damit auch anderswo tatsächlich:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/05/2003622315
Sogar mit Messern gehen sie aufeinander los. Ob die stupsnäsigen Haarlockengefärbten damals auch schon Käsemesser dabei hatten? Na, ich musste es ja nicht heraus finden.
Im friedlichen Taiwan tut man sich schwer manche Dinge zu glauben. So schrieben manche im Ausländerforum forumosa.com schon immer von jugendlichen Motorrollergangs, die sich gegenseitig bekämpfen und in dunklen Gassen des Nachts auch für harmlose Passanten ein Problem darstellen können. Wann immer jemand von solchen Vorkommnissen schrieb fanden sich andere, die die Schilderungen als blanke Fantasie abtaten, sind doch die Straßen in Taiwan friedlich.
Selbst habe ich die Stories auch nie so richtig geglaubt, obwohl ich einmal um 22 Uhr in Zhongli/Chungli im Landkreis Taoyuan ein in die Richtung gehendes Erlebnis hatte. Als ich aus dem Seven-Elven Kioskmarkt mit einem Eistee und Knabberzeug wieder raus kam, lungerte vor dem Eingang eine ganze Truppe aus etwa 16-18-jährigen Jugendlichen herum. Nun werden die jungen Taiwaner von Jahrgang zu Jahrgang größer und kräftiger, wie ich festgestellt zu haben glaube. Aber das war vor etlichen Jahren und die Truppe bestand aus sehr zierlichen jungen Männern mit bunt gefärbten Haaren und ihren frisch gewaschenen Motorrollern. Ich ging nun gezwungermaßen mitten durch und mir fiel sofort eine eigenartige Grundstimmung auf. Alle sahen mich an und hatten etwas leicht lauerndes im Blick. Das war so eine Situation wie man sie auch mit frei laufenden Hunderudeln hat. Gruppendynamik und insbesondere das Gefühl in der Masse stark zu sein lassen da bei Y-Chromosomenträgern schnell eine aggressive Grundstimmung aufkommen. Ich ging ein bisschen in die Offensive, indem ich mir die Bedeutungshoheit der Situation sicherte. Sprich ich winkte fröhlich in die Runde, sagte "Hello How You"re doing...", die Bengelchen grüßten zurück und das war es. Nur ein Idiot hätte da in eine brenzlige Situation kommen können, etwa wenn man sich über mangelnden Platz oder dergleichen beschwert hätte. Oder gefragt hätte "Which of you girls knows what time it is?", gacker.
So ganz sicher war ich mir nicht mit den Jungs damals. Aber offenbar gibt es rivalisierende Motorrollergangs im Landkreis Taipei jedenfalls und damit auch anderswo tatsächlich:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/05/2003622315
Sogar mit Messern gehen sie aufeinander los. Ob die stupsnäsigen Haarlockengefärbten damals auch schon Käsemesser dabei hatten? Na, ich musste es ja nicht heraus finden.
Freitag, Juli 03, 2015
Offenbar Messerangriff in MRT am Hauptbahnhof (Update: Doch Unfall)
Messerangriff unter Teenagern in Taipeis Hauptbahnhof
Offenbar in der Metro Taipeis (MRT genannt) hat es einen Messerangriff vermutlich von einem Teenager auf einen anderen gegeben, ohne dass näheres bekannt ist. Chinesischsprachiger Artikel hier: http://m.appledaily.com.tw/realtimenews/article/recommend/20150703/640978
Ich denke, man sollte die in hiesigen Expatkreisen verbreitete Ansicht, Taipei sei ein absolut sicheres Pflaster, etwas relativieren. Abgesehen vom recht gefährlichen Straßenverkehr, dem immer wieder mal auch ein Expat zum Opfer fällt, gibt es in Taipei so gut wie keine Raubüberfälle und wenigstens auf "westlich" wirkende Damen auch offenbar keine sexuell motivierten Überfälle. Damit unterscheidet sich Taipei positiv von vielen anderen Metropolen der Welt. Aber es gibt sicherlich schon eine vielleicht auch steig zunehmene (?) Zahl von Wirrköpfen, wie es sie in allen Metropolen gibt, die zu Gewalttaten neigen. In der letzten Zeit hatten wir also den Massenmord in der MRT im Jahre 2014 mit 4 Toten und über 20 Verletzten (https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taipei_Metro_attack), kürzlich den Mord an einer achtjährigen Schülerin durch einen Eindringling auf dem Schulgelände (http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/05/31/437285/p2/Schoolgirl-dies.htm) und den Angriff mit einem Hammer durch einen Bauarbeiter in der MRT auf einen Namibischen Sportler (http://focustaiwan.tw/news/asoc/201502170013.aspx).
Vorsicht ist also auch im friendlichen Taipei geboten. Meine Frau bekam neulich einen Schreck als sie um 22 Uhr oder so frisch von der Arbeit kommend (ist halt Taiwan) bei 30 Grad Außentemperatur von einem auf einem einer dritten Partei gehörenden Vorgartensofa sitzenden Mann angesprochen wurde, der irgend ein wirres Zeug redete und eine lila Wollmütze(!) trug und ein lila Smartphone vor dem Gesicht hatte. Ich habe ihn kurze Zeit später auch gesehen, er blubberte irgendwas von Waiguoren (Ausländer) dies und Waiguoren das als ich vorbei trabte. Wirrköpfe gibt es reichlich, auch bei uns im Viertel etwa. Der verhuschte Mann ein paar Stockwerke über Schwiegermutter, der einst ein Freund von Schwiergervater war und eine Historie von psychischen Problemen hat, seine entsprechend verhaltensauffällige Tochter, die immer mal Selbstmorddrama auf dem 2 Meter hohen Vordach über dem Eingang hat so einmal im Jahr statistisch gesehen (soll nicht so locker sein der Satz wie er vielleicht klingt) und die Nachbarin auf der selben Etage (Greisin), die immer mal bei Schwiegermutter an die Tür hämmert, schreit und schimpft ohne Grund. Die wenigstens von den Problemleutchen sind gefährlich, aber niemanden zu provozieren, auf dummes Anquatschen nicht zu reagieren und auf Nummer sicher zu gehen kann auch im dicht besiedelten und hektischen Taipei mit seinen überarbeiteten Menschen nicht schaden.
In ein paar Jahren haben sie hier auch Raubüberfälle, da bin ich sicher. Die Angleichung der Metropolen ist einfach nicht aufzuhalten.
Update: Offenbar handelt es sich um einen Unfall mit einem Koch aus einem italienischen Restaurant "in Eile": http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/07/04/439893/Chef-cuts.htm
Der Koch hatte offenbar mehrere lange Messer in einer Tüte oder labilen Tasche dabei und eines hatte sich aus der Tasche befreit und stand heraus. Als er dann noch wie ein Derwisch los rannte und dem jugendlichen Opfer den Weg abschnitt kam es zu der ernsthaften Stichverletzung mit 1 cm Tiefe. Der leichtsinnige Koch bekam von all dem offenbar nichts mit und ihm war lange Zeit nicht klar, dass er schon als "MRT-Verrückter" gesucht wurde. Sicherheitsdenken ist hier leider fast immer ein Luxus, den man sich in der Hektik des Alltags nicht leistet.
Offenbar in der Metro Taipeis (MRT genannt) hat es einen Messerangriff vermutlich von einem Teenager auf einen anderen gegeben, ohne dass näheres bekannt ist. Chinesischsprachiger Artikel hier: http://m.appledaily.com.tw/realtimenews/article/recommend/20150703/640978
Ich denke, man sollte die in hiesigen Expatkreisen verbreitete Ansicht, Taipei sei ein absolut sicheres Pflaster, etwas relativieren. Abgesehen vom recht gefährlichen Straßenverkehr, dem immer wieder mal auch ein Expat zum Opfer fällt, gibt es in Taipei so gut wie keine Raubüberfälle und wenigstens auf "westlich" wirkende Damen auch offenbar keine sexuell motivierten Überfälle. Damit unterscheidet sich Taipei positiv von vielen anderen Metropolen der Welt. Aber es gibt sicherlich schon eine vielleicht auch steig zunehmene (?) Zahl von Wirrköpfen, wie es sie in allen Metropolen gibt, die zu Gewalttaten neigen. In der letzten Zeit hatten wir also den Massenmord in der MRT im Jahre 2014 mit 4 Toten und über 20 Verletzten (https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taipei_Metro_attack), kürzlich den Mord an einer achtjährigen Schülerin durch einen Eindringling auf dem Schulgelände (http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/05/31/437285/p2/Schoolgirl-dies.htm) und den Angriff mit einem Hammer durch einen Bauarbeiter in der MRT auf einen Namibischen Sportler (http://focustaiwan.tw/news/asoc/201502170013.aspx).
Vorsicht ist also auch im friendlichen Taipei geboten. Meine Frau bekam neulich einen Schreck als sie um 22 Uhr oder so frisch von der Arbeit kommend (ist halt Taiwan) bei 30 Grad Außentemperatur von einem auf einem einer dritten Partei gehörenden Vorgartensofa sitzenden Mann angesprochen wurde, der irgend ein wirres Zeug redete und eine lila Wollmütze(!) trug und ein lila Smartphone vor dem Gesicht hatte. Ich habe ihn kurze Zeit später auch gesehen, er blubberte irgendwas von Waiguoren (Ausländer) dies und Waiguoren das als ich vorbei trabte. Wirrköpfe gibt es reichlich, auch bei uns im Viertel etwa. Der verhuschte Mann ein paar Stockwerke über Schwiegermutter, der einst ein Freund von Schwiergervater war und eine Historie von psychischen Problemen hat, seine entsprechend verhaltensauffällige Tochter, die immer mal Selbstmorddrama auf dem 2 Meter hohen Vordach über dem Eingang hat so einmal im Jahr statistisch gesehen (soll nicht so locker sein der Satz wie er vielleicht klingt) und die Nachbarin auf der selben Etage (Greisin), die immer mal bei Schwiegermutter an die Tür hämmert, schreit und schimpft ohne Grund. Die wenigstens von den Problemleutchen sind gefährlich, aber niemanden zu provozieren, auf dummes Anquatschen nicht zu reagieren und auf Nummer sicher zu gehen kann auch im dicht besiedelten und hektischen Taipei mit seinen überarbeiteten Menschen nicht schaden.
In ein paar Jahren haben sie hier auch Raubüberfälle, da bin ich sicher. Die Angleichung der Metropolen ist einfach nicht aufzuhalten.
Update: Offenbar handelt es sich um einen Unfall mit einem Koch aus einem italienischen Restaurant "in Eile": http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/07/04/439893/Chef-cuts.htm
Der Koch hatte offenbar mehrere lange Messer in einer Tüte oder labilen Tasche dabei und eines hatte sich aus der Tasche befreit und stand heraus. Als er dann noch wie ein Derwisch los rannte und dem jugendlichen Opfer den Weg abschnitt kam es zu der ernsthaften Stichverletzung mit 1 cm Tiefe. Der leichtsinnige Koch bekam von all dem offenbar nichts mit und ihm war lange Zeit nicht klar, dass er schon als "MRT-Verrückter" gesucht wurde. Sicherheitsdenken ist hier leider fast immer ein Luxus, den man sich in der Hektik des Alltags nicht leistet.
Donnerstag, Juni 25, 2015
Britisch/pakistanischer Todesfahrer wird sobald nicht ausgeliefert
Schottischer "High Court" will erst Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen
Es ist ein unter Ausländern in Taiwan oft heiß diskutiertes Thema, der Fall des britisch/pakistanischen mutmaßl. Todesfahrers Z.D., der im Jahre 2011 (Korrektur: schon 2010) einen taiwanischen Motorrollerfahrer betrunken zu Tode gefahren haben soll mit seinem alten Mercedes. Das "mutmaßlich" im Satz könnte man eigentlich weglassen, weil Z.D. in Taiwan rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe deswegen und wegen Microsoft-Lizenzverletzungen verurteilt worden ist. Allerdings gab es im Ermittlungsverfahren und während des Gerichts durchaus Friktionen, wie etwa eine massive gehirnwäscheartige Vorverurteilungscampagne seitens der Massenmedien und einiger Lokalpolitiker in Taiwan (mit monatelang wiederholten Fernsehbildern in der Endlosschleife), so dass man die Fairness der Verfahrens durchaus anzweifeln kann. Auch der Umstand, dass das ermittelnde Polizeirevier vom selben Syndikat geschmiert worden ist, dem ein zweiter einheimischer Verdächtiger (der nachweislich den Wagen in der Todesnacht genau wie Z.D. gefahren ist) angehört, lässt Zweifel an der Fairness des Gesamtverfahrens aufkommen.
Wie dem auch sei, Z.D. wurde in zweiter Instanz zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, wenn ich mich recht erinnere und floh dann nach Schottland. Hier wurde er wegen Fluchtgefahr inhaftiert während ein Auslieferungsverfahren gegen ihn läuft. In erster Instanz wurde Z.D.s Auslieferung nach Taiwan positiv entschieden. Doch in zweiter Instanz wird nun der schottische "High Court" wegen Einspruchs Z.D.s zunächst die Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen, bevor er über die Auslieferung entscheidet. In diesem Verfahren geht es weniger um Schuld oder Unschuld sondern eher um die Rechtsgültigkeit taiwanischer Gerichtsentscheidungen für Schottland (das da recht autark ist nach britischem Recht) und neuerdings eben die Haftbedingungen. Wenn Z.D. immer noch in Abschiebehaft sitzt, wird er so am Ende mehr Zeit im Gefängnis zubringen, als wenn er die Zeit in Taiwan abgesessen hätte.
Die Marathonberichterstattung über den Fall hat meiner Ansicht nach die bis 2011 vorhandene große Popularität von "Weißen" in Taiwan deutlich abgekühlt. Daher sehe ich wie viele andere gebannt auf den Fall und frage mich immer, ob sich wieder neues Futter für eine Anti-Ausländercampagne der Medien in Taiwan ergibt.
Befremdlich für mich teilweise, als Deutscher mit einem Pakistani mit britischem Pass identifiziert zu werden. Aus taiwanischer Sicht sind offenbar Deutsche und Pakistani eine ähnliche Kulturfamilie. So wie mein kaiserlich erzogener Großvater wiederum eher Taiwaner und Pakistani in einen Topf geworfen und gegen Deutsche abgegrenzt hätte. Lustig irgendwie diese "wir und die"-Sichtweise.
Einer der Vorberichte zur Sache: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html
Aktuelle News: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201506240031.aspx
Ach ja, Zustände in taiwanischen Gefängnissen sieht man hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Es ist ein unter Ausländern in Taiwan oft heiß diskutiertes Thema, der Fall des britisch/pakistanischen mutmaßl. Todesfahrers Z.D., der im Jahre 2011 (Korrektur: schon 2010) einen taiwanischen Motorrollerfahrer betrunken zu Tode gefahren haben soll mit seinem alten Mercedes. Das "mutmaßlich" im Satz könnte man eigentlich weglassen, weil Z.D. in Taiwan rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe deswegen und wegen Microsoft-Lizenzverletzungen verurteilt worden ist. Allerdings gab es im Ermittlungsverfahren und während des Gerichts durchaus Friktionen, wie etwa eine massive gehirnwäscheartige Vorverurteilungscampagne seitens der Massenmedien und einiger Lokalpolitiker in Taiwan (mit monatelang wiederholten Fernsehbildern in der Endlosschleife), so dass man die Fairness der Verfahrens durchaus anzweifeln kann. Auch der Umstand, dass das ermittelnde Polizeirevier vom selben Syndikat geschmiert worden ist, dem ein zweiter einheimischer Verdächtiger (der nachweislich den Wagen in der Todesnacht genau wie Z.D. gefahren ist) angehört, lässt Zweifel an der Fairness des Gesamtverfahrens aufkommen.
Wie dem auch sei, Z.D. wurde in zweiter Instanz zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, wenn ich mich recht erinnere und floh dann nach Schottland. Hier wurde er wegen Fluchtgefahr inhaftiert während ein Auslieferungsverfahren gegen ihn läuft. In erster Instanz wurde Z.D.s Auslieferung nach Taiwan positiv entschieden. Doch in zweiter Instanz wird nun der schottische "High Court" wegen Einspruchs Z.D.s zunächst die Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen, bevor er über die Auslieferung entscheidet. In diesem Verfahren geht es weniger um Schuld oder Unschuld sondern eher um die Rechtsgültigkeit taiwanischer Gerichtsentscheidungen für Schottland (das da recht autark ist nach britischem Recht) und neuerdings eben die Haftbedingungen. Wenn Z.D. immer noch in Abschiebehaft sitzt, wird er so am Ende mehr Zeit im Gefängnis zubringen, als wenn er die Zeit in Taiwan abgesessen hätte.
Die Marathonberichterstattung über den Fall hat meiner Ansicht nach die bis 2011 vorhandene große Popularität von "Weißen" in Taiwan deutlich abgekühlt. Daher sehe ich wie viele andere gebannt auf den Fall und frage mich immer, ob sich wieder neues Futter für eine Anti-Ausländercampagne der Medien in Taiwan ergibt.
Befremdlich für mich teilweise, als Deutscher mit einem Pakistani mit britischem Pass identifiziert zu werden. Aus taiwanischer Sicht sind offenbar Deutsche und Pakistani eine ähnliche Kulturfamilie. So wie mein kaiserlich erzogener Großvater wiederum eher Taiwaner und Pakistani in einen Topf geworfen und gegen Deutsche abgegrenzt hätte. Lustig irgendwie diese "wir und die"-Sichtweise.
Einer der Vorberichte zur Sache: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html
Aktuelle News: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201506240031.aspx
Ach ja, Zustände in taiwanischen Gefängnissen sieht man hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Montag, Juni 08, 2015
Neuer Name für den belasteten Teashop?
Die sog. "Stowaway" - Teekette hatte in Taiwan leckeren kalten oder warmen Tee im taiwanüblichen Plastikfässchen zum mitnehmen. Jetzt hat sie offenbar um-firmiert nach einem Skandal.
Auch in meiner Nachbarschaft war ein "Stowaway"-Outlet und Ludigel und Frau haben dort oft kalten Tee im Plastikkübel mitgenommen. Nie getrunken haben wir einen angeblichen deutschen Blütentee, der sich dann in Wirklichkeit als ein Aufguss aus einem für Dekozwecke o.ä. vorgesehenem Blütengemisch aus dem Iran entpuppte und sehr stark mit Pestiziden (genau gesagt wohl DDT) versehen war. Das Taiwanblog berichtete damals: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/stornaway-teekette-hat-gefalschten.html
Auch zwischendurch wurden wieder Pestizide in Getränken anderswo gefunden (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/pestizide-wieder-in-teashop-getranken.html). Statt dem STOWAWAY-Laden, der seine Filiale mit einem Plan der Londoner U-Bahn und einem veritablen landesneutralen U-Bahn-Stationsschild dekoriert hatte (ist bestimmt mancher Tourist rein gelaufen und wunderte sich dann, dass er hinter der Registrierkasse stand) findet sich jetzt dort ein neues himmelblaues Teegeschäft, das ein identisches Layout im Laden hat. Ladenkasse und Teekanister stehen also am selben Platz. Der neue Laden nennt sich "BRIT. TEA", obwohl sicher auch Platz wäre das auszuschreiben. Nun muss BRIT. TEA ja nicht notwendigerweise BRITISH TEA heißen, ist ja sicher auch keiner, genauso wie der GERMAN TEA eben kein GERMAN TEA war sondern beim Vorgängerlokal eben IRANIAN-ABSOLUTELY NO-TEA gewesen ist. Vielleicht steht BRIT. ja auch für den Frauennamen Brittany, der als englischer Businessname von Taiwanerinnen durchaus gewählt wird. Dann hat natürlich alles seine Ordnung und der Kunde kann vertrauensvoll zugreifen in dem neuen schicken himmelblauen Geschäft. Ludigel wünscht guten Durst!
Auch in meiner Nachbarschaft war ein "Stowaway"-Outlet und Ludigel und Frau haben dort oft kalten Tee im Plastikkübel mitgenommen. Nie getrunken haben wir einen angeblichen deutschen Blütentee, der sich dann in Wirklichkeit als ein Aufguss aus einem für Dekozwecke o.ä. vorgesehenem Blütengemisch aus dem Iran entpuppte und sehr stark mit Pestiziden (genau gesagt wohl DDT) versehen war. Das Taiwanblog berichtete damals: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/stornaway-teekette-hat-gefalschten.html
Auch zwischendurch wurden wieder Pestizide in Getränken anderswo gefunden (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/pestizide-wieder-in-teashop-getranken.html). Statt dem STOWAWAY-Laden, der seine Filiale mit einem Plan der Londoner U-Bahn und einem veritablen landesneutralen U-Bahn-Stationsschild dekoriert hatte (ist bestimmt mancher Tourist rein gelaufen und wunderte sich dann, dass er hinter der Registrierkasse stand) findet sich jetzt dort ein neues himmelblaues Teegeschäft, das ein identisches Layout im Laden hat. Ladenkasse und Teekanister stehen also am selben Platz. Der neue Laden nennt sich "BRIT. TEA", obwohl sicher auch Platz wäre das auszuschreiben. Nun muss BRIT. TEA ja nicht notwendigerweise BRITISH TEA heißen, ist ja sicher auch keiner, genauso wie der GERMAN TEA eben kein GERMAN TEA war sondern beim Vorgängerlokal eben IRANIAN-ABSOLUTELY NO-TEA gewesen ist. Vielleicht steht BRIT. ja auch für den Frauennamen Brittany, der als englischer Businessname von Taiwanerinnen durchaus gewählt wird. Dann hat natürlich alles seine Ordnung und der Kunde kann vertrauensvoll zugreifen in dem neuen schicken himmelblauen Geschäft. Ludigel wünscht guten Durst!
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