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Freitag, Januar 26, 2018

Gesundheitssystem Taiwan: Ärzte, Krankenhäuser (Update)

Erst durch eine 2015 im "Tri-Service"-Krankenhaus NeiHu schief gelaufene Behandlung habe ich so richtig begriffen, wie Taiwans Medizinsystem funktioniert. Hier ein Überblick.

0. Blutspende-Wagen

Blutspendewagen nehmen kein Ausländerblut an (oder kippen es weg, wenn man drauf drängt, vermute ich). Das erklärt sich durch gesetzliche Regelungen, weil Ausländer reisen und andere Länder natürlich andere Krankheiten haben. Außerdem glauben Taiwaner ohnehin, Ausländer hätten HIV und BSE im Blut ;-)





1. Apotheken

... gibt es so in Taiwan eigentlich nicht. Was sich hier Pharmacy (Apotheke) nennt sind eigentlich eher Drogerien, eventuell mit Megaphon-Werbeaktion "Ein Ei, ein Becher Tee und 1 Stück Seife für 10 Taiwandollar (NT)". Hier gibt es also auch Shampoo (mit Schwerpunkt auf Medizinischem), dann aber wieder große Lücken im Sortiment. Nagellack zum Beispiel haben sie üblicherweise nicht (weil man das eher im Seven-Eleven Kioskmarkt kauft). Medikamente kauft man praktisch nur in Selbstmedikamentation. Ist ein Medikament nicht vorrätig ist der Verkäufer meist unwillig es zu bestellen, selbst wenn er einigermaßen Englisch kann. Drogerie eben. Verschreibungspflichtige Medikamente (hier hat Taiwan ähnliche Regeln wie Deutschland) gibt es nicht frei zu kaufen.
Aus Deutschland bekannte Medikamente gibt es eher selten. Ärzte teilen Pillen selber zu, daher gibt es eben kein richtiges Apothekerwesen.
Äußerlich erkennbar am typischen klassischen Drogerieäußeren (eher nicht wie DM oder Rossmann, sondern wie es früher auch in Deutschland war), meist mit dem Logo von Taiwans Einheitskrankenkasse National Health Insurance  (NHI) versehen (zwei grüne Männchen im blauen Kreis). Beispielfoto.
Öffnungszeiten 9-22 Uhr oft.

2. Ärzte mit eigenen Praxen

...sind fast alle nur HNO-Ärzte, weil Taiwan wenigstens im Norden zwar monatelang niedrige Temperaturen (etwa Nov-Feb) von +3 bis +18 Grad hat (die Ausreißer nach unten sind das interessante), aber die Gebäude meist keine Heizung haben (Hotels, Kioskmärkte etc. meist ausgenommen). Ich benutze diese Ärzte aber auch einfach als Allgemeinmediziner, in Ermangelung von solchen. Gelegentlich versuche ich eine Verbindung zur Nase herzustellen, wenn ich den Arzt noch nicht so genau kenne. Etwa: Mein Daumen wird dick weil Junior draufgebissen hat, aber ich habe auch einen Pickel auf der Nase).
Mit der taiwanischen NHI-Karte (grüne Krankenversicherungskarte von der staatlichen Krankenkasse) erhält man eine bunte Tablettenmischung für 3 Tage (Tüte verrät was drin ist, Beipackzettel sucht man vergebens) mit meist viel Antibiotika. Schnell soll es wirken, damit der Kunde zufrieden ist und wiederkommt. Taiwanische Ärzte arbeiten lang und verdienen wenig. Unterschiedliche Öffnungszeiten, meist wochentags abends und auch am Samstag tagsüber und abends, manchmal auch Sonntag Abend. Praxisgebühr von 200 NT bei jedem Besuch zu zahlen wenn man sich mit der NHI-Karte registriert. Am 4. Tag und oft danach kommt man manchmal einfach wieder und sagt "Gei woa wode jao" (etwa: "Gäj woa woade jau") und erhält dann ohne zum Doc reinzugehen die selben Medikamente.  Verstopfte Nasen werden vor Ort abgesaugt und man kriegt was in den Hals gesprüht.

Sind die Arztpraxen tatsächlich Allgemeinmediziner oder Internisten (meist Gemeinschaftspraxen), dann fehlt meiner Erfahrung nach der Punkt, wo sie einem sagen "ich komme nicht weiter, geh ins Krankenhaus zum Spezialisten" sondern sie behandeln stur mit der letzten Pillenmischung weiter.

Ohne NHI-Karte legt man den Pass vor und geht meist mit 1000 bis 2000 NT Kosten wieder raus (etwa 25-50 Euro umgerechnet). Man kann dann eine Medikamentenverlängerung gleich dazu kaufen.

In winzigen Praxen, die letztes Jahr noch ein kleiner Supermarkt waren und nächstes Jahr vielleicht ein Nudelrestaurant, sitzt der Doc hinter dem Tresen hinter einer Pappmascheewand hinter einem Vorhang (größere Praxen gibt es auch). Manchmal ist so viel Betrieb (insb. bei Hautärzten), dass die Türe (wenn vorhanden) zum Wartezimmer gleich offen steht und der nächste Patient schon mit im Wartezimmer steht und der letzte sich noch die verarzteten Furunkelfüße reibt. Nicht mit Sandalen in die Blutlache treten. Desto voller, desto unsauberer. Die kleinen HNO-Buden sind aber meist sauber.

2a. Privatärzte

Eigentlich soll in Taiwan jeder in der NHI sein und jeder Arzt muss ein Kassenarzt sein. In der Praxis gibt es aber offenbar reine Privatklinken, etwa den "Dr. Wu" in Taipei, der vor etwa 12 Jahren jedenfalls ohne NHI-Karte als Hautarzt tätig war, allerdings gepaart mit einer Wellness-Klinik, so dass der Grenzbereich zwischen Salbe für Entzündung und Salbe zum Jungaussehen wohl versicherungstechnisch verschwamm. Mittlerweile finde ich vom Dr. Wu nur noch eine Kosmetiklinie, die sich die Damenwelt hier reichlich auf die Pelle schmiert.

2b. Chinesisch-Traditionelle Ärzte

... sind mit NHI-Zeichen draußen genauso offiziell wie die "westlichen Ärzte/Western Doctors" und diagnostizieren mit vulkanischer Gedankenverschmelzung über Anfassen am Handgelenk (nicht an der Schläfe wie bei Startrek). Mein Katra zu deinem Katra, aha, du hat gerade Süßes gegessen, sollst du doch nicht. Man kriegt für 1000 bis 4000 NT ein Mischpulver verschrieben, das meist nach Baumrinde riecht (also vermutlich u.a. ein natürliches Aspirinpulver enthält, was das Blut verdünnt). Diese Medikamente wirken bei Dauereinnahme tatsächlich. Man sieht oft viele natürliche Blütenzutaten in den Gläsern in der Apothekensektion. Leider kam es in der Vergangenheit immer wieder dazu, dass Zutaten aus der VR-China verwendet wurden die massiv mit Schwermetallen und evtl. auch hohen Cortisondosen versehen war. Der Tod des Patienten etwa durch aktues Nieren- oder Leberversagen ist eine extrem seltene aber durchaus manchmal vorkommende Randerscheinung der Behandlung.

Tri-Service Hospital NeiHu


3. Zahnärzte

... lehnen schon mal die Behandlung ab, weil sie voll sind oder so, selbst bei Schmerzen. Jedenfalls auf dem Lande. Der Behandlungsstuhl hat evtl. noch den Schweiß vorm Vorpatienten auf dem Latex und der Schwenktisch ist noch voll mit Abfall mit Vorpatienten, es sei denn man hat einen der wenigen sauberen Dentisten. Meist stehen zwei bis vier Stühle direkt nebeneinander, oft einsehbar von der Straße durch das Schaufenster (war letztes Jahr noch ein Dumpling-Restaurant und vorletztes ein Nagelstudio) und immer einsehbar vom Wartezimmer. Schreit man gleich weniger und zappelt auch nicht so. Auf NHI-Karte kann man sich alle drei Monate gratis die Zähne überprüfen und saubermachen lassen.

4. Spezialisten

... sind fast immer in Krankenhäusern niedergelassen, wo es den OPD-Tresen (OPD = Out Patient Department) zur Registrierung gibt. Besonders beliebt bei ausländischen Patienten ist das lange Formular voll und ganz in chinesischen Schriftzeichen. Einen Termin vereinbart man eigentlich vorher, um episch lange Wartezeiten zu vermeiden, was über komplett in Chinesisch geschriebene Webseiten geht (Ausnahme offenbar hier). Hat man eine Nummer, sucht man erst mal das Sprechzimmer und registriert sich dann erneut entweder durch Einstecken der NHI-Karte in einen modernen Tablettcomputer in der Wand, der einen dann auf der Warteliste automatisch aktiviert oder indem man die Sprechstundenhilfe abfängt und ihr die NHI-Karte und den Registrierungsschrieb in die Hand drückt. Wer keine NHI-Karte hat muss auf jeden Fall die Sprechstundenhilfe abfangen, sonst kommt er nie dran. Taiwaner rasen auch einfach in das Behandlungszimmer rein und erwischen Frau Lu mit runtergelassenen Hosen, um ihren Schrieb abzugeben.

Der Wand-Tablettcomputer, wenn vorhanden, zeigt meist zwei Nummern an. Einmal wer jetzt dran ist groß links (etwa: 52) und dann wer als nächstes dran kommt klein rechts (etwa 58, weil 53-57 noch nicht den Schrieb abgegeben haben und nicht physisch anwesend sind). Verpasste Nummern werden erneut automatisch aufgerufen, etwa steht dann dann (52 | 8) und die 8 ist dann als nächstes dran. Mit "altmodischem" Digitaldisplay kann man als Nummer 8  auch bei höherer Zahl die Sprechstundenhilfe abfangen und kommt dann irgendwann dran.
Sind weitere Tests erforderlich erhält man die entsprechenden Schriebe und macht sich auf das fröhliche Suchen der entsprechenden Abteilung, wobei uns trotteligen Ausländern aber immer gern und freundlich weitergeholfen wird. Am Ende hat man einen Rezeptschrieb, mit dem man jetzt erst zur Kasse geht (i.d.R. Nummer ziehen) und dann am Kassenfenster die NHI-Karte und den Schrieb vorlegt und immer ein paar Hundert und oft 1000 NT bezahlt. Mit dem abgestempelten Medikamentenzettel (der eine Nummer irgendwo hat) geht es dann zur Warteschlange der Apotheke, wobei man sich erst anstellt, wenn die eigene Nummer kommt oder übertroffen wurde. Denn erst dann sind die Medikamente fertig. Mit anstehende Taiwaner wollen dem Ausländer meist die Nummer auf der Verschreibung kontrollieren; er könnte ja zu früh anstehen und schlauer als unsereins sind sie ja eh. Oft fragen die Apotheker, ob man Englisch benötigt, dann haben sie die Option im Computer und die Medikamententüte ist auf Englisch (Wirkstoffe sind ohnehin immer auf Englisch). Wieder hat man nur für 3 Tage die Medikamente und muss bei Neubedarf wieder zum Arzt rein.

Die qualitative Bandbreite der Behandlung ist extrem. Die Krankenhäuser teilen sich grundsätzlich in drei inofizielle Klassen: wenig Zuzahlung, mittelviel Zuzahlung und viel Zuzahlung und entsprechend ist der nächste Arzttermin (evtl. zur Auswertung des Bluttests) nächste Woche/in 2 Wochen oder in ein paar Tagen oder eben sofort im Anschluss. In der niedersten Kategorie bin ich einmal vom Arzt ausgelacht worden und musste hören, meine mich in die Notaufnahme treibenden Symptome seien eingebildet. Ein Krankenhaus der höchsten (inoffiziellen) Kategorie hat mich dann praktisch sofort in den OP gesteckt und weg waren die Symptome - von wegen eingebildet.

Eines muss ich sagen: Die Kinderkliniken sind aber scheinbar immer sehr gut.In der niedrigsten Kategorie hat man sonst Ärzte die einem wie Scharlatane vorkommen oder eben auch vertrauenswürdige Leute, die wissen was sie tun, aber einen lange auf die Auswertung des Tests etc. warten lassen.

Ein Ausländer, der nach einer Unfallflucht blutend in einem Krankenhaus erschien, musste erst mal das lange Formular ausfüllen und saß dann mit regulären Patienten in der Warteschlange. Hier wäre wohl die Notaufnahme besser gewesen. Die Krankenschwester sei schreiend aus dem Behandlungszimmer gerannt, als sie sein Blut gesehen habe. Ich vermute, sie hatte Angst vor Ausländerblut (das bekanntlich AIDS-verseucht ist, wie die Regenbogenpresse hier lehrt). Ich habe so etwas noch nie erlebt, aber auch noch nie geblutet im Wartezimmer.

Krankenhaus-Beispiele:

I. Wenig Zuzahlung, lange Wartezeiten, sehr durchwachsen bis auf Kinderklinik und Notaufnahme, die sehr gut sind:

Tri-Service-General Hostpital Taipei-NeiHu: https://wwwv.tsgh.ndmctsgh.edu.tw/english/191
Ein allen offen stehendes Militärhospital (wegen dem Tri-Service im Namen erkennbar).

II. Mittelviel Zuzahlung, eigene gute Erfahrungen:

Taipei Veterans Hospital in Taipei-BeiTou: https://www.vghtpe.gov.tw/Index.action

III. Viel Zuzahlung, sehr schnelle und kompetente Behandlung (außer in Augenarzt-Abteilung, da hatten wir einen sehr arroganten unwilligen Arzt):

Das private ShuTien-Hostpital am Daan-Park in Taipei (aka Ruentex-Klinik), das auf NHI-Karte eben gegen teils erhebliche Zuzahlung behandelt (was ohne OP durchaus erträgliche Summen von min. etwa 500 NT oder so sein können): http://www.shutien.org.tw/
Die Klinik hat zur Zeit wohl nur Urologen und Augenärzte und arbeitet mit dem Shung-Shan Hospital zusammen (http://www.csh.com.tw/en/en1.php). Hat man stationäre Behandlung, bietet das ShuTien die Möglichkeit, die OP und das Zimmer mit dem Arzt vom ShuTien im ShungShan zu haben, was erheblich billiger ist.

5. Notaufnahmen (ER, Emergency Room)
... haben geringere Warteschlangen und wollen im Gegensatz zu Deutschland nicht nur vertrösten, bis man wieder zum "Hausarzt" gehen kann, sondern behandeln wirklich und umfassend und sehr kompetent, auch im o.g. Tri-Service. NHI-Karte oder Pass mitbringen.

6. Spezialbehandlungen für solvente Ausländer

... bietet etwa das TriService in NeiHu. Hier hat man offenbar First Class - Service mit Luxuseinzelzimmer und schneller Behandlung, allerdings DARF man nicht bei der staatlichen NHI Krankenversicherung versichert sein.



Nachtrag: Besonderheiten im Krankenhaus:

Man erwartet, dass eine Begleitperson mit im Zimmer auf unbequemer Liege neben dem Bett nächtigt und Jobs übernimmt, die in Deutschland die Krankenpfleger/-schwerstern erledigen würden wie Bett machen, füttern etc. Es gibt professionelle mietbare Begleitpersonen über Privatkontakte.

Besuchszeiten sind de facto fast rund um die Uhr. In Mehrbettzimmern hat man bis spät am Abend 22 Uhr eine kreischende Großfamilie am Nachbarbett und vor dem eigenen Fußende steht Ho-Fong, der noch lauter schreien muss, weil er gerade telefoniert. Riecht auch lecker, wenn sie alle viel zu futtern nach taiwanischem Geschmack mitbringen.

Das Essen im Krankenhaus ist wohl ein privater zubuchbarer Lieferservice und meist erstaunlich gut.

Zweibett- oder Einzelzimmer lohnen sich wegen der Always-Open-Besuchszeiten. In den meisten Krankenhäusern kostet ein Einzelzimmer um die 4000 NT pro Tag, im privaten ShuTien um die 30.000 NT. Wir haben eine private Zusatzversicherung, die die 4000 NT jedenfalls abdeckt (Allianz Taiwan ;-)

Großer Vorteil des Taiwan-Kassensystems gegenüber Deutschland. Als ich vor vielen Jahren das mal überprüft habe, war der Kassen-Basissatz etwa für Beschäftigungslose bei etwa 1000 NT im Monat und als Angestellter wurde mir ein ähnlicher Betrag vom Gehalt abgezogen; der Arbeitgeber zahlt genauso viel. Die umgerechnet 25 bis 30 Euro sind eine ganze Ecke günstiger als der deutsche Basissatz für freiwillig gesetzlich versicherte von knapp 190 Euro.

Tipp:
In der Holzklasse der Krankenhäuser in der ambulanten Behandlung am besten mit eigener Recherche überprüfen, ob die Diagnose schlüssig ist. Die Ärzte verdienen an Operationen sehr viel mehr als sonst und sind i.A. schlecht bezahlt.


Zusammenfassung des Artikels a la Reiseführer:

"Die ärztliche Versorgung in Taiwan und insbesondere Taipei ist annähernd so gut wie in Deutschland." Erstaunlich, welche Bedeutung das Wort "annähernd" haben kann.

Keine Organtransplantation, sondern nur ein Kimchi-Kochkurs (und in Korea gebe ich zu).

Dienstag, Juni 28, 2016

Vor Auswanderung: Rentenanspruch vervollständigen

Besuch bei einer Insurance Labor Law Union

Leider habe ich nicht gleich geistesgegenwärtig ein Foto von dem Türschild gemacht, so fällt es mir mal wieder schwer nachzuvollziehen, wo wir eigentlich waren. Eine "...Insurance Labor Union" laut englischem Text auf dem Türschild, laut meiner Frau aber eine private Firma. Ein kleines Büro irgendwo in Taipei. Nett eingerichtet, die Wände mit Keksen und Kaffee voll - wohl der Vorrat der sehr attraktiven 5 Damen in den 20ern, die hier Klienten empfangen. Für uns geht es darum, dass wir trotz der vermutlich in ein paar Monaten stattfindenden Auswanderung nach Manila in den Philippinen gerne meine taiwanische gesetzliche Krankenversicherung weiterlaufen lassen wollen - und ich auch meine ARC, also meine Ausländerkarte aka 2-Jahres Aufenthaltsberechtigung für Taiwan gern behalten würde. Die Rente war so ein anderes Thema, denn wenn man ein Land verlässt, kann man sich ja mal überlegen wie das rententechnisch irgendwann einmal zu Buche schlagen wird. Zur Rente gibt es ja von mir schon ein Scrapbook, das viel aus Mutmaßungen besteht und hier zu sehen ist: http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html 

Die Firma oder Gewerkschaft bei der wir zu Besuch waren, sollte nun mehreres möglich machen: a) Dass ich meine ARC behalten und die gesetzliche KV und b) dass ich einen monatlichen Rentenanspruch bekomme, statt der Mini-Einmalzahlung, die mir bei weniger als 15 Beitragsjahren (12 habe ich jetzt zusammen) zustehen würde. Die netten Damen (ich musste mich mehrfach ermahnen nicht auf den taiwantypischen höschenblitzgefährlichen Ultamini der einen "Gewerkschafterin" zu starren, als sie am Schreibtisch vorbei schwebte) hatten dabei folgendes zu sagen:

1) Frau und ich sollen beitreten. Allerdings muss die "Regierung Taiwans" da zustimmen.

2) Wenn wir rein dürfen muss ich mindestens einmal im Jahr Taiwan besuchen - ein paar Tage reichen - und kann dann meine ARC behalten. Die Dame führte aus, für Leute mit der permanenten APRC würde das nicht gelten, da müsse man 183 Tage im Jahr in Taiwan leben.
Meine ARC kann in der Taiwanvertretung in Manila verlängert werden..

3) Ich müsse dann bei jedem Besuch einmal einen Arzt aufsuchen mit meiner GKV-Karte aus Taiwan. Mehr oder minder um sicher zu gehen oder dem System mein Vorhandensein anzuzeigen.
Die GKV (also NHI-) Gebühren sind natürlich weiter zu zahlen. Wohl 1000 NT im Monat.

4) Wenn die Regierung unsere Mitgliedschaft erlaubt, können wir beide AUCH OHNE JOB in Taiwan aus dem Ausland heraus unsere Rentenbeiträge weiter freiwillig weiter zahlen und so unseren Rentenanspruch weiter mehren.

Punkt 4 ist für mich besonders interessant, erlaubte er mir doch, meine Anwartschaft auf die monatliche Rente zu vervollständigen. Die kundigen Damen hatten auch gleich errechnet, was ich bekommen würde: Bei Vervollständigung der 15 Jahre bekäme ich 12.000 NT im Monat, also umgerechnet etwa 300 Euro. Das entspricht etwa den ungefähr 285 Euro die ich einmal selbst überschlagen hatte dafür***. Damit sind meine Rentenrechnungen im obigen Link und insbesondere die Formeln aus den englischsprachigen Rentenwebseiten Taiwans im Prinzip bestätigt.
Wenn ich auf 18 Jahre vervollständigen würde, bekäme ich sogar 19.000 NT, führten die Damen aus. Das ließe sich steigern, bis ich 65 bin. Zu diesem Zeitpunkt könne ich die Rente beantragen und würde pro Jahr, das ich sie später beantrage, 3% Zinsen bekommen.
Hier widersprachen die Damen also den Ausführungen meines Rentenartikels und damit den englischen Texten, die ich ihm zugrunde gelegt hatte. Denn dort klang es so, als könne ich erst mit 67 die Rente beantragen. Das gilt dann evtl. nur für spätere Jahrgänge von Rentenantragsstellern.

Verblüffend: Die Damen führten aus, wir könnten beide später zwischen Einmalzahlung und monatlicher Rentenzahlung wählen, obwohl die englischen Gesetzeszitate eigentlich bei mehr als 15 Jahren Beiträgen nur von monatlicher Rentenzahlung reden. Hier ist übrigens eine Modellrechnung zu dem Thema: http://osttellerrand.blogspot.tw/2016/05/wie-wenig-rente-man-in-taiwan-bekommt.html
Die monatliche Rentenzahlung ist extrem gering, ein Euro-Hunderter im Monat bei Einmalzahlung (bei nicht allzu optimistischer Lebenslänge entsprechend auf den Monat gerechnet) steht da schon mal dem etwa dreifachen an monatlicher Rentenzahlung gegenüber.

Nun steht und fällt alles damit, ob meine Mitgliedschaft dort erlaubt wird. Denn die Omen für eine monatliche Rentenzahlung für Ausländer sind leider in Taiwan nicht allzu gut. Mir hat ein Deutscher, der in Taiwan an der Universität als Professor lehrt mitgeteilt, nach 18 Jahren Dienst sei ihm vom Sekretariat gesagt worden, als Nichttaiwaner würde er später einmal nur die geringe Einmalzahlung bekommen und nicht die Taiwanern zustehende letztendlich höhere Monatszahlung. Da Beamte - die die Rente nach Beamtenrecht (Public Service Pension bekommen) - eigentlich besser gestellt sind als wir Normalsterblichen mit der Labor Law - Rente, kann man sich fragen, ob den Labor-Law-Ausländern hier einst der selbe Schmuh droht.

Ein erster Meilenstein ist jetzt, ob meine Mitgliedschaft akzeptiert wird.

*** Bin seit Anfang 2004 hier. Auch meine Einzahlung in das alte Labor-Law-Rentensystem bis 2005 ist offenbar bereits in das neue System übertragen. Beim alten System wäre die Firma (komplex, wenn es mehrere sind) der Rentenversicherungsträger, so ist es die zuständige taiwanische Behörde.

Dienstag, Februar 23, 2016

Ludigels großes Krankenkassen-Abenteuer in Taiwan

Oder: Wie das Krankenkassensystem in Taiwan nun wirklich funktioniert

Die gute Nachricht ist, dass es in Taiwan eine gesetzliche Krankenversicherung gibt. Taiwaner erzählen gern, sie sei dem deutschen System der GKV nachempfunden, tatsächlich ähnelt sie jedoch sehr dem britischen National Health - System, weil es eben nur eine gesetzliche Krankenkasse gibt und nicht wie in Deutschland noch andere GKV neben der AOK wie etwa die Techniker Krankenkasse und diverse (offene) Betriebskrankenkassen. Die einzige GKV Taiwans nennt sich entsprechend NHI, also National Health Insurance und gibt eine wunderschöne grüne Smartcard mit Bild heraus und überall kann man sich ohne Zuzahlung in kleinen Arztpraxen behandeln lassen, die allerdings fast alle (abgesehen von Zahn- und Augenärzten) HNO-Ärzte sind und auf die Triefnasen der im Winter heizungslosen Taiwaner spezialisiert sind. Praxisgebühr zahlt man allerdings nach deutschem Vorbild, derzeit 150 NT pro Besuch für Erwachsene (Kinder 100 NT). Vierzig NT sind etwa ein Euro.

Fachärzte hat man oft nur im ambulanten System in Krankenhäusern, wovon im Folgenden die Rede ist.


Hier habe ich im Taiwanblog exklusiv für Sie, liebe Leser, das gesetzliche KV - System Taiwans getestet und gleich noch mit einer Art Privatzahlungs-System verglichen. Und mir extra trotz meiner jugendlichen knapp 50 Jahre ein schweres gutartiges Gewächs zugelegt. Ein Service, wie es ihn nur im einzig wahren deutschsprachigen Taiwanblog gibt und nicht bei den zahllosen Nachahmern in den letzten Jahren ;-)

Nach Manila-Reise zurück in Taipei trat nun das Phänomen auf, dass ich Minibeschwerden hatte, die allerdings an Heftigkeit stetig zunahmen. Die Details sollen hier der Google-Ewigkeit in dieser editierten Version verschwiegen werden. Die durch fehlende Heizungen in Taiwanwohnungen ausgelöste Dauererkältung schien das Problem extrem zu verschlimmern. In der Nachbarschaft fand sich eine Universalarztpraxis mit laufend wechselnden Ärzten. Dort wurde mir in der Folge richtiges diagnostiziert.
Mit nur sehr wenig Zuzahlung (20 NT, 50 Cent umgerechnet) wurden mir großzügig korrekte Medikamente verschrieben, die man bei schwachsen Symptomen gibt. Vielleicht nur im Anfangsstadium bei so starken, wie ich sie hatte.

Die Wirkung war gleich Null, eher verschlimmerten sich meine Probleme und so bekam ich bald großzügig Allergietabletten und eine stärkere Version der anderen Medikamente verschrieben. Wie ich viel später erfuhr,  verschlimmern Allergietabletten die Symptome, so dass mir langsam der Nachtschlaf abhanden kam. Es war mittlerweile Ende Oktober.

Alles Jammern nutzte nix, von den Ärzten in der kleinen Praxis gab es nur immer wieder die selben Medikamente. Man war dort am Ende der ärztlichen Kunst angelangt und schaltete daher auf Auto-Modus. Patient ignorieren und immer wieder das selbe Zeug verschreiben anstatt klar zu sagen, dass jetzt ein Spezialist mit Chirurgieoption gebraucht wird.

Also wieder ins TriService zum Senior-Facharzt. Fachärzte hat man fast nur im ambulanten Betrieb in Krankenhäusern und im überlaufenen TriService-Hospital muss man sich da in große Schlangen einreihen. Der ältere Herr wies fast schon wütend die (allerdings korrekte) Gutartiges-Wachstum-Diagnose zurück indem er sagte, dafür sei ich viel zu jung. Damit hat er zumindest bei westlichen Patienten allerdings völlig Unrecht. Bei den gesund lebenden Taiwanern mag das allerdings anders sein, denn wenig Gewicht und wenig rotes Fleisch führen wohl zu geringerem unguten Wachstum. Ich bekam wieder lecker Medikamente wie vorher und noch was antibakterielles und manchmal half das sogar. Trotzdem hatte ich bald wieder schlimmere Symptome und merkte, wie mir der nun fast permanente Schlafentzug (mit kurzen Schlafunterbrechungen) auf die Psyche schlug. Stichwort Zombiemodus. Denn ohne Tiefschlaf fehlt einem irgendwas. Und es war langsam November. Also den Arzt gewechselt, allerdings immer noch im selben Hospital und jetzt gab es eine neue Version des selben Medikaments  Bei Folgeuntersuchugen wurden meine theoretischen Werte besser und der Doc war zufrieden, allerdings wurde mein Wohlbefinden ob einsetzender Krämpfe nun endgültig katastrophal. Langsam begann ich zu verzweifeln, insbesondere weil der Arzt durch eine Abtastkontrolle fälschlich feststellte, ich hätte nur ein sehr geringes Problem und mir nahelegte, ich würde mir fast alles nur einbilden. Meiner Frau sagte er am Telefon, ich hätte eigentlich gar nichts und würde alles dramatisieren. Tja, da schadet einem ein "jugendliches" Aussehen, dass man einfach nicht hinreichend krank wirkt.

Schon im Ultrazombiemodus durch Schlafentzug suchte ich nach alternativen Ursachen des Leidens, schließlich hatte der Doc ja gesagt, ich hätte so gut wie nichts dort wo das Leiden zu sein schien. Einen Termin zur Klärung via Utraschall hatte er zwar angesetzt. Aber erst in etwa 8 Wochen! Ich frage mich, wie ich die Zeit bis dahin überstehen sollte. Es wurde Dezember und ich hatte morgens beim Autofahren mehrmals den gefährlichen Sekundenschlaf und laut meiner Frau glich mein Gemüt einer Mimose unter Starkstrom. Da ich meinen kleinen Sohn viel durch die Gegend getragen hatte, kam ich durch Dr.med.Google auf den Irrweg, ein Rückenleiden mit etwaigem Druck von Rückenwirbeln auf einen Nervenknoten könne die Probleme auslösen. Ein im TriService konsultierter auf Nerven spezialisierter Orthopäde verschrieb zwei Tests über den Zeitraum von 3 Wochen und in der Zwischenzeit Muskelentspanner.

Wie man ergoogeln kann, soll man genau die nicht nehmen, wenn man das hat, was ich hatte. Um es kurz zu machen, ich wurde nachts wach und landete in der Notaufnahme des TriService Hospital NeiHu und kam mit einem ... Ding ... am Körper wieder nach Hause, das ich hier nicht beschreiben will. So entwürdigt habe ich mich selten gefühlt. Entnervt ließ ich mir das ... Ding ... auch ob der ausgelösten Schmerzen wieder abbauen und trat von nun an in einen totalen Medikamentenstreik. Denn alles was die diversen Ärzte mir zu diesem Zeitpunkt verschreiben hatten, wirkte nicht. So verbrachte ich die reinsten Horrorweihnachten damit, dass ich mir nun nachts alle 30 Minuten den Wecker stellte, um eine Wiederholung des Notfalls zu vermeiden. Im Wachzustand funktionieren dysfunktionale Organe offenbar besser. Schlimmere Nächte habe ich noch nie verbracht. Mir ging es in der Folge - langsam wurde es Januar - nun wirklich etwas besser. Offensichtlich hatten die diversen Pillen mehr geschadet als genutzt. Bestätigt wurde ich durch die finale Diagnose des Orthopäden, dass ich keinerlei Befund am Rücken hatte, abgesehen von kleineren Abberationen.

Trotzdem landete ich noch ein zweites Mal in der Notaufnahme. Der am nächsten Tag konsultiere neue Facharzt (von der Notaufnahme gebucht) war extrem unfreundlich, hörte mir nicht mal zu und warf mich mehr oder minder aus dem Sprechzimmer mit der Aufforderung gefälligst meine Pillen zu nehmen. Mir ging der Blutdruck langsam auf das "Rote blutige Wand"-Level und ich forderte den Herrn auf, mir das neuerlich angelegte Gerät entgegen seines mit übermäßiger Betonung vorgetragenen Rates und demonstrativem Eintippen in sein gottverdammtes sinnloses Computerteil wieder zu entfernen und zog befreit und wütend meines Weges. Und ziemlich ratlos. Wie sollte es nun weiter gehen? Ärzte konnte mir offenkundig nicht helfen. Jedenfalls nicht die Taiwan-Kassenarzt-Variante.

Mir schwante, dass ich einen wirklich kompetenten und arbeitswilligen Arzt bräuchte, etwa einen deutschen Facharzt. Nur leider war ich nicht flugfähig mit dem Leiden. Häuslich hing auch der Haussegen schief, denn meine Frau hatte auch vom zweiten Facharzt telefonisch gehört, ich würde mir alles nur einbilden. Eine totale Fehleinschätzung rotz zweier Notaufnahme-Besuche, die mir bis heute unverständlich ist.

Der Gattin trug ich nun vor, dass ich eine Privatklinik brauchen würde und bereit wäre Unsummen zu zahlen, wenn ich nur einen Arzt hätte, der richtig diagnostizieren würde, die verdammte Ultraschalluntersuchung in vernünftiger Zeit ansetzen würde statt in Monaten und arbeitswillig wäre. Frau erklärte mir, Privatkliniken gebe es nicht in Taiwan oder wenn seien sie schlecht (das ist falsch) und als Kassenpatient käme ich sowieso nicht für diese Behandlungen in Frage. Sondern diese stünden nur Ausländern ohne taiwanische KV zu Verfügung.

Tatsächlich war das halbrichtig. In der Tat bot das TriService einen Premiumservice für sehr solvente Ausländer im Rahmen einer Art Medizinurlaub an, aber ausdrücklich nicht für Leute, die die taiwanische KV hatten. So wurde es Februar und ich verbrachte ein höllisches Chinesisches Neujahrsfest und experimentierte mit Teilmengen der zahlreichen Tabletten, die ich im TriService bekommen hatte. Am Ende beherzigte ich den Rat des noch einmal besuchten alten Facharztes, einfach mal zwei statt eine der Tabletten zu nehmen und zwei Wochen abzuwarten. So wurden die Symptome halbwegs erträglich, der Wecker stand nachts auf 45 Minuten statt auf 30 und manchmal auf einer Stunde und ich fühlte mich wieder wie ein Mensch. Aber ganz ging das Problem nie weg.

Frau recherchierte noch mal und fand dann die RUENTEX - Klinik im Zentrum von Taipei, die sich auf "mein" Problemfeld, Augenärztliches und Zahnmedizin spezialisiert hatte und sehr teuer war. Und sie akzeptierte auch Kassenpatienten! Wir lernten jetzt, dass es in Taiwan Privatkliniken gibt, die einfach sehr horrende Sätze nehmen im Vergleich zu billigen Klinken wie dem TriService. Die taiwanische KV besteht in der Tat darauf, weiterhin zu zahlen. Zahlt dann aber nur den üblichen Satz und den Rest begleicht man mit der funkelnden Kreditkarte.

So saß ich in Der RUENTEX-Klinik neben einem eleganten älteren Herrn, der eine goldene Uhr mit Diamanten auf der Lünette und sogar am Armband hatte und schob schnell den Jackettärmel über meine chinesische Rolex-Hommage. Hätte ja wenigstens die Tissot anlegen können, dachte ich noch und versank dann schlaftrunken in einem Dämmerzustand, bis meine Nummer dran war. Junior (4) zog mir in der Zeit die Minikamera aus dem Jackett und fertigte unbemerkt von mir eine Serie von Portraits an, die ich eher einem Berufsfotografen zugetraut hätte. Optimaler Bildauschnitt (nah ran, Kopf oben ruhig etwas wegnehmen auf dem Bild damit das Gesicht besser wirkt) und dramatischer Lichteinfall vom Fenster. Notiz: Ich muss Junior eine bessere Kamera besorgen. Die Bilder zeigen einen zerknittert wirkenden Mann am Ende seiner Kräfte. Zeigen werde ich hier sie natürlich nicht, jetzt wo ich wieder jugendlich fit bin ;-)

Um es kurz zu machen, der Privatarzt, der auch noch Chefarzt (der Abteilung oder insgesamt?) des nahegelegenen (und auch sehr teuren) Chung-Shan-Hospitals war, machte auch die Tastdiagnose und stellte eine stark vergrößerte Prostata fest, die höchstwahrscheinlich einer OP bedurfte und setzte sofort für den nächsten Tag die im TriService so lange vermisste Ultraschalluntersuchung an. Am nächsten Tag fuhren Frau, Junior und ich hoch in den 10. Stock und meine Frau schaltete dort das Licht an. Kurze Zeit später kam das Ultraschallteam, das sich mir exklusiv widmete. Das Gefühl, endlich im Zentrum ärztlicher Bemühungen zu stehen und nicht mit unqualifizierten Vodoo-Diagnosen von "Einbildung" und "Nix da" abgespeist zu werden, war überwältigend!
Das Gespräch mit dem Doc fand nicht wie im TriService üblich eine Woche später statt, sondern ... drei Minuten später. Das entsprechende gutartige Wachstum war stark, drückte auf anliegende Organe (daher die Notfälle und der fehlende Nachtschlaf) und ich brauchte daher -drigend- eine OP. Der Doc beantwortete alle meine Fragen geduldig und kompetent, legte gewissermaßen geometrisch dar, wieso Medikamente nur ein bisschen lindern könnten aber nie wirklich lösen könnten bei mir. Und so hatte ich den OP-Termin schon am Montag! Die OP fand in seinem Heimkrankenhaus statt. Das ist das erwähnte Chung-Shan Hospital, das laut Frau nicht nach einem "Mittelberg" (chung/zhong shan) sondern nach (dem Ehrentitel von) Dr. Sun Yat Sen benannt ist, dem Gründervater von "Taiwans" Kuomintang-Partei. Auch im ChungShan ist man einfach Kassenpatient, aber das Krankenhaus berechnet eben sehr viel höhere Sätze als das was die Kasse zuzahlt. Ich bekam dort eine Laservariante der OP, die die Kasse überhaupt nicht zahlt. Weil das weniger invasiv ist und ich am Mittwoch schon wieder raus konnte.

Derzeit habe ich noch mit den üblichen Nach-OP-Symptomen zu tun, meine Kreditkarte hat in Erwartung der Endrechnung schon ein paar Tausend Euro umgerechnet abgebucht, aber ich schlafe wieder die Nächte zumindest ein bis zwei Stunden am Stück durch und in ein paar Wochen soll es laut Doc wieder wie früher sein.

Fazit: In billige Krankenhäuser wie das Tri-Service kann man im ambulanten Facharztsystem nur, wenn man den Slogan "(ich) kann warten" unterschreiben kann, mit oder ohne dem Prefix "ich bin jung und..." frei nach der alten AOL-Werbung. Dort muss man einfach viel zu lange auf notwendige Untersuchungen warten und sitzt in Endloswarteschleifen zwischen fröhlich Stinky-Tofu-essenden Leuten mit Lapalien, selbst wenn man einen Notfall hat.

Ungetestet von mir soll es mittelgute Krankenhäuser immer mit ambulantem Facharztbetrieb wie das "Tai-Da" in Taipei geben, die schneller sind.

Oder man nimmt die güldene Kreditkarte (Platin hat in Taiwan eh jeder Student) und geht ins ChungShan respektive in die Ruentex-Klinik, denn manche der ChungShan-Ärzte stehen wohl auch ob räumlicher Enge des älteren Krankenhauses nur über die Ruentex-Klinik zur Sprechstunde bereit.

Taiwan National Health Insurance? Fuck it.