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Mittwoch, Juli 22, 2015

BBC wäscht Katastrophen-Taiwan den Kopf (Update)

Ich muss mich gar nicht aufregen und überlasse das Ihrer Majestät BBC...

http://www.bbc.com/news/world-asia-33605220

Zusammenfassung: Es stürzt ständig irgendwas ab, explodiert oder fackelt ab, weil sich keiner für sicherheitsrelevante Regeln interessiert. Der englischsprachige Artikel ähnelt stark dem vom deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen in seinem Blog:

http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/

Ich sage es so: 5% Steuern und eine völlig andere Auffassung von Vorschriften beißen sich halt mit dem dicht bevölkerten Massenbetrieb und der hohen Technisierung Taiwans. Aber die Leute machen eben hier ihre eigenen Regeln und interessieren sich nicht die Bohne, was Johnny Weißbrot dazu meint.

Update: Und das Weißbrot und anderes Essen ist auch i.d.R. nicht in Ordnung: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/nahrungsmittel-konzernboss-kritisiert.html

UPDATE: Todesopferzahl der "Waterpark"-Katastrophe ist mittlerweile bei 8, zuzüglich eines Vaters eines Verletzten, der Selbstmord begangen hat - obwohl sich sein Sohn allem Anschein nach erholen wird. Der Link nennt ein Todesopfer weniger als aktuell ist: http://shanghaiist.com/2015/07/20/father-taipei-water-park-burn-victim-commits-suicide.php
Noch etwa 120 Verletzte sind auf Intensivstationen, es ist also noch mit mehr Todesopfern zu rechnen. Es gibt da meines Wissens nach leider einen Prozentwert für die verbrannte Haut, ab dem keine Genesung mehr möglich ist, obwohl man diesen aus Pietät natürlich nicht nennt in der Berichterstattung.Betroffene Ärzte wissen bei Verbrennungen schon die Heilungschance (leider) sehr präzise vorab.

Dienstag, Juli 21, 2015

Englischsprachiger Bericht zum Flugzeugabsturz

Zum Absturz der taiwanischen Trans Asia -Maschine in den Keelung (Jilong-) Fluss am Innenstadtflughafen Taipei (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/02/taiwan-flugzeug-stot-mit-taxi-zusammen.html) gibt es den offiziellen Abschlussbericht. 

Am 04. Februar hatte sich der Absturz der Trans Asia - Maschine ereignet und die Bilder gingen um die Welt. Auch weil die Maschine auf einer Hochstraße (Highway 1) mit einem Taxi kollidierte. Die Bilder der Kollision sind auch in dem Unfallbericht enthalten: http://www.asc.gov.tw/upload/acd_att/01_Flight%20operations.pdf#page=30

 Eine ähnliche Trans Asia - Maschine hebt ab


Der Unfallbericht enthält auch den frei übersetzten "ups, ich habe den falschen Hebel betätigt" - Satz des Piloten, als er nicht den kaputten Motor abgeschaltet hat, sondern den noch laufenden der beiden Motoren. Ein Abschalten des defekten Motors wäre im übrigen nicht notwendig gewesen, weil die "Firmware" der Maschine das selber kontrollieren kann. Auch kann man nachlesen, dass der Pilot einen Flugsimulatortest nicht bestanden hatte, auch da ist offenbar die Rede von Problemen beim Ausfall eines Motors. Presseberichten konnte man entnehmen, dass der ausgefallene Motor der Maschine schon beim Vorflug technische Probleme hatte, die aber kein Anlass zu Wartungsarbeiten waren. Möglicherweise steht das auch irgendwo im Bericht.

Ein Flieger hebt vom Innenstadtflughafen ab


Im Jahre 2014 war eine Trans-Asia - Maschine in die Ausläufer eines Taifuns geflogen, als sie am taiwanischen "Taifunfrei"-Tag im Taifungebiet auf einer Urlaubsinsel landen wollte. Schon klar, durch den Taifun haben die Leute einen Tag Urlaub und dann wollen sie eben auf die Urlaubsinsel, an der gerade der Taifun herum eiert. Kaum zu vermeiden also der Unfall, oder?


Blick auf den Innenstadtflughafen mit der Kamera: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/02/taipei-songshan-airport-wie-dicht-dran.html

Dienstag, Juli 07, 2015

Bilder von der Entstehung der Explosion

Auf Youtube sieht man ein Video, wie die "Color Play Asia"-Explosion in Taipei entstanden ist. 

Vorberichte zur Explosion einer Maispulver-Explosion, bei der auf einem Fun-Event um die 500 Jugendliche zu großen Teilen schwer verletzt wurden und wegen der Schwere der Verbrennungen noch weitere Todesopfer erwartet werden außer den bislang (wohl) 2 gemeldeten:

"Color Play Asia" macht weiter: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bizarr-color-play-asia-macht-nach.html

Bericht zur Katastrophe: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/taipei-bali-flammenwerfer-auf-badende.html

Hier nun ein Link zu dem Video, das die unmittelbare Entstehung der explosiven Feuerwolke zeigt, die so viele Menschen schwer verletzt hat:

https://www.youtube.com/watch?v=9fi2UnYOKmE

Man erkennt, dass ein Mitarbeiter der Veranstaltung vom hinteren Bühnenbereich aus quer über die Bühne mit einem Druckluftsprüher das entzündliche Maispulver in Richtung des Publikums sprüht. Dabei sprüht er unmittelbar in die heißen Bühnenscheinwerfer oder auch Lautsprecher (Kurzschluss!). Es kommt zur initialen Entzündung. Der Mitarbeiter hält kurz inne und sprüht dann munter weiter in die Feuerwolke, die sich entsprechend vergrößert. Möglicherweise hatte er eine "Fehlschaltung" im Kopf, bei der er den die Katastrophe auslösenden Druckluftsprüher für einen Feuerlöscher hielt.

Ansonsten fand die Katastrophe offenbar in einem trocken gelegten Schwimmbecken statt, was einerseits die Bildung eines zündfähigen Gemisches begünstigte und andererseits die Rettung erschwerte. So liest man jedenfalls dieser Tage. Der deutsche Journalist Klaus Bardenhagen thematisiert die vielen Katastrophen, die Taiwan seit 2014 heimgesucht haben: http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/

Ich jedenfalls würde mir wünschen, Taiwaner würden bei Umgang mit wirklich potentiell gefährlichen Dingen wie Flugzeugen, Massenveranstaltungen oder auch dem Führen von PKWs die hiesige lockere asiatische Leichtigkeit des Seins etwas zurückstellen und mehr Sicherheitsdenken an den Tag zu legen. Bei der hohen Bevölkerungsdichte und dem hohen Technisierungsgrad wäre es einfach erforderlich. Aber so zu denken ist schon wieder deutsch-lehrmeisterhaft und stößt in Taiwan auf wenig Resonanz.

Taiwan ist ein Land, wo auf dem Dorfe (mein alter Wohnort Zhongli im Landkreis Taoyuan) Leute an der Tankstelle immer wieder Zigaretten einfach so mit dem Finger wegschnippen. Irgendwo 5 Meter neben der Zapfsäule landet der Glimmstengel. Nicht nur einmal gesehen. Wenn das so okay ist dann passiert eben auch mehr aber dafür spart man sich das Sicherheitsdenken. 

Mittwoch, Juli 01, 2015

Bizarr: "Color Play Asia" macht nach Feuerkatastrophe weiter wie gehabt...

Ich bin auch Übersetzungstools angewiesen. Aber wie es aussieht macht "Color Play Asia", das Franchise, bei dem Besucher mit buntem und bisweilen offenbar brennbarem Pulver eingehüllt werden, einfach weiter als sei nichts geschehen. Oder ist die Webseite gewissermaßen eingefroren?

LINK

Sogar ein Werbevideo nebst Text für den katastrophalen Abend scheint noch vorhanden zu sein, wenn mein Übersetzungstool das obige richtig übersetzt hat. Oben erkennt auch der nicht chinesisch-schriftgewaltige Expat vielleicht die Schriftzeichen für Taipei und das verhängnisvolle Datum 27.06.

Auf der Party hatte sich das brennbare Maispulver, dass hunderte Besucher eingehüllt hatte entzündet und zu mindestens einem Todesopfer sowie hunderten Verletzten geführt, viele davon mit schwersten Verbrennungen. Weiß jemand näheres wie und ob das Franchise reagiert?

Link zum Bericht über die Katastrophe.

Wikipedia-Artikel 

Grauenhaft die Leiden der Verletzten. Eine junge Frau mit 90% verbrannter Haut ist leider bereits gestorben. In einem Artikel ist von einer weiteren Verletzten mit 80% Verbrennungen die Rede. 

Donnerstag, August 07, 2014

6%

Man zahlt wenig Steuern in Taiwan. Aber hat auch weniger Kontrolle von staatlicher Seite

Die Tage ist in Kaohsiung (man schreibt das immer grundsätzlich falsch) im Süden Taiwans ein ganzer Straßenzug in die Luft geflogen, 26 Tote (oder 24 laut dem SPON-Artikel: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/explosion-in-taiwan-dutzende-tote-nach-detonationen-in-kaohsiung-a-983974.html). Auslöser war ausgetretenes Gas, aber kein Gas aus Leitungen, die zur Haushaltsversorgung gedacht sind, sondern Gas aus industriellen Pipelines, die mitten durch die Wohngebiete führen - Stücker 3 gibt es da. Nach bisherigen Erkenntnissen hat man von Fabrik A Gas zu Fabrik B liefern wollen, es kam bei B aber nie an und später bemerkten Anwohner penetranten Gasgeruch. Die Fabrik selbst hat wohl nichts unternommen, aber die Feuerwehr schickte dann Löschzüge, die Wasser in die Kanalisation leiteten, bis die riesige Explosion kam. Im Jahre 1997 ist das schon mal passiert.
In Taiwan werden Bebauungspläne, die zwischen Handels-, Industrie- und Wohngebieten unterscheiden nicht aufgestellt oder nicht beachtet, man hat auch schnell mal eine Wellblechfabrik neben dem Häuschen auf dem Lande, die dann giftigen Müll neben dem eigenen Grundstück verbrennt, so wie es mir mit meinem eigenen Häuschen in Taiwan ergangen ist. Bei 6% Steuern für die meisten (jetzt möglicherweise auf 5% bzw. 10% für wenige geändert) kümmert sich die Stadt halt nicht so.
War die Katastrophe in Kaohsiung vorhersehbar? 


Auf der Ferieninsel Penghu ist an einem Tag, an dem weite Teile Taiwans wegen eines Taifuns arbeitsfrei hatten, ein Flugzeug (das Touristen am Taifunfreitag zur Ferieninsel bringen wollte) in den Taifun geraten und zerschellt, 48 Tote (http://www.bloomberg.com/news/2014-07-23/taiwan-s-transasia-air-crashes-unkown-fatalities.html). Vorhersehbar, dass ein Flieger, der am Taifuntag um den Taifun herum fliegt in den selbigen geraten kann, wenn andere Fluglinien die Insel lieber nicht anfliegen - wegen dem Ding namens Taifun?


Am Wochenende war ich im sehr schönen Freizeitpark namens "Window on China", ein eigentlich recht unsinniger Name, der chinesische "shao ren guo" (kleine-Menschen-Land) ist viel besser, geht es doch um eine Miniaturlandschaft mit winzigem Präsidentenpalast etc. Da war in der Wildwasserbahn Juniors Hose nass geworden und ein von Mutter angetriebener Ludigel rannte hektisch auf den Ausgang zu, um aus dem Auto eine neue trockene Hose zu holen. Ich folgte den EXIT-Schildern und landete wieder an dem Bahnhof der Kinderbahn, mit den wir in den Rummelplatzteil des Parks gefahren waren. Keine Exit-Schilder mehr. Wo ging es raus? Frau war hektisch am Telefon. Ich lief in der Richtung, aus der die Bahn gekommen war, stieg über "No Entry" - Schilder und stand schließlich vor riesigen verschlossenen Metalltoren. Genervt fand ich mich nach langem Herumsuchen wieder am Bahnsteig der Kinderbahn ein und wurde darauf hingewiesen, dass der einzige Exit aus dem Park die selbst an diesem Montagnachmittag schon fast überfüllte Kinderbahn war.


Doch was wenn ein Notfall passieren würde? Feuer? Gasexplosion oder was auch immer? Mein typisch teutsch-ordentlicher Verstand analysierte sofort, dass dann die Leute genau so rennen wie ich gelaufen bin, den EXIT-Schildern nach und dann an den riesigen Metalltoren stranden, wo sie sich aufstauen mit Kind und Kegel.
Wenn da jemals was passiert, ist es natürlich unvorhersehbar, schließlich weiß ja niemand, dass man Notausgänge braucht und Besucher nicht hermetisch einschließen sollte. Kann man nicht verlangen, dass die Betreiber sowas wissen oder eine zuständige Behörde sich um Sicherheit Gedanken macht.
Ist nämlich typisch deutsche Denkweise, dieses Sicherheitsdenken und führt in Taiwan nur zu Frust. Also soll man sich über die 6% Steuern freuen.
Pipelines mit industriellem Explosivgas nicht in Wohngebieten, nicht Leute im Taifun zur Ferieninsel ins Taifungebiet fliegen, Notausgänge oder überhaupt einen Ausgang statt der Kinderbahn in Freizeitparks*** bauen, alles Rocket Science.


Aber in Mitteleuropa passiert auch genug, schon wahr, vgl. etwa die krass dämlich organisierte Love-Parade - und das trotz 49% Steuern oder wie viel ich zuletzt bezahlt habe. Soooooo schlecht ist das mit den 5% oder 6% also gar nicht. Und damit genug Ausländermeckerei.


*** Der Miniaturteil des Parks hat einen Ausgang, der Rumelpatzteil aber nur eine Kinderbahn als einige Ausgangsmöglichkeit. Die schmale Gleistrasse ist fast zugewachsen und entsprechend eng.

EDIT: Sehr ähnlicher Artikel im Nachbarblog, mit differenzierterer Analyse - ich hatte ihn vorher nicht gelesen: http://luo2you1.blogspot.tw/2014/08/risiko.html