Dieses Blog durchsuchen

Posts mit dem Label TV werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label TV werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, Mai 04, 2015

Heiße Überraschung für Taipei

Vergangenes Wochenende: Ein riesiger Sonnenkollektor drohte abzustürzen und Taipei mit seinem gebündelten Laserstrahl gar zu kochen. Doch die Rettung kam in letzter Minute...

Kaum versucht am am Wochenende der Enge Taipeis zu entfliehen, steckt man schon wieder mitten drin. "Thunderbirds are go!" war eine meiner Lieblings-TV-Serien der Kindheit. Hier hatte man Puppen, die deutlich sichtbar an Fäden manövriert wurden und die die "Internationale Rettung" darstellten, die stets und ständig als eine Art UN-Katastrophenrettung über den Globus jetteten, um Menschenleben zu retten. Nun gibt es ein Remake dieser britischen Serie, mit Computergrafik und ohne Fäden. Toll ist das Gefühl der späten 60er oder 70er Jahre gerettet, in denen die Originalserie entstanden ist bzw. ich sie gesehen habe. Der Standort der "International Rescue" ist eine tropische Insel, die direkt wie aus einem James-Bond-Film mit Sean Connery oder dem frühen Roger Moore wirkt. Es gibt hochklappbare Palmenstrände und eine herrliche Retrovilla, die mit ihren schlichten Holztäfelungen und grünen Sofapolstern gleich Kindheitsgefühle bei mir aufkommen lies. Die neue Serie jedenfalls spielt im Jahre 2060, trotz der Hommagen an die Originalserie und ihrem Look and Feel. Und Crash Boom war ich zurück in Taipei. Denn dort drohte ein riesiger Sonnenkollektor sich vom Hang zu lösen, der die gebündelte Energie von zig Solarsatteliten bündeln sollte. Der Strahl hätte Taipei geröstet und so mussten unsere Jungs und Mädels von International Rescue ihr bestes geben um meine geliebte Stadt in der Zukunft zu retten.

Bali bei Taipei Anno 2015. Das wird noch dichter bebaut und höher und den Leuten wachsen mehr Bärte...


Wie sah Taipei in der Serie aus? Es lag zwischen wenig begrünten Felsen in einem Talkessel, der ziemlich realistisch aussah, nur etwas zu felsig war. Drinnen war mehr Hochhäuser als heute und Bauarbeiter waren gerade dabei ein riesiges Hochhaus zu bauen, das aus Segmenten bestand, die wie die vom realen "Taipei 101" - Hochhaus aussahen. Vergleiche das Bambussprossen-Design. Offenbar gab es im Jahre 2060 eine Neuauflage vom Taipei 101, bei der man diesmal die Segmente invers montiert hatte. So als würde die Bambusstange falsch herum wachsen. Na ja, kann mal passieren. Den tapferen Bauarbeitern wurde ein Kran weggesengt und knallte in die Straßen Taipeis (vgl. einen durch Erdbeben ausgelösten ähnlichen Unfall beim Bau des echten 101). Die Straßen Taipeis sahen so etwa aus wie Chinatown in Vancouver. Schöne alte Häuser, oben Wohnungen und unten Geschäfte drin. Keine Autos. Keine Mopeds, keine Garküchen. Viele Passanten hatten Bärte und alle konnten am Ende ihre Rettung bejubeln.

Wie wird Taipei im Jahre 2060 wirklich aussehen? Eifrige Leser schreiben es dann bitte unten in die Kommentarspalte in der internetmusealen Version dieses Blogs ("delivered directly to your brain"), wenn sie noch funktioniert. Wird die smogige Enge aus Mopeds und Autos und manchmal Unrat und immer Garküchen wirklich verschwunden sein? Ich melde Zweifel an. Werden die Menschen wirklich mehr Bärte haben? Kann schon sein, die jungen Taiwaner sind ja auch heute wesentlich größer im Schnitt als im Jahre 2004, als ich hierher gekommen bin. Noch mal 10 Jahre und die Herren haben Bartstoppeln, bin ich fast von überzeugt.

Wird Taiwan von Peking regiert werden, wie es der feuchte Traum unseres derzeitigen prochinesischen Präsidenten Ma Ying-Jeou ist? Das konnte auch die TV-Serie nicht verraten, immerhin kann die International Rescue einfach überall hin fliegen ohne irgendwelche Regierungen um Erlaubnis bitten zu müssen. Laowai-mäßig wie die International Rescue aussieht hätte Peking da bestimmt trotzdem irgendwas gegrummelt, aber so sehr geht die Serie nicht ins Detail...

P.S.: Die Leute, die in der Sattelitenschüssel am Berghang gearbeitet haben, sahen alle wie Johnny Weißbrot - Laowai aus. Anno 2012 jedenfalls hatte man nichts gegen dunkelhäutige Ausländer, nur etwas dagegen dass "Leute mit dunkler Hautfarbe im Gebäude ein und aus gehen" (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2012/09/20/2003543198), was "nichts mit Diskriminierung zu tun hat". Dank an Forumosa.com für den Link auf diese Perle eines lokalpolitischen Statements ;-)

Montag, September 15, 2014

Hitler-Infektion, "The Strain" / Er ist wieder da

Gleich zweimal begegnete mir die Tage der Adolf Nazi (so nennt ihn Helmut Schmidt) beim privaten Medienkonsum. Muss das sein?

Man ist selber schuld, alle reden drüber über das Buch "Er ist wieder da" des deutschen Autors Timur Vermes. Ich laß mich also ein in das Werk, in dem der Herr Adolf Schlickgruber alias Hitler einfach so auf einem berliner Trümmergrundstück wach wird als sei nix gewesen und er sich in der Folge über die Zeitreise ins frühe 21. Jahrhundert wundert und wieso die Wehrmacht nicht auch "die Türklinken" gesprengt hat, wie in seinem "Verbrannte Erde"-Befehl vorgesehen. Stattdessen wächst und gedeiht das doch sozialdarwinistisch unterlegene deutsche Volk: Da wundert sich der Herr Hitler sehr. So weit so lustig, auch wenn ich die Art Komik zu erzeugen durchaus vorhersehbar fand. Etwa: Man reduziert den sozialdarwinistisch inspirierten Befehl, alle Infrastruktur vor Einnahme durch "den Feind" zu zerstören auf Kleinkram wie eine Türklinke, schon wird es ins Lächerliche gezogen. Nichts dagegen über Hitler zu lachen, warum nicht, eigentlich ist es ja eine recht lächerliche Figur, wenn da nur die vielen Toten nicht wären. Und die Hat Herr Vermes zu großen Teilen einfach ausgeklammert. Denn wie, so dachte ich mir vorher, will der Autor das Dilemma lösen, dass ein Adolf H. natürlich sofort wieder antisemitsche Hetze verbreitet oder wenigstens selbst in seinen Gedanken hat, schließlich ist das Buch in der Ich-Form erzählt. Welchen rhetorischen Kunstgriff will der Autor da anwenden? Denn wenn man bestimmte Passagen aus "Mein Kampf" kennt, dann weiß man, wie krankhaft-bizarr diese Hetzereien gegen Menschen jüdischen Glaubens werden können.
Und wie hat es Herr Vermes gelöst? Offenbar durch Auslassung. Denn als Hitler am Zeitungskiosk eine Bestandsaufnahme des ihm fremd gewordenen Deutschlands aufnimmt, noch ganz benommen im nach Benzin riechenden Uniformrock, da kommt das Wort "Jude" kein einziges Mal vor. So froh ich auch war, keine antisemitsche Hetze lesen zu müssen, so billig fand ich das Vorgehen, das Problemfeld einfach wegzulassen. Das ist etwa so als schreibe ich ein Buch über den Irakkrieg und erwähnte mit keinem Wort Saddam Hussein. Oder über Ebola und vergesse den Virus. Also gleich wieder weggelegt, da lasse ich den Hitler-Kadaver lieber ruhen.

In regelrechter Überraschungsmanier erwischte mich dann die braune Thematik ein zweites Mal. In der US-Serie "The Strain" (Achtung: Leichte Spoiler) war ich durch "den Klappentext" der TV-Serie auf ein mikrobiologisches Apokalypse-Szenario vorbereitet. Ein Flugzeug (aus Berlin!) in New York landend ist biologisch verseucht, der Virus breitet sich aus etc. pp. Doch was ich anfangs für eine halbwegs ernsthafte Pseuro-Science-Serie hielt wurde alsbald zum herrlichen Nazi-Trashfest. Untote Altnazis die mikrobiologisch auf den Endsieg hinarbeiten? Oder was auch immer. So ganz klar ist mir das noch nicht. Und wer liegt in dem Sarg, den sie durch die Gegend schleppen? Doch nicht ER? Der mit der nach Benzin riechenden Uniform? In der Folge wurde ich Zeuge, wie die Serie allerlei Filmklischees durcheinander warf. Die Deutschen, die natürlich Nazis sind. Den netten jüdischen Überlebenden mit kabbalistischem Geheimwissen. Eine Mischung aus den gängigen Ebola-etc-Thrillern, The Living Dead, Dracula und Alien. Ein herrliches Trashfest, das sich selbst todernst nimmt und damit viel unfreiwillige Komik erzeugt, aber eben auch handwerklich gut gemacht ist, was Erzeugung von Action, Suspense und die Qualität der Spezialeffekte angeht. Und das Wiedersehen mit manchen in X Filmen bekannten Szenarien, handwerklich sauber abgedreht, ist für einen TV- und Filmfan eben auch ein Genuss: Stichwort "belagerte Tankstelle". In "The Strain" sind die Nazis wenigstens noch Antisemiten, man verzeihe mir die Formulierung. Denn wenn man Nazis ohne Judenhass darstellt, dann macht man sich am Ende selbst der Geschichtsklitterung schuldig. Das gehört nun mal zu der Drecksbande dazu. Und so komplett geben sie auch ganz famose Bösewichte ab. Und Kompliment an die US-Serienmacher, der Filmdialog um die Machtergreifung Hitlers hatte sogar die wichtigsten Fakten richtig. Das ist keine Selbstverständlichkeit bei US-Produktionen.
Seit "The Strain" läuft, werden Flieger aus Deutschland bestimmt in den USA noch viel gründlicher durchgecheckt, ich habe da keine Zweifel.

Gut dass Sarah Palin nicht US-Präsidentin ist, sonst würde sie Frau Merkel sicher beim nächsten Treffen auf die Gefahr viraler Altnazis ansprechen.

Freitag, August 09, 2013

"Taiwan is my country", Ausländer im TV

Samstagabendshow am Donnerstag

Gestern lief vermutlich als Wiederholung eine Show mit Taiwans Showgröße Jacky Wu (http://ent.people.com.cn/BIG5/1082/7477813.html). Der 1962 geborene Entertainer hatte bis zu seinem "Ruhestand" vor ein paar Jahren eine fast unheimliche Präsenz im TV. Er pries seine schmachtenden CDs an, moderierte mindestens eine Abendshow gleichzeitig, trat bei anderen auf und beglückte das Publikum mit zahllosen Werbespots. Mir ist er noch im Gedächtnis, als der irgendwie deutlich jünger aussehende Mann vor ein paar Jahren mit einem 7er-BMW betrunken von der Polizei angehalten wurde. Er besaß nicht mal einen Führerschein, behielt aber Sonnyboy-mäßig die Contenance und hatte einen netten Auftritt mit zwei leichtgeschürzten jungen Frauen, mit denen er dann zusammen zu Fuß weiter gehen musste. Mir ist immer noch im Gedächtnis, wie den sich mit ihren Jacken verbergenden gebückt laufenden Frauen die Miniröcke oder Hotpans herunter gerutscht sind. Was man sich alles so merkt, komisch. Kurze Zeit später präsentierte Jackie Wu sich dann im TV wieder am Steuer des 7er-BMWs, mit frisch gemachten Führerschein und hübsche junge Frauen hatte er auch immer um sich. Herr Wu ist der Gottschalk Taiwans, nie oder kaum alternd und auch in seinem Ruhestand immer wieder mit einer Fernsehshow vertreten, meine Frau schmachtet wenn er eine Schnulze zum besten gibt und auch Junior wippt im Takt mit. Gut, das tut er bei allen Sängern außer Punkbands, in so fern heißt das nicht so viel.
Gestern also war er wieder da und hatte mehrere ausländische Herren eingeladen in die Show. Alle samt junge Männer in den 20ern würde ich sagen, Typ Englischlehrer aus den USA gleich dreimal, aber auch jemand aus einem exotischeren Land (die Flagge am Revers müsste ich nachschlagen) und ein Thai, der mit einem Amerikaner im Duo KungFu-artiges auf der Bühe präsentierte. Die anderen jungen Männer musste auch mit Jacky ein bisschen rangeln und Klamauk machen und auf Taiwanisch (nicht Mandarin, sondern Hoklo) singen.
Ein junger rothaariger Amerikaner trug ein T-Shirt mit der Aufschrift "Taiwan is my Country". So unpolitisch wie ein solches Shirt auch erscheinen mag, ist es freilich nicht. Bei seinem schrägen Gesang ging mir auf, dass das in Taiwan ja tatsächlich schon ein politisches Statement ist, wenn man sagt, "Taiwan is my country". Gerade für einen Taiwaner wäre es das. Denn Taiwan ist ja beispielsweise von den meisten Ländern der Erde nicht als Staat anerkannt, die VR-China beansprucht es als "abtrünnige Provinz" und auch ein Vertreter des deutschen Außenministeriums würde sicher gerne Sätze vermeiden, in denen er Taiwan als "Land" (Country) bezeichnet. Auch bei der Deutschen Post wird Taiwan beispielsweise als China, Taiwan geführt, bei Olympiaden wird es als "Chinese Taipei" nach der Hauptstadt benannt mit dem Wörtchen "Chinesisches" davor und viele Internetauswahlboxen nennen es "China, Province of Taiwan". Obwohl ich doch hier meine Steuern nach Taipei, Taiwan zahle und nicht nach Peking, China. Und auch manche (nicht allzu viele) Taiwaner hören den Satz nicht gerne, denken sie doch bei Country and China und nicht an Taiwan. Taiwans Präsident Ma Ying-Jeou etwa sagte kurz nach seiner Amtseinführung, man solle von China und nicht von Taiwan reden, er sieht Taiwan nur als geographischen Teil von dem, was alles China (nicht notwendigerweise die VR-China allerdings) sein sollte, obwohl er nun mal in der Praxis ein eigenes Land regiert.



Auch die Flagge auf dem Shirt des singenden Rothaarigen war interessant, es handelte sich nicht um die offizielle Staatsflagge der "Republik China", die wir umgangssprachlich als "Taiwan" bezeichnen und die hier in Form einer schicken Handtasche im Bild präsent ist (Foto vom Longshan-Tempel), sondern um eine Alternativflagge, wie sie aus den Kreisen der taiwanischen Unabhängigkeitsfreunde lanciert wird. Eine mit viel Grün, die die Landmasse der Insel Taiwan zeigt, es ist die ganz oben auf dieser Taiwanflaggenseite: http://www.taiwandc.org/flags.htm.

Grün ist auch die Farbe der Oppositionspartei DPP, die von 2000-2008 schon mal die Republik China alias Taiwan regiert hat und deren Präsident Chen damals eine neue Flagge mit viel Grün, einen neuen Staatsnamen als "Republik Taiwan" und eine neue Verfassung propagandierte - freilich ohne Erfolg, wohl auch wegen dem Gegendruck aus Peking.

Auch die Dame im Bild macht irgendwie ein politisches Statement, denn wer die Flagge der Republik China alias Taiwan demonstrativ vorzeigt, der betont in Taiwan damit irgendwie den chinesischen Charakter Taiwans, im Gegensatz zu den Unabhängigkeitsfreunden. Es sei denn, es ist gerade ein chinesischer Gesandter in Taiwan (also einer aus Peking), dann verbietet die taiwanische Regierung (jedenfalls wenn es sich um die chinafreundliche gegenwärtige Regierungspartei KMT handelt, die quasi das heutige Taiwan 1949 gegründet hat) das Vorzeigen der eigenen Staatsflagge (die der Parteiflagge der KMT gleicht), weil Peking ja Eigenstaatlichkeit nicht mag. Und dann schwenken plötzlich die Unabhängigkeitsbefürworter die Republik-China-Flagge, die oben im Bild.

Ausländer sind in diesem Sinne meist "grün", wie auch der junge Mann im Fernsehen und sind da oft kompromissloser als die Einheimischen. Klar, wer mag schon China. Ich hatte mal den Regenschirm meiner Frau benutzt, der zeigte auf seinem Schirm eben die oben gezeigte Flagge der Republik China und ich wurde mal drauf angesprochen von einer Frau auf der Straße, das würde an mir komisch aussehen.

Worum es nun ging in diesem Artikel? Um heruntergerutschte Hosen, Staatsflaggen oder Tempel? Vielleicht einfach darum, dass es doch merkwürdig ist, wenn in einem Land das Vorzeigen der eigenen Flagge zum Politikum wird.*** Den Regenschirm würde ich heute immer noch nehmen, ist ja nur ein Schirm, aber ein Hemd mit einer der beiden Flaggen drauf, ob nun Grün-Weiß oder Rot-Blau-Weiß würde ich nicht anziehen wollen. Das überlasse ich dann doch den Taiwanern.
Und taiwanisch im Fernsehen singen möchte ich auch nicht.



*


***Glashaus-Alarm! In Deutschland ist das ein bisschen auch noch so. Geht mir gerade auf. Ich weiß noch, bis vor der Wiedervereinigung durfte man nicht mal "Deutschland" sagen, sondern es musste immer Bundesrepublik heißen, sonst wurde man gleich von der P(oltical)C(orrectness)-Polizei korrigiert. Und wer die Flagge zeigte, war gleich ein Nazi, selbst die Schwarz-Rot-Goldene.


NACHTRAG: Lesen Sie mal auf der Flaggenseite (http://www.taiwandc.org/flags.htm) den Kommentar zur offiziellen Staatsflagge der Republik China/Taiwan. Da heißt es, für 85% der Bevölkerung sei die Flagge ein Symbol der Unterdrückung. Und hier wird ganz stark zwischen "Festländern" und "Einheimischen" unterschieden. Das ist ein extremer Pro-Independence-Standpunkt den ich so nie unterschreiben würde. Meine Schwiegermutter ist aus dem Süden (also einheimisch), meine Frau in diesem Sinne ein "Mischling" mit ihrem "Festland"-Vater. Und auch die Vorfahren von Schwiegermutter (und den meisten anderen "Einheimischen") kamen einst aus China. Die Ureinwohner sind eine Minderheit in Taiwan. So sehr wie die Leute von der Flaggenseite wollen nur wenige die pseudo-ethnischen Gräben aufreißen. Wenn man auf der Seite buddelt findet man, dass die Leutchen wohl in Washington-DC sitzen, vermutlich Auslandstaiwaner. Aus der Ferne kann man schon mal leichter hetzen, da wohnt man nicht direkt neben dem "Festländer". Hier im Land ist das alles viel entspannter. Was ich durchaus an den Taiwanern bewundere, dass sie sich nicht in solche Grüppchen aufteilen im Allgemeinen.

Dienstag, Februar 19, 2013

Kaiserinnen im Palast

Nein, gemeint ist nicht ein Besuch von Schiegermutter und Gattin, sondern "Emperesses in the palace" ist der englische Titel der derzeitigen Lieblingsfernsehserie meiner Frau, einer Hong-Kong - Produktion, wie Google verriert. Diese Serie mit Mandarinchinesischem Ton im Taiwanfernsehen traktierte mich das ganze Chin. Neujahrsfest, denn bei uns lief sie von morgens bis abends im TV, sogar bis in die Nacht. Offenbar wurden alle Folgen am Stück wiederholt und mehrfach täglich ausgestrahlt. In Mandarin ohne Untertitel. Jedoch habe ich mir jetzt die Serie mit Untertiteln besorgt, ein Notkurs im Frauenverstehen sozusagen.


Das HongKong-TV möge mir das Grabschen eines Ausschnitts vom Fernsehplakat verzeihen. Man sieht es schon, die Damen sind nicht nur wegen ihrer verlängerten Fingernägel gefährlicher als ein Taifun mit gleichzeitigem Erdbeben. Mit Taiwanerinnen verheiratete werden hingen nur einfach ein paar Frauen im Bild erkennen, wir sind das gewohnt.
Bei der Serie geht es um den "Harem" eines Qing-Dynastie-Kaisers, ab 1722 beginnt die Geschichte. Offenbar bestand der "Hinterpalast" aus reinen Frauengemächern, in denen nicht nur die "Emperess Dowager", also die Kaiserin Mutter residiert, sondern auch die Kaiserin parallel mit diversen Mätressen, die hier im Bilde zu sehen sind (Kaiserin links, die anderen sind Mätressen). Offenbar war es üblich, dass der Kaiser gleich neben seiner Gattin diverse andere Frauen unterbrachte, was in der Pilotfolge, die ich gestern Abend mit etwas stakeligen englischen Untertiteln ("Big General, stay behind, Emperor know of your bad arm, gave cream for you") gesehen habe. Darunter die "Imperial Consort", also wohl die erste Mätresse des Kaisers (ganz rechts). In der Pilotfolge wird gleich eine "Preparing Consort" oder dergleichen ausgewählt, d.h. eine junge Edelfrau, die dem Kaiser einen vierten Sohn gebären soll - denn Kaiserin Mum hatte das dopplete Dutzend an Kindern des vorherigen Kaisers als Maß aller Dinge bezeichnet. Unser aktueller Serienkaiser hingegen sucht den Hinterpalast nur zögernd auf, angeblich wegen pressierender Regierungsgeschäfte, was wiederum den zutändigen Eunuchen wieder in Verzweifelung treibt, denn einer muss die Arbeit ja machen. Stelle ich mir Damen wie meine Gattin im Dutzend vor, es würde mich sicher eher in die Wälder als in den Hinterpalast treiben - eine ist liebreizend und charmant, aber ein Dutzend - Herr Jehmineh, das wäre sicher viel zu aufregend. Man kann sich vorstellen, wie in der Serie die Funken fliegen, wenn sich die konkurrirenden Damen zum Tee treffen.

Eine abstoßende Frauenrolle sicherlich, etwa müssen die Kandidatinnen für die Preparing Consort, die in einer Art "China sucht den Superstar"-Wettstreit vom Kaiser ausgewählt werden, auf rituelle Fragen antworten, wenn sie etwas gefragt werden. Etwa  "Liest Du Bücher?" ist mit "Nein, ich bin dumm und kenne nur die Tugenden einer Frau" zu beantworten.

Eine bizarre und ziemlich abstoßende Welt, kurios und erstaunlich, etwa wenn dem Kaiser seine aktuelle Bettgefährtin, die er offenbar über ein vom Eunuchen gereichtes Holzstäbchen auswählt, gleich eingewickelt ins Bett gelegt wird. Und man sieht in den weiteren Folgen den Kaiser so viel Haremsdamen im Garten schaukeln und zwischen den konkurrierenden Frauen hin und her rennen, dass ihm für Regierungsgeschäfte keinerlei Zeit bleiben wird. Man sieht von China sowieso nur den Palast und endlose Seidengewänder. Keine Bauern, keine Manufakturen, kein nichts. Ein Seidenlakenkaiser ohne Funktion außer der Reproduktion, so scheint es. Es wundert wenig, dass so ein dekadenter Apparat von den später eintreffenden Engländern zusammengeschossen wurde, während den "Soldaten" des Kaisers ihre nicht gepflegten Schießstöcke in der Hand explodiert sind. Trotzdem, im zehnten Ehejahr (Schluck) will ich mich nun mal den Interessen meiner Frau nähern und gucke daher tapfer die Serie - man kann sich im zweiten Jahrzehnt ja langsam näher kennenlernen ;-)

Notiz: Der Qing-Kaiser war ein Manchu und sprach gar nicht Mandarin, sagt Wikipedia. Das würde China-TV immer falsch darstellen. Na ja, ich kenne das von meiner Frau, ob man nun Deutsch, Englisch oder Marsianisch redet, das ändert sowieso nichts ;-)

Mittwoch, Januar 23, 2013

Suchen nach Updates..... seufz

Es ist manchmal deprimierend nach dem Ausgang alter Geschichten zu suchen, die sich in der Berichterstattung oder im Infowust unserer Tage verloren haben. So erfuhr ich, dass der Brite, der in einem in Ausländerkreisen höchst umstrittenen Verfahren zu 2 1/2 Jahren wegen Fahrerflucht bei einem Unfall mit Todesfolge verurteilt worden war, im Berufungsverfahren zu 4 Jahren verurteilt wurde (http://bobhonest.blogspot.tw/2013/01/brite-in-taiwan-zu-vier-jahren-haft.html). Ob man das gut oder schlecht findet, hängt sicher von der individuellen Bewertung der Schuldfrage ab.

Dieser Tage habe ich nach einem Update über "MaKe" gesucht, eines der bekanntesten Gesichter der Ausländergemeinde hier im Jahre 2004, als ich auf diese kleine vibrierende Insel gekommen bin. MaKe hieß eigentlich Mark mit Vornamen und war einer der Co-Entertainer vom Showstar Jacky Wu, regelmäßig jeden Samstagabend oder dergleichen lief die Show bei Ludigel im Fernsehen und der große kräftige Mann mit Glatze und Bart namens MaKe war eine der exotischen Attraktionen der Show, neben dieser russischen "Ballerina", die mit Ultramini und Gekichere bis heute durch die Shows tingelt.
Ich lernete Mark im Auländerforum Forumosa.com kennen. Ich hatte ein Überdosis von diesem "Wo ai ni"-Gesinge im Taiwanfernehen und als Mark im Forum förmlich Starrummel entgegenschlug, gab ich kontra. Vermutete ich doch, einen dieser nervigen Mandarin-Leiermänner vor mir zu haben, die mir immer Kopfschmerzen herbeisingen. Ob er der taiwanische Sinatra ist, the voice of Taiwan, mag ich ihn schlechter Laune gefragt haben. In der Folge stritten wir uns dann ein bisschen, bis ich bemerkte, dass er offensichtlich a) kein Taiwaner ist und b) nicht mal singt. Mittlerweile hatte ich ihm fast eine Depression herbeigeredet, denn er postete, die Leute wollten ihn halt einfach sehen, obwohl er eigentlich nichts besonderes könne da im Fernsehen. Er würde auch nicht wissen warum, sagte er noch. Schnell entschuldigte ich mich bei ihm, zwischenzeitlich hatte er geschrieben, er sei deutscher und ukrainischer Herkunft und ich schämte mich in Grund und Boden. Nach meiner Entschuldigung trennten wir uns grollfrei, hatte ich doch schnell klargestellt, dass ich einen taiwanischen Leiersänger vermutet hatte. Ich schrieb noch, dass es natürlich eine große Leistung war, in einem fremden Land ein gern gesehener Gast in Fernsehshows zu sein und die Leute zu unterhalten.

Mark hatte 2006 einen schweren Motorradunfall, von dem er sich leider nie richtig erholt hat. Zu Hause wurde er von seiner Frau gepflegt. Er verstarb schon im letzten November. http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2012/11/02/2003546702

Ich wünsche Mark auf der himmlischen Showbühne eine endlose Show, wieder mit miniberockten Fernseh-Xiaojies und viel Applaus. Und vielleicht diesmal ohne Jackie Wu.

***

Da wir gerade bei deprimierenden Dingen sind: Die Luftqualität in Taipei ist gut oder mittel: http://taqm.epa.gov.tw/taqm/en/Default.aspx
Habe mir also den Moped- und LKW-Abgasgestank heute morgen nur eingebildet. Gut zu wissen!
Allerdings werden in Taiwan Schadstoffkonzentrationen als gut bewertet, die in den USA als unakzeptabel gelten: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=8&t=117179#p1494765

Montag, März 02, 2009

TV tip, Women in Red




"Little red riding hoods black sabbath": photo: Ludigel, click to enlarge


As the motto of this week is "women in red" I was stunned really to find something to write with respect to this, when watching my load of TV this weekend.
My absolute tip regarding new TV shows is "The legend of the seeker", which is an adaptions of Terry Goodkinds "The Sword of Truth" books. I really like the TV version, to the point of feeling my right (dice) hand itch, as I had been a passionate fantasy roleplay player, even inventing our own game system together with a friend and the participation of many others.
Well, now I am on the rock of Taiwan and no more dices. The books however had a very disturbing part, not really fitting into the mainstream-fantasy story in a world of sorcerers and heroes, an extremely long disturbing part and going through it wasn't easy. It is this Mord Sith cult, which consists of very BDSM-mistress like cruel women clad in red and black leather who torture pure men with their "pain sticks" and the red leather is to hide the blood stains during torture. Goodkind makes this whole thing a strange pure-BDSM like episode in this books where the women in questions humilates our formerly sword-wielding hero into becoming a boot-licking ... softie. I almost threw the book into a corner at some point, too much of that stuff and I am not really into that.
The TV-adoption however made this more easy-going, the sexual part and love affair stuff is only sketched. I found the end of the episode disappointing though. Because in the books, our hero could finally free himself of the beast by loving her, only this empowered him to use his magic again (the lady controlled the magic of his sword) to finally ... stab her. Stab her with love. Put a greeting into it from me. No seriously, this was a nice and poetic ending of the story. TV version had her stabbed rather quickly and off he goes to new sword fights.

Now why does all this sound like some real life stuff. "She controlled the magic of his sword", isn't that what women do? Never mind, look at the pic instead, it is from a Mongol-warrior performance during my Korea vacation. Never knew the Monglos had little red riding hood though...

EDIT: I should watch less TV. Probably it's not healthy.