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Freitag, Januar 26, 2018

Gesundheitssystem Taiwan: Ärzte, Krankenhäuser (Update)

Erst durch eine 2015 im "Tri-Service"-Krankenhaus NeiHu schief gelaufene Behandlung habe ich so richtig begriffen, wie Taiwans Medizinsystem funktioniert. Hier ein Überblick.

0. Blutspende-Wagen

Blutspendewagen nehmen kein Ausländerblut an (oder kippen es weg, wenn man drauf drängt, vermute ich). Das erklärt sich durch gesetzliche Regelungen, weil Ausländer reisen und andere Länder natürlich andere Krankheiten haben. Außerdem glauben Taiwaner ohnehin, Ausländer hätten HIV und BSE im Blut ;-)





1. Apotheken

... gibt es so in Taiwan eigentlich nicht. Was sich hier Pharmacy (Apotheke) nennt sind eigentlich eher Drogerien, eventuell mit Megaphon-Werbeaktion "Ein Ei, ein Becher Tee und 1 Stück Seife für 10 Taiwandollar (NT)". Hier gibt es also auch Shampoo (mit Schwerpunkt auf Medizinischem), dann aber wieder große Lücken im Sortiment. Nagellack zum Beispiel haben sie üblicherweise nicht (weil man das eher im Seven-Eleven Kioskmarkt kauft). Medikamente kauft man praktisch nur in Selbstmedikamentation. Ist ein Medikament nicht vorrätig ist der Verkäufer meist unwillig es zu bestellen, selbst wenn er einigermaßen Englisch kann. Drogerie eben. Verschreibungspflichtige Medikamente (hier hat Taiwan ähnliche Regeln wie Deutschland) gibt es nicht frei zu kaufen.
Aus Deutschland bekannte Medikamente gibt es eher selten. Ärzte teilen Pillen selber zu, daher gibt es eben kein richtiges Apothekerwesen.
Äußerlich erkennbar am typischen klassischen Drogerieäußeren (eher nicht wie DM oder Rossmann, sondern wie es früher auch in Deutschland war), meist mit dem Logo von Taiwans Einheitskrankenkasse National Health Insurance  (NHI) versehen (zwei grüne Männchen im blauen Kreis). Beispielfoto.
Öffnungszeiten 9-22 Uhr oft.

2. Ärzte mit eigenen Praxen

...sind fast alle nur HNO-Ärzte, weil Taiwan wenigstens im Norden zwar monatelang niedrige Temperaturen (etwa Nov-Feb) von +3 bis +18 Grad hat (die Ausreißer nach unten sind das interessante), aber die Gebäude meist keine Heizung haben (Hotels, Kioskmärkte etc. meist ausgenommen). Ich benutze diese Ärzte aber auch einfach als Allgemeinmediziner, in Ermangelung von solchen. Gelegentlich versuche ich eine Verbindung zur Nase herzustellen, wenn ich den Arzt noch nicht so genau kenne. Etwa: Mein Daumen wird dick weil Junior draufgebissen hat, aber ich habe auch einen Pickel auf der Nase).
Mit der taiwanischen NHI-Karte (grüne Krankenversicherungskarte von der staatlichen Krankenkasse) erhält man eine bunte Tablettenmischung für 3 Tage (Tüte verrät was drin ist, Beipackzettel sucht man vergebens) mit meist viel Antibiotika. Schnell soll es wirken, damit der Kunde zufrieden ist und wiederkommt. Taiwanische Ärzte arbeiten lang und verdienen wenig. Unterschiedliche Öffnungszeiten, meist wochentags abends und auch am Samstag tagsüber und abends, manchmal auch Sonntag Abend. Praxisgebühr von 200 NT bei jedem Besuch zu zahlen wenn man sich mit der NHI-Karte registriert. Am 4. Tag und oft danach kommt man manchmal einfach wieder und sagt "Gei woa wode jao" (etwa: "Gäj woa woade jau") und erhält dann ohne zum Doc reinzugehen die selben Medikamente.  Verstopfte Nasen werden vor Ort abgesaugt und man kriegt was in den Hals gesprüht.

Sind die Arztpraxen tatsächlich Allgemeinmediziner oder Internisten (meist Gemeinschaftspraxen), dann fehlt meiner Erfahrung nach der Punkt, wo sie einem sagen "ich komme nicht weiter, geh ins Krankenhaus zum Spezialisten" sondern sie behandeln stur mit der letzten Pillenmischung weiter.

Ohne NHI-Karte legt man den Pass vor und geht meist mit 1000 bis 2000 NT Kosten wieder raus (etwa 25-50 Euro umgerechnet). Man kann dann eine Medikamentenverlängerung gleich dazu kaufen.

In winzigen Praxen, die letztes Jahr noch ein kleiner Supermarkt waren und nächstes Jahr vielleicht ein Nudelrestaurant, sitzt der Doc hinter dem Tresen hinter einer Pappmascheewand hinter einem Vorhang (größere Praxen gibt es auch). Manchmal ist so viel Betrieb (insb. bei Hautärzten), dass die Türe (wenn vorhanden) zum Wartezimmer gleich offen steht und der nächste Patient schon mit im Wartezimmer steht und der letzte sich noch die verarzteten Furunkelfüße reibt. Nicht mit Sandalen in die Blutlache treten. Desto voller, desto unsauberer. Die kleinen HNO-Buden sind aber meist sauber.

2a. Privatärzte

Eigentlich soll in Taiwan jeder in der NHI sein und jeder Arzt muss ein Kassenarzt sein. In der Praxis gibt es aber offenbar reine Privatklinken, etwa den "Dr. Wu" in Taipei, der vor etwa 12 Jahren jedenfalls ohne NHI-Karte als Hautarzt tätig war, allerdings gepaart mit einer Wellness-Klinik, so dass der Grenzbereich zwischen Salbe für Entzündung und Salbe zum Jungaussehen wohl versicherungstechnisch verschwamm. Mittlerweile finde ich vom Dr. Wu nur noch eine Kosmetiklinie, die sich die Damenwelt hier reichlich auf die Pelle schmiert.

2b. Chinesisch-Traditionelle Ärzte

... sind mit NHI-Zeichen draußen genauso offiziell wie die "westlichen Ärzte/Western Doctors" und diagnostizieren mit vulkanischer Gedankenverschmelzung über Anfassen am Handgelenk (nicht an der Schläfe wie bei Startrek). Mein Katra zu deinem Katra, aha, du hat gerade Süßes gegessen, sollst du doch nicht. Man kriegt für 1000 bis 4000 NT ein Mischpulver verschrieben, das meist nach Baumrinde riecht (also vermutlich u.a. ein natürliches Aspirinpulver enthält, was das Blut verdünnt). Diese Medikamente wirken bei Dauereinnahme tatsächlich. Man sieht oft viele natürliche Blütenzutaten in den Gläsern in der Apothekensektion. Leider kam es in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass Zutaten aus der VR-China verwendet wurden die massiv mit Schwermetallen und evtl. auch hohen Cortisondosen versehen war. Der Tod des Patienten etwa durch aktues Nieren- oder Leberversagen ist eine extrem seltene aber durchaus manchmal vorkommende Randerscheinung der Behandlung.

Tri-Service Hospital NeiHu


3. Zahnärzte

... lehnen schon mal die Behandlung ab, weil sie voll sind oder so, selbst bei Schmerzen. Jedenfalls auf dem Lande. Der Behandlungsstuhl hat evtl. noch den Schweiß vorm Vorpatienten auf dem Latex und der Schwenktisch ist noch voll mit Abfall mit Vorpatienten, es sei denn man hat einen der wenigen sauberen Dentisten. Meist stehen zwei bis vier Stühle direkt nebeneinander, oft einsehbar von der Straße durch das Schaufenster (war letztes Jahr noch ein Dumpling-Restaurant und vorletztes ein Nagelstudio) und immer einsehbar vom Wartezimmer. Schreit man gleich weniger und zappelt auch nicht so. Auf NHI-Karte kann man sich alle drei Monate gratis die Zähne überprüfen und saubermachen lassen.

4. Spezialisten

... sind fast immer in Krankenhäusern niedergelassen, wo es den OPD-Tresen (OPD = Out Patient Department) zur Registrierung gibt. Besonders beliebt bei ausländischen Patienten ist das lange Formular voll und ganz in chinesischen Schriftzeichen. Einen Termin vereinbart man eigentlich vorher, um episch lange Wartezeiten zu vermeiden, was über komplett in Chinesisch geschriebene Webseiten geht (Ausnahme offenbar hier). Hat man eine Nummer, sucht man erst mal das Sprechzimmer und registriert sich dann erneut entweder durch Einstecken der NHI-Karte in einen modernen Tablettcomputer in der Wand, der einen dann auf der Warteliste automatisch aktiviert oder indem man die Sprechstundenhilfe abfängt und ihr die NHI-Karte und den Registrierungsschrieb in die Hand drückt. Wer keine NHI-Karte hat muss auf jeden Fall die Sprechstundenhilfe abfangen, sonst kommt er nie dran. Taiwaner rasen auch einfach in das Behandlungszimmer rein und erwischen Frau Lu mit runtergelassenen Hosen, um ihren Schrieb abzugeben.

Der Wand-Tablettcomputer, wenn vorhanden, zeigt meist zwei Nummern an. Einmal wer jetzt dran ist groß links (etwa: 52) und dann wer als nächstes dran kommt klein rechts (etwa 58, weil 53-57 noch nicht den Schrieb abgegeben haben und nicht physisch anwesend sind). Verpasste Nummern werden erneut automatisch aufgerufen, etwa steht dann dann (52 | 8) und die 8 ist dann als nächstes dran. Mit "altmodischem" Digitaldisplay kann man als Nummer 8  auch bei höherer Zahl die Sprechstundenhilfe abfangen und kommt dann irgendwann dran.
Sind weitere Tests erforderlich erhält man die entsprechenden Schriebe und macht sich auf das fröhliche Suchen der entsprechenden Abteilung, wobei uns trotteligen Ausländern aber immer gern und freundlich weitergeholfen wird. Am Ende hat man einen Rezeptschrieb, mit dem man jetzt erst zur Kasse geht (i.d.R. Nummer ziehen) und dann am Kassenfenster die NHI-Karte und den Schrieb vorlegt und immer ein paar Hundert und oft 1000 NT bezahlt. Mit dem abgestempelten Medikamentenzettel (der eine Nummer irgendwo hat) geht es dann zur Warteschlange der Apotheke, wobei man sich erst anstellt, wenn die eigene Nummer kommt oder übertroffen wurde. Denn erst dann sind die Medikamente fertig. Mit anstehende Taiwaner wollen dem Ausländer meist die Nummer auf der Verschreibung kontrollieren; er könnte ja zu früh anstehen und schlauer als unsereins sind sie ja eh. Oft fragen die Apotheker, ob man Englisch benötigt, dann haben sie die Option im Computer und die Medikamententüte ist auf Englisch (Wirkstoffe sind ohnehin immer auf Englisch). Wieder hat man nur für 3 Tage die Medikamente und muss bei Neubedarf wieder zum Arzt rein.

Die qualitative Bandbreite der Behandlung ist extrem. Die Krankenhäuser teilen sich grundsätzlich in drei inofizielle Klassen: wenig Zuzahlung, mittelviel Zuzahlung und viel Zuzahlung und entsprechend ist der nächste Arzttermin (evtl. zur Auswertung des Bluttests) nächste Woche/in 2 Wochen oder in ein paar Tagen oder eben sofort im Anschluss. In der niedersten Kategorie bin ich einmal vom Arzt ausgelacht worden und musste hören, meine mich in die Notaufnahme treibenden Symptome seien eingebildet. Ein Krankenhaus der höchsten (inoffiziellen) Kategorie hat mich dann praktisch sofort in den OP gesteckt und weg waren die Symptome - von wegen eingebildet.

Eines muss ich sagen: Die Kinderkliniken sind aber scheinbar immer sehr gut.In der niedrigsten Kategorie hat man sonst Ärzte die einem wie Scharlatane vorkommen oder eben auch vertrauenswürdige Leute, die wissen was sie tun, aber einen lange auf die Auswertung des Tests etc. warten lassen.

Ein Ausländer, der nach einer Unfallflucht blutend in einem Krankenhaus erschien, musste erst mal das lange Formular ausfüllen und saß dann mit regulären Patienten in der Warteschlange. Hier wäre wohl die Notaufnahme besser gewesen. Die Krankenschwester sei schreiend aus dem Behandlungszimmer gerannt, als sie sein Blut gesehen habe. Ich vermute, sie hatte Angst vor Ausländerblut (das bekanntlich AIDS-verseucht ist, wie die Regenbogenpresse hier lehrt). Ich habe so etwas noch nie erlebt, aber auch noch nie geblutet im Wartezimmer.

Krankenhaus-Beispiele:

I. Wenig Zuzahlung, lange Wartezeiten, sehr durchwachsen bis auf Kinderklinik und Notaufnahme, die sehr gut sind:

Tri-Service-General Hostpital Taipei-NeiHu: https://wwwv.tsgh.ndmctsgh.edu.tw/english/191
Ein allen offen stehendes Militärhospital (wegen dem Tri-Service im Namen erkennbar).

II. Mittelviel Zuzahlung, eigene gute Erfahrungen:

Taipei Veterans Hospital in Taipei-BeiTou: https://www.vghtpe.gov.tw/Index.action

III. Viel Zuzahlung, sehr schnelle und kompetente Behandlung (außer in Augenarzt-Abteilung, da hatten wir einen sehr arroganten unwilligen Arzt):

Das private ShuTien-Hostpital am Daan-Park in Taipei (aka Ruentex-Klinik), das auf NHI-Karte eben gegen teils erhebliche Zuzahlung behandelt (was ohne OP durchaus erträgliche Summen von min. etwa 500 NT oder so sein können): http://www.shutien.org.tw/
Die Klinik hat zur Zeit wohl nur Urologen und Augenärzte und arbeitet mit dem Shung-Shan Hospital zusammen (http://www.csh.com.tw/en/en1.php). Hat man stationäre Behandlung, bietet das ShuTien die Möglichkeit, die OP und das Zimmer mit dem Arzt vom ShuTien im ShungShan zu haben, was erheblich billiger ist.

5. Notaufnahmen (ER, Emergency Room)
... haben geringere Warteschlangen und wollen im Gegensatz zu Deutschland nicht nur vertrösten, bis man wieder zum "Hausarzt" gehen kann, sondern behandeln wirklich und umfassend und sehr kompetent, auch im o.g. Tri-Service. NHI-Karte oder Pass mitbringen.

6. Spezialbehandlungen für solvente Ausländer

... bietet etwa das TriService in NeiHu. Hier hat man offenbar First Class - Service mit Luxuseinzelzimmer und schneller Behandlung, allerdings DARF man nicht bei der staatlichen NHI Krankenversicherung versichert sein.



Nachtrag: Besonderheiten im Krankenhaus:

Man erwartet, dass eine Begleitperson mit im Zimmer auf unbequemer Liege neben dem Bett nächtigt und Jobs übernimmt, die in Deutschland die Krankenpfleger/-schwerstern erledigen würden wie Bett machen, füttern etc. Es gibt professionelle mietbare Begleitpersonen über Privatkontakte.

Besuchszeiten sind de facto fast rund um die Uhr. In Mehrbettzimmern hat man bis spät am Abend 22 Uhr eine kreischende Großfamilie am Nachbarbett und vor dem eigenen Fußende steht Ho-Fong, der noch lauter schreien muss, weil er gerade telefoniert. Riecht auch lecker, wenn sie alle viel zu futtern nach taiwanischem Geschmack mitbringen.

Das Essen im Krankenhaus ist wohl ein privater zubuchbarer Lieferservice und meist erstaunlich gut.

Zweibett- oder Einzelzimmer lohnen sich wegen der Always-Open-Besuchszeiten. In den meisten Krankenhäusern kostet ein Einzelzimmer um die 4000 NT pro Tag, im privaten ShuTien um die 30.000 NT. Wir haben eine private Zusatzversicherung, die die 4000 NT jedenfalls abdeckt (Allianz Taiwan ;-)

Großer Vorteil des Taiwan-Kassensystems gegenüber Deutschland. Als ich vor vielen Jahren das mal überprüft habe, war der Kassen-Basissatz etwa für Beschäftigungslose bei etwa 1000 NT im Monat und als Angestellter wurde mir ein ähnlicher Betrag vom Gehalt abgezogen; der Arbeitgeber zahlt genauso viel. Die umgerechnet 25 bis 30 Euro sind eine ganze Ecke günstiger als der deutsche Basissatz für freiwillig gesetzlich versicherte von knapp 190 Euro.

Tipp:
In der Holzklasse der Krankenhäuser in der ambulanten Behandlung am besten mit eigener Recherche überprüfen, ob die Diagnose schlüssig ist. Die Ärzte verdienen an Operationen sehr viel mehr als sonst und sind i.A. schlecht bezahlt.


Zusammenfassung des Artikels a la Reiseführer:

"Die ärztliche Versorgung in Taiwan und insbesondere Taipei ist annähernd so gut wie in Deutschland." Erstaunlich, welche Bedeutung das Wort "annähernd" haben kann.

Keine Organtransplantation, sondern nur ein Kimchi-Kochkurs (und in Korea gebe ich zu).

Mittwoch, Juni 07, 2017

Salz mir einen, Baby

Ludigels mysteriöses Taiwanleiden verschwand gestern nach Einnahme von Salz


Manchmal sind es einfache Mittel, die schnelle Heilung bringen. Nach einem Besuch in den herrlichen Philippinen klebte mir etwas an der Haut, das garstig juckte und nie richtig weg ging. Monatelang nahm ich Allergietabletten ein, die etwas linderten. Die Lösung war jedoch einfacher Tafelessig, mehrfach täglich drauf und binnen drei Tagen war der Zauber weg.

Oder mein typisches Taiwanleiden. Es ist so ein Syndrom, dem Ärzte ratlos gegenüber stehen und sich teilweise auf Allergie geeinigt haben. Insbesondere wenn ich fettige und ölige Speisen zu mir nehme, bekomme ich merkwürdige Symptome. Die Nasennebenhölen sind oft gereizt bis leicht entzündet, mir laufen Unmengen von Sekret in den Magen, der dann bisweilen mit Magengrippe-Symptomen ragiert. Schwindel, Konzentrationsschwierigkeiten, Kopfschmerzen und Übelkeit bis hin zu weiteren Problemen kommen dazu. Grauslig. Verspannung des Nackens, Rückenschmerzen, alles was man will. Im Jahre 2015 hatte ich das besonders schlimm, so dass ich manchmal kurz vor der Ohnmacht stand. Mir half dann ein Notfallpack aus taiwantypisch schwach gesalzenen Kartoffelchips und Cola, das kurzzeitig Energie wieder herstellte.

Aber bitte mit Salz!

Gestern war es wieder recht schlimm und ich kroch auf dem Zahnfleisch zum Arzt. Die dort verschriebenen Tabletten lindern etwas, helfen aber auch nicht richtig. Unterwegs bekam ich Hunger und einen Japp auf Kartoffelchips. Diesmal nahm ich eine andere Marke, "Lay's basic" oder wie das hieß. Mir viel auf, dass die Packung deutlich mehr Salz enthielt als sonstige taiwanische Kartoffelchips. Ich aß dann die Packung wie im Wahn, als ob es das Köstlichste war was ich je gegessen hatte.

Binnen Sekunden ging es meinem Magen besser und binnen einer Viertelstunde verschwanden alle Symptome weitestgehend. Rückenschmerzen weg, Schwindel weg, Zug im Nacken weg, ein Wunder!

Ich habe mir jetzt gleich einen kleinen Plastiksack mit Salz fürs Büro gekauft und werde das Essen nachsalzen. Denn die Taiwaner essen kaum Salz. Das geht bis hin zu einer richtigen Salzfeindlichkeit. Europäisches Essen wird von Taiwanern regelmäßig als "versalzen" kritisiert. Mir kommen taiwanische Gerichte - sofern sie nicht ultrascharf oder einfach verpfeffert sind - immer wieder lasch vor. Auch "italienische" Nudeln hier schmecken fast nach nichts, egal mit welcher Soße. Weil der Taiwaner weiß, dass Salz vom Teufel selbst kommt.

Ihren Salzbedarf decken die Taiwaner offenbar durch Sojasoße und wohl noch durch Seetang, den sie recht viel futtern. Bei mir stand beides wenig auf dem Speiseplan die letzte Zeit. Ob ich einfach immer Salzmangel in Taiwan habe? In Zukunft salze ich mein Essen nach. Und höre mir dann die Warnungen der weisen Taiwaner an, die das mitbekommen. "Salz? Du nimmst so viel Salz? Da wirst du krank!"

P.S.: In Deutschland angekommen verschwinden die Symptome meist schon am ersten Tag ;-)

Dienstag, Februar 23, 2016

Ludigels großes Krankenkassen-Abenteuer in Taiwan

Oder: Wie das Krankenkassensystem in Taiwan nun wirklich funktioniert

Die gute Nachricht ist, dass es in Taiwan eine gesetzliche Krankenversicherung gibt. Taiwaner erzählen gern, sie sei dem deutschen System der GKV nachempfunden, tatsächlich ähnelt sie jedoch sehr dem britischen National Health - System, weil es eben nur eine gesetzliche Krankenkasse gibt und nicht wie in Deutschland noch andere GKV neben der AOK wie etwa die Techniker Krankenkasse und diverse (offene) Betriebskrankenkassen. Die einzige GKV Taiwans nennt sich entsprechend NHI, also National Health Insurance und gibt eine wunderschöne grüne Smartcard mit Bild heraus und überall kann man sich ohne Zuzahlung in kleinen Arztpraxen behandeln lassen, die allerdings fast alle (abgesehen von Zahn- und Augenärzten) HNO-Ärzte sind und auf die Triefnasen der im Winter heizungslosen Taiwaner spezialisiert sind. Praxisgebühr zahlt man allerdings nach deutschem Vorbild, derzeit 150 NT pro Besuch für Erwachsene (Kinder 100 NT). Vierzig NT sind etwa ein Euro.

Fachärzte hat man oft nur im ambulanten System in Krankenhäusern, wovon im Folgenden die Rede ist.


Hier habe ich im Taiwanblog exklusiv für Sie, liebe Leser, das gesetzliche KV - System Taiwans getestet und gleich noch mit einer Art Privatzahlungs-System verglichen. Und mir extra trotz meiner jugendlichen knapp 50 Jahre ein schweres gutartiges Gewächs zugelegt. Ein Service, wie es ihn nur im einzig wahren deutschsprachigen Taiwanblog gibt und nicht bei den zahllosen Nachahmern in den letzten Jahren ;-)

Nach Manila-Reise zurück in Taipei trat nun das Phänomen auf, dass ich Minibeschwerden hatte, die allerdings an Heftigkeit stetig zunahmen. Die Details sollen hier der Google-Ewigkeit in dieser editierten Version verschwiegen werden. Die durch fehlende Heizungen in Taiwanwohnungen ausgelöste Dauererkältung schien das Problem extrem zu verschlimmern. In der Nachbarschaft fand sich eine Universalarztpraxis mit laufend wechselnden Ärzten. Dort wurde mir in der Folge richtiges diagnostiziert.
Mit nur sehr wenig Zuzahlung (20 NT, 50 Cent umgerechnet) wurden mir großzügig korrekte Medikamente verschrieben, die man bei schwachsen Symptomen gibt. Vielleicht nur im Anfangsstadium bei so starken, wie ich sie hatte.

Die Wirkung war gleich Null, eher verschlimmerten sich meine Probleme und so bekam ich bald großzügig Allergietabletten und eine stärkere Version der anderen Medikamente verschrieben. Wie ich viel später erfuhr,  verschlimmern Allergietabletten die Symptome, so dass mir langsam der Nachtschlaf abhanden kam. Es war mittlerweile Ende Oktober.

Alles Jammern nutzte nix, von den Ärzten in der kleinen Praxis gab es nur immer wieder die selben Medikamente. Man war dort am Ende der ärztlichen Kunst angelangt und schaltete daher auf Auto-Modus. Patient ignorieren und immer wieder das selbe Zeug verschreiben anstatt klar zu sagen, dass jetzt ein Spezialist mit Chirurgieoption gebraucht wird.

Also wieder ins TriService zum Senior-Facharzt. Fachärzte hat man fast nur im ambulanten Betrieb in Krankenhäusern und im überlaufenen TriService-Hospital muss man sich da in große Schlangen einreihen. Der ältere Herr wies fast schon wütend die (allerdings korrekte) Gutartiges-Wachstum-Diagnose zurück indem er sagte, dafür sei ich viel zu jung. Damit hat er zumindest bei westlichen Patienten allerdings völlig Unrecht. Bei den gesund lebenden Taiwanern mag das allerdings anders sein, denn wenig Gewicht und wenig rotes Fleisch führen wohl zu geringerem unguten Wachstum. Ich bekam wieder lecker Medikamente wie vorher und noch was antibakterielles und manchmal half das sogar. Trotzdem hatte ich bald wieder schlimmere Symptome und merkte, wie mir der nun fast permanente Schlafentzug (mit kurzen Schlafunterbrechungen) auf die Psyche schlug. Stichwort Zombiemodus. Denn ohne Tiefschlaf fehlt einem irgendwas. Und es war langsam November. Also den Arzt gewechselt, allerdings immer noch im selben Hospital und jetzt gab es eine neue Version des selben Medikaments  Bei Folgeuntersuchugen wurden meine theoretischen Werte besser und der Doc war zufrieden, allerdings wurde mein Wohlbefinden ob einsetzender Krämpfe nun endgültig katastrophal. Langsam begann ich zu verzweifeln, insbesondere weil der Arzt durch eine Abtastkontrolle fälschlich feststellte, ich hätte nur ein sehr geringes Problem und mir nahelegte, ich würde mir fast alles nur einbilden. Meiner Frau sagte er am Telefon, ich hätte eigentlich gar nichts und würde alles dramatisieren. Tja, da schadet einem ein "jugendliches" Aussehen, dass man einfach nicht hinreichend krank wirkt.

Schon im Ultrazombiemodus durch Schlafentzug suchte ich nach alternativen Ursachen des Leidens, schließlich hatte der Doc ja gesagt, ich hätte so gut wie nichts dort wo das Leiden zu sein schien. Einen Termin zur Klärung via Utraschall hatte er zwar angesetzt. Aber erst in etwa 8 Wochen! Ich frage mich, wie ich die Zeit bis dahin überstehen sollte. Es wurde Dezember und ich hatte morgens beim Autofahren mehrmals den gefährlichen Sekundenschlaf und laut meiner Frau glich mein Gemüt einer Mimose unter Starkstrom. Da ich meinen kleinen Sohn viel durch die Gegend getragen hatte, kam ich durch Dr.med.Google auf den Irrweg, ein Rückenleiden mit etwaigem Druck von Rückenwirbeln auf einen Nervenknoten könne die Probleme auslösen. Ein im TriService konsultierter auf Nerven spezialisierter Orthopäde verschrieb zwei Tests über den Zeitraum von 3 Wochen und in der Zwischenzeit Muskelentspanner.

Wie man ergoogeln kann, soll man genau die nicht nehmen, wenn man das hat, was ich hatte. Um es kurz zu machen, ich wurde nachts wach und landete in der Notaufnahme des TriService Hospital NeiHu und kam mit einem ... Ding ... am Körper wieder nach Hause, das ich hier nicht beschreiben will. So entwürdigt habe ich mich selten gefühlt. Entnervt ließ ich mir das ... Ding ... auch ob der ausgelösten Schmerzen wieder abbauen und trat von nun an in einen totalen Medikamentenstreik. Denn alles was die diversen Ärzte mir zu diesem Zeitpunkt verschreiben hatten, wirkte nicht. So verbrachte ich die reinsten Horrorweihnachten damit, dass ich mir nun nachts alle 30 Minuten den Wecker stellte, um eine Wiederholung des Notfalls zu vermeiden. Im Wachzustand funktionieren dysfunktionale Organe offenbar besser. Schlimmere Nächte habe ich noch nie verbracht. Mir ging es in der Folge - langsam wurde es Januar - nun wirklich etwas besser. Offensichtlich hatten die diversen Pillen mehr geschadet als genutzt. Bestätigt wurde ich durch die finale Diagnose des Orthopäden, dass ich keinerlei Befund am Rücken hatte, abgesehen von kleineren Abberationen.

Trotzdem landete ich noch ein zweites Mal in der Notaufnahme. Der am nächsten Tag konsultiere neue Facharzt (von der Notaufnahme gebucht) war extrem unfreundlich, hörte mir nicht mal zu und warf mich mehr oder minder aus dem Sprechzimmer mit der Aufforderung gefälligst meine Pillen zu nehmen. Mir ging der Blutdruck langsam auf das "Rote blutige Wand"-Level und ich forderte den Herrn auf, mir das neuerlich angelegte Gerät entgegen seines mit übermäßiger Betonung vorgetragenen Rates und demonstrativem Eintippen in sein gottverdammtes sinnloses Computerteil wieder zu entfernen und zog befreit und wütend meines Weges. Und ziemlich ratlos. Wie sollte es nun weiter gehen? Ärzte konnte mir offenkundig nicht helfen. Jedenfalls nicht die Taiwan-Kassenarzt-Variante.

Mir schwante, dass ich einen wirklich kompetenten und arbeitswilligen Arzt bräuchte, etwa einen deutschen Facharzt. Nur leider war ich nicht flugfähig mit dem Leiden. Häuslich hing auch der Haussegen schief, denn meine Frau hatte auch vom zweiten Facharzt telefonisch gehört, ich würde mir alles nur einbilden. Eine totale Fehleinschätzung rotz zweier Notaufnahme-Besuche, die mir bis heute unverständlich ist.

Der Gattin trug ich nun vor, dass ich eine Privatklinik brauchen würde und bereit wäre Unsummen zu zahlen, wenn ich nur einen Arzt hätte, der richtig diagnostizieren würde, die verdammte Ultraschalluntersuchung in vernünftiger Zeit ansetzen würde statt in Monaten und arbeitswillig wäre. Frau erklärte mir, Privatkliniken gebe es nicht in Taiwan oder wenn seien sie schlecht (das ist falsch) und als Kassenpatient käme ich sowieso nicht für diese Behandlungen in Frage. Sondern diese stünden nur Ausländern ohne taiwanische KV zu Verfügung.

Tatsächlich war das halbrichtig. In der Tat bot das TriService einen Premiumservice für sehr solvente Ausländer im Rahmen einer Art Medizinurlaub an, aber ausdrücklich nicht für Leute, die die taiwanische KV hatten. So wurde es Februar und ich verbrachte ein höllisches Chinesisches Neujahrsfest und experimentierte mit Teilmengen der zahlreichen Tabletten, die ich im TriService bekommen hatte. Am Ende beherzigte ich den Rat des noch einmal besuchten alten Facharztes, einfach mal zwei statt eine der Tabletten zu nehmen und zwei Wochen abzuwarten. So wurden die Symptome halbwegs erträglich, der Wecker stand nachts auf 45 Minuten statt auf 30 und manchmal auf einer Stunde und ich fühlte mich wieder wie ein Mensch. Aber ganz ging das Problem nie weg.

Frau recherchierte noch mal und fand dann die RUENTEX - Klinik im Zentrum von Taipei, die sich auf "mein" Problemfeld, Augenärztliches und Zahnmedizin spezialisiert hatte und sehr teuer war. Und sie akzeptierte auch Kassenpatienten! Wir lernten jetzt, dass es in Taiwan Privatkliniken gibt, die einfach sehr horrende Sätze nehmen im Vergleich zu billigen Klinken wie dem TriService. Die taiwanische KV besteht in der Tat darauf, weiterhin zu zahlen. Zahlt dann aber nur den üblichen Satz und den Rest begleicht man mit der funkelnden Kreditkarte.

So saß ich in Der RUENTEX-Klinik neben einem eleganten älteren Herrn, der eine goldene Uhr mit Diamanten auf der Lünette und sogar am Armband hatte und schob schnell den Jackettärmel über meine chinesische Rolex-Hommage. Hätte ja wenigstens die Tissot anlegen können, dachte ich noch und versank dann schlaftrunken in einem Dämmerzustand, bis meine Nummer dran war. Junior (4) zog mir in der Zeit die Minikamera aus dem Jackett und fertigte unbemerkt von mir eine Serie von Portraits an, die ich eher einem Berufsfotografen zugetraut hätte. Optimaler Bildauschnitt (nah ran, Kopf oben ruhig etwas wegnehmen auf dem Bild damit das Gesicht besser wirkt) und dramatischer Lichteinfall vom Fenster. Notiz: Ich muss Junior eine bessere Kamera besorgen. Die Bilder zeigen einen zerknittert wirkenden Mann am Ende seiner Kräfte. Zeigen werde ich hier sie natürlich nicht, jetzt wo ich wieder jugendlich fit bin ;-)

Um es kurz zu machen, der Privatarzt, der auch noch Chefarzt (der Abteilung oder insgesamt?) des nahegelegenen (und auch sehr teuren) Chung-Shan-Hospitals war, machte auch die Tastdiagnose und stellte eine stark vergrößerte Prostata fest, die höchstwahrscheinlich einer OP bedurfte und setzte sofort für den nächsten Tag die im TriService so lange vermisste Ultraschalluntersuchung an. Am nächsten Tag fuhren Frau, Junior und ich hoch in den 10. Stock und meine Frau schaltete dort das Licht an. Kurze Zeit später kam das Ultraschallteam, das sich mir exklusiv widmete. Das Gefühl, endlich im Zentrum ärztlicher Bemühungen zu stehen und nicht mit unqualifizierten Vodoo-Diagnosen von "Einbildung" und "Nix da" abgespeist zu werden, war überwältigend!
Das Gespräch mit dem Doc fand nicht wie im TriService üblich eine Woche später statt, sondern ... drei Minuten später. Das entsprechende gutartige Wachstum war stark, drückte auf anliegende Organe (daher die Notfälle und der fehlende Nachtschlaf) und ich brauchte daher -drigend- eine OP. Der Doc beantwortete alle meine Fragen geduldig und kompetent, legte gewissermaßen geometrisch dar, wieso Medikamente nur ein bisschen lindern könnten aber nie wirklich lösen könnten bei mir. Und so hatte ich den OP-Termin schon am Montag! Die OP fand in seinem Heimkrankenhaus statt. Das ist das erwähnte Chung-Shan Hospital, das laut Frau nicht nach einem "Mittelberg" (chung/zhong shan) sondern nach (dem Ehrentitel von) Dr. Sun Yat Sen benannt ist, dem Gründervater von "Taiwans" Kuomintang-Partei. Auch im ChungShan ist man einfach Kassenpatient, aber das Krankenhaus berechnet eben sehr viel höhere Sätze als das was die Kasse zuzahlt. Ich bekam dort eine Laservariante der OP, die die Kasse überhaupt nicht zahlt. Weil das weniger invasiv ist und ich am Mittwoch schon wieder raus konnte.

Derzeit habe ich noch mit den üblichen Nach-OP-Symptomen zu tun, meine Kreditkarte hat in Erwartung der Endrechnung schon ein paar Tausend Euro umgerechnet abgebucht, aber ich schlafe wieder die Nächte zumindest ein bis zwei Stunden am Stück durch und in ein paar Wochen soll es laut Doc wieder wie früher sein.

Fazit: In billige Krankenhäuser wie das Tri-Service kann man im ambulanten Facharztsystem nur, wenn man den Slogan "(ich) kann warten" unterschreiben kann, mit oder ohne dem Prefix "ich bin jung und..." frei nach der alten AOL-Werbung. Dort muss man einfach viel zu lange auf notwendige Untersuchungen warten und sitzt in Endloswarteschleifen zwischen fröhlich Stinky-Tofu-essenden Leuten mit Lapalien, selbst wenn man einen Notfall hat.

Ungetestet von mir soll es mittelgute Krankenhäuser immer mit ambulantem Facharztbetrieb wie das "Tai-Da" in Taipei geben, die schneller sind.

Oder man nimmt die güldene Kreditkarte (Platin hat in Taiwan eh jeder Student) und geht ins ChungShan respektive in die Ruentex-Klinik, denn manche der ChungShan-Ärzte stehen wohl auch ob räumlicher Enge des älteren Krankenhauses nur über die Ruentex-Klinik zur Sprechstunde bereit.

Taiwan National Health Insurance? Fuck it.

Donnerstag, Dezember 17, 2015

Horror-Massage

Ouch, chinesisch-traditionelle Massage für Ludigel

Seit September plagt mich nun ein mysteriöses Leiden, für das ich gleich vier verschiedene Diagnosen von fünf Ärzten habe (einer hat sich enthalten und nur stumm Tabletten verschrieben). Plus einer halben Invaliditäts-Diagnose des bevorzugen chinesisch-traditionellen Massagisten meiner Frau. Und das Phänomen, dass die Symptome immer schlimmer wurden. Erst war es angeblich ein Nierenstein, dann eine angebliche Niereninfektion, dann plötzlich die Prostata oder doch eine angeblich schiefe Wirbelsäule (he, dat Dings sieht aus wie immer da hinten!) oder doch nur Verspannungen? Aber auch der Arzt, der Verspannungen, die angeblich an den Nieren zerren diagnostizierte, verschrieb starke Tabletten. Die halfen auch nicht und die Tablettenbox, die ich mir zugelegt hatte, ging kaum noch zu. Da merkte ich schon, dass folgender Leitsatz galt:

Desto weniger der Deckel der Pillenbox zu geht, desto schlechter geht es mir.

Weil ich das ganze Sammelsurium an Medikamenten ja auch geschluckt habe. Immer mehr, weil nichts half. Und letztlich überlegte ich, was denn nun wirklich passiert sein könnte.

1.) Ich hatte im September beim Rumtoben mit Junior auf einem Hindernispacours, den man nach asiatischer Art natürlich nur in Socken bestreiten durfte, einen kleinen Unfall, weil diese gottverdammten Gummibälle, die die Betreiber da eingestreut haben, mich zum Absturz und harten Auftreffen auf dem rechten Fuß brachen. Der dann verarztet werden musste.

2.) Danach gingen die angeblichen Nierenprobleme -rechts- los und ich hatte unseren Sohn (4) bei diversen Kurztrips und Urlauben viel durch die Gegend getragen, wenn er müde war. Wobei mir zusehends Arme und Leistengegend weh taten.

Also war die Lösung offensichtlich. Ich nehme kaum noch was aus der Pillendose (nur noch gegen Erkältung), trage Junior nicht mehr - und siehe da, schon geht es mir täglich besser. Alles war nur ein Verheben und Verknacksen und kein Nierenstein, keine Prostata und kein sonstwas. Zwischendurch hatte ich dann noch auf Frau und Mutter gehört und die erwähnte chinesisch-traditionelle Massage "genossen". Da wurde an allen wunden Teilen herumgedrückt und mir erzählt, er wolle mir durch Massage die "Wirbelsäule richten".
Wieder mal bin ich mit einer Kleinigkeit fast Opfer des Behandlungswahns der hiesigen Ärzte geworden, woran ich natürlich auch selbst Schuld war. Weil ich brav alle Pillen schluckte und immer mehr Ärzte konsultierte wenn es nicht geholfen hat und damit offensichtlich nur künstliche Symptome durch Nebenwirkungen der Medikamente oder laienhaftes Herummassieren-lassen an gestressten Körperteilen erzeugt habe.

Die Lösung ist Ausruhen und keine Pillen schlucken gewesen, so einfach wie das ist.

Das Spektakel hatte ich jetzt schon zweimal, siehe die Geschichte mit dem angeblichen Herzfehler oder meiner angeblichen Magengrippe. Jedesmal war die Lösung, die Pillen wegzuwerfen und einfach "Hausmittel" wie Ruhe oder Gymnastik oder eben Besuch der schmierigen Firmenkantine einzustellen.

Vielleicht lerne ich es jetzt endlich mal. Wenn nicht, kommt hier im Blog - das ich dann Hypochonder.com nennen kann - bald eine Geschichte von der Leber. Denn Herz, Niere und Magen hatten wir jetzt schon ;-) Und alles war eigentlich gar nix.

Von wegen Prostata, pah. Als "junger Vater" kann das gar nicht sein.

Ach ja, meine Frau hat auch schon eine Rollstuhldiagnose vom chinesisch-trad. Massagisten. Tolle Diagnosen haben sie hier immer. Das schärfste war mal eine angebliche "Autoimmun-Krankheit" die ich hätte haben sollen und die unheilbar gewesen wäre. Man kann hier in Taiwan mit seinen vielen Ärzten an jeder Straßenecke schnell zum Hyperchonder werden, wenn man auf die ganzen Diagnosen hört.



NACHTRAG: Letztlich war es der lokale HNO-Arzt, der mir den Tipp gab, einfach nur die Erkältung zu behandeln und alles andere bleiben zu lassen. Man muss halt aufpassen, nicht dem Pillenwahn zu verfallen ;-)

Freitag, Dezember 04, 2015

neues LAL, Lebens-Abschnitts-Leiden, Gift in Taiwan (witziges Update)

Irgendwas schlägt bei Ludigel mal wieder zu...

Meine Laune ist die Tage mal wieder nicht die Beste. Hatte mich bis vor einiger Zeit mehrere Monate lang doch ein dauerhaftes Magenleiden ihn ähnliche Laune versetzt, war ich zwischenzeitlich nun froh dies losgeworden zu sein. Nur damit jetzt ein ähnliches Zeug noch schlimmer zuschlägt.

Was war passiert? Nun, mein Arzt nannte es eine Magengrippe. Es war eine Steigerung meiner mysteriösen fast schon jahrelangen "Dauererkältung", der freilich einige typische Erkältungssymptome fehlten, die mir offensichtlich auf den Magen geschlagen war. Am Ende war ich so kraftlos, dass ich mich manchmal kaum auf den Beinen halten konnte. Klarer Fall, der Magen liefert dem Menschen Energie und funktioniert er dauerhaft nicht, geht es einem wie einem Tesla auf der Autobahn bei Kilometerstein 100 auf der linken Spur: man bleibt stehen. Meine Notration war in dieser Zeit eine zuckrige Cola und US-Kartoffelchips. Diese Kombo beseitigte fast sofort das flaue Gefühl im Magen und stellte die Energieversorgung wieder her. Allerdings nur für eine Stunde oder dergleichen. Frau riet zum gesteigerten Konsum von guter taiwanischer Küche, frisch und lecker gekocht und zur Abkehr von diabolisch-westlichem Junk wie der Cola und den Chips. Nun, beides habe ich auch vorher kaum zu mir genommen, aber ohne ging es nicht mehr. Die Ärzte gaben mir immer stärkere Antibiotika, aber nichts half.

Die Rettung kam durch Generalumkremplung meiner Ernährung. Obwohl Frau und andere Taiwaner empört aufheulten, hörte ich auf das "frische, kontrollierte, leckere, gesunde" Essen in der Kantine zu essen und aß NUR noch bei Seven-Eleven.Diesen irgendwie britischen/japanischen/amerikanischen 24h-Supermärkten mit ihrem in Plastik eingeschweißten Essen. Die vielen Tabletten nahm ich nicht mehr. Auch Garküchen und Frühstücksbuden flogen raus aus dem Essensplan.

Die Genesung stellte ich binnen der ersten Woche ein. Alle Symptome verschwunden, Frau ein bisschen sauer wegen der neuen teuren Magenkrebs-Police und Ludigel um Jahre verjüngt. Später kamen ausgewählte Garküchen wieder dazu und es ging mir weiter gut.

Nun hat mich aber wieder etwas neues erwischt. Es fing an mit einem winzigen Nierenstein wohl wegen übertriebenem Eiskonsum mit der werten Gattin und hat sich jetzt nierensteinlos irgendwo anders festgesetzt. Die Symptome gleichen den nervigen allergischen Symptomen, die ich 2004-2011 direkt nach meinem Kommen in Taiwan entwickelt hatte, sind nur etwa 10 mal schlimmer. Damals hatte ich mich immer gefragt, was "die Taiwaner" bloß ins Essen rühren. Denn immer wenn ich Taiwan verlassen hatte, trat etwa am 4. Tage eine komplette Besserung ein. Die Symptome verschwanden langsam binnen mehrerer Wochen, als 2011 die Komplettverseuchung praktisch allen taiwanischen Essens mit dem Flüssigkunststoff DEHP bekannt wurde.

Nun hat es mich wieder und recht gräuslich schlimm. Ob irgendwas im Essen von Seven-Eleven ist? Ich lasse die Tage den Salat weg und gucke was passiert. Bislang seit Tagen ohne Wirkung. Wieder helfen keine Tabletten, es erinnert sehr an die Lage damals.

Letztlich, so schwant mir, bleibt wohl nur der Rücksturz nach Good Old Europe, was ich Frau langsam näher bringen muss. Denn auch der von meiner Frau anvisierte Umzug nach Manila kann mich nicht recht begeistern. Da hatte ein Sprung in den Swimmingpool die Symptome ihrem jetzigen Crescendo zugeführt. Hmmm... jetzt wo ich die Zeilen schreibe fällt es mir auf: Auch bei der Magengeschichte war ich vorher in den Philippinen gewesen. Es ist immer so, als ob philippinische und taiwanische Zutaten zusammen erst den richtigen Mix ergeben, der mich dann wirklich in die Knie zwingt.

Also vielleicht bald wieder Deutschland. Und gute Küche von Muttern. Oder syrische Spezialitäten, je nachdem, was man dann dort isst ;-)

UPDATE: Laut einem Arzt im Tri-Service-Krankenhaus habe ich eigentlich absolut nichts. Die Niere, die offenbar Probleme macht, ist in Ordnung. Da ich "Nierenschmerzen" habe, kam der Doc darauf, dass mein auch verspannter Arm der Auslöser ist. "Arbeiten Sie körperlich schwer?", fragte er. Will sagen durch "Verheben" ist auch die Nierengegend verkrampft und das führt zu ... üblen folgen, man kann sich denken welche; Stichwort "Frequenz".  Muskelkrämpfe sind es also - weil meine Frau immer wieder möchte, dass ich unseren 4jähren Sohn trage, sowie ein leiser Windhauch irgendwo bläst.
Momentan bin ich mit Muskelrelaxern, Gymnastik und sonstigem sowie einem die eigenen Füße entdeckenden Sohn auf dem Wege der Besserung. Meine linke Seite ist sowieso schon entspannt, seit ich linksseitig zur Muskelunterstützung eine Armbanduhr mit dickem, eng geschnallten Kautschukarmband trage. Für Rechts habe ich mir jetzt ein martialisches Lederarmband bestellt zum selben Zweck. Bei Ebay hatten sie ein Sonderangebot mit Metallnieten und einer Reitgerte im Doppelpack, habe mich dann aber doch für eine schlichte Version entschieden. Ich merke schon, die nächsten 49 Jahre werden viel unterhaltsamer als die ersten, was die Gesundheit angeht. Also habe ich Taiwan diesmal wohl zu Unrecht verdächtigt, von wegen Lebensmittelverunreinigungen. Neulich war ja schon einmal so eine Verspannungssache, deretwegen mir die Gattin einen Termin beim Herzspezialisten verordnet hatte, der mich prompt mit Herztabletten fast umgebracht hätte. Das ließ sich auch schon mit Gymnastik etc. lösen.
Jau... solange die Krankheiten weiter so witzig bleiben, macht das Altern richtig Spaß ;-) Am Ende lache ich mich mit 80 irgendwann mal über den ganzen Unsinn tot...

Mittwoch, September 16, 2015

Halluzinierender Amerikaner sicher wieder daheim (Update)

Ein junger US-Amerikaner hatte am helligten Nachmittag vor ein paar Wochen einen taiwanischen Polizeibeamten mit einer Flasche angegriffen. Psychische Probleme in Kombination mit Alkohol spielten wohl eine Rolle

Mal ausnahmsweise ein Lob an die sonst sehr auf Regenbogenpresse-Niveau befindlichen taiwanischen Medien. Diese Story (http://www.waow.com/story/30020833/2015/09/13/family-of-stevens-point-man-stuck-in-taiwan-speaks-out) hätte sich sehr für eine dieser "unverschämter Ausländer"-Stories geeignet, die die taiwanischen Medien sonst sehr gern bringen. Ein junger US-Amerikaner in den 20ern, der in Taiwan Mandarinchinesisch studiert hat, greift ohne erkennbaren Grund einen taiwanischen Polizisten mit einer Flasche an. Der junge Mann ist offensichtlich stark alkoholisiert. Er wird überwältigt und im Ausländerfotos gibt es Foto, wie er gefesselt am Boden liegt. Überraschenderweise hat sich die taiwanische Presse hier zurück gehalten. Und natürlich ist ein Lob an die taiwanische Polizei angebracht, die längst nicht so schießwütig wie die US-Polizei ist. Dort in den USA wäre die Wahrscheinlichkeit wohl hoch, so einen Angriff nicht zu überleben.
Die Familie des jungen Mannes gibt an, er habe psychische Probleme gehabt und er selbst gibt an, von Halluzinationen heimgesucht worden zu sein, bei denen er schließlich den Polizisten für einen Dämonen gehalten hätte und entsprechend kraftvoll angegriffen hätte. Die Familie hat dann eine Crowdfunding-Campagne gestartet und mittlerweile ist er wieder daheim und in medizinischer Behandlung. Das Taiwanblog wünscht gute Genesung. Alles noch nicht so peinlich wie der Bericht eines Deutschen der angab, auf seiner eigenen Hochzeit in Taiwan die Hochzeitsgäste unter unfreiwilligem Drogeneinfluss geschlagen und gebissen zu haben. Den Link hatten wir auch irgendwo mal. Vergessen wir ihn lieber.

UPDATE: Im Ausländerforum Forumosa.com heißt es nun, der junge Mann sei schon psychisch krank gewesen, bevor er nach Taiwan gekommen sei. Immer wieder ist dort zu lesen, dass US-Familien ihre Problemsprösslinge mit ein paar Dollar Handgeld und einer Klinikpackung Tabletten nach Taiwan schicken, weil sie dort einigermaßen gut zurecht kommen und leicht ein paar Dollar als Englischlehrer verdienen können. Dieser junge Mann hatte allerdings Mandarin studiert. Wie dem auch sei, unsereiner hier ist froh, wenn solche Problemfälle Taiwan schnell wieder verlassen. Denn hätte er einen sogar Polizisten getötet (offenbar hat er ihn mit der Bierflasche gravierend verletzt), dann würde das Klima gegen "weiße" Ausländer sicherlich ein paar Nuancen frostiger werden.

"Feeling groovy..."

Ludigels Mini-Nierenstein. Autsch! Gott sei Dank hatten sie im Tri-Service-Krankenhaus gute Medikamente

Für Frau und mich droht ja eventuell das letzte Jahr Taiwan. Meine Frau ist schon länger auswanderungswillig, weil ihr die lange Arbeitszeit als Chefin eines 50-Leute-Teams zu sehr auf die Gesundheit schlägt. Und angesichts ihres Ziels, dass wir mit ihrer Schwester in Manila/Philippinen geschäftlich zusammenarbeiten und insbesondere angesichts des erheblichen Invests dort habe auch ich den Kurs Richtung Republikflucht (aus der Republik China aka Taiwan) gesetzt. Denn entweder ermöglicht uns das Investment bald ein Leben dort - oder es kommt zu Clash mit dem Manilazweig der Familie meiner Frau und ich gehe nach Europa oder gar nach Deutschland, um das Konto wieder aufzufüllen.
Daher genießen wir derzeit Taiwan. Hängen an Ausflugszielen rum, schlürfen Cocktails im Hotel und die Gefriertruhe ist voll mit in Taiwan viel zu teurem Importeis.
Zu viel Wohlleben ist aber auch nicht gut. Obwohl ich sonst ja fast nur noch von Obst und Salat, Käse und Brot lebe und die schrecklich verunreinigten taiwanischen Öle und Fette meide wie der Vampir das Knoblauch-Kruzifix-Sonderangebot bei Aldi. Wie dem auch sei, heute Morgen um 6.00 drückte es auf der rechten Seite. Und dann immer mehr und mehr. Vor Schmerzen krümmend begab ich mich in die Notaufnahme des nahen Tri-Service-Krankenhauses, mit dem ich ja durchaus durchwachsene Erfahrungen gemacht habe. Mein Notfallchinesisch war nur bedingt einsatzbereit, weil ich fast nur wimmern konnte. Und so wurde ich englisch umsorgt von Pflegern und Ärzten. Man kann große Gefühle entwicklen für Krankenschwerstern und -brüder, die einem erst ein Schmerzmittel geben und dann nach einer halben Stunde sorgenvoll bemerken, dass man sich noch immer krümmt und ein stärkeres Schmerzmittel vorschlagen. Oh ja! Det war jut! Es gibt kaum etwas schöneres, als wenn der Schmerz nachlässt und sich dank des gelben Schmerzmittels (in die Infusion gespritzt) so ein entspanntes Groovy-Ich-liebe-euch-alle - Gefühl einstellt. So schlief ich mitten im dem Notaufnahmesaal entspannt auf meiner Liege, während um mich herum Senioren beatmet werden vor sorgenvoll piepsenden Maschinen und sonst auf den anderen Liegen überall junge Männer schlaff herumliegen, deren modelmäßig aussehende Freundinnen oder Ehefrauen mit ihren Ultra-Hotpans und Ultraminis ihnen ständig feuchte Umschläge und Wasserbecher kredenzen. Wieso liegen hier so viele junge Männer und wieso sind die jungen Frauen offenbar gegen Krankheiten immun? Nun, vermutlich haben sich die Herren einfach überanstrengt oder irgendwas in der Art. Ist ja heiß die Tage.

Meine Frau saß freilich erstmal im Büro bei einem wichtigen Meeting, aber mit dem tollen gelben Schmerzmittel hatte ich grinsend schließlich mein Little Peace of Heaven auf der Gummimatratze gefunden und träumte seelig. "Alles Okay" sagte schließlich der Doc. Weniger süße Getränke, weniger Eis, weniger Süßes und auch weniger kaltes Wasser. Nur noch warmes Wasser die Tage und Tabletten schlucken, dann ist er wieder weg, der Mini-Nierenstein, den ich mir des Wohllebens halber zugelegt habe. "War alles kaum der Rede wert", sagte er später meiner Frau, die schließlich in langer Hose auch ins Krankenhaus eilte. Hmmm... dann möchte ich nie erfahren, wie dann erst ein richtiger Nierenstein weh tut, wenn so ein Miniding, das kaum auf dem Sonar auftauchte, solche Höllenqualen macht. Aber das gelbe Zeug... det war nett. Bin immer noch in so einer "Ich liebe euch alle"-Stimmung. Also schreiben wir noch medikamentenseelig schnell auf was mir sonst nie aus den Fingern quillt beim Blogschreiben:  "I love Taiwan." Musste auch mal gesagt werden, bei dem vielen Gemeckere sonst hier im Blog. Hoffentlich editiere ich es nicht wieder, wenn die Wirkung nachlässt...

EDIT: Und alles mit der grünen Chipkarte von der National Health Insurance, für die ich wohl den Maximalsatz zahle. Mehr als 1000 NT/25 Euro etwa im Monat sind das nicht. Taiwan hat eine gesetzliche Krankenversicherung, die für alle vorgeschrieben ist.

Montag, Juni 08, 2015

Neuer Name für den belasteten Teashop?

Die sog. "Stowaway" - Teekette hatte in Taiwan leckeren kalten oder warmen Tee im taiwanüblichen Plastikfässchen zum mitnehmen. Jetzt hat sie offenbar um-firmiert nach einem Skandal.

Auch in meiner Nachbarschaft war ein "Stowaway"-Outlet und Ludigel und Frau haben dort oft kalten Tee im Plastikkübel mitgenommen. Nie getrunken haben wir einen angeblichen deutschen Blütentee, der sich dann in Wirklichkeit als ein Aufguss aus einem für Dekozwecke o.ä. vorgesehenem Blütengemisch aus dem Iran entpuppte und sehr stark mit Pestiziden (genau gesagt wohl DDT) versehen war. Das Taiwanblog berichtete damals: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/stornaway-teekette-hat-gefalschten.html
Auch zwischendurch wurden wieder Pestizide in Getränken anderswo gefunden (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/06/pestizide-wieder-in-teashop-getranken.html). Statt dem STOWAWAY-Laden, der seine Filiale mit einem Plan der Londoner U-Bahn und einem veritablen landesneutralen U-Bahn-Stationsschild dekoriert hatte (ist bestimmt mancher Tourist rein gelaufen und wunderte sich dann, dass er hinter der Registrierkasse stand) findet sich jetzt dort ein neues himmelblaues Teegeschäft, das ein identisches Layout im Laden hat. Ladenkasse und Teekanister stehen also am selben Platz. Der neue Laden nennt sich "BRIT. TEA", obwohl sicher auch Platz wäre das auszuschreiben. Nun muss BRIT. TEA ja nicht notwendigerweise BRITISH TEA heißen, ist ja sicher auch keiner, genauso wie der GERMAN TEA eben kein GERMAN TEA war sondern beim Vorgängerlokal eben IRANIAN-ABSOLUTELY NO-TEA gewesen ist. Vielleicht steht BRIT. ja auch für den Frauennamen Brittany, der als englischer Businessname von Taiwanerinnen durchaus gewählt wird. Dann hat natürlich alles seine Ordnung und der Kunde kann vertrauensvoll zugreifen in dem neuen schicken himmelblauen Geschäft. Ludigel wünscht guten Durst! 

Dienstag, Juni 02, 2015

Pestizide wieder in Teashop-Getränken, auch im Schulessen

Eine von zahlreichen Meldungen über chemisch verseuchte Lebensmittel in Taiwan

Erst kürzlich gab es gefälschten "deutschen" Tee in der Stowaway - Teehauskette in Taiwan, der so hohe Pestizidkonzentrationen enthielt, dass eine Kundin Lähmungserscheinungen hatte (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/stornaway-teekette-hat-gefalschten.html).

Neulich dann wieder eine chinesischsprachige Meldung über taiwanische Ananas, die hohe Pestizidkonzentrationen hätte. Jetzt wieder Pestizide im Teashop-Tee und sogar im Salat im Schulessen:
 
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/06/02/2003619745

FAQ zur Lebensmittel"sicherheit" in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html

Mittwoch, Mai 13, 2015

Manila, Magen, mehr

Die Planung für Manila ist mitten in der Chaosphase und Ludigel hat endlich ein Gegengift für die allergischen Reaktionen seines Magens auf das Taiwanessen gefunden


Seit Monaten plagen mich immer mal wieder merkwürdige Symptome. Ähnlich einem Schnupfen und mit Magengrippeesymptomen.  Allergietabletten helfen etwas, Hammer-Antibiotika vom lokalen Doc nicht wirklich. Doch jetzt habe ich ein Wundermittel gefunden: Obst. Frisches Obst, oft in der vorgeschnittenen Variante von Seven-Eleven. Und das Kantinenessen größtenteils weglassen oder nur dann zu mir zu nehmen, wenn ein probeweises Schnüffeln am Buffet in der Kantine keine Würgereaktion des Magens auslöst. Da in taiwanischem Essen u.a. immer wieder der Flüssigkunststoff DEHP* (ein industrielles Schmiermittel) zu finden ist und ich tatsächlich gegen einen anderen Kunststoff (Elastan in Textilien) allergisch bin, konstruiere ich da einen Zusammenhang. Möglicherweise kann ich am Buffet schon Substanzen unbewusst wahrnehmen - vgl. den Würgereflex bei eigentlich lecker erscheinenden Gerichten.
Saure Fruchtgummis würden auch funktionieren oder saure Getränke. Auch solche mit wenig Nährwert. Ich denke mal, dass Flüssigkunststoff ein basisches Milieu ergibt, das vermutlich von Säure wiederum gebunden wird. Faszinierend!

Wollte man in Taiwans Nahrungsmittelindustrie mal richtig aufräumen, bräuchte man sicher handfeste Argumente. Die Fotos beziehen sich allerdings auf Juniors Schnellfeuergewehrprobleme, die denen von Ursula von der Leyen ähneln - das untere VR-Chinesische Gewehr hat gravierende Qualitätsprobleme... Ich weiß, Waffen für Kinder sind nicht so toll, aber immerhin muss man die Kinder hier irgendwie auf die Geisteshaltung im späteren Straßenverkehr vorbereiten.


So bin ich jetzt weitgehend symptomfrei. Meine Frau hingegen wird von immer heftigeren Magenproblemen heimgesucht, lehnt es aber ab einen Zusammenhang zum Kantinenessen oder der taiwanischen Nahrungsmittelbelastung generell (s.a. hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html) herzustellen. Taiwanessen ist für sie gesund und lecker, so ist das nun mal. Ich stehe dann ihren Gesundheitsproblemen als Zuschauer gegenüber. U.a. plagt sie auch Netzhautablösung, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen kann. Diese Krankheit, für die zwei konsultierte Ärzte in Taiwan keine Erklärung und keine Heilmethode haben, trat zeitgleich mit der Anschaffung eines Smartphones auf, mit dem meine Frau seither wie fast alle Taiwaner in etwas jüngeren Jahren verwachsen ist. Ein Augenarzt erklärte, Smartphones würden netzhautschädliches blaues Licht von sich geben und prompt verpasste meine Frau - mir - eine Lesebrille mit UV-Filter, sich selbst jedoch keine. Da will sie das Geld sparen offenbar. Meine Bitte, das Kantinenessen einzuschränken und das Smartphone nicht mehr so oft zu nutzen verhallen ungehört. Als typisch übertriebene Ausländerideen tut sie sowas ab. Und ich komme mir vor wie jemand, der von einer anderen Person mit einem im Handrücken steckenden Schraubenzieher gesagt bekommt, sie habe Schmerzen im Handrücken. "Zieh doch den Schraubenzieher raus, der dir da in der Hand steckt" entgegnet man dann. "Ach der, nein... das hat damit nichts zu tun" ist dann die "taiwanische" Antwort. Die taiwanische Mentalität ist eine andere. Grübeleien, welche Umweltgifte oder Umwelteinflüsse was anrichten könnten und Sicherheitsdenken sind leider typisch teutonische Dinge. Der Taiwaner hingegen verfährt da eher nach der Methode "don't think too much", die man hier im ausländerreferenzierten Englisch immer wieder hört.

Der von meiner Frau in der letzten Zeit angestrebten Auswanderung von Ludigel, Frau und Junior nach Manila/Philippinen stehe ich von daher einigermaßen positiv gegenüber, würde es doch einen Wechsel der Ernährung bedeuten. Allerdings ist die Planung von meiner Frau und ihrer dort eingeheirateten Schwester eben in der Planungsphase angekommen, die ich als "Ringelpiez mit Anfassen"-Phase der "Taiwanplanung" bezeichne. Von Restauranteröffnung über Printshoperöffnung ist das schwesterliche Duo mittlerweile zur Eröffnungsidee einer veritablen Autolackiererei in Manila gesprungen. Mir fehlten dazu gestern Abend die Worte, ich gab nur einen langgezogenen Seufzer von mir. "Ludigel the lustigel Lackierer" wird es sicher nicht geben, denn bald wird die Manilaplanung wohl nun ihr natürliches Ende finden. Allerdings weilt die werte Manilafamilie derzeit in Taipei. Dieses Wochenende ist große Geschäftskonferenz und ich wurde schon von meiner Frau gemahnt, meine ausländertypischen Bedenken für mich zu behalten. Der Abend im Restaurant würde sicher eine Geduldsübung sondergleichen werden. Gott sei Dank verstehe ich nicht alles auf Mandarin, was da parliert wird, während die Leute gleichzeitig auf das Smartphone starren beim Essen.

Ich hätte auch auch noch Vorschläge: "Telefonhörerreinigungsunternehmen", "arktischer Kühlschrankvertrieb", "Manufaktur für solarbetriebene Taschenlampen" ... oder dergleichen. Aber auf den weißen Mann, der bekanntermaßen nicht so das geschäftliche Gespür hat wie chinesischstämmige Menschen, hört ja wieder keiner.

Zeit für den nächsten Obstteller...


* DEHP ist leibesfruchtschädigend, fruchtbarkeitshemmend und steht im Verdacht Diabetes auszulösen. Guten Appetit in Taiwan.

Donnerstag, April 16, 2015

STORNAWAY - Teekette hat gefälschten "deutschen Tee" mit DDT

STORNAWAY ist eine dieser "Teeketten", die in Taiwan an offenen budenartigen Cafes in Plastik eingeschweißte Getränke verkaufen. Darunter auch ein "German" Rosentee, der tatsächlich aus dem Iran stammt und bei Einnahme zu sofortiger Gliedertaubheit führen kann. Guten Durst!

Immer wieder hat man in Taiwan angeblich deutsche Produkte, denen man sofort ansieht, dass sie nichts mit Deutschland zu tun haben. "Deutschland" steht hier für Gesundheit und gute Kontrollen, daher wollen pfiffige Taiwaner ihre Produkte gerne als deutsch verkaufen.

STORNAWAY-Rosentee hat viele Pestizide enthalten, kommt nicht aus "Germany" wie angegeben sondern der verwendete Blütenaufguss kommt aus dem Iran (na ja, fast das selbe, von wegen indogermanisch-indoiranische Völkerfamilie) und hat bei einer Konsumentin Gliedertaubheit und Benommenheit ausgelöst nach einmaliger (!) Einnahme. Daraufhin ist Taiwans Lebensmittelprüfbehörde FDA aktiv geworden.

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/04/16/2003616059

Also kein D im deutschen Rosentee bei STORNAWAY, sondern noch ein ...DT hinten dran ;-)

P.S.: Der Rest der importierten DDT-Blüten ist in "Chinese Medicine" gelandet wie es scheint. Mir ist unklar, ob in der VR-China oder in Taiwan, so freimütig wie man in Taiwan die Vokabel "Chinese" mal für sich selbst und mal für die VR verwendet.

2.PS: Waren da lange selbst Stammkunde. Hatte mich immer gefragt, ob die geschnittenen Früchte im Fruchttee gespritzt waren. Eigentlich in Taiwan eine sehr naive Frage ;-)

DEHP wieder im Essen?

Ich nutze mich selbst mal als chemischer Indikator und gebe eine Prognose ab

Als ich 2004 hierher zog, hatte ich ein recht charakteristisches Bild dreier zusammen auftretender allergischer Symptome. Das Symptombild war recht bezeichnend und anders als bei meiner Sellerieallergie oder Elastan-(Kunststoff-)Textilallergie, die nur jeweils eine Symptomatik hatte. Mir fiel auf, dass die allergischen Probleme am zweiten Tag eines Nicht-Taiwanaufenthalts sehr schnell verschwunden waren, dann aber bei der Rückkehr nach Taiwan am zweiten Tag sehr schnell wieder da waren. Den Flugtag mitgezählt. Meine Theorie war, dass in Taiwan irgendetwas breitbanding im Essen war, worauf ich allergisch reagierte. Denn eine Suchdiät blieb erfolglos. Egal was ich auch aß, ob Seven-Eleven-Sandwich oder das Zeug der lokalen Garküche oder Kantinenessen, immer blieb die Symptomatik gleich. Ich vermutete schon eine allgemeine Gewürzallergie und erzählte den Leuten, ich sei gegen scharfes Essen allergisch. Obwohl ich die Symptome auch mit laschen Sandwiches hatte.

Dann kam der 2011er Lebensmittelskandal in Taiwan, bei dem offenkundig wurde, dass der Flüssigkunststoff DEHP seit 2000 oder schon früher in Taiwan statt Palmöl landesweit als Sämigmacher verwendet wurde. Zwei Ölhersteller lieferten das gefälschte Palmöl an praktisch alle taiwanischen Küchenöl- und sonstige Nahrungsmittelhersteller. Ein taiwanischer Orangensaft hatte also DEHP, damit er schön sämig die Kehle runterlief, das Joghurt genauso wie das Sandwich und der Kuchen. Die Garküche und das Nobelrestaurant kochten mit DEHP-versetztem Öl. Ein Taiwan-Schokoriegel hatte zwar i.d.R. keine Schokolade, aber viel Flüssigkunststoff. Die bekannten Ananaskuchen mit ihrem gelatineartigen Innenleben bestanden fast nur aus DEHP, ebenso die bekannten leichtsüßen Gelantinekugeln im taiwanischen Bubbletea. Taiwan war die Republic of DEHP, da biss die Maus keinen Faden ab. Auch Fertiggetränke hatten natürlich DEHP. Unter anderem ist DEHP leibesfruchtschädigend, stört die Entwicklung von Kindern und fördert Krebs. Nach den Pressemeldungen über den Skandal klangen meine Symptome nach 2 Wochen oder so langsam ab und verschwanden dann völlig, auch wenn sie in den Folgejahren immer mal wieder kurz auftraten. Im Gegensatz zu den meisten Menschen war ich offensichtlich gegen DEHP "allergisch". Oder anders gesagt, mein Körper versuchte das Zeug durch Ausschlag und small-Business-Toilettenbesuche schnell wieder los zu werden, während die meisten Leute das Zeug symptomlos im Körper behielten.

Derzeit ist es wieder so weit, ich habe die Symptome seit Wochen wieder genauso und sehr ausgeprägt, verbunden mit Magenbeschwerden, die ich erst neuerdings als viertes Symptom dazu bekomme. Daher vermute ich, dass wir bald von einem neuen DEHP-Skandal lesen werden. Oder die taiwanischen Nahrungsmitteltester (Behörde FDA nach US-Vorbild) lassen sich mit dem Finden wieder ein paar Jahre Zeit. Auch meine Frau merkt es. Immer wenn bei mir der Höhepunkt der allergischen Symptome stattfindet, hat sie Magenbeschwerden mit Übergeben. Aber wehe, ich erwähne belastete Lebensmittel, dann wird sie natürlich sauer und verteidigt ihr Taiwan. Ohne Singen der Nationalhymne Gott sei Dank. Wie ginge die eigentlich?

"Wir sind vor den Japanern aus China gerannt wie mit DEHP geschmiert und fanden auf der Insel Taiwan Zuflucht und dachten: Toll, was wir hier alles mit der Natur anstellen können. Hihi"

Wäre mein Vorschlag für die erste Strophe.

Zusammenfassung aller taiwanischen Lebensmittelskandale bis 2014: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html
Aktueller Gewürze/Schwermetall-Skandal (der in Taiwan keine Sau interessiert): http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/04/lebensmittelskandal-in-taiwan-geht.html

Magenprobleme gehen mir immer auf die Laune. Newbies und Taiwaner mögen daher die Verunglimpfung der Republik China entschuldigen. Natürlich sind die Tempel lecker, das Essen schön und der Verkehr freundlich. Nur zu hektische Leute. Oder irgendwie so wie die Litanei ging ;-)

Dienstag, April 07, 2015

Lebensmittelskandal in Taiwan geht weiter....Blei und Arsen im Taiwanpfeffer

Lebensmittel in Taiwan enthalten in einem Dauer-Lebensmittelskandal mit wechselnden, aber oft wiederholenden Akteuren und Zutaten alles mögliche Zeug, was da nicht rein gehört. Dauerklassiker ist der Flüssigkunststoff statt Palmöl, immer wieder sind Milchprodukte verunreinigt und diesmal ist es Pfefferpulver.

Taiwans Pfeffer-, Chili- und Gewürzpulver diverser Hersteller enthalten offenbar industrielles Magnesiumcarbonat, das wohl ein Trockenmittel darstellt. Das Magnesiumcarbonat ist aber für industrielle Zwecke und nicht für Lebensmittel, weswegen es billiger ist und Verunreinigungen enthält. Verunreinigungen sind in diesem Fall Schwermetalle wie Blei oder das leckere Arsen.

Eine Zusammenfassung des bisherigen Dauer-Lebensmittelskandals findet sich hier:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/info-taiwan-schlechte.html

Skandal aktuell:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2015/04/01/2003614902

Dadurch, dass diesmal wieder auch Zutaten betroffen sind, die auch teure Restaurants oder Selbstkocher verwenden (früher schon Tomatensaucen und alles mögliche mit Palmölersatz Flüssigkunststoff als Sämigmacher, diesmal auch Würzpulver der "Gourmetklasse") sieht man, dass man in Taiwan den zahlreichen nicht fürs Essen gedachten Giftstoffen noch viel weniger entkommen kann als etwa in Mitteleuropa. In den Wellblechfabriken wird feixend alles mögliche ins Essen und seine Zutaten gerührt was billiger ist als die richtigen Zutaten, so habe ich es mir früher vorgestellt, als ich 2004 hier her kam. Und die Realität sieht wohl leider ganz genauso aus. Taiwan ist wenig reguliert, die Steuern sind niedrig und die Leute sehr, sehr geschäftstüchtig. "Pfiffig" eben. Und auch beim Anmixen des Pfeffers.

Montag, Dezember 08, 2014

Kack- und Spucktaiwan (mit Chemieabfällen)*

Die Gegensätze vom Erleben von Taipei mit Familienanschluss und als alleinstehender Expat, beim morgentlichen Frühstücksholen

Heute morgen eröffnet mir meine Gattin, dass sie wieder für zwei wie seit Jahren an der einen Frühstücksbude in der Nähe der Firma bestellt hat. Mir bleibt fast das Herz stehen, bin ich doch gerade meine wochenlangen Magenschmerzen los, die etwa mit dem gerade vergangenen Speiseöl- und Talg-Skandal (siehe meine FAQ hier) eines im taiwanischen Besitz befindlichen Unternehmens mit Hauptsitz in China namens "Ting Hsin" (vertrauenserweckender Name, eh?) zeitlich in Deckung zu bringen sind. Abstinenz von den öligen Frühstücksbuden in dem graugrünen Wellblech-Industrieviertel wo ich arbeite trug da erheblich mit zur Gesundung bei. Da bereiten teilzahnlose ältere Frauen ölige und fettige labbrige Toastbrote immer wieder mit viel im Öl schwimmenden Ei zu und die schwarzölige alte Kochplatte, auf der sie werkeln erweckt gerade nicht viel Vertrauen. Früher habe ich das alles vertragen, mittlerweile nicht mehr, aber mir kann auch niemand erzählen, dass diese ein Frühstück für umgerechnet 1.25 Euro oder dergleichen verkaufenden Buden das Budget haben, ihr Altöl immer durch neues (und skandalfreies) zu ersetzen. Missmustig tapse ich durch die bürgersteiglosen Barackenviertel, im Nieselregen heranrasenden Blue-Trucks ausweichend, lasse mich beim normalen Überqueren der Straße vom einem Taxi anhupen, dem ich den Stinkefinger zeige (eine kluge Handlungsweise, wenn man sich mit einem oft bewaffneten Taxifahrer prügeln will oder seinen 20 herbei gerufenen Kumpels oder per Dashcam ins nationale Fernsehen von Toxiwan/Taiwan kommen will), ärgere mich über den quer über einem der wenigen Bürgersteigen stehenden LKW, der mich zum Ausweichen auf die vielbefahrene Fahrbahn zwingt und atme den Duft der Weltstadt Taipei ein. Irgendeine Mischung aus Kunststoff (bereiten sie in den Fabrikhallen Nahrungsmittel zu?), Mopedabgasen, Dieselschwaden, fauligem Kanalisationsgeruch und das ganze dekoriert mit Hundekot und ausgespucktem Betelnusspriem. Und denke mal wieder, wie viel angenehmer alles als alleinstehender Expat wäre, wenn man sich zu Hause einfach ein Brot (idealerweise ein deutsches Brötchen morgens geliefert vom deutschen Bäcker Wendel) selbst zubereiten würde und dieses ganze hässliche und müffelnde Industrietaipei nur durch die Scheiben des klimatisierten Autos sehen würde. Allein würde ich auch höchstens mein Frühstück da kaufen, wo sie die Barackenviertel schon weggerissen haben und im Zuge des Wandels von Taipei in eine moderne Großstadt durch Beton- und Stahltürme ersetzt haben, mit schicken Cafés und Restaurants drin. Und Parks und breiten Bürgersteigen. Gut, das schicke Restaurant der Kette "Tasty" gehört auch zum Unternehmen Ting Hsin und hat auch das Horroröl verwendet. Frau und ich haben da früher oft gegessen. Das Öl ist übrigens aus Tierkadavern (von kranken Tieren natürlich) und aus Restaurantabfällen gerpresst worden, versetzt (jedenfalls das Talgfett) noch mit Östrogen, Antibiotika und dem taiwanischen Dauerbrenner DEHP, ein Flüssigkunststoff, der karzinogen ist und schon seit den frühen 2000ern im Essen ist in Taiwan.

Kaum bin ich an der Bude da winkt die Bedienung ab. "Meiyou" sagt sie, "haben nix". Meine Frau hatte tatsächlich irgendeine falsche Nummer gewählt, wie sich später rausstellte und ihre Horrorfrüchstückchen-Bestellung irgendeinem schlaftrunkenen Taiwaner um die Ohren gehauen. Frohlockend schwebe ich zurück durch die Straßen, kunstvoll Hundekot und ausgespuckten Priem vermeidend und eile zu Seven-Eleven um mir zwei eingeschweißte Sandwich zu kaufen. Wenn die im nächsten Lebensmittelskandal dran sind (der kommt bestimmt, weil den Taiwanern das Thema im wesentlichen egal ist), dann falle ich tot um, da bin ich von überzeugt, so viel wie ich davon esse in letzter Zeit.

Genießen Sie also in Deutschland ihr frisches Brötchen mit Käse oder Marmelade.


* Immer noch stocksauer wegen der wochenlangen Magenschmerzen habe ich lange an der Überschrift gefeilt. Ich bitte sie hinreichend zu würdigen.

P.S.: Ting Hsin ist sicher so ein Vorzeigeprojekt für die wirtschaftliche und gesellschaftliche Annäherung an die VR-China, die Taiwans regierende KMT-Partei betreibt, im Rahmen ihres panchinesischen Wohlstandskonzepts. Ting Hsin war sowohl beim 2013er- als auch bei 2014er Lebensmittelskandal dabei. Sollen wir für den 2015er schon vorreservieren?

Freitag, Dezember 05, 2014

Schokoladenzeug: sei vorsichtig, was du schlucken willst...

Mein Gaumen wird trotz langsam abebbender Magenbeschwerden in Taiwan immer skeptischer

 Der zurückliegende Lebensmittelskandal in Taiwan (vgl. meine FAQ zur Lebensmittelsicherheit in Taiwan) hat mir allergische Beschwerden beschert, die zu meinen langsam zurückgehenden Dauermagenschmerzen zumindest beigetragen haben. Kein Kunststück, ist doch unter anderem wieder der Flüssigkunststoff DEHP im Essen gewesen und auf zumindest einen (allerdings Textil-) Kunststoff reagiere ich nachgewiesen allergisch. Lösung zur Verminderung der Magenschmerzen war die Tabletten vom Arzt abzusetzen und sehr auf die Ernährung zu achten. Also Sandwichs von Seven-Eleven dem Garküchenessen zu bevorzugen, insbesondere Taiwans superfettige Ei-Bacon-Toasts vom Frühstück zu verbannen und auch sonst alles ölige und talgige zu vermeiden - Taiwans Lebensmittelskandal ging ja in erster Linie ums Speiseöl und um Talg.
Trotzdem gab und gibt es merkwürdige Phänomene. Schon vor Jahren hatte ich eine 6er- oder 8er-Packung von eigentlich recht leckeren Seven-Seven - Pralinen verspeist, die man bei Seven-Eleven (keine Ahnung ob die Unternehmen etwas mit einander zu tun haben) kaufen konnte. Der Geschmack war angenehm schokoladig, wenn auch die Schokolade ein bisschen zu glasiert wirkte, um hochwertig zu sein. Der Genuss von einer oder zweien der Pralinen blieb ohne Folgen, aber als ich einmal die ganze 8er-Packung verdrückt hatte, stieg aus dem Magen so eine absolut chemisch wirkende Wolke auf, was eine sehr unangenehme Erfahrung war. Auch Übelkeit stellte sich sofort ein. Ich hatte eine ganz klare Überdosis, von was auch immer da drin war. Alles eine rein individuelle Erfahrung aus der man ohne Laboruntersuchung der Pralinen keine allgemeingültigen Aussagen ableiten kann, aber es war das letzte Mal, dass ich taiwanische Schokolade verzehrt habe. Auch alle andere glich eher glasierter Fettcreme mit Schokofarbe denn Schokolade. Oder wie es der Taiwan-Godfather of Englisch Blogging einst formulierte: Da kann man auch Kerzenstummel kauen.

Jetzt hat meine Frau so ein Kakaopulver mit Nüssen drin. Nur fiel mir auch schon vor den Magenbeschwerden auf, dass mir nach Genuss einer Tasse Kakao davon sofort schlecht wird. Und jetzt vielleicht durch den aktuellen Lebensmittelskandal übersensibel geworden nimmt meine Nase einen deutlichen säuerlich-chemischen Geruch aus dem Schokopulver auf, auf den mein Magen sofort mit Würgereflexen reagiert. Lustigerweise führte eine Kakaopulverspur an meiner Hand sogar zu Hautjucken. Ob das psychosomatisch oder allergisch ist, ist schwer zu sagen, denn wenn man Dinge kritisch beäugt, reagiert man auch übersensibel.

Magengestresst halte ich mich jedenfalls strickt an das Prinzip, nur das an taiwanischen Lebensmitteln zu mir zu nehmen, was unbedingt sein muss. Jeder Löffel zu viel ist einer zu viel und ich lasse ihn lieber weg, was den angenehmen Effekt der Gewichtsreduzierung hat. Und "Zufüttern" in Form von Puddings, Keksen oder Schnökereien gibt es nur noch mit Importware. Gelegentlich leiste ich mir etwas Milo-Kakaopulver von Nestle, das wohl auch in Taiwan hergestellt ist, welches ich aber vertrage.

Ich denke durch die fortgesetzten Lebensmittelskandale, die nie zur einer strukturellen Änderung der Lebensmittelindustrie führen und daher auch in Zukunft weiter gehen werden, sollte man taiwanische Lebensmittel mit großer Skepsis zu sich nehmen. Oder besser gar nicht, aber das ist in Taiwan natürlich kaum zu machen. Am Besten wäre selber kochen. Mit Importöl oder Wasser - und dann kann einem immer noch das Taiwangemüse mit der 280fachen Pestizidkonzentration erwischen, wie in der FAQ referenziert.

Donnerstag, November 27, 2014

Garküchenessen auf Wiedersehen

Zehn Jahre lang habe ich in Taiwan an Frühstücksbuden und in Garküchen gegessen. Das geht jetzt offenbar nicht mehr.

Aus einer Magenverstimmung ist nun bei mir ein veritabler Lebensabschnitt geworden.Ohne den geneigten, wenn auch unter Umständen schadenfrohen Leser mit Details langweilen zu wollen: Zur Zeit scheint sich heraus zu kristallisieren, dass ich nicht mehr an Frühstücksbuden oder Garküchen essen kann. Tue ich das, stellt sich eine Art Schwindelgefühl im Magen ein, die Magenwände scheinen irgendwie gereizt und wollen durch ständiges essen beruhigt werden. Nach Wochen der Fehlfunktion war ich dann so kraftlos, dass ich fast zusammengeklappt wäre und nur ein Energiemix aus süßer (nicht etwa diätischer) Cola nebst salziger US-Kartoffelchips gab mir schlagartig Energie und Kraft zurück. Ersatzweise auch ein Snickersriegel und eben die Pringles-Chips. Bloß nichts in Taiwan hergestelltes.

Derzeit lebe ich nur von Seven-Eleven Sandwiches, die bekommen mir, ebenso wie allerdings der nackte Reis aus der Kantine. Alles andere in der Kantine, die ja auch nur von einer billigen Garküche beliefert wird und aus den Frühstücksbuden bekommt mir ganz und gar nicht. Nun esse ich dieses Taiwan- Garküchen-Einfachessen, billig und eigentlich wohlschmeckend, ja schon seit 10 Jahren, aber irgendetwas hat sich verändert. Nur ein Schelm wird einen Zusammenhang zu dem jüngsten Lebensmittelskandal mit u.a. aus Tierkadavern und Küchenabfällen kompostiertem Kochöl konstruieren, das natürlich überall in den Garküchen noch verwendet wird. Kontrolliert ja kein Mensch und die Gewinnspanne der kleinen Buden ist viel zu gering, als dass sie ihre Rohstoffe wegwerfen könnten.

Ich schließe daher mit den gängigen Klischees, Taiwans Essen ist billig und superlecker nur eben jetzt nichts mehr für mich. Ebenso wie bei meiner zurückliegenden Reise aufs chinesische Festland muss ich ab jetzt genau gucken, was ich esse - das passt ja zum Annäherungskurs Chinas und Taiwans, den wir seit einiger Zeit erleben. Daher meine Wahlempfehlung an mitlesende Taiwaner: Bitte unbedingt KMT wählen, denn die Taiwan-Independence der DPP etc. passt einfach nicht mehr zum längst dem Festland angeglichenen toxischen Essen in Taiwan.

Naruwan ade, an Ni3 hao3 sind wir ja auch viel gewöhnter.


Dienstag, November 18, 2014

Toxisches Essen / Magenkrank, Toxiwan (Update 2)

Version für Taiwan-Newbies: Taiwan-Essen superlecker, besonders die Festessen. Leckere Nudelsuppen, alles superlecker (hatten wir das schon gesagt?) und gesund. Seafood mit Seafood und Sea grass und Sea Gurkin und haste nicht gesehen. 

Seit Wochen sind meine Magenwände im Stress, was zu Dauermagenschmerzen führt. Medikamente lindern, aber helfen nicht richtig, dazu merkwürdige allergische Beschwerden wie Jucken im Gesicht und dann plötzlich eine glasierte rote Fläche unter dem rechten Wangenknochen. Sowas hatte ich noch nie. Was hat sich da abgelagert? Nun, Möglichkeiten gibt es reichlich. Seit ich 2004 hierher kam hat Taiwan im Wesentlichen einen einzigen dauerhaften Lebensmittelskandal mit wechselnden Zutaten. Nur dass man davon bis vor 2012 (war es glaube ich) nichts gemerkt hat, aber das Gift war schon im Essen. Statt Palmöl, das fast überall als Verdicker enthalten ist (in taiwanischer "Milch", in "Säften", in Gebäck, in Fertigsaucen und Ölen, die sowohl von Nahrungsmittelfabriken wie auch Garküchen, Restaurants und Bäckereien verwendet werden) hatten sie einfach industriellen Flüssigkunststoff verkauft, der eigentlich nur als industrieller Schmierstoff verwendet werden darf und nicht genießbar und leicht toxisch ist. Mir hatte das viele Jahre leicht aber beständig juckenden Ausschlags und sonstige Probleme bereitet, die schlagartig verschwanden, als Taiwans "Food and Drug Administration (FDA)" per Zufall den Skandal aufdeckte. Die Täter bekamen eine kleine Bewährungsstrafe und ein paar Millionen Taiwandollar Strafe. Da eine Million Taiwandollaros nur 25.000 Euro hat, war das nicht wirklich viel.

Zwischendurch hatten wir dann den Melaninskandal, auch ein leicht toxisches Zeug in Milch und Milchpulver und allen Backwaren. Nach Monaten Milchabstinenz hatte ich dann endlich nach dem Melaninskandal eine Tüte Milch getrunken. Nur um sofort stark juckenden und entzündlichen Ausschlag inklusive dicker Ohren zu bekommen: es war zwischenzeitlich mal wieder ein anderer Giftstoff in der Milch, ich habe vergessen welcher.

Diesmal ist mein Magen dauergestresst, wir haben diesmal wieder den Flüssigkunststoff in Öl und Talg und ergo im gesamten Taiwanessen. Das kann man nicht alles aus den Läden räumen. Erstens sind die Taiwaner da viel zu pfiffig zu, kann man ja irgendwie alles weiterverkaufen. Und zweitens würde die Insel ja verhungern, wenn man alles Essen wegwirft. Manche Flüssigkunststoff-Artisten sollen diesmal angeblich in den Bau einfahren, weil sie schon zum zweiten Mal dabei sind. Parallel dazu haben wir Östrogen, Verhütungsmittel und Antibiotika im Essen, weil für Öl und Talg eine Fett genommen worden ist, das eigentlich für die Viehzucht gedacht war.

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Neu:  Haider wurde einst in Wix umbenannt oder was immer das war.
Und Taiwan heißt jetzt Toxiwan 
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Mit seinen langen Arbeitszeiten und grauen Wohnvierteln ist der Arbeitnehmer in Taiwan oft genug ja wirklich zur Arbeitsdrohne degradiert. Aber dass man ihn auch noch wie Zuchtvieh füttert, mit eben dem für Zuchtvieh vorgesehenen toxischen Mampf, ist superdreist. Auch ein gutes Argument gegen Fleischkonsum ist hiermit übrigens gemacht, um die Giftaufnahme zu reduzieren. Aber... am Gemüse sind bestimmt Schwermetalle. Die FDA jedenfalls hat die Tage gemeldet, alle taiwanischen Fertigtees seien krebserregend, weil die Vietnamesen (!) Schwermetalle auf den Plantagen dranpfeffern an den Tee. Der ja auch so gesund ist, wie ich hier auch schon im Blog geschrieben habe.

Wann sich mein Magen erholt weiß ich nicht. Einstweilen werde ich hier im Blog nicht mehr von Taiwan reden, sondern nur noch von Toxiwan, die Umbenennung ist im Gange.
Ach ja, zur Zeit ist gerade Lokalwahl. Überall glotzen die feisten Gesichter der selbstverliebten und sich selbt dienenden Politikerkaste von den Wänden, die nicht mal die elementarsten Funktionen von Politikern erfüllen: Zum Beispiel wenigstens die Schulwege sichern (30 km/h-Schilder auf Schulwegen oder sonstiges gibt es hier nicht) oder für ungiftiges Essen per funktionierender Kontrollstrukturen und höherer Strafen zu Sorgen. Stattdessen sind die Politiker innerhalb ihrer Korruptionsnetze mit den Mächtigen, eben auch den Nahrungsmittelherstellern verbandelt und verfiltzt.

Guten Appetit aus Toxiwan. Und wenn dies kein klassisches Taiwan... äh .... Toxiwankoller-Posting ist, dann weiß ich es nicht mehr. Schuld war nicht der Bossanova, sondern der Magen.

Und für Newbies nochmal: Das Seafood-Grünzeug - Essen mag noch so lecker und gesund sein, ist es dann aber doch nicht, wenn mit toxischen Fetten und Ölen gekocht.

Und die Taiwaner... äh ... Toxiwaner? Die grinsen derweil wie immer freundlich geduldig vor sich hin und futtern ihr toxisches Essen und wählen ihre korrupten Politiker. Guten Abend.


Ein paar Links dazu auf die Schnelle:

http://en.wikipedia.org/wiki/2014_Taiwan_food_scandal
http://en.wikipedia.org/wiki/2013_Taiwan_food_scandal
Update 2, noch ein Link: http://en.wikipedia.org/wiki/2011_Taiwan_food_scandal
http://www.bloomberg.com/news/2014-10-28/taiwan-food-scandal-forces-taipei-101-executive-out-of-post.html
http://sinosphere.blogs.nytimes.com/2014/10/30/taiwanese-tycoon-faces-charges-in-cooking-oil-scandal/?_r=0
http://www.asianews.it/news-en/Food-scandal-widens:-not-just-flour,-but-ice-cream-and-rice-28124.html
http://blogs.wsj.com/chinarealtime/2014/09/11/after-tainted-oil-scandal-taiwan-pledges-to-clean-up-food-safety/
.... und Ostern und Weihnachten fallen auf einen Tag


UPDATE: Während für "glasierte Ausschläge" vermutlich eigenartige chemische Zutaten im Essen wie z.B. Flüssigkunststoff verantwortlich sind, geht mein wochenlanges Magenleiden aber wohl auf das Konto von Salmonellen. Womit jetzt endlich Klarheit herrscht und der Genesungszustand eingeleitet werden kann. Vor Wochen hatte das Taiwan-TV gemeldet, man bekäme aus der Kombi von gebratenem Ei und Schinkenspeck Krebs. Ergo hatte meine Frau die lokale Braterin von fettigen Sandwichs (in einem kleinen Blue Truck vor dem Firmentore) gebeten, das Ei nicht mehr richtig zu braten. Somit lief mir heute Morgen beim Beißen in das Sandwich wieder mal rohes Eigelb direkt auf das blaue Hemd, was eigentlich ganz dekorativ aussah, mir aber doch zu denken gab. Die haben nämlich keinen Kühlschrank in dem Wagen für die Eier. Und die Magenbeschwerden, die nach Einnahme neuer Pillen weitgehend weg waren am Sonntag Abend, kehrten sogleich um ein vielfaches verstärkt zurück. Bestimmt hat Konfuzius irgendwann mal gesagt, dass man Eier schön warm lagern muss.

Mittwoch, November 12, 2014

Schuheinlagen statt Herz-OP

Der Abschluss einer verwirrenden Medizingeschichte in Taipei

Hinsichtlich Taiwans Ärzten bin ich ein gebranntes Kind - die haben schnell eine Fehldiagnose bei der Hand die oft zur baldigen OP führen soll. Ob das Unfähigkeit oder Oberflächlichkeit ist, die natürlich nur manche der Medizyniker hier an den Tag legen überlasse ich gerne der Diskussion, sicher ein Grund für den geneigten Leser, sich heftig aufzuregen oder wenigstens "Aber in Deutschland haben sie doch neulich auch einem den Kopf abgeschnitten statt den Blinddarm" zu erwähnen. Kann ja auch mal passieren.

Ich jedenfalls hatte bei der 2-jähirgen gesetzlich vorgeschriebenen betrieblichen Personaluntersuchung schon vor über zwei Jahren die Diagnose bekommen, leichte Herzrythmusstörungen gehabt zu haben, was aber weiter kein Grund zur Besorgnis wäre. Dieses Jahr dann schlug die Ärztin Alarm, meine Pumpe wäre so aus dem Tritt, dass ich zur Nachbehandlung müsste. In der Tat meinte ich einfach nur eine leichte Verspannung linksseitig zu bemerken, manchmal jedenfalls - und wollte das Thema auf sich beruhen lassen.

Die werte Gattin war jedoch besorgt und schleppte ihren unwilligen Teutonen zum Herzspezialisten in das einschlägig von mir bekannte Tri-Service-Hospital in NeiHu, das tatsächlich ein (für die Allgemeinheit offenes) Militärhospital ist. Der Doc dort horchte kurz an Ludigels Pumpe und meinte, das Ding sei völlig in Ordnung. Tuckerte eben brav und gleichmäßig vor sich hin. Und wenn es denn manchmal doch ein bisschen springen würde, das sei normal und käme bei fast allen Menschen mal vor. Ich kenne das ja wirklich, Frau das erste Mal gesehen, neues Auto rollt aus der Halle beim Händler, Junior wird geboren oder man sieht ein frisches Graubrot beim deutschen Bäcker in Taipei, solche Sachen halt.
Doch weil ich Ausländer sei, sagte er, wolle er ganz sicher gehen und verschrieb mir eine gruselige große schwarze Box, die unter Kichern der Krankenschwester wie viele Haare ich am Oberkörper hätte, x-mal verdrahtet wurde bei mir und die ich nervige 24-Stunden tragen musste.

Während ich mit der Box von Philips genervt auf dem Sofa saß, musterte mein dreijähriger Sohn die Box interessiert und drückte dann auch noch den Alarmknopf. Der sollte Momente des Unwohlseins für den Doc hervorheben.

Prompt passierte es, Doc sah die Skala auf seinem Monitor und diagnostizierte, ich hätte zu große Aussetzer und würde ein Herzmedikament benötigen. Mit einer dicken Packung herrlich bunter Pillen ausgestattet reiste ich dann verdattert nach Hause. Erstens Mal hätte ich gedacht man müsse erst mal ein Belastungs-EKG machen. Schließlich rase ich bei uns in der Firma immer die 6 Stockwerke zu meinem Cubical zu Fuß hoch der Körperertüchtigung halber und fühle mich dabei kein bisschen unwohl. Und zweitens konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, nun Herzkrank zu sein um von nun an wie einst mein Großvater immer meine Herzpillen schlucken zu müssen.

Die genommenen Pillen hatten dann auch eine merkwürdige Wirkung. Vor der Einnahme ging es mir glänzend, nach der Einnahme hatte ich ein merkwürdiges Ziehen in der Herzgegend. Na das war ja ein prima Zeug. Das übrigens in Deutschland und den USA längst vom Markt genommen war, der heftigen Nebenwirkungen halber. Sofort setzte ich das Medikament ab, sehr zum Ärger meiner Frau, die von der guten Fürsorge der taiwanischen Ärzte und meiner arroganten Widerborstigkeit redete, da ich wohl nur deutschen Ärzten zutrauen würde mich richtig zu behandeln und nicht den taiwanischen. Mehrere Tage lang hing der Haussegen schief, HIER beschrieben und am Ende redete meine Frau schon von einer Herzoperation. Die Vorstellung einen der leichtfertigen Taiwanärzte mit dem Messer an meinen vitalen Teilen herumschnippeln zu haben war so grauenhaft, dass sie heftigste Gegenwehr bei mir - will sagen sarkastische Bemerkungen über den werten Herrn Doktor - auslöste. Prompt sagte meine Frau den nächsten Termin ab und ich bemerkte, dass es mir nach einigen Tagen wieder prächtig ging. Als das Medikament aus dem Körper war, funktionierte die Pumpe wieder wie sie sollte.

Trotzdem war da diese leise Befürchtung, es könne doch etwas dran gewesen sein an den Diagnosen, auch wenn das Medikament offensichtlich völlig ungeeignet war. Ich wollte schon einen Termin bei einem Kardiologen in  Deutschland machen, da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, Stinky Tofu vom Garküchenwagen oder wie auch immer:

Ich war auf der ganzen linken Seite verspannt!
Besonders im linken Bein.
****** in sich rein horch ****
Besonders im linken Fuß
****** grübel ******
Ich hatte seit geschlagenen 4 Jahren die selben orthopädischen Schuheinlagen, die insbesondere für den ... räusper ... Plattfuß linksseitig waren. Und die Schuheinlagen muss man eigentlich alle halbe Jahre spätestens wechseln.

Also schnell im Schuhschrank gesucht, einst bei Karstadt gekaufte BERGAL PERFECT PLUS Schuheinlagen gefunden. Nicht vom Orthopäden aber immerhin. Sofort in den Schuh getan und losgelaufen. Ein Erlebnis wie .... wie eine Komplettmassage. Mit jedem Schritt entkrampfte sich die linke Seite, ich bemerkte richtig, wie sich ein Verspannungsknoten im Rücken links auf Herzhöhe löste. Meine mich seit Wochen quälenden Kopfschmerzen verschwanden und .... ich sprang wie ein junger Spring-ins-Feld durch die grauen Gassen meines taiwanischen Schlichtwohnviertels, sehr zur Verwunderung der graugesichtigen älteren Leute dort, die gerade dabei waren schwermütig in dem alten Soldatenviertel dem Exdikatatur Chiang-Kai-Shek nachzutrauern. Und jedes Ziehen linksseitig erledigte sich dann im Laufe der folgenden Tage.

Bergal sei Dank ist auch meine Frau mit der Erklärung zu frieden, ich habe gleich eine Massenbestellung Schuheinlagen bei Ebay aufgegeben und der Haussegen ist wieder hergestellt. Gibt es irgendwo im Internet einen Bergalfanclub?  10.99 Euro sind jedenfalls besser als jede Herz-OP durch einen Taiwan-Doc. Ich frage mich erschreckt, was die da wohl hätten herumschnippeln wollen am gesunden Herzen? Und was die Medikamente angerichtet hätten.   

Eine merkwürdige Geschichte, was einem wohl nur passieren kann, wenn man aus gewohnten Versorgungszirkeln herausgelöst wird als Expat.

Mittwoch, Oktober 15, 2014

Ach ja, Taiwans Essen ist mal wieder toxisch

Positiv: Das Essen in Taiwan wird durch eine Food-And-Drug-Administration (FDA) überwacht.
Negativ: Sie finden andauernd etwas dramatisches in Speis und Trank 

 Als ich im Jahre 2004 hierher kam ging das Phänomen los, dass ich ständig auf das WC musste, sowie ich taiwanischen Boden betrat - nur im Deutschlandurlaub ging das Problem schlagartig weg. Kam zurück, sowie ich in Taiwan landete. Nur die kleinere Verrichtung, räusper. Und stark juckenden Ausschlag unter dem Kopfhaar und auf dem Rücken hatte ich. Das hörte es vor kurzem auf, als diese FDA Flüssigkunststoff in falschem Palmöl gefunden hat, das in so ziemlich jedem Nahrungsmittel hier zu finden war. Zwischendurch hatte ich dann mal wieder stark allergischen Ausschlag am Kopf, die Ohren diesmal, da war mal wieder toxisches in der Milch.

Jetzt ist aktuell ein Öl, das für Industrie und Tierproduktion vorgesehen ist, überall im Essen. Wieder mal hat ein monopolistischer Öllieferant billigeres Öl, das nicht für den Humanverzehr vorgesehen ist, als für menschlichen Konsum gedachtes an drei viertel der Industrie in Taiwan weiterverkauft. Fast alle Nahrungsmittel enthalten einen ganzen Medikamentencocktail, den man wohl sonst Zuchttieren gibt. Darunter sind Antibiotika, Östrogen, Verhütungsmittel und Antidrepressiva und natürlich der Klassiker Flüssigkunststoff. Weswegen ich auch schon wieder... never mind.


http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/10/15/2003602097

Guten Appetit in Taiwan. Trotzdem ging es mir magenmäßig auf meiner kürzlichen Philippinenreise (Artikel jetzt bebildert!) noch schlechter. Entzugserscheinungen?


Freitag, September 12, 2014

Herzschrittmacher für den Uhrenfreund

Automatik oder Batterie ist hier (jetzt auch) die Frage

Als Uhrenfreund kennt man es, für 99 Euro gibt es eine unendliche Menge an schicken Uhren. Chronograph, tolles Design. Aber eben Batterien drin, Quarz also. Und wenn man denn wie ich 12 funktionierende Uhren in der Schublade hätte, stünde man immer wieder beim Uhrenmenschen schlange zum Batterien wechseln. Und irgendwie habe ich sowieso immer das Gefühl, eine schicke Quarz, die oft ein Desgin wie eine 1000-Euro Automatik-Uhr hat - wenn es nicht zu dick aufgetragen ist - sei eine Art Schummel. Aber da bin ich eben zu sehr Freund mechanischer Uhren, eine richtige Uhr hat für mich Mechanik drin.


 Schweizer Automatikwerk: Die Schwungscheibe habe ich hier allerdings aus dem (halben) Glas-Sichtfenster gedreht, sie sieht im Prinzip aus wie die rechte Hälfte des Uhrendeckels (und sitzt im Bild genau darunter***). Die Stoppuhrfunktion des Valjoux 7750 braucht man beim Herzschrittmacher aber sicher nicht.
*** Wer genau hinsieht, erkennt oben ein bisschen von der Schwungscheibe (Rotor sagt man)


Auch Träger vom Herzschrittmacher mussten bislang regelmäßig Batterien wechseln lassen, jetzt aber gibt es den Schrittmacher für den Mechanikfreund, mit einem Rotor, der Schwungenergie aus der Bewegung des Trägers holt. Weil der Herzschrittmacher aber Strom braucht, wird er wie etwa bei den SEIKO Kinetik-Uhren in Strom umgewandelt. Aber nicht wie bei den Kinetik-Uhren unter Verwendung einer aufladbaren Batterie (die auch nach ein paar Jahren ihren Geist aufgibt) sondern unter Verwendung einer die Schwungenergie speichernden Feder. Toll! Gibt es das auch schon bei Uhren?

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/herzschrittmacher-imitiert-mechanisches-uhrwerk-a-990888.html

Den alten Witz, das Automatikuhren nichts für Beamte seien, kann man dann jetzt in neuen Variationen machen. Etwa: "Hört ein älterer Beamter auf zu atmen, muss man ihn auf seinem Büro-Drehstuhl im Kreise drehen." Geschmacklos, aber vielleicht bald nicht ganz unzutreffend...

"Water Resistant" wäre auch nicht schlecht....


Ansonsten sensationelle Uhrennews: Apple hat soeben die Armbanduhr rückwirkend erfunden: die Äppel-Wotsch ist da: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Analyse-der-Apple-Watch-Emotionen-treffen-auf-kalte-Realitaet-2388957.html
Persönlich denke ich, sie könnte die klassische Armbanduhr verdrängen. Nicht, weil sie irgendwie besser ist als schon existierende Smartwatches, sondern weil sie eben Teil des Apple-Kults ist und eine gefühlte Milliarde Applefans vermutlich den Ton angeben werden und sich das eckige Ding mit dem Charm eines CASIO-Taschenrechners-in-der-LCD-Uhr von 1982 an den Arm hängen.
Und das integrierte elektronische Zahlungssystem hätte, wenn es denn funktioniert, das Zeug zur Killer-App, um die man nicht herum kommt. Etwa: Brötchen kaufen und per Fingerwisch auf der Armbanduhr bezahlen. Geht aber sicher auch bald mit dem Android-Handy. Unter hinterher ist der Inhalt des Bankkontos in China.