Bislang durften nur bestimmte Branchen ausländische Angestellte einstellen - und es gab auch Vorgaben bzgl. der notwendigen Berufserfahrung, etwa 12 Jahre Praxis für Angestellte mit "Senior(engl.)"-Status.
Nun wurde die Einstellung von Expats erleichtert: http://focustaiwan.tw/news/aeco/201512030025.aspx
Damit will Taiwan offenbar auf die sinkende Geburtenrate und die daraus folgende zukünftige Ebbe für Büro-Arbeitsdrohnen mit ihrem allseits beliebten 12-16h-Arbeitstag inklusive öfter mal Wochenendarbeit reagieren. Apropos Arbeitszeit: Neuerdings kontrolliert das Arbeitsministerium offenbar, dass nicht zu viel Überstunden bei großen Firmen anfallen und zumindest meine Firma steuert etwas gegen bei den alten Marathon-Bürotagen.
Also auf als Expats nach Taipei, eine der "schönsten Städte der Erde" mit seinen höflichen, immer - und gerade im Straßenverkehr - ausgeglichenen und liebenswürdigen Menschen? Werden Sie, liebe Leserin und lieber Leser, schon morgen auf den kaum befahrenen breiten Alleen der Hauptstadt Taipei entspannt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und abends ihre wunderschön renovierte Altbauwohnung im einem alten Arbeiterviertel in Taipei-Wushiwu ansteuern?
Vielleicht. Hier noch ein paar Links zur Arbeitswelt in Taiwan:
Jetzt mit Update 2015: Arbeitsweltinfo Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html
Noch Stand 2009: Lebenshaltungskosten:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html
Artikel zur Rentenversicherung in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html
Insbesondere beachten, dass Taiwan offenbar Ausländer um die ihnen eigentlich (ab 15 Beitragsjahren) zustehende monatliche Rente betrügt - um das Kind beim Namen zu nennen.
Essen muss man auch als Expat:
Lebensmittelsicherheit in Taiwan (Stand Ende 2014):
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Siehe insb. Punkt 10 der FAQ für eine Auflistung der Skandale.
Besser gleich hier gucken, wie "lecker und gesund" das Taiwanessen ist:
https://taiwanease.com/en/forums/a-history-of-taiwan-s-food-supply-decades-of-poisoning-adulteration-and-fraud-t13203.html
(Wie wäre es mit Reisnudeln vom Farmer-Kollektiv mit 0% Reis und viel Chemie?)
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Donnerstag, Dezember 10, 2015
Dienstag, Mai 05, 2015
Ludigels Rentenüberblick Taiwan (Update Oktober 2019)
Zur Rentenversicherung in Taiwan
(Kleines Update Februar 2019 und 2x Oktober 2019)
Hinweis: Kommentare unten können sich auf ältere Versionen dieses Artikels beziehen!
Bitte beachten Sie das letzte Update vom Oktober 2019 ganz unten!
Natürlich sind IT-Leute wie ich immer jung und werden nie Alteisen. Und das Rentenalter ist ja noch weit weg. Aber schon beim Erhalt des Abizeugnisses hat uns die Schulleitung damals gleich einen Rentenbescheid über die Zeit mitgegeben. Wenn ich jetzt also mal gucke, wie das denn nun mit den Rentenjahren in Taiwan ist, ist das sicher nicht zu früh. Update: Wichtig: Es existiert KEIN Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Taiwan, daher kann man sich nicht an den deutschen Rentenversicherungsträger wenden was Beiträge und Leistungen angeht, sondern Taiwan aka die Republik China ist zuständig.
Immer wieder hört man von der "Labor Law"-Rente als auch der "National Pension"-Rente. Die Labor-Law-Rente ist dabei die Normalrente und Gegenstand dieses Artikels. Die "National Pension" hingegen greift möglicherweise nur für Leute, die keine andere Rente in Taiwan haben - also auch keine Labor Law-Rente, wie sie unten gleich erklärt wird. Eigenartigerweise geht meine Frau trotzdem davon aus beide zu bekommen. Aber da bin ich mir nicht sicher. So wie es auf den englischsprachigen Infoseiten taiwanischer Regierungsinstitutionen steht kann man nur entweder Labor Law-Rente oder National Pension bekommen, nie beides. Die National Pension steht nur für Staatsbürger der R.O.C./Taiwan zur Verfügung und neuerdings (2013) für Ehegatten der selbigen. Stellt aber offenbar in der Praxis nur eine kleine Zusatzabgabe vom Gehalt dar von der man letztendlich nichts hat, wenn man ohnehin die normale "Labor Law"-Rente kriegt.
+++
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+++
Zur Labor Law-Rente:
Zu beachten ist, dass es ein altes und ein neues Labor-Law-Rentensystem gibt. Das alte galt bis 31.12.2004 (theoretisch seit 1953) und war firmengebunden. Das heißt das Modell ging davon aus, dass man sein ganzes Leben beim selben Arbeitgeber arbeitet. Der hatte dann ein Fondskonto bei der Nationalbank für einen aufgemacht und bei Eintritt des Rentenalters hätte man beim Arbeitgeber die Rente beantragt. Eigentümer des Rentenkontos ist der Arbeitgeber gewesen! Auch wenn das System seit 1953 theoretisch existierte (ganz theoretisch aber nicht anwendbar seit 1950) wurde es aber nicht "enforced" wie die Taiwaner auf den englischen Webseiten schreiben. Das heißt es hatte für den Arbeitgeber keine Konsequenzen wenn er die Rentenversicherung ignoriert hat. Und fast jeder Arbeitgeber hat sie ignoriert.
In der Praxis gab es Nutznießer erst ab den 90ern, oft sogar erst 2000er-Jahren. Vorteil des alten Systems der Labor-Law-Rente: Man kann zwischen Einmal- und monatlicher Zahlung wählen.
Phase II der Rentenversicherung kommt dann ab dem 01.01.2005. Wer jetzt neu ins Arbeitsleben eintritt oder den Arbeitgeber wechselt kommt automatisch in das neue System. Das neue System hat jetzt das Arbeitsministerium der R.O.C./Taiwan als Rentenversicherungsträger und wieder gibt es einen Fond für den Arbeitnehmer. Diesmal ist jedoch der Arbeitnehmer der Eigentümer des Fonds, auch wenn er ihn erst mit eingetretenem Rentenalter (oder mit etwas Abschlag 5 Jahre vorher) in Zugriff nehmen kann. Allerdings wurde das Rentensystem immer noch nicht "enforced", so dass wohl wieder nicht alle Arbeitnehmer eine Rentenversicherung in dieser Zeit hatten. Man kennt es ja von älteren Taiwanern, die haben nur dann eine Rente, wenn sie bei Vater Staat gearbeitet haben.
Ansprüche aus Phase I können in das neue System übernommen werden, aber das ist kein Automatismus. Wer die Ansprüche nicht beizeiten überführt hat eine unklare Situation, wie er später mal verfährt, wenn das Unternehmen nicht mehr existiert. Auflösung hier unklar.
Phase III kam dann ab 2009. Jetzt wurde die Rentenversicherung "forciert". Also die Nichtteilnahme durch Unternehmen bestraft. Erst jetzt wurde die Labor-Law-Rente zur Rente für die breite Masse. Jedenfalls für alle, die ordentlich angestellt sind und nicht nur schwarz bei Oma am Nudelstand arbeiten.
Anspruch hat man derzeit noch mit Rentenalter 60 für Herren und 55 für Damen, jedoch steigt das Rentenalter laut den englischsprachigen Infoseiten ab 2019 (dem 10. Jahrestag der "Forcierung" der Rente, manchmal aber auch mit 2018 angegeben) alle zwei Jahre um 1 Jahr an. Leser dieses Blogs, sollten Sie in Taiwan an der Rentenversicherung teilnehmen, werden also wohl erst ab 60/65 (Damen/Herren) auf den Rentenfond Zugriff haben, denn das ist derzeit offenbar das Endalter der erwähnten Steigerung.
UPDATE: Nach dem Besuch bei einer "...Insurance Labor Union", also einer Art Sozialversicherungsnehmer-Gewerkschaft in Taipei (tatsächlich eine private Agentur, keine Gewerkschaft im deutschen Sinn) sieht es so aus, als ob ich (Jahrgang 66, seit 2004 Arbeitnehmer in Taiwan) jedenfalls die Rente schon mit 65 ohne Abzug beantragen könne. Für jedes Jahr der späteren Beantragung sollen 3% Zinsen gezahlt werden. Andere Quellen reden von einer weiteren Steigerung bis 67; ich hoffe derzeit aber auf die 65.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, auf den Rentenfond des neuen Systems zuzugreifen. Natürlich immer durch Antragsstellung beim Rententräger. Und es ist fast sicher davon auszugehen, dass nur auf ein taiwanisches Konto gezahlt wird, obwohl dazu Informationen fehlen.
Fall 1: Man hat weniger als 15 (in der Praxis ist die Grenze offenbar sogar 16) Beitragsjahre. Dann erhält man eine Einmalzahlung wie folgt:
a) Man nehme die 60 gehaltsstärksten Monate und bilde ihren Durchschnitt Dg.
b) Man multipliziere Dg mit den vollen Beitragsjahren, das müsste die Auszahlungssumme sein.
Als obere Berechnungsgrenze findet man zwar auf englischsprachigen Webseiten 150.000 NT für das monatliche Gehalt (darüber wird gekappt für die Rentenformel), aber die Beamten nehmen möglicheweise (lt. Info die meine Frau bekommen hat) den niedrigeren Kappungswert von 43.900 NT für die Formel.
Fall 2: Man hat 15 (lt. chinsischspr. Seiten: 16) Beitragsjahre voll
Dann erhält man eine monatliche Rente. Monatlich Auszahlungssumme ist der größere Wert von den beiden alternativen Formeln:
Dg x Ej x 0.00775 + 3000 NT
Dg x Ej x 0.0155 NT
Kürzel:
Dg: durchschnittlich versichertes Gehalt
Ej: Einzahlungsjahre
NT: New Taiwandollar
Gehälter zählen möglicherweise nur bis zur oben angegeben Obergrenze von offenbar 43.900 NT, darüber Kappung.
Immer wieder hört man, man könne auch bei neuen System zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rente auswählen. Das ist laut der englischen Wiedergabe der Gesetzestexte falsch. Jedenfalls nach diesen englischen Seiten gibt es die monatl. Rente nur, wenn man 15 Jahre eingezahlt hat und die Einmalzahlung nur bei weniger als 15 Jahren. Aber: Die oben erwähnte Insurance Labor Union erklärte, ich würde bei Komplettierung von 15 (offenbar 16) Jahren Beiträgen zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rentenzahlung wählen können. Wieder scheint die Praxis nicht den auf Englisch wiedergegebenen Gesetzestexten zu folgen.
Unklar ist mir noch, wie nicht vollständige Rentenjahre zählen. Ich vermute, dass diese anteilig zählen, bin mir aber nicht sicher. Es wäre ja unfair jemanden, der nur 11 Monate in Taiwan rentenversichert war, wegen des fehlenden Monats seine Rente vorzuenthalten.
Unterschiedliche Rechtslage für in Taiwan verbeamtete Ausländer und normale Angestellte: Wie im Facebookforum "Germans in Taiwan" berichtet wird und wie mir der Betroffene selbst geschrieben hat, ist im Falle einer Public Service Pension (das ist die Rente für beamtete Staatsdiener, über die man wenig auf Englisch findet) einem Antragssteller mit der erforderlichen Anzahl von Jahren für die monatliche Rentenzahlung eben diese verweigert worden mit der Begründung, er habe keine Staatsbürgerschaft der Republik China/Taiwan. Update: Mittlerweile ist durch Auskunftseinholung beim taiwanischen Rentenversicherungsträger klar dass es bei der Public Service Pension eine Sonderregelung für Ausländer gibt. Diese erhalten offenbar nur dann eine monatliche Rente, wenn sie auch Staatsbürger der Republik China sind, ansonsten nur die Einmalzahlung.
UPDATE: Mir hat der Betroffene, ein in Taiwan beamteter Professor an einer taiwanischen Universität selbst seinen Fall erzählt. Achtzehn Jahre Dienst und während es anfangs hieß, die ausländischen Beamten würden wie Taiwaner behandelt heißt es nun, sie bekämen mangels hiesiger Staatsbürgerschaft nur die (recht geringe) Einmalzahlung!
Wichtig für Taiwan vor Erreichen der 16 Jahre Rentenbeiträge verlassende Ausländer:
Man kann -jedenfalls durch Mitgliedschaft bei der o.g. Organisation- weiter in der Krankenversicherung und der Rentenversicherung in Taiwan bleiben und die notwendigen Beiträge aus dem Ausland heraus zahlen!
a) Grundvorraussetzung dafür ist, die ARC zu behalten, wofür man jedes Jahr für ein paar Tage nach Taiwan kommen muss (Achtung: Das geht nicht für APRC-Inhaber, da diese 183 Tage im Jahr in TWN leben müssen!).
b) Parallel kann man auch in der gesetzlichen Krankenversicherung Taiwans, der NHI bleiben und die zugehörige Chipkarte behalten, wenn man weiter die Beiträge zahlt und sich einmal im Jahr in Taiwan bei irgendeinem Arzt für irgendetwas behandeln lässt (!).
c) Auch ohne Job in Taiwan und bei Wohnsitz im Ausland zahlt man dann freiwillig weiter die Rentenversicherungsbeiträge, um die 16 Beitragsjahre (oder mehr) zu komplettieren. Der Rentenanspruch kann dann in meinem Fall sogar noch deutlich gesteigert werden (von etwa 12.000 NT bei 16 Jahren -oder auch nur 10.500- auf 19.000 NT bei Weiterzahlung bis zum Rentenalter).
Meine Mitgliedschaft in der "Sozialversicherungsgewerkschaft" ist bereits akzeptiert worden. Offenbar musste die Org dazu eine Regierungsgenehmigung einholen. Ich werte das als Hinweis, dass ich dereinst wirklich eine monatliche Rentenzahlung bekommen werde.
Soweit mein Scrapbook zur Rentenlage. Wer mehr versteht davon möge in den Kommentaren Berichtigungen schreiben. Link zur Labor Law Rente von Regierungsseite: http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=JpyLhdHXQNs%3D
Werden die Taiwaner nun garantiert zahlen, selbst wenn man bei Renteneintrittsalter schon längere Zeit nicht mehr in Taiwan wohnt? Das weiß ich natürlich auch nicht. Erfahrungsgemäß haben taiwanische Beamte sehr eigene Vorstellungen von der geltenden Rechtslage, die mit dieser längst nicht immer deckungsgleich sind. Es scheint eine Art eingefleischtes Prozedere in jeder Behörde zu geben, nach dem relativ unabhängig von der Rechtslage verfahren wird. Da kennen die Beamten dann kein Verhandeln und bleiben i.d.R. stur dabei. Ein Ausländer, der wie ich dann irgendwann Rente beantragt wird in dieser Hinsicht also Neuland betreten.
Ich denke, wenn man einen Schrieb mit seinem chinesischen Namen hat (etwa die letzte ARC) und idealerweise die Unternehmen mit ihren chinesischen Namen findet - etwa Gehaltszettel aufgehoben hat - wird es wohl kein Problem geben. Desto mehr man dem "Laowai" gleicht, der nach Jahrzehnten ankommt und sagt, ich heiße Hermann Meier und habe mal bei Gobbeltec in Wanli gearbeitet und lebe heute in Oberammergau in Deutschland, desto geringer sind wahrscheinlich die Chancen den Prozess ordentlich abzuschließen. Mit dem chinesischen Namen "He Ping Lee" oder was auch immer in chinesischen Schriftzeichen und dem wahren Namen von Gobbletec (in chinesischen Schriftzeichen: Millionen-Treue-Kunden-Hochtechnologie-Exzellenz-auf -goldener-Wiese-im-Mondschein Ltd.) wird es wohl gehen.
Persönlich bin ich nach dem Besuch der oben erwähnten Rentenagentur etwas optimistischer geworden, dass alles glatt über die Bühne gehen wird dereinst.
Ich selbst als Beispiel: Konkret ist meine Situation die folgende (freilich ohne Gehaltssummen):
2004 habe ich bei einem Unternehmen hier angefangen und bin wohl bis Anfang 2005 geblieben. Für diese Zeit ist in das alte Rentensystem eingezahlt worden. Der Inhalt des resultierenden Rentenfondskonto (bei der Nationalbank) bzw. die gezahlten Beiträge sind mittlerweile bereits in das neue System per Antrag überführt worden.
Als ich dann um 2005 den Arbeitgeber gewechselt habe, bin ich direkt in das neue Rentensystem gewechselt, weil meine Arbeitgeber netterweise von der Rentenversicherung Gebrauch gemacht haben, ob wohl diese vor 2009 nicht zwingend war. Das Unternehmen gibt es heute nicht mehr wirklich, aber das unerheblich, weil meine Beiträge ins neue Rentensystem "gerettet" worden sind.
Mein aktueller sehr großer Arbeitgeber hat dann (Wechsel 2007 denke ich) auch korrekt abgeführt.
Also habe ich im Jahre 2016 die Rentenformel Dg * 12 als Einmalzahlung in NT. Das müsste ich bei Eintritt des (65. oder) 67. Lebensjahres erhalten, wenn ich im Jahre 2016 aufgehört hätte zu arbeiten.
Die kohärenteste Info zur Rentenlage ist wohl der Link der Immigratiosbehörde: http://iff.immigration.gov.tw/ct.asp?xItem=1217233&ctNode=34333&mp=iff_en
Edit: Wissenschaftliches Papier zur Rente in Taiwan der Universität Kent: http://www.kent.ac.uk/scarr/events/beijingpapers/Funew2ppr.pdf
Modellrechnung 1:
Thomas Meier hat vom 01.01.2010 bis zum 01.01.2020 in Taiwan als normaler Angestellter bei einem taiwanischen Unternehmen gearbeitet. Sein Gehalt ist in den Jahren von 80.000 NT auf 120.000 NT monatlich gestiegen. Angerechnet für das Durchschnittgsgehalt werden aber offenbar nur 43.900 NT monatlich, so dass er (wenn er dereinst 65 - oder 67 Jahre?) alt ist, in Taiwan folgende Rente beantragen kann:
10 x 43.900 NT = 439.000 NT als Einmalzahlung.
Entscheidet sich Thomas Meier nun für die Mitgliedschaft in der privaten Sozialversicherungsgewerkschaft dann kann er seine Beiträge freiwillig noch 6 Jahre weiter zahlen (das sind dann offenbar knapp 4400 NT monatlich) und erhält dann mit 65 oder 67eine monatliche Rente von 10.887 NT auf ein taiwanisches Konto.
Lebt er noch 10 Jahre nach Rentenerhalt, sind das immerhin 1.306.440 NT Rente.
Modellrechnung 2:
L. Udigel (Name von der Redaktion geändert) hat von Februar 2004 bis -sagen wir- Juni 2020 in Taiwan gearbeitet. Das macht dann 16 Jahre Beitragszahlung. Schon mit kompensiert sind vielleicht ein paar Monate zwischen den Jobs. Er hätte also auf jeden Fall 15 Jahre Rentenbeiträge voll, um die monatliche Rente zu bekommen.
Sein Gehalt war immer über dem (in Praxi) Kappungsbetrag von mtl. 43.900, damit ergibt sich die folgende Rechnung nach den beiden Formeln oben:
43900 x 16 x 0.00775 + 3000 = 8443.6 NT
43900 x 16 x 0.0155 = 10887.2 NT
(selber Betrag wie oben ;-)
Also würde der gute L. Udigel, wenn er dann im Juni 2020 in seine Heimat Teutschland entschwände, mit 65 (oder 67?) eine monatliche Rente von 10887 NT auf ein taiwanisches Konto erhalten. Nach dem gegenwärtigen Kurs wären das etwa 311 Euro. Da man gegenwärtig nicht per (ohnehin komplett auf Chinesisch vorhandenem) Computerbanking von Taiwan ins Ausland Geld transferieren kann, müsste der Gute dann einen Vertrauensmenschen in Taiwan haben oder alle paar Jahre rüberfahren, um sich nach viel Zungenbrecherei oder mit Dolmetscher das Geld nach Deutschland überweisen zu lassen, was wohl jeweils 100 Euro Gebühren verschlingt. Obige Rechnung geht davon aus, dass er nicht die Rentenbeiträge weiterzahlt.
UPDATE 10/2019: Bin die Tage informiert worden (über einen chinesischsprachigen Brief, den die werte Gattin gelesen hat), dass ich ab sofort meine 15 Beitragsjahre für die monatliche Rente voll habe. Hurra!
UPDATE 10/2019 das Zweite: Nach Kontaktierung des Rentenversicherungsträgers in Taiwan hat meine Frau nochmals bekräftigt, dass ich dereinst, wenn die Rentenzahlung (offenbar mit 65 Lebensjahren) ansteht, zwischen einer Einmalzahlung und einer monatlichen Rentenzahlung wählen kann. Das widerspricht den Informationen auf den englischsprachigen Webseiten, wie sie oben wiedergegeben sind. Denn dort gibt es eine Einmalzahlung (auf niedrigem Niveau) nur, wenn man weniger als 15 Beitragsjahre beisammen hat.
Achtung: Meine Frau sagte, es gäbe 2 Rentenlevel und meine derzeitige Firma hätte die ganzen Jahre auf dem HÖHEREN RENTENLEVEL für mich einbezahlt. Daher würde sich auch eine Einmalzahlung lohnen.
Auf den englischsprachigen taiwanischen Rentenwebseiten fand sich bislang KEINE INFORMATION über ein höheres Rentenlevel und nach den obigen Formeln wäre eine Einmalzahlung (die Pflicht ist bei unter 15 Beitragsjahren) viel zu gering, als dass man sie in Erwägung ziehen sollte. Allenfalls die beiden Kappungsgrenzen, die oben erwähnt sind, von einem anrechenbaren Gehalt von max. 43.900 NT monatlich und dann doch manchmal 150.000 NT, könnten einen zwei verschiedene Level der Rente vermuten lassen. Ich werde da noch mal nachforschen. Aber wenn die englischsprachigen Webseiten der taiwansichen Rente eben unklare oder falsche Informationen geben, wird das natürlich fruchtlos bleiben.
Einstweilen kann man obige Formeln und Erklärungen also zumindest als das MINDESTNIVEAU der Rente in Taiwan nehmen. Ob es wirklich ein höheres gibt, steht noch in den Sternen.
EDIT: Eine neue Webseite (https://www.bli.gov.tw/en/0010366.html) hat viele neue Informationen. Manches davon ist widersprüchlich oder unklar. So ist hier die Rede davon, dass das neue Rentensystem nur Staatsbürger, deren Ehegatten oder PERMANENTE Residente erfassen würde. Das wären schlechte Nachrichten für alle, die einfach nur ein paar Jahre hier gearbeitet hätten ohne Ehe und ohne PARC (Permanente Aufenthaltskarte). Oder was sind die Kriterien für "permantente Residente"? I
Alle, die 15 Beitragsjahre voll haben, können demnach auch zwischen monatlicher und Einmalzahlung der Rente wählen.. Die Formeln für die nichtpermanenten Residenten sind jedenfalls die selben wie oben erwähnt. Allerdings habe ich auf die Schnelle nichts von der Kappungsgrenze gefunden. Na ja, so richtig werde ich es erst wissen, wenn ich es dereinst mit 65 ausprobiere...
(Kleines Update Februar 2019 und 2x Oktober 2019)
Hinweis: Kommentare unten können sich auf ältere Versionen dieses Artikels beziehen!
Bitte beachten Sie das letzte Update vom Oktober 2019 ganz unten!
Natürlich sind IT-Leute wie ich immer jung und werden nie Alteisen. Und das Rentenalter ist ja noch weit weg. Aber schon beim Erhalt des Abizeugnisses hat uns die Schulleitung damals gleich einen Rentenbescheid über die Zeit mitgegeben. Wenn ich jetzt also mal gucke, wie das denn nun mit den Rentenjahren in Taiwan ist, ist das sicher nicht zu früh. Update: Wichtig: Es existiert KEIN Sozialversicherungsabkommen zwischen Deutschland und Taiwan, daher kann man sich nicht an den deutschen Rentenversicherungsträger wenden was Beiträge und Leistungen angeht, sondern Taiwan aka die Republik China ist zuständig.
Immer wieder hört man von der "Labor Law"-Rente als auch der "National Pension"-Rente. Die Labor-Law-Rente ist dabei die Normalrente und Gegenstand dieses Artikels. Die "National Pension" hingegen greift möglicherweise nur für Leute, die keine andere Rente in Taiwan haben - also auch keine Labor Law-Rente, wie sie unten gleich erklärt wird. Eigenartigerweise geht meine Frau trotzdem davon aus beide zu bekommen. Aber da bin ich mir nicht sicher. So wie es auf den englischsprachigen Infoseiten taiwanischer Regierungsinstitutionen steht kann man nur entweder Labor Law-Rente oder National Pension bekommen, nie beides. Die National Pension steht nur für Staatsbürger der R.O.C./Taiwan zur Verfügung und neuerdings (2013) für Ehegatten der selbigen. Stellt aber offenbar in der Praxis nur eine kleine Zusatzabgabe vom Gehalt dar von der man letztendlich nichts hat, wenn man ohnehin die normale "Labor Law"-Rente kriegt.
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Zur Labor Law-Rente:
Zu beachten ist, dass es ein altes und ein neues Labor-Law-Rentensystem gibt. Das alte galt bis 31.12.2004 (theoretisch seit 1953) und war firmengebunden. Das heißt das Modell ging davon aus, dass man sein ganzes Leben beim selben Arbeitgeber arbeitet. Der hatte dann ein Fondskonto bei der Nationalbank für einen aufgemacht und bei Eintritt des Rentenalters hätte man beim Arbeitgeber die Rente beantragt. Eigentümer des Rentenkontos ist der Arbeitgeber gewesen! Auch wenn das System seit 1953 theoretisch existierte (ganz theoretisch aber nicht anwendbar seit 1950) wurde es aber nicht "enforced" wie die Taiwaner auf den englischen Webseiten schreiben. Das heißt es hatte für den Arbeitgeber keine Konsequenzen wenn er die Rentenversicherung ignoriert hat. Und fast jeder Arbeitgeber hat sie ignoriert.
In der Praxis gab es Nutznießer erst ab den 90ern, oft sogar erst 2000er-Jahren. Vorteil des alten Systems der Labor-Law-Rente: Man kann zwischen Einmal- und monatlicher Zahlung wählen.
Phase II der Rentenversicherung kommt dann ab dem 01.01.2005. Wer jetzt neu ins Arbeitsleben eintritt oder den Arbeitgeber wechselt kommt automatisch in das neue System. Das neue System hat jetzt das Arbeitsministerium der R.O.C./Taiwan als Rentenversicherungsträger und wieder gibt es einen Fond für den Arbeitnehmer. Diesmal ist jedoch der Arbeitnehmer der Eigentümer des Fonds, auch wenn er ihn erst mit eingetretenem Rentenalter (oder mit etwas Abschlag 5 Jahre vorher) in Zugriff nehmen kann. Allerdings wurde das Rentensystem immer noch nicht "enforced", so dass wohl wieder nicht alle Arbeitnehmer eine Rentenversicherung in dieser Zeit hatten. Man kennt es ja von älteren Taiwanern, die haben nur dann eine Rente, wenn sie bei Vater Staat gearbeitet haben.
Ansprüche aus Phase I können in das neue System übernommen werden, aber das ist kein Automatismus. Wer die Ansprüche nicht beizeiten überführt hat eine unklare Situation, wie er später mal verfährt, wenn das Unternehmen nicht mehr existiert. Auflösung hier unklar.
Phase III kam dann ab 2009. Jetzt wurde die Rentenversicherung "forciert". Also die Nichtteilnahme durch Unternehmen bestraft. Erst jetzt wurde die Labor-Law-Rente zur Rente für die breite Masse. Jedenfalls für alle, die ordentlich angestellt sind und nicht nur schwarz bei Oma am Nudelstand arbeiten.
Anspruch hat man derzeit noch mit Rentenalter 60 für Herren und 55 für Damen, jedoch steigt das Rentenalter laut den englischsprachigen Infoseiten ab 2019 (dem 10. Jahrestag der "Forcierung" der Rente, manchmal aber auch mit 2018 angegeben) alle zwei Jahre um 1 Jahr an. Leser dieses Blogs, sollten Sie in Taiwan an der Rentenversicherung teilnehmen, werden also wohl erst ab 60/65 (Damen/Herren) auf den Rentenfond Zugriff haben, denn das ist derzeit offenbar das Endalter der erwähnten Steigerung.
UPDATE: Nach dem Besuch bei einer "...Insurance Labor Union", also einer Art Sozialversicherungsnehmer-Gewerkschaft in Taipei (tatsächlich eine private Agentur, keine Gewerkschaft im deutschen Sinn) sieht es so aus, als ob ich (Jahrgang 66, seit 2004 Arbeitnehmer in Taiwan) jedenfalls die Rente schon mit 65 ohne Abzug beantragen könne. Für jedes Jahr der späteren Beantragung sollen 3% Zinsen gezahlt werden. Andere Quellen reden von einer weiteren Steigerung bis 67; ich hoffe derzeit aber auf die 65.
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten, auf den Rentenfond des neuen Systems zuzugreifen. Natürlich immer durch Antragsstellung beim Rententräger. Und es ist fast sicher davon auszugehen, dass nur auf ein taiwanisches Konto gezahlt wird, obwohl dazu Informationen fehlen.
Fall 1: Man hat weniger als 15 (in der Praxis ist die Grenze offenbar sogar 16) Beitragsjahre. Dann erhält man eine Einmalzahlung wie folgt:
a) Man nehme die 60 gehaltsstärksten Monate und bilde ihren Durchschnitt Dg.
b) Man multipliziere Dg mit den vollen Beitragsjahren, das müsste die Auszahlungssumme sein.
Als obere Berechnungsgrenze findet man zwar auf englischsprachigen Webseiten 150.000 NT für das monatliche Gehalt (darüber wird gekappt für die Rentenformel), aber die Beamten nehmen möglicheweise (lt. Info die meine Frau bekommen hat) den niedrigeren Kappungswert von 43.900 NT für die Formel.
Fall 2: Man hat 15 (lt. chinsischspr. Seiten: 16) Beitragsjahre voll
Dann erhält man eine monatliche Rente. Monatlich Auszahlungssumme ist der größere Wert von den beiden alternativen Formeln:
Dg x Ej x 0.00775 + 3000 NT
Dg x Ej x 0.0155 NT
Kürzel:
Dg: durchschnittlich versichertes Gehalt
Ej: Einzahlungsjahre
NT: New Taiwandollar
Gehälter zählen möglicherweise nur bis zur oben angegeben Obergrenze von offenbar 43.900 NT, darüber Kappung.
Immer wieder hört man, man könne auch bei neuen System zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rente auswählen. Das ist laut der englischen Wiedergabe der Gesetzestexte falsch. Jedenfalls nach diesen englischen Seiten gibt es die monatl. Rente nur, wenn man 15 Jahre eingezahlt hat und die Einmalzahlung nur bei weniger als 15 Jahren. Aber: Die oben erwähnte Insurance Labor Union erklärte, ich würde bei Komplettierung von 15 (offenbar 16) Jahren Beiträgen zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rentenzahlung wählen können. Wieder scheint die Praxis nicht den auf Englisch wiedergegebenen Gesetzestexten zu folgen.
Unklar ist mir noch, wie nicht vollständige Rentenjahre zählen. Ich vermute, dass diese anteilig zählen, bin mir aber nicht sicher. Es wäre ja unfair jemanden, der nur 11 Monate in Taiwan rentenversichert war, wegen des fehlenden Monats seine Rente vorzuenthalten.
Unterschiedliche Rechtslage für in Taiwan verbeamtete Ausländer und normale Angestellte: Wie im Facebookforum "Germans in Taiwan" berichtet wird und wie mir der Betroffene selbst geschrieben hat, ist im Falle einer Public Service Pension (das ist die Rente für beamtete Staatsdiener, über die man wenig auf Englisch findet) einem Antragssteller mit der erforderlichen Anzahl von Jahren für die monatliche Rentenzahlung eben diese verweigert worden mit der Begründung, er habe keine Staatsbürgerschaft der Republik China/Taiwan. Update: Mittlerweile ist durch Auskunftseinholung beim taiwanischen Rentenversicherungsträger klar dass es bei der Public Service Pension eine Sonderregelung für Ausländer gibt. Diese erhalten offenbar nur dann eine monatliche Rente, wenn sie auch Staatsbürger der Republik China sind, ansonsten nur die Einmalzahlung.
UPDATE: Mir hat der Betroffene, ein in Taiwan beamteter Professor an einer taiwanischen Universität selbst seinen Fall erzählt. Achtzehn Jahre Dienst und während es anfangs hieß, die ausländischen Beamten würden wie Taiwaner behandelt heißt es nun, sie bekämen mangels hiesiger Staatsbürgerschaft nur die (recht geringe) Einmalzahlung!
Wichtig für Taiwan vor Erreichen der 16 Jahre Rentenbeiträge verlassende Ausländer:
Man kann -jedenfalls durch Mitgliedschaft bei der o.g. Organisation- weiter in der Krankenversicherung und der Rentenversicherung in Taiwan bleiben und die notwendigen Beiträge aus dem Ausland heraus zahlen!
a) Grundvorraussetzung dafür ist, die ARC zu behalten, wofür man jedes Jahr für ein paar Tage nach Taiwan kommen muss (Achtung: Das geht nicht für APRC-Inhaber, da diese 183 Tage im Jahr in TWN leben müssen!).
b) Parallel kann man auch in der gesetzlichen Krankenversicherung Taiwans, der NHI bleiben und die zugehörige Chipkarte behalten, wenn man weiter die Beiträge zahlt und sich einmal im Jahr in Taiwan bei irgendeinem Arzt für irgendetwas behandeln lässt (!).
c) Auch ohne Job in Taiwan und bei Wohnsitz im Ausland zahlt man dann freiwillig weiter die Rentenversicherungsbeiträge, um die 16 Beitragsjahre (oder mehr) zu komplettieren. Der Rentenanspruch kann dann in meinem Fall sogar noch deutlich gesteigert werden (von etwa 12.000 NT bei 16 Jahren -oder auch nur 10.500- auf 19.000 NT bei Weiterzahlung bis zum Rentenalter).
Meine Mitgliedschaft in der "Sozialversicherungsgewerkschaft" ist bereits akzeptiert worden. Offenbar musste die Org dazu eine Regierungsgenehmigung einholen. Ich werte das als Hinweis, dass ich dereinst wirklich eine monatliche Rentenzahlung bekommen werde.
Soweit mein Scrapbook zur Rentenlage. Wer mehr versteht davon möge in den Kommentaren Berichtigungen schreiben. Link zur Labor Law Rente von Regierungsseite: http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=JpyLhdHXQNs%3D
Werden die Taiwaner nun garantiert zahlen, selbst wenn man bei Renteneintrittsalter schon längere Zeit nicht mehr in Taiwan wohnt? Das weiß ich natürlich auch nicht. Erfahrungsgemäß haben taiwanische Beamte sehr eigene Vorstellungen von der geltenden Rechtslage, die mit dieser längst nicht immer deckungsgleich sind. Es scheint eine Art eingefleischtes Prozedere in jeder Behörde zu geben, nach dem relativ unabhängig von der Rechtslage verfahren wird. Da kennen die Beamten dann kein Verhandeln und bleiben i.d.R. stur dabei. Ein Ausländer, der wie ich dann irgendwann Rente beantragt wird in dieser Hinsicht also Neuland betreten.
Ich denke, wenn man einen Schrieb mit seinem chinesischen Namen hat (etwa die letzte ARC) und idealerweise die Unternehmen mit ihren chinesischen Namen findet - etwa Gehaltszettel aufgehoben hat - wird es wohl kein Problem geben. Desto mehr man dem "Laowai" gleicht, der nach Jahrzehnten ankommt und sagt, ich heiße Hermann Meier und habe mal bei Gobbeltec in Wanli gearbeitet und lebe heute in Oberammergau in Deutschland, desto geringer sind wahrscheinlich die Chancen den Prozess ordentlich abzuschließen. Mit dem chinesischen Namen "He Ping Lee" oder was auch immer in chinesischen Schriftzeichen und dem wahren Namen von Gobbletec (in chinesischen Schriftzeichen: Millionen-Treue-Kunden-Hochtechnologie-Exzellenz-auf -goldener-Wiese-im-Mondschein Ltd.) wird es wohl gehen.
Persönlich bin ich nach dem Besuch der oben erwähnten Rentenagentur etwas optimistischer geworden, dass alles glatt über die Bühne gehen wird dereinst.
Ich selbst als Beispiel: Konkret ist meine Situation die folgende (freilich ohne Gehaltssummen):
2004 habe ich bei einem Unternehmen hier angefangen und bin wohl bis Anfang 2005 geblieben. Für diese Zeit ist in das alte Rentensystem eingezahlt worden. Der Inhalt des resultierenden Rentenfondskonto (bei der Nationalbank) bzw. die gezahlten Beiträge sind mittlerweile bereits in das neue System per Antrag überführt worden.
Als ich dann um 2005 den Arbeitgeber gewechselt habe, bin ich direkt in das neue Rentensystem gewechselt, weil meine Arbeitgeber netterweise von der Rentenversicherung Gebrauch gemacht haben, ob wohl diese vor 2009 nicht zwingend war. Das Unternehmen gibt es heute nicht mehr wirklich, aber das unerheblich, weil meine Beiträge ins neue Rentensystem "gerettet" worden sind.
Mein aktueller sehr großer Arbeitgeber hat dann (Wechsel 2007 denke ich) auch korrekt abgeführt.
Also habe ich im Jahre 2016 die Rentenformel Dg * 12 als Einmalzahlung in NT. Das müsste ich bei Eintritt des (65. oder) 67. Lebensjahres erhalten, wenn ich im Jahre 2016 aufgehört hätte zu arbeiten.
Die kohärenteste Info zur Rentenlage ist wohl der Link der Immigratiosbehörde: http://iff.immigration.gov.tw/ct.asp?xItem=1217233&ctNode=34333&mp=iff_en
Edit: Wissenschaftliches Papier zur Rente in Taiwan der Universität Kent: http://www.kent.ac.uk/scarr/events/beijingpapers/Funew2ppr.pdf
Modellrechnung 1:
Thomas Meier hat vom 01.01.2010 bis zum 01.01.2020 in Taiwan als normaler Angestellter bei einem taiwanischen Unternehmen gearbeitet. Sein Gehalt ist in den Jahren von 80.000 NT auf 120.000 NT monatlich gestiegen. Angerechnet für das Durchschnittgsgehalt werden aber offenbar nur 43.900 NT monatlich, so dass er (wenn er dereinst 65 - oder 67 Jahre?) alt ist, in Taiwan folgende Rente beantragen kann:
10 x 43.900 NT = 439.000 NT als Einmalzahlung.
Entscheidet sich Thomas Meier nun für die Mitgliedschaft in der privaten Sozialversicherungsgewerkschaft dann kann er seine Beiträge freiwillig noch 6 Jahre weiter zahlen (das sind dann offenbar knapp 4400 NT monatlich) und erhält dann mit 65 oder 67eine monatliche Rente von 10.887 NT auf ein taiwanisches Konto.
Lebt er noch 10 Jahre nach Rentenerhalt, sind das immerhin 1.306.440 NT Rente.
Modellrechnung 2:
L. Udigel (Name von der Redaktion geändert) hat von Februar 2004 bis -sagen wir- Juni 2020 in Taiwan gearbeitet. Das macht dann 16 Jahre Beitragszahlung. Schon mit kompensiert sind vielleicht ein paar Monate zwischen den Jobs. Er hätte also auf jeden Fall 15 Jahre Rentenbeiträge voll, um die monatliche Rente zu bekommen.
Sein Gehalt war immer über dem (in Praxi) Kappungsbetrag von mtl. 43.900, damit ergibt sich die folgende Rechnung nach den beiden Formeln oben:
43900 x 16 x 0.00775 + 3000 = 8443.6 NT
43900 x 16 x 0.0155 = 10887.2 NT
(selber Betrag wie oben ;-)
Also würde der gute L. Udigel, wenn er dann im Juni 2020 in seine Heimat Teutschland entschwände, mit 65 (oder 67?) eine monatliche Rente von 10887 NT auf ein taiwanisches Konto erhalten. Nach dem gegenwärtigen Kurs wären das etwa 311 Euro. Da man gegenwärtig nicht per (ohnehin komplett auf Chinesisch vorhandenem) Computerbanking von Taiwan ins Ausland Geld transferieren kann, müsste der Gute dann einen Vertrauensmenschen in Taiwan haben oder alle paar Jahre rüberfahren, um sich nach viel Zungenbrecherei oder mit Dolmetscher das Geld nach Deutschland überweisen zu lassen, was wohl jeweils 100 Euro Gebühren verschlingt. Obige Rechnung geht davon aus, dass er nicht die Rentenbeiträge weiterzahlt.
UPDATE 10/2019: Bin die Tage informiert worden (über einen chinesischsprachigen Brief, den die werte Gattin gelesen hat), dass ich ab sofort meine 15 Beitragsjahre für die monatliche Rente voll habe. Hurra!
UPDATE 10/2019 das Zweite: Nach Kontaktierung des Rentenversicherungsträgers in Taiwan hat meine Frau nochmals bekräftigt, dass ich dereinst, wenn die Rentenzahlung (offenbar mit 65 Lebensjahren) ansteht, zwischen einer Einmalzahlung und einer monatlichen Rentenzahlung wählen kann. Das widerspricht den Informationen auf den englischsprachigen Webseiten, wie sie oben wiedergegeben sind. Denn dort gibt es eine Einmalzahlung (auf niedrigem Niveau) nur, wenn man weniger als 15 Beitragsjahre beisammen hat.
Achtung: Meine Frau sagte, es gäbe 2 Rentenlevel und meine derzeitige Firma hätte die ganzen Jahre auf dem HÖHEREN RENTENLEVEL für mich einbezahlt. Daher würde sich auch eine Einmalzahlung lohnen.
Auf den englischsprachigen taiwanischen Rentenwebseiten fand sich bislang KEINE INFORMATION über ein höheres Rentenlevel und nach den obigen Formeln wäre eine Einmalzahlung (die Pflicht ist bei unter 15 Beitragsjahren) viel zu gering, als dass man sie in Erwägung ziehen sollte. Allenfalls die beiden Kappungsgrenzen, die oben erwähnt sind, von einem anrechenbaren Gehalt von max. 43.900 NT monatlich und dann doch manchmal 150.000 NT, könnten einen zwei verschiedene Level der Rente vermuten lassen. Ich werde da noch mal nachforschen. Aber wenn die englischsprachigen Webseiten der taiwansichen Rente eben unklare oder falsche Informationen geben, wird das natürlich fruchtlos bleiben.
Einstweilen kann man obige Formeln und Erklärungen also zumindest als das MINDESTNIVEAU der Rente in Taiwan nehmen. Ob es wirklich ein höheres gibt, steht noch in den Sternen.
EDIT: Eine neue Webseite (https://www.bli.gov.tw/en/0010366.html) hat viele neue Informationen. Manches davon ist widersprüchlich oder unklar. So ist hier die Rede davon, dass das neue Rentensystem nur Staatsbürger, deren Ehegatten oder PERMANENTE Residente erfassen würde. Das wären schlechte Nachrichten für alle, die einfach nur ein paar Jahre hier gearbeitet hätten ohne Ehe und ohne PARC (Permanente Aufenthaltskarte). Oder was sind die Kriterien für "permantente Residente"? I
Alle, die 15 Beitragsjahre voll haben, können demnach auch zwischen monatlicher und Einmalzahlung der Rente wählen.. Die Formeln für die nichtpermanenten Residenten sind jedenfalls die selben wie oben erwähnt. Allerdings habe ich auf die Schnelle nichts von der Kappungsgrenze gefunden. Na ja, so richtig werde ich es erst wissen, wenn ich es dereinst mit 65 ausprobiere...
Freitag, April 24, 2015
Taiwan interessant für ausländische Experten?
Immer wieder wird erwähnt, Taiwan wolle vielleicht in Zukunft ausländische Experten anwerben wie Singapur oder dergleichen und sein Immagrationsrecht ändern. Diese Geisterdiskussionen versickern immer schnell wieder und langjährige Expats äußern sich fast immer kritisch. Was hat es also damit auf sich?
ACHTUNG: Linksammlung zur Arbeitswelt in Taiwan am Ende!
Wenn man ins Ausländerforum guckt wie Forumosa.com, dann werden solche Pläne Taiwans, ggf. in Zukunft gezielt ausländische Experten anwerben zu wollen, meist sehr kritisch kommentiert. Auch bei Facebook in entsprechenden Expatgruppen. Argumente sind meist
(a) Politiker reden immer nur drüber und machen eh nix,
(b) Gehaltsniveau zu niedrig,
(c) toxisches Arbeitsumfeld i.S.v. "unangenehm/mit großem Konfliktpotential für den Ausländer" und
(d) "Karrieregrab"
Das klingt alles nicht sehr ermutigend. Ich möchte das einmal mit meinen persönlichen Erfahrungen in drei taiwanischen Unternehmen vergleichen und dann eine Einschätzung gemäß (b) bis (d) für diese Unternehmen vornehmen. Die Namen der Unternehmen werden nicht genannt und einzelne Geschäftsvorfälle nur unscharf wiedergegeben, wenn sie längst im Nebel der Geschichte versunken sind.
Die Namen der Unternehmen sind geändert.
I. Unternehmen OKAYO.
Meine Tätigkeit etwa: 2004-2006
Noch heute existent (stark geschrumpft)
Etwa 50 Mitarbeiter. Geführt von Ehepaar, wo sie das "Business" machte und er die Entwicklung.
Produkte: USB-Kabel und dergleichen (auslaufend), USB-Festplattengehäuse, teilweise mit Hardwareverschlüsselung. Produkte heute ähnlich im SATA und RAID-Bereich, also immer noch Festplattensysteme
Im Jahre 2004 musste ein Job schnell her. Meine Frau brach die Zelte in Deutschland ab, als mein "Dot-Com-Bubble" - Arbeitgeber dort, der schöne kryptographische Sofware gemacht hatte, in die Insolvenz ging. Da musste es Taiwan sein und weil mein Arbeitgeber die letzten Monate das Gehalt nicht mehr gezahlt hatte, war mein Konto leer und ich nahm die erste Zusage an, auch wenn ich nur die Hälfte meines letzten Softwareentwickler- plus Produktmanager - Gehalts bekam - als Produktmanager.
Arbeitsstil im Unternehmen: Sehr herrischer Führungsstil durch die Chefin, die viel im Unternehmen herum schrie. Mitarbeiter rannten mit devot gesenkten Köpfen hinter ihr her. Totales Mikromanagement durch eine freilich sehr fähige Chefin, die aber eben jedem Mitarbeiter oft einzelne Arbeitsschritte abnahm. Eigener geistiger Input wurde in der Regel aus Zeitgründen nicht beachtet oder grundsätzlich verworfen. Chefin war immer und überall und behandelte ihre Businesssektor-Mitarbeiter eher wie Drohnen. Dieser Micromanagement genannte Führungsstil soll in kleineren taiwanischen Unternehmen üblich sein, wie man hört.
Business-Model des Unternehmens: Sich knapp hinter einem großen Technologieführer positionieren (i.d.R. US-Unternehmen oder auch japanisches mit Ingenieurbüro anderswo in Taiwan und Produktion in China) und dessen NEUE Produkte nachmachen und eine verbesserte Version dieser Produkte zusätzlich anbieten. Die Grundversion i.d.R. zum günstigeren Preis. Solange von den ANFANGS noch recht hohen Deckungsbeiträgen profitieren, wie das Produkt neu ist. Später kommen tausend Me-Too-Unternehmen dazu und die Preise fallen dramatisch. Dann musste OKAYO schon wieder auf das nächste neue Produkt umgesattelt haben.
Meine Erfahrungen: Schnell zeichneten sich durch generelle Marktflaute finanzielle Probleme des Unternehmens und Personalreduzierung ab. Das letzte Produkt der Chefin, das während meines Daseins entstand, war eine Kopie einer kleinen USB-Festplatte mit 1GB oder 2GB Speicher, damals sehr viel! Der Straßenpreis des japanisches "Orginalprodukts" lag bei 100 Euro (damals okay). Wir hatten ein ähnliches Produkt auch für 100 Euro und die hardwareverschlüsselte Upgradeversion für einen höheren Preis. Das ging so nicht, weil man immer günstiger sein musste als das Vorbild mit großem Markennamen. Ich wies die Chefin darauf hin, die den Einwand wegwischte und auf dem zu hohen Straßenpreis bestand. Alsbald zeichnete sich eine de-facto-Pleite ab. Allerdings gehen taiwanische Unternehmen meist nicht pleite sondern können ohne große Kosten Personal freistellen und dann mit 5 Leuten weiter machen. In der Schrumpfphase wurde ich als Vertriebshoffnung gesehen - das passiert Ausländern fast immer in Taiwanunternehmen - und ich sollte eine deutsche Zweigstelle eröffnen. Freilich war mein Budget dazu etwa 0 Euro. Oder genau 0 Taiwandollar.
Mit Risikofreude und praller privater Kriegskasse hätte ich mich hier als deutsche Zweigstelle aufstellen können. Ob das ein empfehlenswertes Investment war wage ich jedoch zu bezweifeln. Meine eisernen Reserven wollte ich nicht in das Unternehmen investieren.
In dieser Phase waren die montäglichen Businessmeetings längst zu einseitigen Schreiorgien geworden und ich kündigte, in dem ich sehr taiwanuntypisch der Chefin eine ruhig und genüsslich vorgetragene Retourkutsche gab, als sie wieder mal loslegte und ich an der Reihe war. Gleich nach dem Meeting bat sie mich höflich zum Personalgespräch und ich präsentierte ihr das vorbereitete Kündigungsschreiben, das ich schon dabei hatte seit Tagen und sagte ihr taiwantypisch, ich müsse mich "um meine Familie kümmern", was man immer in Taiwan sagt wenn man kündigt. Wir trennten und freundschaftlich.
Unternehmen heute: Vor einem Jahr sollten es noch 2 Frauen und 3 Männer gewesen sein oder dergleichen. Deutsche Zweigstelle wieder verschwunden. Ich wünsche dem Unternehmen alles Gute, denn sie haben sich ein hartes Geschäftsmodell ausgesucht und da ist sicher nicht viel Raum für Freundlichkeit.
Kriterien:
(b), zu wenig Geld: ja
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld: ja: Schreiorgien und lustigerweise einmal sogar war es buchstäblich toxisch, als auf dem Flur mit Außenholzlack im Innenbereich renoviert wurde und die meisten Angestellten ohnmächtig auf den Schreibtischen schliefen. Auch eine Hochschwangere.
(d), Karrieregrab: jein: Kleine Unternehmen haben nun mal wenig Aufstiegschancen. Mit praller privater Kriegskasse und unternehmerischer Vision hätte man es zum "Mr.Germany" des Unternehmens in Deutschland (natürlich Düsseldorf) bringen können.
Anekdote: Steve, der jesusmäßig aussehende coole US-Editor, schreibt meine Texte um, indem er zwei völlig inkompatible Satzhälften locker aneinander klebt.
II. Unternehmen PROTEC
Tochterunternehmen eines anderen asiat. Unternehmens
Meine Tätigkeit etwa: 2006-2007
Heute offenbar nicht mehr existent oder in-name-only unter dem Mutterunternehmen
Etwa 50 Mitarbeiter. Geführt von "President".
Produkte: Früher Notebookgehäuse, zu meiner Zeit Tablett-PCs - wohlgemerkt zu Zeiten VOR dem iPad von Apple.
Ich wechselte von OKAYO nach PROTEC wieder ins PM. Hier war ich Produktmanager für ein tolles Produkt. Einen wasserdichten Tablett-PC fürs Gesundheitswesen, der ein veritables drahtloses Stethoskop eingebaut hatte. Tolles Ding.
Arbeitsstil im Unternehmen: Große Wichtigkeit von Beziehungsnetzen, nicht ganz untypisch für taiwanische Unternehmen. Entscheidungen konnten um so besser durchgesetzt werden, wenn man als Hardwareentwickler einen guten Draht zum Entwicklungschef hatte oder als Businessmensch zum "President". Ansonsten war der Input eigentlich sehr gering, selbst wenn er fachlich korrekt war. Mein direkter Chef, der PM-Leiter, schien abgestumpft und sagte oft "entscheidet der President, kann man nix machen wenn man nicht sein Freund ist", egal worum es auch ging. Ich musste mich an Rülpskonzerte im Großraumbüro gewöhnen (bin nur einmal im Cubical aufgestanden und habe sie dirigiert) und an das Umherfliegen der Fußnägel meines Chefs (auch so ein Taiwanding die im Cubical zu schneiden). Großzügiger Freizeitausgleich für Überstunden, sehr taiwanuntypisch. Der oft dazu führte, dass die Entwickler (die offenbar in Zeitlupe arbeiteten) nicht da waren, wenn Ingenieure des US-Kunden im Büro standen und die Technik besprechen wollten. Qualifizierte Leute, aber Ingenieure nach Gutsherrenart arbeitend und diffuse Entscheidungswege würde ich als Zusammenfassung geben. Sonst ein sehr netter Umgangston.
Business-Model des Unternehmens: Tablett-PCs für Industriekunden (Lager, Gesundheitswesen) und nach meinem Kommen der Versuch, im Rahmen der "Slate-PC"-Initiative von Bill Gates/Microsoft diese auch Privatkunden aufs Auge zu drücken. Der Slate-PC oder unser kleinerer UMPC war damals ein kompakter, dicker Windows-XP Tablettcomputer mit recht kurzer Batterielebensdauer, aber sonst nett gemacht. "Brick" nannten wir ihn auch umgangssprachlich, weil er so dick war. Leider wurde er auch noch etwas heiß, aber das war damals pre-iPad Stand der Technik. Als ich das Gerät auf der Cebit präsentierte merkte ich, wie wenig Traktion so ein Gerät bei Privatkunden fand. Da musste erst das billigere iPad ohne Hitze, mit mehr Batteriepower und besserer Oberfläche her, aber das war nach meiner PROTEC-Zeit.
Bill-Gates ließ selbst ins Unternehmen vorfühlen und seinen Slate-PC / UMPC dort propagandieren, so dass die Firma sehr optimistisch war, den UMPC bald in riesigen Stückzahlen auch in Deutschland absetzen zu können.
Meine Erfahrungen: Ich führte Erfolgreich mein Healthcare-Tablett-Projekt für einen riesigen US-Kunden durch. Danach sollte ich zum DACH-Vertriebler werden, also Vertriebler für D, Austria und CH. Dabei wurde mir kommuniziert, man würde sehr hohe Absatzzahlen von mir erwarten, weil schließlich Bill Gates persönlich den UMPC pushen würde. Allerdings hatte mein Vorgänger, der Busenfreund des President, genau 0 Stück der UMPC in der Startphase abgesetzt. Meine u.a. Gardner-Marktforschung-gestützte Analyse zeigte den UMPC als Early-Adopter oder eher sogar als vorgelagertes Tech-Enthusiastenprodukt und ich wusste, dass nur wenig Stückzahl damit zu machen sei. Der Tablett-PC wird kommen, sagten Gardner und ich. Aber erst wenn Batterielebensdauer rauf und Preis und Hitze runter gehen würden. Trotzdem fand ich mich eines Morgens als DACH-Vertiebler wieder und mein erfolgloser Vorgänger hatte meinen Job bekommen, weil er Freund vom Chef war und mein Produkt so schön auf die Zielgrade zu lief. Nie werde ich meinen letzten Con-Call mit dem konservativen US-Kunden vergessen, den der neue Projektleiter mit einem zotigen Witz einleitete. "Können wir dir was mitbringen aus Taiwan wenn wir euch mal besuchen?", fragte mein Nachfolger. "Frauen vielleicht oder Kekse?". Man konnte das entsetzte Einatmen des Kunden deutlich hören. Es war Zeit zu gehen im Unternehmen, denn ich bin kein Vertriebler und meine eigene Analyse zeigte ja, dass die überzogenen Erwartungen an das neue Nr.1 - Produkt nicht erfüllt werden konnten. Und die Auslegung der Produktion auf das Gerät sogar das Unternehmen gefährdete.
Zusammenfassung: Bill Gates ist Schuld ;-)
Unternehmen heute: Nicht mehr wirklich vorhanden. iPad-ähnlich aussehende Nachfolgemodelle mit WinXP und Win7 waren nicht durchsetzbar am Markt. Bis Android ist das Unternehmen wohl nicht gekommen, wohl auch weil taiwanische Denkweise sehr Windows-lastig ist.
Kriterien:
(b), zu wenig Geld: mehr als bei OKAYO aber für "ausländische Experten" ein bisserl wenig
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld: nicht wirklich, aber Frustationspotential durch Entscheidungswege und Arbeitsstil nach Gutsherrenart / Freundschaftszirkeln
(d), Karrieregrab:Aufstiegschancen nur durch Freundschaft mit den richtigen Leuten. Wie fast immer die Gefahr, als Ausländer eher projektbezogen (vgl. Ende meiner PM-Tätigkeit als das Projekt erfolgreich auslief) gesehen zu werden oder als Vertriebler und nicht als normaler Dauermitarbeiter.
Anekdote: Oscar, der langhaarige Firmen-Tausendsassa, der immer den Frauen auf die Damentoilette nachstieg, fragte meine Frau wie der Sex mit einem Ausländer sei.
III. Unternehmen BIGONE*
Einer der größten taiwanischen Computerhardware-Hersteller
Meine Tätigkeit: 2007 bis heute
Um die 2000 Mitarbeiter
Produkte: Server, PCs, Notebooks, Tablett-PCs für Spezialanwendungen, Unterhaltungselektronik, PC-Zubehör wie Grafikkarten
Durch persönlichen Kontakt wechselte ich diesmal mit Frau zu BIGONE, wo wir beide ins Team der Bekannten meiner Frau als "Feuerwehr" geholt worden. Das war das Server-Supportteam. Ein junger Kollege hatte unzählige Supportfälle des großen US-Kunden einfach unterschlagen und hier musste man schnell aufräumen, das undokumentierte Chaos organisieren und dem Kunden zeigen, dass jetzt kompetent und ernsthaft an seinen (industriellen) Supportfällen gearbeitet wurde. Hier ging es nicht um Endkunden- sondern Großkundensupport. Das gelang uns auch.
Später übernahm ich die Linux-Entwicklung im Server-Supportbereich und leite seither ein entsprechendes Team, das Test-Software (auch Hardware-Testsuites) schreibt oder eine Art eigener Distro mache, die z.B. auf embeddes-Linux - Geräten zum Einsatz kommt.
Arbeitsstil im Unternehmen: Supportteam und auch das angeschlossene Testteam hatten sicher Optimierungspotential, das zu schaffen wir ja auch eingestellt worden waren. Frau und ich reoganisierten das Team und Frau übernahm den Vorsitz. Ich selbst sorgte für eine Verbreitung des Linux-Wissens, das für den Serverbereich unabdingbar war und leider vorher nur rudimentär und fast messiashaft von einigen wenigen Mitarbeitern verwaltet wurde, die nur nach viel Bitten in Zeitlupe ihr Wissen anwandten. Ich entdeckte große Ähnlichkeiten zur Arbeitsweise bei PROTEC. Heute hingegen ist das Team effizient, schnell und leistungsfähig und Wissen ist weit verteilt.
Früher war es üblich, dass einzelne Mitarbeiterleistungen kaum beachtet wurden und nur der Teamleiter gelobt wurde. Das lassen wir in unserem Team nicht zu und honorieren stattdessen (vielleicht taiwanuntypisch) auch Einzelleistungen.
Chefs jedenfalls sind absolute Respektspersonen, den man nie widersprechen darf, auch nicht in technischen Diskussionen in Detailfragen. Mir natürlich schon, aber das traut sich wohl auch keiner. Ist ja auch nie nötig ;-)
Business-Model des Unternehmens (Computerbereich): Intel oder AMD bauen ein made-in-USA - Referenzboard eines Computers (also das Mainboard), das Unternehmen wie BIGONE dann adaptieren und zu unzähligen Produkten abwandeln. Zahl der CPUs, RAM-Banken, Schnittstellen, Hitzefähigkeit und anderes können dramatisch je nach Anwendungsgebiet variieren. In einem konkreten Projekt übernehmen dann Ingenieure des Kunden in Zusammenarbeit mit den hiesigen Ingenieuren die konkrete Ausarbeitung. Das entstehende neue Endprodukt (mal mit, mal ohne Gehäuse drumherum) wird dann in China gefertigt, wie üblich.
Meine Erfahrungen: Eine kreative fruchtbare Arbeit und mein Aufstieg vom Großkunden-Supporter zum Linux-Teamleiter waren sehr positive Erfahrungen. Wichtig ist jedoch, dem chinesischsprachigen Flurfunk nicht zu vernachlässigen, bei dem immer wieder nichtzutreffende Gerüchte verbreitet werden. Offenbar dient die qualitativ hochwertige Arbeit meines Linuxteams anderen Mitarbeitern als Herausforderung und Messlatte und sie weichen dem für sie entstehenden Druck aus, in dem sie behaupten, meine Arbeit erledigt zu haben an meiner statt. Da muss man ebenso auf Chinesisch dagegen halten und ein einzelner Expat ohne perfekte Chinesischkenntnisse (wofür ich meine Frau habe) fände sich sicher bald auf dem Abstellgleis - oder eben im Vertrieb - wieder. Weil Kollegen seine Lorbeeren für sich selbst reklamiert hätten. Mit Ohr auf dem chinesischen Flurfunk geht das allerdings recht gut.
Kriterien:
(b), zu wenig Geld:Ich konnte nie ausländische Entwickler einstellen, weil die 100.000 NT verlangen (2.500 Euro etwa) und das können wir nicht zahlen. Taiwanisches Gehaltsniveau ist niedriger.
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld:nur die Gefahr des "Lorbeeren-Stehlens" bei Expats durch Kollegen, die für einzelne Expats ohne perfekte Chinesischkenntnisse wohl "tödlich" wäre.
(d), Karrieregrab: Bei mir nein. Für den einzelnen Expat aber wohl oft doch, siehe (c)
Anekdote: Der neue Kollege "Elvis" (so sein englischer Kampfname) steht bei mir im Cubical und lacht mich aus, weil ich als Ausländer so komisch aussehe. Kichernde Kolleginnen im Minirock bewirten mich mit Keksen. Heute habe ich einen Management-Cubical und "Elvis und die Miniröcke" sind weg (seufz).
Wenn ich mal gehe, wird mir dieses sehr gute Unternehmen fehlen. Es kommt in der Hitliste meiner Lieblingsarbeitsstellen gleich nach dem deutschen Kryptounternehmen, in dem ich in der auslaufenden Dot-Com-Zeit ein wunderbar kreatives Arbeitsumfeld erleben konnte. Es war einfach Fun, wenn auch nicht ganz marktorientiert; Dot-Com-typisch damals. BIGONE ist oft ähnlich viel Fun und natürlich viel viel marktorientierter.
Wie lautet also die Bilanz? Können die ausländischen Experten in Scharen kommen?
Nun, ich denke, wenn sie mit unter 100.000 NT (eher 70.000) auskommen und eine einheimische Frau heiraten, dann können sie kommen. Sonst geht das ja Visa-mäßig eher schlecht***. Ernsthaft gesagt eignet sich für den einzelnen Expat Taiwan eher als interessante Auslandserfahrung, nicht auf die Dauer. Wäre meine Schlussfolgerung, wenn ich die obige Liste angucke. Nur für mich läuft es viel besser, seit ich mit Frau im Duo arbeite und daher auch den chinesischen Flurfunk kontrollieren kann. Ein bisschen Chinesisch oder auch mittelgutes Chinesisch würde da nicht reichen beim Einzelkämpfer-Expat.
* leicht editiert
*** Ohne Heirat gibt es ein an den Arbeitsplatz im Sinne von Adresse gebundenes Work-Visa. Kündigung führt daher zu Existenzgefährung, Arbeitgeberwechsel ist schwierig.
Ähnliche Artikel:
Jetzt mit Update April 2015: Arbeitsweltinfo Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html
Noch Stand 2009: Lebenshaltungskosten:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html
Lebensmittelsicherheit in Taiwan (Stand Ende 2014):
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Siehe insb. Punkt 10 der FAQ für eine Auflistung der Skandale.
Eine der aktuellen Meldungen zu chemischer Belastung von Lebensmitteln in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/lebensmittelskandal-in-taiwan-geht.html
Ach coole Expats werden irgendwann mal alt, auch wenn das noch gaaaanz lange hin ist: Korrigierter Artikel zur Rentenversicherung in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/links-zur-rentenversicherung-in-taiwan.html
Und ein komprimierter Rentenüberlick, den man am besten vor dem obigen Link liest (Zusammenfassung, weitere Erklärungen): http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html
ACHTUNG: Linksammlung zur Arbeitswelt in Taiwan am Ende!
Wenn man ins Ausländerforum guckt wie Forumosa.com, dann werden solche Pläne Taiwans, ggf. in Zukunft gezielt ausländische Experten anwerben zu wollen, meist sehr kritisch kommentiert. Auch bei Facebook in entsprechenden Expatgruppen. Argumente sind meist
(a) Politiker reden immer nur drüber und machen eh nix,
(b) Gehaltsniveau zu niedrig,
(c) toxisches Arbeitsumfeld i.S.v. "unangenehm/mit großem Konfliktpotential für den Ausländer" und
(d) "Karrieregrab"
Das klingt alles nicht sehr ermutigend. Ich möchte das einmal mit meinen persönlichen Erfahrungen in drei taiwanischen Unternehmen vergleichen und dann eine Einschätzung gemäß (b) bis (d) für diese Unternehmen vornehmen. Die Namen der Unternehmen werden nicht genannt und einzelne Geschäftsvorfälle nur unscharf wiedergegeben, wenn sie längst im Nebel der Geschichte versunken sind.
Die Namen der Unternehmen sind geändert.
I. Unternehmen OKAYO.
Meine Tätigkeit etwa: 2004-2006
Noch heute existent (stark geschrumpft)
Etwa 50 Mitarbeiter. Geführt von Ehepaar, wo sie das "Business" machte und er die Entwicklung.
Produkte: USB-Kabel und dergleichen (auslaufend), USB-Festplattengehäuse, teilweise mit Hardwareverschlüsselung. Produkte heute ähnlich im SATA und RAID-Bereich, also immer noch Festplattensysteme
Im Jahre 2004 musste ein Job schnell her. Meine Frau brach die Zelte in Deutschland ab, als mein "Dot-Com-Bubble" - Arbeitgeber dort, der schöne kryptographische Sofware gemacht hatte, in die Insolvenz ging. Da musste es Taiwan sein und weil mein Arbeitgeber die letzten Monate das Gehalt nicht mehr gezahlt hatte, war mein Konto leer und ich nahm die erste Zusage an, auch wenn ich nur die Hälfte meines letzten Softwareentwickler- plus Produktmanager - Gehalts bekam - als Produktmanager.
Arbeitsstil im Unternehmen: Sehr herrischer Führungsstil durch die Chefin, die viel im Unternehmen herum schrie. Mitarbeiter rannten mit devot gesenkten Köpfen hinter ihr her. Totales Mikromanagement durch eine freilich sehr fähige Chefin, die aber eben jedem Mitarbeiter oft einzelne Arbeitsschritte abnahm. Eigener geistiger Input wurde in der Regel aus Zeitgründen nicht beachtet oder grundsätzlich verworfen. Chefin war immer und überall und behandelte ihre Businesssektor-Mitarbeiter eher wie Drohnen. Dieser Micromanagement genannte Führungsstil soll in kleineren taiwanischen Unternehmen üblich sein, wie man hört.
Business-Model des Unternehmens: Sich knapp hinter einem großen Technologieführer positionieren (i.d.R. US-Unternehmen oder auch japanisches mit Ingenieurbüro anderswo in Taiwan und Produktion in China) und dessen NEUE Produkte nachmachen und eine verbesserte Version dieser Produkte zusätzlich anbieten. Die Grundversion i.d.R. zum günstigeren Preis. Solange von den ANFANGS noch recht hohen Deckungsbeiträgen profitieren, wie das Produkt neu ist. Später kommen tausend Me-Too-Unternehmen dazu und die Preise fallen dramatisch. Dann musste OKAYO schon wieder auf das nächste neue Produkt umgesattelt haben.
Meine Erfahrungen: Schnell zeichneten sich durch generelle Marktflaute finanzielle Probleme des Unternehmens und Personalreduzierung ab. Das letzte Produkt der Chefin, das während meines Daseins entstand, war eine Kopie einer kleinen USB-Festplatte mit 1GB oder 2GB Speicher, damals sehr viel! Der Straßenpreis des japanisches "Orginalprodukts" lag bei 100 Euro (damals okay). Wir hatten ein ähnliches Produkt auch für 100 Euro und die hardwareverschlüsselte Upgradeversion für einen höheren Preis. Das ging so nicht, weil man immer günstiger sein musste als das Vorbild mit großem Markennamen. Ich wies die Chefin darauf hin, die den Einwand wegwischte und auf dem zu hohen Straßenpreis bestand. Alsbald zeichnete sich eine de-facto-Pleite ab. Allerdings gehen taiwanische Unternehmen meist nicht pleite sondern können ohne große Kosten Personal freistellen und dann mit 5 Leuten weiter machen. In der Schrumpfphase wurde ich als Vertriebshoffnung gesehen - das passiert Ausländern fast immer in Taiwanunternehmen - und ich sollte eine deutsche Zweigstelle eröffnen. Freilich war mein Budget dazu etwa 0 Euro. Oder genau 0 Taiwandollar.
Mit Risikofreude und praller privater Kriegskasse hätte ich mich hier als deutsche Zweigstelle aufstellen können. Ob das ein empfehlenswertes Investment war wage ich jedoch zu bezweifeln. Meine eisernen Reserven wollte ich nicht in das Unternehmen investieren.
In dieser Phase waren die montäglichen Businessmeetings längst zu einseitigen Schreiorgien geworden und ich kündigte, in dem ich sehr taiwanuntypisch der Chefin eine ruhig und genüsslich vorgetragene Retourkutsche gab, als sie wieder mal loslegte und ich an der Reihe war. Gleich nach dem Meeting bat sie mich höflich zum Personalgespräch und ich präsentierte ihr das vorbereitete Kündigungsschreiben, das ich schon dabei hatte seit Tagen und sagte ihr taiwantypisch, ich müsse mich "um meine Familie kümmern", was man immer in Taiwan sagt wenn man kündigt. Wir trennten und freundschaftlich.
Unternehmen heute: Vor einem Jahr sollten es noch 2 Frauen und 3 Männer gewesen sein oder dergleichen. Deutsche Zweigstelle wieder verschwunden. Ich wünsche dem Unternehmen alles Gute, denn sie haben sich ein hartes Geschäftsmodell ausgesucht und da ist sicher nicht viel Raum für Freundlichkeit.
Kriterien:
(b), zu wenig Geld: ja
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld: ja: Schreiorgien und lustigerweise einmal sogar war es buchstäblich toxisch, als auf dem Flur mit Außenholzlack im Innenbereich renoviert wurde und die meisten Angestellten ohnmächtig auf den Schreibtischen schliefen. Auch eine Hochschwangere.
(d), Karrieregrab: jein: Kleine Unternehmen haben nun mal wenig Aufstiegschancen. Mit praller privater Kriegskasse und unternehmerischer Vision hätte man es zum "Mr.Germany" des Unternehmens in Deutschland (natürlich Düsseldorf) bringen können.
Anekdote: Steve, der jesusmäßig aussehende coole US-Editor, schreibt meine Texte um, indem er zwei völlig inkompatible Satzhälften locker aneinander klebt.
II. Unternehmen PROTEC
Tochterunternehmen eines anderen asiat. Unternehmens
Meine Tätigkeit etwa: 2006-2007
Heute offenbar nicht mehr existent oder in-name-only unter dem Mutterunternehmen
Etwa 50 Mitarbeiter. Geführt von "President".
Produkte: Früher Notebookgehäuse, zu meiner Zeit Tablett-PCs - wohlgemerkt zu Zeiten VOR dem iPad von Apple.
Ich wechselte von OKAYO nach PROTEC wieder ins PM. Hier war ich Produktmanager für ein tolles Produkt. Einen wasserdichten Tablett-PC fürs Gesundheitswesen, der ein veritables drahtloses Stethoskop eingebaut hatte. Tolles Ding.
Arbeitsstil im Unternehmen: Große Wichtigkeit von Beziehungsnetzen, nicht ganz untypisch für taiwanische Unternehmen. Entscheidungen konnten um so besser durchgesetzt werden, wenn man als Hardwareentwickler einen guten Draht zum Entwicklungschef hatte oder als Businessmensch zum "President". Ansonsten war der Input eigentlich sehr gering, selbst wenn er fachlich korrekt war. Mein direkter Chef, der PM-Leiter, schien abgestumpft und sagte oft "entscheidet der President, kann man nix machen wenn man nicht sein Freund ist", egal worum es auch ging. Ich musste mich an Rülpskonzerte im Großraumbüro gewöhnen (bin nur einmal im Cubical aufgestanden und habe sie dirigiert) und an das Umherfliegen der Fußnägel meines Chefs (auch so ein Taiwanding die im Cubical zu schneiden). Großzügiger Freizeitausgleich für Überstunden, sehr taiwanuntypisch. Der oft dazu führte, dass die Entwickler (die offenbar in Zeitlupe arbeiteten) nicht da waren, wenn Ingenieure des US-Kunden im Büro standen und die Technik besprechen wollten. Qualifizierte Leute, aber Ingenieure nach Gutsherrenart arbeitend und diffuse Entscheidungswege würde ich als Zusammenfassung geben. Sonst ein sehr netter Umgangston.
Business-Model des Unternehmens: Tablett-PCs für Industriekunden (Lager, Gesundheitswesen) und nach meinem Kommen der Versuch, im Rahmen der "Slate-PC"-Initiative von Bill Gates/Microsoft diese auch Privatkunden aufs Auge zu drücken. Der Slate-PC oder unser kleinerer UMPC war damals ein kompakter, dicker Windows-XP Tablettcomputer mit recht kurzer Batterielebensdauer, aber sonst nett gemacht. "Brick" nannten wir ihn auch umgangssprachlich, weil er so dick war. Leider wurde er auch noch etwas heiß, aber das war damals pre-iPad Stand der Technik. Als ich das Gerät auf der Cebit präsentierte merkte ich, wie wenig Traktion so ein Gerät bei Privatkunden fand. Da musste erst das billigere iPad ohne Hitze, mit mehr Batteriepower und besserer Oberfläche her, aber das war nach meiner PROTEC-Zeit.
Bill-Gates ließ selbst ins Unternehmen vorfühlen und seinen Slate-PC / UMPC dort propagandieren, so dass die Firma sehr optimistisch war, den UMPC bald in riesigen Stückzahlen auch in Deutschland absetzen zu können.
Meine Erfahrungen: Ich führte Erfolgreich mein Healthcare-Tablett-Projekt für einen riesigen US-Kunden durch. Danach sollte ich zum DACH-Vertriebler werden, also Vertriebler für D, Austria und CH. Dabei wurde mir kommuniziert, man würde sehr hohe Absatzzahlen von mir erwarten, weil schließlich Bill Gates persönlich den UMPC pushen würde. Allerdings hatte mein Vorgänger, der Busenfreund des President, genau 0 Stück der UMPC in der Startphase abgesetzt. Meine u.a. Gardner-Marktforschung-gestützte Analyse zeigte den UMPC als Early-Adopter oder eher sogar als vorgelagertes Tech-Enthusiastenprodukt und ich wusste, dass nur wenig Stückzahl damit zu machen sei. Der Tablett-PC wird kommen, sagten Gardner und ich. Aber erst wenn Batterielebensdauer rauf und Preis und Hitze runter gehen würden. Trotzdem fand ich mich eines Morgens als DACH-Vertiebler wieder und mein erfolgloser Vorgänger hatte meinen Job bekommen, weil er Freund vom Chef war und mein Produkt so schön auf die Zielgrade zu lief. Nie werde ich meinen letzten Con-Call mit dem konservativen US-Kunden vergessen, den der neue Projektleiter mit einem zotigen Witz einleitete. "Können wir dir was mitbringen aus Taiwan wenn wir euch mal besuchen?", fragte mein Nachfolger. "Frauen vielleicht oder Kekse?". Man konnte das entsetzte Einatmen des Kunden deutlich hören. Es war Zeit zu gehen im Unternehmen, denn ich bin kein Vertriebler und meine eigene Analyse zeigte ja, dass die überzogenen Erwartungen an das neue Nr.1 - Produkt nicht erfüllt werden konnten. Und die Auslegung der Produktion auf das Gerät sogar das Unternehmen gefährdete.
Zusammenfassung: Bill Gates ist Schuld ;-)
Unternehmen heute: Nicht mehr wirklich vorhanden. iPad-ähnlich aussehende Nachfolgemodelle mit WinXP und Win7 waren nicht durchsetzbar am Markt. Bis Android ist das Unternehmen wohl nicht gekommen, wohl auch weil taiwanische Denkweise sehr Windows-lastig ist.
Kriterien:
(b), zu wenig Geld: mehr als bei OKAYO aber für "ausländische Experten" ein bisserl wenig
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld: nicht wirklich, aber Frustationspotential durch Entscheidungswege und Arbeitsstil nach Gutsherrenart / Freundschaftszirkeln
(d), Karrieregrab:Aufstiegschancen nur durch Freundschaft mit den richtigen Leuten. Wie fast immer die Gefahr, als Ausländer eher projektbezogen (vgl. Ende meiner PM-Tätigkeit als das Projekt erfolgreich auslief) gesehen zu werden oder als Vertriebler und nicht als normaler Dauermitarbeiter.
Anekdote: Oscar, der langhaarige Firmen-Tausendsassa, der immer den Frauen auf die Damentoilette nachstieg, fragte meine Frau wie der Sex mit einem Ausländer sei.
III. Unternehmen BIGONE*
Einer der größten taiwanischen Computerhardware-Hersteller
Meine Tätigkeit: 2007 bis heute
Um die 2000 Mitarbeiter
Produkte: Server, PCs, Notebooks, Tablett-PCs für Spezialanwendungen, Unterhaltungselektronik, PC-Zubehör wie Grafikkarten
Durch persönlichen Kontakt wechselte ich diesmal mit Frau zu BIGONE, wo wir beide ins Team der Bekannten meiner Frau als "Feuerwehr" geholt worden. Das war das Server-Supportteam. Ein junger Kollege hatte unzählige Supportfälle des großen US-Kunden einfach unterschlagen und hier musste man schnell aufräumen, das undokumentierte Chaos organisieren und dem Kunden zeigen, dass jetzt kompetent und ernsthaft an seinen (industriellen) Supportfällen gearbeitet wurde. Hier ging es nicht um Endkunden- sondern Großkundensupport. Das gelang uns auch.
Später übernahm ich die Linux-Entwicklung im Server-Supportbereich und leite seither ein entsprechendes Team, das Test-Software (auch Hardware-Testsuites) schreibt oder eine Art eigener Distro mache, die z.B. auf embeddes-Linux - Geräten zum Einsatz kommt.
Arbeitsstil im Unternehmen: Supportteam und auch das angeschlossene Testteam hatten sicher Optimierungspotential, das zu schaffen wir ja auch eingestellt worden waren. Frau und ich reoganisierten das Team und Frau übernahm den Vorsitz. Ich selbst sorgte für eine Verbreitung des Linux-Wissens, das für den Serverbereich unabdingbar war und leider vorher nur rudimentär und fast messiashaft von einigen wenigen Mitarbeitern verwaltet wurde, die nur nach viel Bitten in Zeitlupe ihr Wissen anwandten. Ich entdeckte große Ähnlichkeiten zur Arbeitsweise bei PROTEC. Heute hingegen ist das Team effizient, schnell und leistungsfähig und Wissen ist weit verteilt.
Früher war es üblich, dass einzelne Mitarbeiterleistungen kaum beachtet wurden und nur der Teamleiter gelobt wurde. Das lassen wir in unserem Team nicht zu und honorieren stattdessen (vielleicht taiwanuntypisch) auch Einzelleistungen.
Chefs jedenfalls sind absolute Respektspersonen, den man nie widersprechen darf, auch nicht in technischen Diskussionen in Detailfragen. Mir natürlich schon, aber das traut sich wohl auch keiner. Ist ja auch nie nötig ;-)
Business-Model des Unternehmens (Computerbereich): Intel oder AMD bauen ein made-in-USA - Referenzboard eines Computers (also das Mainboard), das Unternehmen wie BIGONE dann adaptieren und zu unzähligen Produkten abwandeln. Zahl der CPUs, RAM-Banken, Schnittstellen, Hitzefähigkeit und anderes können dramatisch je nach Anwendungsgebiet variieren. In einem konkreten Projekt übernehmen dann Ingenieure des Kunden in Zusammenarbeit mit den hiesigen Ingenieuren die konkrete Ausarbeitung. Das entstehende neue Endprodukt (mal mit, mal ohne Gehäuse drumherum) wird dann in China gefertigt, wie üblich.
Meine Erfahrungen: Eine kreative fruchtbare Arbeit und mein Aufstieg vom Großkunden-Supporter zum Linux-Teamleiter waren sehr positive Erfahrungen. Wichtig ist jedoch, dem chinesischsprachigen Flurfunk nicht zu vernachlässigen, bei dem immer wieder nichtzutreffende Gerüchte verbreitet werden. Offenbar dient die qualitativ hochwertige Arbeit meines Linuxteams anderen Mitarbeitern als Herausforderung und Messlatte und sie weichen dem für sie entstehenden Druck aus, in dem sie behaupten, meine Arbeit erledigt zu haben an meiner statt. Da muss man ebenso auf Chinesisch dagegen halten und ein einzelner Expat ohne perfekte Chinesischkenntnisse (wofür ich meine Frau habe) fände sich sicher bald auf dem Abstellgleis - oder eben im Vertrieb - wieder. Weil Kollegen seine Lorbeeren für sich selbst reklamiert hätten. Mit Ohr auf dem chinesischen Flurfunk geht das allerdings recht gut.
Kriterien:
(b), zu wenig Geld:Ich konnte nie ausländische Entwickler einstellen, weil die 100.000 NT verlangen (2.500 Euro etwa) und das können wir nicht zahlen. Taiwanisches Gehaltsniveau ist niedriger.
(c), unangenehmes Arbeitsumfeld:nur die Gefahr des "Lorbeeren-Stehlens" bei Expats durch Kollegen, die für einzelne Expats ohne perfekte Chinesischkenntnisse wohl "tödlich" wäre.
(d), Karrieregrab: Bei mir nein. Für den einzelnen Expat aber wohl oft doch, siehe (c)
Anekdote: Der neue Kollege "Elvis" (so sein englischer Kampfname) steht bei mir im Cubical und lacht mich aus, weil ich als Ausländer so komisch aussehe. Kichernde Kolleginnen im Minirock bewirten mich mit Keksen. Heute habe ich einen Management-Cubical und "Elvis und die Miniröcke" sind weg (seufz).
Wenn ich mal gehe, wird mir dieses sehr gute Unternehmen fehlen. Es kommt in der Hitliste meiner Lieblingsarbeitsstellen gleich nach dem deutschen Kryptounternehmen, in dem ich in der auslaufenden Dot-Com-Zeit ein wunderbar kreatives Arbeitsumfeld erleben konnte. Es war einfach Fun, wenn auch nicht ganz marktorientiert; Dot-Com-typisch damals. BIGONE ist oft ähnlich viel Fun und natürlich viel viel marktorientierter.
Wie lautet also die Bilanz? Können die ausländischen Experten in Scharen kommen?
Nun, ich denke, wenn sie mit unter 100.000 NT (eher 70.000) auskommen und eine einheimische Frau heiraten, dann können sie kommen. Sonst geht das ja Visa-mäßig eher schlecht***. Ernsthaft gesagt eignet sich für den einzelnen Expat Taiwan eher als interessante Auslandserfahrung, nicht auf die Dauer. Wäre meine Schlussfolgerung, wenn ich die obige Liste angucke. Nur für mich läuft es viel besser, seit ich mit Frau im Duo arbeite und daher auch den chinesischen Flurfunk kontrollieren kann. Ein bisschen Chinesisch oder auch mittelgutes Chinesisch würde da nicht reichen beim Einzelkämpfer-Expat.
* leicht editiert
*** Ohne Heirat gibt es ein an den Arbeitsplatz im Sinne von Adresse gebundenes Work-Visa. Kündigung führt daher zu Existenzgefährung, Arbeitgeberwechsel ist schwierig.
Ähnliche Artikel:
Jetzt mit Update April 2015: Arbeitsweltinfo Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html
Noch Stand 2009: Lebenshaltungskosten:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html
Lebensmittelsicherheit in Taiwan (Stand Ende 2014):
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Siehe insb. Punkt 10 der FAQ für eine Auflistung der Skandale.
Eine der aktuellen Meldungen zu chemischer Belastung von Lebensmitteln in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/lebensmittelskandal-in-taiwan-geht.html
Ach coole Expats werden irgendwann mal alt, auch wenn das noch gaaaanz lange hin ist: Korrigierter Artikel zur Rentenversicherung in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/links-zur-rentenversicherung-in-taiwan.html
Und ein komprimierter Rentenüberlick, den man am besten vor dem obigen Link liest (Zusammenfassung, weitere Erklärungen): http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html
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Mittwoch, April 22, 2015
Mittelalter Informatiker flippt bei wiederholten Fragen aus
... möchte ich fast schreiben als Verhohnepiepelung des letzten Artikels
Ich hasse diese technischen Diskussionen mit meinem "Mitexperten" hier in der Firma. Sie haben alle so ein Halbwissen wie was funktioniert und dann fragen sie mich wenn sie ein Problem haben. Ihnen gefällt aber die Antwort nicht, wenn sie nicht ihrem Halbwissen entspricht und so ganz genau wissen sie selbst nicht, was sie eigentlich fragen, weil sie das Thema nur zur Hälfte verstehen. Das ist nicht weiter schlimm, wer weiß schon alles von irgendwas. Aber wenn man dann fragt ohne die Antwort hören zu wollen und dann nach - typisch taiwanischer Art - endlos immer weiter fragt, weil man hofft, dass sich die Antwort ändert, dann ist das schon eine nervige Sache. Insbesondere, wenn die Antwort vielleicht nicht ganz verstanden wird, weil das Thema und die ursprüngliche Frage nicht völlig klar sind. Am Ende schreibt man dann einen gefrusteten Blogeintrag, statt "das Thema noch mal zu ergoogeln" wie der Taiwanboss verlangt hat. Denn alles zu dem Thema habe ich schon zehn mal gesagt und alles googeln ändert auch nichts.
Manchmal möchte man einfach nur ein Happy Meal von McDonalds greifen, die Colapappdose dazu und mal so richtig vom Leder ziehen, so wie hier.... ;-)
Ich hasse diese technischen Diskussionen mit meinem "Mitexperten" hier in der Firma. Sie haben alle so ein Halbwissen wie was funktioniert und dann fragen sie mich wenn sie ein Problem haben. Ihnen gefällt aber die Antwort nicht, wenn sie nicht ihrem Halbwissen entspricht und so ganz genau wissen sie selbst nicht, was sie eigentlich fragen, weil sie das Thema nur zur Hälfte verstehen. Das ist nicht weiter schlimm, wer weiß schon alles von irgendwas. Aber wenn man dann fragt ohne die Antwort hören zu wollen und dann nach - typisch taiwanischer Art - endlos immer weiter fragt, weil man hofft, dass sich die Antwort ändert, dann ist das schon eine nervige Sache. Insbesondere, wenn die Antwort vielleicht nicht ganz verstanden wird, weil das Thema und die ursprüngliche Frage nicht völlig klar sind. Am Ende schreibt man dann einen gefrusteten Blogeintrag, statt "das Thema noch mal zu ergoogeln" wie der Taiwanboss verlangt hat. Denn alles zu dem Thema habe ich schon zehn mal gesagt und alles googeln ändert auch nichts.
Manchmal möchte man einfach nur ein Happy Meal von McDonalds greifen, die Colapappdose dazu und mal so richtig vom Leder ziehen, so wie hier.... ;-)
Montag, April 20, 2015
Älterer Ausländer flippt in U-Bahn aus / Taiwanhass
Wo kommt er her der Taiwanhass? Warum flippt ein westlicher Ausländer so in der MRT Taipeis aus, dass er abgeführt wird?
Taiwan ist ein Land starker Gegensätze. Oder eben auch die Hauptstadt Taipei, die oft gemeint ist, wenn Ausländer "Taiwan" sagen oder schreiben. Auch in der Wahrnehmung durch Deutsche oder Amerikaner oder andere westliche Ausländer kann Taiwan - oder eben meist Taipei oder eine andere Großstadt - sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen.
Ein älterer westlicher Ausländer (alt jedenfalls gemessen an der Majorität der 20+ jährigen hier -das genaue Alter kann man schwer ausmachen, irgendwas zwischen Mitte 40 und Mitte 50) rastet in Taipeis U-Bahn MRT aus. Beschimpft Fahrgäste mit zahlreichen Fuck-Yous und Stinkefingern und äfft das asiatische Foto-Victory-Zeichen nach. Er steht offenbar völlig neben sich und hält die ganze Zeit über bizarrerweise eine Fresstüte von McDonalds und einen Getränkebecher. Offenbar ist der Mann bemüht, das taiwanische Klischee vom unbeherrschten und aggressiven Ausländer, der sein Lebtag nur Cola trinkt und Burger isst, perfekt umzusetzen.
https://www.facebook.com/mimic0207/videos/10205358975567007/?pnref=story
Großes Lob an die Fahrgäste, die bleiben ruhig. Nur ein junger Mann lässt sich etwas auf eine Diskussion ein, wird bisweilen geherzt von dem wirren Ausländer und antwortet diesem auf Taiwanisch anstatt auf Mandarin. Womit er praktisch sichergeht dass es nicht verstanden wird. Nicht das verkehrteste denn lt. Ausländerforum soll er Sachen sagen wie "du hast ein Problem im Kopf", was sicherlich unstrittig ist zum gegebenen Zeitpunkt. Niemand lässt sich provozieren, irgendjemand ruft die Security, die auch sehr ruhig bleibt. Es fällt auf, wie ein Securitymitarbeiter den Ausländer beruhigt, ihm auf den Rücken klopft - eher beruhigend als gelte es ein Kind ruhig zu stellen. Es funktioniert, der ruhiger gewordene wirre Mann wird am Schluss friedlich abgeführt und die Fahrgäste bleiben grinsend zurück.
Ausflipper sind im überfüllten und hektischen Taipei kein Ausländerding allein. Auch wenn die Taiwaner meist sehr ruhig und kontrolliert sind habe ich auch schon Taiwaner beim Ausrasten erlebt (verschmitzt hinzugefügt: auch außerhalb meiner Taiwanfamilie). Sie klappen, wenn sie sich aufregen, von extrem ruhig schlagartig zu extrem durchgedreht, was wohl mit der - dann versagenden - konfuzianischen Gefühlkontrolle zu tun hat. Ob der nicht mehr ganz junge Ausländer schon länger hier ist? Ich vermutete einen langjährigen und vielleicht jobmäßig glücklos gewordenen Englischlehrer, wer weiß. Gerade in der MRT durchzudrehen ist natürlich ein dramatischer Ort dafür und garantiert mediale Aufmerksamkeit, wie auch geschehen. Ich konnte nicht umhin zu denken, was wenn es ein Afroamerikaner in den USA gewesen wäre? Dann hätte die US-Polizei ihn sicher erschossen, immerhin war er mit Burger und Getränk bewaffnet.
Persönlich habe ich einmal einen westlichen Ausländer in Taipei erlebt, der in einen irren Mandarin-Schreianfall mit rudernden Armen verfiel. Das war 2004, als ich ihn gerade angekommen in unserem Viertel mit einem "Hello" bedacht hatte. Seither ignoriere ich alle Johnny Weißbrots hier, die ich nicht persönlich kenne.
Taiwaner habe ich schon öfter beim Ausflippen erlebt, etwa vor 2 Jahren einen um 5.30 Uhr im Viertel herum schreienden Mann, der auch völlig außer sich war uns ständig "gan", also "fuck" schrie. Oder eben die Ausflipper und grenzwertigen Angriffe durch andere Verkehrsteilnehmer. Aber da gibt es wenigstens einen Anlass.
Was kann westliche Ausländer dazu bringen, in Taipei oder ähnlichen Großstädten so völlig abzudrehen? Es gibt ja regelrechte Hassseiten im Internet, mit denen meist wegziehende Ausländer ihrem Gastland einen wütenden Stinkefinger zeigen. Der Klassiker hier ist das 2006er "I hate Taiwan" - Miniblog:
http://ihatetaiwan.blogspot.tw/
Nun, das I-hate-Taiwan-"Blog" versucht die Frage zu beanworten und nennt viele negative Dinge taiwanischer Großstädte wie Smog und viele Mopeds und hässliche Architektur. Dinge, die 2006 abgesehen von der konstanten Mopedflut noch schlimmer waren als heute. Konkret kann sich ein westlicher Ausländer, der vielleicht eine ruhige Straße mit viel Platz und klarer Luft in seiner Heimat gewohnt war, in Taipei und ähnlichen Orten in solchen Umständen wiederfinden:
- billige Schlichtwohnung mit Riesenkäfern im Sommer, undichten Schiebefenstern, ohne Heizung im Winter und Rotz- und (wohl Hunde-)Urin-verkrustetem Treppenhaus mit toter Ratte. Die Treppenhäuser scheinen etwa seit 2010 wesentlich sauberer zu werden, von daher sind solche Extremfälle selten geworden
- immer noch viel graue Plattenbauweise mit - auch hier Tendenz stark fallend - Müllhaufen zwischen den Häuserreihen (2004-2008 etwa noch Standard, heute selten)
- kaum oder keine Bürgersteige im Viertel, aggressive Mopedfahrer und Autofahrer die Fußgänger anstoßen während der Fahrt oder weghupen wollen.
- Smogverpesstete Straßenschluchten (Tendenz fallend dank MRT-Ausbau)
- chemisch stark belastetes Essen, das auf den Magen schlagen und allergische Symptome auslösen kann (Tendenz zunehmend meinem Magen nach zu urteilen)
- gerade in billigen Wohnhäusern lärmende Nachbarn, die ab 5.30 Uhr morgens hämmern. Frühstücksbuden, die ab 5.00 Uhr für lautes Gekeife und Geschirrklimpern sorgen, das durch die einfachverglasten Schiebefenster dringt.
- ewig lärmende Mopeds mit frisierten Schalldämpfern
Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Gerade 2006 (vgl. das Hassblog) bestand auch das Stadtzentrum von Taipei viel aus grauen Schlichtbauten, da wo heute entspannende moderne Einkaufsstraßen sind, die teils erst vor kurzem fertig gestellt worden sind.
Für alt werdende Englischlehrer in Taiwan kommt noch dazu, dass sie grauhaarig sehr schlecht Stellen finden, weil sie nicht mehr dem Klischee des jungen Entertainers aus USA entsprechen, dass die Englischschulenszene kolportiert. Vergleiche hier auch das dramatische Ende eines US-Marineoffiziers auf Taiwan, dessen philippinische Freundin eine Taiwanerin ermordet hat durch Geldnot getrieben: http://osttellerrand.blogspot.tw/2007/09/murder-in-foreigner-scene-in-taiwan.html
Neulinge in Taiwan preisen die hübschen Frauen, das leckere Essen, die freundlichen Menschen und die schicken Tempel während Langzeiter oft genervt sind. Wie auch ich die Tage, etwa durch allergische Erscheinungen durch wohl wieder mal chemisch belastetes Essen zum x.ten Male. Oder den Verkehr. Oder die grauen bürgersteiglosen Gassen.
Taipei und Konsorten sind keine Kurorte. Oft hängt man hier fest. Entweder weil die einheimische Angebetete hier nicht weg will oder weil die Insel im Falle von geringqualifizierten englischen Muttersprachlern zur einzigen Einkommensquelle durch Englischunterricht geworden ist*. Es gibt wohl nur wenige Langzeiter die die quirlige Insel hier wirklich lieben. Im Sinne von "lieben hier zu leben". Und die sind vielleicht schon längst im geistigen Nirwana angekommen. "Merken nichts mehr", um es uncharmant zu sagen. Dann braucht der Herr aus der U-Bahn vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Zeit.
* Das beantwortet auch die Neulingsfrage: "Warum gehst du nicht weg, wenn es dir nicht gefällt."
Edit: Taiwan hat meinen Artikel mit einem sofortigen heftigen Erdbeben beantwortet.
Taiwan ist ein Land starker Gegensätze. Oder eben auch die Hauptstadt Taipei, die oft gemeint ist, wenn Ausländer "Taiwan" sagen oder schreiben. Auch in der Wahrnehmung durch Deutsche oder Amerikaner oder andere westliche Ausländer kann Taiwan - oder eben meist Taipei oder eine andere Großstadt - sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen.
Ein älterer westlicher Ausländer (alt jedenfalls gemessen an der Majorität der 20+ jährigen hier -das genaue Alter kann man schwer ausmachen, irgendwas zwischen Mitte 40 und Mitte 50) rastet in Taipeis U-Bahn MRT aus. Beschimpft Fahrgäste mit zahlreichen Fuck-Yous und Stinkefingern und äfft das asiatische Foto-Victory-Zeichen nach. Er steht offenbar völlig neben sich und hält die ganze Zeit über bizarrerweise eine Fresstüte von McDonalds und einen Getränkebecher. Offenbar ist der Mann bemüht, das taiwanische Klischee vom unbeherrschten und aggressiven Ausländer, der sein Lebtag nur Cola trinkt und Burger isst, perfekt umzusetzen.
https://www.facebook.com/mimic0207/videos/10205358975567007/?pnref=story
Großes Lob an die Fahrgäste, die bleiben ruhig. Nur ein junger Mann lässt sich etwas auf eine Diskussion ein, wird bisweilen geherzt von dem wirren Ausländer und antwortet diesem auf Taiwanisch anstatt auf Mandarin. Womit er praktisch sichergeht dass es nicht verstanden wird. Nicht das verkehrteste denn lt. Ausländerforum soll er Sachen sagen wie "du hast ein Problem im Kopf", was sicherlich unstrittig ist zum gegebenen Zeitpunkt. Niemand lässt sich provozieren, irgendjemand ruft die Security, die auch sehr ruhig bleibt. Es fällt auf, wie ein Securitymitarbeiter den Ausländer beruhigt, ihm auf den Rücken klopft - eher beruhigend als gelte es ein Kind ruhig zu stellen. Es funktioniert, der ruhiger gewordene wirre Mann wird am Schluss friedlich abgeführt und die Fahrgäste bleiben grinsend zurück.
Taipei-Jonghe: Das hübschere Haus vorne links ist erst in letzter Zeit gebaut. Auch ohne bläuliche Fensterscheibe, durch die ich fotografiert habe, sehe das Bild nicht wesentlich anders aus sondern bliebe eine grau-okerfarbende Wüste mit viel Beton und wenig Architektur
Ausflipper sind im überfüllten und hektischen Taipei kein Ausländerding allein. Auch wenn die Taiwaner meist sehr ruhig und kontrolliert sind habe ich auch schon Taiwaner beim Ausrasten erlebt (verschmitzt hinzugefügt: auch außerhalb meiner Taiwanfamilie). Sie klappen, wenn sie sich aufregen, von extrem ruhig schlagartig zu extrem durchgedreht, was wohl mit der - dann versagenden - konfuzianischen Gefühlkontrolle zu tun hat. Ob der nicht mehr ganz junge Ausländer schon länger hier ist? Ich vermutete einen langjährigen und vielleicht jobmäßig glücklos gewordenen Englischlehrer, wer weiß. Gerade in der MRT durchzudrehen ist natürlich ein dramatischer Ort dafür und garantiert mediale Aufmerksamkeit, wie auch geschehen. Ich konnte nicht umhin zu denken, was wenn es ein Afroamerikaner in den USA gewesen wäre? Dann hätte die US-Polizei ihn sicher erschossen, immerhin war er mit Burger und Getränk bewaffnet.
Persönlich habe ich einmal einen westlichen Ausländer in Taipei erlebt, der in einen irren Mandarin-Schreianfall mit rudernden Armen verfiel. Das war 2004, als ich ihn gerade angekommen in unserem Viertel mit einem "Hello" bedacht hatte. Seither ignoriere ich alle Johnny Weißbrots hier, die ich nicht persönlich kenne.
Taiwaner habe ich schon öfter beim Ausflippen erlebt, etwa vor 2 Jahren einen um 5.30 Uhr im Viertel herum schreienden Mann, der auch völlig außer sich war uns ständig "gan", also "fuck" schrie. Oder eben die Ausflipper und grenzwertigen Angriffe durch andere Verkehrsteilnehmer. Aber da gibt es wenigstens einen Anlass.
Was kann westliche Ausländer dazu bringen, in Taipei oder ähnlichen Großstädten so völlig abzudrehen? Es gibt ja regelrechte Hassseiten im Internet, mit denen meist wegziehende Ausländer ihrem Gastland einen wütenden Stinkefinger zeigen. Der Klassiker hier ist das 2006er "I hate Taiwan" - Miniblog:
http://ihatetaiwan.blogspot.tw/
Nun, das I-hate-Taiwan-"Blog" versucht die Frage zu beanworten und nennt viele negative Dinge taiwanischer Großstädte wie Smog und viele Mopeds und hässliche Architektur. Dinge, die 2006 abgesehen von der konstanten Mopedflut noch schlimmer waren als heute. Konkret kann sich ein westlicher Ausländer, der vielleicht eine ruhige Straße mit viel Platz und klarer Luft in seiner Heimat gewohnt war, in Taipei und ähnlichen Orten in solchen Umständen wiederfinden:
- billige Schlichtwohnung mit Riesenkäfern im Sommer, undichten Schiebefenstern, ohne Heizung im Winter und Rotz- und (wohl Hunde-)Urin-verkrustetem Treppenhaus mit toter Ratte. Die Treppenhäuser scheinen etwa seit 2010 wesentlich sauberer zu werden, von daher sind solche Extremfälle selten geworden
- immer noch viel graue Plattenbauweise mit - auch hier Tendenz stark fallend - Müllhaufen zwischen den Häuserreihen (2004-2008 etwa noch Standard, heute selten)
- kaum oder keine Bürgersteige im Viertel, aggressive Mopedfahrer und Autofahrer die Fußgänger anstoßen während der Fahrt oder weghupen wollen.
- Smogverpesstete Straßenschluchten (Tendenz fallend dank MRT-Ausbau)
- chemisch stark belastetes Essen, das auf den Magen schlagen und allergische Symptome auslösen kann (Tendenz zunehmend meinem Magen nach zu urteilen)
- gerade in billigen Wohnhäusern lärmende Nachbarn, die ab 5.30 Uhr morgens hämmern. Frühstücksbuden, die ab 5.00 Uhr für lautes Gekeife und Geschirrklimpern sorgen, das durch die einfachverglasten Schiebefenster dringt.
- ewig lärmende Mopeds mit frisierten Schalldämpfern
Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Gerade 2006 (vgl. das Hassblog) bestand auch das Stadtzentrum von Taipei viel aus grauen Schlichtbauten, da wo heute entspannende moderne Einkaufsstraßen sind, die teils erst vor kurzem fertig gestellt worden sind.
Für alt werdende Englischlehrer in Taiwan kommt noch dazu, dass sie grauhaarig sehr schlecht Stellen finden, weil sie nicht mehr dem Klischee des jungen Entertainers aus USA entsprechen, dass die Englischschulenszene kolportiert. Vergleiche hier auch das dramatische Ende eines US-Marineoffiziers auf Taiwan, dessen philippinische Freundin eine Taiwanerin ermordet hat durch Geldnot getrieben: http://osttellerrand.blogspot.tw/2007/09/murder-in-foreigner-scene-in-taiwan.html
Neulinge in Taiwan preisen die hübschen Frauen, das leckere Essen, die freundlichen Menschen und die schicken Tempel während Langzeiter oft genervt sind. Wie auch ich die Tage, etwa durch allergische Erscheinungen durch wohl wieder mal chemisch belastetes Essen zum x.ten Male. Oder den Verkehr. Oder die grauen bürgersteiglosen Gassen.
Taipei und Konsorten sind keine Kurorte. Oft hängt man hier fest. Entweder weil die einheimische Angebetete hier nicht weg will oder weil die Insel im Falle von geringqualifizierten englischen Muttersprachlern zur einzigen Einkommensquelle durch Englischunterricht geworden ist*. Es gibt wohl nur wenige Langzeiter die die quirlige Insel hier wirklich lieben. Im Sinne von "lieben hier zu leben". Und die sind vielleicht schon längst im geistigen Nirwana angekommen. "Merken nichts mehr", um es uncharmant zu sagen. Dann braucht der Herr aus der U-Bahn vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Zeit.
* Das beantwortet auch die Neulingsfrage: "Warum gehst du nicht weg, wenn es dir nicht gefällt."
Edit: Taiwan hat meinen Artikel mit einem sofortigen heftigen Erdbeben beantwortet.
Labels:
arbeiten in Taiwan,
Ausländer,
Auswanderer,
Taipei. Expats
Montag, März 16, 2015
Wer die Arbeit wirklich macht....
Da Kollegen in meiner Taiwanfirma immer mal wieder das Bedürfnis haben meine Arbeit und die meines Teams für sich selbst zu reklamieren (siehe hier) folgt hier nun die Enthüllung, wer die Arbeit wirklich gemacht hat...
Ich hoffe, da bleiben keine Fragen offen....
Ich hoffe, da bleiben keine Fragen offen....
Dienstag, Juni 10, 2014
Lohnt sich Taiwan?
Fast ein Fazit
Fast möchte ich hier schon ein abschließendes Resümee ziehen, meiner ausreisewilligen Frau halber. Noch ist das verfrüht, aber ich denke man kann festhalten, dass sich Karriere-machen im Büro, will sagen als Angestellter bei einem taiwanischen Unternehmen, nicht wirklich lohnt. Dann hat man in Taiwan leicht 12-15h - Arbeitstage und zu Hause kommen noch ein paar Stunden "Heimarbeit" am Notebook über Excelsheets dazu. Das ist bei meiner Frau der Fall, die etwa 50 Leute kommandiert. Als Teamleiter wie meine Wenigkeit etwas entspannter, aber auch viel lange Arbeitstage. Wochenendarbeit kommt bei vielen Firmen noch dazu, bei meiner Frau findet sie wieder am Notebook statt. Das Gehalt entspricht dem deutschen Nettogehalt 2-3 Hierarchiestufen unter dem der aktuellen Tätigkeit, wobei reine Softwareentwickler das oft auf 1 Stufe darunter reduzieren können. Mein Arbeitgeber allerdings stellt zu diesen annähernd westlichen Gehältern dann erst gar nicht ein.
Anmerkung: Wer als nach Taiwan geschickter Manager aus Deutschland hier lebt, hat natürlich eine ganz andere Lebenswelt, Porsche Cayenne und Nobelapartmentblock, das ist klar. Davon ist hier nicht die Rede.
Altersversorgung gibt es neuerdings auch, das ganze etwas mit Unsicherheit geprägt, ob das wirklich auch später mal ausgezahlt wird, wenn man nicht mehr in Taiwan lebt oder ob Taiwan dann längst Richtung VR-China eingemeindet worden ist und der dann ungeliebten "Langnase" eher nichts auszahlt. Ein Fragezeichen. Krankenversichert ist man und wenn man nicht gerade auf westlichem Essen und teuren Geschäften in der Innenstadt in Taipei besteht, sind auch die Preise günstig. Bei Mieten muss man aufpassen, keinen Ausländeraufschlag zu bekommen, aber wenn einem Taiwaner die Wohnung besorgen oder man gar eingeheiratet hat, geht das natürlich.
Schon in mittleren Führungspositionen hat man dann ordentlich Kaufkraft, aber wenig Zeit irgendwas zu kaufen. Der Begriff "Arbeitsdrohne" kommt in den Sinn und mit anfangs 0 (später 3,7,10) Tagen bezahltem Urlaub im Jahr ist das Leben dann leicht eine Einöde aus immer gleichen Verrichtungen. Aufstehen. Durch dicken Verkehr ins Büro. Cubical, wenn man Glück hat interessante Arbeit, durch dicken Verkehr zurück, schnell zum Seven-Eleven Kiosk-Supermarkt ein paar Kleinigkeiten kaufen und noch 2 Stunden in den eigenen vier Wänden, bevor man sich ins Bett legt und der Zyklus von neuem beginnt.
In den ersten Jahren hatte ich dazu noch die graugrüne Wellblechkulisse des Gewerbegebiets und die grauen Schmuddelgassen des heimatlichen Schlichtwohnviertels meiner Taiwanfamilie. Das hat sich deutlich gebessert, das enge und immer noch bürgersteiglose Wohnviertel wird zusehens sauberer und viel Graues ist durch neue Glas- und Betonbauten bereits weggerissen. Ebenso im Gewerbegebiet. Und die Metro (MRT) breitet sich immer mehr aus und ersetzt bald für die meisten den Stau - wenn man will.
Neulich holte ich eine Art Krapfen und Kaffee dazu in einem modernen Café mit Sambamusik und saß kurz im Park auf einer Bank, da wo neulich noch verrostete Fabrikhallen waren und ich vorher durch ehrlich gesagt Hundekot- und Betelnusspriem-verschmierte Wellblechgassen gewandert bin um von kichernden alten Frauen zusammemgepappte fettige Sandwichs zu kaufen. Die Gassen und die alten Damen gibt es immer noch, aber ich kaufe da nicht mehr, bürgersteiglose Gassen mit rasenden LKWs und Unrat und Müffelei schrecken doch irgendwie ab, wenn das natürlich teurere Samba-Café in der Nähe liegt.
Desto später man ab dem heutigen Datum in Taipei anfängt, desto angenehmer wird die Umgebung sein und in einer Programmiererposition o.ä, kann sich das Arbeiten durchaus lohnen. Aber wehe wenn man aufsteigt, dann ist man Teil seines Cubicals geworden - festgewachsenerweise.
Siehe auch den alten, sicherlich teilweise veralteten Artikel zur Arbeitswelt in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html
Auch nicht mehr ganz taufrisch, die Lebeshaltungskosten: http://osttellerrand.blogspot.com/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html, zur Sicherheit ein Viertel oder so draufzählen heute
Frau und ich suchen nach Änderungen, gucken wir mal, was passiert.
Fast möchte ich hier schon ein abschließendes Resümee ziehen, meiner ausreisewilligen Frau halber. Noch ist das verfrüht, aber ich denke man kann festhalten, dass sich Karriere-machen im Büro, will sagen als Angestellter bei einem taiwanischen Unternehmen, nicht wirklich lohnt. Dann hat man in Taiwan leicht 12-15h - Arbeitstage und zu Hause kommen noch ein paar Stunden "Heimarbeit" am Notebook über Excelsheets dazu. Das ist bei meiner Frau der Fall, die etwa 50 Leute kommandiert. Als Teamleiter wie meine Wenigkeit etwas entspannter, aber auch viel lange Arbeitstage. Wochenendarbeit kommt bei vielen Firmen noch dazu, bei meiner Frau findet sie wieder am Notebook statt. Das Gehalt entspricht dem deutschen Nettogehalt 2-3 Hierarchiestufen unter dem der aktuellen Tätigkeit, wobei reine Softwareentwickler das oft auf 1 Stufe darunter reduzieren können. Mein Arbeitgeber allerdings stellt zu diesen annähernd westlichen Gehältern dann erst gar nicht ein.
Anmerkung: Wer als nach Taiwan geschickter Manager aus Deutschland hier lebt, hat natürlich eine ganz andere Lebenswelt, Porsche Cayenne und Nobelapartmentblock, das ist klar. Davon ist hier nicht die Rede.
Positiv: Man hört die Leute viel lachen in Taiwan (kicher)
Altersversorgung gibt es neuerdings auch, das ganze etwas mit Unsicherheit geprägt, ob das wirklich auch später mal ausgezahlt wird, wenn man nicht mehr in Taiwan lebt oder ob Taiwan dann längst Richtung VR-China eingemeindet worden ist und der dann ungeliebten "Langnase" eher nichts auszahlt. Ein Fragezeichen. Krankenversichert ist man und wenn man nicht gerade auf westlichem Essen und teuren Geschäften in der Innenstadt in Taipei besteht, sind auch die Preise günstig. Bei Mieten muss man aufpassen, keinen Ausländeraufschlag zu bekommen, aber wenn einem Taiwaner die Wohnung besorgen oder man gar eingeheiratet hat, geht das natürlich.
Früher ist man im Straßenbild viel aufgefallen, heute dreht sich kaum noch einer um
Schon in mittleren Führungspositionen hat man dann ordentlich Kaufkraft, aber wenig Zeit irgendwas zu kaufen. Der Begriff "Arbeitsdrohne" kommt in den Sinn und mit anfangs 0 (später 3,7,10) Tagen bezahltem Urlaub im Jahr ist das Leben dann leicht eine Einöde aus immer gleichen Verrichtungen. Aufstehen. Durch dicken Verkehr ins Büro. Cubical, wenn man Glück hat interessante Arbeit, durch dicken Verkehr zurück, schnell zum Seven-Eleven Kiosk-Supermarkt ein paar Kleinigkeiten kaufen und noch 2 Stunden in den eigenen vier Wänden, bevor man sich ins Bett legt und der Zyklus von neuem beginnt.
Man kann es sich natürlich gemütlich einrichten, hier mit Papptiger
In den ersten Jahren hatte ich dazu noch die graugrüne Wellblechkulisse des Gewerbegebiets und die grauen Schmuddelgassen des heimatlichen Schlichtwohnviertels meiner Taiwanfamilie. Das hat sich deutlich gebessert, das enge und immer noch bürgersteiglose Wohnviertel wird zusehens sauberer und viel Graues ist durch neue Glas- und Betonbauten bereits weggerissen. Ebenso im Gewerbegebiet. Und die Metro (MRT) breitet sich immer mehr aus und ersetzt bald für die meisten den Stau - wenn man will.
Und kann stündlich zusehen, wie das neue Taipei das alte verdrängt. Die beiden Wohntürme, die hier noch im Bau sind, sind bereits fertig und geben der Gegend mit verzierten Fassaden ein ganz anderes Antlitz. Viele weitere Baustellen verdrängen das alte verrostete Wellblech
Neulich holte ich eine Art Krapfen und Kaffee dazu in einem modernen Café mit Sambamusik und saß kurz im Park auf einer Bank, da wo neulich noch verrostete Fabrikhallen waren und ich vorher durch ehrlich gesagt Hundekot- und Betelnusspriem-verschmierte Wellblechgassen gewandert bin um von kichernden alten Frauen zusammemgepappte fettige Sandwichs zu kaufen. Die Gassen und die alten Damen gibt es immer noch, aber ich kaufe da nicht mehr, bürgersteiglose Gassen mit rasenden LKWs und Unrat und Müffelei schrecken doch irgendwie ab, wenn das natürlich teurere Samba-Café in der Nähe liegt.
Desto später man ab dem heutigen Datum in Taipei anfängt, desto angenehmer wird die Umgebung sein und in einer Programmiererposition o.ä, kann sich das Arbeiten durchaus lohnen. Aber wehe wenn man aufsteigt, dann ist man Teil seines Cubicals geworden - festgewachsenerweise.
Siehe auch den alten, sicherlich teilweise veralteten Artikel zur Arbeitswelt in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html
Auch nicht mehr ganz taufrisch, die Lebeshaltungskosten: http://osttellerrand.blogspot.com/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html, zur Sicherheit ein Viertel oder so draufzählen heute
Frau und ich suchen nach Änderungen, gucken wir mal, was passiert.
Dienstag, November 19, 2013
Surreales Leben
Wieder so eine inhaltsschwere Überschrift. Aber wer anderes lesen will, kann ja das englische (View-) Blog in der Linkleiste lesen, wo in jedem Posting Präsident Ma an allem schuld ist. Oder er sucht sich irgendein Happy-Peppy-Tempelblog.
Es fällt mir schon seit langem auf, mein Dasein hier in Taiwan erzeugt in mir nicht das Gefühl, normaler Alltag zu sein. Ich gehe sogar soweit zu sagen, es fühlt sich nicht mal wie "richtiges Leben" an. Anderen geht das auch so; im Ausländerforum wird immer wieder das "real life" vom Taiwanleben abgegrenzt. Etwa so: "How is it back in real life?" als Frage an jemanden, der wieder in den USA ist (sind halt fast alles erweiterte Angelsachsen da) oder die öfter mal vorkommende Formulierung "in real life things are...". Im "richtigen Leben" sind die Dinge so, in Taiwan aber anders. Unbewusst hänge ich auch "Taiwan" als Prefix an fast alles dran, um es von richtigen Dingen abzugrenzen. Mein Taiwanjob, meine Taiwanfamilie. Dinge sind auch "taiwanschön", nicht richtig schön, aber im Kontext von Taiwan eben schön. Etwa ein nach Abgasen riechender Strand mit Hauptstraße. Anderseits hat jedes Land seinen eigenen sozialen Kontext, in so fern bekommen Begriffe andere Ausprägungen, so ganz unrichtig ist das halt nicht.
Aber warum empfindet man das Leben selbst als irreal? Nun, für den Englischlehrer kann ich es mir vorstellen. Daheim vielleicht ein Underdog, etwa ein Verkäufer in einem kleinen Laden. Gerade so in der Gesellschaft also. Hier in Taiwan dann etwas ganz besonderes, angehimmelt auf der Straße (ein Phänomen das über die Jahre weniger geworden ist), bestaunt von jungen Frauen im Minirock, die ihn daheim nicht mal peripher angucken wollen. Hier erröten und kichern sie in seiner Gegenwart. Am Ende hat der Normalo oder Underdog dann plötzlich wechselnde bildschöne Freundinnen, angehimmeltermaßen wie ein Latino-Beau mit Body-Building-Körper. Dazu graue Baracken wie im Slum, in denen man lebt, nagelneue silberne Toyatas davor geparkt, viel Alkohol und Angst vor Polizeirazzien, weil die Arbeitspapiere möglicherweise nicht in Ordnung sind. Sicher ein Mix, den man als irreal - oder eben surreal - empfindet, gemessen an den heimatlichen Maßstäben. Man wird von den Taiwanern entweder geliebt oder verachtet, auch das fühlt sich übernatürlich (eben surreal) an.
Bei mir verheiratet und nichtenglischlehrend alles etwas anders. Die Minirockmädels nur als Flirten dann und wann, angehimmelt manchmal von Herren wie Damen in taiwantypischer Manier, dann wieder etwa im heimatlichem Schlichtwohnviertel im Vorbeigehen beschimpft als komischer Ausländer, in der Firma mal geschätzter Experte, dann wieder Kicherobjekt für neues Küchenpersonal oder neue Kollegen. In den eigenen vier Wänden bisweilen nicht die Normalität, sondern der exotische Fremde, weil mit "Taiwanfamilie" versehen, statt mit Familie. Die eigene Wohnung auch nur ein temporärer Ort zum Schlafen, zwischen ratternden Mopeds, trötenden Straßenhändlern und dem nächsten Auszugstermin, weil der Vermieter durch Wohnungsverkauf reich werden will, der Taiwanimmobilienblase sei Dank.
Alles keine Beschwerde, an wen den auch, sondern nur eine Notiz, dass der Gesamtmix sich irreal anfühlt oder eben surreal, wie ein zur Karikatur entstelltes Leben, in dem alles über- oder unterbetont ist, bis es wie ein surrealistisches Zerrbild der Realität wirkt. Weil es auch in sich nicht konsistent wirkt, das Leben hier und die Reflexionen aus der Gesellschaft, die man bekommt. Nicht das richtige Leben, ein Taiwan(expat)leben.
*** Eben aufgefallen: Man sieht deutlich einen Bauzaun in der Straße. Da haben sie also schon wieder Schlichthäuser aus dem Viertel weggerissen. Ich denke, es handelt sich bei der "Wolke" um einen Verkaufspavilion für Eigentumswohnungen. Der Begriff Hotel ist wahrscheinlich zusammen mit chinesischen Schriftzeichen (Schild nicht im Bild) sinnverändert verwandt worden. So wie sie Hochhäuser auch oft als Villa bezeichnen.
Es fällt mir schon seit langem auf, mein Dasein hier in Taiwan erzeugt in mir nicht das Gefühl, normaler Alltag zu sein. Ich gehe sogar soweit zu sagen, es fühlt sich nicht mal wie "richtiges Leben" an. Anderen geht das auch so; im Ausländerforum wird immer wieder das "real life" vom Taiwanleben abgegrenzt. Etwa so: "How is it back in real life?" als Frage an jemanden, der wieder in den USA ist (sind halt fast alles erweiterte Angelsachsen da) oder die öfter mal vorkommende Formulierung "in real life things are...". Im "richtigen Leben" sind die Dinge so, in Taiwan aber anders. Unbewusst hänge ich auch "Taiwan" als Prefix an fast alles dran, um es von richtigen Dingen abzugrenzen. Mein Taiwanjob, meine Taiwanfamilie. Dinge sind auch "taiwanschön", nicht richtig schön, aber im Kontext von Taiwan eben schön. Etwa ein nach Abgasen riechender Strand mit Hauptstraße. Anderseits hat jedes Land seinen eigenen sozialen Kontext, in so fern bekommen Begriffe andere Ausprägungen, so ganz unrichtig ist das halt nicht.
Laut Schild ein Hotel, mitten zwischen den Schlichtwohnblocks in Wolkenform. Aber für mehr als den Empfangstresen ist kein Platz. Taipei, NeiHu. Na ja, was man eben so hinpinselt in ein surrealistisches Gemälde***
Der gänzlich wolkenlose Rest der Straße
Der gänzlich wolkenlose Rest der Straße
Aber warum empfindet man das Leben selbst als irreal? Nun, für den Englischlehrer kann ich es mir vorstellen. Daheim vielleicht ein Underdog, etwa ein Verkäufer in einem kleinen Laden. Gerade so in der Gesellschaft also. Hier in Taiwan dann etwas ganz besonderes, angehimmelt auf der Straße (ein Phänomen das über die Jahre weniger geworden ist), bestaunt von jungen Frauen im Minirock, die ihn daheim nicht mal peripher angucken wollen. Hier erröten und kichern sie in seiner Gegenwart. Am Ende hat der Normalo oder Underdog dann plötzlich wechselnde bildschöne Freundinnen, angehimmeltermaßen wie ein Latino-Beau mit Body-Building-Körper. Dazu graue Baracken wie im Slum, in denen man lebt, nagelneue silberne Toyatas davor geparkt, viel Alkohol und Angst vor Polizeirazzien, weil die Arbeitspapiere möglicherweise nicht in Ordnung sind. Sicher ein Mix, den man als irreal - oder eben surreal - empfindet, gemessen an den heimatlichen Maßstäben. Man wird von den Taiwanern entweder geliebt oder verachtet, auch das fühlt sich übernatürlich (eben surreal) an.
Exotische Leckereien im Mopedqualm in der 737-Lane in NeiHu, Taipei
Bei mir verheiratet und nichtenglischlehrend alles etwas anders. Die Minirockmädels nur als Flirten dann und wann, angehimmelt manchmal von Herren wie Damen in taiwantypischer Manier, dann wieder etwa im heimatlichem Schlichtwohnviertel im Vorbeigehen beschimpft als komischer Ausländer, in der Firma mal geschätzter Experte, dann wieder Kicherobjekt für neues Küchenpersonal oder neue Kollegen. In den eigenen vier Wänden bisweilen nicht die Normalität, sondern der exotische Fremde, weil mit "Taiwanfamilie" versehen, statt mit Familie. Die eigene Wohnung auch nur ein temporärer Ort zum Schlafen, zwischen ratternden Mopeds, trötenden Straßenhändlern und dem nächsten Auszugstermin, weil der Vermieter durch Wohnungsverkauf reich werden will, der Taiwanimmobilienblase sei Dank.
"Mousekersize" heißt das in der Mickymaus-Klubhaus-Serie, die ich immer mit Junior gucke (Plakat in der Tiefgarage)
Alles keine Beschwerde, an wen den auch, sondern nur eine Notiz, dass der Gesamtmix sich irreal anfühlt oder eben surreal, wie ein zur Karikatur entstelltes Leben, in dem alles über- oder unterbetont ist, bis es wie ein surrealistisches Zerrbild der Realität wirkt. Weil es auch in sich nicht konsistent wirkt, das Leben hier und die Reflexionen aus der Gesellschaft, die man bekommt. Nicht das richtige Leben, ein Taiwan(expat)leben.
*** Eben aufgefallen: Man sieht deutlich einen Bauzaun in der Straße. Da haben sie also schon wieder Schlichthäuser aus dem Viertel weggerissen. Ich denke, es handelt sich bei der "Wolke" um einen Verkaufspavilion für Eigentumswohnungen. Der Begriff Hotel ist wahrscheinlich zusammen mit chinesischen Schriftzeichen (Schild nicht im Bild) sinnverändert verwandt worden. So wie sie Hochhäuser auch oft als Villa bezeichnen.
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Mittwoch, Oktober 02, 2013
Taiwan-Expat schafft es auf SPIEGEL-Online
Eine (wohl ausländische*-) Mitarbeiterin einer taiwanischen Videoargentur, die Videoanimationen für Zeitungswebseiten und dergleichen herstellt (Next Media, vermutlich diese Seite: http://tw.nextmedia.com/) und sicher dem "Next Magazin" nahe steht, das ist Taiwan eine Mischung aus "Praline" (oder Neue Revue) und dem STERN ist (und dem wir hier im Blog u.a. den Blick in eine echte taiwanische Gefängniszelle verdanken: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html), hat ihre Kündigung vom Arbeitgeber, der sie mit langen Arbeitszeiten und wenig Raum für Kreativität traktierte, in einem mittlerweile sehr oft angeklickten Tanzvideo zelebriert: http://www.spiegel.de/karriere/ausland/youtube-kuendigungsvideo-von-marina-shifrin-a-925548.html
Lange Arbeitszeiten und wenig Raum für Kreativität klingen wie die Essenz des taiwanischen Arbeitslebens (mein eigener Arbeitgeber natürlich ausgenommen), in den Cubicals verbringt man eher 12 als 8 Stunden täglich und die Chefs tendieren manchmal zum Mircomanagement, bei dem sie die Angestellten zu stupiden "kleine Handgriffe"-Roboter degradieren. Tolles Video - und man sieht hübsch die Cubicals.
Wie fast immer ist Taiwan damit in deutschen Medien mal wieder als irgendwie verrücktes asiatisches Land präsent, was es vom deutschen Standpunkt in mancher Hinsicht sicher auch ist, aber eben nicht als die parlamentarische Demokratie mit entwickelter Zivilgesellschaft, die Taiwan eben vor allen Dingen ist. Wenn auch eine mit langen Arbeitszeiten.
*Vom Aussehen her, den angegeben Vornamen der Eltern (auf der pers. Webseite) und der aus-sich-heraus-gehenden Art der ganzen Präsentation tippe ich auf Expathintergrund.
Weiterführendes
Taiwans Videoanimationen sind ein bisschen berühmt, hier werden sie diskutiert: http://newsfeed.time.com/2012/04/09/financial-woes-for-next-media-our-four-favorite-taiwanese-animations/
Auch solche Standbildanimationen sind wohl aus diesem Hause. Oft stellen da westlich aussehende Cartoon-Figuren Verbrechen in Taiwan nach, auch hier im Blog schon gezeigt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/08/heino-zwingt-taiwanesin-zu.html
Lange Arbeitszeiten und wenig Raum für Kreativität klingen wie die Essenz des taiwanischen Arbeitslebens (mein eigener Arbeitgeber natürlich ausgenommen), in den Cubicals verbringt man eher 12 als 8 Stunden täglich und die Chefs tendieren manchmal zum Mircomanagement, bei dem sie die Angestellten zu stupiden "kleine Handgriffe"-Roboter degradieren. Tolles Video - und man sieht hübsch die Cubicals.
Wie fast immer ist Taiwan damit in deutschen Medien mal wieder als irgendwie verrücktes asiatisches Land präsent, was es vom deutschen Standpunkt in mancher Hinsicht sicher auch ist, aber eben nicht als die parlamentarische Demokratie mit entwickelter Zivilgesellschaft, die Taiwan eben vor allen Dingen ist. Wenn auch eine mit langen Arbeitszeiten.
*Vom Aussehen her, den angegeben Vornamen der Eltern (auf der pers. Webseite) und der aus-sich-heraus-gehenden Art der ganzen Präsentation tippe ich auf Expathintergrund.
Weiterführendes
Taiwans Videoanimationen sind ein bisschen berühmt, hier werden sie diskutiert: http://newsfeed.time.com/2012/04/09/financial-woes-for-next-media-our-four-favorite-taiwanese-animations/
Auch solche Standbildanimationen sind wohl aus diesem Hause. Oft stellen da westlich aussehende Cartoon-Figuren Verbrechen in Taiwan nach, auch hier im Blog schon gezeigt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/08/heino-zwingt-taiwanesin-zu.html
Dienstag, Mai 21, 2013
Steuerfrust für Ausländer
Immer wieder sorgt die Besteuerung von Ausländern in Taiwan für Frust. Wer weniger als 183 Tage im Land ist und hier steuern zahlt, wird in dem betreffenden Kalenderjahr (unabhängig von der Gesamtaufenthaltsdauer) mit 20% besteuert statt wie üblich mit 5, 6 oder 10% (letzteres nur für außergewöhnlich gut verdienende Leute). Eine Rückzahlung der Steuern ist nur möglich, wenn man mindestens 183 Tage im Land ist (siehe http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=120542 oder auch mein Arbeitsweltüberblick: http://bobhonest.blogspot.com/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html).
Mittwoch, Januar 09, 2013
Nerds und ihre Probleme mit dem realen Leben
Ein Multikulti-Schwank aus dem realen Leben. Na ja fast. Aus Taiwan eben.
Gerade ein extremes Beispiel von "Tooldenken" gehabt, bei dem alle hektisch durcheinander reden, alle mit Tools und Programmcode (i.d.F. gruseliges DOS) jonglieren wollen und keiner aber das Problem richtig versteht. Typisch taiwanisch will dann keiner analysieren um erstmal zwei Dinge zu verstehen:
1) Was genau ist das Problem
2) Was ist das Ziel?
Die Punkte lässt man in der Problembearbeitung in Taiwan erst mal weg, stürzt sich sofort in den Taumel, macht Überstunden und hat dann am 3. Tag das Problem durch Versuch-und-Irrtum gelöst. Und das in nur 85% der Zeit, die Deutsche dazu brauchen würden. Ich sehe es ja ein.
Aber eben, da ließ ich einfach nicht locker. Ich bestand darauf, dass die obigen Punkte erst mal geklärt wurden. Taiwaner wurden ärgerlich, ungeduldig, wollten immer magische Tools und Skripte von mir geschrieben haben, um ihr Problem zu lösen.
Das Problem: Ein DOS-Kommando gibt eine riesige Tabelle aus.
Von der Tabelle braucht der (neue) Mitarbeiter nur den letzten String, etwas in der Art von A35E7F.
Dieser String soll per Email an einen Kunden geschickt werden.
Was ich machen sollte: Als Informatiker sollte ich eine Art DOS Batch-Skript erstellen, das dann... den String herausfilterte aus dem Gewusele, ihn in eine Datei schrieb (denke ich mal), so dass der neue Kollege ihn mit Windows XP dann mit Notepad und der Maus heraus kopieren könnte, ihn in Outlook hinein kopieren könnte, um ihn dann an den Kunden zu schicken. 6 Zeichen!
Alle waren völlig verblüfft, wieso ich bei der topdringenden Angelegenheit nicht schon längst Code hackte, sondern immer noch debattierte! Wenn man in Taiwan nämlich nicht sofort loslegt, sieht das so aus, als sei man unwillig.
Meine Lösung war dann freilich nicht zu schlagen:
1. Nimm einen Kuli und schreibe die 6 Zeichen auf Papier (war ja unter DOS).
2. Nimm dein Notebook und tippe die 6 Zeichen in die Outlook-Email ein.
3. Email abschicken.
Das Problem trat nur an einem einzigen Rechner auf, also nicht etwa an 1000 oder so!
Sofort gingen alle an die Arbeit, keiner erwähnte den Vorfall auch nur mit einem Wort. Anders als in Deutschland lacht keiner über das Missgeschick oder sagt "Mann, so einfach.... wir haben viel zu kompliziert gedacht". Wegen drohendem "Gesichtsverlust" ist es besser so zu tun, als sei es nie passiert.
Multikulturelles Arbeiten ist immer wieder spannend, der deutsche und der taiwanische Arbeitsstil sind da völlig konträr.
Ein Taiwaner wäre jetzt am Code-Hacken und würde heute Nacht Überstunden machen. Und zeigt Einsatz für das Unternehmen, keine Frage.
Das war bislang der extremste Fall von technokratischem Denken, den ich je erlebt habe in meiner Computerei. Wo man also ein Tool schreiben will, anstatt 6 Zeichen einfach abzutippen. Auch habe ich es mal wieder nicht geschafft, asiatisch-milde zu lächeln und geduuuuuuuuuuuuuuldig zu sein, sondern man hat mir sicher angemerkt, dass ich genervt darüber war, dass vier Leute in einer Problem-Eskalationskette drin waren, ohne dass auch nur einer wusste, was das Problem genau war. Aber das ist der fixe Arbeitsstil hier und er führt auch zu Ergebnissen. Der Taiwaner rennt sofort los, wenn es auch erst mal nur grob in Richtung Ziel geht, der Deutsche hingegen will erst mal wissen wo er überhaupt hin soll... Meist ist trotzdem der Taiwaner schneller da, ich sehe es ja ein.
*** Deko aus dem Roadies: http://roadiescafe.com.tw/
Lecker Tex-Mex-US - Küche mit italienischem Einschlag (Chinaco-Style ist das dann wohl)
Gerade ein extremes Beispiel von "Tooldenken" gehabt, bei dem alle hektisch durcheinander reden, alle mit Tools und Programmcode (i.d.F. gruseliges DOS) jonglieren wollen und keiner aber das Problem richtig versteht. Typisch taiwanisch will dann keiner analysieren um erstmal zwei Dinge zu verstehen:
1) Was genau ist das Problem
2) Was ist das Ziel?
Die Punkte lässt man in der Problembearbeitung in Taiwan erst mal weg, stürzt sich sofort in den Taumel, macht Überstunden und hat dann am 3. Tag das Problem durch Versuch-und-Irrtum gelöst. Und das in nur 85% der Zeit, die Deutsche dazu brauchen würden. Ich sehe es ja ein.
Aber eben, da ließ ich einfach nicht locker. Ich bestand darauf, dass die obigen Punkte erst mal geklärt wurden. Taiwaner wurden ärgerlich, ungeduldig, wollten immer magische Tools und Skripte von mir geschrieben haben, um ihr Problem zu lösen.
Reg' dich nicht auf Pferd, irgendwann wird der Spatz schon kommen.***
Das Problem: Ein DOS-Kommando gibt eine riesige Tabelle aus.
Von der Tabelle braucht der (neue) Mitarbeiter nur den letzten String, etwas in der Art von A35E7F.
Dieser String soll per Email an einen Kunden geschickt werden.
Was ich machen sollte: Als Informatiker sollte ich eine Art DOS Batch-Skript erstellen, das dann... den String herausfilterte aus dem Gewusele, ihn in eine Datei schrieb (denke ich mal), so dass der neue Kollege ihn mit Windows XP dann mit Notepad und der Maus heraus kopieren könnte, ihn in Outlook hinein kopieren könnte, um ihn dann an den Kunden zu schicken. 6 Zeichen!
Alle waren völlig verblüfft, wieso ich bei der topdringenden Angelegenheit nicht schon längst Code hackte, sondern immer noch debattierte! Wenn man in Taiwan nämlich nicht sofort loslegt, sieht das so aus, als sei man unwillig.
Meine Lösung war dann freilich nicht zu schlagen:
1. Nimm einen Kuli und schreibe die 6 Zeichen auf Papier (war ja unter DOS).
2. Nimm dein Notebook und tippe die 6 Zeichen in die Outlook-Email ein.
3. Email abschicken.
Das Problem trat nur an einem einzigen Rechner auf, also nicht etwa an 1000 oder so!
Sofort gingen alle an die Arbeit, keiner erwähnte den Vorfall auch nur mit einem Wort. Anders als in Deutschland lacht keiner über das Missgeschick oder sagt "Mann, so einfach.... wir haben viel zu kompliziert gedacht". Wegen drohendem "Gesichtsverlust" ist es besser so zu tun, als sei es nie passiert.
Multikulturelles Arbeiten ist immer wieder spannend, der deutsche und der taiwanische Arbeitsstil sind da völlig konträr.
Ein Taiwaner wäre jetzt am Code-Hacken und würde heute Nacht Überstunden machen. Und zeigt Einsatz für das Unternehmen, keine Frage.
Das war bislang der extremste Fall von technokratischem Denken, den ich je erlebt habe in meiner Computerei. Wo man also ein Tool schreiben will, anstatt 6 Zeichen einfach abzutippen. Auch habe ich es mal wieder nicht geschafft, asiatisch-milde zu lächeln und geduuuuuuuuuuuuuuldig zu sein, sondern man hat mir sicher angemerkt, dass ich genervt darüber war, dass vier Leute in einer Problem-Eskalationskette drin waren, ohne dass auch nur einer wusste, was das Problem genau war. Aber das ist der fixe Arbeitsstil hier und er führt auch zu Ergebnissen. Der Taiwaner rennt sofort los, wenn es auch erst mal nur grob in Richtung Ziel geht, der Deutsche hingegen will erst mal wissen wo er überhaupt hin soll... Meist ist trotzdem der Taiwaner schneller da, ich sehe es ja ein.
*** Deko aus dem Roadies: http://roadiescafe.com.tw/
Lecker Tex-Mex-US - Küche mit italienischem Einschlag (Chinaco-Style ist das dann wohl)
Freitag, November 30, 2012
MyKohlkopf.com
Bin ab sofort stolzer Besitzer meines eigenen Kohlkopfs. Die Firma hat in ihrer Güte jeden Mitarbeiter mit seinem eigenen grünen Kohlkopf ausgestattet. Konnte meinen nicht mal fotografieren, meine Frau hatte ihn sofort gut verpackt, Schwiegermutter wird sicher lecker Kohl draus kochen. Der ein oder andere Hardwaremensch hier hat die Dinger am 2. Tag etwas planlos im Regal verstaut neben Computerbauteilen und Lötkolben. Eigentlich kenne ich solche Nahrungsgeschenke eher aus dem Ostblock, vom Hörensagen, von wegen Lebensmittelknappheit, wovon hier nun wirklich nicht die Rede sein kann.
In meiner letzten deutschen Dot-Com-Bubble - Softwarebude hätte dieses Geschenk sicher zu einer wüsten Kohlkopfschlacht unter den Entwicklern geführt. Aber so etwas machen taiwanische Angestellte nicht, sind viel zu brav dazu.
In meiner letzten deutschen Dot-Com-Bubble - Softwarebude hätte dieses Geschenk sicher zu einer wüsten Kohlkopfschlacht unter den Entwicklern geführt. Aber so etwas machen taiwanische Angestellte nicht, sind viel zu brav dazu.
Donnerstag, Oktober 11, 2012
Kurzmeldung: Deutsche und Amerikaner faul
Gerade eine Kurzmeldung im Abendfernsehen in der Kantine (klar sehe ich das in der Kantine, nicht etwa zu Hause): Der durchschnittliche taiwanische Arbeitnehmer arbeitet demnach 35% mehr als sein deutscher Kollege und 20% mehr als sein US-Kollege. Entspricht auch meinen Erfahrungen, so pi mal Daumen.
Donnerstag, August 23, 2012
Bier und Spiele
Die in idyllischer Landschaft (http://bobhonest.blogspot.tw/2012/08/kurs-talkessel.html) bei Tucheng (ist das noch Landkreis Taipei?) stattfindenden Firmenspiele (Sport und Grillen) haben mich verblüfft, weil meine Frau als Leiterin des "SIT-Teams" zu trainerischen Höchstleistungen anlässlich der Firmenspiele aufgelaufen ist. Hier traten nämlich die Teams in unserem Server-Bereich (unser Brötchengeber hier ist ja Computer-Hardwarehersteller) gegeneinander an, unser SIT-Team (wir führen pre- und after-market Tests durch) gegen Hardware, BIOS, Software/Mechanos und Sales. Harte Kerle die Mechanos, "mechanical engineers", die die harten Hüllen um die Mutterbretter der Computer bauen. Bekannt als Sportler und top in Form, die selbsternannten Favoriten unserer "Server-Spiele", jedenfalls vor deren Beginn. Etwas geschwächt natürlich durch die ihnen lustigerweise zugegliederten Softwareleute, die allerdings völlig normale Leutchen sind und nicht die Softwaregeeks mit Fettbauch, die ihr ganzes Leben vor dem Rechner verbringen und von Pizza und Cola leben, bis sie mit 47 an Diabetes, Herzinfarkt, Darmdurchbruch oder Leistenbruch sterben, oder schlichtweg eine Artischocke im Hals quer sitzen haben, bei nächtlicher Compilersitzung.
Für die Athleten gab es Taiwan-Beer, für uns Zuschauer nur toxisches Heincken. Ich blieb bei Eistee und Pokari Sweat.
Meine Frau verblüffte mich durch völligen Overdrive, sie verordnete uns Stirnbänder mit anfeuerndem Schriftzug, Winkelemente wie sie die Cheerleader aus den US of A haben und im abgeschlossenen Testlabor haben wir gnadenlos die drei Disziplinen der Spiele geübt. "Luftballon an der Wange balancieren, Bierwetttrinken und Seilziehen".
Ludigel: "Du übertreibst völlig!"
Frau: "Nein, ich mache das auf amerikanische Art."
Ludigel: "Ist das nicht genau das, was ich eben gesagt habe?"
Ich werde den Artikel noch diskret bebildern, das man nicht die Kollegen erkennt bei Trunk, Sport und Spiel, sonst erscheinen die Fotos noch eines Tages irgendwo mit dem Bildunterschrift "Pjönjang: fanatische Nordkoreaner bei den Festspielen zu Ehren ihres pausbäckigen Führers, Verlierer wird hingerichtet", so wild sehen wir auf den Fotos aus.
Unsere Athleten (Köpfe mit Stirnbändern nicht im Bild der Anonymität halber) konnten gar nicht genug kriegen.
Dennoch, meine Frau hatte Recht, ich wieder mal Unrecht, das ist bei uns beiden immer so. Der Teamgeist und das Jubeln "S.I.T. S.I.T. S.I.T.!" wenn unsere Athleten an der Flasche, dem Ballon oder Seil ihr Bestes gaben steckten die anderen Teams an und bald erschall auch "Hardware" als gegenläufiger Kriegsruf. Nur die Mechanos/Softies wussten nicht so recht, was sie schreien sollten. "MeckiSoft" vielleicht?
Beim Seilziehen bin auch ich angetreten im zweiten Team, das gegen die Schrecklichen Mechanos und ihre paar Quellcode-Softies antreten musste. Während unser erstes Team den Gegner noch binnen Sekunden auf unsere Seite gezogen hatte, versagten wir Betas nun schmählich. Wir stellten uns wie im Testlabor trainiert mit unseren "zum Sieg!"-Stirnbändern in Positur, tief in den Knien wie gelernt und warteten auf das "los los los"-Kommando ... da waren wir auch schon drüben bei den Mechanos. Verloren.
Beim nächsten Seilziehen gegen BIOS oder wen auch immer ließ ich alle Technik fahren, blieb stehen und zog und zog einfach. Schwupps war der Gegener auf unserer Seite, natürlich nicht nur wegen mir. Zu viel Technik ist manchmal wohl einfach Overkill.
Beim Bierwetttrinken trat ich nicht an, einige übergewichtige Teammitgleider hatten es in der Disziplin des 0.7-Liter-Taiwanbeer - Wettschluckens zu wahrer Meisterschaft gebracht und schluckten alle Gegner in die Knie, die bisweilen sich fast übergebend geschlagen das Feld räumen mussten, während unsere Recken noch einen auf den Sieg tranken. Einen Zusatzpunkt für Eleganz hätte aber das Sales-Team bekommen müssen, weil es fast nur aus Frauen in den 20ern besteht (weil die Kunden alles Herren in den 40ern sind, da sind die Taiwaner pfiffig, so kann kein Kaukasier den netten Damen widerstehen, wenn sie im Meeting fragen, ob es noch ein paar Hundert Server mehr sein dürfen). Junge Frauen mit großen Bierflaschen angesetzt kannte ich bislang nur aus der Taiwan-Beer Fernsehwerbung und hielt es für blanke Fiktion, das mal in Natura zu sehen war doch verblüffend.
Frau nebst Gatten nicht mit Flitzebogen, sondern Winkelement.
Wir gewannen im allem, auch beim Wange-an-Wange balancieren des Luftballons. Nur beim Seilziehen waren wir zweitplaziert. Beim Luftballonzeug habe ich auch nicht mitgemacht, am Nachmittag ist meine Wange dafür zu kratzig...
So wurde das SIT-Team Sieger in der Gesamtwertung. Und ich muss meiner Frau jetzt nur die "Vorwärts Vorwärts"-Rufe beim Autofahren abgewöhnen (Hozu Quaipao! oder so).
Für die Athleten gab es Taiwan-Beer, für uns Zuschauer nur toxisches Heincken. Ich blieb bei Eistee und Pokari Sweat.
Meine Frau verblüffte mich durch völligen Overdrive, sie verordnete uns Stirnbänder mit anfeuerndem Schriftzug, Winkelemente wie sie die Cheerleader aus den US of A haben und im abgeschlossenen Testlabor haben wir gnadenlos die drei Disziplinen der Spiele geübt. "Luftballon an der Wange balancieren, Bierwetttrinken und Seilziehen".
Ludigel: "Du übertreibst völlig!"
Frau: "Nein, ich mache das auf amerikanische Art."
Ludigel: "Ist das nicht genau das, was ich eben gesagt habe?"
Ich werde den Artikel noch diskret bebildern, das man nicht die Kollegen erkennt bei Trunk, Sport und Spiel, sonst erscheinen die Fotos noch eines Tages irgendwo mit dem Bildunterschrift "Pjönjang: fanatische Nordkoreaner bei den Festspielen zu Ehren ihres pausbäckigen Führers, Verlierer wird hingerichtet", so wild sehen wir auf den Fotos aus.
Unsere Athleten (Köpfe mit Stirnbändern nicht im Bild der Anonymität halber) konnten gar nicht genug kriegen.
Dennoch, meine Frau hatte Recht, ich wieder mal Unrecht, das ist bei uns beiden immer so. Der Teamgeist und das Jubeln "S.I.T. S.I.T. S.I.T.!" wenn unsere Athleten an der Flasche, dem Ballon oder Seil ihr Bestes gaben steckten die anderen Teams an und bald erschall auch "Hardware" als gegenläufiger Kriegsruf. Nur die Mechanos/Softies wussten nicht so recht, was sie schreien sollten. "MeckiSoft" vielleicht?
Beim Seilziehen bin auch ich angetreten im zweiten Team, das gegen die Schrecklichen Mechanos und ihre paar Quellcode-Softies antreten musste. Während unser erstes Team den Gegner noch binnen Sekunden auf unsere Seite gezogen hatte, versagten wir Betas nun schmählich. Wir stellten uns wie im Testlabor trainiert mit unseren "zum Sieg!"-Stirnbändern in Positur, tief in den Knien wie gelernt und warteten auf das "los los los"-Kommando ... da waren wir auch schon drüben bei den Mechanos. Verloren.
Widerstand ist Zwecklos
Beim nächsten Seilziehen gegen BIOS oder wen auch immer ließ ich alle Technik fahren, blieb stehen und zog und zog einfach. Schwupps war der Gegener auf unserer Seite, natürlich nicht nur wegen mir. Zu viel Technik ist manchmal wohl einfach Overkill.
Beim Bierwetttrinken trat ich nicht an, einige übergewichtige Teammitgleider hatten es in der Disziplin des 0.7-Liter-Taiwanbeer - Wettschluckens zu wahrer Meisterschaft gebracht und schluckten alle Gegner in die Knie, die bisweilen sich fast übergebend geschlagen das Feld räumen mussten, während unsere Recken noch einen auf den Sieg tranken. Einen Zusatzpunkt für Eleganz hätte aber das Sales-Team bekommen müssen, weil es fast nur aus Frauen in den 20ern besteht (weil die Kunden alles Herren in den 40ern sind, da sind die Taiwaner pfiffig, so kann kein Kaukasier den netten Damen widerstehen, wenn sie im Meeting fragen, ob es noch ein paar Hundert Server mehr sein dürfen). Junge Frauen mit großen Bierflaschen angesetzt kannte ich bislang nur aus der Taiwan-Beer Fernsehwerbung und hielt es für blanke Fiktion, das mal in Natura zu sehen war doch verblüffend.
Frau nebst Gatten nicht mit Flitzebogen, sondern Winkelement.
Wir gewannen im allem, auch beim Wange-an-Wange balancieren des Luftballons. Nur beim Seilziehen waren wir zweitplaziert. Beim Luftballonzeug habe ich auch nicht mitgemacht, am Nachmittag ist meine Wange dafür zu kratzig...
So wurde das SIT-Team Sieger in der Gesamtwertung. Und ich muss meiner Frau jetzt nur die "Vorwärts Vorwärts"-Rufe beim Autofahren abgewöhnen (Hozu Quaipao! oder so).
Freitag, Juni 01, 2012
Gesundheitscheck
Wenn sich einem junge Damen mit allerhand Geräten nähern, sollte man sich entweder überlegen ob man die Zehnerkarte für das Studio Monique aus der Fernsehwerbung wirklich hätte kaufen sollen oder ... man ist taiwanischer Arbeitnehmer und hat seine jährliche Gesundheitsuntersuchung vor sich.
Welches Zäpfchen hätten's denn gern? (Firefox-Mittelklick vergrößert die junge Dame, aber männliche Leser nutzen diese Funktion bitte nur mit Vorsicht, sonst wird Taiwan noch voller als es ohnehin schon ist)
Die Dame im Bild ist natürlich von der COMPULATEX Computermesse und hat mit der Untersuchung nichts zu tun, aber 2010 hatten wir eine junge stark geschminkte Dame im Krankenschwester-Minidress, so Mini, dass es aussah wie im RTL-Spätfilm. Als sie sich dann vor einen hinkniete, die endlos langen Beine irgendwie elegant an die Seite gegossen, um mein Fahrgestell in irgendein Testgestell einzufädeln.... furchtbar, furchtbar was man hier erlebt. ganz furchtbar.
Diesmal eher langweilig der Test, keine Krankenschwestern, nur ein doofes Röntgenbild gemacht (wollen sie sehen ob das Alien in meiner Bauchhöle seit letztem Jahr gewachsen ist?), danke für die überflüssige Strahlendosis. Habe leicht zu hohen Blutdruck (zu viel die Krankenschwester gesucht und dabei angestrengt?) und ertwartungsgemäß funktionieren meine Augen diesmal deutlich schlechter - seit der Entzündung während meines Indientripps, bei dem mir u.a. die Augen anschwollen wegen angesprungener Springpest im verdreckten Hotel (Dreck machen können sie da, da haben sie was los, klappt noch besser als mit Software!) klappt es mit der Sehschärfe nicht mehr so. Andererseits kann man da ganz froh sein bei den vielen Miniröcken hier in der Sommerhitze.
Mittwoch, Mai 23, 2012
Lorbeeren made in Taiwan
Geschichte von meinen alten Arbeitsplätzen hier in Taiwan. Natürlich nicht vom aktuellen, hier sind wir alle Engel ;-)
Interessant finde ich immer wieder, wie unverfroren man sich hier in Taiwan fremder Lorbeeren bedient in den Unternehmen. Deswegen findet man sich als Langnase hier auch i.d.R. nur für ein Projekt eingestellt. Spricht man nicht richtig Chinesisch, hat am Ende des Projekts das ganze Projektteam und ihre Kumpels und der Chef und dessen Kumpels alle Errungenschaften des Ausländers auf sich verteilt ("ich war's! Ich war's! Ich war's"), dass sich die Geschäftsleitung fragt, wieso sie den teuren Ausländer überhaupt eingestellt hat, wo die eigenen Landsleute doch alle plötzlich so enorme Fähigkeiten entwickelt haben.
Ach Chefs geben Hemmungslos die Arbeit eines Untergebenen als DIREKTE Eigenleistung aus nach oben hin und nicht etwa als von ihnen geleitete Leistung des Untergebenen. Nicht alle, aber für Ausländer in taiwanischen Unternehmen ergibt sich daher die Notwendigkeit, perfekt Chinesisch zu sprechen und über einen Mittelsmann (denn selbst wird man nie als einer von ihnen akzeptiert) das Ohr auf dem Unternehmensfunk zu haben.
Mir fällt es immer wieder auf. Man implementiert ein Verfahren, das die Testabläufe erst im Kundendiensttest und dann in der Produktion revolutioniert, ein Kollege macht eine marginale Verbesserung und schwupps, verkündet er nach oben, das Zeug von der Langnase sei alles Mist gewesen und er höchstselbst hätte das alle von Grund auf neu implementiert, damit es funktioniert.
Guckt man sich dann die Neuimplementierung an, sind nur 2 Zeilen unterschiedlich. Sinnvoll die Änderung, aber wirklich keine Neuentwicklung mit all den unzähligen Zeilen.
Mein Geheimdienst (aka Gattin) hatte sowas natürlich längst alles abgefangen.
Kopieren liegt ihnen im Blut, und jede Kopie ist originaler als das Original, hier am Ende des Tellerrandes der Weltscheibe. Gewieft wie die Ferengis bei Star Trek eben ;-)
Update: Vielleicht muss man dazu etwas mehr analysieren. Laut Geerd Hofstedes wissenschaftlicher Ländereinstufung ist Taiwan eine "weibliche Gruppenkultur", wobei das weibliche bedeuten soll, dass nicht aggressive Verhaltensweisen, sondern fürsorgliche (die damit der Gruppe zu Gute kommen!) als Tugenden gelten. Also ist es irgendwie logisch den Fremden "auszunehmen" zu Gunsten der Gruppe. Ob man als richtig Chinesisch sprechender dazugehören würde weiß ich nicht, ich würde mal vermuten auch dann nicht, nach entsprechenden Berichten von fließend-Mandarin-Ausländern hier.
Vorteile hat das Arbeitsleben aber auch, den kecken aufstrebenden Mitarbeiter, der Bullshitsätze wie "ICH habe das Projekt gemanaged (seite 15 Kollegen vergessend) und ICH habe der Company damit eine bessere Positionieren im e-fuck-Business gebracht. Das ist MEIN Erfolg, ICH bin gut, ICH bin super", den gibt es in Taiwan eigentlich nicht. Und auch den klassischen Bürosoziopathen, der in Deutschland statistisch unter 25 Angestellten immer einmal vorkommt, der sich mit jedem Kollegen bekriegt und das nach oben hin buckelnd als Härte für "die Company" verkauft, den gibt es in Taiwan nicht. Der würde schneller gefeuert, als er seinen ersten Vitriolsatz von sich geben kann. Der würde hier in einer Gruppengesellschaft sowieso als geisteskrank gelten. "Gemütskrank" würde auch den Zustand der meisten dieser Soziopathen beschreiben, die ich im Laufe der Zeit in Deutschland kennengelernt habe. Da war der eine, der hysterisch wurde, wenn man ihm eine Tomate zeigte (grins).
Interessant finde ich immer wieder, wie unverfroren man sich hier in Taiwan fremder Lorbeeren bedient in den Unternehmen. Deswegen findet man sich als Langnase hier auch i.d.R. nur für ein Projekt eingestellt. Spricht man nicht richtig Chinesisch, hat am Ende des Projekts das ganze Projektteam und ihre Kumpels und der Chef und dessen Kumpels alle Errungenschaften des Ausländers auf sich verteilt ("ich war's! Ich war's! Ich war's"), dass sich die Geschäftsleitung fragt, wieso sie den teuren Ausländer überhaupt eingestellt hat, wo die eigenen Landsleute doch alle plötzlich so enorme Fähigkeiten entwickelt haben.
Ach Chefs geben Hemmungslos die Arbeit eines Untergebenen als DIREKTE Eigenleistung aus nach oben hin und nicht etwa als von ihnen geleitete Leistung des Untergebenen. Nicht alle, aber für Ausländer in taiwanischen Unternehmen ergibt sich daher die Notwendigkeit, perfekt Chinesisch zu sprechen und über einen Mittelsmann (denn selbst wird man nie als einer von ihnen akzeptiert) das Ohr auf dem Unternehmensfunk zu haben.
Mir fällt es immer wieder auf. Man implementiert ein Verfahren, das die Testabläufe erst im Kundendiensttest und dann in der Produktion revolutioniert, ein Kollege macht eine marginale Verbesserung und schwupps, verkündet er nach oben, das Zeug von der Langnase sei alles Mist gewesen und er höchstselbst hätte das alle von Grund auf neu implementiert, damit es funktioniert.
Guckt man sich dann die Neuimplementierung an, sind nur 2 Zeilen unterschiedlich. Sinnvoll die Änderung, aber wirklich keine Neuentwicklung mit all den unzähligen Zeilen.
Mein Geheimdienst (aka Gattin) hatte sowas natürlich längst alles abgefangen.
Kopieren liegt ihnen im Blut, und jede Kopie ist originaler als das Original, hier am Ende des Tellerrandes der Weltscheibe. Gewieft wie die Ferengis bei Star Trek eben ;-)
Update: Vielleicht muss man dazu etwas mehr analysieren. Laut Geerd Hofstedes wissenschaftlicher Ländereinstufung ist Taiwan eine "weibliche Gruppenkultur", wobei das weibliche bedeuten soll, dass nicht aggressive Verhaltensweisen, sondern fürsorgliche (die damit der Gruppe zu Gute kommen!) als Tugenden gelten. Also ist es irgendwie logisch den Fremden "auszunehmen" zu Gunsten der Gruppe. Ob man als richtig Chinesisch sprechender dazugehören würde weiß ich nicht, ich würde mal vermuten auch dann nicht, nach entsprechenden Berichten von fließend-Mandarin-Ausländern hier.
Vorteile hat das Arbeitsleben aber auch, den kecken aufstrebenden Mitarbeiter, der Bullshitsätze wie "ICH habe das Projekt gemanaged (seite 15 Kollegen vergessend) und ICH habe der Company damit eine bessere Positionieren im e-fuck-Business gebracht. Das ist MEIN Erfolg, ICH bin gut, ICH bin super", den gibt es in Taiwan eigentlich nicht. Und auch den klassischen Bürosoziopathen, der in Deutschland statistisch unter 25 Angestellten immer einmal vorkommt, der sich mit jedem Kollegen bekriegt und das nach oben hin buckelnd als Härte für "die Company" verkauft, den gibt es in Taiwan nicht. Der würde schneller gefeuert, als er seinen ersten Vitriolsatz von sich geben kann. Der würde hier in einer Gruppengesellschaft sowieso als geisteskrank gelten. "Gemütskrank" würde auch den Zustand der meisten dieser Soziopathen beschreiben, die ich im Laufe der Zeit in Deutschland kennengelernt habe. Da war der eine, der hysterisch wurde, wenn man ihm eine Tomate zeigte (grins).
Freitag, Mai 20, 2011
Mein erster Chef-Cubical in Asien***
Heute ist es soweit, als Teamleiter mit einem realen Teammitglied und zwei virtuellen habe ich heute einen Chef-Cubical bezogen. Endlich mehr Platz für die drei oder vier Bildschirme. Und endlich Platz eine Jacke aufzuhängen. Vor Begeisterung bin ich jetzt in der 15ten Arbeitsstunde und jetzt endlich mit der Arbeit fertig. Aber meine Frau will noch ein bisschen. Na ja, es sit 23 Uhr und in einer Stunde Wochenende, da lese ich jetzt Spiegel oder Asterix-Comix. 15 Stunden langen, endlich läuft eine erste Version der Testapp, die das Firewall-Dingens testen soll unter Linux.
So..... laaangsam geht die Arbeitsdrohne ins Wochenende. Hmmm... wenn hier noch Bett und Dusche wären bräuchte ich das Reihenhaus nicht mehr....
*** Zonen-Gabi und die erste Banane, sie wissen doch noch... Mehr Ostzone als bei mir geht ja nicht mehr.
P.S.: Als ich nach Hause gekommen bin war unsere Putzfrau gerade weg. Die macht bis 23.30 am Freitag. Und putzt (auch bei anderen Leuten) insgesamt 7 Tage die Woche. Taiwanesen lieben es zu arbeiten.
So..... laaangsam geht die Arbeitsdrohne ins Wochenende. Hmmm... wenn hier noch Bett und Dusche wären bräuchte ich das Reihenhaus nicht mehr....
*** Zonen-Gabi und die erste Banane, sie wissen doch noch... Mehr Ostzone als bei mir geht ja nicht mehr.
P.S.: Als ich nach Hause gekommen bin war unsere Putzfrau gerade weg. Die macht bis 23.30 am Freitag. Und putzt (auch bei anderen Leuten) insgesamt 7 Tage die Woche. Taiwanesen lieben es zu arbeiten.
Dienstag, Mai 10, 2011
Wochenend Arbeitskater
Einen Wochenendkater haben sicher viele, bei mir ist es aber ein Arbeitskater. Montag bis Freitag 10 bis 12 Stunden oder auch mal 14 im Büro, Notstände lösen und bisweilen als "Lettel in del Not" gefeiert werden und dann.... WOCHENENDE. Was soll man da bloß machen? Man sitzt rum. Nichts zu tun. Eine Art schlechtes Gewissen stellt sich ein und ... Kopfschmerzen. Freizeit kann Stress sein. Fernsehen, Bücher lesen, alles nicht so das richtige nach der Arbeitswoche als Arbeitsdrohne hier im "chinesischen" Norden Taiwans. Privat die Rechner zu Hause konfigurieren? Auch nicht schlecht, aber Frau meckert immer wenn sich der Wireless Key vom Router geändert hat und sie nicht ins Internet kommt. Und irgendwann ist man fertig, hat überall noch Linux zum Windows installiert und die Rechner auf dem Schreibtisch vernetzt etc.
Also diesen Samstag die Idee gehabt, sofort aus dem Bett gesprungen als ich wach wurde um 8.00 Uhr, zwei Rechner vernetzt und ein altes Linux auf dem Uraltnotebook installiert, das ich in der Firma als Referenzinstallation brauche. Frau wurde um 9.00 Uhr wach und erwischte mich an den Rechnern. Den ganzen Tag rief sie dann genervt hoch "sitzt du immer noch am Linux?", während ich konfigurierte und installierte und den Kernelupgrade vorbereitete und nebenbei Asterix-Comix las. Wenn schon Nerd dann richtig. Außerdem sind die Asterix-Comix doch inhaltlich tiefer als die Tim-und-Struppi - Reihe, den Band "...und der blaue Lotus" natürlich ausgenommen.
Klappte wunderbar, keine Kopfschmerzen am Samstag, auch wenn ich genervt war, weil ich wegen Essen fassen zweimal unterbrechen musste. Dann am Sonntag bekam ich von Frau Rechnerverbot, respektive sie kontrollierte, dass ich die Kisten nur zum Fernsehen oder Surfen verwendete und ein versehentliches Abgleiten auf die Linuxseiten wurde sofort geahndet. Zwang zur Freizeit, grauenhaft. Was passierte? Bekam prompt am Sonntag wieder Kopfschmerzen...
So, muss weiterarbeiten. Arbeitsdrohne 20041901 meldet sich ab, zurück in den Taiwahn.
Also diesen Samstag die Idee gehabt, sofort aus dem Bett gesprungen als ich wach wurde um 8.00 Uhr, zwei Rechner vernetzt und ein altes Linux auf dem Uraltnotebook installiert, das ich in der Firma als Referenzinstallation brauche. Frau wurde um 9.00 Uhr wach und erwischte mich an den Rechnern. Den ganzen Tag rief sie dann genervt hoch "sitzt du immer noch am Linux?", während ich konfigurierte und installierte und den Kernelupgrade vorbereitete und nebenbei Asterix-Comix las. Wenn schon Nerd dann richtig. Außerdem sind die Asterix-Comix doch inhaltlich tiefer als die Tim-und-Struppi - Reihe, den Band "...und der blaue Lotus" natürlich ausgenommen.
Mühsam verrinnt die Zeit am Wochenende auf der TELESONIC Quartz. Ja ich weiß, die Uhr ist hässlich. 600 Taiwandollar (15 Euro) bei Carrefour und meine Frau hat einen spitzen Schrei ausgestoßen, als sie sie aufgestellt hat.
Klappte wunderbar, keine Kopfschmerzen am Samstag, auch wenn ich genervt war, weil ich wegen Essen fassen zweimal unterbrechen musste. Dann am Sonntag bekam ich von Frau Rechnerverbot, respektive sie kontrollierte, dass ich die Kisten nur zum Fernsehen oder Surfen verwendete und ein versehentliches Abgleiten auf die Linuxseiten wurde sofort geahndet. Zwang zur Freizeit, grauenhaft. Was passierte? Bekam prompt am Sonntag wieder Kopfschmerzen...
So, muss weiterarbeiten. Arbeitsdrohne 20041901 meldet sich ab, zurück in den Taiwahn.
Donnerstag, Mai 05, 2011
Taiwan, Job in Autowerkstatt
Seniorina, isch abe gar keine Diesel...
Auch kaufen Taiwanesen in billigen Geschäften, essen in kleinen superbilligen Garküchen, wo sich Ausländer fast nie verständigen können oder diese Orte wegen des schmuddeligen Ambientes meiden. Und Expatessen mit Taiwangehalt, da graust es einem schnell. Erinnere mich ja an meine Anfangszeit, auch wenn ich so wenig Gott sei Dank nicht hatte.
http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=98300
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