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Donnerstag, Mai 04, 2017

Autofahren...

Der Artikel "Autofahren in Taipei", der auch das Umland mit einschließt ist vielleicht nicht ganz perfekt bebildert. Unten ein Bild allerdings aus Changhua, das die öfter vorkommenden nervigen Situationen in Taiwan ganz treffend beschreibt.

In engen Gassen oft Millimeterarbeit im Dauerstau leisten und dabei auf mit hoher Geschwindigkeit regelfrei heranpreschende Motorroller achten ist eben oft der Alltag in Taiwan. In Changhua, das mir noch viel voller und enger als Taipei vorkam, ist das wohl Dauerzustand. Hier bin ich allerdings nur Passagier gewesen.

Mit unserem neuen kleinen Nissan March aka Micra fahre ich in Taipei allerdings die Tage recht unbeschwert durch die Gegend. Das etwas über 1,60m breite Autochen passt halt viel besser durch enge Gassen als unser alter Volvo XC60, der es immerhin auf etwa 1,90m brachte. Sparsam ist der Nissan-Kleinwagen mit etwa 10 Litern Verbrauch auf 100km Stadtverkehr allerdings nicht gerade. Mit seinem 1,5-Liter 99 PS-Motor ist er aber auch kein Sparauto. Das Automatikgetriebe ist Drehzahlhungrig und schaltet beim kleinsten Pedaldruck sofort runter und der Motor ermuntert mit aggressivem Jaulen zum Beschleunigen, was er auch recht eindrucksvoll tut, wenn man dem nachgibt. Immerhin ist der Nissan deutlich sparsamer als der Volvo, der bei gleichem Verkehr 15 Liter geschluckt hat. Auch die Käufer des Volvo (Schwester Nr. 4 von Frau) klagen jetzt über hohen Verbrauch. So ein 245 PS-SUV ist eben doch kein Sparmobil.

Wieviel Spaß das Autofahren in Taipei macht muss jeder selber wissen. Am meisten vielleicht beim Kauf eines Lederüberzugs für das etwas harte Lenkrad. Junior wollte mich noch am Foto hindern und erwähnte die gerade den Volantüberzug aussuchende Mutter. Ich muss ihm noch mal erklären, dass das Recht der Blogleser auf wirklichkeitsgetreue Abbildung von Taiwan natürlich vorgeht.

Hier sollten hilfsbereite Bignoses sofort als mobiles Rollkommando zur Tat und Hilfe schreiten!


Ich vermisse im 14. Jahr Taiwan den Mitsubishi SUV meines Vaters, der jetzt einsam in einer niedersächsischen Kleinstadt in der Garage steht und auf den dortigen Straßen weniger als 9 Liter verbraucht hat. Auf den fast ausgestorbenen Straßen Niedersachsens.
Wie lange ich das hier alles noch angucken muss oder will? Wir werden sehen.

Freitag, März 17, 2017

Automobilistisches

Wieder Auto kaufen. Ludigel ist genervt.

Immer wenn ich über mich selbst in der dritten Person spreche, erinnere ich mich an diesen Artikel eines Psychologen, der die Angewohnheit sich selbst so zu referenzieren als Hinweis auf eine Geisteskrankheit sah. Aber dass man bei meiner Lebensführung irrsinnig würde, wäre so verwunderlich nun auch wieder nicht. Oder "er" irrsinnig würde, der Ludigel in Taiwan.

Wie dem auch sei, nachdem ich kürzlich ob des Hinzugs meiner Frau samt Sohn nach Manila auf den Philippinen und dem Tode meines Vaters bei Hannover, Deutschland meinen Wohnsitz wieder nach Deutschland verlegt hatte, kommt mir mein plötzliches Wiederauftauchen in Taiwan und der alten Firma noch recht merkwürdig vor. Frau will Auto kaufen und hat bereits Wohnung für uns gemietet und wir sammeln demnächst in Manila ein, was von unserem Hausrat dort überlebt hat. Dort ist ein Reihenhaus samt Flatscreen-TV für uns gemietet, in dem ich nie gewesen bin. Eben weil mein Vater verstorben war und ich mich einige Zeit um meine Mutter im Eigenheim bei Hannover gekümmert habe und das eigentlich immer noch tun müsste. Aber ultimative Aussagen der Gattin und ihr plötzlicher Rückzug ins heimische Taiwan schienen meine Anwesenheit erforderlich zu machen und führten - was ich gerne annahm - zu meiner Wiedervereinigung mit Junior (5). Die unstete Lebensweise führt zur Minimierung des Hausrats und zur Verteilung des Rests über drei Länder und zwei Kontinente. Und zum automobilen Chaos.

Bereits 2004 ließ ich meinen alten Mitsubishi Space Wagon in Deutschland zurück, der eigentlich sowieso meinem Vater gehörte und von ihm dann im Wechsel mit seinem neueren Space Wagon gefahren wurde, bis er mit 225 000 km und 10 Jahren oder so für einen Euro an den Mitsubishihändler ging.

Im selben Jahr verloren Frau und ich dann den nicht schönen aber praktischen Kia Carens, weil wir ja für geschlagene drei Monate vorher nach Darmstadt in Deutschland gezogen waren. Bis ich auf Anraten meiner ukrainischen Hausärztin wegen des Augenrollens meiner Frau (der Deutschland nicht recht bekam) eben nach Taiwan zurück zog. Nur jetzt war der Kia schon verkauft und ich weigerte mich bis 2006, einen neuen Wagen im versmogten und zugestauten Taipei zu kaufen. Lange begleitete uns dann ein Nissan X-Trail, doch Dez. 2013 wurde er im Rahmen eines automobilen Wettlaufs im Mittelmanagement meiner Firma gegen einen dicken schwarzen Volvo XC60 T5 mit viel zu viel PS und fast nie von meinem Gasfuß herausgefordertem Turbolader ersetzt. Nur um ihm bei Umzug nach Manila/Deutschland 2016 mit großen Verlust (eine Million Taiwandollar Wertverlust) an das Schwesterherz (Nr. 4) meiner Frau zu verkaufen. Da soll einer nicht irrsinnig werden!

Kurzzeitig in Hannover in Deutschland übernahm ich den vom Vater vererbten Mitsubishi ASX, einen kleinen SUV in roter Knallfarbe, der jetzt unbenutzt in der Garage steht und fast neu ist. Jetzt sind wir wieder in Taipei und haben kein Auto mehr. Frau will immer riesige teure Schlitten kaufen und ich nur einen kleinen gebrauchten, um das Risiko in Garagen dahin vegetierender oder mit Verlust verkaufter Autos zu minimieren.

So sahen wir uns die Tage einen (neuen) Mazda 2 beim Händler an. Eine Million Taiwandollar (viel zu) teuer, schick mit Leder mit roter Naht im Innenraum, verblüffend viel Platz vorne und einem 109 PS-Motor, das Frau aber doch zu klein ist. Die nette Verkäuferin bot uns sogar Sitzplätze, Prospekt und Kaffee an. Vorher hatten wir noch einen VW Golf angesehen, den meine Frau aber wegen des DSG-Getriebeproblems in Taiwan/China nicht wollte. Offenbar vertragen die VW-Gruppe-Autos nicht die Luftfeuchte in hiesigen Breiten. Die nette Verkäuferin bot uns keinen Platz und nicht Kaffee und Kekse an, aber Frau war wohl zu sehr gegen den Golf von Rolf.

Ein Audi A3 Sportback hatte es ihr kurzzeitig angetan. Trotz meiner Mahnung, dass sei auch nur ein Golf. Auch gruselig teuer war der A3 wegen des erhöhten Premiumanspruchs von Audi in Taiwan. "Sieh Dir vorne den Innenraum an", verlangte meine Frau und ich vermied den Blick auf die Oberschenkel  der Minirock tragenden Verkäuferin und starrte stattdessen auf ihre dicke Panerai mit rotem Kroko-Lederarmband, die bestimmt so viel gekostet hat wie der Toyota Yaris, den wir uns vorher angesehen hatten. Ohne die schicke Panerai auf dem Beifahrersitz war der A3 für mich nicht so interessant, dank Premiumklasse-Inflation und wenig Platz für meinen SUV-verwöhnten Körper. Kekse und Kaffee gab es aber bei Audi und den Hinweis, der Audi habe Motoren und Technik wie ein Lamborghini. Hört hört.

Bei BMW hatte der Verkäufer nur einen Autochrono eines nicht so prominenten Herstellers am Arm und es gab auch Prospekt und Kekse und wir saßen im engen 1er und im dickeren X1 Probe. So recht wollte es nicht zünden bei uns, auch wenn die Autos schick waren. Mir war der X1 zu teuer (will nicht schon wieder so viel Geld ausgeben) und der 1er zu winzig-eng.

Bei Mercedes (auf taiwanisch "Benze") empfing uns der schick gekleidete Verkäufer mit grauen Schläfen und dicker grüner Rolex Submariner am Arm kühl distanziert. Sitzplatz oder Kaffee gab es nicht, immerhin einen Prospekt für die A-Klasse auf Nachfrage (auch eng die A-Klasse) und der Verkäufer suchte daimlertypisch arrogant während des Probesitzens das Weite. "Verkauf Dir deinen Benzele doch selber", denke ich. Die Extraliste war sowieso viel zu lang und das Lenkrad gibt es nur gegen Aufpreis oder etwas in der Art.

Der Toyota war auch eng, der Verkäufer hatte eine schwarze Casio-Digitaluhr und war superfreundlich. Aber so recht gefallen wollte mir das Ding auch nicht. Das Auto meine ich. Die Uhr hat ja immerhin netten Retrocharm.

Einen zu großen Wagen wollen wir nicht nehmen. Ich zögere meiner Frau mehrere Jahre meiner Anwesenheit in Taiwan zu versprechen, wartet doch eine ziemlich hilflose Mutter nebst Reihenhaus, DAK- und ADAC-Mitgliedschaft passend zum roten Mitsubishi auf mich. Und meine Frau kann breite große Autos schlecht fahren.

Gleich gucken wir uns einen gebrauchten Audi A6 mit 2,8-Liter und einen Mercedes C250 an. Beide eigentlich zu groß für Frau, aber ohne großen Verlust wieder abstoßbar, sollte ich in meine norddeutsche Heimat verschwinden. Der Dauerkumpel "Will" (Name von der Red. geändert) meiner Frau hat schon zig Warnungen vor den Tricks der taiwanischen Gebrauchtwagenhändler bereit und alle zählen auf meinen Sachverstand. Schließlich muss ich mich als Deutscher sowieso mit Autos auskennen und als Ex-Teilzeit-Gebrauchtwagenhänder (Umsatz 2 Wracks, u.a. mit eingebautem Bettlaken gegen Klappern und mit Pattex angeklebtem Lackflatschen) geht man davon aus, dass ich alle Tricks kenne. Also schnell einen Magneten von der Cubicalwand genommen um evtl. Spachtelmasse zu erkennen. Ich weiß ich weiß, der A6 hat wohl Alu-Türen und Haube.

Manchmal klauen die Gebrauchtwagenhändler den Wagen mit Zweitschlüssel gleich wieder zurück, sagt Will. Na dann gucken wir mal. Große Gefahr beim Gebrauchtwagenkauf in Taiwan sind Hochwasserschäden. Aber die soll man durch Dreck unter Armaturenbrett und Ersatzrad etc. erkennen. Ach, wie gerne würde ich jetzt meinen Mitsubishi ASX aus der Garage holen...

P.S.: Wissen Sie, wie man in Taiwan halbseiden ganz dicke Autos fahren kann, die eigentlich der Bank gehören? Darf ich aber nicht schreiben, sagt meine Frau. Machen wir aber auch nicht ;-)
 

Dienstag, April 19, 2016

Automobiles... und ein Denkverbot über Statik

An manche Dinge darf man in Taiwan nicht mal denken. Oder nicht mal hinsehen.

Physiker wissen, dass man ein Experiment beeinflusst, indem man es beobachtet. Was irgendwie mit Katzen in Kisten zu tun hat und einer Zyankalikapsel, die mit dem Deckel verbunden ist. Nein, ich habe keine "psychischen Probleme" - wie Leser mir manchmal attestieren, wenn sie Artikel nicht ganz durchschauen. Googeln Sie mal nach "Schroedingers Katze". Genau dieses Beobachten irgendwie instabiler Zustände macht Taiwan so gefährlich. Unvergessen, als ich 2004 hier sah, wie ein Wasserfall bei Starkregen aus einer eingeschalteten Deckenlampe kam und nichts weiter passierte. Besser, man sieht nicht hin, sonst löst sich alles in Funkenregen und Stromschlag auf.


Oder als ich neulich sah, wie bei uns in NeiHu (Stadtteil von Taipei) jemand eine Kerze in den offenen Motorraum gestellt hatte, um ihn spätabends bei der Reparatur zu beleuchten. "Intelligenter Mann", dachte ich noch. "Spart Strom". Doch dann musste mein teutonischer Verstand sofort an die Brandgefahr denken und in der selben Sekunde fing der Motorraum Feuer. Schien den Mann aber nicht aufzuregen, er griff routiniert zum Feuerlöscher und löschte sein brennendes Auto. Waren ja nur ein paar Flammen auf dem Motorblock, nicht so wild. Mein Fehler: Ich hatte nicht nur hingesehen, sondern auch noch drüber nachgedacht.
Und hier oben die E-Klasse* (in der seltenen Taxiversion, sind sonst alles Toyotas) auf dem Wächterhäuschen eines Schrottplatzes? Nun, oft macht man da wegen der Hitze ein zweites Blechdach drüber oder desgleichen. Und eine E-Klasse ist nun mal aus Blech. "Nicht drüber nachdenken", kommt immer immer in den Sinn, wenn ich wieder mal wegen der roten Ampel an der Kreuzung zu unserem Volvo-Händler anhalten muss neben dem fliegenden Benz. Auch nicht darüber nachdenken, was ein Erdbeben hier an Masseschwingung auslösen könnte. Erdbeben hat man ja laufend in Taiwan.

Augen lieber auf die neuen Volvos, gleich vor dem Netz eines asiatischen Golfplatzes, wo die Leute auf drei Etagen in kleinen Boxen stehen und Golfbälle sinnlos auf einen von selbigen übersäten Platz dreschen. "Was machen die da bloß?",  fragte meine Frau, als wir an der Ampel dort halten mussten (wegen dem Mercedes fragt sie nie). "Bist Du wirklich Asiatin?", hätte ich fast gefragt.

Nicht ablenken lassen darf man sich auch von kleinen orange oder rosa-weiß farbenen Dingen, wenn man in Taipeis Einkaufsmeilen eine Querstraße passiert. Aus dem Sichtschutz der Unterwäschesäule kann plötzlich ein mit hoher Geschwindigkeit um die Kurve rasendes Auto kommen, dass einen schlichtweg überfahren würde, wenn man nicht als Fußgänger auf Draht ist, so wie es mir und Frau und Junior fast neulich passiert wäre. Der Fahrer des schicken 5er-BMWs hatte die teutonisch-perfekte Fahrwerksauslegung fast zum Nachteil von zwei anderen Teutonen und der taiwanischen Frau und Mutter bis in den Grenzbereich ausgenutzt. Taiwanischer Wahnsinn und teutonische Ingenieurskunst in unheilvoller Kombination.

Apropos Wahnsinn. Auch Ludigels Schlichtwohnung im von Frau bevorzugtem Schlichtwohnviertel hat manchmal merkwürdige Ansichten zu bieten. Juniors Elektro-New Beetle hat dazu geführt, dass er in der engen Wohnung schon rangieren kann mit 4 wie ein Profi-Autofahrer - auch wenn wir ihm zur räumlichen Entlastung noch ein Elektro-Dreirad gekauft haben. Man muss aufpassen, wenn er damit ohne zu gucken um die Ecken der Wohnung düst. Früh übt sich, wer am taiwanischen Straßenirrsinn teilnehmen will.

Man sieht es nicht gleich, aber oben im Bild steht ein weißer Bentley vor einer hinter der Mauer versteckten Autowäsche oder Autowerkstatt, die sich laut Schild "Big Man" nennt. Gleich hinter der Kurve mit dem alten Mercedes vom ersten Bild. Dort stehen immer Porsches und Bentleys und so ein Zeug herum und die Kunden schlürfen Saft an Schirmtischen, während die Karre poliert. Der Trend zur Bonzenkarre hält an. Als ich früher in der Parkgarage des Restaurants "Cha for Tea" meinen Nissan parkte, waren da noch nicht so viele Nobelkarossen. Letztlich aber parkte ich meinen Volvo (der den Nissan nach Wunsch von Frau ersetzt hat) neben einem Maserati und wunderte mich über die Dichte an Porsche (Cayenne), Mercedes und Lexus. Haben die die Preise erhöht in dem Schuppen? Oder reduziert, so dass die Leute mehr Geld fürs Auto über haben.

Wie dem auch sei, seinen Sie vorsichtig da draußen im Verkehr - bei feuchtem Wetter fliegen die E-Klassen wieder tief etc. pp.


* Aka W124, anfangs hieß die Reihe ja auch noch gar nicht E-Klasse

Mittwoch, August 05, 2015

What the f*ck?

Es gibt sie, diese "What the fuck"-Momente im Leben...

 Werde jetzt nicht anfangen, das Hakenkreuz hier zu entfremden, wie es deutsche Blogger oft machen. Es ist schließlich eine Dokumentation, keine Propaganda. Relativ sauer bin ich auf die Digitalkamera, die das Bild auch noch als DSC00018 abgespeichert hat, weil sie kürzlich einmal rum ist mit dem Zähler.

Taiwaner verwenden das Hakenkreuz ja in spiegelverkehrter Version selbst als positives Symbol an Tempeln. Das Ding gibt es in vielen Kulturen und auch in Deutschland hatte es einst eine normale Bedeutung. Es steht offenbar für ein Sonnenkreuz, das sich ergibt, wenn man astronomisch die Bewegungen der Sonne übers Jahr nachzeichnet. Daher gibt es das in vielen Kulturen. Leider sehen die Taiwaner mangels Wissen über europ. Geschichte die Nazizeit oft eher positiv, u.a. weil Hitlerdeutschland und Nationalchina aka Republik-China unter Diktator Chiang Kai-Shek einst eine Allianz hatten (bis Hitler dann auf Japan umgeschwenkt ist). Und leider verwenden sie das NSDAP-Symbol auch oft als Deutschlandsymbol.

Kann man sich schon erschrecken. Bislang habe ich es an und um Autos schon oft gesehen. Einmal hatte ein Gebrauchtwagenhändler einen alten eckigen Mercedes aus den 70ern da stehen und an einem Fahnenmast die NSDAP-Flagge. Hatte keine Kamera parat, um den grausamen Anblick festzuhalten. Und einmal standen vor mir an der Ampel zwei schwarze VW-Busse (T4-Modell), beide mit einem identischen NSDAP-Aufkleber am Heck. Grauslich. Wie es dazu gekommen ist frage ich mich bis heute.

Dass die beiden Flaggen sich "beißen", wird dem Besitzer des Autos nicht bewusst sein.

Montag, September 29, 2014

Ein alter Freund... (Update)

Komisch ihn hier zu sehen im wuseligen Taipei

Einen alten Freund habe ich neulich an der Tankstelle wiedergesehen. Oder einen Zwilling von ihm jedenfalls.

Wie von Donner gerührt blieb ich stehen. Meiner sah ganz genau so aus, auch die nachlackierte Schürze, die serienmäßigen Radkappen auf Stahlfelge. Vier Türen und eben die späte Version dieses 3er-BMWs ab 1988 mit leicht geänderter Schürze und geänderten Rückleuchten nebst einer neuen Motorgeneration. Ein 318i war meiner. Damals autobegeistert haben sich die Eckdaten bei mir eingebrannt: 1,8-Liter Vierzylinder mit elektr. Einspritzung, damals noch was neues, GKat (wird der hier sicher nicht haben) und 113 PS. Höchstgeschwindigkeit 188 km/h und von 0 auf 100 km/h in 10,8 Sekunden. Erinnere mich noch gut an das kleine Rennen, das ich gegen den 320i mit 129PS eines Bekannten gefahren bin. Na kein richtiges Rennen, aber als er beschleunigte konnte er den kleinen Weißen nicht abhängen. Weil eben der 2-Liter-Sechzylinder nicht so leicht hochdrehte. Ja, die jungen Jahre. Das Rennen im Harz gegen den kleinen Pontiac Irgendwas Sportwagen eines US-Soldaten, den ich mit dezenter Lichthupe nachts von der linken Spur einer Autobahn vertrieben habe, wo er auf der linken Spur klebte. Wie er dann Gas gab, als ich überholen wollte (von 100 km/h aus) und mir erst davon zog, dann aber bei 130 km/h so ins Trudeln kam, dass er fast von der Bahn geflogen wäre - auf gerade Srecke! Weil das US-Fahrwerk nicht mit den Schwellen auf der alten "Reichsautobahn" in Plattenbauweise zurecht kam. Und wie ich mir im jugendlichen Überschwang einen Spaß draus machte, dann mit 160 km/h davon zu ziehen. Wohlgemerkt hatte das Fahrwerk des damals noch neuen BMWs nur leichte Querrillen vermeldet. Blattfedern hatte der US-Wagen, habe ich später nachgeschlagen. Googeln ging ja noch nicht, sondern da hatte man Autokataloge.
Gut, irgendwann fielen mir dann die 100-Schilder ins Auge. Ob der Soldat wohl wieder einen US-Wagen gekauft hat?

Ja wir hatten viel Spaß zusammen, der Wagen und ich. Nach 7 Jahren und 135.000 km wollte dann die Motorelektronik nicht mehr und dann kamen die Mitsubishis von Vater bei mir an.

Und heute? Heute ist alles besser. Das tolle Taipei statt Harzer Bergen, würzige Stadtluft statt niedersächsischer Landluft. Und ein 240-PS-Volvo, den ich nur bewege, wenn es unbedingt sein muss, dem Taiwanstress im Verkehr halber. Alles besser, hust.

Damned, wenn Junior nicht wäre, wäre ich hier schneller weg als man ... never mind. Schnell weggeguckt, zu Hause haben Frau und Kind Hunger, schnell rüber zu MOS-Burger... da... die Fußgängerampel ist grün...

Update: Und schon 1988 war mein 3er BMW mit seinem GKat moderner als jeder blitzende neue Toyota hier, die nämlich keine Abgasreinigung haben. Deswegen stinkt Taipei eben wie ein halbvoller Aschenbecher. 

Freitag, August 29, 2014

Volvo, Volvo, Volvo

Bislang im Blog weitestgehend ausgespart, doch das große Thema für Junior

Eines der meist benutzen Wörter im Haushalt Ludigel lautet...

 
VOLVO. Weil Junior (3) wie wohl alle kleinen Jungs ein totaler Autonarr geworden ist. Nachdem er sich einst bei mir nach unserem Auto erkundigte, als ich ihn aus dem selbigen half ("Auto?") und ich den neuen Wagen als Volvo titulierte, ist bei ihm das Wort Volvo sehr dominierend im Wortschatz. "Papa kai Volvo", also "Papa fährt Volvo" kriegt fast jeder an den Kopf geworfen, der länger mit uns zu tun hat. Komme ich abends nach Hause und hole Junior von der Großmutter ab, fragt er "Volvo parkt?" und will dann manchmal näher wissen, wo genau. Das kleine orginalgetreue Automodell, das wir vom Vertragshändler bekommen haben, hat er längst beschlagnahmt und es mittlerweile trotz anderer Farbe als Volvo akzeptiert. Sieht er einen anderen Volvo der gleichen Modellreihe (XC60) ruft er aufgeregt "Volvo!", während er mich ungläubig mustert, wenn ich ein anderes Modell von Volvo als Volvo tituliere.

Meer im Navi, das sehe ich leider nur selten.

Ziehen wir uns die Schuhe an, ruft er freudig "go to Volvo!" aus, weil er sich dann auf die Ausfahrt freut. Und morgens, wenn ich schon den Wagen parat stehen habe und wir neben dem Vol... äh... Auto auf den Kindergartenbus für Junior warten, verabschiedet er sich nicht vons uns, sondern sagt "bye bye Volvo".

Bei mir selbst hatte ja der Gedanke in Taiwan einen Volvo zu fahren, auch zunächst Befremdung ausgelöst, lautet doch die Faustregel in Asien immer einen Toyota oder wenigstens einen anderen Japaner zu fahren, der Reparierbarkeit wegen. Nun, in Taipei bei uns um die Ecke gibt es eine riesige Volvo-Vertretung, da denke ich mal, wird es keine Probleme geben. Sonst rollt der von meiner Gattin (dem ADAC-Crashtest halber) unbedingt gewollte Schwede (entgegen aller Unkenrufe hat der Wagen mit China nichts zu tun, sondern wurde noch unter Ford-Regie bei Ford Köln von Ford, Mazda und Volvo-Ingenieuren entwickelt und in Belgien aus wohl schwedischen Teilen gebaut) ganz und gar unproblematisch von A nach B und sogar ausgesprochen komfortabel. Und auch mit beliebigen Kraftreserven, die freilich im dichten Taipeiverkehr nicht unbedingt notwendig sind. In Taiwan gab es ja die Basismotorisierung mit 160 PS oder so nicht, sondern erst den T5 mit 245 PS aus einem 2-Liter-Turbo. Ein toller, ruhig laufender Motor, der erst jetzt nach Deutschland kommen soll, wie ich gelesen habe und in der Presse als sparsam lanciert wird. Nun, ein Sparwunder ist der Motor nicht; meine Verbrauchsanzeige zeigt immer zwischen 11.5 und 11.8 Litern an, es sei denn ich fahre mal länger auf dem Lande, dann geht sie weiter runter, doch niedriger als 10.8 Liter Durchschnittsverbrauch geht sie selten.
Einzige Nachteile des Autos: Breite 1,89m, also glatt 10 cm breiter als mein alter Nissan X-Trail (2001er Modell / in TWN 2006er-Modell), was in Taipei schon grenzwertig ist und mich überrascht hat, hat der XC60 doch innen subjektiv weniger Platz als der eckigere X-Trail.
Und vielleicht noch die nach hinten schmal werdenden Seitenfenster, die die Sicht in den toten Winkel etwas stören. Aber dafür hat man noch eine elektr. Tote-Winkel-Hilfe...
Neu für mich waren die vielen Sensoren, die den Wagen dazu bringen, bei Spurlinienüberfahren zu surren, bei Annäherung von Mopeds vorne oder hinten oder seitlich empört zu piepen und eine Warngrafik mit dem Ort der Sensorwarnung einzublenden auf den Bildschirm. Oder eben das orange Blinken, wenn ein Auto im toten Winkel ist - was aber bei  Regen nicht immer perfekt funktioniert.

Am meisten müsste aber Junior von dem Volvo verstehen, denn auf Youtube will er immer wieder Volvo-Videos gucken. So sitzt er dann des abends neben mir am Schreibtisch und sieht auf Deutsch den Vergleich zwischen dem 2013er und dem 2014er-Modell und lauscht etwa einem spirreldünnen Testfahrer, der sich über mangelnden Seitenhalt in den (hervorragend Seitenhalt gebenden) Sitzen beschwert. "Messer nehmen und eine vertikale Ritze in den Sitz schneiden" wäre mein Tipp für ihn. Dann steckt er fest. Aber vielleicht ist der deutsche Wagen anders, meiner hat keine braunen schlangenlederartigen Lederbezüge "die zur Prada-Handtasche passen". Das wäre ja noch schöner.

Sonst habe ich das Thema Auto hier seit dem Neukauf ausgelassen, des Taiwanbildes der Deutschen halber und einschlägiger Kommentare vergangener Zeiten. Dass man mit Volvo in Asien sozusagen mit dem dicken Auto an hungernden Kindern vorbei fährt, ist sicher für viele Deutsche ein Bild, dass da in Kopf kommt. Das hat aber mit Taiwan nichts zu tun, schon eher vielleicht mit THaiLAND, aber das ist eben nicht mein Thema. Unser Auto steht mit Mitsubishi, Nissan, VW, Mercedes, BMW und x Toyotas in einer Reihe auf dem Siedlungsparkplatz - wie das in Deutschland auch der Fall wäre. Auch in Deutschland könnte man sicher auf den Volvo oder VW verzichten und das Geld an die Wohlfahrt spenden, aber das ist eine Diskussion, die ich ich ja nicht unbedingt führen muss, nur weil Taiwan wie Thailand klingt und manche Zufallsleser etwas durcheinander werfen manchmal ;-).

Den ganzen Tag höre ich jedenfalls "Volvo" und da musste er hier im Blog auch mal erwähnt werden. Auch um anzumerken, dass so ein Auto eben auch im schwülheißen Asien läuft - jedenfalls bei Kilometerstand 5.000 aktuell ;-)

Ach ja... neulich beim samstäglichen Kleinkinder-Turntreff. Eine Mutter und ihr Sohn neben uns reden andauernd "Volvo....Volvo....Volvo" und ich gucke hin... und richtig. Der kleine Junge hatte auch so ein silbernes XC60-Modell vom Autohändler in der Hand.

Dienstag, Mai 27, 2014

Kleiner Diktator (+ Kurzmeldungen)

Sie alle kennen die Baby-an-Bord - Sticker. Bei dieser Version hier, gesehen in meinem Wohnviertel in Taipei, bin ich fast rückwärts hingeschlagen.

Ein peppiger Suzuki SX4-Kompaktwagen, aber diesmal mit einem sehr ungewöhnlichen Baby-Warnsticker. Es ist Taiwans Exdiktator Chiang Kai Shek höchstselbst, der hier den Finger an die Lippen legt, damit das Baby in Ruhe schlafen kann.

Der "Generalissimus" war ja noch im alten chinesischen Kaiserreich Anführer der nach europäischem Vorbild aufgebauten Neuen Armee gewesen, die sich dann gegen den letzten Kinderkaiser gewandt hat und die Republik China mit Hauptstadt Nanking gegründet hatte, als eine Art rechte bürgerliche Diktatur, die freie Wahlen für den Fall aufschob, dass man mal über ganz China herrschen würde. Im Jahre 1949 floh dann der Generalissimus auf die Insel Taiwan, die seit 1895 eine japanische Kolonie war und setzte dort seine Republik China fort. Sie gibt es noch heute, deswegen auch der Aufkleber. Aber seit 1992/1996 ist sie eine parlamentarische Demokratie. Und der Exdiktator wird heute von Menschen, die südlich der Hauptstadt Taipei (seiner alten Zentrale) leben eher nicht mehr gemocht und als ehemaliger Fremdherrscher empfunden, während er im ethnisch chinesischen Taipei immer noch viel verehrt wird. Auch in meinem Viertel. Der 1975  verstorbene Diktator ist halt irgendwie doch der Gründer des modernen Taiwan - auch wenn er das nie gewollt hat.

+++

Kurzmeldungen: 

Unter den Opfern des Amoklaufs in Kalifornien war mindestens ein Taiwaner; ein Mitbewohner des Täters, der am Anfang des Amoklaufs von dem Täter zusammen mit zwei anderen Asiaten erstochen wurde: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/05/27/2003591349

Und in der MRT (Standbahn, U-Bahn) von Taipei ist ein junger Mann festgenommen worden, weil er in der Aufmachung eines US-Soldaten inklusive automatisches Gewehr und Kampfanzug mit Helm saß. Er hatte es tatsächlich bis auf einen Sitzplatz geschafft, jedoch sind alle ruhig geblieben. Der eigenartige Fahrgast wurde festgenommen. Der junge Mann war allerdings nur auf dem Weg zu einem Paintball-Wettkampf, die Waffe war also nur in der Lage explodierende Farbkügelchen abzuschießen. Dummes Verhalten, wo zur Zeit bewaffnete Polizisten und Spezialkräfte mit echten Schnellfeuerwaffen in der MRT präsent sind nach dem MRT-Amoklauf vor ein paar Tagen.

Zu viel "Amok" im Blog die Tage für meinen Geschmack.