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Dienstag, Januar 07, 2020

Menschen, die auf Wasserpumpen zeigen

Ich hasse Wasserpumpen

Nein nicht wirklich. In Deutschland kriegt man von den Dingern eigentlich so gut wie nie etwas mit. Das elterliche Einfamilienhaus, das immer noch mein Zweitwohnsitz ist, hat davon zwei, wie ich neulich mitbekommen habe. Aber man hört sie praktisch nie und auch nur, wenn man im Keller ist. Dort hört man dann ein leises, angenehmes Surren. Denn die Dinger sind richtig an massiven Steinwänden befestigt, was Vibrationen vorbeugt. Und die Steinwände schwingen auch nicht so leicht mit.

Unsere Wasserpumpe auf dem Dach über Ludigels Wohnung links im Bild und die neuerdings installierte von der Partei unter uns, rechts im Bild. Unsere recht fest auf Steinen gelagert, die vom Nachbarn lose und wackelig und tief vibrierend

Anders in Taiwan. Hier installiert man deutlich billiger wirkende Wasserpumpen gerne an den Wänden der Häuser, für jede Partei eine. Außen an der Fassade sitzen die Teile und in billigen Häusern in Plattenbauweise hat man so scheussliche Pumpen, die nicht auf niedrige Geschwindigkeit schalten können, sondern bei nicht ganz aufgedrehtem Wasserhahn auf einen "Hämmermodus" schalten, der mir schon viele schlaflose Nächte beschert hat, wenn die Plattenbauwand komplett mitvibriert hat. Da hilft auch kein Oropax.

Unser gegenwärtiges, viel besseres Apartment in einem massiver gebauten Wohnhaus war bis vor ein paar Wochen angenehm ruhig. Die Wasserpumpen der Nachbarn ratterten an deren Wänden, aber die massivere Außenwand schwang nicht mit. Also hatte man maximal ein leises Surren, wenn der Nachbar um 2 Uhr morgens noch taiwantypisch eine halbe Stunde lang duschen oder Baden wollte.
Auch sind die Pumpen etwas besser, ohne den gefürchteten Hammermodus.

Doch nun hat die Partei unter uns die Wohnung komplett rennoviert und hat eine Wasserpumpe bei uns auf dem Dach installiert, gleich neben unserer. Clever. So stört es die Leute da unten weniger. Und uns um so mehr. Ist die Pumpe auch keine mit Hämmerei, so ist sie jedoch nur lose auf ein paar Backsteinen gelagert - hält sich nur an ihren Wasserrohren, wie auch unsere - und rattert und vibriert bei Betrieb derart tieftönig, dass es einem in unserer Wohnung richtig unangenehm wird.
Einstweilen haben wir unserer Vermieterin das obige "Da ist die Übeltäterin!"-Foto geschickt, das sich in die große Tradition der Fingerzeig-Fotos einreiht. Vielleicht probiere ich mal, das Ding auf Gummi oder dergleichen zu lagern, wenn keine Abhilfe geschaffen wird.

Für Leute, die Taiwan nicht kennen, ist das ganze Thema vielleicht surrealistisch. Aber tieffrequente Störenfriede stören einen halt erst dann,wenn sie dilletantisch auf Resonanzkörpern in der Nähe von einem selbst vor sich hinwerkeln.

Wasserpumpen in den Keller! Wir haben ja nicht mal die üblichen Wassertanks auf dem Dach, daher gibt es eigentlich keinen Grund für diese idiotische Befestigung der Pumpen.

So...jetzt sehen sie Wasserpumpen bestimmt mit anderen Augen ;-)

P.S.: Man achte auf die handverdrillten Kabel...

Donnerstag, April 06, 2017

Camelot in NeiHu

Ein merkwürdiges Haus erspähte ich, als ich 2004 einstweilen zu Schwiegermutter nach NeiHu in Taipei zog. "Camelot in NeiHu" nannte ich es in meinem allerersten Blogartikel, der noch im alten Passado-Blog (heute nicht mehr vorhanden abgesehen von einer Archivversion irgendwo im Netz) erschien. Und seit kurzem... wohne ich da.



Erst mit dem Fisheye* mit seinem 180-Grad-Bildwinkel erschließt sich auch im Foto die Wirkung, die die Wohnanlage in Natura hat. Mitten im manchmal slumartig daherkommenden Viertel besteht die Anlage aus besserer, neuerer Bausubstanz und hat drei Gebäude und eine recht hohe Außenmauer (hinter meinem Rücken im Bild) nebst einer Schwebebrücke zwischen den Gebäuden und einer Wendeltreppe im Innenhof zu einer fast mittelalterlich anmutenden "Burg"-Anlage kombiniert. Die Brücke verbindet im 2. OG das vordere Haus mit dem weit entfernten kleineren hinteren Haus, weil dieses keinen eigenen Fahrstuhl hat.

Der Innenhof ist begrünt und so ergibt sich eine ganz nette Atmosphäre. Zwar ist die Wohnanlage in die Jahre gekommen und leidet unter dem klimatypischen Fassadenschmodder, aber der macht sich auf den gefliesten Fassaden besser als auf dem grauen nackten Beton, den viele Häuser in der Gegend haben. Auch der Verzicht auf das in Taiwan so beliebte Wellblech (Balkone ausbauen etc.) macht deutlich, dass es dies hier eine etwas bessere Wohnanlage ist. Absolut ruhig ist sie übrigens auch, wohl ein schlechter Ort für Stereoanlagen. Als bessere Anlage hat sie sogar Schreibtische für Security-Leute. Allerdings sind die Stellen seit Jahren unbesetzt.

Die in Taiwan so beliebten Fenstergitter hat die Anlange auch. Sie passen aber zu der oft verwinkelt angelegten Architektur besser als zu den sonst glatten Fassaden der Plattenbauten im Viertel. In der Mitte guckt man im Foto auf eine Wellblech-Aufstockung eines Schlichthauses außerhalb der Anlage; links ist die Wendeltreppe zu sehen.


In die Anlage fahren wir nicht über eine Zugbrücke, sondern über einen Autolift. Vieles in der Anlage ist verwinkelt angelegt. Unser Treppenhaus ist fast auch eine Wendeltreppe, die Wohnung klein und voller Nischen und Erker, aber schick mit maßgeschneiderten Einbaumöbeln im asiatischen Stil und modernem Deko-Stuck an der Decke versehen. Auch einen im Boden versenkbaren Wohnzimmertisch gibt es. Den soll man aber auch im Boden belassen, weil er sonst mit schwerer Tischplatte zusammenkracht und einem die Zehen bricht, sagte die Vermieterin.


Unser Haus verjüngt sich oben turmartig und erlaubt einen tollen Blick auf die umliegenden Schlichthäuser, in denen ich ehrlich gesagt die meiste Zeit in Taiwan verbracht habe.

Verwinkelte düstere Gänge gibt es auch in der Tiefgarage, über die man von einem Teilhaus zum anderen gelangen kann. Junior (5) und ich haben das die Tage tapfer erkundet.


Sicher könnte man es in der Anlage aushalten. Aber die Abgasluft Taipeis ist hier natürlich auch nicht besser. Sie macht nicht nur Junior eine mysteriöse "Dauererkältung", sondern auch mir. Nur bei mir mit paralleler Tendenz zu Magengrippe und außerdem allergischem Ausschlag am Kopf, der vermutlich durch Nahrungsmittel (oder besser deren taiwantypische illegale Beimischungen) ausgelöst wird. Wenn man sich vor beginnender Magengrippe und mit entzündeten Stippen u.a. im Mundraum alles andere als wohl fühlt, kaum dass man wieder taiwanischen Boden unter den Füßen hat, fällt es trotz allem schwer der Gattin zu versprechen, hier weitere Jahre in Taipei zuzubringen.

Somit bin ich ein Wanderer zwischen den Welten. Hin und her gerissen zwischen meiner neu angemeldeten (Krankenkasse, Auto, ADAC) Existenz in der niedersächsischen Kleinstadt und dem Leben mit Frau und Junior im mich gesundheitlich strapazierenden Taipei. Leider schließt Frau in Deutschland zu leben kategorisch aus und kann und will nur im Hoch-Kriminalitätsbelasteten Manila oder aber im versmogten Taipei leben. Da kann ich wählen zwischen Entzug von Junior oder Gesundheit. Man sieht ja, wo ich gerade bin. So, genug der Schreiberei, ich muss mich erstmal wieder kratzen. Verdammte Insel.


* Sigma EX DG 2.8/15mm auf Fullframe-Bildformat DSLR (Sony A850)

Mittwoch, Januar 08, 2014

Elektroheizung ohne Diktator

Dieser Tage ist Winter in Taiwan, wäre hätte das gedacht. Die Temperatur liegt bei 17-20 Grad, aber mit etwas undichten Fenstern (in Taiwan hat man meist einfachverglaste klapprige Schiebefenster statt deutscher dichter Fenster) kann es schon etwas unangenehm werden. Ich erinnere mich noch an Jahre, da ging die Temperatur auf bis zu 7 Grand runter, da saß ich dann im Ledermantel mit Schal in der eigenen Wohnung und sah meinen Atemwölkchen zu beim Fernsehen.

Heizungen hat man nämlich in Taiwan nicht, nur Klimaanlagen. Obwohl man Elektroheizungen kaufen kann, die aber wegen den Stromkosten im Gegensatz zu Klimaanlagen verpönt sind, wir haben daher auch keine.


Offenkundig von einem deutschen Hersteller namens Heller werden hier welche angeboten. Deutsches verkauft sich immer gut in Taiwan. Das kleine Männchen in der Werbung...

Gefällt mir mit seiner schwarz-rot-goldenen "Armbinde" viel besser als DIESES kleine Männchen einer älteren Heizungswerbung einer (Taiwan-Zweigestelle einer) anderen deutschen Firma, was allerdings vor meiner Zeit in Taiwan war: http://osttellerrand.blogspot.tw/2007/11/cold-in-taiwan.html

Die hatten damals veritabel einen kleinen Adolf Hitler mit Armbinde mit Firmenlogo versehen und ihn den "Sturm gegen die Kaltfront" oder dergleichen bewerben lassen; siehe Link. Den Firmennamen habe ich zensiert, denn das deutsche Hauptquartier wusste nichts von der bizarren Werbeaktion damals.

Hmmm... ob ich mir das nette Feuerteufelchen von oben mal hole, wenn es noch kälter wird? Ach was, lieber frieren, als den Sinn einer Heizung mit meiner Gattin zu diskutieren ;-)

Freitag, Oktober 25, 2013

Kommt "Ludigels Wohnblock" weg?

Die Schlichtwohnblöcke in NeiHu sind die Heimat meiner Taiwanfamilie, hier sind sie in den 70ern her gezogen und hier ist Heimat, Geborgenheit und Wohlbefinden. Auch schon 2004, als ich hier her gezogen bin und alles noch wesentlich schmuddeliger war als heute. Die SARS-Epidemie, die damals zu Zombiefilm-ähnlichen Szenen geführt hatte (etwa: Krankenschwester, die sich aus dem Fenster aus unter Quarantäne stehendem Krankenhaus abseilt - es hätten nur noch die ins Leere greifenden blutigen Hände im Fenster gefehlt) hat seither Taipei wesentlich sauberer gemacht. Und manche Schmuddelbalkons in der Gegend, die rostige Gitter hatten, hinter denen Unrat übelriechend verrottete, sind mittlerweile in adrette weißliche Holzfensterfronten mit großen Glasscheiben umgewandelt oder haben wenigstens neue saubere Gitter.
Denn die Stadtverwaltung sanktioniert wohl seither Unrat zwischen den Wohnblöcken, in Garageneinfahrten oder auch auf Balkonen.


Ach die Treppenhäuser haben gewonnen, werden gelegentlich nach der Wasserfallmethode mit dem Wasserschlauch gereinigt, anstatt voller toter Käfer zu sein und nach (wohl Hunde-)urin zu stinken wie es noch 2004 der Fall war. Nicht nur ist das Viertel adretter geworden, auch mit zunehmender Nobelkarossendichte, es ist auch kleiner geworden. An der angrenzenden Hauptstraße sind besonders schmuddelige Wohnäuser durch moderne Bürohäuser ersetzt. Gar nicht so billiger*** Wohnraum wird vernichtet, aber ich gebe zu, breite Bürgersteige, Glas und Stahl und die Porsche- und Bentley-Vertretung dort sehen hübscher aus als die slumartigen Bauten, die dort vorher standen, so weit das Auge reichte.

individuell aufgehübschte Fenster gibt es neuerdings

Doch seit einiger Zeit werde ich stutzig. Das erste Foto oben und das unten zeigt die Fassade vom Wohnblock, wo mein Parkplatz ist. Man sieht, dass die Fassade mit ihren taiwantypischen kleinen Fliesen immer wieder geflickt worden ist über die Jahre. Aber mittlerweile scheinen sich die Fliesen überall abzulösen.

Beim vorletzten Taifun sind sogar Steine großflächig herausgefallen - auf mein darunter stehendes Auto und haben das mit (weiteren) Schrammen und weißlichen Lackeinlagerungen noch etwas taiwantypisch verschönert. Das ist schon Monate her, doch am Haus wird nichts repariert! Obwohl sich die Steine wohl bald ganz großflächig abwölben werden, so wie es aussieht. Gut, über den Schaden am Auto will ich mich nicht beschweren, schließlich weht der Taifun in ärmeren Ländern manchen Leuten die ganze Existenz fort oder gar sie selbst. Aber warum repariert diesmal keiner die Fassade? Wenn ich mir nun angucke, wie sehr das Viertel, das damals für Militärveteranen gebaut wurde, bereits zusammengeschrumpft ist und wenn ich mir die Nachbarschaft aus Büros und TV-Sendern angucke, dann denke ich.... ob unser Viertel auch bald dran ist mit Abriss? Für meine Schwiegermutter und ihre mit mir verheiratete Tochter wäre der Verlust von Wohnung und Viertel sicherlich ein Schock. Zumindest die Mutter meines Sohnes fühlt sich nur wohl, wenn sie von heimatlichem Beton umgeben ist. Bei unserem letzten "Deutschlandurlaub" haben wir ja veritabel das grüne Stadtrandviertel meines niedersächischen Elternhauses verlassen, um im betonierten Zentrum meiner Heimatstadt mit Junior spazieren zu gehen. Das nebenbei bemerkt unserem Taiwanwohnviertel recht ähnlich sieht.
Hier in NeiHu sind manche Neubauten riesige Wohnscheiden, zwar auf schick getrimmt mit Vorhof , güldenem Tore und Torwächter - aber eben auch viel Beton. Da ist dem Wohlfühlen in kommenden Jahrzehnten wohl kein Hindernis erwachsen, sollte meine Taiwanfamilie umgesiedelt werden irgendwann. Es sei denn sie bauen ein paar neue TV-Sender statt Wohnraum, eine Maserativertretung oder einen Drive-in Rolls-wieder-Royce - Laden. Ein Nachbar parkt in seiner Einfahrt auch schon mal Mercedes, Ferrari und Maserati und hat sich die Erdgeschosswohnung mit eigenem Parkplatz und Vorhöfchen fast nobelvillenmäßig  aufgezogen inklusive japanischer Zierbüsche - wo vor Jahren noch Unrat war.



In diesem Schlichtwohnviertel sind die Erdgeschosswohnungen manchmal luxuriös zurecht gemacht..

... und ein Nachbar parkt öfter mal Maserati (links), Benz und Ferrari im Wechseltakt in seiner Einfahrt.


*** Quadratmeterpreis soll mittlerweile bei 0.7 bis 1 Million Taiwandollar liegen bei Kauf. Auch für eine kleine Schlichtwohnung ohne Heizung und mit undichten Fenstern und einem Badezimmer a la 1950 werden schnell mal 6 Millionen NT fällig, also umgerechnet etwa 150.000 Euro [korrigiert nach Hinweis in den Kommentaren, hier stand das Doppelte ;-]

Donnerstag, August 22, 2013

Horror-Schwelle und Krankenhaus

In taiwanischen Wohnungen und Häusern hat man immer wieder diese hohen Stolperschwellen in den Badezimmertüren und manchmal auch Küchentüren: Handhoch teilweise und gemauert und gefliest. Sollen dazu dienen, Überschwemmungen im Badezimmer nicht in die Restwohnung sickern zu lassen. Und weil viele taiwanische Badezimmer keine Wanne oder Duschkabine haben, sondern nur eine Handbrause, setzt man da schnell das Bad unter Wasser - es hat aber einen Abfluss und den Rest regelt die Stolperschwelle.



Hier ist die Badezimmertür geschlossen. Besonders tückisch ist das zum Stolpern wenn sie offen ist, weil man dann freien Blick auf das Ziel hat und oft zu schnell ins Bad eintreten will. Hier im Foto ist die Schwelle schon mit Gummistreifen gesichert, was bis gestern Abend nicht der Fall war. Unser Junior (knapp 2 Jahre alt) hat es nämlich fertig gebracht, nicht wie ich über die Schwelle zu stolpern sondern vor der Schwelle umzufallen. Und ist dann mit dem Kopf auf die harte Schwelle aufgeschlagen, als Schwiegermutter im Bad war und die Türe offen war. Das gab eine aufgeplatzte Stirn, blutete wie sonst was und Junior musste im Krankenhaus genäht werden - das Geschrei konnte ich bis vorne zum Eingang der Notaufnahme hören als ich mit Frau angerast kam, Abends zum 22 Uhr direkt aus dem Büro, wir sind halt Taiwaner (Schwiegermutter, die ihn betreut hatte, war mit ihm schon drin beim Nähen). Einen kleinen Schreck bekamen wir, als Junior beim Nähen plötzlich zwei dicke Blutklumpen hervor würgte. Allerdings erklärte Schwiegermutter gleich, er habe Blut geschluckt, da beruhigte sich auch der Arzt wieder, der sichtbar zusammengezuckt war, als Junior plötzlich Blut hervor würgte. Kennt man ja aus dem Western: Blut spucken ist eigentlich eine schlechte Idee.

Doch kaum war Junior genäht, hatte er alles vergessen und wollte schon wieder mit meinem Handy spielen, so als sei nichts gewesen. Wenn ich mir überlege, was da alles hätte passieren können...


***


Kuriose Randnotiz: Während ich in der Notaufnahme wartete, fiel mein Blick auf eine kleine Kammer, in der ein Polizist Papiere ausfüllte, sicher einen Unfallbericht. In der kleinen Kammer mit Besenkammercharakter sitzt er vorne über gebeugt über den kleinen Schreibtisch und über ihm prangen die Worte: "Voyage de la France" mit einem Pfeil nach rechts, in die Ecke der Kammer. Schade, das wäre ein nettes Foto gewesen, aber man fotografiert natürlich keinen Polizisten in der Notaufnahme. Daher sei es hier verbal wiedergegeben. Später habe ich nachgesehen, rechts in der Ecke der Kammer war tatsächlich ein Eifelturm aufgemalt. In einer taiwanischen Notaufnahme, wo wohl fast niemand Französisch spricht, wirkt das schon sehr kurios.
Frau hatte sich mit einer Inderin unterhalten, die erst 18 Monate in Taiwan war und schon perfekt Mandarin sprach. Meine Aufenthaltsdauer war da auch gleich das große Thema ;-)



Montag, April 22, 2013

Vollistan

Bemerkenswert finde ich immer wieder, wie gerammelt voll alles im Norden von Taiwan und insbesondere hier in Taipei ist. Alles scheint doppelt ausgenutzt und jede kleine Nische erfüllt noch irgendeinen Zweck. Mindestens.

Hier ganz gut erkennbar beim Bild von dieser Fressbude in der 737-Lane bei uns ganz in der Nähe. Alle Nebenstraßen sind ja als Lane Nr. Soundso durchnummeriert, bezogen auf die nächste große Straße, aber die 737-Lane ist wohl wegen dieser eingängingen Nummernkombo zu etwas besonderem geworden. Hier ist eine beliebte Einkaufstraße, in der sich Menschenmassen am Wochenende zwischen Fressbuden, Geschäften und unzähligen Verkaufsständen hindurchdrängen. Und Mopeds, viele Mopeds. Bis vor kurzem auch noch wild hupende Autos am Wochenende, aber die müssen seit kurzem zu den Stoßzeiten draußen bleiben - für mich immer noch ein kleines Wunder.
Aber was ich eigentlich sagen wollte: Achten Sie mal auf den Bildrand, da wo es etwas dunkel ist. Merken Sie es? Es ist alles voll. Alles ist mit irgendwas zugestellt, Krirmskrams, Klimbim, Kochutensilien und sogar die Fahrbahn ist kaum zu erkennen - die ist zwischen dem Laternenmast und den Mopeds der anderen Straßenseite links. Es müffelt und knattert, brutzelt und vibriert und Menschenmassen schieben sich schnatternd und hektisch von Stand zu stand und kauen auf ihrem Essen rum, eingenebelt von Mopeds. Die beiden jungen Männer verkaufen übrigens eine Art chinesischen Hamburger - in einer Hefeteigtasche oder dergleichen ist eine Frikadelle, ein Gemüsebrei und allerlei Würzkraut. Scheckt ausgeprochen gut, aber das hat sich herumgesprochen, so dass man jetzt immer eine riesige Schlange davor hat. Entsprechend habe ich das schon seit einem halben Jahr oder so nicht mehr gegessen.

737-Lane





Leckere Deserts und geschnitten Obst und Miniröckchen, geht alles weg wie geschnitten Brot in 737-Lane


Fisch am Spieß mit vergorenem Kraut drüber, fein abgeschmeckt mit Mopedschwaden. Meiner Frau ist es die liebste Flaniermeile in der Gegend, gerne geht sie mit mir Hand in Hand von Stand zu stand und knubbert hier und da an den gekauften Leckereien herum. Und ich bemühe mich flach zu atmen ;-)


Das ist das Taiwan der Nightmarkets, bei denen entweder Gangster oder Anwohner kontrollieren, welcher Händler hier seinen Stand aufstellen darf. Natürlich hat keiner eine Lizenz. Alle paar Jahre sehe ich mal die Polizei Lizenzen kontrollieren. Dann machen schnell alle das Licht aus an den Ständen und die Polente tut dann so, als seien die Stände nicht vorhanden. Man muss nur die Regeln kennen als Händler! Der ein oder andere Nightmarket verschwindet heute um moderne Bebauung Platz zu machen. "Good Riddance" sagt man da auf Englisch.

Ganz in der Nähe hat sich die Ecke deutlich gewandelt. Modernere Bebauung ist hingesetzt worden und hat alte Schlichthäuser verdrängt - oder sie sind wenigstens mit Leuchtreklame zugepflastert. Ein Konditor ohne Meister einer solchen Kaffee-, Bäcker- und Kuchenkette hat sogar Sitzplätze draußen, wo Taiwaner ein leckeres Törtchen nebst Kaffee in einer unglaublichen Smogwolke direkt neben den räuchernden Mopeds genießen. Toll, was der menschliche Körper alles so mitmacht.

Hektisch, laut und voll ist es hier. Ich habe hier eine Zeit lang gewohnt - so unglaublich laut war es 24-Stunden am Tag, dass ich des nachts keinen Schlaf gefunden habe. Der Gesundheitszusammenbruch ließ dann nicht mehr lange auf sich warten. Um 22 Uhr haben sie immer die Straße neu aufgerissen damals, jede Nacht ;-)


 So richtig schöner ist das moderne auch nicht. Grün und Blumen gibt es nur auf der Werbetafel und den Bürgersteig haben sie hier auch wieder "vergessen".

An dem Verkehrsknotenpunkt nimmt eine protzige US-Kirche mit ummauertem Kirchhof den ganzen Platz ein, hier mit Weihnachtsdeko zu sehen. Ihren schönen leeren Kirchhof hätten sie ja auch zumindest teilweise den von Mopeds und Autos eingekeilten Fußgängern zur Verfügung stellen können. Aber nein. Aber schöne Säulen haben sie.

Hier sieht man was ich meine: Die Mauer des Krichengrundstücks und der fehlende Bürgersteig zwingt die Fußgänger wie den etwas links zur Mitte im Bild zum gehen auf der viel befahrenen Fahrbahn, der breite gepflasterte Hof der Kirche bleibt unbenutzt. Schuld sind natürlich die "Planer" Taiwans, die keine Bürgersteige planen.

 Gegenüber ein kleines Geschäft, das einem Franchise angeschlossen heiße Süßkartoffeln verkauft. Der leckere Duft mischt sich mit den Abgasschwaden an der Kreuzung. Bald werden sicher die Wellblechbuden verschwinden, die sich um Abbruchhäuser herum gruppiert haben, denn die Grundstücke locken sicher irgendwann Bebauung an. Ich habe schon öfter mal überlegt, dort eine Süßkartoffel zu kaufen. Man kann aber immer wieder Gruseliges erleben in Taiwan, wenn man als Ausländer mit Rudimentärchinesisch etwas an solchen Buden kaufen will. Entweder kriegt der Verkäufer eine Schreckstarre und ignoriert einen oder häufiger bricht er in nicht mehr enden wollendes Verlegenheitsgekichere aus und ist nicht mehr in der Lage auch nur die einfachsten Transaktionen hinzubekommen. Hatte das wirklich schon: Ich zeige auf die Ware neben der der Preis steht, winke mit dem abgezählten Geld, aber vor mir stehen drei Leute gucken sich an und wiehern wie eine Komikertruppe im Mel Brooks - Film. Solange bis man weggeht. Wiegt der vermutete Lustgewinn einer heißen Süßkartoffel den mit 33% - Wahrscheinlichkeit eintretenden Nervfaktor einer gescheiterten Transaktion auf? Nun: Eigentlich nicht, ich gehe immer weiter ;-)

Bei dem 85-Grad-Kuchenlade hätte ich auf dem Heimgang noch etwas leckeres mitgenommen. Fast. Aber die junge Frau in dem Schuppen hat mir schon so oft irgendwie genervt das Wechselgeld hingeknallt (während sie Einheimische normal behandelt), dass ich da auch nicht mehr hingehe. Vielleicht kaufe ich ja immer das Falsche. Es sind aber glaube ich die Kohlenmonoxidschwaden, die ihr einen Hirnschaden verursacht haben, ist meine Theorie. Nicht alle Taiwaner sind freundlich uns Westlern gegenüber, die meisten aber schon. Oder sie kichern halt ;-) Hmmm... Vielleicht hatte die Kuchentusse ja mal ein schiefgegangenes Date mit einem Englischlehrer gehabt - und ich muss es dann ausbaden. So ging ich hungrig zurück in mein Heim, in einem der immer weniger werdenen Schlichthäuser Taiwans. Man achte drauf, wie nah die Rückfront der Häuser an meinem Fenster nach Hinten raus ist.


Ein heißer Tee zu hause ist auch kalorienarmer als das abgasdurchtränkte Zeug da draußen. Und irgendwie ist es schon gemütlich in den Schlichthäusern. Manchmal sehe ich es mit den Augen meiner Frau, die diese heimelige Enge sehr mag und deswegen immer wieder solche Wohnungen aussucht. Und wenn man Glück hat, ist es viel leiser als es aussieht.


So müllig das Schlichthausviertel auch noch teilweise ist...


Hauptsache man macht es sich innen gemütlich, etwa mit THE WALKING DEAD auf der Heimkinoanlage. Meist aber mit Kopfhörern, den dünnen Wänden halber.

Spartanisch eingerichtet am Rand der Weltscheibe, Hochzeitsbild an der Wand. Richtig einrichten tue ich nie in Taiwan, wozu erst Bilder aufhängen? Hängt man bald nur wieder ab. Für das Hochzeitsbild war schon ein Haken da, ist auch noch ein Klingelkasten dran befestigt ;-)

 Die meisten dieser Schlichthäuser in der Umgebung sind schon weggerissen, hohen Verkaufspreisen zum Trotz...


... und neue Wohnblocks haben ihren Raum eingenommen, keine 100 Meter von meinem Wohnzimmer entfernt. Besser? Hmmm.... anders auf jeden Fall.


Mittwoch, März 13, 2013

Zu vermieten

Neulich hatte ich das Foto von diesem Haus bei uns in der Nachbarschaft in Taipei (Stadtteil NeiHu) schon einmal gezeigt, jetzt ist es jedoch mit einer neueren Softwareversion besser entzerrt, denn das verwendete 15mm Fisheye hat natürlich die zu erwartenden Verzerrungen, die für solche Objektive typisch sind. An meiner Fullframe-DSLR von Sony hat das Sigma-Fisheye ja einen Bildwinkel von 180 Grad (Achtung: an einer handelsüblichen APS-C DSLR wäre er deutlich kleiner, da bräuchte man 8mm oder 10mm Brennweite) und liefert auch die typisch tonnenförmigen Verzeichnungen, die ich hier von Hand rausgebogen habe. Der Schuss war damals von Hand gemacht, durch die 2.8er-Lichtstärke und den in die Kamera eingebauten Bildstabilisator gelang der Schuss auch bei einer Zehntel Sekunde aus freier Hand. Beim Marktführer Canon oder auch bei Nikon hingegen wäre der Bildstabilisator im Objektiv - aber eben nicht bei Fischaugen oder anderen Weitwinkelobjektiven, daher hat Sony hier einen klaren Vorteil.Vorgestern mit den Scientologen angelegt, siehe unten, heute mit den Canon-Fans, na das kann was werden.



Wo waren wir? Ach ja, das Haus steht zur Zeit zur Vermietung. Ich bin ja recht vertraut damit, habe es sooft fotografiert, dass mich der Kettenhund nicht mal mehr anbellt. Allerdings dient die kleine schmalle Gasse als einzige Direktverbindung zweier Teile des Militärveterantenviertels und hat recht viel Verkehr, bei Hundehaltern ist das Ganze zum Gassigehen sehr beliebt (Hundekot), auch eine ältere Frau hat hier zwischen den Häusern eine Müllverwertung und gleich gegenüber hat eine kleine glasfrontlose Bäckerei ihren Sitz, die leider Ratten anzieht (weil sie eben offen ist), da haben wir vom Mieten doch Abstand genommen. Auch wenn das alte Häuschen nett aussieht.

P.S.: So alt ist es gar nicht, der selbe Stil wie die Mietshäuser, die alle vom Ende der 60er sind.

Mittwoch, März 06, 2013

Taipei Sport (Update)


Praktisch. Quadratisch. Gut.*

Ein Foto vom alten Wohnblock, in dem ich oben im 7. Stock (eigentlich 6. OG) gewohnt habe. Der Wohnblock bei uns im Militärveteranenviertel war etwas ordentlicher als mein jetziger, aber die etwas besseren Häuser und die etwas breiteren Straßen zogen auch Straßenhändler magisch an, die mit ihren kleinen blauen Lieferwagen und quäkenden Lautsprechern oben drauf die Wochenenden zur Tortur machten. Besser wäre man wohnt noch etwas besser, in Wohnanlagen mit Zaun drum herum und Security, die die Straßenhändler auf Distanz halten. Diese heimatlichen Straßenzüge in Taipei NeiHu, in denen meine Frau aufgewachsen ist und an denen sie fast schon verzweifelt festhält bezüglich unseres Wohnsitzes, werden aber immer weniger. Immer mehr ist in den letzten Jahren weggerissen worden und von der einen Seite drängen Stahl- und Betonbüros und ein Nobelapartmentviertel (nebst Nobelreihenhäusern) heran und Apartmentblocks nach westlichem Standard mit dann 15 Etagen oder so haben sich bis auf wenige Meter an die Wohnungen von mir und Schwiegermutter heran geschoben. Irgendwann ist dies alte NeiHu weg. Ich muss zugeben, ich werde den Schlichthäusern keine Träne nachweinen, denn tagsüber sieht das alles nicht so nett aus wie hier, sondern grau und trostlos ohne das goldene Licht in den Fenstern. 
Ups. Wieder gemeckert. Siehe vorheriger Blogeintrag.

Fotologisches:
Von Hand mit meinem alten 1.7/50mm Normalobjektiv von Minolta fotografiert, also noch aus analogen Zeiten stammend von 1999. Mittlerweile hat das Objektiv an meiner Sony DSLR ein zweites Leben - lustigerweise sogar mit elektronischem Bildstabilisator, der ja bei Sony/Minolta nicht im Objektiv, sondern in der Kamera sitzt, so dass solche Fotos aus freier Hand (hier 1/10 Sek. Belichtungszeit) möglich werden. Das ultrasolide lichtstarke kleine Objektiv mit seinem stabilen Fiberglaskubus ist das letzte meiner alten "Analogobjektive", das durchgehalten hat und auch den vergleichsweise brutal schnell zupackenden Autofokusmotor der Sony verträgt. Zoomobjektiven ist eine solche Festbrennweite qualitativ und auch von der Lichtstärke her überlegen und das macht - jedenfalls ohne Stativ - dann oft den Unterschied zwischen kein Foto haben und Foto haben aus. Die teuren 2,8er-Zooms kommen aber zumindest in die Nähe, das gebe ich gerne zu.

*Update: Bild durch bessere Belichtung ausgetauscht.

Mittwoch, Februar 27, 2013

Alte Bilder vom Reihenhaus

Es ist heute einfach an der Zeit, einmal ein dunkles Kapitel meiner Zeit in Taiwan zu offenbaren. Es ist jene Zeit von 2006-2011, als wir bei Jhongli ein Reihenhaut hatten. Schon oft hatte ich hier berichtet, wie sehr einige Nachbarn nervten, die kleptomanische zur linken, die Hundeleinen und meine damalige ausgesprochen hässliche Casio-Armbanduhr entwendet hatte (Gott sei Dank), die andere Dame, die ohne Tiere zu haben Kot in Eimern sammelte und zwecks Ackerbau und Viehzucht hinter unserem Küchenfenster ausgoss, der mysteriös verschwundene kleine Hund, der entweder (a) von Nachbarn gegessen worden ist (vgl. Hundemästerei in einem Nachbarsgarten, wie Hänsel- und Gretel im Käfig, nur ohne so schönes Ende) oder (b) von der kleptomanischen Nachbarin verkauft wurde oder (c) von einem freilaufenden bissigen Nachbarshund in Ponygröße totgebissen wurde. Der geneigte Leser möge diese Geschichten nicht verallgemeinern, die anderen Nachbarn waren sicher nett, wenn auch gefährlich, wenn sie volltrunken und ohne Licht am Wochenende die schmale Gasse entlang mit dem Toyota... OK, lassen wir das. Der Auszug war sicher das sinnvollste was wir tun konnten.

Tatsächlich unterscheidet sich so ein Reihenhaus auf dem Lande im Taiwan doch etwas von der Umgebung im niedersächsischen Flachland, auch wenn alles bis auf die paar Palmen (bald darauf abgeholzt) recht ähnlich aussah. Hier im Bild sind einige wenige Utensilien, mit denen wir in der Schlussphase den ein oder anderen Streit aus dem Wege gehen wollten. Irgendwer hatte sich über Hundegebell beschwert.

Tag und Nacht knallten Feuerwerkskörper dort in der Gegend, u.a. weil damit Brieftauben zum Formationsflug dressiert wurden. Die Brieftauben wurden übrigens immer wieder von merkwürdig hohen Türmen gestartet. Dagegen kann man etwas tun.

Meine Frau mahnte mich immer wieder zur Mäßigung aber ich gebe zu, nach dem erfolgreichen Vertreiben eines fliegenden Händlers, der neben mir sein Megaphon eingeschaltet hatte, doch möglicherweise mit dem Ankauf von einigen günstigen alten Fahrzeugen von einem benachbarten Schrottplatz etwas übertrieben zu haben.

Mehr oder minder. War auch recht schwierig in der Wohngegend Parkplätze für das viele Zeug zu finden.

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Sich in andere Kulturen zu integrieren ist halt nicht einfach, aber mit dem richtigen Blickwinkel aus dem Cockpit entwickelt man doch recht schnell Verständnis für einvernehmliche Lösungen.

 Marschflugkörper "Großer Darmwind II" vor unserem Haus aufgestellt.

Die Fahrzeuge zu betreiben ging dann doch etwas ins Geld, von wegen Schmieröl und Treibstoff.

Hier im Bild unser alter Opel Corsa (rechts hinten vor der Garage).


Letztlich war es doch eine schöne Zeit damals in Jhongli, man kann richtig wehmütig werden, wenn man die alten Bilder sieht.


Freitag, Januar 25, 2013

Blick zurück...

Das alte Mietshaus, in dem ich vor kurzem gewohnt habe, begegnet mir noch einmal beim Nachklappern der Fotos auf den Memorykarten. Hatte ich schon einmal sehr ähnlich mit dem Fisheye abgelichtet, aber diesmal erscheint das Haus wie ein Monstrum, das über Kopf vorbei saust und man sich fast ducken möchte. Ich habe den Eingang zu dieser Schlichtmietskaserne im Militärveteranenviertel in NeiHu, Taipei öfter mal fotografiert, fand ich doch die Perspektive so beeindruckend, wenn man unten vorm Hauseingang steht. Wenn man von unten mit bloßem Auge hoch guckt, sieht es sehr ähnlich aus wie hier im Bild. Fotografiert man die Perspektive mit einer normalen Brennweite, lässt sich der Effekt nicht wirklich einfangen, hier mit dem eigentlich verzerrenden Fisheye (15mm an Fullframe) gelingt jedoch eine recht genaue Abbildung des optischen Eindrucks....

Ein bisschen wirkt es auf mich, als seinen rechts und links zwei Containerschiffe. Ein verwirrender Eindruck; die Kamera ist hier einfach völlig gerade nach oben gehalten, also um 90 Grad hoch geschwenkt.

Ganz oben zur linken im siebten Stock hatte ich meine Wohnung... hier am östlichen Tellerrand der Weltscheibe.

Donnerstag, Januar 17, 2013

Orientalisches in Taiwan

Verblüfft war ich über diesen Schuss in unmittelbarer Nachbarschaft meiner Wohnung. Das Bild zeigt die Hausreihe vor der, in der ich wohne, die an einem kleinen Park liegt, den hier die Senioren, die da öfter mal auf der Bank sitzen (wie in den Asterix-Comix, da sitzen die Senioren auch immer aufgereiht auf einer Bank herum) mit hübschen Topfpflanzen dekoriert haben. Durch den Blick auf die etwas verzierte Fassade im Hintergrund ergibt sich ein richtiggehender orientalischer Effekt, den die Gegend sonst nicht so sehr hat. Oder vielleicht liegt alles nur am Blickwinkel. Hier ein früherer Nachtschuss vom gleichen Park: http://www.flickr.com/photos/89506873@N08/8263944756/in/photostream


Etwas typisch für Taipei, dass überall Autos herumstehen, aber so in gülden sieht der X-Trail ja richtig nett aus (fast so schön wie meiner in Schokobraun).
Zum gemütlichen Wochenendbetrieb gehört noch der alte Mann, der mit seinem Moped durch die Gegend fährt um Geräteschrott einzusammeln. Allerdings knattert das alte Ding sehr laut und stinkt auch nicht übel vor sich hin. Der Schalldämpfer alias Auspuff ist sicher das letzte Mal 1975 gewartet worden und so klingt es fast, als ob eine ganze Rockerbande durch die Gegend heizt, wenn er im Schritttempo durch die Gassen fährt. Dazu schreit es aus dem Megafon automatisch heraus, dass man es bequem auch durch geschlossene Fenster hört. Und er ist wahrlich nicht der einzige, diverse kleine Blaue Lieferwagen mit Megaphon schleßen sich ihm an. Und der andere alte Mann, der zu Fuß einen Wagen mit Soyapudding schiebt und immer "HELLO HELLO" schreit, aus eigener Kehle, was aber vergleichsweile angenehm ist.

Ein eher unangenehmer Job den er da hat, da er ja auch seine eigene Abgaswolke ständig einatmet. Aber Reden über Krach oder Abgase ist typisches Ausländergerede auf das Taiwaner mit fast völligem Unverständnis reagieren, lassen wir also das undankbare Thema...
Das untere Foto zeigt übrigens "meine" Hausreihe, das vorne hinter der Plane ist der Stinky-Tofu-Stand wo meine Frau immer kauft, für 35 NT oder so eine Portion stark riechenden (man könnte auch sagen: stinkenden) Brattofu mit scharfem Zeug dran. "Cuo Tofu", etwa "zouh Dofu" gesprochen nennt man ihn auf Chinesisch, das heißt etwa "schlechter Tofu" und wird i.A. mit "stinky Tofu", also eben Stinketofu übersetzt.


Dienstag, Januar 08, 2013

Die neue Behausung

Recht angenehm ist doch die neue Wohnung, wieder in NeiHu in Taipei, auch wenn ich anfangs auf die Wohnung geschimpft habe wie ein Rohrspatz. Hier während des Einzugs schnell mit dem alten Fotohandy von 2006 aufgenommen, das im Vergleich zu den neuen Smartphones und ihren recht guten Einbaukameras so veraltet ist, als sei es schon Jahrzehnte alt.

Rustikal der Hauseingang, alles ein bisschen angesifft, so dass man aufpassen muss, nicht kleben zu bleiben, aber das ist typisch taiwanische Mittelklasse. Eine alte 5000jährige Kultur wie die chinesische, die ja hier auf Taiwan originaler als in China weiterexistiert, hat längst erkannt, das übertriebene Hygiene nicht alles ist.

Patriotisch im Militärveteranenviertel wie immer mit Fahne. Nicht die taiwanische, die gibt es ja nicht, sondern die der Republik China - die eben seit 1949 auf Taiwan weiter existiert. Das Haus hat oben eine Nummer dran stehen, sagen wir mal 13A, die wahre Nummer hier zensiert. Diese Nummer ist aber nicht mit der Hausnummer identisch, was leicht für Verwirrung sorgt. Hausnummern hat das Haus sogar zwei, eine für die Mieter der linken Seite und eine für die Mieter der rechten Seite. Deswegen hat man in Taiwan keine Namen an der Tür oder an der Klingel sondern Hausnummer und Stockwerk bezeichnen eine Wohnung eindeutig. Das alte Haus hatte sogar vier Wohnungen auf jeder Etage und daher vier Hausnummern.

Das ganze ist eine unbezeichnete Nebengasse einer Alley Nr. X, die einer Lane Nr. Y zugeordnet ist, die wiederum zu einer Hui-Hong-Road (Name geändert) gehört. Lanes und Alleys sind ziemlich kreuz und quer nummeriert, deswegen finden sich auch Taxifahrer kaum zurecht in Taipei. Man sieht am Grün, dass das Viertel seit meinem Einzug 2004 deutlich gewonnen hat, statt wilder Mülldeponien zwischen den Häusern jetzt öfter mal Palmen im Erdgeschoss.

Alles hier sind Eigentumswohnungen, wenn auch manche wietervermietet sind und manche der Erdgeschosseigentümer haben ihre Wohnungen ausgesprochen schick zurecht gemacht. Bei meiner Immigration 2004 waren das alles noch düstere vergitterte Höhlen mit Unrat vor den Fenstern. Das Mietshaus wo ich wohne, gleich gegenüber, ist noch etwas schmuddelig, aber im Gegensatz zu 2004 gibt es keine Betelnusspriem-Spuckreste mehr auf dem Boden und es riecht nicht nach Urin von gassigehenden Hunden und die toten mausgroßen Käfer liegen auch nicht mehr stramplend auf dem Rücken. Alles änderte sich recht schnell nach der SARS-Epedemie vor ein paar Jahren - wilde Müllkippen wurden entfernt, die Treppenhäuser werden seiter regelmäßig mit dem Wasserschlauch gereinigt (Treppenwasserfall! Muss man mal in einem deutschen Mietshaus machen, gacker) und auch die Leute sahen ein, dass Urin und Siff nicht unbedingt ins Treppenhaus gehören. Sauberkeit färbt wohl ab, ist die Umgebung etwas gepflegter, benehmen sich die Leute auch anders.


Vorne rechts an Ludigels Hausreihe ein kleiner Stinky-Tofu-Stand, wo meine Frau immer diese streng riechende Leibspeise der Taiwaner kauft - ein vergorener gebratener Tofu, gerne mit etwas dem koreanischen KimChi -ähnlichem zubereitet, nicht schlecht schmeckend, aber nach Verdauungsproblemen riechend. In der Straße ist auch ein täglicher Markt, der aber angehmerweise um 19 Uhr zu macht und daher ist es verblüffend leise ab 20 Uhr, etwas mopedknatternd allerdings vorher.

Als wir die Möbel aus der alten Wohnung trugen (hier das Haus gegenüber des alten Mietshauses) verabschiedete mich diese etwas gepflegtere Umgebung ein paar Straßen weiter (Wohnungen offenbar dort von höheren Offizieren bewohnt) mit Weihnachtsbeleuchtung, etwas ungewöhnlich im mehrheitlich buddhistischen Taiwan. Nett anzuschauen.
Einen Blick in die neue Wohnung werfen wir beim nächsten Mal....Innen ist es gar nicht so furchterbar, wie der etwas rustikale Eingangsbereich vermuten lässt.

Lesetipp: Taiwan und Modelleisenbahnen im Nachbarblog: http://luo2you1.blogspot.tw/2013/01/eine-einfuhrung-in-die-modelleisenbahn.html