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Montag, September 18, 2017

Landtagswahl NDS: Briefwahl kaum möglich

Gerade bescheid bekommen: Als Weit-weg-Wähler wird es wohl nichts mit der Briefwahl

Am 15. Oktober wird in Niedersachsen gewählt. Ich habe gerade das Bürgerbüro meiner niedersächsischen Kleinstadt um Zusendung der Briefwahlunterlagen gebeten. Allerdings wurde ich informiert, dass sie erst ab 29.09. versenden können, weil vorher noch keine Stimmzettel vorliegen.
Da die Post mindestens 2 Wochen braucht, wird es dann nichts für mich mit der Niedersachsenwahl. Na ja, die lokale Ausgabe von Merkels Blockparteienfront wird sich auch ohne meine Hilfe wählen lassen denke ich ;-)

Donnerstag, Mai 25, 2017

Gleichgeschlechtliche Ehe im modernen Taiwan: Pressemeldung

Kurz erwähnt: 

Die Taiwan-Berichterstattung deutscher Medien begeistert den Taiwan-Expat oft eher weniger. Selbst wenn man selber über Straßenverkehr, Smog und hektisch essende Taiwaner bloggt, nimmt man es übel, wenn Taiwan in Deutschland nur mit bizarren Geschichten in der Presse ist. Einmal etwa stand auf Spiegel.de die Story eines pfiffigen Priesters, der einem Gläubigen aus Gründen der magischen Kraftlinien zum Abholzen seines Wäldchens geraten hatte. Der Priester hatte schlichtweg Brennholz benötigt. Was immer zu kurz kommt in der Berichterstattung ist, dass Taiwan natürlich ein modernes demokratisches Land mit entwickelter Zivilgesellschaft ist. Positiv daher der heutige Spiegel.de-Artikel über die Same-Sex-Heirat, die Taiwan bald erlauben will. Auch sonst schneidet Taiwan gut in dem Bericht ab. Durchaus berechtigterweise, allem Exapt-Gemaule über Verkehr und Smog und Chemie im Essen zum Trotz. Gemaule, wovon dieses Blog hier sicher überreichlich hat. Ich gebe es ja zu.

http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/taiwan-oberstes-gericht-spricht-sich-fuer-homo-ehe-aus-a-1149200.html


Ob Sie lieber Damen oder Herren wählen, bleibt natürlich Ihre Sache

Donnerstag, Juni 16, 2016

Helfen Sie mit: Zeigen Sie Familienmitglieder an

(Die ohne Glied haben damit eh nichts zu tun)

Bundesregierung fordert: Melden Sie (islamisch) radikalisierte Familienmitglieder! Doch wie erkennt man die? Hier ein Leitfaden:

a) Der Bart hängt morgens immer in den Hirsebrei.
b) Auf der Pornosammlung von Mann/Sohn erkennt man nichts mehr - es sind offenbar nur noch schwarze zusammengefaltete Sonnenschirme auf den Bildern zu sehen.
c) Junior/Ehegatte verwendet auffällig viel die Worte "Aloah" und "Snackbar", wenn es denn das ist was er sagt.
d) Junior/Ehegatte hat viel schlechte Laune. Er sagt jedenfalls ständig "is lahm" oder so was.
e) Die vielen Postkarten vom syrischen Trainingslager passen nicht mehr an den Kühlschrank.
f) Junior hat seine Kinderzeichnungen mit der Kalashnikov vom Kühlschrank geschossen, weil sie "unislamisch" sind.
g) Junior/Ehegatte hat heute morgen eine Handgranate in den Kühlschrank geworfen, weil das drei Wochen alte Schweinskotelett "haram" sei.
h) Junior hat Angela Merkel Poster an der Wand in seinem Zimmer.

Mit etwas Aufmerksamkeit kann man diese frühen Vorwarnzeichen problemlos erkennen.
Inshallah einen guten Tag wünscht Ludigel

Oh f*ck, jetzt geht das auch bei mir los...

Dienstag, Mai 24, 2016

Nutzloser Bürgermeister

Ko Wen-je, einstiger hoffnungsvoller Newcomer, hat sich eine schöne Beschäftigungstherapie gefunden

Als der von der Taiwan-Unabhängigkeitspartei DPP unterstützte unabhängige Kandidat Ko 2014 Bürgermeister von Taipei wurde, hat er wegen seiner unkonventionellen Art - er selbst sagt, er habe das Asperger-Syndrom - viele Hoffnungen auf sich gezogen. Mit der Korruption der KMT wollte er aufräumen und Verkehrsprobleme lösen.

Der Verkehr ist natürlich immer noch so wie vorher, die KMT genauso sehr oder wenig korrupt wie sie schon immer war. Im Gedächtnis sind mir ein paar Dinge geblieben:

 Angefahrene Fußgängerin bei mir um die Ecke. Vor, während und nach Bürgermeister Ko das selbe wie immer


- Der unwichtige, aber sinnfreie Eklat mit einem britischen Regierungsmitglied, das ihm eine Tischuhr schenken wollte und Ko in ihrem Beisein erklärte, er könne sie an einen Schrotthändler geben. Schon klar, man soll "Chinesen" keine Uhren schenken, weil sie sonst rot anlaufen und sich beleidigt fühlen. Es sei denn man ist in Peking und es ist eine schweizer Nobel-Armbanduhr. Ko war sehr rot angelaufen.

- Die Leihfahrräder Taipeis sind etwas teurer geworden. Mir egal, ihre Benutzung ist eh lebensgefährlich.

- Jetzt wird das Benutzen der MRT (Metro/U-Bahn/Schwebebahn) teurer, weil die Ermäßigung auf die sog. "Jojo"-Karte (eine mit Geld betankbare Karte) wegfällt oder wegfallen soll.

- Ko ist in einem Endlosdisput um den Bau des "Taipei-Dome" mit der Baugesellschaft verstrickt, an der er ein Exempel wegen Korruptionsbekämpfung statuieren will und wo es nie vor oder zurück geht. Die aktuelle Pressemeldung (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2016/05/24/2003646980) liest sich wie eine im Jahre 2014.

Hier ist eine Liste, was man in Taipei tun sollte. Aber das wird Ko alles NICHT machen.

* Tempo 30 vor Schulen einführen und kontrollieren.

* Enge Wohnstraßen mit spielstraßenähnlichen Konstrukten versehen oder wenigstens überall in engen Wohnstraßen Tempo 20 oder 30 einführen und kontrollieren

* Wenigstens bei Neubauten Autos in Tiefgaragen o.ä. verbannen und für mehr Bürgersteige sorgen, die es oft ja gar nicht gibt.

* Park- and Ride vor den Toren der Stadt anbieten, auch als PKW-Verwahrplatz für die Städter und die zusgeparkten bürgersteiglosen Gassen mit breiten gesicherten Fußwegen versehen.

* Für einen Katalysator plädieren oder für (aus Sicherheitsgründen nicht geräuschfreie) E-Motorroller statt der ewig stinkenden Zweitakter

* Dafür sorgen dass Manna und Bratwurst vom Himmel fallen

All das wird er sicher nicht machen sondern nur ein verkniffenes Gesicht weiter in die Kamera halten und vom Taipei-Dome schwadronieren.


Donnerstag, März 31, 2016

Hardlinerin Hung wird KMT-Vorsitzende

Schon am 28.03. wurde die im Oktober davongejagte Ex-Präsidentschaftskandidatin der KMT (Kuamintang-Partei) nun zur Parteivorsitzenden gewählt.

Es war letztes Jahr schon eine merkwürdige Geschichte, als sich die KMT entgegen dem demographischen Trend - sich in Taiwan als "Taiwanerin/Taiwaner" zu fühlen und nicht (mehr) als dem chinesischen Festland zugehörig - eine Hardlinerin als Präsidentschaftskandidatin nominierte. Eben Frau Hung Hsiu-Chu. Also eine Frau, die eine Vereinigung Taiwans mit der VR-China propagandiert hat. Im Oktober dann jagte die KMT ihre Kandidatin wieder davon und ersetzte sie durch den Bürgermeister von Taipei, Eric Chu. Der verlor dann die Wahl im Januar krachend und so hat Frau Hung derzeit ein Comeback. Wahlsiegerin Tsai Ingwen (DPP) wird demnächst als Präsidentin vereidigt, noch hat Ma Ying-Jeou von der KMT dieses Amt inne.

Stemmt sich die KMT gegen den "ich bin Taiwaner(in)"-Trend auf der Insel und bleibt stramm prochinesisch? Ich beobachte die hiesige Politszene zu wenig um das zu wissen.


http://thediplomat.com/2016/03/kmts-ousted-presidential-candidate-returns-as-party-chair/
Vorgeschichte: http://www.bbc.com/news/world-asia-34559238 (Hung verliert Präsidentschaftskandidatenstatus)

Montag, Januar 18, 2016

Tsai Ingwen neue Präsidentin der R.O.C./Taiwan

Die Kandidatin Tsai Ingwen von der bisherigen Oppositionspartei DPP wurde am Samstag bei der Präsidentschaftswahl der Republik China, die wir umgangssprachlich "Taiwan" nennen, zur ersten Frau auf dem Präsidentenstuhl in Taipei gewählt.

Frau Tsai hat 56% bekommen, der KMT-Kandidat Chu 31% und das ehemalige KMT-Urgestein James Soong mit eigener Partei PFP kandidierend 13% (korrigiert*). Die bislang regierende KMT hatte sich im Vorfeld der Wahl selbst zerlegt, indem sie erst mit der extrem pro-VR-China - Kandidatin Hung angetreten ist, die jedoch kurz vor der Wahl gegen den moderateren Chu ausgetauscht wurde.
Das Wahlvolk in Taiwan hatte die Wahl zwischen einer durch Tsai vertretenen moderaten "Unabhängigkeitslinie", die natürlich die faktisch schon längst existierende staatliche Eigenständigkeit "Taiwans" (eigentlich: Republik China) beibehalten will und ein bisschen mit der Umbenennung in "Republik Taiwan" und dem Schlussstrichsetzen unter die alte staatliche Verknüpfung zum chinesischen Festland flirtet. Ohne dies wirklich in die Tat umsetzen zu wollen, weil die VR-China dem friedlichen Taiwan für diesen Fall mit Krieg und Invasion droht.

Mit Chu von der KMT stand als Alternative jemand zur Wahl, der Taiwan auch politisch eher eng an China halten wollte, aber offenbar Extrema wie eine Fusion der VR-China mit Taiwan vermeiden wollte. Soong als Ex-KMTler war eine andere Variante dieser Politik, bei dem man auch viel prochinesisches in der Vergangenheit finden konnte.

Demographisch hatte die KMT das Problem, dass sich ein Pro-VR-China Kurs immer weniger bei jungen Leuten in Taiwan durchsetzen kann, weil diese eben im freien Taiwan groß geworden sind und an freie Meinungsäußerung, Facebook und Google denken, statt sich irgendwie einem alten chinesischen Vaterland hinterher zu sehnen, aus dem vielleicht einst ihr Großvater vor den Kommunisten geflohen ist.

Der letzte Präsident, Ma von der KMT, hatte Taiwan eng wirtschaftlich an die VR-China gebunden und dafür Massenwohlstand versprochen, der freilich nur bei den Eliten spürbar war und für die Bevölkerung ausblieb. Seine ursprünglich geplante "politische Union" mit der VR hat er nicht durchgeführt, auch wegen massiven antichinesischen Protesten der Jugend.

Edit: Bisherige Präsidenten der "Republik China auf Taiwan":

2008-2016: Ma Ying-Jeou, KMT. Wirtschaftliche Annäherung an die VR-China, Massenproteste von Jugendlichen dagegen

2000-2008: Chen Shui-Bian, DPP. Volksabstimmung zur vollen Souveränität einer "Republik Taiwan" auf dem Programm gehabt, aber nicht durchgeführt.  Verurteilung und jahrelange Inhaftierung nach Amtszeit wegen massiver Korruption. Mittlerweile aus gesundheitlichen Gründen auf freiem Fuß.

1988-2000: Lee Teng-Hui, KMT. Frei gewählt erst ab 1992 (Parlamentswahl) bzw. 1996 (Direktwahl des Präsidenten). Einführung freier Wahlen, Hui wird oft als "Vater der Demokratie Taiwans" bezeichnet.

1978-1988: Chiang Ching-Kuo, KMT. Sohn von Chiang Kai-Shek. Hat den harten diktatorischen Griff der KMT auf Taiwan etwas gelockert.

1975-1978: Yen Chia-Kan, KMT. Übergangsfigur nach Chiang Kai-Shek.

Mit Diktator Chiang Kai-Sheks Flucht vor den Kommunisten vom chinesischen Festland 1949 auf Taiwan (seit 1895 von Japan beherrscht) begann dann die auf Taiwan existierende Republik China, die 1911 auf dem chin. Festland ausgerufen worden war. Chiang Kai-Shek selbst hatte den Präsidententitel formell nur von 1948-1949 inne, gab aber auch nachher den Ton an.

* Ursprünglich hatte ich hier Werte einer Hochrechnung wiedergegeben. 

Freitag, Oktober 23, 2015

Fehlende Taiwanberichte

Deutsche Politik ist auf anarchistische Art so viel spannender. Und ich habe sowieso wenig Zeit, da ich ein Managementtool unter Windows mit Datenbankanbindung fertigstelle, mit dem mittlerweile das ganze 45-Leute-Team u.a. auch seine Urlaubsplanung macht und eigene Fähigkeiten zwecks Zuordnung zu den einzelnen Hardwaretest-Projekten hier im Testteam einhacken kann in das System. So groß ist das Programm, dass ich es mittlerweile "SAT / Software aus Taiwan" nenne statt SAP. Obwohl, so groß ist es nun auch wieder nicht.

Daher habe ich nicht darüber berichtet, dass die noch regierende KMT ihre Präsidentschaftskandidatin Hung gegen den moderateren Chu ausgetauscht hat, der Bürgermeister des Landkreises Taipei alias New Taipei City ist. In einer aktuellen Umfrage liegt jetzt Frau Tsai von der DPP mit um die 40% immer noch mit Abstand vorn, gefolgt von Herrn Chu aus der KMT mit 18% und dann Soong aus der PFP (KMT-nah eigentlich) mit 12%. Lustige Szenen gab es, als Hung-Anhänger vor der KMT-Zentrale demonstrierten und KMT-Honoratioren am Weiterfahren in ihren Limusinen hinderten. Aber Deutschland ist einfach so viel spannender und morgen geht es besuchsweise nach Manila, auch um die Permanent Residency abzuholen. Da tritt Taiwan und seine ewige "sind wir nun China oder nicht?"-Leier Gott sei Dank gnädig in den Hintergrund.

Bei mir gilt also jetzt das Motto: "Der Trend zum Drittland hält an". Selbst wenn Merkel eines von den dreien kaputt spielt, bleiben mir immer noch zwei andere. 

Freitag, September 04, 2015

Blogpartei hat gewählt: DPP gewinnt (und gibt Hung/KMT auf?) (Update)

Die kleine Wahl oben rechts in der Ecke im Blog ist zu Ende gegangen. "Amtliches" Endergebnis:

Wahlbeteidigung: 16 Stimmen
(durch Tricks ist Mehrfachabstimmung natürlich möglich gewesen)

Gewinnerin: Tsai, DPP mit 56% bzw. 9 Stimmen

Dahinter Frau Hung, KMT mit 18% bzw, 3 Stimmen gleichauf mit Herrn Shih (parteilos).
Herr Soong, PFP, mit 1 Stimme immer noch für 6% gut.

Gemessen am Klima in der realen Republik China alias Taiwan ist sicher Frau Hung von der KMT etwas unterrepräsentiert*** und der parteilose Herr Shih wohl stark überrepräsentiert. Grund für die Überrepresentation des eigentlich chancenlosen Shih ist sicher meine Beschreibung im letzten Artikel zur "Blogwahl", in der sich Shih sehr positiv geschildert habe. In meiner Kandidatenvorstellung wirkt er ein bisschen zu edel und schwebt elegant über den Niederungen des Politikbetriebes mit seinen erwähnten 25 Jahren Dissidentenhaft. Was in meiner Schilderung freilich fehlt ist, dass er auch gut austeilen kann und dadurch mehrere Male für Irritationen beim Wahlvolk gesorgt hat. Eben als er den Expräsidenten Chen (von Shihs Expartei DPP) als ehemaligen Regierungsspitzel (angeblich tätig als solcher zu Diktaturzeiten) bezeichnet hat. Auch den Kandidaten Frank Hsieh (DPP) der vorletzten Wahl hat er beschuldigt, ein Spitzel gewesen zu sein. Beweise ist er freilich schuldig geblieben. Und als er von der aktuellen DPP-Präsidentschaftskandidatin Tsai verlangt hat, sie möge vor der Wahl ihre sexuelle Orientierung offenlegen, da ist das beim Wahlvolk auch nicht immer gut angekommen. Man redet ja, Frau Tsai sei lesbisch, aber das interessiert im aufgeschlossenen Taiwan eigentlich niemanden.
In der Realität ist zwar Tsai Ingwen von der DPP auch klare Favoritin, aber nicht so deutlich wie hier im Blog. Sicher weil Leser hier i.A. wenig emotionale Bindungen zum chinesischen Festland haben und daher im Schnitt mit der "prochinesischen" KMT weniger anfangen können . Was bei Taiwanern öfter mal anders ist.

Halb sensationell ist, dass die KMT-Kandidatin möglicherweise mit dem Gedanken spielt aufzugeben. In einem Facebookposting hat sie angekündigt, die nächsten Tage eine Wahlkampfpause einzulegen und über alles zu reflektieren. Hat sie ob ihrer schlechten Umfrageergebnisse die Sinnkrise bekommen? Oder hängt es damit zusammen, dass der frühere Präsidentschaftskandidat Lien Chan (KMT) derzeit gerade die VR-China besucht und an Militärparaden teilnimmt? Dieser Akt, der eher im Taiwan-Independence-Lage beheimateten Taiwanern Magenschmerzen machen wird, lässt die "Wiederverinigung-mit-China"-Aussagen von Frau Hung noch radikaler erscheinen als sie so schon sind. Und macht sie daher noch unpassender für den taiwanischen Zeitgeist, der eher in Richtung taiwanische Identität geht als in Richtung China-Nostalgie. "Weißt du noch Frau Fong, als wir alle vor den Kommunisten davon gelaufen sind? Mei, war das eine schöne Zeit..." ist eine Art von Nostalgie, mit der jüngere Taiwaner immer weniger anfangen können.

Aber lassen wir doch einfach die Taiwaner im Januar selbst entscheiden. Mit welcher KMT-Kandidatin oder welchem KMT-Kandidaten auch immer.

Quelle über die Gerüchte zur Aufgabe von Hung (KMT): http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/04/2003626892 

EDIT: Vermutlich ist das die erste Phase der medialen Vorbereitung einer Ersetzung von Frau Hung. Kommt jetzt ein hellblauer Kandidat statt der bisherigen Hardlinerin, die sogar noch die Chinafreundlichkeit des amtierenden Präsidenten Ma (KMT) zu übertreffen drohte?


*** Nachtrag: Sie liegt zwar in den tatsächlichen Umfragen ähnlich wie hier, allerdings gehe ich von einem Stimmengewinn zu Lasten von Soong aus, der meiner Ansicht nach zu hoch bewertet ist in der letzten Umfrage. Die sind nicht so zuverlässig wie "daheim".

UPDATE: Hung hat nur einen Publicity-Stunt geliefert und macht weiter wie bisher: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/09/07/2003627120
Sie posiert mit Ananas auf dem Kopf und hofft, die (selbst ausgelösten) Gerüchte mögen ein Ende nehmen.

Freitag, August 28, 2015

Taiwanwahlkampf! Hung, Tsai, Shih oder Soong?

Welchen Präsidentschaftskandidaten würden Sie in der nächsten taiwanischen Präsidentschaftswahl 2016 favorisieren? Frau Hung, Frau Tsai oder Herrn Soong?  Oder den Außenseiter Shih?

Anmerkung: Mühevoll habe ich eine Überschrift wie "Lieber Hung-over, zart be-Tsai-tet oder too-Soon(g) in China?" hier aus dem Titel verbannt.

Wenn im Januar 2016 gewählt wird, haben die Wählerinnen und Wähler des taiwanischen Wahlvolkes (streng genommen müsste man sagen: des Wahlvolkes der Republik China - die wir umgangssprachlich Taiwan nennen) die Wahl zwischen vier Kandidaten, von denen aber nur drei praktische Bedeutung haben. Außenseiter ist Shih Ming-Teh. Herr Shih war einst Mitglied und sogar Vorsitzender der derzeitigen Oppositionspartei DPP, der Democratic Progress Party, die in der Zeit der Diktatur in Taiwan schon für Demokratie und auch den Bruch der verfassungsrechtlichen Bezüge zu China eingetreten ist. Herr Shih hat aber den letzten Präsidenten aus der DPP -Chen- im Jahre 2006 massiv kritisiert und dabei die Rothemden-Bewegung ins Leben gerufen. Kritikpunkt war die recht extreme und offene Korruption der Chen-Regierung, wegen der Chen bis vor kurzem im Gefängnis saß. Herr Shih selbst saß lange vorher unter der Kuamintang(KMT)-Diktatur 25 Jahre im Gefängnis -als Dissident und Kämpfer für die Demokratie - und ist sicher ein ehrenhafter Mann. Chancen bei der Wahl hat er als Parteiloser aber wohl keine laut Wahlprognosen.

Shih, parteilos, Foto von Wikipedia

Seine Expartei, die DPP, tritt nämlich mit Tsai Ingwen an, die jedenfalls nicht unpopulär ist. Die Vorsitzende der DPP wirkt extrem ruhig und ist nicht gerade ein Massenmagnet. Im bisweilen aufgeregten taiwanischen Politklima wirkt sie mit ihrer ruhigen Persönlichkeit und der Erklärung, den Status Quo Taiwans zu China wahren zu wollen allerdings durchaus positiv. Natürlich will sie ihrer Parteilinie gemäß keine "Wiedervereinigung" mit China, aber eben auch keine "formale Unabhängigkeit" Taiwans. Ich merke hier gerne an, dass die Republik China aka Taiwan sowieso schon ein de-facto unabhängiger Staat mit eigener Währung, eigener Staatsbürgerschaft, eigenem Militär und eigener Regierung ist, aber im DPP-Lager würde man gerne die Bezüge zur chinesischen Vergangenheit aus der Verfassung und dem Staatsnamen streichen. Nur dass die VR-China für diesen Fall eben mit einem militärischen Angriff auf Taiwan droht, was diese Idee etwas problematisch macht. Aber Frau Tsai will ja auch dahingehend nichts verändern, sagt sie.
Frau Tsai ist die aussichtsreichste Kandidatin und wird bei 36% in den Umfragen gesehen (es wird eine Direktwahl des Präsidenten/der Präsidentin in einem einzigen Wahlgang geben und die Wahl des Legislativen Yuan aka Parlaments gleich dazu). Gefahrenpunkt hier vielleicht: Was wenn Tsai nach erfolgter Wahl mehr in Richtung formeller taiwanischer Unabhängigkeit geht als sie jetzt sagt?

 Tsai, DPP, Foto von DPP-Webseite

Einen Titelverteidiger gibt es nicht, denn die derzeit wieder regierende Partei KMT/Kuamintang, die höchstselbst die KMT-Diktatur in eine parlamentarische Demokratie überführt hat zwischen 1992 und 1996, muss mit einem neuen Kandidaten respektive einer neuen Kandidatin antreten. Eben weil der amtierende Präsident Ma Ying-Jeou (KMT), der dritte freigewählte Präsident der Republik China/Taiwan überhaupt, schon zwei Wahlperioden amtiert hat und daher nicht wieder antreten darf. Präsident Ma hatte eine i.A. als prochinesisch wahrgenommene Politik gemacht, mit wirtschaftlicher Annäherung an die VR-China, die 2014 nach massiven Studentenprotesten bis hin zur Parlamentsbesetzung zumindest teilweise gestoppt worden ist. Die für 2011 angekündigte "politische Union" zwischen der Republik China/Taiwan und der VR-China fand jedoch nicht statt. Ma gilt heute als unpopulär, doch positiv formuliert hat er eine Taiwan-China - Entspannungspolitik auf die angespannten Jahre der vorhergehenden Chen (DPP)-Präsidentschaft folgen lassen, unter der die VR-China dem kleinen Taiwan oft mit Krieg gedroht hat wegen der angestrebten "Unabhängigkeits"-Schritte.

 Hung, KMT, Foto von KMT-Webseite

Die KMT tritt heute mit Frau Hung Hsiu-Chu an, die als Hardlinerin und Anhängerin einer "nationalen Vereinigung" zwischen der Republik China/Taiwan und der VR-China gilt. Sie redet im Wahlkampf u.a. davon, "den nächsten Schritt in der Beziehung zu China" folgen zu lassen. Was damit gemeint ist, ist Beobachtern nicht völlig klar. Frau Hung redet sowohl davon, die Republik China aka Taiwan von der VR-China offiziell anerkannt bekommen zu wollen (eine solche offizielle Zweistaatlichkeit a la BRD/DDR ist völliger Science Fiction in Taiwan/China) als eben auch von der nationalen Vereinigung. Frau Hung gilt auch nicht gerade als Massenmagnet und ihre Aufstellung als Kandidatin wurde von vielen Beobachtern mit Erstaunen zur Kenntnis genommmen. Denn demographisch bedingt scheint die Popularität einer "Wiedervereinigungspolitik" in Taiwan eher auf dem Rückschritt zu sein (1949 aus China geflohene Wähler sterben weg) und ihre offenbar prochinesische Haltung steht zumindest im Gegensatz zum öffentlich wahrnehmbaren Klima unter jungen Leuten - vergleiche die erwähnten Studenten- und die aktuellen Schülerproteste. Frau Hung liegt nur bei 17% in der oben referenzierten Umfrage. Allerdings muss man beachten, dass Umfragen in Taiwan oft sehr stark das Meinungsbild des Auftraggebers widerspiegeln sollen.
Korruption findet bei der KMT immer sehr verdeckt statt, sagt man im Allgemeinen. Schließlich ist die KMT die alte Staatspartei Taiwans. Beleg dafür ist beispielsweise die derzeitige grenzwertige Kooperation mit dem "Weißen Wolf" aus der Bambusgang-Triade, der zur Zeit der Studentenproteste plötzlich aus dem chinesischen Exil auftauchte und von der Justiz mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Soong, PFP, Foto von PFP-Webseite

Anfang August erst hat James Soong seine Kandidatur bekannt gegeben. James Soong ist altes KMT-Urgestein und seine jetzige Partei, die PFP (People First Party) unterstützt normalerweise auch die KMT im sogenannten Pan-Blauen - Lager (Blau ist die Parteifarbe der KMT, der Gegenpol zu Pan-Blau ist Pan-Grün, das sich um die DPP schart). Soong war im Jahre 2000 mit eigener Partei gegen den Präsidentschaftskandidaten Lien Chan (KMT) seiner alten Partei angetreten. Das war eine turbolente Zeit, als der Noch-KMT-Vorsitzende und amtierende Präsident Lee damals nicht mehr als Präsident wg. 2 Legislaturperioden Amtszeit antreten durfte. Lee hatte eine sehr DPP-ähnliche Politik gemacht und damit viele in der KMT von sich entfremdet. Aber eben auch die parlamentarische Demokratie eingeführt. In der 2000er - Wahl verlor Soong nur sehr knapp hinter Chen (DPP), der damals Präsident wurde. Erst 2012 trat Soong wieder zur Präsidentschaftswahl an, gegen den amtierenden Ma von seiner Expartei KMT und gegen Frau Tsai von der DPP. Soong erhielt nur um die 2% bei dieser Wahl.
Soong gilt offenbar als recht charismatisch, ist von der ideologischen Linie her auch eher ein Wiedervereinigungsfreund und trägt sicherlich den Ballast der Dikataturzeit mit sich herum (wie allerdings durchaus auch der amtierende Präsident Ma), gibt sich aber offenbar moderat im Wahlkampf. Vielleicht um Hung (KMT) Stimmen eher chinaneutraler KMT-Wähler abzujagen? Soong wird in der zitierten Umfrage bei hohen 24% noch vor Hung (KMT) gesehen, was mich angesichts seines letzten 2%-Resultats doch sehr verblüfft hat. Kann das stimmen? Was meinen Sie? Und wie würden Sie wählen - vergleiche die (gerade in Arbeit befindliche) Abstimmung hier im Blog.


Nachtrag: Der erwähnte Expräsident Lee, ehemals KMT-Diktator, dann Einführer der parlamentarischen Demokratie, ist heute in der von ihm ins Leben gerufenen Partei TSU (Taiwan Solidarity Union), die allerdings keinen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat und stattdessen Frau Tsai von der DPP unterstützt. Die TSU gehört zum Pan-Grünen Lager wie auch andere Kleinparteien.

Bisherige frei gewählte Präsidenten "Taiwans" (der Republik China):

1. Lee Teng Hui, ehemals KMT, heute TSU, 1992-1996 (indirekt gewählt), 1996-2000 (direkt gewählt)
2. Chen Shui-Bian, ehemals DPP, heute parteilos, 2000-2008
3. Ma Ying-jeou, KMT, 2008 bis heute

EDIT: Die Poll/Wahl ist oben rechts im Blog zu sehen. Mobilgeräte zeigen das leider nicht an.Einen Link konnte ich leider nicht finden/produzieren dazu, jedenfalls keinen funktionierenden.
Auf einem PC/Notebook guckt man einfach oben rechts ins Blog, wo das Wahl-Gadget ist.

Mittwoch, August 05, 2015

What the f*ck?

Es gibt sie, diese "What the fuck"-Momente im Leben...

 Werde jetzt nicht anfangen, das Hakenkreuz hier zu entfremden, wie es deutsche Blogger oft machen. Es ist schließlich eine Dokumentation, keine Propaganda. Relativ sauer bin ich auf die Digitalkamera, die das Bild auch noch als DSC00018 abgespeichert hat, weil sie kürzlich einmal rum ist mit dem Zähler.

Taiwaner verwenden das Hakenkreuz ja in spiegelverkehrter Version selbst als positives Symbol an Tempeln. Das Ding gibt es in vielen Kulturen und auch in Deutschland hatte es einst eine normale Bedeutung. Es steht offenbar für ein Sonnenkreuz, das sich ergibt, wenn man astronomisch die Bewegungen der Sonne übers Jahr nachzeichnet. Daher gibt es das in vielen Kulturen. Leider sehen die Taiwaner mangels Wissen über europ. Geschichte die Nazizeit oft eher positiv, u.a. weil Hitlerdeutschland und Nationalchina aka Republik-China unter Diktator Chiang Kai-Shek einst eine Allianz hatten (bis Hitler dann auf Japan umgeschwenkt ist). Und leider verwenden sie das NSDAP-Symbol auch oft als Deutschlandsymbol.

Kann man sich schon erschrecken. Bislang habe ich es an und um Autos schon oft gesehen. Einmal hatte ein Gebrauchtwagenhändler einen alten eckigen Mercedes aus den 70ern da stehen und an einem Fahnenmast die NSDAP-Flagge. Hatte keine Kamera parat, um den grausamen Anblick festzuhalten. Und einmal standen vor mir an der Ampel zwei schwarze VW-Busse (T4-Modell), beide mit einem identischen NSDAP-Aufkleber am Heck. Grauslich. Wie es dazu gekommen ist frage ich mich bis heute.

Dass die beiden Flaggen sich "beißen", wird dem Besitzer des Autos nicht bewusst sein.

Dienstag, Juli 14, 2015

Präsidentschaftskandidatin Hung will möglicherweise Hochzeitskleid zur Amtseinführung anziehen

Wenn die KMT-Kandidatin für das Präsidentenamt gewählt wird, will sie möglicherweise ein Hochzeitskleid tragen bei ihrer Amtseinführung, heißt es.

Offenbar hat ein KMT-Parlamentarier vorgeschlagen, die Präsidentschaftskandidatin Hung seiner Partei solle bei ihrer eventuellen Amtseinführung ein Hochzeitskleid tragen, um sich mit der Republik China (im Sprachgebrauch einfach Taiwan genannt) zu verheiraten. Sie hat wohl darauf geantwortet, sie wolle es in Erwägung ziehen.

Ich bin ja kein Feminist offensichtlich. Aber wenn wir dieser Tage Frauen in höchsten Regierungsämtern oder als Anwärterinnen auf diese sehen, dann ist das für mich ein Ausdruck von Normalität, schließlich stellen Frauen etwas über 50% der Menschheit. Aber die Amtsausübung einer Frau nicht als Normalität zu verstehen sondern mit eheähnlichen Ritualen zu versehen wäre natürlich ein unsinniger Rückschritt. Wenn ein Mann einfach Präsident ist, warum soll eine Frau dann symbolisch "Ehefrau des Landes" werden? Sicherlich einfach dummes Gerede das hier von der KMT-nahen Chinatimes in dem chin. Artikel aufgebauscht wird: http://www.chinatimes.com/realtimenews/20150712002885-260407

Auf mich wirkt die Kampagne der aktuellen Kandidatin Hung freilich so, als würde die KMT die Kandidatur selbst nicht ernst nehmen. Gerede über eine "Nationale Vereinigung" mit der VR-China reiht sich jetzt an solchen Schwachsinn. Und das ist einer Zeit, an der junge Taiwaner sich vom Lebensgefühl her mehr und mehr als Taiwaner und nicht als Chinesen empfinden.

Frau Hung ist eine Hardlinerin der KMT, deren Progamm manchmal wie reine (China/Taiwan)-Vereinigungsrethorik klingt, das man aber andererseits auch in Richtung Koexistenz zweier chinesischer Staaten verstehen kann. Jedenfalls kritisiert Frau Hung immer mal wieder das Bestreben zu "taiwanischer Unabhängigkeit", obwohl "Taiwan" ja eben die Republik China ist und längst ein souveräner Staat mit eigener Währung, Staatsbürgerschaft, Pässen, Regierung, Militär etc. ist. Sie müsste es ja eigentlich wissen, will sie doch Präsidentin der Republik China aka Taiwan werden. Oder vielleicht auch nur Ehefrau. Nur bitte, bitte kein Hochzeitskleid anziehen, wenn im Falle eines Wahlerfolges der Gesandte der VR-China zu Verhandlungen kommt.

Allerdings liegt die DPP-Präsidentschaftskandidatin Tsai in den Umfragen vorn....

Donnerstag, Juni 18, 2015

Schnell doch noch vereinigen....?

Taiwans KMT hat ihre Präsidentschaftskandidatin so gut wie nominiert

Taiwans politische Szene definiert sich praktisch ausschließlich um die Stellung zur VR-China. Was sicher daran liegt, dass das japanische Kaiserreich 1895 dem chinesischen Kaiserreich die Insel Taiwan abgejagt hat und eine Art Kolonie davon gemacht hat. Bis dann Japan nach verlorenem zweiten Weltkriege das Territorium übergangsweise offenbar unter Oberregie der USA stellen musste (die in dieser Zeit den Pazifikraum neu geordnet haben) und die USA eben der vor den Kommunisten fliehenden chinesischen KMT-Regierung die Insel Taiwan quasi übergaben. So setzte sich die eigentlich untergehende Republik China auf der Inselprovinz Taiwan mit ein paar zur chin. Provinz Fujinan (oder wie immer man das genau schreibt) gehörenden Inseln fort. Und die KP Chinas wirft seither begehrliche Blicke auf die Insel Taiwan, die sie nie beherrscht hat und sagt, sie hätte Anspruch dort auch zu herrschen.

 Pierre, reg' dich ab, hier geht es nur um Politik. Und der Typ links könnte auch mal wo anders hinglotzen - Werbung in Jonghe, Taipei. Die beiden sind die "Expats", die mir am meisten auf die Nerven gehen so unvollkommen angezogen neben dem Firmendach und der Kantine)

Obige Zustände subsummiert die deutsche Presse üblicherweise damit, dass Taiwan eine (von China) "abtrünnige Provinz" sei, die sich 1949 abgetrennt habe. So als sei hier auf Taiwan 1949 der Rinderwahnsinn ausgebrochen und die Taiwaner hätten hier die Republik Wendtland oder irgendetwas in der Art ausgerufen. Tatsächlich ist der Staatsname hier "Republik China" aber die Taiwaner driften nun langsam aber stetig zu einer eher taiwanischen Identität. Denn 65% der Leute hier sehen sich als Taiwaner, nicht als Chinesen, liest man immer wieder in Umfragen.

Gegenwärtig ist Präsident Ma Ying-Jeou von der KMT im Präsidentenpalast, 2x demokratisch gewählt. Er hat einen stark auf Annäherung oder manchmal sogar Vereinigung mit der VR-China ausgerichteten Kurs gefahren, der im März 2014 zu Massenprotesten in Taipei und sogar zur Besetzung des Parlaments geführt hatte (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html).

Die nächste Präsidentschaftswahl ist 2016. Die große Oppositionspartei DPP, die eher für eine "Republik Taiwan" eintritt, die vielleicht irgendwann mal alle Chinabezüge aus der Verfassung streicht damit Taiwan eine ganz normale parlamentarisch-demokratische Republik in Asien sein kann, wird die Politikerin Tsai Ingwen ins Rennen schicken. Eine emotional distanziert wirkende Frau, der die einmal kurz aufgeflammte Debatte um ihre angebliche Homosexualität im aufgeklärten Taiwan nicht geschadet hat. Frau Tsai gibt sich moderat, will also China nicht mit irgendwelchen dramatischen Aktionen (wie Unabhängigkeitsvolksabstimmungen oder dergleichen wie unter dem letzten DPP-Präsidenten Chen) provozieren, sieht aber ihrer Parteilinie gemäß die VR-China eher als Nachbarland an. Und nicht als altes Mutterland.

Die KMT, die man im demografischen Niedergang sieht, weil die noch aus China eingewanderten oder dort psychologisch verankerten Leute langsam älter werden und wegsterben, wird nun wohl auch eine Frau als Präsidentschaftskandidatin aufstellen. Es ist die 67jährige Hung Hsiu-chu, die wohl eher eine Hardlinerin darstellt. Frau Hung hat sich jedenfalls ausdrücklich gegen eine "Unabhängigkeit Taiwans" ausgesprochen und erklärt, diese sei nicht mit der Verfassung vereinbar. Und sie redet vom "nächsten Schritt", den man in der Beziehung zur VR-China tun müsse. Auch wenn das nach Konföderation (?), Hongkong-Status oder ähnlichem klingt, spricht sie andererseits auch davon, dass die Taiwaner eher die Vereinigung mit China in Demokratie und nach Recht und Gesetz wollen würden, während die VR-China da ihre eigenen Vorstellungen habe.

Demographisch gesehen denke ich, wollen die meisten Taiwaner aber keine Vereinigung mit der VR-China, die Frau Hung im übrigen als "nationale Vereinigung" bezeichnet. Und die Republik China, die wir umgangssprachlich als "Taiwan" bezeichnen, ist natürlich längst ein unabhängiger Staat mit eigener Regierung, Währung, eigenem Militär und Visarecht etc. pp. Eigentlich geht es also gar nicht darum, "Taiwan" von der "Republik China" oder von irgendeinem "China" abzuspalten. Der souveräne Staat namens Republik China müsste sich ja nur in Republik Taiwan umbenennen, dann wäre das ja schon geschehen, was Frau Hung für verfassungsmäßig unmöglich hält.

Empfehlenswert wäre die von vielen in der DPP favorisierte Umbenennung aber nicht, weil die VR-China für diesen Fall mit Krieg und Invasion drohnt.

Das Wahlvolk der "Republik China" hat das Wort. Ganz anders als in der VR-China. Und offenbar haben die Leute die Wahl zwischen einer eher der Vereinigung zuneigenden Frau und einer vermutlich den Status-Quo halten wollenden Frau. Die meisten Beobachter gehen von einem DPP-Sieg aus. So wird es wohl kommen, wenn nichts unvorhergesehenes passiert.

Mittwoch, April 01, 2015

Erster Laowai als Abgeordneter?

Edit: Wohl KEIN Aprilscherz, weil der referenzierte Artikel vom 31.03.2015 ist!

Robin Winkler, 60, ein seit 1977 in Taiwan lebender ehemaliger US-Amerikaner, der seine Staatsbürgerschaft 2003 zu Gunsten der der Republik China/Taiwan abgegeben hat, kandidiert für den Legislativen Yuan...
...der Republik China, also sozusagen für das Parlament Taiwans, auch wenn das ein sehr unexakter Begriff ist. Naturalisierte Bürger können offenbar nach 10 Jahren für politische Ämter gewählt werden. Winkler ist Unweltaktivist und tritt für die allerdings bedeutungslose "Green Party Taiwan" (GPT) an, die eine echte Ökopartei ist. Sie ist in Taiwan etwa so einflussreich wie die Partei Bibeltreuer Christen in Deutschland oder die ÖDP, um es offen zu sagen.

http://focustaiwan.tw/news/aipl/201503310020.aspx

Die GPT ist nicht zu verwechseln mit der Partei DPP, die die größte taiwanische Oppositionspartei ist und die man gemeinhin wegen ihrer grünen Parteifarbe in Taiwan "Green Party" nennt - auch wenn sie mit Ökologie nichts bis wenig zu tun haben. Die DPP ist im Prinzip der Gegenpol zur "nationalchinesischen" KMT, die derzeit Taiwan regiert und oft eine staatliche Fusion der VR China mit Taiwan anstrebt.




Dienstag, Februar 03, 2015

Interkulturelles Lehrbuch: Schenke "Chinesen" keine Uhren! (Update)

Es wirkt fast wie ein Witz...

Das ist eine der ersten Sachen, auf die einen "Kulturschock China" oder eben auch "Kulturschock Taiwan"-Literatur hinweist: Schenke niemals jemanden aus der chinesischen Kultur eine Uhr. Weil Uhren eben die Zeit "ablaufen lassen" und ein so beschenkter "Chinese" das Geschenk dann für einen Todeswunsch oder dergleichen hält. Taipeis neuer Bürgermeister Ko hat von der britischen Transportministerin eine Taschenuhr geschenkt bekommen .
Was sicherlich schon eine diplomatische Ungeschicklichkeit auf Seiten der Britin darstellt, wurde dann vom neuen Bürgermeister Taipeis mit einer nicht gerade weltgewandten Reaktion beantwortet. Ko gab gegenüber der Presse an, er könne die Uhr ja "weiterschenken oder zu einem Schrotthändler bringen und ihm gegen Bargeld verkaufen" (Link oben).

Auf den Faux-Pas der britischen Ministerin folgte eine tölpelhafte Reaktion des neuen Bürgermeisters der "Weltstadt" Taipei.

Der neue Bürgermeister Ko lächelt unterdessen immer in der Presse. Man merkt ihm an, dass er sehr glücklich ist Bürgermeister zu sein. Unterdessen hat er die Polizei angewiesen, Halte- und Parkversuche versuche an Roten Linien (die in Taiwan absolute Halteverbot signalisieren) zu ahnden. Ergo hatte ich Probleme am Wochenende Frau und Junior beim Kinderarzt bei Regen und Wind abzusetzen. Ein herumwedelnder Polizist kam schließlich angerast, während ich ihn einfach ignorierte, den armen Mann. Schließlich ist ganz Taipei voll von roten Linien und man kann sonst einfach nie irgendwo anhalten. Mag Ko hier auch gute verkehrspolitische Intentionen haben, so sendete er verkehrspolitisch gemischte Signale, als er die erste Gratis-Halbe(?)-Stunde für die überall in Taipei ausleihbaren städtischen Fahrräder abschafft hat. Herr Ko verspricht jedenfalls ganz unterhaltsam zu werden.

Was wird Bürgermeister Ko alles NICHT machen? Das Taiwanblog wagt eine Prognose:

1. Verkehrsberuhigung in bürgersteiglosen Wohnstraßen einführen
2. Tempo 30 vor Schulen vorschreiben lassen
3. Elektromopeds statt der ewig die Straßen vollstinkenden Zweitakter propagandieren

Was wird er vielleicht tun:

1. Einem deutschen Kulturattaché sagen, wo er sich seine Bratwurst hinstecken kann
2. Dem französischen Gesandten sagen, dass er keinen Bock auf die Einladung zum Festessen hat, weil er nicht ständig Cola saufen und Burger essen kann (machen ja alle Westler, wie der Taiwaner weiß)
3. Einen philippinischen Gesandten fragen, ob er ihm vielleicht seine Schwester als Dienstmädchen vermieten kann (hat man ja in Taiwan öfter, eine Philippina als Hausmädchen)

Das Taiwanblog ist gespannt und schwenkt derweil die K.O. - (ich meine "Ko")-Flagge...

UPDATE: Hier ist das Foto vom rot angelaufenen Ko mit der Uhr zu sehen: http://www.theguardian.com/world/2015/jan/27/british-minister-cultural-gaffe-taipei-mayor-taboo-watch. Und die Uhr im Detail: http://focustaiwan.tw/search/201501260032.aspx?q=Kramer
Der Artikel weist auch darauf hin, dass Ko kürzlich eine attraktive junge Politikerin der KMT-Partei mit "jung und hübsch und geeignet hinter einem Verkaufstresen im Kaufhaus zu stehen" beschrieben hat. Aha, der Frauenemanzipation will sich der Ko also auch noch annehmen ;-)

Das die vietnamesische Kultur der chinesischen überlegen ist und dass die Chinesen gefälligst Taiwan als eigenständige Demokratie anerkennen sollen hat er auch schon gesagt. Der Mann ist besser als jede Satire! Ein Spezialdiplomat, da besteht kein Zweifel.
Und Ko preist die Vorzüge der KOLONIALISIERUNG CHINAS: http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/02/01/427907/Ko-blasted.htm Peking wird toben! Toben! Mann, der Mann ist wirklich gut. Nur wenn er eines Tages "Taiwans" Präsident wird, dann hört es auf lustig zu sein, wenn Peking die Sprengköpfe gen Taiwan schickt ;-)

Montag, Dezember 01, 2014

Kommunalwahlen in Taiwan: Prinzling entthront

Schwere Schlappe für die exdiaktatorische "KMT"-Partei Taiwans bei den Bürgermeisterwahlen - KMT verliert ihre Hochburgen Taipei und Taoyuan - KMT-Hoffnugsträger Sean Lien deklassiert



Wie unterschiedlich das Wahlvolk Taiwans von mir selbst ist, wird auch anhand dieses Posterchens einer Lokalkandidatin hier in Taipei-NeiHu deutlich, das in einer dicken Broschüre der Kandidatin lag. Als Deutscher kommt einem da wohl sofort die Vokabel "scheinheilig" in den Kopf, weil man unwillkürlich das nicht nur positive Image von Politikern mit der gebetsartigen Pose in Verbindung bringt. Auf ihre Wähler wird das sicher besser gewirkt haben.

Taiwan hat seine Lokalwahl hinter sich gebracht. Meine Frau, die sich vorgestern am Wahlsamstag trotz mittlerweile auch bei ihr eingetretener Magenschmerzen (vgl. diese FAQ zur schlechten Lebensmittelsicherheit und dem aktuellen Billigölskandal in Taiwan) zur Wahlurne geschleppt hat, hat das gewählt, was ihr Gewissen ihr befiehlt. Ich selbst kann als Ausländer (oder Adogah/Bignose, wie die Taiwaner gerne sagen) natürlich nicht an der Wahl teilnehmen. Ich habe in der Vergangenheit immer der KMT zutendiert, rein vom Verstand her, weil diese eher für eine friedliche Beziehung zur VR-China steht als die Konkurrenz von der DPP, die immer die taiwanische Unabhängigkeit vom chinesischen Festland betonen will. Auch der Megakorruptionsskandal des vorherigen taiwanischen Präsidenten Chen aus der DPP wirkt bei mir noch immer nach. Chen hatte einfach so ein unglaubliches Marathonkorruptionsspektakel veranstaltet, dass man eher von einem Amoklauf als von einer Affaire sprechen müsste. Unter anderen hatte der oft kehlig krakelende Mann es geschafft sage und schreibe einen Kaufhauskonzern aus dem Präsidentenpalast heraus zu erpressen. Auf solche Ideen muss man erst mal kommen.

Heute sitzt Chen im Gefängnis und die KMT hatte danach unter dem gegenwärtigen zumindest anfangs extrem prochinesischen Präsidenten Ma (KMT) eine Art Vereinigungskurs mit der VR-China gefahren (die VR-China bezeichnet Taiwan als ihr Staatsgebiet, obwohl das blanker Unsinn ist), bis dieser mehrfach ins Stocken geriet. Zuletzt durch die studentische Sonnenblumenbewegung, die das Parlament "Taiwans" (Taiwan hat formell den Staatsnamen "Republik China") besetzt hatte und damit prochinesische Wirtschaftsgesetze gestoppt hatte (hier der große Fotobericht dieses Blogs von damals: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html).

Die Wahl war sicherlich etwas von dem eingangs erwähnten Lebensmittelskandal überschattet, insbesondere in Taipei. Weil hier der "KMT-Prinzling" und Bürgermeisterkandidat Sean Lien, Sohn des altgedienten Parteikaders Lien Chan das Problem hatte, dass sein Vater ein dicker Kumpel des Mannes war, der mit seinem toxischen und illegalen Billigöl den aktuellen Lebensmittelskandal Taiwans (und wohl auch meine Mangenschmerzen) ausgelöst hatte. Traditionell ist die KMT mit der Taipei-"Mafia" namens Bambusgang ("Bamboo Union") verwurzelt und ebenso mit Wirtschaft, Militär, Justiz und Polizei und steht daher korruptionsmäßig zwar eleganter, aber nicht wirklich sauberer dar. Ich nenne die KMT daher auch gerne "Partei der institutionalisierten Korruption", was es ziemlich genau trifft, wie ich finde.

Jedenfalls hat Sean Lien wohl im Wahlkampf auch grenzwertig surrealistische Vorschläge gemacht, wie etwa einen großen Friedhof in ein Wohnungsbauareal umzuwandeln (vgl. den Artikel von Klaus Bardenhagen, deutscher Journalist in Taipei: http://www.intaiwan.de/2014/11/27/sean-lien-wahlkampf-taipeh/).  Da sehr viele Taiwaner sehr abergläubisch sind, kann man sich hier nur vor Lachen am Boden wälzen. Das zeigt, wie sehr der KMT-Prinzling, dessen Vater sein Vermögen in Diktaturzeiten als Regierungsmensch gemacht hatte, vom gemeinen Volke abgehoben ist. Bürgermeister in Taipei wird nun ein parteiloser Chirurg, der für die DPP angetreten war, die so elegant ihr Filzimage etwas umschiffen konnte. Ich will das nicht alles aufschreiben, lesen Sie mehr dazu im erwähnten Blog von Klaus Bardenhagen: http://www.intaiwan.de/2014/11/30/taiwan-regionalwahlen-ergebnis-2014/

Sean Lien war sicherlich als künftiger Präsidentschaftskandidat vorgesehen von seiner Partei, in diesem Sinne ist er jetzt vielleicht als solcher und als Hoffnungsträger entthront worden, wo er doch die klassische KMT-Hochburg Taipei nicht gewinnen konnte. Und was sagte Jason Hu (KMT), der Bürgermeister der mitteltaiwanischen Großstadt Taichung dazu? Schuld sei nur die Jugend, die alles für selbstverständlich nehmen würde und die sauer sei, wenn man ihnen nur ein iPhone 5 schenken würde, weil sie dann lieber ein iPhone 6 hätten (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/12/01/2003605691). Den Jason Hu habe ich einst selbst auf einem Businessklasseflug bei China Airlines erleben dürfen. Ein halbes Dutzend Stewardessen sprang um den korpulenten Mann herum, schob ihm ein Dutzend Kissen unter den Allerwertesten und ich konnte kaum eine Cola oder eine Decke bekommen, ging doch alles an Jason Hu und seine Begleiter. Den harten in der Realität verwachsenen Mann nehme ich ihm irgendwie nicht ab, dem Herrn Hu.

Donnerstag, August 07, 2014

Meet the president

Wer schon mal einen der nächsten Präsidenten "Taiwans" sehen will...


Sean Lien, Sprößling einer KMT-Adelsfamilie kandidiert als Bürgermeister von Taipei und ist sicher als einer der nächsten Präsidenten der Republik China aka Taiwan vorgesehen. Stämmiger Mann mit Boxernase von seinem Vater, der wirklich Boxer war. Offenbar kann man die Nase dann vererben. Da sollten mal Genetiker drüber gucken.

http://thinking-taiwan.com/sean-liens-bland-lunch-with-foreigners/

Im Link mit ratlosen Vorzeigeausländern zu sehen, alle 20+.

Montag, April 28, 2014

Anti-AKW - Proteste und Tumulte in Taipei

Die Sonnenblumenbewegung Taiwans kämpft wieder auf Taipeis Straßen

Während Ludigels Hauptsorge dieses Wochenende dem Ergattern von Teigware auf einer Familienveranstaltung war,  geht auf Taipeis Straßen wieder viel wichtigeres vor. Taiwans studentische Protestbewegung, die kürzlich die Sonnenblume als ihr Symbol erkoren hatte und den prochinesischen Kurs der gegenwärtigen KMT-Regierung teils mit Erfolg angegriffen hat (letzter Bericht dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/kmt-parlamentarier-zweifeln-nutzen-des.html), ist jetzt zu ihrem Urthema zurück und organisiert Straßenproteste gegen den gegenwärtigen Bau des vierten AKWs in Taiwan, das sogar im Landkreis Taipei (neuerdings New Taipei City genannt) gebaut wird:
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/04/28/2003589062
Wie man auf Fotos in TV und Taiwanpresse sieht, sind die Stacheldrahtbarrieren vor dem Präsidentenpalast jetzt mit den gelben Protestbändern der Bewegung vollgehängt. Das TV zeigt Bilder von Wasserwerfer- und Gummiknüppeleinsatz gegen die Protestierenden. Dabei laut TV auch wieder der charismatische Studentenführer, ein junger Mann namens Chen, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

Wir brauchen mehr "Tree-Hugger", Baumumarmer in Taiwan. So nennt man Ökos manchmal im Englischen. Der Baum in der Mitte im Park in NeiHu lädt ja zum Umrarmen geradezu ein...

Persönlich hoffe ich, dass hier endlich eine richtige Grüne Partei entsteht, denn als ich direkt nach dem Besuch des "Bird Wo Wo"-Restaurants mit Junior an der Hand über die Straße wollte, bei Grün an der Fußgängerampel, erkämpfte sich ein fetter Infinity-SUV mit heulendem Motor Vorfahrt und raste uns als Rechtsabbieger direkt vor den Füßen lang. Wir brauchen hier endlich Petra Kelly!


Montag, April 14, 2014

Triaden-Pate gibt politische Statements im TV

Wenn Triaden-Paten in Taiwan Politik machen, was kann oder soll man dann noch dazu sagen?

Gestern im TV, ein älterer Herr in seriöser Kleidung steht auf einem weißen Podest mit der Flagge der Republik China aka Taiwan und spricht zu Journalisten, die anders als gewöhnlich sehr devot und folgsam nicken und zuhören. Wenn ich auch weder akustisch noch von meinen Chinesischkenntnissen folgen konnte, was er gesagt hat, sprach das Bild doch für sich. Der Mann ist Chang An-lo, auch genannt "der Weiße Wolf", ein (ehemaliger) Pate der "Bambusgang", sprich der Triade (will sagen Mafia-Organisation), die Taipei beherrscht und der man nachsagt, bestens mit der regierenden KMT-Regierung verzahnt zu sein. Herr Chang hatte sich bis vor kurzem in China verborgen, wurde bisweilen als Taiwans meistgesuchtester Verbrecher bezeichnet und wird auch mit der Ermordung eines KMT-regimekritischen Journalisten in der USA in Zusammenhang gebracht, der in den 80ern über eine außereheliche Affaire des damaligen KMT-Diktators Chiang Chin-Kuo (der Sohnemann von Generalissimo Chiang Kai-Check) berichtet hatte und dafür von der Bambusgang ermordet wurde. Chang ist also die personifizierte schmutzige Wäsche der KMT, die heute demokratisch gewählt seit 2008 wieder über die Inselrepublik regiert.

 In Zukunft lieber ein fröhliches Gesicht machen...

Doch was geschah, als der "meistgesuchteste Verbrecher" aus seinem Asyl in der VR-China (wo er beste Kontakte zur KP Chinas hatte und für die "Wiedervereinigung" von Taiwan mit China eintrat) wieder nach Taipei einreiste? Er wurde zunächst verhaftet (http://www.news.com.au/world/taiwan-gang-leader-white-wolf-arrested-after-china-exile/story-fndir2ev-1226671996791) und kam dann sofort auf vergleichsweise Mini-Kaution von 33.000 US-Dollar frei (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/06/30/2003565973). Und heute hat er eine eigene kleine politische Partei in Taiwan, die für die "Wiedervereinigung" mit China eintritt und darf im KMT-freundlichen TV seine Meinung kund tun. Und organisierte pro-Regierungs-Demonstranten kürzlich als Gegenmacht zu den Anti-China und Pro-Demokratie - Studentenprotesten.

Ich frage mich nun, ob nicht ein demokratisches und pluralistisches System wie das von Taiwan an seine Grenzen stößt mit einem Triaden-Paten als Politiker. Sicher ist wohl niemand in Zukunft gezwungen seine Partei zu wählen, aber Wahlergebnisse hängen ja auch von Medienpräsenz ab. Und was, wenn ein solcher Politikpate mehr TV-Zeit will. Können die gefragten TV-Journalisten wirklich noch nein sagen? Wenn man darüber zu entscheiden hätte als TV-Mensch und ein Abgesandter dieser "Partei" sitzt einem gegenüber, besieht klischeehaft die Fotos von Frau und Kind auf dem Schreibtisch und äußert sich darüber, würde man dann nicht doch lieber das Interview machen? Und die Journalisten, trauen die sich wirklich noch, kritische Fragen zu stellen. Etwa Fragen wie: "Wieso bezeichnen Sie Politiker von Taiwans Opposition als Kriminelle, wenn Sie selbst....?"

 ... und über Fressbuden berichten, statt sich mit taiwanischer Politik die Laue zu verderben.

Persönlich war ich in der letzten Zeit neutral bei den Studentenprotesten, die gegen den prochinesischen Kurs der gegenwärtigen KMT-Regierung angingen. Mein Gefühl konnte sich leicht mit den sympathischen Leuten identifizieren, die gegen eine Vereinnahmung durch einen autoritären Staat wie die VR-China protestierten. Doch mein Hirn (das manchmal doch noch etwas zu sagen hat) beschwerte sich, diese Proteste könnten im Extremfall (hätten sie etwa die KMT-Regierung zum Rücktritt gezwungen oder ähnliches) sehr wohl eine Invasion seitens der VR-China nach sich ziehen. Droht doch die VR-China mit militärischer Annexion von Taiwan für den Fall eines weiteren Abdriftens der Inselrepublik Richtung de-jure Unabhängigkeit von China (auch wenn die Republik China aka Taiwan in der Praxis längst ein eigenständiger Staat ist). Auch mahnte mein Verstand, einem politischen System, das (obwohl parlamentarische Demokratie) Ausländern die politische Betätigung und oft sogar Präsenz auf legalen Demonstrationen verbietet, sei nicht das richtige, um sich da mit einer politischen Strömung zu solidarisieren. Und offen gestanden, ich empfinde es durchaus als angenehm, neutral in einem politischen System zu sein, in dem die Mafia Politik macht. Und das Weißgold unter all dem Katzengold war die Taiwan-Unabhängigkeitsbewegung in der Vergangenheit ja auch nicht, man denke an den Marathon Mega-Korruptionsskandal der DPP und ihres Präsidenten Chen (der Taiwan 2000-2008 regierte), der u.a. aus dem Präsidentenpalast heraus einen Kaufhauskonzern erpresst hatte. Das muss man erst mal hinkriegen!

Für mich persönlich habe ich beschlossen einen Schritt zurück von der Politik zu machen und das Ganze eher von der Außenlinie neutral zu beobachten, ohne den Pro-Protest-Vibe, den ich in der letzten Zeit hatte. So ganz den richtigen Vibe hat das taiwanische politische System eben doch nicht für mich. [editiert]

LINK: Ausländischer Journalist und Blogger besucht das Büro der Partei von Herrn Chang: http://fareasternpotato.blogspot.tw/2013/07/a-visit-to-white-wolfs-unionist-party.html 

LINK: Interessanter Artikel: "Die Rückkehr der Gangsterpolitik in Taiwan": http://thediplomat.com/2014/02/the-return-of-gangster-politics-in-taiwan/

Donnerstag, März 27, 2014

Update zu den Studentenprotesten (nochmal ein UPDATE)

Wie ist die Lage in Taipei bzgl. der Proteste gegen die Handelsvereinbarung mit China?

 Vorberichte: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/aufruhr-revolution-unruhen.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/auslander-und-proteste.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/studenten-halten-taiwans-parlament.html

UPDATE: Seite mit guten Fotos: http://revolution-news.com/150-taiwanese-student-protesters-injured-police-executive-congress/

 Statt langer Texte hier ein paar Links von der allerdings oppositionslastigen TAIPEI TIMES:

Studenten sind über Schlagstockeinsatz und Tritte seitens der Polizei bei der Räumung von kurzzeitig besetzten Regierungsgebäuden erstaunt: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/03/27/2003586626
Bei der kurzzeitigen Besetzung gingen übrigens auch auf einem Schreibtisch befindliche Küchlein verloren, war irgendwo anders zu lesen. Die Studenten halten immer noch das Parlament in Taipei besetzt, die Polizei hat sie offenbar abgeriegelt.

Dieses Poster, das angeblich aus China stammen soll, sorgte für kurze Zeit für Aufregung zumindest in Ausländerkreisen in Taiwan. Angeblich soll es von einer betrügerischen Firma in der VR-China geschaffen worden sein und einfache Einwanderung inklusive Krankenversicherung und Recht auf ein zweites Kind versprechen - für Bürger der VR-China. Möglich, dass es eine Fälschung ist. Wer kann es lesen, was steht genau drauf (ich lerne derzeit nur die lateinische Pinyin-Umschrift des Chinesischen, bin also leider der Schriftzeichen nicht mächtig, weder der Lang- noch der Kurzzeichen).
Das wäre die schreckliche Umkehrung von "Haut ab von meiner Insel" im Nachbarblog.

"Taiwans" Präsident Ma (eigentlich: Präsident der Republik China, die man umgangssprachlich als Taiwan bezeichnet) bot bereits Gespräche mit den Führern des Studentenprotests an, jedoch lehnen die Studentenführer das zur Zeit ab, mit der Begründung, dass Ma einen Antrag zurückgewiesen habe, den Handelspakt (durch ein "internes administratives Komitee") überprüfen zu lassen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/03/27/2003586627

Präsident Ma hat erklärt, der Handelspakt sei keinesfalls ohne ordentliches Verfahren und Diskussion zustande gekommen, sondern es habe in der Sache 20 Anhörungen gegeben: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/03/27/2003586628

Mein persönlicher Eindruck ist, viele Wähler haben 2012 Präsident Ma und seine Kuomintang-Partei wiedergewählt, einfach weil sie keine Alternativen gesehen hatten. Die andere große Partei, die DPP; wurde noch sehr mit dem Mega-Marathon-Korruptionsskandal der vorherigen Regierung von Präsident Chen (ehem. DPP) assoziiert, so dass viele Wähler die DPP nicht so schnell die Präsidentschaft wieder antragen wollten (Chen von der DPP hat von 2000-2008 regiert). Außerdem haben viele Leute wohl hirn-gesteuert Ma gewählt, weil er Frieden mit der VR-China versprochen hatte, die zu Zeiten der taiwanischen DPP-Regierung auf halben Kriegskurz bzgl. Taiwan gegangen war (vgl. chin. Anti-Sezzesionsgesetz). Die Gefühlswelt vieler Wähler tat sich dann mit Mas sehr prochinesischem Kurs wohl doch schwer. Deshalb hat die Studentenrevolte durchaus Sympathien auch außerhalb studentischer Kreise, denke ich mal. Wie sehr, das weiß ich nicht, da ist noch die Sprachbarriere im Weg.

Dienstag, März 25, 2014

Ausländer und Proteste...

Können/dürfen/sollen Ausländer an den gegenwärtigen Anti-Regierungs-Protesten in Taiwan teilnehmen?

Gegenwärtig ist (schon seit Sonntag) das Parlament von Taiwan (eigentlich heißt es: der Legislative Yuan der Republik China) von studentischen Protestierenden besetzt, die gegen das letzte wirtschaftliche Abkommen zwischen Taiwan/Republik China und der Volksrepublik China sind. Und eigentlich ist es auch nur ein Abkommen zwischen der Kuomintang-Partei Taiwans und der Kommunistischen Partei Chinas, das jetzt durch das Parlament gewunken werden soll, siehe letzten Bericht.

In Begleitung von Ehefrau hat Ludigel auch schon mal (allerdings vor dem Exekutiven) Yuan demonstriert, hier gegen Taiwans oft grausame Tierheime. Rein wollten wir aber nicht...

Westliche Ausländer in Taiwan sind oft chinakritisch und voller Unterstützung für das "Taiwan Independence"-Lager, das sich politisch in der DPP und der etwas radikaleren TSU konstituiert (möglicherweise neben weiteren kleineren Parteien). Ziel dieses politischen Lagers ist es in der Regel, die Bezüge zu China aus der Verfassung der Republik China alias Taiwan zu streichen und Taiwan auch den formellen Staatsnamen "Republic of Taiwan" zu geben, statt wie eben gegenwärtig "Republic of China" (in den englischen Versionen jeweils). Der Gegensatz zu diesem "pan-grünen" Lager, wie man es wegen der grünen Parteifarbe der DPP auch nennt, ist das "pan-blaue" Lage, das von der Kuomintag (KMT) angeführt wird, die ihre Wurzeln noch auf dem chinesischen Festland hatte und sich historisch von dem Standpunkt "wir wollen China von den Kommunisten zurück erobern" über "Status Quo/wir sind das wahre China, aber wir rütteln besser nicht am Thema" zum gegenwärtigen prochinesischen Standpunkt ("enge wirtschaftliche Kooperation / Reden über Vereinigung von China und Taiwan") entwickelt hat.

Vielleicht sind die "grünen" Ausländer hier auch nur lauter als die "blauen" oder die neutralen, aber ich denke schon, dass einem mit westlicher Prägung das demokratische Taiwan sympathischer ist  als das autoritäre China und man daher oft zum "grünen" Lager neigt. Wobei "grün" hier etwas anderes bedeutet als in Deutschland; siehe oben. Die gegenwärtigen Proteste sind allerdings nicht parteipolitisch, passen aber schon zum pan-grünen Lager und nicht zum pan-blauen, obwohl ich nicht ausschließe, dass hier auch "blaue" Anhänger mitdemonstrieren, denen die gegenwärtige Gesetzesvorlage und die Art ihrer Bearbeitung einfach zu weit geht.
Es gibt eine Facebook-Gruppe, "Foreigners for Taiwan", die schon vor den Protesten existierte, wo jetzt aber pro-Protest-Postings zu finden sind. Allerdings haben die gerade den "Kater", denn tatsächlich ist jemand drauf gestoßen, dass Proteste durch Ausländer eben in Taiwan verboten sind. Genau genommen verbieten die taiwanischen Gesetze politische Betätigung durch Ausländer. Leuten, die offenkundig nichtaiwanisch aussehen, ist schon öfter durch Polizisten das Aufhalten in der Nähe von Wahlkampfkundgebungen oder Demos verboten worden. Letztlich bin ich persönlich immer sehr leise, wenn ich die Demokratie in Taiwan unterstützen soll. Das hiesige freiheitliche Partizipationssystem ist ja offensichtlich nicht für mich gedacht. Auch wenn ich als in Taiwan lebender Ausländer natürlich vom freiheitlichen System hier profitiere. Aber die Taiwaner machen sehr klar, dass das ihre Sache ist und nicht die ausländischer Steuerzahler im Lande, daher verhalte ich mich gesetzeskonform, sehe interessiert aber passiv zu und fühle mich dabei auch ganz wohl. Mal gucken, was noch so alles passiert.

Wie stehen Sie zu den Protesten? Würden Sie persönlich mitmachen wollen? Feedback gerne in den Kommentaren.

LINK
Spiegel.de berichtet auf der Politikseite (nicht auf dem "Hauptblatt"): http://www.spiegel.de/politik/ausland/taiwan-160-menschen-bei-protesten-gegen-handelspakt-verletzt-a-960341.html aus der "abtrünnigen Provinz" Taiwan. Was immer so klingt, als hätte sich Taiwan von der VR-China gelöst. Letzteres ist nicht der Fall, die VR-China hat zu keinem Zeitpunkt jemals über Taiwan geherrscht.