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Montag, Juni 29, 2015

Taipei-Bali: Flammenwerfer auf Badende (Update 3)

Katastrophe bei ausgelassener Strandparty in Bali im Landkreis Taipei*. Hunderte Verletzte durch entzündetes brennbares Pulver. Überlastung der Notaufnahmen, lange Wartezeiten für Schwerverletzte, Militär rückt zur Erstversorgung an

Die Newsreports in Taiwan zeigen die Ereignisse vom Wochenende. Eine große Menschenmenge in Badeanzügen tanzt vor einer Bühne zu lauter Musik. Aus einer Art Druckluftspritze versprühen lustig gekleidete junge Leute bunt gefärbten Rauch (streng genommen Pulver) auf die Menschenmenge, so dass man die Hand vor Augen nicht mehr erkennen kann. Dann passiert es: Auf der Bühne entsteht eine riesige Feuerkugel, die sich in die Menge der kaum bekleideten Besucher frisst. Offenbar wurde das brennbare Pulver, nach ersten Medienberichten gefärbter Trockenmais, auch von der Bühne aus versprüht - und zwar direkt in die heißen Bühnenscheinwerfer hinein. Todesopfer gab es gestern Abend noch nicht, aber viele Verletzte sind im kritischen Zustand und haben 40% ihrer Haut verbrannt. Verantwortliche wurde festgenommen.

http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/06/29/2003621829

* Seit einiger Zeit "New Taipei City" genannt

UPDATE: Video zu den Ereignissen, in dem man den Feuerball sieht. Das lief auch im TV hier.
https://www.youtube.com/watch?v=Q1H-FbGrSn4
Blanker Horror eine Strandparty in ein solches Massaker zu verwandeln. In der Tat hat man schon oft von explodierenden Getreidesilos gehört und dies Maispulver war auch nichts anderes, als das was dort explodiert.

UPDATE 2: Die Rede ist von ersten Todesopfern. Eine Besucherin soll 90% ihrer Haut verbrannt haben. Im Ausländerforum forumosa.com reden manche davon auf den Fernsehbildern grüne Gasflaschen erkannt zu haben. Grüne Gasflaschen enthalten normalerweise Sauerstoff und das Maispulver mit Sauerstoff heraus zu jagen wäre natürlich ein unvorstellbarer Leichtsinn gewesen, weil Sauerstoff bei Funkenflug sehr leicht explodiert. Details kann erst die behördliche Untersuchung ans Licht bringen. Offenbar sind solche Farbpulverevents zur Zeit IN und auf Facebook gibt es da eine Reklameseite zu.

Werbebild von "Colorplay Asia". Hier gepostet, da ja vielleicht die Facebookseite bald verschwindet

UPDATE3: Leider gibt es ein erstes Todesopfer. Es soll sich beim Treibmittel für das Maispulver um CO2 gehandelt haben, nicht um Sauerstoff wie im Ausländerforum gemutmaßt. Aber auch so entzündet sich das brennbare Pulver offenbar leicht. Rauchen war erlaubt, auch Mitarbeiter im Bühnenbereich haben geraucht. Die Veranstaltung war offenbar Teil des COLORPLAY ASIA - Franchises und der Eintritt betrug horrende 1500 NT.  http://www.taiwannews.com.tw/etn/news_content.php?id=2762025

Donnerstag, Juni 25, 2015

Britisch/pakistanischer Todesfahrer wird sobald nicht ausgeliefert

Schottischer "High Court" will erst Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen

Es ist ein unter Ausländern in Taiwan oft heiß diskutiertes Thema, der Fall des britisch/pakistanischen mutmaßl. Todesfahrers Z.D., der im Jahre 2011 (Korrektur: schon 2010) einen taiwanischen Motorrollerfahrer betrunken zu Tode gefahren haben soll mit seinem alten Mercedes. Das "mutmaßlich" im Satz könnte man eigentlich weglassen, weil Z.D. in Taiwan rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe deswegen und wegen Microsoft-Lizenzverletzungen verurteilt worden ist. Allerdings gab es im Ermittlungsverfahren und während des Gerichts durchaus Friktionen, wie etwa eine massive gehirnwäscheartige Vorverurteilungscampagne seitens der Massenmedien und einiger Lokalpolitiker in Taiwan (mit monatelang wiederholten Fernsehbildern in der Endlosschleife), so dass man die Fairness der Verfahrens durchaus anzweifeln kann. Auch der Umstand, dass das ermittelnde Polizeirevier vom selben Syndikat geschmiert worden ist, dem ein zweiter einheimischer Verdächtiger (der nachweislich den Wagen in der Todesnacht genau wie Z.D. gefahren ist) angehört, lässt Zweifel an der Fairness des Gesamtverfahrens aufkommen.

Wie dem auch sei, Z.D. wurde in zweiter Instanz zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, wenn ich mich recht erinnere und floh dann nach Schottland. Hier wurde er wegen Fluchtgefahr inhaftiert während ein Auslieferungsverfahren gegen ihn läuft. In erster Instanz wurde Z.D.s Auslieferung nach Taiwan positiv entschieden. Doch in zweiter Instanz wird nun der schottische "High Court" wegen Einspruchs Z.D.s zunächst die Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen, bevor er über die Auslieferung entscheidet. In diesem Verfahren geht es weniger um Schuld oder Unschuld sondern eher um die Rechtsgültigkeit taiwanischer Gerichtsentscheidungen für Schottland (das da recht autark ist nach britischem Recht) und neuerdings eben die Haftbedingungen. Wenn Z.D. immer noch in Abschiebehaft sitzt, wird er so am Ende mehr Zeit im Gefängnis zubringen, als wenn er die Zeit in Taiwan abgesessen hätte.

Die Marathonberichterstattung über den Fall hat meiner Ansicht nach die bis 2011 vorhandene große Popularität von "Weißen" in Taiwan deutlich abgekühlt. Daher sehe ich wie viele andere gebannt auf den Fall und frage mich immer, ob sich wieder neues Futter für eine Anti-Ausländercampagne der Medien in Taiwan ergibt.

Befremdlich für mich teilweise, als Deutscher mit einem Pakistani mit britischem Pass identifiziert zu werden. Aus taiwanischer Sicht sind offenbar Deutsche und Pakistani eine ähnliche Kulturfamilie. So wie mein kaiserlich erzogener Großvater wiederum eher Taiwaner und Pakistani in einen Topf geworfen und gegen Deutsche abgegrenzt hätte. Lustig irgendwie diese "wir und die"-Sichtweise.

Einer der Vorberichte zur Sache: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html

Aktuelle News: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201506240031.aspx

Ach ja, Zustände in taiwanischen Gefängnissen sieht man hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html

Mittwoch, Juni 24, 2015

Fast Jurassic World im Kino gesehen (Update)

Taipei ist bumm, kawumm. Kaum ein Tag in dem nicht neue Stadtviertel entstehen, die Leute neue Geschwindigkeitsrekorde in engen bürgersteiglosen Straßen mit vielen herumlaufenden kleinen Kindern aufstellen und meine Taiwanfamilie nicht neue Geschäftsideen am Posterior der Welt hat. Und nächste Woche die nächste und übernächste...

Und will Ludigel dem ganzen Mal entfliehen, weil in der Global Mall meine Frau eine Exkollegin trifft und sowieso nur auf Chinesisch wie ein Wasserfall redet und das Kino auf der Etage JURASSIC WORLD zeit und der Film gerade anfängt und noch ein paar Plätze frei sind...

... dann scheint es erst mal zu klappen. Toller Film. Meinen Sitz Reihe 9 Nr. 25 gab es zwar nicht sondern nur 24 und 26, aber immerhin konnte ich ungestört auf Nr. 26 sitzen (schon klar, Nr. 25 ist auf der anderen Seite oder im Paralleluniversum). Der Film hat noch ein paar Minuten zu laufen. Da ist diese tolle Stelle wo ein Rudel Saurier endlich mal als aus richtigen Tieren bestehend dargestellt wird statt nur als Fressmaschinen und .... der Hauptdarsteller legt den Finger an die Lippen und wird in Großaufnahme gezeigt und macht deutlich hörbar "pssssssst!" weil der große Raubsaurier in der Nähe herumschleicht. Und da macht es Zong und im gesamten Kino geht das Licht aus. Das Schild mit dem Pfeil zum Notausgang rechts neben mir gibt noch eine Sekunde ein verzweifeltes Ziepen von sich, dann geht gehen sämtliche Notbeleuchtungen auch aus. Der Kinosaal liegt in völliger Dunkelheit. Aber nur eine Sekunde lang, dann ist es ein Meer aus Smartphonebildschirmen. Meine alarmierte Frau (ich erkundige mich nach ihrem Wohlbefinden ob sie auch im Dunkeln sitzt) verhandelt sofort mit dem Kassenpersonal und ich werde per Chat herausgerufen aus dem Kino als noch alle warten, dass der Film weiter geht. Strom ist wieder da aber die Kinoleitung will den Film nicht fortführen, damit die nächste Vorstellung pünktlich anfängt. Keine Zeit zum Fertigzeigen. Recht so, wen interessiert schon das Ende vom Film. Aber alle bis auf Ludigel müssen noch warten, weil der Geschäftsführer von Kino zu Kino geht und erklärt, dass die Vorstellungen nicht fortgesetzt werden. Das würde aber noch dauern, sagen die Kassierer, weil er in jeden einzelnen Kinosaal muss. Gut, in der Wartezeit hätte man auch die Filme beenden können. Aber wir Taiwaner sind vorwärtsorientiert, haben immer eine tricky Idee alles noch schneller und hastiger zu machen, selbst wenn man lange auf die Abkürzung warten muss. Frau erstreitet Geld zurück statt Coupon. Und ich denke, so schlecht ist ein Heimkino auch nicht. Nur dass da Junior immer aus dem Wohnzimmer schreit, weil der den Anschnallgurt in seinem Elektro-VW-Modell im Wohnzimmer nicht los kriegt.

So... mal gucken wo man im Internetto das Ende vom Film findet.... Nacherzählt natürlich, wir würden ja nie illegal irgendwas downloaden, auch was. Ist ja sowieso klar: Der Saurier geht ex und hopp und Held und Love Interest und kindliche Helden überleben, wie immer.

P.S.: Wenn im Kinosaal ein Saurier die Leute jagen würde oder ein Feuer ausbräche dann wäre es auch lustig. Will man dann draußen auf den gewohnten Rolltreppen entfliehen so würde man feststellen, dass diese nach 21.30 auf Todesmodus geschaltet sind. Das heißt beide Rolltreppen führen nur noch nach oben statt nach unten/draußen und sind zur Abschreckung auf einen Affenzahn geschaltet, bei dem sich die vor dem hypothetischen Feuer Fliehenden endgültig den Hals brechen würden und sich vor den Rolltreppen niedertrampeln würden. Zur Flucht bleiben nur zwei kleine kaum zu findenden Fahrstühle (oh Schreck) oder die sehr versteckten Notausgänge. Aber so teutonisch ernst wollen wir das alles nicht bewerten..

Update: Alles Lüge, die Wahrheit über Saurier gibt es hier zu lesen (gacker): http://objectiveministries.org/creation/dinosaurs.html

Montag, Juni 22, 2015

Langzeiterfahrung Gigandet Seaground 2 (Update)

WERBUNG
Wegen aktueller EU-Richtlinien flagge ich jeden Beitrag, der eine Produktbesprechung enthält als Werbung, da sonst Abmahnungen durch einschlägige Abmahnvereine drohnen könnten. Dies beeinflusst den Inhalt des Artikels nicht.

Meine formosagrüne Uhr ist leider hektisch geworden. Sie rennt und rennt...

 Ein Update zu meiner im letzten August erworbenen Gigandet Seaground 2 (Vorstellung hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/08/uhrenwahnsinn-teil-x-gigandet-sea.html).
Die Uhr, die anfangs mit den üblichen +15 Sekunden/Tag lief, rennt mittlerweile mit konstanten +60 Sek./Tag. Ein Wert, den ich so eigentlich nur von chinesischen Uhrwerken gewohnt bin, wenn sie sich einmal eingelaufen haben und nicht vom Miyota 8215, das laut Spec drin stecken soll...

Das Update ist auch beim ursprünglichen Artikel angefügt. Schade um das schöne wertige 44er-Gehäuse der Uhr...

UPDATE: Ein Pluspunkt, sie ist wirklich wasserdicht. Vertrug das Abduschen, was etwa der Wasserdruckbelastung des Schnorcheltauchens (Angabe Water Resistant 20 ATM/200m) entsprechen soll. Die Gigandet hat sogar 300m angegeben, was Tauchen mit Druckflasche entsprechen würde.

Donnerstag, Juni 18, 2015

Schöner Morgen in Taipei

Das Taiwanblog muss einfach positiver werden. Also dann mal los.

Gestern Morgen komme ich rein ins Seven-Eleven, also einen der üblicherweise 24h-geöffneten Minisupermärkte bei uns im Gewerbegebiet (da hat er freilich nicht so lange auf), habe mich durch den Moped- und LKW-Mief über bürgersteiglose und dafür Betelnusspriem-bespuckte Straßen geschoben und ... komme also rein in den Seven-Eleven. Kaufe mir ein eingeschweißtes Sandwich und noch so einen Pappbagel mit Marmelade gleich drauf und stehe missmutig an der Kasse. Da passiert es.

Er kommt rein. Ein alter Hund, kurzgeschoren, schon etwas unsicher auf den Beinen und wohlbeleibt. Watschelt gemütlich durch die automatisch aufgehende Tür und blickt mit ausgesprochen fröhlichem Gesichtsausdruck in die Runde. Ich weiß auch, dass die meisten Menschen glauben, Hunde hätten keine Mimik. Kann ich aber nichts für, für dieses Unglauben.

Er guckt kurz in die Runde, beäugt die Plastikbrottheke und wirft sich dann auf den großen Fußabtreter auf den Rücken und aalt sich erst mal so richtig herum. Eine geschlagene Minute. Dann steht er auf, sieht völlig entspannt und glücklich in die Runde - ich zwinkere ihm zu - er beäugt meine Sandwichs mit einem Anflug von Melancholie - und dann gehen wir beide zur Tür raus. Er strahlt immer noch. Es ist ein schöner Morgen in Taipei, wir haben Klimaanlagen und können uns am Rücken kratzen im kühlen Windhauch. Das Leben ist schön. Eine einfache Botschaft der Lebensfreunde in einer oft grauen und stressigen Welt.

Guten Morgen.

Montag, Juni 15, 2015

Taiwanerinnen, schlaft nicht mit Ausländern...

... sondern lieber mit Taiwanern

So krass und kalt würden es die Taiwaner nie sagen, aber seit einiger Zeit gibt es eine Diskussion um ein Musikvideo, das offensichtlich Ausländer - repräsentiert durch die in der öffentlichen Meinung dominierenden recht jungen Weißen - im negativen Licht darstellt und Taiwanerinnen dazu auffordert "lieber das einheimische Produkt schätzen zu lernen" statt den (weißen) Ausländermann. Die ganze Diskussion, die ich nicht im Detail führen will hier beispielsweise im hervorragenden Blog vom Taiwanexplorer: http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/racist-music-video-against-foreigners-in-taiwan.html
Warum es da "Blackface is bad" im Video heißt, ich will es nicht wirklich wissen. Ich bin schlichtweg zu lange hier um mich so sehr um die Meinung irgendwelcher Einheimischer über mein Ausländeraussehen zu kümmern. Kurz gesagt habe ich in Taiwan folgende Phasen erlebt in der Öffentlichkeit:

2004-2011 etwa:
Oft Glorifizierung auf der Straße, Fragen ob man den Kindern Englisch beibringt. Kichernde junge Frauen und Kinder. Auch gestandene Männer die aufgeregt auf einen zeigen und dabei "Waiguroen! (Ausländer)" rufen. Oft habe ich mich über das "Adogah" geärgert, was wohl "Großnase" heißt, aber von Taiwanern als normales Wort für Ausländer gebraucht wird. Das "Laowai" (etwa: Ausländerhäuptling/Ausländerchef) habe ich in ironischen und positiven Konnotationen kennengelernt. Ich hatte Kinder, die auf der Straße hinter mir her tanzten und "Laowai! Laowai!" und einen Reim aus der Fernsehwerbung riefen, weil ein TV-Spot für gesunden Multivitaminsaft veritable schwarze Höhlenmenschen als Laowai bezeichnete und die Kinder dazu aufforderte nicht bei Laowai zu essen und in dem Spot so getanzt wurde. Irgendwann fing ich an die Leute zu ignorieren und habe es bis heute so belassen.

2011-heute:
Wohl die endlose Medienberichterstattung um den vmtl. englisch/pakistanischen Todesfahrer Zain D. (einer der Berichte hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hat nicht nur meiner Meinung nach ein Umschwenken in der öffentlichen Wahrnehmung von westlichen Ausländern gebracht. Mir ist bewusst, dass man Zain D. nicht unbedingt als westlichen Ausländer sehen muss, aber im smarten Businessanzug und unter Erwähnung seiner britischen Staatsbürgerschaft kam er in den Medien so rüber. Seither war die oft alberne Freundlichkeit weg und ich habe seither stattdessen eher einen gelegentlichen bösen Blick irgendeines Passanten und manchmal etwas Anpöbeln festgestellt. Aber das gab es vorher eigentlich auch schon. So dass im Ergebnis die Zain D. - Berichterstattung vielleicht einfach nur die alberne Überfreundlichkeit der Taiwan "weggehoben" hat. Im Ergebnis werde ich heute mehr in Ruhe gelassen als früher, in so fern ist es eigentlich angenehmer.

Meine These vor 2011 war immer, dass die oft überbordene Berichterstattung über Fehltritte oder Schlimmeres (oder Nichtigeres) von Ausländern in der oft übertriebenen Beliebtheit des ausländischen "Gastes" fußten und die Taiwanpresse eben Einschaltquote und Auflage damit machte, die eigentlich beliebten Ausländer "vom Sockel zu stoßen", auf den die Taiwaner sie gestellt hatten. Ähnlich wie wir alle ja auch Spaß daran haben Nachrichten von Filmstars oder bekannten Sängern zu lesen, die auf öffentlichen Toiletten oder mit Prostituierten oder mit Alkohol und Drogen in Schwierigkeiten geraten. Was man auf den Sockel hebt, lässt man auch mal gern wieder herunter krachen. Da die negativen Ausländerstories zumindest zeitweise das positive Bild des Ausländers ins negative kehrten war immer meine Theorie, dass sie die Zustände in Taiwan damit normalisieren. Sprich ist der Ausländer hinreichend und permanent vom positiven Sockel geholt, wird er damit mehr zum Normalo und die Pressehetzstories gegen einzelne Ausländer (als unverschämte Vertreter ihrer Gattung) würden sich auch nicht mehr so sehr verkaufen.

Ist das nun eingetreten oder geht es weiter Richtung Südkorea? Wie Expats von dort berichten, ist es üblich, das in der Öffentlichkeit Kampagnen gegen Weiße pauschal gefahren wurden, etwa Busse mit den englischen Hinweisen, privat Englischunterricht zu geben sei illegal oder eine TV-Show, die die Leute dazu aufforderte weißen Männern auf der Straße zu sagen sie sollten die Hände von einheimischen Frauen lassen - was dann auch geschah.

Das obige Musikvideo geht sicher in die Richtung. Taiwan, willst du nun südkoreanisch werden? Und lieber Mitsteuerzahler in Taiwan, wenn ihr mich an der Hand von meiner Frau anquasseln wollt in dieser Hinsicht mit eurem Buxibanenglisch, dann erwischt nicht gerade einen Tag, an dem ich wegen Smog, Verkehr und 14-Stunden - Arbeitstag schlechte Laune habe. Und überlegt euch vorher, was euch das eigentlich anginge. Aber solche Geschichten werdet ihr mit eurer fernöstlichen Weisheit doch nicht machen wollen, oder? Würde ja auch schwierig meiner Frau etwa beim Tragen der Tasche zu helfen, wenn ich sie nicht anfassen dürfte, gell?

P.S: In dem Musikvideo selbst hat sich einer der Sänger die Haare blond gefärbt und tritt im Porsche als missionierender Englischlehrer auf, der offenbar von den einheimischen Damen nur das eine will. Alles recht niedlich und naiv - eben wie Taiwaner oft mit Ausländern umgehen. Es wird sich viel über die schlechte Aussprache und Grammatikfehler von chinesischsprechenden Ausländern lustig gemacht. Ich erinnere mich noch gut, dass mir mein Anfangselan zum Chinesischsprechen durch das ständige offene Auslachen genommen wurde. Aber so ist es nun mal hier. Mir fehlt die Lust mich wirklich damit zu beschäftigen. Dieser Artikel soll keine Beschwerde sein, drückt nur ein bisschen Sorge aus ob der Anti-Ausländerwirbel von Presse und bisweilen Facebook nun noch weiter geht...


Freitag, Juni 12, 2015

Korenlei/Braslei, Gent, Belgien




Seit ich 1990 oder so da mal zum schnellen Pralinenkaufen auf dem Weg nach England angehalten hatte, wollte ich immer schon mal wieder kommen. Um Weihnachten 2014 rum war es jetzt soweit, sogar mit Frau und Junior. Hier ein unkommentierter Schuss mit dem Soligor 3.5-4.5/19-35mm an der Sony A850. Mittlerweile ist das Soligor durch ein baugleiches Cosina ersetzt. Die alle auf einem Tokina basierenden Objektive halten alle den schnelleren AF der Sonys nicht aus, weil noch für Minolta gebaut. Aber was plappere ich hier nun doch schon wieder...

Da ganz in der Nähe (anderes Bild)

Montag, Juni 08, 2015

Junior übt...


Neuer Name für den belasteten Teashop?

Die sog. "Stowaway" - Teekette hatte in Taiwan leckeren kalten oder warmen Tee im taiwanüblichen Plastikfässchen zum mitnehmen. Jetzt hat sie offenbar um-firmiert nach einem Skandal.

Auch in meiner Nachbarschaft war ein "Stowaway"-Outlet und Ludigel und Frau haben dort oft kalten Tee im Plastikkübel mitgenommen. Nie getrunken haben wir einen angeblichen deutschen Blütentee, der sich dann in Wirklichkeit als ein Aufguss aus einem für Dekozwecke o.ä. vorgesehenem Blütengemisch aus dem Iran entpuppte und sehr stark mit Pestiziden (genau gesagt wohl DDT) versehen war. Das Taiwanblog berichtete damals: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/stornaway-teekette-hat-gefalschten.html
Auch zwischendurch wurden wieder Pestizide in Getränken anderswo gefunden (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/pestizide-wieder-in-teashop-getranken.html). Statt dem STOWAWAY-Laden, der seine Filiale mit einem Plan der Londoner U-Bahn und einem veritablen landesneutralen U-Bahn-Stationsschild dekoriert hatte (ist bestimmt mancher Tourist rein gelaufen und wunderte sich dann, dass er hinter der Registrierkasse stand) findet sich jetzt dort ein neues himmelblaues Teegeschäft, das ein identisches Layout im Laden hat. Ladenkasse und Teekanister stehen also am selben Platz. Der neue Laden nennt sich "BRIT. TEA", obwohl sicher auch Platz wäre das auszuschreiben. Nun muss BRIT. TEA ja nicht notwendigerweise BRITISH TEA heißen, ist ja sicher auch keiner, genauso wie der GERMAN TEA eben kein GERMAN TEA war sondern beim Vorgängerlokal eben IRANIAN-ABSOLUTELY NO-TEA gewesen ist. Vielleicht steht BRIT. ja auch für den Frauennamen Brittany, der als englischer Businessname von Taiwanerinnen durchaus gewählt wird. Dann hat natürlich alles seine Ordnung und der Kunde kann vertrauensvoll zugreifen in dem neuen schicken himmelblauen Geschäft. Ludigel wünscht guten Durst! 

Taiwan vollstreckt 6 Todesstrafen

Emotionen kochten verständlicherweise hoch nach dem grausamen Mord an einer Schülerin durch einen offenbar Geisteskranken. Die Regierung liefert und lässt (andere*) hinrichten - man darf spekulieren, ob politische Pluspunkte passend zur Stimmung der Bevölkerung gesammelt werden sollten.

Hinrichtungen werden in Taiwan ohne Vorankündigung vollstreckt und entweder durch Schüsse ins Herz oder im Falle von Organspendern durch Kopfschuss vollstreckt. Sich da freiwillig zu melden kann wohl keinem Todeskandidaten geraten werden, schließlich sind in Taiwan Fälle vorgekommen in denen den exekutierten Organspendern die Organe noch lebendig entnommen werden sollten oder gar entnommen worden sind (http://en.wikipedia.org/wiki/Capital_punishment_in_Taiwan#Human_vivisection). In der momentanen Serie findet sich ein Mörder/Vergewaltiger eines (anderen) Schulmädchens und auch ein Gangster, der einen Rivalen lebendig begraben hat (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/06/07/2003620127). Der am harmlosesten klingende Fall ist der eines Fahrgastes oder Taxifahrers (das wird nicht so ganz klar bei der ungenauen Berichterstattung), der einen (anderen) Taxifahrer beim Streit um einen Fahrpreis getötet haben soll. Taxifahrer sind Leute, die schon mal schnell handgreiflich werden in Taiwan. Auch ich habe schon einmal schnell ein Taxi verlassen und Frau und Junior dabei Deckung gegeben. Man könnte sich fragen ob so ein eskalierter Streit überhaupt in die Kategorie Mord fallen müsste, wenn man die Hintergründe kennen würde.

Wie dem auch sei, ein "schwerer Junge", den die Berichterstattung mit Mord und Folter in Zusammenhang bringt, hat eine Stunde gebraucht zum Sterben und ein weiterer Todeskandidaten musste zweimal zur Zielscheibe werden. Lebendentnahme von Organen, doppeltes Herumballern und stundenlanges Sterben, das alles ist meiner Meinung nach ein zu tiefst unwürdiges Spektakel, das sich eine parlamentarische Demokratie wie Taiwan nicht leisten sollte, allen Populismus hin oder her. Leider hat die gegenwärtige prochinesische Regierung unter Präsident Ma (KMT) die vorher von der DPP unter Präsident Chen ausgesetzte Todesstrafe wieder aufgenommen - und poliert sich so die teilweise bis auf 9% gefallenen Popularitätswerte wieder auf. Ein schmutziger und irgendwie nach der hofierten VR-China riechender Job. Moderne zivilisierte Länder sollten ihn nicht machen, trotz aller Trauer für die Opfer der Verbrechen, die die Täter begangen haben.

* Der aktuelle Täter ist ja noch nicht einmal verurteilt

Montag, Juni 01, 2015

Achtjährige auf Schultoilette von Geisteskrankem ermordet / Dreijähriger überfahren (Update)

Ein sinnloser Mord an einem Schulkind erschüttert Taiwan dies Wochenende

Zur Berichterstattung aus einem Land gehört meiner Ansicht nach auch zu schreiben, was denn die Leute in diesem Land gerade bewegt. Dieses Wochenende ist es sicherlich der schreckliche Mord an einem 8jährigen Schulmädchen gewesen. Ein offenbar geistesgestörter Mann, 29 Jahre (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/05/31/2003619557 ist in der Unterrichtszeit in die Wenhua Elementary School in Taipei-Beitou eingedrungen und sich offensichtlich nach einem einsamen Kind umgesehen. Er traf auf der Toilette auf eine Achtjährige, die gerade das WC aufgesuchte und ermordete diese durch einen Schnitt in ihrem Halsbereich. Das sterbende Kind wurde später gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden, der Täter ist im Gewahrsam und hat gestanden.
Es sei daran erinnert, dass es Kindermorde in jedem Land gibt und daher sind auch Reflexreaktionen, die man als Ausländer hat, in diesem Zusammenhang ziemlich sinnlos. Schnell will man die nervöse Enge Taipeis, die langen Arbeitstage und merkwürdige Verhaltensweisen der Leute um einen herum zitieren. Auch im Team auf der Arbeit hatten wir wieder einen wirr auftretenden Menschen, der bei seiner Kündigung durch meine Frau anfing herum zu schimpfen, zu weinen und dann dramatisch vor ihr auf die Knie fiel, als sei er in einem dieser TV-Dramen, die den ganzen Tag im Taiwan-TV laufen. Andererseits haben solche Dinge eigentlich keine Aussagekraft und es bleibt dabei, dass solche Dinge, die einem als Vater das Blut gefrieren lassen, eben in jedem Land vorkommen.

Mich schockierte ein weiterer Fall, in dem am 30. Mai ein 3-jähriger Junge zu Tode kam. Nach der grafischen Rekonstruktion, die im TV zu sehen war, war ein Auto am Linksabbiegen und wartete korrekt darauf, dass der Geradeausverkehr vorbei fahren kann. Leider nahm der Linksabbieger dabei dem geradeaus fahrenden Fahrzeug die Sicht und hinter dem Linksabbieger wartete eine Familie (offenbar Mutter mit Kinderwagen, einem weiteren etwas älteren Sohn und dem Dreijährigen) darauf, an einem der in Taipei gänzlich bedeutungslosen Fußgängerüberwege die Straße überqueren zu können. Leider tastete sich der Dreijährige dabei offenbar langsam vor, so dass er am Ende vor dem Linksabbieger auf der Fahrbahn stand und vom schnell vorbei fahrenden Geradeausfahrzeug tödlich erfasst wurde. Schon mit nur meinem Sohn (3) an der Hand steht mir in Taipeis aggressivem Straßenverkehr (ich weiß nicht wo der Unfall war), in dem Fußgänger die totalen Underdogs sind, oft der Schweiß auf der Stirn. Mit einem Dreijährigen, einem etwa Achtjährigen und einem Kinderwagen unterwegs zu sein, erscheint mit auf den schmalen bürgersteiglosen Straßen mit "Gaspedal-König Toyota", den "Blue-Truck"-Henkern und Taxi-Wahnsinningen erhrlich gesagt als unauflösbarer Horror.

UPDATE: Als Reaktion auf den Mord an dem Schulmädchen wird die Europäische Schule Taipei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken.