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Mittwoch, März 19, 2014

WHO: Taiwan hat/hatte katastrophale Luftqualität

In Sachen Luftqualität gehört Taiwan wohl immer noch zu den schlechten der schlechten. 

Eben stand hier für ein paar Minuten eine Falschmeldung, weil jemand im Ausländerforum eine Diskussion aus dem Jahre 2011 wiederbelebt hatte und ich dachte, es handle sich um eine aktuelle Meldung aus dem Jahre 2014. Wie damals die taiwanische CHINA POST berichtete (http://www.chinapost.com.tw/taiwan/2011/12/23/326751/Doctors-rally.htm) hatte Taiwans Luftqualität in einer Studie der Weltgesundheitsorganisation WHO den Rang 35 von 38 untersuchten Ländern belegt. Die Luftqualität in der Hauptstadt Taipei hatte Rang 551 erreicht (von 565 untersuchten "Stadtlüfen"). Erwähnt wurde noch, Taiwan hätte eine der höchsten Lungenkrebsraten unter Frauen, obwohl der Raucheranteil in Taiwan eher niedrig sei.

 Nicht am Smog gestorben, sondern nur weggeworfene Werbefiguren in der Gosse in Taipei-Jonghe (Zhonghe)

Wie ist die Luftqualität also jetzt, im Jahre 2014? Ich konnte dazu nur folgendes finden: Nach diesem Link einer taiwanischen Regierungsseite ist die Luftqualität heute morgen "good" oder "moderate": http://taqm.epa.gov.tw/taqm/en/Default.aspx
Hingegen spricht diese Infografik einer nichtaiwanischen Org eine andere Sprache: http://aqicn.org/map/taiwan/
Demnach ist insbesondere die Westküste von Taiwan "rot", wie auch das benachbarte rauchende China und Taiwan hat insgesamt eher hohe Werte. Zum Vergleich: Ukkel bei Brüssel hat auf der Karte einen "gelben" Wert von 59 (umgeben von "grünen" Werten wie 25 und 26), während mein Wohnort Taipei-NeiHu gerade einen "gelben" Wert von 97 und mein Arbeitsort Taipei-Jonghe in der Nähe eines Ortes mit gemessenen "gelben" 93 liegt. Banqiao, noch näher an "meiner" (abgasfreien) Fabrik hier gelegen hat freilich den "roten" Horrorwert von 151, etwa genau wie Tucheng und ähnlich wie die Flughafenstadt Taoyuan (152). Also keine wirkliche Verbesserung seit 2011?

Ich persönlich hatte gestern Morgen meinen Umweltschock. Stehe hier im Gewerbegebiet in Taipei-Jonghe an der Ampel vorm Seven-Eleven 24h-Supermarkt, inmitten des üblichen Geruchs aus LKW- und Mopedabgasen und undefinierbaren Ausdünstungen der zahlreichen kleinen Betriebe (und Hundekot und Betelnusspriemabfall auf dem Boden), da senkt sich mein Blick in die Gosse und den darin befindlichen Gulli. Der war nicht voller Wasser, sondern voller Öl! Oder eben veröltes Wasser. Sah mehr nach Öl denn nach Wasser aus. Direkt hinter mir surrten die nach Maschinenöl riechenden Maschinen einer Druckerei. Ölwechsel? Ich ahne wie. Rein damit in den Gulli.

 Taipei-Jonghe: Dicht an dicht und bürgersteiglos versmogt. Allerdings im Umbau befindlich

Aber was sollen solche Postings wie dies hier, den meisten Einheimischen ist es egal, aber immerhin: langsam aber stetig tut ja die Regierung auch etwas und ob man als Ausländer meckert oder nicht ändert eh nichts. 

Haus im Grünen? Hatte ich auch schon, die Umgebung sah wie eine Müllkippe aus. Weil der grüne Stadtrand eben als solche benutzt wurde, auch von LKWs, die Müll heranfuhren und einfach in die Straßen am Stadtrand kippten.

Positive Entwicklungen in der letzten Zeit: Die Schwebebahn hier in Jonghe wird ausgebaut und wird in 2 Jahren wohl den Autoverkehr hier vermindern. Und das Dreck-Gewerbegebiet, in dem ich hier arbeite, hat sich schon deutlich verkleinert und ist durch adrette Bürotürme mit breitem Bürgersteig und ein paar schicken Restaurants unten drin ersetzt worden, wo früher verrottende Wellblechhallen standen. Also weiter in die Zukunft, Taiwan! Ich werde es mit ... öligem... Humor begleiten.

Ähnliche Artikel:

Vorsicht bei der Wohnungswahl in Taipei: Radioaktive Wohnblöcke aus Reaktorschrott: http://osttellerrand.blogspot.tw/2011/07/update-zu-radioaktiven-apartments-in.html

Montag, März 17, 2014

Vernünftige Infos zum verschwundenen Malaysia-Flug


Deutsche Medien haben wenig Infos zu bieten im Vergleich zu Englischsprachigen. Hier die fundierteste Theorie bislang, die auf Pilotenselbstmord hin deutet und diesen mit Fakten zum Privatleben des Piloten untermauert:

http://www.mirror.co.uk/news/world-news/missing-malaysian-airlines-fears-over-3247649

Der Pilot (Zaharie Ahmad Shah) war ein Anhänger des Oppositionsführers Anwar Ibrahim, der am 07.März wegen Homosexualität zu einer Haftstrafe in Malaysia verurteilt wurde.
U.a. hat der Pilot Videos von Ibrahim "geliked" auf Facebook.
Die Frau und Kinder des Piloten waren schon vor dem Vorfall aus dem gemeinsamen Haus ausgezogen.
Am 08.März verschwindet der Flug!

Ergo könnte der Pilot eine Toilettenpause seines Copiloten ausgenutzt haben, um den Luftdruck aus dem Passagierabteil zu lassen. Dann fallen die Sauerstoffmasken heraus, haben aber nur begrenzt Luft. Er steigt in der Zeit auf extreme Höhe (die extreme kurzzeitige Flughöhe ist ein Faktum, das überall zu lesen ist), kaum noch einer kann irgendetwas machen, bis alle ersticken. Dann steuert er die Maschine aufs offene Meer, sagt seine Gebete (ein anderes Flugzeug hatte Funkkontakt und "Murmeln" gehört neben Statik, ist irgendwo zu lesen), hinten alles Tote, bis er ins Meer fällt. Diese Deutung der Ereignisse in Kursiv habe ich frei von einem Poster aus einem Taiwan-Ausländerforum übernommen, sie passt zu den im Mirror.co.uk-Artikel aufgelisteten Fakten.

Das Leute auf politische Ereignisse übertrieben reagieren gibt es immer wieder, siehe etwa Selbstverbrennungen.

Persönlicher Anlass für diesen Artikel ist, dass ich gerade selbst aus einem Asienurlaub zurück gekommen bin und man dann als Passagier solche Nachrichtensendungen mit gesteigertem Interesse liest und sich wundert, wieso es die beste Info immer nur englischsprachig gibt. Natürlich nur eine Theorie, aber eine plausible. Und sie hebt sich wohltuend von den ganzen merkwürdigen Verschwörungstheorien ab, die man sonst so liest. Für diese Theorie des Pilotenselbstmordes spricht auch, dass sich der Pilot mit einem T-Shirt mit der Aufschrift "Democracy is dead/Die Demokratie ist tot" ablichten lies (auf div. Newsseiten) und was in Verbindung mit dem Facebook-Like des Oppositionsführers einen gewissen Hang aufzuzeigen scheint, die formidable Karriere eines Flugkapitäns aus politischen Gründen zu opfern - schließlich ist Malaysia eine Scheindemokratie in der man sich nicht allzu frei äußern darf in politischen Dingen, so weit ging jedenfalls mal meine Recherche anlässlich eines Urlaubes dort vor Jahren.

Also gilt, man weiß natürlich immer noch nicht was passiert ist, aber diese von Mirror.co.uk angedeutete Erklärung zeigt, dass man keine wilden Verschwörungstheorien bemühen muss als Erklärung.

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And now for something completely different...
Kann jemand ein Japan-Blog empfehlen? Ich suche ja keinen Japanzwilling für dieses Blog, denn das wäre irgendwo ein unheimlicher Gedanke. Aber irgendwas interessantes, das ein bisschen hinter die Kulissen guckt und nicht so politisch korrekt ist.....
(Bin gerade von Japanreise zurück... interessant, interessant...)
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Montag, März 10, 2014

Britischer "Todesfahrer"-Expat, Update

 Update über die unerfreuliche Dauergeschichte des indisch-britischen Expats Z.D. in Taiwan

Ein kurzes Update zu der Daueraffaire des Briten Z.D., der (im Jahre 2010 war das wohl) einen taiwanischen Motorrollerfahrer laut Gerichtsurteil bei einem Trunkenheitsunfall zu Tode gebracht und Fahrerflucht begangen hatte. Die Beweislage in dem Fall und das Vorgehen insbesondere der Polizei sind in diesem Fall unter Ausländern in Taiwan heftig umstritten, wobei sich die Expatgemeinde in der Regel in Pro-Z.D. und Contra-Z.D. aufteilt. Mein letzter Bericht zu der Affaire: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html


Ohne alles wiederholen zu wollen hier ein Update in Links (englischsprachig):

Z.D. steht derzeit in Schottland in einem Auslieferungsverfahren, das Taiwan beantragt hat, weil Z.D. ja seine Haftstrafe nicht angetreten hatte und sich stattdessen zunächst in die Schweiz und später nach Schottland abgesetzt hatte: http://www.edinburghnews.scotsman.com/news/crime/new-town-resident-fights-taiwan-extradition-bid-1-3323956
Seine Fluchthelfer in Taiwan (Freundin und ein anderer Brite) sind mittlerweile auch in Taiwan verurteilt wegen ihrer Beihilfe.

"Taiwans" Präsident Ma Ying-Jeou (sein Titel lautet: Präsident der Republik China) hatte seinerzeit die Auslieferung von Z.D. zur Chefsache erklärt und allein das Auslieferungsverfahren und der Umstand, dass Z.D. derzeit in Schottland in Haft einsitzt (wegen Fluchtgefahr) stellt sicherlich einen diplomatischen Erfolg Taiwans dar. Auch britische Lokalpolitik mag hier eine Rolle spielen: In Schottland findet im September eine Volksbefragung zur Herauslösung Schottlands aus dem Vereinigten Königreich statt und Schottland wendet bei dem Auslieferungsverfahren eigenes, schottisches (Autonomie-)Recht an. Hier ein Link zur Webseite von Taiwans regierender KMT-Partei, die sich mit dem Fall beschäftigt:
 http://www.kmt.org.tw/english/page.aspx?type=article&mnum=112&anum=13975

War es Z.D. nun oder nicht? Ich weiß es natürlich auch nicht, allerdings sieht die Beweislage in meinen Augen nicht unbedingt vorteilhaft für Z.D. aus. Seine Verteidigung bei dem Auslieferungsverfahren derzeit will u.a. den Punkt machen, die in die taiwanischen Ermittlungen involvierte taiwanische Polizei (das betreffende Revier) sei korrupt gewesen und möglicherweise von der "Bande" des anfänglich zweiten möglichen Fahrers des Todesfahrzeugs (ein taiwanischer Nachtportier eines KTV-"Pufflokals") geschmiert worden, um einen der ihrigen von der Verdächtigenliste nehmen zu lassen. Nun, hier kann Z.D.s Verteidigung ganz einfach einen Punkt machen, sogar mit Hilfe der TAIPEI TIMES, die sonst sehr gegen Z.D. eingestellt ist:

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2009/05/13/2003443470
Dieser Artikel in der TAIPEI TIMES belegt in der Tat, dass jedenfalls eine kurze Weile vor dem Unfallzeitraum führende Beamte u.a. von den Banden der KTV-Lokale bestochen worden sind.

Sollte sich Taiwan hier beim Auslieferungsverfahren durchsetzen, so wird das hier den Eindruck geben, man könne bei Ausländern ruhig eine landesweite monatelange extreme Vorverurteilungscampagne gegen den Verdächtigen fahren und korrupte Polizisten in den Ermittlungen haben. Denn beides war in Z.D.s Fall gegeben. Wird Z.D. nicht ausgeliefert, wird das vermutlich anti-Westler-Ressentiments in Taiwan fördern, denn meine Wenigkeit und andere westliche Ausländer in Taiwan meinten während der enormen Mediencampagne gegen Z.D. auf der Straße eine unangenehme Stimmung erfahren zu haben, wenn man da als "Bleichgesicht" herum lief. Gucken wir, wie es weiter geht.



Taipei Children's Recreational Center, Teil 2

Fortsetzung vom ersten Teil: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/03/taipei-childrens-recreational-center.html
Ein altmodischer Freizeitpark in Taipei

ERROR: Technische Problem verhindern immer mal wieder das Anzeigen einiger der Fotos. Die Ursache ist noch unbekannt. Google-Glicht?

Der ästhetisch schönste Teil war sicher die alte "Folk Arts Section", die laut Ehefrau schon seit 60 Jahren existierte und im vorigen Teil beschrieben worden ist. Derzeit rast wohl die Abrissbirne durch die chinesisch-traditionellen Häuser und den schönen Park. Auf also in den Mittelteil. Der höher gelegene Mittelteil des Parks und der Rummelplatzteil sollen übrigens auf dem Gelände des alten Taipei Zoos liegen. Später ist dieser dann weiter an den Stadtrand ausgewandert, mein Besuch siehe HIER.  

Ein letzter wehmütiger Blick auf die "Folk Arts Section", die jetzt im Abriss befindlich ist....

... und dann die Treppe hoch, was noch mal einen hübschen Blick auf den alten, jetzt wohl schon nicht mehr vorhandenen Teil gibt...

...

Der Mittelteil hat eine moderne 3D-Kino-Halle und anderes moderne Zeug (Bild) und erlaubt einen netten Blick auf das Taipei Grand Hotel (Hintergrund), das ja das einzige oder jedenfalls größte Hotel der Welt sein soll, das komplett im altchinesischen Tempelstil erbaut ist.

Diese Kunst in der 80er-Jahres-Flair atmenden Anlage aus Betonwegen und ein bisschen Grün erinnert an Nazikunst. Auch am "Maschsee" in Hannover bei mir daheim haben wir noch solche sehr ähnlichen Statuen aus der Nazizeit herum stehen. Da steht eine nackertes Paar sogar noch steifer in der Gegend herum, während hier dieses KMT-Dikatatur atmende Ensemble schon richtig locker ist.

Das 3D-Kino ignorierend sind wir dann hinab in den Rummelplatzteil gestiegen...

... wo es charmant altmodische Attraktionen gibt. Wenig schnelles und hohes, viel langsames und altmodisches, aber genau richtig für einen 2-jährigen wie unseren Junior.

Jede der Attraktionen ist pro Nase inkl. Kleinkinder mit einem 20-NT-Ticket zu zahlen, die man an einem zentralen Schalter kaufen kann. Zu Stoßzeiten hat man schon mal 30 Minuten Wartezeit oder länger.

Blick aufs 101-Hochhaus, das man ja fast immer in Taipei irgendwo erkennt. Hier sind Pappfelsen aus der Eisenbahnanlage im Vordergrund.

.... Drachenbootfahrt.... laaaaangsam und sinnig, immer im Kreis....

... nicht nur für zugereiste Belgier ein Vergnügen.

Hier eine Attraktion ohne Wartezeit. Die auf Reifen gelagerten schaukelnden Häuser sollen vermutlich die jungen Taiwan auf das Verhalten bei Erdbeben vorbereiten, die es ja hier sehr häufig gibt. Getarnt als "3-Little-Pigs"-Installation.

Der große Renner bei Junior war das herrlich altmodische zweistöckige Pferdchenkarussel.

... neben der Eisenbahn...

... die nur eine einzige Station auf dem Gelände hat und leider nur ein paar Meter durch ein kleines Grundstück fährt anstatt vielleicht das ganze Gelände zu umrunden, hier in "Chinese Taipei".

...

Wenn irgendjemand das Taipei Children's Recreational Center noch mal besucht seither, würde ich mich über Feedback freuen, wie es dort jetzt aussieht. Denn meine Frau ist der Meinung die ganze Anlage sie jetzt zu, was aber nach der englischen Webseite nicht der Fall zu sein scheint. Weil die englischen Seiten meist schlecht gepflegt werden in Taiwan muss die Info dort aber nicht stimmen. Also weiß ich auch nicht, ob man da derzeit vor verschlossenen Türen steht...


Freitag, März 07, 2014

Wie Englischlehrer entstehen

Spenden Sie für einen guten Zweck! 
Auf dieser Webseite (http://www.indiegogo.com/projects/send-me-to-taiwan-to-be-an-english-teacher) hat man Gelegenheit durch Spenden dafür zu sorgen, dass ein weiterer Amerikaner nach Taiwan kommt und Englischlehrer wird und den jungen Damen hinterher jagt. Wenn das kein förderungswürdiges Anliegen ist!

Wie Kriege entstehen

Interessante Live-Unterricht zum Jubiläum des WK1. Wie könnte ein WK3 entstehen? Oder sind wir gerade dabei?

Die letzten Wochen vor der Teilinvasion der Ukraine durch Russland bin ich im Netz immer mal wieder auf Reminiszenzen zum 1. Weltkrieg gestoßen. Und fragte mich, wie kommt so ein Ding überhaupt in Gang, so ein großer Krieg? Klar, Wilhelm I, der spitzhaubige Kerl mit dem verkrüppelten Arm, der der Welt beweisen wollte, er sei doch ein ganzer Kerl mit seinen Kriegsschiffen, der war Schuld. Sicher größtenteils richtig, diese vereinfachte Erklärung. Die Frage war immer, kann heute so etwas auch passieren? Nein, sagten und schrieben die Leute meist. China ist viel zu sehr wirtschaftlich verflochten mit der westlichen Welt, als dass ein Krieg mit NATO/USA Sinn machen würde, sagen die Leute immer. Klar, da haben sie Recht. Und Minderwertigkeitskomplexe haben die roten Herrscher sicher auch keine, können sie doch auf Parteitagen mit Schwadronen von rot gekleideten Xiaojies sicher hinreichend den dicken Mann spielen, trotz bisweilen kleinem Körperwuchs. Irgendwo gibt es da weit besseres Fotomaterial, ich konnte es auf die Schnelle nicht finden. 

Russland sah man eh nur noch als Mittelmacht mit verrostetem Zeug. Und sicher verdienen die auch viel zu viel durch erstklassige Handelsbeziehungen mit der EU und haben eine tolle Partnerschaft mit den USA ... gehabt. Wie sollte da also ein WK3 entstehen? Es sei denn durch diese psychatrisch relevanten Länder wie Nordkorea und Iran. Aber da passt ja jeder auf, weil man um die Gefahr weiß.

Aber jetzt verstehe ich es etwas besser. Da ist plötzlich wieder ein Mann, der etwas größer tun will, als er eigentlich ist, der sich gerne baren Oberkörpers auf dem Pferde ablichten lässt, dem die Tatsache weht tut, dass "sein" Russland einst viel mächtiger war. Und der ein bisschen spielt. Der in Georgien einen Anlass hatte (Bedrohung von Russen durch den einfältig wirkenden "Saschkiwili" oder wie immer der Depp hieß) und der mal probiert hat wie weit er straflos gehen kann. Ziemlich weit! Der jetzt in der Ukraine noch ein bisschen weiter geht und sich die ehemals zu Russland gehörende Krim sichern will. Und diesmal etwas forscher war als beim letzten Mal und schon beim Anschein einer Bedrohung von Russen eine Invasion durchgeführt hat, nicht erst bei Eintritt der Bedrohung. Wieder sind die Strafen lächerlich, er wird sich ermutigt fühlen. Macht und Territorium gegen ein bisschen schlechte Presse und keine gemeinsamen Militär-Meetings mit der NATO. Klingt wie ein gutes Geschäft. Und so wird er noch ein bisschen weiter spielen wollen. Mit Babyschritten zum mächtigen Russland zurück. Was wenn im Baltikum (Nato, EU-zugehörig) der Anschein erweckt wird, Russen würden da schlecht behandelt? Putin könnte wieder spielen wollen, mit Panzern an die NATO-Grenze fahren (EU/USA/NATO ist ja offenbar eh eine feige Bande, die nach der Ukraine nicht mal richtige Sanktionen verhängt haben), nicht um den 3. Weltkrieg auszulösen, aber um etwas für die Russen dort rauszuschlagen. Autonomie vielleicht? Würde wieder mehr Einfluss für Russland bedeuten und er hätte wieder etwas gewonnen, der Machtspieler Putin.

Jetzt kann ich mir leichter vorstellen, wie Weltkriege entstehen, danke Herr Putin für diese Demonstration. Zum Beispiel durch russische Panzer vor einem NATO-Land und nervösen Leuten auf der anderen Seite. Oder eine falschen Angriffsmeldung durch den Radaroffizier Iwan Weissichauchnixkow.

Was nicht heißt, dass andere schuldlos sind an der Krise: Zerren der EU an der Ukraine, wo die doch eine russische Flottenbasis haben, Prinzip "Invasion nach eigenem Gusto" durch die USA re-etabliert.
Auch China wird aufmerksam beobachten, wie die USA und Russland das so machen mit den Invasionen. Haben sie doch auch noch eine Insel, die sie, vielleicht wenn mal wieder ein antichinesischer Präsident gewählt wird, ganz gerne schlucken würden. Taiwan, dann mindestens so appetitlich wie die Krim.

Mittwoch, März 05, 2014

Taipei Children's Recreational Center Taipei - Teil 1

Ein Feizeitpark aus alter Zeit, mit dem Charme einer untergegangenen Ära

 Meine Frau war traurig, ein Freizeitpark mitten in Taipei, den sie einst im Alter von 6 Jahren besucht hatte (Eintritt damals 4 NT, sagte sie), würde am vergangenem Montag die Tore schließen, endgültig. Schnell sind wir "noch mal hin", haben pro Nase (2 Erwachsene und auch unser 2jähriger Sohn) 20 NT (50 Euro-Cent) bezahlt - und hatten in dem altmodischen Freizeitpark einen verblüffend schönen Tag. Geschlagene 60 Jahre soll es ihn schon geben - was für ein Jammer, wollte man ihn abreißen. Allerdings beruht das wohl auf einem Missverständnis, nur der traditionell-chinesische und teilweise museale Teil, genannt die "Folk Arts Section", soll geschlossen werden, der rummelähnliche Rest und das moderne 3D-Kino (von uns nicht besucht) bleiben wohl erhalten, so kann man es jedenfalls der Webseite entnehmen (http://english.tcrc.taipei.gov.tw/). Die Webseite gibt sich auch altmodisch-steiff, man merkt sofort, dass der Park eine Behörde darstellt in Taipei. Zur Zeit ist wegen des Umbaus wohl sogar der Eintritt frei.

Gelegen ist das "Taipei Erholungszentrum für Kinder" (Bild vom Eingang über den jetzt im Abriss befindlichen chinesisch-traditionellen Teil) in einer tollen Lage. Er hat einen großen Park neben sich und liegt gegenüber dem Kunstmuseum (wie immer das auch genau heißt), wo auch eine japanische Kolonialvilla auf Touristen wartet.

 Radiosender...

Kunstmuseum...

... und japanische Kolonialvilla (Fachwerkhaus in der Bildmitte)  sind in unmittelbarer Nachbarschaft. Eine teure Lage! Auch das Taipei Grand Hotel ist in der Nähe, sicher eine der Schokoladenseiten von Taipei.

Man kann auch oft Flugzeuge relativ dicht über den Platz düsen sehen, die auf dem Inlandsflughafen von Taipei landen.

... was ganz nett aussieht...

.... denn die Dinger bleiben ja in der Regel oben.

Charmant altmodisch gibt sich der Eingang...

... und mir fielen sofort die hübschen alten Bauten im Folk Arts - Teil des Parks ins Auge, denen es jetzt aber wohl an den Kragen geht, denn die Taiwaner haben es nicht so mit dem Erhalt alter Bausubstanz. Watt soll's, weg mit dem Zeug.

Diesen Baustil findet man auf dem Lande noch in Form von alten Bauernhöfen, die meist allerdings verfallen sind und zu Schuppen degradiert sind. Hier noch gut erhalten.

In einer musealen Halle wird man sofort schulmeisterlich belehrt: "Sie müssen gewusst haben, dass das Taipei-Tal einst ein großer See war....". Schluck. Äh.... natürlich Herr Lehrer. Belehrungen in letzter Minute vor der Abrissbirne.

Hoffentlich denken sie dran, die uralten Ausstellungsstücke aus der Töpferzeit auch mitzunehmen vorm Abriss.

So, genug gemeckert, die Taiwaner sind halt fortschrittsgläubiger als Unsereiner und vielleicht wird ja auch was erhalten. Und die Stücke hier kommen sicher irgendwo anders ins Museum.

Hier eine steinzeitliche Dreckecke, die eigentlich ganz und gar sauberer aussieht als die modernen Dreckecken, wie ich sie aus unserer Zeit vom Lande her kenne. Heute wäre da mehr Papier und mehr Plastikflaschen. Never mind.

Schöne alte Architektur, hoffentlich bleibt etwas davon erhalten!


Der Löwe neben dem traditionellen Tor hat sich richtig herausgeputzt...

.... und scheint zaghaft zu fragen... "Habe ich es übertrieben mit der Garderobe heute?"

Ich hingegen war wieder mal mit dem "Mamabag" mit Versorgungsgütern für Junior behangen, genau dort, wo früher die Fototasche mit Wechselobjektiven war. Heute stattdessen habe ich das möglichst leichte alte Tokina 2.8-4.5/28-70mm an der Digitalkamera, für 25 Euro von Ebay erstanden. Es hat gnadenlos schwerere und bessere Objektive ersetzt, weil es eben so klein und leicht ist. Wenn auch die Umhängetasche so schwer ist. So, gehen wir noch ein Eis essen und dann rüber in den Mittelteil des Parks.... im nächsten Teil.

Montag, März 03, 2014

Nix wie raus...

Dieses Modell aus Sammy D's Diner, dem Roadies in Longtan (Taoyuan County) scheint eine Geschichte erzählen zu wollen...



Irgendetwas von einem Wehrmachtsgeneral, der es eilig hat. Das Bild ist Teil einer ganzen Reihe von WK2-Modellen, die am Tresen vom Roadies, Ludigels Leib- und Magenrestaurant*, zu besichtigen sind.


...

(hier mit künstlichem Filmkorn hinzugefügt)

* will sagen ich bin da Stammgast


Nachwort:  Ich bedaure, dass meine "militärische Phase" hier im Blog (siehe auch letztes Posting) mit der Teilinvasion Russlands in der Ukraine zusammengefallen ist. Hier sollten nur locker ein paar Dekorationen vom Militärhospital (letztes Posting) und aus dem Roadies gezeigt werden, ein ernsthafter Zusammenhang mit real existierenden kriegsähnlichen Handlungen ist natürlich nicht gegeben. 

Donnerstag, Februar 27, 2014

Tieffliegeralarm, Ducken !!!

Manchmal nervt es schon, in einem Militärveteranenviertel zu leben.


Manchmal kann man sich gerade noch ducken wegen der Tiefflieger, unmöglich!


Und auf den Kreuzungen muss man aufpassen wie ein Schießhund...



Und sogar im Park steht Kriegsgerät herum, nervig!

Muss man aufpassen, dass man beim Joggen nicht gegenläuft, unmöglich!





OK, OK, nicht dass das noch einer Ernst nimmt, insbesondere in Verbindung mit dem letzten Artikel, der die friedlichen Straßen Taiwans ausdrücklich lobt. Es handelt sich um altes Kriegsgerät in einem schicken Viertel hinter dem Tri-Service-Hospital in Taipei-NeiHu, das wirklich ein Militärhospital ist, aber allen Leuten offen steht. Bei meinem Spaziergang dort war ich doch verblüfft, was da so plötzlich herum steht ;-)Als Dekoration natürlich nur.
EDIT: Tiefflieger gibt es keine, nicht dass das jemand falsch versteht ;-)




 

P.S.: Ab sofort habe ich "absolute Lieblingssoldaten!"

Und zwar die hier: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/photo/2012/04/20/2008071441 und auch hier (zweites Bild von oben): http://blogs.voanews.com/albanian/photos/2012/04/19/april-19-2012-2/ 

 Ähnlichkeiten mit Leuten wie hier (http://en.memory-alpha.org/wiki/Orion_slave_girl) sind sicherlich rein zufällig.

Deutschland, Taiwan, Gewalt auf der Straße

Manchmal bin ich nicht unfroh, dass unser Junior in Taiwan aufwächst

Wenn man Deutschland und Taiwan vergleicht, kommt man jedenfalls als Deutscher oft zu wenig Schmeichelhaftem für Taiwan. Straßen zu voll, Verkehr zu chaotisch, man meckert vielleicht über zu legeren Arbeitsstil den eigenen Maßstäben nach und schüttelt den Kopf über Tierquälerei oder dergleichen. In anderen Fällen schneidet allerdings Taiwan deutlich besser oder gar besser als Deutschland ab, sogar gemäß meinen sicher deutsch geprägten Kriterien. Die sicheren Straßen Taiwans sind da ein ganz großer Punkt. Zwar schneidet Taiwan in Sachen Mordrate (Mord und Totschlag war wohl in der letzten Statistik gezählt, die ich gesehen hatte) üblicherweise schlechter ab als Deutschland, aber den höheren taiwanischen Wert erklärt man sich im Allgemeinen mit Gangsterbanden-Auseinandersetzungen, von denen normale Bürger wenig mitbekommen. Offenbar hat hier öfter mal ein die Rotlichtbars (die wenige sind und sich an einheimisches Publikum richten!) kontrollierender Angestellter aus dem Mittelmanagement einer Runde "ehrenwerter Herren" eine Auseinandersetzung mit einem anderen Teamleiter oder der Konkurrenz, die dann manchmal zum Gebell der Straßenhunde unter fahlem Mondlicht auf einem Wellblechfabrik-Hinterhof ausgetragen wird, mit Pistolen und Messern.
Taiwans Straßen sind jedenfalls friedlich, auch in Barackenvierteln (deren Anwohner oft neue silberne Toyotas fahren) herrscht nächtlicher Friede, niemand überfällt einen oder dergleichen.

Ludigels Nachbarschaft, über allen Dächern ist Ruh

Was müsste Taiwan passieren um das zu ändern? Etwa könnte sich Taiwan um weniger Steuerung der Einwanderung bemühen oder etwa eingeladenen Fabrikarbeitern aus fremden Kulturen wie Indonesien oder den Philippinen, die Langzeitperspektive eines Langzeitaufenthaltes in Taiwan bieten. Das würde dann sicher die eben beschriebene Situation ändern. Denn Menschen aus ärmeren Ländern, die vielleicht auch strenger religiös sind - und eine andere Religion haben - haben oft eine größere Anzahl von Hühnchen, die sie mit irgendjemanden rupfen wollen. Aus Frust oder weil die Einheimischen sowieso Fremde sind, die mehr haben oder weil man das daheim auch so regelt. Schon wären dunkle Ecken oder gar Bahnhöfe und Discobesuche nicht mehr so friedlich, wie sie sind.
Tut Taiwan aber nicht, Taiwan kaserniert seine "fremden" Fabrikarbeiter, worüber sich eben dieses Blog auch schon aufgeregt hat, schau her wie widersprüchlich ich bin.

In Deutschland ist das alles anders, Deutschland hat sich längst entschieden ein relativ offenes Einwanderungsland zu sein. Bei jedem Besuch erlebe ich die Bevölkerung meiner Heimatstadt diversifizierter, warum auch nicht. Nein halt, Deutschland ist kein Einwanderungsland, sagt immer die CDU und lehnt mit diesem Argument die Steuerung der Einwanderung ab.
Die aufgenommenen Einwanderer stimmen freilich mit den in Richtung Deutschland gehenden Füßen ab und es kommen nicht nur Facharbeiter, gesuchte Pflegekräfte, Ärzte oder Ingenieure, sondern natürlich auch viele Glücksritter, die ja eh immer leichter ihre Umhängetasche packen. Und die haben Kinder, die in der Fremde großwerden und nach den elterlichen Maßstäben erzogen werden.

So ist Taiwan eher eine Monokultur, Deutschland hingegen ein Einwanderungsland, was besser ist weiß ich auch nicht. Während ich darüber nachdenke genieße ich die Sicherheit von Taiwan. Und klar, ein Herr Cihan A, der im Bus mit offen bekannter Tötungsabsicht seine bewaffneten Freunde zusammenruft irgendwo in Deutschland, dann einen Schlichter (der also Streit schlichten will) von hinten angreift, bewusstlos tritt und dann weiter auf ihn eintritt und seine Freunde den Bewusstlosen dann töten, der ist in Deutschland nicht richtig verantwortlich für seine Tat. Wie sollte er auch? Man weiß ja nicht, wer von seiner bewaffneten Truppe das Opfer (der deutsche Vorname des Opfers ist sicher reiner Zufall) letztendlich getötet hat.

Ich weiß es auch nicht. Und schüttele hier beim Frühstück den Kopf und mir zieht mal wieder das Wort "Blödland" durch den Kopf, das in meinen Gedanken immer öfter das alte Wort "Taiwahn" ersetzt hat, sich aber auf die alte und nicht die neue Heimat bezieht. Die üblichen Kommentare die man zu solchen Gedanken aus Deutschland bekommt, würden einen als Rechtsradikalen verleumden. Worüber ich wieder nur den Kopf schütteln könnte.
Ist aber nur nachrichtenlesendes Kopfschütteln meinerseits, das macht ja eigentlich jeder Mal beim Frühstück und der Zug zum Ändern wäre sowieso längst abgefahren.
  

Dienstag, Februar 25, 2014

Kampf der Titanen

Achtung: Anekdote. 

Dieser Tage hat Junior, 2 Jahre alt und mit Mandarin, Englisch und Deutsch aufwachsend, einen Zweikampf mit seiner Großmutter am laufen. Er spricht sie nämlich immer öfter mit seinen noch relativ wenigen Brocken Deutsch an, die er schon beherrscht, was diese ein bisschen frustriert, schließlich redet sie ja sonst mit ihm auf Mandarin-Chinesisch. Bislang hat er ihr auf Mandarin geantwortet, aber seit einiger Zeit wirft er seiner Oma mehr und mehr Deutsch an den Kopf. "Mit Absicht", sagt meine Frau, die gemerkt hat, dass er dabei grinst, wenn er es wieder und wieder macht.

"Trinken" sagt er etwa der Oma wenn er Durst hat und zeigt ihr die leere Trinkflasche. Oder mit "daputt" (Junior-Speak für "kaputt") hat er gestern Oma gegenüber mehrfach seine Hausschuhe bemängelt, die ein Loch hatten. Außerdem fällt er durch ständiges "genau"-sagen auf, was ihm meine Frau beigebracht hat, weil sie es schon immer lustig fand, wie oft Deutsche dieses Wort sagen (meint sie).

Ein paar Tage lang war seine Oma, die ja wochentags insbesondere tagsüber seine Betreuung leistet, darüber ziemlich genervt. Jetzt schlägt sie zurück ... und antwortet ihm auf Japanisch. Sie beherrscht nämlich noch ein paar Brocken Japanisch aus ihrer Jugend, von damals, als Taiwan noch japanische Kolonie war*.




* Taiwaner haben damals (die Kolonialzeit war 1895-1945) Japanisch und nicht Mandarin gesprochen neben ihrer lokalen Zweitsprache (wie Taiwanisch/Hoklo oder Hakka).

Montag, Februar 24, 2014

Smartphonistisches

Wie habe ich als langjähriger Smartphoneverächter mich mit dem Ding arrangiert?
Und wie die Taiwaner? Warum erstarren sie immer öfter bewegungslos auf Straßen und Plätzen?

In zwei taiwanaffinen Blogs begegnete mir die Tage die Rolle des Smartphones in "unser aller Leben", einmal thematisiert Klaus (deutscher Journalist, der in Taipei lebt) die enorme Rolle des Smartphones im Leben der Taiwaner:  http://www.intaiwan.de/2014/02/04/smartphones-taiwan/
Subjektiv erscheint es mir jedenfalls so, als wenn das Smartphone die Taiwaner regelrecht "versklavt". Um eine hübsche junge Frau kennenzulernen, so habe ich es einmal formuliert, muss man sich in Taipei einfach irgendwo an eine Straßenecke stellen. Dann kommt eine Traumfrau um die 20 mit rotgefärbten Haaren um die Ecke, die Augen auf das Smartphone gerichtet und man hat so Gelegenheit auf ein ersten TREFFEN im Sinne einer Kollision. Kommt sie gerade von Starbucks, gibt es sicherlich noch mehr Gesprächsstoff - und ein gemeinsames Date bei der Reinigung oder dergleichen. Mir fallen auch immer wieder junge Damen auf, die wie Statuen mitten in der Kantine oder auf einem Treppenabsatz stehen und sich minutenlang nicht bewegen, perfekt in Trance mit Facebook oder was auch immer. Moderne Kunst könnte es sein, so irr kommt es mir vor, wie sie da zur Salzsäule erstarrt stehen und sich das Meer der hungrigen Kollegen um sie teilt. Oder Gruppen junger Leute, im im Restaurant mit gesenktem Kopf auf die Smartphones gucken und Teller und Tischgenossen keines Blickes würdigen.

Manchmal denke ich, in noch mal 5 Jahren haben alle die Datenbrillen auf und stehen dann glotzäugig auf den Straßen und Plätzen. Lange kann es nicht mehr dauern, schließlich sind auch die Smartphones erst ein paar Jahre alt - 2006 hatte ich mein Motorola Klapphandy bekommen - und da war es noch "in" und Smartphones kannte man nur als Blackberry, die aber nur Geschäftsleute hatten (und der Hersteller hatte offenbar keine Ahnung, was er da eigentlich gebaut hatte).



Die Datenbrillen sind dann sicher nur die Vorstufe zum Hirninplantat. Meine persönliche Technologiegrenze ist ja da, wo die User anfangen zu speicheln beim Benutzen der Technik. Wenn ich so manchen Smartphonisten sehe denke ich, wir sind da bald angelangt. Mir war das gegenwärtige Smartphone lange etwas unheimlich, das gebe ich zu, wohl auch des abschreckenden Beispiels halber, dass die Taiwaner im Umgang damit darstellen. Auch meine Frau ist dem teilweise erlegen, als sie ihr Samsung neu hatte, war es wochenlang nicht von ihrer Hand zu bekommen, was letztlich sogar zu Terminen beim Augenarzt führte. Heute nutzt sie es oft, aber nicht so extrem wie die hier beschriebenen Extremfälle - und unser Augenarzt warnt vor dem blauen Licht des Schirms, das die Retina zerstören würde.

Was mache ich nun selbst mit dem Ding? Ganz trennen vom Mobilfunk will ich mich nicht, auch wenn ich den Schritt vom Blogger Dunkelangst mit Respekt zur Kenntnis nehme (http://dunkelangst.org/2014/02/renaissance-der-armbanduhr/) und mein Android-Phone von Sony hat sich sicher seine Nische bei mir erobert. Es wartet auf den Tag, wo mein Klapphadyvertrag ausläuft, nervt mich oft mit leeren Akkus (alle 2 Tage muss ich es laden) und stellt sich immer wieder leise, wenn die Batterie nicht mehr viel Strom hat, so dass ich es selten klingeln höre. Aber das kann ja auch ein Vorteil sein. Aber zwei definitive Vorteile hat es. Es bringt mir deutsche Nachrichten per "Schöner Fernsehen"-App auf den Schirm und ....

Es eignet sich glatt als Textterminal zum Fernzugriff auf eines meiner Linuxsysteme auf dem Schreibtisch in der Firma! Das konnte mein altes Klapphandy nicht. Oder um mal eben den Router in Schwiegermutters Wohnung neu konfigurieren per Chrome-Browser.

Ein Leben ohne Smartphone? Von mir aus gerne, aber praktisch ist es schon, wenn man es, wie alles im Leben, in Maßen anwendet.

EDIT: Und es diente beim meinem Heimaturlaub in Deutschland als Bildtelefon heim zu Junior, der mit Frau in Taipei saß. Das fanden auch meine Eltern toll, die zwar Technikverächter sind aber nächstes Jahr ein Android-Tablett bekommen, um ihr Enkelkind mal sehen zu können.

EDIT2: Und macht den ganzen Tag "poing-poing-ping" wenn die Schwestern meiner Frau an einen Familienverteiler Textmessages und Toyota- und Seven-Eleven-Icons schicken. Dann wedelt das Werbemännchen der 24-Stunden-Kiosklädenkette "Seven-Eleven" mit einem "Okay"-Schild wie eben gerade. An das Dauerping muss ich mich auch erst noch gewöhnen....


Dienstag, Februar 18, 2014

Zuckerschock, Tiramisuwan

Kulinarische Kurznotiz

Im niedersächsischen Supermarkt (während meines Heimaturlaubs neulich) gekauftes Tiramisu freudig erregt aufgerissen, gelöffelt, anfangs genossen, doch dann über das stark ansteigende Zuckergefühl in meinem Munde gewundert. Mit jedem Löffel hatte ich den Eindruck, blanken Zucker zu essen! Am Ende fand ich das angeblich aus Italien stammende Tiramisu ungenießbar. Tiramisu ist auch in Taiwan recht populär (jedenfalls bei Ludigels Familie), aber VIEL weniger süß. Die deutsche Lebensmittelmafia will die Bevölkerung mit Gewalt in die Diabetes treiben, habe ich immer mehr den Eindruck. Wenn es süß schmeckt, kann man sich natürlich auch bessere Zutaten sparen, denn man schmeckt dann sowieso nur noch Zucker. Ohne dem Unternehmen hier etwas unterstellen zu wollen - eher allgemein bemerkt.


  Für mich persönlich eher "Zuckermisu" von Mamma, die ja vielleicht zeitlebens chronisch unterzuckert war

Rein persönliche Notiz, jeder kann sich ja seine eigene geschmackliche Meinung bilden.

Montag, Februar 17, 2014

Staatsbürgerschaft: Kinder von Taiwanern und Deutschen (Update)

Ein paar Notizen, weil man hier viel Falsches liest

Kinder von Deutschen Staatsbürgern sind automatisch Deutsche, ein einfacher Antrag bei der deutschen Botschaft respektive Vertretung (im Falle von Taiwan das Deutsche Institut) genügt. Das ist unabhängig davon, ob das Kind noch eine andere Staatsbürgerschaft von Geburt an hat, etwa die der Republik China alias Taiwan. Die Republik China (Taiwan) handhabt es genauso. Folglich ist das Kind eines deutschen und eines taiwanischen Staatsbürgers also automatisch Deutscher - und auch Bürger der Republik China/Taiwan.
Geburtsanzeige und Passbeantragung macht man am Besten in einem Schritt beim Deutschen Institut Taipei.
Es gibt KEIN Verbot einer doppelten Staatsbürgerschaft in diesem Fall und das Kind muss sich NICHT irgendwann entscheiden, welche Staatsangehörigkeit es haben will, es hat BEIDE.

Lediglich wenn die Eltern für das Kind eine nicht automatisch von Geburt an zustehende Staatsangehörigkeit beantragen würden, etwa gleich nach der Geburt die Kanadische, weil die Eltern nach Kanada umsiedeln wollen, könnte die deutsche Staatsangehörigkeit verloren gehen. So hat es uns jemand auf dem Deutschen Institut mal erklärt - hier bin ich aber kein Experte und Betroffene sollten sich genauer erkundigen.

Achtung:
Deutsche, die*** selbst nicht in Deutschland geboren sind (also etwa das Kind eines Deutschen und einer Taiwanerin mit Geburtsort Taipei) haben (seit einer Gesetzesnovelle vom 01.01.2000 - Edit) maximal ein Jahr Zeit, ihre Kinder als Deutsche anzumelden (damit sie die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten), sonst ist der Anspruch auf die deutsche Staatsangehörigkeit erloschen!
Beispiel: Otto Meier (Deutscher, in Deutschland geboren) und Fanny Low (Taiwanerin) bekommen ein Kind - und zwar in Taiwan. Das Kind Elvira Low-Meier ist ohne Frist bei der Geburtsbeurkundung Deutsche und lebt nun wiederum in Taiwan, heiratet den Taiwaner Adam Chen. Ihr gemeinsames Kind, John Chen, hat nun nur dann Anspruch auf die deutsche Staatsbürgerschaft, wenn Elvira Low-Meier binnen eines Jahres den entsprechenden Antrag bei der deutschen Vertretung stellt.

Altes Recht der Republik China:
Vor einer Gesetzesnovelle der Republik China / Taiwan (Edit: auch im Jahre 2000, siehe Link unten für Details der Regelung!) wurden nur Kinder von männlichen Taiwanern automatisch Taiwaner. Hatte eine Taiwanerin einen Ausländer geheiratet war das (wohl) nicht der Fall. Heute können auch Taiwanerinnen genau wie Taiwaner die Staatsbürgerschaft vererben! Da taiwanische Beamte manchmal noch ältere Regelungen anwenden, besteht eine gewisse theoretische Gefahr, dass dem Kind einer Taiwanerin und eines Ausländers die Staatsbürgerschaft der Republik China / Taiwan nicht zugestanden wird, wenn das Paar etwa außerhalb Taiwans lebt oder eine geringe Bindung zu Taiwan angenommen wird. Meine Frau hatte mir jedenfalls eingeschärft im Zweifelsfall meine Verbundenheit zu Taiwan zu betonen, sollten mich Beamte danach fragen - was allerdings nie geschehen ist.


Formularkrieg
Immer mal wieder liest man, dass Deutsche den Sinn der vom Deutschen Institut Taipei verlangten beizubringenden Bescheinigungen oder Amtsvorgänge in Zweifel ziehen und über Friktionen mit dem Vertretungspersonal bei dieser Diskussion berichten. Mein Tipp: Vorgeschriebene Prozeduren zu hinterfragen bringt gar nichts, man muss einfach genau das tun, was das freundliche Personal der Vertretung verlangt, dann geht alles reibungslos über die Bühne. Es ist zu beachten, dass die Bundesrepublik Deutschland die Republik China / Taiwan diplomatisch nicht anerkennt und deshalb der Antragsweg mit zusätzlichen Bescheinigungen gespickt ist. Dies betrifft aber eher die Heirat, nicht die Geburtsanzeige und Passbeantragung.

Deutsche Geburtsurkunde
Bei Geburtsanzeige und Passbeantragung haben wir auch gleich eine deutsche Geburtsurkunde für Junior beantragt. Für diese ist dann das Standesamt Berlin I zuständig und leider ist die Bearbeitungszeit episch lang. Im Jahre 2011 haben wir diese beantragt und heute im Februar 2014 immer noch nicht erhalten.

Wehrdienst
Leistet ein Deutscher mit doppelter Staatsbürgerschaft Wehrdienst für einen fremden Staat, dessen Staatsbürgerschaft er auch besitzt, verliert er automatisch die deutsche Staatsangehörigkeit - es gibt nur wenige Ausnahmeländer wo das nicht passiert (http://www.auswaertiges-amt.de/DE/EinreiseUndAufenthalt/Staatsangehoerigkeitsrecht_node.html). Gemeinsame Kinder von Deutschen und Taiwanern mit beiden Pässen müssen also den taiwanischen Militärdienst vermeiden (der Wehrdienst wird ohnehin abgeschafft in Taiwan nach derzeitiger Lage).


*** Wer vor dem Stichtag der Gesetzesnovelle,  01.01.2000 geboren ist, ist nicht betroffen, selbst wenn er im Ausland geboren wurde.


Nähere Info Deutschland:
http://www.auswaertiges-amt.de/DE/EinreiseUndAufenthalt/Staatsangehoerigkeitsrecht_node.html

Nähere Info Taiwan: http://en.wikipedia.org/wiki/Nationality_Law_of_the_Republic_of_China

Freitag, Februar 14, 2014

Wieso eigentlich "Taiwahn" mit H?


Rechtfertigungsmodus an ;-)

Ich wollte es schon immer mal erklären, weil es immer wieder zu Missverständnissen führt. Wieso habe ich Taiwan manchmal als "TaiwaHn" bezeichnet und damit irgendwie impliziert es sei möglicherweise ein Land, in dem wahnsinnige Dinge geschehen oder gar schlimmeres? Wörtlich genommen wirkt diese meine Wortwahl in der Tat oberflächlich, unfair und herabwürdigend. Tatsächlich ist aber gemeint:

1) Jedes Land hat das, was ich eine eigene Kulturmatrix nenne. Beispielsweise bewerten Taiwaner (Fürsorge für die) Familie und das Recht auf Entfaltung im Individualverkehr als sehr viel wichtiger als Deutsche. Taiwaner opfern sich für Eltern etc. manchmal regelrecht auf, während Deutsche eher die Abnabelung vom Elternhaus vollziehen und das im Gegensatz zu Taiwanern meines Erachtens nach schon recht früh. Deutsche rasen auch gerne mit dem Auto über die Autobahn (viele jedenfalls), bewerten aber Sicherheit und Ökologie in Sachen Straßenverkehr sehr viel höher als Taiwaner. Mein Wohnviertel hier in Taipei mit seinen engen Gassen und fehlenden Bürgersteigen wäre in Deutschland etwa eine Spielstraße mit Bodenschwellen. Hier in Taipei jedoch rasen Autos mit 60 durch, dass man manchmal zur Seite springen muss.


Die Verhaltensweise der Deutschen ist an die deutsche Kulturmatrix angepasst, die der Taiwaner natürlich an ihre taiwanische. Mit Matrix ist hier übrigens nur eine mathematische Schreibweise von Werten gemeint (die man in Klammern zusammenfasst und das Ding dann Matrix nennt), ausdrücklich NICHT der Kinofilm "The Matrix". Nur zur Klarstellung.
Das Verhalten von einem anderen Deutschen, der einer innerlichen eigenen Wertematrix folgt, die gravierend von der allgemeinen deutschen Kulturmatrix abweicht (Matrix ist hier also mit "Wertesystem" zu übersetzen) wird man in Deutschland i.A. als "verschroben" wahrnehmen, eventuell sogar als wahnsinnig. Beispiel: In meiner Deutschlandzeit ist ein Nachbar immer mit 80 durch unsere heimatliche recht enge Tempo-30-Zone gerast und ich habe den Verkehrsrowdy als "Wahnsinnigen" o.ä. bezichnet wenn er mir in den Wohnstraßen mit Lichthupe auf der Stoßstange klemmte***. Hier in Taipei würde er mit der Fahrweise kaum auffallen.

Fotos im Longshan-Tempel Taipei aufgenommen

Sind also die Taiwaner "wahnsinnig" und wir Deutschen vernünftig? Antwort: Natürlich nicht, wir folgen nur anderen Wertesystemen mit unserem Verhalten. Aber deshalb empfindet man einen Taiwaner nach den eigenen deutschen Maßstäben insbesondere in der Anfangszeit einer Umsiedlung hierher oft als unlogisch handelnd. Man hat also den Eindruck, die Dinge im kulturell fremden Gastland seinen "verrückt" organisiert, während sie in Wirklichkeit nur anders organisiert sind. Manches ist besser (Familienzusammenhalt), manches schlechter (Herumrasen in bürgersteiglosen Wohnvierteln). Das Scherzwort "Taiwahn" weist etwas augenzwinkernd auf diesen Umstand hin.

2.) Der Mensch wird durch soziale Rückkoppelungen im Verhalten korrigiert. Beispiel: Fahre ich oft mit pfeifenden Reifen los, sagt mir meine Familie oder Nachbar vielleicht anfangs im halben Scherz, ich solle mal weniger hektisch aufs Gas treten. Hier in einer fremden "Matrix" erhalte ich weniger Rückkopplungen, weil mich die Leute eh als Fremden ansehen und vielleicht einfach tolerant sein wollen. Und ich selbst empfinde die hiesigen Normen als so fremd, dass ich mich ihnen nicht ganz und gar unterwerfen will.. Die Gefahr ist, dass sich dann merkwürdige Verhaltensweisen einschleichen oder einfach die Konfrontation mit einem ungewohnten Kontext bisweilen merkwürdiges Verhalten auslöst. Beispiel: Ein Expat, der mal im Ausländerforum angegeben hat, den Gastgeber bei einem Firmenfestessen dahingehend beleidigt zu haben, dass er das Essen als "Zuhause bei mir wäre das Schweinefutter, hier ist es eine Delikatesse" tituliert hat. Auch wenn das stimmen mag zeigt der Umstand, dass er sich so verhalten hat natürlich seine Distanz zum Wertesystem des Gastlandes auf, die in schrulligem Verhalten gemündet ist.

Auch sich in bestimmten Situationen merkwürdig verhaltende Ausländer sind mit dem "Taiwahn" gemeint, denn manchmal trifft man oder hört hier von Expats, die sicher gerade mal in ihrem persönlichen Taiwahn gefangen sind. Der Autor nimmt sich hier nicht aus (wehe irgendjemand postet Beispiele in den Kommentaren ;-)

Womit wir nachgewiesen haben, dass sich hinter meiner vordergründig flapsigen Bemerkung also nichts anderes als multikulturelle Weisheit verbirgt (hust).


*** Er hatte übrigens später einen tödlichen Unfall mit Trunkenheit verursacht

Donnerstag, Februar 13, 2014

John Rabe

Am Abend vor dem Abflug von Deutschland nach Taiwan verschaffte mir mein spätabendliches Auftachen im elterlichen Wohnzimmer einen ungewöhnlichen Filmabend

Als es unlängst aus Niedersachsen wieder zurück nach Taipei ging, schlenderte ich noch mal im Hause meiner Eltern ins Wohnzimmer. Und war ganz verblüfft, welchen Film mein Vater da sah: "John Rabe", ein wohl deutsch-französisch-chinesischer Spielfilm aus dem Jahre 2009 eines deutschen Regisseurs (http://de.wikipedia.org/wiki/John_Rabe_%28Film%29). Der Film handelt vom Deutschen John Rabe, der 1937 die Siemensfabrik in Nanjing, China leitete und in die grausame Chinainvasion der Japaner und insbesondere ihre Einnahme von Nanjing verwickelt wurde. Deutschen ist das Massaker von Nanjing kaum ein Begriff, ich selbst war vor meiner Taiwanzeit keine Ausnahme. John Rabe jedenfalls war zusammen mit anderen westlichen Ausländern maßgeblich an der Errichtung einer internationalen Schutzzone auf dem Siemensgelände und anderswo verstrickt, die offenbar bis zu 200.000 Menschen beherbergt hatte und ihnen Schutz vor den Gräueltaten der japanischen Invasoren bot. Der Film schildert, wie japanische Offiziere Menschen zum Spaß köpfen, in einem Wettstreit zweier Offiziere, wer mit seinem Schwert mehr Menschen enthaupten kann. Gefangene chinesische Soldaten werden sofort von den Japanern exekutiert und Frauen nur als Vergewaltigungsopfer gesehen. Historische Zeugnisse von verstümmelten und lebendig begrabenen Menschen in Nanjing sind per Google leicht zu finden.
Mehr zu John Rabe selbst ist hier zu finden: http://de.wikipedia.org/wiki/John_Rabe
Um es kurz zu machen, Nazideutschland hat Herrn Rabe sein Engagement bei seiner Rückkehr nicht gedankt und dieser Beitrag, den ich kurz vor einer anstehenden Japanreise verfasse, soll auch nicht die deutschen Gräueltaten relativieren, die wir alle kennen.

Ein für mich aufwühlender Film, denn der Staat, der da verzweifelt gegen die Japaner kämpft und dessen Menschen so mitleidlos gemetzelt werden ist nichts anderes gewesen als die Republik China, sprich die Urform des Staates, dem ich heute auf Taiwan meine Steuern zahle (was wir umgangssprachlich Taiwan nennen ist ja nichts anderes als die Fortführung der Republik China).

Demnächst ins Disneyland nach Japan und nach Tokyo. Japan erkennt bis heute das Massaker von Nanjing nicht an, sagte der Film im Abspann.

Verstörende Artikel/Postings über Taiwan

Ein Hollywoodschinken über eine Drogenkurierin in Taiwan und was alles auf Hochzeitsfeiern passieren kann

Ob dieser Film dem Taiwanbild in der Welt förderlich ist weiß ich nicht, jedenfalls wird laut FOCUS derzeit ein Hollywoodstreifen gedreht (teilweise im Oktober in Taiwan geschossen), bei dem Scarlett Johansson eine unfreiwillige Dorgenkurierin spielt, der die geschluckten Drogen in den Körperkreislauf gelangen und die darauf hin nicht etwa krank wird oder tot umfällt, sondern übersinnliche Fähigkeiten entwickelt (http://www.focus.de/kultur/vermischtes/scarlett-johansson-scarlett-johansson-paparazzi-stoeren-dreharbeiten_aid_1137887.html). Was die Dame dann mit den neu gewonnen übersinnlichen Fähigkeiten anstellt, verrät der Artikel nicht. Vielleicht Englischlehrerin werden? Wir wissen es nicht. In der Praxis erhalten Drogenkuriere in Taiwan i.d.R. Lebenslänglich wegen strenger Kontrollen, statt übersinnlicher Fähigkeiten gibt es dann überfüllte Zellen, siehe etwa hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Noch verstörender der Bericht eines Deutschen (?) der angibt auf einer taiwanischen Hochzeitsfeier*** seine eigene Familie und Gäste und Passanten angegriffen und teilweise gebissen zu haben - mutmaßlich unter Drogeneinwirkung (http://forum.suchtmittel.de/viewtopic.php?t=11115). Dabei seien die Drogen ihm möglicherweise von einem psychisch kranken Englischlehrer appliziert worden. Ich habe trotz aller Versuchung keine Lust, beide Artikel/Postings zu einem rhetorischen Ganzen zu vermengen, manchmal will man einfach nichts genaueres mehr wissen.

UPDATE: Der Film hießt "Lucy" und wird dieses Jahr erscheinen: http://en.wikipedia.org/wiki/Lucy_%282014_film%29.
Die Drogenkurierin im Film lebt in Taipei (also schon eine Englischlehrerin!) und kann dank Drogen Wissen sofort aufnehmen (statt wie sonst eher üblich den Mageninhalt sofort ausleeren), Objekte bewegen (nicht durch desorientiertes Gegenlaufen sondern per Telekinese) und empfindet weder Schmerz noch Unwohlsein (anders als eventuelle taiwankundige Zuschauer des Films denke ich mal).

UPDATE2: Frau Johansson trägt dabei knappe Klamotten mit hervorlukendem BH und wird von Morgan Freeman gejagt (kling wie ein Argument für Pfefferspray): http://www.fansshare.com/news/scarlett-johansson-plays-drug-mule-in-new-role/ 
http://www.dailymail.co.uk/tvshowbiz/article-2472331/Scarlett-Johansson-plays-drug-mule-superpowers-Lucy.html 



Verwandte Artikel

2013 Update zu Gefangenen aus Deutschland in Taiwan in Sachen Drogen, bitte auch die Kommentare beachten!
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/05/deutsche-im-gefangnis-in-taiwan-2013.html

***Meine Methode: Zu Hochzeitsfeiern einfach einen Burger mitbringen.

Dienstag, Februar 11, 2014

Taiwanischer Gott besucht Japan

Ein Einwohner Taipeis geht auf Reisen: Der "Mondalte"

Ich finde es immer wieder verwirrend, wenn meine Frau von in Taiwan verehrten Göttern so redet, als ob diese physisch in der Nachbarschaft leben. Etwa: "Der Gott im Tempel bei den beiden alten Frauen da hat meiner Mutter gesagt, dass...". Oder gar "Da hinten im Tempel wohnt ein Gott, der .... (folgendes tut)...". Auch die Taipeitimes schreibt im selben Stil und schildert, ein Gott Taipeis würde eine Reise nach Japan antreten und habe zu der Reise auch sein Einverständnis gegeben. Weil letztlich natürlich seine Statue bewegt wird, obwohl das aus dem Artikel kaum herauszulesen ist - man sieht ihn eher den Reisepass schnappen und übergroße Stiefel anziehen in dem Artikel: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/02/11/2003583256

Hier der Longshan-Tempel, ohne Zusammenhang zum Artikel
 
Will sagen, ein westlicher Autor hätte wohl gleich geschrieben, dass die Statue eines Gottes hier auf Reisen geht und nicht einfach ein Gott. Aber der vermeintliche Stilfehler im Artikel offenbart vielmehr die unterschiedliche Denkweise hier. Was ich wiederum höchst interessant finde - und auch ein bisschen amüsant. Lustig machen würde ich mich darüber nie, habe ich doch neulich im Longshan-Tempel höchstselbst einen Rauchdrachen fotografiert: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/ein-drache-im-foto.html.