Meldung von Forumosa.com. Ein Italiener oder jemand der einer sein will und gut einer sein könnte, spricht westliche aussehende Ausländer in Taipei mit einer alten Betrugsmasche an.
Ich kenne das selbst. Irgendwann in den frühen 90ern lud ich gerade meine Einkäufe in meinen Mitsubishi-Kombi (eigentlich Vadderns), da hielt hinter mir ein Alpha Romeo sportlich an. Das war am hannoverschen Messegelände. Im Auto saß ein italienisch aussehender Herr, der mich glaube ich nach dem Weg zur Autobahn fragte, den ich ihm schnell beschrieb. Dann erzählte er von seinen teuren Lederjacken aus Italia, die er hinten im Kofferraum (ich glaube es war ein schicker Alfa Kombi) hatte und nicht wieder in das Land von Mama Mia und ihren Nudeln mitnehmen wolle und die ich ja vielleicht supergünstig...
Nun interessierte ich mich überhaupt nicht dafür, klang das doch so sehr nach einer Falle wie ein über einem baumelndes blutbeschmiertes Fallbeil mit einem Hebel daneben "bitte Ziehen!". Gekriegt hätte ich sicher chinesisches Kunstleder für 200 Mark die Jacke oder so. Ich erklärte ihm teutonisch-direkt, dass ich keine Kleidung von ihm kaufen werde und lud weiter meine Bierkisten ins Auto. Hatte den Abend irgendeinen meiner Kindergeburtstage nachgefeiert. Er schnaufe ärgerlich und brauste dann mit Ververetti davon.
Eine Variation dieses alten Scams gibt es jetzt in Taipei. Ein italienisch wirkender Herr in einem schicken schwarzen SUV der Marke Mercedes oder Lexus sagt, er habe von irgendeinem Businesski noch ein paar 2000 Euro - Anzüge über und sie nach Italien mitzunehmen, sei zu viel Trouble. Er schlägt einem dann vor, diese gratis zu nehmen. Lehnt man nicht gleich ab, erwähnt er einen Kollegen, dessen Bambina Geburtstag habe und sich ein iPhone 6s wünscht und schlägt vor, man solle doch dem Kinde diese kleine Freunde im Austausch für die 3 teuren Anzüge machen. Auch bei Ablehnung soll das soweit gehen, dass der Herr sich nach dem Inhalt der Brieftasche erkundigt und ggf. erst bei einer sehr deutlichen Absage von seinem Tun ablässt, die im vorliegenden Fall die Andeutung kinetischer Energie Richtung des "Verkäufers" beinhaltete.
Mensch, nicht dass wir zwei vom hannoverschen Parkplatz uns in Taipei wiedertreffen. Ich sage: Mensch Eduardo, bist Du es wieder? Und wir werden so richtig sentimental und ich gratuliere ihm zur verfeinerten Masche...
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Mittwoch, Februar 24, 2016
Mittwoch, Dezember 16, 2015
Junger betrunkener Kanadier keilt sich mit Taxifahrer (Update)
Im Video sieht man, wie ein junger westlicher Mann, der später als Kanadier identifiziert wurde, in einen handfesten Streit mit einem älteren Taxifahrer gerät.
Offenbar fängt der Ausländer den Streit an, schubst sich mit dem Taxifahrer herum, der körperlich deutlich unterlegen ist. Die Geschichte endet mit dem eingreifen von drei jungen Taiwanern, die zwar auch alle kleiner sind, aber eben drei an de Zahl. Einer ist sogar noch mit einem handlichen Schlagstock bewaffnet, so dass der Ausländer den kürzeren zieht. Wie zu lesen ist, endete die Geschichte mit einer durch die (taiwanische) Ehefrau des Ausländers vermittelten Entschädigung von bescheidenen 1000 NT an den Taxifahrer. Das hätte auch alles sehr viel übler ausgehen können für den Ausländer, der in dem Video wie der Aggressor wirkt. Eintausend NT aka etwa 25 Euro ist da sehr billig. Natürlich kennt man nicht die Vorgeschichte, was im Taxi abgelaufen ist, aber als großgewachsener junger westlicher Ausländer einen älteren deutlich unterlegenen Taxifahrer in der Öffentlichkeit anzugreifen - der in einer konfuzianischen Gesellschaft auch noch den Altersverehrungs-Bonus geniest, ist sicherlich eine sehr dumme Handlung.
http://www.choudoufudaily.com/waiguoren-canadian-harasses-taxi-driver-gets-beaten/
Kanadier sind in Taiwan ein bisschen verschrien dafür, immer wieder in peinliche Vorfälle verstrickt zu sein. Immer noch besser als im Film "Lucy" (2014), da schießt eine blonde Nordamerikanerin einen Taipei-Taxifahrer einfach nieder, da er nicht Englisch sprechen kann. Da habe ich mich schon gefragt: Wie würde das Ansehen von uns westlichen Ausländern in Taiwan nun wieder darunter leiden, wäre das wirklich passiert. ;-) Im selben Film erschießt sie auch noch einen Patienten auf dem OP-Tisch im Krankenhaus. Det is schon eine Sorte Film für sich.
UPDATE: Wie immer in der Taiwanpresse wird der Ausländer mit vollem Namen genannt und sein Arbeitsplatz (eine der privaten kleinen Englischschulen) gleich mit: http://www.appledaily.com.tw/realtimenews/article/new/20151214/752523/
Offenbar fängt der Ausländer den Streit an, schubst sich mit dem Taxifahrer herum, der körperlich deutlich unterlegen ist. Die Geschichte endet mit dem eingreifen von drei jungen Taiwanern, die zwar auch alle kleiner sind, aber eben drei an de Zahl. Einer ist sogar noch mit einem handlichen Schlagstock bewaffnet, so dass der Ausländer den kürzeren zieht. Wie zu lesen ist, endete die Geschichte mit einer durch die (taiwanische) Ehefrau des Ausländers vermittelten Entschädigung von bescheidenen 1000 NT an den Taxifahrer. Das hätte auch alles sehr viel übler ausgehen können für den Ausländer, der in dem Video wie der Aggressor wirkt. Eintausend NT aka etwa 25 Euro ist da sehr billig. Natürlich kennt man nicht die Vorgeschichte, was im Taxi abgelaufen ist, aber als großgewachsener junger westlicher Ausländer einen älteren deutlich unterlegenen Taxifahrer in der Öffentlichkeit anzugreifen - der in einer konfuzianischen Gesellschaft auch noch den Altersverehrungs-Bonus geniest, ist sicherlich eine sehr dumme Handlung.
http://www.choudoufudaily.com/waiguoren-canadian-harasses-taxi-driver-gets-beaten/
Kanadier sind in Taiwan ein bisschen verschrien dafür, immer wieder in peinliche Vorfälle verstrickt zu sein. Immer noch besser als im Film "Lucy" (2014), da schießt eine blonde Nordamerikanerin einen Taipei-Taxifahrer einfach nieder, da er nicht Englisch sprechen kann. Da habe ich mich schon gefragt: Wie würde das Ansehen von uns westlichen Ausländern in Taiwan nun wieder darunter leiden, wäre das wirklich passiert. ;-) Im selben Film erschießt sie auch noch einen Patienten auf dem OP-Tisch im Krankenhaus. Det is schon eine Sorte Film für sich.
UPDATE: Wie immer in der Taiwanpresse wird der Ausländer mit vollem Namen genannt und sein Arbeitsplatz (eine der privaten kleinen Englischschulen) gleich mit: http://www.appledaily.com.tw/realtimenews/article/new/20151214/752523/
Donnerstag, November 12, 2015
Wirre Geschichte: Security-Guard attackiert Ausländer in Metro (Update)
Da trägt ein Taiwaner die Uniform eines Security-Guards eines offenbar dänischen Unternehmens in Taipei und attackiert einen westlichen Ausländer in Taipeis Metro MRT mit offenbar rassistischen Sprüchen.
http://michaelturton.blogspot.com/2015/11/something-to-watch-out-for-racist-suit.html
Das Video will nicht richtig laden bei mir. Nach dem was ich sehen kann spielt vielleicht eine weibliche Begleitung des Ausländers eine Rolle und offenbar fällt irgendwo eine Formulierung, die in Richtung "Hure" geht. Von so einem Vorfall habe ich in Taiwan noch nie gehört, es handelt sich um einen Einzelfall würde ich sagen. Der Attackierer legt es offenbar darauf an geschlagen zu werden und fordert den Ausländer sogar dazu auf. Möglicherweise schielt er auf eine teure Klage, die er dann dem Ausländer anhängen könnte und hofft wohl nicht zu Unrecht - nach allen Erfahrungen - für diesen Fall auf Solidarität von Polizei und Gericht. Der Ausländer lässt sich von dem Herrn aber nicht provozieren.
Schon bizarr, für ein "Laowai"-Unternehmen in Taiwan zu arbeiten und dann einen Laowai in der Metro anzumachen. Hoffentlich verfährt der Securitymensch da großzügiger mit Geschäftsbesuchern des Unternehmens ;-)
Auf der Facebookseite des Unternehmens wird der Fall diskutiert. https://www.facebook.com/issworld/
Wer weiß was dahinter steckt. Es wäre das erste Mal, dass Aktionen wie irgendwelche Popmusik-Videos, die einheimische Damen dazu auffordern, sich nicht mit Ausländern einzulassen (das Taiwanblog hatte berichtet) Früchte tragen würden. Sehen wir es lieber als Einzelfall eines sehr gestressten Menschen.
Grundsätzlich würde ich sagen hat sich die "Willkommenskultur" der Taiwaner für uns Weißbrote von "extrem freundlich" im Jahre 2004 (als ich hier angekommen bin) über die Jahre hin zu "neutral" verschoben. Wobei wohl auch die häufigen Anti-Ausländerstories in der Taiwanpresse eine Rolle spielen.
EDIT: Wie man auf Forumosa.com sieht, bearbeitet die Polizei den Fall offenbar nicht. Hingegen wäre ein Ausländer, der einem Taiwaner gegenüber beispielsweise "Fuck you" sagt, sehr schnell zu einer Geldstrafe verurteilt. Das ist schon recht häufig vorgekommen. Man sollte sich nicht provozieren lassen, bereit stehende Smartphones vom Angreifer oder von Passanten warten nur drauf, ein "Fuck you" oder gar eine Handgreiflichkeit seitens eines westlichen Ausländers aufzuzeichnen***. Auch wenn dieser Fall hier vermutlich anders ausgehen wird.
UPDATE: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=153510&start=30
Wieder mal ist das Video der Metro-Videoüberwachung schon gelöscht worden (nach 7 Tagen) bevor die überarbeitete Polizei dazu gekommen ist, es sicherzustellen. Das passiert in Taiwan grundsätzlich, wenn etwas für einen Ausländer entlastend sein könnte und ist schon fast ein Sprichwort in der Ausländergemeinde geworden. Und beim Transfer des Smartphonevideos von einer Police Unit zur nächsten ging das Video auch verloren. Nun gut, es ist ja im Internet zu finden.
UPDATE 2: Das dänische Unternehmen ISS stellt offenbar weltweit Dienstleistungen von Gebäudereinigung bis hin zu Security zur Verfügung. Allerdings war der Wachmann wohl nicht für die MRT tätig sondern reiste privat in der MRT.
*** Ein Beispiel für eine gelungene Shitstorm-Attacke auf eine US-Amerikanerin, die in der MRT wie viele Taiwaner auch einen Sitzplatz mit Einkaufstüten blockierte. Ein Seniorin verlangte von ihr die Freigabe des Sitzplatzes, obwohl ein benachbarter Seniorensitzplatz offenbar frei war. Die kecke Antwort, von einem Mitreisenden gefilmt, kostete der Amerikanerin ihre berufliche Existenz in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html
Fast immer sind Taiwan neutral oder freundlich, aber wenn "die Kacke am Dampfen" ist, man also irgendwie in eine Situation mit einem aggressiven Taiwanerer geraten ist oder selbst merkt, dass man unbeherrscht wird, dann gilt: Das nächste Smartphone im Videomodus ist vermutlich nur ein paar Meter entfernt. Und im finalen Schnitt steht man dann in den Taiwan-Medien sehr ungünstig dar. Etwa hatte die Taiwanpresse damals den freien Sitzplatz herausgeschnitten...
http://michaelturton.blogspot.com/2015/11/something-to-watch-out-for-racist-suit.html
Das Video will nicht richtig laden bei mir. Nach dem was ich sehen kann spielt vielleicht eine weibliche Begleitung des Ausländers eine Rolle und offenbar fällt irgendwo eine Formulierung, die in Richtung "Hure" geht. Von so einem Vorfall habe ich in Taiwan noch nie gehört, es handelt sich um einen Einzelfall würde ich sagen. Der Attackierer legt es offenbar darauf an geschlagen zu werden und fordert den Ausländer sogar dazu auf. Möglicherweise schielt er auf eine teure Klage, die er dann dem Ausländer anhängen könnte und hofft wohl nicht zu Unrecht - nach allen Erfahrungen - für diesen Fall auf Solidarität von Polizei und Gericht. Der Ausländer lässt sich von dem Herrn aber nicht provozieren.
Schon bizarr, für ein "Laowai"-Unternehmen in Taiwan zu arbeiten und dann einen Laowai in der Metro anzumachen. Hoffentlich verfährt der Securitymensch da großzügiger mit Geschäftsbesuchern des Unternehmens ;-)
Auf der Facebookseite des Unternehmens wird der Fall diskutiert. https://www.facebook.com/issworld/
Wer weiß was dahinter steckt. Es wäre das erste Mal, dass Aktionen wie irgendwelche Popmusik-Videos, die einheimische Damen dazu auffordern, sich nicht mit Ausländern einzulassen (das Taiwanblog hatte berichtet) Früchte tragen würden. Sehen wir es lieber als Einzelfall eines sehr gestressten Menschen.
Grundsätzlich würde ich sagen hat sich die "Willkommenskultur" der Taiwaner für uns Weißbrote von "extrem freundlich" im Jahre 2004 (als ich hier angekommen bin) über die Jahre hin zu "neutral" verschoben. Wobei wohl auch die häufigen Anti-Ausländerstories in der Taiwanpresse eine Rolle spielen.
EDIT: Wie man auf Forumosa.com sieht, bearbeitet die Polizei den Fall offenbar nicht. Hingegen wäre ein Ausländer, der einem Taiwaner gegenüber beispielsweise "Fuck you" sagt, sehr schnell zu einer Geldstrafe verurteilt. Das ist schon recht häufig vorgekommen. Man sollte sich nicht provozieren lassen, bereit stehende Smartphones vom Angreifer oder von Passanten warten nur drauf, ein "Fuck you" oder gar eine Handgreiflichkeit seitens eines westlichen Ausländers aufzuzeichnen***. Auch wenn dieser Fall hier vermutlich anders ausgehen wird.
UPDATE: http://forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=153510&start=30
Wieder mal ist das Video der Metro-Videoüberwachung schon gelöscht worden (nach 7 Tagen) bevor die überarbeitete Polizei dazu gekommen ist, es sicherzustellen. Das passiert in Taiwan grundsätzlich, wenn etwas für einen Ausländer entlastend sein könnte und ist schon fast ein Sprichwort in der Ausländergemeinde geworden. Und beim Transfer des Smartphonevideos von einer Police Unit zur nächsten ging das Video auch verloren. Nun gut, es ist ja im Internet zu finden.
UPDATE 2: Das dänische Unternehmen ISS stellt offenbar weltweit Dienstleistungen von Gebäudereinigung bis hin zu Security zur Verfügung. Allerdings war der Wachmann wohl nicht für die MRT tätig sondern reiste privat in der MRT.
*** Ein Beispiel für eine gelungene Shitstorm-Attacke auf eine US-Amerikanerin, die in der MRT wie viele Taiwaner auch einen Sitzplatz mit Einkaufstüten blockierte. Ein Seniorin verlangte von ihr die Freigabe des Sitzplatzes, obwohl ein benachbarter Seniorensitzplatz offenbar frei war. Die kecke Antwort, von einem Mitreisenden gefilmt, kostete der Amerikanerin ihre berufliche Existenz in Taiwan: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/06/die-schlimme-amerikanerin.html
Fast immer sind Taiwan neutral oder freundlich, aber wenn "die Kacke am Dampfen" ist, man also irgendwie in eine Situation mit einem aggressiven Taiwanerer geraten ist oder selbst merkt, dass man unbeherrscht wird, dann gilt: Das nächste Smartphone im Videomodus ist vermutlich nur ein paar Meter entfernt. Und im finalen Schnitt steht man dann in den Taiwan-Medien sehr ungünstig dar. Etwa hatte die Taiwanpresse damals den freien Sitzplatz herausgeschnitten...
Montag, April 20, 2015
Älterer Ausländer flippt in U-Bahn aus / Taiwanhass
Wo kommt er her der Taiwanhass? Warum flippt ein westlicher Ausländer so in der MRT Taipeis aus, dass er abgeführt wird?
Taiwan ist ein Land starker Gegensätze. Oder eben auch die Hauptstadt Taipei, die oft gemeint ist, wenn Ausländer "Taiwan" sagen oder schreiben. Auch in der Wahrnehmung durch Deutsche oder Amerikaner oder andere westliche Ausländer kann Taiwan - oder eben meist Taipei oder eine andere Großstadt - sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen.
Ein älterer westlicher Ausländer (alt jedenfalls gemessen an der Majorität der 20+ jährigen hier -das genaue Alter kann man schwer ausmachen, irgendwas zwischen Mitte 40 und Mitte 50) rastet in Taipeis U-Bahn MRT aus. Beschimpft Fahrgäste mit zahlreichen Fuck-Yous und Stinkefingern und äfft das asiatische Foto-Victory-Zeichen nach. Er steht offenbar völlig neben sich und hält die ganze Zeit über bizarrerweise eine Fresstüte von McDonalds und einen Getränkebecher. Offenbar ist der Mann bemüht, das taiwanische Klischee vom unbeherrschten und aggressiven Ausländer, der sein Lebtag nur Cola trinkt und Burger isst, perfekt umzusetzen.
https://www.facebook.com/mimic0207/videos/10205358975567007/?pnref=story
Großes Lob an die Fahrgäste, die bleiben ruhig. Nur ein junger Mann lässt sich etwas auf eine Diskussion ein, wird bisweilen geherzt von dem wirren Ausländer und antwortet diesem auf Taiwanisch anstatt auf Mandarin. Womit er praktisch sichergeht dass es nicht verstanden wird. Nicht das verkehrteste denn lt. Ausländerforum soll er Sachen sagen wie "du hast ein Problem im Kopf", was sicherlich unstrittig ist zum gegebenen Zeitpunkt. Niemand lässt sich provozieren, irgendjemand ruft die Security, die auch sehr ruhig bleibt. Es fällt auf, wie ein Securitymitarbeiter den Ausländer beruhigt, ihm auf den Rücken klopft - eher beruhigend als gelte es ein Kind ruhig zu stellen. Es funktioniert, der ruhiger gewordene wirre Mann wird am Schluss friedlich abgeführt und die Fahrgäste bleiben grinsend zurück.
Ausflipper sind im überfüllten und hektischen Taipei kein Ausländerding allein. Auch wenn die Taiwaner meist sehr ruhig und kontrolliert sind habe ich auch schon Taiwaner beim Ausrasten erlebt (verschmitzt hinzugefügt: auch außerhalb meiner Taiwanfamilie). Sie klappen, wenn sie sich aufregen, von extrem ruhig schlagartig zu extrem durchgedreht, was wohl mit der - dann versagenden - konfuzianischen Gefühlkontrolle zu tun hat. Ob der nicht mehr ganz junge Ausländer schon länger hier ist? Ich vermutete einen langjährigen und vielleicht jobmäßig glücklos gewordenen Englischlehrer, wer weiß. Gerade in der MRT durchzudrehen ist natürlich ein dramatischer Ort dafür und garantiert mediale Aufmerksamkeit, wie auch geschehen. Ich konnte nicht umhin zu denken, was wenn es ein Afroamerikaner in den USA gewesen wäre? Dann hätte die US-Polizei ihn sicher erschossen, immerhin war er mit Burger und Getränk bewaffnet.
Persönlich habe ich einmal einen westlichen Ausländer in Taipei erlebt, der in einen irren Mandarin-Schreianfall mit rudernden Armen verfiel. Das war 2004, als ich ihn gerade angekommen in unserem Viertel mit einem "Hello" bedacht hatte. Seither ignoriere ich alle Johnny Weißbrots hier, die ich nicht persönlich kenne.
Taiwaner habe ich schon öfter beim Ausflippen erlebt, etwa vor 2 Jahren einen um 5.30 Uhr im Viertel herum schreienden Mann, der auch völlig außer sich war uns ständig "gan", also "fuck" schrie. Oder eben die Ausflipper und grenzwertigen Angriffe durch andere Verkehrsteilnehmer. Aber da gibt es wenigstens einen Anlass.
Was kann westliche Ausländer dazu bringen, in Taipei oder ähnlichen Großstädten so völlig abzudrehen? Es gibt ja regelrechte Hassseiten im Internet, mit denen meist wegziehende Ausländer ihrem Gastland einen wütenden Stinkefinger zeigen. Der Klassiker hier ist das 2006er "I hate Taiwan" - Miniblog:
http://ihatetaiwan.blogspot.tw/
Nun, das I-hate-Taiwan-"Blog" versucht die Frage zu beanworten und nennt viele negative Dinge taiwanischer Großstädte wie Smog und viele Mopeds und hässliche Architektur. Dinge, die 2006 abgesehen von der konstanten Mopedflut noch schlimmer waren als heute. Konkret kann sich ein westlicher Ausländer, der vielleicht eine ruhige Straße mit viel Platz und klarer Luft in seiner Heimat gewohnt war, in Taipei und ähnlichen Orten in solchen Umständen wiederfinden:
- billige Schlichtwohnung mit Riesenkäfern im Sommer, undichten Schiebefenstern, ohne Heizung im Winter und Rotz- und (wohl Hunde-)Urin-verkrustetem Treppenhaus mit toter Ratte. Die Treppenhäuser scheinen etwa seit 2010 wesentlich sauberer zu werden, von daher sind solche Extremfälle selten geworden
- immer noch viel graue Plattenbauweise mit - auch hier Tendenz stark fallend - Müllhaufen zwischen den Häuserreihen (2004-2008 etwa noch Standard, heute selten)
- kaum oder keine Bürgersteige im Viertel, aggressive Mopedfahrer und Autofahrer die Fußgänger anstoßen während der Fahrt oder weghupen wollen.
- Smogverpesstete Straßenschluchten (Tendenz fallend dank MRT-Ausbau)
- chemisch stark belastetes Essen, das auf den Magen schlagen und allergische Symptome auslösen kann (Tendenz zunehmend meinem Magen nach zu urteilen)
- gerade in billigen Wohnhäusern lärmende Nachbarn, die ab 5.30 Uhr morgens hämmern. Frühstücksbuden, die ab 5.00 Uhr für lautes Gekeife und Geschirrklimpern sorgen, das durch die einfachverglasten Schiebefenster dringt.
- ewig lärmende Mopeds mit frisierten Schalldämpfern
Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Gerade 2006 (vgl. das Hassblog) bestand auch das Stadtzentrum von Taipei viel aus grauen Schlichtbauten, da wo heute entspannende moderne Einkaufsstraßen sind, die teils erst vor kurzem fertig gestellt worden sind.
Für alt werdende Englischlehrer in Taiwan kommt noch dazu, dass sie grauhaarig sehr schlecht Stellen finden, weil sie nicht mehr dem Klischee des jungen Entertainers aus USA entsprechen, dass die Englischschulenszene kolportiert. Vergleiche hier auch das dramatische Ende eines US-Marineoffiziers auf Taiwan, dessen philippinische Freundin eine Taiwanerin ermordet hat durch Geldnot getrieben: http://osttellerrand.blogspot.tw/2007/09/murder-in-foreigner-scene-in-taiwan.html
Neulinge in Taiwan preisen die hübschen Frauen, das leckere Essen, die freundlichen Menschen und die schicken Tempel während Langzeiter oft genervt sind. Wie auch ich die Tage, etwa durch allergische Erscheinungen durch wohl wieder mal chemisch belastetes Essen zum x.ten Male. Oder den Verkehr. Oder die grauen bürgersteiglosen Gassen.
Taipei und Konsorten sind keine Kurorte. Oft hängt man hier fest. Entweder weil die einheimische Angebetete hier nicht weg will oder weil die Insel im Falle von geringqualifizierten englischen Muttersprachlern zur einzigen Einkommensquelle durch Englischunterricht geworden ist*. Es gibt wohl nur wenige Langzeiter die die quirlige Insel hier wirklich lieben. Im Sinne von "lieben hier zu leben". Und die sind vielleicht schon längst im geistigen Nirwana angekommen. "Merken nichts mehr", um es uncharmant zu sagen. Dann braucht der Herr aus der U-Bahn vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Zeit.
* Das beantwortet auch die Neulingsfrage: "Warum gehst du nicht weg, wenn es dir nicht gefällt."
Edit: Taiwan hat meinen Artikel mit einem sofortigen heftigen Erdbeben beantwortet.
Taiwan ist ein Land starker Gegensätze. Oder eben auch die Hauptstadt Taipei, die oft gemeint ist, wenn Ausländer "Taiwan" sagen oder schreiben. Auch in der Wahrnehmung durch Deutsche oder Amerikaner oder andere westliche Ausländer kann Taiwan - oder eben meist Taipei oder eine andere Großstadt - sehr unterschiedliche Reaktionen auslösen.
Ein älterer westlicher Ausländer (alt jedenfalls gemessen an der Majorität der 20+ jährigen hier -das genaue Alter kann man schwer ausmachen, irgendwas zwischen Mitte 40 und Mitte 50) rastet in Taipeis U-Bahn MRT aus. Beschimpft Fahrgäste mit zahlreichen Fuck-Yous und Stinkefingern und äfft das asiatische Foto-Victory-Zeichen nach. Er steht offenbar völlig neben sich und hält die ganze Zeit über bizarrerweise eine Fresstüte von McDonalds und einen Getränkebecher. Offenbar ist der Mann bemüht, das taiwanische Klischee vom unbeherrschten und aggressiven Ausländer, der sein Lebtag nur Cola trinkt und Burger isst, perfekt umzusetzen.
https://www.facebook.com/mimic0207/videos/10205358975567007/?pnref=story
Großes Lob an die Fahrgäste, die bleiben ruhig. Nur ein junger Mann lässt sich etwas auf eine Diskussion ein, wird bisweilen geherzt von dem wirren Ausländer und antwortet diesem auf Taiwanisch anstatt auf Mandarin. Womit er praktisch sichergeht dass es nicht verstanden wird. Nicht das verkehrteste denn lt. Ausländerforum soll er Sachen sagen wie "du hast ein Problem im Kopf", was sicherlich unstrittig ist zum gegebenen Zeitpunkt. Niemand lässt sich provozieren, irgendjemand ruft die Security, die auch sehr ruhig bleibt. Es fällt auf, wie ein Securitymitarbeiter den Ausländer beruhigt, ihm auf den Rücken klopft - eher beruhigend als gelte es ein Kind ruhig zu stellen. Es funktioniert, der ruhiger gewordene wirre Mann wird am Schluss friedlich abgeführt und die Fahrgäste bleiben grinsend zurück.
Taipei-Jonghe: Das hübschere Haus vorne links ist erst in letzter Zeit gebaut. Auch ohne bläuliche Fensterscheibe, durch die ich fotografiert habe, sehe das Bild nicht wesentlich anders aus sondern bliebe eine grau-okerfarbende Wüste mit viel Beton und wenig Architektur
Ausflipper sind im überfüllten und hektischen Taipei kein Ausländerding allein. Auch wenn die Taiwaner meist sehr ruhig und kontrolliert sind habe ich auch schon Taiwaner beim Ausrasten erlebt (verschmitzt hinzugefügt: auch außerhalb meiner Taiwanfamilie). Sie klappen, wenn sie sich aufregen, von extrem ruhig schlagartig zu extrem durchgedreht, was wohl mit der - dann versagenden - konfuzianischen Gefühlkontrolle zu tun hat. Ob der nicht mehr ganz junge Ausländer schon länger hier ist? Ich vermutete einen langjährigen und vielleicht jobmäßig glücklos gewordenen Englischlehrer, wer weiß. Gerade in der MRT durchzudrehen ist natürlich ein dramatischer Ort dafür und garantiert mediale Aufmerksamkeit, wie auch geschehen. Ich konnte nicht umhin zu denken, was wenn es ein Afroamerikaner in den USA gewesen wäre? Dann hätte die US-Polizei ihn sicher erschossen, immerhin war er mit Burger und Getränk bewaffnet.
Persönlich habe ich einmal einen westlichen Ausländer in Taipei erlebt, der in einen irren Mandarin-Schreianfall mit rudernden Armen verfiel. Das war 2004, als ich ihn gerade angekommen in unserem Viertel mit einem "Hello" bedacht hatte. Seither ignoriere ich alle Johnny Weißbrots hier, die ich nicht persönlich kenne.
Taiwaner habe ich schon öfter beim Ausflippen erlebt, etwa vor 2 Jahren einen um 5.30 Uhr im Viertel herum schreienden Mann, der auch völlig außer sich war uns ständig "gan", also "fuck" schrie. Oder eben die Ausflipper und grenzwertigen Angriffe durch andere Verkehrsteilnehmer. Aber da gibt es wenigstens einen Anlass.
Was kann westliche Ausländer dazu bringen, in Taipei oder ähnlichen Großstädten so völlig abzudrehen? Es gibt ja regelrechte Hassseiten im Internet, mit denen meist wegziehende Ausländer ihrem Gastland einen wütenden Stinkefinger zeigen. Der Klassiker hier ist das 2006er "I hate Taiwan" - Miniblog:
http://ihatetaiwan.blogspot.tw/
Nun, das I-hate-Taiwan-"Blog" versucht die Frage zu beanworten und nennt viele negative Dinge taiwanischer Großstädte wie Smog und viele Mopeds und hässliche Architektur. Dinge, die 2006 abgesehen von der konstanten Mopedflut noch schlimmer waren als heute. Konkret kann sich ein westlicher Ausländer, der vielleicht eine ruhige Straße mit viel Platz und klarer Luft in seiner Heimat gewohnt war, in Taipei und ähnlichen Orten in solchen Umständen wiederfinden:
- billige Schlichtwohnung mit Riesenkäfern im Sommer, undichten Schiebefenstern, ohne Heizung im Winter und Rotz- und (wohl Hunde-)Urin-verkrustetem Treppenhaus mit toter Ratte. Die Treppenhäuser scheinen etwa seit 2010 wesentlich sauberer zu werden, von daher sind solche Extremfälle selten geworden
- immer noch viel graue Plattenbauweise mit - auch hier Tendenz stark fallend - Müllhaufen zwischen den Häuserreihen (2004-2008 etwa noch Standard, heute selten)
- kaum oder keine Bürgersteige im Viertel, aggressive Mopedfahrer und Autofahrer die Fußgänger anstoßen während der Fahrt oder weghupen wollen.
- Smogverpesstete Straßenschluchten (Tendenz fallend dank MRT-Ausbau)
- chemisch stark belastetes Essen, das auf den Magen schlagen und allergische Symptome auslösen kann (Tendenz zunehmend meinem Magen nach zu urteilen)
- gerade in billigen Wohnhäusern lärmende Nachbarn, die ab 5.30 Uhr morgens hämmern. Frühstücksbuden, die ab 5.00 Uhr für lautes Gekeife und Geschirrklimpern sorgen, das durch die einfachverglasten Schiebefenster dringt.
- ewig lärmende Mopeds mit frisierten Schalldämpfern
Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Gerade 2006 (vgl. das Hassblog) bestand auch das Stadtzentrum von Taipei viel aus grauen Schlichtbauten, da wo heute entspannende moderne Einkaufsstraßen sind, die teils erst vor kurzem fertig gestellt worden sind.
Für alt werdende Englischlehrer in Taiwan kommt noch dazu, dass sie grauhaarig sehr schlecht Stellen finden, weil sie nicht mehr dem Klischee des jungen Entertainers aus USA entsprechen, dass die Englischschulenszene kolportiert. Vergleiche hier auch das dramatische Ende eines US-Marineoffiziers auf Taiwan, dessen philippinische Freundin eine Taiwanerin ermordet hat durch Geldnot getrieben: http://osttellerrand.blogspot.tw/2007/09/murder-in-foreigner-scene-in-taiwan.html
Neulinge in Taiwan preisen die hübschen Frauen, das leckere Essen, die freundlichen Menschen und die schicken Tempel während Langzeiter oft genervt sind. Wie auch ich die Tage, etwa durch allergische Erscheinungen durch wohl wieder mal chemisch belastetes Essen zum x.ten Male. Oder den Verkehr. Oder die grauen bürgersteiglosen Gassen.
Taipei und Konsorten sind keine Kurorte. Oft hängt man hier fest. Entweder weil die einheimische Angebetete hier nicht weg will oder weil die Insel im Falle von geringqualifizierten englischen Muttersprachlern zur einzigen Einkommensquelle durch Englischunterricht geworden ist*. Es gibt wohl nur wenige Langzeiter die die quirlige Insel hier wirklich lieben. Im Sinne von "lieben hier zu leben". Und die sind vielleicht schon längst im geistigen Nirwana angekommen. "Merken nichts mehr", um es uncharmant zu sagen. Dann braucht der Herr aus der U-Bahn vielleicht einfach noch ein bisschen mehr Zeit.
* Das beantwortet auch die Neulingsfrage: "Warum gehst du nicht weg, wenn es dir nicht gefällt."
Edit: Taiwan hat meinen Artikel mit einem sofortigen heftigen Erdbeben beantwortet.
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