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Dienstag, Juni 11, 2013

Die schlimme Amerikanerin

Ein Mediengewitter zieht (mal wieder) über jemanden aus dem Westen danieder

Taiwan wird schon seit ewigen Zeit als ein extrem gastfreundliches Land beschrieben. Ist es sicherlich auch noch, auch wenn sich bei mir seit einiger Zeit so das Gefühl einschleicht, als ob die ständigen Stürme in der Medienlandschaft, die gegen einzelne Ausländer gerichtet sind,  das Klima langsam drehen. Oder jedenfalls die Freundlichkeit deutlich abmildern. Aber so etwas ist immer subjektiv und ich will hier nicht jede unfreundliche Begegnung in der letzten Zeit wiederkäuen. Die Ausländer, die im Zentrum eines solchen "Shitstorms" stehen, sind sicher nicht immer Engel. Manche haben vielleicht etwas ungehöriges oder gar Kriminelles getan, andere gar nichts Außergewöhnliches. Die Gemeinsamkeit aller Fälle ist immer wieder, dass die Story erst dadurch in die Presse kommt (oder die außergewöhnliche Breite ihrer Berichterstattung erfährt), weil der Protagonist dem Typus "Weißer" entspricht.
Hier das jüngste Beispiel: Eine Frau, die vermutlich eine (weiße) Amerikanerin ist, hat in Taipeis MRT (die U-Bahn/Schwebebahn) einen normalen Sitzplatz für sich und einen für ihre Einkäufe belegt. Vor ihr scheint sogar ein freier (!!!???) "Priority"-Sitz zu sein, also einer, der speziell für ältere Leute, Eltern mit Kindern oder Bedürftige gedacht ist und den man frei machen soll, wenn eine solche Person darum bittet. Aber der hat hier mit der Frau nichts zu tun, sie sitzt da nur in der Nähe. In diesem Fall, der es bis in die Taiwanpresse schaffte (LINK zur "Chinatimes") und eine Facebookcampagne auslöste (durch die Person, die ein Handyvideo drehte: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=997207805663&set=a.530677406323.2055102.26206451&type=1&theater), hat angeblich eine ältere Frau die Amerikanerin gebeten, einen Sitzplatz für sie frei zu machen, was die Amerikanerin ablehnt und in dem entstehenden Streit angibt, für die US-Vertretung in Taiwan (das AIT, American Institute in Taiwan) zu arbeiten, was wohl den filmenden Taiwaner oder die anfragende Seniorin abschrecken soll. Sicher ist das ein ungeschicktes Verhalten. Unfreundlich und egoistisch wäre die Amerikanerin, wenn denn keine anderen Sitzplätze frei wären. Ist der vor ihr frei? Sind noch mehr Sitze frei? Man weiß es nicht.

UPDATE: Wenn man das Facebook-Foto mit dem Chinatimes-Foto vergleicht sieht man, dass der frei aussehende Sitz im Vordergrund auf dem Chinatimes-Foto weggeschnitten wurde! So passt die Story von der bösen Ausländerin besser.

 Vorsicht wo man gerade herumsteht oder sitzt in den Straßen Taipeis.

Ich selbst habe mal gesehen, wie jemand in der MRT einen Sitzplatz mit Tüten belegte, obwohl die Bahn recht voll war. Gut, da hat kein Senior angefragt, niemand hat gefilmt, der Vorfall hat es nicht in die Medien geschafft. War ja auch kein Ausländer involviert. Mehrfach habe ich bereits Senioren in der MRT Platz gemacht, aber zweimal hat sich dann sofort ein junger Mann auf meinen gerade frei gemachten Platz gesetzt (und hier ist keiner der wenigen Ausländer gemeint) und den Senior einfach ignoriert. Mit 20 bewegt man sich halt schneller als mit 70. Ich habe dann mein Bedauern gegenüber dem Senior zum Ausdruck gebracht, aber sonst nichts gemacht. Sprachbarriere und die Tendenz zum Ausländer-Shitstorm in Medien haben mit da vorsichtig sein lassen. Schnell könnte sich ein Streit entwickeln, ein anderer Taiwaner filmt und dann heißt es vielleicht: "Unverschämte Bignose will Sitzplatz in MRT haben, Senior steht daneben!" Oder auch nicht. Der Punkt ist, es ist sehr leicht aus einer der kleinen Widrigkeiten des Alltags in Taiwan ein nationales Medienspektakel zu machen, sowie ein Ausländer involviert ist. Ein Taiwan-Senior mit Handykamera anbei könnte in der Tat von einem Westler verlangen, ihm genau den Sitzplatz X frei zu machen, auch wenn ein anderer noch frei ist. Wehe, er spurt nicht. Dann schickt man das Video an die Presse.

Wer sich jetzt über die vielleicht ja tatsächlich unverschämte Amerikanerin aufregt, der möge sich fragen: Hätte es der Fall auch in die Inselpresse geschafft, wenn hier nur eine von unzähligen Taiwanerinnen säße, die wieder mal einen Sitzplatz mit Einkäufen voll gestellt hat? Sicher nicht.

Das AIT untersucht den Fall intern, hat es in einer Presseerklärung verlauten lassen, die jemand im Ausländerforum zitiert hat. Und die Frau wird sicher aus Taiwan weg versetzt werden, wenn sie am AIT gearbeitet hat, vermute ich. Unabhängig davon, ob nun ein Platz frei war oder nicht.

Westler sehen anders aus, daher verfolgt die taiwanische Öffentlichkeit sie mit zunehmender Tendenz kritischer. Wer anders aussieht, ist immer ein guter Sündenbock. Das ist auch in anderen Ländern so, nur in Taiwan ist man da hemmungsloser, der ungezügelten Boulevardmedien (das ist hier praktisch die gesamte Medienlandschaft) wegen, die die ehemals so populären Weißen als auflagengarantierenden Prügelknaben entdeckt haben.

Bedenklich finde ich, dass vielleicht auch bald Leute auf die Idee kommen, eine Ausländerstory für die Presse zu fabrizieren. Denn dann kriegen sie das Video mit Sicherheit auf Webseiten und viele Hits auf Youtube. Eine Seniorin stand in einem kleinen Nudelrestaurant einmal wütend vor mir und wollte wohl, dass ich ihr Platz mache, obwohl ich gerade am Essen war und das Lokal voller Taiwaner aller Altersgruppen war. Habe ich nicht, ich kann ja schlecht die Nudeln im Stehen essen. Es kann also durchaus sein, das hier eine Ausländerin herausgepickt wurde. Oder auch nicht und sie war wirklich unverschämt. Aber die Wahrheit prüft hier niemand, es geht nur um die Medienaufmerksamkeit.


Update: Diese Internet-Shitstorms gegen Ausländer ähneln der chinesischen "Flesh Search Engine", wo chinesische Netznutzer einzelne (allerdings i.d.R. chinesische) Übeltäter im Netz anklagen und aburteilen. Einfach mal ergoogeln, ich will mich hier nicht in chinesischen Seiten verlieren...

Montag, Juni 10, 2013

Der deutsche Ober

Samstag in Taipei in einem guten Restaurant, das auf französisch macht, aber eigentlich japanisch ist. Tapernyaki-Style, wo der Koch vor einem am heißen Blech das Essen brät. www.chamonix.com.tw. Na, das klingt französisch. Kleine Leckerli aus Fisch und Fleisch, mundgerechter geeister Pfirsich mit anderem Kleinobst auf dem Löffel. Haps, ist es weg. Der Ober, der exklusiv für uns und den Nachbartisch zuständig war wie es schien, stand ständig bei der eigentlich auf die Philippinen ausgewanderten Schwester meiner Frau, die gerade zu Besuch und mit am Tresen (Tische haben die dort eigentlich nicht) saß. Hier schwadronierte er so lang und ausgiebig mit der Ausgabe 2 (mit Varianz) meiner Frau, dass mir sofort klar war, dass er sich die angenehmste Gesellschaft am Tisch ausgesucht hatte - gleich nach meiner Frau natürlich. Er hatte ihr wohl erzählt, er sei in Deutschland aufgewachsen. So berichtete mir die Schwester immer zwischendrin, wenn er gerade mal kurz am anderen Tisch war. Bis zum 16. Lebensjahr sei er da zur Schule gegangen, dann sei er in die USA immigriert. "Du kannst mit ihm Deutsch reden", rief die Schwester. Ich nickte nur, aß das leckere klein geschnittene Steak mit Soße und sagte "Thank you", als der Ober mir die Gratisbrause nachschenkte ins Weinglas. Niemals Taiwaner zum Ausländertalk ermutigen. Niemals. Im zehnten Jahr habe ich da so viel erzwungenen Smalltalk erlebt, dass ich mich niemals freiwillig für diese "where you from?" - Konversation melden würde. "Er redet doch so komfortabel mit Dir", erwiderte ich neckend. Und das entsprach auch der Wahrheit. Mich würdigte er bei all dem langen Gespräch über Deutschland keines Blickes, erzählte dann aber der Schwester, er würde kein Wort Deutsch sprechen, weil er es nie richtig gelernt hatte. Was ja auch logisch ist bei 16 Jahren Kindheit in Deutschland. Pisa und so. Handzeichen gehen ja auch.
Meine Frau erwähnte, einer der Nudelverkäufer in Jhongli bei Taoyuan habe uns mal erzählt, er sei Spanier. Dabei sah er eben wie ein taiwanischer Nudelverkäufer aus. Und ich hätte ihn daraufhin auf Spanisch (damals konnte ich in der Tat noch etwas Spanisch aus meiner Lateinamerika-Trip-Zeit) angesprochen und er habe nicht mal "Hola" (Hallo) verstanden. Gut, bis zum Hallo ist er vielleicht nie gekommen, kann ja alles sein. Handzeichen eben. Ich widerstand der Versuchung dem flirtenden Ober ein schwieriges "Danke" entgegen zu schleudern, bin ich doch wirklich immer um das Gesicht meiner Inselgenossen hier besorgt.
Das Essen ist gut im Chamonix und Schwesterherz ist seit ihrer Expat-Genesis wirklich eine beeindruckende und sehr attraktive und charmante die Welt kennende Frau, was will man da dem Obristen übel nehmen, dass er sich auch in einen weltenbummlerischen Charmonix verwandeln will. Charmeur meine ich. Wahrscheinlich dachte er erst, ich sei Amerikaner, wie üblich.

Deutschlandreise

Noch diese Woche, dann geht es mit Frau und Junior nach Deutschland, damit meine Eltern ihren Großsohn sehen können. Meine Frau ist entsprechend in einer nervös-aggressiven Stimmung. Sie hasst in Deutschland zu sein so sehr, das sie es oft mit dem Irak und Afrika vergleicht. Der Grund dafür ist, das es keinen Seven-Eleven in Deutschland gibt. Außerdem ist alles weit und tot und leer, steril und still. Es ist interessant mein eigenes Land durch ihre Augen zu sehen. Nun werden wir also zusammen die 14 Tage durchstehen müssen, die wir aus dem mythischen Paradies Taipei vertrieben sind, werden ohne seine würzige, klare, gesunde Luft, die anheimelnden Passagen zwischen den Prachtwohnungen und ihr Dekors auskommen müssen. Werden vor allem die Mopeds und die netten Autofahrer vermissen. Mich erstaunt immer wieder ihr verzückter Gesichtsausdruck, wenn die letzten 2 Tage des Deutschlandurlaubs gekommen sind und sie jubelt "Bald bin ich wieder in Taipei". Und mir wird immer klar, dass alle Pläne, dass sie jemals nach Deutschland zieht, reine SciFi sind. Sie hält es die 14 Tage weniger aus als ich fünf Jahre Taipei ohne Unterbrechung aushalten würde. Geschätzt. Was natürlich klar beweist, wie viel besser die Lebensqualität in Taipei ist. Und ich werde mich erst wieder entspannen können, wenn die Reisevorbereitungswoche und zwei Wochen Gattinnen-Tortur in Deutschland vorbei sind und wir wieder entpannt im heimischen Taipei sitzen.

EDIT: Ich bin immer noch am grübeln, wie ich dieses Blog künftig gestalte. Vielleicht nehme ich solch persönliche Dinge in Zukunft raus. Mal gucken, ob dies Posting die turnusmäßige Überarbeitung überlebt ;-)


Freitag, Juni 07, 2013

Besorgt um Mitarbeiter

Arbeitsplatzbelastung in Lustifus Stinky Tofu Generator - Fabrik

Wie bereits mehrfach berichtet stellt unser im Aufbau befindlicher Familienbetrieb ja benzingetriebene Stinky-Tofu-Generatoren her, die die Art revolutioniren soll, in der die Taiwaner ihren Stinky-Tofu (Taiwankenner wissen den an Fäkalien erinnernden Geruch dieser taiwanischen Spezialität zu schätzen) zubereiten. Doch die Eröffnung so einer Fabrik ist nicht ohne Hindernisse. Insbesondere die Probeläufe der neuen Generatoren sind mit Abgasen verbunden, da kann unser Chefingenieur Scotty Chen auch noch so sehr den Antimaterie/Materiemix einstellen und die Deuterionenkonzentration in dem handlichen kleinen Generator nachregulieren, es stinkt eben einfach.

Manchmal ist die Stinky-Tofu-Wolke so schlimm, dass man nicht mehr sieht, wo man hin geht. Übrigens hält die Mitarbeiterin rechts innen eines unserer neuen "Stinky-Tofu-Eis in der Eistüte" in der Hand. Mit leckerer Waffel dazu. Einfach eisgekühlt und in Kugelform spuckt unser neuster Automat PINGUIN-1000 XTraStink das leckere eigekühlte Stinky-Tofu aus. Genau das Richtige für den heißen Sommer.
Die Mitarbeiter links leiden leider gerade an Atemproblemen in der Wolke und werfen verzweifelt die Arme hoch.

Auch der tapfere Versuch der Kolleginnen die Luft zur Seite zu fächern (Bild) funktioniert längst nicht immer. Alltag in der Fabrik.

Hier ist Seven of Seven von unserem Ingenieursteam dabei fluchtartig die Wolke zu verlassen. Deutlich sieht man das gefährliche blaue Leuchten des Warp... äh... Tofu-Kerns vom Tischgenerator im Hintergrund.

Einige Mitarbeiter haben sich aber schon einen schnellen Ausfallschritt antrainiert, wenn die Wolke kommt. Luft zur Seite fächeln und dann blitzschnell zur Seite wegtauchen. Die Sache mit der Vergrößerungsmöglichkeit der Bilder erwähne ich jetzt nicht, ist ja auch so klar erkennbar die Wolke.


Wo sind denn nun wieder alle? Äh... never mind. Wir haben nächste Woche eine Betriebsratsversammlung, da gucken wir mal wie wir das mindern können.

Ich wünsche ein schönes Wochenende. Und wenn Sie in Taiwan sind: tauchen Sie rechtzeitig vor den Tofu-Schwaden ab.




Der Fluch des Soligor

Superweitwinkel zum 5. Mal gekauft

Im Jahre 1998 erstand ich mein erstes Superweitwinkel, damals noch für die analogen Minolta Dynax Kameras. Ein Soligor 3.5-4.5/19-35mm. Soligor war damals ein US-Unternehmen mit deutschem Ableger, das von anderen Herstellern Objektive und anderes fertigen ließ und diese unter eigenem Namen verkaufte. Das Soligor hatte ein billig wirkendes Gummigehäuse und gehört zu den Online geschmähten Billiglinsen. Es wird daher von Laien oft schlecht bewertet, während sein in der Optik baugleicher Tokina-Zwilling gut bewertet wird. Das Soligor fühlt sich gummiartig labbrig an, macht aber gute Fotos. Geschlagene 320 DM hat es damals gekostet, wenn ich mich recht erinnere. Die Freude währte nur kurz, schon 1999 wurde mir das Objektiv zusammen mit der Kamera und einem lichtstarken Normalobjektiv, dem Videorekorder und dem PC aus meiner damals unversicherten Einzimmerwohnung in Darmstadt-Griesheim gestohlen.

Verkäufer-Foto: Der Fluch geht weiter

Der Soligor-Fluch nahm seinen Anfang. Ich kaufte es noch einmal, diesmal stand allerdings "Voigtländer Ultragon" an dem Objektiv dran, das sonst völlig identisch war. Voigländer war ja ein deutscher Traditionshersteller, der im Zuge der japanischen SLR-Offensive vom Markt gefegt worden war in den 80ern denke ich und dann zu Rollei gehörte, die nun ebenfalls vor der Konkurrenz von Canon und Nikon und sogar Minolta die Segel streichen mussten. Soligor kaufte flugs die Marke Voigtländer auf und konnte sich so mit seinen Objektiven im Glanz eines alten (wenn auch wenig zugkräftigen) Markennamens sonnen. Mein Ultragon war so gut wie das Soligor vorher, allerdings wäre ein Fluch nicht ein Fluch, wenn es so einfach weiter ginge. Bei einem Urlaub in der Dominikanischen Republik (wenn ich sagen würde: auf der Insel Hispaniola klänge es besser, gell?) wurde es mir gestohlen im Jahre 2000 schon oder dergleichen.

Doch so leicht bin ich nicht unterzukriegen. Flugs ging es wieder ins Fotogeschäft (die kannten mich da schon) und ich erwarb das in einer Annonce angepriesene Tokina mit gleichen Eckdaten. Glücklich war ich über meinen Kauf, hatte das Original doch ein stabiles Metallgehäuse und kostete nur noch 180 DM. Mittlerweile wollte man es nämlich als Standardzoom für die neuen APS-C Digitalkameras vermarkten, bei denen sich die Brennweite ja entsprechend verlängert. Der Fluch schien vorbei, denn geschlagene 11 Jahre leistete mir das Tokina treue Dienste, zehn davon an Minolta-Kameras. Doch ab 2010 tat es Dienst an meiner Sony Digitalkamera und ging 2011 nach nur einem Jahr kaputt. Der AF hakte und stotterte plötzlich und auch manuell ging der Fokus nur noch schwer einzustellen.

Was tut man wenn man einem richtig langen Fluch zum Opfer gefallen ist? Man kauft das nächste. Für nur 47 Euro erwarb ich ein gebrauchtes Soligor, völlig identisch. Sah aus wie mein altes - von Ebay. Der Besitzer war auf eine digitale Kamera umgestiegen von der alten Minolta. Sicher auf eine Canon, da konnte er das DIng nicht mehr gebrauchen. An meiner Sony funktioniert aber das alte Minolta-Zeug großartig, also erwarb ich es. Doch dieses Jahr fängt der AF an zu haken, wenn auch nur bei 35mm, die ich so gut wie nie nehme an der Linse. Möglicherweise verträgt die alte AF-Mechanik im Objektiv nicht den harten und schellen Sonymotor, denn das Soligor klingt beim Scharfstellen laut und knarzig. Ich nahm mir vor diesmal, wenn es endgültig aufgibt, ein tolles Minolta 2.8-4.5/17-35mm zu kaufen. Doch einem Fluch entkommt man nicht so leicht. Eben sah ich eine angebotene alte Minolta bei Ebay und huch... ein Objektiv ist ja auch noch dran. Etwas unscharfes Foto, aber sofort erkannte ich mein altes Soligor/Voigtländer-"Schätzchen". Diesmal heißt es Cosina, ist aber wieder genau das Soligor (Cosina war kurzzeitig auch pleite und auch Soligor zum Opfer gefallen denke ich). Für 21.50 Euro plus Versand konnte ich nicht widerstehen. Der Fluch geht weiter. Und weiter. Unter dem Namen Vivitar sieht man die Linse auch manchmal bei Ebay...

Das war nerdischer Fototalk, denn ich bin ein viel größerer Fotonarr als Computernerd und könnte Sie über das Thema bis zum Herzstillstand langweilen. Aber wer immer noch hier ist, ist selbst schuld. Habe schließlich neulich die URL gewechselt ;-)

P.S.: Wenn meine Frau die ganzen alten Minoltaschätzchen sieht, die in Deutschland schon auf mich warten (bin bald auf Heimaturlaub), dann fängt sie an zu schreien. Hoffentlich wirft sie nicht mit dem Soligor. Äh... Cosina.

Donnerstag, Juni 06, 2013

Life and Marriage


"Leben und Ehe", ein Bild bei dem jedes weitere Wort zu viel wäre.


Das Bild vergrößert sich mit Firefox Mittelklick oder Linksklick, ggf. mehrmals. Es wirkt erst in der Größe. Und bitte nicht auf mich beziehen, es ist einfach eine Geschichte, die mir die Umgebung erzählt hat. Aufgenommen ist das Bild hinter dem CSK-Memorial, das bereits hier (LINK) zu sehen war. Das oberste Bild in dem anderen Beitrag ist auch (ich nach links gerückt) der Standort dieses Bildes. Das Tele fängt dabei den Ausblick auf die "Marriage Street" ein. Eine Straße, in der viele Brautkleidläden und Fotostudios und spezielle Hochzeitsbäckereien versammelt sind, damit sich Paare hier effizient dem Heiratsritus unterziehen können. Hier bestellt man die teuren Hochzeitskekse, die an diverse Verwandten geliefert werden, leiht sich die weißen Klamotten für das Foto und geht zum Hochzeitsfotografen etc. Verlobungsbilder sind das, die auch meist gleich in der Straße aufgenommen werden.
Ups... jetzt sind es doch wieder der Worte zu viel. Denn ob dann die Ehe auch so nett wird wie die Fotos oder sich im grauen Einerlei des Alltags in Schlichtwohnungen verliert - wer weiß.



Die inneren Bezirke der Seele suchen

Ludigel liest im STERN. Er sollte es lassen.

Immer wenn ich in deutschen Printmedien (natürlich meist elektronisch) lese, kriege ich einen Rappel. Den SPIEGEL lese ich nicht mehr, dieses linksautoritäre meinungsdiktierende Gutmenschenblatt kann ich nicht mehr verdauen. Derzeit versuche ich es mit dem STERN, den es ja neuerdings wieder per PDF gibt. Aber ich bin wohl schon zu weit von Deutschland entfremdet, um mit diesem Zeug noch was anfangen zu können. Beispielsweise steht da ein Ratgeber für Leute über 40 und, so liest man, die erste Hälfte habe dem Lebensaufbau gegolten, während die zweite nun "der Suche nach den inneren Bezirken der Seele" (STERN 23/2013, S.98) dienen solle. Da dachte ich: Keine Ahnung wo die inneren Bezirke meiner Seele sind. Junior hat sie wahrscheinlich irgendwo unter sein Spielzeug gewühlt.
Und es geht weiter. Man solle eine "Flucht nach Vorn" in Erwägung ziehen (hä?) und eine "Chancenanalyse der Sehnsüchte" betreiben. Solcherlei Tipps, u.a. von einer Psychologin namens Pasqualina Perrig-Chiello gibt es da.
Nun sitze ich hier mit kleinem Sohn und taiwanisch-aufgedrehter Frau am Rand der Weltscheibe, baue gerade ein Unternehmen mit auf, ziehe den erwähnten Junior groß und dann ... dann soll ich mir solchen Schwachsinn durchlesen? Ich sage es mal so, wenn ich irgendwann eine "Pasqualina Perrig-Chiello" oder eine "Soraya Hüttenkötter-Palmschmiegler" brauche, um zu wissen, wie ich mein Leben bestreite, dann suche ich mir am besten eine hohe Klippe und springe runter.

Mein Gott (welcher auch immer), es wundert mich langsam, dass die Deutschen noch lebensfähig sind vor lauter linksintellektueller Bräsigkeit. Was natürlich nur heißt, dass ich mich von meiner alten Heimat doch schon sehr entfremdet habe, so dass ich dieser Tage überlege, ob ich überhaupt noch an der nächsten Briefwahl zum Bundestag teilnehmen werde. Merkel oder Steinbrück? Die Frage ist so unernsthaft, dass sie sich einfach von selbst lösen wird.

Ich klicke den STERN jetzt zu, sonst kriege ich noch Magengeschwüre.

"Die Phase ab 40 ist vergleichbar mit der Pubertät" führt Frau Ch. weiter aus, ich konnte es nicht lassen. Da frage ich noch mal "hä?". "Häufige Stimmungsschwankungen, Schlafstörungen und Unruhe machen die Jahre nach dem 40. nicht angenehm."

Ludigel hier schläft wie ein Baby. Habe ja auch eins. Und schlechte Laune habe ich nur beim STERN-Lesen.  Jetzt ist Schluss, beim Lesen jedes Satzes merke ich, wie sich mein IQ um 1 vermindert....



Keiner will Lustifus* Stinky Tofu - Generatoren

Ludigels Familienbetrieb läuft. Aber...

Tatsächlich läuft unser Familienbetrieb gut. Mysteriös nur: Trotz 700 Flyer auf der Computermesse COMPUTEX, die ich wegen der eigenartigen Bekleidung der Messehostessen meist LATEX nenne, hat niemand auch nur einen einzigen "benzingetriebenen Stinky Tofu-Generator" bestellt. Es ist zum Auswachsen. Dabei hatten wir extra einen Lieferservice auf das Messegelände geplant.

Das Problem ist natürlich offenkundig. Wer auf der COMPUTEX ist, hat für Stinky Tofu kein Auge, sondern achtet nur auf die zahlreichen... äh... "Motherboards", wie die Leute immer sagen. Ich finde das klingt irgendwie chauvinistisch, aber die meisten Leute meinen wohl wirklich die Platinen.

Mann kann so einen kiloschweren benzingetriebenen Stinky-Tofu-Generator natürlich auch nicht so elegant am Finger balancieren wie dies Gadget oben im Bild (ja, da ist ein Gadget!). Sonst könnten wir uns ja vielleicht auch schon mal eine Messehostess zulegen. Mein Lieblingsneffe, der dünn wie ein Laternenpfahl nach dem Sandstrahlen ist, hat freilich meine Idee mit der Perücke abgelehnt. Taiwanische Angestellte die Ansprüche stellen, unglaublich. Am Ende wollen sie noch geregelte Arbeitszeiten und bezahlten Urlaub im ersten Jahr, pah.

Schlimm natürlich auch, wenn einem so ein Generator auf den Fuß fällt...

 Nicht einfach ist es natürlich auch sich mit den jungen Frauen zu unterhalten. Meine Frage, ob sie denn mal meinen Stinky-Tofu-Generator für ein paar Minuten probeweise halten würde, hat diese junge Frau etwa mit einem erschreckten Abtauchen in der Menge beantwortet. 

Auch entsprechen die jungen Damen nicht unbedingt der typischen Stinky-Tofu-Kundschaft. Ich meine, die links hat schon im Prinzip die richtige Frisur, allerdings müsste sie noch Lockenwickler reindrehen und man muss sich ein paar Jahrzehnte dazu denken, dann kommt es hin. Zielgerichtetes Marketing ist halt eine Kunst.

Noch vor Jahren hatte ich Marketing für USB-Festplatten gemacht, die erst funktionierten, wenn man einen kleinen orangenen Schlüssel reinsteckte. Mein Slogan "PLUG-IN AND ENJOY" fand dann aber doch wenig Gegenliebe. Merkwürdig. 

So.... keiner wollte meine Generatoren haben... mal gucken, wo ich das Vorführmodell jetzt abstelle am Besten.


Hmmm... den rethorischen Bogen von Stinky Tofu zum Dritten Reich zu schaffen, würde wohl sogar mich überfordern.


Ups... ich dachte erst das wäre mein Neffe... never mind.

Soweit für heute die Berichterstattung aus meiner Unternehmertätigkeit hier am Rande der Weltscheibe. Unbezahlbare Einblicke in die unternehmerische Tätigkeit von Expats im Fernen Osten. Männer ohne Nerven am Rande des Tellerrands. Nur im Taiwanblog. Wer immer noch hier ist, ist selber schuld. Habe ja schließlich schon die URL gewechselt.
 

* Namensvorschlag aus den Kommentaren angenommen

Mittwoch, Juni 05, 2013

Tscheche mit Floß auf dem Weg nach Japan

Mutiger Ausländer ohne Geld mit selbst gebautem Floß unterwegs

Was soll man machen, wenn man in Taiwan alles Geld ausgegeben hat (so berichtet jedenfalls die Zeitung in diesem Fall) und man sich kein Flugticket mehr leisten kann, um nach Hause oder sonst wo hin zu reisen? Ganz einfach, man baut sich ein Floß aus Treibgut, schließlich ist man auf einer Insel. Und dann ab zu nächsten großen Insel - Japan. Oder genauer gesagt Okinawa.

http://iservice.libertytimes.com.tw/liveNews/news.php?no=817032&type=%E7%A4%BE%E6%9C%83

Das jedenfalls spuckt der Google-Übersetzer aus. http://translate.google.com/
Er wurde allerdings von Fischern gesehen, die sich um ihn sorgten und die Küstenwache Taiwans verständigten, die ihn aufgriffen. Er gab gegenüber der Küstenwache an, den Film "The Life of Pi" als Vorbild genommen zu haben. Sie erinnern sich vielleicht, dies Ding wo ein Inder auf einem Rettungsboot im einem Tiger herum rennt - von einem taiwanischen Regisseur gedreht.

Dienstag, Juni 04, 2013

Junior tanzt

Ein ferngesteuertes Spielzeugauto made in China, eine etwas merkwürdige Konstruktion, die Räder an endlosen spreizbaren Stelzen. Es gibt auf Knopfdruck Technobeats von sich und kann sich so schnell im Kreise drehen, dass es vor den Augen verschwimmt, genau wie hier im Bild.


Der Spaß dauert freilich nur 10 Minuten, dann sind die Batterien alle.

Junior empfindet es allerdings eher als störend, wenn ich mit dem Ding rumsause. Er holt das Auto dann immer zurück, nimmt mir die Fernbedienung ab, drückt auf den Musikknopf und tanzt zu dem blinkenden Ding, das dabei leicht auf und ab wippt. Spart auch Batterien.

Schon erstaunlich, wie das Ding Pirouetten dreht. Besser als das naturgetreu aussehende Sturmgewehr neulich, das bei Betätigen des Abzugs kommunistisch-patriotische Lieder sang. Auch aus der VR-China natürlich. Weil sich der ultralaute Gesang nicht regulieren ließ, wanderte es gleich in den Müll. Meine Taiwanfamilie freilich kicherte über die von strenger weiblicher Stimme vorgetragenen Revolutionsgeänge. Schon kurios, ein kapitalistisches China baut kommunistische Gesänge in Plastikgewehre ein...

Montag, Juni 03, 2013

Star Trek into the books

Habe am Wochenende den neuesten Star Trek Flick gesehen: "Star Trek into Darkness". Ach so, wenn irgend jemand in diesem Posting einen Bezug zu Taiwan entdeckt (außer diesem Satz), kriegt er einen Euro überwiesen.

ACHTUNG: Spoilerwarnung. Nur lesen, wer den Film schon kennt oder nicht sehen will.

Im Wesentlichen wird der neue Star Trek - Film ja gelobt von der Kritik. Aber was mich extrem störte und was niemand sonst zu wissen scheint: Der Film ist zu großen Teilen von diesem Star-Trek-Roman ("Dreadnaught") geklaut. Da hat man große Teile der Handlung. Dann fehlt nur noch ein zweiter Bösewicht und es wirkt in dem Film in der Tat manchmal merkwürdig, dass es zwei von der Sorte gibt. Gut ein Drittel des Films ist nämlich ein Remake aus dem originalen Star Trek II: Der Zorn des Khan. Ich finde es schon ziemlich arm, dass Abrams nichts anderes fand, als den originalen Star Trek II zu parodieren (bis hin zur direkten Übernahme von einzelnen emotionslastigen Filmszenen: "Kaaaaaaaaaaaaaahn!"). Allerdings ist die Kombination mit dem erwähnten Roman, der sozusagen das Grundgerüst darstellt, handwerklich gut gemacht. Und mit ein bisschen 9/11-Terror dazu ergibt sich gutes Actionkino. Kein richtiger Trek, aber eben Abrams Popcorn-Trek. Für einen netten Filmabend reicht es freilich. Und ich werde es sicher im Heimkino noch mal gucken und kräftig "Kaaaaaaaaaahn!" mitbrüllen.

Was macht Abrams nun beim Reboot-Film Star Trek III? Spock oder Kirk wiederbeleben braucht er nicht, das hat er effizienterweise im II gleich mit gemacht. Also kommt als nächstes die Sachen mit den Walen und der Zeitreise nach San Francisco, Trekker wissen wovon ich rede. Oder irgendwie so.

So, musste mal raus die Info mit dem Klau aus dem Roman, denn selbst die dicksten Fans in den Foren scheinen es nicht gemerkt zu haben...

Wieder Massenverseuchung von taiwanischen Lebensmitteln

Offensichtlich liegt wieder eine breite Massenverpanschung von taiwanischen Lebensmitteln vor, wie auch beim letzten Lebensmittelskandal. Damals ging es um Flüssigkunststoff, einem illegalen Palmölersatz - das Taiwanblog hat mehrfacht berichtet. Diesmal geht es um Stärke mit industriellen Additiven, die gesundheitsgefährdet sind und bei mir recht starke allergische Beschwerden auslösen. Wobei das Wort "allergisch" hier eigentlich falsch ist, schließlich sind die vom Körper beanstandeten Stoffe ja in der Tat gesundheitsschädlich und haben in Nahrung eigentlich nichts zu suchen.

Wieder mal sind die Bubbleteekugeln* betroffen, außerdem Instantnudeln, Eis, Milichprodukte und wahrscheinlich so gut wie alles in Taiwan. Milchprodukte sind wohl besonders betroffen, wie ich persönlich gemerkt habe.

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/06/03/2003563860

Nach wiederholten Erfahrungen dieser Art kann ich von Milchprodukten in Taiwan nur dringend abraten. Man muss sich ein hiesiges Trinkjoghurt wohl als eine Art flüssiger Toilettenstein vorstellen, von der chemischen Zusammensetzung her. Was auch meine Hustenanfälle erklärt, die ich neuerdings immer beim Joghurtgenuss hier habe. Aber bald bin ich auf Heimaturlaub. Da esse ich Eis und Joghurt bis zum Abwinken. Es leben die deutschen Landwirte! Und ihre taiwanischen Berufskollegen, die Chemiewerker, lassen wir hier unerwähnt.


* Die in Deutschland verkauften gummibärenartigen Bubbleteekugeln haben damit nichts zu tun. Die in Taiwan sind völlig anders.

Stinky-Tofu-Generatorfabrik hat Arbeit aufgenommen

Start der großen Zukunft. Wo ich bin ist vorn. Vorwärts zum Tofu. 
Wenn der Tofu stinkt, ist auch der Kapitalismus stark. 

Nun ging es also los mit dem neuen Projekt im Familienkreis, dem ich als eine Art Consultant oder sagen wir mal Schrimherr meine Hilfe angedeihen lasse. Das Projekt hat sich ja als eine Art Nemisis dieses Blogs erwiesen*, habe ich doch durch Änderung der URL große Teile der Blogleser abgehängt, um endlich unentdeckt irgendwo in einer Seitenstraße in Taipei mit der Werktätigkeit loslegen zu können. Doch in der erst gemieteten kleinen Fabrik (oberes Bild) bin ich nicht so richtig glücklich geworden.


 Wir Laowai haben ja immer etwas zu meckern, Riesenkäfer zu schnell, zu braun, zu schwarz, können in der Mittagspause nicht in Ruhe schlafen wegen dem vielen Beinchengetripple etc. Also fanden sich schnell representativere Geschäftsräume, gleich gegenüber irgendeinem Bürogebäude oder einem Sanatorium für altgediente KMT-Kader oder was immer das ist. Im Bild unten hebe ich höchstselbst die Produktionsmaschinen vom Blue-Truck und wunderte mich noch über den Wirbel, den die Einheimischen dabei machten.


 Was die da alle rumstehen möchte ich mal wissen, hätten ja mit anfassen können. Und wass ist das für eine neuer Modetrend hier momentan?

Wie auch immer, schnell waren die Geschäftsräume gegenüber eingerichtet und auch ein Quasiverwandter hier fand mit seinen jungen 17 Jahren schnell eine Beschäftigung im neuen Familienunternehmen. Dünn wie er ist, schied er für die schwersten Arbeiten aus, wir beauftragen ihn schließlich damit die Stühle in der Kantine von den Tischen zu nehmen. Es krachte und knallte als der erste Stuhl in die Scheibe einschlug - das müssen wir noch üben. Auf typisch taiwanische Art ignorierte er völlig die Folgen seines Tuns (die völlig in den Seilen hängende Metalljalousie) und wurde dann sogleich zum Teekochen für das Werktätigenkollektiv abgestellt. Hier zeigte er besten Arbeitseifer und packte sogleich ... den Tee komplett aus. Also auch den Tee, der im Teebeutel war. Aber gut, das ließ sich mit ein bisschen Filtern wieder ausgleichen. Wer noch nie etwas außer Schularbeiten im Leben gemacht hat tut sich mit einem realwirtschaftlichen Arbeitskollektiv sicher schwer am Anfang, aber das wird noch werden. Bald schon liefen die ersten Benzingetriebenen Stinky-Tofu-Generatoren vom Band und warten jetzt verpackt auf taiwansische Abnehmer. Ob die gegenüber einen kaufen werden? Mal gucken.
So... jetzt muss ich aber Schluss machen. Mal gu cken, ob die Erstbefüllung der Benzintanks der Generatoren auch wirklich geklappt hat. Wer ist damit beauftragt? Der Quasi... ? Und warum hat er eben Zündhölzer verlangt "weil es da so dunkel ist im Tank"? Aaaaarrrrrrggg....

 * Seit Ankündigung des Stinky-Tofu-Projekts verlassen die Blogleser fluchtartig das Blog (ganz rechts die Absenkung), haben aber vorher noch mal alles durchgelesen was nicht niet-und nagelfest ist.


Freitag, Mai 31, 2013

Wieder Gift im Essen

Industriegift in Milchprodukten, wieder mal

Taiwangeprüfte (ein neues Wort für Langzeitexpats ;-) erinnern sich sicher noch an den Flüssigkunststoffskandal, bei dem eine große Zahl an Lebensmitteln in Taiwan (alles was eigentlich mit Palmöl sämiger gemacht werden soll, also Eistees, Industriegetränke generell, Backwaren, Eis, Milchprodukte etc.) mit einem industriellen und leicht toxischen Ersatz für das Palmöl versehen war. Ich hatte in all den Jahren, die ich in Taiwan war, eine im Vergleich zu meinen Deutschlandaufenthalten stark erhöte WC-Frequenz und immer, wenn ich Eistees oder Säfte etc. hier trank, einen stark juckenden Ausschlag. Letzteres hatte mich damals zur weitestgehenden Industriegetränk-Abstinenz gebracht und siehe da, der Juckreiz verminderte sich deutlich. Als dann der Flüssigkuststoffskandal aufgedeckt wurde durch die taiwanische Nahrungsmittelkontrollbehörde ging es mir schlagartig besser, aber ganz verschwanden die Beschwerden nie.

Vor ein paar Tagen dann überfiel mich so eine Milchproduktsucht, wahrscheinlich weil man hier in Taiwan wenig Milchprodukte kredenzt bekommt. Ich trank literweise Milch und Trinkjoghurts über einen Zeitraum von zwei Tagen. Die Strafe stellte sich sofort ein, ein juckender allergischer Ausschlag am Kopf und besonders an den Ohren, letztere entzündet, was sich mit Allergietabletten kurieren lies. Und Milchproduktabstinenz.

Eben kam es im TV: Eis, Joghurt und andere Milchprodukte sind mit einem industriellen Mittel versetzt das toxisch ist, die Kontrollbehörde hat es wieder gefunden. Da wird mir nachträglich Angst und Bange, was ich da alles zu mir genommen habe die Tage. In einer Woche habe ich wieder einen Gesundheitscheck, da darf ich gespannt sein. Wenn ich wieder schlechte Blutwerte habe, kriege ich diesmal Salat und Zehnkampf von der Krankenschwester ein Stockwerk höher verschrieben, ich ahne es schon.

Was zu der Frage führt: Was knallen die Taiwaner in den Salat? Oder auf die Felder?

"Immel lein damit" scheint hier doch die Maxime zu sein. Aber immerhin gibt es die taiwanische FDA, die Nahrungskontrollbehörde, die immer mal wieder was findet. Vielleicht sollten die mich als Tester einstellen. Wenn ich anfange mich zu kratzen, können sie den Alarmknopf drücken...

*** Disclaimer: Sollten Sie der Meinung sein dass Taiwan in diesem Beitrag zu schlecht weg kommt: Dies ist eine persönliche Notiz auf eine mich direkt betreffende Pressemeldung und keine allgemeine Aussage über Taiwan. Alle sind herzlich eingeladen in den Kommentaren abzuwägen und zu korrigieren ;-) *** #

Virtuelle FAQ: "Ich trinke taiwanischen Bubbletea in Deutschland, betrifft mich das / muss ich jetzt sterben?"
Antwort: Nein ;-) Bubbletea in Deutschland verwendet Instantpulver, das teilweise in Internetbörsen angeboten wird und teilweise aus Vietnam und ähnlichen Ländern kommt. Das hat mit taiwanischer Milch etc. nichts zu tun, denn niemand wir die in Taiwan rare und teure Milch aus Taiwan verschiffen, um sie in Deutschland in den Tee zu geben. Auch die Bubbles im Bubbletee in Deutschland sind völlig anders als die (wenig süßen) in Taiwan.

Ruhe im Taiwanblog

Noch bis vor kurzem gingen die Pageviews hier täglich bis 500 bei "Spitzenbeiträgen", was nicht unbedingt inhaltlich gewertet ist sondern nur von den Seitenklicks abgeleitet ist. Die Verminderung der Hits in diesem Blog ist ein bewusst in Kauf genommener Seiteneffekt meines Online-Ausfegens, insbesondere des Änderns der Blogspot-Sub-URL. Das Blog hier wird umgebaut, ältere Beiträge glattgeschliffen und auch langfristig bin ich über weniger Hits glücklich. Denn mit 500 Hits war das Blog eher schon ein Taiwanportal für Deutsche und für diese Funktion, u.a. mit straßenverkehrsbedingten Schlechtelaune-Postings viel zu subjektiv. Taiwan ist auch die letzten Jahre ein Land geworden, in dem die Presse immer wieder Kampagnen gegen einzelne Ausländer gefahren hat, die bisweilen Hexenjagdcharakter angenommen hatten, da muss man sich überlegen, ob man mit so vielen Hits, wenn auch auf Deutsch, so exponiert sein will. Schreibt man "schöne Tempel, gutes Essen, nette Leute" und fügt das ein oder andere Bild einer "Xiaojie" ein, entspricht das dem taiwanischen Selbstverständnis und man hat dahingehend nichts zu befürchten. Über den Verkehr darf man sich noch moderat beschweren, das ist klar. Alles andere, Sarkasmus, Satire und dergleichen kommt bei den Taiwanern ohnehin nicht an, Grund ist hier schlichtweg Konfuzius, der mit seiner Gesichtwahren-Maxime weitschweifige und umschreibende Formulierungen als Standardkonversation etabliert hat - da geht Wortwitz schlichtweg unter.

Donnerstag, Mai 30, 2013

Fern (östlich) von Amazon

Rubrik: Worüber ich schon immer mal meckern wollte
Anlass: Liest eh keiner mehr mit, also kann ich endlich frei von der Leber weg ...
SUNTEKSTORE: Das Hardcore-Shopping-Erlebnis

Sehr bedaure ich, dass ich hier in Taiwan keinen Zugang zu einem Amazon.co.tw oder dergleichen habe, das gibt es nämlich nicht. Bei Amazon.de war ich ja schon Mitglied, bevor es den Online-Händler überhaupt gab: Nämlich bei ABC-Buchklub in Deutschland, der über das noch junge Internet Bücher vertrieb. Den hat Amazon dann irgendwann gekauft. ABC und später Amazon befreiten mich vom deutschen Buchändler. Oder besser gesagt den Buchverkäuferinnen, die einem in längeren stehend gehaltenen Zwiegesprächen klarmachten, was für eine dramatische, langwierige und womöglich erfolglose Angelegenheit so eine Buchbestellung sei - so als ob der Buchdruck gerade erfunden sei und noch niemand wisse, wie er die Bücher gedruckt, transportiert und zu mir kriegen könne, geschweige denn auch noch in absehbarer Zeit. Dann kam Amazon respektive ABC. Und wumm, Buch bestellt, Buch da binnen ein paar Tagen, Ende der Geschichte.
Göttlich, als sie auch anfingen, alles mögliche andere Technikzeug zu verkaufen, direkt oder über den Marktplatz. Erinnere mich noch an meine Verzweifelung, bei Online-Uhrenhändlern eine Armbanduhr einzukaufen. Was in der Webseite stand war nie lieferbar und wann es lieferbar wäre, wusste ohnehin niemand. Die bestellte Uhr kam nie - wieder befreite mich Amazon Stück für Stück vom arroganten Diktat anderer Onlinehändler - und auch von unverschämten und verschlafenen Realwelt-Händlern, denn sie sind Legion.

Doch heute sitze ich in Taiwan. Ich kann bei Amazon.com und Amazon.de nur manches aus der Produktpalette nach Taiwan geliefert bekommen, längst nicht alles. Ein Tamron-Zoomobjektiv ja, einen Sony-Blitz nein, einen Tamron-Filter für das Zoom nein, eine ORIENT-Armbanduhr ja, die andere ORIENT nein, sogar wenn Amazon selbst das Zeug verkauft. Und die Versandgebühren hier an den Tellerrand der Weltscheibe sind natürlich teuer.

Also guckte ich zum chinesischen Suntekstore (http://www.suntekstore.com/). Erworben habe ich da Uhrenarmbänder aus Kautschuck (die taiwanischen hier sind mit "GENUINE SWISS LEATHER" beschriftet, kosten 5 Euro und sind nach vier Wochen kaputt) und einen Akku für meine Sony Alpha Digitalkamera. Und schon bin ich wieder zurück in der harten Zeit vor Amazon.

Lieferzeit 4 Wochen oder 6 Wochen, so genau kann man das nie sagen. Ware erst auf Nachfrage abgeschickt (1x). Der Akku nach wenigen Wochen wieder kaputt, an Garantie will ich da gar nicht denken bei dem chinesischen Händler, die lachen sich sonst nur kaputt. Die Kautschukarmbänder verursachen mir juckenden Ausschlag. Letzteres kann allergiebedingt sein und sagt über die Produktqualität juristisch exakt nichts aus. Aber für mich ist der Suntekstore ein klares No-Go. Lieber verzichten und darauf warten, dass Amazon Taiwan entdeckt.
In China gibt es sie schon, nur auf Chinesisch ist die Seite Amazon.cn, was sich mit Google-Chrome-Translator umgehen ließ. Ich konnte mir auch einen Account für meine Adresse in der "Provinz Taiwan" anlegen. Nur sie liefern da nie hin, egal was ich auch bestellen will.

Amazon, komm nach Taiwan!


*** Wen soll dieser Sermon nun interessieren? Na ja, liest ja nach meiner URL-Änderung eh keiner mehr mit... Meckern ohne Reue im Privatblog, mal was neues. ***

EDIT: Fairerweise sei darauf hingewiesen, dass das Uhrmacherwerkzeug vom Suntekstore in der Tat funktioniert. One of three ain`t that good though.
  

Angriffe auf Philippinos Falschmeldungen? (UPDATE)

+++ Weiterer Update in der Taiwan/Philippinenkrise: Laut einer philippinischen Zeitung zeigt das vom auf das taiwanische Fischerboot feuernden philippinischen Boot aufgenommene Video, wie die philippinischen Schützen vor Vergnügen lachen und feixen, während sie auf das unbewaffnete Boot feuern: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/06/03/2003563856 +++

Taiwan-Philippininen-Krise flaut ab

Eine ganze Weile beschäftigt Taiwan schon der Konflikt mit den Philippinen, deren Patrouillenboot in umstrittenen Gewässern ein taiwanisches Fischerboot beschossen hat, was zum Tode eines Taiwaners durch eine Schussverletzung führte, letzter Bericht hier: http://osttellerrand.blogspot.de/2013/05/philippinentaiwan-krise-zwei.html
Die Krise führte zu regelrechter Kriegsstimmung hier in meinem Umfeld jedenfalls, die auch noch durch recht hetzerische TV-Berichte angeheizt wurde, in denen Seeschlachten grafisch durchgespielt wurden. Außerdem interviewte das TV philippinische Dienstmädchen und Arbeiter in Taiwan und brachte diese damit sicherlich in eine unangenehme Situation. Immer wieder hörte man von vereinzelten Angriffen auf philippinische Arbeiter in Taiwan (etwa hier: http://www.mb.com.ph/article.php?aid=12728&sid=1&subid=2) oder auch von Boykotts taiwanischer Restaurants/Imbissstände, Philippinos zu bedienen. Möglicherweise waren diese Berichte gefälscht: einige jedenfalls entpuppten sich als falsche Facebook-Hypes, die nach dem Hörensagenprinzip in Umlauf gebracht worden waren: http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/23/2003562941.

Unterdessen bauen sich die Spannungen etwas ab, Taiwan und die Philippinen untersuchen den Fall gemeinsam und begutachten dabei auch das Video, das das angreifende philippinische Boot von dem Vorfall aufgenommen hat (http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/05/28/2003563377) und es gab sogar eine gemeinsame Musikveranstaltung mit Philippinos in Taiwan: http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2013/05/27/2003563292.

Leider schwelt ein neuer Territorialkonflikt irgendwo um ein Riff in umstrittenen Gewässern, auf das die Philippinen ein Schiffswrack "geparkt" haben (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2013/05/30/2003563520), aber solche Seegebietskonflikte hat es hier schon immer gegeben. Problematisch wird es eben nur, wenn jemand scharf schießt. Und das waren bei dem derzeit untersuchten Fall die Philippinos mit ihrer "Küstenwache".

Mittwoch, Mai 29, 2013

Abendspaziergang

Abends in NeiHu, 22 Uhr oder so. Ein paar Paare gehen am See spazieren. Und ein Adogah mit der Kamera.

Den Weg zum See finde ich freilich immer relativ abschreckend, er geht durch zugebaute Betonlandschaft, teils bürgersteiglos und man hat viele knatternde Mopeds an sich vorbei fahren, was auch entsprechend riecht. Auch wenn dieses Haus so freundlich "Bonjour" sagt, ein eher seltener Gruß in Taipei. Unten links im Bild, ich habe mal der Versuchung widerstanden die Schatten aufzuhellen, alle Bilder sind unbearbeitet* aus der Kamera genommen.


Ein Schulgemlände im Vorbeigehen. Gruß ins Nachbarblog dunkelangst.org wegen unserer Schwarz/Weiß-Bild-Diskussion. Hier kam mir der Gedanke, dass dieses Bild farblos schöner aussehen würde, als mit dem grünen Schulzaun. Wobei ich der Versuchung widerstanden habe, die Farbtöne zu ändern oder die Farbsättigung zu reduzieren.

Deutsche Leser sollen sich an dieser Stelle nicht wundern: Hier fehlt der junge Mann mit der Baseballkappe, der dem Paar im dunklen Park folgt. Gibt es so in Taiwan nicht.

Kurz ging ich noch im Park bei meinen beiden Bekannten vorbei. "Wirklich? Palmenromantik heute?" Schnell suchte ich das Weite, das war mir zu schwülstig. Die beiden sind immer nur mit einem beschäftigt, da kann man noch was von lernen von der Herzerei.

 
Ruhe im Park. Ganz angenehme Stille nach dem hektischen asiatischen (will sagen: dichtbevölkerten etc.) Alltag hier am Rande der Weltscheibe. Auch wenn es nach meinem Blogspot-URL-Wechsel wohl kaum noch einer liest. Aber das macht es um so stiller. Auch hier das Foto unbearbeitet, die Buntheit ergibt sich aus der Schwierigkeit bei Straßenlaternen verschiedener Farbtemperatur einen vernünftigen Weißabgleich zu erzeugen.


Kamera etwas nach links geschwenkt und das Seeufer erscheint auf dem Foto noch bunter. In Wirklichkeit sah es nicht so bunt aus, weil das menschliche Auge und vor allen Dingen das die optischen Signale verarbeitende Hirn ein wahrer Meister im Weißabgleich ist. Fiel mir immer wieder auf, als wir noch das Reiehenhaus auf dem Lande hatten. Unter dem grünen Plexiglasvordach waren meine Digicamfotos völlig grünstichig, während mit bloßem Auge betrachtet alles okay zu sein schien. Nur mein rotes Hemd, das ich manchmal anhabe, schien mir merkwürdig lilafarbend zu sein.

Als ich dieses Foto machte, war es aber gleich vorbei mit der Ruhe. Wer genau hinsieht, erkennt unten an der Wasserlinie zwei Männer, die dort mit leuchtenden Ködern am Angeln waren. So wie ich die Kamera hielt, sah es wohl so aus, als würde ich die beiden eingehend beobachten und ihr Treiben dokumentieren. Die Lektion die man lernen muss auch als Hobby-Fotograf ist, dass man eben immer mit der Umwelt interagiert und nicht nur still und leise dokumentiert. Die beiden Leuchtangler ignorierten mich, aber eine Passantengruppe mit einem resoluten älteren Herrn blieb neben mir stehen, der Mann sah dort hin wo ich die Kamera halte und rief dann den beiden Nachtfischern etwas unfreundlich klingendes zu, irgendwas mit "was macht ihr da". Da fand ich es war Zeit, schnell weiter zugehen, um  nicht in einen Streit verwickelt zu werden, mit dem ich nun wirklich nichts zu tun hatte. Darf man dort angeln oder nicht? Tagsüber tun es viele dort. Aber vielleicht ist Nachtleuchtködern etwas verbotenes? Da ich durch Blogspot-URL-Wechsel meine Leser vergrault habe ;-) wird wohl kein Angler im Blog sein, der hier aufklären kann.

Nach so viel Aufregung noch schnell rüber zum kleinen Tempel mit den hübschen roten Lampenions. Hier war das Hundchen ganz aufgeregt, dass es endlich nach Hause ging und ich tat es dem Wauwi dann gleich. Jetzt fehlt noch eine lustige Bemerkung am Schluss des Artikels. Irgendeine Analogie zum Fischereistreit zwischen den Philippinen und Taiwan vielleicht. Aber wie passt da der Hund rein? Ich kriege es heute einfach nicht zusammen...


*Freilich hat die Kamera schon eine automatische Schattenaufhellung eingestellt gehabt und bei der Aufnahme mit den grünen Bäumen habe ich nachträglich die Farbtemperatur korrigiert, damit das Bild wieder so wirkte wie mit bloßem Auge

Montag, Mai 27, 2013

Taiwanblog wird privater

Ab sofort gibt es meine alte Blogger.com-Subdomain (also den Text vor dem .blogger.com bzw. .blogger.de oder .blogger.tw) nicht mehr. Damit will sich das Taiwanblog jeder Menge alter Links bei Google entledigen. Ich nehme bewusst in Kauf, dass Links auf das Taiwanblog ins Leere führen und auch die Zahl der Leser kleiner wird. Konzeptuell war dieses Blog einmal mit seiner subjektiven, nicht immer ernst gemeinten Berichterstattung auf eine sehr kleine Leserzahl ausgelegt. Heute aber hat mir die Blogger-Statistik 500 Leser für einen Spitzentag der vergangenen Woche angezeigt. So hat dieses Blog in der Vergangenheit einen sicher zu wenig ausbalancieren Eindruck von Taiwan vermittelt. Und am Ende war es die einzige Infoquelle über das Land für manchen Leser?
Mein Gastland sollte fairer behandelt werden, als ich oft war, wenn ich mal genervt von Riesenkäfern oder dem Großstadtverkehr war. Oder auch nicht? Ich will mir nicht mehr so viel Gedanken darüber machen müssen, will kein Onlinepublizist sein, schließlich ist das alles hier eine brotlose Kunst neben meinem eigentlichen Beruf.

Nach wie vor ist es über Globalforeigner.com zu erreichen. Nachteil der Umstellung ist, dass auch interne Links nicht mehr funktionieren. Aber gut, ich räume das vielleicht nach und nach auf.

Schön, wer den Weg (wieder) hierher gefunden hat. Und für alle anderen gilt:

Take your free time and run!

;-)

Neues Hobby

Dieser Tage gucke ich mal, wie es nun mit meiner Identitätsaufräumerei geklappt hat. Mit dem angekündigten Tod dieses Blogs um den nächsten Ersten herum ist es natürlich ein bisschen so wie mit der alten Erbtante, die immer über mangelnden Appetit klagt und alle haben schon den schwarzen Anzug respektive das schwarze Kleid raus gelegt und dann klagt sie doch immer weiter und weiter...
Meine eigene eben solche Erbtante mochte ich wahnsinnig gern allerdings und war wirklich schockiert, als es dann soweit war. Sie war so herrlich großbürgerlich mit altmodischem Sarkasmus, der im Alter immer stärker hervor trat - und ich sie immer mehr mochte.
Ups... wo waren wir.... ach ja, eigentlich wollte ich über mein neues Hobby schreiben, abends mit dem nassen Wischmob Riesenkäfter (mausgroß) in meiner Wohnung zu jagen. Praktisches Ding, wenn die noch beinzuckenden Kadaver da drin hängen bleiben und man sie bequem im Klo entsorgen kann. Meiner Frau habe ich dieser Tage erklärt, dass das doch ein Vorteil von dem von ihr verhassten Europa ist. Wir haben Mäuse. Mäuse sind niedlich (wenn nicht gerade Mittelalter ist). Deswegen hat Disney ja auch mit Mickey Mouse Erfolg gehabt und nicht mit "Biggey Bug" oder so.
Aber dann dachte ich, dann regst Du Dich wieder so auf beim Schreiben, erwähnst dann den Essensmüll, den ein Nachbar einfach aus dem Fenster kippt, so dass er auf dem Wellblechvordach gegenüber hängen bleibt, stellst dann noch eine rhetorische Brücke zwischen den unangenehmen Begegnungen mit den Käfern und den mit Leuten in der letzten Zeit her, wie es meine sarkastische Erbtante nicht besser gekonnt hätte und dann sind wieder Taiwaner, die in Deutschland in der postmodernen klinisch reinen Loft im zehnten Stock wohnen beleidigt. Also lasse ich es lieber.
Um es, sollte es wirklich eines der letzten Postings werden, noch einmal klarzustellen, ich mag Taiwan wirklich, bin aber manchmal halt von irgendwas genervt. Meine Erbtante hatte auch immer irgendwas zu meckern. Restaurantbesuche mit ihr waren herrlich. Göttlich. Da hätte Loriot was lernen können.
So wo waren wir... die Käfer.... igitt... never mind, lassen wir das doch einfach.

Allen Lesern, insbesondere den tapferen Taiwanern, die es hier im Blog aushalten, wünsche ich eine gute Woche, egal ob sie im miniberockten Taiwan oder im feinstaubhysterischen Deutschland logieren. Egal wo man lebt und was einem passiert, man muss halt immer das Beste draus machen*.

Euer
Ludigel


* So wie mein Onkel, der "an der Ostfront" im WK-2 viele irgendwie sarkastisch wirkende Fotos gemacht hat, die Kriegsgefangenschaft im Matrosendress (er war nicht bei der Marine) bei einer Familie Renault in Frankreich zu brachte statt im Osten und sich aus dem selbigen keine Erfrierungen, sondern eben die erwähnte Tante Olga mitbrachte.Was ist nicht als Relativierung des WK-2 verstanden haben will. Die Leute verstehen ja immer alles falsch.

Freitag, Mai 24, 2013

Ruhe über allen Betonwipfeln...

Ruhe in NeiHu, Taipei. Das alte Haus ist mir wegen der anheimelnden rötlichen Beleuchtung aufgefallen..


Angenehm, dass man mit einer DSLR mit lichtstarkem Objektiv und Anti-Shake aus freier Hand schnell fotografieren kann und dann weiter geht. Wenn man ein Stativ aufbauen müsste, wäre das so ein Aufwand und am Ende würden sich noch Leute gestört fühlen. Das rote Licht kommt wahrscheinlich von einem Wohnzimmeraltar mit zwei roten Lampen, wie Schmiegermutter auch einen hat. Nur ganz so starke Glühlampen hat sie nicht drin, diese hier scheinen hübsch auf die Straße. Wer genau hinsieht (etwa durch Mittelklick in der Vergrößerung) kann vielleicht einen bläulich schimmernden Computermonitor erkennen mittig. So altmodisch, wie das Bild für westliche Augen wirkt, ist Taiwan eben nicht.


Philippinen/Taiwan-Krise: Zwei Darstellungen (UPDATE)

Darstellung des Beschusses des taiwanischen Bootes von beiden Seiten

So sehr ich die Wertungen in der Mutter aller Taiwanblogs, dem englischsprachigen "The View from Taiwan" meist auch ablehne, so sehr bewundere ich immer wieder die Recherche dort. Diesmal hat der Autor einen Link herausgesucht, der die Darstellung des Beschusses des taiwanischen Fischerbootes durch die philippinische Küstenwache von taiwanischer Seite (nach Aussage der Fischer) schildert (http://www.businessweek.com/news/2013-05-20/taiwan-fishing-crew-hid-to-escape-hail-of-philippine-bullets) und einen, der den Vorfall aus philippinischer Sicht schildert: http://www.mb.com.ph/article.php?aid=12367#.UZ6pSCS8FEg.

Schnell wie ich die Artikel überflogen habe, habe ich die taiwanische Schilderung so verstanden, dass die Fischer angeben, die philippinische Küstenwache sei schon feuernd auf das sich in umstrittenen Gewässern (die sowohl von China, Taiwan als auch den Philippinen beansprucht werden) befindliche taiwanische Fischerboot zugefahren (auf dem es keine Waffen gab), die Crew habe daraufhin das Boot auf Ruder-geradeaus und Vollgas/Autopilot gestellt und sich im winzigen Maschinenraum verborgen, während um sie herum die Kugeln einschlugen. Während der Flucht wurde dann der Motor des Taiwanbootes von Kugeln der unablässig feuernden Philippinos getroffen, so dass Treibstoff auslief und die Fischer daher manuell Treibstoff nachpumpen mussten. Unterdessen schlugen Kugeln um sie herum ein und ein 65-jähriger Fischer wurde tödlich von einer Kugel getroffen. Nach etwa einer Stunde ließ der Philippino vom Fischerboot ab. Ich erinnere mich, dass die philippinische Seite auf einer im Taiwan-TV übertragenen Pressekonferenz vom Nähern eines unbekannten "großen weißen" Schiffes gesprochen hat, dass die philippinischen Freibeuter ... äh ... Verzeihung, die Küstenwache... durch schiere Präsenz am Horizont in die Flucht schlug.

Grüner Park mit taiwanischem Senior, vermutlich philippinischer Haushaltshilfe vor unumstrittenen Gewässern


Das Taiwan-TV und auch der eigentlich pro-philippinische Blogger vom "View from Taiwan" sprechen hier davon, dass die philippinische Küstenwache sich in diesen Gewässern in Freibeutermanier benwegt, in dem sie alles beschlagnahmen, was nicht niet und nagelfest ist auf den taiwanischen Booten und man durch Zahlung einer halben Million Taiwandollar (etwa 12.500 Euro) einer Beschlagnahme des Bootes entgehen kann. Wobei, wie das Taiwan-TV ausführt, das Geld nicht verbucht wird von den Herren der Phili-Küstenwache. Und sie würden nach Feierabend die Uniformen ausziehen und dann als richtige Piraten in der Gegend agieren.

Die philippinische Seite schildert den Fall so, als habe es ein zweites taiwanisches Fischerboot gegeben und als haben die Taiwaner mit ihrem wesentlichen kleineren Boot einen Rammversuch unternommen und dann nach Warnschüssen angehalten. Dann jedoch plötzlich die Maschinen gestartet und seien davon gefahren, woraufhin das Phili-Boot auf die Maschinen des flüchtenden Fischerbootes gefeuert habe und leider offensichtlich den Fischer getroffen habe.

Meiner Meinung nach liegt hier eine deutlich übertriebene Gewaltanwendung der philippinischen Seite vor. Erstmal ist es sowieso bedenklich, ein Boot der anderen Seite in umstrittenen Gewässern aufzubringen, zweitens ist es noch bedenklicher auf das Boot zu feuern, denn wir reden ja von Fischern und nicht von Drogenkurieren. Und drittens ist das förmliche Zersieben des unbewaffneten Zivilbootes völlig außerhalb jedes Rahmens vernünftigen Handelns. Und wenn man dann noch berücksichtigt, dass die Motivation des versuchten Aufbringens des Taiwaners eben privater Gelderwerb war, dann werden die Philippinos, ob nun in Uniform gerade oder nicht, einfach zu Piraten. Piraten, die auf eine flüchtende Beute in todbringender Absicht feuern, wie Piraten das eben tun.

Taiwan alias die Republik China hat sich bis vor dem jüngsten Vorfall in dem Gebiet zurückgehalten und keine offizielle Flagge dort gezeigt. Und das, obwohl vor 7 Jahren laut Taiwan-TV schon einmal dort ein taiwanisches Fischerboot so beschossen wurde, dass es (wegen dem Tank) explodiert ist. Wieder von der Phili-Freibeuterwache.
Jetzt ist das anders, jetzt kreuzt die Marine Taiwans in der Gegend und hat laut TV der philippinischen Seite die Aufforderung zugestellt sich dort, in Hoheitsgewässern der Republik China (Taiwan), nicht mehr sehen zu lassen.
Schauen wir, wie es weiter geht.

Meiner Meinung nach haben die beiden großen TV-Stories der letzten Zeit zu einer gewissen Grundaggressivität der Leute hier geführt. Die ich wohl in unserem engen Wohnviertel verstärkt mitbekomme habe. Erst der Fall des aus Taiwan geflüchteten (umstrittenen) Todesfahrers Z.D., ein Brite pakistanischer Herkunft, dessen Fall meiner Empfindung nach zu einem eher Anti-Westler-Klima geführt hatte. Und jetzt eben der Fall mit den Philippinen, der viele Taiwaner sogar von Krieg reden lässt und teilweise zu Angriffen auf philippinische Arbeitskräfte geführt hat. Hoffentlich beruhigt sich alles bald ein bisschen. Das sehr oft hetzerische TV sollte vielleicht eine Weile Bilder von grünen Parks zeigen. Ohne philippinische Dienstmädchen wie oben.
 


Weiterlesen im Blog bei Klaus: U.a. geplanter Film über philippinische Hausmägde.
http://www.intaiwan.de/2013/05/21/taiwan-philippines-crisis/


UPDATE:

Der viel gelesene Taiwanblogger Turton hat jetzt einen Artikel in der Onlinepresse, in dem er taiwanischen Rassismus (genau schreibt er Han-Chinesischen Rassismus, damit zielt er auf die Hauptstadt Taipei und den eher prochineischen Norden) gegenüber den "brauneren" Philippinos als eigentliche Triebfeder für die scharfe Reaktion Taipeis auf den Vorfall angibt: http://asiancorrespondent.com/108101/taiwan-philippines-fisherman/  Da kriege ich schon Magenschmerzen bei der einseitigen Sichtweise. Aber jedem seine eigene Meinung. Er schreibt einen Zwillingsartikel zu diesem (http://asiancorrespondent.com/108038/philippines-taiwan-fisherman-dispute/) eines Philippinos (?) der Taiwan als den eigentlichen "Bullie" (Schulhofschläger) in der Sache darstellt und sagt, der "Bullie" Taiwan würde die Philippinen hier drangsalieren und alles würde natürlich in philippinischen Hoheitsgewässern stattfinden (die Gewässer sind freilich umstritten, räumt der Autor rhetorisch geschickt in einem Nebensatz abschwächend ein).
Mich wundert die einseitige Sichtweise eines Philippinokorrespondenten nicht, die eines Taiwanbloggers schon.
Trotzdem möchte auch ich die hart arbeitenden Philippinos in Taiwan in Schutz nehmen und auf den Link oben zum Blog von Klaus verweisen.


Donnerstag, Mai 23, 2013

Deutsche im Gefängnis in Taiwan, 2013 Update 2

Die deutschen Gefangenen in Taiwan, wohl alles Heroin-Drogenkuriere, bislang vier an der Zahl, waren ja auch schon öfter Thema hier im Blog, etwa in diesem Artikel (http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/09/deutsche-in-uberfullten-zellen-im.html), in dem man auch in eine taiwanische Zelle blicken kann und der auch meinen in der Vergangenheit liegenden Besuch bei einem deutschen Gefangenen verlinkt hat. Wie unlängst berichtet (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/01/deutsch-franzose-mit-heroin-in-taiwan.html), wurde evtl. ein weiterer Deutscher verhaftet, der Drogen nach Taiwan gebracht hat, hier waren sich die Pressequellen uneinig, ob er ein Deutsch-Franzose oder ein Italiener ist. Ich kann dazu auch weiter nichts beitragen, denn ich habe seit unserem Umzug nach Taipei (das Gefängnis, in dem die Ausländer sitzen ist das sog. "Taipei Prison" in Taoyuan, recht weit entfernt) keinen weiteren Kontakt mehr.

 Vorm dem Landen besser noch mal nachdenken. Hier landet der Flieger allerdings auf dem Inlandsflughafen Taipei, nicht auf dem Internationalen in Taoyuan*

Interessant fand ich diesen Artikel einer Anwaltskanzlei (http://www.stcoll.de/Rechtsgebiete/Strafrecht/Internationales-Strafrecht/Reisebericht-Taiwan/index.html), der ihren Besuch und die Lage der Strafgefangenen Anno 2013 subsummiert, auch wenn Leser des Taiwanblogs wohl nichts neues entdecken werden dort. Trotzdem ist so ein komprimierter Artikel von Fachseite immer eine gute Sache, etwa als (auch akademisch verwendbare ;-) Referenz. Im Unterschied zu einem Blog wie diesem hier. Das von mir einst beim Frisör auf dem Dorfe aus einem Magazin abfotografierte Bild einer Zelle in Taiwan, wohl eines der wenigen Fotodokumente, die man so finden kann im Netz aus einer Zelle in Taiwan, hat es bis hin zu der Rechtsanwaltsseite geschafft. Gute Fotos aus den Zellen sind sicher schwer aufzutreiben. Mein unscharfes Motorola K1 hat hier gerade so eben ein ansehbares Bild produziert.

Als "junger Vater" muss ich natürlich feststellen, dass sich meine Meinung über den Drogenschmuggel nach Taiwan verschärft hat: elterliche Instinkte halt. Taiwan ist weitgehend frei von harten Drogen, der Insellage und strenger Kontrollen halber (es droht die Todesstrafe bei Drogenschmuggel, auch wenn diese bislang nicht vollstreckt wird an westlichen Ausländern, mit Lebenslang muss jedoch gerechnet werden!) und ich muss noch deutlicher als früher sagen: Wer hier mit einem Köfferchen voll Heroin landet, der hat natürlich eine kapitale Straftat begangen, die in Taiwan noch deutlich strenger gesehen wird als etwa in Deutschland. In Deutschland ist ein Zusatzkoffer Heroin nur ein bisschen mehr Gift (Drogenfahnder mögen mir die laxe Ausdrucksweise vergeben), in Taiwan könnte man halt direkt dem Drogenkurier ein paar Tote zuordnen, denke ich - weil diese ohne den Import sonst womöglich nichts bekommen hätten.

Um es klar zu stellen, die Deutschen mit Drogenkoffer sind keine Taiwan-Residenten, sondern sind über Thailand/Bangkok gekommen und dort wohl heimisch gewesen, haben also mit der Expatszene in Taiwan nichts zu tun.


* Früher konnte man solche Fotos noch machen, weil analoge Kameras erlaubt waren im Flieger. Zückt man heute eine analoge, kommt trotzdem die Stewardess angelaufen, weil sie an eine digitale denkt.

Update: Siehe auch die Kommentare unten, insbesondere den vom "Gefägnisbesucher"!

Warum hassen Ausländer Taiwan? (editiert anno 2015)

Genervte Langnasen, gekränkte Taiwaner

Aus gebendem Anlass noch mal eine Wiederholung eines Themas, das wir schon mal hatten. Wieso meckern Ausländer, die in Taiwan leben, so gerne über das Land? Warum leben sie trotzdem dort? Hassen sie es?

Nun, sicher fällt vielen mein tournusmäßiges Gemeckere auf. Auch meinem Neffen fiel vor ein paar Jahren auf, wie der amerikanische Betreiber eines Restaurants in Taiwan missmutig drein blickte, so als würde er die Umgebung hassen. Und die Leute, die sich erst dem Lokal näherten, dann aber abdrehten. Ältere Taiwaner. Und damit Leute, denen das Essen nie schmeckt, die ergo daran herum meckern oder eh nichts bestellen außer Eistee. Problemkunden für ihn, will sagen sie verbrauchen Zeit und Ressourcen ohne ihm dafür etwas zurück zu geben. "Warum hassen Ausländer Taiwan?", fragte mich da mein Neffe.

 Hübsch ist es auf dem Lande... (altes Foto Nähe Taroko-Schlucht)

Jau, "Hass" ist ein starkes Wort. Viel eher würde ich fragen: "Warum sind Ausländer immer wieder genervt, wenn sie in Taiwan leben?". Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Sie leben in einer völlig anderen Kultur, in der alle Werte "verstellt" sind im Vergleich zu ihrer Heimat. Ich rede da immer von einer "Kulturmatrix" und jeder Mensch hat wohl seine eigene Version, die irgendwie auf der seiner Heimat basiert. Die deutsche sähe wohl u.a. so aus:

(die Prozentzahlen geben an, wie wichtig das Thema genommen wird)

D=
[
Sicherer Verkehr...............75%
Mobilität...........................60%
...
Sicherheit vor Überfällen...35%
Solidarität mit Landsleuten..5%
...
Gesunde Umwelt..............80%
Schöne Umwelt................65%
...
Business/Erfolg.................40%
Familie.............................40%
...
]


Die taiwanische, oder vielleicht auch nur die von Taipei, würde ich etwa so konstruieren:

TWN_TPE=
[
Sicherer Verkehr.................25%
Mobilität.............................90%
...
Sicherheit vor Überfällen......85%
Solidarität mit Landsleuten...30%
...
Gesunde Umwelt.................30%   (Tendenz steigend)
Schöne Umwelt...................20%   (Tendenz steigend)
...
Business/Erfolg....................90%
Familie...............................100%
...
]


So kann man in dem fremden Land in dem man lebt (der Taiwaner in Deutschland oder der Deutsche in Taiwan) immer Dinge finden, die besser sind als daheim. Oder die in der konkreten Lebenssituation in der man ist, Vorteile bringen. Mir gefallen etwa in Taipei die in Hinsicht Kriminalität sicheren Straßen, die dynamische Wirtschaft und der Familiensinn der Leute.
Am meisten bemerkt man aber die Verletzung der persönlich wichtig genommenen Werte. Mir ist etwa eine ansprechende Umgebung sehr wichtig, aber die Unwichtigkeit, die die Bewohner Taipeis ihr beimessen, sieht völlig anders aus. Daher lebe ich eben  in grauen simplen Bauten, auch aus der Familiensituation heraus, die bei mir durch ihre Hässlichkeit durchaus leichte Depression verursachen. Und meckere dann darüber. Leute, die mich mit ihrem Auto einfach zur Seite schieben wollen, wenn ich Fußgänger bin, denn diese verletzen meine Wertvorstellungen sogar noch mehr. Deshalb meckert der westliche Ausländer in Taiwan gern und oft und das kann sich, etwa in einem gewissen Ausländerforum, bis hin zu Hasstriaden steigern.

Warum haut er dann nicht ab, der Ausländer? Nun, da hat jeder seine eigenen Gründe. Wir suchen im leben Vorteile, müssen dafür Nachteile in Kauf nehmen und da muss jeder seine persönliche Abwägung treffen, auch was familiäre Restriktionen angeht.

Verwirkt man das Recht, sich über empfundene Nachteile zu beschweren, wenn man die Vorteile akzeptiert hat?  Nein warum? Ich kann mir ja auch einen BMW für 100.000 Euro kaufen, wenn ich das Geld habe - und trotzdem hinterher über den Preis jammern. Auch wenn die Zuhörer dann meist nur mit den Achseln zucken ;-)
Und das empfehle ich auch Taiwanern, die hier mitlesen und von der Kritik genervt sind, wie in dem Feedback heute morgen. Oder einfach nicht mehr lesen, es ist nicht bös gemeint, sondern ein Ratschlag für das Wohlbefinden.

Persönlich werde ich, wenn alles glatt läuft, bald im kleinen Rahmen ein Produkt in Taiwan repräsentieren. Da passt dies Blog ergo schlecht rein, weil es eben Taiwaner immer mal wieder verärgert, die ihre taiwanische Matrix im Kopf haben und nicht verstehen können, was mir nicht passt. Ich versuche gerade, meine Onlineperson von der realen und der Geschäftsperson zu trennen. Das wird wohl nicht so völlig gehen und daher ist die Abschaltung dieses Blogs eine realistische Option irgendwann um den nächsten Ersten herum. Ups... der ist ja bald. (Edit 2015: Das Projekt, ein kleines Restaurant, ist wieder eingestellt, mit kleinem Gewinn veräußert in der Zwischenzeit ;-)

Mache ich den Taiwaner etwas vor, wenn ich ihnen etwas verkaufen will und trotzdem manchmal über Taiwan meckere?
Nein, wieso. Ein gutes Produkt, aus meinem bis auf mich taiwanischen Familienkreis produziert, von mir mit gestaltet und von hoher Qualitätsnorm den Leuten zu verkaufen, die ich (wenn man überhaupt 23 Millionen Leute pauschal und nicht individuell bewerten kann) schließlich mag und deren Land ich mag, ist meiner Ansicht nach kein Widerspruch zum gelegentlichen privaten Schimpfen über hässliche Bauten und idiotischen Verkehr. Ich mag halt Taiwan, nur in Taipei zu leben geht mir dann und wann auf die Nerven.

Gucken wir was passiert, wenn dieses Blog nicht in den neuen Lebensabschnitt passt, dann kommt es halt weg. Und genervte Taiwaner atmen auf...... (Edit 2015: Und es ist immer noch da...)


Nicht aufregen liebe Taiwaner, es ist ja vielleicht bald vorbei ;-)
Und wenn jeder mein Blog gemocht hätte, dann wäre es so ein langweiliges Happy-Peppy-guck-mal-der-Tempel-ist-so-toll - Ding geworden. Und da gibt es doch schon genug von, oder?

*** Der betreffende Kommentator möge über die lange Antwort nicht erschrecken, ich nehme halt Kritik durchaus ernst ;-) Habe mit Sozialversicherung in Deutschland nichts zu tun und habe die Aussage darüber nicht so recht verstanden, da bin ich nicht die geeignete Anlaufstelle ;-) ***

Mittwoch, Mai 22, 2013

Briefe an die Taiwaner, Teil 1



Liebe Taiwaner,

[...]


 Trockener Humor mit den ersten Sonnenstrahlen vor Ludigels Fenster


[...]

Einer der meistgelesensten Artikel im Blog in der letzten Zeit. Da musste die Selbstzensur her :-) War ein Geschimpfe, nach dem mich ein Unsichtbare anschimpfender Mann um 5.15 Uhr Morgens geweckt hatte. Muss der Nachwelt nicht erhalten bleiben...

 

Ein Psychologe hat das Frubbeln entdeckt!

Getreue und vermutlich leicht genervte Leser erinnern sich vielleicht noch an meine Abhandlungen über das "Frubbeln", will sagen das eigentümliche Verhalten von Taiwanern Ausländern gegenüber, das als Neugierde und Freundlichkeit anfängt, aber oft in Belästigung und sogar Stalking umschlagen kann. Ein Verhaltensmix, der mich oft verwirrt zurück ließ, weil ich oft nicht wusste, ob der Taiwaner mich nun nerven will oder einfach nur nett sein will. Oder ein Rassist ist. Oder einfach nur ein ungebildeter nerviger ....

Ein Paradebeispiel ist dabei die Geschichte, wo eine Ausländerin morgendliche nette Gespräche mit einem Busfahrer hat, bis dieser ihr letztlich droht, sie nur noch gegen Mitbringens eines Kaffees für ihn in den Bus zu lassen (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/05/frubbeln-in-praxis.html). Da schwante mir folgenes:

"Frubbeln" hat mit Machtausübung zu tun.
Und mit mangelndem Respekt vor dem Ausländer.


Fernsehen zu Hause in der Fremde

Letzteres führt zu hemmungslosem Verhalten wie in dem geschilderten Fall. Oder wie auch bei meinem Bürostalker neulich, auch von mir beschrieben. Ich dachte, ich stünde mit dieser Sichtweise allein da, reden doch alle Reiseführer nur von den freundlichen Taiwanern. Und Freundlichkeit ist ja auch dabei, beim Frubbeln.
Doch jetzt ist es tatsächlich wissenschaftlich untersucht und der Fachterminus dafür lautet:

Mikroaggression

Gut, hätte mich auch gewundert, wenn sie es auch "Frubbeln" genannt hätten. Mikroaggression ist, wenn man diesem allerdings auf analoge Situationen in Japan bezogenen Text aus der JAPAN TIMES (http://www.japantimes.co.jp/community/2012/05/01/community/yes-i-can-use-chopsticks-the-everyday-microaggressions-that-grind-us-down/#.UZwVQCS8FEg) folgt, in der Tat mit Machtausübung verbunden. Der Taiwaner oder Japaner, der dem seit fünf Jahren in der Straße wohnenden Ausländer in Taiwan/Japan willkommen heißt und ihn ausfragt, wo er her kommt, ob er das Land mag und ob er verheiratet ist etc. begibt sich trotz guter Wünsche und Freundlichkeit in eine Machtposition als Vertreter des jeweiligen Landes und Gastgeber und grenzt seinen anders aussehenden Nachbarn auf Grund seiner Andersartigkeit aus. Und nervt ihn gehörig. Auch der Autor des JAPAN TIMES - Artikels gibt an, solche Dialoge schon schlafwandelnd führen zu können, so oft hatte er sie. Und führt aus, dass man nichts dagegen tun kann. Gesprächspartner, auch andere Expats im Land, wollen das Phänomen nicht erkennen oder fehlinterpretieren das Verhalten als reine Freundlichkeit. Ändern kann man es ja sowieso nicht. Soll man antworten? Dann macht man das Macht- und Nervspiel mit. Habe ich früher gemacht und manchmal tue ich es möglichst kurz noch heute. Soll man weggehen? Dann ist man der komische, verschrobene Fremde. Tue ich aber immer häufiger, das gebe ich gerne zu.

Leser die nie in einem völlig fremden Land für lange Zeit gelebt haben, werden hier kaum folgen können. Sie mögen sich aber einfach mal vorstellen, der etwas zerzauste Nachbar von Gegenüber käme morgen früh mit seinem Seidenbluson an und fettigen Haaren und würde den betreffenden Leser herzlich in Deutschland (oder wo immer der Leser auch lebt) willkommen heißen und ihn fragen, wie es ihn so gefällt und wie es mit der deutschen Frau so geht. Da erhebt sich dann der Nachbar mit der Zeitung unter dem Arm ÜBER den Befragten. Nicht weiter schlimm, aber wenn man das immer und immer wieder erlebt und in der dritten Woche der Nachbar dann mit einem anderen tuschelt, auf den Betreffenden zeigt und dabei lacht "guck mal der!", dann wird die Sache vielleicht klarer.

Oder auch nicht. Letztlich ist es auch egal und ändern wird sich eh nix. Und weiter schlimm ist es auch nicht. Aber es kann einen manchmal ganz frubbelig machen...

LINKS

Entdeckt im Ausländerforum, hier der ursprüngliche Fachartikel, der aber offenbar nicht mehr vorhanden ist:
http://www.psychologytoday.com/blog/microaggressions-in-everyday-life/201010/racial-microaggressions-in-everyday-life