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Freitag, November 29, 2013

Possession


A word for collectors of words with four S. And a shot during a recent walkaround in Taipei City.





It's nice to have stuff, ain't it right?



An older shot of the Computex fair got easily adapted for the same theme with a few color alternations:


Abschied von einem Freund

Sniff. Noch mal Sniff.

Dieser Tage steht der Abschied vom Ludigelmobil an. 2005 haben wir den Nissan X-Trail gekauft, die Taiwanversion, mit gegenüber der Deutschlandversion veränderter Schnauze (Kat und Nebelschlussleuchte oder Airbags hat er auch nicht) und geändertem Innenraum. Mit Kunstholz, Häkeldeckchen und Leder im Innenraum. Und vieler kleiner, etwas nervig zu bedienender Tasten statt der Drehschalter, die ich mal in einem deutschen Pendant gesehen habe.


Der made-in-Taiwan Nissan, hergestellt hier aus japanischen Teilen (denke ich) von Yuelong (Yulong) als Partner von Nissan, war das beste Auto, das ich je hatte. Im Gegensatz etwa zu den von mir gefahrenen 80er-Jahres BMWs und den 90er-Jahres Mitsubishis (BMW 525, 318i und Mitsubishi Spacewagon erste und zweite Generation) etwa bremste er zuverlässig, auch bei nasser Straße und hohem Speed, ohne dabei Schlingerbewegungen zu verursachen. Auch die Seitenwindempfindlichkeit des Nissan war niedrig, gerade im Vergleich zu den Mitsubishis, die schon schlingerten, wenn ein Hase am Autobahnrand Blähungen hatte. Jetzt, in unserer letzten gemeinsamen Woche, hat er 210.000 km auf der Uhr und fährt sich mit seinen neuen Stoßdämpfern (bei 185.000km) wie ein Neuwagen. Ärger hat er selten gemacht. Bei 85.000km war plötzlich die Lichtmaschine kaputt. Weil ich vorher die Batteriewarnleuchte eine Woche lang ignoriert hatte, blieb er dann kurz vor der Heimatauffahrt stehen. Als wir dann von Nissan zu kleinen schmuddeligen Werkstätten auf dem Lande in Jhongli/Zhongli gewechselt hatten, wo die Spezis ihr ölverschmiertes Werkzeug zwischen Unrat auf dem Boden aufbewahrten, hatte er einen klingelnden Motor, manchmal schleifende Bremsen und extremes Bremsfading. Alles das verschwand allerdings, als wir wieder nach Taipei zogen und dann zur lokalen Kfz-Werkstatt wechselten. Außerdem hielten wir seither das taiwanische Inspektionsintervall von nur 5.000 km strikt ein. Sukzessive verschwand das Klingeln und die richtig gewarteten Bremsen funktionierten auch wieder so, wie sie sollten.

 Unvergessen meine Hochgeschwindkeitsfahrt vom Lande ins Krankenhaus nach Taipei, als Junior viel zu früh kam und ich eigentlich nicht an einen glückliches Ausgang der Affaire geglaubt habe. Mit astronomischen 150 km/h raste ich im Slalom zwischen 80 bis 110 km/h fahrenden Taiwanern auf dem Highway Richtung Krankenhaus, nur von einem BMW SUV überholt mit 180 km/h, der sich provoziert gefühlt hatte. Schneller als 150 km/h wollte ich aber nicht werden, bei den blindfischigen Spurwechseln der anderen Autofahrer hier.

Grund den Nissan zu ersetzen gibt es eigentlich keinen, allerdings stünde der Wechsel des Kindersitzes an. Und weil die Taiwanversion des X-Trail leider keine Isofix-Kindersitzbefestigung hat (im Gegensatz zum in Japan hergestellten) und ein Kindersitz nach neusten Sicherheitsstandard her soll, muss der Nissan nun weichen. Ein netter Gebrauchtwagenhändler nimmt ihn für 160.000 NT, nicht mal einen Kaffee gab es noch dazu. Der Wagen hätte ein großes Problem, sagte der kundige Herr, hinten würde es klappern. Und in 1-2 Jahren ginge er dann kaputt. Die Aussage hat allerdings auf den Preis keinen Einfluss, die genannte Summe ist in Taiwan OK für das Alter und den Kilometerstand, wenn man an einen Händler verkauft. Und hinten stand ja auch das Kinderdreirad von Junior drin, das immer vor sich hin klappert. Trotzdem wird er recht haben, der Händler. In ein bis zwei Jahren ist das klapprige Kinderfahrrad sicher kaputt. Und dass ein Auto mit 8 Jahren und 210.000 km binnen der nächsten 2 Jahre ein größeres Problem haben könnte, ist ja auch keine "Rocket Science", um einen Amerikanismus zu benutzen.

Was neu kommt, lässt mir bisweilen die Haare zu Berge stehen, doch davon vielleicht ein andernmal. Was würden Sie bevorzugen, lieber Leser? Taiwanische Frau und schwedisches Auto oder lieber anders herum?

Mittwoch, November 27, 2013

Being Green

Taipei 101

Mit 1/5 Sekunde aus freier Hand aufgenommen, mit 2.8/28mm Festbrennweite. Hätte nicht gedacht, dass es trotz "Stativ liegt wieder mal zu Hause"-Faulheit noch ansehbar wird.

AIDS dramatisch auf dem Vormarsch in Taiwan

AIDS ist ab sofort in der Top-Ten der Todesursachen für junge Menschen in Taiwan

In diesem Blog wie auch im Ausländerforum war schon öfter die Rede von konservativ eingestellten Damen in Taiwan - oder auch den zugehörigen Herren, etwa von (mittlerweile End-) Dreißiger-Jungfrauen, die sich noch nach traditionellen Verkupplungsschemata verhalten und sich selbst keinen Partner suchen, wohl weil sie noch nach dem Prinzip erzogen sind, dass die Ehepartner vermittelt werden. Als Land mit unheimlich viel Enddreißiger-Jungfrauen wurde das Thema im Ausländerforum neulich lang und breit diskutiert.

Wie dem auch sei, traditionelle Sexualmoral bricht in Taiwan weg, schon früher einmal fand ich eine Pressemeldung von stark ansteigender HIV-Rate unter Studenten in Taiwan und immer wieder hört man von fehlender Aufklärung über Kondome und ihren Schutz vor HIV.

Nun scheint die HIV-Rate offenkundig dramatisch anzusteigen, so dass AIDS zu den häufigen Todesursachen für junge Menschen in Taiwan gehört, mit den höchsten Raten in der Gruppe 15-24 Jahre (http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2013/11/02/392677/AIDS-now.htm). Von bis zu 180% Steigerungsrate jährlich in HIV oder AIDS-Fällen ist in dem Artikel die Rede.

Ein langjähriger Expat hier, mit Sohn im Highschool-Alter, fragte diesen prompt, ob dies Thema in der Schule behandelt worden sei. Es wurde, so war die Antwort. Allerdings wurden als Gefahren für HIV nur Blutübertragung oder das Verwenden von gebrauchten Spritzen bei Junkies genannt. Im sexualkonservativen Taiwan, in dem beispielsweise Pornographie verboten ist und Ehebruch strafbar ist, spricht ein Lehrer wohl so schnell das Thema Sex nicht an.


Ludigel says: Heute zwei Beiträge zum Thema Sicherheit im [...]Verkehr...

Hurra, Bürgersteige!

Der gemeine Deutsche, der sich in freier Wildbahn oft genug auf einem "Bürgersteig" oder auch "Trottoir" (eine meiner Tanten nannte das glaube ich früher "Trittoir") aufhält, ahnt gar nicht, was für ein famoses Ramperl da zu seinen Füßen liegt. Hier in meinem Militärveteranenviertel in NeiHu, Taipei hatte die nicht vorhandene Städteplanung jahrzehntelang weitestgehend auf Fußwege verzichtet, wie in fast ganz Taipei. Nur schmale, oft unpassierbare Ministeige gab es allenthalben oder eben breite Bürgersteige in der Commerzinnenstadt. Aber in Schlichtwohnvierteln wie meinem oder auch neu gebauten Villenvierteln musste man nach wie vor bürgersteiglos von dannen traben, der Gnade von LKWs, Mopeds und hupenden Toyotas ausgeliefert.

Doch jetzt ist er da, ein städtischer breiter Bürgersteig wenigstens an der lokalen Hauptstraße. Die irgendeine Lane der WenDe Road ist (nicht nach Helmut Kohl benannt). Gerade die Ecke oben im Bild war mir immer besonders unangenehm, denn hier war der Bürgersteig gerade mal 50cm breit und die Fressbuden links verströmen einen sehr unangenehmen Geruch. Eine der Butzen etwa hält kotverschmierte gelbgrün eingekleisterte Hühner in Käfigen gefangen, die dann manchmal auch tot und blau auf dem ungekühlten Verkaufstisch liegen. Lecker! Der Gestank der Bude ist widerwärtig und vermischt mit irgendeiner Würzsuppe nebenan drehte sich mir immer der Magen um beim Vorbeigehen. Wenn dann noch Kunden dastehen oder Fische auf dem Bürgersteig angeboten wurden, musste man auf die Fahrbahn ausweichen, wo damals noch Autos parken durften und fand sich bei in zweiter Reihe geparkten LKWs oder PKWs dann uach schon mal auf der Gegenfahrbahn wieder. Am Ende des Bürgersteigs war sowieso Schluss, da wo jetzt die Tische und die Person im Hintergrund zu sehen sind, war der Bürgersteig durch Tische, Stühle, Grünpflanze und derlei Zeug abgesperrt. Einmal hatten sie auf der Fahrbahn dann noch ein nasses silbernes Kuchenblech liegen, das ich der grauen Farbe wegen nicht erkannt habe und mich dort lang gelegt habe. Herrlich. Diese kleinen Fressbuden sind sicher eine gute Einkommenquelle für viele Familien, aber in Sachen Abwässer-munter-in-die-Gosse (Fäulnisgeruch) und Federviehhaltung (Salmonellen) sicher auch ein Gesundheitsproblem.


Wenn man Abstand halten kann, ist das alles aber sehr viel entspannter (obwohl die Hühner immer noch im Käfig vor sich hin schimmeln) und das Viertel gewinnt deutlich an Klasse. Wenn ich es mit früher vergleiche, ist das kaum wieder zu erkennen. Hier im Bild etwa waren sonst Kundenfahrzeuge der Kfz-Werkstatt auf dem Bürgersteig geparkt und vorne an der Ecke war noch vor Jahren nicht die heutige Pizzeria/Nudelria, sondern eine Garküche, die ihren Abfall einfach auf den Bürgersteig kippte, nebst Käfern dazwischen und einem Kleinkind, der einfach auf die Straße pullerte, mitten in den Käfersalat hinein. Doch schon seit der SARS-Epidemie um 2004 herum wird sowas nicht mehr geduldet und mit dem breiten Bürgersteige sieht die Straße schon richtig gut aus.

Richtig fröhlich schwebe ich jetzt immer zur Garküche (keine der Dreckbuden, da habe ich mittlerweile ein Veto bei meiner Taiwanfamilie eingelegt) oder zum weißgrünen 24h-Supermarkt im Hintergrund und genieße es so richtig, meinen Verkehrsraum einzunehmen. Doch siehe da, vor der Kfz-Werstatt parkte die letzten Tage schon wieder ein Auto und nahm den Bürgersteig komplett ein. Hier im Foto hat der Lexus zwar noch schamhaft die Warnblinkanlage an, doch am Folgeabend parkte er schon ohne da vor dem Rolltor. Das ist übrigens eine sehr verbreitete Art in Taiwan, sein Auto zu parken. Einfach vor ein Rolltor geparkt (eine Garageneinfahrt simulierend) und so den Bürgersteig absperren. Wird offenbar akzeptiert, sowie ein Rolltor da ist. Noch kommt man bequem vorbei, weil die Fahrbahn abgesperrt ist durch die Baustellenreste. Aber wenn die Baustelle bald weg ist und vielleicht noch Autos da parken, muss man etwa mit dem Kinderwagen wieder auf die Fahrbahnmitte ausweichen. Ich bin mir sicher, in einem Jahr oder so ist von dem schön breiten Bürgersteig nichts mehr übrig. Außer Verkaufs-, Garküchensitz- und Parkfläche. Na gucken wir mal, ob ich zu pessimistisch bin.

Ach ja, so richtig aufregen kann ich mich über die den Bürgersteig zuparkende Kfz-Werkstatt auch nicht. Mein eigenes Auto stand da auch oft genug. Wenig Platz und viel Automobilliebe der Taiwaner führen halt immer wieder zu fehlendem Raum für Fußgänger. Vielleicht ist es jetzt ja ein bisschen besser.

Freitag, November 22, 2013

Aus Taiwan flüchtiger "Todesfahrer" in Schottland in Haft genommen (Update)

Diplomatischer Erfolg für Taiwan. Auch ein Erfolg für die Gerechtigkeit?

Hier im Blog wurde immer wieder über den dramatischen Fall des Briten Z.D. berichtet, der 2012 zu einer Haftstrafe wegen eines tödlichen Verkehrsunfalls mit Todesfolge und Fahrerflucht in Taiwan verurteilt worden war. Z.D. trat die Haftstrafe nicht an und verließ in einer filmreifen Aktion die Insel, weiß geschminkt (Z.D. ist gebürtiger Pakistani oder Inder) und mit einem geliehenen oder gestohlenen Pass eines anderen Engländers versehen. Der Fall definierte lange Zeit das Verhältnis der Taiwaner zu westlichen Ausländern. Weil Z.D. einen britischen Pass hat und im eleganten Businessanzug wie jeder andere der westlichen Geschäftsleute hier herumläuft, hat ihn die Presse und die Bevölkerung halt als einer von den zahlreichen "Westlern" hier eingestuft. In meinem heimatlichen Militärveteranenvierel, in dem die Leute wohl sowieso immer drei Noten muffelinger sind als sonst in Taipei, wurde ich in dieser Zeit öfter mal angeflaumt und ganz repariert hat sich diese negative Stimmung Weißen gegenüber (kurios, wo Z.D. eigentlich gar keiner ist ;-) bis heute nicht. Nicht nur ich vermeinte den Stimmungsumschwung von Positiv zu mäßig Negativ im Ansehen von Westlern hier in Taiwan wahrzunehmen; es gab eine ganze Diskussion im Ausländerforum drum.

Um es kurz zu machen: Z.D. hatte in einem bordellartigen Lokal viel getrunken, sein alter Mercedes war dann mit einem der "Puff"portiers am Steuer aufgebrochen Richtung seiner Wohnung, allerdings hatte es zwischenzeitlich den tödlichen Unfall gegeben. Z.D. behauptete nun, den Unfall komplett verschlafen zu haben auf dem Beifahrersitz und erst im Zuge der Ermittlungen davon erfahren zu haben. Der zumindest anfangs den Wagen steuernde Portier hingegen behauptete, er habe das Steuer frühzeitig an Z.D. auf dessen Wunsch hin übergeben, der daher den Unfall verursacht haben müsse.

Pikant wurde der Fall durch eine beispiellose Medienhexenjagd, in die sich auch ein Lokalpolitiker einschaltete, der "strengere Strafen für Ausländer" forderte - zu einem Zeitpunkt, als Z.D. wegen eines aufgetauchten Videos mit dem Portier am Steuer noch ziemlich unschuldig wirkte nach Faktenlage. Auch standen die Betreiber der "Puffbar" einem Syndikat nahe, das wiederum das ermittelnde Polizeirevier (wegen anderer Dinge) geschmiert hatte, so dass man von ordentlicher Ermittlungsarbeit wohl nicht sprechen konnte und der "Puffportier" wohl entsprechend zwangsläufig von der Verdächtigenliste verschwinden musste.

Z.D. wurde schließlich in zweiter Instanz verurteilt und flüchtete - was lange niemand bemerkt hatte, obwohl er seine Haft nicht angetreten hatte. Kurioserweise war es etwa um die Zeit, als ich hier im Blog fragte "was ist eigentlich aus Z.D. geworden", dass die Taiwanbehörden wach wurden und Z.D. wieder inhaftieren wollten.

Aktueller Stand: Hinter den Kulissen hat also die Republik China aka Taiwan die britischen Behörden um Amtshilfe gebeten und als Ergebnis davon ist Z.D. jetzt in Haft in seiner Heimat Schottland und Kaution ist ihm verweigert worden. Im Dezember gibt es eine Anhörung zum taiwanischen Auslieferungsersuchen. Bis zu drei Jahre kann so ein Prozess in Großbritannien dauern. Da ist sichergestellt, dass die Medien immer mal wieder die Sache hochkochen können und die Leute bei uns im Viertel was zum Grummeln haben.

Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/auslander-in-taiwan-in-todlichen-unfall.html

Taipei Times:
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/11/22/2003577418

UPDATE:
Nachgereichte Links zum Prozess gegen die Freundin von Z.D. (wegen "Fluchthilfe") und den "Passspender". http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2013/08/24/387196/Zain-Dean.htm

Dienstag, November 19, 2013

Surreales Leben

Wieder so eine inhaltsschwere Überschrift. Aber wer anderes lesen will, kann ja das englische (View-) Blog in der Linkleiste lesen, wo in jedem Posting Präsident Ma an allem schuld ist. Oder er sucht sich irgendein Happy-Peppy-Tempelblog. 

Es fällt mir schon seit langem auf, mein Dasein hier in Taiwan erzeugt in mir nicht das Gefühl, normaler Alltag zu sein. Ich gehe sogar soweit zu sagen, es fühlt sich nicht mal wie "richtiges Leben" an. Anderen geht das auch so; im Ausländerforum wird immer wieder das "real life" vom Taiwanleben abgegrenzt. Etwa so: "How is it back in real life?" als Frage an jemanden, der wieder in den USA ist (sind halt fast alles erweiterte Angelsachsen da) oder die öfter mal vorkommende Formulierung "in real life things are...". Im "richtigen Leben" sind die Dinge so, in Taiwan aber anders. Unbewusst hänge ich auch "Taiwan" als Prefix an fast alles dran, um es von richtigen Dingen abzugrenzen. Mein Taiwanjob, meine Taiwanfamilie. Dinge sind auch "taiwanschön", nicht richtig schön, aber im Kontext von Taiwan eben schön. Etwa ein nach Abgasen riechender Strand mit Hauptstraße. Anderseits hat jedes Land seinen eigenen sozialen Kontext, in so fern bekommen Begriffe andere Ausprägungen, so ganz unrichtig ist das halt nicht.

Laut Schild ein Hotel, mitten zwischen den Schlichtwohnblocks in Wolkenform. Aber für mehr als den Empfangstresen ist kein Platz. Taipei, NeiHu. Na ja, was man eben so hinpinselt in ein surrealistisches Gemälde***

Der gänzlich wolkenlose Rest der Straße

Aber warum empfindet man das Leben selbst als irreal? Nun, für den Englischlehrer kann ich es mir vorstellen. Daheim vielleicht ein Underdog, etwa ein Verkäufer in einem kleinen Laden. Gerade so in der Gesellschaft also. Hier in Taiwan dann etwas ganz besonderes, angehimmelt auf der Straße (ein Phänomen das über die Jahre weniger geworden ist), bestaunt von jungen Frauen im Minirock, die ihn daheim nicht mal peripher angucken wollen. Hier erröten und kichern sie in seiner Gegenwart. Am Ende hat der Normalo oder Underdog dann plötzlich wechselnde bildschöne Freundinnen, angehimmeltermaßen wie ein Latino-Beau mit Body-Building-Körper. Dazu graue Baracken wie im Slum, in denen man lebt, nagelneue silberne Toyatas davor geparkt, viel Alkohol und Angst vor Polizeirazzien, weil die Arbeitspapiere möglicherweise nicht in Ordnung sind. Sicher ein Mix, den man als irreal - oder eben surreal - empfindet, gemessen an den heimatlichen Maßstäben. Man wird von den Taiwanern entweder geliebt oder verachtet, auch das fühlt sich übernatürlich (eben surreal) an.

 Exotische Leckereien im Mopedqualm in der 737-Lane in NeiHu, Taipei

Bei mir verheiratet und nichtenglischlehrend alles etwas anders. Die Minirockmädels nur als Flirten dann und wann, angehimmelt manchmal von Herren wie Damen in taiwantypischer Manier, dann wieder etwa im heimatlichem Schlichtwohnviertel im Vorbeigehen beschimpft als komischer Ausländer, in der Firma mal geschätzter Experte, dann wieder Kicherobjekt für neues Küchenpersonal oder neue Kollegen. In den eigenen vier Wänden bisweilen nicht die Normalität, sondern der exotische Fremde, weil mit "Taiwanfamilie" versehen, statt mit Familie. Die eigene Wohnung auch nur ein temporärer Ort zum Schlafen, zwischen ratternden Mopeds, trötenden Straßenhändlern und dem nächsten Auszugstermin, weil der Vermieter durch Wohnungsverkauf reich werden will, der Taiwanimmobilienblase sei Dank.

 "Mousekersize" heißt das in der Mickymaus-Klubhaus-Serie, die ich immer mit Junior gucke (Plakat in der Tiefgarage)

Alles keine Beschwerde, an wen den auch, sondern nur eine Notiz, dass der Gesamtmix sich irreal anfühlt oder eben surreal, wie ein zur Karikatur entstelltes Leben, in dem alles über- oder unterbetont ist, bis es wie ein surrealistisches Zerrbild der Realität wirkt. Weil es auch in sich nicht konsistent wirkt, das Leben hier und die Reflexionen aus der Gesellschaft, die man bekommt. Nicht das richtige Leben, ein Taiwan(expat)leben.

*** Eben aufgefallen: Man sieht deutlich einen Bauzaun in der Straße. Da haben sie also schon wieder Schlichthäuser aus dem Viertel weggerissen. Ich denke, es handelt sich bei der "Wolke" um einen Verkaufspavilion für Eigentumswohnungen. Der Begriff Hotel ist wahrscheinlich zusammen mit chinesischen Schriftzeichen (Schild nicht im Bild) sinnverändert verwandt worden. So wie sie Hochhäuser auch oft als Villa bezeichnen.




Freitag, November 15, 2013

Friedhofsfest

Noch ein Bild aus der Serie von Sams Friedhofsmodell in seinem Restaurant in Taiwan. Letzter Teil hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/necromancer.html



Mehrfachmausklick im feierfox vergrößert.


Und diesmal kein Modell, sondern irgendwo in Taipei...


The night is alive!

Donnerstag, November 14, 2013

Necromancer

Jau, erst zum Uhrenblock mutiert, jetzt zum Fantasyblog. Noch mehr Aufnahmen von Sams Friedhofsmodell, das er in seinem Restaurant in Longtan, Taoyuan ausgestellt hat.

In SW sehen die Aufnahmen unheimlicher aus als in Farbe. Photoshop hat hier dramatische Lichteffekte geliefert.

Wer wie ich viel Zeit in Fantasygruppen zugebracht hat, der weiß natürlich, dass es sich hier bei dem freundlichen Herrn um einen Nekromanten handelt, einen Totenzauberer.


Mittwoch, November 13, 2013

Be careful with magic

Zweite Fotosession an Sams Friedofsmodell im Roadies Café, Longtan, Taoyuan County.

 Neulich hatte ich schon ein Foto vom Friedhofsmodell in meinem Lieblingslokal veröffentlicht (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/ex-familienbetrieb-vor-der-schlieung.html), jetzt bin ich dem Ding noch mal zu Leibe gerückt, angeregt von Sam.

Der Name hat durchaus auch einen Bezug zu der ein- oder anderen Diskussion in der letzten Zeit. Und vielleicht habe ich damit auch die "Kaffeesatzleserei" gemeint, mit der mich meine Taiwanfamilie so nervt. Gut, dass Sam so ein schönes Modell gebaut hat, sonst hätte ich für solch ein Foto einen alten Friedhof in England suchen müssen, hätte X Scheinwerfer aufstellen müssen, den Friedhofswärter bitten müssen das Licht einzuschalten in der Gruft und hätte für den Schuss mit dem Helikopter über dem Abgrund schweben müssen. So war es einfacher...

Mehrfach Clicko con Mauso vergrößert das Bild im Firefox.

Dienstag, November 12, 2013

I was at home last night, watching TV, when the world suddenly ended




They say the fabric of space had torn, probably caused by the Bolshoi Theater in Russia doing too many rounds on the same spot. We will never know if that was true.



Inspiriert vom depressiven Posting eines Expats im Ausländerforum, vom Sofa aus geschossen

Montag, November 11, 2013

50% der Erstklässler hat allergischen Schnupfen, 20% Asthma

Wenig gutes für die Kleinen in Taiwans Luft

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/05/06/2003561587

Taiwans Luft ist über die Jahre besser geworden, noch Ende der 90er hatte "mein" Stadtteil NeiHu hier etwa Dioxinwerte, die um das etwa 1000fache über der US-Grenzwerten lagen, wie ich vor Urzeiten bei meinem Herziehen mal recherchiert hatte. Grund war die mittlerweile verschwundene Billiges-Plastikzeug-Industrie, die heute praktisch nur noch in China zu finden ist. Trotzdem haben laut dem obigen Artikel immerhin 20% der Erstklässler Asthma und 50% allergische Schnupfensymptome. Asthma zu haben gehört in Taiwan praktisch zum guten Ton, in meiner Familie hier will es jeder haben, obwohl ich niemanden je nach Luft schnappen oder gar einen Inhalator benutzen sehe. Man leidet halt am Fortschritt, das gehört sich so. Wie zuverlässig ist also die Diagnose? Man beachte, dass zu wenig Folgebehandlungen verzeichnet werden. Und mir haben Ärzte hier schon allen möglichen nichtzutreffenden Unsinn diagnostiziert.

 Taipei-NeiHu

In meiner Taiwanfamilie durfte unser kleiner Lieblingsneffe damals keine Schokolade essen, weil diese angeblich Asthma auslöst. Ein anderer Neffe hatte aber mal Fieberanfälle von allergischen Beschwerden und zwei andere Neffen wohl auch allergische Probleme. Da meine Gattin aber gerne Witze über solche Dinge macht ("Schnell, die Zwillinge sind ins Krankenhaus eingeliefert worden!") weiß ich nicht mal, was nun wahr und was nun Unsinn ist davon. Ich würde es so zusammenfassen: Ein gewisser Teil der Erstklässler hat möglicherweise Asthma weil die Luft eben die von Taipei ist. Und die anderen niesen so vor sich hin. Vielleicht sollte die Regierung eine Gesundheitsinitiative starten, etwa das Lernen des deutschen Wortes "Gesundheit!", wenn jemand niest. Meine Taiwanfamilie sagt das mit der Allergie ist genetisch und lag nicht am stofftierartigen Schwarzschimmel in der Wohnung. Aha.

Eigentlich wollte ich mit diesem Artikel was anderes schreiben, aber letztlich wäre alles Aufregen nur vergebene Liebesmüh. Taiwaner entdecken ja die letzten 10 Jahre gerade den Umweltschutz und machen jetzt so langsam vor sich hin. Habe neulich sogar zwei Elektromopeds gesehen. Es wird schon.