Hier ist der Großteil des Mülls schon abtransportiert - die Dame bringt normalerweise ihre Pappkartons, Flaschen und Dosen mit dem im Bild zu sehenden Handwagen zur Sammelstelle, aber manchmal kam ein LKW, so viel Zeug hatte sich im Kurvenbereich angesammelt. Der wilde Recyclingplatz fand im Wesentlichen im öffentlichen Verkehrsraum statt und nahm manchmal einen Großteil der Straßenbreite ein, so dass PKWs manchmal nicht durchfahren konnten. Ich selbst habe auch schon mal die Bodenfreiheit meines SUVs ausgenutzt und bin geländemäßig über ihren Kartonberg gefahren, einfach um einen langen Umweg zu vermeiden. Dass keine Missverständnisse aufkommen, dies ist keine Beschwerde, sondern soll nur das Umfeld der Müllverwerterinnen aufzeigen inklusive der Platznot unter der sie arbeiten. Ein Ordnungsamt im deutschen Sinne, das einen illegalen Recyclingbetrieb im öffentlichen Verkehrsraum stilllegen würde gibt es hier nicht. Und wenn mich auch ihr Flaschengeklirr manchmal wochentags um 1 Uhr morgens aus dem Schlaf holte so dachte ich mir doch stets, dass die alte Dame hier ältere Rechte hat am Orte, wo ich sowieso ein Fremder bin. Mir fiel freilich oft auf, wie gefährlich der Job für die alten Leute ist. Denn wenn sie nachts die Kreuzung im Bild mit Kartons vollgestellt hatte und selbst dunkel gekleidet dazwischen herum lief und ohne zu gucken auf die Fahrbahn trat, während gleichzeitig Autos durchfahren wollten, ergab sich schon manchmal plötzliches Bremsen und böses Gehupe der Autofahrer. Auch der Transport des Mülls zur ca. 2 km entfernt liegenden Verwertungsstelle (http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/11/mullverwertungsplatz-in-taiwan.html) mit dem Handwagen durch die vollen Straßen ist nicht ganz ohne. Gefährlicher ist aber sicher das nächtliche Sammeln mit unbeleuchtetem Handwagen - denn die Damen sind in dunklen Gassen kaum zu sehen durch die getönten Scheiben der Autos hier.
Neulich hatten Frau, Junior und ich einen Trip nach Mitteltaiwan unternommen. Da haben wir bei einem Unternehmen bei Taichung unser neues Auto mit einem Kamerasystem (ähnlich Blackbox) ausstatten lassen und als wir im Warteraum saßen, da flimmerte über den Fernsehschirm plötzlich mein heimatlicher Straßenzug (gleich fotografiert, aber noch in der Kamera). Ein unglaublicher Zufall! Wieso zeigen die meinen Wohnblock im nationalen Fernsehen? Die gruselige Antwort folgte sogleich: Die Dame war angefahren worden bei einer nächtlichen Müllaktion und lag im Koma, mittlerweile soll sie verstorben sein. Und irgendwie fehlt jetzt was an der Straßenecke. Ich erinnerte mich noch, neulich durch lautes nächtliches Geschrei und Gerufe geweckt worden zu sein, bin aber sofort wieder in den Schlaf gefallen. Ob es damit in Zusammenhang stand, weiß ich natürlich nicht.
Ich gebe zu, Müllberge wie der ihrige verschönern die Gegend nicht gerade, aber die Leute machen es ja nicht aus Spaß an der Freud und die Gefahr beim nächtlichen Werken ist offenbar groß.
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Zum Verständnis: Dies ist keine Beschwerde, keine Wertung. Hier wird nur ein Teil des Lebens Taiwans geschildert, das einem so oft entgeht, wenn man nur an Computer oder das Hochhaus 101, Tempel und tolles Essen denkt. Die Dinge sind wie sie sind und wenn sie vor meiner Haustür stattfinden, schreibe ich halt drüber. Wen dieser Bericht verstört, der möge erst mal die Einführung zum Blog lesen vorm Kommentieren, danke.
EDIT: Leider keine schöne Geschichte zu Weihnachten, die sich dieser Tage vor meiner Haustür zugetragen hat.
Hinweise:
1) Mittlerweile hat Taiwan eine Rentenversicherung. In früheren Jahren gab es die aber nur für Angehörige des öffentlichen Dienstes inklusive Militär und deren Witwen. Die ältere Dame im Bild wird also vermutlich keine gehabt haben, sonst hätte sie den Job wohl nicht gemacht.
2) Taiwan hat eine günstige gesetzliche Krankenversicherung
EDIT: Leider keine schöne Geschichte zu Weihnachten, die sich dieser Tage vor meiner Haustür zugetragen hat.
Hinweise:
1) Mittlerweile hat Taiwan eine Rentenversicherung. In früheren Jahren gab es die aber nur für Angehörige des öffentlichen Dienstes inklusive Militär und deren Witwen. Die ältere Dame im Bild wird also vermutlich keine gehabt haben, sonst hätte sie den Job wohl nicht gemacht.
2) Taiwan hat eine günstige gesetzliche Krankenversicherung





