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Freitag, August 28, 2015

Taiwanwahlkampf! Hung, Tsai, Shih oder Soong?

Welchen Präsidentschaftskandidaten würden Sie in der nächsten taiwanischen Präsidentschaftswahl 2016 favorisieren? Frau Hung, Frau Tsai oder Herrn Soong?  Oder den Außenseiter Shih?

Anmerkung: Mühevoll habe ich eine Überschrift wie "Lieber Hung-over, zart be-Tsai-tet oder too-Soon(g) in China?" hier aus dem Titel verbannt.

Wenn im Januar 2016 gewählt wird, haben die Wählerinnen und Wähler des taiwanischen Wahlvolkes (streng genommen müsste man sagen: des Wahlvolkes der Republik China - die wir umgangssprachlich Taiwan nennen) die Wahl zwischen vier Kandidaten, von denen aber nur drei praktische Bedeutung haben. Außenseiter ist Shih Ming-Teh. Herr Shih war einst Mitglied und sogar Vorsitzender der derzeitigen Oppositionspartei DPP, der Democratic Progress Party, die in der Zeit der Diktatur in Taiwan schon für Demokratie und auch den Bruch der verfassungsrechtlichen Bezüge zu China eingetreten ist. Herr Shih hat aber den letzten Präsidenten aus der DPP -Chen- im Jahre 2006 massiv kritisiert und dabei die Rothemden-Bewegung ins Leben gerufen. Kritikpunkt war die recht extreme und offene Korruption der Chen-Regierung, wegen der Chen bis vor kurzem im Gefängnis saß. Herr Shih selbst saß lange vorher unter der Kuamintang(KMT)-Diktatur 25 Jahre im Gefängnis -als Dissident und Kämpfer für die Demokratie - und ist sicher ein ehrenhafter Mann. Chancen bei der Wahl hat er als Parteiloser aber wohl keine laut Wahlprognosen.

Shih, parteilos, Foto von Wikipedia

Seine Expartei, die DPP, tritt nämlich mit Tsai Ingwen an, die jedenfalls nicht unpopulär ist. Die Vorsitzende der DPP wirkt extrem ruhig und ist nicht gerade ein Massenmagnet. Im bisweilen aufgeregten taiwanischen Politklima wirkt sie mit ihrer ruhigen Persönlichkeit und der Erklärung, den Status Quo Taiwans zu China wahren zu wollen allerdings durchaus positiv. Natürlich will sie ihrer Parteilinie gemäß keine "Wiedervereinigung" mit China, aber eben auch keine "formale Unabhängigkeit" Taiwans. Ich merke hier gerne an, dass die Republik China aka Taiwan sowieso schon ein de-facto unabhängiger Staat mit eigener Währung, eigener Staatsbürgerschaft, eigenem Militär und eigener Regierung ist, aber im DPP-Lager würde man gerne die Bezüge zur chinesischen Vergangenheit aus der Verfassung und dem Staatsnamen streichen. Nur dass die VR-China für diesen Fall eben mit einem militärischen Angriff auf Taiwan droht, was diese Idee etwas problematisch macht. Aber Frau Tsai will ja auch dahingehend nichts verändern, sagt sie.
Frau Tsai ist die aussichtsreichste Kandidatin und wird bei 36% in den Umfragen gesehen (es wird eine Direktwahl des Präsidenten/der Präsidentin in einem einzigen Wahlgang geben und die Wahl des Legislativen Yuan aka Parlaments gleich dazu). Gefahrenpunkt hier vielleicht: Was wenn Tsai nach erfolgter Wahl mehr in Richtung formeller taiwanischer Unabhängigkeit geht als sie jetzt sagt?

 Tsai, DPP, Foto von DPP-Webseite

Einen Titelverteidiger gibt es nicht, denn die derzeit wieder regierende Partei KMT/Kuamintang, die höchstselbst die KMT-Diktatur in eine parlamentarische Demokratie überführt hat zwischen 1992 und 1996, muss mit einem neuen Kandidaten respektive einer neuen Kandidatin antreten. Eben weil der amtierende Präsident Ma Ying-Jeou (KMT), der dritte freigewählte Präsident der Republik China/Taiwan überhaupt, schon zwei Wahlperioden amtiert hat und daher nicht wieder antreten darf. Präsident Ma hatte eine i.A. als prochinesisch wahrgenommene Politik gemacht, mit wirtschaftlicher Annäherung an die VR-China, die 2014 nach massiven Studentenprotesten bis hin zur Parlamentsbesetzung zumindest teilweise gestoppt worden ist. Die für 2011 angekündigte "politische Union" zwischen der Republik China/Taiwan und der VR-China fand jedoch nicht statt. Ma gilt heute als unpopulär, doch positiv formuliert hat er eine Taiwan-China - Entspannungspolitik auf die angespannten Jahre der vorhergehenden Chen (DPP)-Präsidentschaft folgen lassen, unter der die VR-China dem kleinen Taiwan oft mit Krieg gedroht hat wegen der angestrebten "Unabhängigkeits"-Schritte.

 Hung, KMT, Foto von KMT-Webseite

Die KMT tritt heute mit Frau Hung Hsiu-Chu an, die als Hardlinerin und Anhängerin einer "nationalen Vereinigung" zwischen der Republik China/Taiwan und der VR-China gilt. Sie redet im Wahlkampf u.a. davon, "den nächsten Schritt in der Beziehung zu China" folgen zu lassen. Was damit gemeint ist, ist Beobachtern nicht völlig klar. Frau Hung redet sowohl davon, die Republik China aka Taiwan von der VR-China offiziell anerkannt bekommen zu wollen (eine solche offizielle Zweistaatlichkeit a la BRD/DDR ist völliger Science Fiction in Taiwan/China) als eben auch von der nationalen Vereinigung. Frau Hung gilt auch nicht gerade als Massenmagnet und ihre Aufstellung als Kandidatin wurde von vielen Beobachtern mit Erstaunen zur Kenntnis genommmen. Denn demographisch bedingt scheint die Popularität einer "Wiedervereinigungspolitik" in Taiwan eher auf dem Rückschritt zu sein (1949 aus China geflohene Wähler sterben weg) und ihre offenbar prochinesische Haltung steht zumindest im Gegensatz zum öffentlich wahrnehmbaren Klima unter jungen Leuten - vergleiche die erwähnten Studenten- und die aktuellen Schülerproteste. Frau Hung liegt nur bei 17% in der oben referenzierten Umfrage. Allerdings muss man beachten, dass Umfragen in Taiwan oft sehr stark das Meinungsbild des Auftraggebers widerspiegeln sollen.
Korruption findet bei der KMT immer sehr verdeckt statt, sagt man im Allgemeinen. Schließlich ist die KMT die alte Staatspartei Taiwans. Beleg dafür ist beispielsweise die derzeitige grenzwertige Kooperation mit dem "Weißen Wolf" aus der Bambusgang-Triade, der zur Zeit der Studentenproteste plötzlich aus dem chinesischen Exil auftauchte und von der Justiz mit Samthandschuhen angefasst wurde.

Soong, PFP, Foto von PFP-Webseite

Anfang August erst hat James Soong seine Kandidatur bekannt gegeben. James Soong ist altes KMT-Urgestein und seine jetzige Partei, die PFP (People First Party) unterstützt normalerweise auch die KMT im sogenannten Pan-Blauen - Lager (Blau ist die Parteifarbe der KMT, der Gegenpol zu Pan-Blau ist Pan-Grün, das sich um die DPP schart). Soong war im Jahre 2000 mit eigener Partei gegen den Präsidentschaftskandidaten Lien Chan (KMT) seiner alten Partei angetreten. Das war eine turbolente Zeit, als der Noch-KMT-Vorsitzende und amtierende Präsident Lee damals nicht mehr als Präsident wg. 2 Legislaturperioden Amtszeit antreten durfte. Lee hatte eine sehr DPP-ähnliche Politik gemacht und damit viele in der KMT von sich entfremdet. Aber eben auch die parlamentarische Demokratie eingeführt. In der 2000er - Wahl verlor Soong nur sehr knapp hinter Chen (DPP), der damals Präsident wurde. Erst 2012 trat Soong wieder zur Präsidentschaftswahl an, gegen den amtierenden Ma von seiner Expartei KMT und gegen Frau Tsai von der DPP. Soong erhielt nur um die 2% bei dieser Wahl.
Soong gilt offenbar als recht charismatisch, ist von der ideologischen Linie her auch eher ein Wiedervereinigungsfreund und trägt sicherlich den Ballast der Dikataturzeit mit sich herum (wie allerdings durchaus auch der amtierende Präsident Ma), gibt sich aber offenbar moderat im Wahlkampf. Vielleicht um Hung (KMT) Stimmen eher chinaneutraler KMT-Wähler abzujagen? Soong wird in der zitierten Umfrage bei hohen 24% noch vor Hung (KMT) gesehen, was mich angesichts seines letzten 2%-Resultats doch sehr verblüfft hat. Kann das stimmen? Was meinen Sie? Und wie würden Sie wählen - vergleiche die (gerade in Arbeit befindliche) Abstimmung hier im Blog.


Nachtrag: Der erwähnte Expräsident Lee, ehemals KMT-Diktator, dann Einführer der parlamentarischen Demokratie, ist heute in der von ihm ins Leben gerufenen Partei TSU (Taiwan Solidarity Union), die allerdings keinen eigenen Präsidentschaftskandidaten aufgestellt hat und stattdessen Frau Tsai von der DPP unterstützt. Die TSU gehört zum Pan-Grünen Lager wie auch andere Kleinparteien.

Bisherige frei gewählte Präsidenten "Taiwans" (der Republik China):

1. Lee Teng Hui, ehemals KMT, heute TSU, 1992-1996 (indirekt gewählt), 1996-2000 (direkt gewählt)
2. Chen Shui-Bian, ehemals DPP, heute parteilos, 2000-2008
3. Ma Ying-jeou, KMT, 2008 bis heute

EDIT: Die Poll/Wahl ist oben rechts im Blog zu sehen. Mobilgeräte zeigen das leider nicht an.Einen Link konnte ich leider nicht finden/produzieren dazu, jedenfalls keinen funktionierenden.
Auf einem PC/Notebook guckt man einfach oben rechts ins Blog, wo das Wahl-Gadget ist.

Donnerstag, August 27, 2015

Kennen Sie Thaiwan?

Taiwan und Thailand werden gerne verwechselt, hier zwei Links aus dem Forum Forumosa.com:

In "Thaiwan" bei McDonalds gibt es eine niedliche Bedienung, der dieser US-Artikel gewidmet ist: http://www.bostonnewstime.com/regional/116089-mcdonald-s-goddess-hsu-wei-han-in-thaiwan-is-their-most-attractive-worker.html

Und die familiäre Herkunft aus "Thaiwan" spielt hier bei einem US-Politiker irgendeine Rolle: http://www.theblaze.com/stories/2013/02/26/progressive-group-mounts-racist-attack-against-mitch-mcconnells-wife/
Habe mir nicht die Mühe gemacht, das alles zu lesen. Die Fotos der Bedienung habe ich natürlich eingehend studiert, um Hinweise auf ihre Herkunft zu bekommen. Gemeint ist offensichtlich immer Taiwan, nicht Thailand.

 Taiwan (bei Yilan), nicht Thailand, kapische?


Selbst bin ich einst vor der Eheschließung mit meiner taiwanischen Frau gewarnt worden, weil die "Thailänderinnen" eben angeblich ihren deutschen Ehegatten immer das Geld abnehmen und es, wie die Erfahrung lehrt, an ihre Familie überweisen. Nun, nachdem ich jahrelang immer allen erklärt habe, dass die Dinge in Taiwan ganz anders als in Thailand sind, ist mein Geld komplett bei der Familie meiner Frau angekommen, allerdings investiert und nicht einfach weg. Lustigerweise in Manila, Philippinen, wovor man auch gern warnt. Ein bisschen komme ich mir vor wie ein Arzt, der jahrelang vor der Krebsgefahr des Rauchens warnt und die Inhalation von frischer Bergluft in Dosen empfiehlt. Und dann Krebs von den Konservierungsstoffen der Bergluftdosen bekommt. Wenn sie den Vergleich verstehen.

Äh.... Viele Grüße aus Thaiwan wünscht...

Ludigel

Mittwoch, August 26, 2015

Dein innerer Buddhist

Wie auch andere Expats wurde Ludigel von der fernöstlichen Weisheit seiner Gastgeber angezogen

Viele Expats werden, wenn sie lange genug in Asien sind zu Buddhisten. So ich natürlich auch, klar. Wer könnte sich der Weisheit des Gastgebervolks entziehen, das seine meditativ ruhige fernöstlich weise Art ja tagtäglich beispielsweise im Straßenverkehr demonstriert. Nun gibt es andere Expats die einwenden, hier in Taiwan gäbe es gar keinen Buddhismus sondern die i.d.R. den chinesischen Götterhimmel Anbetenden seinen in Wirklichkeit.... äh ... irgendwas anderes. Doch ehrlich gesagt, solche Klugscheißerei kann einen richtig überzeugten Buddhisten wie mich natürlich nicht vom täglichen Anbetungsgeschäft abhalten. Schließlich kannte man auch bei der letzten Religion nicht den Unterschied zwischen Arianern und Trinitarianern und hat das mit der Heiligen Dreifaltigkeit eh nie so ganz verstanden. Weil damals die Grundschullehrerin folgendes sagte:

"Also das mit der Heiligen Dreifaltigkeit erkläre ich euch mal. Das ist so....."
[sie legt die Stirn in Falten]
"Ach neh, da seit ihr noch zu klein zu."

 Heilige Dreifaltigkeit (zweite Reihe nicht mitgezählt)

Man wird dann größer im Laufe der Jahrzehnte, aber kriegt es immer noch nicht erklärt. Aber heute ist man ja Buddhist. Mir geht es da so wie einem Deutschen, der vor ein paar Jahren im deutschen Fernsehfunk Berühmtheit erlangte, als er mit seiner Familie nach Kambodscha auswanderte. "Nur durch den Buddhismus kann ich meine wilde innere Natur zügeln" schrieb er sinngemäß. Ich weiß nicht, wie es ihm ging, aber ich sitze natürlich mit meinem muskelbepackten eingeölten Oberkörper andachtsvoll im Tempel, das orange Stirnband um und das Schnellfeuergewehr draußen an den Bambustempel gelehnt. Nur die Ruhe des Buddhismus, wenn er denn gerade einer ist, kann da die innere Bestie zur Ruhe bringen. Und der gratis Ingwertee.

Wie dem auch sei, auch die tieferschürfende Theologie will ich dem geneigten Leser nicht vorenthalten. Bei den vielen Göttern verliert man schon mal den Überblick. Doch ich will es Ihnen schnell erklären: Desto Rauschebart und desto Augenleuchten, desto heiliger. So einfach ist das mit den vielen Göttern. Manche dampfen sogar, die sind dann noch heiliger. Das ist ergo anders als im Christentum, da dampft nur der Leviathan und das ist der Teufel. Kann man sich leicht merken.

Und natürlich gibt es die hiesigen Götter wirklich, hier ist der oberste, Xian Sheng Drachengott himself, von mir im Bilde festgehalten: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/ein-drache-im-foto.html



Typisch Taiwan, oder? (Update)

Taiwan hat es mit einer bizarren Story mal wieder in die deutschen Nachrichten geschafft

Taiwan aka Republik China (mit vollem Staatsnamen) ist bei Spiegel.de präsent derzeit. Nicht etwa, weil Taiwan eine der wenigen parlamentarischen Demokratien in Asien ist und bald 2016 wieder Präsidentschaftswahlen sind - der Wahlkampf läuft - oder weil beide maßgeblichen 'Präsidentschaftskandidaten" eben Frauen sind. Nein, der Anlass ist ein tollpatschiges Kind, das mit einem Getränkebecher in der Hand in einem Museum stolpert, sich mit dem Getränk in der Hand an einem 1.5-Millionen teuren Bild abstützt und es dabei ruiniert. Das Video dazu kann man hier sehen:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/museum-in-taiwan-junge-stolpert-und-zerstoert-1-3-millionen-gemaelde-a-1049651.html 

Trotzdem gebe ich zu bei dem Video sofort gedacht zu haben: Typisch Taiwan! Es handelt sich zwar bei dem zuckrigen Bildersturm nur um eine kleine Katastrophe im Vergleich zu anderen. Aber erst kürzlich hat z.B. die britische BBC den Taiwanern "den Kopf gewaschen" in einem harschen Artikel. Nämlich wegen der zahlreichen taiwanischen Katastrophen in der letzten Zeit, die offenbar alle durch sträflich missachtete Sicherheitsvorkehrungen entstanden sind: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bbc-wascht-katastrophen-taiwan-den-kopf.html

Und in diesem Fall muss man schon fragen: Warum darf ein Kind mit einem teilweise offenen Getränk herumlaufen in einem Museum, in dem so kostbare Gemälde gezeigt werden? Wenn ich an meine Museumsbesuche aus der Schulzeit denke, da wurden wir von strengen Museumswächtern schon zur Ordnung gerufen, wenn wir nur in der falschen Tonlage andächtig "uiiii" geraunt hatten. Eine Oktave zu hoch und man wurde fast am Ohr gezogen. Und in Taiwan? Da darf ein Kind mit Getränk in der Hand fröhlich durch die Gegend ziehen. Anders habe ich freilich das Nationale Palastmuseum in Taipei in Erinnerung, wo der alte chinesische Kaiserschatz zu sehen ist. Da stehen auch überall Wächter herum, meine ich mich zu erinnern. Aber da geht es ja auch um die heiligen Grale der chinesischen Kultur, die man in Taipei gern hoch hält. Und nicht nur um "English-Teacher"-Kunst. Denn "Weiße" kennt man in Taiwan eben meist als Englischlehrer und über die rümpft man schon mal die Nase.
Ich gebe zu, ich hätte Hemmungen, große Kostbarkeiten an Taiwan zu verleihen, so lax wie man hier eben Sicherheitsvorkehrungen sieht. Gut, dass die Bilder nicht im Freien gezeigt wurden. So oft wie es hier Dusche-ähnliche Regenfälle gibt ;-)

Update: Hier näheres zum beschädigten Bild, auch Fotos: http://www.theguardian.com/world/2015/aug/25/boy-trips-in-museum-and-punches-hole-through-million-dollar-painting
Und leider kann es für die Familie des Jungen, der den Schaden verursacht hat, ein finanzieller Alptraum werden, auch wenn das Museum keine Ansprüche stellen will (es entscheidet der Versicherer, nicht der Geschädigte darüber): https://taiwanlawblog.wordpress.com/2015/08/25/boy-who-punched-hole-in-painting-may-still-be-liable-for-monetary-damages/
Denn Haftpflichtversicherungen hat man in Taiwan oft nicht.

Dienstag, August 18, 2015

"This is my country!" (Update)

Ludigel will eigentlich nur das Auto umparken

Im März hatte ich geschlagene drei Parkplätze in der Nachbarschaft zur Verfügung, brauchte aber doch oft fünf Minuten um den dicken Volvo in den schmalen Gassen einzuparken. Parkplatz 1 ist der Familienparkplatz, noch von anderen genutzt. Parkplatz Nummer 2 wurde deshalb gemietet, in einer Tiefgarage. Die ist allerdings nur über einen Autolift zu erreichen der so schmal ist, dass es mir einmal die Verkleidung des linken Außenspiegels weggehauen hat in dem Ding. Daher haben wir dann Parkplatz Nummer 3 gemietet (2 ist heute wieder aufgegeben). In einer schmalen Gasse ganz in der Nähe. Nur dass die Leute sich dort angewöhnt haben, immer in zweiter Reihe die geparkten Autos zuzuparken. Ohne Telefonnummer am Auto.

 Die Nachbarn guckten von den Balkonen...


Spät abends zwischen 10 und 11 gehe ich also immer los und parke das Auto vom etwas weiter weg liegenden Parkplatz 3 auf Parkplatz 1 um, weil der dann frei ist und näher an der Wohnung liegt. Damit Frau morgens nicht so weit laufen muss. Oft ist der Wagen dann zugeparkt. Dann rufe ich Frau an, die ruft die Parkplatzvermieterin an und die telefoniert in der Gegend rum, bis nach etwa zwanzig Minuten irgendein Depp aus den Wohnungen rennt, "paisei paisei" ruft, wie immer man das auch schreibt und seine verdammte Karre wegfährt. Oder rummault dabei, wenn es der Kerl mit dem dicken weißen Infiniti-SUV ist, der das Format eines veritablen LKWs hat. Das Auto, nicht der Kerl. Sogar mein Volvo sieht klein aus dagegen.

Nun hatte ich gerade Terminator::Genisys gesehen, den neuen Streifen mit Arnold, der zwischenzeitlich Gouverneur von Californien war und war gerade kurz vor Schluss gewesen, als Frau sagte, ich solle den Müll rausbringen (ohne richtig funktionierende Müllabfuhr in Taiwan ist das auch so ein Abenteuer) und dann natürlich auch den Wagen umtopfen. Nun parkte eine alte rote Mercedes S-Klasse mich und zwei andere Autos zu. Anständige Taiwaner liegen natürlich zu dieser späten Stunde längst in den Betten und träumen von Laotse und Konfuzius, das ist klar. Nur wir merkwürdigen Ausländer sind da nachts noch auf den Beinen unserer finsteren Umparkgeschäfte wegen. Und ich hatte auf die 20 Minuten Ringelpietz mit Anfassen und Telefonieren einfach keine Lust. Und warum eigentlich kaufen Taiwaner immer das maximal größte erreichbare Auto, vergessen aber einen Parkplatz dafür zu mieten? Gut, meine Frau wollte ja auch unbedingt den dicken, teuren Volvo.

 Was ist denn das für ein Radau?


Also drückte ich auf die Hupe. Dauerhaft. Immer wieder. Wirklich lange. Weil irgendwann wird dann ja wohl jemand kommen. Tatsächlich trudelte als bald die gesamte Nachbarschaft im Schlichtwohnviertel ein. Hinter den Gittern (Gardinen haben sie hier nicht, ist Konfuzius dagegen oder dergleichen) oder unten aufgeregt vor meinem Volvo und dem Benz auf der Fahrbahn rumrennend. Ich zeigte mehrfach fragend auf den dicken Mercedes und ging dann weiter meinem Hupgeschäft nach. Es schien so, desto schneller ich die Hupfrequenz wählte, desto schneller liefen auch die Leute herum. Lustig irgendwie. Vielleicht sollte ich mal eine Melodie hupen. Kennt jemand ein chinesisches Volkslied? "Sah Chiang Kai Shek ein Röschen stehen" oder irgendwie sowas. "Muss ih denn, muss ih denn zum Tempele hinaus..:", das kennt man doch, oder?
Und wo hatte ich nur die Hauptdarstellerin in Terminator::Genisys schon gesehen?

So grübelte ich hupend vor mich hin, da sprach mich ein Anwohner auf Englisch an.

"Why so angry?" fragte er. "Warum so ärgerlich".
Seine Frage machte mich jetzt wirklich ärgerlich. Hupt man weil man ärgerlich ist oder weil man einfach mit dem Auto aus der Parklücke fahren will, wenn sie zugeparkt ist?

"I am not angry. I just press the horn so someone is coming", antwortete ich jetzt nicht mehr wahrheitsgemäß. "Ich bin nicht ärgerlich, ich drücke nur die Hupe damit jemand kommt."

Ich unterbrach kurz mein Daherhupen (die Nachbarn standen alle abrupt bewegungslos da, als die Melodie aufhöre) und hörte ihm zu, als er mutmaßte, zu welcher Wohnung der Mercedes gehören würde. Da setze er zu einem Fragenkatalog an.

"Is this your parking lot? Do you live here?" ... "Ist das Ihr Parkplatz. Wohnen Sie hier?"

Klar, dachte ich, ich muss dir um 22.10 meine Credentials/Referenzen geben, wenn ich nur mein Auto aus der Parklücke fahren will. Ich kenne das ja. Gehe ich an meinem Auto vorbei bei Regen und nehme einen Regenschirm raus, stratzt jemand aufgeregt zu meinem Auto und macht ein Foto davon. Langnase brechen Auto auf. Oder parke ich auf meinem Parkplatz, erklärt mir jemand, ich könne da nicht parken. Weil Anwohnerparkplätze. Und so wie ich sehen Anwohner eben nicht aus. Oder wollen mich nicht ins Mietshaus reinlassen, wie der Tattergreis bei uns im Haus. Gut, oder sie sagen "Welcome in Taiwan" (haben sie aber um 2011 damit aufgehört), wenn ich noch mal was aus dem Auto hole. Immer fühlen sie sich mir gegenüber vor meiner eigenen Haustür als territoriale Sachwalter offenbar.

"Yes I live here. Yes this is my parking lot. And this is my country!".

"Ja ich wohne hier. Ja, dies ist mein Parkplatz. Und dies ist mein Land!"

Den letzten Satz sagte ich mit geschauspielter Inbrunst und großer Geste, mit meinen zum Himmel gereckten Armen gewissermaßen das  ganze Land Taiwan aka Republik-China einschließend.

"The last one was a joke", "Das letzte war ein Witz", wollte ich noch hinzufügen. Da fiel mir auf, dass der Nachbar schon wieder schnellen Schrittes auf seine Haustür zurannte. Bei emotionalen Gesten geraten sie immer in Panik, die Taiwaner. Dabei hatte ich noch mehr in Petto, hätte mich als Präsident Ma Ying-Jeou vorgestellt, wenn er weiter gefragt hätte. Aber so war er weg und ich ging wieder zum Dauherhupen über. Die Nachbarn nahmen wieder ihren Squaredance auf.

Irgendwann kam dann eine junge Frau aus dem Hause, sagte "Paisei Paisei" und ich bedankte mich. Als ich den Wagen aus der Parklücke gefahren hatte, musste ich wieder diese Parksperre zuklappen. Die ist aus Metall und macht so einen Wahnsinns Krach jedesmal. KAWUMM ging es. Wieder hielt das ganze Duzent Versammelter an und alle guckten mich an. Bestimmt dachten sie jetzt alle, ich sei unheimlich wütend. Dabei ist es nur die Mechanik. Ich ging aufs Auto zu. Immer noch guckten mich alle an als sei sonstwas passiert.

"Prima", dachte ich. Da will man nur seinen Wagen umparken und stattdessen ist man in einer Situation, sich im soziokulturellen Kontext der gesamten Nachbarschaft einordnen zu müssen. Unglaublich.

Alle starrten mich an. Ich verharrte in der Fahrertür. Die großen Augen der Mercedesfahrerin leuchteten wie Suppenteller aus dem roten Benz. Ich machte den V-Zeichen. Das machen die Taiwaner ja immer auf Fotos. Und außerdem steht es ja auch für "Zwei" und der rote Mercedes hatte mich bereits zum zweiten Mal zugeparkt.

Game of Thrones. Da hatte ich die Hauptdarstellerin schon gesehen. Kaum wiederzuerkennen.

Update: Gestern abend wieder das selbe Theater. Ein alter Toyota mit verfärbtem schwarzen Lack, der sich weißlich abschälte, parkte meine Kiste zu. So doof geparkt, dass ich fast noch hätte raus können. War ja nicht genau so lang wie die S-Klasse am Vorabend. Aber eben nur fast. Auch Dauerhupen weckte um 23 Uhr niemanden mehr. Bis auf die Tochter der Vermieterin, eine nette Lehrerin in den 50ern, die dann mit mir durch die nächtliche Straße schwebte und an mehren Türen klingelte, um den Fahrer des Wracks zu ermitteln. In der Hand hatte sie offensichtlich eine KFZ-Liste! Deswegen parken sich die Schlumpis hier also immer gegenseitig zu, weil sie dann ggf. das Wegfahren koordinieren. In einer 20-minütigen Aktion, die mir bei 12-16 Stunden-Arbeitstagen doch immer auf den Magen schlägt, geht sie doch von der knappen Freizeit ab. Gestern Abend ließ sich aber der Halter nicht ermitteln, er war nicht auf der Liste, sagte mir die Dame mit Händen und Füßen ob meines stadtbekannten Pidgin-Chinesisch.
Doch es gibt offenbar einen Parkservice der Polizei! Meine Frau rief die Polente an, die dann ihrerseits den Fahrer des Autos anrief. Perfekter Valet-Parkservice. Na Kunststück, Parkwächteruniformen haben sie ja schon an die Sheriffs. Wie dem auch sei, keine fünf Minuten später kamen zwei junge Männer buchstäblich angerannt. Beide mit zotteligen Haaren und Totenkopf-T-Shirts. Ich atmete unwillkürlich tief ein - sicher ein evolutionärer Mechanismus um das Muskelgewebe mit Sauerstoff und ATP zu versorgen, doch die beiden an Juniorverbrecher gemahnenden jungen Männer entschuldigten sich bei mir und der permanent schimpfenden Lehrerin viele Male, winkten mir zu und verschwanden dann paisei paisei paisei sagend mit ihrem alten Toyota. Habe da hoffentlich keinen Bruch gestört oder sowas. Ich winkte ihnen auch zu und rief freundlich: "Just don't do it again!". Andererseits war ich ganz froh um die Unterbrechung diesmal, haben wir doch auf meinem zentralen Schreibtisch-Client ein Tool installiert, mit dem wir auch vom Notebook zu Hause mein ganzes Schreibtischnetzwerk aus derzeit 10 realen und 15 virtuellen Rechnern fernsteuern können. Das Schreibtisch-Lab, das ja offenbar als einziges "Laboratorium" VMware - Zertifizierungen in Taiwan durchführt und damit ganze Batterien von weißkitteligen Taiwanern im ein-Ludigel-Modus ersetzt. Und so um 23 Uhr konnte ich eine 20-minütige Pause mal ganz gut vertragen und amüsierte mich, unter der Straßenlaterne von Merkels Griechenland-Pyramidensystem (Spiegel) zu lesen. Nach dem Motto: 100 Milliarden Euro hinterher geworfen sind gut, wenn sie erst bei der nächsten Regierung/Währungsreform in den Büchern aufschlagen und nicht schon in der Herrschaftszeit der Heiligen Merkel. Da schmunzelt man unter der Straßenlaterne am östlichen Tellerrand der Welt über die westlichen Katastrophen von Morgen.


Donnerstag, August 06, 2015

Yehliu Kap, nahe "Queen's Head"



Nur ein schneller Schuss vorab. Küste ganz an der Nordspitze Taiwans, am Yehliu Kap, wo man guter Hoffnung sein kann, gegen Zahlung von 400 NT (etwa 10 Euro) die berühmte Steinformation "Queens Head" im Yehliu Geopark sehen zu können. Überlaufen wie es war haben wir uns nicht in die 30 Reisegruppen  - viele sicher aus der VR China herüber gekarrt - eingereiht, sondern haben lieber die Küste direkt daneben besucht, wo auch dieses Foto entstanden ist. Ich will mal daheim in der Fotokiste suchen, ob ich noch die vom Fotogeschäft um 2003 oder 2004 eingescannten Analogfotos von meinem damaligen Besuch von Queen's Head finde - die Negative lagern jedenfalls im fernen Deutschland.

Oben ein schnelles nächtliches Foto mit der Immer-dabei-Kompaktkamera (Casio Exilim Z1000), die ich statt der Handykamera verwende. Der Vorteil so einer richtigen Kamera ist eben, dass man sie auch einfach mal mit Selbstauslöser auf die Ufermauer stellen kann für eine Aufnahme mit sehr wenig Licht wie hier im Bild. Man sieht deutlich, dass die kleinformatigen Kompaktkameras (wie auch Handykameras) heftiger als DSLRs auf die allgegenwärtigen elektromagnetischen Störungen reagieren, die sich in Form von Bildrauschen niederschlagen.
Entstanden ist das Bild am Parkplatz vom Yeliu Geopark als ich nächstens das Auto umparkte.

Erweiterte!

Der neue Drogerieschlachtruf: Erweiterte!

Deutsches ist als Werbeträger in Taiwan beliebt. Hatten wir im letzten Beitrag die scheußliche Verwendung von Nazisymbolik - so ist es diesmal viel harmloser. Hmmm... hätten Sie als deren Marketingmensch in Taiwan die Box auch so gestaltet?


Manche deutschen Worte sagt man viel zu wenig. "Erweiterte" und das aktuelle Medienthema-Wort "Landesverrat" gehören sicher dazu. Oder wie wäre es mit einer Kombination aus beidem? Noch mit kleinem "r" dazwischen natürlich.

P.S.: Und erweiterte Eitelkeit heute im Blog. Im Blog-Header ist ab sofort der Hinweis auf das Gründungsjahr 2004 dieses Blogs enthalten. Auch wenn das erste Jahr nur aus einem einzigen Posting bestand. Damals wusste ich mit dem "neuen Medium" Blog noch nichts rechtes anzufangen. Und heute haben sich Blogs fast schon wieder erledigt, dank Facebook, Twitter und Instagram. Bislang war 2007 als Gründungsjahr angegeben, weil ab dann die Postings (fast) ausschließlich auf Deutsch sind ;-)

Mittwoch, August 05, 2015

What the f*ck?

Es gibt sie, diese "What the fuck"-Momente im Leben...

 Werde jetzt nicht anfangen, das Hakenkreuz hier zu entfremden, wie es deutsche Blogger oft machen. Es ist schließlich eine Dokumentation, keine Propaganda. Relativ sauer bin ich auf die Digitalkamera, die das Bild auch noch als DSC00018 abgespeichert hat, weil sie kürzlich einmal rum ist mit dem Zähler.

Taiwaner verwenden das Hakenkreuz ja in spiegelverkehrter Version selbst als positives Symbol an Tempeln. Das Ding gibt es in vielen Kulturen und auch in Deutschland hatte es einst eine normale Bedeutung. Es steht offenbar für ein Sonnenkreuz, das sich ergibt, wenn man astronomisch die Bewegungen der Sonne übers Jahr nachzeichnet. Daher gibt es das in vielen Kulturen. Leider sehen die Taiwaner mangels Wissen über europ. Geschichte die Nazizeit oft eher positiv, u.a. weil Hitlerdeutschland und Nationalchina aka Republik-China unter Diktator Chiang Kai-Shek einst eine Allianz hatten (bis Hitler dann auf Japan umgeschwenkt ist). Und leider verwenden sie das NSDAP-Symbol auch oft als Deutschlandsymbol.

Kann man sich schon erschrecken. Bislang habe ich es an und um Autos schon oft gesehen. Einmal hatte ein Gebrauchtwagenhändler einen alten eckigen Mercedes aus den 70ern da stehen und an einem Fahnenmast die NSDAP-Flagge. Hatte keine Kamera parat, um den grausamen Anblick festzuhalten. Und einmal standen vor mir an der Ampel zwei schwarze VW-Busse (T4-Modell), beide mit einem identischen NSDAP-Aufkleber am Heck. Grauslich. Wie es dazu gekommen ist frage ich mich bis heute.

Dass die beiden Flaggen sich "beißen", wird dem Besitzer des Autos nicht bewusst sein.

Dienstag, August 04, 2015

Schülerproteste Taipei

Privat und beruflich eingespannt ist es völlig an mir vorbei gegangen.

Taiwans Schüler der Klassen 10 bis 12 führen derzeit massive Proteste bis hin zur Umzingelung des Regierungssitzes in Taipei durch (siehe etwa im Blog von Klaus Bardenhagen: http://www.intaiwan.de/2015/08/03/schueler-proteste-taiwan-geschichtsbuecher/). Anlass für die Proteste ist das Umschreiben der Schulbücher zum Thema Geschichte durch die derzeitige chinafreundliche KMT-Regierung des Präsidenten Ma Ying-Jeou. Ein wegen Eindringens in das Erziehungsministerium verhafteter Schüler hat Selbstmord begangen, offenbar nachdem er von seinen Eltern unter Druck gesetzt wurde.
Konkret sollen die Geschichtsbücher wohl eine eher chinazentrische Sichtweise bekommen. Passend dazu, dass sich die regierende KMT eben als "chinesische" Partei ansieht - freilich nicht im Sinne der VR-China sondern sich aus dem Umstand erklärend, dass die KMT einst über China geherrscht hat, bis ihre Regierung 1949 vor den chin, Kommunisten auf die Insel Taiwan geflohen ist, die damals eine japanische Kolonie war.

Von den Protesten habe ich nichts mitbekommen. Frau (nicht im Bild), Junior und meine Wenigkeit tingeln derzeit viel an Ausflugsorten herum und wollen Taiwan noch mal genießen. Droht doch evtl. bald unser Wegzug aus der Roc-Republik.

Damit schließen sich Schüler-Proteste gegen Taiwans (freilich 2x frei gewählte) KMT-Regierung an die 2014er Studentenproteste an. Damals wurde das Parlament besetzt und gegen eine weitere wirtschaftliche Annäherung Taiwans an China protestiert. http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html.

Und ob es nun ein oder zwei Chinas gibt verliert doch irgendwie seine Spannung, wenn man die Diskussion 11 Jahre lang gehört hat. Wie wäre es mal mit zwei Taiwans stattdessen. Spalten wir uns doch in Norden und Süden, das verwirrt dann auch die Chinesen. Oder noch besser in Osten und Westen mit Taipei mitten durch geteilt.

Für die 2016er Präsidentschaftswahl schlägt der KMT sicher ein strenger Wind ins Gesicht. Da sich jüngere Taiwaner immer weniger als Chinesen und eher als Taiwaner ansehen, können sie mit der China-Nostalgie der das chinesische Erbe pflegenden KMT wenig anfangen. Demografisch gesehen werden die jüngeren Taiwaner natürlich einen immer größeren Anteil der Wählergemeinde stellen. In der 2016er-Wahl kann Präsident Ma Ying-Jeou (KMT) nicht wieder antreten. In seine Fußstapfen will die KMT-Hardlinerin Hung treten, die einerseits von "nationaler Vereinigung" mit der VR-China redet, andererseits aber auch die existierende Republik China alias Taiwan als eigenen Staat durch Peking anerkannt bekommen will.
Ihr Gegenüber ist die Oppositionskandidatin Tsai (DPP) aus dem die Eigenständigkeit Taiwans betonenden "Taiwan-Independence"-Langer, die sich moderat gibt.

Von einem Wahlsieg der DPP wird ausgegangen. Jedoch denke ich nicht dass es angemessen ist, die KMT schon endgültig als gescheitert oder gar in ihrer Existenz gefährdet anzusehen, wie das viele Kommentatoren der Expatszene tun. Sollte die DPP etwa wieder einen großen Korruptionsskandal haben wie unter der letzten DPP-Präsidentschaft 2000-2008 unter Präsident Chen (DPP), dann kann das politische Klima sicher in künftigen Legislaturperioden wieder in Richtung KMT umschlagen, selbst wenn Studenten und Schüler dann wieder oder immer noch gegen die Regierung auf die Barrikaden gehen. Das Phänomen ist ja auch in westlichen Gesellschaften bestens bekannt und nur für das früher familiär strenge und ehemals autoritär regierte Taiwan ein neues Phänomen.

EDIT: Ein Beispiel für "chinesische Geschichtsauslegung" sei im Folgenden genannt:

Im Zweiten Weltkrieg war die Insel Taiwan japanische Kolonie und Taiwaner kämpften in Uniformen der japanischen Armee gegen die Amerikaner. Trotzdem fand in Taipeis Straßen kürzliche eine Siegesparade zur Zelebrierung des Anteils der Republik China (die wir ja umgangssprachlich Taiwan nennen) am Sieg über Japan statt. Klingt widersinnig, erklärt sich aber aus der Identifikation der regierenden KMT und dem sino-taiwanischen Mainstream in Taipei mit dem alten China, das Gegner Japans war. Hier gibt es freilich auch keine militärischen Erfolge gegen Japan zu verzeichnen sondern nur Niederlagen, Schmerzen und Qualen. Aber Feiern sind ja immer ein Wert an sich.

Donnerstag, Juli 30, 2015

FAQ

1. Ich liebe Taiwan und finde es unerhört, was hier im Blog steht!
Ja, okay.

2. Meine eigenen Erfahrungen bei meiner letzten Taiwanreise waren völlig andere! 
Ja, okay.

3. Ich finde hier wird alles nur aus deutscher Sicht gesehen und Taiwan völlig herunter gemacht!
Wirklich? ...... was auch immer ... Ja, okay.

4. Du solltest viel positiver schreiben!
Ja, okay.   

5. Ich finde es unerhört, dass du das leckere taiwanische Essen nicht magst und ständig kritisiert.
Ich mag es doch, nur die vielen Lebensmittelskandale eben..... 
was auch immer ... Ja, okay.

6. Ich meine aus dem Beitrag X vom TT.MM.JJJJ entnehmen zu können, dass du folgende psychischen Probleme hast:  (Liste)
Oooooooooookay......

7. Könntest du in deinem Blog für mein "Abnehmen durch Bandwurm-Schlucken"-Buch werben?
Ooooookay. ... Ich meine: Jetzt hakt es wohl völlig aus. Okay?

8. Ich finde ihr nutzlosen ewig meckernden Expats gehört nicht nach Taiwan!
Wer denn alles? Andererseits auch wieder egal. Okay?

9. Warum endet jede Antwort hier mit Okay? Ist die FAQ überhaupt ernst gemeint?
Klar!
   

Connecting-Cultures.org

Kurzmeldung: Dieses Blog ist jetzt teil des Connecting-Cultures - Blogrings. Wenn man auf den Link geht, erhält man eine Übersicht der teilnehmenden Blogs und ihrer Posts. Alles natürlich zum Thema Kulturen-Verbinden. In der Praxis sind es also Expatblogs und dergleichen. Viel Vergnügen beim Lesen.

http://connecting-cultures.org/

Freitag, Juli 24, 2015

Alles einstweilen so weiter...

Doch noch keine Republikflucht

In Kurzform:

Ausreisewillen von Frau einstweilen gezähmt.
Chef vom Chef bat um Aufschub unserer Republikflucht.
Augenkrankheit meiner Frau offenbar dank chin. traditioneller Behandlung im Stillstand.
"Viel Thermik um Nichts" einstweilen beendet.

Dass die übrigens recht teure (100-200 Euro umger. im Monat) chinesische traditionelle Medizinbehandlung etwas bringt bei meiner Frau verblüfft mich sehr. Andererseits hat der Doc mit seinen Pülverchen da eine "Entgiftungsstrategie" offenbar. Und durch die Pülverchen statt Essen verzehrt meine Frau auch weniger aus der Kantine, die mir jedenfalls gravierende Gesundheitsprobleme macht. Sind es also Umweltgifte im Essen, die überhaupt zur teilweisen und bis vor kurzem schnell fortschreitenden Netzhautablösung meiner Frau geführt haben? Man weiß es nicht, aber einstweilen ist alles wieder beruhigt.

Wenn ich meine Frau so grinsen sehe denke ich, dass ihr die ganze Aufregung auch viel Spaß gemacht hat...

Chef und Gatten erschrecken ist ja auch mal was Schönes ;-)

Mittwoch, Juli 22, 2015

BBC wäscht Katastrophen-Taiwan den Kopf (Update)

Ich muss mich gar nicht aufregen und überlasse das Ihrer Majestät BBC...

http://www.bbc.com/news/world-asia-33605220

Zusammenfassung: Es stürzt ständig irgendwas ab, explodiert oder fackelt ab, weil sich keiner für sicherheitsrelevante Regeln interessiert. Der englischsprachige Artikel ähnelt stark dem vom deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen in seinem Blog:

http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/

Ich sage es so: 5% Steuern und eine völlig andere Auffassung von Vorschriften beißen sich halt mit dem dicht bevölkerten Massenbetrieb und der hohen Technisierung Taiwans. Aber die Leute machen eben hier ihre eigenen Regeln und interessieren sich nicht die Bohne, was Johnny Weißbrot dazu meint.

Update: Und das Weißbrot und anderes Essen ist auch i.d.R. nicht in Ordnung: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/nahrungsmittel-konzernboss-kritisiert.html

UPDATE: Todesopferzahl der "Waterpark"-Katastrophe ist mittlerweile bei 8, zuzüglich eines Vaters eines Verletzten, der Selbstmord begangen hat - obwohl sich sein Sohn allem Anschein nach erholen wird. Der Link nennt ein Todesopfer weniger als aktuell ist: http://shanghaiist.com/2015/07/20/father-taipei-water-park-burn-victim-commits-suicide.php
Noch etwa 120 Verletzte sind auf Intensivstationen, es ist also noch mit mehr Todesopfern zu rechnen. Es gibt da meines Wissens nach leider einen Prozentwert für die verbrannte Haut, ab dem keine Genesung mehr möglich ist, obwohl man diesen aus Pietät natürlich nicht nennt in der Berichterstattung.Betroffene Ärzte wissen bei Verbrennungen schon die Heilungschance (leider) sehr präzise vorab.

Die Straßen von Hualien

... sind bestimmt noch viel eindrucksvoller. Hier nur eine kleine Straßenszene.


Auf der Firmenfeier mit öligem Brathuhn interessierte mich die hübsche Lampe.


Ansonsten gilt, an der Pazifikküste...


 ... sind die Fische im Wasser... und selten an Land


...


Aus dem Aquarium in Hualien

Ohne viele Worte...


Come fly with me

The Ecstasy of Flight

Towards the Light

You friggin' confuse me...

Just Nessie...

Fotografisch war ich nicht gerade gut ausgerüstet, nur mit der kleinen leichten Sony Alpha A230 um den Hals, weil ich mich auch noch um Junior kümmern musste. An der kompakten DSLR war ein Sony 2,8/28mm das nicht so toll lichtstark für die Situation war, aber gerade so ging (und von der Kamera auf effektive 40mm umgerechnet wurde). Freihandaufnahme ohne künstliche (eigene) Lichtquellen. Die kleinen Sonne bei Ecstasy of Flight und der Lichtpunkt bei "You friggin' confuse me" und "Towards the Light" sind nachträgliche eingefügt.

Genau gesagt ist es der Far Glory Ocean Park oder wie immer das Ding hieß.

Zwei neuerliche Messerangriffe in Taipei (Update)

Der Archetyp des unzufriedenen oder geistesgestörten Messerstechers scheint zum Regelfall in Taipei zu werden

Natürlich sind ein paar Messerangriffe in einer dicht besiedelten Stadt wie Taipei nicht viel. Aber es an diesem Montag zwei Täter, die unabhängig voneinander in einer U-Bahn-Station bzw. auf offener Straße ohne Anlass Menschen mit dem Messer angegriffen haben, wobei es insgesamt fünf Verletzte gab:

http://m.focustaiwan.tw/news/asoc/201507210001.aspx

Zumindest in einem Fall nannte der Täter das zurückliegende Massaker in der U-Bahn im vorherigen Jahr mit vier Toten und zahlreichen Verletzten als Motivation. Sicher sind es nur wenige Fälle und die Wahrscheinlichkeit im Straßenverkehr verletzt zu werden wird sehr viel höher liegen. Aber für mich geht dieser Tage die Legende vom "absolut sicheren" Taipei nun endgültig in das Reich der Mythen ein. Frau hat bereits ein sicher kontraproduktives U-Bahn-/Hochbahn-Verbot für uns ausgesprochen.

Trotzdem gilt: Der Mensch bewertet Risiken nach ihrer Bizarrheit, nicht nach dem statistischen Risiko. Niemand will etwa die rücksichtslosen Autofahrer Taiwans mit ihren unzähligen unnötigen Todesopfern an die Kette legen, während man schon eher darüber nachdenkt, wie man sich vor den immer noch sehr seltenen messerschwingenden Verrückten schützen kann.

EDIT: Und zugegeben, ein paar messerschwingende Irre jede Woche plus den Straßenverkehr ist gefährlicher als nur der Straßenverkehr.

UPDATE: Einer der Angreifer hat offenbar auf einer Rolltreppe die Leute auf der Gegenrichtung in den Rücken gestochen.

Dienstag, Juli 21, 2015

Englischsprachiger Bericht zum Flugzeugabsturz

Zum Absturz der taiwanischen Trans Asia -Maschine in den Keelung (Jilong-) Fluss am Innenstadtflughafen Taipei (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/02/taiwan-flugzeug-stot-mit-taxi-zusammen.html) gibt es den offiziellen Abschlussbericht. 

Am 04. Februar hatte sich der Absturz der Trans Asia - Maschine ereignet und die Bilder gingen um die Welt. Auch weil die Maschine auf einer Hochstraße (Highway 1) mit einem Taxi kollidierte. Die Bilder der Kollision sind auch in dem Unfallbericht enthalten: http://www.asc.gov.tw/upload/acd_att/01_Flight%20operations.pdf#page=30

 Eine ähnliche Trans Asia - Maschine hebt ab


Der Unfallbericht enthält auch den frei übersetzten "ups, ich habe den falschen Hebel betätigt" - Satz des Piloten, als er nicht den kaputten Motor abgeschaltet hat, sondern den noch laufenden der beiden Motoren. Ein Abschalten des defekten Motors wäre im übrigen nicht notwendig gewesen, weil die "Firmware" der Maschine das selber kontrollieren kann. Auch kann man nachlesen, dass der Pilot einen Flugsimulatortest nicht bestanden hatte, auch da ist offenbar die Rede von Problemen beim Ausfall eines Motors. Presseberichten konnte man entnehmen, dass der ausgefallene Motor der Maschine schon beim Vorflug technische Probleme hatte, die aber kein Anlass zu Wartungsarbeiten waren. Möglicherweise steht das auch irgendwo im Bericht.

Ein Flieger hebt vom Innenstadtflughafen ab


Im Jahre 2014 war eine Trans-Asia - Maschine in die Ausläufer eines Taifuns geflogen, als sie am taiwanischen "Taifunfrei"-Tag im Taifungebiet auf einer Urlaubsinsel landen wollte. Schon klar, durch den Taifun haben die Leute einen Tag Urlaub und dann wollen sie eben auf die Urlaubsinsel, an der gerade der Taifun herum eiert. Kaum zu vermeiden also der Unfall, oder?


Blick auf den Innenstadtflughafen mit der Kamera: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/02/taipei-songshan-airport-wie-dicht-dran.html

Montag, Juli 20, 2015

Nahrungsmittel-Konzernboss kritisiert Kontrollen

Taiwan ist von einer Reihe von Dauer-Lebensmittelskandalen betroffen. Dem Boss des taiwanischen I-Mei - Konzerns wird es zu viel und er wünscht sich ruhigere Zeiten mit weniger Berichten der taiwanischen Lebensmittelkontrollbehörde FDA zurück (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/20/2003623470).

Die Sicherheit taiwanischer Lebensmittel beschreibe ich gerne so: Die gute Nachricht ist, dass es eine Lebensmittelkontrollbehörde in Taiwan gibt, die Nahrungsmittel testet. Die schlechte Nachricht ist, dass sie auch permanent etwas finden.

Konkret nahm der I-Mei - Chef namens Kao (guter Name für einen Lebensmittelkonzernboss ;-) das Auffinden von sage und schreibe sieben Jahre alten Chinesisch-Neujahr-Lebensmitteln in seiner Fabrik seitens der FDA zum Anlass, die störenden Kontrollen der FDA zu bemängeln. Genau gesagt hat er kritisiert, dass offenbar diesbezügliche Informationen an die VR-China geflossen sein sollen, die dann I-Mei-Lieferungen nicht so einfach durch den Zoll gelassen hat. Außerdem dürfte Herrn Kao gewurmt haben, dass jüngst von einer Kundin Würmer in Schoko-Rosinen gefunden worden sind und die FDA nun auch in dieser Sache ermittelt. Ob er meint, die Dame hätte auch schweigend genießen können? Wir wissen es nicht.

Herr Kao kritisiert auch, dass durch die Kontrollen der FDA kleine Geschäfte nicht über Lebensmittelhygiene belehrt würden. Das ist sicher ein Punkt, aber so ähnlich als würde man kritisieren, dass durch Kontrollen von LKW-Motoren die Motoren von Mopeds nicht verbessert würden. Wie dem auch sei, Herr Kao ruft den taiwanischen Premier dazu auf, durch entsprechende Infos Taiwan als "Food Kingdom", also "Königreich des Essens" oder "Essensparadies" wiederherzustellen.

Das Problem ist nur, dass Taiwan wohl nie ein Essensparadies war, jedenfalls nicht mehr seit Beginn der Industrialisierung. Eher gab es früher wohl eine Friedhofsruhe, bei der (wie ein Blogkommentator darauf hinwies, in der Ära vor dem jetzigen Präsidenten Ma) einfach nicht hinreichend getestet wurde und man daher schweigend genossen und Schadstoffe aufgenommen hat. Mir ist noch gut im Gedächtnis, wie ich seit meinem Ankommen in Taiwan 2004 bis zum Jahre 2011 immer merkwürdige allergische Symptome hatte, die es zu einem Running Gag bei mir machten zu überlegen, was die Taiwaner nun bloß überall ins Essen kippen, dass ich ständig Allergie habe, egal was ich auch esse. Mysteriös aber erhellend war insbesondere, dass die Symptome am nächsten Tag verschwanden, sowie ich Taiwan verlassen hatte.
Die Antwort auf meine stumme Frage hieß übrigens "DEHP". Der Lebensmittelskandal des Jahres 2011 entlarvte eine landesweite und praktisch komplette Verseuchung der Lebensmittel Taiwans mit diesem Flüssigkunststoff, der u.a. Diabetes fördert und leibesfruchtschädigend ist (https://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal). Und aus dem Wikipedialink wird schon offenbar, dass das Zeug wohl schon ewig im Essen war. Schließlich kann man dort nachlesen, dass Präsident Ma (KMT) der vorherigen DPP-Regierung vorwirft, sich ihrerseits nicht um die Lebensmittelsicherheit gekümmert zu haben. Und die DPP hat 2000-2008 regiert. Statt "Food Kindom Taiwan" sollte man also lieber vom "ungestörten Pansch-Paradies" in alten Zeiten reden.

Weitere Skandale:
https://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal

Bei dem 2014er Kochöl- und Lebensmittelfett- Skandal, bei dem ein Großkonzern Öl und Fett aus vergammelten Tierkadavern mit DEHP und ursprünglich für die Tierzucht vorgesehenen Medikamenten versetzt hatte und diese Öle und Fette wieder praktisch landesweit überall in den Lebensmitteln zu finden waren, war also auch wieder der Dauerbrenner DEHP dabei. Mein Magen hing mir da monatelang in den Kniekehlen mit Magenschmerzen. Mag letzteres psychosomatisch gewesen sein, so hatte ich mich freilich schon seit Jahren über eine eigenartige Dauererkältung gewundert, bei der mir ständig die Nase (nach Innen) lief, ohne dass ich sonstige Erkältungssymptome gehabt hatte. Letzteres schlug mir dann auch immer wieder auf den Magen und wurde vom Doc als Magengrippe diagnostiziert.
Losgeworden bin ich diese Symptome schlagartig durch Verzicht auf das (Gratis-) Essen in der Firmenkantine.

Heute geht es mir so: Esse ich der Frau zu liebe mal in mir unbekannten Garküchen oder auch in guten Restaurants, dann habe ich schnell wieder die sehr extrem laufende Nase und eine beginnende "Magengrippe". Dagegen hilft dann das sofortige Wechseln auf Ernährung von mir bekannten Garküchen oder auf das abgepackte Essen von Seven-Eleven (24h-Miniläden-Kette). Und übrigens die Einnahme von Obst und Saurem.

Taiwaner sind sehr geschäftstüchtig. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Horroröl aus dem 2014er-Lebesmittelskandal immer auf den Entsorgungsstationen gelandet ist, wo es hin sollte. Wenn ich es mir recht überlege, habe ich nie irgendwo gelesen, wie das viele Öl und Fett denn hätte entsorgt werden sollen. Eher denke ich, so ein LKW voller fabrikneuem verseuchten Kochöl wird eine Wellblechfabrikhalle in irgendeinem Hinterhof angesteuert haben und das Öl und Fett wird unter anderem Namen noch heute im Umlauf sein. Oder mein auf Chemie im Essen recht empfindlicher ausländischer Luxuskörper hat schon wieder den Lebensmittelskandal 2015 oder 2016 oder ... vorweg genommen, den es noch gar nicht gibt. Denn sicher wird die FDA auch in Zukunft viel finden, denn taiwanische Lebensmittelbosse wie Herr Kao machen sich eher Gedanken um die erwünsche mediale Ruhe, anstatt sich für die von ihnen produzierten Lebensmittel verantwortlich zu fühlen und durch Strukturveränderungen in ihren Unternehmen bessere Qualität sicherzustellen. Und die Kunden in Taiwan interessiert das Thema ja nicht wirklich. Die haben neulich in einer Facebookcampagne taiwanisches Essen zum besten der Welt gewählt (http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/embarrassing-taiwanese-vote-for-themselves-to-top-CNNs-poll.html). Na dann bleibt mir nur fröhliches Weiter-Kao-en zu wünschen.

Freitag, Juli 17, 2015

Verschiedene Welten

Wieder zum Thema Republikflucht. Wie meine Frau und ich die Dinge unterschiedlich sehen

Meine Stimmung ist eher mulmig die Tage. Meine Frau strickt an der Auswanderung auf den Philippinen und träumt von einer Teilhabe am Unternehmen ihrer Schwester und reichlichen finanziellen Rückflüssen. Alles Geld der Familie Ludigel hat sie dort schon angelegt und bereitet ihre Ausreise vor.
Mein angesichts ihrer vorwärtsgerichteten Energie halbherziger Einspruch kam nicht zum tragen, auch weil meine Frau eine Augenkrankheit hat, die schlimmstenfalls zur Erblindung führen kann, weswegen sie sich schnell bei Schwesterherz in Manila zur Ruhe setzen will.

Nudelrestaurant in Manila, das Familienbusiness von dem hier die Rede ist hat keine Nudeln, aber immerhin Jesusaufkleber

Mir ist mulmig, weil eben alles Geld am Posterior der Welt angelegt ist, um das vornehm zu formulieren.

 Jesusaufkleber können nie schaden. Hier im Bild fehlen sie.

Da das Unternehmen von Schwester erst mal kein Einkommen generiert, werde ich erst mal nach Deutschland zurück gehen um dort wieder als Informatiker Geld zu verdienen. So der Plan. In meinen Kalkulationen werte ich das finanzielle Engagement in Manila als sehr kritisch und hoffe nur darauf, dass sich die Verluste in Grenzen halten oder rechne mit einem kleinen Gewinn oder einer kleinen monatlichen Ausschüttung. Und da kam mir eben so der Gedanke, ob ich demnächst in Deutschland einen gebrauchten Polo oder doch einen Golf erwerben soll. Immerhin ist die Kriegskasse zur Rück/Auswanderung ja in Manila gebunden. Und dann merke ich, wie diametral anders und viel positiver meine Frau die Sache sieht. Wenn sie mir etwa sagt, ein reicher Taiwaner in Manila hätte dort mit einem Ferrari einen schweren Unfall gebaut und ich solle bitte dann in Manila, wenn ich ihr hinterher gezogen bin, keinen Ferrari oder Lamborghini kaufen, die seien zu schwer zu fahren. "Gut, ein Porsche Panamera reicht auch" war meine sarkastische Antwort und meine Frau nickte zufrieden dazu. Ein solches Ding fährt ja der Gatte der ersten Tochter hier in Taipei. Den Sarkasmus hat sie nicht so bemerkt offenkundig.

 "Buko Pie", Kokoskuchen mit frischer noch weißer Kokosnuss. Der ist lecker.

Unsere unterschiedliche Wahrnehmung des selben Universums verblüfft mich da ungemein. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen.

Bei meiner Frau:  Ferrari oder Lamborghini oder eben ein Porsche Panamera.

Bei mir: alter Polo oder Golf oder doch ein Ford Focus?

Unterschiedlicher geht es nicht mehr. Leider leider werden immer meine Vorhersagen wahr, wie etwa bei unserem letzten kleinen Unternehmen in Taipei: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/der-familienbetrieb-die-schonungslose.html. Das war zum mir genannten Zeitpunkt auf die exakt vorhergesagte Art und Weise gescheitert - allerdings kontrolliert und sogar mit schwarzer Null.

Lieber Gott, lass mich doch mal Unrecht haben, nur das eine Mal. In Manila würde ich dann allerdings einen  völlig unauffälligen Toyota 4WD fahren...

 Metro Manila

Donnerstag, Juli 16, 2015

Westliche Touristen in China verhaftet

Nach der kürzlichen politischen "Säuberungswelle", die gegen Dissidenten gerichtet war*, hat die Volksrepublik China nun auch westliche Touristen im Auge

In westlichen Ländern sieht man China oft positiver als es ist. Allein wegen der wirtschaftlichen Möglichkeiten dort. Das die VR-China eine Diktatur ohne Meinungsfreiheit, mit Folterlagern und strikter Medienkontrolle ist gerät dabei oft in Vergessenheit, schließlich bewegt man sich dort als westlicher Tourist eigentlich frei, sagt was man will und ärgert sich nur manchmal über die chinesische Firewall, die viele Suchmaschinenresultate oder Twitter und Blogger.com blockiert. Man ging als Geschäftsreisender oder Tourist immer davon aus, dass man sich im Prinzip dort normal verhalten kann und rechnete nicht damit, im Gegensatz zu chinesischen Bürgern ins Gulag geworfen zu werden, wenn man im Internet auf das "Falsche" klickt. Nun sind allerdings gleich mehrere britische und südafrikanische Touristen einer Reisegruppe verhaftet worden. Sie werden von den Strafverfolgungsorganen als "terroristisch" bezeichnet und der konkrete Vorwurf lautet, verbotene Videos (will sagen solche mit ungewollten politischen Inhalten!) im Hotelzimmer angesehen zu haben. Sicher ein neuer, härter Kurs gegenüber westlichen Besuchern, den ich so eher von Nordkorea erwartet hätte.

http://www.bbc.com/news/world-asia-33532550

* gefunden dank https://www.facebook.com/TaiwanExplorerBlog

Dienstag, Juli 14, 2015

Präsidentschaftskandidatin Hung will möglicherweise Hochzeitskleid zur Amtseinführung anziehen

Wenn die KMT-Kandidatin für das Präsidentenamt gewählt wird, will sie möglicherweise ein Hochzeitskleid tragen bei ihrer Amtseinführung, heißt es.

Offenbar hat ein KMT-Parlamentarier vorgeschlagen, die Präsidentschaftskandidatin Hung seiner Partei solle bei ihrer eventuellen Amtseinführung ein Hochzeitskleid tragen, um sich mit der Republik China (im Sprachgebrauch einfach Taiwan genannt) zu verheiraten. Sie hat wohl darauf geantwortet, sie wolle es in Erwägung ziehen.

Ich bin ja kein Feminist offensichtlich. Aber wenn wir dieser Tage Frauen in höchsten Regierungsämtern oder als Anwärterinnen auf diese sehen, dann ist das für mich ein Ausdruck von Normalität, schließlich stellen Frauen etwas über 50% der Menschheit. Aber die Amtsausübung einer Frau nicht als Normalität zu verstehen sondern mit eheähnlichen Ritualen zu versehen wäre natürlich ein unsinniger Rückschritt. Wenn ein Mann einfach Präsident ist, warum soll eine Frau dann symbolisch "Ehefrau des Landes" werden? Sicherlich einfach dummes Gerede das hier von der KMT-nahen Chinatimes in dem chin. Artikel aufgebauscht wird: http://www.chinatimes.com/realtimenews/20150712002885-260407

Auf mich wirkt die Kampagne der aktuellen Kandidatin Hung freilich so, als würde die KMT die Kandidatur selbst nicht ernst nehmen. Gerede über eine "Nationale Vereinigung" mit der VR-China reiht sich jetzt an solchen Schwachsinn. Und das ist einer Zeit, an der junge Taiwaner sich vom Lebensgefühl her mehr und mehr als Taiwaner und nicht als Chinesen empfinden.

Frau Hung ist eine Hardlinerin der KMT, deren Progamm manchmal wie reine (China/Taiwan)-Vereinigungsrethorik klingt, das man aber andererseits auch in Richtung Koexistenz zweier chinesischer Staaten verstehen kann. Jedenfalls kritisiert Frau Hung immer mal wieder das Bestreben zu "taiwanischer Unabhängigkeit", obwohl "Taiwan" ja eben die Republik China ist und längst ein souveräner Staat mit eigener Währung, Staatsbürgerschaft, Pässen, Regierung, Militär etc. ist. Sie müsste es ja eigentlich wissen, will sie doch Präsidentin der Republik China aka Taiwan werden. Oder vielleicht auch nur Ehefrau. Nur bitte, bitte kein Hochzeitskleid anziehen, wenn im Falle eines Wahlerfolges der Gesandte der VR-China zu Verhandlungen kommt.

Allerdings liegt die DPP-Präsidentschaftskandidatin Tsai in den Umfragen vorn....

Dauer-Weltuntergang/Endlosdrama/Wer erschießt endlich den Hauptdarsteller*?

Es ist wie eine dieser Seifenopern im Taiwan-TV. Alle sind aufgeregt, zerren einander an den Klamotten (auch wenn das nur Junior -4- beim Spielen bei mir macht) und es geht immer so weiter...

Wie mehrfach berichtet hat meine Frau den Auswanderungskoller und will meiner Meinung nach vorschnell zu ihrer Schwester nach Manila auf die Philippinen ziehen. Und weil das dort in Gründung befindliche Unternehmen noch keinen einzigen Cent abwirft, soll meine Wenigkeit solange nach Deutschland ziehen. Täglich spricht Frau vom Weggang und es findet jedenfalls bislang doch nie statt. Mir kommt es so vor, als wenn ich die TV-Serie LOST noch mal gucken würde, sich aber diesmal die Finalfolge unendlich lange hinzieht. Vielleicht über eine ganze Staffel gestreckt. Der Doc liegt sterbend am Strand und guckt in den Palmenhimmel, der Hund leckt ihm übers Gesicht und alle versammeln sich beim überkonfessionellen Gottesdienst im Paradies.  Und in der nächsten Folge steht der Doc kurz auf, fällt dann wieder um. Der Hund leckt ihm übers Gesicht, alle treffen sich nochmal zum Gottesdienst, der Propeller vom Flieger fängt wieder an sich zu drehen und dann findet Hurley oder wie auch immer der Dicke geheißen hat eine neue Packung Dharma-Schokoriegel am Strand und bunkert sie und der Doc regt sich drüber auf. Dann fällt er wieder um, liegt sterbend am Strand und...

 Irgendwo in Taipei

Sie verstehen, worauf ich hinaus will. Andererseits, in der Dauer TV-Seifenoper im Taiwan-TV geht es auch immer weiter und weiter. Jede dritte oder vierte Folge haben sie eine Hochzeit und dann kommt der Bösewicht, der an der Braut herumzuppelt und alle rollen mit den Augen...

Wo dreht er denn hin der Wikinger Rollo? Ich weiß es auch nicht. Vorsicht der Stützbaaaaaaaalken.......!

Edit: Oder anders gesagt: Die "Republik(China)flucht" meiner Frau zieht sich ähnlich hin wie das Griechenlanddrama....

* Da habe ich bloghalber an mich gedacht und nicht an die Gattin. 

Dienstag, Juli 07, 2015

Froh zu gehen, weil:

Kommt nun der Lexit aus Taiwan? Noch nicht klar, möglicherweise schon die nächsten 3 Wochen. Frau und Schwester konferieren und lauern auf big Business beim kleinen Printkiosk irgendwo in Manila. 
Wenn die Republikflucht nun endlich stattfindet, weswegen bin ich dann nicht unfroh zu gehen und ggf. eine längere Zeit wieder in Deutschland oder anderswo in Europa zu sein?
Eine Liste.

a) Bürgersteige überall

b) Autos und LKWs müssen auf mich als Fußgänger Rücksicht nehmen

c) Abgasluft ist in Deutschland fast schon eine alte Kindheitserinnerung

d) Kein Horror mehr, was denn nun wieder aktuell an Chemie im Essen ist (auch wenn es in verminderter Form auch in Deutschland/Europa ein Problem ist)

e) Kein Waiguoren (Ausländer) hier, Waiguoren da mehr als Gebrabelle überall wo man lang geht.

f) Motorroller und Mopeds sind etwas exotisches und werden i.d.R. nur von geistigen Pflegefällen gefahren. Gut, in Taiwan sind die Leute, sowie sie auf den Dingern drauf sitzen, eigentlich auch... (never mind).

g) Ich muss nicht mehr die "erste Tochter" der Familie meiner Frau sehen, die seit meiner Ankunft Februar 2004 kein einziges Sterbenswörtchen mit mir geredet hat und immer nur durch mich durch geguckt hat als sei ich Luft. Sieht aus wie ein Huhn auf dem Hühnerhof mit ihrem schräggestellten Eierkopp, wenn sie so durch einen durch guckt, die Frau 5000-Years-China-Culture.

h) Ich höre jetzt mit der Liste auf, damit es kein Rückblick im Zorn wird, wie bei den anderen Langzeitern, die sich hier irgendwann abseilen.

Traurig zu gehen, weil:

a) Wir so einen Wertverlust beim Verkauf des fast neuen Volvo XC60 T5 in Glitterschwarz haben werden, den meine Frau unbedingt haben musste.

b) FreundlicheMenschenSchönetempeltollesessenallesleckerdieleutesindsounheimlichoffen,TaiwanisteinfachdasbesteLanddasmansichvorstellenkann.

c) Ich mir nicht sicher bin, ob mich der viele DEHP-Flüssigkunststoff im Essen irgendwie konserviert hat all die Jahre. Hat man ohne mehr Falten, wenn man richtige menschliche Nahrung zu sich nimmt in anderen Ländern?

d) Ich über die Jahre doch eine gewisse Anmut in Riesenkäfern erkannt habe.
 

Bilder von der Entstehung der Explosion

Auf Youtube sieht man ein Video, wie die "Color Play Asia"-Explosion in Taipei entstanden ist. 

Vorberichte zur Explosion einer Maispulver-Explosion, bei der auf einem Fun-Event um die 500 Jugendliche zu großen Teilen schwer verletzt wurden und wegen der Schwere der Verbrennungen noch weitere Todesopfer erwartet werden außer den bislang (wohl) 2 gemeldeten:

"Color Play Asia" macht weiter: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bizarr-color-play-asia-macht-nach.html

Bericht zur Katastrophe: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/taipei-bali-flammenwerfer-auf-badende.html

Hier nun ein Link zu dem Video, das die unmittelbare Entstehung der explosiven Feuerwolke zeigt, die so viele Menschen schwer verletzt hat:

https://www.youtube.com/watch?v=9fi2UnYOKmE

Man erkennt, dass ein Mitarbeiter der Veranstaltung vom hinteren Bühnenbereich aus quer über die Bühne mit einem Druckluftsprüher das entzündliche Maispulver in Richtung des Publikums sprüht. Dabei sprüht er unmittelbar in die heißen Bühnenscheinwerfer oder auch Lautsprecher (Kurzschluss!). Es kommt zur initialen Entzündung. Der Mitarbeiter hält kurz inne und sprüht dann munter weiter in die Feuerwolke, die sich entsprechend vergrößert. Möglicherweise hatte er eine "Fehlschaltung" im Kopf, bei der er den die Katastrophe auslösenden Druckluftsprüher für einen Feuerlöscher hielt.

Ansonsten fand die Katastrophe offenbar in einem trocken gelegten Schwimmbecken statt, was einerseits die Bildung eines zündfähigen Gemisches begünstigte und andererseits die Rettung erschwerte. So liest man jedenfalls dieser Tage. Der deutsche Journalist Klaus Bardenhagen thematisiert die vielen Katastrophen, die Taiwan seit 2014 heimgesucht haben: http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/

Ich jedenfalls würde mir wünschen, Taiwaner würden bei Umgang mit wirklich potentiell gefährlichen Dingen wie Flugzeugen, Massenveranstaltungen oder auch dem Führen von PKWs die hiesige lockere asiatische Leichtigkeit des Seins etwas zurückstellen und mehr Sicherheitsdenken an den Tag zu legen. Bei der hohen Bevölkerungsdichte und dem hohen Technisierungsgrad wäre es einfach erforderlich. Aber so zu denken ist schon wieder deutsch-lehrmeisterhaft und stößt in Taiwan auf wenig Resonanz.

Taiwan ist ein Land, wo auf dem Dorfe (mein alter Wohnort Zhongli im Landkreis Taoyuan) Leute an der Tankstelle immer wieder Zigaretten einfach so mit dem Finger wegschnippen. Irgendwo 5 Meter neben der Zapfsäule landet der Glimmstengel. Nicht nur einmal gesehen. Wenn das so okay ist dann passiert eben auch mehr aber dafür spart man sich das Sicherheitsdenken. 

Montag, Juli 06, 2015

Also doch: Jugendliche Scootergangs!

Lange hielt ich es für eine Legende, aber es gibt sie tatsächlich

Im friedlichen Taiwan tut man sich schwer manche Dinge zu glauben. So schrieben manche im Ausländerforum forumosa.com schon immer von jugendlichen Motorrollergangs, die sich gegenseitig bekämpfen und in dunklen Gassen des Nachts auch für harmlose Passanten ein Problem darstellen können. Wann immer jemand von solchen Vorkommnissen schrieb fanden sich andere, die die Schilderungen als blanke Fantasie abtaten, sind doch die Straßen in Taiwan friedlich.

Selbst habe ich die Stories auch nie so richtig geglaubt, obwohl ich einmal um 22 Uhr in Zhongli/Chungli im Landkreis Taoyuan ein in die Richtung gehendes Erlebnis hatte. Als ich aus dem Seven-Elven Kioskmarkt mit einem Eistee und Knabberzeug wieder raus kam, lungerte vor dem Eingang eine ganze Truppe aus etwa 16-18-jährigen Jugendlichen herum. Nun werden die jungen Taiwaner von Jahrgang zu Jahrgang größer und kräftiger, wie ich festgestellt zu haben glaube. Aber das war vor etlichen Jahren und die Truppe bestand aus sehr zierlichen jungen Männern mit bunt gefärbten Haaren und ihren frisch gewaschenen Motorrollern. Ich ging nun gezwungermaßen mitten durch und mir fiel sofort eine eigenartige Grundstimmung auf. Alle sahen mich an und hatten etwas leicht lauerndes im Blick. Das war so eine Situation wie man sie auch mit frei laufenden Hunderudeln hat. Gruppendynamik und insbesondere das Gefühl in der Masse stark zu sein lassen da bei Y-Chromosomenträgern schnell eine aggressive Grundstimmung aufkommen. Ich ging ein bisschen in die Offensive, indem ich mir die Bedeutungshoheit der Situation sicherte. Sprich ich winkte fröhlich in die Runde, sagte "Hello How You"re doing...", die Bengelchen grüßten zurück und das war es. Nur ein Idiot hätte da in eine brenzlige Situation kommen können, etwa wenn man sich über mangelnden Platz oder dergleichen beschwert hätte. Oder gefragt hätte "Which of you girls knows what time it is?", gacker.

So ganz sicher war ich mir nicht mit den Jungs damals. Aber offenbar gibt es rivalisierende Motorrollergangs im Landkreis Taipei jedenfalls und damit auch anderswo tatsächlich:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/07/05/2003622315
Sogar mit Messern gehen sie aufeinander los. Ob die stupsnäsigen Haarlockengefärbten damals auch schon Käsemesser dabei hatten? Na, ich musste es ja nicht heraus finden.

Freitag, Juli 03, 2015

Nettes aus Taipei

Diesmal ohne Scherz

Frisörin, die mir immer für 150 NT (durch 40 oder so in Euro) die Haare schneidet, ist sehr nett und will immer mein Chinesisch verbessern durch Erklärungen und einfache Sätze. Nette Frau, deren Tochter mit einem Iren verheiratet ist. Ein Garküchenbetreiber ist auch sehr nett und kramt immer etwas Deutsch raus wenn er mich sieht. Eine ältere Dame, die uns einen neuen Parkplatz vermietet hat, entpuppte sich als die alte Grundschullehrerin meiner Frau. Ein erstaunliches Wiedersehen mit Cola und Keksen und sie sagte, sie habe mal ein paar Jahre in Westberlin an der Mauer gewohnt.

Nicht, dass hier immer nur negative Begegnungen in der hektischen Großstadt Taipei im Blog stehen ;-)

EDIT: Hat eine Weile später Selbstmord begangen, wie es heißt. Sniff.

Offenbar Messerangriff in MRT am Hauptbahnhof (Update: Doch Unfall)

Messerangriff unter Teenagern in Taipeis Hauptbahnhof

Offenbar in der Metro Taipeis (MRT genannt) hat es einen Messerangriff vermutlich von einem Teenager auf einen anderen gegeben, ohne dass näheres bekannt ist. Chinesischsprachiger Artikel hier: http://m.appledaily.com.tw/realtimenews/article/recommend/20150703/640978

Ich denke, man sollte die in hiesigen Expatkreisen verbreitete Ansicht, Taipei sei ein absolut sicheres Pflaster, etwas relativieren. Abgesehen vom recht gefährlichen Straßenverkehr, dem immer wieder mal auch ein Expat zum Opfer fällt, gibt es in Taipei so gut wie keine Raubüberfälle und wenigstens auf "westlich" wirkende Damen auch offenbar keine sexuell motivierten Überfälle. Damit unterscheidet sich Taipei positiv von vielen anderen Metropolen der Welt. Aber es gibt sicherlich schon eine vielleicht auch steig zunehmene (?) Zahl von Wirrköpfen, wie es sie in allen Metropolen gibt, die zu Gewalttaten neigen. In der letzten Zeit hatten wir also den Massenmord in der MRT im Jahre 2014 mit 4 Toten und über 20 Verletzten (https://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taipei_Metro_attack), kürzlich den Mord an einer achtjährigen Schülerin durch einen Eindringling auf dem Schulgelände (http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2015/05/31/437285/p2/Schoolgirl-dies.htm) und den Angriff mit einem Hammer durch einen Bauarbeiter in der MRT auf einen Namibischen Sportler (http://focustaiwan.tw/news/asoc/201502170013.aspx).

Vorsicht ist also auch im friendlichen Taipei geboten. Meine Frau bekam neulich einen Schreck als sie um 22 Uhr oder so frisch von der Arbeit kommend (ist halt Taiwan) bei 30 Grad Außentemperatur von einem auf einem einer dritten Partei gehörenden Vorgartensofa sitzenden Mann angesprochen wurde, der irgend ein wirres Zeug redete und eine lila Wollmütze(!) trug und ein lila Smartphone vor dem Gesicht hatte. Ich habe ihn kurze Zeit später auch gesehen, er blubberte irgendwas von Waiguoren (Ausländer) dies und Waiguoren das als ich vorbei trabte. Wirrköpfe gibt es reichlich, auch bei uns im Viertel etwa. Der verhuschte Mann ein paar Stockwerke über Schwiegermutter, der einst ein Freund von Schwiergervater war und eine Historie von psychischen Problemen hat, seine entsprechend verhaltensauffällige Tochter, die immer mal Selbstmorddrama auf dem 2 Meter hohen Vordach über dem Eingang hat so einmal im Jahr statistisch gesehen (soll nicht so locker sein der Satz wie er vielleicht klingt) und die Nachbarin auf der selben Etage (Greisin), die immer mal bei Schwiegermutter an die Tür hämmert, schreit und schimpft ohne Grund. Die wenigstens von den Problemleutchen sind gefährlich, aber niemanden zu provozieren, auf dummes Anquatschen nicht zu reagieren und auf Nummer sicher zu gehen kann auch im dicht besiedelten und hektischen Taipei mit seinen überarbeiteten Menschen nicht schaden.

In ein paar Jahren haben sie hier auch Raubüberfälle, da bin ich sicher. Die Angleichung der Metropolen ist einfach nicht aufzuhalten.

Update: Offenbar handelt es sich um einen Unfall mit einem Koch aus einem italienischen Restaurant "in Eile": http://www.chinapost.com.tw/taiwan/national/national-news/2015/07/04/439893/Chef-cuts.htm
Der Koch hatte offenbar mehrere lange Messer in einer Tüte oder labilen Tasche dabei und eines hatte sich aus der Tasche befreit und stand heraus. Als er dann noch wie ein Derwisch los rannte und dem jugendlichen Opfer den Weg abschnitt kam es zu der ernsthaften Stichverletzung mit 1 cm Tiefe. Der leichtsinnige Koch bekam von all dem offenbar nichts mit und ihm war lange Zeit nicht klar, dass er schon als "MRT-Verrückter" gesucht wurde. Sicherheitsdenken ist hier leider fast immer ein Luxus, den man sich in der Hektik des Alltags nicht leistet.

Mittwoch, Juli 01, 2015

Bizarr: "Color Play Asia" macht nach Feuerkatastrophe weiter wie gehabt...

Ich bin auch Übersetzungstools angewiesen. Aber wie es aussieht macht "Color Play Asia", das Franchise, bei dem Besucher mit buntem und bisweilen offenbar brennbarem Pulver eingehüllt werden, einfach weiter als sei nichts geschehen. Oder ist die Webseite gewissermaßen eingefroren?

LINK

Sogar ein Werbevideo nebst Text für den katastrophalen Abend scheint noch vorhanden zu sein, wenn mein Übersetzungstool das obige richtig übersetzt hat. Oben erkennt auch der nicht chinesisch-schriftgewaltige Expat vielleicht die Schriftzeichen für Taipei und das verhängnisvolle Datum 27.06.

Auf der Party hatte sich das brennbare Maispulver, dass hunderte Besucher eingehüllt hatte entzündet und zu mindestens einem Todesopfer sowie hunderten Verletzten geführt, viele davon mit schwersten Verbrennungen. Weiß jemand näheres wie und ob das Franchise reagiert?

Link zum Bericht über die Katastrophe.

Wikipedia-Artikel 

Grauenhaft die Leiden der Verletzten. Eine junge Frau mit 90% verbrannter Haut ist leider bereits gestorben. In einem Artikel ist von einer weiteren Verletzten mit 80% Verbrennungen die Rede.