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Mittwoch, Oktober 28, 2009

Euter, Scooter


Taiwan erlaubt die unbeschränkte Einfuhr von amerikanischem Rindfleisch, manche Taiwanesen demonstrieren dagegen und der Chef der amerikanischen Vertretung in Taiwan lässt verkünden, die Taiwanesen sollten sich lieber um ihre Mopeds Gedanken machen, die seien viel gefährlicher als Kühe; amerikanische Kühe seinen sicher.


Junge Taiwanesen beim Milchkonsum in der Gruppe. Die Angst vor einen Razzia steht den Menschen ins Gesicht geschrieben.... ;-)

"Eben nicht", möchte man da entgegnen, jedenfalls nicht vorm Schlachter, und es ist auch besser es fällt einem ein Moped auf den Fuß als eine amerikanische Kuh (besonders wenn mit hohen Absätzen), aber die TAIPEI TIMES hat eine viel bessere, subtilere Entgegnung parat und überschreibt den Artikel mit UDDER NONSENSE (statt "utter nonsense"), auf Deutsch etwa "EUTER NONSENS" statt "ÄUSSERSTER NONSENS": http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2009/10/28/2003457028
Fällt bestimmt nicht allen Lesern auf :-)

Apropos zynisch

Also, für einen Expat ist es ganz natürlich zynisch zu sein, Zynismus ist schließlich gegen gesellschaftliche Grundwerte gerichteter Sarkasmus, das Letztere eine herabwürdigende Stilform und wenn die gesellschaftlichen Grundwerte nicht die eigenen sind, wie hier in Asien, ist man schnell Zyniker.
Außerdem ist das Leben viel, viel zynischer als ich je sein kann. Siehe hier (http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,657563,00.html), eine Mannschaft fußballspielender ERDNUSSverkäufer wird in Lateinamerika für eine paramilitärische Einheit gehalten, entführt und umgebracht. Geht es noch zynischer, wenn man da oben im Himmelszelt sitzt und das alles lenkt?


Latrine läutet Sturm.

Deswegen habe ich schon in frühester Kindheit beschlossen, keine göttlichen Entitäten anzubeten***. Entweder sind sie desinteressiert und lassen uns alleine rummachen, ohne Eingriff oder sie denken sich all die Grausamkeiten aus. In ersterem Fall sind die Götter dann ehr hoch wohnende Nachbarn, aber nicht anbetungswürdig und im zweiten Fall würde ich ihnen maximal eine Latrine weihen, aber keine Kirche.


So, bäh.

*** Höchstens auf Gegenseitigkeit. Ein Wunderchen hier gegen ein kleiens Gebetchen etc.

Dienstag, Oktober 27, 2009

Braune Soße


Bitte raten, wer ist Harry?
Dienstliche Weihnachtsfeiern sind immer nervig, auch ohne die merkwürdigen Frisuren...


Wo wir einmal bei dem alten Auto sind, da fiel mir eine Altlast ein, die ich seit ewigen Zeiten mit mir herumschleppe. Mein Onkel, nennen wir ihn Harry (so hieß er schließlich) hat mir nicht nur einen meiner zwei Mittelnamen hinterlassen, sondern auch sein fotographisches Tagebuch, mir von seiner Witwe überreicht und ich würde es ja vielleicht zu schätzen wissen. Fotografiert hat der Harrymensch seine ganzen Auslandsreisen, woran an sich nichts Schlimmes wäre, hätte er sie nicht in Uniform und mit Schießstock unternommen, namentlich im zweiten Weltkrieg. Merkwürdig ist der Stil des papiernen Blogs, zig kleinformtige Fotos, wie damals üblich, Kommentare darunter geschrieben, die einzelne Bilder, auch wenn todernst, in einen unernsten oder gar zynischen Kontext setzen, wobei mir unklar ist, ob das gewollt ist oder nicht. Bilder von halbierten Soldaten, massenhaftem Kriegsschrott (aha, Polen hatte also noch Doppeldecker), Kriegsgefangenen und auch von osteuropäischen Juden, die offenkundig gerade gejagt wurden. "Zusammengetrieben" beschreibt wohl, was mein Onkel und die Wehrmacht da taten, aber ich suche vergebens nach einem passend klingenden Wort für dieses Übel. Der Fotograf hat sich aber mehr für die Gesichter und die Locken der orthodoxen Juden interessiert, durfte aber vielleicht auch nicht die Arbeit der unseeligen Wehrmacht bei der Judenverfolgung zeigen. Mit Schreibmaschine getippte Regimentsgedichte und -Zeitungen, unschön arrogante Poesie, Fotos von Weihnachten an der Front und am Schluss eine ganz verblüffende Wendung. Russlandfeldzug ja, Gefangenschaft dort aber ehr in Frankreich und dann aber doch nicht so richtig gefangen, sondern.... na ja, wenn ich es doch noch publiziere, will ich nicht gleich alles verraten. Der im Nachkriegsleben recht erfolgreiche Kohlenhändler scheint im Krieg ein wahres Schlitzohr (und Feldjäger) gewesen zu sein. Oder erweckt sein Fotoroman, der leider entsetzlich durcheinander ist, nur diesen schlitzohrigen Eindruck?

Mir juckt es in den Fingern ihn zu publizieren, in Auszügen, als "Harrys Krieg" als Fortsetzungsroman, allerdings kennen wir alle das Ende. Kommentiert natürlich, um die zeitgenössiche Rethorik zurecht zu stutzen. Oder lasse ich es lieber doch? Einen ersten Versuch in meinem mittlerweile von mir gelöschten alten Blog (in einem denaturierten Social Network namens Passado, das es heute nicht mehr gibt) habe ich nach einer vorsichtigen Anfrage gleich wieder eingestellt, nachdem in den Kommentaren besoffene Heil Hitler -Scherze zu lesen waren. Also, Meinungen?

Sicherlich schwierig, eine Verharmlosung des Themas zu vermeiden, aber möglich. Ein eigenes Blog machen dazu möchte ich eigentlich nicht, um nicht als Weltkriegsblogbetreiber dazustehen und falsch angesehen zu werden.

Also, Meinungen?

Wie die Zeit vergeht...

Neulich im Zoo Hannover, auf Heimatgang. Ich meine Heimat Hannover, nicht den Zoo.

Als Dekoration war da dieser Hannomag zu sehen. Heute kennt man ja vielleicht in Hannover noch die Hanomagruine, wo steinerne Arbeiter mit bloßen Oberkörper und Amboss and die Nazizeit erinnern. Im Krieg*** wurden da Flugzeugteile etc. hergestellt und vormals sogar Autos, der legändäre Komissbrot Volks-PKW (in den 20ern), benannt nach einem Soldatenbrot mit runder Front und rundem Heck und ein großer, der Hanomag Rekord. Ich glaube ein solcher ist es im Foto, ein Hanomag auf jedemfall, das stand auch dran :-)

Mein Großvater hat damals die Endkontrollen von den Autos gemacht und mir später oft vom "Rekord" vorgeschwärmt. Nicht dem Opel, sondern den Hannomag. Autos aus Hannover, bizarr. Wie doch die Zeit vergeht, heute ist der Rekord, an dem mein Großvater herumgemessen und geprüft hat (jetzt müsste ich erwähnen, dass er da Abteilungsleiter war und nicht am Band, sonst wäre er beleidigt), nur noch Hühnerdekoration im Zoo.

"Was redet der da? Weitergehen, weitergehen, nicht den ganzen Verkehr aufhalten. Immer diese Touristen..."

*** He, nicht dass irgendjemand denkt, ich wollte diese gottverdammte Nazizeit in romantisches Licht tauchen. OK OK, der Herr da oben im Bild zieht schon wieder die Stirn kraus. OK OK weitergehen zu den Pinguinen, schon klar...

Montag, Oktober 26, 2009

Neffe verpickelt/Land verhutzelt

[Aus Taipei, Taiwan] Kaum habe ich die wundersame Wandlung meines Lieblingsneffen vom pummeligen zuckenden Balg zum eleganten jungen Mann erwähnt (http://bobhonest.blogspot.com/2009/10/mein-neffe-das-wunderkind.html), da hat sich seine Nase dermaßen verpickelt, dass sie wie ein Fliegenpilz auf Landgang aussieht. Und nichts hilft gegen Pubertätspickel. Wie alle Teenager habe ich damals ein Vermögen für die Scheinprodukte dieser verdammten Firma KLEVERSPIEL (Name v.d.Red. geänd.) ausgegeben, doch es hat nie etwas genutzt. Wie ein Unternehmen Ewigkeiten existieren kann, dessen Produkte nicht die geringste Wirkung haben, ist mir ein Rätsel. Färben seit Jahrzehnten das selbe wirkungslose Wässerchen um und es bringt absolut nichts.
Kann natürlich auch sein, dass die Pickel vom Fernsehprogramm hier in Taiwan kommen, denn am Wochenende hat der Sender Cti wieder chinessiche Propaganda gesendet, was die in China für tolle Hochhäuser haben und das blutrote Banner der Volksrepublik wehte die ganze Zeit dazu. Die regierende Bambusgang-Triade, auch als KMT bekannt, und ihr "Präsident" wollen die Insel Taiwan offensichtlich auf den angestrebten Anschluss ans diktatorische China vorbereiten und damit die Demokratie Taiwans elegant entsorgen. Kein Wunder, dass man da Pickel kriegt, meine Nase juckt auch schon den ganzen Morgen.


Preisgünstig abzugeben: Pickelistan (kriegt man hier wirklich leicht, die Pickel)


CHANGE, Wechsel, hat unser lokaler KMT-Kanditat in Chungli auf sein Wahlplakat geschrieben, offensichtlich Obama kopierend; momentan sind gerade Kommunalwahlen. Nur wenn ein Land schon ein gut funktionierender Rechtsstaat ist, dann klngt CHANGE ehr wie eine Drohung.

Ändern müsste sich erstmal die chinahörige und mit der Bambusgang-Tridate verbandelte KMT, bevor sie ihren hässlichen Rachen aufreißen kann, um solche Slogans heraus zu posaunen. Verdammt, die Nase juckt schon wieder...

Breaking News von nationaler Tragweite:

Hat unsere diebische Nachbarin wieder zugeschlagen? Huhn auf unserem Dorfe geklaut und gegessen, Besitzer erleidet Herzinfarkt

Christentum schlecht für Taiwan: Kaum sind sie missioniert, rennen sie leicht bekleidet, nur in Shorts und mit Holzkreuzen herum und demonstrieren gegen Gays. Sollen sich lieber um ihre Pickel kümmern.

Donnerstag, Oktober 22, 2009

Wiedelveleinigung? Pfui Deibel!


Die Taipei Times in Taiwan ist eine der beiden großen englischsprachigen Zeitungen Taiwans, neben der China Post und wie man schon am Namen merkt, sind beide sehr gegensätzlich ausgerichet. Während die China Post für die derzeitige Regierungspartei KMT ist und Taiwan im Wesentlichen als zu China zugehörig ansieht (auch wenn damit die gesamte chinesische Nation und nicht etwa die Volksrepublik China klassischerweise gemeint war), sieht die Taipei Times, die die formale staatliche Unbhängigkeit Taiwans (das formal Republik China heißt) unterstützt, Taiwan eben als eine Art Proto-Republic of Taiwan und tut sich mit dem offiziellen Staatsnamen schwer. Folgerichtig unterstützt die Taipei Times entsprechend die derzeitige taiwanesische Opposition DPP, die für ein demokratisches und selbständiges Taiwan ist und nicht will, dass Taiwan in der Diktatur Chinas aufgeht.


Wenn einen dicke Fische schlucken wollen, muss man sich zur Wehr setzen! Straßenszene in Taipei

Da der jetzige taiwanesische Präsident Ma Ying-Jeo (er selber würde sich so lieber nicht nennen, da er sich als Chinese sieht) die Wiedervereinigung mit China betreibt (Wirtschaftsunion vollzogen, Gespräche über die politische Union sollen bald folgen), sind Anhänger der Oppostion (DPP und assoziierte Parteien) in Taiwan naturgemäß keine Freunde einer Wiedervereinigung. Interessant, dass die chinakritische Taipei Times daher heute einen Artikel im Internet hat, in dem sie die Zeit betont, in der in der untergehenden DDR die Intellektuellen gegen die Wiedervereinigung mit Westdeutschland waren und lieber eine wahrhaft demokratische DDR wollten (http://www.taipeitimes.com/News/editorials/archives/2009/10/22/2003456530).

Ich erinne mich noch gut an die Zeit, als hin und her diskutiert wurde, ob es nun einen oder zwei deutsche Staaten geben soll und wie das Gesamtding, wenn es denn dazu kommt, heißen soll. Bundesrepublik Deutschland? Deutsches Reich? Deutsche Konföderation? Deutscher Bund?

Offensichtlich haben wir uns entschieden, von der DDR ist wohl nur das Recyclingsystem geblieben, hat mal jemand gesagt.

Nun ja, hoffen wir, dass die Parallelen zwischen der DDR und Taiwan (oft kurz ROC genannt; Republic of China) nicht allzu groß sind, denn es wäre schön wenn eine Daiwanische Demokratische Republik erhalten bliebe, man verzeihe mir die Schreibweise.

Mittwoch, Oktober 21, 2009

Linux-Cluster

Damned, das war eine nette Sache. Der Hardwarehersteller, für den ich hier in Taiwan tätig bin, stellt Motherboards und ganze Server und Notebooks etc. her. Jetzt wollte eine Großkunde, der sich, sagen wir 100 Boxen bestellt hat (oder 1000, was weiß ich), einfach ein Linuxcluster daraus bauen, nur eine der Boxen installieren (spart ja Arbeit) und von dieser Serverbox aus die anderen Rechner fernsteuern. Witzigerweise sollte also nur die Serverbox eine Festplatte habe. Alle 100 Rechner sollen dann aber LINPACK, eine Applikation zum Performanztest (oder auch Hitzetodbeständigkeitstest) laufen lassen. Kunde hat es selbst nicht hingekriegt, ich habe es jetzt laufen. Gut, mit drei Rechnern. Hätte komisch ausgesehen, wenn ich 100 in meinem Cubical aufgebaut hätte. Was mit dreien geht geht aber auch mit mindestens 255 oder mehr. Tausend müsste auch gehen, jawoll. Na, dann sagen wir mal dem Kunden wie das geht.

Weil man die Rechenlast nur auf den Server gibt und der sie dann selbstständig weiterverteilt, ist das ganze auch für richtig schwierige Berechnungen zu gebrauchen. Solche Linuxcluster machen ja Großrechnern mittlerweile Konkurrenz. OpenSuse11.1 habe ich verwendet, denke nicht, dass irgendjemand das mit Windows hinkriegt...

P.S.: Die Tricky Dicky-Kunden erwecken gerne den Eindruck, die Boxen seinen kaputt, wenn sie sowas Schwieriges nicht hinkriegen ;-)

Mein Neffe, das Wunderkind

Mein Lieblingsneffe heißt "Robby", Name von der Redaktion geändert, also eigentlich heißt er sowieso anders auf Kinesisch, aber Robby ist sein englischer Name und sie sprechen es alle Looooobby" oder so. Lobby hatte immer schon ein halb zugeschwollenes Auge, war klein und pummelig, sprach Englisch (immerhin!) mit der Intonation eines Komatösen, so dass ich immer auf seine Englischvorträge, die ich im Familienkreis anhören musste, gefreut habe. Alle Eltern wollen ja die Genialität ihres Sprösslings vorführen und er lernt ja noch Klavier, Flöte, Fussball, Schwimmen und Kauen, da ist es klar, dass seine Vorträge wie "Todayiwantototellyouaboutthedaywhenifellfromthebycicle butthenmymumcameandpickedmeupdiditell
youaboutthepolutionitisreallybadintaiwanand nowletustakethebycicletogotothewoodandthenmynosefelloff"
gefreut habe; man stelle sich das eine halbe Stunde lang vor. Außerdem spielte er ständig an iPhone, iCrackpot, Bigfoot, Computerconsole, Videogames, Armbandwatch mit iFakeorgasm und Tamagottchi (Gesundheit!) herum, so dass er diese Gesichtszuckungen entwickelte. Das wäre alles nicht so schlimm gewesen, wenn er nicht auch noch wie ein Wahnsinniger 12 Stunden am Tag diese japanischen Mangas mit rot-blitzenden Stroboskopeffekten gesehen hätte, wo aus dem einen Stererolautsprecher Japanisch und aus dem anderen Chinesisch dröhnt, während die ganze Familie mit 120 Dezibil gegen den Fernseher anschreit und die kleinen Neffen mit diesen Gummikeuelen die man für die neuste Spielkonsole "Fucktendo" von Bukkaenterprises Osaka kriegt, auf dem Tisch hämmern, dass die Lampe (mit Stroboskopeffekt) wackelt. Er hatte dann seine Zuckungen kreativ umgesetzt, indem er die Mimik seiner Lieblingscartoonfigur nachmachte, ein fetter Kater namens Doreamon oder Schaudingdang, der immer den Mund ganz weit aufriss. Das machte RobertoBlanco oder wie war sein englischer Name dann auch, vorzugsweise im Restaurant, wenn er gerade das halbe Buffet in sich reingestopft hatte.

Ricardo oder wie er heißt war mein Lieblingsneffe, immer kannte er die besten Filme, die wir uns bei wochendendlichen Fernsehsessions aus der Videothek geholt haben, haben uns mit Käsechips vollgestopft bis er und Frau eingeschlafen sind und ich mich leise in mein Zimmer verzogen habe, um einen Horrorfilm zu gucken, inspiriert von seinen Kaumanieren, während unten der Zeichentrickfilm weiterlief.

Und heute? Na ja, vor drei Wochen hatte er plötzlich ein Ding namens Pubertät, interessiert sich nicht mehr für Onkel (mich) oder Tante, sondern für Fahrräder, das Auge ist völlig normal, er ist schlank, kräftig mit blitzendem Haar und elastischen Muskeln und fast so groß wie ich, dabei ist er grade mal 13, macht seine Englischaufgaben selber, redet wenn er mit mir redet in perfektem Englisch und sitzt 24h, wenn er nicht gerade in der Schule ist, vor seinem Computer, man sieht ihn kaum noch. Gut sieht er auch noch aus, wie James Dean und Charlie Chan in einem. Na kein Wunder, bei dem Onkel, sogar ohne Blutsverwandtschaft.

Der elegante junge Mann, der jetzt Ruprechts ?wie hieß er doch gleich? Zimmer bewohnt erstaunt mich immer wieder. Die Wandlung vom kauproblembehafteten Twen zum jungen Mann hat etwas unheimliches, fast kommt sie einem Genozid nah. Mein zuckender Lieblingsneffe hat seine eigene Pubertät nicht überlebt, der arme Kerl, jetzt wohnt ein anderer in seinem Zimmer.

Donnerstag, Oktober 15, 2009

Wo sind meine Millionen, mir fehlt ein Pfenning zum Glück

Harmlos sehen sie aus...

Der Vorsitzende eines Goethe-Instituts in China empfiehlt, sich eine chinesische Frau zu nehmen, wenn man Millionär werden wollte (LINK). Chinesinnen seinen zielstrebiger und härter und man solle sich durch die "zarte Haut" nicht täuschen lassen. Europäer würden eine sanfte, fügsame Fau erwarten und seien dann erstaunt, sinngemäß.

Rote Schuppen, nicht zarte Haut. Hust. Vom Rauch. Und wo sind meine Millionen (habe ja eine Frau aus der Republik China)? Wieso sind meine Konten leergefegt?

Fragen über Fragen.

Ludigel



Auflösung: Die hiesigen Damen wollen das Geld auch kontrollieren, Taiwanrupien haben wir ja zur Genüge....
Siehe hier http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=92&t=81782, ein Ausländer hat seine neue Taiwanbraut und schon wird er finanziell an die Kette gelegt. Haha, hust, prust. Könnte mir nie passieren. Seht her, hier... ich habe mir 40 NT gepart, heimlich abgezweigt, dafür kann ich fast zwei Schokoriegel kaufen. Hahahaha [dämonische Beleuchtung von unten].

Montag, Oktober 12, 2009

Nachbarin des Diebstahls überführt (Ludigels Nachbarschaftstratsch)

Ein Nachbar (Mr. Pott, Name v.d. Red. geänd.) kam zu meiner Frau mit einer wilden Geschichte über eine andere Nachbarin, nennen wir sie "Nessie", die aber sicher glaubhaft ist, weil sie zu dem passt, was wir selbst schon über Nachbarin "Nessie" herausgefunden haben. Herr Pott und Nessie waren zusammen auf dem Markt und suchten Kleidungsstücke aus, jedoch fand sich das gewünschte Stück nicht und so hinterließ her Pott, seines Zeichens Baustellennachbereitungs-Unternehmer (gibt es dieses Wort?) seine Karte, man möge ihn anrufen, wenn die Hose oder das Hutband wieder hereingekommen sei. Frau Nessie, ihres Zeichens Reiseleiterin in Taiwan und mit einem (anderen) Baustellennachbereitungsunternehmer verheiratet (dieses Wort muss es also doch geben) nickte dazu und man trennte sich wieder.
Eine Woche später ging Herr Pott wieder hin an den Stand und sah sich einer Furie von Verkäuferin gegenüber. Hinweg, du Betrüger! Willst wohl stehlen? Ich rufe die Stadtwache!
Entsetzt fragte Herr Pott, wieso sie ihn denn einen Betrüger und Dieb nenne. Da sagte die Verkäuferin, er sei ja neulich mit "dieser anderen Frau", also Nessie (unserer Nachbarin) dagewesen und Nessie sei zusammen mit einer alten Schachtel ein paar Tage später noch mal wiedergekommen. Dann sei die alte Schachtel (Nessies Mama?) mit einer Bluse davongerannt und Nessie mit einem Schal. Die Verkäuferin habe Nessie (sie ist erst um die 50) allerdings eingeholt (Nessie trägt gerne wackelige High-Heels) und Nessie haben dann gebeten, "bitte, bitte nicht die Polizei rufen" und angeboten 399 Taiwandollar statt 199 Taiwandollar für den Schal zu zahlen. Nun haben ja die Verkäufer auf diesen Nightmarkets oft keine Lizenz, so hat sich die Verkäuferin auf den Handel eingelassen.


Sicherheitskamera mit Fisheye soll helfen, sagte mir jemand...


Herr Pott will jetzt nicht mehr mit Nessie einkaufen gehen und erzählt die Geschichte allen Nachbarn. Wegen der zahlreichen Bagatelldiebstähle, von Hundeleinen bis Armbanduhr (billig) und dem Wasserabzapfen bei uns (wenn wir im Urlaub sind stellt jemand das Wasser bei uns am Haus wieder an und wir haben hohen Wasserverbrauch; Nessie kann an den Wasserhahn auf der Dachterasse bequem ran und hat sowieso einen Wasserfimmel und eine kaputte Anlage, die das Grundwasser anzapfen soll um Wassergeld zu sparen) haben wir also schon die Richtige verdächtigt.

Wir halten uns da aber raus, erzählen nichts von Nessies Diebstählen und denken uns, lieber unsere Nessiesteuer zahlen, als Krieg mit den Nachbarn zu haben. Wenigstens singt Nessie nicht mehr in ohrenbetäubender Lautstärke Karaoke, wie früher. Da bin ich immer aus dem Haus geflüchtet, man konnt sein eigenes Wort nicht mehr verstehen.

Nächsten Urlaub bauen wir Wasserhähne mit Schloss an.


EDIT: Mr. Pott nenne ich Mr. Pott, also Herr Topf, weil dies Ehepaar unter unserem Fenster einen wilden Gemüsegarten angelegt hat. Der wird immer mit kübelweise Sch... gedüngt und weil sie keinerlei Tiere haben, frage ich mich immer wo das Zeug herkommt. Können die ihren verdammten Nachtopf nicht bei Nessie unterm Fenster ausleeren? Die hätte das verdient.

Müssen auch tollen Stuhlgang haben, die Potts, dem Geruch nach... (würg, hust, hätte doch in Taipei bleiben sollen, statt aufs DPP-Dorf zu ziehen, wo man vorne beklaut und hinten zuge... wird)

Ludigel :-()

Ludigels Unfallzähler

Mir kommt es so vor, als ob ich hier in Taiwan sehr viele Unfälle sehe. Zur objektiven Erfassung daher ab sofort mein persönlicher Unfallzähler (enthält die Unfälle, die ich gesehen habe seit 08.10.2009 in Taiwan):



Sieger im täglichen Straßenverkehrskampf zu sein, ist den meisten Taiwanesen höchstes Gut!


Do. 08.10.2009: Auto auf Verkehrsinsel gefahren, aufgesetzt, kommt nicht mehr weiter. Nur die Folgen gesehen

Fr. 09.10.2009: Zwei Mopedfahrer sind zusammengestoßen, kurz bevor ich dort (vor der Einfahrt zu meinem Arbeitsplatz) vorbeigefahren bin. Einer verletzt am Boden. Passanten kümmern sich sogar, selten!


Sa. 10.10.2009: Bei uns im Dorf fährt ein Moped langsam in einen schwarzen 7er BMW hinein. Älterer BMW, also kein KMT/Triadenadel. Kein erkennbarer Schaden. Man steht ohne Warnblinker mitten auf der Straße und diskutiert, hält den Verkehr auf, bis sich die Gesellschaft an den Straßenrand begibt. Bagatelle.
Habe den Knall gehört hinter mir... 

[Seither nix mehr, enttäuschend! Was ist los, Branntweinsteuer erhöht?]

[Do., 15.10.2009: Bagatellauffahrer oder so auf der Autobahn, zwei stehende Autos auf dem Seitenstreifen, leicht angedidscht der vordere PKW]

[Fr., 30.10.2009: Ein Moped steht auf der Kreuzung, der Fahrer sitzt davor in einer Blutlache (oder Benzin?), Polizisten stehen untätig neben ihm, haben aber immerhin die Unfallstelle gesichert, ein kleiner blauer Lieferwagen (sog. Blue Trucks of Death) steht quer auf der Straße.]

[Sa., 07.11.2009: Ein von der Schnellstraße (6 Fahrspuren) bei uns neben dem Dorfe abbiegender schwarzer Mitsubishi (gefährlich gefahrene Fahrzeuge hier) hat einen vermutlich von der Nebenspur ebenfalls mit ihm abbiegenden (oder ggf. auch von ganz wo anders kommenden) Mopedfahrer übersehen. Nur noch Tümmer vom Moped liegen auf der Fahrbahn, Polizei sichert gerade die Unfallstelle.]

[Mo, 09.11.2009: Die Trümmer eines Mopeds liegen ungesichert auf einer vielbefahrenen Kreuzung, Unfallparteien haben den Unfallort schon verlassen. Der Mopedfahrer wahrscheinlich nicht mehr gehend, so wie die Maschine aussah. Mopedfahrer und die meisten Autofahrer eiern hier einfach ohne zu gucken herum, da passiert viel. Komisch, dass niemand die schwarzen und schlecht zu erkennenden Trümmer in der Morgendämmerung weggeräumt hat, da ist der nächste Unfall vorprogrammiert (Auto schiebt Mopedtrümmer einem Moped in den Weg etc.).]

Ergo: 7 Unfälle oder die Folgen in 4 Wochen gesehen.Einen Unfall tatsächlich "live" gesehen.

Update (2012): Als ich 2008 oder 2009 in Deutschland war, habe ich an einer einzigen Kreuzung drei Unfälle hintereinander gesehen, ohne dass die miteinander zu tun hatten, 2 Blechrumbser und ein angefahrenes (weitgehend unverletztes) Kind, während ich beim Griechen saß. Hatte richtig Angst, weiter zu essen (Hannover-Döhren, Hildesheimerstr. Ecke Peiner Str.).


Weitere Artikel zum Thema:

http://osttellerrand.blogspot.com/2009/10/der-tod-ist-ein-lastwagenfahrer.html

http://bobhonest.blogspot.com/2009/08/wahnsinn-auf-taiwans-strassen.html

http://osttellerrand.blogspot.com/2009/08/mehr-verkehrstote-in-taiwan-hurra.html

http://osttellerrand.blogspot.com/2008/03/securing-taiwans-traffic_20.html

Genosse Mao, der Fernsehstar in Taiwan

Ludigel's Wiedervereinigungskolumne
Teil III: Mao und die VR im Sonntagsabendfernsehen. Und das ohne Alkohol in Reichweite bei Schwiegermutter...

Beim sonntäglichen Fernsehen auf Schwiegermamas Sofa, gleich nachdem ich wieder demonstrativ meinen mitgebrachten Burger verdrückt hatte, überfiel mich eine Kaulähmung und Schluckstarre, obwohl ich mich gerade über Schwiegermamas Obstplatte hermachen wollte. Wer tanzte auf Schwiegermamas Mattscheibe herum? Zig uniformierte Rotarmisten! Dabei schwenkten sie die rote Flagge der Volksrepublik China, während sie ihre dürren Hintern zur Revolutionshimne wackeln ließen, die kleinen Kerle. Um das ganze noch schlimmer zu machen, waren da auch noch Soldaten mit der Flagge der Republik China, ohne VOLKS davor, die ja in Form von Taiwan heute noch weiterexistiert und, man ahnt es schon, die hinternwackelnden Rotarmisten gewannen! Dann fingen die Rotarmisten ganz und gar Ballett zu tanzen an und wackelten vorne und hinten und schwenkten die rote Flagge der VR China, dass mir Schwiegermutters Erdnusskekse fast einen Erstickungsanfall beschert hätten. Wir sind in Taiwan gottverdammt, das sind unsere natürlichen Feinde!
Und schlimmer kam es noch, so dass ich zum Entsetzen meiner nordtaiwanesischen (und damit praktisch chinesischen) Familie einen ausgestreckten Mittelfinger in Richtung Mattscheibe wandern ließ. Der Chinesische Präsident schüttelte lächelnd Hände, dann erschien sogar noch der Schlächter Mao in Form einer Büste und zu guter Letzt wurden Starköche gezeigt, die ihre erstaunlichen Kreationen (das selbe verdammte gekochte weiche süße Bauchfleisch, das wir hier auch in Taiwan haben) vorführen. Schnitt zu Sehenswürdigkeiten in China, wieder Mao, dann wieder wehende VR China-Flaggen, wieder Mao, wieder Essen etc.


Jetzt mal ernsthaft. Komisch, solche Bilder hat unser Propagandafernsehen nicht gezeigt. Todesopfer nach Folter in der VR-China. Anhänger von "Falun Dafa" sind solchem Terror ausgesetzt. Mehr Info etwa hier: LINK


Solch ein prochinesisches Propagandafernsehen hat es früher in Taiwan, wo eine parlamentarische Demokratie mit Mehrparteiensystem herrscht, nicht gegeben. Offensichtlich ist Taiwans neuer prochinesischer Präsident Ma Ying-Jeou bestrebt, das Volk jetzt auch mit Fernsehbilderflut auf die von ihm angestrebte Wiedervereinigung mit China vorzubreiten. Und die stoischen Mienen meiner Verwandten zeigten, wie sehr so etwas schon als normal gilt.

"Aber sie haben doch Maos Neffen da", erklärte meine Frau, während irgendein Kerl vor pompösem Hintergrund interviewed wurde. "I don't give a fuck about Mao's nephew' erklärte ich sensibel und nahm mir noch einen Erdnusskeks. Ich meine, vielleicht finden wir in Deutschland ja auch noch Hitlers Tante irgendwo und interviewen die gute Frau in der Tageschschau, während wir die Reichskriegsflagge schwenken und "Die Wacht am Rhein" singen.

Die Bilderflut hat mir eines vorgeführt, die Wiedervereinigung mit dem diktatorischen Folterstaat VR-China ist unausweichlich. Wenn der Präsident eines Landes, wie eben Ma Ying-Jeou in Taiwan, für eine ausländische Macht arbeitet, eben die VR China und alle das auch noch völlig normal finden, ist der Zug abgefahren.

2012 soll es nochmal freie Wahlen geben. Wenn dann Präsident Ma, der ja lieber Lokalverwalter Taiwans als Präsident wäre, wiedergewählt wird, kommt vermutlich der Anschluss ans chinesische Reich. Wird die Opposition gewählt, droht womöglich eine chinesische Invasion, denn China wird sich dann vielleicht das mit Gewalt holen wollen, was sie jetzt schon ihr Eigen wähnen. Und ich packe meine Koffer hier bis 2012. Ludigel geht, Mao kommt, dann ist doch für weitere Unterhaltung gesorgt.

P.S.: Ob es verfrüht ist, wenn ich derweil schon mal ein Mao-Bild in meinem Cubical aufhänge?
Und kaum war ich zuhause und meine Frau schaltet "Taiwan Superidol", sowas wie "Taiwan sucht den Superstar" ein, wer singt da? Ein schwuchteliger Sänger aus PEKING! Können wir in Taiwan nicht auch "woa ei nie" alleine singen, ohne Hilfe von feuerlöschergesichtigen Sängerknaben aus der VR?

Freitag, Oktober 09, 2009

Genosse Hauptmann Hund

Nein, OK, Genossen sind unsere Soldaten hier in Taiwan noch nicht, auch wenn die derzeitige Regierung Taiwans (fast hätte ich sie DDR-typisch Staats- und Parteiführung genannt) feste dabei ist, den Wiedervereinigungskurs mit China zu verfolgen und an der Demokratie und dem Rechtsstaat hier und da herumfrickelt, zum Schlechteren. Jedenfalls haben wir von der Hunderettungsorganisation http://stray-dogs.org unseren patriotischen Beitrag zur Verteidigung unserer Chin... äh taiwanesischen Nation (ne, das darf man auch nicht mehr sagen, weil wir jetzt ja China sind und nicht mehr Taiwan) ... na ja... zur Inselverteidigung ... geleistet, denn die glorreiche Armee der Republik China (jetzt habe ich's, so heißt Taiwan tatsächlich!) hat jetzt einen waschechten Husky, siehe Bild und wir sind schuld.


Bereit zum Kampfschmusen mit oder gegen die Chinesen: Husky "Fredy"

Beim sonntäglichen Frühstück haben meine Frau und ich nämlich diesen Husky aufgelesen, er humplete im Restaurant um, interessierte sich für unser Essen und hatte scheinbar zwei gebrochene Hinterläufe, die schief zusammengewachsen zu sein schienen. Schnell brachten wir das Tierchen zum Tierarzt, doch dieser attestierte, die etwas krummen Hinterfüße seinen ein Geburtsfehler und kein Bruch und er könne daran nichts machen. Nun ja, auch gut, ich habe ja auch Senk- und Spreizfuß, sagt mein Einlegesohlenverkäufer, der Frechdachs.

Leider hatte Fredy auch noch alle möglichen inneren Parasiten, aber wenigstens keine sehr ernsten und so konnten wir ihn nicht gleich in unsere Hunderettungsstation (die nicht der Organisation gehört, wir sind ja nur eine Kooperative aus Privatleuten, sondern von einem Mitglied geleitet und im Wesentlichen finanziert wird) bringen, sondern mussten ihn anderswo hinbringen, denn sonst würde Parasiten auf unseren gesamten Hundebestand überspringen (in userer Hunderettungsstation laufen sie ja alle paradisisch frei herum). Erst Anfang dieses Jahres haben wir eine gescheiterte Hunderettungsstation besucht (eine private Farm), die spektakulär gescheitert war, weil sie kranke und gesunde Hunde nicht getrennt hatte, darüber vielleicht ein anderes Mal mehr.
Die Betreiberin unserer Hunderettungsstation betreibt noch ein unoffizielles Auffanglager, einfach eine Hausruine irgendwo im Grünen, um die sich niemand kümmert, wo sie eine Anzahl von Hunden versorgt, die noch nicht in unser Hauptlager kommen können. Eigentlich sollte Fredy gleich beim Tierarzt einquartiert werden, aber der hatte leider keine Isolationsbox frei, deshalb brachten wir Fredy in das offene Außenlager.

Unser Horror war natürlich, dass er das wegliefe, denn das alte Grundstück hat keinen Zaun und ziehen können wir auf einem fremden Brachkunstück ja nun wirklich keinen. Allerdings sind die Hunde bislang immer von selbst dort geblieben, schließlich gibt es da Futter und Unterschlupf. Wenn Sie, lieber Leser, jetzt meckern wollen, wieso wir kein richtiges Isolierlager mit Zaun und Boxen haben, dann ist der Grund darin zu sehen, dass wir eben keinen Etat haben und von niemandem Geld bekommen und alles selbst finanzieren, eben einfach oder garnicht, ist oft die Devise, wenn man 20 oder mehr Hunde gleichzeitig versorgen will und alles aus eigener Tasche.
Das Furchtbare geschah, Fredy verschwand und so oft meine Frau und ich und die Hundeplatzbetreiberin auch in der Gegend suchten und riefen, er tauchte einfach nicht wieder auf, wie vom Erdboden verschwunden.

Doch da! Was war das da weiß-grau-schwarzes was durch das Kasernentor scheint? Schräg gegenüber dem Brachgrundstück liegt nämlich eine Kaserne der Taiwanesischen Armee (Stroitkräfte der Republico China streng genommen) und dort lief Fredy herum! Unsere Aktivistin rief ihn, er sah sie auch, doch dann verschwand er einfach in einem Kasernengebäude!
Ein Gespräch mit den zwei Wachsoldaten, die sorgenvoll unsere Aktivistin fragten, was sie denn da triebe, ergab die Lösung. Fredy hatte sich selbt ein neues Heim gesucht und war eines schönen Tages einfach in der Kantine der Kaserne aufgetaucht. Dort lässt er sich seither von jungen Rekruten mit Heimweh streicheln und von den Köchern füttern. Er darf auch in die klimatisierten Gebäude rein und fühlt sich dort pudelwohl. Auch ein schönes Bäuchlein hat er sich angefressen, vor lauter zweimalgebratenem Schweinefleisch.
Er geht nie weit von der Kantine weg, sagten die Soldaten. Vernünftiger Hund, kann man da nur sagen. Er sei jetzt so eine Art offizieller Kasernenhund, sagten sie noch und damit ist wohl alles in Ordnung. Vielleicht hat ihn ja sogar jemand zum Tierarzt gebracht umd die Behandlung abzuschließen. Das glaube ich zwar nicht unbedingt, aber in Anbetracht der unzähligen Straßenhunde Taiwans geht es ihm jetzt wirklich gut und unsere Aktivistin hat ein Auge drauf.

Ein schönes Happy End, mögen ihm Rindfleischnudeln und Geschnetzeltes noch viele viele Jahre munden. Und dieses Blog, aus dem ja die Hunderettungsorga stray-dogs.org hervorgegangen ist, hat somit sogar zur Landesverteidigung (Schmuseeinheiten für neue Rekruten) beigetragen.
China, sieh dich vor (das auf dem Festland, nicht unseres)!

Mittwoch, Oktober 07, 2009

Was falsch läuft mit Taiwan...

... ist die Tatsache, dass es eine parlamentarische Demokratie ist, man aber nicht mal den Namen "Taiwan" sagen kann, ohne das chinesische Funktionäre anfangen zu toben (China beansprucht Taiwan als eigenes Territorium) oder das westliche Politiker schon profilaktisch auf Distanz gehen (weil ja China verärgert sein könnte, wenn sie das "Falsche" sagen).
Die momentane prochinesische Regierung Taiwans nimmt das Wort Taiwan auch ungern in den Mund, sondern faselt immer von der chinesischen Provinz Taiwan, dabei ist das Land in der Praxis ein unabhängiger Staat, der im Gegensatz zu China die Menschenrechte respektiert.

Auf diesem Foto in der TAIPEI TIMES (LINK) gibt Taiwan wiedermal nach. Bei einer Sportveranstaltung (amerikanischer NBA-Basketball) wird der Schriftzug

TAIWAN WELCOMES THE NBA

ersetzt durch

TAIPEI WELCOMES THE NBA

Warum schreiben wir nicht gleich

CHINA WELCOMES THE NBA. YOU ARE IN FUCKING PEKING HERE. GO AND SEE MAO AND THE GREAT WALL.





Drohend schwebt die chinesische Faust über Taiwan und seiner Hauptstadt Taipei (fangt jetzt nicht mit "Verwaltungssitz" an). Das Foto zeigt allerdings eine Skulptur vor dem neuen Computex Messegelände in Taipei

Dienstag, Oktober 06, 2009

Der große Persönlichkeitstest



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Machen Sie mal den Szondi-Persönlichkeitstest (Beschreibung siehe auch http://de.wikipedia.org/wiki/Szondi-Test) im Internet. Ist zwar auf Französisch, aber dafür reicht ihr Baguettefranzösisch aus der Ecole Populaire noch. Einfach in jeder Gruppe (!) zwei sympathische Gesichter auswählen (klicken) und zwei unsympathische. Die man also am sympathischsten (sympathique klicken) oder unsympathischsten (antipathique klicken) findet. Die Auswertung folgt sofort, am Besten kopiert man es in Babelfisch rüber zum Übersetzen (http://babelfish.yahoo.com/translate_txt).


Der TEST:

http://users.skynet.be/pouradrien/szondy.htm


Mein Resultat ist herrlich, ich habe “Muttergefühle” und bin „zärtlich“. Na, dann kann ja nichts mehr schief gehen mit den Damen. Aber wieso „Mutter“-Gefühle. Aber dann: „Normale Sexualität“, na da bin ich beruhigt. Gut, dass ich jetzt nichts ändern muss.

Ich hätte Geschmack für Spöttelei, sagt der Test. So ein Unsinn, als ob in diesem Blog irgendetwas spöttisch wäre.

Geeignet für Medizinberufe (aber auch als Holzfäller und Chirurg, ist ja auch ein Schneidberuf), auch Hautarzt und Gynäkologe. Na wunderbar, innen und außen darf ich ran. Aha! Auch als Kämpfer bin ich geeignet, steht da.

Aber nicht als Soldat! Ich bin also ehr für das kreative Metzeln zu haben, soll das wohl heißen. So auf Befehl „den da hinten“ erschießen geht nicht, aber wenn wir uns im existenziellen Kampf im Dschungel treffen, Mann gegen Mann, Muskelkraft gegen Muskelkraft, im schweißüberströmten Streit um die letzte Erdbeere, dafür bin ich also zu haben. Aber nicht, dass ich dem Gegner vor lauter Mütterlichkeit die Erdbeere einfach überlasse…

Priester ist auch nicht so gut als Beruf für mich, sagt der Test. Na ja, das hatten wir ja schon, „Sexualität normal“.

Die Fotos im Test zeigen übrigens alle Psychatriepatienten und die Idee ist, dass man die Gesichter mag, denen man am ähnlichsten ist.

Hmmm… Dompteur könnte ich auch werden, Lehrer aber nicht. Das ist irgendwie unlogisch…


P.S.: Wer in Zukunft hier Kommentare schreiben will, wird erst freigeschaltet, wenn er das Szonditestergebnis gepostet hat. Kann ja sonst jeder hier kommen.


...Nein, ein Witz. Siehe oben. Spott.


P.S.: Etwas beunruhigend find ich, dass meine Frau und ich beide als "Unternehmenstyp: Henker" bewertet werden. Was soll das jetzt wieder heißen? Meine Frau macht Tricks, sagt der Test. Na ja, Frau eben...


[Der aufmerksame Leser merkt, dass wir vom Thema Zombie auf das Thema Szondie gekommen sind.]


Der Tod ist ein Lastwagenfahrer

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Gerade geht das hier per Büromail rum, als Warnung, bei der morgentlichen Fahrt zur Arbeit mit dem Moped vorsichtig zu sein. Die meisten Angestellten rollern hier ja mit dem Moped zur Arbeit. Die meist kleineren Lastwagen nennt man hier "Blue Truck of Death", Blauer Todeslaster, aber dies Video zeigt, dass auch die großen gefährlich genug sind. Lastwagenfahrer bremsen in der Regel für nichts und niemanden in Taiwan, mich bringt immer wieder in Wallung, wenn sie bei uns zuhause durch die kleinen Wohngassen (ohne Bürgersteig!) mit 60 oder mehr preschen und spielende Kinder drumherum laufen.

WARNUNG. Das Video ist grausam, zeigt wie eine Mopedfahrerin von dem sehr langen Lastwagen überrollt wird und am Schluß im Zwillingsreifen feststecken bleibt. Leider liest man sowas immer und immer wieder in Taiwan.

Wenn ihr nach Taiwan kommen wollt, liebe Leser, seit im Verkehr sehr vorsichtig und fahrt keinesfalls Moped/Motorroller!



WARNING. Graphical VIOLENCE. This video shows a gruesome accident, maybe better not to click
WARNUNG. GEWALTDARSTELLUNG. Dies Video zeigt einen grauenhaften Unfall, vielleicht besser nicht klicken

EDIT:
Anmerkung: Die Mopedfahrerin auf dem Bild (eigentlich sind es Motorroller, die bis zu 85 km/h schnell werden) scheint das zu machen, was leider Mopedfahrer laufend in Taiwan machen. Sie schert einem anderen Fahrzeug (dem LKW) einfach ohne zu gucken vor die Haube (sie scheint von rechts -in Fahrtrichtung gesehen- vom Straßenrand zu kommen) und verlässt sich darauf, dass der LKW bremst. Hatte ich x-mal das Maneuever. Jeoch kann der Lastwagenfahrer sie wohl garnicht sehen, so plötzlich wie sie von Rechts kommt. Wer als Autofahrer in Taiwan unterwegs ist muss jederzeit damit rechnen, dass von ÜBERALL Mopeds ohne zu gucken vor den Wagen fahren. Sie kommen von rechts hinten, rechts vorne als Geisterfahrer, tauchen zwischen geparkten Wagen auf, kommen als Geisterfahrer links angefahren an einem am rechten Fahrbahnrand geparkten LKW vorbei, kommen von links oben, gradeaus auf der falschen Seite, hinten links und scheren vor den Wagen, man wundert sich, dass sie nicht noch von unten und oben kommen.
So gesehen ist der LKW-Fahrer wohl nicht mal schuld, aber LKWs sind hier Tötungsmaschinen und bremsen fast nie, auch wenn sie können und scheren selber auch ohne zu gucken quer über alle Spuren, so gesehen ist der Titel allgemein doch wieder gültig.

Ganz sicher sein kann man sich aber nicht, was da wirklich abgelaufen ist.

mit Schuss


"Bier mit Schuss" ist eine Variante, helles Pils mit Malzbier zu versüßen und sich etwas einem richtigen Dunkelbier zu nähern. Hier bekommt sogar deutsches Malzbier im Laden, gebraut von einer dänischen Biermarke in Deutschland, wie die Rückseite verrät (glaube es war Carlsberg). Trotz der furchterregenden Krähenfüße auf dem Etikett ist es also echtes Malzbier. Mehrere Kolleginnen hier in der Firma haben alle original Karamalz auf dem Schreibtisch, trinken es aber nie.
Ich trinke mein Deutschdänemarktaiwanmalzbier auch nicht mehr, weil man davon erstens zunimmt und zweitens ein so hoher Blutzuckergehalt im Sommer träge macht und zu Kreislaufproblemen führen kann. Bier trinke ich hier auch nicht, weil es laut taiwanesischer Volksweißheit ganz schlecht für den Körper ist und außerdem Hautprobleme fördert. Sagt mein Arzt jedenfalls und weil ich froh bin, meine anfänglichen Probleme dieser Art (jeder Mikroorganismus Taiwan wollte ich 2004 auf mir niederlassen) losgeworden zu sein, zittert mir immer das Glas beim Trinken.
Gibt es in Deutschland eigentlich noch Bierdosen oder sind die schon vom Kriegswaffenkontrollgesetz erfasst? Hartz-IV-Empfängern kann man doch nicht etwa zumuten, Pfandflaschen durch die gegend zu tragen, würde Thilo Sarrazin jetzt sagen.

Guten Abend.


P.S.: Bier heißt auf Chinesisch übrigens "Pie-Joe", wobei "Joe" wie der englische Vorname gesprochen wird. Deshalb lacht sich meine Frau immer kaputt, wenn ich sage, guck mal da vorne fährt ein Peugeot. Verkaufen sich auch schlecht in Taiwan, die Phonetik ist sicher schuld.

Dienstag, September 29, 2009

Zombies and Maths

Recommended from crypto guru Bruce Schneier (www.schneier.com), a mathematical analysis of a Zombie outbreak (LINK, pdf) and (not recommended by anyone) a story -in German- about a Zombie outbreak in Taiwan (LINK). Now you are all set.

Ex-Präsident Taiwans: "Ich war US-Agent"

Taiwan ist nicht die reale Welt, Taiwan ist eine Art verdrehter Tailight-Zone, ein Fantasy-Island wo man eigentlich von einem großen Typen im weißen Anzug (am Besten der Bösewicht aus Star Trek II) am Eingang begrüßt wird und gleich zwei hübsche Mädels und einen Drink an die Hand bekommt, wenn man sich an die Fernsehserie erinnert. Schließlich kann hier jeder untersetzte Computernerd noch die hübschesten Frauen abschleppen (die anderen, nicht ich, ich bin verheiratet) und sogar einem Anfang-40jährigen wie mir winken hier junge Frauen auf der Straße hinterher (die Kerle auch, aber das verdränge ich immer)****.


Insel Formosa: Ausländische Agenten und schöne Frauen...

Das mit dem Ex-Präsidenten "Chen" ist ja auch so eine Geschichte für sich, erst Freiheitsheld, dann veruntreut er Geld und erpresst einen Kaufhauskonzern von Amts wegen und sitzt schließlich im Gefängnis, wo er jeden Mittag eine Runde hinterm Zaun dreht, merkwürdig breitbeinig watschelt und das alles im Fernsehen übertragen wird (das mit dem Watscheln ist mittlerweile besser geworden, ich will NICHT wissen warum).

Jetzt dreht er völlig ab, laut Chinapost (LINK) hat sein Anwalt verkündet, sein Mandant sei als Präsident Taiwans Agent der USA gewesen, habe Befehle aus Washington angenommen, was ihn zu einem US-Militärangehörigen machen würde und überhaupt wollen sie jetzt Obama verklagen, weil er Taiwan nicht unter US-Besatzungsstatut gestellt hat. Schließlich sei Taiwan 1945 vom US-Militär verwaltetes Territorium gewesen (soweit ansatzweise korrekt, es war eine japanische Kolonie und wurde dann 1945 Chiang-Kai Sheks Festlandregierung zugeteilt, ohne das man da viel Papierkrieg drum gemacht hat) und müsse daher immer noch US-Protektorat sein.

Der einstige Freiheitsheld, der für die Unabhängigkeit Taiwans war, erklärt Taiwan damit plötzlich zur amerikanischen Kolonie, na ja, die Verzweifelung lässt ihn wohl alles probieren. In unserem Expat-Forum namens Forumosa.com haben wir ein Mitglied namens Hartzell, der in den USA schon einige Prozesse geführt hat, um Taiwan zum US-Territorium zu machen, allerdings verliert er jeden Prozess damit.

Was kommt nächste Woche? "Ich bin in Wirklichkeit ein Außerirdischer"? Man darf gespannt sein.

**** Nein, Taiwan ist kein Sextourismus-Land. Die Damen wollen hofiert, nicht bezahlt werden.


LINK: Auf Englisch mehr über das Thema, in der Mutter aller Taiwanblogs von Michael Turton: LINK. Das Blog ist sehr grün, also für die taiwanesische formale Unabhängigkeit von China und bisweilen pro-Chen, aber diesmal nicht.

Montag, September 28, 2009

Wunderliches Drei-Länder-Baguette

Am Sonntagabend wollte ich erst zu Hause essen, hatte vergessen, dass wir ja diesen Sonntag bei Schwiegermama essen müssen-sollen-dürfen. Also habe ich mein Baguette (frisch von Carrefour) das eingefrorene dänische Kräuter-Rollfleisch (köstlich, selbst in Dänemark 2007 gekauft) und original schweizer Raklette-Käse (Spende vom schweizer Partner unserer Straßenhundrettung stray-dogs.org) eigepackt und bei Schwiegermama in der Küche zubereitet, während sie das Essen für die ganze Familie kochte - da sie dabei 7 oder 8 Gerichte auftischt, bruzelt sie die ganze Zeit, während alle am Tisch essen und kommt dann selbt erst hinterher zum Essen, die Arme.
Eigentlich wollte ich das Bagutte zubereiten, kam aber nicht dazu, Fleisch zu schneiden und es auf das Baguette für die Mikrowelle zu legen, weil meine Frau mit förmlich wegstieß und ungewohnten Arbeitseifer bei der Zubereitung meiner Franzmannstulle zeigte. Verblüfft ließ ich sie stapeln (viel zu viel drauf gehabt als Ergebnis, aber war köstlich), denn der Grund war, sie musste ihrer Mama zeigen, was für eine gute Ehefrau sie sei, denn den Göttergatten das Essen alleine zubereiten zu lassen, hätte gegen gute chinesische Familienwerte verstoßen (zuhause wenn Mama nicht da ist muss ich allein stapeln).

Wähend die Familie dann später Schwiegermamas Essen aß und ich auf meinem Ultra-XXL-Dänemark/Schweiz-Baguette kaute, kam mir so kurz der Gedanke, wieso ich eigentlich nicht einfach mit den anderen mitesse. Sah ja wirklich gut aus, was es wieder gab, von dem toten und glotzäugigen Fisch mal abgesehen. In der Tat laufe ich jedesmal zur Bäckerei oder zu Subway oder zu Burger King rüber, nur um Schwiegermamas Essen zu vermeiden, egal wie gut es auch schmeckt. Was ist der Grund für mein kulinarisches Fremdeln?

Da musste ich erstmal selber überlegen, während mir der heiße Käse über die Finger lief und alsbald dämmerte es mir. Die anfänglichen Verhandlungen über Kostgeld und Unterstützung der Eltern meiner Frau, die nun schon fünf Jahre zurückliegen, haben in mir eine Aversion ausgelöst, "meine Füße unter Schwiegermamas Tisch zu stecken". Nun dachten ja damals alle, alle weißen Männer sind reich, von wegen Geschäftsleute und Schwiegermama hatte ja damals etliche Rechnungen und Kostenvoranschläge zu präsentieren. Da diese Forderungen meine auswanderungsgeplagten Finanzen überstiegen, hatte damals mein Rückzug in die kulinarische Privatheit begonnen. Mein Burger von BurgerKing signalisiert: "Ich bin unabhänging und könnte mein Essen auch im Auto" einnehmen. Kurz überlegte ich, mein Verhalten nach nunmehr fünf Jahren zu ändern, schließlich umsorgt mich Schwiegermama mittlerweile rührend und wollte mir manchmal sogar Geld zustecken (natürlich abgelehnt), wohl um alte Missverständnisse wieder gut zu machen.

"Guck mal, Mama hat dein Lieblingsessen gekocht", sagte meine Frau. Fast hätte ich mir ein Häuflein aufgegabelt, das chinesische Mett mit schnittlauchartigem Gemüse hätte sicher noch zu Schweiz, Frankreich und Dänemark gepasst... doch dann zog ich die Stäbchen wieder weg und kaute lieber weiter auf meinem Baguette. Ich kriege noch immer dieses Magenflattern, wenn ich von ihrem Essen nehmen soll, denn mit jemanden Speis und Trank zu teilen, ist kulturell eben eine sehr wichtige Sache, die wohl ein gewisses Grundvertrauen voraussetzt. Scheinbar bin ich da etwas nachtragend, aber ich fühle mich so wohler, mit eigenem Brot in der Tasche.

Schwiegermamas Nachtisch (voller Tisch mit Keksen und Obst) nehme ich natürlich davon aus. So kann Schwiegermama zufrienden gucken, wenn ich ihrer Aufforderung nachkomme (sie sagt immer: iss, iss). Mal sehen, vielleicht nehme ich nächstesmal wieder eine Stäbchenspitze von dem Mett...

Freitag, September 25, 2009

Hut mit Lampe?


Formosablog(X), Techblog( )


Heute habe ich einen Schreck bekommen, hatte meine Frau doch plötzlich rote Haare. Von einer Minute zur anderen ist das ehr ungewöhnlich, hat sie doch die Haare nicht gefärbt und daher natürlich-schwarze. Die Lösung fand sich sogleich, die Deckenlampe bestrahlte ihren Kopf und dann leuchten die Haare plötzlich braunrot. Sieht ausgeprochen hübsch aus. Tipp für die vielen Damen hier, die sich die Haare rot färben: (siehe Titel).

Foto: erster Prototyp auf der Computex, freiw. Studienobjekt, Lampe zu hoch und nicht mobil

Ghost Month, Mooncakes, office culture


Female colleagues always have such cute stuff on their desk here...


Now that I am taking steps to go back to Germany, I suddendly like Taiwan again. Possibly a psychological analysis would be helpful here. Also, ghost month is over (this year the damned spirits took another little black street dog away which I just had befriended) and the ladies in the office have delicious treats and mooncake everywhere. Though I give the egg-yellow in the middle always to my wife.
BTW, office life in Taiwan is rather comfortable, you don't have the cockfighting which I have noticed in German offices (will be elsewhere in the West as well). Probably that is because Confucius made his "let everybody keep face" rules or for whatever reason. That is actually quite nice. So if I go back to Germany I have to prepare for some kindergarten sandbox fights again. No problem, the bad guys will get my new Asian smile, that will surely teach them...

Montag, September 21, 2009

Dinge, die man nie seiner Frau sagen sollte...

(wenn sie zufälligerweise Taiwanesin ist)


Er: Sag mal, das Essen bei deiner Mutter schmeckt auch nicht mehr so gut, seit Adie nicht mehr da ist.
Sie: Wer ist Adie?
Er: Na das indonesische Dienstmädchen damals.
Sie: Wie, du weißt noch ihren Namen????

[Wir brechen folgende Tabus: Verehrung der Eltern/Standesunterschiede zum Dienstmädchen etc.]

Diese Liste braucht Erweiterung! Bitte weitere Vorschläge. So eine bikulturelle Ehe muss einfach machmal etwas aufgeheitert werden...

Nein im Ernst, meine Frau hat nur mit den Schultern gezuckt. Sniff, früher war sie bei der Erwähnung des Names so herrlich eifersüchtig.


Copyright zu Uhrzeiten von Paramount. Ja, die haben nicht nur Star Trek gehabt...


------ Weiter in der Liste:-------------------------
Sie: Sieht die Stadt nicht schön aus von hier oben im Mondlicht?
Er: Hust/Keuch, lass uns lieber rein gehen, viel Verkehr heute Abend...

Nein, hatten wir nie. Ich bin der Romantiker, nicht sie und meine Frau ist in Taipei aufgewachsen, will also nie an die Luft.


---- auch gut:---------------------------
Sie: Schatz, weißt du noch, wie wir uns kennengelernt haben?
Er: Hmmmm.... ja.... wie war das damals mit der Unterstützungszahlung für deine Mutter?

Das ist der absolute Klassiker um etwas Leben in eine bikulturelle Ehe zu bringen [wenn ein Ehepartner aus einem Land ohne Altersversorgung kommt]


----- nett: ------------------------------
Sie: (schluchz, heul. Sniff, reib die Augen, wein)... besieht sich die Beerdigung des "Gottvaters des taiwanesischen Business" im Fernsehen, die wochenlang übertragen wird.
Er: Ist das der Kerl, der die halbe Insel mit seinen Plastikfabriken und ihren Ausdünstungen vergiftet hat?
Sie: Wie kannst du es wagen schlecht über ihn zu reden?
Er: Na ja, hat nicht dein ganzer Stadtteil Asthma?
...Wenn man jetzt noch die 1000fach überhöhte Dioxinkonzentration in NeiHu erwähnt, muss man sich ducken...

----- reine Routine:-----------------------
Sie: Neffe X ist ins Krankenhaus eingeliefert worden. Eine akuter allergischer Anfall und hohes Fieber.
Er: Ja ich weiß, ist genetisch bedingt.
Sie: Ja, genau, woher weißt DU das denn eigentlich?
Er: (murmelt halblaut) Schon klar, genetisch, nicht etwa von dem Schwarzschimmel"teppich" an der Wand in der Abstellkammer, sowas wirkt nur bei uns Ausländern...
Sie: Was hast du gesagt?
Er: Nichts, Schatz!

---- Immer wieder ein Volltreffer an langweiligen Abenden:--------
Er: Guck mal, wie komisch der Typ da auf dem Bestattungsfoto aussieht!
Sie: ?????? !!!!!!!!!!!!!!! aaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaarrrrg

Nein, sowas habe ich nie gesagt. Der Geschmähte würde uns als Geist verfolgen, so viel weiß ich auch schon.

---- Aber das hatten wir mal, um 23.30 Uhr mit einer Bestattungsfeier mit viel Gesang im Zelt auf dem Nachbargrundstück (die Todesfeier dauert 14 Tage):
Er: Was singt der Kerl da bloß die ganze Zeit? "Papa, Papa, wo hast du dein Sparbuch hingelegt?"
Sie: ?????????!!!!!!! Du waaaaagst es ?????? (sagen wir mal, sich zu ducken ist an dieser Stelle keine schlechte Idee).

------Der wäre mir fast mal passiert:------------------------------
Er: Was, die Erdbeerkekse mag dein Vater nicht?
Kann er dann nicht mit seinem Nachbarn tauschen?

...Den zweiten Satz habe ich gerade noch verschluckt. Es ging um ein Opfer für ihren verstorbenen Vater anlässlich einer Totenehrung. Ich hatte es wirklich ehrlich gemeint, weil ich mir ihren Vater vor lauter Fruchtsaft und Knabbereien besorgen irgendwie wieder lebending vorgestellt hatte.

------- Mein Wunschtraum:-------------------------------------------
Er: SATANAS VADE RETRO! (Mit einem goldenen Weihnachtsbaum-Kruzifix vor sich gehalten vor dem Altar eines Drachentempels)

... Traue ich mich nie.


Siehst Du Ekneos, so eine bikulturelle Ehe ist lustig!

EDIT: Was eine Flachserei werden sollte, ist jetzt in den Kommentaren ernst geworden. Man sehe mir nach, wenn ich den ganzen Eintrag später wieder lösche.

Schweinegrippe in der Firma

Bei 1800 Leuten musste es ja irgendwann passieren. Irgendjemand in "Fabrik 1" hat sich die den Schweinehusten geholt. Wir in Fabrik 3*** igeln uns ein und starren misstrauisch auf die Festung des Grauens Nummero 1. Eine Kollegin in userer Reihe erklärte auch sofort, Kopfschmerzen zu haben, nachdem sie in Fabrik 1 war.
Kann natürlich auch an der Fahrstuhlmusik gelegen haben...


*** fragen sie NIE nach Fabrik 2. Jahrelang habe ich danach gefragt und nur verstörte Blicke geerntet. Pssssst. Nicht weitersagen. Das ist die verbotene Fabrik, für immer verloren in einer anderen Dimension. [OK OK, ausgelagert nach China]

Freitag, September 18, 2009

Mach's gut, Schnippie

Taiwan got you, babe

Diese Zeilen sind Schnippie gewidmet. Schnippie war ein schwarzer Welpe mit hübschen braunen Augen (verdammt, wo sind meine Taschentücher?), der vor 2 Monaten oder so in userer Straße auftachte. Er konnte damals schon laufen, aber noch nicht für sich selbst sorgen. Verblüffend war, wie tatkräftig er sich selbst eine Bleibe suchte, denn die meisten von allen hundert Göttern und Taiwanesen verlassenen Welpen überleben in Taiwan nicht lange auf der Straße. Schnippie aber wollte Darwin ein Schnippchen schlagen und hat Intelligenz und Anpassungsfähigkeit bewiesen. Ich sah ihn zum ersten Mal, als er ich an dem Parkplatz unseres lokalen "Großgrundbesitzers" vorbeiging und mich plötzlich nicht nur der große garstige Kettenhund des lokalen Laoban anbellte, sondern dazu noch ein Piepsstimmchen zu vernehmen war. Neben dem riesigen schwarzen Hund stand ohne Kette ein winzig kleiner, sprang synchron herum und kläffte mich ebenso engagiert an. Offensichtlich hatte sich der Kleine Hof und Vorbild gesucht. Wir fragten den Laoban, wo der Hund denn herkomme und er sagte, er habe keine Ahnung. Aber alle fanden es lustig, wie Schnippie sich selbst einen Arbeitsplatz und Mentor gesucht hatte. Keiner wusste, wo er herkam, aber der Laoban vom Toter-Schwan-Weg (so von mir getauft, weil ein toter Schwan auf dem See an der Straße bei unserem Einzug herumtrieb) fütterte den kleinen Kerl mit. Im Laufe der Zeit freundeten Schnippie und ich uns an. Er schlief am Schluss in der Mittagshitze unter einem geparkten Omnibus und wenn ich in unseren alten Opel stieg um Essen zu kaufen, warf er nur ein müdes Auge auf mich. Wenn ich aber wieder kam, rannte er mir freudestrahlend entgegen, spielte auch mit unseren Hunden, insbesondere mit unserer dicken Labradorhündin, seine Mama musste er ja sehr früh missen.

Schnippie und ich verstanden uns immer besser, die Sonne schien und alles war gut. Bleiben würde es so nicht, schließlich leben um uns herum überall Einheimische. Irgendwie haben die meisten Taiwanesen eine natürliche Witterung dafür, wenn es einem Tier zu gut geht und sie lassen sich etwas einfallen (von den Taiwanesen, die viel Geld und Zeit dafür ausgeben, die von ihrem Mitmenschen gequälten Hunde zu retten abgesehen, die gibt es u.a. bei uns, http://stray-dogs.org). Eines Abends kamen wir nach Hause, da hatten sich die Nachbarn versammelt und wir wurden sogleich angesprochen. Man bat mich, Schnippie einzufangen, da ich ihn ja gut kennen würde offenkundig, er solle an die Kette gelegt werden wie all die anderen Hunde vom Laoban auch, ein herrliches Leben an 2 Meter Kette im eigenen Kot, wie ich es überall auf den diversen Grundstücken des Laoban beobachten kann.
Auch meine Lieblingsnachbarin, die mit dem Wassertick, die uns mutmaßlich immer das Wasser im Urlaub abzapft (wer sonst, wenn nicht die mit dem Wassertick, die illegal Grundwasser abzapft und sich über den Wasserpreis beschwert), die wir auch mit den zahlreichen Klauereien auf unserem Hof in Verbindung bringen, sprang herum und tat kund, Schnippie würde sie beißen wollen. Also vereinbarten wir fluchse Aktion um den Hintern der netten Kleptomanin zu retten. Allerdings habe ich Schnippie nicht mehr gesehen und wenn ich ihn gesehen hätte, hätte ich ihn auch nicht selber fangen wollen, waren wir doch gewissermaßen Kumpels und er hatte so ja ein viel besseres Leben. Na ja, heute mache ich mir Vorwürfe, dass ich ihn nicht gefangen und ausgeliefert habe, denn er ward nie wieder gesehen. Hat ihn die Nachbarin vergiftet? Hat ihn jemand anders eingefangen und irgendwo hin gebracht ohne das Kund zu tun? Sitzt er am Ende mittlerweile in einem Käfig und wird für den Winter gemästet (da ist Hundefleisch hier im Dorf bei machen beliebt).
Wir haben ihn nicht gerettet, hatte er doch einen Platz und Futter. Außerdem wollen wir Nachbarn sowieso nicht ihre Hunde wegfangen. Ein anderer Nachbar hat laufen kleine schwarze Hunde und irgendwann sitzen sie dann nur noch im Käfig, wenn der Winter naht. Auch die haben sich immer mit mir angefreundet und wenn dann die selbe Hündin, die letzte Woche noch mit mir und unseren Hunden spazieren gegangen ist, mir aus ihrem Käfig frustriert hinterher bellt (und dann irgendwann plötzlich nicht mehr da ist), dann ist das schon ziemlich grauenhaft. Aber so ist Taiwan.
Die Kreischerin aus dem Käfig wollte ich am Ende befreien, aber die Gitter des Zwingers in dem ihr Käfig stand, waren zu dick. Schnippie schien es ja gut zu haben, ganz im Gegensatz zu den anderen Hunden in der Gegend auf der Straße und unser privates Hundeasyl ist eh voll mit 27 Hunden. Und wie gesagt, nicht damit einverstandenen Nachbarn die Hunde zu entwenden ist immer ein Risiko, weil man ständig beobachtet wird.

Na ja, wir überlegen immer zu lange, Taiwan ist dann immer schneller...
Unseren kleinen brauen Hund, der weggelaufen ist, hat es ja auch schon erwischt.

Taiwan got you, babe

Mittwoch, September 16, 2009

Ich liebe Taiwan (noch ist es ja da)

Die Links auf meine schlimmsten Taiwan-Hass-Posts, wenn ich mal wieder einen Taiwankoller hatte, sind überall im Blog verschwunden, he he. Mittlerweile gefällt mir Taiwan wieder, seit ich nämlich aktiv meinen Weggang betreibe, ein eigentlich grausamer Effekt.
Gerade hatte ich einen riesige kostenlose Rindfleischnudelsuppe in der Firma, köstlich!

Auf der Computex sprach mich ein mir unbekannter Kollege an, der auch noch einen deutschen (Wahl?-)namen hatte und wollte wissen, ob mir Taiwan gefiele. "Nur die Rindfleischnudelsuppe und die Damen", entgegnete ich, weil ich gerade dabei war, Messehostessen zu fotografieren. Er war ein liebenswürdiger Kerl, aber ich wollte ihn schnell loswerden, schließlich haben meine Blogleser ein Recht auf Information! [Bitte jetzt Lou Grant hinter seinem Schreibtisch vorstellen]


Longshan Tempel Taipei. Nix wie hin, bald ist es der Lustgarten von Xing Um Lei Tung, dem rotchinesischen Minister für Taiwanfragen

Aber mal Spaß beiseite, langfristig in Taiwan zu bleiben geht wohl nicht. Meine Eltern verlangen, dass ich mich zumindest manchmal um das Ablesen der Gasheizung kümmere, mein Eurokontostand hat die Schwindsucht, seit meine Frau alles in Taiwandollar verwaltet und in die Rentenversicherung zahle ich auch schon Jahre nicht mehr ein. Außerdem stellt sich noch die Frage, wie geht es mit Taiwan 2012 weiter? Wir werden da noch einmal eine Präsidentschaftswahl haben, eine freie Wahl noch mal, denke ich, aber was wird dann? Oder wird der prochinesische Präsident Ma sogar die Wahl 2012 abblasen, weil er Angst um seine Wiederwahl hat? Scheinbar ist er ja momentan so populär wie dieses unheimliche Jucken, das man hier im Sommer öfter an irgendwelchen Stellen hat.

Wenn er wiedergewählt wird, wird es entweder einen Anschluss an China geben (oh graus, muss ich dann mein Blog löschen oder diesen verdammten Aushilfshitler Mao lobpreisen?) oder Taiwan kriegt HongKong-Status (wie ist es dann mit der Meinungsfreiheit?)

Oder er lässt sich halt erst garnicht wählen.

Wird die Opposition 2012 gewählt und will die Vereinigung mit China in letzter Minute verhindern, dann droht wieder mal Krieg mit China, weil sie sich sicher nehmen wollen, was sie schon fast sicher hatten.

Halt Stop! Wie bin ich jetzt von "ich liebe Taiwan" schon wieder auf so ein Horrorszenario gekommen?

Grins....

Ludigel

That feeling starts in my toes...

No I don't have gout. I am talking about those loud cell phones which blast out music like a ghetto blaster we had in the school yard in the 80s, but without the bass. "Let me be your lover, let me be your lover, let me be your lover, let...", I can see that writing texts for songs is not as challenging as it used to be and it's damned early for that anyway at my first morning coffee in the company.
Oh and I hate another cell phone. Always at lunch break, when it's dark and people are sleeping here at their desks, one phone starts singing something about missing her boyfriend and loving him so much, the singer moans like a cat and then continues "That feeling starts in my toes and...."

And then what? Then the whole melody starts from the beginning after it cuts off in the middle of the sentence. Starts in toes and then goes where? Knees? What next? Come one, I need the details.....
[Really, if you never ever get to hear the end...]

Dienstag, September 15, 2009

Lebenslange Haft für Expräsident Taiwans



Formosablog(X), Techblog( )

Stray dog rescue ( )


Taiwans Expräsident (2000-2008) Chen Shui-Bian ist dieser Tage zu lebenslänglicher Haft verurteilt worden (http://www.etaiwannews.com/etn/news_content.php?id=1057087&lang=eng_news&cate_img=83.jpg&cate_rss=news_Politics_TAIWAN), seine Ehefrau ebenfalls. Die Versuchung ist groß Chen, der in Taiwans Diktaturzeit ein prominenter Dissidentenanwalt war, zum Freiheitshelden zu stilisieren, treten Chen und die DPP (in der er Mitgliedwar, nach Inhaftierung ausgetreten ist) doch für die staatliche Eigenständigkeit Taiwans ein (die ja schon vorhanden ist seit 1949 und laut DPP beibehalten werden soll), während der jetztige Präsident Ma Ying-Jeou von der alten diktatorischen KMT-Partei (die allerdings 2008 demokratisch wieder an die Macht gewählt worden ist) für eine Angliederung Taiwans an die Volksrepublik China ist und seine KMT gerade (nur auf Parteiebene!) Verhandlungen über den Anschluss Taiwans an die VR China betreibt, mit der Kommunistischen Partei Chinas als Gesprächspartner.
Expräsident Chen und mehrere Regierungsmitglieder sowie diverse DPP-Lokalpolitiker wurden nach der Machtübernahme der prochinesischen KMT festgenommen, der Fall scheint klar, das diktatorische Peking gegen freiheitsliebende DPP-Politiker, die Taiwan als Demokratie erhalten wollen.


Freiheitsheld Chen ist genauso echt wie dieser VW...

Die Realität sieht aber anders aus. Noch während Chens Präsidentschaft gingen die Vorwürfe der Staatsanwaltschaft gegen Präsident Chen und seine Familie in die Presse. Der Kaufhauskonzern Sogo war damals von der Präsidentenfamilie erpresst worden (erst Gesetz machen, dass Sogo höher besteuert, dann kommt der Präsidentenschwiegersohn und verlangt billige Aktien und dann verschwindet das Gesetz wieder, First Lady transferiert den Aktiengewinn auf schweizer Konto ihres Bruders), Staatsfonts waren verschwunden, meist kleinere Budgets, ein paar Hunderttausend hier und da, private Haushaltskosten über die Staatskasse abgerechnet, hohe Posten an Meistbietende verkauft, Deals mit Lokalpolitikern (Firmen konnten nur gegen Überweisung an den Präsidenten im Gewerbepark Hchinzu investieren), die Liste der Vorwürfe (naturgemäß ist nicht alles bewiesen worden und Verfahren gegen Dritte laufen noch) ist endlos.

Der Präsidentenschwiegersohn war noch zu Chens Amtszeit verurteilt worden, befindet sich jedoch momentan auf freiem Fuß, da er Berufung einlegt. Schon damals sagte die Staatsanwaltschaft, genug Beweise gegen Chen und Frau zu haben. Die First Lady kommt vor Gericht, kann sich aus gesundheitlichen Gründen zunächst dem Verfahren entziehen.

Als Chen 2008 aus dem Amt scheidet geht er fast direkt ins Gefängnis in Untersuchungshaft.
Alles nur ein Komplott der Prochinesen? Nein, Chen und Frau haben eingestanden, 20 Millionen US-Dollar in der Schweiz deponiert zu haben, veruntreute Wahlkampagnenfonds sollen das gewesen sein. Das Geld wollten sie zurückgeben, wie sie anfangs sagten, haben es aber nicht getan.

Sind Chen und Frau unschuldig? Meiner Meinung nach und der des Gerichts nein.
War der Prozess fair? Mit emotionalen Statements der Staatsanwaltschaft, begleitender KMT-Schauprozessrethorik (jeden Tag erzählte ein KMT-Politiker um 12:00 Uhr im Fernsehen, was für ein böser Mensch Chen war, das wurde in fast allen Lokalen zum Essen übertragen) und der traditionellen Verbandlung des gesamten Staatsapparates inkl. Polizei, Staatsanwaltschaft, Gerichten und Militär mit der KMT, ehr nein.
Soll das Urteil Peking zufriedenstellen? Sicherlich, Präsident Ma tut alles, um seinen neuen chinesischen Herren zu gefallen. "Guck mal, ich habe ihn lebenslänglich verurteilen lassen", das kommt gut an, wo Peking sicher mit dem alten "Taiwan-Yes, China-No"-Präsidenten (Wahlkampfslogan 2004) noch ein Hühnchen zu rupfen hat.
Ist die jetzige Regierung besser? Die KMT macht es eleganter. Die alte Staatspartei ist auch mit der nordtaiwanesischen Mafia "Bambusgang" verbandelt. Neulich war der Dalai Lama zu Besuch in Taiwan und KMT-Sprecher und ein "Ex"-Boss der Bambusgang schimpfte wortgleich gegen den Dalai-Lama als Unruhestifter. Die KMT ist Teil des organisierten Verbrechens, könnte man es provokativ paraphrasieren und will außerdem das Land an die Volksrepublik China "verschenken".

Damals fand ich Chens korrupte Regierung furchtbar. Aber im Vergleich zur prochinesischen KMT hatte er schon einen Vorteil. Besser, nur was aus der Staatskasse nehmen, als gleich das ganze Land veruntreuen zu wollen...

Guter Überblick
http://en.wikipedia.org/wiki/Chen_Shui_Bian

Edit: Was wäre ein faires Urteil gewesen? Schwer zu sagen, ohne sich unparteiisch durch dicke Aktenordner der Beweisaufnahme zu wälzen. Aber ich denke mal ein Urteil wie 20/10 Jahre für Präsidenten und Frau hätte als normal empfunden werden können. Alles darüber klingt nach Parteijustiz. Zu befürchten ist, dass Präsident Ma einen Schritt weiter ist, die Demokratie in Taiwan und damit auch ihren Rechtsstaat zu demontieren auf dem Weg nach Peking. Fast könnte man meinen, die Richter hätten nach ihrem lebenslänglich/lebenslänglich die KMT-Parteihymne angestimmt. Trotzdem, es sei noch einmal gesagt, unschuldig ist hier keiner. Richter eingeschlossen.

Montag, September 14, 2009

Freizeittip



Jeder hat ungeahnte Freizeitmöglichkeiten zu Hause, man muss sie nur nutzen. Wir in Südostasien haben z.B. diese spiegelglatten supersteilen Treppen mit winzig kleinen Treppenstufen in unseren Häusern, weil die Asiaten ja so winzig kleine Füßchen haben und keinen Platz, um eine richtige Treppe zu bauen.
Wenn man dann aus der Dusche kommt und sich nicht ganz richtig abgetrocknet hat und die Treppe runtergeht, kann man die neue Freizeiteinrichtung in voller Pracht genießen. Aber daran denken, den Rücken durchzudrücken und den Kopf anzuheben, dann rutscht man richtig wie im Schwimmbad die Rutsche runter.
Habe es jetzt schon zum Zweiten Mal gemacht. Das mit dem Kopf anheben ist wichtig, von wegen Hinterkopf und Treppenstufen.

Asien. Hier geht alles. Oder rutscht.


Die Horrortreppe, allerdings im Demohaus. Bei uns ist nur das Sofa älter :-)
Schwiegermutter wird im Sonnenlicht durchscheinend. Magie!***

*** nein, Frau will keine Familienfotos hier. Keine Namen, keine Fotos. Niemand ist hier (über den Rand des Trenchcoats späh)

Freitag, September 11, 2009

Ludigel wählt ... JETZT (Bundestagswahl) (Update)

Briefwahlunterlagen endlich da, wähle jetzt. Bitte Vorschläge.

SPD? Projekt 18 unterstützen!
MerkelCDU? Weil Internetsperren so schön sind.
FDP? Weil man ja eh mal wieder zum Zahnarzt (FDP-Wähler) muss.
Grüne? Weil Lehrer so nette Kerle sind.

Linkspartei? Damit Oskar wieder weglaufen kann...
Piratenpartei? Damit sie auch morgen noch herzhaft klicken können!

Bitte um Kommentare, schnell, wähle in 5 Minuten....


Nein, Rot habe ich nicht gewählt

EDIT: Man ahnt es wohl schon anhand der Kommentare oben. Ein "Wahlomat" im Internet hat mir solch baren Unsinn vorgeschlagen, gruselig. Angeblich passt die CDU zu mir, sagte das Ding. Brrrrrrrrr. Sägel setzen, ran an die Kanonen, sage ich da lieber.

EDIT: Genau, habe Piraten gewählt, danke für die Vorschläge. Ich bin es leid, dass Politiker, die selber keine Computer nutzen, einem immer wieder in den Medien erzählen, wie böse, böse der Computer ist und dass wir unbedingt Bundestrojaner, Sperrung von "copyrightverletztenden" Webseiten und am Besten einen Bundespolizisten neben jedem Rechner brauchen und "radikale Webseiten" das Nächste sind was gesperrt werden soll.
Mütter mit drei Kindern werden zu dreimal Hundertausend Dollar verklagt, weil ihre Kinder jeder zwanzig Fließband-Poptrallala-Titel von Multimillionären heruntergeladen haben - und mir ist es auch egal wenn jetzt die gesamte Musikbranche ruiniert wird weil ich die Piraten gewählt habe, denn wenn statt drogensüchtiger und beruhigungsmittelschluckender Pseudo-Popprinzen die R&B-Band im Ort wieder Geld macht statt Michael "mir fällt die Nase ab" Jackson, dann ist das auch OK.
Und, Oh weh, wir bösen Auslandsdeutschen, wenn wir über das Netz Fernsehen von Zuhause gucken würden, das wäre ja ganz, ganz schlimm, Untergang des Abendprogramms ist nichts dagegen...
[so, Kanonade vorbei]

EDIT 2: Kaum habe ich die Piraten gewählt, grinst der Vorsitzende von dem Haufen auf der Webseite der ultrarechten "Junge Freiheit" herum: http://www.junge-freiheit.de/Single-News-Display.154+M50cb87b0c6c.0.html
Absichtlich nicht verlinkt, man kann es ja in den Browser kopieren. Danke sehr.
OK, die Piraten haben einen Ultra-Freiheitsansatz und reden deshalb mit allen, was ihnen in der letzten Zeit machnen Gegenwind einbringt. Nun war der stellvertretende Vorsitzende der "Jungen Freiheit" kürzlich noch ausversehen ins publizistische Netz geangen. Aber dass dann der Vorsitzende gleich hinterher springen muss ist schon merkwürdig. Mit Verharmlosen von Rechtsradikalen fängt so manches Unglück an.
Äh Bundeswahlleiter.... kann ich meinen Wahlbrief zurückhaben?