Das Verfahren um den britisch-pakistanischen mutmaßlichen Todesfahrer Z.D. hat im Prinzip das Verhältnis zwischen Ausländern und Taiwanern definiert - jedenfalls hier auf der Insel Formosa. Der Unfall war schon 2010. Was also wurde aus Z.D.?
Rückblende:
2010 betreibt Z.D. in Taipei eine kleine Computerfirma, die sich wie in Taiwan ziemlich üblich als taiwanische Zweigstelle eines US-Konzerns ausgibt. Jedenfalls landete Google immer nur bei der Taiwanfirma, nie in Übersee. Hier verwendete er wie jede andere kleine Computerbude in Taiwan auch offenbar falsche oder gar keine Microsoft-Lizenzen für die Computer. Aber darum geht es nur am Rande. Außerdem fuhr er mit einem damals schon alten Mercedes der E-Klasse zu einem Besäufnis in einer "Puff"-Karaoke-Bar, wo er sich komplett von seinen taiwanischen Trinkkumpanen abfüllen ließ, bis er nicht mehr laufen konnte. Offenbar hatte er auch schon ein PKW+Alkohol-Vorproblem gehabt. Wie dem auch sei, ein Abgestellter der Puffbar hat Z.D. dann zumindest in Richtung seines Zuhauses gefahren. Ein Foto einer Kreuzungskamera zeigt Z.D. auf dem Beifahrersitz und den Angestellten am Steuer.
Während der Fahrt kam es dann zur für einen Motorollerfahrer tödlichen Kollision mit dem zeitungsaustragenden Mann. Der Mercedes fuhr weiter und Z.D. gab zu ihn - angeblich ohne Wissen von dem Unfall nach Übernahme des Steuers volltrunken vor der Wohnung - im Parkdeck seines Wohnblocks geparkt zu haben.
Recht schnell fand ein pensionierter Polizist den bei einem Schrotthändler stehenden beschädigten Benz und in der Folge ging nun eine beispiellose taiwanische Massenhysterie los, wie ich sie so noch nie erlebt habe. Der Medienhype in Taiwan war ähnlich als man es bei der Landung von Aliens (in bunten leuchtenden Kostümen, mit drei Köpfen und sechs Geschlechtsteilen) erwarten könnte. Eine TV-Endlosschleife von immer dem selben Film im Fernsehen und eine beispiellose Vorverurteilung. Und das, obwohl er noch ziemlich unschuldig aussah anfangs.
Später sah es dann weniger gut aus für ihn, auch wenn die Verquickung von Mafia mit der Puffbar UND dem ermittelnden Polizeirevier (über Bestechungsgelder) und eben die Vorverurteilung einen fairen Prozess unmöglich machten meiner Ansicht nach.
Mein letzter Blogartikel dazu (den ich noch finden kann):
https://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Hier ist auch alles noch mal im Detail zu lesen.
Unfallfahrzeuge etc.: https://redbrickdaily.com/zain-dean-might-not-be-coming-back-to-face-the-music/
Ich merkte damals, dass die vorher uns "weiße" Ausländer an-hallo-enden Taiwaner ("where you from", "welcome to Taiwan", "can you teach my kids English") mir plötzlich öfter mal böse Blicke zuwarfen und mich im Vorbeigehen gar angrummelten. Später normalisierte sich das ganze zu eben normaler Nichtbeachtung, wie in anderen Ländern auch. Und wir bekamen Bio-Scanner an der Grenze, die nur für Ausländer sind. Weil Z.D. nämlich mit einem geliehenes Pass und weißer Schminke die Fliege gemacht hatte und über die Schweiz nach Schottland geflohen war zwischenzeitlich. In Taiwan hatte er erst 18 Monate Haft und dann in Berufung sogar 4 Jahre bekommen. Scheinbar hatte er keine Lust auf eine 4x4-Zelle mit 20 Leuten drin, wie sie in Taiwan üblich ist. Hier kann man eine Taiwanzelle sehen: https://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
In der Endlosgeschichte stellte Taiwan nun einen Auslieferungsantrag an Großbritannien, wo dieser den schottischen High Court, das schottische Supreme Court und das Auslieferungsgericht in Edinburgh beschäftigt. Bis heute. Wie ist also der Stand?
Zum Schluss ging es nur noch darum, ob Z.D. eine menschenwürdige Unterbringung im Taiwan-Bau ermöglicht würde. Taiwan sicherte in der Folge ein Extrazimmer mit Dusche, Duschvorhang, frischen Handtüchern und eigenem Baseballplatz (aber ohne Baseball) zu. Außerdem sicherte man ausgesuchte Ausländer mit guten Manieren als Umgang zu, die ihn anständig behandeln würden.
Allerdings fand das Verfahren mit dem immer noch im Knast sitzenden Z.D. Ende September 2017 sein scheinbares Ende, als die Auslieferung wohl endgültig abgelehnt worden ist. In dieser Sache!
Flugs stellte nämlich Taiwan den Auslieferungsanstrag erneut, diesmal wegen Behinderung der unfehlbaren (s.o.) taiwanischen Justiz. Ergo bekam der mittlerweile 3 Jahre im schottischen Gefängnis sitzende Z.D. zwar Bewährung wegen des ersten Delikts (Todesfahrt), wird aber immer noch in Haft gehalten wegen des neuen Auslieferungsanstrags. Und Taiwan droht an, immer wieder neue Anträge zu stellen, bis.... ja bis er wohl an Altersschwäche gestorben ist.
Irgendwie hat man den Eindruck, dass die schottische Justiz auch irgendein Hühnchen mit Herrn Z.D. zu rupfen hat. Nächstes Update in 10 Jahren.
Zur relativ aktuellen Lage:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201609230033.aspx
Dieses Blog durchsuchen
Posts mit dem Label Z.D. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Z.D. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Donnerstag, März 29, 2018
Donnerstag, Juni 25, 2015
Britisch/pakistanischer Todesfahrer wird sobald nicht ausgeliefert
Schottischer "High Court" will erst Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen
Es ist ein unter Ausländern in Taiwan oft heiß diskutiertes Thema, der Fall des britisch/pakistanischen mutmaßl. Todesfahrers Z.D., der im Jahre 2011 (Korrektur: schon 2010) einen taiwanischen Motorrollerfahrer betrunken zu Tode gefahren haben soll mit seinem alten Mercedes. Das "mutmaßlich" im Satz könnte man eigentlich weglassen, weil Z.D. in Taiwan rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe deswegen und wegen Microsoft-Lizenzverletzungen verurteilt worden ist. Allerdings gab es im Ermittlungsverfahren und während des Gerichts durchaus Friktionen, wie etwa eine massive gehirnwäscheartige Vorverurteilungscampagne seitens der Massenmedien und einiger Lokalpolitiker in Taiwan (mit monatelang wiederholten Fernsehbildern in der Endlosschleife), so dass man die Fairness der Verfahrens durchaus anzweifeln kann. Auch der Umstand, dass das ermittelnde Polizeirevier vom selben Syndikat geschmiert worden ist, dem ein zweiter einheimischer Verdächtiger (der nachweislich den Wagen in der Todesnacht genau wie Z.D. gefahren ist) angehört, lässt Zweifel an der Fairness des Gesamtverfahrens aufkommen.
Wie dem auch sei, Z.D. wurde in zweiter Instanz zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, wenn ich mich recht erinnere und floh dann nach Schottland. Hier wurde er wegen Fluchtgefahr inhaftiert während ein Auslieferungsverfahren gegen ihn läuft. In erster Instanz wurde Z.D.s Auslieferung nach Taiwan positiv entschieden. Doch in zweiter Instanz wird nun der schottische "High Court" wegen Einspruchs Z.D.s zunächst die Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen, bevor er über die Auslieferung entscheidet. In diesem Verfahren geht es weniger um Schuld oder Unschuld sondern eher um die Rechtsgültigkeit taiwanischer Gerichtsentscheidungen für Schottland (das da recht autark ist nach britischem Recht) und neuerdings eben die Haftbedingungen. Wenn Z.D. immer noch in Abschiebehaft sitzt, wird er so am Ende mehr Zeit im Gefängnis zubringen, als wenn er die Zeit in Taiwan abgesessen hätte.
Die Marathonberichterstattung über den Fall hat meiner Ansicht nach die bis 2011 vorhandene große Popularität von "Weißen" in Taiwan deutlich abgekühlt. Daher sehe ich wie viele andere gebannt auf den Fall und frage mich immer, ob sich wieder neues Futter für eine Anti-Ausländercampagne der Medien in Taiwan ergibt.
Befremdlich für mich teilweise, als Deutscher mit einem Pakistani mit britischem Pass identifiziert zu werden. Aus taiwanischer Sicht sind offenbar Deutsche und Pakistani eine ähnliche Kulturfamilie. So wie mein kaiserlich erzogener Großvater wiederum eher Taiwaner und Pakistani in einen Topf geworfen und gegen Deutsche abgegrenzt hätte. Lustig irgendwie diese "wir und die"-Sichtweise.
Einer der Vorberichte zur Sache: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html
Aktuelle News: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201506240031.aspx
Ach ja, Zustände in taiwanischen Gefängnissen sieht man hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Es ist ein unter Ausländern in Taiwan oft heiß diskutiertes Thema, der Fall des britisch/pakistanischen mutmaßl. Todesfahrers Z.D., der im Jahre 2011 (Korrektur: schon 2010) einen taiwanischen Motorrollerfahrer betrunken zu Tode gefahren haben soll mit seinem alten Mercedes. Das "mutmaßlich" im Satz könnte man eigentlich weglassen, weil Z.D. in Taiwan rechtskräftig zu einer mehrjährigen Haftstrafe deswegen und wegen Microsoft-Lizenzverletzungen verurteilt worden ist. Allerdings gab es im Ermittlungsverfahren und während des Gerichts durchaus Friktionen, wie etwa eine massive gehirnwäscheartige Vorverurteilungscampagne seitens der Massenmedien und einiger Lokalpolitiker in Taiwan (mit monatelang wiederholten Fernsehbildern in der Endlosschleife), so dass man die Fairness der Verfahrens durchaus anzweifeln kann. Auch der Umstand, dass das ermittelnde Polizeirevier vom selben Syndikat geschmiert worden ist, dem ein zweiter einheimischer Verdächtiger (der nachweislich den Wagen in der Todesnacht genau wie Z.D. gefahren ist) angehört, lässt Zweifel an der Fairness des Gesamtverfahrens aufkommen.
Wie dem auch sei, Z.D. wurde in zweiter Instanz zu 4 Jahren Gefängnis verurteilt, wenn ich mich recht erinnere und floh dann nach Schottland. Hier wurde er wegen Fluchtgefahr inhaftiert während ein Auslieferungsverfahren gegen ihn läuft. In erster Instanz wurde Z.D.s Auslieferung nach Taiwan positiv entschieden. Doch in zweiter Instanz wird nun der schottische "High Court" wegen Einspruchs Z.D.s zunächst die Zustände in taiwanischen Gefängnissen prüfen, bevor er über die Auslieferung entscheidet. In diesem Verfahren geht es weniger um Schuld oder Unschuld sondern eher um die Rechtsgültigkeit taiwanischer Gerichtsentscheidungen für Schottland (das da recht autark ist nach britischem Recht) und neuerdings eben die Haftbedingungen. Wenn Z.D. immer noch in Abschiebehaft sitzt, wird er so am Ende mehr Zeit im Gefängnis zubringen, als wenn er die Zeit in Taiwan abgesessen hätte.
Die Marathonberichterstattung über den Fall hat meiner Ansicht nach die bis 2011 vorhandene große Popularität von "Weißen" in Taiwan deutlich abgekühlt. Daher sehe ich wie viele andere gebannt auf den Fall und frage mich immer, ob sich wieder neues Futter für eine Anti-Ausländercampagne der Medien in Taiwan ergibt.
Befremdlich für mich teilweise, als Deutscher mit einem Pakistani mit britischem Pass identifiziert zu werden. Aus taiwanischer Sicht sind offenbar Deutsche und Pakistani eine ähnliche Kulturfamilie. So wie mein kaiserlich erzogener Großvater wiederum eher Taiwaner und Pakistani in einen Topf geworfen und gegen Deutsche abgegrenzt hätte. Lustig irgendwie diese "wir und die"-Sichtweise.
Einer der Vorberichte zur Sache: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html
Aktuelle News: http://focustaiwan.tw/news/asoc/201506240031.aspx
Ach ja, Zustände in taiwanischen Gefängnissen sieht man hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html
Donnerstag, Juni 12, 2014
Schottland liefert "Todesfahrer" vermutlich an Taiwan aus
Der pakistanisch- oder indischstämmige Brite Z.D. wird vermutlich an Taiwan ausgeliefert
Zur Erinnerung: Z.D. war in Taiwan wegen einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge zu 4 Jahren Gefängnis in 2. Instanz verurteilt worden; wer nun den Tatwagen gefahren hatte, war während des Prozesses über längere Zeit strittig, da auch noch ein Taiwaner am Steuer saß während der verhängnisvollen Fahrt.
Der Fall des meist als pakistanischstämmig bezeichneten Briten Z.D., der in Taiwan eine kleine Computerfirma hatte oder eine Dependance davon und dem die ein oder andere unsaubere Geschäftspraxis nachgewiesen worden ist und der offenbar auch in Sachen betrunken Autofahren schon vorbestraft war, hat lange die Ausländergemeinde in Taiwan beschäftigt. Und die taiwanischen Medien generell. Auch das generelle Klima gegen westliche Ausländer wurde durch die teilweise hexenjagdartige taiwanische Berichterstattung meiner (und nicht nur meiner) Ansicht nach verschlechtert. Als die Berichterstattung ihren (lange andauernden) Höhepunkt erreicht hatte, sah ich mich jedenfalls plötzlich Pöbeleien auf den heimischen Straßen in Taipei ausgesetzt, die manchmal kurz vorm Angriff zu sein schienen, aber alle noch harmlos waren. Die sonst so populären "Weißen" sind plötzlich gar nicht mehr so beliebt in Taiwan, wenn die Medien eine große Kampagne gegen einen einzelnen westlichen Ausländer fahren.
Z.D. hatte die Haft nie angetreten, sich erst in die Schweiz und dann an seinen vor-Taiwan-Wohnsitz Schottland begeben. Dort hat ein Gericht nun entschieden, dass er ausgeliefert werden soll, es sei denn dass das schottische Justizministerium noch anders entscheidet oder ein Einspruch Z.D.s greifen kann.
Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/05/londoner-gericht-britischer-todesfahrer.html
Aktuelles Urteil:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201406110029.aspx
Sicher werden sich taiwanische Behörden jetzt selbst feiern, selbst der Präsident der Republik China aka Taiwan hatte die Auslieferung zur Chefsache erklärt und Taiwans Medien werden sicher viel Häme in Richtung Z.D. ausschütten, was den Medienzirkus um Z.D. von neuem anfachen wird mit den bekannten Folgen für die westlichen Ausländer hier. Ein Ruhmesblatt ist die Geschichte trotzdem nicht, mit einem Ermittlungsverfahren, bei dem das Polizeirevier ungefähr in der Zeit der Ermittlungen durch das Verbrechersyndikat geschmiert wurde, das auch den zweiten Fahrer des Unfallautos beschäftigt hatte (er war Parkwächter in einem Nachtlokal, das dem fraglichen Syndikat zuzurechnen ist). Und mit hexenjagdartigen Taiwan-Style Prozederen, bei denen Passanten Gelegenheit haben auf den Verdächtigen einzuschlagen. Und (vom Gericht sanktionierten) Entschädigungszahlungen an die Familie in Höhe von Hunderrtausenden US-Dollar, die sehr am Maximum von Schadensersatzforderungen in Taiwan in solchen Fällen liegen.
Obwohl die Faktenlage eher gegen Z.D. spricht finde ich persönlich es wenig gut, dass der taiwanische Staat hier mit seinem Korruptions- und Vorverurteilungszirkus, der Zweifel an einem fairen Verfahren aufkommen lässt, durchgekommen ist. Jetzt noch mehr als vorher gilt: Für westliche Ausländer gilt in Taiwan oft eine Sonderrechtsprechung - jedenfalls wenn sich die Presse einschaltet.
Trotzdem, am Ende der Geschichte, ist mir auch Z.D. wenig sympathisch, und gibt mit seinen krummen Geschäftspraktiken und Trunkenheitsvorstrafen sicher kein Paradebild von einem westlichen Ausländer in Taiwan ab Schade nur, dass medienhörige Leute auf der Straße einen öfter mal mit ihm in einen Topf werfen.
Zur Erinnerung: Z.D. war in Taiwan wegen einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge zu 4 Jahren Gefängnis in 2. Instanz verurteilt worden; wer nun den Tatwagen gefahren hatte, war während des Prozesses über längere Zeit strittig, da auch noch ein Taiwaner am Steuer saß während der verhängnisvollen Fahrt.
Der Fall des meist als pakistanischstämmig bezeichneten Briten Z.D., der in Taiwan eine kleine Computerfirma hatte oder eine Dependance davon und dem die ein oder andere unsaubere Geschäftspraxis nachgewiesen worden ist und der offenbar auch in Sachen betrunken Autofahren schon vorbestraft war, hat lange die Ausländergemeinde in Taiwan beschäftigt. Und die taiwanischen Medien generell. Auch das generelle Klima gegen westliche Ausländer wurde durch die teilweise hexenjagdartige taiwanische Berichterstattung meiner (und nicht nur meiner) Ansicht nach verschlechtert. Als die Berichterstattung ihren (lange andauernden) Höhepunkt erreicht hatte, sah ich mich jedenfalls plötzlich Pöbeleien auf den heimischen Straßen in Taipei ausgesetzt, die manchmal kurz vorm Angriff zu sein schienen, aber alle noch harmlos waren. Die sonst so populären "Weißen" sind plötzlich gar nicht mehr so beliebt in Taiwan, wenn die Medien eine große Kampagne gegen einen einzelnen westlichen Ausländer fahren.
Z.D. hatte die Haft nie angetreten, sich erst in die Schweiz und dann an seinen vor-Taiwan-Wohnsitz Schottland begeben. Dort hat ein Gericht nun entschieden, dass er ausgeliefert werden soll, es sei denn dass das schottische Justizministerium noch anders entscheidet oder ein Einspruch Z.D.s greifen kann.
Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/05/londoner-gericht-britischer-todesfahrer.html
Aktuelles Urteil:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201406110029.aspx
Sicher werden sich taiwanische Behörden jetzt selbst feiern, selbst der Präsident der Republik China aka Taiwan hatte die Auslieferung zur Chefsache erklärt und Taiwans Medien werden sicher viel Häme in Richtung Z.D. ausschütten, was den Medienzirkus um Z.D. von neuem anfachen wird mit den bekannten Folgen für die westlichen Ausländer hier. Ein Ruhmesblatt ist die Geschichte trotzdem nicht, mit einem Ermittlungsverfahren, bei dem das Polizeirevier ungefähr in der Zeit der Ermittlungen durch das Verbrechersyndikat geschmiert wurde, das auch den zweiten Fahrer des Unfallautos beschäftigt hatte (er war Parkwächter in einem Nachtlokal, das dem fraglichen Syndikat zuzurechnen ist). Und mit hexenjagdartigen Taiwan-Style Prozederen, bei denen Passanten Gelegenheit haben auf den Verdächtigen einzuschlagen. Und (vom Gericht sanktionierten) Entschädigungszahlungen an die Familie in Höhe von Hunderrtausenden US-Dollar, die sehr am Maximum von Schadensersatzforderungen in Taiwan in solchen Fällen liegen.
Obwohl die Faktenlage eher gegen Z.D. spricht finde ich persönlich es wenig gut, dass der taiwanische Staat hier mit seinem Korruptions- und Vorverurteilungszirkus, der Zweifel an einem fairen Verfahren aufkommen lässt, durchgekommen ist. Jetzt noch mehr als vorher gilt: Für westliche Ausländer gilt in Taiwan oft eine Sonderrechtsprechung - jedenfalls wenn sich die Presse einschaltet.
Trotzdem, am Ende der Geschichte, ist mir auch Z.D. wenig sympathisch, und gibt mit seinen krummen Geschäftspraktiken und Trunkenheitsvorstrafen sicher kein Paradebild von einem westlichen Ausländer in Taiwan ab Schade nur, dass medienhörige Leute auf der Straße einen öfter mal mit ihm in einen Topf werfen.
Montag, März 10, 2014
Britischer "Todesfahrer"-Expat, Update
Update über die unerfreuliche Dauergeschichte des indisch-britischen Expats Z.D. in Taiwan
Ein kurzes Update zu der Daueraffaire des Briten Z.D., der (im Jahre 2010 war das wohl) einen taiwanischen Motorrollerfahrer laut Gerichtsurteil bei einem Trunkenheitsunfall zu Tode gebracht und Fahrerflucht begangen hatte. Die Beweislage in dem Fall und das Vorgehen insbesondere der Polizei sind in diesem Fall unter Ausländern in Taiwan heftig umstritten, wobei sich die Expatgemeinde in der Regel in Pro-Z.D. und Contra-Z.D. aufteilt. Mein letzter Bericht zu der Affaire: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Ohne alles wiederholen zu wollen hier ein Update in Links (englischsprachig):
Z.D. steht derzeit in Schottland in einem Auslieferungsverfahren, das Taiwan beantragt hat, weil Z.D. ja seine Haftstrafe nicht angetreten hatte und sich stattdessen zunächst in die Schweiz und später nach Schottland abgesetzt hatte: http://www.edinburghnews.scotsman.com/news/crime/new-town-resident-fights-taiwan-extradition-bid-1-3323956
Seine Fluchthelfer in Taiwan (Freundin und ein anderer Brite) sind mittlerweile auch in Taiwan verurteilt wegen ihrer Beihilfe.
"Taiwans" Präsident Ma Ying-Jeou (sein Titel lautet: Präsident der Republik China) hatte seinerzeit die Auslieferung von Z.D. zur Chefsache erklärt und allein das Auslieferungsverfahren und der Umstand, dass Z.D. derzeit in Schottland in Haft einsitzt (wegen Fluchtgefahr) stellt sicherlich einen diplomatischen Erfolg Taiwans dar. Auch britische Lokalpolitik mag hier eine Rolle spielen: In Schottland findet im September eine Volksbefragung zur Herauslösung Schottlands aus dem Vereinigten Königreich statt und Schottland wendet bei dem Auslieferungsverfahren eigenes, schottisches (Autonomie-)Recht an. Hier ein Link zur Webseite von Taiwans regierender KMT-Partei, die sich mit dem Fall beschäftigt:
http://www.kmt.org.tw/english/page.aspx?type=article&mnum=112&anum=13975
War es Z.D. nun oder nicht? Ich weiß es natürlich auch nicht, allerdings sieht die Beweislage in meinen Augen nicht unbedingt vorteilhaft für Z.D. aus. Seine Verteidigung bei dem Auslieferungsverfahren derzeit will u.a. den Punkt machen, die in die taiwanischen Ermittlungen involvierte taiwanische Polizei (das betreffende Revier) sei korrupt gewesen und möglicherweise von der "Bande" des anfänglich zweiten möglichen Fahrers des Todesfahrzeugs (ein taiwanischer Nachtportier eines KTV-"Pufflokals") geschmiert worden, um einen der ihrigen von der Verdächtigenliste nehmen zu lassen. Nun, hier kann Z.D.s Verteidigung ganz einfach einen Punkt machen, sogar mit Hilfe der TAIPEI TIMES, die sonst sehr gegen Z.D. eingestellt ist:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2009/05/13/2003443470
Dieser Artikel in der TAIPEI TIMES belegt in der Tat, dass jedenfalls eine kurze Weile vor dem Unfallzeitraum führende Beamte u.a. von den Banden der KTV-Lokale bestochen worden sind.
Sollte sich Taiwan hier beim Auslieferungsverfahren durchsetzen, so wird das hier den Eindruck geben, man könne bei Ausländern ruhig eine landesweite monatelange extreme Vorverurteilungscampagne gegen den Verdächtigen fahren und korrupte Polizisten in den Ermittlungen haben. Denn beides war in Z.D.s Fall gegeben. Wird Z.D. nicht ausgeliefert, wird das vermutlich anti-Westler-Ressentiments in Taiwan fördern, denn meine Wenigkeit und andere westliche Ausländer in Taiwan meinten während der enormen Mediencampagne gegen Z.D. auf der Straße eine unangenehme Stimmung erfahren zu haben, wenn man da als "Bleichgesicht" herum lief. Gucken wir, wie es weiter geht.
Ein kurzes Update zu der Daueraffaire des Briten Z.D., der (im Jahre 2010 war das wohl) einen taiwanischen Motorrollerfahrer laut Gerichtsurteil bei einem Trunkenheitsunfall zu Tode gebracht und Fahrerflucht begangen hatte. Die Beweislage in dem Fall und das Vorgehen insbesondere der Polizei sind in diesem Fall unter Ausländern in Taiwan heftig umstritten, wobei sich die Expatgemeinde in der Regel in Pro-Z.D. und Contra-Z.D. aufteilt. Mein letzter Bericht zu der Affaire: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/britischer-todesfahrer-in-schottland-in.html
Ohne alles wiederholen zu wollen hier ein Update in Links (englischsprachig):
Z.D. steht derzeit in Schottland in einem Auslieferungsverfahren, das Taiwan beantragt hat, weil Z.D. ja seine Haftstrafe nicht angetreten hatte und sich stattdessen zunächst in die Schweiz und später nach Schottland abgesetzt hatte: http://www.edinburghnews.scotsman.com/news/crime/new-town-resident-fights-taiwan-extradition-bid-1-3323956
Seine Fluchthelfer in Taiwan (Freundin und ein anderer Brite) sind mittlerweile auch in Taiwan verurteilt wegen ihrer Beihilfe.
"Taiwans" Präsident Ma Ying-Jeou (sein Titel lautet: Präsident der Republik China) hatte seinerzeit die Auslieferung von Z.D. zur Chefsache erklärt und allein das Auslieferungsverfahren und der Umstand, dass Z.D. derzeit in Schottland in Haft einsitzt (wegen Fluchtgefahr) stellt sicherlich einen diplomatischen Erfolg Taiwans dar. Auch britische Lokalpolitik mag hier eine Rolle spielen: In Schottland findet im September eine Volksbefragung zur Herauslösung Schottlands aus dem Vereinigten Königreich statt und Schottland wendet bei dem Auslieferungsverfahren eigenes, schottisches (Autonomie-)Recht an. Hier ein Link zur Webseite von Taiwans regierender KMT-Partei, die sich mit dem Fall beschäftigt:
http://www.kmt.org.tw/english/page.aspx?type=article&mnum=112&anum=13975
War es Z.D. nun oder nicht? Ich weiß es natürlich auch nicht, allerdings sieht die Beweislage in meinen Augen nicht unbedingt vorteilhaft für Z.D. aus. Seine Verteidigung bei dem Auslieferungsverfahren derzeit will u.a. den Punkt machen, die in die taiwanischen Ermittlungen involvierte taiwanische Polizei (das betreffende Revier) sei korrupt gewesen und möglicherweise von der "Bande" des anfänglich zweiten möglichen Fahrers des Todesfahrzeugs (ein taiwanischer Nachtportier eines KTV-"Pufflokals") geschmiert worden, um einen der ihrigen von der Verdächtigenliste nehmen zu lassen. Nun, hier kann Z.D.s Verteidigung ganz einfach einen Punkt machen, sogar mit Hilfe der TAIPEI TIMES, die sonst sehr gegen Z.D. eingestellt ist:
http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2009/05/13/2003443470
Dieser Artikel in der TAIPEI TIMES belegt in der Tat, dass jedenfalls eine kurze Weile vor dem Unfallzeitraum führende Beamte u.a. von den Banden der KTV-Lokale bestochen worden sind.
Sollte sich Taiwan hier beim Auslieferungsverfahren durchsetzen, so wird das hier den Eindruck geben, man könne bei Ausländern ruhig eine landesweite monatelange extreme Vorverurteilungscampagne gegen den Verdächtigen fahren und korrupte Polizisten in den Ermittlungen haben. Denn beides war in Z.D.s Fall gegeben. Wird Z.D. nicht ausgeliefert, wird das vermutlich anti-Westler-Ressentiments in Taiwan fördern, denn meine Wenigkeit und andere westliche Ausländer in Taiwan meinten während der enormen Mediencampagne gegen Z.D. auf der Straße eine unangenehme Stimmung erfahren zu haben, wenn man da als "Bleichgesicht" herum lief. Gucken wir, wie es weiter geht.
Labels:
Ausländer,
expats,
Kriminalität,
Verkehr,
Z.D.
Abonnieren
Posts (Atom)