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Freitag, November 27, 2015

Please Pray the Rosary!

Gesicherte Tafel irgendwo in Manila, durchs Autofenster fotografiert während wir im Stau stehen. Beispiel für den strengen Katholizismus im Land: Überall sind Jesus und Mutter Maria im Stadtbild zu finden als Standbilder oder ikonenartige Bilder.

"Bitte bete den Rosenkranz. Eine Familie die zusammen betet, bleibt auch zusammen"

Mittwoch, November 11, 2015

Malinesische Notizen Teil 2

Die Fortsetzung von hier (http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/11/jetzt-pr-der-philippinen.html), wird später bebildert.

Gegenstand des Berichts: Reise nach Manila/Philippinen

Essen in einem fast Schnellimbiss-mäßig wirkenden Lokal namens "Max's". An der Wand große Fotos von der Speisekarte um 1945, dem Gründungsjahr der Kette. Da kostete ein Komplettessen einen oder zwei Pesos statt heute ein paar Hundert. Das Essen ist etwas US-Fastfood-inspiriert denke ich, aber lecker. Es gibt kaum Gemüse und unsere Manilafamilie merkt an, dass die richtigen Philippinos sehr wenig Gemüse essen. Jedenfalls Zuhause denke ich. Die vielen schlanken Frauen nach Asia-Art in Hotpans oder Ultramini und mit orange gefärbten Haaren, entweder spanisch oder dunkler oder mit asiatischem Einschlag (das "oder" erlaubt hier eine Kombination) sprechen dafür, dass sich viele doch nicht so ungesund ernähren können. Das Essen besteht aus einer leckeren Schweinshaxe, die kross und etwas pikanter gewürzt ist als ihr bayrisches Pendant. Soll ursprünglich aus Spanien stammen. Dazu gibt es Pommes, die aber nur leicht anfrittierte Kartoffelspelten sind und daher viel leckerer sind als die üblichen Kartoffelpüree-Stäbchen a la Deutschland. Es gibt eine Variante der auch in Taiwan bekannten Kochnudeln mit gedünsteten Schweinefleischstreifen dran, allerdings nicht so labbrig-salzlos-Kochzwiebelig wie in Taiwan, sondern mit Salz gut abgeschmeckt. Spuren von Gemüse sind hier enthalten.
Eine Frühlingsrolle ist etwas anders als von Iglo, aber ausgesprochen lecker. Die Bedienung sieht aus wie eine Spanierin, mit im Nacken zusammengehaltenen Haaren und einem Signallippenstift in Mörder-Feuerwehrrot, der sich in Manila großer Beliebtheit erfreut. Sie hat dezent Parfum aufgelegt, dessen massierter Duft an das Aroma einer ausgebombten Moschusölfabrik im Morgennebel erinnert. Ihr Lächeln verwirrt mir die Sinne. Frau die taiwantemperamentiv wieder mal über irgendwas sauer ist erwähnt, ich möge vielleicht doch lieber nach Deutschland gehen anstatt mit nach Manila zu ziehen. Ich lächele sie benommen an und murmele geistesabwesend irgendwas von "Yes Darling". Eine Band spielt kostenlos in Tagalog auf. Jung und alt swingt beim Essen mit. Das lateinamerikanische Flair macht mich - auf ärztliche Weisung dem Swimmingpool-Infekt halber alkohollos - leicht trunken. Ich fange den vom Kind vom Nebentisch herüber fliegenden Luftballon auf und reiche ihn rüber und diskutiere mit Junior, ob ihm die Altersgenossinnen eher in Deutschland, Taiwan oder Manila zusagen. Er schwankt zwischen Manila und Deutschland, führt gelegentlich seine Kindergarten-Freundin ins Feld. Frau will dann doch wieder, dass ich hinterher ziehe.

 Endlosstau oder zähfließender Verkehr

Jedes der Häuser in den breiten Fußgängerzonen hat hinten eine Gratistoilette. Ich biete dem freundlichen Toilettenmann dort, der auf Englisch Smalltalk macht ein Trinkgeld an, aber er will es nicht. Nehmen die keins oder waren 20 Pesos zu wenig?

 Privater Jeep-Verschnitt. Diese Simpelautos oft ohne Tacho sind auch Basis für die Jeepneys, die privaten Busse und haben verblüffend wenig Bodenfreiheit gemessen am Namen

Anderer Tag. Junior (4) sitzt in der Kinderbahn, neben ihm ein kleines scheues Mädchen etwa gleichen Alters. Erst jetzt beim Durchsehen der Fotos bemerke ich, dass er auf einem seine Hand auf ihre gelegt hat. Oh dieser...

Bedingt durch den angestrebten Beruf latschen wir endlos durch Einkaufszentren

Ausflug ins Grüne, weil Schwager hier geschäftlich zu tun hat. Der Wachmann bei Starbucks ist freundlich und hält die Tür auf. Die ganze Ausflugsgegend wirkt auf mich wie ein deutsches Gewerbegebiet am Stadtrand, nur dass hier Bootsfahrten angeboten werden, die bunten asiatischen Karpfen zu sehen sind und Menschenmassen herein strömen. Es gibt wie immer ein nahegelegenes Einkaufszentrum und sonst sollen in dieser sehr westlichen Umgebung wieder Wohnungen verkauft werden. Ich streite mich mit Junior, ob ein wie ein Jeep aussehendes Kinderbett in einem Möbelhaus ein Auto oder ein Bett ist. "Auto zum fahren!" brüllt Junior und ich will das nicht länger ausdiskutieren und freue mich über eine verbesserte deutsche Ausdrucksweise.

 Gemäß der Familienpolitik erleben wir nur die Sicherheitszonen von Manila. "Draußen" sind wir nur im Auto. Was auch immer den Blick auf sich zieht, man sieht es nur die Fenster des unauffälligen Toyota-Kleinbusses. Zwar ist er auffällig Rot, aber das war auch die Hälfte der anderen Exemplare dieses Typs.

Junior hat Automarken entdeckt. "Toyota, Toyota, Toyota, kein Toyota, Toyota, Toyota, Toyota, Toyota, kein Toyota" zählt er aus dem Toyotafenster-guckend auf. "Was für ein Auto würdest du dir kaufen?", frage ich ihn. "einen Toyota!" antwortet er.



Im Supermarkt gibt es bei McDoof und KentuckySchreitStricken immer ein Billigessen. Pikant gewürztes Brathuhnteil mit Reisklos und einer labbrigen Würzsoße für einen Euro umgerechnet. "Wieder kein Gemüse" merkt die Schwester meiner Frau an. Ich bemerke verstört, dass sich an der nahe gelegenen Treppe exakt die selbe Szene abspielt wie einen Tag vorher. Drei mit Klamotten wie Mini-Ballkleidern und Ultra-Highheels aufgedonnerte stark geschminkte junge Damen im Alter von 16 oder dergleichen umkreisen einander künstlich lächelnd und machen Smartphone-Fotos voneinander. Genau das selbe haben sie gestern schon an der selben Stelle gemacht. Viele Altersgenossinnen hingegen texten auf altmodischen Handies. Werbepakete preisen SMS-Pakete als Gratiszugabe zu irgendwelchen Produkten an. Nur wenige junge Frauen tragen lange bunte Sommerkleider und Kopftuch, der Rest hat Hotpans und Ultramini an oder hautenge Jeans, ganz wie in Taiwan. Alle sind nichtsdestotrotz streng katholisch - bis auf die Kopftuchhupferl des Propheten natürlich. Jesus und Maria sieht man oft. Hinter Glas an Straßen oder als Bilder, etwa um das Heim zu schützen an der Gartenpforte. Auch bei uns am Printkiosk zu kaufen.



Angst vor dem Islam? Man sieht eher die 3-Kind-Familie mit jungen Eltern als die 1-Kind-Familie. Google verrät, dass die Frauen aus der untersten Bevölkerungsschicht im Schnitt 5 Kinder haben, während die aus der höchsten Schicht im Schnitt etwas über 2 haben. Erstaunlich was für eine große Menschenmenge eine katholische Familie sein kann, bei der 5 kleine Kinder an den Eltern hängen. Ich begucke mir die Mütter. Die sehen trotzdem in aller Regel gut genährt und attraktiv aus. Also nicht etwa ausgelaugt. Haben sie noch eine ältere Frau dabei, ist diese zwar erst in den 50ern oder 40ern, sieht aber oft im Gesicht sehr ausgelaugt aus. Manila hat ein starkes Wirtschaftswachstum. Es entstehen laufend teure Wohnungsviertel, die Security und je drei Einkaufszentren mit Arbeitsplätzen brauchen. Google verrät, trotz Wirtschaftswachstum würden die Armen nicht weniger auf den Philippinen. Ich mutmaße, dass bessere Versorgung eine eben höhere Überlebensrate der vielen Kinder bedeutet, was gut ist, aber eben die Armutsschicht nicht schrumpfen lässt. Hier in Manila gibt es eine moslemische Minderheit, aber der Katholizismus ist vital und kinderreich und dominiert im Straßenbild mit Anspielungen auf den Glauben selbst auf Firmenschildern und Jesus und Maria.

 Trad. Reiskuchen mit Käse drüber. Zu wenig Salz, schmeckt labbrig und das Ei schmeckt vor wie bei schlecht Gebackenem. Taiwaner finden es offenbar ganz lecker

Unser Gastgeber, selbst Sino-Philippino, erläutert, die islamischen Philippinos würden sich in "Krieger und Kaufleute" unterteilen. Er selbst räumt ein, keine Moslems einzustellen, weil er Angst vor Entführungen habe. Im TV läuft tagsdrauf eine Nachricht von westlichen Touristen, die aus einem malerischen Resort in der südlichen Sulu-See entführt worden sind. Solche südlichen Inselparadiese sind auf den Philippinen Jagdrevier islamischer Terrorgruppen. Schwesterherz erwähnt nette moslemische Kunden. Krieger und Kaufleute eben.
Wer auf den Philippinen Urlaub machen will, ergoogelt bitte vorher ganz genau wo er landet, nicht dass er gerade im Jagdrevier der "Religion des Friedens" landet.

Slums türmen sich hoch auf neben der Hochstraße

Fau sagt wieder, Manila sei heute da wo Shenzhen in China vor 20 Jahren war. Damals waren ihr dort Immobilien angeboten worden und sie hat abgelehnt. Heute will sie den Zug nicht wieder verpassen. Die Philippinen dampfen in die Zukunft. Streng katholisch und vital. Fanatischem Islam steht ein selbstbewusster Katholizismus gegenüber, der Jesus genauso liebt wie andernorten der Prophet geliebt wird. Man kann viel an den Philippinen aussetzen, aber vitaler als das in jüngster Zeit phlegmatisch und schwach wirkende Deutschland sind die Philippinos allemal.

Vorher/nachher ist immer eine Betrachtung wert. Neben unserem neuen Printkiosk im Vordergrund liegt ein Laden, der u.a. Diätprodukte anbietet, ein Vitaminkiosk, ein Anwerbestand für ein Callcenter, ein Elektro-Universalgeschäft a la Mediamarkt (gut für unseren Umsatz), ein Office-Irgendwas mit Mietcomputern und Mietdruckern, ein Comicladen und ein Waffenladen, wo auch Schwager seine Knarre her hat. Jau, ist das meine Welt, das Beine-in-de-Bauch-stehen im EKZ und das zwischenzeitliche Kaffeeschlürfen und Facebook-Schwachsinn-Posten zwischen den Kontrollgängen?

Dienstag, November 10, 2015

Jetzt PR der Philippinen (Update)

Die von meiner Frau veranlasste "Republikflucht" aus der Republik China aka Taiwan ist in eine entscheidende Phase getreten

Wie bereits mehrfach berichtet macht meine Frau seit einiger Zeit enormen Druck, zu ihrer mit einem chinesischstämmigen Philippino verheirateten Schwester nach Manila zu ziehen. Schwesterherz ist vor ein paar Jahren aus Taipei nach Manila gezogen und hatte dort eine Weile eine Taiwan-Bubbleteekette, bis diese größer als die Kontrollmöglichkeiten wurde und die Angestellten sich geweigert hatten, den nervigen Kunden noch Tee zu verkaufen und lieber auf den Getränkefässchen aus Plastik eingeschlafen sind. Arbeitsunfälle mit in die Augen gerammten Strohhalmen sollen an der Tagesordnung gewesen sein. Wie dem auch sei, aktuell betreute ihre Schwester das Einkaufszentrum-Outlet der (Aufkleber/Nummberschilder/Gewerbeschilder-) Druckerei ihres Mannes. Meine Frau wird von der Perspektive ins Business ihrer Schwester zu investieren und es zu expandieren angezogen wie eine Motte vom Licht - auch weil sie sich aus gesundheitlichen Gründen aus der Taiwan-Marathon-Bürohölle zurückziehen will. Ein zweiter Kiosk hat bereits aufgemacht und läuft, ein dritter und mehr Business ist geplant. Unser Manilatrip in Stichworten, Bilder folgen später auch noch.





* Wir beantragen die PR-Karte lustigerweise basierend auf dem Altersruhestands-Programm der Philippinen. Gerade US-Bürger können sich hier schon mit über 40 zur Ruhe setzen. Nach eigentlich 3 Wochen kriegt man sie, wir kriegen sie in zwei Wochen. Oberwitzig sind die checkkartengroßen Ausweise eigentlich nicht. Doch der von Junior ist der Hammer, weil neben seinem Kinderfoto auch der Text steht: "Participant of the Old Age Retirement Program". Also: "Teilnehmer des Altersruhestands-Programms". Mit einem Kinderfoto daneben sieht das göttlich aus. Wohl auf Lebenszeit können wir alle drei dort bleiben und leben wenn wir wollen oder einfach kommen und gehen wie wir lustig sind. Solange wir nicht den Gegenwert eines Mittelklassewagens wieder vom philippinischen Staat zurückfordern, den man für diese Art der PR pro Familie überweisen muss.



* Die Kondoanlage mit Swimmingpool sieht ganz nett aus, doch überall sind Gott sei Dank nur kleine Ekelkäfer, wie man sie auch aus Taiwan kennt. Ich schwimme einmal im Pool und kriege sofort eine Niereninfektion. Auf das Antibiotikum reagiere ich mit Übergeben. Frau sagt, ich solle vielleicht doch lieber wieder nach Europa gehen...



* Die Toiletten auf dem Altersruhestands-Amt sind in einem Zustand, als sei die Putzfrau noch von den Spaniern eingestellt worden und läge irgendwo vermodernd unterm Rasen. Der schicke Mamorturm in Manilas Innenstadt steht dazu im krassen Gegensatz.



* Waffen, Waffen, Waffen. Unser Gastgeber zeigt seine Pistole. Ich überzeuge mich, dass er in der Tat auch die Kugel aus dem Lauf nimmt bevor er die Waffe meiner Frau gibt. Die zielt sofort damit auf mich. Ich fühle mich bestärkt, in meinem Haus nie eine Schusswaffe haben zu wollen, egal ob legal oder illegal. Die Supermarktwächter haben Schusswaffen. Die private Security in den Innenstadtzentren auch. Die Wächter an der leicht angeschmuddelten Gated Community von Schwesterherz auch. Als Junior dreimal die Starbucks-Toilette neben unserem Kiosk aufsucht, starrt mich der Wachmann hasserfüllt an. Er hat eine Kanone, ich komme nicht wieder.



* So funktioniert Manila. Draußen in den Slums und auch mal mitten zwischen den Nobelvierteln leben die armen Leute. Sie sind meist dunkelhäutiger als die öfter mal spanisch wirkenden Mittel- und Oberklässler. Sie sind der Grund für Zäune und weißgekleidete immer schelchtgelaunte und manchmal Ludigel und Sohn anpflaumende dunkelhäutige Wächter mit vielen Kanonen überall. Ein geniales System: Die Unterklasse ist einerseits der Grund für das Einsperren und Überwachen der Mittelschicht, andererseits stellt sie auch gleich das Personal dafür. Der Manilakapitalismus hat die Armut perfekt instrumentalisiert.



* Stau, Stau, Stau. Manila ist Stau und Stau ist Manila. Wir fahren morgens für 5 Kilometer eine Stunde. Kontrollieren ein paar Stunden die Kioske (eher Schwester als wir) und fahren dann in der Rushhour 2 Stunden wieder zurück. An öffentlichem Nahverkehr gibt es nur eine fast nirgends fahrende Stadtbahn (ein einziges Mal gesehen) und sonst die offenen Jeep-artigen Busse namens "Jeepneys", die ihre Fahrgäste fensterlos im Smog durchziehen lassen. Die Jeepneys halten überall, bevorzugt auf Kreuzungen, wo sie dann den Verkehr komplett lahmlegen. Einmal stehen wir vorm Supermarkt im Stau, den man in 5 Minuten hätte erreichen können zu Fuß. Der Wagen braucht 45 Minuten.



* Die Luft ist in der Gated Community und auf dem Gelände der benachbarten deutschen Schule klar und angenehm. Es ist heiß, aber nicht schwülheiß. Es stinkt nur nach Smog, wenn man an den Hauptstraßen steht. Aber da bin ich meist im klimatisierten Toyota. Vor der Altersruhestands-Behörde in der Innenstadt stinkt es zwischen den Wolkenkratzern recht übel nach Smog.



* Im TV laufen Nachrichten. Im Gefängnis gab es eine Razzia. Drogen und Waffen wurden gefunden. Der Tisch biegt sich fast vor lauter Schießeisen. Erstaunlich, dass sich so schwer bewaffnete Leute überhaupt einsperren lassen. In einer anderen Nachrichtensendung sieht man, dass in ländlicher Umgebung ein Kleinbus mit einem LKW zusammengestoßen ist. Der Fahrer ist eingeklemmt und sein Gesicht ist schmerzverzerrt, als Passanten (!) versuchen, den Mann mit einem Baumstamm (!) aus dem Auto zu hebeln. Der Polizist guckt zu, Feuerwehr mit Schneidwerkzeugen gibt es nicht offenbar.



* Im Stau läuft eine spärlich bekleidete Frau an der Autoschlange vorbei und bettelt. Ihr von der Sonne fast schwarz gebrannter Körper wirkt ausgetrocknet und dürr. Ihre Oberbekleidung ist spärlich, der Tiger-BH hinten nicht richtig zugemacht. Meine Manilafamilie lacht. Ich vergesse vor Entsetzen, dass ich eine Kamera in der Hand habe. Wie grausam doch die Entwürdigung des Menschen in Manila zelebriert wird. Doch alle lieben Jesus. Der ist überall. Schwesterherz hat es mal so formuliert:

Die Philippinos lieben Gott.
Hast du Geld, bist du Gott.
Hast du nichts, bist du nichts.


* Nichtsdestotrotz, die Philippinos wirken - von den Securityleuten abgesehen - freundlich. Eine hübsche weibliche Securitykraft, die ich nach einem Spielzeugladen frage, ist nicht grummelig. Na ja, bei meinem Gringo-Lächeln...



* Mein Spanisch versucht sich zu reaktivieren, obwohl es hier kaum jemand spricht. Selten hört man von sehr spanisch aussehenden gut gekleideten Leuten ein paar Brocken Spanisch. Wie es übrigens auch auf der philippinischen Vertretung in Taipei zu hören war brockenweise. Als ich zu Junior einmal "Vamos!" ("komm!") sage, starrt mich gleich jemand erstaunt an.



* Wir kommen um 12 im Supermarkt an. Die beiden jungen Verkäuferinnen im Schülerinnenalter haben eine Freundin mit im Printkiosk sitzen und geschlagene 95 Pesos Umsatz gemacht seit 3 Stunden, obwohl alles voll ist. Also weniger als 2 Euro. Schwesterherz steht 30 Minuten am Kiosk und schon sind 1800 Pesos in der Kasse. Mir fallen einige wartende Kunden auf, die teilweise ziemlich genervt sind. Wir gehen (nicht bei Starbucks sondern beim Konkurrenten Krispy Kreme) einen Kaffee trinken. Frau will einen komplizierten mit Sahnehaube. "Maschine broken, Ma'm" sagen die 4 Angestellten. "Chef nicht da, deswegen Maschine kaputt", erklärt Schwesterherz. Und bei uns am Kiosk war wohl den ganzen Morgen der Computer "kaputt".






UPDATE: Damit visarechtlich keine Missverständnisse aufkommen: Man darf mit der "Senioren-PR" zwar nicht arbeiten im klassischen Sinn, aber sehr wohl investieren. Und klar, dass man als Teilhaber dann beim Investitionsobjekt aufschlägt und nach dem rechten guckt. Mehr wird Gattin auch nicht tun, denn bei den geringen Lohnkosten wäre jeder Handschlag Verschwendung. Theoretisch ist die Gattin dann nicht der disziplinarische Vorgesetzte sondern nur Besucher, in Praxi weiß der Angestellte natürlich, dass Schlafen in Gegenwart des Investors wenig karrierefördernd ist ;-) Eine alternative Form der Senioren-PR erlaubt sogar ein Eigeninvest anstatt der Zahlung an die Staatskasse, wie wir sie geleistet haben. Invest ist also der Zweck dieser Senioren-PRs.

Montag, April 13, 2015

Stand Auswanderung nach Manila - oder: Das Leben als Satire

Öfter werde ich gefragt, hier der aktuelle Stand. Ein bisschen bizarr klingt das alles schon, wenn man es so aufschreibt, was sich zwei Taiwanerinnen da alles so ausgedacht haben.

Ein nicht ganz ernster Exkurs zur aktuellen Planung. Die ist wirklich so, aber das Leben in Taiwan ist eben nicht ganz ernst. Und im 11. Jahr brauche ich längst das Chaos, denke ich.

Der treibende Keil bei der möglicherweise immer noch geplanten Auswanderung nach Metro-Manila auf den Philippinen ist meine Frau. Grund ist eine Augenkrankheit, die im schlimmsten Fall zur Erblindung führen könnte und auf jeden Fall ein Ausscheiden aus dem derzeitigen Beruf wegen viel Bildschirmguckerei interessant macht. Da ihre Schwester in Manila mit einem Sino-Philippino verheiratet ist und seit ein paar Jahren in Manila lebt, schmiedeten meine Frau und ihre Schwester dann sehr schnell den Plan, meine Frau und mich im Schnellverfahren in Manila zur Ruhe zu setzen. Mit einem angestrebten Status als arbeitende Ruheständler, die also nebenher "ein bisschen arbeiten". Da ich gerade mal Ende 40 bin, stößt das Aufgeben meiner heißgeliebten Computerei als Beruf nicht gerade auf Begeisterung. Auch fand ich die Planung unseres manilesischen Erwerbslebens nie so sehr solide. Vorbild jedenfalls war Schwesterherz selbst, die dort bis vor kurzem eine Cafekette betrieben hat, die original taiwanischen Bubbletea angeboten hat. Acht Cafes hatte sie auf der Hauptinsel Luzon, kam am Ende mit dem Kontrollieren nicht mehr nach der weiten geographischen Verteilung halber und die Angestellten arbeiteten kaum noch, so dass sie die Kette wieder mit Gewinn verkauft hat.

 Bei solider Planung gilt: Lieber die Kuh im Auto als den Pistolero auf dem Dach

Wie soll das also gehen, einerseits Geld verdienen, andererseits kaum arbeiten? "Zu schön um wahr zu sein" meldet das kritische teutonische Hirn sofort, während das Doppelgespann aus meiner Frau und ihrer Schwester voller Enthusiasmus an die Arbeit geht. Allerdings haben sie aus den Bubbletea-Erfahrungen gelernt: Die neue Kette von was-auch-immer, die Frau und Schwester aufmachen wollen, soll geographisch konzentrierter sein, der Überwachbarkeit halber. Soweit so gut. Aber dann gibt es auch wieder die Ausbaustufe, in der "wir" doch wieder über die ganze Insel expandieren und - man glaubt es kaum - das "befreundete" Ehepaar aus Taipei wieder mit helfen soll, die südlichen Ausläufer der geplanten Kette zu beaufsichtigen. Das sind die Momente, in denen ich entweder hysterisch kichernd über den Boden rollen möchte oder zwischen Küche und Abstellraum mit der Stirn eine neue Öffnung schlagen möchte  Ist hier doch Sage und Schreibe die Rede von dem Horror-Paar, das bereits die Pläne zur Eröffnung eines italienischen Restaurants (eigentlich auch einer Kette) mit samt mehreren Investoren in den Sand gesetzt hat. Durch feindliche Übernahme des ersten Restaurants (von mir prognostiziert) und folgendes De-facto-Pleitegehen durch Inkompetenz.
"Nur als Angestellte arbeiten sie mit", sagt da meine Frau. Ich sehe zwar unser befreundetes Chaospärchen mit Warenkisten hektisch durch dunkle manilische Straßen düsen mit dem Moped, verkneife mir aber weitere Kommentare. Diese Beispiele zeigen mir, dass die Eröffnung von irgendwelchen Ketten in Manila längst in der Phase der "Taiwanplanung" angelangt ist, die ich "Ringelpiez mit Anfassen" nenne und die das baldige Projektende bedeutet. Die Phasen der mir bekannten Taiwanplanung und -Ausführung sind:

a) initiale übertriebene Erwartungen
b) Start des Projekts
c) auf-den-Boden-der-Tatsachen-kommen
d) Ringelpiez-mit-Anfassen aka Verfolgen von unsinnigen Varianten
e) Sprung zum nächsten Projekt

Phasen a, b und c sind völlig normal, nur sollte dann d aus Konsolidierung bestehen. Aber das ist nach taiwanischer Lesart sicher wieder so eine Ausländerspinnerei ;-)

 Oder die Maus im Regal


Aufgegeben ist bereits das Projekt einer Restaurantkette. Hier sollte in einem Shoppingcenter eine Bude mit Schnetzelfleisch mit Reis eröffnet werden. Das essen die Manilesen gern und es ist billig und gut, allerdings gab es schon zwei oder drei solcher Restaurantlein im Center. Taiwanische Logik ist jedoch: Wenn da schon zehn Geschäfte der Art X in der Straße sind, dann mache noch ein 11. auf, das scheint eine Goldgrube zu sein. Allerdings hat das Centermanagement abgelehnt wegen "gibt es schon". Also planten Schwesterherz und Frau erneut und wollten ein weiteres "Hot Stone"-Restaurantlein eröffnen. Gibt es schon, auch abgelehnt. Ideen hätte ich schon für einen dritten Vorschlag, halte mich als Branchenfremder allerdings mit Äußerungen zurück. Am Ende nimmt das Management sonst meine Idee an und ich muss Geld investieren. Lieber verneige ich mich vor der weisen Taiwanplanung, weiß man doch im hiesigen Kulturkreis in "Chinese Taipei" um den überlegenen Geschäftssinn der Taiwaner, dem der des Johnny "Laowai" Weißbrot nicht das zitronierte Wasser reichen kann ;-)

Warum hat bloß niemand ...

Letzte Variante ist ein weiteres Outlet der Druckerei, die der Mann der Schwester dort hat. Die Umsatzerwartungen sind allerdings so exorbitant, dass ich mir wohl gleich eine Rolexsammlung bestellen könnte. Allerdings warte ich damit noch, ahne ich doch, dass a) hier nach taiwanischer Demoversion der Umsatz verfielfacht wurde, b) sowieso die industriellen Kunden der Druckerei (Supermarktketten, Bankfillialen, Fabrikhallen) "ausversehen" in den Umsatz des zweiten nur an Privatkunden gerichteten Outlets mit eingerechnet wurden und c) sowieso alles schon in zwei Wochen wieder in Phase (e) ist.

... an die Eröffnung einer Ranch gedacht?

Ach ja, zwischendurch hatten wir schon mal die Idee ... äh ... Eier auf dem Markt in Manila zu verkaufen. Das war ein Thema, wo ich als Antwort nur gekichert habe wie Hop Singh in der Fernsehserie Bonanza. Gemeint war allerdings ein en-gross - Verkauf an Supermarktketten etc. Das Projekt kam aber nie in Phase (b).
Für den durchschnittlichen deutschen Leser klingt das sicher alles nach "Irrenanstalt macht Betriebsausflug zum Geschäftsgründerseminar der Handelskammer". Als jemand der im schnelllebigen und oft ziemlich aufgeregt-unernst wirkenden Taiwan lebt, ist das für mich alles schon Normalprogramm.

Und die Augenkrankheit ist ja auch derzeit Gott sei Dank stabilisiert, so dass vielleicht die Lebenplanung wieder etwas weniger hektisch wird. Sogar für Taiwanverhältnisse war das alles ein bisschen viel.

Schwindelig wurde mir nur, als meine Frau blitzesschnelle zwei Wohnungen in Manila zur späteren Vermietung gekauft hat. Ihre Schwester vermietet bereits eine gekaufte "Condo" erfolgreich. Diese Investition lies mich über versäumte banktechnische Vorkehrungen nachdenken, ist aber gar nicht so dumm, weil entgegen landläufiger Laienmeinung noch keine Immobilienblase in Manila vorhanden ist und Condos im Wert steigen - glaubt man einschlägigen Wirtschaftsseiten passend zur positiven wirtschaftlichen Wachstumsprognose für die Philippinen. Einstweilen müssen wir abstottern. Ludigel lebt daher derzeit fast in Armut, lieber auf die Sahne für die Erdbeeren verzichten, wir müssen zwei Condos abbezahlen. In diesem Sinne höre ich jetzt auf zu schreiben - ich muss unten auf der Straße vor der Firma in der Mittagspause singen.

 Kurzfassung: Wird wohl nix aus dem Auswandern ;-)

Andere Artikel zum Thema Manila:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/12/anatomie-eines-todes-in-manila.html
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/10/philippinen-die-ankunft.html

Dienstag, Dezember 09, 2014

Anatomie eines Todes... in Manila

Recherchen zum von Frau und ihrer Schwester diktie.... äh ... zum von uns geplanten Umzug nach Manila auf den Philippinen. Wenn denn der Planungshorizont der beiden taiwanischen Businessfrauen dann noch aktuell ist (oder wie auch immer man das umschreiben soll, dass sie bei taiwanischer Planung alle drei Minuten eh die Naturgesetze ändern)

"Von der Sowjetunion lernen heißt Siegen lernen", so stand es einst in der DDR auf diversen Straßenschildern zu lesen und ganz im Sinne dieses klugen Mottos habe auch ich mir angewöhnt von Fehlern und Tragödien, die anderen Expats passiert sind zu lernen, bevor ich irgendwo hingehe. Die Angehörigen bitte ich um Verzeihung, es geht hier rein um eine Fallstudie aus der ich für mich selbst lernen will, nicht um irgendetwas negatives.

 Das reiche Manila mit seinen Kondotürmen


Bei meinen Recherchen zu Toden von Ausländern in Manila stieß ich auf so viele Tote, dass man sich das alles kaum merken kann. Doch unter den offenbar von ihren eingeladenen einheimischen Damen, eingestellten Dienstmädchen und uneingeladenen Überfallrollkommandos unter anderem wegen Handy und Laptop zu Tode gebrachten Weißen (und einem Koreaner) fiel mir ein Fall ins Auge, der nicht ins Schema passte, aber versprach für mich als Auswanderer relevante Details über Manila zu offenbaren. Ich rede vom Fall von George Anikow, 41, seines Zeichens Major der US-Marines, entweder selbst für die US-Botschaft in Manila tätig oder mit einer Botschaftsangehörigen verheiratet (an der Stelle gab es unklare Infos). Herr Anikow wurde offenbar direkt vor dem Sicherheitstor seiner bewachten Wohnanlage in Manila von vier Einheimischen im November 2012 erstochen. Das ist schon mal ungewöhnlich, stehen doch immer 1 bis 2 bewaffnete grimmige Männer an diesen Toren. Und da machen arme Leute einen Überfall? Direkt vor der Security? Ist Manila also so gefährlich, dass die Leute wie die wilden Tiere Menschen auf der Straße anfallen ohne Rücksicht auf Verluste und eigene Sicherheit? Oder war Rassenhass im Spiel? Oder kannten die Täter den Mann? Ich wollte mehr wissen.



Bizarr sofort, dass die mit Messern aus einem Auto gesprungenen Täter (am frühen Sonntagmorgen) der Oberklasse angehören sollten wie in dem deutschsprachigen Artikel (Link habe ich nicht mehr, englischer Link siehe unten) angegeben. Was war da vorgefallen?

Bei näherer Recherche wurde der Fall immer merkwürdiger. Die Gegend wo der tödliche Angriff stattfand war Makati, offenbar eine gut bewachte Top-Gegend von Manila. Und deswegen war auch nur ein Sicherheitsmann vor Ort (in weniger guten Gegenden sind es mehr), der allerdings mit einer Faustfeuerwaffe bewaffnet war. Hier ist sofort wieder eine Lektion zu lernen: Die durch die stämmigen bewaffneten Herrn scheinbar gegebene Sicherheit ist nur vorgetäuscht: Der Security-Mensch hat schließlich bei der Tat nur zugesehen und nie seine Waffe gezogen! Er gab später beim Prozess an sie vor Wegnahme durch die Täter in Sicherheit gebracht zu haben - durch Nichthandeln / Raushalten. Die Securityleute sind also ähnlich wie die Eisverkäufer, die wir in Manila frequentiert hatten: Die wollten auch kein Eis verkaufen sondern lieber untereinander schwatzen. Hier geht es aber nicht ums Meckern, sondern ums Lernen, wie Manila funktioniert. Und das ist schon eine wertvolle Lektion***. 

Weiter im Text. Herr Anikow war ein kampferfahrener Mann in besten Jahren und vor kurzem noch in Afghanistan gewesen. Nun läuft er in eigentlich sicherer Umgebung auf einen noch sicheren Kontrollposten mit bewaffnetem Wächter zu. Hier hat offenbar ein silberner Oberklasse-Volvo gestanden, der gerade kontrolliert wurde. Wieso zum Teufel ist er dann erstochen worden?

In dem Volvo saßen vier junge Männer in den 20ern, drei "Geschäftsleute" (sind wir das nicht alle?) und ein Student. Sympathische junge Männer, wenn man sie mal ergoogelt, einer sogar mit Jackett. Sie hatten keine für die bewachte Siedlung gültige Zugangskarte, deswegen kam es zu einer harmlosen Diskussion mit dem Wachposten. Jetzt kommt Herr Anikow dazu, angetrunken. Er will sich in die Verhandlungen mit den Insassen des Volvos, den jungen Philippinos aus der Oberklasse einmischen, obwohl er dafür als Anwohner natürlich kein Mandat hat. Offenbar schiebt ihn der Wachposten mit sanfter Gewalt zur Seite, aber der Exsoldat lässt sich nicht beirren. Schließlich beschließt der Securitymensch, den Volvo passieren zu lassen und verlässt das Fahrerfenster des Volvos, dessen Insassen wegen des Eingreifens des Amerikaners leicht genervt sind ("Wer ist das?", fragt der Fahrer den Sicherheitsmann). Der Sicherheitsmann geht vor den Kühler des in Manila auffälligen und Oberklasse signalisierenden Wagens und räumt die Absperrhütchen zur Seite, damit das Fahrzeug passieren kann. Jetzt tritt der Amerikaner ungefragt an das Fenster und erklärt den Insassen "Ihr müsst den Wachmann respektieren. Sie überprüfen hier eure ID, das machen die so" (aus dem Gedächtnis aus den Zeitungsartikeln zitiert). Dann klopft er auf den Kotflügel des Autos.



Dieses wohl mittelstarke Klopfen auf den Wagen wird in jeder Quelle und in jedem Kommentar, den ich zu dem Fall bislang gefunden habe als aggressiver Akt des Amerikaners verstanden. Philippinische Kommentatoren geraten dabei sogar in Rage und sagen, der Amerikaner habe sich damit selbst zuzuschreiben, was dann passiert ist. Was dann passiert ist, ist schnell erzählt: Wie die Derwische springen die vier jungen Männer aus dem Auto, zücken in einem kurzen Handgemenge Messer, der Amerikaner versucht wegzulaufen, wird aber von den ihn 20 Meter verfolgenden und einholenden jungen Männern aus guten Hause dabei von hinten mehrfach mit dem Messer verletzt, einer der Männer (der Fall ist auf Video im Internet zu sehen) sticht ihn dabei von hinten in den Hals. Die jungen Männer brausen mit dem Volvo davon als der Amerikaner blutend am Boden liegt und fordern den Secuirtyguard auf, sich nicht ihre Nummer zu merken, denn der Amerikaner sei "nicht gut" gewesen. Der Wachposten ruft allerdings die Polizei. Der Amerikaner wird im Verlaufe der nächsten Dreiviertelstunde verbluten, denn der Krankenwagen wird sich so lange Zeit lassen.

Und was ist der Stand heute? Prognosen von Kommentatoren waren in zwei Lager geteilt. Die einen meinten, die Oberklassejungs könnten sich ihre Freiheit wie immer erkaufen, wobei eventuell das Mittel eines sich über 10 Jahre hinziehenden Prozesses mit auf Kaution freigelassenen Tätern und rechtzeitigem Absetzen der selbigen vor dem Urteil zum Tragen käme. Andere meinten, jetzt hätten sich die Jungs endlich mal verrechnet, weil die mächtige US-Botschaft für Gerechtigkeit sorgen würde. Und man liest, dass junge Philippinos immer Messer bei sich tragen (wieder was gelernt!).

Was ist der Stand heute im Dezember 2014, über zwei Jahre nach der Tat?
Nun, die sofort festgenommenen Täter sind mittlerweile (nach wohl 9 Monaten Untersuchungshaft oder so) gegen Kaution auf freiem Fuß, der Prozess läuft oder lief, die Anklage ist aber mittlerweile in Totschlag umgewandelt und ein Gerichtssprecher bezeichnete die Beweislage gegen die vier Verdächtigen als "schwach".


Wieder kann man viel lernen, wie die Philippinen funktionieren. Die Oberklasse (die teilweise noch Spanisch spricht im Gegensatz zur Tagalog sprechenden Bevölkerung  - zumindest etwas Englisch sprechen alle, gebildete Philippinos auch sehr gut) steht offenbar in der Tat über dem Gesetz. Das ist die selbe Gesellschaftsschicht, der die Schwester meiner Frau keine Wohnungen vermietet, weil sonst die Inneneinrichtung nur noch Sperrmüll ist. Und man sieht auch, dass die auf mich so ruhig wirkenden Leute in Manila offenbar einen lateinamerikanischen (vgl. spanische Kolonialzeit) Messer-Machismo nur vordergründig verborgen haben. Und wie auch in Taiwan ist der Straßenverkehr offenbar ein probates Mittel zum völligen Ausrasten sonst freundlicher und ruhiger Menschen. Nur auf den Philippinen eben mit Messern und oft auch Schusswaffen.

Ansonsten bin ich glaube ich der einzige Mensch auf der Welt der wirklich verstanden hat, was vorgefallen ist an jenem tragischen Sonntagmorgen. Wie Schuppen aus den Haaren fiel es mir, als ich die Ereignisse (Dialoge am Fahrerfenster, Zeitpunkt des Klopens auf den Wagen) richtig geordnet hatte, denn die Zeitungsartikel erzählten die Ereignisse oft durcheinander, aber mit mehreren Artikeln konnte man es rekonstruieren: Achten Sie mal auf die Filme mit den US-Soldaten in Afghanistan und Irak. Wenn die Autos am Kontrollposten kontrollieren, hauen sie vorne mittelschwer auf den Kotflügel, um dem Fahrer die Erlaubnis zum Passieren anzuzeigen. Der betrunkene Expat, der erst 100 Tage in Manila war, war geistig wieder in seinem Soldatenmodus. Deswegen zog ihn der aus Afghanistan bekannte Checkpoint magisch an. Und er klopfte auf den Kotflügel oder die Haube, als der Wachmann die Passage frei gab. Wie am Checkpoint in den Filmen.


*** Andere Deutung der Inaktivität des Sicherheitsmannes: Die Angreifen gehörten der Oberklasse an. Damit könnte er es gar nicht wagen, einen der ihrigen zu verletzen! Ein toter Oberklassejunge und ein Schütze aus der Unterklasse (wenn auch mit Uniform) klingt danach, als wenn der Schütze das nicht lange überlebt, oder?


Link
http://www.dailymail.co.uk/news/article-2238585/U-S-diplomats-husband-stabbed-death-outside-exclusive-gated-development-Philippines.html

Mittwoch, November 19, 2014

Gewünschte Nichtkunden

Weiter in der Planung zur Auswanderung nach Manila, Philippinen. Siehe auch hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/11/als-kleinunternehmer-in-manila.html


Sicher hat die Planung der Auswanderung nach Manila etwas beunruhigendes. Als ich mal kurz durch eine deutschsprachige Philippinen-Nachrichtenseite brauste, fiel mir schon die hohe Zahl der toten Ausländer ins Auge. Ein Koreaner saß in seiner Wohnung gefesselt und erstochen auf dem Stuhl, Handy und Laptop fehlten. Ein Holländer lag ausgeblutet auf seiner Rattan-Couch, er war zuletzt mit drei Damen in der Wohnung gesehen worden. Sofort merkte mein zynischer Expatverstand an, der Japaner, den das "Expatgeschäft" meiner Manilafamilie als Dauerkunden hatte (nichts anrüchiges sondern Vermietungsgeschäft) hätte da sicher einen Vorteil mit seiner japanischen Bondage-Geschichte gehabt. Bindet man das Mädel fest, kann sie einen nicht erdolchen. Auch wieder eine Lebensweisheit für sich. Ein anderer Holländer wurde in seinem Büro in den Kopf geschossen, nachdem er viel Bargeld von der Bank geholt hatte. Man muss dazu wissen, dass es auf den Philippinen keine Überweisungen zwischen verschiedenen Banken gibt, dafür aber viele arme Leute und ebenso viele Waffen. Einem Deutschen (?) wurde auch in den Kopf geschossen, als er auch Bargeld abgeholt hatte und das, obwohl er schon vor den Räubern kniete. Ein weiterer Holländer saß tot und vielleicht natürlicherweise gestorben auf seinem Stuhl, hatte viel getrunken sagte die Maid. Und versteckte schnell die Giftampulle? Ein Franzose lag tot und verwest in seinem Haus, eine Patronenhülse neben sich. Eine Maid steckte das Haus in Brand um ihren Anstellungsvertrag zu vernichten (hä?) und tötete so eine weitere Maid. Ein Saudi sollte seine Maid vergewaltigt haben, wurde aber wegen Diabetes und weil seine Frau hübscher sei freigeprochen. Ein Inder wurde wegen Vergewaltigung der Maid verhaftet ("zu wenig Zucker gegessen" vermeldete mein zynischer Expatverstandesteil, der jetzt besser die Klappe gehalten hätte) und .... eine andere Maid hatte reihenweise ihre Arbeitgeber vergiftet um dann mit Wertsachen beladen die nächste Anstellung zu suchen und war zwischendurch zweimal aus dem Gefängnis ausgebrochen. Es gab noch zwei Frauen, die teilerschlagen und bei lebendigem Leib eingefroren waren und mehrere tote Familien, ich wollte das nicht mehr alles lesen.

 Junior (3) bestand drauf, dass ich dieses Foto von dem Baum in der Mitte machte aus dem Auto heraus. Hat irgendwie was.


Da Gattin und Schwesterherz der Gattin im Dual-Drachenmodus bereits alles in die Wege geleitet haben, will ich auch nicht mit so typisch teutonischen Einwänden kommen und erkenne jedenfalls eingeladene Damen (betrifft mich nicht) und Geldabheben als Problemzonen. Für letzteres braucht man in Manila offensichtlich sechs Leute mit Schnellfeuerwaffen als Leibgarde.

In das Vermietungsgeschäft wollen wir auch investieren. Also will mein Dualdrachen aus Frau und Schwesterherz. Interessant fand ich - und hier drum sollte es eigentlich in diesem Artikel gehen -, dass Schwesterherz als Vermieterin grundsätzlich Einheimische als Kunden ausschließt. Klingt lustig und widersinnig, macht aber Sinn. Und ist mir aus meiner Lateinamerikareisezeit als Vermieterprinzip wohlbekannt. Schlichtweg schlagen Einheimische alles kurz und klein. Im Falle des Mietobjekts käme hier nur die philippinische Oberklasse aus Kostengründen in Frage, aber selbst die schlägt die Mietobjekte in Klump. Das sind Leute, die eigentlich in ihren abgeschotteten Villenvierteln leben, manchmal noch Spanisch sprechen und die Einheimischen als "Indios" bezeichnen, bar jedwedem Sinns. Die Leute sind wohl schlichtweg zu "elitär" um Rücksicht auf das Eigentum von Lakaien wie Vermietern zu nehmen. Es claro und ist muy bien, nur sollen sie dann eben woanders mieten. Sonst bräuchte man eine einheimischengerechte Wohnstatt mit Gummitapete.

So, fehlt noch der Zusatz, dass wir natürlich auf die Philippinen auswandern, weil wir die Leute so nett und freundlich und hilfsbereit und multikulti finden und mordsmäßig (kicher) an der Landeskultur interessiert sind. Es verdad.

*** Wenn die Magenkrankheit nicht bald aufhört wird dieses Blog womöglich noch unerträglich sarkastisch oder eher zynisch, aber das ist derzeit halt eine medizinische Frage. ***


Freitag, Oktober 17, 2014

Mit der Mttelklasse von Manila in die Highlands...

Deutsche denken bei Taiwan an Thailand und an Prostitution und Bambushütten. Und bei den Philippinen an Inseln mit bewaffneten Moslems auf Schnellboten dazwischen, ging mir ja bis vor meiner Reise letzte Woche auch nicht anders.

Gut, das mit dem dortigen Islam und seiner Kontaktfreudigkeit Weißen gegenüber (Kidnapping) erstreckt sich nur auf den Südwesten der Philippinen, das Gebiet nahe Malaysias. Das war mir im Vorfeld per Recherche klar geworden. Ich hatte aber auch angenommen, dass wir einen Ausflug auf Inselchen machen, schließlich sind die Philippinen für Strand und Inseln berühmt. Ansonsten würde der Urlaub fast ein Arbeitsbesuch werden, sollten Frau und ich doch einen Crashkurs in Sachen Einwanderung und Unternehmensgründung dort erhalten - von der Schwester meiner Frau und ihrem Mann, die dort leben.

Letzter Bericht siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/10/philippinen-die-ankunft.html. Automatisch hatte ich mir zur Reise gleich einen (auch automatischen) Diver am maritimen Kautschukband umgeschnallt, meine "Deep Pepsi" von Orient. Die bekam dann viele Restaurants und Shopping Malls zu sehen, der Unternehmerei-Möglichkeiten halber.


Also einfach rein ins Auto und nix wie weg aus dem teuren Viertel in Manila, wo laufend neue "Condo-Komplexe" gebaut werden, deren Aparments für noch verblüffend wenig Geld derzeit reiche Ausländer und vermögende Einheimische kaufen zwecks "Live Big in New Manila", wie ein Werbeschild versprach.

Die bauen und bauen, Shoppingmalls und Condos überall und neue Villenviertel für die Reichen. Obwohl ja nur alles Palmen, Müll, Islamisten und Sextourismus ist, wie der Deutsche weiß.

Direkt neben einer futuristischen Shopping Mall (links noch im Bild) liegen direkt slumartige Schlichhäuser.

Doch unser Toyota verlässt jetzt die "Bonifacio Global City" in Metro Manila auf der philippinischen Hauptinsel Luzon im Norden Richtung Highlands, auch auf der selben Insel gelegen.

Viel interessantes fliegt am Fenster des Toyotas vorbei, Lokalkolorit aus Vierteln, wie ihn allerdings der Familienzweig meiner Frau dort meidet wie der Taiwaner das Salzfass.

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Was würde man eigentlich tun, wenn man nächtens neben einem nicht so guten Viertel eine Autopanne hätte? "Seine Freigiebigkeit trainieren" lautet wohl die Antwort.

Zu vermieten. Mir wurde klar, dass wir in den Mittelstandsenklaven dort irgendwo an den wahren Philippinen vorbei leben würden, wenn wir denn dort leben würden...

Immer wieder fallen die bunten reich verzierten Busse ins Auge, die oft auf einem Jeep-ähnlichen Fahrzeug basieren, das bis zur Unkenntlichkeit Anbauten erhalten hat.

Mein Schwager bemerkte, man solle sich dort unauffällig kleiden und keine teuren Sachen am Körper tragen. Da musste ich irgendwie an meine neue italienische Designeruhr in Rosegold, Stahl und Bronze denken, die ich gerade mit einem schwarzen Armband mit silbernen Sportstreifen versehen habe und die so groß ist wie ein Kreisel in einem philippinischen Schlichtwohnviertel. Nachdenklich fiel mein Blick auf die Casio meines Schwagers.

Kirchen haben oft noch spanische Namen, obwohl nur noch 10% der Philippinos Spanisch sprechen. "Iglesia con los servicios grandes" ist das hier aber nicht, denn das müsste "Kirche mit den großen Toiletten" heißen wenn mich mein Restspanisch nicht trügt.

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Eine Schule draußen auf dem Land.

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Wer ist dieser vertrauenswürdige Herr, der in Gold ganz bescheiden auf einem Kreisel podestiert in der Provinz steht? Sicher ein sehr vertrauenswürdiger Politiker, kein Zweifel.

Weiter...

Und wir steuerten ein hübsches Restaurant mit überfülltem Parkplatz an.

Hier ein Jeep oder Jeep-Äquivalent gut verziert...

... und freuten und auf das original philippinische Essen.

Die Gäste hatten einen atemberaubenden Blick auf den Taal-Vulkan, der drunten im Tale in der Mitte eines Sees lag. Auf der Vulkaninsel links im Bild gibt es sogar Dörfer - nur mit dem Boot zu erreichen.

Hier sah man viele alte Villen und manchmal sogar Brettenbudengarküchen mit atemberaubendem Blick auf den Vulkansee (hier das Restaurant), doch der Bauboom macht auch hier nicht halt, wie man links sieht.


In dem hübschen Restaurant ließ sich später ganz rechts auch ein Paar beim Knutschen ablichten von dem professionell ausgestatteten Fotografenteam des Lokals. Der Beleuchtungsmensch hatte ein schwarzes T-Shirt an mit einem grauen Feld, das mit "18% gray" beschriftet war und mir ein wissendes Grinsen entlockte. Will sagen, mit dem Normgraufeld diente er dem Fotografen als Belichtungsabgleich.



Ich habe sogar das Essen vertragen, in guten Restaurants geht das in den Philippinen. Das Essen ist übrigens im vorherigen Artikel zu sehen und beschrieben. Lateinamerikanisch, mit Schweinshaxe (die spanisch sein soll) und asienartigen Nudeln.


Anschließend ging es zu einem Parkplatz, wo uns gleich fünf fast schon aggressiv wirkende junge Männer einwinkten und uns aufforderten auf bereit stehenden Pferden im Kreise zu reiten - was Junior auch mit Muttern begeistert tat. Oder man sollte besser gleich die Bootstour auf die Vulkaninsel buchen. Schilder wiesen später darauf hin, dass es vorboten sei, hier für Pferdereiten oder Bootstouren zu werben.


Wie üblich in Dritte-Welt-Ländern waren viele Kinder und Jugendliche hier. Aber um zu arbeiten als Pferdebetreuer und nicht um zu reiten.

Hier konnte man Grillen in bereitstehenden Hütten oder wie wir durch die Landschaft wandern.

An den Seilen konnte man sich gegen Gebühr durch die Schlucht gleiten lassen, rechts sieht man eine Station.

Sicher hat der philippnische TÜV alles regelmäßig überprüft, da habe ich keinen Dreifel dran.

Eine junge Frau ließ sich mutig durch die Gegend schubbern...

...

Mein dortiger Neffe und meine Frau waren dann später auch noch dran, aber in der sitzenden Variante. Nur als ich es fotografieren wollte, flog mir wieder der Spiegel aus der DSLR von Sony, grauslich. Nur ein einziges Bild habe ich vom Flug meiner Frau als ich den Spiegel von Hand wieder einsetzte und daher genau ein Foto machen konnte, bis es dunkel wurde.

Zusammengefasst denke ich, habe die Philippinen vieles zu bieten. Es gibt Armut, Mittelklasse, Oberklasse, entsprechende Umgebungen, einen Bau- und Wirtschaftsboom, Slums, schicke Apartmentbauten, Expat-Opas mit viel zu junger Frau, ebenso egalitäre Paare gleichen Alters.

Und Schlangen auf der Parkbank, die gar nicht aus Plastik sind, wie ich erst dachte. War aber in einem Tierhaus Marke Tierpark.

Keine Schildkröte, sondern eine Alligatorschädeldecke nebst Alligator dran befestigt. Ob die dünne Glasgescheibe gehalten hätte, wenn das Viech mir das Foto übel genommen hätte? Aber der Spiegel war ja wieder festgeklebt an der Kamera.

Hier bekam ich auch meinen ersten Kuss von einem (natürlich weiblichen) Orang-Utan. Sie wissen schon, eine dieser Sachen wo man sich in Begleitung des Pflegers neben ein Tier setzt des Fotos halber. Nicht so mein Ding, weil Tiere keine Deko sind. Zu meiner Verblüffung knuddelte mich dann die Orangutandame herzlich. War dann doch ein verblüffendes Erlebnis, so nah war ich noch keinem hohen Primaten gekommen (Vertreter des Homo Sapiens Sapiens ausgenommen) und der "Urwaldmensch" (was die Bedeutung des wohl indonesischen Wortes Orang Utan ist) kam mir doch verblüffend menschlich vor. Aber das ist ein anderes Thema.