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Mittwoch, Dezember 15, 2021

Tag Heuer Monaco für Arme (Update 2)

 Billige aber hübsche Alternative zur "Steve McQueen" Racing-Uhr

Das Original von Tag Heuer, die schöne und meist blaue Monaco, ist wohl aus einschlägigen Filmen am Handgelenk von Steve McQueen berühmt geworden und ansonsten bei Uhrenfreunden heiß umstritten. Erst mal mögen die meist Tag Heuer sowieso nicht, während sie auf Rolex schwören und die ausladende quadratische Form mit auffälligem Blau, mit oder ohne Sportstreifen durchs Zifferblatt, scheidet auch die Geister.

Gerne hätte ich ein Original, aber da meine Gattin Spezialistin darin ist, unser Geld am Assturban der Weltkarte in höchst zweifelhaften Dingen anzulegen, spare ich eher am Handgelenk, als dass ich da viel Geld reinstecke. In Deutschland habe ich zwar gleich mehrere schöne Automatik-Chronographen, aber seit Corona komme ich da gar nicht mehr hin. Meinen Uhrenentzug bekämpfe ich hier in Taiwan, wo auch schnell mal die Feuchtigkeit in teure Uhrengehäuse kriecht, mit eher preiswertem.

Tag Heuer Monaco grau im Hintergrund und Guess Steel G16545G im Vordergrund

Es gibt einige 1:1-Nachbildungen von chinesischen Herstellern. Gar grauenhaftes und billiges von "Jargarar", wenn ich mich recht erinnere. Die so ähnlich wie "Jaguar" heißen wollen und von anderen Marken. Und eine nette Quarz 1:1-Hommage von einem Hersteller wie Quo... Qua..in oder wie auch immer. Ich kann mir das nicht merken. Mit 130 Euro bei Aliexpress nicht billig. Aber eine 1:1 - Hommage nur mit anderem Namen wollte ich nicht. Da kam mir die wohl nicht mehr zu habende Guess als Gebrauchtuhr gerade recht. Mit leichtem Kratzer auf dem Mineralglaus und auch nur eine Quarz und kein Automatik-Chronograph. Das Stahlband sah an der Uhr nicht aus, fand ich und war mir auch zu kurz. Mit 69 Euro war sie in Anbetracht des Neupreises und des kurzen Armbands im Vergleich zum Neupreis von wohl 120 Euro in Webshops (vergriffen) nicht gerade billig. Aber bald stellte ich sie mir mit einem braunen Ralley-Lederband vor und so war es bis zum Kaufklick nicht weit. Gut finde ich, dass sie ein eigenständiges Design hat, denn offensichtlich ahmt sie die Vorlage nicht direkt nach. Funktional hat sie neben dem Datum auf 4 Uhr eine weitere Zeiger-Datumsanzeige auf 6 Uhr, die natürlich kein Mensch braucht. Wer will schon das Datum (und nicht etwa den Wochentag zusätzlich) zweimal ablesen? Die obigen Chrono-Anzeigen sind für gestoppte Minuten links und die normalen Sekunden rechts. Die Stoppsekunden werden über den großen Sekundenzeiger angezeigt. 

Eine nette "Monaco für Arme", wie ich finde. Wo sollte man sie auch sonst dranmachen. Fährt sich der Nissan March gleich viel rasanter mit.

P.S.: Ohne Krone bescheidene 40mm Durchmesser, aber durch die quadratische Form deutlich größer wirkend. Lug-to-Lug (also Hornoberteil zu Hornoberteil, die Hörner sind die Zapfen, die das Armband halten) 47mm oder 48mm. Braucht daher eher dicke oder wenigstens flache Handgelenke.


Update nach ein paar Wochen: Ich hatte für die Uhr doch nur 20 Euro bezahlt, auch wenn das mit Import nach D zum Weiterleiter und dann Import nach Taiwan natürlich für mich teurer wird. Die Uhr ist alt und hat vermutlich deswegen kleine Wehwehchen. Die Stoppuhr stellt öfter nicht auf Null, was sich aber wie bei fast allen Quarzern sofort nachstellen lässt (die beiden Drücker zeitgleich drücken, mit dem oberen und unteren Drücker einstellen und dann beide wieder gleichzeitig drücken bei diesem Modell). Außerdem scheint das Benutzen der Stoppuhr eine Fehlfunktion des Kalenders zu bewirken, der dann mal um 16 Uhr und mal um 12 Uhr Mittags umspringt. Oft zusätzlich zum 24 Uhr-Datumssprung. Aber gut, für einen 20er geht das alles. Chinesische Werke sind halt auch nicht für die Ewigkeit gebaut. 

Außerdem ist die Uhr lieblos zusammengebaut. Das ganze Zifferblatt ist (wenigstens gerade) leicht nach links verschoben, so dass die unbedruckten/unbeklebten Ränder links und rechts verschieden breit sind und daher der Stoppuhr-Sekundenzeiger, selbst wenn er perfekt in der Mitte nullstellt, eben nicht ganz in der Mitte des Zifferblatts sitzt. Das ist kein Alterungsproblem sondern eben billige China-Montage. Man sagt Uhren von Designermarken nach, dass unter tollem Bling-Bling billigste Chinaware sitzt, die oft ihr Geld nicht wert ist. Wer so etwas neu kaufen will zahlt hier bei Guess allerdings mit 119 Euro oder so, wenn er sie noch neu sieht, einen gerade so akzeptablen, aber doch irgendwie zu hohen Preis.

Langfristig ist die Uhr wohl bei mir Schubladenware, denke ich. 

Update 2: Scheinbar läuft sich die Uhr ein. Datum und Stoppuhr machen keine Zicken mehr bzw. laufen besser. Vermutlich hat der Vorbesitzer die Sonderfunktionen kaum benutzt und sie hat daher gegen hartes Altöl im Innern zu kämpfen.

 

Donnerstag, März 03, 2016

"Sorna" - Chinauhren (Update 02.2019)

WERBUNG
Da nach EU-Richtlinie so ziemlich alles Werbung ist, ist dieser Artikel entsprechend markiert.

Sorna oder eher "So nicht".

Immer wieder ärgert mich auf Ebay, dass Chinauhren, hinter denen das deutsche Unternehmen Trias steht (das fast ausschließlich Chinawerke in seine meist in China produzierten Uhren einbaut) auf Ebay von Dritten (!) als "Vintage" oder "NOS" (New Old Stock, unbenutzte alte Lagerware) verkauft werden und der Eindruck erweckt wird, es handle sich um ein altes Original der (ursprünglich schweizer) Marke "Sorna".

Die Uhrenmarke Sorna stand offenbar bis in die 90er Jahre für innovative Uhren, die oft das besondere Etwas hatten. So gab es Kugelschreiber mit einer Uhr oben im Drücker und einfach schick 70er-Jahres-bunte tolle dicke Uhren. Ein Paradebeispiel für eine Sorna (der Markenname kommt von der Nähe der Fabrik zum Flüsschen Sorne) ist ein schön dicker Weltticker alter Bauart, der eine (einfache) Stoppuhrkonstruktion besitzt und eine drehbare Städteskala, mit der man verschiedene Zweitzonen verwalten kann. Ein Prinzip, das sich allerdings in Zeiten von Sommer- und Winterzeit wegen der stundenweisen Verschiebung der Zeitzonen überholt hat.

Bilder von echten schweizer Sornas sind schlecht zu finden. Hier ist gerade eine bei Ebay, sogar für einen recht moderaten Preis von um die 150 Euro: http://www.ebay.de/itm/Vintage-70s-SORNA-CHRONO-17-Jewels-Mens-Watch-Working-SWISS-MADE-/391396087996?hash=item5b210658bc:g:ngMAAOSwWTRW1JgZ

Wenn ein stolzer Besitzer seine "Vintage" - Sorna dieses Modells präsentiert, ist es fast immer die Neuauflage von Trias made in China. Selbst habe ich das einmal einem stolzen Sammler in sein Blog geschrieben - den Artikel mit dem präsentierten Schnäppchen finde ich heute nicht mehr. Update (doch, hier: http://waktuku-waktuku.blogspot.tw/2011/02/sorna-world-timercalender-automatic.html)

Hier (http://www.ebay.de/itm/Rare-Sorna-Sport-Watch-21-Jewels-NOS-condition-Vintage-Chrono-Leather-strap-/182023074859?hash=item2a616bb42b:g:jh0AAOSwUuFWv422) hingegen wird gerade eine chinesische Sorna als NOS/Vintage für einen viel höheren Preis (etwa 300 Euro) angeboten. Es sei bemerkt, dass Trias die Sorna-Uhren (auch teils mit Trias als Markennamen versehen) für etwa 160 Euro im Webshop angeboten hat, wenn mich das Gedächtnis nicht täuscht. Edit: Der Webshop ist wohl nicht von Trias direkt. Habe gerade noch mal nachgesehen, der Preis ist jetzt auf 399 Euro erhöht. Da will ich nicht drauf verlinken;-)

Hier (http://www.ebay.de/itm/Superb-Rare-Pilots-Trias-Sorna-full-Calendar-GMT-Called-Blue-Worldtimer-/141912253861?hash=item210aa125a5:g:FksAAOSwDNdVsMER) werden fast 500 Euro für eine China-Sorna verlangt.

Was ist nun der Unterschied? Tabellarisch:

- Die echte Sorna Weltzeituhr dieses Modells hat "Manufactured in Switzerland" bei 6 Uhr stehen. Die deutsch-chinesische Sorna hat "Sorna Germany" dort stehen. Trias ist heute Markeninhaber von Sorna.

- Die echt-schweizer Original-Sorna (dieses Modells) hat das Datumsfenster auf 3 Uhr. Die Chinaversion auf etwa 4 Uhr.

- Die echt-schweizer Sorna hat Stoppuhrfunktion, ist also ein (einfacher) Chronograph. Entsprechend zeigen die kleinen Chronozeiger Minuten und Sekunden oder gar Stunden an. Die Chinaversion hingegen hat ein Datums-Chrono-Werk, bei dem die kleinen Anzeigen Wochentag bzw. Monat anzeigen. Erkennt man unschwer am "MON, TUE, WED...." oben links beim kleinen Chrono an der Neuauflage.

- Der äußere (Tachimeter?)-Zahlenring der Neuauflage ist fast immer schon abgescheuert und oft ganz blank, während das Original trotz des recht hohen Alters meist noch eine intakte Bedruckung hat.

Edit:
Das Orignal made in Switzerland: http://www.philippinewatchclub.org/forum/viewtopic.php?f=25&t=21361&start=20
Die Neuauflage made in China:
http://www.lelong.com.my/sorna-autmatic-watch-101614149-2012-02-Std-P.htm
Original (oben) und Neuauflage (unten, kleiner) zusammen: https://makeinc.wordpress.com/2012/04/20/sorna-chronograph/

Hier ist es ausführlich erklärt und die Neuauflage vorgestellt:
http://forums.watchuseek.com/f71/sorna-worldtimer-705911.html

Dies ist kein Vorwurf an Trias, sondern eine Mahnung, nicht zu viel für die Uhr zu bezahlen und sie nicht für ein altes Original zu halten.

Fast hätte ich sie mal gekauft, aber die hohe Quote an defekten Neuauflagen damals bei Ebay und der meist überdrehte Preis (teilweise Vielfaches des Neupreises) hat mich doch abgeschreckt. Chinawerke sind halt immer so eine Sache.

Link: Diese zwei Chinauhren habe ich mal mit Genuss mit dem Hammer zertrümmert:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/chinauhr-315-euro.html


Update: Mittlerweile gibt es ein riesiges Angebot von meist neuen Trias-Versionen zu vernünftigen Preisen knapp unter oder über 100 Euro (bis 200 Euro). Trias hat offenbar das "Sorna Germany" entfernt, so dass die Uhren keine Herkunftsangabe mehr haben. Als Regel gilt: Alles, was fabrikneu ist, ist eben die China-Version und nicht die schweizer Originalversion.
Es gibt auch ein neues Modell in der Form zwischen rund und eckig, da muss ich gerade meinen eigenen Klickfinger bekämpfen, weil der Kurs okay ist. Allerdings kriegt i.d.R. niemand so ein Ding mit Chinauhrwerk repariert, deswegen sind 100 Euro bei mir die Obergrenze.

Myteriös ein Ding, das fabrikneu ist, aber ein schief sitzendes Zifferblatt mit "Swiss made" besitzt. Ich vermute eine fehlgeschlagene Marriage (Kombo) aus einem alten Originalzifferblatt und einer neuen Sorna aus China/Deutschland.

Montag, Februar 10, 2014

Das Alpha-Experiment

Ein bizarres Experiment über und unter den Wolken. Nur für starke Nerven, nicht für Jedermann.

Manchmal werden Experimente veranstaltet, bei denen einen die Haare zu Berge stehen. Schlimm war das jedenfalls, was ich die Tage als Experiment durchgeführt habe: Ziel war festzustellen, ob eine 90 US-Dollar Chinauhr Automatik mit zweiter Zeitzone, alles mechanisch, sich als Reisebegleiterin auf meinem 9-Tages-Trip in den kühlen deutschen Norden eignen würde zur Winterszeit. Würde die drehbare Lünette mit 24-h-Skala abfallen beim Einstellen der dritten Zeitzone bei der Zwischenlandung? Würde ich irritiert wegen Falschanzeige den Flieger verpassen? Würde das Glas beschlagen wegen Klimawechsels? Ich war bereit das große Experiment mit meiner "Alpha GMT" aus Hongkong zu wagen, auch wenn mir die Uhr im Vorfeld nicht gerade durch gute Verarbeitung aufgefallen war. Genau gesagt war ich erst geneigt, eine solidere Auswahl beim Griff in meine Uhrenkiste für die Reise zu treffen, etwa ...

... meine Invicta 5053 "Pepsi" (85 US-Dollar, rechts) statt der chinesischen Alpha GMT (links) oder auch die sehr solide...

Orient "Pepsi" für um die 100 Euro. Allerdings hatte nur die Alpha die zweite Zeitzone über den kleinen zusätzlichen 24-Stunden-Modus-Zeiger (den man frei einstellen kann auf welche Zeitzone auch immer), so dass die Wahl auf die Kantonesin fiel statt auf die US-Uhr mit japanischem Werk (Invicta, mit schweizer Kreuz im Logo) oder rein japanischer Uhr (Orient).

Randnotiz: Wieso sehen sich eigentlich alle meine Uhren so ähnlich? Never mind. Andererseits merkt meine Frau dann nicht, dass ich schon wieder eine neue Uhr gekauft habe. Im Uhrforum, wo ich Mitglied bin, wurde mal diskutiert, die Alpha GMT als Hommage an eine alte Rolex mit ins Fluigzeug oder die Airline-Lounge zu nehmen könne peinlich werden, könnte man doch etwa in der Business-Class am Ende einen das Original tragenden Uhrenfreund neben sich sitzen haben, der dann empört auf die billige Replik starren würde und unter Whisky und Snacks nach Luft schnappt. So hatte ich mich auch schon geistig für peinliche Begegnungen mit empörten reichen Leuten gewappnet, die einem übel nehmen, dass man statt 14.500 Euro für die aktuelle Rolex GMT (hat mir mal jemand gesagt, dass sie soviel kosten würde) nur 90 Dollar für eine im übrigen völlig legale Design-Hommage ausgegeben hätte. Da das Geschmacksmuster dieser ursprünglichen 60er-Jahres-Uhr längst abgelaufen ist, wäre die Empörung auch recht grundlos.

So trug ich tapfer meine Hongkong-GMT erst auf dem Beifahrersitz eines Porsche Panamera (gehört einem reichten Bekannten und zumindest das Auto hat auch eine hübsche Uhr, siehe Bild), dann in der Airline-Lounge von Thai...

 .... und auch sonst überall während meiner Reise ins kurzzeitig noch winterliche Deutschland im Jahre 2014.

Natürlich hat die Uhr nie irgendjemand beachtet, nicht über schweizer Bergen nach dem  Umsteigen in Zürich...

...

... und auch nicht beim Lesen des WATCH-Magazins in der Airline-Lounge...

... hier über dem Bild einer GMT vom "Namenspaten" Omega liegend, dessen Firmennamen das chinesische Unternehmen zu Verkehrung des Omegas in ein Alpha karikiert hat (Alpha baut auch Omega-Hommagen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html).   
Ich vermute, ich wäre in der thrombosegefährdeten Economyklasse sehr viel gefährdeter gewesen, von einem dauergewellten deutschen Bangkokbesucher die Vorzüge einer Festina Sonderedition Tour de France 200X erklärt zu bekommen, als dass man in der (wegen meiner zurückliegenden und auf zu kleine Schreibtische und Taiwanschuhe zurückführbaren ehemaligen Mini-Thrombose gebuchten) Businessklasse auf seinen Handgelenkticker angesprochen würde.

"Lolex"-Kehrseite im Vergleich zur Rolex-Kehrseite, nur der Uhrenfreund kann hier einen wohligen Schauder empfinden, von wegen Tabubruch.

Um es kurz zu machen, wie hat es also geklappt? Nun, die Uhr lief automatiktypisch mittelgenau (13 Sekunden Vorlauf pro Tag, durchaus üblich bei Automatiken unter 500 Euro), mit guter Gangreserve (jedenfalls mehr als 24 Stunden) und der kleine rote 24-Stundenzeiger zeigte mir die jeweils andere Zeitzone zuverlässig an, wenn man sich erst mal dran gewöhnt hatte, dass er der Zeit immer etwa 20 Minuten hinterher hinkte - was man durch Anpassen der 24-Stunden-Skala durch leichte Drehung nach Links kompensieren konnte. Edit: Dies "2. Zeitzone hinkt hinterher" soll auch eine bekannte Krankheit bei leicht gealterten ETA-Original-GMT-Werken wie dem 2893-1 sein und ist bei der Alpha gleich fabrikseitig der Fall. Die Uhr nervte freilich beim Umstellen der Hauptzeitanzeige auf die andere Zeitzone durch Mitverstellen des 2.-Zeitzone-Zeigers, was den Sinn der Uhr dann doch ziemlich einschränkt und den Rückgriff auf die Uhr an der Wand oder eben eine von mir mitgeführte Quarzuhr erforderlich machte. Wenn man sowie eine Zweituhr mitnimmt kann man eigentlich gleich auf die GMT verzichten, ich gebe es zu. EDIT: Das Mitverstellen der 2. Zeitzone bei verstellen der Normalanzeige ist auch bei ETA-Originalwerken wie beispielsweise dem 2893-1 (...-3) der Fall, wie ich seit Inbesitznahme meiner Hamilton Khaki Navy GMT weiß.

Vor der Rückreise ging die zweite Zeitzone dann soweit nach, dass sie die falsche Stunde anzeigte und musste nachgestellt werden, was aber nicht so dramatisch ist meiner Ansicht nach. Dramatischer war....

.... dass die Uhr auf den Wechsel von kalter Außenluft und deutscher Heizungsluft allergisch auf das Drehen am Tauchring reagierte und ich veritabel nach kurzem versehentlichen Drehen in der falschen Richtung den ganzen geriffelten Ring in der Hand hielt. Der ließ sich zwar sofort wieder drauf setzen und rastete auch brav ein, dabei hatte ich dann aber schließlich den farbigen Blechring mit der 24h-Skala in der Hand, weil der offensichtlich mit viel zu wenig und mittlerweile honigweichem Klebstoff angeklebt war. Auch wenn Uhrmacher eher mit etwas anderem kleben, ließ sich das jedoch mit einem vorsichtig aufgetragenen Pattexfaden lösen - seither hält die Farbskala bombig fest. Trotzdem hatte ich danach immer ein ungutes Gefühl, wann immer ich auf die Alpha blickte - ob eben noch alles dran saß an dem Ding, was in Hongkong einst angebaut worden war. Und die für die Uhr irgendwie zu große und sehr scharfkantige Krone, die sich mit während der Reise beim Kofferschleppen öfter mal in den Handrücken grub und eine schmerzhafte rote Stelle hinterließ trug auch nicht gerade zu angenehmen Tragegefühl bei. Ebensowenig wie die scharfen Unterseiten der Hörner der Uhr (das sind die Fortsätze rechts und links neben dem Armband am Uhrenkörper). Das scharfe Metallarmband, das einen Schleifpapiereffekt hatte, war ja schon vor der Reise gegen ein neutrales Lederband ersetzt worden.

Am Ende war ich froh die Alpha am Ende des Urlaubs wieder in der Uhrenschublade verschwinden lassen zu können, wo sie jetzt wohl auch lange Zeit liegen bleiben wird. Und habe mit großen Vergnügen eine schlichte blaue Orient umgeschnallt - ohne Rot am Drehring, damit ich möglichst wenig an die doch oft unangenehme Zeit mit der Alpha erinnert wurde. Das Fazit fällt daher auch wenig verblüffend aus: Eine genau gehende Automatik mit mechanischer zweiter Zeitzone für nur 90 US-Dollar ist eigentlich zu schön um wahr zu sein. Auch wenn sie schon funktioniert, ..... die Alpha ist eben in der Tat ... genau das. Zu schön um wahr zu sein.

Ich liebäugele jetzt mit der deutsch-schweizerischen Steinhart GMT (http://www.steinhartwatches.de/de/GMT-OCEAN-1-BLUE-RED,9.html), auch dem großen Vorbild sehr ähnlich sehend, aber grundsolide. Mein Probelauf mit der Alpha war eigentlich auch nur ein preiswerter Probelauf für die Steinhart. Oder nächstes Jahr doch wieder die Alpha? Wir werden sehen...

Nachtrag: Als ich in Zürich war, hatte ich von der Einwanderungsvolksabstimmung der SVP gar nichts mitbekommen...


 In ein paar Jahren fragen einem am Ende strenge SVP-Herren mit Tag-Heuer-Armbanduhren, was man in der "Schwiez" will und warum man nicht in Amsterdam oder Brüssel umgestiegen ist. Schröcklich würde es aber erst, wenn die Lindtschokolade und die Tissot-Uhren teurer würden, da würde ich auch gerne noch mal eine.... Never mind.

Dienstag, Januar 14, 2014

Alpha GMT - Erfahrungsbericht

Die chinesische Rolex GMT-Hommage namens Alpha GMT im Erfahrungsbericht

Neulich gab es einen verbalen Unfall. Junior stand in meinem winzig kleinen Abstellkammerbüro an der geöffneten Schreibtischschublade und wiederholte beständig ein einziges Wort. "Watch" (Armbanduhr). Oder ehr "watch...watch...watch...watch...". Weil so viele drin waren. Habe schnell die Schublade zu gemacht, damit seine Mutter nichts merkt. Watch und Camera (oder Kamera) sind zwei Worte, die er sehr schnell gelernt hat, wohl weil er seinen Vater genauestens beobachtet. In der Tat werde ich jetzt von meinem Tun, zahlreiche preisgüstige Armbanduhren in Serie zu erwerben abgehen - meiner nicht uhrentragenden Frau kann ich auch die Frage schlecht beantworten, was ich denn mit so vielen Uhren will, wo ich doch maximal zwei Arme dafür zur Verfügung habe.

Alpha GMT (nebst Hautirritation durch Junior :-)

Die neulich dem Postboten mühsam entrissene (http://osttellerrand.blogspot.de/2014/01/die-verschwundene-lolex-post-probleme.html) Hommage auf eine Rolex GMT soll hier kurz vorgestellt werden, weil ich finde, dass es sich für das wenige Geld doch um eine bemerkenswerte Uhr handelt. Natürlich sind Hommagen umstritten, insbesondere die chinesischen sind regelrecht verpönt. Wer sich jetzt aufregen will: Hommagen sind dann legal, wenn sie NICHT den Originalmarkennamen haben und ob sie mit dem guten Geschmack übereinstimmen muss jeder selbst entscheiden. Ich habe ja so viele Uhren in der Schublade, was interessiert mich da ein geschmackloser Tag, wenn ich sie mal trage. Weitaus weniger kritisiert wird die praktisch identisch aussehende GMT vom deutschen und schweizer Werke verbauenden [Edit: korrigiert] Hersteller Steinhart. Die kosten aber auch etwa 500 Euro das Stück, während die Alpha GMT direkt bei Alpha-Watch.com (Hongkong) 90 US-Dollar kostet, bei europäischen Anbietern auf Ebay zwischen 80 und 120 Euro - lieferbar mit Zifferblättern in Schwarz oder Weiß und schwarz-roter ("Coke") oder wie hier blau-roter ("Pepsi")-Tauchring.

Haptisch würde die Alpha mit 40mm Durchmesser ohne Krone gemessen und leichtem Gewicht durchaus angenehm wirken, wenn nicht die scharfen Unterseiten der Hörner (links und rechts neben dem Band) wären, an denen man sich fast schneiden kann. Andererseits hebt das Band die Uhr etwas an, so dass die Haut damit in der Regel nicht in Berührung kommt. Das hier verbaute Band ist das "Jubiläumsband" von Alpha, was angenehm viele Verstellmöglichkeiten bietet ohne Glieder entfernen zu müssen. Meist hat man das normale Band dran montiert, das auch an meiner letzten Alpha dran montiert war (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html) und mir durch die praktisch nicht herausnehmbaren Glieder negativ aufgefallen war und in der Abfallkiste gelandet ist. Auch das hier verbaute Band hat so seine Tücken: Die Kanten sind ebenfalls sehr scharf und wenn man mit den Fingern beim Herumprobieren zwischen die Glieder gerät, kann man sich fast schneiden. Junior werde ich mit dieser Uhr nicht herumspielen lassen.

Trotzdem trägt sich die Uhr eigentlich problemlos, das Handgelenk ist Kummer durch harte Metallbänder gewöhnt. Vermutlich werde ich das Metallband trotz des netten Aussehens durch ein schwarzes Lederband ersetzen und den scharfen Hörnern mit Schleifpapier vorsichtig zu Leibe rücken. Man kann auch Kratzer aus Uhrengehäusen auf diese Art und Weise wegschleifen und sogar Mattierungen wieder herstellen, das dürfte also kein Problem sein. Ich weiß, ich weiß, hätte ich die original Rolex gekauft...

Doch nun zum Positiven. Für nur 90 USD bekommt man hier eine vollmechanische (Automatik-) GMT-Uhr! Das heißt, dass sie neben den üblichen Zeigern noch den roten 24-Stunden-Zeiger hat, der also die Uhrzeit oder eine zweite Zeitzone im 24-Stunden-Modus anzeigt gemäß Ziffern auf dem "Tauchring". Übrigens hat die Uhr eine tauchermäßig verschraubt Krone, wirklich Baden oder gar Tauchen sollte man mit ihr aber nicht, wegen nur 50m Wasserresistenz. Auf dem unteren Foto ist der drehbare Tauchring leider eine Raste nach links verstellt, jedenfalls zeigt die 24h-Anzeige hier etwa 2 Uhr morgens an (der 1-Uhr-Punkt zählt in der 24-h-Anzeige naürlich für 2 Uhr morgens).


Will sagen in der zweiten Zeitzone wäre es damit 2.37 Uhr morgens während es in Taiwan gerade 9.37 Uhr war. Der rote Zeiger zeigt hier also die aktuelle Zeit in Deutschland an. Übrigens bewegt sich der GMT-Zeiger stufenlos, hält aber  evtl. ein bisschen länger an der alten Stunde fest, was aber zum Ablesen in Ordnung ist. Will sagen um 2:45 in Deutschland steht der GMT-Zeiger kurz nach der 2 und nicht etwa schon nah der 3. Beim Original springt er wohl sogar stundenweise von 2 direkt auf die 3, in sofern ist das in Ordnung.

Hier noch Schutzfolie auf der Schließe, die ordentlich ihre Arbeit tut.

Den GMT-Zeiger stellt man wie das Datum ein, in dem man die Krone nur eine Position herauszieht und entgegengesetzt herum dreht. Nachteil der Alpha ist jedoch, dass man beim Verstellen der normalen Zeit (Krone auf Pos. 2 herausgezogen) auch den GMT-Zeiger sinnfrei mit verstellt. Deshalb sollte man auf Reisen also die normalen Zeiger immer unverstellt lassen und die jeweils aktuelle Zeitzone nur auf der GMT-Anzeige einstellen. Genau umgekehrt wie es eigentlich mal gedacht war. Funktioniert aber auch. EDIT: Das ist auch bei ETA-Originalwerken wie beispielsweise dem 2893-1 (...-3) der Fall, wie ich seit Inbesitznahme meiner Hamilton Khaki Navy GMT weiß.

Genau läuft die Alpha, die ersten Tage hat sie sehr akzeptable 13 Sekunden pro Tag gewonnen,  momentan läuft sie noch genauer, da muss ich abwarten, wie sie sich einläuft. Damit ist sie um Klassen besser als meine andere Alpha (oben verlinkt), denn die "Planet Ocean" läuft sage und schreibe 55 Sekunden zu schnell pro Tag - es sei denn man legt sie öfter mal zwischendurch mit Krone nach oben ab.

Eine richtige Alltagsuhr ist die Alpha also wegen der scharfen Kanten vielleicht nicht*, aber mit zweiter Zeitzone rein mechanisch für 80 Euro oder so ein nettes Spielzeug für den Käufer mit Uhrentick. Mir gefällt sie so gut, wenn sie mal kaputt geht, ersetze ich sie vielleicht durch die solidere Steinhart.

Solidere Automatik-Uhren für wenig Geld wären etwa die Orient Mako oder auch eine Invicta Automatik. Trotzdem ist die Alpha eine nette Reiseuhr und wegen der zweiten Zeitzone (und über die drehbare Lünette sogar eine dritte ;-) klar mit Expatvorteil versehen.

UPDATE: Deutlich solidere japanische Orient Pepsi aus der Deep oder Mako genannten Automatik-Reihe, 200m wasserdicht, verschraubte Krone, gute Haptik, aus dem Seiko-Konzern (ohne Sekundenstop und Handaufzug), für 100 Euro ein solideres Angebot (hier an Mesh). Allerdings ohne GMT.

Und die Alpha GMT im 9-Tages-Urlaubstest:  http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

* es sei denn man erwischt eine weiter hinten aus der Produktionsserie. Bei mir waren wohl die Formen noch zu neu ;-)

Montag, November 11, 2013

Uhrenarmband-Mord (Alpha "Planet Ocean")

Ludigels wochenendlicher Uhrenwahnsinn. 


UPDATE bzgl. der Gangenauigkeit: Die Alpha war am ersten Testtag schon abends bei 50 Sekunden Vorlauf nach ca. 12 Stunden, so dass ich sie seither immer des nachts mit der Krone nach oben gelagert habe, was bei vielen Uhren die Uhr etwas abbremst und bei neuen Uhren wie dieser sogar evtl. yu einer langfristigen langsameren Einregelung führt, solange sich das Uhrwerk die ersten Monate lang noch einläuft. Nach einem 72h-Test hat die Alpha 90 Sekunden Vorlauf, also 30 Sekunden per 24h. Das liegt etwas über den von vielen Uhrenherstellern angegeben +/- 25 Sekunden pro Tag. Man hofft natürlich auf bessere Gangwerte. Hier müsste also ein Uhrmacher ran, der bereit wäre, sich mit einer Alpha zu beschäftigen. Ich werde einfach mal abwarten, ob meine Krone-oben-Lagerung das Werk etwas abbremst.

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Meine für etwa 70 Euro von Hong-Kong nach Taiwan gelieferte Alpha "Planet Ocean", ein Replikat einer teuren Omega "Planet Ocean", für deren Kauf ich mir eine längere Geschichte als Entschuldigung ausgedacht habe (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/das-alpha-tier-der-uhrenwelt.html) entpuppte sich eigentlich als guter Kauf, wenn man von moralischen Hemmungen absieht. Aber immerhin steht ja "Alpha" auf der Uhr und nicht "Omega". Die Krone arbeitet entgegen meinem ersten Eindruck problemlos, das festgestellte seitliche Spiel der Kronenstange kommt nicht zum Tragen, wenn die Krone eben vorsichtig herauszieht, sowie man sich an den Schraubmechanismus gewöhnt hat. Sie tickt derzeit auch sekundengenau, die Abweichung wird wohl wie bei teureren Automatikuhren unter 10 Sekunden pro Tag liegen. Was für ein Uhrwerk verbaut ist, weiß man wohl bei den Alphas nie so genau, aber Käufer, die die Rückwand abnehmen, haben offbar schon mal ein original Miyota-Werk drin gefunden (das ist etwas nahmhaftes aus Japan, kann aber wohl auch kontrollierte Chinafertigung haben). Die Uhr wirkt wertig, kann man nicht meckern für das wenige Geld. Verdruss bereitete mir aber das Metallarmband. So schön es auch wirkte, nur ein einziger Pin lies sich bei der Bandkürzung entnehmen, alle anderen saßen drin wie festgeschweißt - sogar mein Spezialwerkzeug ging kaputt, obwohl es andere Bänder problemlos gekürzt hatte. Flugs ging es also zu unserem lokalen Brillenladen, der auch Uhrmacherdienste anbietet. So habe ich da eine Zeit lang immer "Genuine Swiss Leather"-Armbänder für umgerechnet 5 Euro erworben, die immerhin 4 Wochen lang gehalten haben. Batterien wechselt der Mann auch. Prompt fing er auch an, mein Alpha-Metallarmband kürzen zu wollen, wies noch auf meinen dilettantischen Selbstversuch und das entsprechend vergrößerte Loch im Armbandglied hin (hust) und geriet dann selbst jämmerlich ins Stocken. So sehr, dass er mich aus dem Laden schickte, um in Ruhe dem Alphatier zu Leibe rücken zu können. Zwanzig Minuten später hatte er das Armband dann um zwei Glieder gekürzt, so dass es jetzt zu eng statt zu weit war. Auf meinen Einwand hin iterierte er immer wieder die zwei Feinverstellungspositionen durch (zu_eng/noch_enger), bis ich entnervt aufgab und ihm die 100 NT aka 2.50 Euro für seine Dienste gab und mich dann auf dem Heimweg über meine mangelnde Persistenz, fehlende Chinesischvokabeln und das Armband ärgerte.

Daheim ging es also mit neuen Tipps aus Uhrenforen dem Arband wieder zu Leibe. Während im Fernsehen der Selbstjustizkiller "Dexter" kurioserweise einem "Alpha-Omega"-Mörder jagte (sich allerdings auf die griechischen Buchstaben und nicht auf die Uhren beziehend), hackte ich mit vergleichbar bösem Blick auf das renitente chinesische Armband ein, das wieder mal die Stifte nicht freigeben wollte, trotz Einsatzes von Schmierfett vergleichbar dem heimischen Caramba und mehrerer "Caramba"-Rufe meinerseits. Am Ende reichte es Dexter, er verzichtete darauf, einen pfarrermordenden Bösewicht mit korrektem Prozedere im "Kill-Room" mit dem Messer zu meucheln und ertränkte den Kerl (der so unverschämt gekichert hatte) kurzerhand im Meer. Ich hatte dafür vollstes Verständnis, ärgere ich mich doch auch hier ständig über kichernde Paketdienstboten und Verkäufer und entschied nun, dass mein eigenes Alpha-Omega-Drama nun auch einer unkoventionellen Lösung bedurfte. Ich griff nicht wie Dexter zum langen Messer oder zur Mistgabel (mit der er gerade einen Motelportier umnietete), sondern zum Amrbandentferner. Einem heile gebliebenen tollen Werkzeug, mit dem man die Federstege der Armbänder direkt an der Uhr entfernen kann. Butterweich ging die Mistgabel in den Brustkorb des schmierigen Portiers und butterweich fiel das elendige chinesische Armband von meiner falschen Omega. Das schwarze Lederband mit weißer Naht für 3 Euro einst von Ebay bestellt ist nicht ganz stilecht, wird aber bald durch ein passendes mit orangen Nähten ersetzt. Als Neuling unter den Uhrenfreaks ist es mir immer noch peinlich solche Sätze zu schreiben.
Heute Abend wird Dexter sicher auch den Alpha-Omega-Mörder erwischen.



Habe die Handlung übrigens nicht so ganz mitbekommen, was wohl auch besser ist. Der Killer sucht glaube ich in der Serie derzeit die "Hure Babylon", um mit ihr den Weltuntergang auszulösen, wovon ich nicht wirklich mehr wissen will. Heute Abend gucke ich glaube ich mal wieder die Muppet-Show.



***



Links repariert bei Artikel über "Deutsche Gefangene in Taiwan": Der kürzlich wegen eines interessanten Leserkommentars neu referenzierte ältere Artikel hier im Blog über die deutschen Gefangenen in Taiwans Gefängnissen hat jetzt zumindest weitestgehend reparierte Links: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/05/deutsche-im-gefangnis-in-taiwan-2013.html

Mittwoch, November 06, 2013

Das Alpha-Tier der Uhrenwelt

Ludigel kriegt ein tickendes Paket aus HongKong

Im Wolfsrudel ist das Alphatier der Boss und das Omegatier der "Underdog", der dem Rudel ausgegrenzt hinterher trottet. Um es für Taiwanexpats verständlicher zu machen: Das Alphatier ist die Ehefrau, das Omegatier der Ausländergatte (hust). In der Uhrenwelt ist es aber genau anders herum, die Marke Omega gehört zwar nicht zu den allerersten teuersten, aber sicher unter die Alphatiere der Uhrenwelt. Uhren, die im Stil längst Vorbild für eine ganze Industrie geworden sind, zusammen mit Rolex, Breitling, IWC Schaffhausen und anderen. Auf den Uhren von Omega, etwa einer oft 4.500 Euro teuren "Planet Ocean", die man oft mit orangefarbener Lünette hat, prangt natürlich ein stolzes Omega-Zeichen auf dem Zifferblatt.

Und eine Marke namens Alpha gibt es auch, die sitzen in HongKong, haben einen ganz guten Ruf unter Uhrenfreunden von der Technik her, machen aber sogenannte Hommagen von meist Rolex und Omega-Uhren. Hommagen in dem Sinne, dass man bis auf das Markensymbol und der Beschriftung keinen Unterschied findet. Ein Photovergleich einer echten Omega Planet Ocean und einer Alpha "Planet Ocean" etwa findet sich hier: http://forums.watchuseek.com/f71/omega-planet-ocean-look-like-202407.html. Zu beachten ist, dass die Alpha am Metallband liegt, während die im Foto (ein Foto im Foto streng genommen) gezeigte Omega das optionale orangene Lederband hat. Aber ein solches kann man an die Alpha Ocean natürlich auch dran machen. Wer also wissen will, wie die Omega aussieht, kann sich auch unten meine Fotos der Alpha ansehen.

Warum bestellt man nun so eine "Hommage**", bei der sicher auch weniger freundliche Begriffe angemessen wären (?) - schließlich ist die Vorlage noch auf dem Markt und nicht etwa ein historisches Uhrenmodell. Gründe gibt es viele, ein Uhrenforensmitglied etwa hat sie sich bestellt, um die Omega erst mal kostengünstig zum Anzug "probezufahren". Die Probefahrt kostet nämlich nur 70 Euro. Für den Preis liefert sie ein Brite mit wohl chinesischem Hintergrund aus England nach Deutschland auf Ebay oder versendet sie Alpha Hong Kong auch zu mir nach Taiwan, im obigen hübschen Paket.

Manch einer will sicher auch nur so ein schick gestyltes Ding haben und nicht viel Geld ausgeben. Alpha scheint das Ganze halb peinlich zu sein, denn gleich oben liegt eine Art Entschuldigungskarte vom "Unidesign Workshop" im Paket, bei der sie angeben, die Uhren seien vom europäischen Erbe inspiriert. Der Unidesign Workshop ist die Firma hinter der Marke Alpha. Es soll sich nur um eine Art Warenkontor handeln, der also seine Uhren bei wechselnden Zulieferern bauen lässt in China oder HongKong, so dass man nie so genau weiß was drin ist. Wenn man Glück hat ein Seagull-Uhrwerk, denn Seagull ist ein renommierter chinesischer Hersteller, der nicht ganz billige Uhren baut unter eigenem Markennamen und etwa auch für den einstigen renommierten japanischen Kamerahersteller Minolta produziert hat. Seagull macht auch Replikate alter Rollei Mittelformatkameras. Ich habe eine in Deutschland, einst für 90 DM gekauft, ein grundsolides verblüffend authentisch wirkendes Ding, das allerdings keine besonders gute Optik und ein ausgesamtes Samenkorn im Objektiv hat - stört bei dem großen Format aber nicht wirklich. 

Meine eigene Alpha habe ich bestellt, tja, aus Neugierde, weil sie billig ist, meistens gut sein soll (Qualitätsschwankungen sollen fast nicht mehr vorkommen seit 2010 sagt man) und weil ... meine Gattin halt neulich im Ärger sinnfrei auf dem Aktienportal ihrer (unserer) Hausbank herumgeklickt hat und dabei einen so hohen Betrag verloren hat, bei dem ich mir zweieinhalb Originale hätte kaufen können. Die Alpha ist daher eine Art Scherz mit mir selbst und für mich halt sogar "teuerer" gewesen als das Original. Sie soll mich an den Vorfall erinnern. Aus Trotz oder als Mahnung, meinen Finanzhaushalt nicht mehr ganz so taiwanisch dominieren zu lassen. Also nicht nur ein Fake für mich, sondern etwas Persönliches.
Einen Schreck habe ich freilich beim Anblick der Vesitenkarte aus Pappe bekommen, die gleich nach dem Entschuldigungsschreiben kam. Der Materialfehler in der Karte ließ nichts gutes für den Zustand der Uhr vermuten!


Zunächst kam ein Etui aus Kundstwildleder zum Vorschein, statt der üblichen Uhrenbox, das aber haptisch einen ordentlichen Eindruck machte und sogar ein kleines User Manual im perfekten Englisch drin hatte. Englisch ist ja in HongKong kein Problem.


Sogar eine ausgefüllte Garantiekarte gab es! Das habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Deutsche Verkäufer lehnen ja das Ausfüllen grundsätzlich immer aus religiösen Gründen ab.

Da ist sie nun also, die 70 Euro teure Alpha. Das Armband chinatypisch in dickem Kuststoff eingeschweisst, den man kaum jemals abbekommt (es geht mit Werkzeug, habe ihn aber noch dran) und die Uhr durch Cellophan geschützt. Das Armband passt übrigens für meinen 18cm-Umfang-Arm durch Herausnahme eines einzigen Gliedes. Besitzer ganz stämmiger Arme müssen also aufpassen, aber mit einem schwarzen Kautschukband mit orangener Naht sieht die Planet Ocean im Zweifelsfall auch noch besser aus.

 Das Alphazeichen auf der Uhr, das ja fast ein gedrehtes Omega ist, macht natürlich sofort deutlich, dass hier Lächrlichkeitsgefahr mit der Uhr gesteht. Das gequälte ein-Original-sein-wollen wird dadurch sehr deutlich, auch weil sonst alle Details, wie die typischen orangenen arabischen Ziffern auf 12, 9 und 6 Uhr genau mit dem Original überein stimmen. Wer eine Uhr in dem Stil will und keine Hommage will, kann etwa eine italienische Politi kaufen, die hat ein eigenes Design, ist ähnlich, qualitativ nach Aussage von Uhrenkennern sehr gut und in Deutschland für etwa 170 Euro zu haben. Und auch wasserdichter als die Alpha. Die ist mit 5 ATM / 50 Meter Wasserdichte nämlich im Gegensatz zum Original kein echter "Diver", auch wenn sie tatsächlich eine verschraubte Krone hat, wie sich das für eine Taucheruhr gehören würde.

Ehrlich ist Alpha ja. Während manche pseudo-Uhrenmarke von weiterverkaufenden Deutschen, die Uhrentradition vortäuschen und auf die umgelabelten Chinauhren labbrigster Qualitätsstandards etwa "Calvados 1566" schreiben (Name und Jahreszahl abgeändert), ist Alpha mit der Gründungsepoche da ehrlicher - 1993.

Auch die Beschriftung der Armbandschließe ist wohl eng am Original gehalten, bis hin zum hier nicht lesbaren Schriftzug "professional Instrument". Na ja, es ist ja auch der Job der Uhr, die Zeit anzuzeigen, in so fern sicher richtig. Auch das Armband wirkt wertig, leicht und stabil, nicht so billig wirkend wie das anderer Chinauhren. Aber ich muss es sicher erstmal auspacken, um es ganz bewerten zu können. Wertige Schließe jedenfalls.

Haptisch und optisch war die Alpha sofort eine Freude, das will ich ganz klar sagen. Die wirkt nicht zu leicht, nicht zu schwer und das Mineralglas (zu Saphirglas reicht es bei dem Preis nicht) ist kratzerfrei. Das Gehäuse ist Edelstahl und völlig wertig gearbeitet. Die Uhr wirkt sehr sehr viel teurer als sie ist, von der Verarbeitung her und auch von der schönen orangenen Lünette hier, die sicher und mechanisch sauber ohne Spiel in Linksrichtung drehbar ist. Das macht sie viel besser als viele teurere Uhren. Das Glas spiegelt etwas, was beim Original nicht der Fall ist, habe ich gelesen. Lässt sich aber gut ablesen die Uhr.

Hirn und Gefühl waren bei mir mal wieder im Widerspruch. Mein Hirn meldete "billiger Chinaklunker, schäm dich", während mein Gefühl von der bildschönen und richtig solide feinmechanisch gearbeiteten Uhr ganz angetan war. Sie ist einem teuren Original nachempfunden und bemüht sich, dem nach nahe zu kommen. Nahe lag der Vergleich zu meiner "J.Springs", die ich gerade am Arm hatte, siehe rechts. Die "J.Springs" ist aus dem Hause Seiko (das Label steht für "Japanische Frühlinge" und soll Designfrische suggerieren) und sicher ähnlich in der Farbgebung. In Deutschland wird sie üblicherweise für 120 Euro verkauft, ich habe sie für 78 Euro von einem polnischen Versender*** nach Deutschland geliefert bekommen (versicherter Versand mit Tracking betrug allerdings 14 Euro zusätzlich). Die J.Springs ist schwerer und klobiger, auch keine richtige Taucheruhr, auch wenn sie das Taucheruhrendesign der 70er nachmacht (100 Meter wasserdicht, keine verschraubte Krone). Sofort zeigt sich die Alpha überlegen: Die Lünette der günstigen J.Springs etwa hat Spiel und rastet leicht versetzt zu den Minutenpositionen ein, der Sekundenzeiger der Japanerin hält beim Verstellen nicht an (Sekundenstopp ist in der Preisklasse auch nicht üblich) und läuft sogar beim Verstellen der Uhr etwas rückwärts. Auch schließt die Krone nicht ganz mit dem Gehäuse ab, was mich an den "100 Metern" Zweifeln lässt.

Ganz anders die vornehm wirkende Alpha. Sie hat einen Sekundenstopp und im Gegensatz zur J.Springs kann man ihr Uhrwerk sogar aufziehen! Das ist in der Preisklasse bei (sich selbst aufziehenden) Automatikuhren wirklich nicht üblich. Großes Lob hier an die Alpha. Etwas labbrig fühlt sich die Krone an, wenn man sie heraus geschraubt hat (Taucheruhren verlangen ein "Aufschrauben" der Krone vor Benutzung). Man kann dann die Krone an ihrer Stange ein bisschen wie einen Schaltknüppel "rühren", was nicht sehr solide wirkt, aber über die Langlebigkeit kann eben nur die Zeit entscheiden. Da hat die J.Springs eine klarer definierte Kronenführung und auch meine Orient-Diver (etwa 100 Euro in Deutschland, auch aus dem Hause Seiko, eine ist hier zu sehen: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/uhrenfotografie.html) hat da eine bessere Führung.

Als Uhrenfreund hat man sicher immer zu wenig Arme für die vielen Uhren. Mein obiges Trageverhalten dient freilich nur dem Vergleich, man sieht insbesondere das recht stark spiegelnde Uhrglas der Alpha. Aber trotzdem wirkt die Uhr wertig und teuer und eine ganze Ecke solider als die J.Springs. Auch wenn dei Kronenführung mir Sorgen macht. Hat der Uhrwerkshersteller hier eine variable Kronenstangen-"Aufhängung" (die Fachbegriffe kenne ich hier nicht) eingebaut, um die mechanische Belastung der Kronenstange wegen der Schraubkrone abzufedern? Oder ist es nur ein bisschen labbrig?

Das Alpha findet sich sogar auf der Krone, wie beim Original wohl das Omega. 


Bei meiner original-Alpha jedenfalls war auch der Uhrenboden hübsch graviert, während viele Hommagen da einen blanken Deckel haben. Auch hier will die Alpha wertig wirken mit verschraubtem Uhrboden und Gravur. Das Rote ist von einer Schutzfolie.

Ich bin gespannt, wie es mit dem Alphatier und mir weitergeht. Die Genauigkeit und Gangreserve habe ich noch nicht wirklich geprüft, von Nachtmittags bis zum Morgen des darauffolgenden Tages jedenfalls lief die Alpha minutengenau (Sekundenabweichung nicht geprüft) und trotz wenigen Tragens hat sie auch die Nacht brav weiter getickt bis zum Morgen. Das ist ein gutes Omen.



Ähnliche Artikel aus Ludigels Uhrenwahnsinn:

http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/zuckerloser-tiger.html (Onitsuka Tiger)

http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/uhrenfotografie.html (Orient Deep Blue)

http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/heiter-bis-uhrig.html (div. Uhren)

http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/chinauhr-315-euro.html (Rosra)

http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/die-menschen-mussen-gewarnt-werden.html (Tissot Seastar 1000)

** Juristische Bewertung von mir als Laien: Der deutsche Zoll lässt Alphas anstandslos durch (verzollt wird in Deutschland freilich u.U.), weil sie eben keinen gefälschten Markennamen haben. In diesem Sinne sind sie zollarisch Originale und keine Fälschungen. Einen Alphahändler oder eine Vertretung abgesehen von Ebayleuten gibt es in Deutschland im Gegensatz zu etwa den USA nicht, was vielleicht auch juristische Gründe hat. Auch ein zollarisch nicht beanstandeter Artikel könnte wegen Produktähnlichkeit durchaus vor Gericht Ärger geben, wenn etwa ein "Mitbewerber" Klage einreichen würde gegen einen Händler. Rechtliche Schritte gegen Alpha sind mir aber nicht bekannt. Der deutsche Zoll soll selbst Träger von Fälschungen mit falschem Markennamen unbehelligt lassen, solange ein Fake (die Alpha ist keins in diesem Sinne!) am Körper getragen wird. Andere EU-Länder sollen aber auch getragene Fakes durchaus mit empfindlichen Geldbussen und Beschlagnahme ahnden.

*** Bei der J.Springs will ich an ein "östliches" Fake aus Polen nicht glauben: Dazu ist eigentlich das Label zu billig und sie wirkt abgesehen von den kleinen Unschönheiten durchaus solide, hat viel Gangreserve und geht fast sekundengenau über längere Zeit. Wäre bei einem Billigstfake sicher nicht der Fall.

UPDATE: Das Armband ist zwar solide, offensichtlich hat es aber Fertigungstoleranzen bzgl. der Armbandstege. Obwohl ich schon so manches Band gekürzt habe, habe ich in diesem meinen Meister gefunden. Ein Steg ließ sich problemlos entnehmen, alle anderen sitzen fest wie festgeschweißt. Heute Abend darf sich der Uhrmacher beim Meißeln versuchen.

Dienstag, Oktober 29, 2013

Zuckerloser Tiger

Mit Schwiegermutter, diversen Neffen und Quasineffen und derelei mag man sich hier in Taiwan öfter mal wie ein unterzuckerter Tiger vorkommen, dem man die Krallen gestutzt hat. Hier ist jedoch davon unbeschadet die Rede von einer Uhr, einer "Onitsuka Tiger" von einem japanischen Modelabel, in der Rubrik "Ludigels Uhrenwahnsinn". Letzter Teil dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/uhrenfotografie.html

Die Uhr hat nichts das geringste mit Italien zu tun, sondern ist Made in China, wie das heute oft so ist und herausgegeben von einem japanischen Modelabel names Onitsuka Tiger. Die Uhren sind zwar modern-groß mit um die 44mm Durchmesser ohne Krone, haben aber ansonsten ein an die 70er angelehntes Retrodesign, was bei diesem Modell allerdings nur in der nackter-Edelstahl-Variante deutlich wird, denn dann sieht man die etwas altmodische Form des Uhrengehäuses. Hier erinnert mich jedoch die schwarze Lederunterlage der Uhr an die 70er. An meiner kooperativen Gesamtschule, an der ich mich in den 70ern eine Weile herum trieb, hatten die linksökologischen Lehrer oft solche Uhren um, das war irgendwie sportlich-rebellisch mit dem dicken Lederflatschen drunter. Sonst ist die Uhr einfach eine Quarz mit Stoppuhr und wirkt aber ganz wertig mit Seiko-Uhrwerk, das sie haben soll. An Ganggenauigkeit gibt es quarzüblich nichts auszusetzen. 


Einen Seiko-Chrono made in Japan kriegt man schon für 200 Euro oder weniger, daher erstaunte mich zunächst der Preis des zuckerlosen Tigers. Um die 250 Euro will man oft in Deutschland für so einen Chinawecker haben, das erscheint mir überzogen - etwa bei Amazon.de. Und bei Amazon.com, also dem US-Original, kosten die Uhren (jedenfalls damals als ich nachgesehen habe) nur um die 100 US-Dollar. Das ist sicherlich ein viel vernünftigerer Preis.

Verzichtet man auf den Retroflatschen unter der Uhr, liegt sie angenehm und schlank-unaufällig am Arm, lässt sich trotz des schwarzen Zifferblattes wegen geschickt gefärbter Zeiger recht gut ablesen und leuchtet sogar ein bisschen im Dunkeln. Alles in Ordnung für um die 100 USD würde ich sagen. Mit Lederflatschen türmt sie sich auffällig am Arm auf und wirkt viel massiver, man stößt allerdings auch schon mal gerne irgendwo gegen, etwa wenn man seinen Junior an der Hand hat - nämlich an seinen Kopf.

Zu überbunter Kleidung trage ich das Ding gerne. Ich habe sie bei Ebay neu für nur etwas über 50 Euro abgegriffen, das scheint mir ein sehr netter Preis für den schwarzen Tiger zu sein. Sehr nett übrigens wie die Rückstelltaste der Stoppuhr funktioniert. Die lässt den Zeiger offenbar mechanisch zurückpoppen, das fühlt sich richtig schön mechanisch an und nicht so elektromotorisch sanft wie bei meinem alten 90er-Jahres Seiko-Chrono. Gefühlt ist da die Stoppuhrverstellung eher wie mein mechanischer Tissot-Chronograph (aus "Re-Sche" und nicht Zhongguo).

Hübsch geschliffenes Glas hat sie auch, für etwas über 50 Euronen also fast gestohlen, nett auch 24h-Anzeige (geht die als zweite Zeitzone?), die ich erst für was anderes gehalten habe.

Als Antidepressivum, als das ich dieser Tage günstige Uhren verwende, wo sich doch mein Aufenthalt hier im grauen Taipei-NeiHu bald auf die vollen 10 Jahre jährt, ist die Uhr so ganz in schwarz aber nicht wirklich zu gebrauchen.

UPDATE: Derzeit für 278 Euro mit Metallband bei Ebay.de: http://www.ebay.de/itm/Onitsuka-Tiger-Uhr-Chrono-Steel-OTTC0104-/350906795928?pt=DE_Kleidung_Schmuck_Accessoires_Uhren_Armbanduhren&hash=item51b3acc798
Mein lieber Herr Gesangverein. Wenn ich öfter in D-Land wäre, hätte ich sie glatt wieder eingestellt zum Verkauf. Teures Ding, kriege jetzt richtig Respekt davor. 

Montag, April 08, 2013

Chinauhr, 3.15 Euro

Haben Rolex, Omega und Tudor noch eine Chance?

Wie gut Chinauhren für wenige Euro sind, ist sicher kein Thema, das die Deutschen nachts in ihren Betten wach hält, allerdings kommen viele Leute doch damit in Berührung. Nämlich wenn sie bei einem Shopping-TV-Sender oder bei Ebay eine vermeintlich günstige Uhr erstehen. Shopping-TV-Sender haben die Tendenz, richtige OEM-Produkte draus zu machen, d.h. sie nehmen Einfluss auf die Gestaltung und kontrollieren wohl auch die Qualität, während Ebay-Händler oft nur einen selbst ausgedachten Markennamen drauf schreiben lassen, der deutsche oder schweizer Uhrentradition vortäuschen soll. Wer im Internet Uhren kauft oder beim Shopping-TV, sollte also immer den Markennamen ergoogeln, um keine böse Überraschung zu erleben, denn Chinauhren sind in der Regel unreparierbar, die wenigen guten Marken ausgenommen (und die sind auch teuer). Eine Übersicht über bestimmte Uhrenmarken liefert diese Seite eines Uhrmachermeisters: http://www.uhrmacher-balster.de/welche-uhrenmarken-werden-nicht-repariert.html.
Diese Uhren werden von dem Uhrmachermeister nicht repariert und ein ergoogeln dieser Marken lieferte bei mir oft Hinweise auf Chinabilliguhren, ohne das ich hier aus juritischen Gründen diese Marken bewerten möchte.

Preise von umgelabelten Chinabilliguhren liegen oft bei 40-250 Euro, da kriegt man also schon eine richtige Uhr für und keinen Chinabilligticker. Wer eine Automatik will, sollte sich etwa mal die Japanmarke ORIENT ansehen, die gute Uhren ab 80-115 Euro hat (oder auch US-Dollar, je nach Markt), etwa bei Amazon. Ein Extrema von Preisaufblasung waren geschlagene 1000 Euro, die Ebay als Sofortkaufoption hatte für eine angeblich goldene Chinauhr mit einem Markennamen ähnlich dem Getränk Calvados. Ohne Karatangabe versteht sich.

  Manche Uhren werden direkt aus China beim deutschen Ebay angeboten und gehen oft für um die 5 Euro weg. Wie gut sind solche Angebote mit unbekannten Markennamen? Faires Angebot oder bekommt man Abfall? Ich habe es einmal aus Jux ausprobiert - meine Frau hat also zwei Uhren bestellt, Quarz allerdings, aber hier in Taiwan auf einer Shoppingseite (pchome.com.tw glaube ich), für 3.15 Euro das Stück umgerechnet.

Die Uhren der Marke "Rosra" wurden in Bubblefolie verpackt geliefert und man merkte sofort, wie verblüffend leicht die Sendung war. Die Uhren wogen praktisch nichts! Sofort verwunderte mich bei der Uhr oben, dass eine sehr stabile Schutzfolie um das Metallarmband gelegt war, so dass sie wie ein integrales Teil des Armbands erschien - im Foto sieht man das noch. Nur lag die Folie damit in solchen Falten, dass ich es doch abmontieren wollte. Sehr zu meinem Schrecken schien das dünne Armband unter meinen verzweifelten Reissversuchen zu zerbrechen, so fest saß die krummelige Folie. Am Ende ging die Schutzfolie mit viel Arbeit ab und das Armband nahm keinen Schaden. Allerdings hatte die "Rosra" nun eine melodische Eigenschaft - die dünnen wohl gusseisernen Platten des Armbandes berührten einander nun oft, verkanteten sich manchmal sogar etwas ineinander und gaben dabei ein helles metallisches Klirren von sich, das an Glöckchen erinnert. Aufmerksamkeit ist einem beim Anlegen und Ablegen der Uhr sicher.

Als nächstes wollte ich bei der Quarzuhr die Chronodrücker drücken, um den Chronometer zu testen. Eine Anleitung gab es ja nicht, aber es ist meinst keine Rocket Science, welche Knöpfe was machen. Autsch! Fehlanzeige, die Chronoknöpfe sind fest und die drei chronoartigen Anzeigen offensichtlich nur Deko. Der Chronometer ist eine reine Attrappe. Nur der mittlere Knopf ist echt, alles andere ist aus einem Guss. Problemlos ließ sich die Uhrzeit einstellen, auch der Sekundenstopp funktionierte. Sprich die Uhr ließ sich sekundengenau einstellen und lief dann brav los. Wer denkt, die im Taucheruhrenstil gehaltene Lünette mit den hübschen Zahlen und dem griffig geriffelten Rand drehen zu können irrt freilich. Das ist wohl auch nur eine Attrappe. Aber das gibt es auch bei teureren Uhren. Die Uhr trug sich angenehm leicht am Handgelenk und sah sogar nett aus - wirkte wie eine richtige Uhr, so rein optisch gesehen.

Bei der näheren Inspektion nervte freilich die Ablesbarkeit. Die Uhr lässt sich bei Tageslicht zwar gut ablesen, bei hellem Kunstlicht von oben reflektieren die falschen Chronoanzeigen jedoch so extrem, dass man die gleichfarbenden Zeiger nicht mehr erkennt, sollten sie sich auf der linken Uhrhälfte aufhalten. Auch zeigte das wohl gusseiserne Gehäuse (die Uhr hat freilich einen dünnen Edelstahlboden, auch wenn der Begriff Edelstahl sehr dehnbar ist, wenn nicht Euronormen entsprechend) diverse kleine Dellen und sogar eine gülden schimmernde Farbauffälligkeit nebst einer auf dem Foto auf 11 Uhr erkennbaren Abschürfung auf dem Glas - der Herstellungsprozess involviert wohl viel benutzte Gussformen und Strapazen für das Glas. Das Glas wirkte übrigens recht gut geschützt, weil nicht herausstehend und wirkte wie normales Glas, also nicht etwa Fieberglas. Wie lange es hält und ob die Uhr im Taucheruhrendesign wenigestens Regentropfen überlebt weiß ich alles nicht, denn dazu müsste ich die Uhr tragen. Übrigens scheint sie genau zu gehen, auch nach Tagen noch zeigte sie die Uhrzeit minutengenau an. Ob sie auch sekundengenau geht weiß ich nicht, ich hatte keine Lust dem kaum ablesbarem Sekundenzeiger so viel hinterher zu gucken.

  Die zweite Rosra war genauso leicht, jedoch mit einer schwarzen Lackierung überzogen, so dass die Uhr kunststoffartig und daher haptisch noch billiger wirkte. Auch wenn sie unter dem Lack wohl aus dem selben Material war. Unangenehm hier, dass an der Kunststoffhülle des Armbandes etwas schwarzer Lack vom Armband hängen blieb, auch wenn das Armband danach optisch einwandfrei aussah. Man fragt sich unwillkührlich, ob auch am Arm etwas aussuppt, auch wenn das bei mir nicht der Fall war bei kurzem Tragen. Lustig: Die Krone der Uhr (auch hier sind die Chronos Attrappen) war mit einer Transportsicherung im Herausgezogenen Zustand fixiert und der Sekundenzeiger und Minutenzeiger kämpften permanent durch Vor- und Zurückruckeln gegen das erwungene Halten an. Die Uhr war defekt und hatte auch nach Abnehmen der Transport(un)sicherung einen defekten Sekundenstop und fiel durch erratisches Springen des Minutenzeigers beim Stellen auf. Hatte man die richtige Uhrzeit allerdings eingestellt, hielt auch diese Uhr die Zeit minutengenau über mehrere Tage. Auf dem Foto ist die Uhr gut ablesbar, weil der drahtlose Blitz das Zifferblatt abschattet, in Wirklichkeit sieht man beim Ablesen nur Weiß auf Weiß und kann die Uhrzeit fast nicht erkennen. Lustig auch die Lünette mit Tachimeter. Ein Tachimeter ist ohne großen Stoppuhrzeiger natürlich sinnlos - er soll ja die km/h anzeigen, die seit dem letzten Stopp ermittelt wurden von der 0-Position aus gesehen. Will man den Sekundenzeiger dafür verwenden, müsste die Lünette wenigstens drehbar sein - ist sie aber nicht. Aber gut, Deko halt. Auch diese Rosra hatte kleine Beschädigungen im Gehäuse und fiel sonst durch ein Kuppelglas auf, das bei mir Zweifel an der Haltbarkeit erweckt, schließlich ist Billigglas Schlägen gegenüber sehr empfindlich.

Fazit? Die Ausschussquote war also 50%, die untere Uhr gibt Anlass zur Sorge wegen der schwarzen Abfärbung und war defekt, auch wenn sie noch Funktion hatte. Die obere funktioniert immerhin bedingt als normale Uhr, mit der Einschränkungen einer schlechten Ablesbarkeit. Bis zu 5 Euro sind solche Uhren sicher wert, mehr möchte ich nicht dafür bezahlen. Auf Ebay fand ich Rosra-Uhren zwischen 5 und 18 Euro. Mag sein, dass die Modelle besser sind. Klaro. Für Sparfüchse für bis zu 5 Euro vielleicht ein akzeptables Angebot, auch wenn eine Casio oder dergleichen für unter 50 Euro hier sicher mehr Vergnügen und Funktion garantiert meiner Meinung nach. Auch eine gebrauchte Pulsar oder Lorus (beides wie auch Orient SEIKO-Marken) für 35 Euro oder weniger ist sicher ein vorzuziehendes Angebot, es sei denn man hätte wirklich nur einen Zehner zum Uhrenkauf zur Verfügung. Dann aber gleich 2 kaufen, würde ich vorschlagen.

Armbänder: Das Armband der oberen Uhr ist passgenau für mein 18cm-Umfang-Handgelenk, für stärkere nicht geeignet. Das der unteren hat noch ein paar Armbandglieder Luft.