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Montag, Mai 04, 2015

Heiße Überraschung für Taipei

Vergangenes Wochenende: Ein riesiger Sonnenkollektor drohte abzustürzen und Taipei mit seinem gebündelten Laserstrahl gar zu kochen. Doch die Rettung kam in letzter Minute...

Kaum versucht am am Wochenende der Enge Taipeis zu entfliehen, steckt man schon wieder mitten drin. "Thunderbirds are go!" war eine meiner Lieblings-TV-Serien der Kindheit. Hier hatte man Puppen, die deutlich sichtbar an Fäden manövriert wurden und die die "Internationale Rettung" darstellten, die stets und ständig als eine Art UN-Katastrophenrettung über den Globus jetteten, um Menschenleben zu retten. Nun gibt es ein Remake dieser britischen Serie, mit Computergrafik und ohne Fäden. Toll ist das Gefühl der späten 60er oder 70er Jahre gerettet, in denen die Originalserie entstanden ist bzw. ich sie gesehen habe. Der Standort der "International Rescue" ist eine tropische Insel, die direkt wie aus einem James-Bond-Film mit Sean Connery oder dem frühen Roger Moore wirkt. Es gibt hochklappbare Palmenstrände und eine herrliche Retrovilla, die mit ihren schlichten Holztäfelungen und grünen Sofapolstern gleich Kindheitsgefühle bei mir aufkommen lies. Die neue Serie jedenfalls spielt im Jahre 2060, trotz der Hommagen an die Originalserie und ihrem Look and Feel. Und Crash Boom war ich zurück in Taipei. Denn dort drohte ein riesiger Sonnenkollektor sich vom Hang zu lösen, der die gebündelte Energie von zig Solarsatteliten bündeln sollte. Der Strahl hätte Taipei geröstet und so mussten unsere Jungs und Mädels von International Rescue ihr bestes geben um meine geliebte Stadt in der Zukunft zu retten.

Bali bei Taipei Anno 2015. Das wird noch dichter bebaut und höher und den Leuten wachsen mehr Bärte...


Wie sah Taipei in der Serie aus? Es lag zwischen wenig begrünten Felsen in einem Talkessel, der ziemlich realistisch aussah, nur etwas zu felsig war. Drinnen war mehr Hochhäuser als heute und Bauarbeiter waren gerade dabei ein riesiges Hochhaus zu bauen, das aus Segmenten bestand, die wie die vom realen "Taipei 101" - Hochhaus aussahen. Vergleiche das Bambussprossen-Design. Offenbar gab es im Jahre 2060 eine Neuauflage vom Taipei 101, bei der man diesmal die Segmente invers montiert hatte. So als würde die Bambusstange falsch herum wachsen. Na ja, kann mal passieren. Den tapferen Bauarbeitern wurde ein Kran weggesengt und knallte in die Straßen Taipeis (vgl. einen durch Erdbeben ausgelösten ähnlichen Unfall beim Bau des echten 101). Die Straßen Taipeis sahen so etwa aus wie Chinatown in Vancouver. Schöne alte Häuser, oben Wohnungen und unten Geschäfte drin. Keine Autos. Keine Mopeds, keine Garküchen. Viele Passanten hatten Bärte und alle konnten am Ende ihre Rettung bejubeln.

Wie wird Taipei im Jahre 2060 wirklich aussehen? Eifrige Leser schreiben es dann bitte unten in die Kommentarspalte in der internetmusealen Version dieses Blogs ("delivered directly to your brain"), wenn sie noch funktioniert. Wird die smogige Enge aus Mopeds und Autos und manchmal Unrat und immer Garküchen wirklich verschwunden sein? Ich melde Zweifel an. Werden die Menschen wirklich mehr Bärte haben? Kann schon sein, die jungen Taiwaner sind ja auch heute wesentlich größer im Schnitt als im Jahre 2004, als ich hierher gekommen bin. Noch mal 10 Jahre und die Herren haben Bartstoppeln, bin ich fast von überzeugt.

Wird Taiwan von Peking regiert werden, wie es der feuchte Traum unseres derzeitigen prochinesischen Präsidenten Ma Ying-Jeou ist? Das konnte auch die TV-Serie nicht verraten, immerhin kann die International Rescue einfach überall hin fliegen ohne irgendwelche Regierungen um Erlaubnis bitten zu müssen. Laowai-mäßig wie die International Rescue aussieht hätte Peking da bestimmt trotzdem irgendwas gegrummelt, aber so sehr geht die Serie nicht ins Detail...

P.S.: Die Leute, die in der Sattelitenschüssel am Berghang gearbeitet haben, sahen alle wie Johnny Weißbrot - Laowai aus. Anno 2012 jedenfalls hatte man nichts gegen dunkelhäutige Ausländer, nur etwas dagegen dass "Leute mit dunkler Hautfarbe im Gebäude ein und aus gehen" (http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2012/09/20/2003543198), was "nichts mit Diskriminierung zu tun hat". Dank an Forumosa.com für den Link auf diese Perle eines lokalpolitischen Statements ;-)

Dienstag, April 08, 2014

Der Geheimpalast / Studenten auf dem Rückzug

Kommt jetzt das Ende der Studentenrevolte? Zieht sich die "Sonnenblumenbewegung" in die Unis und Jugendzimmer zurück?

Letzten Freitag war frei in Taiwan, da bin ich mit der Kamera in Zentrum von Taipei. Es war etwas gespenstisch, Stacheldraht und Polizisten mitten in der Stadt zu sehen. Noch immer, auch während ich diese Zeilen schreibe, halten ja Studenten in Taipei das Parlament (genauer: den Plenarsaal) besetzt.

anonymisiert ;-)
[TZ]
Zunächst war ich noch im Zentrum, grob mit Kurs auf das Hochhaus "101", das 101 Stockwerke hoch ist. Da merkte man noch nichts von Aufständen. Kurz wunderte ich mich über eine Gruppe konservativ, aber wenig elegant gekleideter Leute, die irgendwie landlebig aussahen, aber ziemlich fremd klingend kommunizierten. Und der Herr im weißen Hemd starrte mich an, an sei ich ein Marsmensch. Das man mitten in Taipei angestarrt wird als "Westler" ist doch eher selten. Aha, dachte ich. Das muss eine Reisegruppe aus China sein. In der Tat folgte die Gruppe einem Herrn mit Stab und kleinem Fähnchen (nein, keine rote), wie sie Gruppenreiseleiter eben haben. Auch Gattin und ich waren ja kürzlich in Japan einem solchen Fähnchen hinterher gerannt. Sicher hatten die Kurs auf das Hochhaus "Taipei 101". Die Leute wirkten so, wie man sich Leute vom Lande aus der tiefsten Provinz vorstellt, die sich "stadtfein" machen. Ob die wohl auch zu den Studentenprotesten gefahren wurden, fragte ich mich. Wohl nicht. Wie würden sie reagieren wenn sie hören, dass Taiwan sie vielleicht als Touristen, nicht aber als Oberherren will?


[F] Ich folgte der Gruppe grob ins Hochhaus 101, auch wenn kurz ein Audi-Rennwagen meine Aufmerksamkeit auf sich zog...


[R] Äh.... wo waren wir? Ach ja, 101. Diese Hostessengeschichte ist auch so typisch Taiwan. Never mind.

[R] Nicht zu verfehlen, das Ding, ist ja eher hoch als breit. Jedenfalls meistens.

[F] Im angeschlossenen Kaufhaus (rechts) fand ich dann auch die chinesische Reisegruppe wieder.

[F] Ein schöner Konsumtempel, dessen Publikum sich wohl eher für die teuersten Handtaschen und Armbanduhren interessiert (oder die günstige Fressmeile im Tiefgeschoss)...

[F] ... hier nicht im Bild, als für die Politik und die Studentendemo.

[R] Der erfolgreiche Kapitalismus mit sozialstaatlichen Elementen der Taiwanprägung hat seine eigenen, systemimmanenten Konflikte. "Wissen Sie, was die aufdringliche Dame da will?", scheint der Filmstaar rechts auf der übergroßen Werbewand neben dem 101 zu fragen. Wir wissen es auch nicht.

[TZ] Vom Hauptbahnhof Taipei suchte ich wieder die Studenten, hier ist das Viertel weniger überkanditelt. Obwohl ein Modellbahner, der das Haus im Bild als Bausatz hätte, wohl mehrere Nervenzsammenbrüche erleiden würde, irgendwo zwischen dem 50. und 51,. Werbeschild und 18. und 19. Balkon.

[TZ] Ich ermahnte mich wieder, dass es mir um die Sache der Studenten ging und nicht um die duftenden Leckereien an den Ständen. Die Studenten wollten klarmachen, dass hier nicht Rotchina ist, so viel ist klar.

[SW] Ein kurzer Abstecher über den "228"-Park, der sich auf den 28. Februar 1947 respektive das an diesem Tag stattgefundene Massaker bezog, an dem die Taiwaner gegen die chinesischen Besatzer vom Festland aufgestanden waren und das Kuomintang (KMT) - Militärregime entsprechend brutal zurück geschlagen hatte (http://de.wikipedia.org/wiki/Zwischenfall_vom_28._Februar_1947). Die Insel Taiwan war bis 1945 eine japanische Kolonie gewesen (seit 1895) und war nach der Jalta-Konferenz an die chinesische KMT-Regierung übgeben worden, die den aufgeflammten Freiheitswillen der Taiwaner brutal unterdrückt hatte und sich weiter in Taiwan eingenistet hatte. Das hatte offenbar bestand, denn noch immer sitzt die KMT im Gouverneurs- respektive Präsidentenpalast in Taipei, der laut meinem Smartphone-Navidings ganz in der Nähe lag. Allerdings sitzt der Präsident (Herr Ma von der KMT) da mittlerweile frei gewählt (2008 gewählt, 2012 wiedergewählt) und fährt seither einen starken Kurs Richtung chinesisches Festland, das die KMT 1949 an die Kommunisten verloren hatte. Inklusive politischer und wirtschaftlicher Annäherung. Wogegen die Studenten demonstrieren (streng genommen nur gegen den letzten Teil der Annäherung, einen Handelspakt, siehe meinen großen Demobericht HIER im Blog).

[TZ] Alsbald führte mich mein Navidings zu diesem merkwürdigen Kinderspielplatz, der mit Stacheldraht abgeschirmt war und dem sich diverse erschöpft wirkende Polizisten in ihren dunkelblauen Uniformen erholten. Was war da los?

[TZ] Die Frage ließ sich schnell beantworten, während ich mit meiner Kamera auf die angeschlossene Allee trat, von müden aber misstrauischen Polizistenaugen verfolgt. Der Spielplatz war als Barriere gegen eventuell aufkeimende Demos oder Besetzungsversuche angelegt, sozusagen als Wellenbrecher.

[TZ] Denn links ging es zu weiteren Regierungsgebäuden und auch zum Parlament laut meinem Navi, wobei der Zugang mit Stacheldrahtzäunen abgesperrt war. Man erkennt sie im Hintergrund. Näher wollte ich nicht heran, denn die zahlreichen Polizisten, die neben einigen auffällig unauffällig herumstehenden Passanten die einzige Bevölkerung dieses sonst so stark frequentierten Teils von Taipei ausmachten, gaben mir das Gefühl hier nicht wirklich erwünscht zu sein. Irgendwo hinter den Barrieren mussten sich also Studenten im Parlament und beim Soli-Sitin befinden. Aber meine Lust, hier nach einem Weg da durch zu suchen, hielt sich in Grenzen. Mit auf meiner Navi-Route befindlichem Stacheldraht (nicht das erste Mal) und wenig Zeit neben Beruf und Familie ist es mit dem Barrierebrechen so eine Sache.

[TZ] Hier ein Barriere-Closeup von der großen Demo neulich, viel anders sieht es diesmal auch nicht aus.

 ...Barriere diesmal...

[TZ] Rechter Hand jedenfalls lag der Präsidentenpalast in Taipei...

Dies Gebäude war einst für die japanischen Gouverneure erbaut worden ist und heute der Dienstsitz des Präsidenten. Der Verkehr war auffallend ruhig am heutigen Tage, sicher weil viele Seitenstraßen hier abgesperrt waren. Hier sitzt also Präsident Ma, KMT und guckt misstrauisch auf die Studenten, die seinen Pro-China-Kurs nicht mitmachen wollen. Dabei sind "wir doch alle Chinesen", sowas sagt er öfter mal. Und mir ist er ja auch lieber als sein Vorgänger Chen von der DPP, der unbedingt in der Verfassung alle Bezüge zu China per Referendum streichen wollte und die KP in China mit seiner "Taiwan Yes, China No" - Kampagne zur Weißglut (und fast zum militärischen Angriff) gebracht hatte. Im Gefängnis sitzt Chen heute, wegen seiner Dauer-Korruptionsaffaire bis hin zur Erpressung eines Kaufhauses aus dem Präsidentenpalast heraus. Aber besser ist die KMT mit ihrer Verstrickung mit der Bambusgangtriade auch nicht, aber das soll hier nicht das Thema sein.

[TZ] Als ich dieses Foto vom Präsidentensitz machte und wegen des diffusen Lichtes ein bisschen an meiner Kamera herumstellte, näherte sich mir ein in Zivil gekleideter Herr vom Palast kommend und machte eine Handbewegung, ich solle aufhören und schrie "guo lai", jedenfalls verstand ich das. Das würde zu Deutsch "komm her!" heißen, aber ich hatte wenig Lust, dieser Aufforderung nachzukommen. Wenn einen Hunde anbellen oder sich Regierungsagenten nähern, bleibt man immer ruhig und souverän, macht das Foto zu Ende, noch eines dazu und entfernt sich dann ruhigen Schrittes ;-)

Wenn sie den Palast geheim halten wollen, müssen sie sich natürlich was einfallen lassen, schließlich ist er im Normalbetrieb ein Ziel für Reisebusse, sicher auch für chinesische Reisegruppen. Ist ja auch schon ein bisschen groß, um ihn zu verstecken. Vielleicht ein verwirrendes Schild anbringen? "Lustifus Edelpils-Brauerei" vielleicht. Kommt kein Mensch drauf, dass das der Präsidentenpalast ist.

[TZ] Mein zielstrebiges Verlassen der gastlichen Stätte führe mich zunächst zu einigen Polizisten und massenhaft Barrieren, die Herren in Blau habe ich hier lieber nicht abgelichtet.Eigentlich eine ruhige Geschäfts- und Wohnstraße.

[TZ] .... und die Bürgerkriegsbarrieren nahmen sich direkt neben den typischen Garküchen (vor denen die Polizisten saßen und aßen) etwas merkwürdig aus.

[TZ] Direkt um die Kurve dann wieder taipeitypische teure europäische Autos...

[R] .... und weitere Barrikaden, hier vor einem Rolexgeschäft...

[R]... und bewachende Polizisten. Haben die zur Tarnung teils Bauhelme auf? Na ja, so richtig unauffällig ist das freilich nicht.

Und wie ist der aktuelle Stand? Jetzt ist die Luft raus aus den Protesten. Die ganze Zeit schon hatte ja der Parlamentspräsident namens Wang (KMT) eine Räumung des besetzten Parlaments unterlassen, wohl weil er auch den Handelsverträgen mit China kritisch gegenübersteht. So liest man. Oder jedenfalls weil er in der Vergangenheit zusammen mit der oppositionellen DPP den Verabschiedungsprozess der Verträge bis zu 6 Monate verzögert hatte. Das hatte ihm den Groll des Präsidenten Ma (KMT) eingebracht, der ihn deswegen der Parteimitgliedschaft und seiner Funktion entheben lassen wollte***, was aber nicht geklappt hat. Herr Wang ist sowieso ein alter innerparteilicher Konkurrent von Herrn Ma und man kann sich die Frage stellen, ob die Zusammenarbeit mit der DPP und die Duldung der Besetzung des Parlaments seitens Wang nicht nur dazu diente, Präsident Ma eins auszuwischen. Wie dem auch sei, jetzt nach längerer Besetzung tauchte Wang in staatsmännischer Manier auf, streichelte vor Fernsehkameras ein paar Studentinnenköpfe und sicherte zu, dass der Handelspakt mit China einstweilen nicht durchs Parlament käme. Weil er wolle erstmal ein Gesetz einbringen, welches Verträge mit China einem gesonderten Kontrollmechanismus unterwirft. Und nun hat die Mehrheit der Studenten zur Stunde offenbar beschlossen, die Besetzung abzubrechen. Wang soll seine Aktion nicht mit Ma oder der KMT angesprochen haben, aber hat jetzt sicherlich seine Lorbeeren (chinesisch/taiwanisch: sein Gesicht) auf Kosten des Präsidenten im Wert gesteigert. Wang jedenfalls hat auf den studentischen Elan wie eine Nadel an einem Ballon gewirkt offenbar.

Geht jetzt alles wieder seinen gewohnten Gang? Kommt der Vertrag oder nicht? Und entsteht aus der Studentenbewegung eine neue "Taiwan Independence"-Bewegung abseits der alten Tante DPP (die viele immer noch mit Korruption assoziieren)? Man darf gespannt sein.



*** Präsident Ma ließ sogar deswegen eine Zeit lang den gesamten Telefonverkehr des Parlaments abhören, weswegen der Justizminister zurücktreten musste

Fototechnisch: Sony Alpha 850, mit [F]: Sigma EX DG 2.8/15mm, [SW]: Soligor 3.5-4.5/19-35mm, [TZ]: Tokina AF 2.8-4.5/28-70mm, [R]: Tamron Aspherical 3.8-5.6/28-200mm

Mittwoch, November 27, 2013

Being Green

Taipei 101

Mit 1/5 Sekunde aus freier Hand aufgenommen, mit 2.8/28mm Festbrennweite. Hätte nicht gedacht, dass es trotz "Stativ liegt wieder mal zu Hause"-Faulheit noch ansehbar wird.

Freitag, April 19, 2013

101 bei Nacht, gucken wir mal raus

Gehen wir noch mal rauf und werfen wir noch ein paar Blicke aus dem Fenster im 86. Stock (so habe ich es im Kopf behalten) bei Diamond Joe's Italiener im 101-Hochhaus in Taipei, dem 101 Stockwerke hohen Wolkenkratzer. Das muss man man wörtlich nehmen, denn manchmal haben Wolken in der Tat den Ausblick versperrt. Hier der Link auf den ersten Teil: http://bobhonest.blogspot.tw/search?updated-max=2013-04-08T08:53:00%2B08:00

Ob das 101-Hochhaus ein "Stairway to Heaven" zu kulinarischem Hochgenuss ist oder nicht vermag ich nicht schlüssig zu klären, war ich da oben doch meist mit Fotografieren beschäftigt und fand die vielen manchmal Seafood-lastigen Gänge daher manchmal regelrecht störend. Wie bereits gesagt, es war gut, aber ich würde für meine leckere parmaschinkenumwickelte Roullade mit der sehr ungewürtzt lebrig schmeckenden Leberpastete als Vorspeise keine 2300 NT ausgeben wollen, die das ganze wohl gekostet hat. In Taiwan hatte ich für 2500 NT bessere Hochgenüsse im Tappernyaki - Restaurant, wo ein Koch vor einem das Essen auf heißer Platte brät. After in Anbetracht der hübschen Aussicht ist natürlich nichts zu kritisieren, auch wenn meine taiwanischen Kollegen eher unzufrieden waren mit ihren ekeligen heilen Krebsen, die sie da tot auf dem Teller hatten. 

Hier irgendeine fischige Vorspeise, weg damit, nachdem mich Frau zum Fotografieren gezwungen hat und dann wieder aus dem Fenster geguckt...

Ob es einen Gott gibt, lässt sich selbst so weit oben nicht klären, zumindest scheint es einen Kronleuchter im Himmel zu geben, das wird vielleicht den ein oder anderen Agnostiker schon befriedigen. Firefox mit mehrfachem Mittelklick oder auch Linksklick vergrüßert wie immer.

Helfen Sie mir mal, serviert man dieses Hauptgericht hier auch außerhalb Taiwans? Ich habe so eine Monströsität bislang nur hier auf der quirligen Insel gesehen: Ein Meerestier mit harter Kruste wird mit dicker Käsekruste serviert. Die wirft dann der Gast zusammen mit der harten Schale weg, weil er hier in Asien Käse sowieso nicht essen will oder kann, was auch immer. Käse auf harter Kruste? Unten schmeckt es besser, sagten die Kollegen. Die Taiwaner halten das Essen wohl für typisch europäisch und bestellen es immer wieder in europäischen Restaurants. 


Fleisch mit Obst und Fisch. Halten wir`s mit Beckenbauer: "Ja gut ... äääääh".

"Ganze Krabbe ohne Nudeln und Beilagen". Auch nicht so gut, sagte die Kollegin. Dabei finde ich das leckere Essen sieht aus, als wenn der Tierarzt noch was machen könnte. Alles eine Frage des Standpunktes eben.

Ich fand es jedenfalls toll bei "Diamond Joe". Wer genau hinsieht, erkennt die Kollegen links beim Essen.

OK... Carpaccio ist also rohes Rind. Der Salatanteil war lecker, der Rest ging bei mir als Wenigfleischesser den Weg alles irdischen, worum sich die Bedienung kümmern musste.

Ludigels leckere Loulade. Meine Frau, mit ihrem selbst bestellten Seafood auf dem Teller, war wieder kaum von meinem fernzuhalten.


Während die Kollegen löffelten und gabelten und harte Krusten zerrissen...


... machte ich mir Gedanken, wie ich Taipei als Motherboard erscheinen lassen kann auf dem Foto, so dass man glaubt, den Strom in den Leiterbahnen fließen zu sehen. Hmmm... ach so geht das.... Na ja, irgendwie so.

Die weiße Fensterbordwand und die einzelnen Lichter erinnerten mich an "10 Vorne" in der Serie Star Trek.

Also nach dem Dessert Flugs nach Hause ... mit Warp 3 oder dergleichen...


Montag, März 25, 2013

Taipei 101 bei Nacht (Teil 1)


Ich muss zugeben, dass mir mein in diesem Blog häufig vorkommendes Geschimpfe über mein bisweilen slumartig wirkendes Wohnviertel langam selbst surrealistisch vorkommt. Erstmal haben sich viele Wohnungsbesitzer moderne Fensterfronten einsetzen lassen und die alten verrosteten Gitter entfernt, dann sind die Müllhalden zwischen den Häusern weg (nur in Ludigels Hinthofblick sieht man noch Müll auf den Vordächern lagern) und außerdem ist bereits so viel von dem ehemals sehr großen Viertel an der WenDe Road in NeiHu weggerissen, dass ich nur 50 Meter gehen muss, um in moderner Bebauung zu stehen. Moderne Wohnscheiden, Beton viel adretter als in den alten 70er-Häusern verbaut, neoklassizistische Nobelreihenhäuser und Beton- und Glasbauten von Büros. Taipei wandelt sich rasant. Wo ich mich 2004 noch über schmutzige Baracken an der Hauptstraße aufgeregt habe, sind heute u.a. eine Bentley-Vertretung und ein Burger King in adretten Fassaden nebst diversen Bankfillialien. Auch "Taipei 101", ehemals das höchste Haus der Welt und noch heute eines der höchsten, ist heute Teil eines noch im Bau befindlichen modernen Stadtzentrums, während es um 2004 herum noch wie ein moderner Riesenbau aus teilweise slumartigen Schlichthäusern ragte. Taiwan hatte in den 70ern sein Transistor-Wirtschaftswunder und hat heute eine Funktion als Computer-Ingenieurbüro der Welt und passt sich langsam auch optisch an. Ist das schade? Mag sein. Würde Rennovieren der alten Bauten reichen? Vielleicht, aber dann hätte man immer noch keine Bürgersteige, denn von den "Parkstreifen" am Fahrbahnrand wollen sich die Anwohner sicher nicht trennen, autoverrückt wie sie alle sind. Neue Nobelreihenhausviertel haben immer noch keine Bürgersteige, insbesondere die mit Security-Schranke davor. Da geht keiner zu Fuß, ist wohl der Gedanke.


Mit der "MRT"-Stadtbahn Taipeis, die auch immer noch ausgebaut wird und erst seit etwa 2 Jahren bei uns ins Viertel reicht, an der "City Hall"-Station ausgestiegen. Die ganzen Häuser um mich herum gab es vor ein paar Jahren hier noch gar nicht.

Positiv die vielen neuen Fußgängerzonen, wo es sonst in Taipei häufig nicht mal Bürgersteige gibt. Aber ergreift man die Gelegenheit zum ökologischen Neubau, viele Parks um die in Taipeo so oft gequälte und ausgemerzte Natur mit der modernen Stadtarchitektur zu versöhnen? Dumme Frage, natürlich nicht. Lampen an die Fassaden und schon solle es modern sein. Aber wenigstens ist alles sauber und man kann entspannt ohne Moped- und Autowüteriche zu Fuß gehen.

Wozu studieren die Leute eigentlich ihre eigene Kultur (wenn sie es denn tun) und Architektur, wenn sie am Ende doch nur die einst triste graue Schlichthaus-Betonlandschaft durch 80er-Jahres Betonarchitektur ersetzen? Aber gut, anders als im Westen sieht es auch nicht aus, auch wenn man da neuerdings vielleicht ein bisschen hübscher baut.


Beton und Lampen, aber immerhin sauber und rein und viel Platz zum flanieren und grübeln, was da wohl dran steht. Ein Schriftzeichen kann ich sogar lesen.

Hier ist schon die Spitze von Taipei 101 zu sehen, dem Ziel meines Ausflugs. Teuer ist es, das neue Taipei. In den teilweise noch in Bau befindlichen Straßen etwa locken Uhrengeschäfte mit Rolex, Tudor und Omega, nicht etwa mit einer profanen Tissot, für die ich mich interessierte. "Dior" steht am Wahrzeichen von "Free China", wie Taiwan manchmal genannt wird. So viel anders als Peking ist das also auch nicht, wirtschaftssystemisch gesehen.

 Fauler Zauber hier im Blog. Mit der Kamera umschmeichele ich die moderne Architektur und gebe textuell postmoderne Gesellschaftskritik a la Deutschland. Dabei habe ich mich in Wirklichkeit nur auf den Ausblick aus dem italienischen Restaurant im 86. Stock (oder dergleichen) gefreut. Und hatte Hunger.


Parks mit wenig Bäumen, dafür Beton und Licht. Sieht aber ganz nett aus.


Inhaltlich muss ich im Blog langsam umsatteln, vom Meckern über Schlichthäuser und fehlende Bürgersteige auf das Meckern über Betonkaufhäuser und öde leere Fußgängerzonen vielleicht.

 Ganz oben angekommen wunderte ich mich dann, wieso der Ausblick manchmal so milchig ist. Ach ja... W-O-L-K-E-N. Hier spiegeln sich Lüster und Servietten nebst Tellern im Fenster hoch über Taipei.



Von Essen in "Diamand Joe's" Italiener habe ich nicht so viel mitbekommen. Meine Roulladen war jedoch sehr gut, auch wenn manche Kollegen über ihre roten ganzen faustgroßen Krebse enttäuscht waren. Na ja, vielleicht wollten sie, dass sie noch weglaufen auf dem Teller statt sitzen zu bleiben. Ansonsten gab es wieder den Pseudo-Feinschmeckerhorror a la Taiwan. Irgendwelche Krusten-Meerestiere mit Käse auf dem harten Panzer. Weil Käsedrauf eben europäisch ist und der Taiwaner, der eh keinen Käse mag oder verträgt, diesen gleich mit dem Panzer entsorgen kann. Kein Wunder, dass das nicht schmeckt. Feinschmeckeressen heißt für viele Taiwaner eben Meeresgetier mit Panzer möglichst intakt auf dem Teller. Mag sein, dass so ein Italiener diesen Pseudo-Gourmet-Taiwan-Food nur etwas lieblos macht. Obwohl die rote Krabbe der Kollegin hinter mir noch aussah, als ob sie gleich loslaufen könne.

Zwischen 2000 und 4500 NT kostete so ein Menü, durch 40 in Euro. Wie immer sehr fischlastig wie alle Italiener in Taiwan. Ich hatte Carpacchio als Vorspeise und vergessen was das war, solange war ich nicht mehr bei richtigen oder halbrichtigen Italienern essen hier in Taiwan. Rohes Rind mit Salat offenbar. Pfui deibel.

Das sieht Supermann, wenn es aus den Wolken auf eine Tüte Stinky-Tofu nach Taipei einfliegt.

Im Restaurant selbt waren alle in weißen Hemden, ohne Krawatte (abgelegt) und mit schwarzen Hosen. Nur die Damen farbenfroh gekleidet, eine Barsängerin nebst Begleitung stand wie bestellt und nicht abgeholt neben dem Tresen und sang, alles waren natürlich viel zu cool um auf die Musik zu achten. Sehr viele Westler, etwa die Hälfte der Leute und der Rest gleich gekleidete Einheimische. Meine helle Hose war schon ein Sonderfall da oben.

Emsige Geister umdienen die Businessmenski über den Wolken am Tellerrand der Weltscheibe.


Unser Team fiel mit Jeans und Sweatshirts etwas auf, aber wir hatten ja auch einen eigenen Saal. Bei uns sind alles Hardware-Testleutchen, keine angloamerikanischen Manager. Ich war wie immer perfekt gekleidet, einfach die weiße Atemschutzmaske (Papier) aus der Einstecktuchtasche des Nadelstreifen-Jacketts gezogen und fertig.

Die möglicherweise echte Blueberry-Handtasche meiner Frau und meine Fototasche blicken auf die Stadt unter uns. Frau schimpfte über das Essen, ich knipste und murmelte "Hmmmmm..... Hmmmmmmm".