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Dienstag, Mai 19, 2015

Unvorhersehbare Vorhersehbarkeiten, Manila (Update)

Fortsetzung der aktuellen Businessplanung für das "Auswandern nach Manila", so es denn jemals stattfinden wird (s. letzter Teil)

Eine Sache die Taiwaner in meinem Umfeld immer wieder trifft, sind die sogenannten "unvorhersehbaren Vorhersehbarkeiten", wie ich sie betitelt habe. Das geht zum Beispiel so: Bei meinem ersten Arbeitgeber macht meine Chefin eine Preiskalkulation für eine USB-Festplatte (anno 2004), kommt auf exakt den selben Preis wie das japanische Vorbild (reden wir nicht von Sony sondern nennen das Ding Zony - vgl. taiwanische Geheimiskrämerei) und Ludigel, mit der Marktstudie beauftragt wurde teilt ihr folgendes mit: Ups, wir haben den selben Preis wie Zony, das ist ein Problem. Natürlich darf man das nicht einer taiwanischen Chefin (die per Definition x-fach intelligenter ist weil aus der chinesischen Biomasse entstammend und außerdem auch noch als Chef gleich unter dem Drachenkaiser im Götterhimmel kommt) direkt sagen. Schwerer Anfängerfehler des Taiwanneulings Ludigel und prompt wies meine Chefin das Anliegen zurück (gut, sie hat sowieso nie Untergebenen zugehört) und unser Produkt mit dem eingängigen Markennamen Oppopippipoppitec oder so hat nie auch nur einen Hauch eines nennenswertes Umsatzes erreicht. Es war eben eine "unvorhersehbare Vorhersehbarkeit" die meine damalige Chefin da getroffen und völlig überrascht hat.

Ich lasse das Beispiel mit dem fehlgeschlagenen UMPC / SlatePC / TabletPC vor der iPad-Zeit mal weg, wo meine Absatzprognose ("verkauft sich nur in minimalen Stückzahlen, Technik ist noch nicht so weit) eingetroffen ist - wieder war es für den Chef des zweiten Taiwanunternehmens eine unvorhersehbare Vorhersehbarkeit, die ihn wirklich überrascht hat.

 Manila, Philippinen (nicht im EKZ allerdings)

Mein aktuelles großes Unternehmen ist da viel professioneller und ich habe da keine derartigen Beispiele und bin sicher auch asiatisch diplomatisch geworden über die Jahre (ab 2006 und dem SlatePC ;-). Nur bei den geschäftlichen Unternehmungen meiner Frau passieren auch immer wieder die unvorhersehbaren Vorhersehbarkeiten. Etwa als wir ein kleines italienisches Restaurant aufgemacht haben (siehe hier). Nun habe ich halt schon alle möglichen Leute an einigen Ecken der Weltgeschichte getroffen und bin eigentlich recht gut im Verhalten-Vorhersagen. Was auch damit zu tun hat, das 99,9% der Menschen etwa so geistig flexibel wie ein Doppel-T-Träger sind. Also eröffnete ich meiner Frau, dass unsere Geschäftsführerin nach einigen Monaten versuchen würde das Restaurant alleine feindlich zu übernehmen. "Unsinn" sagte sie da und als genau das Prognostizierte dann nach ein paar Monaten eintrat, traf es meine Frau wirklich überraschend. Vorhersehbar war das nicht! Ich konnte es nicht lassen auf meine wieder mal vorher viel zu direkt (weil ja im privaten Rahmen) abgelassene Prognose zurück zu kommen. Doch das hatte ich alles falsch verstanden und .... (meine Frau machte eine kurze Kunstpause) ... die feindliche Übernahme war eigentlich ihr Geheimplan gewesen. Aha! Also doch nicht überrascht worden von der unvorhersehbaren Vorhersehbarkeit die von Anfang an als eine Art Doppelbluff mit doppeltem Hohlboden eingeplant war.

Die vor kurzem geplante Eröffnung einer Restaurantkette in Manila hatte das Business Model, einfach die selben Schnelllokale in Einkaufszentren (EKZ) neben den schon existierenden aufzumachen. Ein in Taiwan durchaus beliebtes Geschäftsmotto: Wenn irgendwo 10 Fressbuden stehen mach die 11. auf nach dem Gesetz der Serie! Klappt ja in Taipei auch irgendwie. Ich wollte schon einen Einwand erheben, dass wir uns von der Konkurrenz irgendwie absetzen müssten aber diesmal schwieg ich still. Gut, das EKZ-Management hat die Restaurants abgelehnt, wegen mangelnder Absetzung von der Konkurrenz. Aber diesmal habe ich es nicht laut gesagt, also zählt es nicht.

Derzeit planten meine Frau und ihre Schwester eine Printshopkette und haben begeistert vom neuen Projekt den Reingewinn der Druckerei und des bislang einzigen Outlets (Verkaufskiosk) im Supermarkt einfach mal 3 genommen als Gewinnerwartung für die drei geplanten neuen Filialen. Neunmalklug erklärte ich gestern Abend meiner Frau das ginge so nicht, weil man die Arbeit der Druckerei mit ihren Großkunden (Fabriken, Supermarktketten, Bankfilialen) nicht einfach in den Kioskgewinn (Kiosk verkauft Jesusaufkleber und Baby-on-Bord-Zeug) hineinrechnen könne. Wieder bin ich direkt damit raus geplatzt und meine Frau musste so, um ihr sehr hübsches Gesicht und den kulturell-geschäftlichen Vorsprung vor dem tumben weißen Manne zu retten einige rethorische Kurven hinlegen, um den doppelschwesterlichen Businessplan vor mir zu rechtfertigen. Es bleibt also bei der übertriebenen Gewinnerwartung, womit die bald einsetzende Enttäuschung und baldige Geschäftsaufgabe wegen "unvorhersehbarer Vorhersehbarkeit" schon vorprogrammiert ist.

Ich denke, es wird sich nichts mehr ändern. Der Teutonengatte platzt jedenfalls privatgeschäftlich immer noch mit seinen analytischen Einsichten direkt heraus, die Taiwaner müssen flugs ihr Gesicht retten und rennen dann in die ..... (sie können es jetzt bestimmt schon singen)... direkt hinein.

Aber lustig ist es irgendwie das zu beobachten. Wenn ich dann bei Eintritt der "unvorher.... Vorher....keit" echtes Erstaunen vortäusche belustigt mich das mittlerweile so, dass ich mich kaum noch auf den Beinen halten kann. Ist eben ein lustiges Land mit lustigen Leuten hier.

Mentale Notiz: In Zukunft der Gattin genau wie seit 2006 im Geschäftsleben nur noch diskrete Denkanstöße geben, die beim Empfänger den Eindruck erzeugen, er sei mit seiner 5000jährigen kulturellen Überlegenheit und überlegenen taiwanisch/chinesischen Intelligenz selber drauf gekommen ;-)

P.S.: Wie immer zu Beginn eines Projektes bin ich derzeit etwas nervös. Ich denke immer: Wenn diesmal die Taiwaner um mich herum recht haben, dann gerät mein ganzes Verständnis von Logik, Naturgesetzen und dem ganzen Universum grundlegend aus den Fugen. 

UPDATE: Im wesentlichen kann man sagen, dass die Umsatzprognosen vom Schwestergespann einerseits und mir andererseits um Faktor 10 für den erzielbaren Reingewinn auseinander sind. Ich hoffe natürlich, dass das Schwesterduo Recht hat und nicht ich wieder mal. Hübscher sind die beiden als ich, per Definition geschäftstüchtiger und intelligenter und in der Überzahl außerdem ;-) 

Donnerstag, September 05, 2013

Exbetrieb in der Verlustzone

Ludigels Ausflug in die taiwanische Realwirtschaft, Klatsch und Tratsch

 Der von meiner Frau und mir gegründete kleine Betrieb (letzter Teil der Saga) war ja wie berichtet von seiner Geschäftsführerin in einer Husarenaktion allein übernommen worden - wir hatten uns gefügt, auch der geringen Rendite wegen. Ursprünglich hatte der kleine Betrieb nicht nur das Gehalt von 2 Angestellten, unserem Quasineffen als Aushilfe und der Geschäftsführerin erwirtschaftet (letzteres betrug 20.000 NT oder etwa 500 Euro), sondern hatte auch noch eine Ausschüttung in Höhe von 19.000 NT erwirtschaftet, die sich die vier Investoren geteilt hatten (darunter auch die Geschäftsführerin). Den Betrieb in die schwarze Null zu führen war nur durch harte Kostenkontrolle und die Führung des Betriebes als Cost-Center möglich gewesen. Den geringen Marktpreis, von dem die Kunden nicht abweichen wollten, mussten wir als fix annehmen und daher ausschließlich die Kosten verändern. Solche strengen Maßnahmen zur Kostenkontrolle wie genaues Abmessen von Werkstoffen pro Werkstück hatten damals schon immer den Widerstand der Geschäftsführein ausgelöst.
Wie würde sie nun also das kleine Unternehmen im Alleingang führen? Offenkundig ist bei der uns ja auch privat bekannten Betreiberin und ihrem Mann eine gewisse Katerstimmung hereingebrochen. Das Unternehmen wirft derzeit nur noch das Gehalt der beiden Angestellten und vom Quasineffen ab und für die Geschäftsführerin/Inhaberin bleiben jetzt nur noch 9.000 NT, also etwa 225 Euro.
Wenn sie ihr Geschäftsführergehalt also nicht als Kosten zählen würde, hätte sie noch ein kleines Plus, nach unserer alten Kostenrechnung (die das GF-Gehalt als Kosten zählt, eben aus der Sicht der damaligen Teilhabergemeinschaft) würde sie tief im Minus stecken. Das viele im Geschäft stehen lohnt sich also kaum noch und so findet sich viel Grund zum Jammern.

Müsste man nicht. Die Gründe sind offenkundig. Erstens hat das Geschäft jetzt am Sonntagabend geschlossen, eine Zeit zu der man in Taiwan gerne Geld ausgibt und die einen Löwenanteil am Umsatz produziert hat. Zusammen mit dem Samstagabend. Zweitens hatte das Unternehmen durch unsere Experimente mit einem höheren Preisniveau damals einen Umsatzeinbruch erlitten, weil die Kunden den nur leicht höheren Preis und die Preminumangebote durch Konsumverzicht abgestraft hatten. Um das Unternehmen daher wieder auf das alte Umsatzniveau zu führen, waren daher Marketingmaßnahmen geplant von meiner Frau und mir. Die haben wir jetzt natürlich nicht mehr umgesetzt.

Nun sitzt die Dame ohne Plan auf ihrer Beute und ärgert sich. Die Angaben stimmen wohl so ungefähr, wir kennen ja auch das Personal im Unternehmen, das auch noch angibt, die zusehens übellaunige Art der Geschäftsführerin würde sich auch auf den Kundenbetrieb auswirken.

Na dann weiterhin viel Glück, Frau und ich beobachten das Ganze mit klinischem Interesse, während wir nach neuen Geschäftsräumen suchen.

Dienstag, August 20, 2013

Ex-Familienbetrieb, Tratsch und Klatsch

Die Öffentlichkeit hat ein Recht, informiert zu werden. Der von meiner Frau mit meiner Assistenz gegründete "Familienbetrieb" gehört ja mittlerweile der Geschäftsführerin allein, die durch eine Art inszenierten Tobsuchtsanfall die anderen Anteilseigner dazu gebracht hat, ihre Anteile ihr zu verkaufen. Nun waren wir anderen Anteilseigner ja froh, unsere Anteile losgeworden zu sein, lag doch der Gewinn in sehr niedrigen Dimensionen. Was kein Problem war, war doch die erste Filiale mehr oder minder "zum Üben" gewesen. Wie dem auch sei, neuste Entwicklungen in der Geschichte sind:

1) Der Ehemann der Geschäftsführerin, mit meiner Frau und mir schon länger befreundet, bezeichnete seine Gattin meiner Frau gegenüber als "völlig verrückt und außer Kontrolle". Ich hingegen frage mich, warum er so etwas extra erwähnt. Bei den umtriebigen Damen in Taiwan ist das etwa so viel Information, als wenn man in Deutschland sagt: Meine Frau hat Haare auf dem Kopf". Ich wünsche den Eheleuten weiterhin viel Vergnügen. Ist die Frau außer Kontrolle, kann das ja manchmal auch erfrischend sein.

2) Der Betrieb macht mittlerweile am Sonntagabend zu, weil die Geschäftsführerin in Ruhe Essen will. Sonntagabend ist Hauptgeschäftszeit des Betriebes gewesen, dadurch fällt viel Umsatz weg. Aber das ist nun ja nicht mehr unser Problem. Ich wünsche den Eheleuten guten Appetit.

Das Ganze hat noch mehr amüsante Nebenhandlungen, die ich hier nicht alle wiedergeben kann. Ich beobachte die Angelegenheit mit fasziniertem klinischen Interesse. Auch interessant, wie das Temperament der Objektleiterin hier weiterhin für schlechtes Arbeitsklima sorgt. Wird es zu einem Showdown kommen, etwa wenn ein Kunde sich beschwert? Wird sie sich dann mit einem Wutschrei hinter dem Tresen hervorspringend auf den Kunden stürzen? Wenn es so weit käme, würden wir sicher informiert und dieses hier genüsslichst wiederkäuen.

Derweil bereiten Frau und ich die Eröffnung der zweiten Filiale (also der wieder ersten) vor, allerdings haben sich noch keine Geschäftsräume gefunden. Diesmal größer, höher, weiter. Unsere anderen Teilhaber sind wohl nicht mehr dabei, verschreckt von der stürmischen Entwicklung beim letzten Mal. Aber wie heißt es beim Militär, wenn die Verstärkung nicht kommt? Mehr Medaillen für uns!

In diesem Sinne....weiter im lustigen Reigen der Realwirtschaft. Mehr demnächst auf dieser Welle.

P.S.: Wenn unser "Freund der Familie" beim nächsten Mal ein blaues Auge hat, hat seine Frau das Blog mit Google-Translate gelesen ;-)

Freitag, August 16, 2013

Unser Betrieb: Nach- und Vorbereitungen

Alter Betrieb weg, neuer in Planung
Und wie verhindert man eine "feindliche Übernahme" beim nächsten Mal?


Da vieles am Telefon zwischen meiner Frau und der Geschäftsführerin und sowieso zwischen den Anteilseignern (wo meine Partei durch meine Frau vertreten ist) auf Chinesisch stattfand, habe ich nicht so sonderlich viel mitbekommen von der auch hier im Blog dokumentierten Entwicklung, bei der der frisch von uns gegründete Betrieb (4 Parteien waren involviert) von der Geschäftsführerin auf die Brachialmethode und unter Auszahlung der anderen 3 Teilhaber übernommen worden ist.

Wieso hatte sich die Geschäftsführerin, selbst Anteilseignerin, so einfach gegen die anderen drei Parteien durchsetzen können? Wie können wir verhindern, dass so etwas wieder passiert?


 Suche nach neuen Geschäftsräumen

Für die 4-Parteien-Betreibergesellschaft gab es ja keinen Gesellschaftsvertrag. Taiwan ist eine Gesellschaft, die wissenschaftlich als "Hochkontext-Kultur" gilt, das kann man bei Prof. Geert Hofstede nachlesen (http://geert-hofstede.com/). Das bedeutet, dass Verträge oft das Papier nicht wert sind, auf dem sie gedruckt sind und als Expat hätte man da schnell eine Abwertung wie "Alles Chaos hier, ist ja wie im Dschungel" oder ein nettes "alle taiwahnsinning" auf den Lippen. Tatsächlich aber ist es nicht chaotisch, sondern nur anders. In einer Hochkontextkultur erklärt sich nach dem Professor eine Transaktion (wie eben eine Betriebsgründung) aus dem sozialen Kontext der agierenden. Man muss sich also vertrauen, dann zählen die mündlichen Absprachen und noch viel mehr das stillschweigend (also kontextuelle!) Vorausgesetzte. In Deutschland hingegen trauen sich Herr Meier und Müller so wenig wie zwei Gebrauchtwagenhändler, die sich gegenseitig Autos verkaufen. Sie setzen lieber einen Vertrag auf, der genau regelt, wer was darf und kriegt und vertrauen auf die staatliche Ordnungsmacht, im Zweifelsfall regelnd und strafend einzugreifen. Hier in Taiwan hingegen verklagt man einander fast nie, das würde als ganz große soziale Fehlleistung gewertet - ist doch Taiwan eine fast schon harmoniesüchtige Gruppenkultur (sagt der Herr Professor auch in seinen Bewertungsgrafiken).

Auch innen muss alles stimmig sein.

Als die Geschäftsführerin nun sich anschickte, die anderen Parteien durch Drohungen und Terror aus dem Betrieb zu drängen entgegen den bisherigen Absprachen, hatte sie damit einen noch schwereren Vertrauensbruch begangen, als das etwa in Deutschland der Fall war - auch wenn das Ganze für mich persönlich sehr leicht vorhersehbar war (ich hatte meine Frau diesbezüglich gewarnt) vom gegebenen Rauhbeingemüt und der sozialen Herkunft der Dame her. Denn auch ich als niederkontextueller Teutone kann den sozialen Kontext durchaus verstehen. Lange arbeitslos gewesen die Dame, Bäckereiverkäuferin vorher, die würde sich einen irgendwie laufenden Kleinbetrieb nicht entgehen lassen, dachte ich mir.

Was hätte man also tun können. Ihre Unterschrift prangte wohl nicht mal auf einem Übernahmevertrag mit der alten Inhaberin des Betriebes. Sie hatte also nur die faktische Macht ihres Mundwerks und ihre Einarbeitung in die Betriebsabläufe als Kapital bei der Auseinandersetzung.

 Und notfalls muss man vorbereitet sein den Skipper...

Wie mir das meine Frau nun im Nachhinein erklärte hatten die anderen Eigentümer durchaus diskutiert die Dame einfach aus den Geschäftsfräumen zu entfernen. Nach taiwanischem Brauch hätte man hier also keinen Klageweg gesucht, sondern Fakten sprechen lassen. Mit ihrem Anteil in Bargeld in der Hand hätte sie sich höchstwahrscheinlich getrollt und wir hätten einen anderen GF einstellen müssen. Nun hatte man aber einen Betrieb mit an niedrigste Preise gewöhnten Kunden, der eine Amortisationszeit von etwa 12 Jahren hatte, eine stinksaure Belegschaft, die durch den rauen Umgangston der Geschäftsführerin schockiert war und so insgesamt wenig Lust, um das kleine Unternehmen zu kämpfen. Es hatte seinen Sinn erfüllt, uns als Gesellschaft zu zeigen, wie man so einen Betrieb führt und alle wollten lieber das nächste Projekt in Angriff nehmen. Also hat man dem Drängen der Dame nachgegeben und ihr den Betrieb überlassen und sich auszahlen lassen. "More trouble than it's worth" sagt man im Englischen. Mehr Ärger, als es wert ist.

 ... über die Planke zu schicken. Dämliche Metaphern, Schuld sind nur die Zoofotos. Allerdings vom hannoverschen Zoo, nicht wie angekündigt vom Zoo in Taipei, um die Leser vollends zu verwirren.


Daher könnte man also, sollte sich das wiederholen, in der Tat einen aufmüpfigen GF eines nächsten Lokals, dem die Gier das Hirn vernebelt hat, einfach vor die Türe setzen. Wie das alles in der Praxis wird, wann und wo sich neue Betriebsräume finden, was die Neueinrichtung alles kostet und ob noch alle Investoren dabei sein werden, das ist alles sehr spannend. Nachrichten aus der Realwirtschaft am östlichen Tellerrand der Weltscheibe - demnächst wieder auf dieser Welle.


P.S.: Der Ehemann der rauhbeinigen Dame ist ein ganz netter, ruhiger... ;-)


Montag, August 12, 2013

Familienbetrieb, das einstweilen letzte Kapitel

Ludigels Ausflug in die taiwanische Kommerzwelt endet durch kontrollierten Rücksturz zur Erde

Wenn die Bodenhaftung verloren gegangen ist, hilft manchmal nur der kontrollierte Rücksturz zur Erde, wenn ich mir diese schöne Formulierung aus der Serie "Raumpatrouille" von Commander McLane ausleihen darf. Der Commander kümmert sich heute nicht mehr um seinen schnellen Raumkreuzer Orion, sondern die ganze Sache ist ihm jetzt furchtbar peinlich, vielleicht aber auch nur wegen dem Bügeleisen auf der Brücke. Und so war es nun auch für Frau und mich an der Zeit, einen Rücksturz einzuleiten und anderswo weiter zu machen. Nicht wegen der Sache an sich, sondern weil jemand unter der Decke schwebte. Aber ich greife vor. Lieber eines nach dem Anderen.

 Was so ganz normal ist, fiele hier sowieso nur negativ auf (hier ein messerscharf spitzes Haus)... in den Straßen von Taipei

Der kleine kürzlich von meiner Frau und anderen gegründete "Familienbetrieb", dessen Natur ich der Googeltransivität halber hier verschweigen will (eine Googletransitivität hätte Commander McLane sicher an ein ganz fieses Energiewesen denken lassen, das nur als Schimmer in einer verlassenen Raumstation zu sehen gewesen wäre) lief ja, schrieb eine schwarze Null und alles war fast wunderbar. Vier Investoren, darunter auch die Geschäftsführerin und die Familie meiner Frau, hatten zu der kleinen Klitsche ihren Anteil gegeben, meine Frau betreute das Ganze lose auf höherer Ebene und bereitete gerade die Eröffnung einer zweiten Zweigstelle für die Anteilseigner vor, als sich die Zustände in dem ersten Geschäft verschärften. Nach wie vor kamen die Kunden, jedoch hatte die Geschäftsführerin seit einigen Wochen immer größere Probleme mit der emotionalen Bewältigung ihres Jobs, was auch das Arbeitsklima verschlechterte. Die Geschäftsführerin klagte über Überlastung und in der Tat hatte sie anfangs sieben Tage die Woche in den Räumen gestanden (um das Know-How vom vorherigen Betreiber des Betriebes abzuziehen), dann nur noch fünf und am Schluss nur noch 2-3 Tage die Woche. Trotzdem meldete die Geschäftsführerin weiterhin starke Überbelastung und drohte am Schluss fast täglich mit dem sofortigen Hinschmeißen jedweder Arbeit bei gleichzeitiger Weigerung, einen Maitre d'Operation für die Leitung des operativen Geschäfts einzustellen (bei gleichzeitiger Reduzierung ihrer Bezüge natürlich). Was man auch immer vorschlug, es ging nicht und als am Schluss die Drohung im Raume schwebte, vor lauter Stress verstorbener Weise den anderen Anteilseignern entstofflicht unter der Zimmerdecke schwebend den Nachtschlaf zu rauben, da war es an meiner Frau den NOTAUS-Knopf für den Betrieb zu drücken. Wir hatten ihn ja ohnehin nur weiter betrieben, um der Geschäftsführerin einen Gefallen zu tun, sonst hätten wir es an einen anderen Standort überführt um es dort in einem höheren Marktsegment und mit höherem Gewinn wieder zu eröffnen.

 Ludigels Erwerbsregel Nr.1: "Droht der Geschäftsführer damit, als Geist unter der Schlafzimmerdecke zu schweben, ist es an der Zeit, das Investment zu überdenken."*

Die Geschäftsführerin zahlte den anderen drei Anteilseignern dann blitzschnell nach einem klärenden Gespräch ihre Anteile aus und war wieder die nette, verlässliche Geschäftspartnerin, die wir kennen gelernt hatten und betreibt nun das Unternehmen in eigener Regie. Durch das plötzliche und irgendwie taiwantypisch überhastete Manöver ist uns zwar etwas Know-How verloren gegangen, aber so viel nun auch nicht, weil auch meine Gattin in das operative Geschäft mittlerweile eingearbeitet ist, ihren aufopfernden Sonntags-Maschinenbedienungssessions (während ihr fauler Gatte Fototouren in Taipei machte) sei Dank. Die Eröffnung des zweiten (jetzt wieder ersten) Geschäfts ist weiter angepeilt und ich wünsche der Betreiberin des ehemaligen Familienbetriebs (immer noch ein Familienbetrieb, aber Familie ist jetzt halt im Singular) alles Gute mit ihrem Geschäft. Besonders bedanke ich mich für den neuerlichen Einblick in die hiesige Mentalität, ist es doch immer wieder faszinierend wie ein paar Nervenzusammenbrüche und viel Aufregung das gleiche erreichen, was auch ein paar klärende Worte vermocht hätten.

Was soll das? Kann man sich fragen. Das mit dem Bügeleisen auf der Brücke vom Raumschiff Orion. Und der Glühbirne. Haben Sie es verstanden? Ich nicht.


***

Taipei macht eigentlich "happy, so happy", wie man in diesem Reisebericht sieht: http://www.youtube.com/watch?v=RELEHBwAPIE. "Everybody has black hair and yellow skin, feels so friendly". Eine Sternstunde des Reisejournalismus ;-)


* Foto aus dem Longshan Tempel


Letzter Bericht: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/familienbetrieb.html

Mittwoch, November 21, 2012

Caged skillsets

Der Begriff "caged skillsets" kam mir heute Morgen in den Sinn, weil ich schon beim Frühstück über Management-Worthülsen diskutieren musste, von denen sowieso niemand mehr weiß was sie bedeuten. Sieht man die Käfige der Mittelklassemietshäuer hier in Taipei, wie hier in meinem patriotischen Wohnviertel, wo fast an jedem Haus auch nächtens eine Flagge der Republik China hängt, dann muss man wissen, dass hinter jedem Gitter eine Familie lebt, deren Mitglieder sich im Grunde genommen für erstklassige Geschäftsleute halten, nur dass das Schicksal sie vielleicht gerade dazu zwingt, ihr Geld als Arbeitsdrohne in einem namenlosen Büro names "Gold Chance Big Fortune Storage Company" auf Chinesisch, "Storatec" auf Englisch, zu verdienen.


Der Skillset expandiert im Firefox auf Mouseklick im Broadband, können Sie beim Power-Lunch drauf klicken.*


Auch meine Taiwanfamilie hier, gleich links in der Nachbarreihe hinter dem Haus mit der Flagge, ist so ein caged skillset, so ein eingesperrter Satz von unternehmerischen Fähigkeiten. Alle haben immer Ideen, wie ein Taiwandollar irgendwo zu verdienen ist, vom Schuhwaschsalon bis hin zur landesweit ausliefernden Blaubeerenpuddigfabrik in der 3-Quadratmeterküche. Nur die zweite Schwester der Familie ist die einzige, die es erfolgreich umgesetzt hat und verdient sich mittlerweile eine goldene Nase mit einem Bubble-Tea - Franchise auf den Philipinen. Während die Deutschen den Bubbletea mit vietnamesischer giftgrüner Zuckerjauche zubereiten und ängstlich am Strohhalm saugen, dabei überlegend welcher Krebstod ihnen nun droht (oft genug hier im Blog diskutiert), trinken die Philipinos einfach das taiwanische Original und sind ganz wild darauf.

Die nächste Familienindee, ein italienisches Restaurant aufzumachen, ist unterdessen etwas gereift. Meine Gattin hat mittlerweile die Fähigkeit erworben, köstliche italienische und andere europäische Gerichte zu kochen und mästet mich damit förmlich zwischen den Mahlzeiten. Ob wir irgendwann ein Ristaurante aufmachen, steht aber in den Sternen, denn unsere taiwanischen Testesser haben immer dann besondere Zurückhaltung beim Essen an den Tag gelegt (aber gleichwohl beteuert es sei köstlich!), wenn es mir besonders gut schmeckte (Salz im Essen-Alarm!!!!!!!!). Aber jetzt haben auch wir einen weiteren unternehmerischen Skillset.

So zurück zu den Präsentationen. Und meine Frau will nachher noch eine neue Idee zum Reichwerden diskutieren, irgendwas mit Immobilien in Spanien. Madre de dios.

Ludigels Nightlife-Photostream

* Für fototechnisch interessierte: Gemacht mit 15mm - Objektiv an einer der "alten" Fullframe-Sony SLRs (Objektiv Sigma EX DG 2,8/15mm)