Gleich zweimal begegnete mir die Tage der Adolf Nazi (so nennt ihn Helmut Schmidt) beim privaten Medienkonsum. Muss das sein?
Man ist selber schuld, alle reden drüber über das Buch "Er ist wieder da" des deutschen Autors Timur Vermes. Ich laß mich also ein in das Werk, in dem der Herr Adolf Schlickgruber alias Hitler einfach so auf einem berliner Trümmergrundstück wach wird als sei nix gewesen und er sich in der Folge über die Zeitreise ins frühe 21. Jahrhundert wundert und wieso die Wehrmacht nicht auch "die Türklinken" gesprengt hat, wie in seinem "Verbrannte Erde"-Befehl vorgesehen. Stattdessen wächst und gedeiht das doch sozialdarwinistisch unterlegene deutsche Volk: Da wundert sich der Herr Hitler sehr. So weit so lustig, auch wenn ich die Art Komik zu erzeugen durchaus vorhersehbar fand. Etwa: Man reduziert den sozialdarwinistisch inspirierten Befehl, alle Infrastruktur vor Einnahme durch "den Feind" zu zerstören auf Kleinkram wie eine Türklinke, schon wird es ins Lächerliche gezogen. Nichts dagegen über Hitler zu lachen, warum nicht, eigentlich ist es ja eine recht lächerliche Figur, wenn da nur die vielen Toten nicht wären. Und die Hat Herr Vermes zu großen Teilen einfach ausgeklammert. Denn wie, so dachte ich mir vorher, will der Autor das Dilemma lösen, dass ein Adolf H. natürlich sofort wieder antisemitsche Hetze verbreitet oder wenigstens selbst in seinen Gedanken hat, schließlich ist das Buch in der Ich-Form erzählt. Welchen rhetorischen Kunstgriff will der Autor da anwenden? Denn wenn man bestimmte Passagen aus "Mein Kampf" kennt, dann weiß man, wie krankhaft-bizarr diese Hetzereien gegen Menschen jüdischen Glaubens werden können.
Und wie hat es Herr Vermes gelöst? Offenbar durch Auslassung. Denn als Hitler am Zeitungskiosk eine Bestandsaufnahme des ihm fremd gewordenen Deutschlands aufnimmt, noch ganz benommen im nach Benzin riechenden Uniformrock, da kommt das Wort "Jude" kein einziges Mal vor. So froh ich auch war, keine antisemitsche Hetze lesen zu müssen, so billig fand ich das Vorgehen, das Problemfeld einfach wegzulassen. Das ist etwa so als schreibe ich ein Buch über den Irakkrieg und erwähnte mit keinem Wort Saddam Hussein. Oder über Ebola und vergesse den Virus. Also gleich wieder weggelegt, da lasse ich den Hitler-Kadaver lieber ruhen.
In regelrechter Überraschungsmanier erwischte mich dann die braune Thematik ein zweites Mal. In der US-Serie "The Strain" (Achtung: Leichte Spoiler) war ich durch "den Klappentext" der TV-Serie auf ein mikrobiologisches Apokalypse-Szenario vorbereitet. Ein Flugzeug (aus Berlin!) in New York landend ist biologisch verseucht, der Virus breitet sich aus etc. pp. Doch was ich anfangs für eine halbwegs ernsthafte Pseuro-Science-Serie hielt wurde alsbald zum herrlichen Nazi-Trashfest. Untote Altnazis die mikrobiologisch auf den Endsieg hinarbeiten? Oder was auch immer. So ganz klar ist mir das noch nicht. Und wer liegt in dem Sarg, den sie durch die Gegend schleppen? Doch nicht ER? Der mit der nach Benzin riechenden Uniform? In der Folge wurde ich Zeuge, wie die Serie allerlei Filmklischees durcheinander warf. Die Deutschen, die natürlich Nazis sind. Den netten jüdischen Überlebenden mit kabbalistischem Geheimwissen. Eine Mischung aus den gängigen Ebola-etc-Thrillern, The Living Dead, Dracula und Alien. Ein herrliches Trashfest, das sich selbst todernst nimmt und damit viel unfreiwillige Komik erzeugt, aber eben auch handwerklich gut gemacht ist, was Erzeugung von Action, Suspense und die Qualität der Spezialeffekte angeht. Und das Wiedersehen mit manchen in X Filmen bekannten Szenarien, handwerklich sauber abgedreht, ist für einen TV- und Filmfan eben auch ein Genuss: Stichwort "belagerte Tankstelle". In "The Strain" sind die Nazis wenigstens noch Antisemiten, man verzeihe mir die Formulierung. Denn wenn man Nazis ohne Judenhass darstellt, dann macht man sich am Ende selbst der Geschichtsklitterung schuldig. Das gehört nun mal zu der Drecksbande dazu. Und so komplett geben sie auch ganz famose Bösewichte ab. Und Kompliment an die US-Serienmacher, der Filmdialog um die Machtergreifung Hitlers hatte sogar die wichtigsten Fakten richtig. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei US-Produktionen.
Seit "The Strain" läuft, werden Flieger aus Deutschland bestimmt in den USA noch viel gründlicher durchgecheckt, ich habe da keine Zweifel.
Gut dass Sarah Palin nicht US-Präsidentin ist, sonst würde sie Frau Merkel sicher beim nächsten Treffen auf die Gefahr viraler Altnazis ansprechen.
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Montag, September 15, 2014
Dienstag, Dezember 11, 2012
Nazis, lick my ass
Eine weitere Deko aus dem Roadies, Sams Diner in Longtain im Großraum Taoyuan (s.a. http://bobhonest.blogspot.tw/2012/11/hitler-und-der-truthahn.html).
Foto: Ludigel. "Nazis, leckt mich am A...."
Es ist offensichtlich ein deutscher WK-II - Panzer.
Foto: Ludigel. "Nazis, leckt mich am A...."

Es ist offensichtlich ein deutscher WK-II - Panzer.
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