Dieses Blog durchsuchen

Donnerstag, August 07, 2014

Geht mich nix an

Geht mich nix an. Deshalb will ich nicht drüber schreiben. Aber tue es dann doch

Trotz entspannter Zeit mit der Familie und allgemeiner Harmonie und schönen Ausflügen doch mal wieder die Rubrik "bizarres aus dem Alltag" im Blog: Ein kräftiger junger *eindeutig asiatisch aussehender* Mann mit US- und Taiwan (Republic of China-) Staatsangehörigkeit schreit in Taiwan einen Busfahrer an und bedroht ihn körperlich, ein Handyvideo und das Video der Buskamera findet sich in den Medien wieder. Was soll es da mich als Deutschen in Taiwan angehen, könnte ich mich fragen. Aber dann diskutiert meine Frau mit mir das Verhalten von Ausländern in Taiwan, das Ausländerforum hat eine Diskussion in der Amerikaner und andere westliche Ausländer schreiben, wie sehr sie sich für ihren "Genossen" schämen und auch Blogger ziehen sofort die Querverbindung zu "arroganten und aggressiven" Ausländern in Taiwan:

http://my-new-life-in-asia.blogspot.tw/2014/08/foreigner-goes-berserk-assaults.html

Und warum? Weil der US-Taiwaner perfektes Englisch gesprochen hat. 

Und ich muss auch kritisch feststellen, dass ich mich irgendwie betroffen fühle, wenn ein Pakistani mit britischem Pass hier einen Mopedfahrer totfährt im Suff (so wie es aussieht nach umstrittenem Prozess, oft genug hier im Blog diskutiert) oder (vor Jahren) ein junger Frankokanadier mit Drogen dealt und mich die Öffentlichkeit dann eben anders wahr nimmt.

Interessant, was mich so alles was angehen soll. Pakistani mit Trunkenheitsfahrten, US-Taiwaner mit schlechter Laune und wenn demnächst Winnie Mandela nach Taipei kommt und die Autoreifen an ihrem Leihwagen in Brand setzt, muss ich mich wohl auch dafür rechtfertigen. "She's a hot chick."


6%

Man zahlt wenig Steuern in Taiwan. Aber hat auch weniger Kontrolle von staatlicher Seite

Die Tage ist in Kaohsiung (man schreibt das immer grundsätzlich falsch) im Süden Taiwans ein ganzer Straßenzug in die Luft geflogen, 26 Tote (oder 24 laut dem SPON-Artikel: http://www.spiegel.de/panorama/gesellschaft/explosion-in-taiwan-dutzende-tote-nach-detonationen-in-kaohsiung-a-983974.html). Auslöser war ausgetretenes Gas, aber kein Gas aus Leitungen, die zur Haushaltsversorgung gedacht sind, sondern Gas aus industriellen Pipelines, die mitten durch die Wohngebiete führen - Stücker 3 gibt es da. Nach bisherigen Erkenntnissen hat man von Fabrik A Gas zu Fabrik B liefern wollen, es kam bei B aber nie an und später bemerkten Anwohner penetranten Gasgeruch. Die Fabrik selbst hat wohl nichts unternommen, aber die Feuerwehr schickte dann Löschzüge, die Wasser in die Kanalisation leiteten, bis die riesige Explosion kam. Im Jahre 1997 ist das schon mal passiert.
In Taiwan werden Bebauungspläne, die zwischen Handels-, Industrie- und Wohngebieten unterscheiden nicht aufgestellt oder nicht beachtet, man hat auch schnell mal eine Wellblechfabrik neben dem Häuschen auf dem Lande, die dann giftigen Müll neben dem eigenen Grundstück verbrennt, so wie es mir mit meinem eigenen Häuschen in Taiwan ergangen ist. Bei 6% Steuern für die meisten (jetzt möglicherweise auf 5% bzw. 10% für wenige geändert) kümmert sich die Stadt halt nicht so.
War die Katastrophe in Kaohsiung vorhersehbar? 


Auf der Ferieninsel Penghu ist an einem Tag, an dem weite Teile Taiwans wegen eines Taifuns arbeitsfrei hatten, ein Flugzeug (das Touristen am Taifunfreitag zur Ferieninsel bringen wollte) in den Taifun geraten und zerschellt, 48 Tote (http://www.bloomberg.com/news/2014-07-23/taiwan-s-transasia-air-crashes-unkown-fatalities.html). Vorhersehbar, dass ein Flieger, der am Taifuntag um den Taifun herum fliegt in den selbigen geraten kann, wenn andere Fluglinien die Insel lieber nicht anfliegen - wegen dem Ding namens Taifun?


Am Wochenende war ich im sehr schönen Freizeitpark namens "Window on China", ein eigentlich recht unsinniger Name, der chinesische "shao ren guo" (kleine-Menschen-Land) ist viel besser, geht es doch um eine Miniaturlandschaft mit winzigem Präsidentenpalast etc. Da war in der Wildwasserbahn Juniors Hose nass geworden und ein von Mutter angetriebener Ludigel rannte hektisch auf den Ausgang zu, um aus dem Auto eine neue trockene Hose zu holen. Ich folgte den EXIT-Schildern und landete wieder an dem Bahnhof der Kinderbahn, mit den wir in den Rummelplatzteil des Parks gefahren waren. Keine Exit-Schilder mehr. Wo ging es raus? Frau war hektisch am Telefon. Ich lief in der Richtung, aus der die Bahn gekommen war, stieg über "No Entry" - Schilder und stand schließlich vor riesigen verschlossenen Metalltoren. Genervt fand ich mich nach langem Herumsuchen wieder am Bahnsteig der Kinderbahn ein und wurde darauf hingewiesen, dass der einzige Exit aus dem Park die selbst an diesem Montagnachmittag schon fast überfüllte Kinderbahn war.


Doch was wenn ein Notfall passieren würde? Feuer? Gasexplosion oder was auch immer? Mein typisch teutsch-ordentlicher Verstand analysierte sofort, dass dann die Leute genau so rennen wie ich gelaufen bin, den EXIT-Schildern nach und dann an den riesigen Metalltoren stranden, wo sie sich aufstauen mit Kind und Kegel.
Wenn da jemals was passiert, ist es natürlich unvorhersehbar, schließlich weiß ja niemand, dass man Notausgänge braucht und Besucher nicht hermetisch einschließen sollte. Kann man nicht verlangen, dass die Betreiber sowas wissen oder eine zuständige Behörde sich um Sicherheit Gedanken macht.
Ist nämlich typisch deutsche Denkweise, dieses Sicherheitsdenken und führt in Taiwan nur zu Frust. Also soll man sich über die 6% Steuern freuen.
Pipelines mit industriellem Explosivgas nicht in Wohngebieten, nicht Leute im Taifun zur Ferieninsel ins Taifungebiet fliegen, Notausgänge oder überhaupt einen Ausgang statt der Kinderbahn in Freizeitparks*** bauen, alles Rocket Science.


Aber in Mitteleuropa passiert auch genug, schon wahr, vgl. etwa die krass dämlich organisierte Love-Parade - und das trotz 49% Steuern oder wie viel ich zuletzt bezahlt habe. Soooooo schlecht ist das mit den 5% oder 6% also gar nicht. Und damit genug Ausländermeckerei.


*** Der Miniaturteil des Parks hat einen Ausgang, der Rumelpatzteil aber nur eine Kinderbahn als einige Ausgangsmöglichkeit. Die schmale Gleistrasse ist fast zugewachsen und entsprechend eng.

EDIT: Sehr ähnlicher Artikel im Nachbarblog, mit differenzierterer Analyse - ich hatte ihn vorher nicht gelesen: http://luo2you1.blogspot.tw/2014/08/risiko.html

Donnerstag, Juli 31, 2014

Junior

Als Expat lebt man oft viel zu verkrampft. Vorbild sollte der eigene Junior sein

Grillfeier mit totem Ferkel am Spieß (oder eher einer Sau, das arme Ding war recht kapital) im Kollegenkreis. Im Bergumland von Taipei auf einer der kommerziellen Grillanlagen (alter Bericht mit Karte hier). Ich wollte Junior zum füttern und streicheln der freilaufenden Ziegen überreden, doch nichts zu machen. Junior (3) verzieht das Gesicht und will mit den wilden Tieren nichts zu tun haben.


Die Anlage nennt sich neuerdings "Queenstown", was natürlich ein frei erfundener Name vermutlich ohne Bezug zur Anlage ist.


Jedenfalls drehte ich mich um und sah, als ich wieder hinsah, Junior Hand in Hand mit der 5jährigen Nichte eines Kollegen, die ihn zum Ziegenfüttern brachte.


Und dann? Junior lächelt die ganze Zeit und füttert und streichelt die Ziegen, als habe er sein ganzes Leben nichts anderes gemacht.

Neulich hatte er eine richtig filmreife Szene in einem Restaurant. Er hatte mit einem Mädchen dort auf den Sofas getobt, danach waren seine und ihre Familie beim Essen gewesen. Als sich ihre Familie dann zum Gehen anschickte, legten Junior und das Mädchen eine Szene wie im Hollywoodfilm hin, rannten queer durch das Lokal mit ausgestreckten Armen wie in Zeitlupe aufeinander zu (man hörte förmlich die Musik vom Band) und umarmten sich dann hollywoodreif.

Junior lebt sein "Expatleben" viel entspannter als sein Vater, fällt mir auf. Wahrscheinlich, weil es gar kein Expatleben für ihn ist ;-)


In der schönen Landschaft bei taiwanischem Sommerbier mit Fruchtaroma und schöner Landschaft...

...

... verzeiht man auch die oft vorherrschende Wellblech- und Schlichthausarchitektur.


Zitat von Junior:

"Kein Mädchen, Ziege!"

Gemeint war aber eine veritable Ziege.

Montag, Juli 28, 2014

Nihilistische Eisspezialität (Update)

Die Vergeblichkeit des Seins, im "Charmonix" in NeiHu, Taipei

Ein Nihilist ist jemand, der der Vergeblichkeit des Seins große Bedeutung beimisst. An der genauen Definition möchte ich mich nicht versuchen, aber ich stelle es mir so vor wie den chinesischen Denker Laozhi, der offenbar von der Vergeblichkeit der Anstrengung geredet hat und das man sich eher wie ein Blatt im Wind fügen soll. Als ob Laozhi einen Kater hätte, so etwa.


Als im Charmonix nach einem europäisch inspirierten Mehrgängemenü eine Schale Eis serviert wurde, die von weißer Schokolade mit schwarzen Äderchen durchdrungen war und dann heiße Erdbeersauce das Ganze Weiße-Schoko-Dach zum Einstürzen brachte, da musste ich an die Vergeblichkeit des Seins denken, als der Desert so zerstört und offenbar blutend vor mir lag. Besser ist es vermutlich, dass ich in meinem Leben nie einen Rohrschachtest machen musste - Sie wissen schon, den mit den Tintenkleksen.

Depression gehört natürlich zum Exaptleben fern der Heimat auch dazu und soll hier nicht verheimlicht werden. Am Besten genießt man sie mit einem langen Löffel.

Charmonix-Webseite:  http://www.chamonix.com.tw/en/store.aspx

EDIT: Nachtrag zum Lokal: Nach japanischer Tapernyaki-Art wird am Tisch zubereitet auf heißer Platte, man sitzt in einer langen Reihe mit anderen Leuten vor dem Koch. Wir bestellen meist fleischiges hier, so dass sich eine europaverwandte Küche ergibt aus diversen Gängen, Vorbestellung zu empfehlen oder gar erforderlich. Meist hat man 4er-Gruppen oder größere, mir ist unklar, ob man hier auch zu Zweit kommen kann.

Juniors Sprachentwicklung

Kurze Bestandsaufnahme der trilingualen Erziehung.

Mutter und Großmutter reden mit unserem Junior (3) Mandarin, Großmutter wohl nur selten auch mal ein paar Broken Taiwanisch aka Hoklo. Meine Frau und ich reden miteinander Englisch, auch wenn Junior dabei ist und dann oft in die Diskussion einbezogen wird. Ich selbst rede mit ihm Deutsch, meistens. Obwohl ich manchmal auf Englisch oder sogar etwas Chinesisch zurückfalle, wenn ich schnell einen wichtigen Punkt rüber kriegen will. Oder unwillkürlich auf Englisch antworte, wenn Junior mich auf Englisch anspricht.

Das Ergebnis ist jetzt, dass Junior wohl Mandarin-Chinesisch als Erstsprache hat und, wenn alles so weiter geht, da sicherlich Muttersprachler werden wird. Englisch ist seine Zweitsprache und er tendiert mir gegenüber dazu sie vergleichbar wie ein Muttersprachler zu benutzen, überrascht mich immer wieder mit neuen Forumlierungen. Deutsch ist nur wortweise vorhanden und wird oft zu einem Englisch-Deutschen Mix.

Zitate von Junior:

"No Mädchen, no ball":    "Ball" englisch gesprochen. Junior meinte hier tatsächlich einen Ball, aber mit dem englischen "to have a ball" (eine Fete haben/sich vergnügen) passt es natürlich auch gut.

"Fucke you":  Wegen dem e am "Fuck" muss er das im Kindergarten gelernt haben.

"Fuck!":  Er zeigte dabei allerdings auf "Kermit the frog" und der Muppetshow. Frog und Fuck ist noch das selbe bei Junior.

"Calm down!":   Ich war wohl sichtlich nervös, als ich das verdammte T-Shirt nicht über seinen Kopf gezogen kriegte. Schon witzig, wenn einen der kleine Sohn zum Ruhigbleiben auffordert.

"Mädchen! Tanzen!":  Gleich nach dem Aufwachen, als er sich auf die sonntägliche Spiel-, Musik- und Klettergruppe freute. Außer ihm waren da nur drei Mädchen in der Gruppe.  

"Beißen yes!":  Er hat manchmal Widerworte...

Nur ein kurzes Update zu der Mehrsprachlichkeit, sicher nur für andere Eltern in ähnlicher Situation interessant.


 

Montag, Juli 21, 2014

Gehen Sie nicht über Grün, nehmen Sie nicht ihr Geld mit, gehen Sie direkt ins...

... Gefängnis! In Taiwan ist man als ausländischer Autofahrer immer nur eine Schrecksekunde lang von Ruin und Inhaftierung entfernt. 

Eigentlich eine Nichtbegebenheit. Ich will an einer großen breiten Straße rechts abbiegen. Stehe bei Rot an der Ampel, hier in NeiHu, Taipei, Taiwan. Dann kriege ich den grünen Rechtsabbiegerpfeil. Ich fahre vorsichtig los. Denn vor mir linker Hand ist diese Moped-Wartefläche, wo die Mopeds eben einen Startvorteil bekommen sollen im hektischen Taiwanverkehr. Und da rangieren manche wild vor sich hin - durchaus notgedrungen manchmal, aber das zu erklären würde jetzt zu weit führen. Niemand da, alle Mopeds stehen still. Fahre nach rechts in die Kreuzung ein und AAAARRRRGG mit gefühlten 60 Sachen rast ein Moped an der weißen Haltelinie von links kommen entlang, die ich soeben überfahren habe, direkt vor mein Auto. Ich trete scharf auf die Bremse, Frau kreischt im Auto, ich hupe, das Moped nagelt quer über alle Fahrbahnen, weil er irgendwo weiter hinten links abbiegen will und winkt mit dem Arm zur Entschuldigung. "Reg Dich nicht auf", mahnt gleich meine Frau. Er hat sich doch entschuldigt.

Im Kopf läuft dann bei mir allerdings ein kleiner Film am, ein Paralleluniversum, was passieren würde, wenn ich nicht so aufmerksam gewesen wäre und den bei Rot und abseits der üblichen Fahrbahn (schon in der Einmündung der konkurrierenden Fahrbahn) dahin rasenden Motorrollerfahrer nicht gesehen hätte. Moped oder Motorroller, Scooter sagt man hier. Bis zu 85 km/h fahren sie schnell.

Nach einschlägigen Erfahrungen, siehe etwa die massive Vorverurteilungskampagne bzgl. des "britischen Todesfahrers", die einen fairen Prozess wohl unmöglich gemacht hat (letzte Meldung hier: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/06/schottland-liefert-todesfahrer.html) würde in diesem Fall alles davon abhängen, ob die ungezügelte Taiwanpresse einen theoretischen Todes- oder Invaliditätsfall für spannend genug hält, um ihn groß in den nationalen Medien an die große Glocke zu hängen. Shitstorms gegen einzelne Ausländer betreibt die Taiwanpresse eben immer wieder gerne. Dann würde man nicht, wie dieser taiwanische SUV-Pilot das Gesicht des Unfallopfers fotografieren um besser Regressansprüche zu stellen (http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/no-country-for-pedestrians.html), sondern sich eher Gedanken machen, wie man es vermeidet, ins Gefängnis einzufahren. Und wie man es vermeidet, das gesamte Vermögen und mehr an die Familie des Unfallgegners zu überweisen. Denn ist ein Unfallfahrer ein Ausländer, wird immer in US-Dollar um Entschädigung verhandelt. Ist er ein Taiwaner, wird in Taiwandollar verhandelt, was immerhin einen Unterschied von 1:30 ausmacht.

Wieder mal etwas negatives aus dem Leben in Taiwan, aber ich denke, der Gefahren im Straßenverkehr gerade als Ausländer sollte man sich bewusst sein. Denn eine Gleichbehandlung von Einheimischen und Ausländern findet hier eigentlich nicht statt.

Viele positive Erlebnisse in Taiwan und die passenden Fotos zu netten Reisen sind hier in der letzten Zeit nicht erschienen - bei mir ist wohl etwas Blogmüdigkeit ausgebrochen. Vielleicht holen wir das ja demnächst nach.

Edit: Ich habe ein Kamerasystem im Auto. Aber das zeichnet ja nur den unmittelbaren Unfallbereich auf und nicht unbedingt die lange Gerade und den Ursprungspunkt des Unfallgegners, was hier wichtig gewesen wäre. Und wer sagt, dass die SD-Karte zum Prozess noch zur Verfügung steht, wenn das Verfahren so emotional-partriotisch untermauert wird wie im Falle des Schotten? Verlieren kann man sowas leicht.

Sonntag, Juli 20, 2014

Heilige Russ...


Verstörend, in Europa "stürzt" ein Flugzeug ab. Auf einer gängingen Asienroute, die ich auch schon genommen habe. Die Leichen liegen ungeborgen herum, werden geplündert. Geldbörsen, Kameras und Telefone verschwinden. Die Menschen an Bord hätten nicht gedacht, in so kurzer Zeit auf ihren nackten Materialwert reduziert zu werden. Schließlich hatten sie gerade noch die Kopfhörer auf und haben den neusten Kinofilm im Entertainmentsystem gesehen.
"Heilige Russ", what the fuck is happening?

Montag, Juli 14, 2014

Dshem Annie Wong!

Ludigel wurde vom unruhig schlafenden Junior rechtzeitig zur 2. Halbzeit geweckt...

Nachtschlaf ist so eine Sache bei den Ludigels. Entweder ist die Klimaanlage aus und es sind 29 Grad nächtens derzeit, oder die Klimaanlage läuft und es ist kalt wie im Kühlschrank in der Zugluftvariante. So wälzte sich auch Junior unruhig hin und her und ich konnte mir einen Blick auf die Uhr nicht verkneifen, als ich um 3:45 geweckt wurde und bin schnell zum TV gelaufen, wo TVBS (Bullshit TV? Der  chinafreundliche Sender hier denke ich) tatsächlich das Endspiel Argentinien gegen Deutschland übertrug. Zum 0:0 in der Halbzeit der regulären Spielzeit stieg ich schlaftrunken ein, aber auch nicht ganz unfroh der stickigen dicken Luft als Alternative zum arktischen Wind entkommen zu sein. Bei offenem Schiebefenstertürdings zum Balkon hin war es auch bei 29 Grad und etwas Durchzug eigentlich ganz angenehm. Nur dass man da manchmal von Ping Fong, der um 3.00 Uhr morgens mit abgesägtem Auspuff zur Frühstücksbude Nr. 26795 in Taipei rattert, geweckt wird. Aber das war mir fußballguckenderweise egal. So feuerte ich dann schlaftrunken das deutsche Team an mit dem Gedanken, dass meine Frau dann am Morgen noch saurer sein würde als ohnehin schon nach dem 7:1-Sieg der deutschen Kicker gegen Brasilien. Wenn ich meine Frau so reden höre, dann hatte Brasilien ja wohl gewissermaßen ein verbrieftes Recht irgendeiner UN-Charta auf den Weltmeistertitel im eigenen Land. Vielleicht hätten sie dann halt eine Spezialeinheit abstellen müssen, die die Deutschen am Spielen gehindert hätte. Und dann hätten sie nach Verlängerung und Elfmeterschießen 2:0 gewonnen und könnten sich heute feiern. Gut, möchte ich nach all den langen Vorhaltungen der werten Gattin über den unfairen Sieg gegen das geliebte Brasilia hinzufügen: Wenn eine brasilianische Spezialeinheit ähnlich gut ist, wie die Kicker, dann wäre das aber wohl auch schief gegangen. Never mind. Werden wir nicht gehässig.

Natürlich schlug das Herz der werten Gattin, die eine schon epische Deutschlandaversion hat (kein Seven-Eleven, zu breite leere Bürgersteige, zu unfreundlich, zu viel Brot, Mücken, gefährliche Tiere im niedersächsischen Reihenhausgarten, zu grün und damit naturverkeimt) diesmal für Argentinien. Jetzt sitzt sie mit noch längerem Gesicht neben mir, obwohl sie zu früher Morgenstunde noch eine taiwanische Nachrichtenseite gefunden hatte, die den Argentinischen Sieg vermeldet hatte.

Frau murmelt Verwünschungen Richtung Teutonien, ich hingegen zitiere einen Kollegen, der mir 2010 zum Halbfinalsieg 2010 (glaube ich war das) gesagt hatte: "Dshem Annie Wong!", was ich erst eine geschlagene halbe Stunde später verstanden hatte, als meine kontextsensitiven Sprachanalyseroutinen nach dem Morgenkaffee endlich ihre Arbeit beendet hatten. Sie versteht es nicht, der werte Blogleser auch nicht und so bleibt eine weitere Eskalation erspart ;-)

Donnerstag, Juli 10, 2014

Bitte ein bisschen verrückt... Asien-Golf

Deutsche halten Asien nun mal für verrückt

Als in den späten 80er und frühen 90er Jahren die japanischen Autos in großer Zahl auf den deutschen Markt drängten, da gab es kaum eine Journaillie, die nicht den Teufel der totalen japanischen Dominanz der Weltwirtschaft an die Wand malte. Keine Zweifel, Grundig, Telefunken, Löwe-Opta, Nordmende und AEG würden bald pleite gehen (nanu, war da nicht was mit diesen Marken?), kein Mensch mehr mit Agfa- und Rollei-Kameras fotografieren (räusper) und selbst VWs, BMWs, Opels, Fords und Mercedes würde man zu Gunsten von Mazda, Mitsubishi und Toyota links liegen lassen.

Das führte wohl bei manchen Konsumenten zu halbherzigen Gegenreaktionen, ich erinnere mich an gar schreckliche Stereokomponenten und Viderekorder von Grundig, Nordmende, Telefunken und so ein Zeug, die nie richtig funktionierten und nach 6 Monaten meist schon wie 10 Jahre alte japanische Geräte wirkten. Nur die alten deutschen oder europäischen Geräte aus Vollmetall, etwa ein Saba VHS-Rekorder geerbt vom Onkel, der lief und lief und lief und knallte so wunderschön, wenn man seine Vollmetalltasten zur Aufnahme herunter drückte. Ab den mittigen 80ern war dann offenbar bei günstiger Unterhaltungselektronik die Luft raus und heute hat man halt Denon, Kenwood und sonstwas im Schrank, wenn das nicht schon wieder durch den iPod Hirn-Direktanschluss in der Verdrängung befindlich ist.

Gut, deutsche Autos haben sich ihre Prämiumliga gesucht und Mazda gehört heute zu Ford, war also alles halb so schlimm. Aber was sich auch immer gut verkaufte, waren diese Staats-TV-Reportagen im Dritten oder bei ARD und ZDF, die uns die bizarren und sicher irgendwie verrückten, wenn nicht sogar "perversen" Japaner vorführten. Ich erinnere mich an spannende im Familienkreis geguckte überlange Berichte, in denen Japaner Schulmädchenhöschen (gebrauchte) aus Automaten zogen und ... die Japaner so komische Dinge taten wie durch heiße Dampfbäder rennen, dabei unbekannte Götter anbeteten im Singsang und dann anschließend ganz bizarr Golf spielten, wobei sie sich bei der Fahrt zum Golfplatz in der U-Bahn Upskirts-Fotos machten und dann... ja dann... in einem Etagenbau standen und Golfbälle sinnlos im Fließbandbetrieb in ein abgesperrtes Käfiggehege droschen.

Der Deutsche Zuschauer sollte sich sicher überlegen und abendländisch-weise fühlen nach solchen Berichten, die natürlich ein völlig verqueres Asien- und insbesondere Japanbild vermittelten. So wie die deutsche Presse auch gerne nur hergesuchten bizarren Unsinn aus Taiwan berichtet, so hat sich jede Kanaille der Journaille auch bei Japan nur auf das Abseitige gestürzt.

Und noch beim ersten Taiwanblog, heute nur noch irgendwo im Webcache existent, wurde ich sofort nach den Unterhöschenautomaten gefragt. Weil Asien, Japan, China, Kambodscha sicher alles sowieso das selbe ist.

Gut, ich gebe es allerdings zu, was es gibt sind die asiatischen Golfcourts - Höschenautomaten gibt es hier nicht.

 In Taipei-NeiHu, ganz in der Nähe von mir, ich spiele hier aber natürlich nicht.

Wo ist da bloß...

.... der Sinn...

... bei der Verschmutzung der sicher hinterher aufgeräumten Graslandschaft...

.... mit Golfbällen?

Und wäre es vielleicht eine Geschäftsidee das auch mit Tennis zu machen? Bei meinem Sporttalent jedenfalls wäre es für mich das einfachste, die Tennisbälle einfach so wegzudreschen und mich dann nicht mehr drum kümmern zu müssen. Und zurück kämen sie ja auch nicht.

UPDATE: Hier sind Taiwan und Japan dicht beeinander: Japan ist das sicherste Land der Welt (um dort zu leben), Taiwan das zweitsicherste. Nummer 3 ist Hong Kong. Wenn das denn ein Land ist. Aber das bezweifeln ja manche auch bei Taiwan.http://lifestyle9.com/top-10-safest-countries-to-live-in-the-world/4/

Dienstag, Juli 08, 2014

Bizarres aus dem Taiwanverkehr

Bizarres Video:  Eine Frau blockiert an einem Fussgängerüberweg ein Auto, um sich dann mit Elan auf die Motorhaube zu werden. Sie will sicher vortäuschen, angefahren worden zu sein. Es handelt sich dabei wohl um die kommerzielle Variante eines Studentenulks, der vor einiger Zeit in Taipei grassierte. Da haben Studenten genau das selbe getan, offenbar ohne finanzielle Absicht. http://www.liveleak.com/view?i=d1b_1403976313

Eine schon länger bekanntere Variante des Unfalloper-sein Vortäuschens sind Motorrollerfahrer, die taiwantypisch sehr dicht rechts am Vorderrad eines PKWs an der Kreuzung zum Stehen kommen und dann, wenn der PKW zuerst losfährt, vorzutäuschen man sei ihnen über den Fuß gefahren. Auch hier finanzielles Interesse. Grundsätzlich ist es immer besser, Motorrollerfahrer zuerst anfahren zu lassen,  weil sein einem oft direkt vor die Motorhaube ziehen, wenn sie losfahren.

Und in Taipei-Banqiao soll ein Motorrollerfahrer Passanten mit dem Messer angreifen, meldet das Ausländerforum.

Alles natürlich nur Auswüchse. Taiwan ist ein friedliches Land, sofern man jedenfalls auf den Straßenverkehr achtet, bei dem man auf bürgersteiglosen Straßen oft genug zur Seite springen muss.

Mittwoch, Juli 02, 2014

Comicblog für Expats (Update)

Empfehlung:
http://laowaicomics.com/

Ich erkenne manchen Unsinn aus diesem Blog drin wieder. Auch wenn der Autor in China sitzt.

Gut, das mit den scharfen Nudeln nicht.

UPDATE:  Okay, desto mehr man liest, desto mehr merkt man auch die Unterschiede. Und so klicke ich am Ende weg und denke: "ach, China....."  ;-)
Nun, eigentlich hat der Satz sogar mit einem F angefangen und war auf Englisch.

Szenenapplaus für Junior

Vorsicht Kindergeschichte!

Junior wurde dieser Tage in einer sonntäglichen Spaß-Turngruppe in Taipei einquartiert, um besser auf Gerüste zu klettern, was sie im Kindergarten um die Ecke angemahnt haben. Gefühlt 17jährige Taiwanerin gibt tollen Animationsunterricht für Junior und ich habe schon wieder ein neues Stadtviertel mit Nobelwohnblocks gefunden, keine 10 Minuten von uns entfernt. Viel Beton, aber mit breiten Bürgersteigen und Brunnen etc. Das neue Taipei eben, das die alten Schlichtbauten (wo ich wohne) in Windeseile verdrängt.

Jedenfalls waren in der Gruppe sonst noch 3 Mädchen außer Junior, auch so 2-3 Jahre alt. Am Ende holt dann die Erzieherin eine große Puppe, so eine Art Pumuckl raus, die die Kinder zur Verabschiedung umarmen und abknutschen sollen. Alle anderen Kinder (immerhin 3) knutschen die Puppe ab. Als Junior an der Reihe ist, greift er sich einfach die neben ihm stehende Dreijährige und gibt der einen Kuss.

Spontaner Applaus für Junior von den anderen Eltern ;-)

Zu Hause hatten wir dann noch eine DVD von dem Turnladen mit der Puppe auf dem Cover. Ich frage Junior "Und... hast Du die Puppe geküsst?". Musste noch ein "Kiss Kiss that one?" nachschieben und auf die Puppe zeigen, denn Englisch klappt bei ihm meist besser.

"No.... kiss Mädchen!" antwortet er spontan.

Dienstag, Juli 01, 2014

Von Taiwan per Paddelboot auf die Philippinen: US-Amerikaner auf der Drogenflucht

Wirre Geschichte

Ein US-Amerikaner, sicher einer der "English Teacher" auf Taiwan, hat daheim in Taipei Drogen und flüchtet vor der Drogenpolizei per Paddelboot (mit mobilem GPS) auf die Philippinen. Will offenbar nach Manila, um dort in der US-Botschaft um Hilfe zu bitten. Wird bewusstlos in einer Inselgruppe aufgefunden, wo er jetzt auf der Polizeiwache gefüttert und gewässert wird, bis sich die Polizei mit den Taiwanern respektive übergeordneten Behörden kurzschließen kann. Er verlangt Pizza von der Philippinen-Polente.

http://newsinfo.inquirer.net/606087/american-who-fled-taiwan-ends-up-in-batanes-town

 Hat die Drogen in Taipei als Beweismittel offenbar zurückgelassen. Toilettenspülung muss kaputt gewesen sein. Gut, dass er sie nicht bei sich hatte bei der "Einreise" in die Philippinen ;-)

EDIT:  Das Ausländerforum meldet seinen Tod auf der Krankenstation eines Gefängnisses oder der Einwanderungsbehörde. Erfahrungsgemäß braucht man in Dritte-Welt-Ländern ein paar Dollars um etwa Infusionen zu bezahlen. Ob er die (noch) hatte?
Wirre Geschichte und ein bizarres Ende eines offenbar verwirrten jungen Mannes in Taiwan.


+++++++++

Andere Taiwan-Nachrichten:  Taiwan, Iran, Nordkorea, Syrien sind auf einer Liste "unerwünschter Länder" für Nationalfeiern in Kanada:  http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/07/01/2003594067

++++++++++

Neues Lieblingszitat für die seltenen Phasen einer Taiwanüberdosis, was ja unter Langzeitexpats vorkommen soll: 

Qing official Lee Hongzhang (李鴻章) told Chinese Empress Dowager Cixi (慈禧太后) that Taiwan was a “backward territory where flowers do not bloom, the birds do not sing, the men are heartless and the women without love.”
http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/07/01/2003594068

Montag, Juni 30, 2014

Die Dinge, die man nie erwäht

Heute mal im Ausländer-Forum, was man in Blogs immer verschweigt
Taiwan-Neuling lesen bitte den Artikel nicht sondern springen zur Sondersektion für Taiwan-Newbies am Ende. Danke!

Taiwan hat ja, wie wir auch hier öfter mal angesprochen haben, eine deutliche höhere Gewaltrate als Deutschland, jedenfalls was die "Homicide"-Rate, also die Rate an Mord- und Totschlag angeht. Wie das zu Taiwans supersicheren Straßen passt, haben wir auch hier im Blog mit einer höheren Rate an bandeninternen Schießereien, aber auch familiärer Gewalt in Taiwan erklärt. Von fliegenden Fäusten in Taiwanfamilien, jedenfalls hier in meinem Taipei-chinesischen Umfeld, habe ich durch meine Frau auch des öfteren gehört. Fast alle ihre Freundinnen klagen immer mal, vom Gatten verprügelt zu werden. Das Taiwan-TV sorgt da für die hinreichende Einnordung der jungen taiwanischen Zuschauer: Immer wenn sich zwei Leute im Büro gegenüber sitzen, wird gleich einer den anderen Ohrfeigen - Gott sei Dank nur im Fernsehen. Keine Szene in den mir bekannten so friedlichen Parks in Taipei, in denen nicht muskelbepakte Herren eine zierliche Frau oder einen einzelnen Herren zusammenschlagen und -treten und irgendwo hin verschleppen. Jeden Tag, unendlich in dieser TV-Marathon-Seiferoper mit immer wieder den gleichen Schauspielern. Aber nur im Fernsehen, nicht in der Realität. Aber die Shows suggerieren Gewalt als Mittel privater Auseinandersetzung und so ist es auch schwierig Junior zu erklären, nicht gleich auf das Notebook mit dem Mickey-Mouse-Zauberstab einzudreschen, wenn ihm irgendwas nicht passt am Programm. Wenn doch die Leute da im TV es genauso machen.

 Kein Grund, gleich aus dem Fenster zu springen...

Wir männlichen Expats kennen von der Heimgewalt im wesentlichen fliegende Möbel, da brauch mal halt Pattex und viel Geduld und gut ist. Praktisch auch, wenn sie das Notebook im Fluge selbst herunterfährt, weil der Desktop durch eine Fehlfunktion bei unter 98,8% Strom schon einen kritischen Ladezustand sieht und den Rechner linuxtypisch schnell binnen Sekunden herunterfährt. Kabel rausreißen und das Ding olympiareif durch die Gegend werfen dauert halt ein paar Sekunden und so trifft das Notebook dann auf die Fliesen mit sicher arretierter Festplatte. Sie sollten aus dem Bug ein Feature machen, als Asien-Expat - Spezialedition von Fedora Linux.

Aber jetzt muss ich gar nicht aus dem linuxtechnischen Nähkästchen plaudern. Überlassen wir das Wort einem anderen Expat, der es wohl recht extrem erwischt hat, weil es bei ihm erst im 10. Ehejahr losgeht. Bei ihm hantiert die Gattin sogar mit dem Messer und droht mit Selbstverletzung und Selbstmord. So isser spät dran und macht es heute erst mit:

http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=92&t=132381

EDIT: Gacker: Und hier ist ein Thread, wo jemand Taiwan verlässt und seine Psychopharmaka an einen anderen Expat abgeben will: http://www.forumosa.com/taiwan/viewtopic.php?f=54&t=132421.
Wenn er draußen ist, braucht er das Zeug nicht mehr. Prust, Wieher ;-)


Auch das gehört irgendwie zur Taiwangeschichte dazu. Taiwan hat halt eine konfuzianische Kultur. Probleme ansprechen ist unfein und droht Gesichtsverlust zu erzeugen, Hinweise zu Konflikten müssen eben aus dem sozialen Umfeld anhand schwacher Signale erkannt werden. Klappt mit Ausländergatten in der Regel nicht. Bei Taiwaner aber auch nicht. Deswegen fressen Taiwaner manchmal monatelang Konflikte in sich rein, lächeln immer nur bis dann irgendwann der  Druck so groß wird, dass die filmreif ausflippen und man in D-Land an die Beruhigungsspritze und das Gummizimmer denken würde.

Alles nicht so wild. Und die Möbelträger würden taiwantypisch die Möbel eh zerlegen beim nächsten Umzug, warum also aufregen. Bei mir ist schon seit Jahren fast immer alles ruhig. Ich sitze derzeit viel bei Seven-Eleven und esse Obst und lese Frederik Pohls Gateway-Zyklus zum zweiten Mal. Wenn unsere tapferen Raumfahrer dort am Ende endlich die mysteriöse Rasse "HeeChee" finden, sind sie sicher so vernünftig und normal geschildert wie es eben in westlichen SciFi fast immer der Fall ist. Dabei gibt es doch schon auf der Erde ganz andere Kulturen, die viel bizarrer sind. Meine Taiwanfamilie hat derzeit auch so einen Taiwanwinnie-Zirkus am laufen, die Attacken der den Ton angebenden "Ersten Schwester" auf meine Kleinfamilie haben auch meine Frau aus der emotionalen Balance gebracht und all die Pläne mit Kündigung und Familienbetrieb-in-Manila-aufmachen sind wohl nur nicht ernst zu nehmende Symptome dieses sich gegenseitig emotional hochschaukelnden Taiwaniwinnie-Familienspiels. Ich zucke mit den Schultern und warte was da kommt. Kündigen wir nun doch oder nicht? Was weiß ich was sich die wirklichen Heechee gerade ausdenken. Ist mir auch egal im 11. Jahr. Wie gesagt, bei mir ist es ruhiger als bei dem Expatkollegen im Link. Gut, so ein Jahr in der Arktis das Thermometer ablesen und nur alle drei Monate mal Besuch vom Versorgungsflugzeug kriegen wäre schon das Richtige für mich. Aber da schmilzt ja schon das Eis und sie bauen bald Brokkoli an, wie ich gelesen habe. Und dann kommen bestimmt auch die Taiwaner da hin.

Ein toller Job, besser als im Kloster, müsste sonst noch bei der Hongkong-Post zu haben sein. Die brauchen manchmal 8 Wochen, bis sie einen Brief von Hongkong nach Taipei zustellen. Oder länger. Die müssen eine himmlische Ruhe haben da im Büro....


Hier die Kurzform für Taiwannewbies:
Begin
  Taiwan ist so toll, tolle Tempel, freundliche Menschen, tolles Essen. Und die Vertrieblerin beim  Hardwarehersteller war soooo freundlich und lächelt so nett.
End

So haben wir die beiden Sichtweisen des eingeheirateten Langzeit-Expats und des Kurzzeitbesuchers oder Taiwan-vom-Hörensagen-kennen oder Business-only-No-local-Family-Expats beide harmonisch im Blog nebeneinander ;-)

Freitag, Juni 27, 2014

Hass auf die Tür

Man kann Türen hassen. Doch wirklich

Dieser Tage ist alles etwas unstet. Wie bereits berichtet will meine Frau ihr Bürodasein mit seinen 18+-Arbeitsstundentagen (Heimrechnertätigkeit manchmal am frühen morgen mitgerechnet) beenden und ich würde mich dann anschließen, aus vielerlei Gründen. Mein selbst zusammengebautes Rechnernetz (buchstäblich aus Motherboards etc. konfiguriert) mit seinen zahlreichen Linux-OS wird mir sicher fehlen, wie auch die Arbeit. Auch wenn die Arbeitstage taiwantypisch überlang waren.



Wohin dann? Frau will mit dem Reflex von Taiwanern in den Mitt-40ern (die meist in diesem Alter gekündigt werden in den Techfirmen und nicht selbst kündigen wie wir es wohl tun werden) einen eigenen Kleinbetrieb aufmachen. Bei fast allen Taiwanern wäre das eine Garküche, in der Muttern und Frau stehen während er noch Taxi dazu fährt. Frau hingegen will mit meiner Assistenz den Familienbetrieb wiederbeleben, entweder hier in Taipei oder auch in Manila auf den Philippinen, wo ihre Schwester schon erfolgreich geschäftlich tätig ist. Für mich sind das alles noch Fragezeichen. Gut, hier in Taipei hatte meine Frau es damals geschafft, den winzigen Betrieb als kleinen Test- und Lernfall in die Gewinnzone zu führen, durch hartes Management und wir hatten dann den Betrieb an unsere Geschäftsführerin veräußert mit Gewinn, die diesen unbedingt allein und selbst führen wollte. Nur um dann kurze Zeit später Richtung Minus zu gehen. Heute ist der Familienbetrieb von damals wiederum von der glücklosen Geschäftsführerin verkauft und wir würden sicherlich heute eine Nummer größer aufmachen. Hier oder in Manila. Nicht in Bagdad. Frau ist neuerdings auch Brasilienfan, fast hätte ich ihr eben beim Frühstück vorgeschlagen, wir könnten ja auch nach Brasilia ziehen und Michael-Jackson-Teigtaschen verkaufen. Bei denen fällt dann die Nase ab, wenn man sie schüttelt.



Gut, ich bin die Tage genervt, für mich gibt es auch die Option wieder zurück nach Deutschland zu gehen, um als Informatiker weiterzuarbeiten. Auch schon weil das Familieneinkommen mit "Familienbetrieb" drastisch geringer wäre als es bisher ist. Der vielen Fragezeichen halber blogge ich die Tage wenig.


Verdammte Glastür (heute laufen auf dem TV nur noch Taiwan-Seifenopern)

Die Tür in der Überschrift steht übrigens nicht metaphorisch für sich anbahnende Änderungen sondern für die Schiebe-Glastür in unserer Wohnung im heimatlichen Militärveteranen-Schlichtwohnviertel, wo der Durchschnittseinwohner die Kriterien "alt, depressiv, trauert Chiang Kai Shek nach und sammelt alte Pappkartons" erfüllen muss. Müll aus dem Fenster zu werfen, damit er auf den Vordächern vor sich hin gammelt ist eine Option, die Gott sei Dank langsam aus der Mode kommt. Außer bei der Wohnpartei direkt hinter Ludigels Rückfenstern. Unsere Glasschiebetür jedenfalls ist original von 1969 und bestimmt noch vom glatzköpfigen  Diktator Chiang handgewichst. Die alten Schiebetüren verknarzen und verkanten sich in ihrem Altöl (noch original Haarwichse aus Chiangs Jugendzeit). Natürlich immer nur wenn ich sie anfasse, nie bei meiner Frau. Das ist die Rache des alten Diktators. Gestern 22 Uhr, wir sind gerade aus dem Büro zurück, Frau will endlich die Tür reparieren. Ich sage lass es, das dauert Stunden und ist morgen sowie wieder kaputt. Frau sagt, ich bin schuld, immer bei mir geht es kaputt. Ich sage, die ist seit 1985 kaputt und wer von uns will denn immer im Schlichtwohnviertel wohnen seit 2004. Frau sagt völlig korrekt ich soll die Klappe halten und lieber wieder mit anfassen. Mir rutscht bei 28 Grad das glatte Metall aus der Hand. Junior macht sich um 23.01 Sorgen, dass Mama und Papa mit herausgenommenen Flügeln der antiken Schiebefenster ein Duell ausfechten. Frau lächelt ihn an und sagt alles ist in Ordnung, nur um mir von hinten...
Ich hole schließlich das Öl. Caramba, dann geht alles recht schnell, dank des handwerklichen Geschicks meiner Frau und einer zweiten Session von 23.45 bis 0.00 Uhr. Nur dass Frau dann Atemnot bekommt, weil sie gegen das Schmierspray allergisch ist. "Das ist die letzte Schlichtwohnung in die ich eingezogen bin!", entfährt es mir irgendwann. "Tür kaputt!" stimmt Junior zu.

[Neue Szene. Einblendung "6 Monate später". Kamerafahrt auf eine graue Wohnstraße mit Smog und Müllhaufen in Metro Manila.... der Einzugswagen fährt vor. Und Action!]


Montag, Juni 16, 2014

Kindergarten, Englisch-Teacher, Junior (Update)

Einführungstag in einem "Kindergarten" in unserer Nähe.

Taiwan ist voller Vorschulen, die sich auf Chinesisch "Buxiban" (gesprochen: Bushiban) nennen und an die Stelle unserer Kindergärten treten. Englischsprechende Taiwaner und zumindest die Expats aus angelsäschischen Ländern hier verwerden dafür auch tatsächlich das deutsche Wort "kindergarten". Abgekürzt auch "kindy" genannt. Diese Kindergärten beschäftigen oft westliche Ausländer, desto weslich aussehender desto besser und das kurioserweise meist illegal, so dass die "Englischlehrer" dort die gelegentlich stattfindenden und in der Bevölkerung populären Weißen-Razzien zu fürchten haben Ein Bericht über eine ist hier in diesem Artikel im Blog: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/04/englishlehrer-razzien.html

Wie dem verlinkten Artikel auch zu entnehmen ist, können Ausländer auch legal als Englischlehrer in einer der kleinen Privatschulen arbeiten, dann müsste es sich aber um eine "Cram-School", also eine Nachhilfsschule handeln, die aber erst Schüler ab dem Schulalter annehmen darf. Und die Lehrer müssen aus einem Land mit Englisch als Muttersprache kommen und über einen "English-Major" verfügen. Damit ist kein Offizier der britischen Streitkräfte gemeint, sondern ein Uni-Abschluss im Fach Englisch.

Auf der Einführungsveranstaltung eines dieser Kindergärten, die wir einmal aus Interesse mitgemacht hatten, weil der Kindergarten nun mal in unserer Nähe lag, konnte ich dann auch das erste Mal einen Englischlehrer live erleben. Trotz allen Klamauks, der auch hier schon oft im Blog über Englischlehrer in Taiwan zu lesen war, muss man natürlich sagen, dass es auch die charismatischen "echten" Kindergärtner gibt, die einfach einen tollen Unterricht herbei zaubern. Der Mann in den 30ern sprach ein klares, akzentfreies Englisch und machte zusammen mit zwei jungen Taiwanerinnen als Co-Teacher eine tolle Show mit Singen, Basteln und Dialogen. Die Kinder waren begeistert - seine reguläre Klasse war anwesend - und er war ein richtiges Showtalent dabei, so locker vor der Menge diesen kinderbegeisternden Unterricht abzuziehen. Respekt!

Als ich später Gelegenheit zu einer Unterhaltung hatte erfuhr ich von dem sehr sympathischen "Teacher", dass er aus einem westeuropäischen Land stammt, das nicht englisch-sprechend ist und in Taiwan auch mit Kind verheiratet ist. Von daher kann er also völlig legal in dem Kindergarten arbeiten, denn mit taiwanischen Staatsbürgern verheiratete benötigen ja keine Arbeitserlaubnis. Ich will hier trotzdem weder sagen welcher Kindergarten noch aus welchem Land er stammt noch Fotos zeigen - taiwanische Beamte stellen einfach zu viel Blödsinn mit den Kindergärten an, als dass ich hier bei solchem Unsinn behilflich sein möchte. 

Junior war begeistert vom Spielen mit vielen Kindern an vielen Klettergeräten an diesem Schnuppertag. Der Kindergarten hatte den Keller regelrecht zum Abenteuerspielplatz umgebaut - überirdisch gab es nur einen kleinen Hof. Weil dort die Stadtluft ja auch nicht die beste ist.

Es ist mal wieder Teil des Taiwahnsinns mit H, hier augenzwinkernd angemerkt, dass ein Bericht über einen Kindergarten eine konspirative Natur haben muss.


 Update:
Als Junior von "Lehrerin" angesprochen wurde auf Chinesisch antwortete er auf Englisch. Als sie dann auf Englisch mit ihm redete, hat er auf Deutsch geantwortet - mit "Genau!". Als die Lehrerin fragte, was "genau" heißt, entgegnete Junior entnervt:  "Mensch!"
 

Donnerstag, Juni 12, 2014

Schottland liefert "Todesfahrer" vermutlich an Taiwan aus

Der pakistanisch- oder indischstämmige Brite Z.D. wird vermutlich an Taiwan ausgeliefert

Zur Erinnerung: Z.D. war in Taiwan wegen einer Trunkenheitsfahrt mit Todesfolge zu 4 Jahren Gefängnis in 2. Instanz verurteilt worden; wer nun den Tatwagen gefahren hatte, war während des Prozesses über längere Zeit strittig, da auch noch ein Taiwaner am Steuer saß während der verhängnisvollen Fahrt.

Der Fall des meist als pakistanischstämmig bezeichneten Briten Z.D., der in Taiwan eine kleine Computerfirma hatte oder eine Dependance davon und dem die ein oder andere unsaubere Geschäftspraxis nachgewiesen worden ist und der offenbar auch in Sachen betrunken Autofahren schon vorbestraft war, hat lange die Ausländergemeinde in Taiwan beschäftigt. Und die taiwanischen Medien generell. Auch das generelle Klima gegen westliche Ausländer wurde durch die teilweise hexenjagdartige taiwanische Berichterstattung meiner (und nicht nur meiner) Ansicht nach verschlechtert. Als die Berichterstattung ihren (lange andauernden) Höhepunkt erreicht hatte, sah ich mich jedenfalls plötzlich Pöbeleien auf den heimischen Straßen in Taipei ausgesetzt, die manchmal kurz vorm Angriff zu sein schienen, aber alle noch harmlos waren. Die sonst so populären "Weißen" sind plötzlich gar nicht mehr so beliebt in Taiwan, wenn die Medien eine große Kampagne gegen einen einzelnen westlichen Ausländer fahren.

Z.D. hatte die Haft nie angetreten, sich erst in die Schweiz und dann an seinen vor-Taiwan-Wohnsitz Schottland begeben. Dort hat ein Gericht nun entschieden, dass er ausgeliefert werden soll, es sei denn dass das schottische Justizministerium noch anders entscheidet oder ein Einspruch Z.D.s greifen kann.

Letzter Bericht:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/05/londoner-gericht-britischer-todesfahrer.html
Aktuelles Urteil:
http://focustaiwan.tw/news/asoc/201406110029.aspx

Sicher werden sich taiwanische Behörden jetzt selbst feiern, selbst der Präsident der Republik China aka Taiwan hatte die Auslieferung zur Chefsache erklärt und Taiwans Medien werden sicher viel Häme in Richtung Z.D. ausschütten, was den Medienzirkus um Z.D. von neuem anfachen wird mit den bekannten Folgen für die westlichen Ausländer hier. Ein Ruhmesblatt ist die Geschichte trotzdem nicht, mit einem Ermittlungsverfahren, bei dem das Polizeirevier ungefähr in der Zeit der Ermittlungen durch das Verbrechersyndikat geschmiert wurde, das auch den zweiten Fahrer des Unfallautos beschäftigt hatte (er war Parkwächter in einem Nachtlokal, das dem fraglichen Syndikat zuzurechnen ist). Und mit hexenjagdartigen Taiwan-Style Prozederen, bei denen Passanten Gelegenheit haben auf den Verdächtigen einzuschlagen. Und (vom Gericht sanktionierten) Entschädigungszahlungen an die Familie in Höhe von Hunderrtausenden US-Dollar, die sehr am Maximum von Schadensersatzforderungen in Taiwan in solchen Fällen liegen.

Obwohl die Faktenlage eher gegen Z.D. spricht finde ich persönlich es wenig gut, dass der taiwanische Staat hier mit seinem Korruptions- und Vorverurteilungszirkus, der Zweifel an einem fairen Verfahren aufkommen lässt, durchgekommen ist. Jetzt noch mehr als vorher gilt: Für westliche Ausländer gilt in Taiwan oft eine Sonderrechtsprechung - jedenfalls wenn sich die Presse einschaltet.

Trotzdem, am Ende der Geschichte, ist mir auch Z.D. wenig sympathisch, und gibt mit seinen krummen Geschäftspraktiken und Trunkenheitsvorstrafen sicher kein Paradebild von einem westlichen Ausländer in Taiwan ab Schade nur, dass medienhörige Leute auf der Straße einen öfter mal mit ihm in einen Topf werfen.

Botanisch interessierter Englischlehrer

Cannabis-Gewächshaus in Privathaus angelegt

Es ist ein bisschen ein running Gag, dass Englischlehrer in Taiwan, in den meisten Fällen junge Männer aus der angelsächsischen Welt, in Taiwan ein plötzliches Interesse an Botanik entwickeln. Zwölf Hanf-Samenkörner waren dann der Grundstock zur Haschfarm zunächst auf dem Balkon und dann in einem Privathaus. Der verhaftete Ausländer gibt ab, diese aus medizinischen Gründen gegen Schlaflosigkeit und Rückenschmerzen konsumiert zu haben, während die Polizei die Möglichkeit des gewerbsmäßigen Handels prüft. Auf den Anbau/die Produktion oder Verkauf von solchen weichen Drogen, die in Taiwan der Klasse II zusammen mit Amphetaminen etc. zugerechnet werden, stehen zwischen 7 Jahren Gefängnis und Lebenslänglich. Wer nur geringe Mengen weicher Drogen besitzt, kann evtl. mit ein paar Wochen "Rehab" im Gefängnis davonkommen und sogar anschließend im Lande bleiben ohne Strafeintrag. Aber nur bei einem Gramm oder dergleichen.
Persönlich kenne ich mich mit dem Zeug gar nicht aus, aber wenn man immer in den Ausländerforen hier liest, wird man fast zum Experten, denn ein Teil der jungen Amerikaner und Kanadier brauchen offenbar immer mal ein Joinderl.

http://www.taipeitimes.com/News/taiwan/archives/2014/06/09/2003592342


Dienstag, Juni 10, 2014

Lohnt sich Taiwan?

Fast ein Fazit


Fast möchte ich hier schon ein abschließendes Resümee ziehen, meiner ausreisewilligen Frau halber. Noch ist das verfrüht, aber ich denke man kann festhalten, dass sich Karriere-machen im Büro, will sagen als Angestellter bei einem taiwanischen Unternehmen, nicht wirklich lohnt. Dann hat man in Taiwan leicht 12-15h - Arbeitstage und zu Hause kommen noch ein paar Stunden "Heimarbeit" am Notebook über Excelsheets dazu. Das ist bei meiner Frau der Fall, die etwa 50 Leute kommandiert. Als Teamleiter wie meine Wenigkeit etwas entspannter, aber auch viel lange Arbeitstage. Wochenendarbeit kommt bei vielen Firmen noch dazu, bei meiner Frau findet sie wieder am Notebook statt. Das Gehalt entspricht dem deutschen Nettogehalt 2-3 Hierarchiestufen unter dem der aktuellen Tätigkeit, wobei reine Softwareentwickler das oft auf 1 Stufe darunter reduzieren können. Mein Arbeitgeber allerdings stellt zu diesen annähernd westlichen Gehältern dann erst gar nicht ein.

Anmerkung: Wer als nach Taiwan geschickter Manager aus Deutschland hier lebt, hat natürlich eine ganz andere Lebenswelt, Porsche Cayenne und Nobelapartmentblock, das ist klar. Davon ist hier nicht die Rede.

 Positiv: Man hört die Leute viel lachen in Taiwan (kicher)

Altersversorgung gibt es neuerdings auch, das ganze etwas mit Unsicherheit geprägt, ob das wirklich auch später mal ausgezahlt wird, wenn man nicht mehr in Taiwan lebt oder ob Taiwan dann längst Richtung VR-China eingemeindet worden ist und der dann ungeliebten "Langnase" eher nichts auszahlt. Ein Fragezeichen. Krankenversichert ist man und wenn man nicht gerade auf westlichem Essen und teuren Geschäften in der Innenstadt in Taipei besteht, sind auch die Preise günstig. Bei Mieten muss man aufpassen, keinen Ausländeraufschlag zu bekommen, aber wenn einem Taiwaner die Wohnung besorgen oder man gar eingeheiratet hat, geht das natürlich. 

 Früher ist man im Straßenbild viel aufgefallen, heute dreht sich kaum noch einer um

Schon in mittleren Führungspositionen hat man dann ordentlich Kaufkraft, aber wenig Zeit irgendwas zu kaufen. Der Begriff "Arbeitsdrohne" kommt in den Sinn und mit anfangs 0 (später 3,7,10) Tagen bezahltem Urlaub im Jahr ist das Leben dann leicht eine Einöde aus immer gleichen Verrichtungen. Aufstehen. Durch dicken Verkehr ins Büro. Cubical, wenn man Glück hat interessante Arbeit, durch dicken Verkehr zurück, schnell zum Seven-Eleven Kiosk-Supermarkt ein paar Kleinigkeiten kaufen und noch 2 Stunden in den eigenen vier Wänden, bevor man sich ins Bett legt und der Zyklus von neuem beginnt.

 Man kann es sich natürlich gemütlich einrichten, hier mit Papptiger

In den ersten Jahren hatte ich dazu noch die graugrüne Wellblechkulisse des Gewerbegebiets und die grauen Schmuddelgassen des heimatlichen Schlichtwohnviertels meiner Taiwanfamilie. Das hat sich deutlich gebessert, das enge und immer noch bürgersteiglose Wohnviertel wird zusehens sauberer und viel Graues ist durch neue Glas- und Betonbauten bereits weggerissen. Ebenso im Gewerbegebiet. Und die Metro (MRT) breitet sich immer mehr aus und ersetzt bald für die meisten den Stau - wenn man will.

 Und kann stündlich zusehen, wie das neue Taipei das alte verdrängt. Die beiden Wohntürme, die hier noch im Bau sind, sind bereits fertig und geben der Gegend mit verzierten Fassaden ein ganz anderes Antlitz. Viele weitere Baustellen verdrängen das alte verrostete Wellblech

Neulich holte ich eine Art Krapfen und Kaffee dazu in einem modernen Café mit Sambamusik und saß kurz im Park auf einer Bank, da wo neulich noch verrostete Fabrikhallen waren und ich vorher durch ehrlich gesagt Hundekot- und Betelnusspriem-verschmierte Wellblechgassen gewandert bin um von kichernden alten Frauen zusammemgepappte fettige Sandwichs zu kaufen. Die Gassen und die alten Damen gibt es immer noch, aber ich kaufe da nicht mehr, bürgersteiglose Gassen mit rasenden LKWs und Unrat und Müffelei schrecken doch irgendwie ab, wenn das natürlich teurere Samba-Café in der Nähe liegt.

Desto später man ab dem heutigen Datum in Taipei anfängt, desto angenehmer wird die Umgebung sein und in einer Programmiererposition o.ä, kann sich das Arbeiten durchaus lohnen. Aber wehe wenn man aufsteigt, dann ist man Teil seines Cubicals geworden - festgewachsenerweise.

Siehe auch den alten, sicherlich teilweise veralteten Artikel zur Arbeitswelt in Taiwan:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2010/01/arbeitswelt-in-taiwan.html
Auch nicht mehr ganz taufrisch, die Lebeshaltungskosten: http://osttellerrand.blogspot.com/2009/04/fragen-zu-kosten-etc-in-taiwan.html, zur Sicherheit ein Viertel oder so draufzählen heute

Frau und ich suchen nach Änderungen, gucken wir mal, was passiert.

Montag, Juni 09, 2014

Fastdeutsche Notizen

Fast richtig deutsches in Taiwan

In Wendels Restaurant in NeiHu (Nähe WeDe Road) bewundert Junior die Kuchenauslagen...

Beim Betrachten des Bildes kommt einem vielleicht das Wort "Käsekuchen" in den Sinn, aber bei den Füßen, die witzigerweise unter der Kuchenleiste zu sehen sind, handelt es sich natürlich nur um eine Spiegelung und alles ist sauber hinter Glas. Hier waren wir mit dem philippinischen Familienzweig vor ein paar Wochen.

Ich habe hier meine erste Donauwelle seit.... 2004 oder so gegessen. Damals hatte ich immer mal ein Kuchenblech in "meine" letzte DotCom - Bude in Deutschland mitgebracht, bis sich diese zerlegt hatte. Die schwere Donauwelle ist jedoch daran unschuldig gewesen. Erstaunlich, was "Donauwelle" für ein Gekraksele auf chinesisch wird, man sieht förmlich das zerschlagene Strandgut vor sich.

Und ein deutscher Brunch (sagt man: der Brunch?) im Second-Floor- Café in NeiHu, das sich in einem schmalen Haus in einem Büroviertel bei Ludigel in der Nähe über vier Stockwerke erstreckt. Nicht ganz so, wie man in Deutschland isst, aber lecker, wenn auch sehr schwer. Aber man muss es ja nicht jeden Morgen essen. Vorbestellung dringend zu empfehlen. Auch hierher haben wir den philippinischen Familienzweig entführt. Desto mehr erste Tochter und Schwiegermutter auf unfreundliche/freundliche Distanz zur Kleinfamilie um den nun in Taiwan seit Ankuft 10 Jahre gealterten*** Ludigel gehen, desto enger werden offenbar die Beziehungen zum philippinischen Familienzweig. Mein Schwager hat jedenfalls erklärt, auch unter solchen Attacken zu leiden gehabt zu haben, was aber sicher irgendwie mit der fernöstlichen Weisheit meiner Taiwanfamilie wegzuerkären ist, davon bin ich überzeugt (räusper).

Etwas ungewohnt für mich immer noch die in der großen Taiwan-Telenueva geschilderte Situation. Frau und Junior zumindest partiell auf meiner Seite der Familienzuneigung, das muss man erst mal verdauen. Wie einfach oder nicht die Integration eines Deutschen in eine Taipei-chinesische Familie auch ist, hier neben dem Familienparkplatz (jetzt leerstehenderweise) bewundert ein Nachbar das ferne Deutschland durch eine aufgeklebte deutsche Dienstflagge (ergo mit Bundesadler drin) an seinem schwarzen VW Transporter. Das ist mir wesentlich sympathischer als die ungelogen zwei schwarzen T5 mit NSDAP-Aufkleber, die ich einmal vor mir an der Ampel gesehen hatte vor vielen Jahren hier in Taipei. Aber Taiwaner denken sich oft nichts böses dabei, ist doch ein Hakenkreuz im Buddhismus ein positives Symbol und die deutsche Geschichte und die Nazigreul kennen sie gar nicht so genau. Junior jedenfalls saß kurz nach dem Schießen des Fotos auf meinem Schoß, spielte am Lenkrad unseres Volvos herum und besah sich den VW und sah mich fragend an und sagte dabei "kein Volvo". Als er dann noch zärtlich über das Volvoschild auf dem Lenkrad strich und "Volvo gut" sagte, hätte ich fast die Fernsehkameras gesucht.

Nun ist es ein bisschen ein Stream-Of- Consciousness - Posting geworden, aber warum auch nicht. Bei uns geht ja auch viel durcheinander die Tage, Junior muss in den Kindergarten, Frau hat ihn irgendwie in taiwanischer Interaktivität gleich in zweien angemeldet und nebenbei erwägen wir noch die Auswanderung in für uns beide fremde Gefilde, was mich vom Expat zum Expatpat oder dergleichen machen würde. Schauen wir wie es weitergeht, demnächst auf dieser Welle.

*** angeblich altert man hier schneller, also 10 Jahre Aufenthalt gleich 15 Jahre Alterung?