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Donnerstag, November 12, 2015

Wirre Geschichte: Security-Guard attackiert Ausländer in Metro (Update)

Da trägt ein Taiwaner die Uniform eines Security-Guards eines offenbar dänischen Unternehmens in Taipei und attackiert einen westlichen Ausländer in Taipeis Metro MRT mit offenbar rassistischen Sprüchen.

http://michaelturton.blogspot.com/2015/11/something-to-watch-out-for-racist-suit.html


Das Video will nicht richtig laden bei mir. Nach dem was ich sehen kann spielt vielleicht eine weibliche Begleitung des Ausländers eine Rolle und offenbar fällt irgendwo eine Formulierung, die in Richtung "Hure" geht. Von so einem Vorfall habe ich in Taiwan noch nie gehört, es handelt sich um einen Einzelfall würde ich sagen. Der Attackierer legt es offenbar darauf an geschlagen zu werden und fordert den Ausländer sogar dazu auf. Möglicherweise schielt er auf eine teure Klage, die er dann dem Ausländer anhängen könnte und hofft wohl nicht zu Unrecht - nach allen Erfahrungen - für diesen Fall auf Solidarität von Polizei und Gericht. Der Ausländer lässt sich von dem Herrn aber nicht provozieren.

Schon bizarr, für ein "Laowai"-Unternehmen in Taiwan zu arbeiten und dann einen Laowai in der Metro anzumachen. Hoffentlich verfährt der Securitymensch da großzügiger mit Geschäftsbesuchern des Unternehmens ;-)

Auf der Facebookseite des Unternehmens wird der Fall diskutiert. https://www.facebook.com/issworld/
Wer weiß was dahinter steckt. Es wäre das erste Mal, dass Aktionen wie irgendwelche Popmusik-Videos, die einheimische Damen dazu auffordern, sich nicht mit Ausländern einzulassen (das Taiwanblog hatte berichtet) Früchte tragen würden. Sehen wir es lieber als Einzelfall eines sehr gestressten Menschen.

Grundsätzlich würde ich sagen hat sich die "Willkommenskultur" der Taiwaner für uns Weißbrote von "extrem freundlich" im Jahre 2004 (als ich hier angekommen bin) über die Jahre hin zu "neutral" verschoben. Wobei wohl auch die häufigen Anti-Ausländerstories in der Taiwanpresse eine Rolle spielen.

EDIT: Wie man auf Forumosa.com sieht, bearbeitet die Polizei den Fall offenbar nicht. Hingegen wäre ein Ausländer, der einem Taiwaner gegenüber beispielsweise "Fuck you" sagt, sehr schnell zu einer Geldstrafe verurteilt. Das ist schon recht häufig vorgekommen. Man sollte sich nicht provozieren lassen, bereit stehende Smartphones vom Angreifer oder von Passanten warten nur drauf, ein "Fuck you" oder gar eine Handgreiflichkeit seitens eines westlichen Ausländers aufzuzeichnen***. Auch wenn dieser Fall hier vermutlich anders ausgehen wird.

UPDATE: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=153510&start=30
Wieder mal ist das Video der Metro-Videoüberwachung schon gelöscht worden (nach 7 Tagen) bevor die überarbeitete Polizei dazu gekommen ist, es sicherzustellen. Das passiert in Taiwan grundsätzlich, wenn etwas für einen Ausländer entlastend sein könnte und ist schon fast ein Sprichwort in der Ausländergemeinde geworden. Und beim Transfer des Smartphonevideos von einer Police Unit zur nächsten ging das Video auch verloren. Nun gut, es ist ja im Internet zu finden.

UPDATE 2: Das dänische Unternehmen ISS stellt offenbar weltweit Dienstleistungen von Gebäudereinigung bis hin zu Security zur Verfügung. Allerdings war der Wachmann wohl nicht für die MRT tätig sondern reiste privat in der MRT.


*** Ein Beispiel für eine gelungene Shitstorm-Attacke auf eine US-Amerikanerin, die in der MRT wie viele Taiwaner auch einen Sitzplatz mit Einkaufstüten blockierte. Ein Seniorin verlangte von ihr die Freigabe des Sitzplatzes, obwohl ein benachbarter Seniorensitzplatz offenbar frei war. Die kecke Antwort, von einem Mitreisenden gefilmt, kostete der Amerikanerin ihre berufliche Existenz in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html
Fast immer sind Taiwan neutral oder freundlich, aber wenn "die Kacke am Dampfen" ist, man also irgendwie in eine Situation mit einem aggressiven Taiwanerer geraten ist oder selbst merkt, dass man unbeherrscht wird, dann gilt: Das nächste Smartphone im Videomodus ist vermutlich nur ein paar Meter entfernt. Und im finalen Schnitt steht man dann in den Taiwan-Medien sehr ungünstig dar. Etwa hatte die Taiwanpresse damals den freien Sitzplatz herausgeschnitten...

Montag, Juni 15, 2015

Taiwanerinnen, schlaft nicht mit Ausländern...

... sondern lieber mit Taiwanern

So krass und kalt würden es die Taiwaner nie sagen, aber seit einiger Zeit gibt es eine Diskussion um ein Musikvideo, das offensichtlich Ausländer - repräsentiert durch die in der öffentlichen Meinung dominierenden recht jungen Weißen - im negativen Licht darstellt und Taiwanerinnen dazu auffordert "lieber das einheimische Produkt schätzen zu lernen" statt den (weißen) Ausländermann. Die ganze Diskussion, die ich nicht im Detail führen will hier beispielsweise im hervorragenden Blog vom Taiwanexplorer: http://taiwanexplorer.blogspot.tw/2015/06/racist-music-video-against-foreigners-in-taiwan.html
Warum es da "Blackface is bad" im Video heißt, ich will es nicht wirklich wissen. Ich bin schlichtweg zu lange hier um mich so sehr um die Meinung irgendwelcher Einheimischer über mein Ausländeraussehen zu kümmern. Kurz gesagt habe ich in Taiwan folgende Phasen erlebt in der Öffentlichkeit:

2004-2011 etwa:
Oft Glorifizierung auf der Straße, Fragen ob man den Kindern Englisch beibringt. Kichernde junge Frauen und Kinder. Auch gestandene Männer die aufgeregt auf einen zeigen und dabei "Waiguroen! (Ausländer)" rufen. Oft habe ich mich über das "Adogah" geärgert, was wohl "Großnase" heißt, aber von Taiwanern als normales Wort für Ausländer gebraucht wird. Das "Laowai" (etwa: Ausländerhäuptling/Ausländerchef) habe ich in ironischen und positiven Konnotationen kennengelernt. Ich hatte Kinder, die auf der Straße hinter mir her tanzten und "Laowai! Laowai!" und einen Reim aus der Fernsehwerbung riefen, weil ein TV-Spot für gesunden Multivitaminsaft veritable schwarze Höhlenmenschen als Laowai bezeichnete und die Kinder dazu aufforderte nicht bei Laowai zu essen und in dem Spot so getanzt wurde. Irgendwann fing ich an die Leute zu ignorieren und habe es bis heute so belassen.

2011-heute:
Wohl die endlose Medienberichterstattung um den vmtl. englisch/pakistanischen Todesfahrer Zain D. (einer der Berichte hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/04/endlosgeschichte-um-fluchtigen-briten.html) hat nicht nur meiner Meinung nach ein Umschwenken in der öffentlichen Wahrnehmung von westlichen Ausländern gebracht. Mir ist bewusst, dass man Zain D. nicht unbedingt als westlichen Ausländer sehen muss, aber im smarten Businessanzug und unter Erwähnung seiner britischen Staatsbürgerschaft kam er in den Medien so rüber. Seither war die oft alberne Freundlichkeit weg und ich habe seither stattdessen eher einen gelegentlichen bösen Blick irgendeines Passanten und manchmal etwas Anpöbeln festgestellt. Aber das gab es vorher eigentlich auch schon. So dass im Ergebnis die Zain D. - Berichterstattung vielleicht einfach nur die alberne Überfreundlichkeit der Taiwan "weggehoben" hat. Im Ergebnis werde ich heute mehr in Ruhe gelassen als früher, in so fern ist es eigentlich angenehmer.

Meine These vor 2011 war immer, dass die oft überbordene Berichterstattung über Fehltritte oder Schlimmeres (oder Nichtigeres) von Ausländern in der oft übertriebenen Beliebtheit des ausländischen "Gastes" fußten und die Taiwanpresse eben Einschaltquote und Auflage damit machte, die eigentlich beliebten Ausländer "vom Sockel zu stoßen", auf den die Taiwaner sie gestellt hatten. Ähnlich wie wir alle ja auch Spaß daran haben Nachrichten von Filmstars oder bekannten Sängern zu lesen, die auf öffentlichen Toiletten oder mit Prostituierten oder mit Alkohol und Drogen in Schwierigkeiten geraten. Was man auf den Sockel hebt, lässt man auch mal gern wieder herunter krachen. Da die negativen Ausländerstories zumindest zeitweise das positive Bild des Ausländers ins negative kehrten war immer meine Theorie, dass sie die Zustände in Taiwan damit normalisieren. Sprich ist der Ausländer hinreichend und permanent vom positiven Sockel geholt, wird er damit mehr zum Normalo und die Pressehetzstories gegen einzelne Ausländer (als unverschämte Vertreter ihrer Gattung) würden sich auch nicht mehr so sehr verkaufen.

Ist das nun eingetreten oder geht es weiter Richtung Südkorea? Wie Expats von dort berichten, ist es üblich, das in der Öffentlichkeit Kampagnen gegen Weiße pauschal gefahren wurden, etwa Busse mit den englischen Hinweisen, privat Englischunterricht zu geben sei illegal oder eine TV-Show, die die Leute dazu aufforderte weißen Männern auf der Straße zu sagen sie sollten die Hände von einheimischen Frauen lassen - was dann auch geschah.

Das obige Musikvideo geht sicher in die Richtung. Taiwan, willst du nun südkoreanisch werden? Und lieber Mitsteuerzahler in Taiwan, wenn ihr mich an der Hand von meiner Frau anquasseln wollt in dieser Hinsicht mit eurem Buxibanenglisch, dann erwischt nicht gerade einen Tag, an dem ich wegen Smog, Verkehr und 14-Stunden - Arbeitstag schlechte Laune habe. Und überlegt euch vorher, was euch das eigentlich anginge. Aber solche Geschichten werdet ihr mit eurer fernöstlichen Weisheit doch nicht machen wollen, oder? Würde ja auch schwierig meiner Frau etwa beim Tragen der Tasche zu helfen, wenn ich sie nicht anfassen dürfte, gell?

P.S: In dem Musikvideo selbst hat sich einer der Sänger die Haare blond gefärbt und tritt im Porsche als missionierender Englischlehrer auf, der offenbar von den einheimischen Damen nur das eine will. Alles recht niedlich und naiv - eben wie Taiwaner oft mit Ausländern umgehen. Es wird sich viel über die schlechte Aussprache und Grammatikfehler von chinesischsprechenden Ausländern lustig gemacht. Ich erinnere mich noch gut, dass mir mein Anfangselan zum Chinesischsprechen durch das ständige offene Auslachen genommen wurde. Aber so ist es nun mal hier. Mir fehlt die Lust mich wirklich damit zu beschäftigen. Dieser Artikel soll keine Beschwerde sein, drückt nur ein bisschen Sorge aus ob der Anti-Ausländerwirbel von Presse und bisweilen Facebook nun noch weiter geht...