Große Aufregung gestern Abend. Schwiegermutter, die in der Zeit auf unseren Junior (5) aufgepasst hat, war schwer mit dem Lastenfahrrad verunglückt. Doch wo war Junior? Niemand wusste es.
Edit: Des schwebenden Verfahrens halber einige Bewertungen und eigene Kommentare entfernt.
Schwiegermutter ist gestern Mittag mit dem Dreirad verunglückt. Wie viele ältere Damen in Taiwan fährt sie mit so einem Lastenfahrrad herum, um Pappkartons von Geschäften einzusammeln und gegen ein paar Dollar zur Wiederverwertungsstelle zu fahren. Das hat sie nicht nötig. Sie hat sich diese Angewohnheit aber zugelegt, seit sie vor ein paar Jahren - das Taiwanblog berichtete - von Telefonbetrügern um eine Million Taiwandollar erleichtert worden ist - etwa 25.000 Euro. Damals hatten die Betrüger sowohl auf Festnetz als auch Handy ständig angerufen und die alte Frau mit völlig aus der Luft gegriffenen Anschuldigungen "lange in der Vergangenheit" in Panik versetzt und ihr gesagt sie müsse ins Gefängnis, wenn sie nicht sofort zahlen würde. Ein Teenager nahm dann Schwiegermutter im Empfang, die ihr Konto in seinem Beisein geplündert hatte. Hausbesuche falscher (?) Polizisten stellten lange ihr Schweigen sicher. Auch echte Behörden waren damals in den Fall verwickelt: Ein Gericht in Taipei-Neihu hatte damals eine veritable Aufforderung zum Haftantritt (!) an Schwiegermutter verschickt, die die völlig schuldlose Frau nun endgültig in Panik versetzte. Es handelte sich allerdings um einen Irrläufer, der an einen jugendlichen völlig fremden Mann adressiert war und nicht etwa an sie. Ein weiterer Einschüchterungsversuch? Auch das lokale Polizeirevier verhielt sich faktisch komplizenhaft, als es die von Schwiegermutter letztlich nach einer Woche erstattete Anzeige hatte verschwinden lassen. Taiwan als dreckige kleine Schmuddelrepublik.
Die Spätfolgen dieser Behörden/Gangster-Kooperative (?) haben wir nun jetzt auszubaden. Ein weißer Toyota Wish Minivan übersah beim Linksabbiegen Schwiegermutter und ihr pappkartonbeladenes Dreirad. Der Unfall ist von einem Taiwantabloid sehr gut mit Video und Fotos von einer Auto-Dashcam dokumentiert. Schwiegermutter als Nachrichtenobjekt. Hat da ein Autofahrer gleich die Aufnahme an einen Zeitungs-/Online-Verlag verkauft? Jedenfalls ist folgendes zu sehen: Flott biegt der Toyota links ab ohne sich um die grüne Fußgängerampel zu kümmern, wie das in Taiwan leider üblich ist. Schwiegermutter fährt allerdings Rad auf dem Überweg[...]
Die nächsten zwei Nächte geben nun darüber Auskunft, ob sie es ohne Schäden überstehen wird. U.a. hat sie eine Hirnblutung erlitten, ist aber bei Bewusstsein.
Die spannende Frage war für uns zunächst: Wo ist Junior? Oft hat sie ihn auf der Ladefläche des Dreirads hinten und ich habe mich auch immer schon gefragt, was da alles passieren kann, wenn mal jemand hinten rein fährt. Ich meine, da kauft man einen sündhaftteuren Volvo-SUV, damit Junior im Verkehr geschützt ist. Aber dann fährt seine Oma ihn auf der Pritsche eines Dreirades herum im wilden Taiwanverkehr.
Wie ein Wirbelrand raste ich aus der Firma zu Schiegermutters Wohnung und ich habe da wohl das erste Mal das Einschalten des Turboladers unseres Volvos gehört, der heulend und vibrierend seine Arbeit im Motorraum aufnahm. Sonst steuere ich das Ding ziemlich ruhig und sinnig durch den Verkehr.
Junior schlief auf dem Sofa und hat von allem nichts mitbekommen. Dass er allein daheim war anstatt mitten im Verkehr, hat sicher positive wie negative Seiten. Taiwaner sind rücksichtslos draufgängerisch hinter dem Steuer und fahren ihre Familienkutschen mit dem Elan von Serienmördern. Gut, dass Junior nicht in der Nähe des Toyota "Wish" war.
Die Videos vom Unfall sehen grauenhaft aus, sie sind hier absichtlich nicht verlinkt.
In drei Wochen ist es vorbei hier für uns wenn alles so weiter läuft. Hoffentlich ohne weitere Vorfälle. Sicherer ist die von Frau ausgesuchte "neue asiatische Heimat" freilich auch nicht.
Zusammenfassung des alten Betrugsfalles: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/04/zusammenfassung-falsche-undoder.html
Edit: Gerade mal festgestellt. In all den Jahren meiner aktiven Straßenverkehrsteilnahme in Deutschland 1985-2004 erinnere ich mich nur an einen einzigen Fall, bei dem einer meiner Verwandten, Bekannten, Freunde oder Kollegen bei einem Unfall zu Schaden kam.
Deutschland 1985-2004:
Verwandter: 1
In Taiwan 2004-2016 sieht die Statistik so aus:
Bekannte:2
Kollegen: 2
Online-Bekannter: 1 (tot*)
Verwandte: 1 (Ausgang noch unklar)
Außerdem die Erzählung eines mir bekannten Engländers, wie er einem schuldlos verunglücktem kanadischen Mopedfahrer nur noch Trost spenden konnte, als dieser gestorben ist. Der Engländer war zufällig vorbei gekommen.
* damals auch bekannt aus dem TV, Entertainer "MaKe" aka Mark.
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Donnerstag, August 18, 2016
Mittwoch, August 26, 2015
Typisch Taiwan, oder? (Update)
Taiwan hat es mit einer bizarren Story mal wieder in die deutschen Nachrichten geschafft
Taiwan aka Republik China (mit vollem Staatsnamen) ist bei Spiegel.de präsent derzeit. Nicht etwa, weil Taiwan eine der wenigen parlamentarischen Demokratien in Asien ist und bald 2016 wieder Präsidentschaftswahlen sind - der Wahlkampf läuft - oder weil beide maßgeblichen 'Präsidentschaftskandidaten" eben Frauen sind. Nein, der Anlass ist ein tollpatschiges Kind, das mit einem Getränkebecher in der Hand in einem Museum stolpert, sich mit dem Getränk in der Hand an einem 1.5-Millionen teuren Bild abstützt und es dabei ruiniert. Das Video dazu kann man hier sehen:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/museum-in-taiwan-junge-stolpert-und-zerstoert-1-3-millionen-gemaelde-a-1049651.html
Trotzdem gebe ich zu bei dem Video sofort gedacht zu haben: Typisch Taiwan! Es handelt sich zwar bei dem zuckrigen Bildersturm nur um eine kleine Katastrophe im Vergleich zu anderen. Aber erst kürzlich hat z.B. die britische BBC den Taiwanern "den Kopf gewaschen" in einem harschen Artikel. Nämlich wegen der zahlreichen taiwanischen Katastrophen in der letzten Zeit, die offenbar alle durch sträflich missachtete Sicherheitsvorkehrungen entstanden sind: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bbc-wascht-katastrophen-taiwan-den-kopf.html
Und in diesem Fall muss man schon fragen: Warum darf ein Kind mit einem teilweise offenen Getränk herumlaufen in einem Museum, in dem so kostbare Gemälde gezeigt werden? Wenn ich an meine Museumsbesuche aus der Schulzeit denke, da wurden wir von strengen Museumswächtern schon zur Ordnung gerufen, wenn wir nur in der falschen Tonlage andächtig "uiiii" geraunt hatten. Eine Oktave zu hoch und man wurde fast am Ohr gezogen. Und in Taiwan? Da darf ein Kind mit Getränk in der Hand fröhlich durch die Gegend ziehen. Anders habe ich freilich das Nationale Palastmuseum in Taipei in Erinnerung, wo der alte chinesische Kaiserschatz zu sehen ist. Da stehen auch überall Wächter herum, meine ich mich zu erinnern. Aber da geht es ja auch um die heiligen Grale der chinesischen Kultur, die man in Taipei gern hoch hält. Und nicht nur um "English-Teacher"-Kunst. Denn "Weiße" kennt man in Taiwan eben meist als Englischlehrer und über die rümpft man schon mal die Nase.
Ich gebe zu, ich hätte Hemmungen, große Kostbarkeiten an Taiwan zu verleihen, so lax wie man hier eben Sicherheitsvorkehrungen sieht. Gut, dass die Bilder nicht im Freien gezeigt wurden. So oft wie es hier Dusche-ähnliche Regenfälle gibt ;-)
Update: Hier näheres zum beschädigten Bild, auch Fotos: http://www.theguardian.com/world/2015/aug/25/boy-trips-in-museum-and-punches-hole-through-million-dollar-painting
Und leider kann es für die Familie des Jungen, der den Schaden verursacht hat, ein finanzieller Alptraum werden, auch wenn das Museum keine Ansprüche stellen will (es entscheidet der Versicherer, nicht der Geschädigte darüber): https://taiwanlawblog.wordpress.com/2015/08/25/boy-who-punched-hole-in-painting-may-still-be-liable-for-monetary-damages/
Denn Haftpflichtversicherungen hat man in Taiwan oft nicht.
Taiwan aka Republik China (mit vollem Staatsnamen) ist bei Spiegel.de präsent derzeit. Nicht etwa, weil Taiwan eine der wenigen parlamentarischen Demokratien in Asien ist und bald 2016 wieder Präsidentschaftswahlen sind - der Wahlkampf läuft - oder weil beide maßgeblichen 'Präsidentschaftskandidaten" eben Frauen sind. Nein, der Anlass ist ein tollpatschiges Kind, das mit einem Getränkebecher in der Hand in einem Museum stolpert, sich mit dem Getränk in der Hand an einem 1.5-Millionen teuren Bild abstützt und es dabei ruiniert. Das Video dazu kann man hier sehen:
http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/museum-in-taiwan-junge-stolpert-und-zerstoert-1-3-millionen-gemaelde-a-1049651.html
Trotzdem gebe ich zu bei dem Video sofort gedacht zu haben: Typisch Taiwan! Es handelt sich zwar bei dem zuckrigen Bildersturm nur um eine kleine Katastrophe im Vergleich zu anderen. Aber erst kürzlich hat z.B. die britische BBC den Taiwanern "den Kopf gewaschen" in einem harschen Artikel. Nämlich wegen der zahlreichen taiwanischen Katastrophen in der letzten Zeit, die offenbar alle durch sträflich missachtete Sicherheitsvorkehrungen entstanden sind: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/bbc-wascht-katastrophen-taiwan-den-kopf.html
Und in diesem Fall muss man schon fragen: Warum darf ein Kind mit einem teilweise offenen Getränk herumlaufen in einem Museum, in dem so kostbare Gemälde gezeigt werden? Wenn ich an meine Museumsbesuche aus der Schulzeit denke, da wurden wir von strengen Museumswächtern schon zur Ordnung gerufen, wenn wir nur in der falschen Tonlage andächtig "uiiii" geraunt hatten. Eine Oktave zu hoch und man wurde fast am Ohr gezogen. Und in Taiwan? Da darf ein Kind mit Getränk in der Hand fröhlich durch die Gegend ziehen. Anders habe ich freilich das Nationale Palastmuseum in Taipei in Erinnerung, wo der alte chinesische Kaiserschatz zu sehen ist. Da stehen auch überall Wächter herum, meine ich mich zu erinnern. Aber da geht es ja auch um die heiligen Grale der chinesischen Kultur, die man in Taipei gern hoch hält. Und nicht nur um "English-Teacher"-Kunst. Denn "Weiße" kennt man in Taiwan eben meist als Englischlehrer und über die rümpft man schon mal die Nase.
Ich gebe zu, ich hätte Hemmungen, große Kostbarkeiten an Taiwan zu verleihen, so lax wie man hier eben Sicherheitsvorkehrungen sieht. Gut, dass die Bilder nicht im Freien gezeigt wurden. So oft wie es hier Dusche-ähnliche Regenfälle gibt ;-)
Update: Hier näheres zum beschädigten Bild, auch Fotos: http://www.theguardian.com/world/2015/aug/25/boy-trips-in-museum-and-punches-hole-through-million-dollar-painting
Und leider kann es für die Familie des Jungen, der den Schaden verursacht hat, ein finanzieller Alptraum werden, auch wenn das Museum keine Ansprüche stellen will (es entscheidet der Versicherer, nicht der Geschädigte darüber): https://taiwanlawblog.wordpress.com/2015/08/25/boy-who-punched-hole-in-painting-may-still-be-liable-for-monetary-damages/
Denn Haftpflichtversicherungen hat man in Taiwan oft nicht.
Mittwoch, Juli 22, 2015
BBC wäscht Katastrophen-Taiwan den Kopf (Update)
Ich muss mich gar nicht aufregen und überlasse das Ihrer Majestät BBC...
http://www.bbc.com/news/world-asia-33605220
Zusammenfassung: Es stürzt ständig irgendwas ab, explodiert oder fackelt ab, weil sich keiner für sicherheitsrelevante Regeln interessiert. Der englischsprachige Artikel ähnelt stark dem vom deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen in seinem Blog:
http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/
Ich sage es so: 5% Steuern und eine völlig andere Auffassung von Vorschriften beißen sich halt mit dem dicht bevölkerten Massenbetrieb und der hohen Technisierung Taiwans. Aber die Leute machen eben hier ihre eigenen Regeln und interessieren sich nicht die Bohne, was Johnny Weißbrot dazu meint.
Update: Und das Weißbrot und anderes Essen ist auch i.d.R. nicht in Ordnung: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/nahrungsmittel-konzernboss-kritisiert.html
UPDATE: Todesopferzahl der "Waterpark"-Katastrophe ist mittlerweile bei 8, zuzüglich eines Vaters eines Verletzten, der Selbstmord begangen hat - obwohl sich sein Sohn allem Anschein nach erholen wird. Der Link nennt ein Todesopfer weniger als aktuell ist: http://shanghaiist.com/2015/07/20/father-taipei-water-park-burn-victim-commits-suicide.php
Noch etwa 120 Verletzte sind auf Intensivstationen, es ist also noch mit mehr Todesopfern zu rechnen. Es gibt da meines Wissens nach leider einen Prozentwert für die verbrannte Haut, ab dem keine Genesung mehr möglich ist, obwohl man diesen aus Pietät natürlich nicht nennt in der Berichterstattung.Betroffene Ärzte wissen bei Verbrennungen schon die Heilungschance (leider) sehr präzise vorab.
http://www.bbc.com/news/world-asia-33605220
Zusammenfassung: Es stürzt ständig irgendwas ab, explodiert oder fackelt ab, weil sich keiner für sicherheitsrelevante Regeln interessiert. Der englischsprachige Artikel ähnelt stark dem vom deutschen Journalisten Klaus Bardenhagen in seinem Blog:
http://www.intaiwan.de/2015/07/06/taiwan-farbpulver-explosion-katastrophen/
Ich sage es so: 5% Steuern und eine völlig andere Auffassung von Vorschriften beißen sich halt mit dem dicht bevölkerten Massenbetrieb und der hohen Technisierung Taiwans. Aber die Leute machen eben hier ihre eigenen Regeln und interessieren sich nicht die Bohne, was Johnny Weißbrot dazu meint.
Update: Und das Weißbrot und anderes Essen ist auch i.d.R. nicht in Ordnung: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/07/nahrungsmittel-konzernboss-kritisiert.html
UPDATE: Todesopferzahl der "Waterpark"-Katastrophe ist mittlerweile bei 8, zuzüglich eines Vaters eines Verletzten, der Selbstmord begangen hat - obwohl sich sein Sohn allem Anschein nach erholen wird. Der Link nennt ein Todesopfer weniger als aktuell ist: http://shanghaiist.com/2015/07/20/father-taipei-water-park-burn-victim-commits-suicide.php
Noch etwa 120 Verletzte sind auf Intensivstationen, es ist also noch mit mehr Todesopfern zu rechnen. Es gibt da meines Wissens nach leider einen Prozentwert für die verbrannte Haut, ab dem keine Genesung mehr möglich ist, obwohl man diesen aus Pietät natürlich nicht nennt in der Berichterstattung.Betroffene Ärzte wissen bei Verbrennungen schon die Heilungschance (leider) sehr präzise vorab.
Montag, Juni 01, 2015
Achtjährige auf Schultoilette von Geisteskrankem ermordet / Dreijähriger überfahren (Update)
Ein sinnloser Mord an einem Schulkind erschüttert Taiwan dies Wochenende
Zur Berichterstattung aus einem Land gehört meiner Ansicht nach auch zu schreiben, was denn die Leute in diesem Land gerade bewegt. Dieses Wochenende ist es sicherlich der schreckliche Mord an einem 8jährigen Schulmädchen gewesen. Ein offenbar geistesgestörter Mann, 29 Jahre (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/05/31/2003619557) ist in der Unterrichtszeit in die Wenhua Elementary School in Taipei-Beitou eingedrungen und sich offensichtlich nach einem einsamen Kind umgesehen. Er traf auf der Toilette auf eine Achtjährige, die gerade das WC aufgesuchte und ermordete diese durch einen Schnitt in ihrem Halsbereich. Das sterbende Kind wurde später gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden, der Täter ist im Gewahrsam und hat gestanden.
Es sei daran erinnert, dass es Kindermorde in jedem Land gibt und daher sind auch Reflexreaktionen, die man als Ausländer hat, in diesem Zusammenhang ziemlich sinnlos. Schnell will man die nervöse Enge Taipeis, die langen Arbeitstage und merkwürdige Verhaltensweisen der Leute um einen herum zitieren. Auch im Team auf der Arbeit hatten wir wieder einen wirr auftretenden Menschen, der bei seiner Kündigung durch meine Frau anfing herum zu schimpfen, zu weinen und dann dramatisch vor ihr auf die Knie fiel, als sei er in einem dieser TV-Dramen, die den ganzen Tag im Taiwan-TV laufen. Andererseits haben solche Dinge eigentlich keine Aussagekraft und es bleibt dabei, dass solche Dinge, die einem als Vater das Blut gefrieren lassen, eben in jedem Land vorkommen.
Mich schockierte ein weiterer Fall, in dem am 30. Mai ein 3-jähriger Junge zu Tode kam. Nach der grafischen Rekonstruktion, die im TV zu sehen war, war ein Auto am Linksabbiegen und wartete korrekt darauf, dass der Geradeausverkehr vorbei fahren kann. Leider nahm der Linksabbieger dabei dem geradeaus fahrenden Fahrzeug die Sicht und hinter dem Linksabbieger wartete eine Familie (offenbar Mutter mit Kinderwagen, einem weiteren etwas älteren Sohn und dem Dreijährigen) darauf, an einem der in Taipei gänzlich bedeutungslosen Fußgängerüberwege die Straße überqueren zu können. Leider tastete sich der Dreijährige dabei offenbar langsam vor, so dass er am Ende vor dem Linksabbieger auf der Fahrbahn stand und vom schnell vorbei fahrenden Geradeausfahrzeug tödlich erfasst wurde. Schon mit nur meinem Sohn (3) an der Hand steht mir in Taipeis aggressivem Straßenverkehr (ich weiß nicht wo der Unfall war), in dem Fußgänger die totalen Underdogs sind, oft der Schweiß auf der Stirn. Mit einem Dreijährigen, einem etwa Achtjährigen und einem Kinderwagen unterwegs zu sein, erscheint mit auf den schmalen bürgersteiglosen Straßen mit "Gaspedal-König Toyota", den "Blue-Truck"-Henkern und Taxi-Wahnsinningen erhrlich gesagt als unauflösbarer Horror.
UPDATE: Als Reaktion auf den Mord an dem Schulmädchen wird die Europäische Schule Taipei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken.
Zur Berichterstattung aus einem Land gehört meiner Ansicht nach auch zu schreiben, was denn die Leute in diesem Land gerade bewegt. Dieses Wochenende ist es sicherlich der schreckliche Mord an einem 8jährigen Schulmädchen gewesen. Ein offenbar geistesgestörter Mann, 29 Jahre (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2015/05/31/2003619557) ist in der Unterrichtszeit in die Wenhua Elementary School in Taipei-Beitou eingedrungen und sich offensichtlich nach einem einsamen Kind umgesehen. Er traf auf der Toilette auf eine Achtjährige, die gerade das WC aufgesuchte und ermordete diese durch einen Schnitt in ihrem Halsbereich. Das sterbende Kind wurde später gefunden und konnte nicht mehr gerettet werden, der Täter ist im Gewahrsam und hat gestanden.
Es sei daran erinnert, dass es Kindermorde in jedem Land gibt und daher sind auch Reflexreaktionen, die man als Ausländer hat, in diesem Zusammenhang ziemlich sinnlos. Schnell will man die nervöse Enge Taipeis, die langen Arbeitstage und merkwürdige Verhaltensweisen der Leute um einen herum zitieren. Auch im Team auf der Arbeit hatten wir wieder einen wirr auftretenden Menschen, der bei seiner Kündigung durch meine Frau anfing herum zu schimpfen, zu weinen und dann dramatisch vor ihr auf die Knie fiel, als sei er in einem dieser TV-Dramen, die den ganzen Tag im Taiwan-TV laufen. Andererseits haben solche Dinge eigentlich keine Aussagekraft und es bleibt dabei, dass solche Dinge, die einem als Vater das Blut gefrieren lassen, eben in jedem Land vorkommen.
Mich schockierte ein weiterer Fall, in dem am 30. Mai ein 3-jähriger Junge zu Tode kam. Nach der grafischen Rekonstruktion, die im TV zu sehen war, war ein Auto am Linksabbiegen und wartete korrekt darauf, dass der Geradeausverkehr vorbei fahren kann. Leider nahm der Linksabbieger dabei dem geradeaus fahrenden Fahrzeug die Sicht und hinter dem Linksabbieger wartete eine Familie (offenbar Mutter mit Kinderwagen, einem weiteren etwas älteren Sohn und dem Dreijährigen) darauf, an einem der in Taipei gänzlich bedeutungslosen Fußgängerüberwege die Straße überqueren zu können. Leider tastete sich der Dreijährige dabei offenbar langsam vor, so dass er am Ende vor dem Linksabbieger auf der Fahrbahn stand und vom schnell vorbei fahrenden Geradeausfahrzeug tödlich erfasst wurde. Schon mit nur meinem Sohn (3) an der Hand steht mir in Taipeis aggressivem Straßenverkehr (ich weiß nicht wo der Unfall war), in dem Fußgänger die totalen Underdogs sind, oft der Schweiß auf der Stirn. Mit einem Dreijährigen, einem etwa Achtjährigen und einem Kinderwagen unterwegs zu sein, erscheint mit auf den schmalen bürgersteiglosen Straßen mit "Gaspedal-König Toyota", den "Blue-Truck"-Henkern und Taxi-Wahnsinningen erhrlich gesagt als unauflösbarer Horror.
UPDATE: Als Reaktion auf den Mord an dem Schulmädchen wird die Europäische Schule Taipei ihre Sicherheitsvorkehrungen verstärken.
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Mittwoch, Februar 25, 2015
Also doch: Polizei lässt Videoaufnahmen verschwinden
Immer wieder wurde im Ausländerforum spekuliert ob Taiwans Polizei Aufnahmen der zahlreichen Videokameras (an Straßenkreuzungen überall zu finden in Taiwan) verschwinden lässt, wenn es ihr gerade in den Kram passt. Nun ist ein Fall nachgewiesen.
Mir klang es oft wie eine Verschwörungstheorie, die ich allerdings auch selbst rezitiert habe. Was ist wenn etwa ein Ausländer wie damals der TV-Entertainer Mark Selighoff (Kanadier deutsch-ukrainischer Herkunft, wenn ich mich recht erinnere) oder eben unlängst der pakistanischstämmige Brite Zain D. Unfälle haben? Oft, wie eben in den beiden genannten Fällen, steht dann kein den Ausländer entlastendes oder wenig bis kein erhellendes Videomaterial zur Verfügung. Das wirkt merkwürdig, wenn doch überall Kameras angebracht sind. Lassen Taiwans Polizisten Videoaufnahmen verschwinden, wenn ihr Vorhandensein Inländer belasten würde? Man weiß es nicht. Mark Selighoff hatte damals einen Motorradunfall und ist offenbar in Taipei mit Baumästen kollidiert, was zu einer bleibenden schweren Behinderung und letztlich seinem Tod führte. Die überall an der Straße vorhandenen Kameras hatten angeblich nichts gefilmt.
Zain D., ein Geschäftsmann aus Taipei, war mit seinem Fahrzeug nächtens verunfallt, wobei ein angefahrener Motorradfahrer zu Tode kam. Es ist nie so ganz geklärt worden, ob Zain D. oder ein Parkwächter des Lokals, in dem er getrunken hatte, zum Unfallzeitpunkt gefahren war. Auch weil das Polizeirevier von der Gangstertruppe, der das Lokal gehört geschmiert worden war - zumindest in anderer Sache vor dem Unfall. Und erhellendes Videomaterial gab es wieder nicht. Auch hier im Blog ist der Fall hinreichend durchgekaut worden - Zain D. wartet heute in Schottland auf seine Auslieferung nach Taiwan.
Nun ist allerdings die Frage geklärt worden, OB Taiwans Polizisten solches Videobeweismaterial verschwinden lassen. Die Antwort ist ein klares Ja. Denn in diesem chinesischsprachigen Artikel (http://news.ltn.com.tw/news/society/breakingnews/1230186) wird ein Fall beschrieben, in dem offenbar ein Polizist namens Li, der der Sohn eines Personenschützers des taiwanischen Vizepräsidenten ist (eigentlich: Vizepräsident der Republik China), als Geisterfahrer eine Highschool-Schülerin totgefahren hat, dann Unfallflucht begangen hat und dabei von anderen Polizeibeamten versteckt wurde (möglicherweise um einen Alkoholpegel abzubauen). Polizisten fuhren mit ihren Streifenwagen auch herum, um die Videoaufnahmen vom Unfall alle zu beschlagnahmen - angeblich für die Untersuchung. In Wirklichkeit löschten sie alle Aufzeichnungen und auch die Aufzeichnungen ihrer Streifenwagen, die sie mit der illegalen Handlung in Bezug setzen.
Die Frage, ob Taiwans Polizisten Videobeweise verschwinden lassen ist damit geklärt. Bleibt nur zu überlegen, wann es ihnen gerade in den Kram passt das zu tun. Das lässt auch die auch in meinem PKW vorhandenen und in Taiwan beliebten "Dash-Cams" mit einem Zweifel behaftet zurück. Was wenn ich einen Unfall habe und der Polizist vor Ort gleich die Speicherkarte beschlagnahmen will. Braucht er vielleicht eine neue SD-Karte mit 32 GB für seine Digicam von Canon oder will er gerade mal gegenüber einem ausländischen Fahrer den einheimischen Unfallgegner schützen? Aber wir wollen uns nicht in noch unbewiesenen Verschwörungstheorien ergehen.
Mir klang es oft wie eine Verschwörungstheorie, die ich allerdings auch selbst rezitiert habe. Was ist wenn etwa ein Ausländer wie damals der TV-Entertainer Mark Selighoff (Kanadier deutsch-ukrainischer Herkunft, wenn ich mich recht erinnere) oder eben unlängst der pakistanischstämmige Brite Zain D. Unfälle haben? Oft, wie eben in den beiden genannten Fällen, steht dann kein den Ausländer entlastendes oder wenig bis kein erhellendes Videomaterial zur Verfügung. Das wirkt merkwürdig, wenn doch überall Kameras angebracht sind. Lassen Taiwans Polizisten Videoaufnahmen verschwinden, wenn ihr Vorhandensein Inländer belasten würde? Man weiß es nicht. Mark Selighoff hatte damals einen Motorradunfall und ist offenbar in Taipei mit Baumästen kollidiert, was zu einer bleibenden schweren Behinderung und letztlich seinem Tod führte. Die überall an der Straße vorhandenen Kameras hatten angeblich nichts gefilmt.
Zain D., ein Geschäftsmann aus Taipei, war mit seinem Fahrzeug nächtens verunfallt, wobei ein angefahrener Motorradfahrer zu Tode kam. Es ist nie so ganz geklärt worden, ob Zain D. oder ein Parkwächter des Lokals, in dem er getrunken hatte, zum Unfallzeitpunkt gefahren war. Auch weil das Polizeirevier von der Gangstertruppe, der das Lokal gehört geschmiert worden war - zumindest in anderer Sache vor dem Unfall. Und erhellendes Videomaterial gab es wieder nicht. Auch hier im Blog ist der Fall hinreichend durchgekaut worden - Zain D. wartet heute in Schottland auf seine Auslieferung nach Taiwan.
Nun ist allerdings die Frage geklärt worden, OB Taiwans Polizisten solches Videobeweismaterial verschwinden lassen. Die Antwort ist ein klares Ja. Denn in diesem chinesischsprachigen Artikel (http://news.ltn.com.tw/news/society/breakingnews/1230186) wird ein Fall beschrieben, in dem offenbar ein Polizist namens Li, der der Sohn eines Personenschützers des taiwanischen Vizepräsidenten ist (eigentlich: Vizepräsident der Republik China), als Geisterfahrer eine Highschool-Schülerin totgefahren hat, dann Unfallflucht begangen hat und dabei von anderen Polizeibeamten versteckt wurde (möglicherweise um einen Alkoholpegel abzubauen). Polizisten fuhren mit ihren Streifenwagen auch herum, um die Videoaufnahmen vom Unfall alle zu beschlagnahmen - angeblich für die Untersuchung. In Wirklichkeit löschten sie alle Aufzeichnungen und auch die Aufzeichnungen ihrer Streifenwagen, die sie mit der illegalen Handlung in Bezug setzen.
Die Frage, ob Taiwans Polizisten Videobeweise verschwinden lassen ist damit geklärt. Bleibt nur zu überlegen, wann es ihnen gerade in den Kram passt das zu tun. Das lässt auch die auch in meinem PKW vorhandenen und in Taiwan beliebten "Dash-Cams" mit einem Zweifel behaftet zurück. Was wenn ich einen Unfall habe und der Polizist vor Ort gleich die Speicherkarte beschlagnahmen will. Braucht er vielleicht eine neue SD-Karte mit 32 GB für seine Digicam von Canon oder will er gerade mal gegenüber einem ausländischen Fahrer den einheimischen Unfallgegner schützen? Aber wir wollen uns nicht in noch unbewiesenen Verschwörungstheorien ergehen.
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