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Donnerstag, November 13, 2014

Als Kleinunternehmer in Manila? (Update)

Ob was draus wird aus dem Auswandern auf die Philippinen steht noch in den Sternen. Aber hier schon mal ein paar Randbedingungen

Ich gebe es zu, im Gegensatz zur Eröffnung des kleinen Italieners in Taipei, den meine Frau und ich kurze Zeit mit anderen betrieben hatten, stehe ich bei der Planung unseres künftigen kleinen geschäftlichen Engagements in Manila fast völlig unbeteiligt daneben. Denn hier agieren meine energische Gattin und ihre ältere Schwester. Ein Concerto aus Tochter Nummero Drei und Zwei, bei so viel Drachenfeuer ist für mich einfach kein Platz mehr in der Planung. Was genau wir aufmachen wollen in einem Mittelklasse-Einkaufszentrum in Manila (typisch mit grimmigen schwer bewaffneten Herren vor stets piepsender Metalldetektorschleuse am Eingang des Einkaufszentrums) will ich nicht verraten. Denn wenn man tagelang im Einkaufszentrum war nur um den Einheimischen auf den Mund zu gucken und den Markt analysiert hat, dann will man das auch wieder nicht so ohne weiteres gratis weggeben. Jedenfalls soll es wieder ein kleines Restaurant oder eher ein "Diner" werden. Kein Italiener wie hier in Taipei, denn die Standards bei italienischem Essen in Manila sind sehr sehr hoch und das Angebot ist schon erschöpfend. Der angestrebte Kundenkreis ließe sich vielleicht als untere Mittelschicht klassifizieren. Der Deutsche stellt sich ja wohl vor, auf den Philippinen gäbe es nur Arme und Superreiche, aber das ist unrichtig. Warum wir nicht "nach oben" gehen vom Kundenkreis und der Restaurantklasse her? Nun, eine höhere Restaurantklasse bedeutet auch höheres Risiko und hohes Investment. Wir wollen einfach nicht so viel Geld auf die Philippinen tragen derzeit und uns fehlt die Erfahrung im Betreiben eines gehobenen Restaurants, ganz einfach.

 "Gated Community" der Mittelklasse in Manila. Miete für ein im Falle meiner Manilafamilie als Gewerbeobjekt ausgeschriebenes sogar dreistöckiges Reihenhaus 12.000 Pesos im Monat (Faktor 3/4 rechnet in NT um), also irgendwie über 200 Euro umgerechnet. Sie dürfen allerdings nur Gewerberegale reinstellen, sagt der Vermieter. Führt zu interessanter Einrichtung ;-)


Interessant fand ich die Gemeinsamkeiten und Unterschiede zum Betreiben eines Einfachrestaurants in Manila und Taipei:

a) Preisspanne in Taipei um die 80-110 NT (durch 40 in Euro).
Preisspanne in Manila um die 160 Pesos (Faktor 3/4 rechnet es etwa in NT um) .... ähnlich

b) Essen in Manila in den Diners oft einfacher als in Taipei. Schlicht aber wohlschmeckend.

c) Personal in Manila ist noch billiger als in Taipei.

Mir ist klar, dass nach deutscher Denkart nun das "aber Du musst den Angestellten ganz tolle Arbeitsbedingungen mit ganz viel Sozialem bieten" kommt. Ich habe mich sogar für einen Sekundenbruchteil selbst bei diesem Gedanken ertappt, schließlich sind die Philippinen ein radikalkapitalistisches Land ohne Sozialsystem und ich war ja früher auch mal ein "richtiger" Deutscher. "Volldeutscher"* sozusagen.

 Typischer "Jeepney" auf Basis eines lokalen Jeeps, hier mit "Mercedes"-Anbau. Das Fahrzeug hat nur eine Frontscheibe, ansonsten sitzt man offen im Smog. Dient als Linienbus.

Es sollte sofort klar sein, wieso man nicht den Angestellten freiwillige Sozialleistungen bieten kann: Der Martpreis ist der Grund. Nicht so sehr die Kosten, sondern der Marktpreis. Denn platt gesagt, was würden einen hohe Kosten interessieren, wenn man sie sich vom Kunden wiederholen kann. Verkaufe ich einen Bentley oder habe ich ein Nobelrestaurant mit 100 Euro das Essen hat man sicher mehr Luft bei den Bauteilen oder Zutaten und den Kosten. Aber wenn ein komplettes Essen mit Vorsuppe und Gratiseistee 2 Euro umgerechnet kostet, dann muss man die Kosten hart kontrollieren und hat nichts zu verschenken. Sonst macht man schlichtweg Minus. Ein  Beispiel hierfür ist die Hausfrauenkocherei der Geschäftsführerin unseres ehemaligen Restaurants in Taipei die nur zu einem führte: Zum Minus. Weil sie nicht die Kosten pro Portion kontrolliert hat und das Personal nicht genau genug eingeteilt hat.

Bei 2 Euro umgerechnet pro Essen in Manila oder dergleichen habe ich also nur einen Bruchteil eines Euros an Gewinn pro Essen - der auch noch die Gemeinkosten tragen muss. Da kann ich die Gemeinkosten nicht noch mit bezahltem Urlaub, Krankenversicherung und Segelschein für die Angestellten in die Höhe treiben.

Dieser Jeepney ist ein "Geschenk von Gott" und die Philippinos mögen Gott sehr, bemerkte die Schwester meiner Frau. "Weil wenn Du Geld hast, bist du Gott. Hast du nichts, bist du ein Nichts."

Oh, jetzt höre ich die deutsche Leserschaft empört einatmen! Natürlich sollten auch die Philippinos eine gesetzliche Krankenversicherung haben, da bin ich ja auch der Meinung. Der Punkt ist nur, es gibt keine. Wenn es eine gäbe, dann wären die Gemeinkosten bei ALLEN Lokalen höher und dann wäre auch ALLE Preise höher und die Kunden würden es fröhlich bezahlen, denn sie profitieren ja selbst vom Sozialen wie eben in Deutschland. Oder eben auch in Taiwan, wo es eine gesetzliche Krankenversicherung gibt. Aber auf den Philippinen hat sich der Marktpreis für ein Essen im Einfachrestaurant eben NOCH NIEDRIGER eingependelt. Mache ich freiwillige Sozialleistungen, dann sind meine Kosten höher und mein Essen teurer und die Kunden gehen lieber zu Konkurrenz. Wass will Pedro Sanchez für die Sozialversicherung MEINER Angestellten zahlen, wenn er selbst keine hat?

 Allen Unkenrufen zum Trotz sind die Philippinos zur Zeit ein aufsteigendes Volk. Die Wirtschaft boomt, überall wird für neue Mittelklasseleute und neue Oberklasse-Pinkel neu gebaut. Das schafft auch Arbeitsplätze für die Unterschicht.


In Taiwan gibt es mehr Soziales und auch die Gehälter sind im Schnitt höher. Aber wir reden nun mal von Manila/Philippinen. Ein weiterer interessanter Punkt ist die unterschiedliche Arbeitshaltung der Angestellten in Taipei und Manila. Der Philippino arbeitet (jedenfalls in dieser Unternehmensklasse) nur, wenn er dazu angehalten wird, wurde ich gewarnt. Will sagen, steht der Chef oder sein vertrauenswürdiger Geschäftsführer nicht im Lokal, dann verfallen die Angestellten in eine Art Lähmung. Frau und ich haben das selbst erlebt. Da war ein Eisstand. Viel lecker Eis, schräg gegenüber von unserem geplanten Restaurant. Drei junge Frauen und ein junger Mann saßen da in adretten Firmenuniformen. Meine Frau wollte ein Eis bestellen.

"Mam, sorry, no ice!", sagte eine der jungen Damen, um dann sofort weiter zu schwatzen mit ihren Kollegen.

Meine Frau insistierte.

"No sorry Mam, no ice."

Meine Frau klärte die ja immer zumindest einfaches Englisch sprechende Crew darüber auf, dass sie an einem Eisstand arbeiteten und die Karte voller Eis sei.
Verlegenes Gekichere und wieder:

"No ice!"

Ich zog meine Frau weg und musste auch lachen. Das waren philippinische einfache Arbeitskräfte in voller Aktion. Die Schwester meiner Frau, die selbst ja bis vor kurzem noch eine Taiwan-Bubbletea-Kette in Manila hatte sagte dazu, die Leute am Eisstand würden nur arbeiten, wenn der Chef da sei. Sonst eben "no ice". Und das sei genau typisch für Philippinos.
Das Einheimischenbild meiner taiwanisch/chinesischen Manilafamilie, die also zu der ethnischen Gruppe der gesamt gesehen überdurchschnittlich erfolgreichen Sinophilippinos gehören (mit frischem Taiwanblut aufgefrischt seitens der Schwester meiner Frau)  ist daher sehr negativ. Schnell redet man von von phlegmatisch und faul, aber ich denke die Situation ist mehr durch die Gesamtbedingungen des Marktes festgeschrieben. Im Prinzip wird der philippinische Arbeiter und Angestellte ausgebeutet, d.h. er arbeitet lange ohne soziale Absicherung, 6 Tage die Woche sind wohl die Regel. Und sein Gehalt ist gering. Da hat er wohl auch wenig Antrieb freiwillig hart zu arbeiten. Gäbe es Gewerkschaften und Soziales und könnte er sich aus der Lohntüte mehr leisten, dann würde er wohl auch lieber arbeiten.

Weitere Dinge die zu beachten sind:  Gehalt nicht monatlich, sondern wöchentlich auszahlen. Trotzdem kommt es immer wieder vor, das Angestellte unter der Woche wieder Gehaltsvorschuss einfordern, weil sie nicht mehr genug "zum Essen" haben. Ob in der Familie jemand krank war oder das Geld einfach für Spaß und Freude ausgegeben worden ist, weiß man natürlich nicht. Der Fahrer meiner Manilafamilie dort hat jedenfalls immer Geld für Zigaretten, bemerkte das Schwesterherz meiner Frau, aber oft unter der Woche kein Geld mehr fürs Essen. Zahlt man monatlich, haben die Angestellten oft schon in der ersten Woche angeblich kein Geld mehr und würden dann auch nicht mehr zur Arbeit kommen, wenn man ihnen kein neues Handgeld gäbe.

Vorführwagen vom BMW-Händler "Prestige Cars". Wir würden wohl nicht mal unseren Volvo mitnehmen nach Manila, damit wir nicht so auffallen.


Interessant die Warnung eines "deutschen Nachbarn" hier in Taipei, der geschäftliche Erfahrungen in Manila mit mir geteilt hat: Philippinos wollen sich von Ausländern oft nichts sagen lassen.

Ob wir uns da engagieren oder nicht hängt jetzt vom Gang der Dinge vor Ort ab, was von Schwesterherz wahrgenommen wird. Der Entscheidungsweg des Managements des Supermarktes, ob man eine Parzelle dort bekommt oder nicht soll immer 6 Monate dauern und man wird dann wohl nach dem Zufallsprinzip angenommen oder abgelehnt wenn die Wartezeit abgelaufen ist. Wird man abgelehnt, kann die Parzelle trotzdem noch Jahre leer stehen. Die haben es dort nicht so eilig, das ist auch etwas, auf das man sich einstellen muss. Ein zweites "Business" wollen wir dort auch noch eröffnen, wenn es denn etwas wird. Schauen wir mal.

 Die wäre Oberklasse, die würde nie bei uns essen. Viel zu teuer, so ein Weib. ;-)


Die Chaoskomponente ist momentan für mich, dass die Aufmerksamkeitsspanne und Begeisterungsfähigkeit meiner Taiwanfamilie (hier Frau und Schwester) eben durchaus von Volatilität geprägt ist. Gut möglich, dass in 6 Monaten kein Hahn mehr nach der Planung von heute kräht. Genauso, wie auch das Eröffnen eines italienischen Restaurants in Taipei längst wieder Schnee von Übervorgestern ist.

UPDATE: Eine Rentenversicherung immerhin scheint es zu geben. Aber diese Feinrecherche wird noch folgen.

* Volldeutscher als neues Schimpfwort ;-) ?

Mittwoch, November 12, 2014

Schuheinlagen statt Herz-OP

Der Abschluss einer verwirrenden Medizingeschichte in Taipei

Hinsichtlich Taiwans Ärzten bin ich ein gebranntes Kind - die haben schnell eine Fehldiagnose bei der Hand die oft zur baldigen OP führen soll. Ob das Unfähigkeit oder Oberflächlichkeit ist, die natürlich nur manche der Medizyniker hier an den Tag legen überlasse ich gerne der Diskussion, sicher ein Grund für den geneigten Leser, sich heftig aufzuregen oder wenigstens "Aber in Deutschland haben sie doch neulich auch einem den Kopf abgeschnitten statt den Blinddarm" zu erwähnen. Kann ja auch mal passieren.

Ich jedenfalls hatte bei der 2-jähirgen gesetzlich vorgeschriebenen betrieblichen Personaluntersuchung schon vor über zwei Jahren die Diagnose bekommen, leichte Herzrythmusstörungen gehabt zu haben, was aber weiter kein Grund zur Besorgnis wäre. Dieses Jahr dann schlug die Ärztin Alarm, meine Pumpe wäre so aus dem Tritt, dass ich zur Nachbehandlung müsste. In der Tat meinte ich einfach nur eine leichte Verspannung linksseitig zu bemerken, manchmal jedenfalls - und wollte das Thema auf sich beruhen lassen.

Die werte Gattin war jedoch besorgt und schleppte ihren unwilligen Teutonen zum Herzspezialisten in das einschlägig von mir bekannte Tri-Service-Hospital in NeiHu, das tatsächlich ein (für die Allgemeinheit offenes) Militärhospital ist. Der Doc dort horchte kurz an Ludigels Pumpe und meinte, das Ding sei völlig in Ordnung. Tuckerte eben brav und gleichmäßig vor sich hin. Und wenn es denn manchmal doch ein bisschen springen würde, das sei normal und käme bei fast allen Menschen mal vor. Ich kenne das ja wirklich, Frau das erste Mal gesehen, neues Auto rollt aus der Halle beim Händler, Junior wird geboren oder man sieht ein frisches Graubrot beim deutschen Bäcker in Taipei, solche Sachen halt.
Doch weil ich Ausländer sei, sagte er, wolle er ganz sicher gehen und verschrieb mir eine gruselige große schwarze Box, die unter Kichern der Krankenschwester wie viele Haare ich am Oberkörper hätte, x-mal verdrahtet wurde bei mir und die ich nervige 24-Stunden tragen musste.

Während ich mit der Box von Philips genervt auf dem Sofa saß, musterte mein dreijähriger Sohn die Box interessiert und drückte dann auch noch den Alarmknopf. Der sollte Momente des Unwohlseins für den Doc hervorheben.

Prompt passierte es, Doc sah die Skala auf seinem Monitor und diagnostizierte, ich hätte zu große Aussetzer und würde ein Herzmedikament benötigen. Mit einer dicken Packung herrlich bunter Pillen ausgestattet reiste ich dann verdattert nach Hause. Erstens Mal hätte ich gedacht man müsse erst mal ein Belastungs-EKG machen. Schließlich rase ich bei uns in der Firma immer die 6 Stockwerke zu meinem Cubical zu Fuß hoch der Körperertüchtigung halber und fühle mich dabei kein bisschen unwohl. Und zweitens konnte ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, nun Herzkrank zu sein um von nun an wie einst mein Großvater immer meine Herzpillen schlucken zu müssen.

Die genommenen Pillen hatten dann auch eine merkwürdige Wirkung. Vor der Einnahme ging es mir glänzend, nach der Einnahme hatte ich ein merkwürdiges Ziehen in der Herzgegend. Na das war ja ein prima Zeug. Das übrigens in Deutschland und den USA längst vom Markt genommen war, der heftigen Nebenwirkungen halber. Sofort setzte ich das Medikament ab, sehr zum Ärger meiner Frau, die von der guten Fürsorge der taiwanischen Ärzte und meiner arroganten Widerborstigkeit redete, da ich wohl nur deutschen Ärzten zutrauen würde mich richtig zu behandeln und nicht den taiwanischen. Mehrere Tage lang hing der Haussegen schief, HIER beschrieben und am Ende redete meine Frau schon von einer Herzoperation. Die Vorstellung einen der leichtfertigen Taiwanärzte mit dem Messer an meinen vitalen Teilen herumschnippeln zu haben war so grauenhaft, dass sie heftigste Gegenwehr bei mir - will sagen sarkastische Bemerkungen über den werten Herrn Doktor - auslöste. Prompt sagte meine Frau den nächsten Termin ab und ich bemerkte, dass es mir nach einigen Tagen wieder prächtig ging. Als das Medikament aus dem Körper war, funktionierte die Pumpe wieder wie sie sollte.

Trotzdem war da diese leise Befürchtung, es könne doch etwas dran gewesen sein an den Diagnosen, auch wenn das Medikament offensichtlich völlig ungeeignet war. Ich wollte schon einen Termin bei einem Kardiologen in  Deutschland machen, da fiel es mir wie Schuppen aus den Haaren, Stinky Tofu vom Garküchenwagen oder wie auch immer:

Ich war auf der ganzen linken Seite verspannt!
Besonders im linken Bein.
****** in sich rein horch ****
Besonders im linken Fuß
****** grübel ******
Ich hatte seit geschlagenen 4 Jahren die selben orthopädischen Schuheinlagen, die insbesondere für den ... räusper ... Plattfuß linksseitig waren. Und die Schuheinlagen muss man eigentlich alle halbe Jahre spätestens wechseln.

Also schnell im Schuhschrank gesucht, einst bei Karstadt gekaufte BERGAL PERFECT PLUS Schuheinlagen gefunden. Nicht vom Orthopäden aber immerhin. Sofort in den Schuh getan und losgelaufen. Ein Erlebnis wie .... wie eine Komplettmassage. Mit jedem Schritt entkrampfte sich die linke Seite, ich bemerkte richtig, wie sich ein Verspannungsknoten im Rücken links auf Herzhöhe löste. Meine mich seit Wochen quälenden Kopfschmerzen verschwanden und .... ich sprang wie ein junger Spring-ins-Feld durch die grauen Gassen meines taiwanischen Schlichtwohnviertels, sehr zur Verwunderung der graugesichtigen älteren Leute dort, die gerade dabei waren schwermütig in dem alten Soldatenviertel dem Exdikatatur Chiang-Kai-Shek nachzutrauern. Und jedes Ziehen linksseitig erledigte sich dann im Laufe der folgenden Tage.

Bergal sei Dank ist auch meine Frau mit der Erklärung zu frieden, ich habe gleich eine Massenbestellung Schuheinlagen bei Ebay aufgegeben und der Haussegen ist wieder hergestellt. Gibt es irgendwo im Internet einen Bergalfanclub?  10.99 Euro sind jedenfalls besser als jede Herz-OP durch einen Taiwan-Doc. Ich frage mich erschreckt, was die da wohl hätten herumschnippeln wollen am gesunden Herzen? Und was die Medikamente angerichtet hätten.   

Eine merkwürdige Geschichte, was einem wohl nur passieren kann, wenn man aus gewohnten Versorgungszirkeln herausgelöst wird als Expat.

Mittwoch, November 05, 2014

Der Familienbetrieb: Die schonungslose Wahrheit

Schluss mit den Nebelkerzen. Hier ist die ganze Wahrheit. Ein Ausflug in die kulinarische Unternehmerszene Taipeis. Natürlich mit eigenem Restaurant als Testfall. Nur in Ludigels Taiwanblog ;-)

Wird evtl. noch bebildert

Der "Familienbetrieb" von meiner Frau und mir wurde schon mehrfach im Blog angesprochen, wenn auch ohne zu sagen, worum es eigentlich ging. Einfach um meine Bloggerperson von der Privat- und der damals möglicherweise öffentlich wahrnehmbaren Geschäftsperson zu trennen. Der Familienbetrieb war einfach ein kleines italienisches Restaurant. Motivation für die "Nebelkerzen" bei dem Thema waren sicherlich die zahlreichen Shitstorms die Taiwans Presse immer wieder gegen einzelne Ausländer loslässt - unter anderem auch gegen Restaurantbetreiber. Und der Gedanke, die ein oder andere negative Berichterstattung über mein geliebtes verschmuddeltes Taipei könnte da irgendetwas auslösen. Aber heute ist klar, ein neues Restaurant werden wir in Taiwan nicht eröffnen. Daher kann jetzt Klartext geredet werden. Hier noch mal eine Sammlung alter Artikel zum Thema:

Die Anfänge:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/07/familienbetrieb.html

Mittelteil:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/08/ex-familienbetrieb-tratsch-und-klatsch.html

Kurz vorm Ende:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/08/ruckzug-aus-familienbetrieb.html

Das Ende:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/10/ex-familienbetrieb-vor-der-schlieung.html


 Am Anfang der Geschichte stand, dass meine Frau unbedingt ein Restaurant oder einen kleinen "Diner" eröffnen wollte. Auch gerade weil in Taiwan Leute Mitte Vierzig oft aus den Unternehmen gedrängt werden um unerfahrenen am Arbeitsplatz einschlafenden Spätteenagern Platz zu machen. Denn Taiwan hat in der Computerbranche noch einen extremen Jugendkult. Wer es bis Mitte Vierzig nicht ins Management geschafft hat, steht oft ohne Jobperspektive plötzlich auf der Straße. Und was macht man dann? Richtig, oft macht die Frau eine der zahllosen Garküchen oder kleinen Restaurants auf und Menne fährt dazu Taxi. Das ist Teil des Wirtschaftswunders in Taipei, bei dem man sich wundert, dass so viele Fressbuden ihre Kunden finden und alle irgendwie ihr Auskommen haben.

 So leckere Nudeln hätte niemand bezahlen wollen. Die Kunden hatten lieber Fertigsoße aus dem Eimer und die Nudeln bitte taiwanisch weichgekocht


Schnell wollte meine Frau loslegen, ein kleines italienisches Restaurant in unserer Nähe namens Apollo stand zum Verkauf und meine Gattin wollte sofort das Lokal neu durchstarten lassen. Da kamen natürlich meine langweiligen Einwände. Nämlich, dass sie nicht kochen kann und wir beide nichts von der Gastronomie verstehen und außerdem ja nun "Management" sind in der Firma, im kleinen oder mittleren, was auch immer. Doch weil meine Frau nicht zu bremsen war, ließ sie sich dann auf mein Konzept mehrschichtiger teutonischer Absicherungen ein und (a) besuchte sie einen italienischen Kochkurs der, ganz taiwanisch-pfiffig die Leute gleich auf das Eröffnen eines der zahllosen kleinen italienischen Schlichtrestaurants in Taipei vorbereitete und (b) suchten wir nach einem kleinen Restaurant, damit das Kapitalrisiko gering war.

Zu den "Italienern" Taipeis muss man wissen, dass es sich um oft recht simple und schmucklose kleine Diner handelt, in denen oft nur Spagetti und andere italienische Nudeln in aus großen Kübeln entnommene Soßen getunkt werden und fertig ist die Mahlzeit. Risotto gibt es noch und fast alles mit Seafood. Der große Renner in solchen Lokalen ist eine chinesische Seafood-Suppe, bei der statt chinesischer Nudeln (die etwas weicher wären) ziemlich weich gekochte Spagetti drin herum schwimmen. Die Suppe besteht fast nur aus Tobasko, so mögen es die Taiwaner.


+++++++++++ Lesetipp
 Wie es südostasiatischen Fremdarbeitern in Taiwan ergehen kann: Giftige Schwaden am Arbeitsplatz, kein Arbeitsschutz und kein Recht auf Kündigung, keine ordentliche medizinische Behandlung. Lesetipp aus Andreas' Blog: https://andreasintaiwan.wordpress.com/2014/07/14/die-woche-dienstag/  +++++++++++


Rotwein? Nein, es gibt keinen Alkohol in Taipeis Schlichtrestaurants. Minnistrone?  Davon haben die Wirte, die alle Taiwaner sind, nie gehört. Diese leckeren krossen Weißbrothappen mit Tomate drüber (Bruscetta oder wie das heißt)? Saltimbocca a la Romana? Irgendwelche anderen Hauptgerichte mit Fleisch? Lachs auf irgendwas? Forelle unter irgendwas? Aufläufe? Pizza?

Nun, gibt es alles nicht, außer manchmal einer Pizza-Karrikatur, oft in Untertassenformat. Die Pläne meiner Frau waren jedoch weitgehender, hatte sie doch komplett und sehr gut italienisch und europäisch kochen gelernt. Fielen aber in der Folge der Realisierbarbeit zum Opfer. Schnell fand sich jedenfalls ein kleines und ideales Restaurant, "Jill's Happy Kitchen" bei uns ganz in der Nähe:

http://tokokou.pixnet.net/blog/post/33037847-%E9%96%8B%E6%9C%97%E5%B0%91%E5%A5%B3-jill%27s-happy-kitchen

Mittlerweile hat das Lokal mehrfach den Besitzer gewechselt, die nette Jill auf dem letzten Foto, wir oder unsere Nachfolger haben also mit dem heutigen Lokal nichts mehr zu tun. Das Lokal ist übrigens extrem beengt, hatte nur vier Tische und noch einen Klapptisch neben Tresenplätzen, war aber nett aufgemacht und die italienischen Gerichte waren etwas originaler als bei anderen. Es gab Spagetti mit ungewöhnlich viel Käse überbacken und sogar eine Spagettivariante mit einem wohl nicht ganz original italenischem Schnitzel oben drüber geworfen. Die reichliche Käseverwendung machte das Lokal etwas originaler, das Essen war reichlich und deftig und von mittlerer Geschmacksqualität nach meinem verwöhnten Gaumen, der gute italienische Restaurant in Deutschland gewohnt war. Alle Gerichte kosteten 110 NT oder weniger (durch 40 in Euro), also 2.50 Euro pro große Portion maximal. Schlichtrestaurants in Taipei sind billig und dieses hier auch, auch wenn es von der Ausstattung her und der Reichhaltigkeit der Karte etwas besser war.

Da die Betreiberin ein Kind bekam, zog sie sich aus dem Restaurantgeschäft zurück und arbeitete uns noch ein. "Uns" das waren die Frau eines netten Kollegen, meine Frau und mein "Quasineffe" mit seinen jugendlichen 16 Jahren. Übernommen haben wir ferner das feste Personal des Lokals, also einen von zwei Hauptkräften (einer hat sofort gekündigt) und eine Halbtagskraft.

Der Plan meiner Frau war, das Ganze bald zu einer ganzen Restaurantkette auszubauen, wobei das kleine Lokal zunächst als Keimzelle und Lernobjekt dienen sollte - hier merkt man wieder meine etwas risikoscheue Handschrift. Dazu war eine Gruppe von Investoren gefunden, die neben Frau und mir aus der Gattin "Shaowu" (Name geändert) des Kollegen (und ihm natürlich) und zwei weiteren Familien bestand. Diese sollten alle aus dem Gewinn des Lokals bzw. der späteren Kette ihren Gewinnanteil bekommen und ggf. gegen Gehalt auch Geschäftsführer der Lokale werden. Das erste kleine Lokal, "Jill's Happy Kitchen" sollte von Shaowu geführt werden, gegen 20.000 NT kleines Geschäftsführergehalt. Plus natürlich dem Anteil von ihr und ihrem Manne an der Gewinnausschüttung.

Mein Einwand kam sofort: Da die besagte "Shaowu" nicht nur ein missmutiges Naturell hatte, sondern auch noch eine berufliche Karriere als Backwarenverkäuferin vorzuweisen hatte (seit Jahren Hausfrau) schwante mir, dass sie der Versuchung, so ein kleines Lokal allein zu übernehmen, nicht würde widerstehen können. Nach dem Motto: Hier stehe ich im Laden, also ist es meiner. Zwar war der Mietvertrag des Lokals nicht auf ihren Namen geschlossen als Vorkehrung, aber trotzdem erschien mir diese Wendung der Dinge wahrscheinlich. "Unsinn", sagte meine Frau. "Du kennst uns Taiwaner nicht, so gehen wir nicht mit einander um, wir vertrauen einander." Dabei kenne ich sie ganz genau die Taiwaner und weiß, wie sehr sie immer einer vermuteten Geldquelle hinterher jagen wie der Teufel der 1000-Seelen-zum-Preis-von-einer - Packung im Sonderangebot.

Alles lief nach Plan und Jill wies primär Shaowu und ein bisschen meine Frau und den Lieblingsneffen in die Zubereitung der Nudelgerichte etc. ein. Staunend stellten wir fest, dass in dem Lokal das Gemüse nicht gewaschen wurde. Einfach raus aus dem Marktkorb und rein ins Essen! Diesen Teil der Prozedur haben wir dann nach Übernahme sofort geändert.

Wie ging es dann, als Jill sich verabschiedete und unsere Crew aus Shaowu, Vollzeitkraft, Halbtagskraft und Quasineffen nebst dem aushelfenden Gatten "Will" von Shaowu bei der Zubereitung der Gerichte allein waren? Die Situation in Stichworten:

- Großer Materialschwund, der ein schwarzes Loch in der Küche vermuten ließ. Ich hatte das auch gleich zu Anfang prognostiziert. Shaowu erklärte, eben nach Hausfrauenart ordentlich was ans Essen zu schnippeln und eine gut gefüllte Kühltruhe für Notzeiten zu haben.

- Stammkunden, die ihr ererbtes Recht auf ein zweites Hauptgericht für nur 25 NT statt 80-110 NT energisch einforderten.

- Schlechte Stimmung bei Shaowu, die sich beschwerte, als Geschäftsführerin deutlich weniger Lohn als die hauptberufliche Kraft zu erhalten (derjenige hatte allerdings immerhin eine abgebrochene Kochlehre vorzuweisen).

- Schlechte Stimmung bei Shaowu, weil sie in der Startphase des Lokals 7 Tage die Woche im Laden stand. Zu hatten wir nie. Und dann führten wir auch noch die Öffnung zu Mittags ein. Vorher hatte das Lokal nur abends geöffnet.

"Schlechte Stimmung bei Shaowu" war in der Folge das Motto des Lokals, das man also "Shaowu´s Angry Kitchen" hätte nennen sollen. Und wie sahen die Kosten aus? Nun, es zeichnete sich in den ersten 2 Wochen ein gewaltiges Minus von 20.000 NT ab, freilich nach Entlohnung aller Kräfte inklusive Shaowu.
 Tendenz steigend. Und ich fasste für mich den Leitsatz "never order the Schnitzel", denn für 110 NT konnte man wirklich kein richtiges Schnitzel auf die reichliche Portion Spagetti Bolognese mit Käse werfen, dazu war Fleisch zu teuer. Jill und auch wir mussten also notgedrungen eine Art "Paniertes Nichts mit Fleischandeutung" servieren.

Jetzt kam die zweite Runde, das Managementtalent meiner Frau entfaltete sich. Die notwendigen Zutaten wurden abgewogen pro Portion und daraus der Materialverbrauch für die Woche festgesetzt. 10 Essen am Tag verkaufen und Zutaten für 20 oder 30 der Investorengesellschaft in Rechnung stellen ging nicht mehr. Shaowu war außer sich! Ich hoffe im Nachhinein, dass in ihrer Familie in dieser neuen Phase der Zutatenkontrolle niemand Hunger leiden musste. Okay, okay vielleicht war es ja nur die Kühltruhe.
Auch der Personaleinsatz wurde gestrafft. In den Totzeiten, wenn etwa mittags nur zwei einsame Kunden aufkreuzten, stand sich die Komplettbesatzung des Lokals die Beine in den Bauch und munter wurden Überstunden aufgeschrieben und vergütet. In der Folge wurde die Personalanwesenheit an den Umsatz angepasst.
Zusehens verschlechterte sich die Stimmung zwischen Shaowu und meiner Frau. Letztere war übrigens als Obermanagerin der geplanten Kette von Anfang an vorgesehen und gab daher Shaowu ihre Anweisungen, die mehr für den operationalen Betrieb der ersten Filiale zuständig war. Shaowu wollte weiter nach Hausfrauenart ohne Mengenkontrolle kochen und immer alle Leute im Lokal haben, damit weniger Stress war. Meine Frau hat allerdings Diplomatie nicht gerade als ihre Stärke und so waren unter der Lokaldecke permanent dunkle Dampfwolken und Blitze zu erkennen.

Wie sah es nun finanziell aus? Der zweite Monat wurde schließlich mit einem Plus abgeschlossen und der dritte brachte 19.000 NT Überschuss, die an die 4 Investorenfamilien inklusive Shaowu und Gatten ausgezahlt wurden. Das Lokal war auf dem richtigen Kurs.

Nun kam Phase 3, hier sollte nach Planung meiner Frau die Qualität des mittelprächtigen Essens angehoben werden bei minimaler Steigerung des Preises. Ferner sollten Premiumgerichte zu deutlich erhöhtem Preis eingeführt werden, ich selbst sollte als "ausländischer Werbeträger" auftreten und ein Bringdienst nebst Belieferung der Computex Computermesse, die gerade stattfand, sollte her.

Um es kurz zu machen, Phase 3 war ein ziemliches Desaster. Wir verbesserten die größtenteils aus Fabrikfertigsaucen bestehenden Nudelsaucen mit frischen Zutaten, peppelten das schwindsüchtige Schnitzel etwas auf und führen leckeres "Cordon Bleu" als Premiumgericht ein. Die Preise mancher verbesserter Gerichte erhöhten wir ganz minimal von 110 NT auf 115NT und das Premiumgericht sollte 160 NT (also etwa 4 Euro) kosten. Ich benutze den Konjunktiv, weil es nicht ein einziges Mal bestellt worden ist. Die Kunden flüchteten in Scharen! Wir lernten, dass solche einfachen Diner einen ganz klaren Festpreis hatten. Konkurrent PingLu nimmt 110 NT für die teuren Gerichte und popelt beim Zubereiten, aber wenn wir auch sauber und netter waren und echtes Tomatenmark dran hatten: den Leuten war ausschließlich der Preis wichtig. Qualität ist in dieser Restaurantklasse völlig nebensächlich. Schlichtrestaurants sind also als reine Costcenter zu betreiben, bei denen der Marktpreis fix ist und man muss die Kosten so kontrollieren, das man Gewinn macht!
Bringdienst: Kaum Bestellungen, bei solchen Schlichtrestaurants holen sich die Kunden, die ausschließlich in der Nachbarschaft leben, ihr Essen selbst ab oder essen im Lokal.
Firmen, die wir mit Werbeflyern versahen oder gar die Computex, die angeblich von Will mit Werbeflyern und Speisekarte überflutet worden war, führten zu exakt Null Bestellungen. Das grenzte schon an ein Wunder und ließ mich vermuten, dass Shaowu und Will hier Sabotage betrieben, denn jetzt kam die Phase 4, in der Shaowu zusehens destruktiver wurde.

Sie klagte über zu hohe Arbeitsbelastung, mittlerweile hatte sie eine 5Tage-Woche aber sollte noch wochenendlich zu kurzen Checks im Lokal erscheinen und ihr wurde in Aussicht gestellt, die 5 Tage gegen 4 Tage zu tauschen, quasi als Freizeitausgleich für die Wochenendkontrollen. Alles zu viel, Shaowu  fiel durch laufende hysterische Weinkrampfanrufe bei meiner Frau auf, die schon Telefonterror glichen. Die Angestellten des Lokals bemerkten, dass Shaowu den Kunden patzige Antworten gab und auch die letzten wackeren Esser langsam das Lokal mieden. 

Vorgesehen für das Lokal war nun im 3:1 - Beinahekonsens der Investoren, das Lokal zu schließen und die hübsche Einrichtung (insbesondere Herd, Tresen etc.) in ein größeres leerstehendes Lokal zu verfrachten, das dann, wieder im Niedrigpreissegment, dank mehr Tischen einen größeren Gewinn einfahren könne. Eine zweite und dritte Filiale sollten dann später folgen. Allerdings trat Shaowu zu diesen Plänen in starke Opposition und bestand auf den Erhalt ihres Schimpf- bzw. Arbeitsplatzes, so dass anfangs noch die folgenden Szenarien diskutiert worden waren:

a) Shaowu bleibt Chefin der Filiale 1 wie gehabt und Filliale 2 wird mit neuer Geschäftsführerin eröffnet.
Shaowu erklärte hierzu, an künftigen Filialen nicht beteiligt werden zu wollen.

b) Shaowu betreibt Filiale 1 als reine "Soßenfabrik" und liefert die verbesserte Nudelsoße an die künftigen Filialen.
"Shaowu seien dagegen sähr."

Shaowu trat nun in eine Art renitente Totalopposition, verweigerte im Wesentlichen jedwede Arbeit, weigerte sich, eine Nachfolgerin einzuarbeiten und erschien höchstens noch zum Stunk machen im Lokal. Trotz nicht mehr geleisteter Arbeit beschwerte sie sich ständig über Überarbeitung, was in der telefonischen Drohung an meine Frau gipfelte....

"Wenn ich durch einen Herzinfarkt wegen dem Stress sterbe,  schwebe ich als Geist nachts bei deinem Mann und dir unter der Schlafzimmerdecke und raube euch den Schlaf!"

Das war die lustigste Drohung, die ich je gehört habe in meinem Leben, allerdings war Shaowu nicht hübsch genug, um sie mir jeden Abend unter der Schlafzimmerdecke ansehen zu wollen. Ergo entschied meine Frau nun, dass es an der Zeit war, dass ShaoRumschimpf nun das Lokal allein übernahm. Schlagartig verbesserte sich ihre Stimmung, nach langen zähen Verhandlungen zahlte sie die anderen Parteien aus und die anderen drei Parteien inklusive meiner eigenen gingen sogar mit leichtem Plus aus der ganzen Geschichte raus. 100.000 NT hatte wohl jeder im Lokal, was aber teilweise noch auf der Bank auf einem Geschäftskonto war.

Shaowus Stimmung blieb aber nicht lange gut. Bar jeder Kostenrechnung und Zutatenabwiegung ging der Gewinn langsam aber stetig gegen Null, so dass am Ende nur noch 4000 NT an "Geschäftsführergehalt" nach Begleichung aller sonstigen Kosten drin waren. Die erforderlichen Marketingmaßnahmen, um durch ein verbilligtes Tagesgericht etc. die durch die Preiserhöhung verlorenen Kunden wieder zurück zu gewinnen wurden natürlich nicht mehr umgesetzt - weil Frau und ich mit dem Lokal nichts mehr zu tun hatten. Shaowu bat dann sogar meine Frau wieder, das Obermanagement zu übernehmen. Das lehnten wir aber ab und am Ende verkaufte das Betreiberpaar das Lokal mit etwa 60.000 NT Verlust. Es existiert wohl noch heute mit neuen Betreibern, die sicher lecker Essen haben (ich war freilich nie wieder dort).

Schlecht war das Essen nie, ab dem Gemüseputzen, also gehen Sie doch mal Essen in Ludigels ehemaligem Ristaurante ;-)

Für Interessierte: Wir hatten damals 200.000 NT Abstand inklusive 2 Monate Anlernkurs für das gemietete Lokal gezahlt, die Miete lag wohl bei 20.000 NT monatlich, wenn ich mich recht erinnere. Also auf, jetzt wissen Sie wie es (nicht) geht, mit dem eigenen Ristaurante in Taipei.

Die Schwester meiner Frau hatte nun in der Zwischenzeit eine erfolgreiche Gastronomiekette in Manila auf den Philippinen betrieben und so soll der "Familienbetrieb" dort  (freilich nicht als Italiener) demnächst in eine neue Phase gehen. Warten wir es ab.


Dienstag, November 04, 2014

Lucy (2014), der große Film über Taiwan

oder was hollywoodisiertes französisches Kino dafür hält

Als der Film "Lucy" noch  gedreht wurde und sich die Filmcrew über Taiwans wilde Journalisten beschwerte, die beim Dreh in Taipei die Fahrzeuge des Filmteams mittels noch wilderer Taxifahrer verfolgten, da waren meine Erwartungen sicher niedrig genug. Nicht wegen der Taxigeschichte, sondern weil Hollywood (auch wenn es hier Frankreich in einem mit Morgan Freeman hollywoodisierten Streifen ist) nicht gerade den Ruf hat, mit Fakten besonders sorgsam umzugehen. Trotzdem hat der Film das deutsche Prädikat "besonders wertvoll" erhalten und muss also gut sein.

Was können wir, wenn wir wie viele Zuschauer das tun werden, den Film einfach mal verallgemeinern, von "Lucy" lernen? Im Wesentlichen spoilerfrei die Aufzählung, von kleineren Randfakten abgesehen. Der Spoilerteil ist unten gekennzeichnet.

 Sehen Sie hier eine "koreanische Drogenproduktionsanlage mit riesiger Zentrifuge" mitten in Taipei? Dann sollten Sie sich den Film "Lucy" unbedingt ansehen!


1.) Taipei, wo der Film anfangs spielt,. ist so eine Art Antithese zum beschaulichen Leben des Urmenschen und dem Geschenk der Schöpfung, wo hektische Leute auf engstem Raum einen hektischen Alltag aus Turbofresserei und Herumrasen mit dem Moped und Toyota leben. Hier schüttelt der Taiwan-Neuling mit seinem glorifizierten Taiwanbild den Kopf und der langjährige Taiwanexpat nickt heftig. Doch mit dieser Initialeinstellung des Films ist der wertvolle lehrreiche Teil des Films auch schon vorbei.
Faktencheck: Taiwan ist natürlich auch ein gastfreundliches sicheres Land, aber OK, ein Film will ja seine Geschichte erzählen und ist nicht mit dem "Lonely Planet"-Reiseführer identisch.

2.) Taiwan ist als asiatisches Land natürlich eine Drogenexportnation, denn im Film will der Drogenboss ja mittels Englischlehrern (eine solche soll die Hauptdarstellerin sein***) Drogen aus Taiwan in den reichen Westen RAUS transportieren. Klar, asiatische Länder sind immer irgendwelche Drogenhöllen und so sicher auch Taiwan, suggeriert der Film.
Faktencheck: Taiwan hat wegen Insellage und strenger Kontrolle wenig Drogen auf dem heimischen Markt, deswegen hohe Binnenpreise. Und immer wieder werden Ausländer, häufig in finanzielle Schwierigkeiten geratene deutsche Residente in Thailand, als Drogenkuriere angeworben um über Bangkok Heroin nach Taiwan REIN und nicht etwa raus zu bringen. Taiwan ist keine Drogenexportnation sondern das Gegenteil.

3.) Taiwan hat offenbar mächtige koreanische Gangster im Lande, die hier in Taipei eine große Nummer sind und die, obwohl nur koreanisch sprechend, keine Probleme haben mit den lokalen taiwanischen Gangstern zu reden, die nur chinesisch sprechen.
Faktencheck: Taiwanische oder auch (VR-)chinesische Gangster gibt es sicherlich in Taipei, Südkorea ist ein ganz anderes Spielfeld, das mit Taiwan nichts zu tun hat. Aber vermutlich verfuhr man hier nach dem Prinzip "Asien ist Asien". Ein Wunder, dass die Koreaner nicht noch "banzai" schreien. Der Zuschauer wird es meist nicht merken, sondern sieht nur irgendeine asiatische Stadt mit irgendwelchen asiatischen Gangstern. Passt doch.

4.) Taiwans Expats sind junge Englischlehrer, wo die Frauen heiße Feger und die Kerle alles Drogenwracks mit fauligen Zähnen etc. sind.
Faktencheck: Ein Teil der Englischlehrerszene nimmt gerne weiche Drogen.

5.) Taiwans Wirtschaft kann nur kopieren. Da gibt es einen längeren Dialog zu und der Cowboyhut eines Englischlehrers wird als Beweis vorgezeigt. "Made in Taiwan".
Faktencheck: Taiwan ist ein Hochtechnologieland, das unter anderem die meisten Computer der Erde als "Ingenieurbüro" entwickelt - in Zusammenarbeit mit Ingenieuren aus den USA oder Japan und manchmal auch Deutschland, je nach Projekt. Die alte Billigindustrie Taiwans ist seit den 90ern spätestens passe und die Produktfälschungen, die in Taiwan in der Tat selbstverständlicher sind als im "Westen", sind fast immer aus der VR-China eingeschleust/importiert.

Im Folgenden wird dann unsere Drogenkurierin "Lucy" Dank der neuen Superdroge zu einer Art Superheldin und geht auf einen mäßig sehenswerten Rachefeldzug, was Standard-Hollywoodkino ist. Sowie der Film Taipei verlassen hatte, fand ich ihn etwa in Paris oder sonstwo spielend deutlich besser, weil das falsche Taiwanbild damit gnädig in den Hintergrund trat.

Spoiler-Anfang: Achtung!
Bizarre Szene: wie ein Taxifahrer von unserer Heldin grundlos erschossen wird, als er die Frage "Do you speak English?" verneint. Andererseits sind die Taxifahrer Taipeis wirklich ein Kraut für sich, so dass ich hier amüsiert gegluckst habe. Und sprechen eigentlich nie Englisch.
Bizarr: Lucy läuft mit der langstieligen Waffe in der Hand durch ein geschäftiges Krankenhaus in Taipei und keiner wundert sich drüber. Aber klar, asiatische Drogenländer haben sicher an jeder Straßenecke Waffen... ;-)
Die Droge im Film ist synthetisch.In der Tat werden in Taipei viele synthetische Drogen produziert, weil wegen strenger Kontrollen andere schlecht herein kommen. Allerdings für den Binnenmarkt. Das Geschäftsmodell des Drogenlords im Film, unter anderen französische und deutsche Expats per Bauchaufschneiden und der Drohung ihre Familie umzubringen als Drogenexporteure zu verwenden fand ich wenig zukunfsfähig: Es gibt schlichtweg zu wenige Deutsche und Franzosen hier. Und mal ehrlich gesagt, ist die Perspektive am Ende bei Ankunft in "Berlin" den Bauch aufgeschnitten zu bekommen und in der Hintergasse entsorgt zu werden von skrupellosen Drogendealern so verlockend, dass man die Drogen wirklich ins Land bringt, statt sich sofort an die Polizei zu wenden?
Spoiler-Ende



Den Film zu sehen war ein klinisch-interessantes Erlebnis für mich, so als würde man einen Film über Deutschland gucken, den der Garküchenbesitzer hier in Taipei an der Ecke gedreht hätte. Da wäre es dann lustig zu sehen, wie wir Deutschen etwa alle Englisch sprechen und ständig Cola saufen und Burger essen. Auf dem Niveau ist jedenfalls das Taiwanbild von "Lucy".

Dennoch gilt: Wer Taiwan und insbesondere Taipei nicht kennt, für den ist der Streifen einfach ein mittelmäßiger und recht unterhaltsamer Action-Scifi-Streifen. Für Taiwanresidente sicher ein bisschen eine Qual.

Ach so, habe sogar meine Wohnungsstür im Film wiedererkannt. Oder jedenfalls genau so ein dunkelrotes Blechding mit Gittern im oberen Teil und einem traditionell-chinesischen Dekoschild vorne dran gepappt. Im Film ist sie in einem finsteren Ganster-Kerker zu sehen. Ich hingegen schließe sowas jeden Morgen ab und jeden Abend auf...


Fakten-Link:
Dieses Blog dient öfter mal als Anlaufstelle für Angehörige von Drogenkurieren, die Drogen nach Taipei herein bringen sollten. Hier der letzte Link dazu, für alle, die die Realität der Drogenkuriere (ganz ohne Superheldentum) interessiert: http://osttellerrand.blogspot.tw/2013/05/deutsche-im-gefangnis-in-taiwan-2013.html  oder auch hier:  http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/04/festgenommen-wegen-drogenschmuggels-was.html
Hinter diesen Aktionen soll die Hong-Kong-Mafia stecken. Aber deswegen ist der Bösewicht im Film wohl auch Koreaner. Damit der Streifen in China gezeigt werden kann...

WITZIG.  Taiwanische Taxifahrer bitten Lucy um Gnade in dieser Youtube-Aktion: https://www.youtube.com/watch?v=YGsq1VENKIM
Gestern habe ich auch sogleich das erste Taxi meines Lebens gesehen, an dem ENGLISH TAXI dran stand. Der Film hat gesessen!


Resümee meines Sohnes (3) am Schluss des Films:
"Affe kaputt".
Da schließe ich mich an.


*** offenbar doch Studentin

Donnerstag, Oktober 23, 2014

Philippinen oder Taiwan

Wat is denn nu besser?

Der Vergleich von Taiwan und den Philippinen ist sicher so sinnvoll wie ein Vergleich von Äpfeln und Birnen und erinnert mich an die Frage "Was ist besser, ein Diesel oder ein Automatik?", die in den 90er-Jahren an einem hannöverschen Feuerwehrstammtisch gefallen sein soll. Beide Länder sind völlig unterschiedlich und was man bevorzugt, wird an der eigenen Motivation liegen. Etwa wird ein Sextourist die Philippinen aus allerlei Gründen bevorzugen und wäre in Taiwan allein und verloren (nett, sich das bildlich vorzustellen). Jemand, der als Arbeitnehmer eine interessante Auslandstätigkeit sucht, hätte hingegen in Taiwan Chancen einen Job zu finden, auf den Philippinen hingegen keine.

Daher schreibe ich es für mich und daher rein aus meinem Blickwinkel auf, die Liste mag für den geneigten Leser völlig anders ausfallen.

Wichtig: Ich vergleiche mein Lebensumfeld in Taipei (TPE) mit dem angestrebten in Manila (MAN)

"Ja watt denn nu?"

PLUS-Taipei bzw. Taiwan (TWN)

TWN: Sehr sichere Straßen/man kann überall hin
TWN: Mittelprächtige äußere Sicherheitslage (ziemlich sicher, solange die KMT regiert)
TWN: Starke, wenn auch stagnierende Wirtschaft
TPE: Jobs in der Computerindustrie (und für mich eben relativ zu den Lebenshaltungskosten ein gut bezahlter)
TPE/TWN: Chaotischer, aber einigermaßen beherrschbarer Verkehr (das ist nicht wirklich ein Plus)

Sichere nächtliche Straßen in Taipei-NeiHu

MINUS-Taipei bzw. Taiwan

TPE: Immer noch siffige Umgebung zwischen schicken Neubauten
TPE: Immer noch recht viel Smogluft durch PKWs und Mopeds
TPE: Überfülltes Raumgefühl: Ständig Moped oder Ping Chens Hüfte unmittelbar am Körper
TWN: Totale Überdosis meinerseits nach 10+ Jahren
TWN: Mein Nichttalent für Mandarin und die Tatsache, dass man nur mit Englisch oft nicht weiter kommt

Taipei kann auch noch etwas slummig: Blick aus Ludigels Hinterfenster auf den verrottenden Essensmüll (inklusive Getränkedosen und -tüten) eines Nachbarn, der den selbigen einfach aus dem Fenster wirft


PLUS-Manila bzw. Philippinen (PHI)

MAN: Europäisches Raumgefühl in guten Vierteln / Gated Communities
MAN: Europäische oder mittelprächtige Sauberkeit in guten Vierteln / Gated Communities)
PHI: Stark expandierende Wirtschaft mit Investitionsmöglichkeiten
PHI: Billige Haushaltshilfe 24/7 und Fahrer, daher vmtl. mehr Freizeit
PHI: Billige Miete, relativ billiger Kaufpreis für Apartments (Kondos)
PHI: Businessseitig billige Arbeitskräfte
MAN: Deutsche Schule Manila viel günstiger als die in Taipei

Taal-See auf der Hauptinsel Luzon

MINUS-Manila bzw. Philippinen

PHI: "Gerade ausreichende" nationale Sicherheitslage mit islamistischer Bedrohung
PHI: Gefahr von Überfällen/Entführung außerhalb Sicherheitszonen
PHI: Islamistische Terrorgefahr mit Entführungen im Südwesten des Inselstaates (ausweitend?)
PHI: Fahrer erforderlich
PHI: Islamische Bevölkerungsschicht als Nährboden für islamistischen Terror
PHI: Breite verarmte Unterklasse als potentielle Destablisierung
PHI: Depri-Effekt durch den Kontrast der Wohlstandsburgen vs. Slums

Mittwoch, Oktober 22, 2014

Megaputzfrau

Die neue Putzfrau bei Ludigel

Viele Leute haben ja Dienstmädchen hier in Taiwan, die oft aus den Philippinen kommen und bei ihren taiwanischen "Dienstherren" leben. Ich habe das selbst erlebt, als ich 2004 nach Taipei kam hatte Schwiegermutter ein Dienstmädchen, das über 15 Stunden am Tag gearbeitet hat und besonders wenig Geld erhielt. Per mittlerweile geändertem Gesetz erhielt damals der taiwanische Staat 60% von dem Gehalt, das die Familie meiner Frau für sie monatlich bezahlen musste. Oder jedenfalls bekamen Staat und Vermittler mehr als die Putzfrau.

Der Job der Frau war blanker Horror, den schwerkranken Vater der Familie pflegen und in dem stark nach Krankheit riechenden kleinen Zimmer nachts auf dem Boden schlafen mit dünnem Laken und alle 30 Minuten vom Wecker geweckt werden, um dem alten Herrn die Atemwege frei zu saugen. Die Hölle auf Erden.

Ihre Ablösung hielt es nur wenige Wochen aus, mir ist so eine wirre Szene im Gedächtnis, bei der meine Schwiegermutter mit dem Finger auf imaginäre Flecken auf der Tischplatte zeigt, wütend Luft aus den Nasenflügen ablässt und die arme junge Philippina dann genau dort wischen muss - unter großem Wehklagen. "Cola wollte sie jeden Tag haben" im reichen Taiwan laut meiner Frau, bekam aber nur forsche Kommandos und abgekochtes Wasser und wenig Geld, das konnte nicht gut gehen.  

Auch meine Frau überlegte die Tage, eine "Live-In"-Haushaltshilfe aus den Philippinen einzustellen, was mir jedoch Magengeschwüre verursacht. Wir kamen dann überein, erstmal unsere bisherige taiwanische Putzfrau auszutauschen, die immer weniger putzt und immer mehr Geld verlangt.

Es kam also eine angeworbene junge Frau aus den Philippinen, die offenbar ihren freien Sonntag nutzt, um gegen Bezahlung bei uns die Wohnung zu putzen. Die Endzwanziger-Frau spricht perfekt Englisch und ist so charmant, dass ich es nach langer Zeit genossen habe, mal wieder ein längeres Gespräch zu führen, das nicht dem Schema der Taiwani-Ausländer-Kommunikation folgt, das mir nun über 10 Jahre lang immer wieder gleiche Gespräche beschert hat.

"Where are you from Do you like Taiwan Where do you live Are you Englisch teacher Do you like our food Yes You Do And our beautiful temples and the food. All foreigner like the food and the temples. Hihihi And the beautiful women and the friendly people. Only traffic not so good. Good bye Can you teach my son English?"*

Hier hingegen eine richtige Kommunikation, es schien ein wesentlich größerer kultureller gemeinsamer Zeichenvorrat zwischen mir und ihr vorzuliegen als es bei Taiwanern der Fall ist.

Die junge Frau wäre auch bereit sich als Live-In-Maid anwerben zu lassen. Mit einer so charmanten jungen Frau und meiner eigenen auf engstem Raum zusammen zu leben, hat sicher etwas sehr verwirrendes an sich und findet Gott sei Dank nicht statt.

Ein Jammer übrigens, das Phillipiner nicht als Englischlehrer in Taiwan arbeiten dürfen, trotz i.d.R. sehr guter Englischkenntnisse. Taiwaner sehen philippinische Bürger nur als niedere Arbeitskräfte - leider.


* Bessere Kommunikation ginge sicher auf Mandarin, ich weiß ich weiß.

Dienstag, Oktober 21, 2014

Breil Milano Unikat

Eine Uhr zu "customizen" ist die nächste Stufe des Uhrenticks, mit der neuen Breil Milano bin ich dem nun nah gekommen

Bereits vorgestellt, die alte italienische Breil, hergestellt in der Schweiz mit einem schönen ETA Valjoux 7750 Automatik-Chronographenwerk:
http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/ich-breil-mich-und-liefere-ein-neues.html
Die Breil Milano BW0474 erreichte mich aus dem fernen Albanien binnen weniger Tage hier in Taiwan und war an einem nach Tabak und fremdem Aftershave riechenden ziemlich ramponiertem Krokoarmband ausgestattet.

Wie nun ein neues finden? Die BW0474 war zumindest Uhrenarmbandhändlern in England und Holland nicht bekannt. Lange brütete ich also über Internetfotos von anderen Breil Milano - Modellen und mir fiel das Ralleymodell BW0423 ins Auge, eine Quarz, die ganz in Schwarz und Rot gehalten war und ein reifenartiges Kautschukarmband mit langen Stahl-Sportstreifen hatte. Wie würde das wohl an meiner Breil BM0474 aussehen, die ja in Rotgold und Stahl mit bronzebraunem Zifferblatt schon so nicht gerade unauffällig war?



Die Antwort ist hier. Eine sehr auffällige Uhr, die ich aber gerne zu unauffälliger Bürokleidung als Kontrastprogramm trage. Hier ist die 46.5mm-Breil (Durchmesser ohne Krone) zusammen mit meiner 48mm-Tissot Seastar 1000 Chronograph abgelichtet. Beides sind sicher dicke Böller, das gebe ich gerne zu.

"Meine Breil" ist also damit ein Unikat geworden.


Alt, aber unbescheiden im Auftritt.

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Am Arm ergibt sich so ein Steampunk-artiger Effekt, irgendwie retro aber ganz eigenartig, als ob Stahldornen aus dem Uhrenkörper schießen und sich um das Handgelenk legen...

Mehr Uhrenwahnsinn: http://osttellerrand.blogspot.tw/2014/09/scharfe-chinesin-aus-der-rehab-entlassen.html

Freitag, Oktober 17, 2014

Mit der Mttelklasse von Manila in die Highlands...

Deutsche denken bei Taiwan an Thailand und an Prostitution und Bambushütten. Und bei den Philippinen an Inseln mit bewaffneten Moslems auf Schnellboten dazwischen, ging mir ja bis vor meiner Reise letzte Woche auch nicht anders.

Gut, das mit dem dortigen Islam und seiner Kontaktfreudigkeit Weißen gegenüber (Kidnapping) erstreckt sich nur auf den Südwesten der Philippinen, das Gebiet nahe Malaysias. Das war mir im Vorfeld per Recherche klar geworden. Ich hatte aber auch angenommen, dass wir einen Ausflug auf Inselchen machen, schließlich sind die Philippinen für Strand und Inseln berühmt. Ansonsten würde der Urlaub fast ein Arbeitsbesuch werden, sollten Frau und ich doch einen Crashkurs in Sachen Einwanderung und Unternehmensgründung dort erhalten - von der Schwester meiner Frau und ihrem Mann, die dort leben.

Letzter Bericht siehe hier: http://osttellerrand.blogspot.de/2014/10/philippinen-die-ankunft.html. Automatisch hatte ich mir zur Reise gleich einen (auch automatischen) Diver am maritimen Kautschukband umgeschnallt, meine "Deep Pepsi" von Orient. Die bekam dann viele Restaurants und Shopping Malls zu sehen, der Unternehmerei-Möglichkeiten halber.


Also einfach rein ins Auto und nix wie weg aus dem teuren Viertel in Manila, wo laufend neue "Condo-Komplexe" gebaut werden, deren Aparments für noch verblüffend wenig Geld derzeit reiche Ausländer und vermögende Einheimische kaufen zwecks "Live Big in New Manila", wie ein Werbeschild versprach.

Die bauen und bauen, Shoppingmalls und Condos überall und neue Villenviertel für die Reichen. Obwohl ja nur alles Palmen, Müll, Islamisten und Sextourismus ist, wie der Deutsche weiß.

Direkt neben einer futuristischen Shopping Mall (links noch im Bild) liegen direkt slumartige Schlichhäuser.

Doch unser Toyota verlässt jetzt die "Bonifacio Global City" in Metro Manila auf der philippinischen Hauptinsel Luzon im Norden Richtung Highlands, auch auf der selben Insel gelegen.

Viel interessantes fliegt am Fenster des Toyotas vorbei, Lokalkolorit aus Vierteln, wie ihn allerdings der Familienzweig meiner Frau dort meidet wie der Taiwaner das Salzfass.

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Was würde man eigentlich tun, wenn man nächtens neben einem nicht so guten Viertel eine Autopanne hätte? "Seine Freigiebigkeit trainieren" lautet wohl die Antwort.

Zu vermieten. Mir wurde klar, dass wir in den Mittelstandsenklaven dort irgendwo an den wahren Philippinen vorbei leben würden, wenn wir denn dort leben würden...

Immer wieder fallen die bunten reich verzierten Busse ins Auge, die oft auf einem Jeep-ähnlichen Fahrzeug basieren, das bis zur Unkenntlichkeit Anbauten erhalten hat.

Mein Schwager bemerkte, man solle sich dort unauffällig kleiden und keine teuren Sachen am Körper tragen. Da musste ich irgendwie an meine neue italienische Designeruhr in Rosegold, Stahl und Bronze denken, die ich gerade mit einem schwarzen Armband mit silbernen Sportstreifen versehen habe und die so groß ist wie ein Kreisel in einem philippinischen Schlichtwohnviertel. Nachdenklich fiel mein Blick auf die Casio meines Schwagers.

Kirchen haben oft noch spanische Namen, obwohl nur noch 10% der Philippinos Spanisch sprechen. "Iglesia con los servicios grandes" ist das hier aber nicht, denn das müsste "Kirche mit den großen Toiletten" heißen wenn mich mein Restspanisch nicht trügt.

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Eine Schule draußen auf dem Land.

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Wer ist dieser vertrauenswürdige Herr, der in Gold ganz bescheiden auf einem Kreisel podestiert in der Provinz steht? Sicher ein sehr vertrauenswürdiger Politiker, kein Zweifel.

Weiter...

Und wir steuerten ein hübsches Restaurant mit überfülltem Parkplatz an.

Hier ein Jeep oder Jeep-Äquivalent gut verziert...

... und freuten und auf das original philippinische Essen.

Die Gäste hatten einen atemberaubenden Blick auf den Taal-Vulkan, der drunten im Tale in der Mitte eines Sees lag. Auf der Vulkaninsel links im Bild gibt es sogar Dörfer - nur mit dem Boot zu erreichen.

Hier sah man viele alte Villen und manchmal sogar Brettenbudengarküchen mit atemberaubendem Blick auf den Vulkansee (hier das Restaurant), doch der Bauboom macht auch hier nicht halt, wie man links sieht.


In dem hübschen Restaurant ließ sich später ganz rechts auch ein Paar beim Knutschen ablichten von dem professionell ausgestatteten Fotografenteam des Lokals. Der Beleuchtungsmensch hatte ein schwarzes T-Shirt an mit einem grauen Feld, das mit "18% gray" beschriftet war und mir ein wissendes Grinsen entlockte. Will sagen, mit dem Normgraufeld diente er dem Fotografen als Belichtungsabgleich.



Ich habe sogar das Essen vertragen, in guten Restaurants geht das in den Philippinen. Das Essen ist übrigens im vorherigen Artikel zu sehen und beschrieben. Lateinamerikanisch, mit Schweinshaxe (die spanisch sein soll) und asienartigen Nudeln.


Anschließend ging es zu einem Parkplatz, wo uns gleich fünf fast schon aggressiv wirkende junge Männer einwinkten und uns aufforderten auf bereit stehenden Pferden im Kreise zu reiten - was Junior auch mit Muttern begeistert tat. Oder man sollte besser gleich die Bootstour auf die Vulkaninsel buchen. Schilder wiesen später darauf hin, dass es vorboten sei, hier für Pferdereiten oder Bootstouren zu werben.


Wie üblich in Dritte-Welt-Ländern waren viele Kinder und Jugendliche hier. Aber um zu arbeiten als Pferdebetreuer und nicht um zu reiten.

Hier konnte man Grillen in bereitstehenden Hütten oder wie wir durch die Landschaft wandern.

An den Seilen konnte man sich gegen Gebühr durch die Schlucht gleiten lassen, rechts sieht man eine Station.

Sicher hat der philippnische TÜV alles regelmäßig überprüft, da habe ich keinen Dreifel dran.

Eine junge Frau ließ sich mutig durch die Gegend schubbern...

...

Mein dortiger Neffe und meine Frau waren dann später auch noch dran, aber in der sitzenden Variante. Nur als ich es fotografieren wollte, flog mir wieder der Spiegel aus der DSLR von Sony, grauslich. Nur ein einziges Bild habe ich vom Flug meiner Frau als ich den Spiegel von Hand wieder einsetzte und daher genau ein Foto machen konnte, bis es dunkel wurde.

Zusammengefasst denke ich, habe die Philippinen vieles zu bieten. Es gibt Armut, Mittelklasse, Oberklasse, entsprechende Umgebungen, einen Bau- und Wirtschaftsboom, Slums, schicke Apartmentbauten, Expat-Opas mit viel zu junger Frau, ebenso egalitäre Paare gleichen Alters.

Und Schlangen auf der Parkbank, die gar nicht aus Plastik sind, wie ich erst dachte. War aber in einem Tierhaus Marke Tierpark.

Keine Schildkröte, sondern eine Alligatorschädeldecke nebst Alligator dran befestigt. Ob die dünne Glasgescheibe gehalten hätte, wenn das Viech mir das Foto übel genommen hätte? Aber der Spiegel war ja wieder festgeklebt an der Kamera.

Hier bekam ich auch meinen ersten Kuss von einem (natürlich weiblichen) Orang-Utan. Sie wissen schon, eine dieser Sachen wo man sich in Begleitung des Pflegers neben ein Tier setzt des Fotos halber. Nicht so mein Ding, weil Tiere keine Deko sind. Zu meiner Verblüffung knuddelte mich dann die Orangutandame herzlich. War dann doch ein verblüffendes Erlebnis, so nah war ich noch keinem hohen Primaten gekommen (Vertreter des Homo Sapiens Sapiens ausgenommen) und der "Urwaldmensch" (was die Bedeutung des wohl indonesischen Wortes Orang Utan ist) kam mir doch verblüffend menschlich vor. Aber das ist ein anderes Thema.


Mittwoch, Oktober 15, 2014

Ach ja, Taiwans Essen ist mal wieder toxisch

Positiv: Das Essen in Taiwan wird durch eine Food-And-Drug-Administration (FDA) überwacht.
Negativ: Sie finden andauernd etwas dramatisches in Speis und Trank 

 Als ich im Jahre 2004 hierher kam ging das Phänomen los, dass ich ständig auf das WC musste, sowie ich taiwanischen Boden betrat - nur im Deutschlandurlaub ging das Problem schlagartig weg. Kam zurück, sowie ich in Taiwan landete. Nur die kleinere Verrichtung, räusper. Und stark juckenden Ausschlag unter dem Kopfhaar und auf dem Rücken hatte ich. Das hörte es vor kurzem auf, als diese FDA Flüssigkunststoff in falschem Palmöl gefunden hat, das in so ziemlich jedem Nahrungsmittel hier zu finden war. Zwischendurch hatte ich dann mal wieder stark allergischen Ausschlag am Kopf, die Ohren diesmal, da war mal wieder toxisches in der Milch.

Jetzt ist aktuell ein Öl, das für Industrie und Tierproduktion vorgesehen ist, überall im Essen. Wieder mal hat ein monopolistischer Öllieferant billigeres Öl, das nicht für den Humanverzehr vorgesehen ist, als für menschlichen Konsum gedachtes an drei viertel der Industrie in Taiwan weiterverkauft. Fast alle Nahrungsmittel enthalten einen ganzen Medikamentencocktail, den man wohl sonst Zuchttieren gibt. Darunter sind Antibiotika, Östrogen, Verhütungsmittel und Antidrepressiva und natürlich der Klassiker Flüssigkunststoff. Weswegen ich auch schon wieder... never mind.


http://www.taipeitimes.com/News/front/archives/2014/10/15/2003602097

Guten Appetit in Taiwan. Trotzdem ging es mir magenmäßig auf meiner kürzlichen Philippinenreise (Artikel jetzt bebildert!) noch schlechter. Entzugserscheinungen?