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Freitag, Januar 11, 2019

Notizen zum Selbstverlag (als Romanautor)

Meine Amazon KDP-Erfahrungen in Stichworten

Früher musste man Hermine Hottenplotz-Schmidtmeier, Lektorin beim XY-Verlag (gegr. 1754 bei Morgennebel) davon überzeugen, dass man der nächste Topseller war. Auf einem Markt, bei dem auch die Lektoren so geknutet werden, dass sie eher 1000 als 100 Manuskripte vorliegen haben.

* Heute lädt man eine Worddatei bei Amazon-KDP hoch (Googeln danach kann jeder selbst) und hat dann schnell ein Ebook oder auch ein Print-On-Demand - Buch bei Amazon.de. Geht wirklich problemlos.

 Wer sich langweilt, kann auch ein Buch schreiben. Foto von Joshua Rawson, Unsplash.com.


* Buchpreisbindung? Die meisten glauben das hieße, das eigene Buch müsse überall zum selben Preis angeboten werden. Was genau das heißt, weiß kein Selbstverleger. Ich werde künftig Preisänderungen nur noch über Zusatzeditionen machen, um juristische Probleme zu vermeiden.

* Was ist erlaubt? Wohl fast alles. Sex und Gewalt verkauft sich. Mit der Tendenz, Dinge desto eher nur anzudeuten, desto extremer sie sind. Das meiste an Selbstverlegtem sind allerdings sinnlose Ratgeber und Große-Romancier-WanneBe - Romane, die sich so gut wie nicht verkaufen, Scifi und Fantasy eingeschlossen. Den tausendsten - Auserwählter Bauernjunge wird als wiedergeborener Drachenreiter/Zauberer/Herrscher entlarvt - will nicht unbedingt jemand lesen. Obwohl das Zeug manchmal nicht schlechter ist als der große US-Fantasy-Bestseller, den die Verlage auch nach Deutschland mit riesigen Auflagen durchdrücken. Manchmal auch besser. Aber so ist es eben auch mit den Sängern, manch einer ist so gut wie Caruso oder Elvis Pressluft, wird aber halt sein ganzes Leben lang nur mit der Sparkassencombo singen.

* Was verkauft sich? Sex und Gewalt sagt man. Nicht so übertreiben bei Inhaltsbeschreibung und Cover, sonst meldet sich Amazon mit Beanstandung.

* Wird man reich? Nein. Die meisten verkaufen fast nichts, viele für um die 100 Euro im Monat, manche mehr. Topleute angeblich 2000 monatlich oder so. Ich persönlich bin irgendwo dazwischen.

* Alternativen zu Amazon.de? Nach meiner Recherche verkauft man bei Amazon.de leidlich gut, sonst überall nix.

* E-Book oder Taschenbuch bei Amazon? Man nehme meine E-Book-Verkäufe, nehme 2% oder weniger davon und hat die Taschenbuchverkäufe. Kurz vor Weihnachten werden es mal 4 statt 1 Taschenbuch im Monat.

* Was habe ich nun geschrieben? https://osttellerrand.blogspot.com/2018/12/ludigels-roman.html

* Wo bleibt das (vor Jahren schon mal von einem veritablen Verlag angefragte) Ludigel Taiwanbuch?
Das Blog als Buch hätte wahrscheinlich 10 Leser im ersten Monat, 5 in zweiten und dann 1 Verkauf alle drei Monate. Zu viel Arbeit für nix. Da halte ich in der Zeit lieber ein Nickerchen.

So und nun auf, die Leser der Welt warten auf IHREN Roman! Mit oder ohne Seehund auf der Oberlippe Marke Günter Grass.

Dienstag, Juni 11, 2013

Die schlimme Amerikanerin

Ein Mediengewitter zieht (mal wieder) über jemanden aus dem Westen danieder

Taiwan wird schon seit ewigen Zeit als ein extrem gastfreundliches Land beschrieben. Ist es sicherlich auch noch, auch wenn sich bei mir seit einiger Zeit so das Gefühl einschleicht, als ob die ständigen Stürme in der Medienlandschaft, die gegen einzelne Ausländer gerichtet sind,  das Klima langsam drehen. Oder jedenfalls die Freundlichkeit deutlich abmildern. Aber so etwas ist immer subjektiv und ich will hier nicht jede unfreundliche Begegnung in der letzten Zeit wiederkäuen. Die Ausländer, die im Zentrum eines solchen "Shitstorms" stehen, sind sicher nicht immer Engel. Manche haben vielleicht etwas ungehöriges oder gar Kriminelles getan, andere gar nichts Außergewöhnliches. Die Gemeinsamkeit aller Fälle ist immer wieder, dass die Story erst dadurch in die Presse kommt (oder die außergewöhnliche Breite ihrer Berichterstattung erfährt), weil der Protagonist dem Typus "Weißer" entspricht.
Hier das jüngste Beispiel: Eine Frau, die vermutlich eine (weiße) Amerikanerin ist, hat in Taipeis MRT (die U-Bahn/Schwebebahn) einen normalen Sitzplatz für sich und einen für ihre Einkäufe belegt. Vor ihr scheint sogar ein freier (!!!???) "Priority"-Sitz zu sein, also einer, der speziell für ältere Leute, Eltern mit Kindern oder Bedürftige gedacht ist und den man frei machen soll, wenn eine solche Person darum bittet. Aber der hat hier mit der Frau nichts zu tun, sie sitzt da nur in der Nähe. In diesem Fall, der es bis in die Taiwanpresse schaffte (LINK zur "Chinatimes") und eine Facebookcampagne auslöste (durch die Person, die ein Handyvideo drehte: https://www.facebook.com/photo.php?fbid=997207805663&set=a.530677406323.2055102.26206451&type=1&theater), hat angeblich eine ältere Frau die Amerikanerin gebeten, einen Sitzplatz für sie frei zu machen, was die Amerikanerin ablehnt und in dem entstehenden Streit angibt, für die US-Vertretung in Taiwan (das AIT, American Institute in Taiwan) zu arbeiten, was wohl den filmenden Taiwaner oder die anfragende Seniorin abschrecken soll. Sicher ist das ein ungeschicktes Verhalten. Unfreundlich und egoistisch wäre die Amerikanerin, wenn denn keine anderen Sitzplätze frei wären. Ist der vor ihr frei? Sind noch mehr Sitze frei? Man weiß es nicht.

UPDATE: Wenn man das Facebook-Foto mit dem Chinatimes-Foto vergleicht sieht man, dass der frei aussehende Sitz im Vordergrund auf dem Chinatimes-Foto weggeschnitten wurde! So passt die Story von der bösen Ausländerin besser.

 Vorsicht wo man gerade herumsteht oder sitzt in den Straßen Taipeis.

Ich selbst habe mal gesehen, wie jemand in der MRT einen Sitzplatz mit Tüten belegte, obwohl die Bahn recht voll war. Gut, da hat kein Senior angefragt, niemand hat gefilmt, der Vorfall hat es nicht in die Medien geschafft. War ja auch kein Ausländer involviert. Mehrfach habe ich bereits Senioren in der MRT Platz gemacht, aber zweimal hat sich dann sofort ein junger Mann auf meinen gerade frei gemachten Platz gesetzt (und hier ist keiner der wenigen Ausländer gemeint) und den Senior einfach ignoriert. Mit 20 bewegt man sich halt schneller als mit 70. Ich habe dann mein Bedauern gegenüber dem Senior zum Ausdruck gebracht, aber sonst nichts gemacht. Sprachbarriere und die Tendenz zum Ausländer-Shitstorm in Medien haben mit da vorsichtig sein lassen. Schnell könnte sich ein Streit entwickeln, ein anderer Taiwaner filmt und dann heißt es vielleicht: "Unverschämte Bignose will Sitzplatz in MRT haben, Senior steht daneben!" Oder auch nicht. Der Punkt ist, es ist sehr leicht aus einer der kleinen Widrigkeiten des Alltags in Taiwan ein nationales Medienspektakel zu machen, sowie ein Ausländer involviert ist. Ein Taiwan-Senior mit Handykamera anbei könnte in der Tat von einem Westler verlangen, ihm genau den Sitzplatz X frei zu machen, auch wenn ein anderer noch frei ist. Wehe, er spurt nicht. Dann schickt man das Video an die Presse.

Wer sich jetzt über die vielleicht ja tatsächlich unverschämte Amerikanerin aufregt, der möge sich fragen: Hätte es der Fall auch in die Inselpresse geschafft, wenn hier nur eine von unzähligen Taiwanerinnen säße, die wieder mal einen Sitzplatz mit Einkäufen voll gestellt hat? Sicher nicht.

Das AIT untersucht den Fall intern, hat es in einer Presseerklärung verlauten lassen, die jemand im Ausländerforum zitiert hat. Und die Frau wird sicher aus Taiwan weg versetzt werden, wenn sie am AIT gearbeitet hat, vermute ich. Unabhängig davon, ob nun ein Platz frei war oder nicht.

Westler sehen anders aus, daher verfolgt die taiwanische Öffentlichkeit sie mit zunehmender Tendenz kritischer. Wer anders aussieht, ist immer ein guter Sündenbock. Das ist auch in anderen Ländern so, nur in Taiwan ist man da hemmungsloser, der ungezügelten Boulevardmedien (das ist hier praktisch die gesamte Medienlandschaft) wegen, die die ehemals so populären Weißen als auflagengarantierenden Prügelknaben entdeckt haben.

Bedenklich finde ich, dass vielleicht auch bald Leute auf die Idee kommen, eine Ausländerstory für die Presse zu fabrizieren. Denn dann kriegen sie das Video mit Sicherheit auf Webseiten und viele Hits auf Youtube. Eine Seniorin stand in einem kleinen Nudelrestaurant einmal wütend vor mir und wollte wohl, dass ich ihr Platz mache, obwohl ich gerade am Essen war und das Lokal voller Taiwaner aller Altersgruppen war. Habe ich nicht, ich kann ja schlecht die Nudeln im Stehen essen. Es kann also durchaus sein, das hier eine Ausländerin herausgepickt wurde. Oder auch nicht und sie war wirklich unverschämt. Aber die Wahrheit prüft hier niemand, es geht nur um die Medienaufmerksamkeit.


Update: Diese Internet-Shitstorms gegen Ausländer ähneln der chinesischen "Flesh Search Engine", wo chinesische Netznutzer einzelne (allerdings i.d.R. chinesische) Übeltäter im Netz anklagen und aburteilen. Einfach mal ergoogeln, ich will mich hier nicht in chinesischen Seiten verlieren...

Donnerstag, Mai 19, 2011

Sensationell, Fahrer verfehlt Einfahrt

Mich wundert immer wieder, was hier im nationalen Fernsehen kommt. Tolle berichte auf TTV, was bestimmt für Taipei TV steht (oder Taiwan TV, na?), wie eben zur Mittagszeit ein geschlagener 10-Minuten-Bericht samt 3d-Computer-Rekonstruktion. Ein silberner Kleinwagen biegt im zu weiten Winkel in eine Einfahrt zu einem Untergeschoss-Parkhaus ab. Die Einfahrt ist so groß, dass sogar ein 38-Tonner da bequemst Einfahrt finden würde - oder eben zwei PKW nebeneinander plus Luft. Der Wagen verfehlt aber trotzdem die Einfahrt und knallt links gegen eine Hausmauer und purzelt dann in der 3D-Rekonstruktion die 1-2 Meter hinunter, die die abschüssige Einfahrt an der Stelle mittlerweile tief ist, reißt sich dabei die Heckschürze ab, prallt gegen das geschlossene Rolltor und bleibt liegen. Sicher nett anzusehen, aber wieso gibt es so einen Kram so lange im Fernsehen? Mit Zeugenvernehmung, mittelalte Frau deutet aufgeregt die Einfahrt hinunter, Gebäude-Security wird gezeigt, wie sie das Auto umtigert. Ständig rumst es hier und nur weil ein Betrunkener irgendwo gegen fährt gleich einen Bericht von zu machen, bizarr. Und jetzt auch noch einen Blogbericht. Noch verückter.
Die Moral von der Geschicht, das Fernsehen ist hier komplett auf Boulevardniveau und interessiert sich für jede Bagatelle. Und dies Blog ist auch keinen Deut besser.

Dabei gibt es hier viel interessanteres. Etwa solche Einfahrten....

...oder solche Eingänge, komplett mit kleinem Diktator zur Rechten. 

Update: Beim Abendessen saß ich näher am TV und sah, dass der Autofahrer mit dem Oberkörper aus dem Fahrerfenster hing und dabei das Auto steuerte. Also statt durch die Scheibe zu gucken. Nett gemacht.

Donnerstag, Juli 08, 2010

STERN jetzt als pPaper !!!

 Junge Taiwanesin mit konventionellem "pPaper", der Trend hin zum Holz ist unverkennbar

Als Expat war das Lesen des STERN über die Seite Newsstand.com immer eine schöne Sache, PDF-artig konnte man sich auch zahlreiche andere deutsche Publikationen auf den Rechner herunterladen, auch wenn das ganze verschlüsselt war und daher nicht auf einen anderen Rechner übertragen werden konnte. Die STERN-Pressemitteilung aus dem Jahre 2004 gibt es noch (http://www.stern.de/presse/stern/29032004-stern-ab-7-april-2004-weltweit-als-e-paper-ausgabe-verfuegbar-522085.html) und korrekt wird darauf hin gewiesen, dass "die Mobilität der Menschen ständig [zunimmt] und damit [...]der Anspruch an schnellem Informationstransfer [wächst]", so der damalige Verlagsleiter. Gut, vielleicht hat die Mobilität dann wieder abgenommen und wir lesen alle nur noch Papierpublikationen unter Omas Stehlampe im Jahre 2010. Und das, wo ich schon lange vor dem iPad von Apple mit einem Tablett-PC (von AMTEK) den Stern als e-Paper gelesen habe. Mit dem iPad von Apple will man auch eBooks und ePaper propagandieren. Schauen wir also mal, wie wir die ganzen Papierhefte jetzt eingescannt kriegen, um sie dann im eReader oder iPad zu lesen ;-)

Newsstand.com hat garnichts deutsches mehr, fast nur noch USA-TODAY Sondernummern als Magazin (neben einigen anderen amerikanischen Magazinen), nur leider ist dies US-Zeug immer so dünn und drin steht wenig; mit dem Lesen hat es die breite Masse da hinten halt nicht so. Außerdem interessieren mich Ophras Kommentare über Obama und derlei Zeug relativ wenig. Na ja, den SPIEGEL gibt es immer noch als ePaper und man kann alte Artikel sogar gratis Online lesen. Na denn...