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Dienstag, Oktober 14, 2014

Philippinen - Wochentrip (jetzt mit Bildern)

Meine Eindrücke von der 7-tägigen Reise in die Philippinen. In Situationsberichten. Einstweilen ohne Bilder, die werden nachgereicht

Die Motivation meiner Frau ihre Schwester auf die Philippinen zu besuchen, die in Manila Metro lebt und mit einem philippinischen Staatsbürger aus der chinesischen Minderheit dort verheiratet ist, bestand im Wesentlichen darin, ernsthafte Schritte zur Auswanderung nach Manila zu unternehmen. Ich hingegen wollte nur einfach die seit Jahren im Raum schwebende Einladung von Schwager und seiner Frau annehmen. Bezüglich dem was uns erwarten würde geschweige denn einer Auswanderung nach Manila war ich extrem skeptisch.

 Die Bilder sind direkt in Manila City oder Paranque City von Metro Manila entstanden. Ich komme allerdings mit der mehrfachen Verwendung von "Manila" für Zentrum, Stadt und Umland doch noch ins Schleudern als Newbie



Due Dilligence: Was liest man von Manila? In deutschen Foren wird von Prostitution, Müll, unerträglicher Hitze, Ausländer hassenden raffgierigen Einheimischen und ekelhaftem Smog geredet, so dass man in Manila nur kurz einen Zwischenstopp machen sollte um sich dann auf eine der schönen Inseln der aus unzähligen kleinen Eilanden bestehenden Inselrepublik zu flüchten.
Die Presse berichtete zeitnah von Entführungen von Deutschen, das Auswärtige Amt warnt vor dem Bereisen der Ecke um "Saba" und warnt ebenfalls vor Entführungen - auch manchmal in Manila. Ich war alles andere als begeistert vor diesem Trip. Allerdings sah ich schon, dass sich die Entführungswarnungen auf die südwestliche Ecke der Philippinen konzentrieren, eben "Saba" wo Piraterie und islamistische Terrorgrüppchen nach Bleichgesichtern Ausschau halten. Die "Religion of Peace*" aka Islam auf Beutesuche.

 Auf dem Weg zu den Malls im Zentrum. An Taguig, was auf dem T-Shirt hier zu lesen ist, sind wir auch immer vorbei gekommen ;-)

Der Flug: Nur 2 Flugstunden direkt von Taipei mit Philippine Airlines (PAL). Eine Airline mit sehr durchwachsender Unfallstatistik, die bis 2013 gar nicht in der EU fliegen durfte. Trotzdem sah alles sauber und ordentlich aus. Rustikal nur ein Flugbegleiter, der mir lachend erklärte "I want to beat her" / "ich könnte ihr eine reinhauen" und sich damit auf einen weiblichen Fluggast auf der Toilette bezog, der die Tür nicht verriegelt hatte so dass Ludigel in eine höchst private Verrichtung hinein platzte.


Bei Paranque City im Gewerbegebiet

Die Ankunft: Ein bisschen Disorganisation bei der Einreise. Im Flieger hatten wir weiße Formulare bekommen für Zoll- und Gesundheitserklärung. Die Annahme eines der beiden wurde aber am Immigration-Schalter verweigert, denn da hatten sie ein gelbes neues Formular mit selbem Inhalt. Ludigel grummelt von Unsinn und Schlamperei, Frau erinnert ihn genervt daran, dass er mal wieder sehr deutsch agiert. Und Ludigel ermahnt sich, seinen Deutschmodus jetzt abzuschalten und auf das Latino-America - Programm zu schalten, denn von der Kultur und Geschichte her schienen die Philippinen Lateinamerika recht ähnlich zu sein, trotz Lage in Asien. Vgl. spanische Kolonialzeit und einschlägige Berichte im Internet zur Landeskultur.



Die Fahrt: Wir werden von unseren Gastgebern abgeholt. Frische sommerliche Regenluft vor dem Flughafen Manila. Das Terminal hat ein bisschen Provinzambiente, hatte mir den Flughafen Manila größer vorgestellt. Die Fahrt im Toyota Minivan meines Schwagers geht durch dichten Verkehr. Überall Baustellen, endloses Geschiebe quer über alle Fahrspuren, Dauerstau und dicke Abgaswolken jenseits der Fenster. Aber so klimatisiert riecht man nichts davon. Eigenartige Motorrad-Dreiräder, die offenbar Taxis sind, quälen sich knatternd mit durch den Verkehr. Dazu bunte Schlichtbusse fantasievoll verziert, aber ohne Fensterscheiben.. Der gesamte Verkehrsstrom drängt schließlich im Pulk auf den Parkplatz eines anderen Terminals, dazu noch drängt sich eine große Verkehrsader herein und will auch den Parkplatz ansteuern, mein Schwager manövriert den großen Toyota quer zum restlichen Verkehr durch eine winzige Schneise und wir entkommen in die Nacht. Die Straßen sehen sehr glatt und ordentlich aus, aber der hart gefederte Toyota schüttelt sich heftig und mein Schwager entschuldigt sich für die (nicht vorhandenen) Schlaglöcher.

 An manchen LKWs steht nur ein Pseudonummernschild "no plate available" : kein Kennzeichen verfügbar. Na dann gute Fahrt (Schild nicht im Bild)

Die Logis: Plötzlich sind wir von hell erleuchteten Woklenkratzern umgeben, doch mit viel Raum zwischen den einzelnen Wohntürmen. Alles sind sogenannte "Condos" (oder schreibt man das mit K?), will sagen Apartmentbauten. Streng kontrolliert Security den Wagen und wir fahren in das 5. Tiefgeschoss ein, durch ein klinisch reines Parkhaus mit viel teuren Autos drin und eigenartig verbaute Rampen mit einem aufgemauerten Mittelstreifen, so dass der Toyota kaum um die Kurven kommt. Der Bauingenieur war ein Idot oder Sadist, aber mein Schwager lenkt den großen Wagen gekonnt um die fast unpassierbaren Kurven, die manchmal fast im rechten Winkel abknicken. "Noch mal von vorne" würde ein Architekturprof im 1. Semester da wohl dem Studenten sagen, der so eine Bauzeichnung vorlegt. Drinnen eine hotelartige Atmosphäre, alle endlosen Flure und schicken Lobbis klimatisiert und holzgetäfelt, sich höflich verneigendes schwarz livriertes Personal überall. Das ist das reiche Manila! Entsprechend auch die Kondo, schlicht aber schick eingerichtet, eine Zweiraumwohnung mit Balkon und Blick auf eine schicke Skyline aus vielen neuen und teilweise im Bau befindlichen Apartmenttürmen und Einkaufszentrum. Mit Palmen dazu sieht es aus wie Miami im Fernsehen, nur dass vieles gerade erst gebaut wird. Swimmingpool und Fitnessräume haben sie auch. Nie werden wir Stromausfall haben, alles schick und neu, viele Ausländer im 50-stöckigen Condoturm.

...

Private Security mit Segeway oder wie der Standroller heißt in Bonifacio Global City, Manila



Bei Schwager zu Hause: Am nächsten Tag geht die Fahrt durch die schicke Innenstadt. Hier sind wir im Botschaftsviertel von Manila, nur Einkaufszentren und die teuren Condo-Wohnalagen, viel private Security in Form von dunkelhäutigen kräftigen Männern mit Gewehren oder Pistolen am Hosenbund, dazu Schlagstöcke und Handschellen. Grimmig guckende Herren die sich auch von der Hautfarbe von den oft spanisch aussehenden Passanten abheben. Das reiche Manila holt sich die Jungs aus der Vorstadt und bewaffnet sie um Ruhe und Sicherheit zu haben. Die Fahrt geht weiter über Schnellstraßen, man sieht Slums aus halb verfallenden und von Amateurhand ausgebauten und augestockten Schlichthäusern und wilden Butzenvierteln vorbei, die teilweise diskret durch Sichtschutz verdeckt sind. Eine besonders wilde Slumecke am Flussufer sieht man nur einen Sekundenbruchteil, weil die Brücke einen großen metallenen Sichtschutz hat. Die "Armutsblende". Neue Toyotas, Mazdas und Mitsubishis neben ein paar BMW-SUV, Audis und Chevrolets rollen blitzend an der Armutswand vorbei, so dass man nur neue Karossen und neue Shoppingmalls (Einkaufzsentren) sieht. Und immer wieder grimmige Security. Die Sonne scheint, der Verkehr ist leicht, die Luft klar und frisch. Müll sieht man nur manchmal in Gewerbgebieten in irgendwelchen Einfahrten, nicht in den schicken Condo- und EInkaufsvierteln. Nach einem etwas angeschmuddelten Gewerbegebiet mit vielen Motorradtaxis, das mich an Kuba oder die Dominikanische Republik erinnert, rollen wir durch ein diesmal mit Sonnenschirm etwas rustikal wirkendes Security-Tor in ein leicht angeschmuddeltes Wohnviertel ein. Alte kleine Villen hinter schmiedeeisernen Toren, meist neue Toyotas überall, ein paar Dreckecken dazwischen mit Müll auf Abbruchgrundstücken und dreckig aussehenden Fressbuden und Minirestaurants. Einige zerlumpt aussehende Herren an Straßenecken und in den Gossen sitzend, die auf irgendetwas warten und wohl oft die Fahrer der wartenden Motorradtaxis sind. Wir passieren ein zweites Securitygate und ein dunkelhäutiger kräftiger Mann salutiert und lässt uns passieren. Er trägt ein leeres Pistolenhalfter am Gurt. Drinnen ein etwas besseres Viertel. Etwas in die Jahre gekommende Reihenhäuser, Kinder spielen auf den schmalen Straßen zwischen den oft neuen Mittelklassewagen, Menschen haben sich in lockerem Plausch vor dem kleinen Gemischtwarenladen versammelt und bieten sich gegenseitig dort gekauftes Knabberzeug an. Alles ist verblüffend leise. Wären wir in der Dominikanischen Rep. würde jetzt bestimmt irgendwo ein Radio oder TV lautes Geschrei oder Samba von sich geben. Hier nicht.

Untere Mittelklasse Viertel schon als "gated community"



Das Haus innen: Das dreistöckige Reihenhaus hat viele Kameras an der Tür und Warnhinweise. Uns macht eine alt aussehende Endvierzigerin auf, die einfache Klamotten trägt und immer höflich lächelt und praktisch nie redet in der Folgezeit. Es ist die "Yaya" der Familie, das Dienst"mädchen", die hier 24/7 wohnt und mit 5000 Pesos im Monat plus Kost und Logis plus Übernahme der Arztrechnungen entlohnt wird. Einheimische zahlen oft nur 1000 oder 2000 höre ich. Zwei Stockwerke sind die Werkstatt meines Schwagers, der hier Schilder und Aufkleber für Privat- und Firmenkunden drückt. Mehrere Herren und eine junge Frau arbeiten etwas grimmig guckend angestrengt an ihren Schildern. Kein Wunder, wir latschen da ja mitten durch und quer über ihre Werkstücke. Die männliche Wahrnehmung von mir kann nicht anders, als die außergewöhnliche Attraktivität der leicht gebräunten jungen Mitarbeiterin zu bemerken. Das Latinogegenstück einer taiwanischen "Xiaojie". Die Yaya räumt und lächelnd hinterher und kümmert sich dann herzlich um Junior. Mir ist so eine stille immer lächelnde Frau ziemlich unheimlich, so etwas bin ich nicht gewohnt. Die junge "Xiaojie" am Arbeitsplatz sieht uns skeptisch und mit hochgezogener Augenbraue hinterher. Insbesondere mir. Ich falle dort natürlich auch mehr auf als der Rest unserer Gruppe. Außerdem hätte ich nicht unbedingt dies Seidenhemd mit 40 verschiedenen Farben anziehen müssen. Immer wieder wundere ich mich, dass kein Mensch Spanisch spricht, wo doch alles wie in Lateinamerika aussieht, auch wenn manche Leute asiatischen Einschlag haben. Aber nur 10% der Philippinos sprechen noch Spanisch.
Innen alles so sauber, dass man vom Fußboden essen kann, die Yaya putzt oft. 12000 Pesos Miete im Montat. 1000 Pesos sind 750 NT oder so, 1000 NT wären 25 Euro, rechnen Sie es doch selber aus. Mein Schwager bezahlt immer und ist nicht davon abzubringen, da kenne ich kaum die Wechselkurse.

Weiß gekleideter Securityguard, hier allerdings im Bürohaus oder dergleichen

Die Shopping-Malls: Philippinos lieben Einkaufszentrum, in Metro Manila haben sie mamorgetäfelte Oberklassemalls mit Apple- und Sonystore und Gucci und was auch immer. Mittelklassige Malls sind ein bisschen düsterer mit vielen günstigeren Geschäften, Massagepraxis ohne Schweinkram mit schmutzigem Betonboden, kleine Elektronikstores, kleine Restaurants und Cafes mit mittelprächtiger Sauberkeit, hier hat auch mein Schwager einen adretten kleinen Outlet-Kiosk unter der Rolltreppe wo es Baby-in-Car - Sticker und Hanfplanzen-Sticker zu kaufen gibt. Und nachgemachte EU-Autoschilder, auf denen aber wirklich EU steht und nicht D oder F oder NL. Wenn ich den Blick schweifen lasse in die Runde, etwa wegen den hübschen Josef und Maria - Statuen nebst Heilige Drei Könige an einem karikativen Handwerkskunststand, passiert es mir oft, dass ich bemerke wie ich plötzlich langen Blickkontakt mit einer in der Regel sehr hübschen jüngeren Verkäuferin habe. Das wird sicher am Wohlstandsgefälle liegen und hat mich vage an Cuba erinnert, andererseits pfeifen einem die Damen hier nicht hinterher und wenn man den Blick abwendet passiert auch nicht mehr. Bin ja glücklich verheiratet. Oder es lag wieder am bunten Hemd. Schnell wieder auf die Jesusfiguren geguckt. Vorgestern ist ein 4.4 kg schweres Paket von einem teuren Schokoladenladen aus Deutschland bei meinem deutschen Paket-Forwarder eingetroffen, dass ich nicht bestellt habe. Abgebucht vom Konto ist auch nichts, sicher ist es von Jesus, zum Trost.



Das Essen: Typisches Philippinoessen ist irgendwie ein Zwischending zwischen Latinoküche und Asiatischem. Sehr taiwanisch wirkende Nudeln mit Scmorfleisch und Gemüse, etwas würziger. Meine Taiwanfamilie hält das leicht für versalzen, aber die Leute dort salzen europäisch. Schweinshaxe, die fast deutsch wirkte, wohl eine auf Spanien zurückgehende Spezialität. Pilze in viel Öl, lecker. Paprikalastiges Mischgemüse. Aber viel Erfahrung habe ich da nicht. Philippinos esses auch gerne japanisches, chinesisches und allerlei anderes - offenbar nicht so gern saftiges oder teilrohes Fleisch. Ein wohl nicht ganz durchgegartes Würstchen hat mir bis heute Montezumas Rache beschert, obwohl ich nur einen Zipfel gegessen habe und Junior die ganze Restwurst. Er hat keine Beschwerden; Magen nach der Mama geschlagen. Gerne essen sie Pasta und Pizza, das Qualitätsniveau ist da sehr gut. Ich hatte einmal spanisch inspirierte Chorizo-Pasata, also mit scharfer Wurst zwischengedreht. Lecker. Ein Jesusbild, das sehr nach dem jungen Errol Flinn aussah (nur mit langen Haaren) guckt mir beim Essen zu, mit blutendem Herzen in einem Restaurant der sehr guten Kette "Mary Grace". Preise wie in Taiwan, je nach Restaurantklasse ab 160 Pesos oder auch deutlich mehr, 450 oder wieviel auch immer mit Tischtuch. In Garküchen ist es billiger, aber da würde ich hinterher tot umfallen denke ich.

 Und Jesus schaut bei "Mary Grace" beim Essen zu...



Die Expats: Desto schicker die Gegend, desto Expat, etwa jüngere Männer mit Kind an der Hand die der hispanisch aussehenden schicken gleichaltrigen Frau im Einkaufszentrum hinterher dackeln. Oder alte Herren mit blutjungen dunkelhäutigen Frauen, hier scheint der Trend zur Extremoberweite zu gehen. Beides sind völlig unterschiedliche Beziehungswelten offensichtlich. Oder auch der allein umher gehende ältere Herr der entweder irgendwas in (s)einem Laden vom Personal umdekorieren lässt oder dessen junge Freundin vielleicht gerade allein neue Klamotten kauft. Ein älteres deutsches Paar "wohnt" in unserer Condo-Anlage.
Generell sagt man, dass es für Ausländer keine Arbeitsplätze auf den Philippinen gibt, es sei denn, sie schaffen sie selbst. Als Altersruhesitz sind die Philippinen beliebt, weil die Visaregelung recht großzügig ist, offenbar muss man 25.000 Euro (oder 50.000) als niedrig verzinstes Festgeld dort anlegen, was man bei Ausreise zurück erhalten soll, dann kann man bleiben. Von 1000 Euro soll man dort recht luxuriös leben können, etwa im einfachen Reihenhaus (10000 Pesos pro Monat Miete), mit Dienstmädchen (sagen wir 1500 bis 5000 P pro Monat), eventuell 24/7 Krankenschwester (umgerechnet wohl 400 Euro im Monat) und Fahrer (wie Krankenschwester entlohnt). Nageln Sie mich nicht auf Details fest, ich bin da noch Newbie.
Man kann US-Krankenversicherungen abschließen. Taiwaner nehmen einfach die taiwanische gesetzliche Krankenversicherung mit, die auch Arztrechnungen im Ausland bezahlt.

 Schlichtviertel, fast schon slumming, an der Shopping Mall

Prostitution / Sextouristen: Habe ich nichts mit zu tun und soll hier ausgeklammert werden, obwohl es sicherlich in den obigen Expatbetrachtungen teilweise enthalten ist. Mehr interessiert mich da wirklich nicht.

Das ist einfach nur eine Straßenszene, Fotos von Despektierlichem habe ich nicht zu bieten.

Die Polizei: Polizisten sind wohl selber Gangster und kommen daher in die feinen Viertel und den oben erwähnten schicken Stadtkern nicht rein, weil es da die beschriebene private Security gibt.

 Werden Sie nicht Sextourist, essen Sie lieber "Baku Pie", frischen Kokoskuchen aus den Highlands. Hmmm.... das ist das reinste Manna.

Schulen: Kostet Schulgeld, eine katholische Schule mit vielen Kindern von Reichen kostet wohl 120.000 P im Jahr, wenn ich das recht verstanden habe. Die deutsche Schule Manila ist auf dem Gelände der französischen Schule, es gibt strenge Security, die mich kaum herein gelassen hat (erst nach Abklärung mit Schulleitung). Kindergarten kostet wohl um die 360 Euro umgerechnet im Monat. In Taipei wären es 1000 Euro. Details muss ich noch klären.

 Gar nicht so teuer, jedenfalls nicht für Expats und die obere Mittelklasse: eine katholische Schule mit vielen Prominentenkindern und dem Junior vom Schwager.

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Arme Leute: Zwei Szenen sind mit im Gedächtnis geblieben, gesehen beim Blick aus dem Autofenster. Eine Frau mit orangebraun gefärbten Haaren, eine verhärmte Endvierzigerin, steht in einem wohl früher mal eleganten grauen langen Kleid mitten im Standzentrum und weint vor sich hin, eigenartig entrückt und steif, eine oben verschlossene kleine Plastiktüte mit einem Glas o.ä. in der Hand. Vermutlich Schusterleim der der ätherischen Dämpfe halber in Slums viel als Droge missbraucht wird.
Auf der Zufahrtsstraße zum Flughafen rufen ein paar kräftige junge Männer ein Taxi für eine Gruppe von jungen Mittelklasseleuten und halten zum Einsteigen die Tür auf. Die Mittelklasseleutchen wirken fast verschüchtert, vermeiden angestrengt den Blickkontakt und geben dem Türaufhalter ein paar Münzen. Daneben steht ein anderer junger Mann mitten auf der Straße, den Blick weit entrückt gen Himmel, auch mit so einer Tüte in der Hand.


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Sicherheitslage: Laut unserer Gastgeber dort kann man natürlich nicht nachts im falschen Viertel herum laufen, sonst sind Überfälle an der Tagesordnung. Slums meidet man zumindest nachts und am Besten auch am Tage. Moslemische Leutchen unterteilten sie in die gut situierten, die einfach nur Geschäfte machen wollen und in die "Kriegerkaste" aus wütenden jungen Männern, die einen außerhalb der guten Viertel gerne an den Kragen wollten. Ich gebe das einfach mal so weiter. Obwohl das letztere mir wie ein zu verallgemeinerte Mix aus Religion und Armutsproblematik klingt. Würden nicht katholische Arme auch einen Überfall durchführen? Wie oben gesagt, das Grenzgebiet der Philippinen hin zu Malaysia ist wegen islamistischer Gangsterbanden zu vermeiden.



Fazit: Am Ende sehe ich die Pläne meiner Frau zur eventuellen Übersiedlung in den nächsten Jahren sehr viel positiver, auch wenn noch verschiedene Aspekte zu klären wären. Als Einkommensquelle würden uns zwei verschiedene Unternehmungen mit Kooperation mit der Schwester meiner Frau dienen. Ich sehe das auch mit Skepsis, aber fundiert und gründlich analysiert ist das ganze schon. Wer ins Ausland geht, soll nie den Einheimischen oder anderen Expats trauen, die plötzlich hilfsbereit auftauchen und beim Geldanlegen behilflich sein wollen. Hier geht es allerdings um meine Taiwanfamilie, die sich eben teilweise auf die Philippinen ausgelagert ist und das ist sicher ein anderer Fall. Ich weiß, ich weiß, skeptisch bin ich selber.
Positiv an den Philippinen sicher das europäischere Raumgefühl, wenn man von engen Slums absieht, die ich aber nicht besuchen will.

 Können Sie dat zur Gänze lesen? Fast alle Schilder sind auf Englisch und fast überall spricht man zumindest einfaches Englisch, aber manchmal ist es mit Tagalog/Filipino gemixt.

Diskussion: Gerne Feedback in den Kommentaren, aber bitte sachlich ohne Herumtoben und Ausflippen, wie wir das im Blog alles schon zur Genüge hatten. Mir ist klar, dass es hier genug emotionale Stichworte gibt wie schlecht bezahlte Dienstmagd und Armut. Diesbezügliches Unwohlsein empfinde ich ja selbst.

Vemice Plaza Manila. Und wenn Sie sich bei einem US-Unternehmen über Abzocke beschweren (wie ich mal bei United Airlines), dann werden Sie im Callcenter rechts im Bild höflich von einer charmanten Philippina abgewimmelt.


* so lehren immer wieder islamische Prediger uns Ungläubigen gegenüber

Fortsetzung folgt, der Trip mit der Familia in die Highlands, wo die Mittelklasse von Manila gern das Wochenende verbringt, eine Gegenüberstellung der deutschen Schule in Manila und der in Taipei und vielleicht noch mehr...

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Fotos mit der Sony DSLR A850, soweit sie nicht durch herausgefallenen Spiegel lahmgelegt war (grummel) mit Minolta AF 3.5-4.5 / 28-105mm bzw. dem lichtstarken Minolta AF 1,7/50mm. Oft auch mit der CASIO Exilim Z1000, die Qualität nimmt sich weniger als man denkt. 

Montag, Oktober 13, 2014

Sony Alpha 850 Spiegel-Weitwurf-Reflex

Eigentlich sollte meine Sony Alpha 850 DSLR - Kamera ja eine digitale "Spiegelreflexkamera" sein und keine "Spiegelweitwurf-Kamera". Dass der Spiegel aus einer digitalen oder analogen SLR fliegen kann, war eine gänzlich neue Erfahrung für mich auf dem zurückliegenden Philippinen-Trip

Da sitzt man im Minivan, wird gemütlich durch die Gegend gefahren, das Fahrwerk des Toyota Innova rüttelt auf gerader Straße wie ein Elefant mit Durchfall auf Stöckelschuhen und mein Schwager am Steuer bemerkt, die Philippinen hätten viele Schlaglöcher. Ich gucke auf die Straße und sehe nur ebenen Asphalt, kann aber auch nicht umhin als den Dramatisierungseffekt des hart gefederten  Kleinbusses zu bemerken. Drücke weiter munter auf den Auslöser meine Sony Alpha 850 alias DSLR A850 und da gibt es ein komisches Geräusch, so als ob irgendetwas scheppert .... und der Sucher ist dunkel. Automatisch fast man vorne ans Objektiv, aber da ist kein Deckel drauf, was die schwärze ja erklären würde. Habe ja eben noch fotografiert ohne Deckel. Da eine SLR oder DSLR das Sucherbild über ein paar Spiegel (sind es zwei?) direkt aus dem Objektiv in den optischen Sucher weiterleitet und der Spiegel bei der Aufnahme hoch und runter klappt, war das Phänomen etwas ganz und gar beunruhigendes. Was war passiert?

Meine Sony Alpha 850 rechts von 2010 und eine ihrer Vorgängerinnen, die analoge (chemische) Minolta Dynax 600si classic von 1998, die heute noch einwandfrei funktioniert. Mit ihrer Sony Alpha DSLR/DSLT Baureihe führt Sony das Erbe der Minolta/Konika-Minolta Dynax Systemkameras fort. Die Minolta Dynax (in den USA Maxxum und in Japan bereits Alpha genannt) - Kameras und die Sony Alpha DSLR und DSLT-Kameras besitzen alle das alte Minolta A-Bajonett für AF-Wechselobjektive.

Schnell das Objektiv abgenommen und - Schock schwere Not! - der Spiegel klapperte lose hinter dem Objektiv der Kamera herum. Er war offensichtlich einfach angeklebt und hatte sich gelöst!  Für Teile des Wochentrips auf die Philippinen musste also die kleine Casio Exilim Z1000, eine einfache Point-and-Shoot - Kompaktkamera das Fotografieren übernehmen. Mein Schwager klebte den Spiegel wieder an und er hielt über 400 Aufnahmen lang. Bis zu dem Augenblick als meine mutige Frau sich entschloss, sich an einem Drahtseil von jungen Männern über eine tiefe Schlucht schubbern zu lassen. Sehr wagemutig und ich sah mich schon panisch als alleinerziehender Vater. Oder haben Sie schon mal vom philippinischen TÜV gehört, der solche Anlagen überprüft? Nein? Ich auch nicht. Doch fotografieren wollte ich allemal. Doch kaum stürzte sich meine Frau schreiend wie Supergirl in den Abgrund, da... SIe ahnen es, schepperte es wieder und der Sucher wurde dunkel.

Noch mal angeklebt hält der Spiegel jetzt seit 200 Aufnahmen und ich werde ihn vielleicht noch mal mit Epoxitharz ankleben und dabei beten, dass nichts auf den 24-Megapixel-Sensor tropft. Aber so ganz traue ich meiner erst 4 Jahre alten Sony nicht mehr über den Weg. Was tut man? Man flucht, schwört sich, nie wieder eine Sony zu kaufen und .... 10 Minuten später ordert man eine neue Sony auf Ebay. Ein billiges altes Einstiegsmodell, die Alpha 230 mit 10 Megapixeln als Notfallbackup.  Für 101 Euro sicher nicht zu teuer, unter 14 Megapixeln kriegt man heute die DSLRs schon nachgeschmissen. Aber eine neue Sony werde ich sicher nicht mehr ordern.

Interessant auch, was die Reparatur kosten würde. Sony würde über 300 Euro für eine Reparatur genommen, was ein Pauschalpreis sein soll. So weit OK, aber wenn der Spiegel weg oder zerschellt ist, ist die Kamera nur noch als Briefbeschwerer zu verwenden. Das entsprechende Teil, den kompletten Spiegelmechanismus samt Einbau gab es für schlappe 480 Euro - aber im Jahre 2014 ist laut Kundenerfahrungen im Internet das Spiegelbauteil sowohl für die bzgl. des Spiegelapparatus baugleiche Alpha 900 als auch für die Alpha 850 nicht mehr lieferbar. Und das obwohl die 900 noch bis 2012 in den Läden stand - und immerhin 2700 Euro gekostet hat. Beide Modelle wurden als Profikameras bezeichnet - da sollte man vielleicht schon Ersatzteile vorhalten, denke ich mir. Sony tut das offenbar nicht, man liest immer wieder von solchen Reparaturproblemen.

Die neueren Sony DSLT-Kameras der Alpha-Serie haben einen festen semitransparenten Spiegel und die spiegellosen NEX-Kameras (neuerdings auch Alpha genannt) haben gar keinen Spiegel mehr. Auch nicht schlecht, wo nix ist, kann auch nix wegfliegen. Spätestens wenn auch beim Backup der Spiegel wegfliegt steige ich der Objektive halber auf eine mit festem Spiegel um - die spiegellosen haben einen anderen Objektivanschluss. Und Sekundenkleber gehört jetzt wohl auch immer in die Fototasche.

Donnerstag, Oktober 02, 2014

Links zur Rentenversicherung in Taiwan (editiert 2015)

ACHTUNG: Neuere Zusammenfassung dieses Artikels, die sehr viel übersichtlicher ist:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2015/05/ludigels-lustige-lenten-legende.html


Hier einfach mal roh die Links zur Labor-Law-Rentenversicherung in Taiwan. Für mit Einheimischem verheiratete gibt es noch die ähnlich hohe Rentenversicherung nach Sozialgesetz, seit 2013.

Info der Immigrationsbehörde:
http://iff.immigration.gov.tw/ct.asp?xItem=1217233&ctNode=34333&mp=iff_en

Info des Büros der "Arbeitsversicherung":
http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=n9N84vZDrjw%3D


ACHTUNG: Alle Angaben ohne Gewähr und vieles ist sicherlich unscharf oder gar falsch, da ich kein Rentenexperte bin, schon gar nicht für taiwanisches Recht.

Zur Frage ob man die Rente ins Ausland "mitnehmen" kann: Ungeklärt. Die Regelungen enthalten offenbar keinen Passus über den Wohnsitz, aber die taiwanische Rechtspraxis ist oft anders als der Gesetzestext. Ich hoffe man kann. Da ich mir wohl zumindest Hoffnungen auf mehrere hundert Euro monatlich per Labor-Law machen kann, wenn ich 2019 aus dem hiesigen Arbeitsleben ausscheiden würde, würde es durchaus lohnen auch wegen der geringeren Lebenshaltungkosten im Alter in Taiwan zu verbleiben, jedenfalls mehr als 183 Tage im Jahr. Ich denke, sie überweisen die Rente vermutlich auf ein Taiwankonto, wenn man bei Antragsstellung ARC (Aufenthaltsgenehmigung) und Konto hat, auch wenn man später nicht mehr im Land ist. Aber geklärt ist dieser Punkt noch nicht.
Zu beachten ist, dass schon Fälle bekannt geworden sind (Ausländerforum) in denen das Abheben vom Taiwankonto per Geldautomatenkarte an einem ausländischen Geldautomaten per Maestro-Service etc. (das ist der Dienst der hinter dem intern. Geldabheben per Automat steckt) NICHT MEHR GING als der Ausländer keinen Wohnsitz in Taiwan hatte. Auch Banken wie meine hiesige Hausbank China-Trust verlangen Vor-Ort-Ausfüllen von Überweisungen in Taiwan, um Geld von Taiwan nach Deutschland zu transferieren. Selbst wenn also die Rente nach dem Rückauswandern im Alter auf ein Taiwankonto überwiesen wird, kommt man evtl. nur per Flugreise nach Taiwan an das Geld heran.

Formel für den monatlichen Rentenanspruch offenbar:

Normalfall für Anspruch: 15 Jahre eingezahlt und 60 Jahre alt.

Kürzel:
Dg: durchschnittlich versichertes Gehalt 
Ej: Einzahlungsjahre
NT: New Taiwandollar


Monatlich Auszahlungssumme ist der größere Wert von den beiden alternativen Formeln:

Dg x Ej x 0.00775 + 3000 NT
Dg x Ej x 0,0155

Gehälter zählen bis max. 150.000 NT, darüber Kappung.

Edit: Achtung: Wie der Link der Behörde zeigt, kann man auch bei weniger als 15 Jahren Einzahlung eine Rente erhalten, allerdings nur als Einmalzahlung. Und man muss mindestens 60 Jahre alt sein als Mann oder 55 als Frau: http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=n9N84vZDrjw%3D
10 Jahre nach Einführung des Rentensystems (also offenbar 2019?) steigt das Rentenalter um 1 Jahr an jedes Jahr bis es max. 65 erreicht. Demnach kann man 2018 also als Mann noch eine Rente mit 60 ohne Abschlag erhalten, ab 2019 nur noch mit 61 Jahren.
Die Einmalzahlung errechnet sich so
a) Berechne das Durchschnittsgehalt wie unten erwähnt (offenbar die 60 höchsten Gehaltsmonate des Versicherungszeitraums); es sei Dg genannt.
b) Für jedes volle Jahr Versicherungsbeiträge (also z.B. 12 Jahre wenn man von Juli 2004 bis Juli 2016 eingezahlt hat) erhält man einmal die Summe Dg.
Gesamtauszahlung also 12xDg.
Restriktion: Ab dem 60. Lebensjahr kann man nur noch 5 weitere Jahre für die Rechnung zählen.
Wer mind. 15 Jahre Beiträge hat kommt automatisch in die monatliche Zahlungsformel eben (die beiden alternativen Formeln).

Edit: Achtung, offenbar zählen bei der Berechnung des Durchschnittsgehalts die höchsten 60 Monate (so schreibt der zweite Link von oben). Ich habe das mit den 36 oder 60 Monaten auch schon auf anderen Seiten gelesen und 60 Monate Berechnungsgrundlage für den Durchschnitt gibt das US-Sozialministerium für Taiwan an:
http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/2010-2011/asia/taiwan.html 
TWN-Regierungsseite gibt an, die höchsten 60 Monate würden zählen:
http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=n9N84vZDrjw%3D
Sind es 36 per Taiwan-Regierungsseite oder doch 60 per US-Infoseite?

Der US-Link enthält auch Infos zum National Pension Program, oben als Rente nach Sozialgesetz bezeichnet. Formel dieser (alternativen!!!*) Rennte, die offenbar nur für Ehepartner von Taiwanern und natürlich für die Taiwaner selbst gilt und erst seit 2013 für die ausländischen Ehepartner in Kraft getreten ist:

Mvs: monatliche Versicherungssumme, entspricht dem gesetzl. Mindestlohn von 2008, also 17280 NT
Ej: Einzahlungsjahre

Monatlich Auszahlungssumme ist laut der US-Seite der größere Wert von den beiden alternativen Formeln:

Mvs x 0,0065 x Ej + 3000 NT
Mvs x 0,013 x Ej

Möglicherweise müssen viele bei der Sozialgesetz (National Pension Program)-Rente einen Abschlag wegen Frühauszahlung in Kauf nehmen, denn 15 Jahre kriegt wegen des späten in Kraft Tretens da sicher nicht jeder hin.

* Edit: !!!ACHTUNG!!!: Offenbar gilt diese Sozialgesetz-Rente (National Pension Program) nur für Leute, die keine andere taiwanische Rente haben. Siehe die Exklusions-Zeile auf der US-Seite: http://www.ssa.gov/policy/docs/progdesc/ssptw/2010-2011/asia/taiwan.html

Genaueres Lesen der Texte kann womöglich manchen Widerspruch und manche Frage aufklären.


Edit:

ACHTUNG: Gravierende Unklarheiten durch mehrfache Änderungen und Systemwechsel:

Ab 01.1.2005 trat das aktuelle System in Kraft, nach dem alten Rentensystem gehörte der Rentenfond dem Arbeitgeber, der dieses verwaltet hat. Doch was wenn das Unternehmen nicht mehr existiert? Erst ab 2009 wurde das neue Rentensystem zwangsweise angewendet (es sei denn man ist die ganze Zeit beim selben Arbeitgeber beschäftigt). Was in einem Bankfonds liegt und unter dem alten System eingezahlt worden ist KANN auf das neue System übertragen werden, ein Automatismus scheint das nicht zu sein.
Laut meiner Frau haben meine ersten Arbeitgeber ab 2004-2007 oder dergleichen auch schon eingezahlt, mir ist aber unklar ob es beim ersten oder gar beim zweiten Unternehmen firmeneigene Fonds gibt. Da das erste Unternehmen mittlerweile eher instabil und das zweite de facto verschwunden ist, ist mir also unklar, was mit den Rentenbeträgen da geschieht. Taiwanisches Nirwana scheint mir recht wahrscheinlich. Hier ist eine Gegenüberstellung des alten und neuen Systems:
http://www.bli.gov.tw/en/sub.aspx?a=nhOjj7pu60c%3d
Die Rente ist nach dem alten System beim alten Arbeitgeber zu beantragen! Lustig, wenn der nicht mehr existiert....

Modellrechnung:

-Anton Schmidt hat seit 01.05.2000 bei diversen taiwanischen Firmen gearbeitet.
-2006 ist er von Firma 1 auf Firma 2 gewechselt, dann 2007 von Firma 2 auf Firma 3 und 2008 auf Firma 4. Er hat dort bis 2016 gearbeitet und verlässt dann Taiwan.
-Er wird im Jahre 2026 65 Jahre und beantragt dann Rente in Taiwan (soweit ich die Regelung verstehe ist dann das Rentenalter auf  65 gestiegen nach derzeitiger Planung).
Seine letzten 60 höchsten Gehälter ergeben ein Durchschnittsgehalt von 100.000 NT.

Welche Jahre zählen?

Zeitraum 2000-2005: hier hätte der erste Arbeitgeber einen Fond bei der Bank of Taiwan eröffnen müssen und Beiträge nach dem alten System abführen müssen. Wenn der Arbeitgeber nicht mehr existent oder auffindbar ist, sind die Beiträge und Jahre wohl verloren.

Zeitraum 2006-2008 bei Firma 2/3: Wenn er Glück hat, haben die Arbeitgeber nach dem neuen System in die neue staatliche Rentenversicherung eingezahlt. So wäre es gesetzlich vorgeschrieben. Weil die Regeln vor 2009 noch nicht so streng angewendet wurden, bleibt gerade bei Ausländern ein Fragezeichen. Bei mir soll das korrekt geschehen sein. Auch wenn Firma 2 wie bei mir nicht mehr existiert, sind die Einzahlungen also noch vorhanden beim Bureau of Labor Insurance.
Hat der Ausländer Pech, ist der Zeitraum verloren.

Zeitraum 2008-2009 bei Firma 4: Gute Chance, das korrekt nach dem neuen System einbezahlt wurde, aber kein Muss, weil erst ab 01.1.2009 stringent die Rentengesetzgebung angewendet wurde.

Zeitraum ab 01.1.2009: Zählen ohne Zweifel. Ob der Sachbearbeiter die Rente an einen schon lange nicht mehr in Taiwan wohnhaften Ausländer auszahlen will, wird allerdings ein Fragezeichen bleiben. Auch die ggf. drohende Vereinigung Taiwans mit China wirft hier Fragezeichen auf.

Todsicher erhält der Ausländer also eine Einmalzahlung (weil weniger als 15 Jahre einbezahlt, daher keine monatl. Rente) für die Jahre 2009-2016. Dafür erhält er also 7 (Jahre) * 100.000 NT gleich 700.000 NT.
Mit Glück erhält er für die Jahre 2006 (Arbeitgeberwechsel und Wechsel ins neue System, wenn alles korrekt abgewickelt wurde) bis 2009 auch noch etwas und daher insgesamt  10 (Jahre) * 100.000 NT gleich 1 Million NT (etwa 25.000 Euro nach dem Standardkurs 1:40).
Für 2000-2006 erhält er wohl nur ein höfliches asiatisches Lächeln.


Mittwoch, Oktober 01, 2014

Expat-Todesfall

Leider ist wieder ein westlicher Expat dem Straßenverkehr im Großraum Taipei zum Opfer gefallen.

Man liest es so gefühlt 1-3 mal im Jahr, dass Expats in Taiwan zu Tode kommen, meist ist es der Straßenverkehr, der ihren Tod herbei führt. Oder ist es eher 1-3 mal in 2 Jahren? Ich bin mir da nicht sicher, da ich nicht Buch darüber führe. Letzteres wäre leider geschmacklos, aber statistisch nicht uninteressant. Denn man stuft ja Taiwan immer als "sicher" ein, während Thailand etwa (und da ist ein Unterschied zu TaiWAN) als ein bisschen unsicher für Ausländer gilt. Will sagen, man findet in Thailand immer mal wieder einen Expat ausgeraubt tot am Strand. Aber was würde man erhalten, wenn man einmal nur tote Ausländer in beiden Ländern vergleichen würde?

Ich erinnere mich in der letzten Zeit an einen tödlichen Motorrollerunfall eines Englischlehrers auf einer der kleinen Inseln, die zur Republik China aka Taiwan gehören, an einen ertrunkenen Franzosen, der also das Schema durchbrochen hat, wenn man mir die makabere Einstufung verzeiht. Davor an -glaube ich- den ein- oder anderen weiteren mit dem Motorroller verunglückten Englischlehrer, an einen älteren amerikanischen Dozenten, den ein Taxi auf dem Zebrastreifen vom Leben zum Tode befördert hat. Und natürlich an "MaKe", den kanadischen Entertainer, der in Jackie Wus TV-Shows zu finden war, den ich sogar einst -wenn auch nur virtuell- persönlich kannte aus dem Forum und der mit seinem Motorrad verunglückt war und nach Jahren an den Folgen des Unfalls gestorben ist. Unvergessen auch, wie der bekannte englische "Hunderetter" Sean M. (Gründer von Animals Taiwan) einst im Forum erzählte, wie er neben taiwanischen Opfern auch einen im Sterben liegenden Englischlehrer noch etwas Trost spenden konnte auf der Kreuzung, der mit seinem Motorroller in die Zwillingsreifen eines -ohne-zu-gucken spurwechselnden LKWs geraten war.

Man verzeihe die blumige Ausdrucksweise, aber ich möchte insbesondere Newbies im "Oh ist Taiwan toll"-Modus dazu ermuntern, genau auf den aggressiven Verkehr zu achten, der leider als maßgebliche Komponente das Recht des Stärkeren enthält.

Unvergessen ist mir der Tod eines Sohnes eines Expatmanagers, kurz nachdem ich hier 2004 angekommen war, der abends mit dem Motorroller unterwegs gewesen war und von einem betrunkenen LKW-Fahrer, der ohne Licht auf der falschen Straßenseite unterwegs war (in eine Straße einbiegend), getötet worden war. Der LKW-Fahrer wurde praktisch nicht bestraft, wenn ich mich recht erinnere. Dinge wie ein nachts unbeleuchteter LKW als Geisterfahrer mit betrunkenem Fahrer sind etwa in Deutschland sehr selten, in Taiwan aber (immer noch) Standard. Das muss man sich immer vergegenwärtigen.

Aktuell ist Herr John Chandler, einer der Gründer der Europäischen Schule in Taipei, vor seinem Haus im Landkreis Taipei zu Tode gekommen. Mein herzliches Beileid an alle Angehörigen. Einen Link dazu kann ich derzeit nicht beibringen, wurde per Email informiert. An der Meldung besteht kein Zweifel.

Montag, September 29, 2014

Ein alter Freund... (Update)

Komisch ihn hier zu sehen im wuseligen Taipei

Einen alten Freund habe ich neulich an der Tankstelle wiedergesehen. Oder einen Zwilling von ihm jedenfalls.

Wie von Donner gerührt blieb ich stehen. Meiner sah ganz genau so aus, auch die nachlackierte Schürze, die serienmäßigen Radkappen auf Stahlfelge. Vier Türen und eben die späte Version dieses 3er-BMWs ab 1988 mit leicht geänderter Schürze und geänderten Rückleuchten nebst einer neuen Motorgeneration. Ein 318i war meiner. Damals autobegeistert haben sich die Eckdaten bei mir eingebrannt: 1,8-Liter Vierzylinder mit elektr. Einspritzung, damals noch was neues, GKat (wird der hier sicher nicht haben) und 113 PS. Höchstgeschwindigkeit 188 km/h und von 0 auf 100 km/h in 10,8 Sekunden. Erinnere mich noch gut an das kleine Rennen, das ich gegen den 320i mit 129PS eines Bekannten gefahren bin. Na kein richtiges Rennen, aber als er beschleunigte konnte er den kleinen Weißen nicht abhängen. Weil eben der 2-Liter-Sechzylinder nicht so leicht hochdrehte. Ja, die jungen Jahre. Das Rennen im Harz gegen den kleinen Pontiac Irgendwas Sportwagen eines US-Soldaten, den ich mit dezenter Lichthupe nachts von der linken Spur einer Autobahn vertrieben habe, wo er auf der linken Spur klebte. Wie er dann Gas gab, als ich überholen wollte (von 100 km/h aus) und mir erst davon zog, dann aber bei 130 km/h so ins Trudeln kam, dass er fast von der Bahn geflogen wäre - auf gerade Srecke! Weil das US-Fahrwerk nicht mit den Schwellen auf der alten "Reichsautobahn" in Plattenbauweise zurecht kam. Und wie ich mir im jugendlichen Überschwang einen Spaß draus machte, dann mit 160 km/h davon zu ziehen. Wohlgemerkt hatte das Fahrwerk des damals noch neuen BMWs nur leichte Querrillen vermeldet. Blattfedern hatte der US-Wagen, habe ich später nachgeschlagen. Googeln ging ja noch nicht, sondern da hatte man Autokataloge.
Gut, irgendwann fielen mir dann die 100-Schilder ins Auge. Ob der Soldat wohl wieder einen US-Wagen gekauft hat?

Ja wir hatten viel Spaß zusammen, der Wagen und ich. Nach 7 Jahren und 135.000 km wollte dann die Motorelektronik nicht mehr und dann kamen die Mitsubishis von Vater bei mir an.

Und heute? Heute ist alles besser. Das tolle Taipei statt Harzer Bergen, würzige Stadtluft statt niedersächsischer Landluft. Und ein 240-PS-Volvo, den ich nur bewege, wenn es unbedingt sein muss, dem Taiwanstress im Verkehr halber. Alles besser, hust.

Damned, wenn Junior nicht wäre, wäre ich hier schneller weg als man ... never mind. Schnell weggeguckt, zu Hause haben Frau und Kind Hunger, schnell rüber zu MOS-Burger... da... die Fußgängerampel ist grün...

Update: Und schon 1988 war mein 3er BMW mit seinem GKat moderner als jeder blitzende neue Toyota hier, die nämlich keine Abgasreinigung haben. Deswegen stinkt Taipei eben wie ein halbvoller Aschenbecher. 

Typisch deutsch...

Typisch deutsch habe ich mich wieder aufgeregt, wie hier das Moped auf dem neuem breiten Bürgersteig geparkt ist, so dass der ältere Herr mit Gehhilfe auf die Fahrbahn ausweichen muss. Diese Art der Raumnutzung ist typisch taiwanisch, man ist immer bestrebt, möglichst viel Raum einzunehmen, egal ob andere da noch durchkommen.

Mehr gedankenlos als rücksichtslos, typisch etwa auch: Auf dem Flughafen müssen sich alle durch eine einzige schmale Tür quetschen beim Aussteigen aus der Maschine und ein Taiwaner bleibt mitten in der Tür stehen und telefoniert und verursacht einen Megastau.
Wichtig hier: Man darf die Leute ohne Ellbogenstoßen und schubsen "sanft aber bestimmt" wegschieben. Schimpfen und Meckern kann schnell zu Gesichtsverlust führen und gerade wenn Fahrzeuge im Spiel sind kann man gewaltsame Reaktionen des Taiwaners nicht ausschließen. Taiwaner bitten immer höflich, wenn denn der Fahrer in der Nähe ist, Platz zu machen, bei Fahrzeugen gehen sie aber lieber drum herum. Denn, wie schon oft bemerkt, der Straßenverkehr ist eine der "Ventilzonen" der taiwanischen Herren, neben dem Alkoholkomsum, wo die sonst immer höflichen und ruhigen Menschen ihre Gefühle mal aus der Flasche lassen. Auch mein Foto mit gebührendem Abstand und Telesetting gemacht, damit nicht der Besitzer angerast kommt und wild wird. Denn in Taiwan hat er Recht, natürlich kann er den Bürgersteig zuparken, Fussgänger und gerade lästige mit Kinderwagen z.B. sind niederranging und müssen Platz machen und drum herum gehen.

Mittwoch, September 24, 2014

Scharfe Chinesin aus der Rehab entlassen (Update)

Neue Chance für meine scharfe Kantonesin, jetzt in Rot-Schwarz

Update für Interessierte: Wo die meisten Chinauhren herkommen: http://www.millionsmart.com/e/default_home.asp
Für eine Handvoll Dollar (4 oder so) bekommt man da einen Submariner-Klon mit chinesischem Standarduhrwerk. Farbe und Markenname wird alles gecustomized und auch ein chin. GMT-Werk darf natürlich rein. Bestellen Sie doch mal 1000 Stück Ihrer eigenen GMT, vielleicht in Rot*Grün, das hat noch keiner.

Wieder ein Blogartikel zum Thema Uhrenwansinn. Mit meiner "Alpha" aus dem schönen Hongkong verband mich ja eine tiefe Abbeigung, nachdem ich das für 90 US-Dollar erstandene Modell "GMT" auf dem letzten Deutschlandurlaub am Arm hatte, der schönen mechanischen zweiten Zeitzone halber, hier hinreichend dokumentiert: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/02/das-alpha-experiment.html

Ich war nach dem Urlaub so schlecht zu sprechen auf das Ding, dass ich sie monatelang einfach ungetragen in der Uhrenschublade liegen ließ und sogar durch eine andere GMT, sprich durch eine andere Uhr mit zweiter Zeitzone ersetzen wollte. Die Kritikpunkte im einzelnen waren a) scharfkantige Unterseiten mit Schnittgefahr, b) scharfkantiges Metall-Armband mit Raspeleffekt, c) bei Hitze/Kälte-Unterschied abgefallener Drehringeinsatz (24h-Skala), d) Mitverstellen des 24h-Zeigers beim Einstellen der normalen Uhrzeit, e) eine zu große scharfkantige Krone, die sich in den Handrücken gräbt und f) ca. 20 Minuen hinterher laufender 24h-Zeiger, der dazu führt, dass ich bei der 2. Zeitzone dann doch er im Kopf rechnen statt ablesen musste. "Chinamüll eben", wird manch einer da sagen wollen.

Rehabilitiert/nachgebessert: Alpha GMT, mit Austauschband.

Doch einen Lichtblick gab es von Anfang an. Den Tauchring, den ich einmal durch leichtes Falschherumdrehen abgedreht und in der Hand hatte, ließ sich sofort wieder einfach einrasten und das Ding, übrigens mit einem Seagull-B-Uhrwerk (eher schlechter Nachbau des original schweizer ETA-Werks) lief verblüffend genau, automatiktypisch mit etwa 15 Sekunden Vorlauf pro Tag.

Freunde der Happy-Haarlos-Fraktion (HHF) gucken jetzt bitte weg. Hier sieht man, dass es 11.04 Uhr in Taiwan und gerade 5.04 Uhr in Deutschland ist, denn der rote 24h-Anzeiger (den man beliebig einstellen kann) steht so etwa auf 5 Uhr. Eigentlich etwas linksbündig versetzt, was typisch für das Shanghai-Werk ist und durch Drehen des Drehrings um 2 Raster nach links kompensiert werden kann.


Jetzt verblüfft es mich selbst, aber ich trage die Alpha GMT immer öfter, sie ist praktisch meine derzeitige Lieblingsuhr geworden. Wie das? Nun, ich habe die scharfen Unterkanten abgeschliffen mit feinkörnigem Schleifpapier, so dass die Uhr zwar weiterhin scharf ist, aber nicht mehr messerscharf. Die Krone ist auch ein bisschen auf die Art gebändigt, das Band sowieso längst ersetzt durch ein hübsch passendes Lederband mit roter Naht. Und dreht man die Skala etwas links kann man das Nachgehen des 24h-Zeigers kompensieren. Und man kann sich eben dran gewöhnen, erst die normale Zeit und dann die zweite Zeitzone (davon unabhängig) einzustellen. Mit 40mm Durchmesser ohne Krone ist die Uhr nicht zu groß und trägt sich eher leicht und angenehm, wenn nicht mal wieder die Krone in die Hand beißt. Aber dann schiebt man die Uhr eben hoch.

Alternativen wären die etwas ähnlich aussehende (gacker) Rolex GMT für 14.500 Euro oder so, die sicher besser ist (hust), die deutsch-schweizer Steinhart für 420 Euro, die auch als Rolex-Hommage bezeichnet wird. Oder eine italienische Politi für um die 100 Euro, wo wohl auch ein chinesisches Werk, allerdings das wohl bessere Seagull-GMT-Werk drin ist. Oder die deutsche Nautec aus chinesischer Produktion mit ebenfalls dem Seagull-Werk, die bisweilen bei nur 56 Euro bei Ebay zu finden ist von einem spanischen Händler. Oder die Parnis/Getat - Hommagen der Panerai GMT, auch Chinauhren. Hier würde ich vielleicht eine Parnis von einem deutschen Uhrmacher (der auch die Marke Liv Morris vertreibt) erwerben, der noch mal über die Qualität drüber guckt und sie für wohl 165 Euro oder dergleichen vertreibt. Allerdings achtet meine Frau darauf, dass ich nicht immer Ebay auf das Smartphone lade. Na ja, wenn der Spanier die Nautec noch mal mit der orange-metallenen Lünette hat...

Wenn man ggf. nacharbeitet, kann man also mit einer Alpha doch viel Uhr für kleines Geld haben. Mehr oder minder problemlos benutzbar, jedenfalls wenn man Pattex zum Nachkleben dabei hat. 


Freitag, September 19, 2014

Ausflug nach Taitung

Die Fotos von der DSLR sind immer noch nicht verarbeitet, aber hier einfach mal die Schüsse von der Kompaktkamera. Taitung County in Südost-Taiwan

Die Fahrt ins Hotel in den Taitung County neulich (Betriebsausflug) war ein bisserl nervig, denn die schöne Küstenstraße hat Geschwindigkeitsbeschränkungen bis runter auf 15 km/h, oft 25, 30 oder 40, so gut wie nie mehr. Und da fährt man dann gefühlt an halb Taiwan an der Küste runter und ist dann leicht supergenervt, weil überall Starenkästen und Polizisten mit Laserkameras gemütlich unter Sonnenschirmen sitzen.

Ah, da soll es hingehen (Smartphone-"Screenshot").

Nett auch die Fahrt auf schmalen Bergpässen, wo man von rasenden LKWs und Taxis und den üblichen Taiwanfahrern bedrängt wird, die trotz 40-Schildern da mit 100 lang jagen wollen. Und die Wünsche meiner Frau ließen sich mit "genau an die Geschwindigkeitsbeschränkung halten" und "in Nullzeit am Ziel sein" zusammenfassen. Klar, dass es da immer Kritik gab, etwa "warum fährst Du so langsam dass uns der 38-Tonner in den Auspuff kriecht?". Mögliche Antworten wären etwa "wegen der Steilküste/wegen der 40-km/h-Schilder". Passt aber nicht zu taiwanischer Logik und Gepflogenheit, nach der eben auch 38-Tonner-Tankwagen mit Benzin hinten drauf PKWs auf Küstenserpentinen in den Auspuff kriegen können mit 1m Abstand.

Was aber OK ist weil es in Taiwan ist. Nur daheim wäre es schlimm, das muss man wissen. Entspannend die Staus am Berg, dann bewegt sich endlich mal eine Weile nichts und man hat ja eine Klimaanlage im Auto. Hier schon wieder so ein Volvo SUV links im Bild, die Dinger verkaufen sich offenbar gut in Taiwan.

Zwischendurch entspanntes Fahren durch Kleinstädte in Küstennähe

Küste und Berge zusammen...

Ah, endlich mal ein Moped! In Taipei treten sie ja nur im 40er-Rudel auf, sonst kriegen sie Alleinseins-Angstzustände.

Nur das Navi weiß, wo ich gerade bin.

Strandstädchen. Hier hat Junior (3) dann in einer Expat-Surferbar abends abgetanzt und ausversehen statt wie sonst eine gleichaltrige "Xiaojie" einen kleinen jungen mit Zöpfen geherzt. Ich muss ihm noch beibringen, dass das in Taiwan mit dem maskulinen und femininen Aussehen nicht immer so einfach ist (räusper, Anknüpfungspunkt für wütende Kommentare der Politische-Korrektheitstruppe, bitte nicht verpassen!). Surfer-Bars sind gefährlich!


Das kleine Strandhotel im Dunkeln. Wobei das Hotel offiziell nur ein Privathaus mit vielen vielen netten Besuchern ist. Kurz nach dem Aussteigen aus dem Auto wurde ich dann zum Notnudisten in den kühlenden Fluten, war ja dunkel genug.

Blick aus dem Hotelfenster. Jauser!

Das im Hintergrund ist ein geschmückter Pfahl, der bei der Aborigine-Bevölkerung eine religiöse Bedeutung hat denke ich mal. Leider mit der kleinen Kamera nicht näher fotografiert. Auch im Stadtbild waren verzierte Säulen zu finden. Die hier vorherrschenden taiwanischen Ureinwohner sind mit den Südseevölkern wie etwa auf Palau verwandt. Präsident Mas Doktrin "wir sind alle Chinesen/Taiwan ist China" wirkt hier hohl und leer und falsch. Wenn das hier im "chinesischen" Norden wäre, lege hier einiges an Müll rum und das Grün am Strand wäre durch einen betonierten Parkplatz und eine breite Straße ersetzt. Und auf dem Rest würden sie mit bezingetriebenen Buggies rumfahren, dass man in Abgaswolken steht oder mit ihren 4x4 Mitsubishis feststecken. So kenne ich sonst die Strände in Taiwan. Hier, das ist wie ein anderes Land. "Wir sind doch alle Chinesen". Klar, Du zuerst, Präsidente Ma, lass Dich beim Auswandern nicht aufhalten.


 Hier im Süden wählen die Leute ja auch viel die DPP, die ein nichtchinesisches Taiwan will. Desto länger ich hier war, desto mehr konnte ich es verstehen.


  Auf dem Smartphone versuchte ich das Spiel Frankreich gegen Deutschland der letzten WM zu verfolgen, die gerade stattfand. Meist sah ich aber nur "Buffering....."

Und schneller als mir lieb war war ich wieder im grauen Taipei. Hier die noch immer vorherrschende Schlichtbausubstanz mit orangem Lamborghini als Lichtblick (oder was immer das ist). Allerdings hat das Ding keinen Auspuff gehabt, so dass er so viel Krach gemacht hat wie eine Punkband bei voller Lautstärke, als er langsam zum Tanken gerollt ist. Na, für den Schalldämpfer hat das Geld nicht mehr gereicht - Mitgliedsbeitrag für die Triade ist zu hoch.

So, den zynischen Abschluss haben wir auch. Auf der Rückfahrt hatte halbe Panik geherrscht, weil meine Frau dachte, wir müssten an der Autobahnauffahrt vor 15 Uhr sein, weil die Polizei sonst nur PKWs mit mindestens 5 Leuten auf die Autobahn lassen würde wegen viel Verkehr am verlängerten Wochenende. Das Limit lag aber bei 3 Leuten. Mein "Langsamfahren" ohne Sportwagen brachte uns erst um 17 Uhr an den Kontrollpunkt und ein Polizist späte wirklich ins Auto und zählte uns durch. Dank Junior waren wir aber genug.

Hihi, wir sind doch alle Kinesen!

Mittwoch, September 17, 2014

Stinkender Müll -> Nobelapartments

Taipei wandelt sich rasend schnell, hier ein extremes Beispiel


Als ich 2004 nach Taipei zog bekam ich einen ziemlichen Kulturschock. Alles war grau und hässlich, vernachlässigte Plattenbauten kilometerweit um mich herum mit rostigen Fenstergittern. Die Leute bewahrten Unrat in den "Vorgärten" auf und manche verwandelten leere Grundstücke, den Zwischenraum zwischen den Hausreihen oder sogar Garageneinfahrten in veritable Mülldeponien, in denen der Müll im Sommer vor sich hin gärte. Aus den Gossen an den Fußwegen kam fauliger Geruch hoch, weil die Garküchen ihren Sud bei Feierabend in die Gosse ... gossen. Daher wohl der Name. Über den Straßen hing eine dicke Abgaswolke und in der Sommerhitze fiel mir oft das Atmen schwer.
"Alles halb so wild", schrieben die alten Expats im Ausländerforum. "In den 90ern hat der Smog noch in den Augen gebissen." Viele Expats im Forum nannten Taipei routinemäßig "shit hole", also Scheißloch und ein anderer nannte es immer mal wieder "Pnom Pei" in Anlehnung an die Stadt in Kambodscha. "Man" hasste Taipei und klagte darüber episch im Ausländerforum und Grund für den Hass gab es auch genug. Treppenhäuser stanken nach Urin und tote Käfer und Ratten waren da zu bewundern. Meine Hautkrankheiten waren episch zu der Zeit, am eindrucksvollsten fand ich die roten "Hexenkreise" auf meiner Haut, die zwar recht dekorativ waren, aber nur mühevoll wieder verschwanden. "Diesen Mikroorganismus sieht man so gut wie nie", kommentierte mein Hautarzt und war ganz angetan von seinem Studienobjekt.

Foto von 2006 mit alter Sony Cybershot P100 gemacht, die nie auf irgendetwas scharf stellen konnte

In meinen Fotos aus meinen frühen Jahren ließ ich jedoch Fotos von den Müllhalden etc. weg, dachte ich auch, diese würden mich ewig verfolgen. Das Foto oben ist aus dem Jahre 2006 und war in einem der ersten Postings im alten Taiwanblog auf Passado.com zu bewundern, das heute in dieser Form nicht mehr existiert. Nicht einfach auf Passado gehen, ich weiß nicht, was da heute kommt. Ich erinnere mich noch, dass es gewaltig stank, als ich die obige Aufnahme machte, denn vor der Häuserzeile hier ganz in der Nähe meiner Wohnung war ein oft unter Wasser stehender wilder Müllplatz auf einem Abbruchgrundstück. Alle Anwohner kippten da einfach säckeweise ihren Müll hin und es stank episch. Faulig-fruchtig-süßlich, das man sich fast übergeben musste. Direkt daneben ein ganz hübscher See mit Park, hier bei uns in NeiHu. Aber ich ging selten hin, denn ich musste mich durch Mopedsmog und mehrfachen fauligen Müllgestank kämpfen, um hin zu kommen. "Wohnst Du in Kalkutta?", fragte damals scherzhaft ein Leser, der das Fotos sah.
Meine Frau war damals ganz erstaunt, dass der See jetzt als Ausflugsziel einlud, hatte man sich erst mal durch den Müllgestank gekämpft. Sie erwähnte, sie sie erst ein einziges Mal in den 90ern da gewesen und da sei der See ein verdreckter Müllsumpf gewesen, in den alle ihren Hausmüll warfen. Die 1990er waren noch viel rustikaler als die frühen 2000er offenbar.

Und heute? Wie sieht es dort heute aus, ziemlich genau 10 Jahre später? 10 Jahre in denen die Stadtverwaltung die wilden Mülldeponien bekämpft hat, viel graue Plattenbauten weggerissen hat und fast überall auf Sauberkeit im Stadtbild drängt. Damit Taipei eine moderne Stadt wird und auch um Seuchen wie der damaligen SARS-Epedimie vorzubeugen.

Neue Fotos mit CASIO Exilim Z11 gemacht, mittlerweile schon wieder durch die Z1000 ersetzt, nachdem die Z11 einen Kungfu-Tritt abbekommen hat. Wir Asiaten trainieren halt auch viel zu hause ;-)

Fast die selbe Perspektive heute 2014. Das Haus ganz rechts im alten Bild fehlt nur im Bild, es ist unten zu sehen.. Aber irgendwie ist alles eine Note sauberer und auch grüner. Denn Bäume werden heute nicht mehr stark beschnitten und die Leute stellen selber manchmal Pflanzenkübel auf. Und die Treppenhäuser werden heute von der Verwaltung mit dem Schlauch gereinigt. Witziger Treppenwasserfall ist das Ergebnis, aber es ist eben sauber. Und die hässlichen Wellblechbaracken vor den Häusern sind heute weggerissen. Dennoch, so viel scheint sich nicht verändert zu haben, sieht man nur das Foto.


Doch weit gefehlt! Das ganze Viertel wirkt völlig anders, mit endlich unbeschnittenen Bäumen und vielen neuen Sträuchern. Und da vorne rechts, wo jetzt der neue Nobelbau steht, war früher der unter Wasser stehende entsetzlich stinkende Müllplatz! Heute ist da ein Nobelapartment-Block, größer könnte der Unterschied nicht sein. Schade, dass ich damals den alten Müllplatz nicht abgelichtet habe.

Hier wo früher der Müll gärte, ist heute eine für Taipei verboten luxuriöse Einfahrt. Und das in einer Stadt, in der Parkplätze kostbar wie Oasen in der Wüste sind! Und hinten haben sie sogar noch eine beleuchtete Zier-Wasserfläche. Genau da, wo früher der gärende Müll im Wasser lag. Müll gibt es da heute natürlich nicht mehr.

 Was ist das überhaupt für eine merkwürdig sterile Anlage, die so viel Platz verschwendet? Antwort: Ein Nobel-Apartmentblock, bei dem der Architekt die Wohnungen fast völlig vor dem Auge des Betrachters versteckt hat. Eine Wohnung kostet dort 200 Millionen Taiwandollar, also umgerechnet 5 Millionen Euro, meine Frau hat sich erkundigt.

Ein bizarres Ensemble mit Pappwild, das die Nichtnutzung des in Taipei sehr teuren Raumes zu zelebrieren scheint. Und von sehr asiatischem Geschmack zeugt. Solche Freiflächen lenken den Blick von den eigentlichen Wohnungen ab, die man nur andeutungsweise auf dem 3. Foto von oben erkennen konnte. Irgendwie sind auch die Wohnungen wohl recht klein, vor lauter verschwendeten Platzes.

Viele Sichtblenden und Foyer an Foyer, so wohnt man asiatisch raumgreifend, während der Rest der Stadt sich gegenseitig auf die Füße tritt.

Taipei ist im rasanten Wandel, Schlichthäuser werden manchmal aufgehübscht, oft weggerissen und auch hier wird schon wieder gebaut, sicher wieder ein Nobelwohnblock, gleich gegenüber dem anderen.

Und das Viertel am See wird zum teuren Nobelviertel. Viel alte Bausubstanz ist schon weggerissen und der Trend von der Allerweltsleute-Stadt zur Reichenstadt ist abzusehen. Aber zum Spaziergehen ist es so natürlich viel schöner.

Auch der Smog ist deutlich weniger geworden, dem Ausbau von U-Bahn und Schwebebahn halber. Taipei ändert sich so schnell, dass weite Teile dieses Blogs schon längst überholt sind. Gott sei Dank ;-)

Montag, September 15, 2014

"Bambus-Gang"-Triade prügelt Polizisten zu Tode (Update 2)

Taipei ist sicher nächtens eine der sichersten Städte der Welt. Aber...

a) Zunächst die Fakten, soweit sie derzeit ersichtlich sind aus den Medien (http://www.appledaily.com.tw/appledaily/article/headline/20140915/36086010):  Offenbar hat sich ein junger Mann, dessen Vater mehrere Möbelfabriken in Taiwan besitzt, in einer Disco in Taipei im "ATT4FUN"-Komplex nicht wohl gefühlt am Wochenende. Offenbar hatte der junge Mann, der auf einem Foto in kurzen Hosen und mit den für viele männliche Taiwaner typischen blauen Strandlatschen an bloßen Füßen zu sehen ist, Verbindungen zu Taipeis "Bambusgang"-Triade. Organisiertes Verbrechen, das mit Wirtschaft und Politik (regierende KMT-Partei) und auch Polizei und Justiz verbandelt ist. Offenbar sind in der Folge um die 50 mit Schlagstöcken etc. ausgerüstete junge Männer erschienen, die eine Massenschlägerei angefangen haben.
Ein Polizeibeamter, offenbar in Zivil, hat versucht zu schlichten und ist von dem riesigen Mob erschlagen worden. Die Berichte über ein "Messer im Mund" des Toten erklären sich offenbar durch ein ungeöffnetes(!) Springmesser, das ihm von der Disco-Security in den Mund gesteckt wurde, um den Mund zum Atmen offen zu halten. Leider vergebens. Der Haupttäter ist verhaftet worden.

Nightlife in Taipei. Während Ludigel hier auf dem Dach des "W"-Hotels mit Junior (3) die Deko bewundert hat, wollten sich am Pool ein alkoholisierter Einheimischer und ein (gefühlter) Amerikaner betrunkenerweise an die Wäsche. Alk ist immer ein Problem. Oder eher die Leute, die ihn trinken.


b) Was haben Ausländer damit zu tun?
Der Haupttäter hat offenbar einen US-Pass, erscheint mit seinen Mafiaverbindungen und seinem "Schuhwerk" aber sicher sehr einheimisch. Ob die Taiwanpresse eine Ausländerhetze draus machen wird oder nicht, werden die nächsten Tage zeigen.

c) Ist Taiwan ein unsicheres Land? Mein Kommentar dazu ist immer wieder NEIN. Man kann nachts durch Taipei auch durch unschön aussehende Viertel laufen mit einer teuren Kamera um den Hals und es passiert einem einfach gar nichts. Straßenkriminalität gibt es fast gar nicht. Allerdings hat Taiwan eine deutlich höhere Rate an Mord- und Totschlag als z.B. Deutschland, was man u.a. mit Bandenkriminalität erklärt - mit der der Normalbürger aber so gut wie nie etwas zu tun bekommt.

d) Wird Taiwan durch Gangsterbanden regiert? Nicht wirklich, Taiwan ist eine parlamentarische Demokratie. Die Verzahnung der derzeit regierenden KMT und der Bambusgang ist aber ein episches Thema, das sicher nicht von der Hand zu weisen ist. Auch die DPP-Opposition soll nicht frei von Gangsterverbindungen sein, auch wenn mir persönlich der Filz da etwas freistilmäßig vorkommt (vgl. die hemmungslose Selbstbedienung des letzten taiwanischen Präsidenten Chen von der DPP).

e) Grund für Deutsche sich überlegen zu fühlen?
Eigentlich nicht. Deutschlands Politik ist sicher sauberer als die Taiwans. Aber immerhin sitzt der Expräsident Chen wegen seiner Taten im Gefängnis und Deutschlands Straßen sind weitaus weniger sicher als die Taiwans.

f) Was gibt es im Nachtleben zu beachten?
Gerade auch für Ausländer gilt, dass sie sich in Discos und Bars in Taiwan schnell Ärger einhandeln können. Ein Gespräch mit einer lokalen Schönheit reicht da offenbar schon, da gibt es viele Berichte drüber. Taiwaner sind höfliche Menschen die nach Konfuzius im täglichen Leben ihre Emotionen herunter schlucken und fast immer ruhig und gelassen bleiben. Nur der Alkohol lockert eben diese Gefühlkontrolle und aufgestaute Emotionen kochen nach oben. Und Nachtbars und Discos sind Mafiaterritorium, in denen sowieso die Banden und nicht das Gesetz regieren. Auch ein dunkelhäutiger (kanadischer) Ausländer sah sich laut Ausländerforum einst einem Mob von um die 50 "Gangstern" gegenüber, die ihn krankenhausreif schlugen, weil er einer Barschönheit zu nahe gekommen ist.
Bezüglich Prostitution gilt in Taiwan, dass Ausländer hier i.d.R. nicht gerne gesehen werden, vergleichbar wie in Japan. Ausnahmen sind etwa an Geschäftsleute gerichtete Anzeigen für Escorts in der Taipei Times.

g) Was soll das hier im Blog?
Nachricht? Gesprächtsthema im Ausländerforum. Diskussionen, ob der Haupttäter nun einer der ihren ist oder nicht, wie sicher Taiwan ist, etc. pp.

UPDATE: Um die Verwirrung in den Kommentaren zu mildern, der Tathergang war offenbar wie folgt: Ein Taiwaner, der noch einen US-Pass hat, hat sich mit anderen Besuchern in der Disco/Nightclub gestritten, flog raus und kam mit 50 (möglicherweise Bambusgang-nahen) Leuten zurück, um dem Club oder wem auch immer "eine Lektion zu erteilen". Zwei Polizeibeamte wollten schlichten und wurden von dem Mob angegriffen, wobei ein Beamter zu Tode kam. "Englischlehrer" haben damit nichts zu tun.
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201409150007.aspx 

UPDATE2: Es wird mittlerweile untersucht, ob der getötete Polizist privat für den Nachtclub tätig war. Denn an seinem Todestag hatte er Dienstfrei und hat auch nicht um Verstärkung gebeten. Offenbar gibt es eine Vorgeschichte, bei der der getötete Beamte das Opfer einer Gewalttat in dem betreffenden Nachtclub bei einem älteren Vorfall "überzeugt" hatte, eine private Entschädigungszahlung anzunehmen und nicht gerichtlich gegen den Club vorzugehen. Mehr noch, die damalige Prügeltruppe soll von dem jetzt getöteten Polizisten angeführt worden sein. 
http://www.chinapost.com.tw/taiwan/local/taipei/2014/09/15/417256/Cop-beaten.htm
Der aktuelle tödliche Angriff auf den Beamten/Clubangestellten war möglicherweise ein Racheakt aus dem Milieu. Zusammengefasst also möglicherweise "Gangster-Business" von A bis Z.
Der Fall illustriert auch, wie sehr sich taiwanische Polizisten im Dunstkreis der Nachtbar-Gangsterkreise bewegen, vergleiche auch den Fall den unlängst wegen einer Todes-Trunkenheitsfahrt verurteilten pakistanischstämmigen Briten, bei dem das ermittelnde Polizeirevier auf der Gehaltsliste einer Bar stand, aus dessen Kreisen der zweite mögliche Fahrer des Tatfahrzeugs kam (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html).

Hitler-Infektion, "The Strain" / Er ist wieder da

Gleich zweimal begegnete mir die Tage der Adolf Nazi (so nennt ihn Helmut Schmidt) beim privaten Medienkonsum. Muss das sein?

Man ist selber schuld, alle reden drüber über das Buch "Er ist wieder da" des deutschen Autors Timur Vermes. Ich laß mich also ein in das Werk, in dem der Herr Adolf Schlickgruber alias Hitler einfach so auf einem berliner Trümmergrundstück wach wird als sei nix gewesen und er sich in der Folge über die Zeitreise ins frühe 21. Jahrhundert wundert und wieso die Wehrmacht nicht auch "die Türklinken" gesprengt hat, wie in seinem "Verbrannte Erde"-Befehl vorgesehen. Stattdessen wächst und gedeiht das doch sozialdarwinistisch unterlegene deutsche Volk: Da wundert sich der Herr Hitler sehr. So weit so lustig, auch wenn ich die Art Komik zu erzeugen durchaus vorhersehbar fand. Etwa: Man reduziert den sozialdarwinistisch inspirierten Befehl, alle Infrastruktur vor Einnahme durch "den Feind" zu zerstören auf Kleinkram wie eine Türklinke, schon wird es ins Lächerliche gezogen. Nichts dagegen über Hitler zu lachen, warum nicht, eigentlich ist es ja eine recht lächerliche Figur, wenn da nur die vielen Toten nicht wären. Und die Hat Herr Vermes zu großen Teilen einfach ausgeklammert. Denn wie, so dachte ich mir vorher, will der Autor das Dilemma lösen, dass ein Adolf H. natürlich sofort wieder antisemitsche Hetze verbreitet oder wenigstens selbst in seinen Gedanken hat, schließlich ist das Buch in der Ich-Form erzählt. Welchen rhetorischen Kunstgriff will der Autor da anwenden? Denn wenn man bestimmte Passagen aus "Mein Kampf" kennt, dann weiß man, wie krankhaft-bizarr diese Hetzereien gegen Menschen jüdischen Glaubens werden können.
Und wie hat es Herr Vermes gelöst? Offenbar durch Auslassung. Denn als Hitler am Zeitungskiosk eine Bestandsaufnahme des ihm fremd gewordenen Deutschlands aufnimmt, noch ganz benommen im nach Benzin riechenden Uniformrock, da kommt das Wort "Jude" kein einziges Mal vor. So froh ich auch war, keine antisemitsche Hetze lesen zu müssen, so billig fand ich das Vorgehen, das Problemfeld einfach wegzulassen. Das ist etwa so als schreibe ich ein Buch über den Irakkrieg und erwähnte mit keinem Wort Saddam Hussein. Oder über Ebola und vergesse den Virus. Also gleich wieder weggelegt, da lasse ich den Hitler-Kadaver lieber ruhen.

In regelrechter Überraschungsmanier erwischte mich dann die braune Thematik ein zweites Mal. In der US-Serie "The Strain" (Achtung: Leichte Spoiler) war ich durch "den Klappentext" der TV-Serie auf ein mikrobiologisches Apokalypse-Szenario vorbereitet. Ein Flugzeug (aus Berlin!) in New York landend ist biologisch verseucht, der Virus breitet sich aus etc. pp. Doch was ich anfangs für eine halbwegs ernsthafte Pseuro-Science-Serie hielt wurde alsbald zum herrlichen Nazi-Trashfest. Untote Altnazis die mikrobiologisch auf den Endsieg hinarbeiten? Oder was auch immer. So ganz klar ist mir das noch nicht. Und wer liegt in dem Sarg, den sie durch die Gegend schleppen? Doch nicht ER? Der mit der nach Benzin riechenden Uniform? In der Folge wurde ich Zeuge, wie die Serie allerlei Filmklischees durcheinander warf. Die Deutschen, die natürlich Nazis sind. Den netten jüdischen Überlebenden mit kabbalistischem Geheimwissen. Eine Mischung aus den gängigen Ebola-etc-Thrillern, The Living Dead, Dracula und Alien. Ein herrliches Trashfest, das sich selbst todernst nimmt und damit viel unfreiwillige Komik erzeugt, aber eben auch handwerklich gut gemacht ist, was Erzeugung von Action, Suspense und die Qualität der Spezialeffekte angeht. Und das Wiedersehen mit manchen in X Filmen bekannten Szenarien, handwerklich sauber abgedreht, ist für einen TV- und Filmfan eben auch ein Genuss: Stichwort "belagerte Tankstelle". In "The Strain" sind die Nazis wenigstens noch Antisemiten, man verzeihe mir die Formulierung. Denn wenn man Nazis ohne Judenhass darstellt, dann macht man sich am Ende selbst der Geschichtsklitterung schuldig. Das gehört nun mal zu der Drecksbande dazu. Und so komplett geben sie auch ganz famose Bösewichte ab. Und Kompliment an die US-Serienmacher, der Filmdialog um die Machtergreifung Hitlers hatte sogar die wichtigsten Fakten richtig. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei US-Produktionen.
Seit "The Strain" läuft, werden Flieger aus Deutschland bestimmt in den USA noch viel gründlicher durchgecheckt, ich habe da keine Zweifel.

Gut dass Sarah Palin nicht US-Präsidentin ist, sonst würde sie Frau Merkel sicher beim nächsten Treffen auf die Gefahr viraler Altnazis ansprechen.

Freitag, September 12, 2014

Herzschrittmacher für den Uhrenfreund

Automatik oder Batterie ist hier (jetzt auch) die Frage

Als Uhrenfreund kennt man es, für 99 Euro gibt es eine unendliche Menge an schicken Uhren. Chronograph, tolles Design. Aber eben Batterien drin, Quarz also. Und wenn man denn wie ich 12 funktionierende Uhren in der Schublade hätte, stünde man immer wieder beim Uhrenmenschen schlange zum Batterien wechseln. Und irgendwie habe ich sowieso immer das Gefühl, eine schicke Quarz, die oft ein Desgin wie eine 1000-Euro Automatik-Uhr hat - wenn es nicht zu dick aufgetragen ist - sei eine Art Schummel. Aber da bin ich eben zu sehr Freund mechanischer Uhren, eine richtige Uhr hat für mich Mechanik drin.


 Schweizer Automatikwerk: Die Schwungscheibe habe ich hier allerdings aus dem (halben) Glas-Sichtfenster gedreht, sie sieht im Prinzip aus wie die rechte Hälfte des Uhrendeckels (und sitzt im Bild genau darunter***). Die Stoppuhrfunktion des Valjoux 7750 braucht man beim Herzschrittmacher aber sicher nicht.
*** Wer genau hinsieht, erkennt oben ein bisschen von der Schwungscheibe (Rotor sagt man)


Auch Träger vom Herzschrittmacher mussten bislang regelmäßig Batterien wechseln lassen, jetzt aber gibt es den Schrittmacher für den Mechanikfreund, mit einem Rotor, der Schwungenergie aus der Bewegung des Trägers holt. Weil der Herzschrittmacher aber Strom braucht, wird er wie etwa bei den SEIKO Kinetik-Uhren in Strom umgewandelt. Aber nicht wie bei den Kinetik-Uhren unter Verwendung einer aufladbaren Batterie (die auch nach ein paar Jahren ihren Geist aufgibt) sondern unter Verwendung einer die Schwungenergie speichernden Feder. Toll! Gibt es das auch schon bei Uhren?

http://www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/herzschrittmacher-imitiert-mechanisches-uhrwerk-a-990888.html

Den alten Witz, das Automatikuhren nichts für Beamte seien, kann man dann jetzt in neuen Variationen machen. Etwa: "Hört ein älterer Beamter auf zu atmen, muss man ihn auf seinem Büro-Drehstuhl im Kreise drehen." Geschmacklos, aber vielleicht bald nicht ganz unzutreffend...

"Water Resistant" wäre auch nicht schlecht....


Ansonsten sensationelle Uhrennews: Apple hat soeben die Armbanduhr rückwirkend erfunden: die Äppel-Wotsch ist da: http://www.heise.de/newsticker/meldung/Analyse-der-Apple-Watch-Emotionen-treffen-auf-kalte-Realitaet-2388957.html
Persönlich denke ich, sie könnte die klassische Armbanduhr verdrängen. Nicht, weil sie irgendwie besser ist als schon existierende Smartwatches, sondern weil sie eben Teil des Apple-Kults ist und eine gefühlte Milliarde Applefans vermutlich den Ton angeben werden und sich das eckige Ding mit dem Charm eines CASIO-Taschenrechners-in-der-LCD-Uhr von 1982 an den Arm hängen.
Und das integrierte elektronische Zahlungssystem hätte, wenn es denn funktioniert, das Zeug zur Killer-App, um die man nicht herum kommt. Etwa: Brötchen kaufen und per Fingerwisch auf der Armbanduhr bezahlen. Geht aber sicher auch bald mit dem Android-Handy. Unter hinterher ist der Inhalt des Bankkontos in China.

Donnerstag, September 11, 2014

Grüner Tee hilft

Irgendwem jedenfalls

In Deutschland habe ich zu Letzt immer asiatischen "Wellnesstee" von "Pf....r" getrunken,  der zu großen Teilen aus Zucker bestand, ähnlich wie Kola, wie im Warentest mal zu lesen stand. Danach habe ich den auf Grüntee basierenden aromatischen Tee nicht mehr getrunken. In Taiwan ist Grüntee nun zu meinem Standard-Durstlöscher neben abgekochtem Leitungswasser (Taiwan-style Hauptgetränk) geworden, in der ungesüßten Variante aus taiwantypischen Plastikflaschen. So eine eckige 0,7l - Plastikflasche ungesüßter Grüntee ist hier übrigens auch das Bauarbeiter-Standardgetränk, man sieht es immer wieder auf Baustellen. Das finde ich faszinierend, denn in Deutschland sieht man da Bierflaschen. Ein richtiger Deutscher Malergeselle jedenfalls lehnt es ab, etwas anderes als Bier zu trinken, das weiß ich noch von meiner kurzen Phase in der Branche als Praktikant etc. Was ich nicht schon alles gemacht und unterlassen habe.


Das Grüntee schön und gesund macht, man hat beim Anblick dieses Taxis keinen Zweifel mehr. So nett wie die junge Frau außen drauf sind die Taxifahrer innen drin aber längst nicht immer. In der letzten Zeit hatten wir jedenfalls zwei kräftige aggressive Herren, einer davon auch in einem Toyota Wish wie im Bild, vollgestopft mit x Zusatzbildschirmen und Geräten. Weil ihm die Strecke wohl zu kurz war, fluchte er auf chinesisch laut hörbar (gan, also "fuck"). Sein aggressives Verhalten fand ich in anbetracht unseres 3-jährigen Juniors auf der Rückbank recht unangemessen. Ein Kollege ein paar Tage später tat es ihm gleich - man ignoriert das einfach und zahlt, denn mit vielen der Fahrer ist in Taiwan nicht gut Kirschen essen. Große Gesellschaften mit Qualitätskontrolle wohl ausgenommen.

Der Taxifahrer des Wagens im Bild hat damit aber nichts zu tun und jede Menge freundliche oder korrekte Fahrer hatten wir natürlich auch. Nachher wieder einen kalten Grüntee aus der Plastikflasche...

Freitag, September 05, 2014

Gott erschlagen

Es ist passiert, aus Versehen. Kann man nichts mehr machen

Per Definition ist so ein Gott ja ein allmächtiges Wesen, Beherrscher des Universums, Hüter des Allwissens, Schaffer allen Lebens etc pp. Und ein Ding, das man anruft, wenn man möglichst viele Sachen in die Luft sprengen will, jedenfalls wenn es sich um einen Wüstengott handelt.

Möglicherweise sind die meisten Götter allerdings schizophren. Ich meine, stellen Sie sich mal vor, Sie seien der allmächtige Herrgott. Fällt Ihnen schwer? Na ja, etwa so wie damals als sie das neue Auto gekauft haben und damit beim ersten Waschen aus der Waschanlage fuhren. Also jedenfalls mächtig gewaltig, Beherrscher der Welt, mindestens. Doch was passiert auf fast jedem Schlachtfeld der Welt ständig? Zwei Armeen gehen aufeinander los - und beide rufen den selben Gott an! Wie soll der Gott denn da noch ein oder aus wissen?

Gut, wenn die eine Seite ihre Wüstengottvariante und die andere Seite die etwas ältere richtige Variante anruft (schelmhafte Betonung des Wortes "richtig"), dann kommt es wieder einigermaßen hin. Man erkennt einen Gott, der in Handtüchern gewickelten ehem. Sozialleistungsempfängern (vormals in Köln, jetzt im Gihad) mit Maschinengewehren folgt, ja gar nicht so richtig wieder. Sicher ist es doch ein anderer.

Wie dem auch sei, die taiwanischen Götter sind noch anders. Auffallend oft ist hier ihre Meinung mit der der etwas schmuddeligen alten Priesterfrauen im Garagentempel in der Nähe von uns identisch und sogar mit der von Schwiegermutter. Wer schreibt da wem die Meinung vor?

Manche Götter können einem im Laufe ihres langen Lebens auch ganz schön auf den Nerv gehen. Nicht nur der Wüstengott, sondern auch so ein Pappgott, der hier auf dem Regal im Büro steht. Mit Firmenlogo und pappenen Goldbarren sollte er Glück beim Lottospielen (von meiner Frau) bringen, brachte aber nie den erwähnten Gewinn (Herr Gott, der vierstellige Gewinn hat sich durch die Lospreise längst wieder verbraucht!) und ständig fiel er um oder auseinander, wenn man eine DVD vom Schrank nahm.

Jetzt ist ein Malheur passiert und beim Aufräumen von Altpapier ist er mit in den Stapel geraten und liegt jetzt zerknüllt im Mülleimer. Eine göttlicher Rettungsdienst ist nicht in Sicht, was soll man tun? Diskret habe ich einen fettigen Kuchtenpappteller auf seine Leiche gelegt, damit meine Frau bloß nichts merkt von dem Unfall. Und Zuhause haben wir ihn ja noch in Plastik, mit Soloarantrieb und wippendem Kopf auf der Kommode stehen, den Glücksgott*.

Am Ende muss ich nun leider einem Satanisten, der aus dem ersten Taiwanblog in meine Facebook-Freundesliste geschafft hat, doch Recht geben. "Gott ist tot", schreibt der immer. Obwohl er mir immer noch die Antwort auf meine Frage "Welcher denn bloß?" schuldig geblieben ist.

* das Pattex an ihm hat meine Frau nie bemerkt

Mittwoch, September 03, 2014

Ich breil mich und liefere ein neues Foto...

Schwierig ist es dieser Tage, kein Wortspiel mit "Breil" zu machen, vergleiche meine "neue" Uhrenanschaffung der italienischen Marke Breil. 

"Don't touch my Breil" bekam schon Junior zu hören, den englischen Slogan der Marke. Da eine Kollegin gerade das Team mit taiwanischen Knabbereien füttert und auf meinem Notebook so ein hübsches Stillleben produziert hatte, habe ich einfach schnell die Uhr dazu gelegt und neu abgelichtet, schließlich ist das gerade aus Albanien eingetroffene Ührchen jetzt geputzt und die alte Lederbandunterseite mit im hiesigen Klima hygienischem Kunstleder bezogen. Ich weiß, Kroko mit Kunstleder beschichtet, da würde ein italienischer Lederwarenhändler zu Weinen anfangen.

 Wahrscheinlich kommentiert gleich einer, ich solle gefälligst meinen Schreibtisch aufräumen, bevor ich Uhrenbilder poste ;-)

Uhrenvorstellung gestern