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Mittwoch, März 25, 2015

Architekturschock: Nobelbau am See abgerissen

Mehrstöckiges Gebäude mit luftig-lockerer Architektur am See (Bihu-Park) NeiHu wieder abgerissen. Zu hübsch gewesen?

Ein anderer Expat beschrieb im Ausländerforum den Städtebau in Taiwan einmal als "die Abwesenheit von Architektur". Das waren damals um das Jahr 2007 herum oder so weise Worte, denn damals bestanden Taiwans Städte fast nur aus schlichten grau-bräunlichen Zweckbauten, die nach dem Plattenbauschema in den 60ern und 70ern schnell hochgezogen worden waren und oft auch ziemlich verkommen waren. Die Balkone waren öfter mal mit Unrat zugestellt, manchmal mit vor sich hin gärendem Hausmüll und die Fenster hatten dreckige und oft irgendwie mit Pappe verklebte Fenster hinter rostigen Fenstergittern. Fotografiert habe ich die mich damals ständig umgebende Hässlichkeit nicht oder kaum, dachte ich doch sie würde mich ewig umgeben. Seit den 2000er und insbesondere Seit den 2010er - Jahren jedoch wurden viele der Schlichtbauten weggerissen und durch neuere schickere riesige Apartmenthäuser oder Bürohäuser ersetzt und die restlichen Schlichtbauten sind meist aufgehübscht. Fenster haben neue Anbauten in Schneeweiß mit teilweise blütenweißen sauberen Gittern (gegen Taifun und Einbrecher) und manchmal sogar Blumenkästen Parterre.

 Kürzlich gebaut...

Eine ganz gruselige Ecke war direkt am schicken See bei uns ganz in der Nähe, der noch in den 90ern eine reine wässrige Müllkippe war, wie meine Frau erzählt.  Noch in den 2000ern habe ich den See wegen einer vor sich hin stinkenden wilden Müllkippe, die zwischen meiner Wohnung und dem See lag selten bis nie aufgesucht. Erleichtert war ich entsprechend, als das wässrige Abbruchgrundstück geräumt wurde und stattdessen dort ein weißer luftig-lockerer vierstöckiger Nobelbau erstanden war. Alt (auf einem der seltenen Fotos von damals) und neu sind in diesem Artikel von neulich freudig gegenübergestellt: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/stinkender-mull-nobelapartments.html

Entsprechend groß war der Schock, als ich dieser Tage wieder dort vorbei kam. Der ganze Nobelneubau war komplett wieder weggerissen, es wird schon wieder dort gebaut. Das abgerissene Haus kann kein Jahr dort gestanden haben!

... und schon wieder weg. Taiwanische Wegwerfarchitektur? Deutlich erkennt man in beiden Fotos trotz unterschiedliche Perspektive das schmuddelige Eckhaus hier rechts mittig im Bild (im oberen Bild leicht links mittig).

Des Rätsels Lösung sind wohl die zahlreichen Werbespots für Hochhäuser mit Nobelapartments am See, die derzeit im Taiwan-TV laufen. Ich vermute, dass es sich bei dem wohl vierstöckigen Haus nur um einen Verkaufspavillon gehandelt hat. Das ist wegen der Zahl der Stockwerke ungewöhnlich, denn sonst handelt es sich bei solchen Verkaufsstellen immer nur um einstöckige Häuser.


Die Umgebung des Sees ist eine ziemlich verbaute Quaste aus alten Schlichtbauten, schmalen Gassen und neueren Häusern dazwischen. Alles steht wie planungslos oft kreuz und quer in schief zueinander. 

Dieses Bild lässt erahnen wohin die Reise geht. Weg von den alten Schlichtbauten, hin zu viel teureren Wohnungen in Hochhäusern, die dann leer stehen, weil sie von Spekulanten gekauft werden, die auf noch höhere Preise in Taiwans Immobilienblase hoffen. Eine 70qm-Schlichtwohnung wie im Häuserblock im Bild (der echte, nicht der auf dem Werbeschild) hat noch 2004 etwa 6 Millionen NT gekostet (ungefähr durch 40 in Euro nach dem alten Standardkurs, auch wenn der derzeitige Kurs niedriger ist). Heute kosten solche Wohnungen um die 21-23 Millionen NT, oft im unrennovierten Zustand. Miete ist in der Zeit mit 20.000 - 25.000 NT konstant geblieben; bislang waren das etwa 500 Euro mtl.). Nobelwohnungen auch ohne Seelage sind im Zeitraum von 3 bzw. 2 Jahren von 40 Millionen auf 50-60 Millionen NT gestiegen, also bei 1.5 Millionen Euro nach dem alten Standardkurs vor der eurokursdrückenen El-Greco-Taspiras-Zeit. Freistehende (und i.d.R. leer stehende) Häuser auf dem Lande sind in den letzten Jahren von 8-9 Mill. NT auf 20-23 Mill. NT gestiegen. Zuletzt 2012 oder so nachgefragt, bestimmt schon wieder teurer. Nobelreihenhäuser sind in dem Zeitraum komplett leerstehender Weise von 32 auf 60 Mill. NT geklettert.


Hübsch und ruhig liegt der See dar, vor dessen innewohnenden Geistern ich schon des öfteren gewarnt worden bin von meiner Taiwanfamilie. Doch mehr und mehr wird er wohl durch immer höhere und dann leer stehende Apartmentblocks zubetoniert. Ganz lustig übrigens links im Bild die Häuser. Das sind eigentlich auch simple Plattenbauten, die der Architekt aber durch aufgesetzte rote Hütchen von den schmuddeligeren Bauten dahinter abgesetzt hat. Macht die Preise sicher gleich viel höher.

Ein von mir kürzlich bewunderter auf dem Wasser treibender Dreikuppelbau aus Riet war auch schon wieder weg. Hier wäre er früher in der Bildmitte gewesen. Wegwerfarchitektur eben. Aufreißen, reingehen und wegschmeißen.

Hier wird also demnächst hohes unter dem beliebten Kürzel AIT zu sehen sein, wieder direkt vor den alten Schlichtbauten. AIT steht eigentlich für "American Institute in Taiwan" und ist die Quasi-Botschaft der USA in Taiwan, eine mächtige Instanz, die sich oft in Regierungspolitik mischt oder mischen will, wo doch die USA ein bisschen noch die Schutzmacht Taiwans sind. Offenbar hat eine taiwanische Immobilienfirma das Namenskürzel für sich entdeckt. Mit dem chinesischen Schriftzeichen links von AIT lese ich immer "LAIT", also "Milch" auf Französisch. Liegt aber vielleicht auch nur daran, dass ich Vater eines Kleinkindes bin ;-)

Mein Tipp an das falsche AIT: Einfach den See trocken legen, ein mehrgeschossiges blau gestrichenes Parkhaus reingebaut und schon sind alle Probleme - auch die mit den Geistern - gelöst. Denn wo die vielen Mieter in der extrem parkplatzarmen Gegend parken sollen, das weiß wohl kein Mensch - ob lebendig oder nicht.

Mittwoch, September 17, 2014

Stinkender Müll -> Nobelapartments

Taipei wandelt sich rasend schnell, hier ein extremes Beispiel


Als ich 2004 nach Taipei zog bekam ich einen ziemlichen Kulturschock. Alles war grau und hässlich, vernachlässigte Plattenbauten kilometerweit um mich herum mit rostigen Fenstergittern. Die Leute bewahrten Unrat in den "Vorgärten" auf und manche verwandelten leere Grundstücke, den Zwischenraum zwischen den Hausreihen oder sogar Garageneinfahrten in veritable Mülldeponien, in denen der Müll im Sommer vor sich hin gärte. Aus den Gossen an den Fußwegen kam fauliger Geruch hoch, weil die Garküchen ihren Sud bei Feierabend in die Gosse ... gossen. Daher wohl der Name. Über den Straßen hing eine dicke Abgaswolke und in der Sommerhitze fiel mir oft das Atmen schwer.
"Alles halb so wild", schrieben die alten Expats im Ausländerforum. "In den 90ern hat der Smog noch in den Augen gebissen." Viele Expats im Forum nannten Taipei routinemäßig "shit hole", also Scheißloch und ein anderer nannte es immer mal wieder "Pnom Pei" in Anlehnung an die Stadt in Kambodscha. "Man" hasste Taipei und klagte darüber episch im Ausländerforum und Grund für den Hass gab es auch genug. Treppenhäuser stanken nach Urin und tote Käfer und Ratten waren da zu bewundern. Meine Hautkrankheiten waren episch zu der Zeit, am eindrucksvollsten fand ich die roten "Hexenkreise" auf meiner Haut, die zwar recht dekorativ waren, aber nur mühevoll wieder verschwanden. "Diesen Mikroorganismus sieht man so gut wie nie", kommentierte mein Hautarzt und war ganz angetan von seinem Studienobjekt.

Foto von 2006 mit alter Sony Cybershot P100 gemacht, die nie auf irgendetwas scharf stellen konnte

In meinen Fotos aus meinen frühen Jahren ließ ich jedoch Fotos von den Müllhalden etc. weg, dachte ich auch, diese würden mich ewig verfolgen. Das Foto oben ist aus dem Jahre 2006 und war in einem der ersten Postings im alten Taiwanblog auf Passado.com zu bewundern, das heute in dieser Form nicht mehr existiert. Nicht einfach auf Passado gehen, ich weiß nicht, was da heute kommt. Ich erinnere mich noch, dass es gewaltig stank, als ich die obige Aufnahme machte, denn vor der Häuserzeile hier ganz in der Nähe meiner Wohnung war ein oft unter Wasser stehender wilder Müllplatz auf einem Abbruchgrundstück. Alle Anwohner kippten da einfach säckeweise ihren Müll hin und es stank episch. Faulig-fruchtig-süßlich, das man sich fast übergeben musste. Direkt daneben ein ganz hübscher See mit Park, hier bei uns in NeiHu. Aber ich ging selten hin, denn ich musste mich durch Mopedsmog und mehrfachen fauligen Müllgestank kämpfen, um hin zu kommen. "Wohnst Du in Kalkutta?", fragte damals scherzhaft ein Leser, der das Fotos sah.
Meine Frau war damals ganz erstaunt, dass der See jetzt als Ausflugsziel einlud, hatte man sich erst mal durch den Müllgestank gekämpft. Sie erwähnte, sie sie erst ein einziges Mal in den 90ern da gewesen und da sei der See ein verdreckter Müllsumpf gewesen, in den alle ihren Hausmüll warfen. Die 1990er waren noch viel rustikaler als die frühen 2000er offenbar.

Und heute? Wie sieht es dort heute aus, ziemlich genau 10 Jahre später? 10 Jahre in denen die Stadtverwaltung die wilden Mülldeponien bekämpft hat, viel graue Plattenbauten weggerissen hat und fast überall auf Sauberkeit im Stadtbild drängt. Damit Taipei eine moderne Stadt wird und auch um Seuchen wie der damaligen SARS-Epedimie vorzubeugen.

Neue Fotos mit CASIO Exilim Z11 gemacht, mittlerweile schon wieder durch die Z1000 ersetzt, nachdem die Z11 einen Kungfu-Tritt abbekommen hat. Wir Asiaten trainieren halt auch viel zu hause ;-)

Fast die selbe Perspektive heute 2014. Das Haus ganz rechts im alten Bild fehlt nur im Bild, es ist unten zu sehen.. Aber irgendwie ist alles eine Note sauberer und auch grüner. Denn Bäume werden heute nicht mehr stark beschnitten und die Leute stellen selber manchmal Pflanzenkübel auf. Und die Treppenhäuser werden heute von der Verwaltung mit dem Schlauch gereinigt. Witziger Treppenwasserfall ist das Ergebnis, aber es ist eben sauber. Und die hässlichen Wellblechbaracken vor den Häusern sind heute weggerissen. Dennoch, so viel scheint sich nicht verändert zu haben, sieht man nur das Foto.


Doch weit gefehlt! Das ganze Viertel wirkt völlig anders, mit endlich unbeschnittenen Bäumen und vielen neuen Sträuchern. Und da vorne rechts, wo jetzt der neue Nobelbau steht, war früher der unter Wasser stehende entsetzlich stinkende Müllplatz! Heute ist da ein Nobelapartment-Block, größer könnte der Unterschied nicht sein. Schade, dass ich damals den alten Müllplatz nicht abgelichtet habe.

Hier wo früher der Müll gärte, ist heute eine für Taipei verboten luxuriöse Einfahrt. Und das in einer Stadt, in der Parkplätze kostbar wie Oasen in der Wüste sind! Und hinten haben sie sogar noch eine beleuchtete Zier-Wasserfläche. Genau da, wo früher der gärende Müll im Wasser lag. Müll gibt es da heute natürlich nicht mehr.

 Was ist das überhaupt für eine merkwürdig sterile Anlage, die so viel Platz verschwendet? Antwort: Ein Nobel-Apartmentblock, bei dem der Architekt die Wohnungen fast völlig vor dem Auge des Betrachters versteckt hat. Eine Wohnung kostet dort 200 Millionen Taiwandollar, also umgerechnet 5 Millionen Euro, meine Frau hat sich erkundigt.

Ein bizarres Ensemble mit Pappwild, das die Nichtnutzung des in Taipei sehr teuren Raumes zu zelebrieren scheint. Und von sehr asiatischem Geschmack zeugt. Solche Freiflächen lenken den Blick von den eigentlichen Wohnungen ab, die man nur andeutungsweise auf dem 3. Foto von oben erkennen konnte. Irgendwie sind auch die Wohnungen wohl recht klein, vor lauter verschwendeten Platzes.

Viele Sichtblenden und Foyer an Foyer, so wohnt man asiatisch raumgreifend, während der Rest der Stadt sich gegenseitig auf die Füße tritt.

Taipei ist im rasanten Wandel, Schlichthäuser werden manchmal aufgehübscht, oft weggerissen und auch hier wird schon wieder gebaut, sicher wieder ein Nobelwohnblock, gleich gegenüber dem anderen.

Und das Viertel am See wird zum teuren Nobelviertel. Viel alte Bausubstanz ist schon weggerissen und der Trend von der Allerweltsleute-Stadt zur Reichenstadt ist abzusehen. Aber zum Spaziergehen ist es so natürlich viel schöner.

Auch der Smog ist deutlich weniger geworden, dem Ausbau von U-Bahn und Schwebebahn halber. Taipei ändert sich so schnell, dass weite Teile dieses Blogs schon längst überholt sind. Gott sei Dank ;-)

Dienstag, August 26, 2014

Plattitüden

Wieder mal entdeckt im baulich dicht bepackten Taipei-NeiHu, ein Neubauviertel

Die großen Herausforderungen der nächsten Wochen für Ludigel lauten (a) die Muppet-Show-Folge aus der dritten Staffel zu gucken, die mit Raquel Welsh als Gast. Die Muppet-Show zählt zum bevorzugten TV-Material von Junior (3) und mir, sehr zum Verdruss meiner Frau, die bei der Szene, als Raquel Welsh tief dekolletiert Fossie-Bär ein Liebeslied ins Ohr säuselte, bislang zweimal den Fernseher abgeschaltet hat. Vielleicht lag es auch an meinem Mitsingen, muss ich mal gucken. Oder eben nicht. Frau fragte sich sowieso, wieso Junior und ich immer wieder "Taiwans" Präsidenten Ma Ying-Jeou diskutierten untereinander. Den spricht man nämlich etwa "Ma Ing-JOE" mit dem englischen Vornamen "JOE". Thema zwischen Junior und mir war aber nicht der prochinesische devote Präsident, sondern natürlich die phonetisch ähnliche Muppetshow.

Die Herausforderung (b) ist, mir den taiwanischen Arzt vom Leibe zu halten (vgl. letzter Bericht), der mir nach einer betriebsärztlichen Untersuchung mit meiner Ansicht nach wieder mal erfundenen Krankheitsbildern und völlig unpassenden krankmachenden Medikamenten und sicher bald einer sinnlosen Operation kommen wird, ganz wie Doctor Bob aus der Muppetshow, der dem schwedischen Koch schon mal eine eingewachsene Kaffeemaschine aus dem Kopf operieren will.

Doch nun zurück zu Taipei, das vor der Herausforderung (c) steht, sich von einer grauen hässlichen verdreckten Plattenbaumetropole in eine moderne Stadt zu verwandeln.

  Hier zunächst das alte Taipei, Blick aus Ludigels "Büro"-Fenster auf die Hausreihe dahinter, man achte auf den verrottenden Müll auf dem Vordach. Die braune Tüte ist voll mit einer verrottenden Teigtasche, das mögen auch die Riesenkäfer gern. Ich habe da auch mal mit dem Tele rangezoomt, will das jetzt aber hier unterlassen. Solchen Dreck gibt es immer weniger in Taipei. Als ich 2004 hier herzog, sammelte er sich auch auf dem Weg zwischen den Häusern an, vorne im Bild. Das wird jedoch mittlerweile sauber gemacht. Eines der vielen Zeichen des Wandels in Taipei. Meine "Hinterbarn" (Nachbarn) sind aber offensichtlich wertkonservative Taiwaner und schmeißen weiter den Müll einfach aus dem Fenster, wie in der guten alten Zeit.


Hier dann das neue Taipei in den Vorstädten. Neue Wohnscheiden, etwas Grün aber eben auch breite Bürgersteige, die die alten Viertel nicht haben.


Bisweilen etwas schwülstige Hauseingänge, aber eben alles pikobello sauber und vor allen Dingen eben die breiten Bürgersteige, die ich nochmal hervorheben will.



Grün und mit kleinen Parks und einem westlichen Supermarkt, der fast auch in Deutschland sein könnte. Nur dass es kein Brot und keinen richtigen Aufschnitt gibt außer gekochtem Schinken ;-)



Neu (oben) ist doch (noch) viel schöner als alt (unten).

Ein Umzug wäre natürlich auch mal für Familie Ludigel interessant, von alt und mittelgroß (oben) in neu und leider noch größer (unten).

Oder eben von der alten Platte in die neue Platte, könnte man auch sagen.


Das alte Taipei, hier als Gewerbegebiet in Taipei-Jonghe ist auf dem Rückzug. Wellblech und Platte im Vordergrund wird immer weniger, die beiden Türme im Bau stehen da wo vor kurzem noch ein Müllplatz war, mittlerweile sind sie fast fertig und werden eine teilweise schlossartige Edelwohnanlage werden. Taipei im Wandel.Ein Neubau der Ärztekammer wäre vielleicht auch mal was. Ohne die Ärzte vorher raus zu lassen.

Donnerstag, Oktober 03, 2013

Taipei-NeiHu verändert sich...rasend schnell.

Erst neulich fiel mir auf, dass sie bei uns in einer mäßig engen Straße das Parken mit einer roten Bordsteinlinie verboten haben, die Fahrbahn verschmälert haben und dafür den Bürgersteig verbreitert haben! Von eingen 80cm oder so auf 2 Meter oder dergleichen. Wahnsinn, das ist fast schon deutsches Denken. Allerdings nur an einer Stelle, an der man sowieso bequem durch den Park gehen konnte, aber sei's drum. Auch sonst verändert sich Taipei mehr und mehr, viele Schlichtwohnblöcke (wie der in dem ich noch wohne) sind in der Gegend schon weggerissen und neue Betonwohnscheiden (mit Bürgersteig davor und schmiedeeisernem Tor und Security nebst Grünanlage) verpassen der Gegend einen Hauch mehr Klasse. Grün und Bürgersteig wirkt auf mich jedenfalls positiv.


So ist ganz in der Nähe von meinem immer noch etwas slummig wirkenden Wohnviertel ein ganz neues Viertel mit vielen Büros und ein paar angrenzenden Wohnscheiden geworden. Hier parke ich beim samstäglichen Frühstückholen bei einem Singapur-Frühstücksrestaurant. Da gibt es braunen Toast mit Kunsthonig, was nach Meinung meiner Taiwanfamilie eine besondere Delikatesse ist. Dazu noch ein hartgekochtes Ei ohne Salz und einen fast geschmacklosen kleinen Wackelpudding, einen kalten süßen Milchkaffee dazu für 110 NT, also knapp 3 Euro. Na ja gut.

Richtig schön ist es hier auch nicht, aber besser als enge bürgersteiglose Gassen und graue Schmuddelgemäuer mit Übelriechendem aus der Gosse.

Dieses Betonnesien dient auch immer wieder als Filmkulisse. In NeiHu sind mehrere Fernsehstudios die lokale Taiwan-Seifenopern drehen. Und da fahren sie gerne in diesen modernen Betonlandschaften rum. Neulich hatte ich ein blitzblankes blaues Kompaktauto (Mazda 3 oder so) vor mir, der hatte ein weißes Fantasienummernschild mit CDN (Kanada?) und einer fliegenden Möve dran gemalt, kein offizielles taiwanisches Schild. Und mal nervte er mich durch langsames vor-mir-her tuckern und dann wieder durch Affenzahn-Beschleunigung und dann starkes Abbremesen, meinem Hupen zum Trotz. Erst dann fiel mir der Kamerawagen auf, der vor dem Ding her fuhr. Ob der meist am Heck klebende Nissan von Ludigel das Shooting versaut hat?

Das hier ist übrigens kein Leichenwagen, sondern eine taiwanische Automarke namens LUXGEN, nicht zu verwechseln mit Lexus. Basiert auf dem Renault Espace. Hier die CEO-Ausführung, die an den den gegenläufig schließenden Türen erkennbar ist. Da ist hinten auf der "Lieferfläche" ein einziger Luxussitz mit Leder und Holz für den "CEO" mit Bildschirmen und Computerzeug um ihn herum. Ein Mr.-Wichtig-Mobil also.

Und hier steht ein Filmmann am Straßenrand in der Mitte, der manchmal den Filmautos Zeichen gibt. Neben ihm mit gelber Weste ein vor sich hin träumender Polizist, der einfach nichts tut. Ist ja auch was. Sollen die Filmautos doch ruhig im normalen Verkehr plötzlich abbremsen, kommt nicht so genau drauf an, hauptsache der Sherrif steht da irgendwo rum. Oder es ist wieder nur eine private "Security".


Fährt man noch ein Stückchen weiter, kommt dann wieder das dicht bebaute alte Viertel, wo ich logiere. Man sieht es links. Es fällt auch auf, wie kreuz und quer die Bauten da stehen, ohne richtige Stadplanung früher einfach irgendwo hin gesetzt.

Da sieht es dann etwas grau und verschmuddelt aus, wie es aber viele hier gemütlich finden. Hier immerhin eine Hauptstraße in der Nähe mit Bürgersteigen.


Was ist schöner, alt oder neu? Hier liegt es direkt nebeneinander...


Sagen wir mal so, in 20 Jahren steht nur noch das neue rum und die Fassaden sehen dann wohl wieder so aus wie der graue angelaufene Beton im Vordergrund, dem Reizklima sei dank ;-)


EDIT: Ich bitte die 2-4 in Taiwan lebenden türkischen Bürger um Verzeihung. Das Auto im Artikel hat "gegenläufig schließende Türen", keine "...Türken". Ein reiner Schreibfehler.

Mittwoch, Mai 08, 2013

Gasse

Eine Gasse bei uns in der Nähe. Hier knattern Mopeds oft in schneller Fahrt durch, so dass man als Fußgänger ausweichbereit sein muss. Wie immer in Taiwan. Die kleinen Häuser an den Seiten haben bis vor kurzem noch alle ihre Wohnzimmerfenster einsehbar ohne Gardinen gehabt, so dass trotz recht hohem Verkehrsaufkommen das Familienlleben im Wohnzimmer einsehbar war. Im Winter bei 10 Grad plus oder so sieht man abends automatisch, wie die Leute im dicken Parka auf dem Sofa sitzen und im schlichtweißen Wohnzimmer mit einem Götterbild oder dergleichen an der Wand die aktuelle Samstagabendshow im Fernsehen gucken. Die mit dem älteren Showmenschen mit der Beatlesfrisur. Gag in jeder Show, eine kurzberockte hübsche Frau schmiegt sich an ihn, seine Bühnenfrau guckt eifersüchtig und kopfschüttelnd rüber und am Schluss der Szene hängt er im Krankenhaus an einer Infusion und alle lachen. Ganz wie im richtigen Leben...



Ups... ich muss weitergehen, die Leute gucken schon.


Und an der Hauptstraße bei uns in der Nähe hat eine Frau ihre gesamte Wäsche aufgehängt. Ich finde das bemerkenswert und der Passant findet wiederum bemerkenswert dass ich das bemerkenswert finde.

Dienstag, Mai 07, 2013

Ein Ent in Taipei


Doch wirklich, gucken Sie mal genau hin...


Aufgenommen in Taipei, ganz in der Nähe des Chiang-Kai-Shek - Memorials, in dem also dem Exdiktator und Defacto-Staatsgründer Taiwans gedacht wird.

Ganz eindeutig ein Entgesicht, finde ich. Fantyspielern auch als "Baumherr" bekannt. Das linke Auge ist von der wuchtigen Nase verdeckt...

Die Bilder sind nicht manipuliert. Mit Mittelklick im Firefox vergrößert man. Sagen Sie das Wort "Firefox" besser nicht so laut, nicht dass der Ent sich aufregt...

Mittwoch, Oktober 24, 2012

Rundgang im Stadtteil

Taiwan wie es leibt und lebt, könnte der Titel hier sein. Mein Stadtteil NeiHu in Taipei in vielen Facetten.

Aus einer Nebengasse heraus hat man den Blick auf den leeres einezäuntes Grundstück, in dem nur einer der kleinen blauen Lieferwagen parkt, die von Ausländern hier auch als Blue Truck Of Death bezeichnet werden. Diese Wagen sind wegen ihrer völlig rücksichtslosen Fahrer gefürchtet, die sich oft mit merkwürdigen chemischen Substanzen (diese Energydrinks u.ä.) und auch der leicht berauschend wirkenden Betelnuss (meist in Kombo) dopen, wenn sie ohne zu gucken mit dem Bluetruck mit 70 durch enge Gassen rasen. Und die Bremse ist das letzte mal 1992 bei Auslieferung des Fahrzeugs kontrolliert worden. Der Blick geht auf die volle Hauptstraße unter der neuen Hochbahtrasse, die den Verkehr schon deutlich entspannt hat. An der Ecke des roten Wohnblocks liegt eine McDonalds-Filiale, Taiwaner sprechen das "Mai-Donnel" aus, beliebt bei Jugendlichen und schon oft mein Exil vor zu vollen Familienfeiern gewesen. Die hübsche Kirche ist kürzlich von einer amerikanischen Glaubensrichtung dort gebaut worden, die Mormonen sind es glaube ich nicht, denn das Ding ist ja mit einem Kreuz versehen - was die Mormonen als Todessymbol ablehnen, soweit ich weiß. Hat mir mal jemand erklärt, der in Deutschland missioniert worden ist und mir die merkwürdige Mormonenbibel des Herrn Smith geschenkt hat. Die ganze Hauptstraße war früher mit hässlichen grauen Schlichtwohnungen zugebaut, heute kommen mehr und mehr gläserne Bürogebäude und auch eine Porschevertretung gibt es dort. Schicker, aber eben wenig Wohnraum.

 Ganz in der Nähe die "737-Lane", teilweise am Wochenende zur Fußgänger und Mopedzone erklärt, das heißt die Autos müssen des Abends dort draußen bleiben. Und man geht von Stand zu Stand, wird dreimal von Mopeds fast überfahren, atmet deren Abgase ein und isst dazu leckere Sachen.

Von 2004-2006 habe ich mich ja geweigert, hier ein Auto zu halten, um nicht auch zum Bleckchaos beizutragen, aber wenn man als Fußgänger in bürgersteiglosen schmalen Gassen immer am Auspuff des Autos vor einem im Stau steht und den Gestank einatmet und einem der Mercedes hinter einem anhupt, dann will man irgendwann selber bequem klimatisiert im Stau stehen.


Nachbarschaftstempel irgendwo, sehr typisch Taiwan der Anblick.


Hübsch der See als kleine Oase der Ruhe.

Superteure Eigentumswohnungen am See in denen die Bessergestellten kaserniert leben.

Eine junge Philippina schiebt einen taiwanischen Senior am See entlang. Einer der Scherze des Gottes Nummer 66 hier. Sagen die Taiwansenioren mit 65: "So lieber Gott Nr. 66, jetzt bin ich Rentner und noch rüstig, meine Frau sieht aus wie eine vertrocknete Betelnuss, jetzt möchte ich eine schicke junge Frau, die mir nie mehr von der Seite weicht", dann ZING...... und sie haben ihren Wunsch erfüllt bekommen, inklusive Rollstuhl. Vorsicht also beim Reden mit den heidnischen Göttern, die sind manchmal fies drauf.

 Blick vom See am Berg auf teurere Wohnungen mit See- oder Bergblick. Gipfel taiwanischer Archtekturkunst: die roten Hütchen auf den Häusern. Ich habe lange versucht, die Häuser gerade drauf zu kriegen, irgendwas war immer schief, egal wie ich die Kamera hielt und auch das Geraderechnen mit Fotoshop ließ irgendwas immer schief zurück. Feuchter Boden und schlechtes Fundament? Oder Ludigels neues Billigtele (130 Euro bei Amazon.de) hat einen Knick in der Linse. Na ja, ich tausche nächstes Jahr das Tele aus (das Haus auszuwechseln geht nicht so einfach).

Ist es hier nun schön oder hässlich? Alles eine Frage der Perspektive, manchmal gibt es eben einen Lichtblick irgendwo.

Freitag, September 07, 2012

Aufstockinesien

Wenn Sie in Taiwan plötzlich einen Kollegen im Büro nicht mehr finden können, sitzt dieser vielleicht in einem neuen Stockwerk oben auf dem Dach. Oder in dem darüber. Taiwan ist "Aufstockinesien", ohne dass das in den Gebäudeplänen baupolizeilich vorgesehen ist, setzt man hier gern ein Stockwerk oder zwei oben drauf, gerne in Wellblech, das sieht immer schick aus, manchmal aber auch in Stein. Wird schon halten und tut es scheinbar auch, sogar bei den zahlreichen Erdbeben. Weil man hier fast immer erdbebensicher baut, ist vermutlich in der original-Statik so viel Luft, dass es noch passt mit den zwei Etagen drüber.

Macht richtig Spaß in so einem Bild zu suchen, wo überall was aufgestockt wurde, hier in Taipei-Jonghe. Jonghe ist eine der hässlichsten Vorstädte Taipeis, wo jeder Quadratzentimeter betoniert oder mit Wellblech zugeflastert ist und die Gebäude bisweilen Kreuz und Quer stehen. Die roten Pfeile markieren Aufstockbeispiele. Konsequenzen hat das meist keine, als ich mit Frau mal in einer Wellblechetage auf dem Dach gewohnt habe (tolle Anfangszeit), da war unten ein Zettel an der Tür man möge aus dem Haus bis heute Abend ausziehen, es würde insgesamt abgerissen. Wäre aber gar nicht gegangen, dann wäre sonstwas zusammengefallen, dicht an dicht wie alles ineinander gebaut ist. Ist auch nichts passiert.

Reihenhäuser haben immer eine Dachterasse drauf, die vorgeschrieben ist, damit sich die Leute bei Feuer drauf retten können, schließlich hat man hier fast immer vergitterte Fenster und niemand hat mehr eine Ahnung wo der Schlüssel ist. Man baut natürlich die Dachterrasse mit Wellblech und vergitterten Fenstern sofort zu und wirft dann die Schlüssel für die Fenstergitter weg, das ist klar.

Immer mal wieder gut, wenn man als Ausländer irgendwas für die naseweise Meckerei findet, man fühlt sich einfach besser danach.