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Dienstag, August 04, 2015

Schülerproteste Taipei

Privat und beruflich eingespannt ist es völlig an mir vorbei gegangen.

Taiwans Schüler der Klassen 10 bis 12 führen derzeit massive Proteste bis hin zur Umzingelung des Regierungssitzes in Taipei durch (siehe etwa im Blog von Klaus Bardenhagen: http://www.intaiwan.de/2015/08/03/schueler-proteste-taiwan-geschichtsbuecher/). Anlass für die Proteste ist das Umschreiben der Schulbücher zum Thema Geschichte durch die derzeitige chinafreundliche KMT-Regierung des Präsidenten Ma Ying-Jeou. Ein wegen Eindringens in das Erziehungsministerium verhafteter Schüler hat Selbstmord begangen, offenbar nachdem er von seinen Eltern unter Druck gesetzt wurde.
Konkret sollen die Geschichtsbücher wohl eine eher chinazentrische Sichtweise bekommen. Passend dazu, dass sich die regierende KMT eben als "chinesische" Partei ansieht - freilich nicht im Sinne der VR-China sondern sich aus dem Umstand erklärend, dass die KMT einst über China geherrscht hat, bis ihre Regierung 1949 vor den chin, Kommunisten auf die Insel Taiwan geflohen ist, die damals eine japanische Kolonie war.

Von den Protesten habe ich nichts mitbekommen. Frau (nicht im Bild), Junior und meine Wenigkeit tingeln derzeit viel an Ausflugsorten herum und wollen Taiwan noch mal genießen. Droht doch evtl. bald unser Wegzug aus der Roc-Republik.

Damit schließen sich Schüler-Proteste gegen Taiwans (freilich 2x frei gewählte) KMT-Regierung an die 2014er Studentenproteste an. Damals wurde das Parlament besetzt und gegen eine weitere wirtschaftliche Annäherung Taiwans an China protestiert. http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html.

Und ob es nun ein oder zwei Chinas gibt verliert doch irgendwie seine Spannung, wenn man die Diskussion 11 Jahre lang gehört hat. Wie wäre es mal mit zwei Taiwans stattdessen. Spalten wir uns doch in Norden und Süden, das verwirrt dann auch die Chinesen. Oder noch besser in Osten und Westen mit Taipei mitten durch geteilt.

Für die 2016er Präsidentschaftswahl schlägt der KMT sicher ein strenger Wind ins Gesicht. Da sich jüngere Taiwaner immer weniger als Chinesen und eher als Taiwaner ansehen, können sie mit der China-Nostalgie der das chinesische Erbe pflegenden KMT wenig anfangen. Demografisch gesehen werden die jüngeren Taiwaner natürlich einen immer größeren Anteil der Wählergemeinde stellen. In der 2016er-Wahl kann Präsident Ma Ying-Jeou (KMT) nicht wieder antreten. In seine Fußstapfen will die KMT-Hardlinerin Hung treten, die einerseits von "nationaler Vereinigung" mit der VR-China redet, andererseits aber auch die existierende Republik China alias Taiwan als eigenen Staat durch Peking anerkannt bekommen will.
Ihr Gegenüber ist die Oppositionskandidatin Tsai (DPP) aus dem die Eigenständigkeit Taiwans betonenden "Taiwan-Independence"-Langer, die sich moderat gibt.

Von einem Wahlsieg der DPP wird ausgegangen. Jedoch denke ich nicht dass es angemessen ist, die KMT schon endgültig als gescheitert oder gar in ihrer Existenz gefährdet anzusehen, wie das viele Kommentatoren der Expatszene tun. Sollte die DPP etwa wieder einen großen Korruptionsskandal haben wie unter der letzten DPP-Präsidentschaft 2000-2008 unter Präsident Chen (DPP), dann kann das politische Klima sicher in künftigen Legislaturperioden wieder in Richtung KMT umschlagen, selbst wenn Studenten und Schüler dann wieder oder immer noch gegen die Regierung auf die Barrikaden gehen. Das Phänomen ist ja auch in westlichen Gesellschaften bestens bekannt und nur für das früher familiär strenge und ehemals autoritär regierte Taiwan ein neues Phänomen.

EDIT: Ein Beispiel für "chinesische Geschichtsauslegung" sei im Folgenden genannt:

Im Zweiten Weltkrieg war die Insel Taiwan japanische Kolonie und Taiwaner kämpften in Uniformen der japanischen Armee gegen die Amerikaner. Trotzdem fand in Taipeis Straßen kürzliche eine Siegesparade zur Zelebrierung des Anteils der Republik China (die wir ja umgangssprachlich Taiwan nennen) am Sieg über Japan statt. Klingt widersinnig, erklärt sich aber aus der Identifikation der regierenden KMT und dem sino-taiwanischen Mainstream in Taipei mit dem alten China, das Gegner Japans war. Hier gibt es freilich auch keine militärischen Erfolge gegen Japan zu verzeichnen sondern nur Niederlagen, Schmerzen und Qualen. Aber Feiern sind ja immer ein Wert an sich.

Montag, April 28, 2014

Anti-AKW - Proteste und Tumulte in Taipei

Die Sonnenblumenbewegung Taiwans kämpft wieder auf Taipeis Straßen

Während Ludigels Hauptsorge dieses Wochenende dem Ergattern von Teigware auf einer Familienveranstaltung war,  geht auf Taipeis Straßen wieder viel wichtigeres vor. Taiwans studentische Protestbewegung, die kürzlich die Sonnenblume als ihr Symbol erkoren hatte und den prochinesischen Kurs der gegenwärtigen KMT-Regierung teils mit Erfolg angegriffen hat (letzter Bericht dazu hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/kmt-parlamentarier-zweifeln-nutzen-des.html), ist jetzt zu ihrem Urthema zurück und organisiert Straßenproteste gegen den gegenwärtigen Bau des vierten AKWs in Taiwan, das sogar im Landkreis Taipei (neuerdings New Taipei City genannt) gebaut wird:
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/04/28/2003589062
Wie man auf Fotos in TV und Taiwanpresse sieht, sind die Stacheldrahtbarrieren vor dem Präsidentenpalast jetzt mit den gelben Protestbändern der Bewegung vollgehängt. Das TV zeigt Bilder von Wasserwerfer- und Gummiknüppeleinsatz gegen die Protestierenden. Dabei laut TV auch wieder der charismatische Studentenführer, ein junger Mann namens Chen, wenn ich das richtig mitbekommen habe.

Wir brauchen mehr "Tree-Hugger", Baumumarmer in Taiwan. So nennt man Ökos manchmal im Englischen. Der Baum in der Mitte im Park in NeiHu lädt ja zum Umrarmen geradezu ein...

Persönlich hoffe ich, dass hier endlich eine richtige Grüne Partei entsteht, denn als ich direkt nach dem Besuch des "Bird Wo Wo"-Restaurants mit Junior an der Hand über die Straße wollte, bei Grün an der Fußgängerampel, erkämpfte sich ein fetter Infinity-SUV mit heulendem Motor Vorfahrt und raste uns als Rechtsabbieger direkt vor den Füßen lang. Wir brauchen hier endlich Petra Kelly!


Mittwoch, April 23, 2014

KMT-Parlamentarier zweifeln Nutzen des Handelspaktes mit China an

Prochinesischer Kurs der Adminstration von Präsident Ma (KMT) nicht unumstritten in eigener Partei

Nach den studentischen Protesten gegen den jüngsten Handelspakt zwischen Taiwan und der VR-China scheint es eine innerparteiliche Debatte um den Kurs der KMT zu geben, oder jedenfalls hört man immer mal wieder von Abweichlern in der regierenden KMT vom prochineisischen Kurs des Präsidenten.

Berichte zu den studentischen Prostesten und Gegenreaktionen hier:

http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/triaden-pate-gibt-politische-statements.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/studenten-ziehen-ab-demo-storer-gewurgt.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/der-geheimpalast-studenten-auf-dem.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/barrikaden-in-taipei.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/uberblick-uber-die-artikel-zu-den.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/pro-china-demo-der-bushaltestelle.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/demo-in-taipei-mit-300000-menschen-oder.html


In diesem Artikel in der TAIPEI TIMES (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/04/23/2003588692) wird berichtet, dass KMT-Parlamentarier öffentlich den Nutzen des Handelspaktes in Frage stellen und darauf hinweisen, junge Taiwaner hätten mit stagnierenden Gehältern zu kämpfen und könnten sich eben keine Immobilien mehr leisten, trotz der Annäherung an die VR-China, die ja laut Regierungslinie mehr Wohlstand für die Taiwaner bringen soll.

 Ratespiel im Taiwanblog: Was ist das für ein gelbes Ding, hier in Taipei-Jonghe (Zhonghe): Abstrakte Kunst? Teilchenbeschleuniger? Seifenblasenmaschine (für eckige Seifenblasen, ein Forschungsprojekt der National University of Taiwan) oder die erfolgreiche Quadratur des Kreises, die Demokratie in Taiwan mit der Annäherung an China unter einen Hut zu bringen?


In der Tat ist wohl ein Nebeneffekt der China-Annäherung, dass die Immobilienpreise in Taiwan extrem steigen. Über das Steigen gibt es keinen Zweifel, nur über die Ursache kann man diskutieren. Mein letzter Blick auf den Immobilienmarkt hier. http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/immobile-teils-doch-mobil.html

Freitag, April 11, 2014

Studenten ziehen ab / Demo-Unruhen?

Fernsehbilder zum Abschluss der studentischen Besetzung des taiwanischen Parlaments
Während die Besetzung des taiwanischen Parlaments zum Ende kommt, suggerieren manche Fernsehbilder Straßentumulte

Taipei.Taiwan. Kurz für die Pedanten, das "taiwanische Parlament" heißt eigentlich "Legislativer Yuan der Republik China" und letztere wird gemeinhin Taiwan genannt. Hier gab es eine lang anhaltende Besetzung des Plenarsaals,  letzter (Foto-)Bericht dazu hier im Blog: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/der-geheimpalast-studenten-auf-dem.html

 Schwarze Kleidung und Sonnenblumenlogo mit den Umrissen der Insel Taiwan: Outfit vieler der friedlichen Demonstranten

Nachdem sich nun durch Zusicherungen des Parlamentspräsidenten (Speaker of the Legislative Yuan) namens Wang (Kuomintang-Partei) ein offenbarer Verzicht auf die Verabschiedung des umstrittenden Gesetzentwurfs zu einem (weiteren) Handelspakt mit der VR-China ergeben hat (Wang sicherte zu erst ein Gesetz zur Überwachung von Verträgen mit der VR-China ins Palament einzubringen) haben sich die Studenten zurückgezogen, den vielleicht etwas lädierten Plenarsaal geräumt bzw. sind derzeit im Begriff dies zu tun und auch schon das Hämmerchen des Sprechers wieder auf seinen Pult gelegt. Unversehrt schaut auch Dr. Sun Yat Sen (Sun ist hier der Nachname) vom Ölbild auf die aufräumende und sich verabschiedende Studentenschaft. Herr Sun ist Gründer der Kuomintangpartei, damals noch als "nationalchinesische" Bewegung auf dem chinesischen Festland gegründet, um das China des späten 19. Jahrhunderts vor dem Untergang durch japanische Invasion, chinesischen Kinderkaiser und chinesische Warlords zu retten. Suns Kuomintang (auch KMT genannt) herrschte dann bis 1949 über China, als sich der damalige Generalissimus Chiang Kai Check (Chiang ist der Nachname) auf die Insel Formosa alias Taiwan absetzte, die damals seit 1895 (bis 1945) eine japanische Kolonie war (und im Begriff war, von den Japanern in ihr Kernland integriert zu werden). Chiang führte als Diktatur die alte Republik China vom Festland einfach weiter auf der Insel Taiwan und einigen vorgelagerten Inselchen, während das Festland zu seinem Verdruss von der KP Chinas unter Mao regiert wurde. Bis heute existiert Chiangs Inselreich, auch wenn der alte Diktator und Quasi-Staatsgründer schon seit Ende der 70er nicht mehr lebt. Aber seit 2008 regiert wieder die KMT in Taipei und "Taiwan", das immer noch Republik China heißt und defacto ein souveräner Staat ist. Präsident Ma (KMT) betreibt einen Annäherungskurs an die VR-China, sieht die "Region Taiwan" und die "Region (chinesisches) Festland" als Teile eines einzigen Landes, nämlich "Chinas" an, um hier in die Diktion des unbeliebten Präsidenten (Zustimmungsrate mal mit 9% mal mit noch über 10% benannt) abzugleiten.



Wird sich nun wirklich etwas ändern? Wird das jedenfalls mir oft unausweichlich erscheinende Schicksal Taiwans, zum Status einer Hongkong-Autonomie herüber zu driften, nun nur verzögert oder entsteht eine neue oder frisch belebte "Taiwan Independence"-Bewegung, die das gar verhindern kann? Es bleibt spannend.

Einstweilen in TV-Bildern die weitere Entwicklung:

Ein charismatischer junger Mann, offenbar einer der "Anführer" der neuen "Sonnenblumenbewegung", hält eine offenbar teilweise humoristische Rede auf einem gerammelt vollen Platz. Das Publikum lacht, alle sind guter Dinge.
Im Parlament stimmen die Studenten für den Abzug, sitzen jetzt oft ordentlich an den Abgeordnetenplätzen und diskutieren zwischen den Sitzreihen. Ein bisschen sieht es so aus, als habe eine neue Generation die taiwanische Demokratie übernommen und wolle aufräumen mit den alten Zöpfen, die darin bestanden, dass die vormals hier sitzenden "richtigen Abgeordneten" unter anderem schon mal Wasserflaschen im Plenarsaal warfen, Abgeordnete dort demonstrativ Fahrrad fuhren vor dem Rednerpult und sich würgten und schlugen, wenn es mal hoch her ging. Wohlgemerkt waren die studentischen Besetzer da viel zivilisierter. Aber schon bald kommen die alten Abgeordneten ja wieder, die von der KMT, die mit der "Bambusgang"-Triade verwachsen ist und die von der DPP, die für den Megakorruptionsskandal der Jahre der Präsidentschaft von Chen (DPP) 2000-2008 steht. Und die der diesen beiden großen Parteien zuarbeitenden Kleinparteien.

Man sieht Demonstranten (oder Gegendemonstranten), die von der Polizei weggetragen oder weggezerrt werden. Hardcore-Leute, die nicht abziehen wollen? Oder Krawallmacher? Man sieht einen merkwürdig starr stehenden mittelalten untersetzten Mann, der in einer nach Studentenprotestlern aussehenden Menschenmenge in der Mitte von Getränkemüll steht, es nähern sich einige junge Männer in Schwarz (schwarz mit Sonnenblumenlogo war die Farbe der Demobewegung) und nehmen den Mann in den "Schwitzkasten", zerren ihn also zu Boden und drücken ihn mit der Armbeuge offenbar  die Luft ab. Der Mann erschlafft und wird weggetragen, von Journalisten verfolgt, die im Gedränge den Anschluss verlieren. Was war da los? Genau wird man es wohl nie wissen.

Letzter Bericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/der-geheimpalast-studenten-auf-dem.html

EDIT: Titel geändert, der alte Titel "....Demo-Störer gewürgt?" überbewertet am Ende einen Nebenvorfall der Demo, der ja so nicht geklärt ist.

Dienstag, April 08, 2014

Der Geheimpalast / Studenten auf dem Rückzug

Kommt jetzt das Ende der Studentenrevolte? Zieht sich die "Sonnenblumenbewegung" in die Unis und Jugendzimmer zurück?

Letzten Freitag war frei in Taiwan, da bin ich mit der Kamera in Zentrum von Taipei. Es war etwas gespenstisch, Stacheldraht und Polizisten mitten in der Stadt zu sehen. Noch immer, auch während ich diese Zeilen schreibe, halten ja Studenten in Taipei das Parlament (genauer: den Plenarsaal) besetzt.

anonymisiert ;-)
[TZ]
Zunächst war ich noch im Zentrum, grob mit Kurs auf das Hochhaus "101", das 101 Stockwerke hoch ist. Da merkte man noch nichts von Aufständen. Kurz wunderte ich mich über eine Gruppe konservativ, aber wenig elegant gekleideter Leute, die irgendwie landlebig aussahen, aber ziemlich fremd klingend kommunizierten. Und der Herr im weißen Hemd starrte mich an, an sei ich ein Marsmensch. Das man mitten in Taipei angestarrt wird als "Westler" ist doch eher selten. Aha, dachte ich. Das muss eine Reisegruppe aus China sein. In der Tat folgte die Gruppe einem Herrn mit Stab und kleinem Fähnchen (nein, keine rote), wie sie Gruppenreiseleiter eben haben. Auch Gattin und ich waren ja kürzlich in Japan einem solchen Fähnchen hinterher gerannt. Sicher hatten die Kurs auf das Hochhaus "Taipei 101". Die Leute wirkten so, wie man sich Leute vom Lande aus der tiefsten Provinz vorstellt, die sich "stadtfein" machen. Ob die wohl auch zu den Studentenprotesten gefahren wurden, fragte ich mich. Wohl nicht. Wie würden sie reagieren wenn sie hören, dass Taiwan sie vielleicht als Touristen, nicht aber als Oberherren will?


[F] Ich folgte der Gruppe grob ins Hochhaus 101, auch wenn kurz ein Audi-Rennwagen meine Aufmerksamkeit auf sich zog...


[R] Äh.... wo waren wir? Ach ja, 101. Diese Hostessengeschichte ist auch so typisch Taiwan. Never mind.

[R] Nicht zu verfehlen, das Ding, ist ja eher hoch als breit. Jedenfalls meistens.

[F] Im angeschlossenen Kaufhaus (rechts) fand ich dann auch die chinesische Reisegruppe wieder.

[F] Ein schöner Konsumtempel, dessen Publikum sich wohl eher für die teuersten Handtaschen und Armbanduhren interessiert (oder die günstige Fressmeile im Tiefgeschoss)...

[F] ... hier nicht im Bild, als für die Politik und die Studentendemo.

[R] Der erfolgreiche Kapitalismus mit sozialstaatlichen Elementen der Taiwanprägung hat seine eigenen, systemimmanenten Konflikte. "Wissen Sie, was die aufdringliche Dame da will?", scheint der Filmstaar rechts auf der übergroßen Werbewand neben dem 101 zu fragen. Wir wissen es auch nicht.

[TZ] Vom Hauptbahnhof Taipei suchte ich wieder die Studenten, hier ist das Viertel weniger überkanditelt. Obwohl ein Modellbahner, der das Haus im Bild als Bausatz hätte, wohl mehrere Nervenzsammenbrüche erleiden würde, irgendwo zwischen dem 50. und 51,. Werbeschild und 18. und 19. Balkon.

[TZ] Ich ermahnte mich wieder, dass es mir um die Sache der Studenten ging und nicht um die duftenden Leckereien an den Ständen. Die Studenten wollten klarmachen, dass hier nicht Rotchina ist, so viel ist klar.

[SW] Ein kurzer Abstecher über den "228"-Park, der sich auf den 28. Februar 1947 respektive das an diesem Tag stattgefundene Massaker bezog, an dem die Taiwaner gegen die chinesischen Besatzer vom Festland aufgestanden waren und das Kuomintang (KMT) - Militärregime entsprechend brutal zurück geschlagen hatte (http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenfall_vom_28._Februar_1947). Die Insel Taiwan war bis 1945 eine japanische Kolonie gewesen (seit 1895) und war nach der Jalta-Konferenz an die chinesische KMT-Regierung übgeben worden, die den aufgeflammten Freiheitswillen der Taiwaner brutal unterdrückt hatte und sich weiter in Taiwan eingenistet hatte. Das hatte offenbar bestand, denn noch immer sitzt die KMT im Gouverneurs- respektive Präsidentenpalast in Taipei, der laut meinem Smartphone-Navidings ganz in der Nähe lag. Allerdings sitzt der Präsident (Herr Ma von der KMT) da mittlerweile frei gewählt (2008 gewählt, 2012 wiedergewählt) und fährt seither einen starken Kurs Richtung chinesisches Festland, das die KMT 1949 an die Kommunisten verloren hatte. Inklusive politischer und wirtschaftlicher Annäherung. Wogegen die Studenten demonstrieren (streng genommen nur gegen den letzten Teil der Annäherung, einen Handelspakt, siehe meinen großen Demobericht HIER im Blog).

[TZ] Alsbald führte mich mein Navidings zu diesem merkwürdigen Kinderspielplatz, der mit Stacheldraht abgeschirmt war und dem sich diverse erschöpft wirkende Polizisten in ihren dunkelblauen Uniformen erholten. Was war da los?

[TZ] Die Frage ließ sich schnell beantworten, während ich mit meiner Kamera auf die angeschlossene Allee trat, von müden aber misstrauischen Polizistenaugen verfolgt. Der Spielplatz war als Barriere gegen eventuell aufkeimende Demos oder Besetzungsversuche angelegt, sozusagen als Wellenbrecher.

[TZ] Denn links ging es zu weiteren Regierungsgebäuden und auch zum Parlament laut meinem Navi, wobei der Zugang mit Stacheldrahtzäunen abgesperrt war. Man erkennt sie im Hintergrund. Näher wollte ich nicht heran, denn die zahlreichen Polizisten, die neben einigen auffällig unauffällig herumstehenden Passanten die einzige Bevölkerung dieses sonst so stark frequentierten Teils von Taipei ausmachten, gaben mir das Gefühl hier nicht wirklich erwünscht zu sein. Irgendwo hinter den Barrieren mussten sich also Studenten im Parlament und beim Soli-Sitin befinden. Aber meine Lust, hier nach einem Weg da durch zu suchen, hielt sich in Grenzen. Mit auf meiner Navi-Route befindlichem Stacheldraht (nicht das erste Mal) und wenig Zeit neben Beruf und Familie ist es mit dem Barrierebrechen so eine Sache.

[TZ] Hier ein Barriere-Closeup von der großen Demo neulich, viel anders sieht es diesmal auch nicht aus.

 ...Barriere diesmal...

[TZ] Rechter Hand jedenfalls lag der Präsidentenpalast in Taipei...

Dies Gebäude war einst für die japanischen Gouverneure erbaut worden ist und heute der Dienstsitz des Präsidenten. Der Verkehr war auffallend ruhig am heutigen Tage, sicher weil viele Seitenstraßen hier abgesperrt waren. Hier sitzt also Präsident Ma, KMT und guckt misstrauisch auf die Studenten, die seinen Pro-China-Kurs nicht mitmachen wollen. Dabei sind "wir doch alle Chinesen", sowas sagt er öfter mal. Und mir ist er ja auch lieber als sein Vorgänger Chen von der DPP, der unbedingt in der Verfassung alle Bezüge zu China per Referendum streichen wollte und die KP in China mit seiner "Taiwan Yes, China No" - Kampagne zur Weißglut (und fast zum militärischen Angriff) gebracht hatte. Im Gefängnis sitzt Chen heute, wegen seiner Dauer-Korruptionsaffaire bis hin zur Erpressung eines Kaufhauses aus dem Präsidentenpalast heraus. Aber besser ist die KMT mit ihrer Verstrickung mit der Bambusgangtriade auch nicht, aber das soll hier nicht das Thema sein.

[TZ] Als ich dieses Foto vom Präsidentensitz machte und wegen des diffusen Lichtes ein bisschen an meiner Kamera herumstellte, näherte sich mir ein in Zivil gekleideter Herr vom Palast kommend und machte eine Handbewegung, ich solle aufhören und schrie "guo lai", jedenfalls verstand ich das. Das würde zu Deutsch "komm her!" heißen, aber ich hatte wenig Lust, dieser Aufforderung nachzukommen. Wenn einen Hunde anbellen oder sich Regierungsagenten nähern, bleibt man immer ruhig und souverän, macht das Foto zu Ende, noch eines dazu und entfernt sich dann ruhigen Schrittes ;-)

Wenn sie den Palast geheim halten wollen, müssen sie sich natürlich was einfallen lassen, schließlich ist er im Normalbetrieb ein Ziel für Reisebusse, sicher auch für chinesische Reisegruppen. Ist ja auch schon ein bisschen groß, um ihn zu verstecken. Vielleicht ein verwirrendes Schild anbringen? "Lustifus Edelpils-Brauerei" vielleicht. Kommt kein Mensch drauf, dass das der Präsidentenpalast ist.

[TZ] Mein zielstrebiges Verlassen der gastlichen Stätte führe mich zunächst zu einigen Polizisten und massenhaft Barrieren, die Herren in Blau habe ich hier lieber nicht abgelichtet.Eigentlich eine ruhige Geschäfts- und Wohnstraße.

[TZ] .... und die Bürgerkriegsbarrieren nahmen sich direkt neben den typischen Garküchen (vor denen die Polizisten saßen und aßen) etwas merkwürdig aus.

[TZ] Direkt um die Kurve dann wieder taipeitypische teure europäische Autos...

[R] .... und weitere Barrikaden, hier vor einem Rolexgeschäft...

[R]... und bewachende Polizisten. Haben die zur Tarnung teils Bauhelme auf? Na ja, so richtig unauffällig ist das freilich nicht.

Und wie ist der aktuelle Stand? Jetzt ist die Luft raus aus den Protesten. Die ganze Zeit schon hatte ja der Parlamentspräsident namens Wang (KMT) eine Räumung des besetzten Parlaments unterlassen, wohl weil er auch den Handelsverträgen mit China kritisch gegenübersteht. So liest man. Oder jedenfalls weil er in der Vergangenheit zusammen mit der oppositionellen DPP den Verabschiedungsprozess der Verträge bis zu 6 Monate verzögert hatte. Das hatte ihm den Groll des Präsidenten Ma (KMT) eingebracht, der ihn deswegen der Parteimitgliedschaft und seiner Funktion entheben lassen wollte***, was aber nicht geklappt hat. Herr Wang ist sowieso ein alter innerparteilicher Konkurrent von Herrn Ma und man kann sich die Frage stellen, ob die Zusammenarbeit mit der DPP und die Duldung der Besetzung des Parlaments seitens Wang nicht nur dazu diente, Präsident Ma eins auszuwischen. Wie dem auch sei, jetzt nach längerer Besetzung tauchte Wang in staatsmännischer Manier auf, streichelte vor Fernsehkameras ein paar Studentinnenköpfe und sicherte zu, dass der Handelspakt mit China einstweilen nicht durchs Parlament käme. Weil er wolle erstmal ein Gesetz einbringen, welches Verträge mit China einem gesonderten Kontrollmechanismus unterwirft. Und nun hat die Mehrheit der Studenten zur Stunde offenbar beschlossen, die Besetzung abzubrechen. Wang soll seine Aktion nicht mit Ma oder der KMT angesprochen haben, aber hat jetzt sicherlich seine Lorbeeren (chinesisch/taiwanisch: sein Gesicht) auf Kosten des Präsidenten im Wert gesteigert. Wang jedenfalls hat auf den studentischen Elan wie eine Nadel an einem Ballon gewirkt offenbar.

Geht jetzt alles wieder seinen gewohnten Gang? Kommt der Vertrag oder nicht? Und entsteht aus der Studentenbewegung eine neue "Taiwan Independence"-Bewegung abseits der alten Tante DPP (die viele immer noch mit Korruption assoziieren)? Man darf gespannt sein.



*** Präsident Ma ließ sogar deswegen eine Zeit lang den gesamten Telefonverkehr des Parlaments abhören, weswegen der Justizminister zurücktreten musste

Fototechnisch: Sony Alpha 850, mit [F]: Sigma EX DG 2.8/15mm, [SW]: Soligor 3.5-4.5/19-35mm, [TZ]: Tokina AF 2.8-4.5/28-70mm, [R]: Tamron Aspherical 3.8-5.6/28-200mm

Montag, April 07, 2014

Barrikaden in Taipei (Update 2)

Noch immer ist das Parlament von "Taiwan" (formal: der Legislative Yuan der Republik China***) von Studenten besetzt, die gegen den aktuellen Handelsvertrag zwischen Taiwan und der VR-China demonstrieren

 Bild von der großen Demo vorletzten Sonntag. Ich konnte übrigens "da oben" obsolut nichts finden im leeren Himmel ;-)

Mein eigener Versuch, zum Parlament in Taipei vorzudringen, das immer noch besetzt ist und vor dessen Toren es wohl ein permanentes Soli-Sitin gibt, ist erst einmal fehlgeschlagen, weil mich Google-Maps grundsätzlich zu Stacheldraht-Absperrungen führte und um mich herum schleichende Polizisten mir denn auch ein unwohles Gefühl bescherten, ist Taiwan doch ein Land, in dem sich Ausländer (will sagen Leute, die ausländisch aussehen) nicht politisch betätigen und sich eigentlich auch nicht in der Nähe von Protesten aufhalten dürfen.

Merkwürdige Bilder aus dem Zentrum von Taipei bekam ich zu sehen. Da wo sonst dichter Verkehr vor dem Präsidentenpalast im Zentrum fließt, diesmal Absperrungen und nur sporadischer Verkehr, auffällig unauffällige "Zivilisten"; die mich aufforderten, den eigentlich sattsam bekannten Präsidentenpalast nicht zu fotografieren und viel Stacheldraht, neben Rolex-Geschäften und Garküchen, bewacht von Polizisten. Ein Kinderspielplatz in der Nähe des Präsidentenpalastes zwar geöffnet und voller Kinder und Eltern, aber mit Stacheldraht verrammelt, um im Zweifelsfall als Absperrung zu dienen.

Die Fotos folgen morgen, diesmal habe ich zwar den Kartenleser für die Digitalkamera dabei, aber die Flashkarten selbst in der Kamera gelassen. Neben Beruf und Familie ist das zeitnahe berichten durchaus eine Herausforderung.

UPDATE: Mittlerweile bringt der Parlamentssprecher Wang (Koumintang-Partei) einen Gesetzesvorschlag in die Diskussion, der Verträge zwischen Taiwan und China einer Kontrolle unterwerfen soll. Außerdem will Wang den parlamentarischen Prozess zur Verabschiedung offenbar solange aufhalten, bis ein solches Gesetz existiert. Wang gehört zwar der selben Partei an, wie der prochinesische Präsident Ma, steht diesem aber als innerparteilicher Gegner gegenüber, u.a. weil Ma in der Vergangenheit versucht hatte, Wang seines Postens und seiner Parteimitgliedschaft zu entheben im Zusammenhang mit einer Kooperation von Wang mit der Opposition.
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/04/07/2003587458/1

UPDATE2: Das TV zeigte in der Mittagspause Parlamentssprecher Wang in staatsmännischer Geste inmitten der den Plenarsaal besetzenden Studenten. Er beugte sich medienwirksam zu einer sitzenden Studentin herunter, um sich offenbar nach deren Wohlergehen zu erkundigen. Ein sehr gekonnter Auftritt, mit dem Herr Wang seinem innerparteiligen Rivialen, Staatspräsident Ma Ying-Jeou, einen roten Kopf beschert haben dürfe. Mehr zu Wang: http://de.wikipedia.org/wiki/Wang_Jin-pyng

Vorbericht hier im Blog: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/uberblick-uber-die-artikel-zu-den.html


*** "Republik China" ist der formelle Staatsname von "Taiwan", das man früher auch "Nationalchina" nannte.

Donnerstag, März 27, 2014

Update zu den Studentenprotesten (nochmal ein UPDATE)

Wie ist die Lage in Taipei bzgl. der Proteste gegen die Handelsvereinbarung mit China?

 Vorberichte: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/aufruhr-revolution-unruhen.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/auslander-und-proteste.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/studenten-halten-taiwans-parlament.html

UPDATE: Seite mit guten Fotos: http://revolution-news.com/150-taiwanese-student-protesters-injured-police-executive-congress/

 Statt langer Texte hier ein paar Links von der allerdings oppositionslastigen TAIPEI TIMES:

Studenten sind über Schlagstockeinsatz und Tritte seitens der Polizei bei der Räumung von kurzzeitig besetzten Regierungsgebäuden erstaunt: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/03/27/2003586626
Bei der kurzzeitigen Besetzung gingen übrigens auch auf einem Schreibtisch befindliche Küchlein verloren, war irgendwo anders zu lesen. Die Studenten halten immer noch das Parlament in Taipei besetzt, die Polizei hat sie offenbar abgeriegelt.

Dieses Poster, das angeblich aus China stammen soll, sorgte für kurze Zeit für Aufregung zumindest in Ausländerkreisen in Taiwan. Angeblich soll es von einer betrügerischen Firma in der VR-China geschaffen worden sein und einfache Einwanderung inklusive Krankenversicherung und Recht auf ein zweites Kind versprechen - für Bürger der VR-China. Möglich, dass es eine Fälschung ist. Wer kann es lesen, was steht genau drauf (ich lerne derzeit nur die lateinische Pinyin-Umschrift des Chinesischen, bin also leider der Schriftzeichen nicht mächtig, weder der Lang- noch der Kurzzeichen).
Das wäre die schreckliche Umkehrung von "Haut ab von meiner Insel" im Nachbarblog.

"Taiwans" Präsident Ma (eigentlich: Präsident der Republik China, die man umgangssprachlich als Taiwan bezeichnet) bot bereits Gespräche mit den Führern des Studentenprotests an, jedoch lehnen die Studentenführer das zur Zeit ab, mit der Begründung, dass Ma einen Antrag zurückgewiesen habe, den Handelspakt (durch ein "internes administratives Komitee") überprüfen zu lassen: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/03/27/2003586627

Präsident Ma hat erklärt, der Handelspakt sei keinesfalls ohne ordentliches Verfahren und Diskussion zustande gekommen, sondern es habe in der Sache 20 Anhörungen gegeben: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/03/27/2003586628

Mein persönlicher Eindruck ist, viele Wähler haben 2012 Präsident Ma und seine Kuomintang-Partei wiedergewählt, einfach weil sie keine Alternativen gesehen hatten. Die andere große Partei, die DPP; wurde noch sehr mit dem Mega-Marathon-Korruptionsskandal der vorherigen Regierung von Präsident Chen (ehem. DPP) assoziiert, so dass viele Wähler die DPP nicht so schnell die Präsidentschaft wieder antragen wollten (Chen von der DPP hat von 2000-2008 regiert). Außerdem haben viele Leute wohl hirn-gesteuert Ma gewählt, weil er Frieden mit der VR-China versprochen hatte, die zu Zeiten der taiwanischen DPP-Regierung auf halben Kriegskurz bzgl. Taiwan gegangen war (vgl. chin. Anti-Sezzesionsgesetz). Die Gefühlswelt vieler Wähler tat sich dann mit Mas sehr prochinesischem Kurs wohl doch schwer. Deshalb hat die Studentenrevolte durchaus Sympathien auch außerhalb studentischer Kreise, denke ich mal. Wie sehr, das weiß ich nicht, da ist noch die Sprachbarriere im Weg.

Dienstag, März 25, 2014

Aufruhr! Revolution! Unruhen!

Taipei im "Maidan"-Fieber. Wo sind die Berater aus Kiew? Und warum haben wir keine Tusse mit blonden gesemmelten Haaren hier?

Während die ukrainische Mit-Revoluzzerin Timoschenko Herrn Putin laut Spiegel.de "in die Stirn schießen" will, haben wir hier in Taiwan vor den Toren Chinas mit dem chinesischen Präsidenten nichts dergleichen vor. Wie heißt der Kerl überhaupt? Never mind.

Kurz zur Lage:  Präsident Ma (Kuomintag-Partei), der 2008 gewählt und 2012 wiedergewählt worden ist und Popularitätsraten wie ein seuchenrelevantes Nagetier auf dem Tischtuch einer Hochtzeitsfeier hat, ist wieder mal dabei eine Annährung vom freien demokratischen Taiwan an den diktatorischen Staat namens Volksrepublik China zu betreiben. Der letzte Streich des prochinesischen Präsidenten Ma, dem von vielen Oppositionellen vorgeworfen wird, mehr eine Art Statthalter Pekings zu sein als ein richtiger Präsident, hat in Geheimverhandlungen in pekinger Hinterzimmern einen Pakt zur weiteren wirtschaftlichen Verflechtung verhandelt, den er jetzt mit seiner überragenden Kuomintangmehrheit durchs Parlament peitschen will, ohne dass das irgendwie vorher diskutiert worden wäre im Parlament oder der Bevölkerung. Viele Taiwaner fürchten nun, Taiwan könne entweder von chinesischen Billigarbeiten oder Billigprodukten überschwemmt werden, wogegen noch bestimmte Marktbarrieren wirksam sind. Oder noch mehr Betriebe könnten ihre Produktion in die VR-China auslagern und Taiwaner könnten am Ende gezwungen sein, in China zu arbeiten.

Vorsicht vorm revolutionären Funken (hier aber nur in einem Park in NeiHu bei Nacht) Foto: Ludigel

Präsident Ma lies erklären, die Südkoreaner würden das auch so machen und durch weitere Umarmung von China würde die taiwanische Wirtschaft gedeihen. Derweil halten die Studenten in Taipei immer noch den Plenarsaal des Parlaments besetzt und Fordern die einstweilige Einstellung der Verabschiedungsprozedur des Gesetzes. Ein Sturm der Studenten auf Regierungsgebäude ist fehlgeschlagen und wurde teils mit Schlagstöcken, teils mit Wasserwerfern unterbunden. Das Fernsehen zeigte in der Mittagspause Bilder einer halbherzigen Polizeiabsperrung, die den Zugang zu Parlament und Regierungsgebäuden in Taipei blockieren soll. Ein paar Polizisten liefen auf der Kreuzung rum und schlugen mit Schlagstöcken nach durch sie hindurch fahrenden jungen Leuten auf Motorrollern. Es wurden auch Bilder von Rangeleien mit Polizisten und von Verletzten Studenten gezeigt.

Und was ich mich frage, wo sind die Kommentatoren, die mir bei so harmlosen Stories wie einem Besuch beim Kinderzahnarzt oder einer Autobahnraststätte in Taiwan ihre emotionalen Kommentare um die Ohren gehauen haben, dass mir Hölen und Sehen verging? Jetzt, wo wirklich was los ist, herrscht Grabesruhe ;-)*

Vorbericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/03/auslander-und-proteste.html

* Achtung: Scherz! Scherz!