Es gibt sie, diese "What the fuck"-Momente im Leben...
Werde jetzt nicht anfangen, das Hakenkreuz hier zu entfremden, wie es deutsche Blogger oft machen. Es ist schließlich eine Dokumentation, keine Propaganda. Relativ sauer bin ich auf die Digitalkamera, die das Bild auch noch als DSC00018 abgespeichert hat, weil sie kürzlich einmal rum ist mit dem Zähler.
Taiwaner verwenden das Hakenkreuz ja in spiegelverkehrter Version selbst als positives Symbol an Tempeln. Das Ding gibt es in vielen Kulturen und auch in Deutschland hatte es einst eine normale Bedeutung. Es steht offenbar für ein Sonnenkreuz, das sich ergibt, wenn man astronomisch die Bewegungen der Sonne übers Jahr nachzeichnet. Daher gibt es das in vielen Kulturen. Leider sehen die Taiwaner mangels Wissen über europ. Geschichte die Nazizeit oft eher positiv, u.a. weil Hitlerdeutschland und Nationalchina aka Republik-China unter Diktator Chiang Kai-Shek einst eine Allianz hatten (bis Hitler dann auf Japan umgeschwenkt ist). Und leider verwenden sie das NSDAP-Symbol auch oft als Deutschlandsymbol.
Kann man sich schon erschrecken. Bislang habe ich es an und um Autos schon oft gesehen. Einmal hatte ein Gebrauchtwagenhändler einen alten eckigen Mercedes aus den 70ern da stehen und an einem Fahnenmast die NSDAP-Flagge. Hatte keine Kamera parat, um den grausamen Anblick festzuhalten. Und einmal standen vor mir an der Ampel zwei schwarze VW-Busse (T4-Modell), beide mit einem identischen NSDAP-Aufkleber am Heck. Grauslich. Wie es dazu gekommen ist frage ich mich bis heute.
Dass die beiden Flaggen sich "beißen", wird dem Besitzer des Autos nicht bewusst sein.
Dieses Blog durchsuchen
Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Geschichte werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, August 05, 2015
Dienstag, März 03, 2015
Sömmerda, Stadt im Sozialismus
Auf meiner letzten Belgien/Deutschlandreise verbrachte ich natürlich ein paar Tage im Elternhaus, in dem mein "Jugendzimmer" noch immer auf mich wartet. In Niedersachsen, also den "alten Bundesländern". Dort fand sich im Schrank jedoch eine Reliquie aus der Zeit der Reisen in ein verlorenes Land, die "Deitsche Demogratsche Reppeblik" oder wie immer das damals genau hieß...
"Sömmerda, unsere Stadt im Bild", oder eben ...
Eigene Fotos habe ich auch aus der DDR und manche auch aus Sömmerda, aber oft war das Fotografieren doch unterblieben, weil wir eben jedes Jahr zum Verwandtenbesuch "rüber" gefahren sind und es immer wieder gleich aussah. Da fotografiert man nicht, weil man denkt, dass Gewohnte würde ewig so bleiben. Nur ganz am Ende der DDR, allerdings noch bevor die "Wende" los ging, habe ich einmal die grauen Einfamilienhausstraßen Sömmerdas fotografiert, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, das könne nicht ewig so bleiben. Die Dias liegen bis heute im Diakasten irgendwo im Keller im Elternhaus. Es fehlt mir einfach die Zeit, sie dort mit dem Diascanner einzuscannen. Die "Platte" (will sagen die Plattenbauten) habe ich freilich nicht abgelichtet. Nur aus Ostberlin und von der Mauer habe ich noch ein paar Schüsse, aber viel weniger als mir lieb ist und noch viel weniger Zeit, das alles zu digitalisieren. Hier also daher schnelle Blicke in das Buch über das Städchen Sömmerda im Kreis Erfurt in Thüringen. Nur schnell und hektisch mit der Kamera abfotografiert am Stubentisch, statt den alten Pentium-3-PC mit dem Scanner im "Jugendzimmer" anzuwerfen.
Um das Urheberrecht habe ich mich jetzt nicht gekümmert, weil ich das VEB Irgendwasverlagsbuch als ein Zeitdokument ansehe, aber ich lasse mich da gerne von Rechteinhabern belehren. Man weiß ja nie, vielleicht hat ehemaliges geistiges Volkseigentum ja doch einen kapitalistischen Rechteinhaber heutzutage.
Neben dem alten Stadttor oben, das wir sogar "in Öl" haben daheim in Niedersachsen als mütterlich sömmerdastämmige Familie (freilich aus Vorkriegszeiten) hier die "Platte", die große Teile der Stadt dominierte. Innen waren es freilich passable Wohnungen.
Unzählige Male bin ich hier selbst langgefahren worden von meinem Vater oder bin in der Schlussphase sogar selbst gefahren. Links war gleich die einzige Tankstelle im Ort, ich weiß es noch. Mit einer Zapfsäule, die aussah wie in Filmen aus den 50er Jahren. Nie bin ich auf den Gedanken gekommen, hier zu fotografieren. Man dachte, es bleibt immer so in Sömmerda. Im Bild oben ist die Hütchenschlange zu erkennen, die die Fahrspur für die Tanke abbildet! Eben wiedererkannt. Leider fotografiert man immer das exotische, selten das Normale, auch wenn es dann später fast unbemerkt zum Exotischen mutiert. Eine Attraktion war es immer ein bisschen im Ort (etwa für autoverliebte kleine Jungen, die Passanten waren), wenn an der Tanke der silbermetallene BMW 525 meines Vaters betankt wurde, das weiß ich noch.
Negativ soll dieser Exkurs aber nicht werden, hier vor dem Klub der Volkssolidarität. Unsere Verwandten empfingen und herzlich (wie auch noch heute) mit thüringer Spezialitäten, u.a. hausgeschlachteter Mettwurst. Einmal habe ich noch als Schüler einen Schulfreund mitgenommen, der der Meinung war, man müsse in der DDR hungern wie in Entwicklungsländern. Zusammen haben wir dann den sömmerdaer Supermarkt in der Nähe inspiziert und er sah ein, dass es zwar an Nahrungsmitteln keine Vielfalt gab, aber genug und zu erschwinglichen Preisen. Nur die spezielle privat geschlachtete Wurst, die gab es so nicht. Da haben die Verwandten natürlich immer das Extrafeine aufgetischt, wenn Besuch da war.
Eine versunkene Welt irgendwie, obwohl alles hier auf dem Foto wohl in Variation noch vorhanden ist.
Na ja, fast alles.
Viele Erinnerungen habe ich an die damalige Zeit. Die private Herzlichkeit, aber auch wie die Gespräche verstummten, wann immer der Gatte meiner Cousine herein kam, der im Computerwerk "Robotron" der "politische Beauftragte" war. Lassen wir den eigentlich blogfremden Exkurs hiermit gut sein ;-)
"Sömmerda, unsere Stadt im Bild", oder eben ...
Eigene Fotos habe ich auch aus der DDR und manche auch aus Sömmerda, aber oft war das Fotografieren doch unterblieben, weil wir eben jedes Jahr zum Verwandtenbesuch "rüber" gefahren sind und es immer wieder gleich aussah. Da fotografiert man nicht, weil man denkt, dass Gewohnte würde ewig so bleiben. Nur ganz am Ende der DDR, allerdings noch bevor die "Wende" los ging, habe ich einmal die grauen Einfamilienhausstraßen Sömmerdas fotografiert, weil ich irgendwie das Gefühl hatte, das könne nicht ewig so bleiben. Die Dias liegen bis heute im Diakasten irgendwo im Keller im Elternhaus. Es fehlt mir einfach die Zeit, sie dort mit dem Diascanner einzuscannen. Die "Platte" (will sagen die Plattenbauten) habe ich freilich nicht abgelichtet. Nur aus Ostberlin und von der Mauer habe ich noch ein paar Schüsse, aber viel weniger als mir lieb ist und noch viel weniger Zeit, das alles zu digitalisieren. Hier also daher schnelle Blicke in das Buch über das Städchen Sömmerda im Kreis Erfurt in Thüringen. Nur schnell und hektisch mit der Kamera abfotografiert am Stubentisch, statt den alten Pentium-3-PC mit dem Scanner im "Jugendzimmer" anzuwerfen.
Neben dem alten Stadttor oben, das wir sogar "in Öl" haben daheim in Niedersachsen als mütterlich sömmerdastämmige Familie (freilich aus Vorkriegszeiten) hier die "Platte", die große Teile der Stadt dominierte. Innen waren es freilich passable Wohnungen.
Unzählige Male bin ich hier selbst langgefahren worden von meinem Vater oder bin in der Schlussphase sogar selbst gefahren. Links war gleich die einzige Tankstelle im Ort, ich weiß es noch. Mit einer Zapfsäule, die aussah wie in Filmen aus den 50er Jahren. Nie bin ich auf den Gedanken gekommen, hier zu fotografieren. Man dachte, es bleibt immer so in Sömmerda. Im Bild oben ist die Hütchenschlange zu erkennen, die die Fahrspur für die Tanke abbildet! Eben wiedererkannt. Leider fotografiert man immer das exotische, selten das Normale, auch wenn es dann später fast unbemerkt zum Exotischen mutiert. Eine Attraktion war es immer ein bisschen im Ort (etwa für autoverliebte kleine Jungen, die Passanten waren), wenn an der Tanke der silbermetallene BMW 525 meines Vaters betankt wurde, das weiß ich noch.
Negativ soll dieser Exkurs aber nicht werden, hier vor dem Klub der Volkssolidarität. Unsere Verwandten empfingen und herzlich (wie auch noch heute) mit thüringer Spezialitäten, u.a. hausgeschlachteter Mettwurst. Einmal habe ich noch als Schüler einen Schulfreund mitgenommen, der der Meinung war, man müsse in der DDR hungern wie in Entwicklungsländern. Zusammen haben wir dann den sömmerdaer Supermarkt in der Nähe inspiziert und er sah ein, dass es zwar an Nahrungsmitteln keine Vielfalt gab, aber genug und zu erschwinglichen Preisen. Nur die spezielle privat geschlachtete Wurst, die gab es so nicht. Da haben die Verwandten natürlich immer das Extrafeine aufgetischt, wenn Besuch da war.
Eine versunkene Welt irgendwie, obwohl alles hier auf dem Foto wohl in Variation noch vorhanden ist.
Na ja, fast alles.
Freitag, November 09, 2012
Ludigel und das Drogencamp
"Ludigel und das Drogencamp" hieß ein Artikel in meinem alten Blog, erschienen im Jahre 2007. Es handelte sich da um ein Blog in der Passado-Community, eine Art deutsches Facebook ohne Datenkrakismus, aber mit sehr gemischtem Publikum und vielen Flame-Wars. So hatte sich die Community irgendwann in eine Pro-X - Fraktion und eine Anti-X - Fraktion aufgeteilt, wobei X eine Person mit psychischen Problem war. Irgendwann hatte ich keine Lust mehr und habe das ganze Blog gelöscht, allerdings vorher auf Platte gespeichert. Hoffentlich habe ich das nicht schon einmal re-blogt. Wollte es schon öfter, habe es aber wohl noch nie gemacht.
Der Artikel bezog sich auf eine Thailandreise meiner Frau und mir, wohlgemerkt also Thailand und nicht Taiwan. Damals hatte mein Blog so hübsche Header. Heute verbirgt sich unter der unteren URL mein verachlässigtes Techblog. "Der Irrsinn ist nur einen Click entfernt", na gut, daran hat sich nicht so viel geändert.
Nach langer Busfahrt auf dem Festland landeten wir schließlich mit der gesamten taiwanischen Reisegruppe in einer entlegenen Ecke, aber es gab einen großen gut ausgebauten Busparkplatz. Wir waren jetzt fast in Birma oder soetwas übersetzte meine Frau. "Goldenes Dreieck". Na ja, dabei denke ich immer an Toblerone.
Der Eingang zu dem Camp schien Dschungelkriegsromantik verbreiten zu wollen. Marke Militärlager. Dazu passte auch eine thailändische Flagge, ein Funkmast und mehrere Soldaten, die allerdings waffenlos in Kampfanzügen zu sehen waren - vorsichtshalber recht selten fotografiert. An den Uniformen hatten sie eine Miniversion der Thai-Flagge, so dass ich sie erstmal für normale (oder nachgemachte?) thailändische Soldaten hielt.
Die Soldaten wirkten rigendwie spirreldürr und unterernährt, ich meine, dass sogar der ein oder andere barfuß durch die Gegend schlappte. Dann kam die Überraschung. Meine Frau übersetzte, die Truppe hier sei eine übrig gebliebene Kompanie der Armee der Republik China und habe sich schon um 1911 aus China agesetzt. Die Väter oder Großväter der heutigen Soldaten seien beim Dschungelkampf gegen irgendwen (Kommunisten? Japaner? Warlords?) in eine aussichtslose Lage geraten und hätten sich nach Thailand abgesetzt. Ihre Waffen hatten sie scheinbar dort zur Besichtigung aufgebart, in einer Art politischem Museeum, das unter anderen Adolf Hitler neben US-Präsidenten, Mao und dem Republik-China-Präsidenten Chiang-Kai-Shek hängen hatte.
Die Soldaten der Republik China, damals natürlich noch auf dem chinesischen Festland beheimatet mit Hauptstadt Nanking als Nachfolgestaat des chinesischen Kaiserreichs, hätten von der königlich-thailändischen Regierung ein Stück Land zur Verfügung gestellt bekommen, das sie aber nicht verlassen dürften. Und dort seien sie geblieben,hieß es. Bis heute! Sie hätten thailändische Frauen geheiratet aus den umliegenden Dörfern und diese würden mit ihnen auf dem Gelände leben. Die Frauen durften das Lager verlassen, nicht aber die Herren Soldatennachfahren, sagten sie. Auch die Kinder hätten einen ungeklärten Rechtsstatus und seinen Staatenlose. Also ohne Papiere unterwegs und wohl auch nur auf dem Gelände zu finden.
Für Taiwaner war die Führung interessant, weil ja unter anderem die Flagge der Republik China, die hier zu sehen ist, die heutige "taiwanische" Flagge ist. Denn Chiang-Kai-Sheck, Teile des Militärs und des Bürgertums sind ja 1949 auf die seit 1895 von Japanern verwaltete Insel Taiwan geflohen und dort wird bis heute die Republik China alias Taiwan fortgeführt.
Einen Job hätten die Soldaten, gaben sie an, eben den Funkmast für das thailändische Militär zu betreiben, daher auch die Uniformen.
Hier das einzige Foto mit einem der uns bewachenden/rumführenden "Soldaten", kaum zu sehen rechts Grün vor grünem Hintergrund. Einen Film bekamen wir gezeigt, der mit all dem wenig zu tun hatte, einen alte US-Doku aus den Siebzigern über ein Volk namens Karen, die demnach in Birma, Burma oder wo auch immer mit Drogen gedealt hätten, sich mit der dortigen Regierung einen Guerillakrieg geliefert hätten und später mafiös mit der Regierung verschmolzen seien. Man konnte kaum ein Wort verstehen, weil der Geschützdonner fast jedes Wort in dem Film überlagerte. Dann ging es zu den Hütten, wo angeblich die Familien der Pseudosoldaten leben würden. Man entschuldige das Pseudo, aber bis heute habe ich ihren Status nicht so ganz verstanden. Sie selbst wohl auch nicht.
Wir durften dann in eine Hütte herein gucken und dies war der Moment, wo ich wohl dachte, es sei keine Show für Touristen. Denn die beiden an der Wasserpfeife saugenden Herren dort zeigten alle Anzeichen von Junkies, wirkten also halb betäubt mit merkwürdig untot wirkenden Augen, sieht man hier nicht aus der Ferne und langsamen Bewegungen. Es roch auch recht Druggie in der Bude. "Ob wir auch mal einen Joint wollten?", fragte die taiwanische Reiseleiterin und erklärte, es sei hier legal, weil das Gelände exterritoriales Gebiet sei, eben der versprengten Truppe der Republik China überlassen und die Thairegierung würde sich dort aus allem heraushalten, Thaigesetze würden nicht gelten. Ergo sei Drogenkonsum jeder Art erlaubt und die Lieblingsbeschäftigung der dortigen Herren, die die Nachfahren der alten Chinakrieger seien. Ich nahm den Joint entgegen und zog ein paar mal daran. Nun fallen Sie nicht gleich in Ohnmacht, liebe Leser. Mir war wohl bekannt, das ein Joint nicht viel anders als Alk wirkt und daher beim Probieren keine weiteren Gefahren drohten. Und einmal dieses Zeug zu probieren, von dem so viel gefaselt wird, war eben verlockend.
Liebe Kinder, tut das nicht bei Crack, Heroin, LSD oder anderen starken Drogen, denn Crack is Wack, sagte schon Whitney mit dem Drogen-Huston. Und euch fallen die Fingernägel ab und die Zehen verfaulen von den Drogen etc etc. So gut, hätten wir den Teil hinter uns.
Dann nahm mir meine Frau den Joint ab und zog auch daran, mit dem Ergebnis, dass sie den ganzen nächsten Tag halbtot im Bett lag, ich frustriert Weihnachten bei Dosenbier und Schokoriegeln im Hotelzimmer feierte und wir nicht die Tour auf die idyllische Tropeninsel mitmachen konnten. Sage ich doch, Drogen sind Mist.
Scheinbar lebten hier tatsächlich Familien. Das ganze Gelände war so groß wie vier Fußballplätze und um einen zentralen See gruppiert.
Die Fotos sind damals mit meiner analogen Reflexkamera auch ohne die technischen Spielereien einer modernen Digitalkamera recht gut geworden, auch wenn ich bei der Aufnahme hier heute am "D-Range-Optimizer" drehen würde, um das Dunkel aufzuhellen. Irgendwie wirken Kontraste und Farben natürlicher, weicher. Oder das liegt am Joint ;-)
Mit raus nehmen durfte man den Joint natürlich nicht, sagte uns die Reiseleiterin, denn draußen in Thailand gäbe es da 15 Jahre Knast bei Stockschlägen und Elektroden an die H... für oder dergleichen. Nicht, dass jetzt jemand hier diesen Artikel liest, denkt, er kann in Thailand Drogen nehmen und ich dann Schuld bin. Lassen Sie es, es sei denn sie finden ein zugekifftes Lager einer Geisterarmee im Dschungel, so wie ich hier. Passiert ja nicht allzu oft.
Eine bunthaarige junge Taiwanerin hatte mittlerweile meiner Frau den Joint entrissen und ich versuchte, die Wirkungen von dem Zeug durch gesteuertes Verhalten zu überspielen. Unter anderem schien die Droge meinen Sehnerv und das optische Zentrum zu stimulieren, so dass ich das Gefühl hatte, etwa alle Blätter eines Baumes auf einmal im Detail erkennen zu können, wie ich mich erinnere. Alles wirkte auch irgendwie übermäßig ausgeleuchtet. Bringt einem aber auch nichts, wer interessiert sich schon für Blätter. Und die Überstimulanz führte zu Kopfschmerzen um die Augen rum. Also nochmal mitschreiben: Drogen sind Mist. Alles klaro?
LINK: Eine der zahllosen Vorankündigungen dieses Artikels: http://osttellerrand.blogspot.tw/2011/09/erinnert-mich.html
[Update: Bitte die Kommentare beachten: Die Jahreszahl müsste möglicherweise von 1911 auf 1949 korrigiert werden und Thai-Staatsbürger wären es demnach auch. Die Leute haben vielleicht verschiedene Versionen ihrer Geschichte: http://www.oldworldwandering.com/2012/05/03/china-forgotten-army-mae-salong-thailand]
Danke für den Link in den Kommentaren!]
-------Mal was anderes:
Neuer Service hier im Blog, der "Taiwan-Deutschland-Vermischungs-Seismograph"! Jedesmal wenn ein Deutscher Taiwan und eine der hübschen Damen hier für sich entdeckt, schlägt sich das im Blogometer in einer solchen Schockwelle nieder:
Im Sinne weiterer Fraternisierung und Vergrößerung der Inselbevölkerung wünsche ich uns allen noch viele weitere Ausschläge. Man kann die Spitzen halt verstehen bei den hübschen Damen hier, geht mir nicht anders. "Was kann man für Taiwan tun?" fragte neulich einer der Englischlehrer im Ausländerforum. "Neue Staatsbürger zeugen", antwortete ich.
Nach langer Busfahrt auf dem Festland landeten wir schließlich mit der gesamten taiwanischen Reisegruppe in einer entlegenen Ecke, aber es gab einen großen gut ausgebauten Busparkplatz. Wir waren jetzt fast in Birma oder soetwas übersetzte meine Frau. "Goldenes Dreieck". Na ja, dabei denke ich immer an Toblerone.
Der Eingang zu dem Camp schien Dschungelkriegsromantik verbreiten zu wollen. Marke Militärlager. Dazu passte auch eine thailändische Flagge, ein Funkmast und mehrere Soldaten, die allerdings waffenlos in Kampfanzügen zu sehen waren - vorsichtshalber recht selten fotografiert. An den Uniformen hatten sie eine Miniversion der Thai-Flagge, so dass ich sie erstmal für normale (oder nachgemachte?) thailändische Soldaten hielt.
Die Soldaten wirkten rigendwie spirreldürr und unterernährt, ich meine, dass sogar der ein oder andere barfuß durch die Gegend schlappte. Dann kam die Überraschung. Meine Frau übersetzte, die Truppe hier sei eine übrig gebliebene Kompanie der Armee der Republik China und habe sich schon um 1911 aus China agesetzt. Die Väter oder Großväter der heutigen Soldaten seien beim Dschungelkampf gegen irgendwen (Kommunisten? Japaner? Warlords?) in eine aussichtslose Lage geraten und hätten sich nach Thailand abgesetzt. Ihre Waffen hatten sie scheinbar dort zur Besichtigung aufgebart, in einer Art politischem Museeum, das unter anderen Adolf Hitler neben US-Präsidenten, Mao und dem Republik-China-Präsidenten Chiang-Kai-Shek hängen hatte.
Die Soldaten der Republik China, damals natürlich noch auf dem chinesischen Festland beheimatet mit Hauptstadt Nanking als Nachfolgestaat des chinesischen Kaiserreichs, hätten von der königlich-thailändischen Regierung ein Stück Land zur Verfügung gestellt bekommen, das sie aber nicht verlassen dürften. Und dort seien sie geblieben,hieß es. Bis heute! Sie hätten thailändische Frauen geheiratet aus den umliegenden Dörfern und diese würden mit ihnen auf dem Gelände leben. Die Frauen durften das Lager verlassen, nicht aber die Herren Soldatennachfahren, sagten sie. Auch die Kinder hätten einen ungeklärten Rechtsstatus und seinen Staatenlose. Also ohne Papiere unterwegs und wohl auch nur auf dem Gelände zu finden.
Für Taiwaner war die Führung interessant, weil ja unter anderem die Flagge der Republik China, die hier zu sehen ist, die heutige "taiwanische" Flagge ist. Denn Chiang-Kai-Sheck, Teile des Militärs und des Bürgertums sind ja 1949 auf die seit 1895 von Japanern verwaltete Insel Taiwan geflohen und dort wird bis heute die Republik China alias Taiwan fortgeführt.
Einen Job hätten die Soldaten, gaben sie an, eben den Funkmast für das thailändische Militär zu betreiben, daher auch die Uniformen.
Hier das einzige Foto mit einem der uns bewachenden/rumführenden "Soldaten", kaum zu sehen rechts Grün vor grünem Hintergrund. Einen Film bekamen wir gezeigt, der mit all dem wenig zu tun hatte, einen alte US-Doku aus den Siebzigern über ein Volk namens Karen, die demnach in Birma, Burma oder wo auch immer mit Drogen gedealt hätten, sich mit der dortigen Regierung einen Guerillakrieg geliefert hätten und später mafiös mit der Regierung verschmolzen seien. Man konnte kaum ein Wort verstehen, weil der Geschützdonner fast jedes Wort in dem Film überlagerte. Dann ging es zu den Hütten, wo angeblich die Familien der Pseudosoldaten leben würden. Man entschuldige das Pseudo, aber bis heute habe ich ihren Status nicht so ganz verstanden. Sie selbst wohl auch nicht.
Wir durften dann in eine Hütte herein gucken und dies war der Moment, wo ich wohl dachte, es sei keine Show für Touristen. Denn die beiden an der Wasserpfeife saugenden Herren dort zeigten alle Anzeichen von Junkies, wirkten also halb betäubt mit merkwürdig untot wirkenden Augen, sieht man hier nicht aus der Ferne und langsamen Bewegungen. Es roch auch recht Druggie in der Bude. "Ob wir auch mal einen Joint wollten?", fragte die taiwanische Reiseleiterin und erklärte, es sei hier legal, weil das Gelände exterritoriales Gebiet sei, eben der versprengten Truppe der Republik China überlassen und die Thairegierung würde sich dort aus allem heraushalten, Thaigesetze würden nicht gelten. Ergo sei Drogenkonsum jeder Art erlaubt und die Lieblingsbeschäftigung der dortigen Herren, die die Nachfahren der alten Chinakrieger seien. Ich nahm den Joint entgegen und zog ein paar mal daran. Nun fallen Sie nicht gleich in Ohnmacht, liebe Leser. Mir war wohl bekannt, das ein Joint nicht viel anders als Alk wirkt und daher beim Probieren keine weiteren Gefahren drohten. Und einmal dieses Zeug zu probieren, von dem so viel gefaselt wird, war eben verlockend.
Liebe Kinder, tut das nicht bei Crack, Heroin, LSD oder anderen starken Drogen, denn Crack is Wack, sagte schon Whitney mit dem Drogen-Huston. Und euch fallen die Fingernägel ab und die Zehen verfaulen von den Drogen etc etc. So gut, hätten wir den Teil hinter uns.
Dann nahm mir meine Frau den Joint ab und zog auch daran, mit dem Ergebnis, dass sie den ganzen nächsten Tag halbtot im Bett lag, ich frustriert Weihnachten bei Dosenbier und Schokoriegeln im Hotelzimmer feierte und wir nicht die Tour auf die idyllische Tropeninsel mitmachen konnten. Sage ich doch, Drogen sind Mist.
Scheinbar lebten hier tatsächlich Familien. Das ganze Gelände war so groß wie vier Fußballplätze und um einen zentralen See gruppiert.
Die Fotos sind damals mit meiner analogen Reflexkamera auch ohne die technischen Spielereien einer modernen Digitalkamera recht gut geworden, auch wenn ich bei der Aufnahme hier heute am "D-Range-Optimizer" drehen würde, um das Dunkel aufzuhellen. Irgendwie wirken Kontraste und Farben natürlicher, weicher. Oder das liegt am Joint ;-)
Mit raus nehmen durfte man den Joint natürlich nicht, sagte uns die Reiseleiterin, denn draußen in Thailand gäbe es da 15 Jahre Knast bei Stockschlägen und Elektroden an die H... für oder dergleichen. Nicht, dass jetzt jemand hier diesen Artikel liest, denkt, er kann in Thailand Drogen nehmen und ich dann Schuld bin. Lassen Sie es, es sei denn sie finden ein zugekifftes Lager einer Geisterarmee im Dschungel, so wie ich hier. Passiert ja nicht allzu oft.
Eine bunthaarige junge Taiwanerin hatte mittlerweile meiner Frau den Joint entrissen und ich versuchte, die Wirkungen von dem Zeug durch gesteuertes Verhalten zu überspielen. Unter anderem schien die Droge meinen Sehnerv und das optische Zentrum zu stimulieren, so dass ich das Gefühl hatte, etwa alle Blätter eines Baumes auf einmal im Detail erkennen zu können, wie ich mich erinnere. Alles wirkte auch irgendwie übermäßig ausgeleuchtet. Bringt einem aber auch nichts, wer interessiert sich schon für Blätter. Und die Überstimulanz führte zu Kopfschmerzen um die Augen rum. Also nochmal mitschreiben: Drogen sind Mist. Alles klaro?
LINK: Eine der zahllosen Vorankündigungen dieses Artikels: http://osttellerrand.blogspot.tw/2011/09/erinnert-mich.html
[Update: Bitte die Kommentare beachten: Die Jahreszahl müsste möglicherweise von 1911 auf 1949 korrigiert werden und Thai-Staatsbürger wären es demnach auch. Die Leute haben vielleicht verschiedene Versionen ihrer Geschichte: http://www.oldworldwandering.com/2012/05/03/china-forgotten-army-mae-salong-thailand]
Danke für den Link in den Kommentaren!]
-------Mal was anderes:
Neuer Service hier im Blog, der "Taiwan-Deutschland-Vermischungs-Seismograph"! Jedesmal wenn ein Deutscher Taiwan und eine der hübschen Damen hier für sich entdeckt, schlägt sich das im Blogometer in einer solchen Schockwelle nieder:
Im Sinne weiterer Fraternisierung und Vergrößerung der Inselbevölkerung wünsche ich uns allen noch viele weitere Ausschläge. Man kann die Spitzen halt verstehen bei den hübschen Damen hier, geht mir nicht anders. "Was kann man für Taiwan tun?" fragte neulich einer der Englischlehrer im Ausländerforum. "Neue Staatsbürger zeugen", antwortete ich.
Mittwoch, Februar 29, 2012
28 Februar: Massaker, Weißer Terror
Gestern (Dienstag) habe ich einen Feiertag genossen und am Montag war frei (war das wieder so ein zwischengeschobener Extrafeiertag, den ich hier jedenfalls bei meinem derzeitigen Arbeitgeber manchmal habe?) und ich gebe zu mir mal wieder keine Gedanken um den Anlass gemacht zu haben. Der 28. Februar 1947 ist der Tag, auf den sich der Feiertag bezieht. Die KMT-Partei, die auch heute noch (wenn auch demokratisch legitimiert) über Taiwan herrscht (mit Unterbrechung 2000-2008 seit 1945) hatte damals noch über China geherrscht (seit etwa 1911) und bekam die Insel Taiwan (1945) nach der japanischen Kapitulation von den Amerikanern zugeschanzt. Die Japaner hatten die Insel Taiwan 1895 dem chinesischen Kaiserreich abgepresst und es zwischenzeitlich in eine Kolonie verwandelt, wo die Leute japanische Familiennamen verpasst bekommen hatten. Auch Chen wurde Kapawakamoto oder irgendwie so.
Erst wurden die KMT-Truppen als chinesische Befreier begrüßt, dann jedoch fingen sie an als neue Kolonialherren Eigentum zu beschlagnahmen. U.a. erlebten Besitzer "schöner Häuser", wie ihr Eigentum, das vorher schon von Japanern requiriert wurde, jetzt wieder von Festlandchinesen besetzt wurde. Bis heute nennt man in Taiwan die doppelte Beschlagnahme von Häusern 1895-1945 und wieder seit 1945 als Grund, warum in Taiwan Häuser von Außen fast immer hässlich aussehen (Müll auf der Veranda, schwarzgrau verkrustete Fassade). Man will sich angeblich tarnen.
Dank an den deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen, der an den Anlass des Feiertages erinnert hat und hier ist sein informativer Bericht zum 28. Februar 1947: http://www.intaiwan.de/2009/02/27/228-massaker/
Klaus schildert wie die Soldaten u.a. mit Maschinengewehren vom LKW aus wahllos in Dörfern und Städten auf Menschen schossen und gerade auch in Taipei ereignete sich ein Blutbad auf den Straßen. Grund waren Proteste der Taiwaner gegen ihre neuen Besatzer. Heute hingegen ist die KMT demokratisiert und lässt nicht mehr auf die Taiwaner schießen - Tote können letztlich schlecht zur Wahlurne gehen und in Taipei ist fast jeder Passant eh ein KMT-Wähler.
"Weißer Terror" nennt man den KMT-Terror zu Zeiten der Diktatur. Wieso die Farbwahl habe ich jetzt auch nicht parat.
Erst wurden die KMT-Truppen als chinesische Befreier begrüßt, dann jedoch fingen sie an als neue Kolonialherren Eigentum zu beschlagnahmen. U.a. erlebten Besitzer "schöner Häuser", wie ihr Eigentum, das vorher schon von Japanern requiriert wurde, jetzt wieder von Festlandchinesen besetzt wurde. Bis heute nennt man in Taiwan die doppelte Beschlagnahme von Häusern 1895-1945 und wieder seit 1945 als Grund, warum in Taiwan Häuser von Außen fast immer hässlich aussehen (Müll auf der Veranda, schwarzgrau verkrustete Fassade). Man will sich angeblich tarnen.
Dank an den deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen, der an den Anlass des Feiertages erinnert hat und hier ist sein informativer Bericht zum 28. Februar 1947: http://www.intaiwan.de/2009/02/27/228-massaker/
Klaus schildert wie die Soldaten u.a. mit Maschinengewehren vom LKW aus wahllos in Dörfern und Städten auf Menschen schossen und gerade auch in Taipei ereignete sich ein Blutbad auf den Straßen. Grund waren Proteste der Taiwaner gegen ihre neuen Besatzer. Heute hingegen ist die KMT demokratisiert und lässt nicht mehr auf die Taiwaner schießen - Tote können letztlich schlecht zur Wahlurne gehen und in Taipei ist fast jeder Passant eh ein KMT-Wähler.
"Weißer Terror" nennt man den KMT-Terror zu Zeiten der Diktatur. Wieso die Farbwahl habe ich jetzt auch nicht parat.
Abonnieren
Posts (Atom)




















